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3. Öffentliche Wahrnehmung ethischer und feministischer Pornografie in:

Ribana Schmidt

Feministische und ethische Pornografie, page 65 - 88

Revolution einer Branche oder Randerscheinung?

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4309-7, ISBN online: 978-3-8288-7243-1, https://doi.org/10.5771/9783828872431-65

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
65 3. Öffentliche Wahrnehmung ethischer und feministischer Pornografie 3.1 Einleitung Die vorliegende Studie wurde durchgeführt, um herausarbeiten zu können, inwieweit die Gesellschaft über das alternative Genre der ethischen bzw. feministischen Pornografie informiert ist und welche Vorstellungen oder eventuellen Vorurteile bestehen. Zur Untersuchung der Fragestellung wurde eine explorative, quantitative Onlinebefragung als Untersuchungsmethode ausgewählt. Um darüber hinaus eine umfassende Zusammenfassung und einen Ausblick für die Zukunft gewährleisten zu können, wurden ergänzend ausgewählte Expert*innen aus der Pornoindustrie hinsichtlich ihrer Einschätzung der Situation in der Industrie und ihrer Einschätzung der Zukunft befragt. In den vorrangegangenen Kapiteln wurde die Geschichte der Pornografie sowie die ihres feministischen Subgenres skizziert und bis zum heutigen Status Quo der Online-Pornografie aufgezeigt. Da das Internet heute voller pornografischen Materials ist und es kaum Möglichkeiten gibt, den Konsum anhand von statistischen Datensätzen zu kontrollieren bzw. zu analysieren, stieß diese Arbeit, besonders im Hinblick auf die feministische- und ethische Fragestellung, schnell an die Grenzen der wissenschaftlichen Aufzeichnungen. Datensätze wie der jährlich von Pornhub.com veröffentliche Jahresrückblick „Pornhub Insights“ vermitteln zwar einen ausführlichen Überblick über die präferierten Kategorien ihrer Kunden und Veränderungen zum Vorjahr, sparen allerdings den Bereich der Erwartungen und Einschätzungen ihrer Konsument*innen aus. Aufgrund dessen wurde die Notwendigkeit herausgestellt, die bisher ungeklärten Frage nach der öffentlichen Meinung zu feministischer bzw. ethischer Pornografie in Form einer explorativen, quantitativen Onlinebefragung zu untersuchen. Nach eigener Einschätzung bestehen in großen Teilen der Gesellschaft aufgrund von Fehlinformationen und falschen Assoziationen stereotypische Annahmen über feministische Pornografie. Als eine mögliche Beeinflussung zu Vorurteilen und Desinteresse werden hier die in der Öffentlichkeit breit diskutierten 243 Siehe https://www.pornhub.com/insights/ 66 Meinungsverschiedenheiten und Kämpfe um PorNo oder PorYes angeführt. Da feministische Pornografie beispielsweise in den USA eher auch unter dem Label „Ethical Porn“ bekannt ist, bemüht sich die Studie um ein Herausfiltern der Vorurteile der beiden Label-Namen, um somit ein Fazit und einen Ausblick auf die Chancen dieser noch recht subkulturellen Pornolandschaft formulieren zu können. 3.1.1 Inhaltliche Fragestellung Den Schwerpunkt der explorativen Onlinebefragung bildet der deskriptive Teil der Studie, dem folgende Leitfrage zugrunde liegt: „Inwieweit stimmt das gesellschaftliche Bild feministischer und ethischer Pornografie mit den Selbstbildern der beiden Labels überein und wo liegen deren Chancen auf dem Markt?“ Die in dieser Studie postulierte Haupthypothese folgt der Annahme, dass das gesellschaftliche Bild feministischer Pornografie nur wenig mit den Selbstbeschreibungen der Labels übereinstimmt. So wird vermutet, dass „feministische Pornografie“ eher mit „Pornografie für Frauen“ assoziiert wird. Im Vergleich dazu wird angenommen, dass die Assoziationen und Erwartungen an das Label der „Ethischen Pornografie“ bei den Befragten höhere Übereinstimmungen mit den Selbstbeschreibungen der beiden Labels aufweisen. Zum Ausdifferenzieren dieser Forschungsfrage wurden die in Kapitel 2.2: „PorYes!“ aufgeführten Kriterien für feministische/ethische Pornofilme herangezogen und mit den Meinungen der Probanden verglichen. Hierfür wurde zunächst mittels offener Fragekategorie nach den Assoziationen mit feministischer bzw. ethischer, fairer oder nachhaltiger Pornografie gefragt, um eine Vorbeeinflussung seitens des Versuchsleiters auszuschließen (z. B. „Was verbindest du mit feministischer Pornografie?