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Ribana Schmidt

Feministische und ethische Pornografie, page 1 - 12

Revolution einer Branche oder Randerscheinung?

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4309-7, ISBN online: 978-3-8288-7243-1, https://doi.org/10.5771/9783828872431-1

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Ribana Schmidt Feministische und ethische Pornografie Ribana Schmidt Feministische und ethische Pornografie Revolution einer Branche oder Randerscheinung? Tectum Verlag Ribana Schmidt Feministische und ethische Pornografie. Revolution einer Branche oder Randerscheinung? © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2019 ePDF 978-3-8288-7243-1 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4309-7 im Tectum Verlag erschienen.) Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. „Porno ist nicht der Sex im virtuellen Raum. Selbst der reale Sex verwandelt sich heute in Porno.“ Han, Byung-Chul: Agonie des Eros Danke für die Geduld, die Kraft und die Zeit. Christian, Laura, Toni, Moritz, Andreas, Thomas und Mama. 7 Vorwort Das Konzept „fairer“, ethischer oder nachhaltiger Pornografie ist noch unbestimmt und umfasst eine ganze Reihe von – teils vagen – Ansätzen nsätzen und Zielen. Diese zu sortieren und einen Überblick über ein Genre und dessen möglichen Weg aus der Schmuddelecke zu liefern ist das Ziel der vorliegenden Publikation. Pornografie ist eine der ältesten Mediengattungen. Pornografische Darstellungen reichen bis in vorantike Zeiten zurück und erstrecken sich auf viele Kulturkreise. Die Darstellung von Sexualität ist dabei immer auf Medien angewiesen: Zeichnungen, Texte, Fotografie und schließlich Video oder zukünftig Virtual Reality sind die Träger erotografischer Narrative. Die Realität der Medien (nach Luhmann) vermittelt dabei immer auch Vorstellungen der Medienmacher sowie Vermutungen und Spekulationen um die Vorlieben der Zuschauer. Diese mediale Konstruktion der Pornografie erlaubt also einen Blick auf dahinterliegende Konzepte von Sexualität. Heteronormative Geschlechterklischees, die Objektivierung der Frau, die Darstellung herabwürdigender Sexualpraktiken oder die Fokussierung auf die männliche Lust in der Mainstreampornografie führen zu Ablehnung und der Forderung PorNo! Zudem trage die Flut an (Internet-) Pornografie zur „Pornografisierung von Gesellschaft“ bei. Auch die Produktionsbedingungen in der Pornobranche – spätestens seit dem Aufkommen der Videoproduktionen und noch einmal verstärkt durch das Internet – sind Gegenstand von Diskussionen und häufig Anlass zur Kritik. In jüngster Zeit gibt es Tendenzen, dieser Mainstreampornografie ein feministisches, sexpositives Narrativ gegenüberzustellen. Sowohl in den medialen Vermittlung als auch in der Produktion am Set selbst sollen ethische Standards gewahrt und überkommene Geschlechterklischees überwunden werden. Doch wie kann eine solche „Nachhaltigkeit“ in der Pornoproduktion aussehen? Und wie ist die Relation von Produktion, Medium und Rezeption? Kenntnisreich und fundiert wird in der vorliegenden Studie der historische Bogen von den Anfängen des Adult Cinema bis heute gezogen, von Deep Throat (1972) zu den heutigen Tube-Seiten im Internet, von den Feminist Sex Wars zum Sex-Positive-Feminismus. Ribana Schmidt wagt in ihrer bemerkenswerten Abschlussarbeit am Fachbereich Medien der FH Kiel einen unvoreingenommenen und doch feministisch geprägten Blick auf diese neuen Produktionen und stellt zu Recht Etiketten wie feministischer Porno, Ethical Porn oder Female Friendly auf den Prüfstand. In einer stichprobenhaften quantitativen Befragung ermittelt Schmidt empirisch, was die Befragten – wenn überhaupt – mit diesen Labeln verbinden. Schließlich darf auch die Rezeptionsebene nicht vernachlässigt werden: Schmidt untersucht, ob analog zum bewussten nachhaltigen Konsum der LOHAS auch faire Pornografie einen fairen Preis erzielen könnte. Interviews mit Branchen-Insidern ergänzen eine spannende und – auch zwischen den Zeilen – erkenntnisreiche Binnenperspektive. 8 Ob es sich bei dem Trend zu nachhaltiger Pornografie um die Revolution einer Branche oder eine Randerscheinung – wie es im Untertitel der Arbeit heißt – handelt, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Die vorliegende Arbeit leistet aber in jedem Fall einen wertvollen Beitrag zur Begriffsbestimmung und als Grundlage einer zukünftigen Diskussion. Christian Möller, Kiel, im Februar 2019 9 Inhalt 1. Pornografie ....................................................... 16 Rechtliche Grundlagen .............................................................................. 17 Geschichtlicher Überblick .......................................................................... 19 Pornografie und Gesellschaft ...................................................................... 23 Internetpornografie .................................................................................... 27 Porno Tube-Seiten: „Wie im wilden Westen“? ................................. 28 Die Firma Mindgeek ........................................................................ 30 Wie „Mindgeek“ und Co. die Industrie veränderten ........................ 32 Angebot, Kategorien und Suchanfragen ........................................... 