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1. Pornografie in:

Ribana Schmidt

Feministische und ethische Pornografie, page 16 - 50

Revolution einer Branche oder Randerscheinung?

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4309-7, ISBN online: 978-3-8288-7243-1, https://doi.org/10.5771/9783828872431-16

Tectum, Baden-Baden
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16 1. Pornografie Das Wort Pornografie stammt vom altgriechischen ‚pornográphos’ ab und besteht aus den beiden Elementen π („pónre“= dt. Hure) und („gráphein“= dt. „schreiben“). Es bedeutet so viel wie „über Huren/Schund schreibend“ . Als sprachliche Umschreibung einer Darstellung des Sexuellen entstand der Begriff allerdings erst zwischen 1755 und 1857. Heute beschreibt der Duden sie als eine „Sprachliche, bildliche Darstellung sexueller Akte unter einseitiger Betonung des genitalen Bereichs und unter Ausklammerung der psychischen und partnerschaftlichen Aspekte der Sexualität.“ Der deutsche Sexualforscher und Soziologe Sven Lewandowski beschrieb 2012, pornografische Darstellungen machten im Allgemeinen deutlich, dass es in ihnen nicht um Liebe ginge. Konstruktiv sei vielmehr, dass sie mit dem romantischen Intimitätsdispositiv brechen würden und sich als treibende Kraft ihrer Akteure gerade nicht romantische Liebe, sondern sexuelles Begehren einstelle. Strafrechtlich wurde der Begriff 1973 ins Gesetzbuch aufgenommen und ersetzte damit den Begriff der „unzüchtigen Schrift“. Der Gesetzgeber behielt es sich allerdings vor, den Begriff weiter zu definieren, um „eine Anpassung des Pornografiebegriffs an veränderte gesellschaftliche Wertvorstellungen zu ermöglichen“ . In der Rechtsprechung wird eine Schrift mittlerweile als pornografisch angesehen, wenn sie: • Sexualität vergröbernd, aufdringlich, übersteigert oder anreißerisch darstellt; • Ausschließlich oder überwiegend einen sexuellen Reiz auslösen oder den Sexualtrieb anregen soll; 4 Siehe https://www.duden.de/suchen/dudenonline/pornografie 5 Schuegraf, Martina/Tillmann, Angela. Pornographisierung von Gesellschaft. Perspektiven aus Theorie und Praxis, Konstanz/München: UVK, 2012, S. 22. 6 Siehe https://www.duden.de/suchen/dudenonline/pornografie 7 Lewandowski, Sven: Die Pornographie der Gesellschaft, Bielefeld: transcript, 2012, S. 195. 8 Schmidt, Anja: Pornographie - Im Blickwinkel der feministischen Bewegungen, der Porn Studies, der Medienforschung und des Rechts, Baden-Baden: nomos, 2016, S. 151. 17 • Wenn Sexualität überbewertet und ohne Zusammenhang zu anderen menschlichen Lebenswelten dargestellt wird, sodass die Menschen zum bloßen austauschbaren Objekt der Begierde degradiert werden, wobei spurenhafte gedankliche Elemente nur zum Vorwand für provozierende Sexualität genommen werden; • Wenn die Grenzen der allgemeinen gesellschaftlichen Wertvorstellungen eindeutig überschritten werden. Allerdings ist die Einordung in pornografische oder nicht-pornografische Materialien anhand dieser Kriterien immer noch sehr schwierig, da sie, wie andere Darstellungen auch, subjektiv von den einzelnen Betrachter*innen und auch der Justiz bewertet und interpretiert werden. „Ich weiß nicht, was es ist, aber ich erkenne es, wenn ich es sehe!“ Dieses, dem US-amerikanischen Juristen Potter Stewart zugeschriebene Zitat zeigt, welche Schwierigkeit die Einordnung mit sich bringt. Ob eine Darstellung demnach aufdringlich, anreizend oder provokant ist, ist schwierig allgemeingültig festzustellen, da vieles vom subjektiven Erfahrungsschatz und dem Verhältnis zur eigenen Sexualität des Betrachters/der Betrachterin abhängt. Des Weiteren lässt sich heute kaum noch feststellen, wo die Grenzen des allgemeingültigen sittlichen Anstandes verlaufen, da sich die sexuelle Moral mehr und mehr an sexueller Selbstbestimmung als an allgemeingültigen Sittlichkeitsvorstellungen orientiert. 1.1 Rechtliche Grundlagen Im Strafgesetzbuch werden die Pornografie betreffenden Verbote unter den Paragraphen §§ 184–184e geregelt. Das Gesetz entscheidet zwischen „einfacher Pornografie“ und „harter Pornografie“. Diese Unterteilung ist nicht mit den Genrekategorien Softund Hardcore-Porno zu verwechseln. Einfache Pornografie bezeichnet demnach die Darstellung gewaltfreier sexueller Handlungen, während harte Pornografie gewalt-, tier-, jugend- und kinderpornografische Inhalte zusammenfasst. 9 Schmidt, Anja: Pornographie - Im Blickwinkel der feministischen Bewegungen, der Porn Studies, der Medienforschung und des Rechts, Baden-Baden: nomos, 2016, S. 152. 10 Ebd. 11 Appelt, Markus: Medienpsychologie, Heidelberg: Springer, 2008, S. 167. 12 Ebd. 13 Schmidt, Anja: Pornographie - Im Blickwinkel der feministischen Bewegungen, der Porn Studies, der Medienforschung und des Rechts, Baden-Baden: nomos, 2016, S. 150 ff. 14 Vgl. ebd. 18 Laut Grundgesetz ist das Herstellen, Zugänglichmachen und Konsumieren von Pornografie durch die Kommunikations- und Meinungsfreiheit (Art. 5 IGG), die Kunstfreiheit (Art. 5 III GG) und das Persönlichkeitsrecht auf sexuelle Selbstbestimmung (Art. 2 I, 1 I GG) erlaubt. Durch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und die Figur der sexuellen Identität kann pornografische Sexualität als Geste sexueller Selbstbestimmung oder des individuellen sexuellen Begehrens verstanden werden, gegen welche, solange die Rechte anderer nicht verletzt werden, nicht argumentiert werden kann. Allerdings kann verfassungsrechtlich in diese Freiheiten eingegriffen werden, wenn beispielsweise der Schutz der Jugend nicht gewährleistet ist. Laut Gesetz darf Pornografie Personen unter 18 Jahren nicht zugänglich gemacht werden (§184 I Nr. 1 StGB). Es gibt verschiedene Verbote des öffentlichen Ausstellens, Anpreisens und der allgemeinen Zugänglichkeit, auch über Rundfunk und Telemedien (§§ 184 I Nr. 2–5,7, 184d I StGB), die regeln sollen, dass Pornografie aus der Öffentlichkeit und vor allem von Minderjährigen ferngehalten wird. Für „harte Pornografie“ gelten ähnliche Regeln, außerdem werden auch das Herstellen, Anpreisen, Liefern und Vorrätighalten mit Geldstrafen oder Freiheitsentzug bestraft. Da die Server vieler Tube-Seiten nicht in Deutschland stehen, gibt es hier allerdings häufig Probleme bei der Durchsetzung des deutschen Rechts. Bei vielen Plattformen reicht, wenn überhaupt, ein einfacher Klick auf „Ja, ich bin über 18 Jahre alt“ aus, um auf das gesamte Gratis-Angebot der Seite zugreifen zu können. 15 Laut der Rechtsprechung des BVerfG und des BGH schließt pornografischer Inhalt eine Einordnung als Kunst nicht aus. 16 Vgl. Schmidt, Pornographie, S. 154 17 Vgl. Schmidt: Pornographie, S. 154. 18 Vgl. ebd. 19 Schmidt, Anja: Pornographie - Im Blickwinkel der feministischen Bewegungen, der Porn Studies, der Medienforschung und des Rechts, Baden-Baden: nomos, 2016, 20 Siehe auch Kapitel „Porno-Tube-Seiten“. 21 Siegel, Philip: Drei Zimmer, Küche, Porno, Frankfurt a.M.: Campus, S. 109. 19 1.2 Geschichtlicher Überblick Gattungsgeschichtlich konnte die Entwicklung pornografischer Bilder bis zu Höhlenzeichnungen sexueller Begebenheiten zurückverfolgt werden. Kulturwissenschaftlich allerdings werden die Medienangebote der Renaissance als Ursprung der Pornografie gesehen, denn sexualisierte Inhalte waren starke Antriebsfedern zur Etablierung von Romanen und Novellen. Was vor dem Buchdruck nur schwierig zu verbreiten war und generell seitens der Kirchen tabuisiert wurde, konnte nun massenhaft gedruckt und verbreitet werden. Schon hier zeichnet sich ab, dass die Geschichte der Pornografie untrennbar mit der Entwicklung neuer Medien und deren Möglichkeiten in der Produktion und Nutzung verwoben ist. Artefakte wie Höhlenmalereien, Statuen oder Bilder mit sexuellem Charakter sind zwar in der Geschichte häufig aufgetreten, allerdings sind Formen der mündlichen Überlieferung oder das Wissen über öffentliche sexuelle Inszenierungen weitestgehend als Teil der oralen Kultur verloren gegangen oder wurden aufgrund der kirchlichen Regulierung von Sexualität und Lust dem Volk vorenthalten. Ein prominentes Beispiel für das Verschweigen sexueller Kultur und gleichzeitig einen wichtigen Aspekt der Pornografiegeschichte bilden die Ausgrabungen des antiken Pompejis. Pompeji wurde 79 n. Chr. beim Vulkanausbruch des Vesuvs verschüttet und im 18. Jhd. wieder ausgegraben. Die dort geborgenen Schätze hatten nur wenig mit der im 18. Jahrhundert vorherrschenden (Sexual-) Moral gemeinsam: Sie zeigen explizite und eindeutig freizügige Darstellungen ausgelebter sexueller Lust. Aufgrund dieser Abweichung zur herrschenden Moral wurden sie 1821 in das geheime Kabinett des Archäologischen Nationalmuseums in Neapel überführt und erst im Jahr 2000 der 22 Müller, Anne-Janine: Von der Höhlenmalerei zum Smartphone: zur Geschichte von Pornographie und Medien, in Schuegraf, Martina/Tillmann (HG), Angela. Pornographisierung von Gesellschaft. Perspektiven aus Theorie und Praxis, Konstanz/München: UVK, 2012, hier S. 22ff. 23 Ebd. 24 Ebd. 25 Müller, Anne-Janine: Von der Höhlenmalerei zum Smartphone: zur Geschichte von Pornographie und Medien, in Schuegraf, Martina/Tillmann (HG), Angela. Pornographisierung von Gesellschaft. Perspektiven aus Theorie und Praxis, Konstanz/München: UVK, 2012, hier S. 22ff. 20 Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Informationen über die Möglichkeit eines solchen Lebensstils drohten die damals von den Kirchen propagierte sittliche und asketische Lebensgrundhaltung ins Wanken zu bringen. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert waren Vertreter der Kirche bemüht, jegliche Art lustvoller Sexualität zu unterbinden. Sexuelle Lust wurde stigmatisiert und sollte lediglich innerhalb der Ehe zur Reproduktion stattfinden. Fleischliches Verlangen wurde als unsittlich dargestellt und mit der Hölle assoziiert, denn das Stillen der Sexualität war erst im Jenseits, nach dem Durchleben eines frommen Lebens auf Erden, vorgesehen. Der Kulturanthropologe und Pornografieforscher Jakob Pastötter geht davon aus, dass die Vertreter der Kirche Angst hatten, das einfache Volk könnte, als Folge einer Ansicht dieser Werke, seine sexuellen Triebe ausleben wollen und somit unkontrollierbar werden. Des Weiteren merkt er an, dass besagte Malereien und Skulpturen zur Zeit ihrer Fertigung weder als unzüchtig noch als pornografisch angesehen wur- 26 Ebd. 27 Quarks & Co.: Die Geschichte der Pornographie, einsehbar in der Mediathek des ARD, verfügbar unter http://www.ardmediathek.de/tv/Quarks/Die-Geschichte-der-Pornografie/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7450356&documentId=41426778 vom 14.03.2017, (00:00:00 - 00:045:00), Zugriff am 19.12.2017. 