“; „Was verbindest du mit ethischer, fairer oder nachhaltiger Pornografie?“). In einem nächsten Schritt wurden die Kriterien von PorYes und Ethical Porn als geschlossene Antwortmöglichkeiten, neben weiteren Antwortmöglichkeiten, die stereotype Annahmen über die Labels bedienen, auf dieselben Fragen eingepflegt. Ergänzend zur Haupthypothese, sollen daneben einige weiterführende Hypothesen bearbeitet und erforscht werden: Hypothese A: Wie die Studie gezeigt hat, ist Pornografie im Privaten ein omnipräsentes Thema bei den Konsumet*innen, da sehr viele von ihnen mehrmals in der Woche konsumieren. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass sie in Freundschaften und Beziehungen oft tabuisiert oder nur wenig besprochen wird. 67 Hypothese B: Es wird davon ausgegangen, dass die Erwartungen der Konsument*innen an einen „guten Porno“ zu großen Teilen mit den Kriterien feministischer und ethischer Pornografie übereinstimmen. Hypothese C: Trotz der größeren Bekanntheit des Labels „feministische Pornografie“ ist wird diese eher mit „Pornografie für Frauen“ assoziiert, wohingegen „ethische Pornografie“ eher mit den Selbstbeschreibungen beider Label übereinstimmt. Hypothese D: Derzeit zahlen nur sehr wenige Menschen für pornografisches Material. Innerhalb der Untersuchung wuchs das Interesse dahingehend, herauszuarbeiten, welche Konsumenten für fair produzierte Pornografie zahlen würden. Ausgehend von der Bereitschaft von vegan/vegetarisch lebenden Menschen, für fair produzierte Lebensmittel mehr zu bezahlen, wird postuliert, dass nur wenige Menschen für Pornografie bezahlen. Allerdings sind vegan/vegetarisch lebende bzw. an einem nachhaltigen Lebensstil interessierte Menschen eher bereit, für fair produzierte Pornografie zu bezahlen. 3.1.2 Versuchsplan Die deskriptive Onlinebefragung wurde im Zeitraum vom 5. Januar 2018 bis zum 22. Januar 2018 durchgeführt. Die Umfrage wurde dabei aus Ja/Nein/Vielleicht-Fragen, geschlossenen Fragen, offenen Fragen und Fragen mit vorgeschriebenen Kategorien aufgebaut. Der Fragebogen bestand aus insgesamt 32 Fragen. Es wurden neben Fragen nach den demographischen Daten, dem allgemeinen Pornokonsumverhalten und der Bereitschaft, Geld für Pornografie auszugeben, erforscht, was sich die Befragten unter „feministischer“ und „ethischer Pornografie“ vorstellen. Die Antwortmöglichkeiten bildeten sich aus den offiziellen und semioffiziellen Kriterien feministischer und ethischer Pornografie sowie Standpunkten, welche sich aus vorhergehenden Befragungen hinsichtlich auftretender Stereotype im privaten Rahmen ergeben hatten. Hierbei sollten die Befragten zuerst offen und in Textform antworten. Im Anschluss wurden sie gebeten, aus einer vorgegebenen Liste an Kategorien und Kriterien diejenigen auszuwählen, die am ehesten ihrer Meinung entsprachen. Der vollständige Fragebogen ist dem Anhang zu entnehmen. 68 3.1.3 Methode & Durchführung Die deskriptive Befragung wurde im Zeitraum vom 5. Januar 2018 bis zum 22. Januar 2018 durchgeführt. Sie wurde über das Umfragen-Tool „Survio.com“ via Facebook verbreitet. Die Bearbeitungszeit betrug insgesamt 18 Tage. Nach Beendigung der Laufzeit wurden die über Survio.com generierten Daten als PDF und als Excel- Tabelle exportiert (s. Anhang). Anhand der Excel-Tabelle wurden Zählungen vorgenommen, die offenen Fragen wurden nach Themenblöcken codiert. In den Auswertungen wurden zudem die Gruppen getrennt nach Geschlecht betrachtet. Die Ergebnisse wurden nach der Auswertung in Form von deskriptiven Häufigkeitsdiagrammen dargestellt. Im Zuge der stichprobenartigen Onlinebefragung, wurde die Studie 7.400mal aufgerufen, wobei die Abschlussquote bei 9,5% lag und somit 702 Menschen erfolgreich an der Studie teilgenommen haben. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Fragebogen auf einer selektiven Stichprobe basiert, da er über die persönliche Facebook-Seite der Versuchsleiterin und das Kiel-interne Facebook-Netzwerk „Kielbook“ (72.249 Mitglieder) verbreitet und veröffentlicht wurde. Des Weiteren wird angenommen, dass die Teilnehmer durch die Freiwilligkeit der Teilnahme bereits ein gewisses Eigeninteresse und eine Affinität zur Thematik aufweisen, womit die Stichprobe weiter verzerrt sein könnte. Die Störvariable der sozialen Erwünschtheit kann ausgeschlossen werden, da die Probanden sich bei der Bearbeitung in den Schutzräumen ihrer Privatsphäre befanden. 