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I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit in:

Nina Wittmann

The Museum of Non-Objective Painting - Art of This Century, page 1 - 28

Konkurrenz und Kunstbetrieb in New York in den 1930er und 1940er Jahren

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4296-0, ISBN online: 978-3-8288-7228-8, https://doi.org/10.5771/9783828872288-1

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Kunstgeschichte, vol. 9

Tectum, Baden-Baden
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Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit Ausgangslage Die staatlich finanzierten Museen, die im 18. und 19. Jahrhundert in Europa gegründet wurden, entstanden auf der Grundlage von Sammlungen, die Könige, Aristokraten, Päpste oder bürgerliche Organisationen zusammengetragen hatten. Kunst in einem größeren Umfang zu sammeln, wurde in den USA in der Zeit der wirtschaftlichen Erholung und der Industrialisierung erst nach dem Sezessionskrieg1 möglich. Die ersten bedeutenden amerikanischen Sammler waren größtenteils Geschäftsleute und Industrielle, die aus eigener Kraft wohlhabend geworden waren. Sie trugen renommierte Sammlungen anerkannter europäischer Meisterwerke zusammen und setzten damit einen Standard für amerikanische Museen und Privatsammlungen. Dazu gehörten auch jene Sammler, die die großen amerikanischen Kunstmuseen gründeten. Diesen Museumsgründungen lag ein komplexes Motivationsgefüge zugrunde: Kunst zur Erlangung gesellschaftlichen Prestiges, als gewinnbringende Investition, zur ästhetischen Erbauung sowie als Ausdruck publikumswirksamer Ideale wie Bürgerpflicht, Erziehung der Öffentlichkeit und Förderung der Kreativität.2 Am Anfang dieser Entwicklung stand 1870 neben dem Museum of Fine Arts in Boston das Metropolitan Museum of Art in New York. I. 1. 1 Der Sezessionskrieg, auch Amerikanischer Bürgerkrieg genannt, war ein militärischer Konflikt von 1861 bis 1865, der zwischen den aus den Vereinigten Staaten ausgetretenen Südstaaten und den in der Union verbliebenen Nordstaaten (Unionsstaaten) ausgetragen wurde. 2 Stavitsky, Gail: Museen und Sammler, in: Amerikanische Kunst im 20. Jahrhundert. Malerei und Plastik 1913–1993, Kat. Ausst., hrsg. von C. Joachimides / N. Rosenthal / D.Anfam / G. Fietzek / B. Adams, Berlin (Martin Gropius-Bau) 1993 / London (Royal Academy of Arts) 1993, München 1993, S. 163 1 An zeitgenössischer Kunst hingegen waren nur einige wenige Pioniere interessiert. Das zu dieser Zeit modernste Bild, das vom Metropolitan Museum of Art angekauft wurde, war Cézannes La Colline des Pauvres3, das erste postimpressionistische Gemälde, das in eine amerikanische Museumssammlung aufgenommen wurde.4 Dieser Cézanne wurde 1913 auf der Armory Show erworben, einer Ausstellung, die als Impulsgeber für das Sammeln moderner Kunst in Amerika von größter Bedeutung war und einen ersten Überblick über den Status der europäischen Avantgarde lieferte.5 Der New Yorker Anwalt John Quinn, der wichtigste Förderer dieser Ausstellung, führte einen juristischen Kreuzzug für die Abschaffung des Zolls auf alle Kunstwerke, die weniger als zwanzig Jahre alt waren, und trug damit erheblich zur rasanten Entwicklung des New Yorker Kunstmarkts bei. Als er 1924 starb, hatte Quinn eine bedeutende Sammlung avantgardistischer Literatur und Kunst zusammengetragen, deren Schwerpunkt auf den Arbeiten von Constantin Brancusi lag. Ein weiterer Sammler, der sich von der Armory Show begeistern ließ, war der Chicagoer Anwalt Arthur Jerome Eddy, der einer der frühesten Förderer Kandinskys wurde und eines der ersten Bücher über moderne Kunst, das in Amerika erschien, verfasste.6 Walter und Louise Arensberg gehörten zu den wichtigsten Sammlern moderner Kunst in den Vereinigten Staaten. Auf der Kunstausstellung Armory Show erwarben sie Gemälde von Paul Cézanne, Paul Gauguin sowie von 3 Paul Cézanne: La Colline des Pauvres, 1888–1904, Öl auf Leinwand, Metropolitan- Museum of Art, New York. Link zum Bild: http://www.metmuseum.org/collection/ the-collection-online/search/435885, Stand: 03.06.2015 4 Stavitsky 1993, S. 164; http://www.metmuseum.org/collection/the-collection-online/ search/435885, Stand: 03.06.2015 5 Die Armory Show, offiziell International Exhibition of Modern Art, war eine Ausstellung von Kunstwerken und Skulpturen der Moderne, die vom 17. Februar bis zum 15. März 1913 im Zeughaus (Armory) der Fighting Irish des 69. New Yorker Regiments der Nationalgarde, Ecke Lexington Avenue/25th Street, gezeigt wurde. Sie war anschlie- ßend in Chicago und Boston zu sehen. Die Ausstellung hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der amerikanischen Kunst, und so wird oft das Jahr 1913 als Beginn der Moderne in Amerika angegeben. Siehe dazu: Brown, Milton W.: The story of the Armory Show, New York 1988; Davidson, Abraham A.: Die Armory Show und die frühe Moderne in Amerika, in: Amerikanische Kunst im 20. Jahrhundert. Malerei und Plastik 1913–1993, Kat. Ausst., hrsg. von C. Joachimides / N. Rosenthal / D.Anfam / G. Fietzek / B. Adams, Berlin (Martin Gropius-Bau) 1993 / London (Royal Academy of Arts) 1993, München 1993 6 Eddy, Arthur Jerome: Cubists an Post-Impressionism, New York 1914 I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 2 Jacques Villon, die den Grundstock ihrer Avantgardesammlung dadaistischer, kubistischer und surrealistischer Kunst bildeten. Die aus ihrem Nachlass resultierende Louise and Walter Arensberg Collection des Philadelphia Museum of Art umfasst zahlreiche bedeutende Werke der modernen Kunst, darunter einige der signifikantesten Arbeiten von Marcel Duchamp. Im Jahr 1927 eröffnete der Kritiker und Kunstsammler Albert Eugene Gallatin in New York, mit seiner Gallery of Living Art das erste ausschließlich zeitgenössischer Kunst gewidmete Museum in Amerika.7 Gallatin richtete in der South Study Hall der New York University von 1927 bis 1943 ein kleines informelles Museum ein, das mit einer Auswahl kubistischer Gemälde eröffnet wurde. Zwischen 1928 und 1933 erwarb Gallatin Werke von Hans Arp, Robert Delaunay, Joan Miró, Piet Mondrifan und Jean Hélion. Damit gelangten zum ersten Mal Arbeiten dieser Künstler in eine amerikanische Museumssammlung. Gallatins Einrichtung stand allerdings im Schatten der Entstehung einer größeren Institution in New York, dem im Jahre 1929 von einem Sammlerkomitee eröffneten Museum of Modern Art, das durch die Initiative von drei wohlhabenden Kunstsammlerinnen entstand: Abby Aldrich Rockefeller, Lillie P. Bliss und Mary Quinn Sullivan. Diese Museumsgründung markierte die Institutionalisierung der modernen Kunstszene in New York und für die gesamte USA. Unter der Leitung des Direktors Alfred H. Barr Jr. entwickelte es sich zur weltweit einflussreichsten Einrichtung ihrer Art, die sich durch Ausstellungen und Publikationen für die Anerkennung moderner Kunst einsetzte und ursprünglich als Experimentierfeld für Wechselausstellungen geplant war. Der Aufbau einer ständigen Sammlung begann schließlich 1931 mit dem Vermächtnis der Mitbegründerin des Kuratoriums Lillie P. Bliss, das den Anstoß zu weiteren Stiftungen gab. Bliss übergab dem Museum eine umfangreiche Sammlung von Gemälden und Papierarbeiten moderner amerikanischer Künstler. 