28 Ebd. Abbildung 1: Restaurierte Wandmalerei aus Pompeji. 21 den. Auch wurden sie wohl nicht zur Masturbation genutzt. Vielmehr waren sie Objekte der Zurschaustellung eines ausgefüllten, lustvollen Lebens und Luxus. Sie standen demnach offen in Wohn- und Schlafräumen ausgestellt. Ebenfalls im 18. Jahrhundert identifizierte der Schweizer Arzt Samuel Auguste Tissot in der Selbstbefriedigung die Wurzel vieler Krankheiten, zum Beispiel der Pest und der Impotenz. Diese Erkenntnisse fielen auf fruchtbaren Boden bei den kirchlichen Vertretern, welche Masturbation ab sofort untersagten und unter Strafe stellten. Besonders Knaben wurden über die massiven Folgen aufgeklärt und zur Zucht verwiesen. Zum Schutz wurden Beschneidungen vorgenommen oder Keuschheitsgürtel eingesetzt. Öffentliche Regulierungsversuche wie diese verbannten die sexuelle Lust immer weiter in eine Tabuzone. Auch im 19. und 20. Jahrhundert wurde weiter versucht, eine freizügige Sexualität zu verhindern. Homosexualität unter Männern stand in Deutschland bis 1969 unter Strafe und wurde besonders in der NS- Zeit brutal verfolgt. Bis 1974 standen Wohnungsvermieter oder Eltern unter dem Verdacht der „Kuppelei“, wenn sie unverheiratete Paare unter ihrem Dach gemeinsam übernachten ließen. Ein freies Ausleben des Sexualtriebes war den Menschen aufgrund dieser negativen Strafandrohungen (staatlicher, göttlicher oder kirchlicher Natur) kaum möglich. Das Ende des 2. Weltkrieges brachte Freiheit für neue gesellschaftliche Auseinandersetzungen und die Rufe nach einem Ende der Unterdrückung durch Regulierung der Sexualität wurden immer lauter. Unter dem Slogan „Make Love, Not War“ wurde im Zuge der „Flower-Power“-Bewegung die Sexuelle Revolution offiziell eingeleitet und bestimmte nun die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts: neue Formen von Beziehungen sagten der herkömmlichen Ehe und die Pille dem reinen Reproduktions-Sex den Kampf an. Auch die Porno-Industrie erfand sich zu jener Zeit neu. In den 70er Jahren, dem „Golden Age of Porn“ , gelangten pornografische Videos von der Underground-Subkultur in den Mainstream. 29 Quarks & Co.: Die Geschichte der Pornographie, einsehbar in der Mediathek des ARD, verfügbar unter http://www.ardmediathek.de/tv/Quarks/Die-Geschichte-der-Pornografie/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7450356&documentId=41426778 vom 14.03.2017, (00:01:10 – 00:01:51)., Zugriff am 19.12.2017. 30 Siehe: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-0034- 1392986#N65748 31 Ebd. 32 Eder, Franz: Kultur der Begierde: Eine Geschichte der Sexualität, München: C.H.Beck, S. 213. 33 Vergleiche hierzu Kapitel 1.7: „Sexuelle Revolution und feminist Sex-Wars“. 34 Steiml, Silke/Offermann, Stefan: I want the right to see a dirty picture, in Feministisches Seminar (Hg.): Feminismus in historischer Perspektive - Eine Reaktualisierung, Bielefeld: transript, 2014, hier S.376f. 22 Die Ära gipfelte 1972 mit dem Erfolg des Films „Deep Throat“ , welcher bei 25.000 $ Produktionskosten 600 Mio. $ Gewinn einspielte. Er zählt somit zu den profitabelsten Filmen aller Zeiten und definierte das gesellschaftliche Phänomen des „Porn Chick“. Es galt sogar für die „High Society“ als „in“, ins Pornokino zu gehen und sich öffentlich über das Gesehene auszutauschen. Auch produzierten die Hollywood-Filmstudios zu jener Zeit selbst Pornos und zeitweilig verbreitete sich der Eindruck, Porno und Film würden miteinander verschmelzen. Parallel dazu entbrannten Diskussionen über die Daseinsberechtigung von Pornografie. Konservative Strömungen wollten die bürgerlichen Familienwerte schützen und Feministinnen kämpften für eine Gleichberechtigung der Frau. Letztere bildeten zwei Gruppen: Sex-positiv und anti-porno Feminismus . Auch hier stellt der Film „Deep Throat“ einen wichtigen Wendepunkt dar , der als erster als „salonfähig“ erachteter Pornofilm auch in Mainstream-Kinos zu sehen war und der feministischen Pornografiedebatte viel Material für Auseinandersetzungen lieferte. Aufgrund dieser immer lauter werdenden feministischen Debatten gegen Pornografie und der Bemühungen der konservativen Rechten entschieden die USA, staatlich gegen die als „pervers“ geltenden Freiheiten der „sexuellen Revolution“ vorzugehen. Der Pornoindustrie wurden mehr und mehr die Mittel genommen , der öffentliche Pornokonsum in Kinos wurde mithilfe von Sanktionen seitens des US- Staates eingedämmt und von den 1.500 Erotikkinos in den 70ern blieben 1990 nur noch 250 übrig. Pornografie wurde nach einem kurzen Aufschwung und einer Eventualität, als Kunstform anerkannt zu werden, wiederum in den Bereich des Obszönen verbannt. Doch da der technische Fortschritt nicht aufzuhalten und die Nachfrage nach Darstellungen sexueller Handlungen nicht mehr zu schmälern war, fand die Industrie bald neue Mittel und Wege, der staatlichen Regulierung zu entgehen und erneut zu erstarken: 35 Ebd. 36 Barbato, Fenton/Bailey, Randy: Inside Deep Throat, USA: Universal Pictures, 2005, (00:06:02). 37 Barbato, Fenton/Bailey, Randy: Inside Deep Throat, USA: Universal Pictures, 2005, (00:36:56). 38 Ebd. (00:42:34). 39 Steiml/Offermann: I want the right to see a dirty picture, S.396. 40 Siehe hierzu auch Kapitel 1.7. „Sexuelle Revolution“ 41 Siehe hierzu auch Kapitel 1.6.1: „Deep Throats Vermächtnis“. 42 Steiml/Offermann: I want the right to see a dirty picture, S. 397. 43 Barbato/Fenton: Inside Deep Throat, (01:13:05). 23 „Mit dem Einzug der Videokamera wurde es so einfach, nicht jugendfreie Filme zu drehen, das konnte jeder. Und irgendwann setzten sich die durch, die es für immer weniger Geld machen konnten. Sie [die Filme] bestanden nur noch aus aneinandergereihten Sexszenen. Und so hat sich der Pornofilm sein eigenes Grab geschaufelt.“ So beschreibt Gerard Damiano, Produzent und Regisseur von „Deep Throat“, das Ende einer Ära und den Beginn des Status Quo des heutigen Mainstreampornos. Ähnlich ist es auch mit der Entwicklung der Medien. So beschreibt auch die Süddeutsche Zeitung, dass es ohne den Sexualtrieb des Menschen viele Medien schwerer gehabt hätten, ein großes Publikum zu erreichen. Dies wird durch den sich anbahnenden Erfolg der VR Brille untermauert: Die Kategorie „VR Porno“ ist seit Ende 2016 auf den einschlägigen Porno Tube-Seiten vertreten. Produkt-Angebote wie „VR Brille mit Masturbator“ kennzeichnen das große Interesse und bestätigen die Aussage Susan Strubles, der ehemaligen Sprecherin des Elektronikkonzerns „Sun Microsystems“: „Du weißt, dass deine Technologie gut und stabil ist, wenn sie sich in der Pornowelt bewährt.“ Pornografie kann somit seit der Erfindung des Buchdrucks einerseits als Triebfedertechnischer Neuerungen gesehen werden, andererseits auch als Ventil für den jahrhundertelang unterdrückten Sexualtrieb. 1.3 Pornografie und Gesellschaft Pornografie ist ein weit verbreitetes Phänomen und die Diskussion über die Wirkung von Pornografie ist spätestens seit ihrem Einzug in den Mainstream in vollem Gange. Doch während in den 70er Jahren eher die Wirkung auf die menschliche Persönlich- 44 Ebd. (01:13:26) 45 http://www.sueddeutsche.de/wissen/technik-vorsprung-durch-porno-1.830188 vom 30.05.2008. 46 Siehe hierzu auch Kapitel 1.4.3: „Angebot, Kategorien und Suchanfragen“. 47 http://www.sueddeutsche.de/wissen/technik-vorsprung-durch-porno-1.830188 vom 30.05.2008. 24 keit erforscht wurde, stehen heutzutage immer mehr auch die Folgen des Pornokonsums bei Kindern und Jugendlichen im Vordergrund, da Pornografie durch das Internet und entsprechende Endgeräte quasi ohne Altersbegrenzung frei zugänglich ist und vor allem unbeaufsichtigt konsumiert werden kann. Hierauf soll allerdings nicht das Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit liegen, wenngleich die Auseinandersetzung mit dieser Thematik als wichtig erachtet wird. Genaue Daten zum weltweiten Konsum zu erheben, gestaltet sich aufgrund der unüberschaubaren Fülle an Angeboten als schwierig. Allerdings gibt die Pornoplattform Pornhub.com jährlich Daten preis, aus denen hervorgeht, dass die Seite täglich von 81 Millionen Menschen besucht wird und 800 Suchanfragen pro Sekunde getätigt werden. Und dies sind lediglich die Daten einer Plattform. Dass Pornografie in den gesellschaftlichen Alltag übergegangen ist und für viele zum Leben dazugehört, ist bekannt. Doch warum der Mensch sich derart zu ihr hingezogen fühlt, wird immer wieder von Soziologen und Psychologen diskutiert. In diesem Kapitel sollen einige dieser Stimmen, aber vor allem der Sexualsoziologe und Pornografieforscher Sven Lewandowski zu Wort kommen. Allgemein formuliert die Kultursoziologin Anne-Janine Müller den andauernden gesellschaftlichen Diskurs um Pornografie als Ergebnis der kulturellen Tradition des öffentlichen Diskurses über Sexualität im Allgemeinen. Pornografie bediene sich, aufgrund ihrer Bindung an die Fantasien der Rezipient*innen, der gesellschaftlich vorherrschenden Wissensstände über Sexualität. Lewandowski geht einen Schritt weiter und meint, dass sich in der Pornografie nicht nur inszenierte individuelle sexuelle Phantasien wiederfänden – diese Phantasien seien auch immer kulturell geprägt. Er fordert, dass die sozialwissenschaftliche Analyse nicht allein danach fragen solle, welche kollektiven sexuellen Phantasien die Pornografie der Gesellschaft anfachen, vor allem müsse das Verhältnis zwischen Sexualität, Gesellschaft und Pornografie analysiert werden. Dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Einige denken Freuds Annahme „wo sie lieben, begehren sie nicht, und wo sie begehren, können sie nicht lieben“ weiter und gehen davon aus, dass Pornografie die dunkle Seite der Gesellschaft wiederspiegele und das Verdrängte, gesellschaftlich nicht Akzeptierte verarbeite. Die aggressiven Teile des Sexuellen fänden im vorherrschenden Konzept der romantischen 48 Siehe https://www.pornhub.com/insights/2017-year-in-review, Zugriff am 29.03.18. 