33 Female Friendly ............................................................................... 36 Geschlechterrollen in der Mainstream-Pornografie ..................................... 38 Deep Throats Vermächtnis: Cumshots, Analsex und die pornografische Steigerungslogik ......................................................................................... 40 Sexuelle Revolution und Feminist Sex Wars ............................................... 43 PorNo! Stimmen für ein Pornografieverbot ...................................... 45 Entwicklungen zum Sex-Positive-Feminismus ................................. 48 10 2. Ethischer/feministischer porno als ....................... 52 mediales konzept Perspektiven alternativer Pornografie Produzent*innen ............................. 51 PorYes! Kriterien feministischer Pornografie .............................................. 52 Feministischer Porno: Label oder Schublade? ............................................. 54 Begriffsverwirrung: Erotika, Feministischer Porno, Ethical Porn oder Adult Cinema? ........................................................................................... 58 Ethical Porn ............................................................................................... 57 Vertrieb und Werbung ............................................................................... 59 Probleme .................................................................................................... 60 Lösungsansätze ........................................................................................... 62 3. Öffentliche wahrnehmung ethischer und ............. 67 feministischer Pornografie Inhaltliche Fragestellung, Versuchsplan und Methode ..................... 66 Häufigkeit des Konsums ................................................................. 71 Thematisierung in Freundschaften und Beziehungen ....................... 71 Erwartungen an einen guten Porno ................................................. 74 Parallelen zu Feministischer/ethischer Pornografie ........................... 72 Bekanntheit der Label ...................................................................... 73 11 Ein Vrgleich: Öffentliche Wahrnehmung der Label ......................... 74 Für Pornos bezahlen? ....................................................................... 79 Bringt bewusste Ernährung auch einen bewussten Pornokonsum? ... 81 Expert*innen Interviews ............................................................................. 82 Vorstellung der Expert*innen ........................................................... 83 Zielgruppe & Publikum ................................................................... 83 Kunst und Kommerzialisierung ........................................................ 84 Vorurteile und gegenseitiges Unverständnis ..................................... 86 Laura Méritt über die öffentliche Meinung, PorYes und das Label „Feminismus“ .................................................................................. 86 Die Zukunft des Pornos? ................................................................. 87 Methodenkritik ................................................................................ 88 Schlusswort ............................................................ 89 Literaturverzeichnis ................................................ 93 Anhang ................................................................. 97 12 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Restaurierte Wandmalerei aus Pompeji. 20 Abbildung 2: Screenshot der Kategorie „Beliebt bei Frauen“ auf Pornhub 36 Abbildung 3: Prozentuale Verteilung des Pornokonsums. 70 Abbildung 4: Private Thematisierung von Pornografie 70 Abbildung 5: Gründe für Pornokonsum 71 Abbildung 6: Erwartungen an einen guten Porno 72 Abbildung 7: Gegenüberstellende Darstellung der Bekanntheit der Label 73 Abbildung 8: Vorgegebene Antwotmoglichkeiten "Was verbindest du mit feministischer Pornografie?". 75 Abbildung 8: Freie Assoziationen "was stellst du dir unter feministischer Pornografie vor?“ 76 Abbildung 10: Auswertung der Ergebnisse, was die Befragten mit ethischer Pornografie assoziieren. 77 Abbildung 11: Freie Assoziationen auf die Frage „was stellst du dir unter ethischer, fairer oder nachhaltiger Pornografie vor?“ 78 Abbildung 12: Prozentualer Anteil an Zahlern vs. Nicht-Zahlern. 79 Abbildung 13: Prozentuale Verteilung der Bereitschaft Geld für Fair Porn auszugeben. 80 Abbildung 14: Bereitschaft der Probanden Geld für Fair Porn auszugeben in Abhängigkeit ihres Ernährungsstils. 81

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Zusammenfassung

Pornografie in einer sexualisierten Gesellschaft – Ein Zeichen der Befreiung oder doch nur Sexismus? Wer dirigiert unsere Lust und wer verdient an ihr? Gibt es Alternativen zur Casting-Couch und wie saftig ist das Stroh auf der anderen Seite?

Vor dem Hintergrund der feministischen bzw. ethischen Pornografie wird diese Arbeit den obigen Fragen nachgehen. Eine Annäherung an die komplexe Geschichte der Pornografie, die Macharten im Mainstreamporno sowie das Phänomen der Tube-Seiten sollen Nährboden für eine quantitative Gesellschaftsbefragung zu Erwartungen, Einschätzungen und Möglichkeiten fair produzierter Pornografie bieten.