1934 erhielt das Museum of Modern Art eine Sammlung moderner französischer Kunst und 1935 richtete es mit einer Schenkung der Mitbegründerin Abby Aldrich Rockefeller seinen ersten Ankaufsfond ein. 7 Die „Gallery of Living Art“ wurde 1936 in „Museum of Living Art“ umbenannt. Siehe dazu: Albert Eugene Gallatin and his circle, hrsg von D. B. Balken, Kat. Ausst., Miami (Lowe Art Museum, University of Miami) Miami 1986 1. Ausgangslage 3 Eine weitere Förderin der modernen Kunst war die Bildhauerin Gertrude Vanderbilt Whitney, die 1918 den Whitney Studio Club gründete, um progressiven Künstlern Ausstellungsmöglichkeiten zu geben. Sie selbst war die beste Kundin ihrer Galerie und baute mit 500 Werken von Edward Hopper, Stuart Davis und anderen Künstlern die größte und vielfältigste Sammlung zeitgenössischer amerikanischer Kunst auf. Nachdem sie vergeblich versucht hatte, ihre Sammlung dem Metropolitan Museum of Art anzubieten, gründete sie 1931 ihr eigenes Museum in New York, das Whitney Museum of American Art, dessen Grundstock eine Sammlung von mehr als 700 überwiegend von ihr gestifteten Kunstwerken bildete. Sie hatte eine Vorliebe für Künstler der Ashcan School, darunter John Sloan und George Luks, sowie für Maler des amerikanischen Realismus wie Edward Hopper und Thomas Hart Benton. Zwischen 1942 und 1946 führte der durch den Zweiten Weltkrieg ausgelöste wirtschaftliche Aufschwung in den Vereinigten Staaten zu einer Hochkonjunktur auf dem Markt für zeitgenössische Kunst. Der Sammlungsgrundstock der New Yorker Museen und Galerien profitierte von der ständig wachsenden Zahl an Künstlern, die im Rahmen der Verfolgung abstrakter, als „entartet“ gebrandmarkter Kunst während der Zeit der Franco- und Hitler-Diktatur emigrieren mussten. Der anschlie- ßende Zustrom von Kunsthändlern und Sammlern trug entscheidend dazu bei, dass eine Vielzahl von Kunstwerken auf den amerikanischen Markt strömten und sich die Aufmerksamkeit vermehrt auf New York als Zentrum avantgardistischer Aktivitäten richtete. In den Jahren von 1943 bis 1947 kam es in New York zu einem regelrechten Bilderboom. Ein Leitartikel in der seit 1902 erscheinenden Kunstzeitschrift Art News beschreibt die Situation folgendermaßen: Wir treten nun in das vierte Jahr des Bilderbooms ein, und das noch immer wachsende Kontingent neuer und auch alter Sammler reißt die Bilder praktisch von den Wänden der Galerien. Sogar die Werke lebender Amerikaner werden langsam ebenso rar wie die lange abgeschnittene Zufuhr an modernen Franzosen und der immer schmaler werdende Vorrat an alten Meistern.8 8 Art News, Juli 1946, S. 13, zitiert nach Guilbaut, Serge: Wie New York die Idee der Modernen Kunst gestohlen hat. Abstrakter Expressionismus, Freiheit und Kalter Krieg, Dresden 1997, S. 144 I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 4 Privatsammler aus der oberen Mittelschicht erwarben die Arbeiten der Exilkünstler und die europäischen Pioniere der Moderne hielten verstärkt Einzug in die amerikanischen Museumssammlungen. Wegbereiterinnen dieser gezielten Sammlungsaktivitäten waren einerseits die aus Europa emigrierte Peggy Guggenheim, die in ihrer New Yorker Museumsgalerie Art of This Century ihre eigene Sammlung abstrakter und surrealistischer Werke europäischer Künstler präsentierte [Abb. 21], andererseits die deutsche Hilla Rebay, die als Gründungsdirektorin des Museum of Non-Objective Painting den Sammlungsgrundstock für das spätere Solomon R. Guggenheim Museum legte [Abb. 1]. Mit dem Namen Solomon R. Guggenheim wird ein großzügiges Mäzenatentum und eine umfangreiche Kunstsammlung von Malerei und Skulpturen des 20. Jahrhunderts assoziiert. Das gleichnamige Museum ist eine der bedeutendsten Einrichtungen für moderne Kunst und hat weltweit ein außerordentliches Renommee erlangt. So unterhält die Guggenheim Foundation, neben dem Stammhaus in New York, auch die Peggy Guggenheim Collection in Venedig, das Guggenheim Museum Bilbao und das Guggenheim Abu Dhabi, das in absehbarer Zeit eröffnet wird.9 Die Kernsammlung des Hauses wurde im Laufe der Zeit durch zahlreiche bedeutende Schenkungen und Ankäufe erweitert und ist dem Engagement mehrerer Sammlerpersönlichkeiten zu verdanken, die jeweils differenzierte Schwerpunkte setzten. Hierzu zählen der umfangreiche Bestand expressiver Kunst des Galeristen Karl Nierendorf, die Sammlung mit surrealistischen Gemälden und Skulpturen von Peggy Guggenheim, impressionistische und postimpressionistische Meisterwerke des Kunsthändlers und Sammlers Justin K. Thannhäuser sowie die Hinterlassenschaften von Katherine S. Dreier und Hilla Rebay. Die Sammlungen dieser Kunstliebhaber, die unabhängig voneinander gegründet und durch verschiedene Visionen geprägt wurden, ergänzen sich hierbei wechselseitig und tragen zu einer bedeutenden Sammlung moderner Kunst in der Guggenheim Foundation bei. Es entstand eine Sammlung aus verschiedenen Konvoluten, 9 Ehemalige Dependancen der Solomon R. Guggenheim Foundation: Guggenheim SoHo im New Yorker Stadtteil SoHo (1992–2002), Guggenheim Hermitage in Las Vegas (2000–2008), Deutsche Guggenheim in Kooperation mit der Deutschen Bank in Berlin (1997–2012) 1. Ausgangslage 5 die alle Facetten der modernen Kunst widerspiegelt, und dennoch akzentuiert bleibt. Den Grundstein der Kunstsammlung legte der jüdische Großindustrielle Solomon R. Guggenheim.10 Er begann ab etwa 1929, systematisch Kunst zu sammeln, nachdem ihn die aus Deutschland stammende Künstlerin Hilla Rebay an die europäische Avantgarde herangeführt und ihn für die gegenstandslose Kunst begeistert hatte. In jüngeren Jahren hatten er und seine Frau Irene eine eher beliebige Sammlung von Gemälden italienischer und flämischer Meister, der französischen Schule von Barbizon sowie von amerikanischen Landschaften erworben. Als er jedoch 1927 mit der in Deutschland geborenen Avantgardekünstlerin Hilla Rebay Bekanntschaft schloss, änderte sich sein Kunstgeschmack grundlegend. Inspiriert von Rebay und ihrer Auffassung von gegenstandsloser Kunst, investierte Guggenheim sein Vermögen, um Werke von Künstlern zu erwerben, die Rebay schätzte. In erster Linie waren dies Rudolf Bauer und Wassily Kandinsky. 1937 gründete Solomon R. Guggenheim in New York die Solomon R. Guggenheim Foundation mit dem Ziel, ein Museum zur „Verbreitung und Förderung der Kunst, zur künstlerischen Erziehung und Bildung der Öffentlichkeit“11 zu gründen. Mit Solomon R. Guggenheim als erstem Präsidenten und Hilla Rebay als Kuratorin wurde schließlich 1939 das Museum of Non-Objective Painting eröffnet, um die Sammlung ad- äquat der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hilla Rebay vollzog den Wandel von der Avantgardekünstlerin zur Kunstvermittlerin und schließlich zu einer einflussreichen Museumsdirektorin. Sie war darüber hinaus zusammen mit dem von ihr ausgewählten Architekten 10 Solomon Robert Guggenheim (1847–1949) stammt aus einer jüdischen Familie, die 1847 aus der Schweiz in die USA ausgewandert war. Da Solomon R. Guggenheim Mitglied der Firma der Gebrüder Guggenheim war, die unter anderem mit Kupfer handelte, wurde er rasch Millionär. Solomon R. Guggenheim heiratete 1895 Irene Rothschild (1868–1954), Tochter des New Yorker Händlers Victor Henry Rothschild (nicht verwandt mit der europäischen Bankiersfamilie Rothschild) und dessen Frau Josephine (geborene Wolf). Aus der Ehe von Solomon und Irene gingen drei Töchter hervor: Eleanor (1896–1992), Gertrude (1898–1966), und Barbara (1904–1985). Siehe dazu: Davis, John H: Die Guggenheims. Von Raubrittern zu Menschenfreunden, Zürich 1984, S. 117–121 11 Zitiert nach Lukach, Joan M: Hilla Rebay. In search of the Spirit in Art, New York 1983, S. 98 I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 6 Frank Lloyd Wright maßgeblich an der Planung des heutigen Guggenheim-Museums beteiligt. Hilla Rebay war somit für die Entstehung und den Aufbau der Solomon R. Guggenheim-Sammlung in New York, einer der größten Kunstsammlungen europäischer Moderne in den USA, verantwortlich. Bereits wenige Jahre nach der Eröffnung des Museum of Non-Objective Painting war Peggy Guggenheim als Mitglied der jüdischen Unternehmerfamilie Guggenheim und Nichte von Solomon R. Guggenheim verantwortlich für ein weiteres Kunstzentrum in New York. Solomon R. Guggenheim war der Onkel von Peggy Guggenheim, deren Vater Benjamin Guggenheim 1912 beim Untergang der Titanic starb.12 Peggy Guggenheim etablierte mit ihrer Museumsgalerie Art of This Century ein Forum, das bald zum Treffpunkt für aus Europa geflohener Künstler wurde. Peggy Guggenheim, die zeitlebens finanziell unabhängig agieren konnte, baute in den späten 1930er Jahren losgelöst von den Aktivitäten ihres Onkels eine Sammlung moderner Kunst in