3.2 Ergebnisse der Befragung Im Folgenden werden nun einige Ergebnisse vorgestellt, ausgewertet und mit dem Thema in Verbindung gebracht. Zuerst soll das generelle Konsumverhalten und dessen Thematisierung in den Freundschaften und Beziehungen der Konsument*innen (Hypothese A) untersucht werden. Danach wird herausgefiltert, welche Erwartungen die Befragten an einen „guten“ Pornofilm haben (Hypothese B). Diese Kriterien sollen dann mit denen eines feministischen/ethischen Pornos abgeglichen werden. Anschließend soll der Frage nach der Bekanntheit der Label-Namen „feministische Pornografie“ und „ethische, faire oder nachhaltige Pornografie” nachgegangen werden und die Frage nach der Übereinstimmung der Selbstbeschreibungen der Label mit den gesellschaftlichen Erwartungen an diese (Haupthypothese C) abgeglichen werden. Da Pornografie im Internet weitestgehend kostenlos konsumierbar ist, wird im letzten Teil der Studie der Frage nach der Bereitschaft für fair produzierte Pornografie Geld auszugeben (Hypothese D) nachgegangen. Des Weiteren wird ein Vergleich mit veganer/vegetarischer Ernährungsweise gezogen, um der Frage nach einer eventuellen 69 Korrelation mit einem generell nachhaltigen Lebensstil nachzugehen. Insgesamt wurde der Fragebogen 7.400mal aufgerufen, wobei die Abschlussquote bei 9,5% lag und somit 702 Menschen erfolgreich an der Studie teilgenommen haben. Die Mehrheit (70%) der Befragten waren zwischen 20 und 30, wobei 8% unter 20, 17,8% zwischen 30 und 40 und 7,3% über 40 Jahre alt waren. 46,7% der Befragten waren berufstätig und 43,3% befanden sich im Studium, die restlichen 10% bestanden aus Arbeitslosen, Schülern und Enthaltungen. Die Geschlechteraufteilung lag bei 60,8% männlich und 37,6% weiblich, 1,6% gaben an, einer anderen Genderidentität anzugehören. 84,8% waren heterosexuell, 11,1% bisexuell und 2,8% homosexuell. 3.2.1 Häufigkeit des Konsums und Thematisierung in Freundschaften und Beziehungen Hypothese A ging davon aus, dass Pornografie im Privaten ein omnipräsentes Thema ist, aber in Freundschaften und Beziehungen oft tabuisiert oder nur wenig besprochen wird. Tatsächlich konsumieren 61% der Befragten ein bis mehrmals in der Woche Pornografie (siehe Abbildung 3). Somit könnte davon ausgegangen werden, dass dies auch in Beziehungen und Freundschaften thematisiert wird. Jedoch wird Pornografie nur von 29% der häufigen Rezipient*innen im Alltag thematisiert, 48% geben an, manchmal darüber zu sprechen und 23% verschweigen ihren Konsum, wie sich in Abbildung 4 zeigt. 244 Aufgrund der ungefilterten und freiwilligen Teilnahme an dem Online-Fragebogen, wurden möglicherweise eher pornoaffine Personen angesprochen, als andere. 70 Abbildung 3: Prozentuale Verteilung des Pornokonsums. Kategorien „Ein bis mehrmals die Woche“, „ca. einmal im Monat“, „selten“, „gar nicht“. Abbildung 4: Prozentuale Verteilung über die private Thematisierung von Pornografie. Kategorien „Ja“, „Nein“, „Manchmal“. 71 Pornografie findet demnach in einer Art Vakuum statt, welches sich häufig auch in privaten Beziehungen nicht aus der Tabuzone befreien kann. Dies deutet darauf hin, dass auch nur wenig Austausch und Reflektionen über Produktionsbedingungen, Menschenbilder und Vorlieben stattfinden, was die Hypothese teilweise belegt. Um diese Hypothese zu stärken, wurden ebenfalls die Gründe für den Konsum in einer offenen Frage herangezogen. Laut dieser schauen die meisten aus Lustbefriedigung allein (38%) oder aus Langeweile (15%), während nur 9% Pornos als Teil der Beziehung sehen (vergleiche Abbildung 5). Auch andere Befunde zeigen, dass Pornografie-Konsum zur Lustbefriedigung weniger in Freundschaften thematisiert wird. Abbildung 5 Gründe für den Pornokonsum. 245 Vogelsang, Verena: Sexuelle Viktimisierung, Pornografie, Münster: Springer, 2017, S.94. 