49 Siehe hierzu auch Kapitel 1.4: „Internetpornographie“. 50 Vgl. Müller: Von der Höhlenmalerei zum Smartphone, S. 22. 51 Ebd. 52 Vgl. Lewandowski: Die Pornofizierung der Gesellschaft, S.176. 53 Ebd. 54 Freud, Sigmund: Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens II, in Freud, Sigmund: Gesammelte Werke, Frankfurt a.M.: Fischer 1912/1999, S. 82. 25 Liebe keinen Platz, würden verdrängt werden und deshalb in der Pornografie wiederkehren. Auch Gunther Schmidt erörtert eine Aufspaltung der Sexualität der modernen Gesellschaft in zwei Sexualwelten: die alltägliche, eher nüchterne (Paar-) Sexualität und die pornografische, durch sexualisierte Massenmedien erzeugte Sexualwelt. Beide würden nebeneinander existieren und sich kaum beeinflussen. Schmidts Aussage stammt allerdings aus dem Jahr 2005, vor dem Aufschwung der kostenlosen Tube-Seiten , und muss somit in Anbetracht der heutigen pornografischen Medienlandschaft einer kritischen Betrachtung unter dem Gesichtspunkt einer angenommenen Vermischung der Sexualwelten unterzogen werden. So fand Paul J. Wright 2012 in seiner Langzeitstudie an männlichen Konsumenten über 18 heraus, dass Dauerpornokonsumenten die im Porno vorherrschenden Verhaltensmuster übernehmen und beispielsweise eher nach der schnellen Befriedigung auch im eigenen Sexleben suchen als Menschen, die selten Pornografie konsumieren. Weitere kritische Stimmen erkennen in der Entwicklung der Pornografie den Ausdruck einer perversen Gesellschaft und sehen sie als Effekt einer aus den Fugen geratenen sexuellen Ordnung. Nicht zu vergessen ist der anti-pornografisch feministische Blickwinkel, welcher Pornografie im Allgemeinen als eine von männlicher Herrschaft, Gewalt und Unterdrückung geprägte Sexualordnung sieht. Zusammenfassend können drei Annahmen herausgestellt werden: Die Pornografie und die Sexualität der Gesellschaft • spiegeln einander. • ergänzen sich wechselseitig. • entsprechen einander, sodass sich in der Pornografie die Grundprinzipien der gesellschaftlichen Sexualordnung ausdrücken. Laut Lewandowski hält Pornografie der Gesellschaft insofern einen Spiegel vor, als sie zeigt, was in einer „guten“ Gesellschaft – Verdrängtes, kulturell Delegiertes – keinen Platz hat oder haben sollte. Pornografie reflektiere somit die zeitgenössische Se- 55 Vgl. Lewandowski: Die Pornofizierung der Gesellschaft, S.176. 56 Vgl. Schmidt, Gunter: Das neue DER DIE DAS. Über die Modernisierung des Sexuellen, Gießen: Psychosozial, 2005, S. 59. 57 Siehe auch Kapitel 1.4.1: „Porno-Tube-Seiten“. 58 Wright, Paul J.: A Longitudinal Analysis of US Adults’ Pornography Exposure in: Journal of Media Psychology 24 (2012) S. 67-76. 59 Vgl. Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft, S. 178ff. 60 Siehe auch Kapitel 1.7.1: „PorNo!“. 61 Vgl. Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft, S. 178ff. 26 xualität dadurch, dass sie ihr aufzeige, was der legitimen Sexualität fehle. Lewandowski schlussfolgert, dass diese Theorien implizit zu Vorstellungen einer „ganzheitlichen Sexualität“ führen würden und wie diese aussehen solle. Vor diesem Hintergrund würden sowohl Pornografie als auch intimisierte Formen der Sexualität defizitär wirken. Doch Pornografie funktioniere anders als die reale Sexualität. Sie erzeuge au- ßeralltägliche Welten und Sinnesprovinzen. Jemand, der beispielsweise aufgrund seiner persönlichen Eigenschaften niemals einen Dreier mit zwei attraktiven jungen Frauen gehabt habe, bekomme die Möglichkeit, sich eine solche Situation vorzustellen und sich selbst in diese hineinzuversetzen. Auch könne Pornografie als Inspiration fungieren: Praktiken würden populär, welche ohne die Verbreitung in der Pornografie niemals ihren Weg in die Betten und Köpfe der Gesellschaft gefunden hätten. Dies gelte sowohl für das positive, lusterweiternde, als auch für das Feld der Kinderund Tierpornografie. „Der Konsum pornografischer Produkte verbindet die individuelle Sexualität mit der Sexualität der Gesellschaft, […] er kann als ein Aspekt einer Arbeit am sexuellen Selbst verstanden werden.“ Auch bildet Pornografie sexuelle Subkulturen, erhält sie und lässt sie wachsen. Denn Porno zeige nicht nur Sex, sondern gebe auch vor, was als begehrenswert und sexuell erregend gilt. Minderheiten könnten sich besonders im Internet zusammenfinden, ihre sexuellen Vorlieben austauschen und diese verbreiten. Allerdings zeigt eine Studie des Max-Plank-Instituts Berlin, dass die Belohnungsaktivität des Gehirns der Menschen, die regelmäßig Pornografie konsumieren, beim Anblick sexuell stimulierender Bilder deutlich geringer ist, als bei Menschen, die dies seltener tun. Daraus schlussfolgern die Forscher, dass Probanden mit hohem Konsum immer stärkere Reize benötigen, um das gleiche Belohnungsniveau zu erzielen. Die Medienphilosophin Michaela Ott bringt dies in Bezug auf Medienangebote im Allgemeinen treffend auf den Punkt: 62 Ebd. 63 Vgl. Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft, S.198. 64 Ebd. 65 Vgl. Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft, S. 196. 66 Vgl. Ebd. 67 https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2014/06/wer-viele-pornos-schaut-hat-ein-kleineres-belohnungssystem vom 02.06.2014. 27 „Da wir uns an die Permanenz neuer Empfindungsangebote gewöhnen, entwickeln wir ein Bedürfnis nach Daueraffizierung, nach deren Steigerung und Überbietung, welchem die Medien wiederum mit Sensationsberichterstattung und täglich neuen Katastrophenmeldungen entgegenkommen.“68 Diese Steigerungslogik lässt sich auch in der Internetpornografie beobachten. Game- Link.com, einer der führenden Anbieter für Erwachsenenunterhaltung, verzeichnete 2015 in den USA einen Anstieg des Konsums von „Family-Role-Play-Porn“, beziehungsweise Inzestporno, um 178%. Auch auf den gängigen Tube-Seiten gehören mittlerweile Titel wie „Stepmom fucks Stepson“, „Notgeiler Bruder fickt seine schlafende Schwester“ oder „Competing Sisters for Brothers Creampie“ zu den beliebtesten Videos weltweit. 1.4 Internetpornografie Mit dem Aufblühen des Internets wurde Pornografie in eine neue Dimension gehoben: Was früher an gewisse Voraussetzungen, wie beispielsweise die Altersbegrenzungen in Videotheken geknüpft war, ist heute für jede Person mit Zugang zu einem internetfähigen Endgerät jederzeit und beinahe überall zugänglich gemacht. Der Schutz vor unbefugtem Zutritt Minderjähriger wird anhand einer einfachen Altersabfrage und der Tatsache, dass sich die Server der besagten Seiten oftmals nicht in Deutschland befinden, häufig nur unzureichend gewährleistet. Da die Entscheidung, wenn überhaupt, lediglich einen Klick („Ja, ich bin über 18“) erfordert, fällt eine Altersbeschränkung de facto weitestgehend weg. Auch die Beschaffung stellt keinen Aufwand mehr dar, da der Konsument nicht einmal seine Privaträume verlassen muss. Über das Internet hat er mit einem Gefühl absoluter Anonymität und ohne Rechenschaft für etwaige Fetische ablegen zu müssen, unbegrenzten Zugang zu jeglicher Art von Pornografie. Cooper hat das 68 Ott, Michaela: Es lebe die Dividuation! Zur Notwendigkeit anderer Denkkonzepte angesichts zeitgenössischer Teilhabepraktiken, S. 5. 69 Ausgewählte Titel von Seite 1 der beliebtesten Videos auf Pornhub.com, weltweit, Zugriff am 29.03.18. 70 Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft, S. 96. 71 Siehe auch Kapitel 1.1: „Rechtliche Grundlagen“. 72 Philip Siegel: Drei Zimmer, Küche, Porno, S. 108. 73 Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft, S. 96. 28 Internet bereits im Jahr 2000 als Triple-A Engine of Access, Affordability, and Anonymity“ beschrieben. Es verändere die Welt durch leichten, kostengünstigen und anonymen Zugang zu Pornografie und anderen sexuellen Inhalten. Allerdings hinterlässt der Konsum (wie beinahe alles im Internet) Datenspuren, welche im Zweifel und bei öffentlichem, staatlichem oder gerichtlichem Interesse zurückverfolgt werden können, wie es beispielsweise just im Britische Parlament pünktlich zur politischen Umstrukturierung der Fall war. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt: „Seit der Neuwahl in Großbritannien hat es mehr als 24.000 Versuche gegeben, vom Parlament aus Pornoseiten im Internet aufzurufen.“ Und somit formuliert Lewandowski treffend: „Das Netz gleicht dem Meer: Alles, was in es eingespeist wird, wird irgendwann von ihm wieder hervorgebracht.“ 1.4.1 Porno Tube-Seiten: „Wie im wilden Westen“? Da bisher kaum wissenschaftliche Arbeiten explizit zu den Hintergründen der Porno- Tube-Seiten veröffentlicht wurden, wird in diesem und auch in den folgenden Kapiteln hauptsächlich auf journalistische Quellen und die 2017 erschienene investigative Dokumentation „Pornocracy“ zurückgegriffen. Zwischen 2006 bis 2008 fand ein Umbruch in der etablierten Pornoindustrie statt. Die Tube-Seiten und die Finanzkrise brachten schwerwiegende Veränderungen mit sich. „Wir wussten, welchen Schaden wir der Industrie damit zufügen würden. […] Wer sich nicht an die Tube Seiten angepasst hat, war raus aus dem Geschäft“ So berichtet Youporn.com Gründer Jonathan Todd im Interview mit Ovidie. Heute drehen sich laut einer Studie der Plattform „Netzsieger“ 25% aller Suchanfragen um 74 Cooper: Cybersex, S. 5. 75 http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/160-versuchte-porno-aufrufe-pro-tagaus-britischem-parlament-15380356.html vom 08.01.2018, Zugriff am 09.01.2018. 76 Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft, S. 96. 77 Ovidie: Pornocracy, (00:10:40). 78 Ovidie: Pornocracy, (00:27:7). 