Content

6 Resümee und Ausblick in:

Christin Scheurer

Zieh mich an!, page 85 - 88

Ein konsumsoziologischer Beitrag zu digitalisierten Formen des Einkaufens

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4273-1, ISBN online: 978-3-8288-7231-8, https://doi.org/10.5771/9783828872318-85

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
85 6 Resümee und Ausblick 6.1 Forschung & Methode Die Forschungsarbeit beinhaltet vier Interviews mit Nutzern von Curated Shopping Diensten als auch eigens erhobene Daten, die mittels Forschungstagebüchern und Protokollen festgehalten wurden. Alle Daten wurden mit der Grounded Theory Methodology ausgewertet. Dabei erwies sich der Leitfaden als sinnvoll und präzise, jedoch ist reflektierend zu sagen, dass noch spezifischer bestimmte Inhalte hätten erfragt werden sollten. Dahingehend kann man ausblickend den Leitfaden modifizieren. Mitunter meint dies insbesondere präziser nach Vorstellungen von Stil und Geschmack zu fragen, was damit gemeint ist, welche Assoziationen damit aufgerufen werden, aber auch wann eingekauft wurde mit welchen Motiven (um die latente ‚Leerstelle‘ noch präziser herauszuarbeiten). Grundlegend kann ebenfalls gesagt werden, dass ein offener Leitfaden gut war um den Interviewenden die nötige Freiheit zu geben ihre Relevanzen selbst zu setzen und damit eigene Schwerpunkte hervorzuheben. Allerdings ist die Anzahl der Interviews noch zu gering um wirklich eindeutige Aussagen treffen zu können und dem Kriterium der theoretischen Sättigung (Mey/Mruck 2009) genügen. Mit den beschriebenen Erkenntnissen, die komplexitätsreduzierend auch in einen Typenvorschlag eingegangen sind, liegen erste Anhaltspunkte vor, die richtungsweisend für weitere Forschungsbemühungen sein können. Dieses könnten mit der Grounded Theory Methodology realisiert werden, die als Forschungsprogramm sicher sinnvoll ist, da sie eben keine Daten ausschließt, große Freiheiten im Forschungsprozess gewährt und stark datenverankerte Theorien zu generieren ermöglicht. 86 6.2 Wie geht es weiter? Zusammenfassend und mit Blick auf den derzeitigen Forschungsstand lässt sich zeigen, dass das Phänomen Curated Shopping bislang noch unzureichend beleuchtet wurde und sich eine Reihe interessanter Lücken zeigten. Diese Lücken können von Anbieter- oder Konsumentenseite mit unterschiedlichen Blickwinkeln unter die Lupe genommen werden. Aufgrund der Forschungsdesiderate zur zunehmenden Verflechtung von Anbieter- und Konsumentenhandeln lassen sich weitere Orientierungspunkte für methodische Fragen identifizieren. Die Geschwindigkeit der technischen Entwicklung und der daraus resultierenden Dynamik von Konsumangeboten und Märkten verändert sich stetig und machen andere Methoden erforderlich. Dabei bietet sich a) generell ein explorativ-interpretatives Vorgehen an (vgl. Keller 2016). Für den Online-Handel und das Online- Shopping erscheint es b) notwendig, für die Rekonstruktion der reflexiven Bezugnahme und der Verla ̈ufe der Angebotsentwicklung und Nutzung (als Trajektorien vgl. Grenz 2017) beide Perspektiven, die der Anbieter wie auch die der Konsumenten, zu rekonstruieren. In Hinblick auf die Anbieterorganisationen und das wirtschaftliche Handeln im Unternehmen ist es dabei c) erforderlich, nicht nur die Au- ßendarstellung der Produktinszenierung zu betrachten, sondern auch das unternehmerische Handeln und die Erstellung der Beratungsleistung in der Anbieterorganisation mo ̈glichst ‚nah‘ zu erheben (vgl. Laurilla 1997). Dies würde eine Ergänzung zur