72 3.2.2 Erwartungen an einen guten Porno und Parallelen zu Feministischer/ethischer Pornografie Hypothese B formulierte, dass die Erwartungen der Konsument*innen an einen „guten Porno“ zu großen Teilen mit den Kriterien feministischer und ethischer Pornografie übereinstimmen. Die meist aufgetretenen Antwortkategorien der Erwartungen an einen guten Pornofilm sind in Abbildung 6 dargestellt. Am häufigsten wurden „Authentizität“, „Qualität“ und das „Aussehen der Darsteller*innen“ genannt. Es zeigt sich auch ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: Die Männer legen einen auffallend höheren Wert auf die Frau (10% zu 2%), die Frauen wollen dafür etwas mehr von der weiblichen Lust (7% zu 4%) sehen und auffallend mehr Respekt (6% zu 1%). Streuungsmaße der Daten wurden nicht bestimmt, wodurch die Aussagekraft eingeschränkt ist. Abbildung 6: Freie Antwortkategorien hinsichtlich der Erwartungen an einen guten Porno 73 Die beliebtesten Stichworte Authentizität, Qualität, Ästhetik, Story, Weibliche Lust, Respekt, und (echte) Lust, gehören zu den Richtlinien feministischer und ethischer Pornografie. Somit zeigt sich in der deskriptiven Befundlage eine Tendenz, dass Hypothese B belegt werden kann. 3.2.3 Bekanntheit der Label-Namen „feministische Pornografie“ und „ethische Pornografie“ Mit Hypothese C soll der Frage nachgegangen werden, ob trotz der größeren Bekanntheit des Labels „feministische Pornografie“ dieses eher mit „Pornografie für Frauen“ assoziiert wird, während „ethische Pornografie“ eher den Selbstbeschreibungen beider Label übereinstimmt. Abbildung 7 : Gegenüberstellende Darstellung der Bekanntheit der Label bei den Teilnehmern der Umfrage 246 Siehe auch Kapitel 2.2: „PorYes! Kriterien“ 74 Die unterschiedliche Bekanntheit der beiden Label-Namen wird in Abbildung 7 dargestellt. Mit feministischer Pornografie können mehr als die Hälfte (56%) der Befragten etwas anfangen, wohingegen 81% angeben, noch nichts von ethischer, nachhaltiger oder fairer Pornografie gelesen, gesehen oder gehört zu haben. Im nächsten Schritt wird vorgestellt, was die Befragten von feministischer bzw. ethischer Pornografie erwarten und was sie sich darunter vorstellen. Da sich diese Arbeit zu großen Teilen der Frage nach der Übereinstimmung der Selbstbeschreibungen der Label und der öffentlichen Wahrnehmung dessen nachgeht, wurde im Fragebogen ein besonderes Augenmerk auf diese Fragen gelegt. 3.2.4 Öffentliche Wahrnehmung feministischer und ethischer Pornografie: ein Vergleich Auf die Frage, was sich die Teilnehmer*innen unter feministischer Pornografie vorstellen, nannten die meisten „female friendly“, „für Frauen“ oder „frauenfreundlich“. Darüber, dass es der feministischen Pornografie laut PorYes-Kriterien nicht mehr um die reine Fokussierung auf die weibliche Lust und die Gleichstellung der Frau geht, sondern vielmehr um Fairness, Diversität und Konsens, scheint in der Gesellschaft noch kaum ein Bewusstsein zu herrschen. Des Weiteren ist „female friendly“ ein Kategorie-Name , welcher mittlerweile auf den meisten Mainstream-pornoplattformen vertreten ist, allerdings nur wenige Parallelen zur feministischen Herangehensweise aufweist. Interessant ist jedoch, dass die Teilnehmer*innen auf die gleiche Frage, diesmal allerdings mit vorgeschriebenen Antwortmöglichkeiten und Mehrfachauswahl, häufig die umschriebenen Kriterien von PorYes auswählten. Mit 53% der Klicks ist aber dennoch „female friendly“ die erste Assoziation der Befragten. 247 Kapitel 2.2: „PorYes!-Kriterien“ 248 Kapitel 1.4.4: „Female Friendly“ 75 Abbildung 8: Auswertung der Ergebnisse vorgegebener Antwortmöglichkeiten auf die Frage "Was verbindest du mit feministischer Pornografie?". Mehrfachnennungen möglich. Die dunklen Nennungen entsprechen den Kriterien von PorYes. Eigene Darstellung. 76 Abbildung 9: Freie Assoziationen auf die Frage "was stellst du dir unter feministischer Pornografie vor? Die dunklen Nennungen entsprechen den Kriterien von PorYes. Eigene Darstellung. 77 Abbildung 10: Auswertung der Ergebnisse, was die Befragten mit ethischer Pornografie assoziieren, anhand vorgegebener Kategorien und der Möglichkeit zu Mehrfachwahlen. Die dunkelgrünen Nennungen entsprechen den eindeutigen Kriterien von PorYes. 78 Abbildung 11: Freie Assoziationen auf die Frage „was stellst du dir unter ethischer, fairer oder nachhaltiger Pornografie vor?“ dunkelgrünen Nennungen entsprechen den eindeutigen Kriterien von PorYes. Eigene Darstellung. 