29 Pornografie. Das Amazon Alexa-Ranking 2017 verortet Pornhub.com auf Platz 32 und Xvideos.com auf Platz 41 der 50 meistbesuchten Webseiten weltweit. Die gängigste Art, schnell und einfach Pornos zu schauen, ist heute über sogenannte „Tube- Seiten“, zu denen auch Xvideos.com, Youporn.com und Pornhub.com gehören. Diese funktionieren ähnlich wie Youtube.com: Die Nutzer können Videos hochladen, welche dann auf der Seite zu sehen sind, durch Hashtags kategorisiert werden und von den anderen Nutzern angesehen und bewertet werden können. Das Angebot besteht aus von den Nutzern hochgeladenen Videos, Amateurvideos und gekürzten Versionen der eigenen Produktionen der Plattformen. Das Angebot erweitert sich durch Raubkopien enorm. Gregory Dorcel, Geschäftsführer der etablierten Pornoproduktionsfirma „Dorcel“ schätzt, dass 95% aller konsumierten Pornovideos auf den Tube-Seiten Raubkopien sind. Renommierten Produktionsfirmen müssen aufgrund der großen Wirkmacht der Tube-Seiten oftmals darüber hinwegsehen, dass ihre Filme gestohlen werden und kostenlos auf den „Tubes“ zur Verfügung gestellt werden – auch wenn sie damit selbst keine Profite erzielen. Dies führte dazu, dass fast 70% des etablierten Geschäftes nach 2006 verschwunden ist. Es laufe „wie im Wilden Westen“ meint auch Vincent Grosser, Manager der Produktionsfirma „Colmax“. Die Nutzung dieser Tube-Seiten ist für die Besucher zunächst kostenlos. Ihnen stehen unzählige Videos auf unterschiedlichen Plattformen zur freien Verfügung. Doch gerade der Fakt, dass die Nutzung von Pornografie für jeden sexuell interessierten Menschen mit Internetzugang umsonst ist, ist der Schlüssel, um damit sehr viel Geld zu verdienen. Dies geschieht durch Traffic, also mittels des Konzepts, möglichst viele Besucher auf eine Seite zu locken, um möglichst vielen davon gezielte Werbung vorzuspielen. Die Anzeigen bestehen oft aus Vorschauvideos und Links zu Bezahlplattformen der Tube-Seiten-Firmen, auf denen den Nutzer*innen weitere, bessere Inhalte oder Webcam-Shows angepriesen werden. Über die Gewinne, die 79 Siehe https://www.netzsieger.de/ratgeber/internet-pornografie-statistiken, Zugriff am 29.03.18. 80 Siehe https://www.alexa.com/topsites, Zugriff am 29.03.18. 81 Siehe https://www.focus.de/digital/praxistipps/youporn-pornhub-brazzers-online-pornoskostenlos-und-zu-jeder-zeit_id_4595644.html, Zugriff am 29.03.18. 82 Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft, S. 103. 83 Ovidie: Pornocracy, Frankreich: mindjazz, 2017, (00:25:00). 84 Ovidie: Pornocracy, (00:11:00). 85 Ebd. 86 Siehe hierzu Kapitel 3.1.55: „Für Pornos bezahlen?“ 87 Ebd. 30 jährlich mit diesen Seiten erzielt werden, gibt es keine offiziellen Angaben. Die Schätzungen schwanken zwischen einer und 97 Milliarden Dollar. Somit scheint das Klischee der Goldkette tragenden Pornoproduzenten überholt: „Geeks“ – Softwareentwickler, Programmierer und Big-Data-Genies sind die Gewinner der neuen Pornozeit. Sie haben kaum mit der tatsächlichen Produktion zu tun, denn viel wichtiger sind der Vertrieb und gut programmierte Algorithmen. Die Produktionsfirmen orientieren sich stark an dem, was die Menschen anklicken und wie lang es angesehen wird. Ähnlich wie in der Fast-Fashion-Industrie wird anhand von Big-Data-Analysen erörtert, was den Nutzern gefällt und wovon dementsprechend mehr produziert wird. 1.4.2 Die Firma Mindgeek Laut der Internetplattform „Netzsieger“ verzeichnete Xvideos.com im Jahr 2016 1.630 Mio. Besuche, Pornhub.com 1.350 Mio., xnxx.com 1.090 Mio., Redtube.com 343 Mio. und Xhamster.com 343 Mio. Besuche pro Monat. Somit sind diese Seiten die fünf erfolgreichsten Pornoseiten im World Wide Web. Im Vergleich dazu wirkt der Traffic der Bildzeitung mit 100 Mio. Besuchern pro Monat recht überschaubar. Zwei dieser Giganten, Pornhub.com und Redtube.com, gehören zum Pornoimperium „MindGeek“ (vormals Manwin). Mindgeek wird von Jennifer McEwen, Gründerin eines großen Porno-Appstores als das Amazon der Pornoindustrie beschrieben, da es die Branche kannibalisiert hätte. Die Firma wurde im Jahr 2004 von Fabian Thylmann , einem deutschen Programmierer, gegründet und hat mittlerweile Büros in acht Ländern. Laut dem Wirtschaftsmagazin „Brandeins“ gehörten 2012 insgesamt acht der fünfzehn weltweit erfolgreichsten Porno-Tube-Seiten wie Brazzers.com, Mydirtyhobby.com, Playboy.com und Youporn.com dazu. Die Webseiten erreichen laut Thylmann gemeinsam 16 Billionen Klicks und einen Umsatz von 40 Millionen Dollar pro Monat. Die Mindgeek-Sprecherin Kate Miller erklärte 88 Kummer, Adrian: Digital kommt besser, in Brand eins, 07/2012. 89 Ebd. 90 http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2015-10/porno-industrie-youporn-pornhubwirtschaftskrise-raubkopien vom 21.10.2015. 91 Thylmann hat mittlerweile die Firma verlassen, nachdem er der Steuerhinterziehung und Geldwäsche bezichtigt wurde und eine Millionen hohe Strafe zahlen musste. 92 https://www.stern.de/digital/online/fabian-thylmann--der-king-of-porn-3204102.html vom 19.12.2016. 93 Kummer, Adrian: Digital kommt besser, in Brand eins, 07/2012. 94 Ovidie: Pornocracy, 00:32:05. 95 Siehe https://www.youtube.com/watch?v=lLKW9PNQAbM, (00:00:49) 31 „Brandeins“ gegenüber, dass Mindgeek aufgrund der Werbung für die eigenen Bezahlplattformen ein sehr viel lukrativeres Einkommensmodell hat als beispielsweise Youtube.com. „Dazu muss man sich nur das Verhältnis von Nutzern zum Umsatz anschauen. Der Grund, warum wir das über die vergangenen Jahre hinweg geschafft haben, ist der, dass uns nicht nur die Tube-Seiten gehören, sondern auch die gezeigten Inhalte.“ Auch sind die offiziellen Sitze des Weltkonzernes nur in Steueroasen angemeldet, was auch dazu führte, dass Fabian Thylmann 2016 wegen Steuerhinterziehung angeklagt wurde. Beim Besuch einer der Seiten wird dem Nutzer die Strategie von MindGeek schnell bewusst: Überall blinken Banner mit lockenden Frauen, Genitalien und HD- Vorschauvideos. Im Hintergrund öffnen sich ungefragt weitere Fenster, die den User in die sogenannten „Redirection Chains“ ziehen. Was für den User anstrengend sein mag, beschert dem Seitenbetreiber viel Geld. Denn sogenannte „Traffic Broker“ verdienen ihr Geld damit, den Websites ihrer Kunden neue Internetsurfer zuzuführen. Laut einer Brandeins-Recherche kosten 50.000 Klicks auf die eigene Homepage 200 Dollar. Mit diesem Verfahren generiert Mindgeek also zum einen Geld durch die Weitergabe von Traffic und zum anderen durch das Weiterleiten auf deren eigene Bezahlplattformen. Die Traffic Broker handeln in den meisten Fällen mit sehr kleinen Seiten, die lediglich aus Galeriebildern bestehen, welche beim Klicken wiederum auf weitere Galerieseiten weiterleiten und so weiter. Besonders innerhalb dieser Redirection Chains verstecken sich häufig Seiten mit Botnets, die den Computer der User infizieren, Daten ausspähen oder Spam Mails schicken. 96 Kummer, Adrian: Digital kommt besser, in Brand eins, 07/2012. 97 Ovidie: Pornocracy, 00:25:00. 98 http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/youporn-gruender-fabian-thylmann-wegensteuerhinterziehung-verurteilt-a-1126573.html vom 19.12.2016. 99 Ebd. 100 Ebd. 32 1.4.3 Wie „Mindgeek“ und Co. die Industrie veränderten Besonders für die Darsteller*innen hat sich seit dem Aufkommen der Tube-Seiten vieles verändert. Sie verdienen heute bis zu zehn Mal weniger als noch vor 2008. Auch würden die Drehtage länger und härter, berichtet die US-amerikanische Pornodarstellerin Stoya über ihren Vertrag bei der Mindgeek-Produktionsfirma „Digital Playground“. Die Drehtage dort umfassten oft bis zu 20 Stunden. Doch nicht nur die Tage werden länger, auch die Szenen würden härter. Früher wurden gewisse Praktiken und Arbeitsweisen mit bestimmten Produktionsfirmen und Darsteller*innen verknüpft. Durch Verleihe und Zwischenhändler wurden die Inhalte einer Prüfung und Einordnung unterzogen, die auch den Firmen bewusst war. „Inhalte, die sich klassische Produktionsfirmen niemals getraut hätten rauszubringen, können anonym auf Tube-Seiten distribuiert und konsumiert werden. Die Firmen, die früher immer die Regeln eingehalten haben, sind einfach verschwunden.“ So rekapituliert Vincent Grosser, Manager der Produktionsfirma „Colmax“ im Interview für „Pornocracy“. Drogenkonsum für eine bessere Performance stünden längst an der Tagesordnung. Viele männliche Darsteller konsumierten Viagra, um den langen Drehtagen über standhaft bleiben zu können. Aber auch Frauen würden „gedopt“. Die Steigerungslogik führe zu einer totalen Übertreibung ins Abnormale: Doppelte oder dreifache Anal-Penetration bei Frauen ist längst kein außergewöhnlicher Tabubruch mehr. Dass dies anatomisch weder vorgesehen, noch angenehm oder erregend ist, beweise der hohe Einsatz von „Lidocain“, als gespritztes Betäubungsmittel im After. Auch Pillen, die eigentlich zur Weitung des Unterbauches für die Einleitung einer Geburt verwendet werden, fänden Anwendung. Dass es sich oft nicht um eigene Vorlieben der Darstellerinnen handelt, wird durch das oft sehr junge Alter dieser gekennzeichnet. Viele haben sich im Laufe ihres bisherigen Lebens noch keine 101 Ovidie: Pornocracy, (00:11:02). 102 Ovidie: Pornocracy, (00:42:18). 103 Ovidie: Pornocracy, (00:03:06). 104 Ovidie: Pornocracy, (00:22:00). 105 Siehe auch Kapitel 1.6.1: „Deep Throats Vermächtnis: Cumshots, Analsex und die pornographische Steigerungslogik“. 106 Ovidie: Pornocracy, (00:14:26). 33 eigene „sexuelle Identität“ gebildet und geben ihren ersten Blowjob. Oft arbeiten sie nur wenige Wochen bis Monate in der Industrie und verschwinden unbemerkt wieder. Persönlichkeit oder Name der Darsteller*innen interessieren nicht mehr. Da die Tube-Seiten nach Kategorien sortiert sind und täglich neue Videos mit neuen Darsteller*innen hochgeladen werden, sind die Namen oder Persönlichkeiten der Darsteller*innen uninteressant. Oftmals besteht nicht einmal die Möglichkeit herauszufinden, wem man gerade beim Sex zusieht. Die Anonymität macht auch die Konsumenten*innen vergesslich und kalt. Mitgefühl oder Identifikation mit diesen Menschen bleiben somit weitestgehend aus. Doch der Nachschub kommt und geht. Durch die schnelle Fluktuation der Darsteller*innen und auch die wenigen Regeln, die es zur Benutzung von Kondomen gibt, verbreiten sich auch Geschlechtskrankheiten unterhalb der Darsteller*innen sehr schnell. Einige fälschen aus Angst vor Arbeitslosigkeit die Ergebnisse ihrer Ärztlichen Untersuchungen. So wurde 2012 die gesamte Industrie von einer Syphilis Epidemie heimgesucht. 