Europa auf. Sie gründete 1938 in London die kommerzielle Galerie Guggenheim Jeune. Anstatt des in London geplanten privaten Museums moderner Kunst kaufte sie nach Ausbruch des Zeiten Weltkrieges zwischen 1939 bis 1940 in Paris eine Kunstsammlung an und eröffnete 1942 in New York ihr Galeriemuseum Art of This Century. Von 1942 bis 1947 präsentierte sie dort ihre Sammlung surrealistischer und abstrakter Werke der europäischen Vorkriegsmoderne. Zu Peggy Guggenheims Beraterstab zählten die surrealistischen Künstler Marcel Duchamp, André Breton und Max Ernst, der Galerist Howard Putzel sowie die Kuratoren des Museum of Modern Art Alfred H. Barr Jr., James Thrall Soby und James Johnson Sweeney. Die Museumsgalerie errang bald große Popularität und entwickelte sich zu einer zentralen Anlaufstelle für Avantgardekünstler. Die schöpferische Kraft der 12 Benjamin Guggenheim (1865–1912) war das sechste von insgesamt elf Kindern von Meyer Guggenheim (1828–1905) und dessen Frau Barbara Meyers (1834– 1900). Er war ebenfalls erfolgreich im Familienbetrieb im Kupferbergbau tätig. Benjamin Guggenheim heiratete 1894 Florette Seligman (1870–1937), die Tochter von James Seligman, dem Präsidenten einer New Yorker Bank. Sie hatten drei Töchter: Benita Rosalind (1895–1927), Marguerite „Peggy“ Guggenheim (1898– 1979) und Barbara Hazel (1903–1995). Benjamin Guggenheim ist eines der bekanntesten Opfer des Titanic-Unglücks. Siehe dazu: Davis 1984, S. 117–121; Guggenheim 2006, S. 35 f. 1. Ausgangslage 7 europäischen Künstler verband sich mit noch weitgehend unbekannten Ideen und Stilrichtungen amerikanischer Künstler, woraus wiederum der Abstrakte Expressionismus hervorging.13 Dieser neuartige Kunststil stieß bald auf weltweite Anerkennung und bestimmte die Entwicklung der modernen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich. Peggy Guggenheim leistete eine entscheidende Vorarbeit dafür, dass sich nach dem Krieg das westliche Zentrum der Avantgardekunst von Paris nach New York verlagerte. Ihre bereits beträchtliche Sammlung wuchs durch den Kontakt mit den geförderten Künstlern weiter an, und bald konnte sie mir ihren eigenen Sammlungsobjekten die Entwicklung der modernen Kunst vorantreiben. In Art of This Century unterstützte Peggy Guggenheim einige Künstlerkarrieren und errang als Mäzenin Anerkennung. Mit ihrem Umzug nach Venedig im Jahr 1947 beendete sie ihre kommerzielle Galerietätigkeit zugunsten einer Musealisierung ihrer Sammlung in den öffentlich zugänglichen, aber zugleich privaten Wohnräumen in ihrem Palazzo Venier dei Leonie.14 Anlass und Problem der Untersuchung Peggy Guggenheims Anfänge als Sammlerin und Mäzenin liegen in den späten 1930er Jahren. Von 1938 bis 1939 engagierte sie sich im Kunstbetrieb mit der Galerie Guggenheime Jeune in London. Der Name der Galerie spielt zum einen auf die etablierte Galerie Bernheim- Jeune15 in Paris an, und führte zum anderen zu der irrtümlichen Annahme, dass Peggy Guggenheim die Tochter von Solomon R. Guggen- 2. 13 Abstrakter Expressionismus im Amerika, hrsg. von L. Krasner / H. Sterne / E. De- Kooning / J. Mitchell / H. Frankenthaler / B. Britta, Kat. Ausst. Ulm (Pfalzgalerie Kaiserslautern) 2001, Kaiserslautern 2001 14 Der Palazzo Venier dei Leoni in Venedig wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut, aber nie vollendet. Er liegt am Canal Grande im Sestiere Dorsoduro und beherbergt die Peggy Guggenheim Collection. Siehe dazu: Tacou-Rumney, Laurence: Peggy Guggenheim. Das Leben eine Vernissage, München 1996 15 Der Name Bernheim-Jeune steht für eine französische Familie von Kunsthändlern, für eine der ältesten und bedeutendsten kommerziellen Galerien für zeitgenössische Kunst in Paris und für den diesem Unternehmen angeschlossenen Kunstbuchverlag Èditions Bernheim-Jeune. Die ursprünglich in Brüssel gegründete Galerie wurde 1863 nach Paris verlegt und wird bis zum heutigen Tag von den Nachfahren des Gründers, Alexandre Bernheim (1839–1915), geleitet. Siehe dazu: The I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 8 heim gewesen sei, dem in New York ansässigen Sammler gegenstandsloser Malerei. Tatsächlich war sie Solomons Nichte, und dessen Beraterin Hilla Rebay schätzte diese Anspielung nicht. Sie tadelte Peggy Guggenheim hierfür scharf, und dies sollte der Auftakt einer dauerhaften Abneigung zwischen den beiden Frauen sein. Obgleich Peggy Guggenheim auch abstrakte Kunst sammelte, stand sie deren geistigem Programm sowie deren selbst ernannter Sprecherin Hilla Rebay ablehnend gegenüber. Diese Abneigung wurde zum offenen Konflikt, als Peggy Guggenheim 1942 ihre Museumsgalerie Art of This Century in New York eröffnete. Die Existenz von Art of This Century machte Solomon R. Guggenheims Gefolge nervös, und die Feindseligkeit zwischen den beiden Guggenheim-Lagern ging schon bald über den Wettstreit um die Vorherrschaft in der New Yorker Kunstszene hinaus.16 Eine umfassende wissenschaftliche Abhandlung über das New Yorker Konkurrenzverhalten zwischen dem Museum of Non-Objective Painting und Art of This Century und ihr direktes Umfeld gibt es bisher nicht. Dies steht im deutlichen Gegensatz zur Bekanntheit der beiden Guggenheim-Lager. Eine Erklärung dafür, dass Untersuchungen zur Konkurrenzsituation der beiden Museen im New Yorker Kunstbetrieb spärlich sind, könnte durch den Umstand begründet sein, dass dieses Gebiet erst seit jüngerer Zeit in das Blickfeld der Forschung gerückt ist. Lange Zeit war Rebays Ruf kompromittiert, da sich ihre privaten und künstlerischen Ambitionen teilweise vermischten. So überredete sie beispielsweise Guggenheim kurz nach ihrer Ernennung zur künstlerischen Beraterin zum Kauf hunderter Gemälde Rudolf Bauers, mit dem sie in dieser Zeit eine Affäre hatte.. Außerdem nutzte sie ihre Stellung als Leiterin des Museum of Non-Objective Painting zur Förderung ihres eigenen Œuvres, indem sie ihre Gemälde und Zeichnungen in mehreren Ausstellungen zeigte. Hinzu kommt erschwerend Rebays häufig sehr ruppiger und wenig diplomatischer Umgang mit anderen Menschen, denn sie gestattete keinerlei Kritik an ihren Entscheidungen Bernheim-Jeune Story (http://www.bernheim-jeune.com/story/) offizielle Webpräsenz der Galerie Bernheim-Jeune 16 Blessing, Jennifer: Peggys surrealer Spielplatz, in: The Guggenheim. Die Sammlung, hrsg. von E. Weisberger / S. Barmann, Kat. Ausst, Bonn (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Bonn) 2006/2007, Ostfildern 2006, S. 190 2. Anlass und Problem der Untersuchung 9 und setzte ihre Ideen kompromisslos durch.17 Nach Solomon R. Guggenheims Tod im Jahr 1949 fiel sie bei den Kuratoren der Guggenheim Foundation in Ungnade. Zunächst äußerte sich dies in einer Einschränkung ihrer Ankaufsmittel, im Weiteren in einer zunehmenden auch öffentlichen Ablehnung ihrer Position und Politik, wie unter anderem in diffamierenden Artikeln der New York Times, die offensiv ihren Rücktritt forderten.18 Rebay war in dieser Zeit auch gesundheitlich angegriffen, was zum Vorwand genommen wurde, ihren Rücktritt zu erzwingen.19 Im März 1952 schied Rebay endgültig aus dem Museum aus. War sie anfangs noch Mitglied des Kuratoriums, so wurde ihr schließlich sogar die Ehre des Direktor emeritus abgesprochen sowie sämtliche Altersansprüche.20 Die letzten fünfzehn Jahre ihres Lebens verbrachte sie ohne jeglichen Kontakt zu eben jenem Museum, bei dessen Gründung sie eine Schlüsselrolle gespielt hatte. So erschien Rebay auch nicht zur Eröffnung des Museumsneubaus von Frank Lloyd Wright 1959. Ihr einstiges Schaffen als Initiatorin des Museums und als Künstlerin geriet zunehmend in Vergessenheit.21 Die Wiederentdeckung von Hilla Rebay ist unter anderem einem Schülerprojekt der Theodor-Frank-Realschule im baden-württembergischen Teningen zu verdanken. Ende der 1990er Jahre beschäftigen sich Jugendliche gemeinsam mit den Projektleiterinnen Martha Putz und Brigitte Scheelen damit, Hilla Rebay und andere Persönlichkeiten den Bürgerinnen und Bürgern ihres Heimatortes wieder in Erinnerung