79 Wie die Befragung zeigt, besteht eine Diskrepanz zwischen Selbstbeschreibung und Außenwirkung feministischer Pornografie. Dies mag zum einen am weiblichen „Fem“ im Namen liegen, aber auch an der Geschichte des Feministischen Pornos. Die gesellschaftlichen Erwartungen an ethische Pornografie stimmen viel eher mit den Selbstbeschreibungen der beiden Labels überein. Allerdings ist der Name relativ unbekannt. So gaben 26% der Befragten, an „Keine Ahnung“ zu haben, was ethische, faire oder nachhaltige Pornografie ist. 3.2.5 Für Pornos bezahlen? Hypothese D besagt, dass nur wenige Menschen für Pornografie zahlen. Die Bereitschaft für Pornografie zu bezahlen ist generell sehr gering, scheint sich allerdings bei Gewissheit über Qualität, gute Produktionsbedingungen und Aufklärung zu verändern. Abbildung 12: Prozentualer Anteil an Zahlern vs. Nicht-Zahlern. 80 Dass Pornografie überall im Internet frei zugänglich ist, spiegelt sich auch in der Statistik wieder: 86% der 649 Befragten schauen ihre Pornos im Internet, 8% offline auf dem PC oder dem Handy, 4% im TV und 2% auf DVD oder VHS. Davon zahlen 94% gar nicht, 5% manchmal und lediglich 1% zahlen regelmäßig. Dabei schauen 71% der Befragten ihre Pornos auf Youporn.com, Pornhub.com, XHamster.com und Redtube.com, Tube-Seiten der Firma MindGeek ; 25% auf anderen Tube- und Internet- Seiten und 2% gaben an, auf ethical-porn-Seiten wie ErikaLust.com oder LucieBlush.com zu schauen. 249 Es gibt 53 unbrauchbare Fragebögen. 250 Siehe Kapitel 1.4.2: „Die Firma Mindgeek“ Abbildung 13: Prozentuale Verteilung der Bereitschaft Geld für fair produzierte Pornos auszugeben. 81 Im Gegensatz zu diesem bestehenden Konsumverhalten zeichnet sich jedoch eine grundsätzliche Bereitschaft (39%) ab, für Pornografie zu bezahlen, wenn faire Produktionsbedingungen gewährleitet sind. Davon würden 49% pro Clip 1–2€ ausgeben und 27% ca. 15–20€ im Monat. Dies entspricht den bereits bestehenden Angeboten von LustCinema.com, Pinklabel.tv und so weiter. 3.2.6 Bringt bewusste Ernährung auch einen bewussten Pornokonsum? Hypothese D geht weiter davon aus, dass vegan/vegetarisch lebende bzw. an einem nachhaltigen Lebensstil interessierte Menschen eher bereit sind, für fair produzierte Pornografie zu bezahlen. Dies scheint sich in der vorliegenden Befragung tatsächlich zu bestätigen. Abbildung 14: Bereitschaft der Probanden Geld für Fair Porn auszugeben in Abhängigkeit ihres Ernährungsstils. 82 In Abbildung 14 ist der Zusammenhang zwischen der Bereitschaft für „Fair Porn“ Geld auszugeben in Abhängigkeit von Vegetarismus/Veganismus und Fleischessern dargestellt. Die Abbildung verdeutlicht einen klaren Trend der Fleischesser*innen Richtung „Nein“, während sich ein Großteil der „Veganer*innen und Vegetarier*innen“ zu „Ja“ ausrichtet. Um genauere Aussagen treffen zu können, müsste man sich korrelative Zusammenhänge zwischen den beiden Gruppen anschauen. Aufgrund einer deskriptiven Analyse kann Hypothese D allerdings vorläufig bestätigt werden. Menschen, die sich generell bewusst ernähren und eher auf die Produktionsbedingungen ihres Essens achten, sind auch eher bereit, für fair produzierte Pornografie zu bezahlen. 78% der Befragten gaben an, sich fleischhaltig zu ernähren, 19%, dass sie vegan oder vegetarisch leben. 61% der Fleischesser*innen können sich nicht vorstellen, für fair produzierte Pornografie zu bezahlen, wohingegen 62% der Veganer/Vegetarier*innen mit „Ja“ (13%) oder „kommt auf das Angebot an“ (49%) auf die Frage nach der Bereitschaft für fair produzierte Pornografie zu bezahlen antworteten. 3.3 Expert*innen Interviews Um ein umfassendes Bild des Status Quo zu erzielen, wurden ergänzend zu der im vorangegangenen Kapitel vorgestellten und diskutierten gesellschaftlichen Online- Befragung Expert*innen aus der Porno Industrie befragt. Die Ergebnisse aus den halbstrukturierten Leitfaden-Interviews sollen im Folgenden vorgestellt werden, um anschließend bei einem Gesamtfazit über die Chancen und Aussichten des ethischen bzw. feministischen Pornografiezweiges hilfreich zu sein. Bei der Auswahl der Interviewpartner*innen wurde versucht, einen möglichst großen Bereich an Meinungen abzudecken. Somit wurde auch ein Vertreter aus einer Mainstream-Produktion befragt. Die Interviews wurden mit Hilfe eines Tonaufnahmegerätes mitgeschnitten und anschließend transkribiert und mit der Software „MaxQda“ codiert. 251 Die Unterteilung in Fleischesser*in = unbewusste Ernährung; Vegetarier/Veganer*in = bewusste Ernährung ist sicherlich nicht hinreichend begründet, wird hier allerdings dennoch als Anhaltspunkt für eine eher nachhaltige Lebensphilosophie gewertet. 