1.4.4 Angebot, Kategorien und Suchanfragen In den vorangegangenen Kapiteln wurde der Versuch gewagt, exemplarisch die Hintergründe der Firma Mindgeek offenzulegen. Hierzu sollte allerdings gesagt sein, dass es sich zwar um die Ergebnisse erstzunehmender investigativer Journalist*innen, unter anderem im Auftrag der Süddeutschen Zeitung handelt, diese Ergebnisse bislang allerdings keine hinreichende Grundlage für eine sichere Beweislage zu erbringen vermögen. Im Folgenden soll der Blick nun wieder auf die Oberfläche der Pornoindustrie und die äußeren Macharten der Tube-Seiten gerichtet werden: Die meisten Tube- Seiten basieren auf sogenannten „categorized galleries“. Das Angebot aus professionellen Clips, Amateurvideos und Teasern wird in einem ausdifferenzierten Kategorie- System präsentiert. Die einzelnen Kategorien hat Lewandowski in sechs Hauptmerkmale unterteilt. Diese Kategorien decken ein Spektrum von allgemein üblichen bis zu speziellen Vorlieben ab. 107 Ovidie: Pornocracy, (00:01:30). 108 Ovidie: Pornocracy (00:33:50). 109 Ovidie: Pornocracy, 00:48:14. 110 Vgl. Lewandowski: Die Pornographie von Gesellschaft, S. 99ff. 111 Da die Kategorien trotz ihrer Fülle nur einen kleinen Bereich von möglichen Sexualitäten abbilden, wäre es interessant, inwieweit diese zur Auswahl gestellten Kategorien unser Menschenbild und unseren Blick auf Sexualität beeinflussen. Besonders im Bereich Personen mit besonderen Eigenschaften finden sich durchaus rassistische Äußerungen. Beispielsweise haben in Interracial Pornos zumeist schwarze Männer gewaltsamen Sex mit weißen Frauen. 34 Die meisten der bekannten Seiten haben mittlerweile bis zu 100 verschiedene Kategorien, welche sich, zumindest unter den bekanntesten Seiten, nur wenig voneinander unterscheiden. 112 Dies geht wahrscheinlich mit dem großen Einflussbereich von MindGeek einher, da wie oben bereits erklärt, dieser zu diesem Konzern nahezu alle erfolgreichen Mainstreampornoplattformen gehören. 35 Allerdings zeigen die unter den Kategorien auffindbaren Videos laut Lewandowski nur selten extreme sadomasochistische Darstellungen. Vielmehr gäbe es bei der Auswahl der Kategorien und dargestellten Praktiken zwar einen „Abbau interner Stoppregeln und [einen] aus diesem resultierenden innerpornografischen Überbietungswettbewerb“ , welcher die Grenzen des Sadomasochistischen allerdings nur selten überschreitet, sondern die herkömmlichen Praktiken ins Extreme steigere. Somit fände zwar „eine quantitative Steigerung oder Intensivierung, aber keine qualitative Überschreitung der gängigen pornografischen Praktiken statt“. Die Plattform Pornhub.com veröffentlicht jährlich ihr Year in Review und gibt damit Einblicke in das Nutzerverhalten ihrer Kunden. Laut eigenen Angaben sind dies weltweit 81 Millionen Nutzer pro Tag – was in Anbetracht der Tatsache, dass Erhebungen und Statistiken zum Thema Pornografiekonsum in diesem Größenbereich beinahe unmöglich zu beziehen sind, die weltweit größte Pornostatistik ist. Daher werden die Ergebnisse der Statistik hier als valide angesehen, wenn es sich auch um eine firmeninterne Veröffentlichung handelt und somit nicht offengelegt ist, wie diese Ergebnisse methodisch und statistisch zustande gekommen sind. Die Vorliebe zu weiblichen Hauptcharakteren im Porno ist nicht zu übersehen. Dies mag daran liegen, dass laut Pornhub-Review nur 26% der Pornhub.com Besucher*innen weiblich sind. Interessant im feministischen Kontext erscheint der Hang zu weiblichen Familienmitgliedern, denen außerhalb der Pornowelt eher übergeordnete, dominante Rollen zugeschrieben werden. Personen wie die eigene Mutter, die Stiefmutter, MILF , Schwester oder Stiefschwester sind nach „Hentai“ und „Lesbian“ die meist gesehenen Kategorien . 113 Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft, S. 263. 114 Ebd. 115 Siehe hierzu auch Kapitel 1.6.1: „Deep Throats Vermächtnis: Cumshot, Analsex und pornographische Steigerungslogik“. 116 Siehe https://www.pornhub.com/insights/2017-year-in-review. 117 Abkürtzung für “Mother I Like to Fuck”. 118 Dies erscheint in Anbetracht der Tatsache, dass die meisten Mainstreampornos eher den heterosexuellen Mann als dominant und der Frau übergeordnet darstellen, als eine mögliche Verknüpfung zur Psyche der pornokonsumierenden Bevölkerungsschicht, die es durchaus interessant wäre zu erforschen. 36 1.4.5 Female Friendly Die Kategorie „Female Friendly“ oder auf der deutschen Version von Pornhub.com „Beliebt bei Frauen“ ist bereits seit einigen Jahren auf den meisten Plattformen vertreten. 63,7% der Teilnehmer der im Zuge dieser Arbeit entstandenen Online-Umfrage gehen davon aus, dass feministische Pornografie mit dem Schlagwort „Female Friendly“ in Verbindung steht. Bei einem Blick auf die Kriterien feministischer Pornografie wird jedoch klar, dass die hier auffindbaren Videos nur wenig damit gemein haben. Videos mit Beschreibungen wie „Virgin Brother Creampies Sister“ oder „BBC 18 Year Gets Fucked Hard and Cums“ deuten aufgrund ihrer Semantik bereits auf ein unausgeglichenes Verhältnis der Lust hin, da der männliche Part als der des ausführenden Subjekts am weiblichen Objekt beschrieben wird. Auch weitere Richtlinien feministischer Pornografie sind nicht erfüllt. Abbildung 2: Screenshot der Kategorie „Beliebt bei Frauen“ auf Pornhub.com. Vom 14.01.2018 Allerdings ist dennoch ein Wandel feststellbar: YouPorn.com beispielsweise veröffentlichte am Weltfrauentag (8. März 2017) seine „Female Directors Series“. Einen Monat lang tauschte die Plattform das Banner der Startseite, auf dem normalerweise einschlägige Videos, die eher an ein traditionell männliches Publikum angepasst sind, 119 Praktischer Teil dieser Arbeit, dessen Aufbau und Ergebnisse in Kapitel 3 weiter ausgeführt werden 120 Siehe Kapitel 2.3: „PorYes! Kriterien feministischer Pornographie“. 121 Ebd. 37 mit einem Video über weibliche Pornoregisseurinnen aus. Das Video besteht aus Interviews bekannter Regisseurinnen, beispielsweise Erika Lust oder Vex Ashley, die sich eindeutig der ethisch-feministischen Pornobranche zuordnen. Sie sprechen über die Hintergründe und Produktionsbedingungen ihrer Filme. Auch Pornhub.com konnte ein Interesse an Alternativen für Frauen verzeichnen: Laut ihrem Jahresbericht 2017 sind die Suchanfragen für „porn for women“ so groß wie nie zuvor – die Anzahl der Suchanfragen seien im Vergleich zum letzten Jahr um 359% gestiegen . Pornhub.com schreibt dazu: „Regardless of how you define porn for woman, it feels good to be spreading… the good word“ . Die Frage nach der Definition dessen, was im letzten Jahr gesucht wurde, kann Pornhub.com zwar nicht beantworten, verbindet das explodierende Interesse allerdings mit einer Art Befreiung der weiblichen Sexualität durch die „Me-too-Debatte“. Die mediale Reflektion sexueller Übergriffe, welche in gefilmter Form teilweise auch im Mainstreamporno an der Tagesordnung sind , machte auch die Rufe nach einer Auseinandersetzung mit der weiblichen Lust laut. So schrieb die Journalistin Heike Melba-Fendel in der linkspolitischen Wochenzeitung ‚der Freitag’: „[Die] #MeToo Debatte um sexualisierte Gewalt ist unvollständig. Denn sie leugnet weibliche Fantasien“. [… ] Die Femme fatale […], also jene verheißungs- wie verhängnisvolle Verführerin, die Männer im Dienste des eigenen Begehrens in vielgestaltiges Unglück zu sto- ßen weiß, ist als Vorschlag für ein weibliches Gesamtkunstwerk nicht einmal mehr im Kino anzutreffen.“ 122 http://www.bento.de/gefuehle/pornografie-warum-youporn-jetzt-mehr-feministische-filmezeigen-will-481370/ vom 12.04.2016. 123 Siehe Kapitel 2.3: „PorYes! Kriterien feministischer Pornographie“. 124 Siehe https://www.pornhub.com/insights/2017-year-in-review 125 Ebd. 126 Siehe https://www.pornhub.com/insights/2017-year-in-review 127 „MeToo“ ist ein Hashtag, das ab Mitte Oktober 2017 in den sozialen Netzwerken millionenfach Verbreitet wurde. Frauen wurden ermutigt, es zu verwenden, um auf das Ausmaß sexueller Belästigungen und Übergriffe aufmerksam zu machen. 128 Zitat aus Film/Doku über sexuelle Übergriffe in der Mainstreampornoindustrie 129 https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-rueckseite-des-begehrens vom 24.12.2017. 38 1.5 Geschlechterrollen in der Mainstream- Pornografie Ein großer Teil der kostenlosen Pornografie auf Onlineportalen kann dem Bereich der „Mainstreampornografie“ zugeordnet werden. Dabei handelt es sich laut Döring um Produktionen der „etablierten Pornoindustrie […] die sich hauptsächlich an ein heterosexuelles männliches Publikum richten und männliches Sexualvergnügen in den Mittelpunkt stellen“ . Lüdtke-Pilger beschreibt die Komplexität des Angebots der Mainstreampornografie als Reduktion auf den Geschlechtsakt, der entemotionalisiert und mechanisiert dargestellt wird. Ähnlich definierte auch der australische Medienphilosoph Alan McKee 2008 die Unterschiede der geschlechtsspezifischen Darstellung im Porno: Die Darstellerinnen seien meistens um einiges attraktiver als die Darsteller und der weibliche Körper würde im Gegensatz zum männlichen umfassend in Szene gesetzt; Lesben-Szenen gehörten zum Standard, während Schwulen-Szenen eher eine Randerscheinung seien; Fellatio sei gängige Praxis, Cunnilingus eher selten zu sehen; der männliche Orgasmus würde in Szene gesetzt und endete nicht selten in Form eines ‚Facial Cum Shot“, während dem weiblichen Orgasmus nur wenig Beachtung geschenkt würde. Diese Ansicht wird durch eine Studie aus dem Jahr 2006 unterstützt, in der Robert Wosnitzer Gewalt, Erniedrigung und Sexualverhalten in den beliebtesten 250 Mainstreampornofilmen untersuchte. Die Studie liegt zwar einige Jahre zurück und ist somit kein Abbild der aktuellen Wirklichkeit, kann allerdings als Anhaltspunkt gesehen werden. Mit 90,1% war Oralsex von Frauen an Männern der am häufigsten auftretende Sexualakt. Die Ejakulation fand in 96,7% außerhalb der Vagina statt und am häufigsten (58,6%) im Mund der Frau. Auch wurden Gewalthandlungen psychischer und physischer Natur (Beschimpfungen, Schlagen, Würgen etc.) gezählt: 94% aller Gewalthandlungen waren gegen Frauen gerichtet und nur 4% gegen Männer, wobei diese viermal häufiger mit Missfallen darauf reagierten als 130 Döring, Nicola: Pornographie-Kompetenz: Definition und Förderung in: Zeitschrift für Sexualforschung, 24,3 (2011), S. 232. 