zu rufen. Im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft über das Leben und Werk der Künstlerin wurden Archive konsultiert, Interviews mit Zeitzeugen geführt und eine Recherchereise nach New York organisiert. Es wurde Kontakt zu Hilla Rebays Neffe, Roland von Rebay, aufgenommen, der seit Jahren um eine Anerkennung der Verdienste seiner verstorbenen Tante gekämpft hatte. Die Ergebnisse wurden daraufhin einer kleinen Ausstellung vorgestellt. Es entstanden darüber hi- 17 Vgl. Davis 1984, S. 158 18 Louchheim, Aline B.: Museum in Query: Guggenheim Foundation´s Policies- Frank Lloyd Wright`s Plans Involved, in: New York Times vom 22.04.1951; Louchheim, Aline B.: A Museum`s Future: Non-Objective Museum Discloses Plans, in: New York Times vom 05.08.1951 19 Lukach 1983, S. 292 20 Ebd, S. 305 21 Ebd. S. 306 I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 10 naus ein Theaterstück und zwei Broschüren, die das Schaffen Hilla Rebays in den Fokus rückten.22 Im ehemaligen Wohnhaus der Familie wurde 2003 eine Hilla-von-Rebay-Erinnerungsstätte eingerichtet, die von der Gemeinde Teningen getragen sowie vom Kulturverein Teningen und einer Projektgruppe der Theodor-Frank-Realschule Teningen betreut wird [Abb. 2].23 Dank der engagierten Lehrerinnen der Theodor-Frank-Realschule und mit Hilfe der Freiburger Kunsthistorikerin Christiane Grathwohl-Scheffel konnte die Rebay-Villa renoviert und umgestaltet werden. Eingerichtet mit persönlichen Gegenständen und Werken Rebays wird das Leben der Künstlerin und ihrer Eltern dokumentiert.24 Eine Reporterin der Badischen Zeitung schrieb im Jahr 2000 einen Artikel über eben jenes Schulprojekt in der Rubrik Schule macht Zeitung. Die Autorin und Filmemacherin Sigrid Faltin wurde durch diesen Zeitungsartikel auf Hilla Rebay aufmerksam und begann im Rahmen eines Dokumentarfilms über sie zu recherchieren. Sie konsultierte Archive, knüpfte Kontakte zu Museen, interviewte Zeitzeugen und Mitglieder der Familie Guggenheim in den USA und in Deutschland und reiste auf den Spuren der Baroness. Es entstand ein Dokumentarfilm, der ein umfangreiches Porträt der Malerin, Kuratorin, Sammlerin und Förderin Hilla Rebay zeichnet.25 Den international finanzierten Dokumentarfilm strahlte ARTE im September 2004 erstmals aus. Zudem veröffentlichte Faltin ihre Rechercheergebnisse aus den New Yor- 22 Leben und Werk. Hilla von Rebay 1890–1967. Ein Projekt der Theodor-Frank-Realschule Teningen, Projektleiterinnen: Martha Putz und Brigitte Scheelen, Erscheinungsjahr nicht angegeben. Hilla von Rebay und Rudolf Bauer. Ein Projekt der Theodor-Frank-Realschule Teningen, Projektleiterinnen: Martha Putz und Brigitte Scheelen, Erscheinungsjahr nicht angegeben 23 Hilla Rebay hatte das Haus 1938 der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt und sollte für soziale Zwecke genutzt werden. 24 Das Projekt gab den Anstoß für die daraufhin entstandene Ausstellung Hilla Rebay – Au Passage. Collagen und Druckgraphik der 20er Jahre im Museum für Neue Kunst in Freiburg vom 24.7 bis 26.9.2004 mit Christiane Grathwohl-Scheffel als Kuratorin. 25 Die Baroness und das Guggenheim. Die Geschichte der Hilla von Rebay, ein Film von Sigrid Faltin, 76, min., White Pepper Filmgesellschaft, 2004; Faltin, Sigrid: Die Baroness und das Guggenheim: Hilla von Rebay eine deutsche Künstlerin in New York, 2005 2. Anlass und Problem der Untersuchung 11 ker Archiven in einem Begleitband, der sich mit dem Leben und Wirken Hilla Rebays auseinandersetzt.26 Als Sigrid Faltin in den USA begann, Hilla Rebays Werdegang in Archiven zu recherchieren, bereitete das Guggenheim-Museum bereits die Ausstellung Art of Tomorrow. Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim vor, in der Hilla Rebay im Jahr 2005 rehabilitiert und wiederentdeckt wurde. Ihrem Œuvre war eine Ausstellung gewidmet, in der ihre Gemälde, Zeichnungen und Collagen im Rahmen einer Retrospektive gezeigt wurden und welche außerordentlich gute Kritiken erhielt. Der Ausstellungskatalog, der Hilla Rebays künstlerischer und kuratorischer Lebensleitung gewidmet ist, beinhaltet zahlreiche Farbabbildungen und Textbeiträge der verantwortlichen Kuratoren sowie der Kunstwissenschaftler Vivian E. Barnett und Robert Rosenblum.27 Enthalten ist auch ein Essay von Hilla Rebays Neffen, dem Architekten Roland von Rebay. Organisiert von der Solomon R. Guggenheim Foundation in Zusammenarbeit mit dem Museum Villa Stuck in München und dem Schlossmuseum Murnau bot diese Schau einen Überblick über das gesamte Schaffen der deutschen Avantgardekünstlerin und Gründungsdirektorin des Solomon R. Guggenheim Museums. Die Ausstellung trug wesentlich dazu bei, die archivarischen und publizistischen Aktivitäten Hilla Rebays zu rekonstruieren. Ein weiterer Abschnitt zur Rehabilitation von Hilla Rebay gründete sich im Rahmen des Projektes Verzogene Kinder der Stadt Neuwied, das durch die städtischen Mitarbeiter Petra Neuendorf und Rosina Kusche-Knirsch initiiert wurde. Die Stadt bot die Möglichkeit für ehemalige Bürger aus Neuwied, die ihre Heimat verlassen hatten und Karriere machten, sich künstlerisch zu präsentieren. Das "verzogene Kind" war in diesem Fall Sigrid Faltin, die das Buch Die Baroness und das Guggenheim. Hilla von Rebay – eine deutsche Künstlerin in New York 26 Faltin, Sigrid: Die Baroness und das Guggenheim: Hilla von Rebay eine deutsche Künstlerin in New York, 2005 27 Art of Tomorrow. Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim, hrsg. Jo-Anne Birnie Danzker, Brigitte Salmen, Karole Vail, Kat Ausst., New York City (Solomon R. Guggenheim Museum) 2005; München und Murnau (Museum Villa Stuck und Schlossmuseum Murnau) 2005/2006, Berlin (Deutsche Guggenheim) 2006, New York 2005 I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 12 geschrieben und den gleichnamigen Film produziert hatte.28 Diese Produktion lieferte den Anstoß zu der Ausstellung Hilla von Rebay – Ein Leben für das Guggenheim, die in 2006/2007 in der Städtischen Galerie Mennonitenkirche in Neuwied zu sehen war. In der Ausstellung wurde ein Querschnitt ihres künstlerischen Werks von frühen Porträts und Zeichnungen aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg über die Papiercollagen aus den Zwanziger Jahren bis hin zu den ungegenständlichen Aquarellen und Gemälden der 1940er Jahren vorgestellt. Die Ausstellung wurde erneut von der Freiburger Kunsthistorikerin Christine Grathwohl-Scheffel kuratiert. Mittlerweile wird Hilla Rebay neben Solomon R. Guggenheim als Ideengeberin für die weltweit angesehene Institution gewürdigt. Zu Recht wird ihr zugestanden, Frank Lloyd Wright einen seiner großartigsten Aufträge verschafft zu haben. Der Nachlass von Rebay, der sich im Besitz der Hilla von Rebay Foundation befindet, wird mittlerweile in den New Yorker Guggenheim-Archiven aufbewahrt. Hilla Rebay ist wieder in den Blickpunkt einer interessierten Öffentlichkeit gerückt worden und wird sowohl als Künstlerin wie auch als Förderin der Künste inzwischen differenzierter betrachtet. Formulierung des Forschungsvorhabens und thematische Eingrenzung Die Auseinandersetzung mit dem Konkurrenzverhalten der beiden Guggenheim-Lager ist das zentrale Forschungsvorhaben der vorliegenden Arbeit. Besondere Gewichtung kommt in diesem Kontext dem Gründungsmuseum der Solomon R. Guggenheim Foundation, dem Museum of Non-Objective Painting und der Museumsgalerie Art of This Century zu. Nie zuvor wurde eine Gegenüberstellung dieser beiden Institutionen in diesem Umfang in einer Arbeit vorgenommen. Die kunstgeschichtliche Forschung hat sich bisher zumeist lückenhaft oder sehr verkürzt mit der Gegnerschaft der beiden Institutionen be- 3. 