83 3.3.1 Die Expert*innen Laura Méritt Laura Méritt ist Mitbegründerin der PorYes-Bewegung in Europa und Jurymitglied des alljährlich verliehenen PorYes-Awards für sex-positive Pornografie in Berlin. Au- ßerdem hat sie einige Bücher und Artikel zu queer-feministischen Themen publiziert und klärt deutschlandweit mit Workshops und Vorträgen über sex-positiven Feminismus und Pornografie auf. Toni Karat (Künstlerinnenname) Toni ist eigentlich Fotografin, hat allerdings vor kurzem ihren ersten feministischen BDSM-Porn gedreht. In diesem fungiert sie als Regisseurin und Darstellerin zugleich. Moritz Moritz ist Produzent und Kameramann bei Visit-X.net. Diese eher im Mainstream einzuordnende Produktionsfirma hat sich auf Webcam-Shows spezialisiert. Die Interviewfragen wurden für jeden Experten/jede Expertin entsprechend seiner/ihrer Tätigkeit in der Branche angelegt und personalisiert, drehen sich allerdings alle um die Zielgruppe, Beweggründe, in der Branche zu agieren, die Reichweite, die Strategie, Finanzen, Meinungen zur Mainstream-Pornografie, den Feminismus, Einschätzungen über die Zukunft des Pornos und Lust vor der Kamera. 3.3.2 Zielgruppe & Publikum Bereits bei der Definition der Zielgruppe klaffen die Aussagen der Vertreter*innen feministischer Pornografie und die Meinung aus dem Mainstream weit auseinander. Moritz definiert die Zielgruppe seiner Firma wie folgt: „Sozial schwache Single-Männer oder sexuell frustrierte Ehemänner […], die sich aber nicht nur nicht mal trauen würden, eine Frau anzusprechen, sondern die sich nicht mal trauen, in den Puff zu gehen.“ 252 Anhang: Moritz Hirth. 84 Dem gegenüber steht die angestrebte Zielgruppe von PorYes. PorYes richtet sich laut Méritt erstmal an alle Menschen. Sie fügt allerdings hinzu, dass es sich in erster Linie um Erwachsene handele, die sich für eine andere Darstellung von Sexualität interessieren würden, als der Mainstream zu bieten hat. Toni Karat definiert sich selbst als ihre Zielgruppe: „Ich bin meine Zielgruppe und wenn jemand anderes meine Arbeiten auch gut findet, dann freue ich mich darüber“ . Sie sieht allerdings auch, dass diese Einstellung eventuell nur so lange funktionieren kann, wie sie nicht von Pornografie leben muss. Aus diesen Definitionen lassen sich eindeutige Strömungen ableiten, die größtenteils kaum Parallelen miteinander haben, da die Zielgruppen im Großen und Ganzen recht fest abgesteckt sind und auch in ihren sozialen Milieus außerhalb ihrer Identität als Pornografiekonsument*innen kaum Berührungspunkte miteinander haben. Diese Berührung ist, zumindest von Toni Karat, auch nicht unbedingt gewollt. Sie will niemanden bekehren oder als „Wichsvorlage für irgendwelche Heterotypen, die auf Lesben stehen, dienen“ . Ihre Filme werden vorerst nur auf Festivals laufen und somit nur einem Publikum vorgesetzt, welches die Arbeiten auch „zu schätzen weiß“ . Doch nicht nur die Zielgruppen, auch die Einstellungen und Ziele der die Pornoindustrie prägenden Personen und Firmen klaffen weit auseinander. 3.3.3 Kunst und Kommerzialisierung Eine Diskrepanz zwischen Kunst und Kommerz, Geld und Lust, ist offensichtlich. Moritz beschreibt die Strategie und den Finanzierungsplan seiner Fima sehr detailliert. So produziert seine Firma Shows oder sponsert Produkte, welche mit Pornografie nur wenig zu tun haben, aber potentielle Anknüpfungspunkte an Hobbys (z. B. Motorsport, Tattoo-Conventions) der Zielgruppe sein könnten, um diese dann auf ihre Seite zu locken und Geld mit ihnen zu verdienen. „Alles, was wir produzieren muss konvertieren. Es soll am Ende immer dazu führen, dass die Leute Geld ausgeben.“ Er selbst scheint sich auch nur wenig mit der Fima zu identifizieren, bezeichnet sie lachend als „billigen Saftladen“ . Auch sein Einstieg scheint eher zufällig und 253 Anhang: Laura Méritt. 254 Anhang: Toni Karat. 255 Ebd. 256 Ebd. 257 Anhang: Moritz. 