131 Lüdtke-Pilger: Porno statt PorNO! Die neuen Pornografinnen kommen, Marburg: Schüren, 2020, S. 57. 132 Vgl. McKee A.: Porn Report, Melbourne: Melbourne University Press, 2008, S. 65. 133 Siehe auch Kapitel 3.2: „Expert*innen Interviews: Kunst und Kommerzialisierung“. 134 Untersucht wurden die, im Zeitraum von sieben Monaten, 250 meist gesehenen und verkauften, auf AVN.com aufgelisteten, Pornofilme von 2004 bis 2005. 135 Vgl. Bridges, Ana J./Wosnitzer, Robert, Scharrer, Erica und co.: Aggression and Sexual Behavior in Best-Selling Pornography Videos: A Content Analysis Updat, in Sage Journals, 16/10, 2010. 39 Frauen. Dieses asymmetrische Verhältnis kann laut Döring als „bewusste Abwertung der Frau“ oder als „eine Beschränkung auf bestimmte männlichen Interessen“ gelesen werden. Der Gang-Bang repräsentiert laut Lewandowski im heutigen Mainstreamporno die totale Verfügung über den weiblichen Körper: „Die Frau, deren Körper zwischen zwei Männern, die sie vaginal und anal penetrieren, gleichsam eingerahmt oder auch eingeklemmt ist, und die zugleich einen oder mehrere Männer fellationiert und/oder masturbiert, ist in einem gewissen Sinne die Ikone der spektakulären Hardcore-Pornografie.“ Die maschinenähnlichen Reaktionen auf die sich ihrer bedienenden Männer hätten weniger die Befriedigung ihrer sexuellen Lust zum Ziel, als die totale körperliche Erschöpfung. Gewalt und Sexualität scheinen schon immer eng miteinander verschlungen. Dies bezeugt auch die Geschichte des Sadomasochismus, welche bis ins 6. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgt werden kann. Die Frage nach dem Einvernehmen beider Parteien markiert vielmehr das Problem der Pornografiediskussion, denn gerade die Pornografie der Gegenwartskultur ist übersäht mit Szenen sexueller Gewalt. Ist Pornografie Vergewaltigung vor der Kamera oder sind Gewaltpornos Teil einer sadomasochistischen Sexualität? Wo verläuft die Trennlinie? Fest steht, dass Gewalt im Mainstreamporno geschlechtsspezifisch unausgeglichen ausgelebt und somit kein gleichberechtigtes Geschlechterverhältnis abgebildet wird. 136 Vgl. Ebd. 137 Vgl. Döring, Nicola: Der aktuelle Diskussionsstand zur Pornografie - Ethik: Von Anti- Porno und Anti-Zensur- zu Pro-Porno-Positionen, in: Zeitschrift für Sexualforschung, 24,1-20 (2011), S. 9. 138 Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft, S. 262. 139 Ebd. 140 Moretti, Mario/Von Matt, Leonardo: Etruskische Malerei in Tarquinia, Schauenberg: Doumont, 1974, S. 762. 141 Mit diesen Fragen beschäftigte sich auch der Feminismus der 70er Jahre, dessen Streitpunkte und Argumente in Kapitel 1.7 „Sexuelle Revolution und Feminist Sex Wars“ näher erläutert werden. 40 1.6 Deep Throats Vermächtnis Cumshots, Analsex und die pornografische Steigerungslogik Der Film „Deep Throat“ vom Regisseur Gerard Damiano aus dem Jahr 1972 gilt als der erfolgreichste Porno aller Zeiten. Besonders in den USA lief er in etlichen (regulären) Kinos. Zeitlich ist er zwischen der sexuellen Befreiung , welche ihm einen emanzipatorischen Stellenwert zusprach und der feministischen Anti-Porno-Bewegung , welche ihn als Element patriarchaler Unterwerfung identifizierte, einzuordnen. Eine Frau, Linda Lovelace, ist auf der Suche nach ihrer Orgasmusfähigkeit und somit ihrer sexuellen Erfüllung. Nachdem eine Reihe von Männern ihr keinen Orgasmus bescheren konnten, gelangt sie zu einem Arzt, welcher das Organ ihrer weiblichen Lust – die Klitoris – in ihrem Hals ausmacht. Nun schlägt der Arzt das Deep Throating als adäquate Behandlungsmaßnahme vor, welche ihr mehrfache Orgasmen schenkt. Die Geschichte kann als Damianos Antwort auf die zu jener Zeit öffentlich geführte „Orgasmusdebatte“ gesehen werden. Hier standen Anne Koedts Aufsatz von 1968 „The Myth of the Vaginal Orgasm“ und die „Kinsey Reporte“ im Mittelunkt, welche die penetrationslose Orgasmus-Fähigkeit der Frau bewiesen, der weiblichen Lust einen eigenen Stellenwert gaben und die Klitoris von der Freudschen Version einer mangelhaften Version des Penis als eigenständiges Organ abhoben. Allerdings wurde dieses weibliche Lust-Organ im Film nun in den Hals der Frau verlagert und die Befriedigung ihrer Lust an die eher der männlichen Befriedigung dienenden Sexualpraxis des „Deep Throatings“ geknüpft. Der Orgasmus von Linda Lovelace wurde mit der sichtbaren Ejakulation des Mannes in ihren Mund und auf ihr Gesicht anschaulich gemacht. Laut Regisseur Damiano war die Praktik des Deep Throating vor dem Film kaum bekannt. So erzählt er in der Dokumentation „Insight Deep Throat“, er habe nur zufällig von den außergewöhnlichen Fähigkeiten der Hauptdarstellerin Linda Boreman, die zu jener Zeit die Liebespartnerin einer seiner Freunde war, erfahren. Nachdem er sich selbst von ihrem Können überzeugte hatte, schrieb er das Drehbuch 142 Vgl. Offermann/Steiml: I want the right to see a dirty picture, S. 376 143 Siehe auch Kapitel 1.7: „Sexuelle Revolution und Feminist Sex Wars“. 144 Siehe auch Kapitel 1.7.1: „PorNo! Stimmen für ein Pornographieverbot”. 145 Vgl. Offermann/Steiml: I want the right to see a dirty picture, S. 376 146 Vgl. Offermann/Steiml: I want the right to see a dirty picture, S. 372 f. 147 Siehe auch Kapitel 1.7: „Sexuelle Revolution und Feminist Sex Wars“. 148 Vgl. Offermann/Steiml: I want the right to see a dirty picture, S. 401. 41 zum Film. Auch die US-amerikanische Filmwissenschaftlerin Linda Williams bestätigt: „Ab dieser Szene interessierte sich der heterosexuelle Film für Blowjobs als absolute Lust. […] Blowjobs waren allgemein verboten.“ Da der Film maßgeblich dazu beitrug, Pornografie in den Mainstream zu bringen, kann davon ausgegangen werden, dass die gezeigten Sexpraktiken (Deep Throating, Cumshot) einen erheblichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Mainstreampornografie nahmen und somit aus einer Parodie auf die Befreiung der weiblichen Lust die aus dem heuten Mainstreamporno nicht mehr wegzudenkende Sexualpraktik des Cumshots machte. „Deep Throats Vermächtnis reicht über die sexuell übersättigte Kultur hinaus, von der wir heute umgeben sind, bis zurück zu den Anfängen eines Kulturkrieges, der uns stärker spaltet als je zuvor.“ „Deep Throat“ legte einen Meilenstein für den heutigen Porno, dessen essentieller Bestandteil der „Money Shot“ ist. Seit dem Film hat sich in der Industrie immer mehr etabliert, die Wahrhaftigkeit der dargestellten Lust beweisen zu müssen – oftmals im Gesicht der Frau. Laut der bereits besprochenen Studie Wosnitzers enden 96% der im Mainstreamporno gezeigten Ejakulationen außerhalb der Vagina, über die Hälfte davon im Gesicht der Frau . Der Lust-Beweis gehört mittlerweile zum Standardprogramm und macht oft das Ende eines Pornoclips aus. „Das wichtigste am Porno ist die Szene, die Geld bringt [der moneyshot]. Jeder will sehen, wie man am Ende kommt. […] Wenn ich im Film nicht kommen kann, habe ich ein Problem, noch weiter Arbeit zu bekommen. […] Der Kameramann, die Frau – keiner sieht Geld, bevor ich das nicht zu Ende bringe.“ Dies berichtet ein Pornodarsteller in der Netflix-Serie „Hot Girls Wanted“. Wie schon die Begeisterung seitens der Rezipient*innen für die Praktik des „Deep 149 Ebd. 150 Barbado/Bailey: Inside Deepthorat, 00:25:41. 151 Barbado/Bailey: Inside Deepthorat, 01:18:25. 152 Vgl. Williams: Hard Core: Macht, Lust und die Traditionen des pornographischen Films, Frankfurt a.M.: Nexus, 1995, S. 137. 153 Vgl. Wosnitzer: Aggresion and Sexual Behavior in Best-Selling Pornographie Videos. 154 Hot Girls Wanted: Money Shot, Netflix, USA, 2015, 00:31:42. 42 Throating“ 1972 zeigte, geht es im Porno vermehrt um das visuell Spektakuläre, weniger um die tatsächliche Befriedigung einer Lust. Lewandowski spricht von „spektakelorientierter Überschreitung körperlich-sexueller-Reize“. Auch die Filmkritikerin Linda Williams beschreibt bereits 1989 den „Money Shot“ als den Versuch, den Betrachter*innen glaubhaft zu machen, die Darsteller*innen würden im entscheidenden Moment des männlichen Orgasmus von einer Berührung zu einer rein visuellen ausgelebten Lust übergehen wollen. Weiterführend bezeichnet sie ihn als perfekte Verkörperung der zeitgenössischen Konsumgesellschaft, da er die perfekte Verbindung von Geld und sexueller Lust – „diese beiden zugleich wertvollen und schmutzigen Dinge“ kombiniert. Dieses, für den visuellen Reiz der Zuschauer geschaffene Beweis-Werkzeug, scheint sich allerdings im Laufe der Pornografie-Sexualisierung der letzten Jahre seinen Weg in die realen Betten der Konsument*innen erkämpft zu haben. Leider gibt es noch keine verlässliche Langzeitstudie explizit zum Phänomen des Cumshots, allerdings lässt sich bereits ein deutlicher Anstieg anderer pornografischer Praktiken in Teenagerbetten feststellen. So erforschten Marson und Lewis 2014 in einer qualitativen Studie das Analsex-Verhalten 130 britischer, heterosexueller Jugendlicher im Alter von 16 bis 18. Die männlichen Jugendlichen nannten oftmals Pornografie als Inspirationsquelle für ihr Verlangen nach Analsex. Dies wird auch von einer Metaanalyse der New York Times bestätigt, welche die Ergebnisse der größten amerikanischen Studie zum Sexualverhalten in den USA aus dem Jahr 1992 mit denen von 2009 vergleicht, untermauert. Aus ihr geht hervor, dass die Anzahl der Analsex praktizierenden Frauen zwischen 18 und 24 von 16% im Jahr 1992 auf 40% im Jahr 2009 gestiegen ist. Ausschlaggebend für den Anstieg sei mit großer Wahrscheinlichkeit das Aufblühen der Internetpornografie in den Jahren zwischen 1992 und 2009. Auch wird das Ergebnis einer schwedischen Studie aus dem Jahr 2016 herangezogen. Aus ihr geht hervor, dass die Analsex-Bereitschaft der 400 16–jährigen befragten Mädchen um 50% steigt, wenn diese Pornografie konsumieren. 155 Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft, S. 264. 156 Vgl. Williams: Hard Core, S. 144. 157 Ebd. S. 150 158 Marston, C./Lewis, R.: Anal heterosex among young people and implications for health promotion: a qualitative study in the UK,4,8 (2015). 