28 Die Baroness und das Guggenheim. Die Geschichte der Hilla von Rebay, ein Film von Sigrid Faltin, 76 min., White Pepper Filmgesellschaft, 2004; Faltin, Sigrid: Die Baroness und das Guggenheim: Hilla von Rebay eine deutsche Künstlerin in New York, 2005 3. Formulierung des Forschungsvorhabens und thematische Eingrenzung 13 schäftigt, und bis dato wurde kein Versuch unternommen, das bisweilen von Neid, Missgunst und Geltungssucht geprägte Verhältnis der beiden Lager umfassend und detailliert zu rekonstruieren. Die Studie schließt diese Forschungslücke, um ein differenziertes Bild des Konkurrenzkampfs innerhalb des New Yorker Kunstbetriebs zu gewinnen und somit eine erweiterte Diskussionsgrundlage zu schaffen. Es wird die Frage beantwortet, wie diese Konkurrenz zwischen den beiden Guggenheim-Lagern zustande kam und sich vor dem Hintergrund der amerikanischen zeitgenössischen Kunstszene entwickelte. Als Hauptakteure dieser Auseinandersetzung stehen sich zwei Persönlichkeiten gegenüber: Hilla Rebay und Peggy Guggenheim. Das Wirken dieser beiden Frauen vor dem Hintergrund ihrer zunehmenden Gegnerschaft wird im Rahmen dieses Dissertationsprojekts in einer umfassenden sozial- und kulturhistorischen Studie untersucht. Es soll einerseits verdeutlicht werden, wo Berührungspunkte zwischen den Sammlerinnen bestanden haben, andererseits soll die wachsende Rivalität der beiden Frauen untereinander näher beleuchtet werden. Das Anliegen dieser Arbeit ist, bereits bekannte Erkenntnisse unter Zugrundelegung eben dieses Konkurrenzkampfs kritisch zu prüfen und um neue Aspekte zu erweitern. Das konkurrierende Verhältnis der beiden Guggenheim-Lager, das bis dato nur bruchstückhaft in der Sekundärliteratur erwähnt wird, konnte mit Quellenmaterial detaillierter aufbereitet und nachgewiesen werden.29 Eine anhand des recherchierten Quellenmaterials erstellte Dokumentation aus Briefen und Zeitungsartikeln bildet die Ausgangsbasis der Analyse. Auch Hilla Rebays Korrespondenz wird in diesem Zusammenhang einer ausführlichen Analyse unterzogen. Hier finden sich viele sehr aussagekräftige Kommentare und Anmerkungen von Hilla Rebay über Peggy Guggenheim. Die umfangreiche Korrespondenz zwischen Hilla Rebay und Rudolf Bauer bildet einen weiteren umfangreichen Korpus an Beiträgen. Anhand einer Vielzahl von Primär- und Sekundärquellen wurde erforscht, wie die Rivalität der beiden Guggenheim-Lager ausgefochten wurde, welche Personen darin involviert waren, welche Überlegungen den jeweiligen Aktivitäten zugrunde lagen und welche Reaktionen sie hervorriefen. Zentrale Ziel- 29 vgl. Kapitel 4.2 Forschungsstand I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 14 setzung dieses Promotionsprojektes soll sein, diese Konkurrenzsituation in ihren kunsthistorischen Kontext einzufügen, nicht zuletzt, um auf das Wirkender Kunstsammlerinnen Hilla Rebay und Peggy Guggenheim aufmerksam zu machen. Die Arbeit soll neue Detailforschungen vortragen, doch versteht sie sich vor allem als eine Studie zur Konkurrenz der zwei Guggenheim-Parteien in New York. Geschichte und Bedeutung der oben genannten Museen für die Entwicklung der zeitgenössischen amerikanischen Kunst sind hinreichend bekannt.30 Da es sich um eine Darstellung des Konkurrenzverhaltens der beiden Guggenheim-Lager handelt, wurde darauf verzichtet, einzelne Ausstellungen zu rekonstruieren oder deren Relevanz für die ausstellenden Künstlern eingehender zu untersuchen. Darüber hinaus werden weder die Wirkungsgeschichte einzelner Bilder, noch die Einzelschicksale jener Künstler, die Hilla Rebay und Peggy Guggenheim förderten, berücksichtigt. Ein Vergleich der Sammlungsgeschichte zwischen den beiden Frauen ist ebenfalls nicht vorgesehen. Auf Rebays künstlerisches Werk wird nicht ausführlich eingegangen.31 Lediglich innerhalb des biografischen Teils zu ihrer Person werden einige Daten und Werke ihrer künstlerischen Laufbahn erwähnt. Zu Recherchezwecken wurden in New York City mehrere Gespräche geführt. Die konsultierten Gesprächspartner konnten jedoch keine konkreten Hinweise oder Anhaltspunkte zum Konkurrenzverhältnis zwischen Hilla Rebay und Peggy Guggenheim geben. In den Unterhaltungen wurde lediglich auf Archivmaterial, Literatur und weiterführende Kontakte verwiesen. In einem Interview gab Karole Vail32, Kura- 30 Die aktuellsten und umfangreichsten Publikationen über das Museum of Non-Objective Painting und Art of This Century: The Museum of Non-Objective Painting. Hilla Rebay and the Origins of the Solomon R. Guggenheim Museum, hrsg. von K. Vail, J. Knox White, D. Quaintance, New York 2009; Peggy Guggenheim & Frederick Kiesler. The Story of Art of this Century, hrsg. von S. Davidson / D. Bogner, Kat. Ausst., Venedig (Peggy Guggenheim Collection) 2003–2005, Ostfildern 2003 31 Zum Werk von Hilla Rebay: von der Bey, Katja: Zu Hilla Rebay, Magisterarbeit, Berlin 1990 (unveröffentlicht); Brigitte Salmen: Der Weg zur gegenstandslosen Kunst, in: Art of Tomorrow. Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim, hrsg. Jo-Anne Birnie Danzker, Brigitte Salmen, Karole Vail, Kat Ausst., New York City (Solomon R. Guggenheim Museum) 2005 32 Persönliches Interview mit Karole Vail, geführt am am 22.04.2010 von Nina Wittmann in New York City 3. Formulierung des Forschungsvorhabens und thematische Eingrenzung 15 torin des Solomon R. Guggenheim Museums und Enkelin von Peggy Guggenheim, Auskunft als Herausgeberin und Mitwirkende zu existierenden Veröffentlichungen zum Thema Art of This Century33 und Museum of Non-Objective Painting34. Ein Treffen mit Robert F. Grele, dem Vorsitzenden der Hilla Rebay Foundation in Connecticut, erfolgte ebenfalls in New York City.35 Gespräche mit Personen, die Hilla Rebay näher gekannt haben, waren ebenso vorgesehen, konnten aber teilweise nicht umgesetzt werden. Ein Interview mit dem ehemaligen Direktor der Solomon R. Guggenheim Foundation, Thomas M. Messer,36 war geplant, kam aber aufgrund einer schweren Erkrankung nicht zustande. Ein Interview mit Francis Schiaroli, dem ehemaligen Anwalt von Hilla Rebay, war angesichts seines hohen Alters nicht möglich. Daher wurden ältere Interviews und Gespräche herangezogen, die schriftlich dokumentiert und in den Archiven zu finden sind.37 Die Gespräche in New York City wurden durch Befragungen von Kontaktpersonen in Deutschland ergänzt und vervollständigt. Ein aufschlussreiches Interview wurde mit Sigrid Faltin geführt 38, die als Biografin Hilla Rebays nützliche Hinweise für weiterführende Kontakte geben konnte. Die Kunsthistorikerin Christine Grathwohl-Scheffel, Kuratorin aus dem Museum für Neue Kunst in Freiburg, gab ebenfalls wichtige Hinweise 33 Peggy Guggenheim & Frederick Kiesler. The Story of Art of this Century, hrsg. von S. Davidson / D. Bogner, Kat. Ausst., Venedig (Peggy Guggenheim Collection) 2003–2005, Ostfildern 2003 34 The Museum of Non-Objective Painting. Hilla Rebay and the Origins of the Solomon R. Guggenheim Museum, hrsg. von K. Vail, J. Knox White, D. Quaintance, New York 2009 35 Persönliches Interview mit Robert F. Grele, geführt am 29.04.2010 von Nina Wittmann in New York City. 36 Thomas Messer (1920–2013) übernahm 1961 als Direktor die Führung des Guggenheim-Museums in New York, das er bis 1986 ausbaute. Von 1981 bis 1988 leitete er außerdem die Guggenheim Foundation und nahm dadurch weltweiten Einfluss auf die Entwicklung des Museumsbetriebes. Es gelang ihm, den Großteil der Sammlung Justin Thannhauser in das Haus aufzunehmen und er integrierte die Peggy Guggenheim Collection in die Stiftung. Vgl. Kapitel VI Schlussbetrachtung 37 Die dokumentierten Interviews befinden sich im Konvolut des Solomon R. Guggenheim Museum Archives in New York. 38 Persönliches Interview mit Dr. Sigrid Faltin geführt am 10.11.2009 von Nina Wittmann in Freiburg am Breisgau. I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 16 und Anhaltspunkte.39 Sie kuratierte die Ausstellungen Hilla Rebay – Au Passage. Collagen und Druckgraphik der 20er Jahre im Museum für Neue Kunst in Freiburg im Jahr 2004 und Hilla von Rebay – Ein Leben für das Guggenheim, die 2006 in der Städtischen Galerie Memmonitenkirche in Neuwied zu sehen war. Mit den zuständigen Mitarbeitern der Stadt Neuwied wurde Kontakt aufgenommen, sie konnten Hinweise zur weiterführenden Bearbeitung geben.40 Aufgrund des fortgeschrittenen Alters von Roland von Rebay konnte kein informatives Interview erfolgen. Er verwies auf seine Memoiren sowie auf sein umfangreiches Privatarchiv über seine Tante Hilla Rebay.41 Brigitte Scheelen, die Projektleiterin der Hilla-von-Rebay-Erinnerungsstätte in Teningen führte durch die Räumlichkeiten der Rebay-Villa42. Im Rahmen des Internationalen Museumstages am 15. Mai 2011 erfolgte eine Vortrags-Matinée der Verfasserin dieser Arbeit über Hilla Rebay und Peggy Guggenheim auf der Basis dieser Ausarbeitung.43 Aktueller Quellen- und Forschungsstand Quellenstand Um die Grundlage des New Yorker Kunstbetriebs sowie das konkrete Vorgehen der damit beschäftigen Kunstinstitutionen adäquat erfassen und darstellen zu können, wurde vor allem in den Vereinigten Staaten archiviertes Quellenmaterial konsultiert. Das Material wurde in verschiedenen Archiven in New York gesichtet und ausgewertet. Für die 4. 