Nutzung des Angebotes, was in dieser vorliegenden Arbeit behandelt wurde, darstellen. Gilt es zudem, kuratiertes Einkaufen online hinsichtlich seiner Eigenheiten zu erfassen, muss dieses e) in Kontrast zur Nutzung von Beratungsangeboten im Einzelhandel betrachtet werden, dies wurde hier nur in Ansätzen besprochen und kann noch weiter ausgeführt werden. Das anbieterseitige Handeln lässt sich schließlich in Rahmen dessen mit einem ethnographischen Programm beleuchten, das über die Außendarstellung eines Unternehmens hinausgeht. Dabei bestehen die Vorteile in einer langfristigen Beobachtung eines Falles der Flexibilität in den Möglichkeiten und Methoden zur Datenerhebung zulässt. Mitunter lassen sich dabei auch die technische Rahmung der Beratung und Präsentation ansehen bspw. durch algorithmische Berechnungen; digitale Kommunikationsformate als auch das Geschäftsmodell. Mitunter bietet sich auch eine Dokumentenanalyse an bspw. von Werbenachrichten als auch Werbeauftritten auf Webseiten oder Pressemitteilungen, um die Anbieterseite zu rekonstruieren. 87 Nicht zu unterschätzen sind ebenfalls quantitative Methoden zur Eingrenzung. Diese können mitunter erste Orientierungen liefern. Beispielsweise wäre eine quantitative Befragung zu den qualitativen Interviews sinnvoll, um einschätzen zu können, um wie viele Nutzer es sich handelt und wer was genau nutzt. Davon ableitend könnte man den qualitativen Fragebogen weiter und spezifischer ausführen. Hinsichtlich der theoretischen Rückbindung lassen sich die Ergebnisse nochmals anders betrachten. Jennifer Eickelmann (2017) bietet eine Konzeptualisierung des Spannungsverhältnisses zwischen Realität und Virtualität. Insbesondere die Forschungsarbeiten von Stefan Laube im Bereich der Techno-Sozialen Interaktion scheinen mir hier ebenfalls anknüpfungs- und zukunftsweisend. Nicht zuletzt lässt sich das zuletzt viel diskutierte Buch von Andreas Reckwitz „Die Gesellschaft der Singularitäten“ (2018) hinzunehmen, um es dem Curated Shopping Phänomen gegengegenüberzustellen. Mit diesem Werk stellt Reckwitz eine Theorie der Moderne auf, in der er beschreibt, dass die authentischen Subjekte nach originellen Interessen, Produkten und kuratierten Biografien streben (Vgl. Reckwitz 2018: 7 ff.). Mit den vorliegenden Ergebnissen der Arbeit zeigte sich, dass die Anbieter mit besonderen und kuratierten Produkten werben, es dem Akteur allerdings um das Gegenteil geht: Es bleibt zu prüfen ob die spätmoderne Feier des Singulären (Vgl. ebd.) nicht nur eine (theoretische) Party ist nach der kollektiv alle wieder zu den Angemessenheiten des Alltags übergehen.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die Entwickler von technologischen Innovationen und personenbezogenen Dienstleistungen versuchen stets am Puls der Zeit zu sein. Im Idealfall dienen diese als Antwort auf gesellschaftliche Trends und Herausforderungen. So bietet Onlineshopping aus ökonomischer Sicht eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten, die scheinbar viele Probleme zu lösen vermögen. Doch was auswählen aus der unüberschaubaren Vielzahl an Produkten, Anbietern und Shops?

Aufgrund der Vielfalt müssen Komplexitätsreduktionen für KonsumentInnen stattfinden. Eine Antwort darauf: Curated Shopping. Christin Scheurer fragt hier nach der Konsumentenseite und zeigt entlang einer empirischen Analyse das Spannungsfeld zwischen Bedarf der KundInnen und dem Angebot der Anbieter auf. Stellt Curated Shopping wirklich eine Antwort auf die Probleme der KonsumentInnen dar?