159 https://www.nytimes.com/2018/02/07/magazine/teenagers-learning-online-porn-literacysex-education.html?smid=tw-nytimes&smtyp=cur vom 7.2.2018, Zugriff am 18.2.2018. 160 Herbenick, D./Reece, M./Sanders, SA. Und co.: Sexual behavior in the United States: results from a national probability sample of men and women ages 14-94, in: The Journal of Sexual Medicine, USA, 7,5 (2010). 161 https://www.nytimes.com/2018/02/07/magazine/teenagers-learning-online-porn-literacysex-education.html?smid=tw-nytimes&smtyp=cur vom 7.2.2018, Zugriff am 18.2.2018. 43 Mit Blick auf den heutigen Mainstreamporno kann demnach eine eindeutige Steigerungslogik erkannt werden, welche die gängigen pornografischen und sexuellen Praktiken übersteigern, indem Körper in sexuelle Extremsituationen gebracht werden. Die Praktik des „Gaggings“ beispielsweise stellt eine Extremform des Deep Throatings dar, welche die eigentlich aktive, Fellatio ausführende Person in eine passive Position drängt, da ihr Mund an die Stelle eines passiven Geschlechtsorganes rückt. Als einzig aktive Reaktion des passiven Objektes wird der Würgereflex, der der Praktik seinen Namen gibt, hervorgerufen, während die Gagging gebende Figur von einem unterwerfenden Sexualsubjekt zu einem benutzbaren Objekt degradiert wird. Allerdings findet sich in der Pornografie häufig eben jenes Wollen der eigenen Unterwerfung dargestellt, so dass eine Differenzierung schwierig sein kann. 1.7 Sexuelle Revolution und Feminist Sex Wars „Bevor das Verhältnis Feminismus – Pornografie reartikuliert werden kann, gilt es zu verstehen, wie es artikuliert wurde. In der alten wie in der neuen feministischen Pornodebatte geht es allerdings nicht bloß um den Stellenwert des Porno – es ist ein Kampf um Artikulationsmacht, nicht nur um die Artikulation dieses Verhältnisses, sondern der Artikulation des Feminismus selbst, darüber, was überhaupt ‚feministisch’ sein kann. Es geht auch darum, wie Frau-sein, Sexualität und Begierde und Pornografie an sich konstruiert wird.“ Um den vom Autor Partick Catuz angesprochenen Kampf um Artikulationsmacht, die Definition des Feminismus und den feministischen Blickwinkel auf Pornografie nachvollziehen zu können, bedarf es einer geschichtlichen Auseinandersetzung mit der „Sexuellen Revolution“. Um dies zu verdeutlichen, wird hier primär der im politisch links einzuordnenden transcript-Verlag publizierte Aufsatz „I want the right to see a dirty picture“ Offermanns und Steimls herangezogen, da er einen umfassenden und detaillierten Einblick in die feministischen Blickwinkel jener Zeit gibt. 162 Vgl. Ebd. 163 Vgl. Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft, S. 263. 164 Ebd. S. 267 165 Catuz, Patrick: Feminismus Fickt! Perspektiven feministischer Pornographie, Wien/Münster: LIT, 2013, S. 53. 44 In den USA und anderen westlichen Ländern fand in den 60er Jahren ein Umdenken bezüglich der menschlichen Sexualität statt, welches in Forschung und Popkultur als „Sexuelle Revolution“ bekannt ist. Dieser Revolution lag der Gedanke zugrunde, dass Sex ein zentraler Punkt des Lebens sei, welchen es zu befreien und zu bejahen gelte. Banner mit Aufforderungen zu „free love“ sollten die kirchlich geprägte, negative und konservative Konnotation des Sex bekämpfen und an dessen Stelle eine ganzheitliche, nicht autoritäre, Körper und Geist einbeziehende Sexualität hervorrufen. Die Tabuisierung der Nacktheit wurde abgelehnt und von Nudist*innen, Aktivist*innen und Hippies gebrochen. Ab 1960 löste die Anti-Baby-Pille den kirchlich gepredigten reinen Reproduktionszweck vom Sex ab und schenkte den Frauen ein Stück sexuelle Selbstbestimmung. Einen weiteren Meilenstein in den USA bildeten die bereits angesprochenen „Kinsey Reporte“. Sie wiesen zum ersten Mal darauf hin, dass das menschliche Sexualverhalten (Homosexualität, Masturbation und außerehelicher Sex) ein durchaus größeres Spektrum aufweist, als seitens der Kirchen propagiert wurde. Beziehungsentwürfe abseits der konservativen Mutter-Vater-Kind-Familie fanden in der Gesellschaft großen Anklang und der Slogan „Sex, Drugs and Rock´n´Roll“ wurde in den Massenmedien als neues Lebensmotto gefeiert. Einer der wichtigsten Punkte der gesellschaftlichen Sexualität, die Gleichberechtigung der Geschlechter, wurde jedoch seitens einiger Feministinnen weitestgehend ausgelassen. Somit wurden Ende der 60er Jahre die Rufe nach einer zweiten, richtigen Revolution laut. In den USA bildeten sich 1967 sogenannte „consciousness raising groups“ (CR Groups) und setzten sich gegen die Kommerzialisierung des weiblichen Körpers in Zeitschriften und Werbung ein. Für sie war die weibliche Sexualität sanfter und natürlicher als die der Männer und somit identifizierten sie die Wurzel sexueller Belästigung, häuslicher Gewalt und Vergewaltigung in der patriarchischen Gesellschaft und das kapitalistische System als Nährboden des Patriachats, welches es nun umzustürzen galt. Spätestens zu dieser Zeit wurde Pornografie nicht mehr nur für die Verwendung weiblicher Körper kritisiert – vielmehr wurde sie von einem bestimmten radikalfeministischen Lager als Ursache sexueller Gewalt an Frauen erkannt. Diese feministische Splittergruppe forderte nun lautstark ein gänzliches Pornografieverbot. Die aufkommende radikale Kritik an der sexuellen Revolution wurde wiederum von anderen Feministinnen kritisiert und beispielsweise seitens 166 Vgl. Offermann/Steiml: I want the Right to see a dirty Picture, S. 370ff. 167 Ebd. 168 Ebd. 169 Offermann/Steiml: I want the right to see a dirty Picture, S. 374 f. 45 der Journalistin Ellen Willis als „sexual conservatism“ bezeichnet, da diese Ansicht Frauen untersage, aus freien Stücken an der „free-love“ Bewegung teilzunehmen. Der feministische Kampf für sexuelle Selbstbestimmung der Frau zerbrach an dieser Stelle in zwei Lager: Anti-Porno und Sex-positiv-Feminismus. Diese, vor allem in den USA geführte Debatte der beiden Lager, wurde als „Feminist Sex Wars“ bekannt und wird in den folgenden Kapiteln erläutert. 1.7.1 PorNo! Stimmen für ein Pornografieverbot Gegen Ende der 70er Jahre veränderte sich die Bedeutung des Begriffes Pornografie aus anti-pornografischer Sichtweise grundlegend: Alle medialen Darstellungen von Sex wurden als beleidigend, erniedrigend oder enthemmend angesehen. Pornografie galt nun per se als frauenverachtend und sexistisch. Bis heute steht in der „Routledge Encyclopedia of Philosophie“ Pornografie definiert als: “the graphic, sexually explicit subordination of woman weather in pictures or in words […]. Women are presented dehumanized, as sexual objects or commodities, or as whores by nature, or as experiencing sexual pleasure in being raped.” Diese Umschreibung stammt von Andrea Dworkin und Catherin McKinnons, zwei der bedeutendsten Vertreterinnen der US-amerikanischen anti-pornografischen Debatte. Die Anti-Porno-Feministinnen waren der Meinung, weibliche und männliche Sexualität seien deutlich verschieden voneinander und stünden in einem asymmetrischen Machtverhältnis zueinander: Männliche Sexualität sei aggressiv, gewalttätig, 170 Auf Ellen Willis 1981 veröffentlichten Aufsatz ‘Is the Womans Movement Pro-Sex?’ geht der Begriff pro-sex zurück, welcher in den sogenannten feminist-sex-wars die Gegenstimme zu anti-porn einnahm. 171 Willis, Ellen: No More Nice Girls. Contercultural Essays, Hanover: University of Minnisota Press, 1992, S. 5. 172 Offermann/Steiml: I want the right to see a dirty Picture, S. 374 f. 173 Vgl. Offermann/Steiml: I want the right to see a dirty Picture. 386. 174 Edward Craig (Hrsg.), Routledge of Encyclopedia of Philosophy, 10, Bd. 7: Irigaray-Lushi chunqiu, London/New York: Routledge, S. 543. 46 dominant und herrsche über die weibliche Sexualität, während die weibliche Sexualität sich-selbst-unterwerfend und passiv sei. Pornografische Bilder konstruierten somit sexuelle Gewalt und Unterwerfung, die es auszumerzen gelte. Diesem Denkmuster spielte auch die Unterscheidung zwischen Pornografie und Erotika zu. Dieser Unterschied wurde daran festgemacht, ob Genitalien in Aktion gezeigt wurden. Erotika wurde als visuelles Material explizit für Frauen verstanden, welches der Pornografie gegenüber als abgeschwächt erschien, beziehungsweise weniger eindeutige Szenen, dafür mehr Rahmenhandlung beinhaltete. Demgegen- über stand die Sexualpraktik des Sadomasochismus, welche zu jener Zeit vermehrt auch von Feministinnen praktiziert wurde. Die dem Sadomasochismus gegenüber offen eingestellten Frauen wurden seitens der Anti-Porno-Feministinnen angeklagt; sie hätten die gewaltförmige Sexualität des patriarchalen Sexualitätsregimes verinnerlicht und übernommen und würden somit nicht aus freiem Willen handeln : „Pornografie ist die Theorie und Vergewaltigung die Praxis.“ Aussagen wie die der politischen Aktivistin Robin Morgan häuften sich und fanden in der 1980 veröffentlichten Autobiographie Linda Boremans ihren Beweis. Linda Boreman schreibt, dass sie für den Film gegen ihren Willen zu sexuellen Handlungen gezwungen worden war – beispielsweise mit einer Waffe zum Üben des „Deepthroatings“ und sagte später öffentlich: “Virtually everytime someone watches that movie, they´re watching me being raped.” , Diese Aussage stützt die Anklage Andrea Dworkins, es gäbe eine fundamentale Verwechslung zwischen dem im Pornofilm sichtbaren Bild und den Bedingungen, unter 175 Offermann/Seiml: I want the right to see a dirty picture, S. 374ff. 176 Ebd. 177 Ebd. S. 396. 178 Vgl. Morgan, Robin: Going Too Far.: The Personal Chronicle of Feminist, New York: Random House, 1977, S.333. 179 Hauptdarstellerin im Film ‚Deep Throat’, Siehe Kapitel ‘Deep Throat’. 180 Barbado/Bailey: Inside Deep Throat, 01:10:18. 181 Diese Aussage wurde im Nachhinein vom Regisseur Daminao negiert, indem er Linda unterstellt, sie hätte immer eine Person gebraucht, die ihr sage was sie tun solle. Dies war erste ihr Freund, der sie ins Pornogeschäft brachte und später die anti-porn Aktivistin Dworkin. Zitiert nach Gerard Damiano, Inside Deep Throat, 01:13:51. 