258 Ebd. 85 gehaltgesteuert als ambitioniert und emotional. Ähnlich beschreibt er die Ambitionen der Camgirls, die für seine Firma arbeiten. Studentinnen finanzieren sich ihr Studium und „Mädels […] die zu blöd sind, um bei Aldi an der Kasse zu arbeiten“ bekommen eine Chance, schnell viel Geld zu verdienen. Die „Mädels“ können exklusive der Abgaben von ca. 35% ca. 4.000€ brutto im Monat verdienen, wenn sie für 3 Stunden am Tag online sind. Auch das Thema der persönlichen sexuellen Vorlieben scheint gerade beim Mainstream schwer definierbar zu sein. Laut Moritz gibt es unter den Darstellerinnen solche und solche. Die, die es wirklich aus Passion machen und die, die es des Geldes wegen machen und „eigentlich nicht cool mit dem sind, was sie machen, die finden es auch nicht geil einen echten Orgasmus am Set zu haben“ . Auch die Auswahl der Drehpartner*innen und Praktiken folgt einem festen Muster. Obwohl Moritz’ Firma sich auf Live-Webcam-Shows spezialisiert hat, kommt es, besonders auf Messen wie der Venus, oft vor, dass zwischendurch ein „klassischer Porno“ gedreht wird. „Ey, könnt man nicht mit euch was drehen?! und dann guckt man halt, welches Mädel ist gerade da und wer hat Bock, Hardcore zu drehen. Dann sucht man sich irgendwo ne ruhige Ecke und dreht schnell ne Hardcore Szene runter…“ Toni Karat macht es aus Passion – ohne Geld damit verdienen zu wollen oder zu müssen. In ihrem Porno zeigt sie das, was sie und ihre Partnerin gut finden und worauf sie „unabhängig von Geld, von irgendwas […] Bock hatten“ . Auf die Frage nach einem echten Orgasmus am Set antwortet sie lachend „Ja! Natürlich“ . Sie würde nichts machen, was ihr selbst nicht gefällt, nur weil es gut aussieht. Und dadurch, dass ihr Porno vorerst nur auf Festivals zu sehen sein wird, wird er wohl eher ein Kunstwerk als Mittel zur privaten Stimulation im Sinne des klassischen Pornografie-Zweckes bleiben. 259 Ebd. 260 Ebd. 261 Ebd. 262 Anhang: Toni Karat. 263 Ebd. 86 3.3.4 Vorurteile und gegenseitiges Unverständnis Die Meinung Toni Karats ist nur eine Stimme aus dem Bereich der feministisch/ethischen Pornoproduktion. Und sicherlich wäre ein Gespräch mit Erika Lust anders ausgefallen. Dennoch lässt sich ein gewisser Unwille zur Kooperation und gegenseitige Vorurteile zwischen den beiden Lagern feststellen, die sich auch bei Teilen der Konsument*innen wiederspiegeln. So hat Moritz häufig das Gefühl, bei „so schönen Pornos“ „viel Produktions-Budget, perfektes Licht und wenig Schweiß“ zu sehen. Er sieht nicht, dass die Leute Spaß haben, sondern irgendwas darstellen, was ihr Job ist. Ähnliches stellt auch Toni Karat über den Mainstream fest. Sie habe noch keinen Mainstream-Porno gesehen, in dem die Frau wirklich kommt. Und auch Ejakulations-Filme seien häufig „gefaket“, indem die Frau „einfach pisst“. Für „die Männer“ reiche es aber so. Moritz sieht kein allzu großes Problem in der Art und Weise, wie Frauen im Porno dargestellt werden, da viele Männer ihre dominante Seite gerne mehr ausleben würden, als sie es tun und sich somit als Ersatzbefriedigung „solche feministisch nicht korrekten Sachen angucken“ . Außerdem würden die Frauen ja ihr Einverständnis geben, indem sie den Vertrag unterzeichneten. Beide Seiten haben sicherlich ihre Berechtigung, verdeutlichen allerdings auch die Mauer, die sich zwischen den Lagern aufgebaut hat. Diese Diskrepanz zwischen Zustimmung, Interesse und Abwertung hat sich auch in der Online-Befragung gezeigt. 3.3.5 Laura Méritt über die öffentliche Meinung, PorYes und das Label „Feminismus“ Laut Méritt hat der Mainstream das Wort „Porno“ negativ besetzt. PorYes hingegen soll verdeutlichen, dass zwar Pornografie gemacht wird, allerdings auf eine andere Art und Weise. Sie sieht allerdings auch, dass gerade in der Öffentlichkeit und besonders durch entsprechende Medienberichterstattungen noch nicht angekommen ist, dass Feminismus „A vielfältig ist, B Feminismus und Porno zusammen funktionieren 264 Anhang: Moritz. 265 Ebd. 266 Anhang: Toni Karat. 267 Ebd. 268 Siehe Kapitel 3:1: „Online Befragung“. 