47 denen er produziert wurde. Da die öffentliche Debatte um ein Pornografieverbot allerdings im Rest der Gesellschaft wenig Früchte trug, wurde ab Anfang der 80er Jahre der juristische Weg eingeschlagen. In den USA kämpften die Anti-Porno-Feministinnen vermehrt an der Seite der konservativen Politiker*innen, welche Pornografie aufgrund ihrer Sexualisierungskraft in der Gesellschaft als Feindbild des traditionellen Familienbildes identifizierten. Daraufhin wurden Pornokinos und Sexshops nur noch in gewissen Zonen erlaubt, was dem „Porn Chick“ der 70er ein Ende setzte und Pornografiekonsum wieder in den Bereich des Obszönen verstieß. Auch in Deutschland fand zu dieser Zeit ein Wandel statt: Mit der PorNo Kampagne stellte Alice Schwarzer 1987 in Deutschland ihren Gesetzesentwurf gegen Pornografie vor, da Pornografie aufgrund der ihr innewohnenden Objektivierung von Frauen und Verherrlichung sexueller Gewalt an Frauen gegen das Menschenrecht der Würde und Freiheit verstoße. Das Gericht wies die Klage allerdings zurück, da Frauen nicht kollektiv beleidigungsfähig seien. Der Autor Michael Bader nennt 2016 als Hauptangst der Anti-Porno-Debatte das Moment der Gefahr, die gesellschaftliche Realität durch Pornografie als visuelles Massenmedium in eine sexistische, Frauen objektivierende Richtung hin zu konstruieren. Männern würde im heterosexuellen Mainstreamporno das Bild vermittelt, sie wären das aktive Subjekt des Szenarios, während Mädchen schon früh lernten, dass sie lediglich sexuelle Objekte für männliches Begehren seien. 182 Offermann/Steiml: I want the right to see a dirty Picture, S. 382 183 Ebd. 184 Pornografie definierte sie wie folgt: Pornografie ist die Verharmlosende oder verherrlichende, deutlich erniedrigende sexuelle Darstellung von Frauen oder Mädchen in Bildern und/oder Worten, die eins oder mehrere der folgenden Elemente enthält: 1. die als Sexualobjekt dargestellten Frauen/Mädchen genießen Erniedrigung, Verletzung oder Schmerz; 2. die als Sexualobjekt dargestellten Frauen/Mädchen werden vergewaltigt - vaginal, anal, oder oral; die als Sexualobjekt dargestellten Frauen/Mädchen werden von Tieren oder Gegenständen penetriert - in Vagina oder After; 4. die als Sexualobjekt dargestellten Frauen/Mädchen sind gefesselt, geschlagen, verletzt, misshandelt, verstümmelt zerstückelt oder auf andere Weise Opfer von Zwang oder Gewalt“ (Schwarzer: PorNo!, S. 54). Damit schloss sie beinahe jegliche Form der Darstellung sexueller Handlungen aus. 185 Schwarzer, Alice: PorNo - Emma Sonderband 5. Die Kampagne - Das Gesetz - Die Debatte, Köln: EMMA Frauenverlags Gruppe, Bd. 5, 1988, S. 43-45. 186 Offermann/Steiml: I want the right to see a dirty Picture, S. 379. 187 Vgl. Bader, Michael: PorNo! Radikalfeministische Positionen gegen Pornographie, In: Schmidt, Anja (Hg.): Pornographie. Im Blickwinkel der feministischen Bewegungen, der Porn Studies, der Medienforschung und des Rechts, Baden-Baden:Nomos, 2016, S. 29. 188 https://drcarolineheldman.com/2012/07/02/sexual-objectification-part-1-what-is-it/ vom 2.7.2012, Zugriff am 20.01.2018. 48 1.7.2 Entwicklungen zum Sex-Positive-Feminismus Wichtiger Bestandteil der feministischen Pornodebatte ist Laura Mulveys Artikel „Visual Pleasure and Narrative Cinema“ von 1975, in dem sie auf die drei Formen des Blickes, welche die filmischen Strukturen lenken, aufmerksam macht. Der Blick der Kamera, der Zuschauer*innenblick und der Blick der Darsteller*innen seien alle von der patriarchalen Geschlechter-Hierarchie beeinflusst und würden somit immer einen männlichen Blick bei den Zuschauer*innen erzeugen. Die Lust am Schauen werde in einer Gesellschaft der sexuellen Ungleichheit in „aktiv/männlich und passiv/weiblich“ unterteilt. Somit gäbe es in dieser Welt nie einen aktiven, kontrollierenden und lustvollen weiblichen Blick, auch wenn es Frauen seien, die blicken. Auch reiche es laut Kapeler nicht aus, das Was, also die Inhalte pornografischer Darstellungen zu kritisieren – vielmehr solle das Wie, die Art der Darstellung betrachtet und verändert werden. Diese Ansichten wurden allerdings von anderen Feministinnen wiederum kritisiert, da das Konzept weniger dem Wiederstand gegen die vorherrschenden patriarchalen Strukturen diene, als es diesen allzu große Macht zuspräche, die sie gar nicht besäße. Und so wurde laut Offermann und Steiml aus dem anti-pornografischen Wiederstand gegen die Herrschaftspraktiken in der Pornografie immer mehr ein verallgemeinerter Opferdiskurs, welcher der Pornografie eine universelle Macht zusprach, die sie faktisch nicht besaß. Somit wurden parallel zu den radikalen Anti-Porno-Stimmen Anfang der 80er Jahre Rufe laut, Pornografie habe das Potential, sexuelle Lust und sexuelles Wissen auch gegen bestehende Normen anzuregen und sei somit wichtiger Beitrag zur Befreiung der weiblichen Sexualität. “It is not enough to move women away from danger and oppression; it is necessary to move toward something: toward pleasure, agency, and self-definition. Feminism must increase woman´s pleasure and joy, not just decrease our misery.” 189 Mulvey, Laura: Visuelle Lust und narratives Kino in: Texte zur Theorie des Films, Stuttgart: Reclam, 2003, S. 397. 190 Kapeler, Susanne: Pornographie: Die Macht der Darstellung, München: Frauenoffensive, 1988,, S. 8. 191 Vgl. Offermann/Steiml: I want the Right to see a Dirty Picture, S. 393. 192 Vgl. Ebd. 193 Offermann/Steiml: I want the Right to see a Dirty Picture, S. 398f. 194 Vance, Caroline S.: Pleasure and Danger: Towards a Politics of Sexuality, London: Boston Routledge & K. Paul, 1984, S. 3. 49 Dies war der Gedanke hinter der 1982 in New York abgehaltenen feministischen Barnard-Konferenz „Towards a politics of Sexuality“. Ziel war es, den feministischen Diskurs auf eine sex-positive Weise zu unterbrechen. Da die Anti-Porno-Feministinnen zum einen nicht zur Konferenz eingeladen waren und zum anderen die sex-positive Bewegung S/M-Praktiken befürwortete, entbrannte hier der Höhepunkt der „Porn-Wars“. Mit besonderem Blick auf S/M wurde die Trennung zwischen Inszenierung und Darstellung wichtiger Bestandteil der weiteren Diskussion. Denn laut Rubin handelt es sich bei der medialen Darstellung von Sexualität immer um eine Inszenierung, demnach könne auch bei BDSM aufgrund der dargestellten Sexualität kein Urteil über die Produktionsbedingungen gefällt werden. Bezugnehmend auf die „Porn-Wars“ äußert sich Drucilla Cornell 1997 indem sie ein Reformprogramm der Pornoindustrie vorschlägt, in dessen Kern die Selbstorganisation der Beschäftigten steht. Außerdem geht es ihr um die Wahrung der bürgerlichen Rechte der Darsteller*innen und um die „Befreiung des weiblichen Imaginären“. Selbst beschreibt sie ihren Ansatz als „ethischen Feminismus“, den sie eindeutig mit der Erweiterung des weiblichen Sexualitätshorizontes einhergehen lässt. Mit diesem Ansatz gilt sie als richtungsweisend für den heutigen feministisch/ethischen Pornografieansatz und definiert unter anderem die Eckpunkte der Kriterien für PorYes-Filme , welche im Folgenden näher betrachtet werden sollen. Bisher wurde versucht, einige der verschiedenen Argumentationsstränge der feministischen Debatte um Pornografie aufzuzeigen. Hieraus lassen sich nun drei Hauptkritiklinien filtern: Die Linie der Produktion: Kritik an den Arbeitsbedingungen der in der Pornoindustrie tätigen Menschen. Hierbei spielt die Forderung nach fairer Bezahlung und ethischem Umgang eine große Rolle. Die Linie der Wirkung: Die von den pornografischen Bildern ausgesendeten Codes, Zeichen und Handlungen, welche eine gewisse Wirkung oder Beeinflussung beim Publikum erzielen. Hierbei wird besonderer Wert auf eine Dekonstruktion der weiblichen Objektrolle und das Abschaffen nicht einvernehmlicher Gewalt gelegt. 195 Offermann/Steiml: I want the Right to see a Dirty Picture, S. 396. 196 Cornell, Drucilla: Die Versuchung der Pornographie - Gender Studies, Frankfurt: Surkamp, 1995, S.10. 197 PorYes wird als das Kürzel für sexpositiven Feminismus gesehen, welcher sich seit den 70er Jahren für eine positive Darstellung von Sexualität einsetzt. 50 Die Linie der gesellschaftlich vordefinierten Machtverteilung: Die Auseinandersetzung mit der Frage nach einem vordefinierten und durch Pornografie propagierten Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Diese Punkte sind wichtige Bestandteile der fortlaufenden feministisch/ethischen Pornografiedebatte und bilden die Kriterien für die PorYes-Filme, welche im folgenden Kapitel näher erläutert werden sollen. Im Weiteren wird der Versuch gewagt, die Grenzen des feministischen Pornos auszuloten, um somit einem Status quo der alternativen Pornoszene näher kommen zu können. Da dieses Feld allerdings noch recht jung ist und sich gerade erst aufzustellen scheint, kann leider nur auf sehr wenig Fachliteratur zurückgegriffen werden, weshalb bei der Recherche vermehrt auf Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Blogbeiträge und Videobeiträge zurückgegriffen wird. Ein Hauptwerk stellt das E-Book „Kommen mit Stil“ dar, welches 2016 von Theresa Lachner, der Autorin eines der größten deutschen alternativen Sex-blogs, „Lvstprinzip.de“, geschrieben wurde. Dieses Buch ist besonders interessant, da Lachners Sicht als sex-positive Redakteurin der jüngsten Zeit einen vermeintlich umfassenden Blick auf den Status Quo zu repräsentieren vermag. „Ich wünsche mir eine neue Gesprächskultur, in der Pornovorlieben genau so entspannt diskutiert werden können wie Musikgeschmack oder der letzte Arthausfilm.“ 198 Lachner, Theresa: Kommen mit Stil - der Guide für nachhaltigen Porno, Berlin: Lvstprinzip Publishing, 2016, S. 13.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Pornografie in einer sexualisierten Gesellschaft – Ein Zeichen der Befreiung oder doch nur Sexismus? Wer dirigiert unsere Lust und wer verdient an ihr? Gibt es Alternativen zur Casting-Couch und wie saftig ist das Stroh auf der anderen Seite?

Vor dem Hintergrund der feministischen bzw. ethischen Pornografie wird diese Arbeit den obigen Fragen nachgehen. Eine Annäherung an die komplexe Geschichte der Pornografie, die Macharten im Mainstreamporno sowie das Phänomen der Tube-Seiten sollen Nährboden für eine quantitative Gesellschaftsbefragung zu Erwartungen, Einschätzungen und Möglichkeiten fair produzierter Pornografie bieten.