269 Anhang: Laura Méritt 87 und C es viele Mittel und Möglichkeiten gibt, Feminismus umzusetzen“ . Auch Toni Karat sieht das Problem, dass Feminismus oft negativ konnotiert wird und wünscht sich eine Zukunft, in der Feminismus überflüssig geworden ist. Moritz hingegen spricht eine gewisse Doppelmoral an und ist der Meinung, dass einige Feministinnen eigentlich doch wollen, dass „der Mann die Hosen anhat“ . Laura Méritt wirkt dem Vorurteil entgegen, indem sie selbst in die Öffentlichkeit tritt und das an Orten, an denen auch der „Mainstream“ verkehrt, denn „die Subkultur weiß meistens schon Bescheid“. So findet der PorYes-Award in dem renommierten Hebbel Theater am Ufer, in der alt eingesessenen Bildungsinstitution Urania und an der Humbold Universität zu Berlin statt und ihr feministischer Sex- Toy-Shop ist mitten in einer Berliner Haupt-Shopping-Meile zu finden. Das Konzept scheint aufzugehen, denn laut Méritt erfreut PorYes sich eines immer größer werdenden öffentlichen Interesses. So wächst das Publikum beim Award stetig und auch die Medienberichte veränderten sich im Laufe der letzten 10 Jahre zum Positiven: „Nicht nur, weil Sex und Porno sowieso interessant sind, sondern diese Kombination von Feminismus und Sex und Porn.“ Sie findet nicht, dass das Label „feministisch“ zu vorbelastet ist. „Feministisch ist automatisch fair und ethisch. Warum soll ich das Wort „feministisch“ nicht nehmen? – Wir kämpfen seit 100 Jahren. […] Feminismus ist ein langer Prozess“ . Gleichzeitig betont sie, dass es nicht nur ein Label brauche und es sehr wichtig ist, mit verschiedenen Mitteln die verschiedenen Ebenen zu durchdringen. Ein einziges Label wäre ihrer Meinung nach eine Reduktion. 3.3.6 Die Zukunft des Pornos? Der Blick in die Zukunft variiert bei den Expert*innen ebenfalls enorm. Laura blickt in die Vergangenheit, enthält ihre Vision für die Zukunft. Die Sexspielzeug-Industrie hat sie laut eigener Aussage bereits revolutioniert, „jetzt sind die Filme dran“ . Dafür fordert sie einen generell offeneren Umgang: „Insgesamt darf mehr geredet werden. Über Sexualität und die eigenen Vorstellungen und die eigenen Brillen.“ Aber auch konkret geht sie davon aus, dass die Nachfrage nach feministischer, fairer, ethischer 270 Ebd. 271 Anhang: Toni Karat. 272 Anhang: Moritz. 273 Anhang: Laura Méritt. 274 Ebd. 275 Ebd. 88 Pornografie weiter ansteigen wird und vergleicht dieses Phänomen mit dem Bewusstsein für gutes Essen und das Aufkommen von Bioläden in den vergangenen Jahren. Auch Toni Karat findet: „Da ist noch sehr viel Luft nach oben. Das gerade hier ist erst der Anfang“ und ist sich ziemlich sicher, dass in nächster Zeit noch viel passieren wird. Moritz ist der Meinung, dass es alles, was es heute gibt, früher auch schon gab und sieht demnach in eine gleichbleibende Zukunft: „Abgesehen von der Auflösung und eventuell der VR Brille bleiben die Sparten wie die Vorlieben der Zuschauer und ich glaube Porno bleibt Porno, ganz normal“ . 3.3.7 Methodenkritik Die Interviews wurden zwar mit als „Expert*innen“ eingestuften Personen aus der Pornoindustrie geführt, geben allerdings aufgrund der Tatsache, dass es sich lediglich um drei Meinungen handelt, nur einen sehr kleinen Teil dieser wieder. Besonders zu den beiden Vertreterinnen aus dem Feminismus hätte noch eine diesem gegenüber kritisch eingestellte Stimme wie die Erika Lusts oder Lucie Blushs zu Wort kommen müssen. Grundsätzlich wäre es für eine umfassende Auswertung der Thematik interessant und sinnvoll gewesen, die Medienberichterstattung in das Spannungsfeld der Untersuchungen von Pornografie Rezeption und Produktion mit einzubeziehen. Denn diese prägen das gesellschaftliche Bild der Realität maßgeblich mit und tragen große Teile dazu bei, für welche Themen die Gesellschaft sich in welchem Maße interessiert. Somit könnten sich auf feministische/ethische Pornografie beziehende Berichte der letzten 10 Jahren verglichen werden, um auszuloten, ob ein wachsendes Interesse seitens der Medien erkennbar ist und wenn ja, ob sich die Art der Berichterstattung im Laufe der Zeit verändert hat. 276 Anhang: Toni Karat. 277 Anhang: Moritz.

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References

Zusammenfassung

Pornografie in einer sexualisierten Gesellschaft – Ein Zeichen der Befreiung oder doch nur Sexismus? Wer dirigiert unsere Lust und wer verdient an ihr? Gibt es Alternativen zur Casting-Couch und wie saftig ist das Stroh auf der anderen Seite?

Vor dem Hintergrund der feministischen bzw. ethischen Pornografie wird diese Arbeit den obigen Fragen nachgehen. Eine Annäherung an die komplexe Geschichte der Pornografie, die Macharten im Mainstreamporno sowie das Phänomen der Tube-Seiten sollen Nährboden für eine quantitative Gesellschaftsbefragung zu Erwartungen, Einschätzungen und Möglichkeiten fair produzierter Pornografie bieten.