4.1 39 Persönliches Interview mit Christine Grathwohl-Scheffel geführt am 11.11.2009 von Nina Wittmann in Freiburg am Breisgau. 40 Persönliches Interview mit Petra Neuenforf und Rosina Kusche-Knirsch geführt am 04.03.2010 von Nina Wittmann in Neuwied. 41 Persönliches Interview mit Roland von Rebay geführt am 24.02.2010 von Nina Wittmann in Weßling/Oberbayern. 42 Persönliches Interview mit Brigitte Scheelen geführt am 10.11.2009 von Nina Wittmann in Teningen/Schwarzwald. 43 Über den Vortrag „Hilla Rebay und Peggy Guggenheim“ erschienen zwei Zeitungsartikel in der örtlichen Presse: Vortrag über zwei Gegenspielerinnen. Großes Interesse am Tag des Museums, in: Emmendinger Tor vom 18. Mai 2011; Großer Andrang im Rebay-Haus Teningen: Nina Wittmann M.A. über Hilla Rebay und Peggy Guggenheim, in: Teninger Nachrichten vom 25. Mai 2011 4. Aktueller Quellen- und Forschungsstand 17 vorliegende Arbeit haben vor allem die Quellen im Archiv der Solomon R. Guggenheim Foundation eine große Bedeutung. Das Archivmaterial beinhaltet Dokumente der Guggenheim-Familie in Form von, Zeitungsartikeln, Korrespondenzen und Fotos. Das Archivmaterial der Hilla von Rebay Foundation ist ebenfalls in diesem Konvolut, dass im Jahr 2008 von der Solomon R. Guggenheim Foundation übernommen wurde, enthalten. Die Sammlung spiegelt Rebays Arbeit als Künstlerin und ihre Amtszeit als erste Direktorin des Museum of Non-Objective Painting wider. Die Sammlung umfasst persönliche und berufliche Korrespondenz, wie unter anderem den Schriftwechsel mit Frank Lloyd Wright, Fotografien von Rebay und ihren Mitarbeitern und Freunden, einschließlich der Familie Solomon R. Guggenheims. Recherchen im Archives of American Art in der Smithsonian Institution in New York City und Washington, D.C. erbrachten weiterführende Erkenntnisse. In den dokumentarischen Konvoluten von Galerien, Kunsthändlern und Kunstsammlern wurden weitere aufschlussreiche Dokumente ausfindig gemacht. Das in den Vereinigten Staaten zusammengetragene Material wurde durch eine gezielte Quellenrecherche im Nachlass der Familie Roland von Rebay aus Wessling ergänzt. Das Privatarchiv enthält private und geschäftliche Korrespondenzen zwischen Hilla Rebay und Künstlern, Sammlern und Museumsdirektoren sowie eine umfassende Sammlung von Zeitungsartikeln. Die Archivalien wurden bereits größtenteils von Joan M. Lukach in ihrer Biografie von 1983 über Hilla Rebay In Search of the Spirit in Art publiziert.44 Die Kunsthistorikerin hatte im Auftrag der Hilla Rebay Foundation erstmals Hillas umfangreichen Nachlass gesichtet, geordnet und eine Biografie über die erste Kuratorin der Guggenheim- Sammlung veröffentlicht. Sie konzentrierte sich auf Hillas New Yorker Jahre und ihre kuratorische Leistung. Eine detaillierte Beschreibung des Museums of Non-Objective Painting und die Anfangsjahre der Solomon R. Guggenheim Foundation bilden weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit. Ihr gebührt somit das Verdienst, erstmals eine Bibliographie zum Thema publiziert zu haben. Dieser Veröffentlichung gelang es, Hilla Rebay zu rehabilitieren, es stieß in der Fachwelt auf großes Inter- 44 Lukach, Joan M: Hilla Rebay. In search of the Spirit in Art, New York 1983 I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 18 esse und gilt seither als Schlüsselwerk zum Thema. Lukach veröffentlichte bereits ein Konvolut an Briefen, da dieses jedoch nur auszugsweise publiziert wurde, wurde in dieser Arbeit ergänzend auf die Originaldokumente zurückgegriffen. Auf den Forschungsergebnissen von Lukach aufbauend, konzentrierte sich Sigrid Faltin in ihrer Rebay-Biografie vorwiegend auf die Erforschung von Rebays Lebensgeschichte.45 In dieser Biografie wird der Weg von einer gutbürgerlichen höheren Tochter zur Protagonistin der Avantgardeszene und schließlich zur einflussreichen Kunstvermittlerin und Kunstsammlerin nachgezeichnet. Sigrid Faltin hat als Erste ein Konvolut an Briefen Hilla Rebays in der Originalsprache publiziert. Zudem bietet ihre Arbeit einen Überblick über die Quellenlage, mit dessen Hilfeihr Lebenslauf näher bestimmt werden konnte. Wichtige Informationen beruhen auf zeitgenössischen Zeitungsartikeln, die dieser Arbeit als elementare Informationsquellen dienen. Über das Museum of Non-Objective Painting und Art of This Century existiert eine große Anzahl zeitgenössischer Zeitungs- und Zeitschriftenartikel aus den 1930er und 1940er Jahren. Verschiedene Artikel helfen bei der Beantwortung der dieser Arbeit zugrundeliegenden Fragestellung und werden zugleich als Index für die diskutierte Postion genommen. Eine konsistente Zeitungsüberlieferung zum Thema besteht nicht, da die Quellen auf zahlreiche Bibliotheken und Archive verstreut sind, wobei das Privatarchiv von Roland von Rebay und das Archiv der Solomon R. Guggenheim Foundation die umfangreichsten Bestände besitzen. Einige Artikel sind aufgrund ihrer mangelnden Archivierung nicht datiert und liefern keine Quellenangaben. Aufgrund der Vielzahl an Artikeln und der nicht vorhandenen Zeitungsüberlieferung kann in dieser Arbeit kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. Die Zeitungs- und Zeitschriftenartikel werden durch Kommentare und Wortmeldungen innerhalb des Kunstbetriebs ergänzt. Es handelt sich hierbei um Veröffentlichungen von Schriftstellern und Künstlern, die in den 1930er und 1940er Jahren in New York 45 Faltin, Sigrid: Die Baroness und das Guggenheim. Hilla von Rebay – eine deutsche Künstlerin in New York, München 2005 4. Aktueller Quellen- und Forschungsstand 19 gelebt haben und Kommentierungen oder Beurteilungen zur Konkurrenzsituation der Guggenheim-Lager abgegeben haben.46 Forschungsstand Da die einschlägige Forschung stärker an Untersuchungen zu den Museen selbst als mit der konkreten Konkurrenzsituation ausrichtet, kann auf eine bereits erprobte Methodik bei der Untersuchung zur Konkurrenz im New Yorker Kunstbetrieb nicht zurückgegriffen werden. Darüber hinaus wird das Konkurrenzverhalten nur vereinzelt in der Sekundärliteratur erwähnt, die eher konstatiert als erklärt und somit unbefriedigend bleibt.47 Die wenigen Publikationen, die sich explizit der Gegnerschaft der New Yorker Kunstszene der New Yorker 30er und 40er Jahren in Person von Hilla Rebay und Peggy Guggenheim 4.2 46 Ernst, Jimmy: Nicht gerade ein Stilleben. Erinnerungen an meinen Vater Max Ernst. Köln 1984; Mann, Klaus. Auf verlorenem Posten. Aufsätze, Reden, Kritiken 1942–1949, hrsg. von U. Naumann, M. Töteberg, Hamburg 1994 47 Lukach, Joan M: Hilla Rebay. In search of the Spirit in Art, New York 1983; Davis, John H: Die Guggenheims. Von Raubrittern zu Menschenfreunden, Zürich 1984; Rudenstine, Angelica: Peggy Guggenheim Collection, Venice. The Solomon R. Guggenheim Foundation, New York 1985; Welt, Jacqueline Bograd: Peggy. The Wayward Guggenheim, New York 1988; Tacou-Rumney, Laurence: Peggy Guggenheim. Das Leben eine Vernissage. München 1996; Peggy Guggenheim. A Centennial Celebration, hrsg. von K. Vail, Kat. Ausst., New York (Solomon R. Guggenheim Museum (1998), Venedig (Peggy Guggenheim Collection) 1998/1999, New York 1998; Gill, Anton: Peggy Guggenheim. The Life of an Art addict, London 2001; Gill, Anton: Art Lover: A Biography of Peggy Guggenheim. New York 2002; Peggy Guggenheim & Frederick Kiesler. The Story of Art of This Century, hrsg. von P. Rylands, S. Davidson, J. Sharp, Kat. Ausst., Venedig (Peggy Guggenheim Collection) 2003–2005, Ostfildern 2003; Seemann, Annette: Peggy Guggenheim. Ich bin eine befreite Frau, Berlin 2006; Faltin, Sigrid: Die Baroness und das Guggenheim: Hilla von Rebay eine deutsche Künstlerin in New York, 2005; Art of Tomorrow. Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim, hrsg. Jo-Anne Birnie Danzker, Brigitte Salmen, Karole Vail, Kat Ausst., New York City (Solomon R. Guggenheim Museum) 2005; München und Murnau (Museum Villa Stuck und Schlossmuseum Murnau) 2005/2006, Berlin (Deutsche Guggenheim) 2006, New York 2005; Dearborn, Mary V.: Ich bereue nichts! Das außergewöhnliche Leben der Peggy Guggenheim, Ulm 2007; The Museum of Non-Objective Painting. Hilla Rebay and the Origins of the Solomon R. Guggenheim Museum, hrsg. von K. Vail, J. Knox White, D. Quaintance, New York 2009; von der Bey, Katja: Hilla von Rebay: Die Erfinderin des Guggenheim Museums, Berlin 2013 I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 20 widmen, sind entweder auf Zeitzeugenaussagen basierende Texte oder einzelne Kommentare und Erläuterungen in unterschiedlichen Biografien und Monografien über Hilla Rebay48 und Peggy Guggenheim49. Besonders hervorzuheben ist der Katalog zur Ausstellung The Guggenheim. Die Sammlung aus dem Jahre 2006/2007.50 In dem Aufsatz Peggys surrealer Spielplatz von Jennifer Blessing wird näher auf die Konkurrenz zwischen Hilla Rebay und Peggy Guggenheim eingegangen. Er dient als wichtige Grundlage für eine umfassende Darstellung der diskutierten Fragestellung. Zum Wirken Hilla Rebays und Peggy Guggenheims liegen zahlreiche Veröffentlichungen diverser Autoren vor. Aufgrund der Vielfalt an Publikationen werden in dieser Arbeit nur die für das Thema relevanten Publikationen aufgezählt. Dabei geht es ausschließlich um jene Veröffentlichungen und Aufsätze, die sich ausführlicher mit Hilla Rebay und Peggy Guggenheim und ihrem Werk befassten und damit einen Beitrag zur Forschung geleistet haben. Im Folgenden werden die wichtigsten Publikationen kurz vorgestellt. Die bisher genaueste Untersuchung der Bedeutung und Geschichte von Art of This Centruy findet man in der wegweisenden Veröffentlichung Peggy Guggenheim & Frederik Kiesler. The Story of Art of This Century, herausgegeben von Susan Davidson und Philip Rylands mit 48 Lukach, Joan M: Hilla Rebay. In search of the Spirit in Art, New York 1983; Scarlett, Rolph; Tannin, Harriet: The Baroness, the Mogul, and the forgotten History of the first Guggenheim Museum: as told by one who was there. New York, 2003; Faltin, Sigrid: Die Baroness und das Guggenheim: Hilla von Rebay eine deutsche Künstlerin in New York, 2005; von der Bey, Katja: Hilla von Rebay: Die Erfinderin des Guggenheim Museums, Berlin 2013 49 Weld, Jacqueline, Bograd: Peggy. The Wayward Guggenheim, New York 1988; Dortch, M. Virginia: Peggy Guggenheim and her Friends. Milano 1994; Tacou- Rumney, Laurence: Peggy Guggenheim. Das Leben eine Vernissage. München 1996; Peggy Guggenheim. A Centennial Celebration, hrsg. von K. Vail, Kat. Ausst., New York (Solomon R. Guggenheim Museum (1998), Venedig (Peggy Guggenheim Collection) 1998/1999, New York 1998; Gill, Anton: Peggy Guggenheim. The Life of an Art addict, London 2001; Gill, Anton: Art Lover: A Biography of Peggy Guggenheim. New York 2002; Seemann, Annette: Peggy Guggenheim. Ich bin eine befreite Frau, Berlin 2006; Dearborn, Mary V.: Ich bereue nichts! Das außergewöhnliche Leben der Peggy Guggenheim, Ulm 2007 50 The Guggenheim. Die Sammlung, hrsg. von E. Weisberger / S. Barmann, Kat. Ausst, Bonn (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Bonn) 2006/2007, Ostfildern 2006 4. Aktueller Quellen- und Forschungsstand 21 Beiträgen von Dieter Bogner, Susan Davidson, Francis V. O´Connor, Don Quaintance, Philip Rylands, Jasper Sharp und Valentina Sonzogni. Die Aufsätze in diesem Band befassen sich mit der Gründung der Guggenheim-Sammlung und rekonstruieren zum ersten Mal die einzelnen Planungsschritte und das Design von Art of This Century. Es werden insgesamt 55 Ausstellungen dokumentiert, die Guggenheim von 1942 bis 1947 organisiert hat. Die Publikation ist breit angelegt und enthält neben Farbtafeln auch eine Auswahl der Sammlung sowie Zeichnungen, Entwürfe und zahlreiche Fotos. Analog zu diesem Katalog erschien ein paar Jahre später die Geschichte vom Museum of Non-Objective Painting. In The Museum of Non-Objective Painting: Hilla Rebay and the Origins of the Solomon R. Guggenheim Museum, herausgegeben von Karole Vail mit Beiträgen von Tracey Bashkoff, John Hanhardt und Don Quaintance. Dieser Band behandelt zum ersten Mal das Museum mit seiner komplexen Architekturgeschichte und dem Ausstellungsprogramm von Hilla Rebay. Es werden Reproduktionen von Architekturzeichnungen, Skizzen und Grundrisse, historische Installationsansichten, Kataloge, Fotos sowie Dokumente und Farbtafeln von ausgewählten Kunstwerken dargestellt. Karole Vail diskutiert Rebays Rolle als Kuratorin und konzentriert sich auf ihre ungewöhnlichen Konzepte für die Installation und die Gestaltung an der East 54th Street in Midtown Manhattan und später in einem temporären Stadthaus an der Fifth Avenue 107. Zahlreiche Ausstellungen, darunter die Gedenkausstellungen für Wassily Kandinsky und László Moholy-Nagy werden darin vorgestellt. Vail stellt Biografien der weniger bekannten Künstler der Sammlung vor und ergänzt Presseartikel aus jener Zeit. Don Quaintance diskutiert mit zuvor unbekannten Informationen den architektonischen Hintergrund des Museums und rekonstruiert verschiedene temporäre Spielstätten des Museums. Tracey Bashkoff befasst sich mit der Gründung der Sammlung und deren Kontextualisierung in der amerikanischen Kunstwelt. John Hanhardt widmet seinen Aufsatz Rebays Ideen zum gegenstandslosen Film. Diese zwei Publikationen bieten eine wichtige Lektüre und eine ausführliche Referenz der vielfältigen Geschichte von Art of This Century und des Museums of Non-Objective Painting. Hervorgerufen durch den erlittenen Imageverlust hat Hilla Rebay in Beschreibungen des Solomon R. Guggenheim Museums, in Biogra- I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 22 fien der Familie Guggenheim, aber auch in den meisten Annalen der modernen Kunst kaum Spuren hinterlassen. Nach ihrem Tod 1967 taucht sie in der Literatur zur Kunstgeschichte als schrille, unangenehm intrigante Person allenfalls in Fußnoten oder Anmerkungen auf.51 Auch in Veröffentlichungen des Guggenheim-Museums wurde sie jahrzehntelang nur am Rande erwähnt, und auch als Künstlerin blieb sie weitgehend unbekannt. Rebays Rezeptionsgeschichte changiert zwischen einer Beschreibung als „kommandierende Generalin, der ganze Bezirke der regierenden Kunst anvertraut schienen“52 und der einer „visionären Künstlerin“53. John H. Davis Davis urteilt in seiner Veröffentlichung über die Guggenheim-Familie: Es dauerte nicht lange, bis Solomons neugewonnener Ruhm (als Kunstsammler, K.B.) seine Kehrseiten zeigte, wie das oft geschieht, und zwar hauptsächlich dank der schlecht angebrachten Begeisterungsausbrüche und der mystischen, doppelzüngigen Reden der Schöpferin seines, Ruhmes, der unbezähmbaren Hilla (…)54. Eine Ausnahme bildet hierbei die bereits erwähnte Biografie von Joan M. Lukach aus dem Jahr 1983. Es entstanden seitdem vereinzelte Ver- öffentlichungen über Hilla Rebay, die vor allem in den USA verfasst und publiziert worden sind.55 Rehabilitiert wurde sie durch den Ausstellungskatalog Art of Tomorrow. Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim, der Hilla Rebays künstlerischer und kuratorischer Lebensleistung gewidmet ist. Organisiert von der Solomon R. Guggenheim Foundation in Zusammenarbeit mit dem Museum Villa Stuck in München und dem Schlossmuseum Murnau, bot die Schau einen Überblick über das gesamte Schaffen der Künstlerin. Der Ausstel- 51 Richter, Hans: Begegnungen von Dada bis heute. Briefe, Dokumente, Erinnerungen, Köln 1973; Davis, John H.: Die Guggenheims. Von Raubrittern zu Menschenfreunden, Zürich 1984 52 Richter, 1973, S. 163 53 Schuster, Peter-Klaus: Guggenheim, hrsg. Von Schuster, Peter-Klaus, Kat. Ausst., Berlin (Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz) 1989, Stuttgart 1989, S. 17 54 Davis 1984, S. 162 55 Scarlett, Rolph; Tannin, Harriet: The Baroness, the Mogul, and the forgotten History of the first Guggenheim Museum: as told by one who was there. New York, 2003; Vrachopoulos, Thalia; Angeline, John: Hilla Rebay, Art Patroness and Founder of the Guggenheim Museum of Art. Lewiston, 2005; Hilla Rebay and the Museum of Non-Objective Painting, hrsg. von G. Snyder, New York (DC Moore Gallery) 2005, New York 2005 4. Aktueller Quellen- und Forschungsstand 23 lungskatalog beinhaltet zahlreiche Farbabbildungen und Textbeiträge der verantwortlichen Kuratoren sowie der Kunstwissenschaftler Vivian E. Barnett und Robert Rosenblum. Enthalten ist auch ein Essay des Neffen von Hilla von Rebays, dem Architekten Roland von Rebay. In den folgenden Jahren wurden weitere Publikationen veröffentlicht, die sich ausführlich mit der Lebensgeschichte und kunsthistorischen Bedeutung von Hilla Rebay auseinandersetzten. Besonders hervorzuheben ist die bereits mehrfach erwähnte Biografie von Sigrid Faltin aus dem Jahr 2005 und die 2013 erschienene Biografie Hilla von Rebay: Die Erfinderin des Guggenheim Museums von Katja von der Bey, die sich bereits 1990 im Rahmen ihrer Magisterarbeit mit der Thematik auseinandergesetzt hat.56 Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmete Hilla Rebay im Jahr 2015 eine eigene Bildwand in Rahmen der Ausstellung „Sturm Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910– 1932“.57 Im Mittelpunkt standen Frauen der Zeit, wie Sonia Delaunay, Natalja Gontscharowa oder Else Lasker-Schüler, die durch den Galeristen und Verleger Herwarth Walden gefördert wurden. Rebay wird im Ausstellungskatalog ein Aufsatz gewidmet, der ihre künstlerische Laufbahn würdigt.58 Über Peggy Guggenheim existiert hingegen eine Vielzahl an Ver- öffentlichungen. Paradoxerweise ist sie aufgrund ihrer erfolgreichen Eigenvermarktung in ihrer Autobiografie stärker als Muse und Mäzenin der Kunstszene der Avantgarde und hierdurch inspirierte Liebesbeziehungen zu Künstlern und Kunstsammlern bekannt als durch ihren Sammlungsaufbau und ihre Sammlungsstrategien. Zeitgenossen 56 von der Bey, Katja: Zu Hilla Rebay, Magisterarbeit, Berlin 1990 (unveröffentlicht); von der Bey, Katja: Hilla von Rebay: Die Erfinderin des Guggenheim Museums, Berlin 2013 57 Sturm-Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910–1932, hrsg.: Ingrid Pfeiffer, Max Hollein, Kat. Ausst., Frankfurt 2015 (Schirn Kunsthalle Frankfurt) 2015/2016, Frankfurt 2015 58 Schleiffenbaum, Lea: Hilla von Rebay“, in: Sturm-Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910–1932, hrsg.: Ingrid Pfeiffer, Max Hollein, Kat. Ausst., Frankfurt 2015 (Schirn Kunsthalle Frankfurt) 2015/2016, Frankfurt 2015, S. 254– 269 I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 24 wie Biografen widmeten sich dem Phänomen „Peggy Guggenheim“.59 Hierbei überwog jedoch häufig das populäre Interesse am Liebesleben der Kunstsammlerin, Galeristin und Museumsgründerin, deren Leistungen aus dieser Perspektive nicht angemessen gewürdigt werden konnten. Auch die Enkelgeneration äußerte sich vielfach hierzu, vermied allerdings ebenfalls, eine kritische Einordnung der sammlerischen Ziele und des mäzenatischen Vermächtnisses einer Frau vorzunehmen, der es mit ihrem Museum gelang, ihren Namen mit ihrer Kunstsammlung zu verbinden. In der Autobiografie, die unter dem Titel Out of this Century: The Informal Memoirs of a Peggy Guggenheim 1946 in London erschienen ist, spannt Peggy Guggenheim den Bogen von ihrer Kindheit und Jugend bis hin zur ihrer Tätigkeit als Sammlerin und Förderin von Kunst. Ihre Sammel- und Fördertätigkeit werden hier eng verflochten mit ihremem Privatleben, bei dessen Darstellung intime Details nicht ausgespart werden. Beispielhaft für diese Gewichtung ist der gegenüber der amerikanischen Originalfassung Confessions of an Art Addict geänderte, für die deutsche Taschenbuchausgabe 1984 gewählte Untertitel ihrer Autobiografie Die Memoiren der femme fatale der Kunst60. Ihre Erinnerungen dienten als wichtigste Quelle zur Erschließung ihres Lebens und ihrer Aktivitäten in der Kunstwelt, nicht zuletzt deshalb, weil sie in einigen Passagen näher auf ihr Verhältnis zu Hilla Rebay eingeht. 59 Weld, Jacqueline Bograd: Peggy. The Wayward Guggenheim, New York 1988; Dortch, M. Virginia: Peggy Guggenheim and her Friends. Milano 1994; Tacou- Rumney, Laurence: Peggy Guggenheim. Das Leben eine Vernissage. München 1996; Peggy Guggenheim. A Centennial Celebration, hrsg. von K. Vail, Kat. Ausst., New York (Solomon R. Guggenheim Museum (1998), Venedig (Peggy Guggenheim Collection) 1998/1999, New York 1998; Gill, Anton: Peggy Guggenheim. The Life of an Art addict, London 2001; Gill, Anton: Art Lover: A Biography of Peggy Guggenheim. New York 2002; Seemann, Annette: Peggy Guggenheim. Ich bin eine befreite Frau, Berlin 2006; Dearborn, Mary V.: Ich bereue nichts! Das außergewöhnliche Leben der Peggy Guggenheim, Ulm 2007 60 Die Autobiografie wurde erstmals 1946 veröffentlicht. Zwei weitere, ergänzte Fassungen erschienen 1960 und 1979 („Out of this Century – Confessions of an Art Addict“) in deutscher Übersetzung 1962 und 1980 (Ich habe alles gelebt – Bekenntnisse einer Sammlerin aus Leidenschaft“) 4. Aktueller Quellen- und Forschungsstand 25 Zum Inhalt und Aufbau der Arbeit Die Arbeit ist inhaltlich in sechs Hauptkapitel unterteilt. Zunächst werden die Persönlichkeiten, die für die Entstehung von Museum of Non-Objective Painting und Art of This Century maßgeblich waren, in einem biographischen Abriss vorgestellt. Das zweite und dritte Kapitel sind Hilla Rebay und Peggy Guggenheim als Sammlerpersönlichkeiten gewidmet. Hier wird einen Einblick in die Tätigkeitsschwerpunkte, Sammlungspolitik und Vorgehensweisen der Sammlerinnen gegeben. Vor dem Hintergrund des damaligen amerikanischen Kunstbetriebs werden die jeweiligen Ausstellungsaktivitäten von Hilla Rebay und Peggy Guggenheim dargestellt sowie die konzeptionellen Umsetzungen der Ausstellungsmacherinnen einander gegenübergestellt. Die unterschiedlichen Rollen, die beide Frauen hierbei einnahmen, ihre Ziele bezüglich der Museumsgestaltung und die zugrundeliegenden Kunstauffassungen sollen herausgearbeitet werden. Den vierten Teil der Arbeit bildet ein quellen- und literaturkritischer Teil. Das Konkurrenzverhalten der zwei Guggenheim-Lager wird im Hinblick auf die vorhandenen Quellen rekonstruiert und diskutiert. Hierbei wird besonderer Wert auf das Korrespondenzwesen der zwei Initiatorinnen gelegt. Insbesondere im Schriftverkehr von Hilla Rebay werden häufig das Verhalten und Auftreten sowie die Lebensumstände Peggy Guggenheims thematisiert und beurteilt. Die historischen Quellen liegen größtenteils in Englisch und Französisch vor.61 Die fremdsprachigen Texte wurden von der Verfasserin ins Deutsche übersetzt, um der Arbeit ein einheitliches Gepräge zu geben. Der literaturkritische Teil der Arbeit speist sich aus Biografien und Zeitungsartikeln, in denen die Konkurrenzsituation zwischen Hilla Rebay und Peggy Guggenheim erwähnt wird. Ein Abriss über die Kunst- und Kulturförderung am Beispiel von drei weiteren Frauen wird ergänzend zu den Aktivitäten von Hilla 5. 61 Mit Ausnahme des Briefwechsels mit Wassily Kandinsky, in welchem er mit Hilla Rebay in deutscher Sprache korrespondierte: Hilla Rebay Foundation Archive, Call Number M0007, Box 0000113, Folder 2; Hilla Rebay Foundation Archive, Call Number M0007, Box 0000113, Folder 3; Hilla Rebay Archiv, M0007, Box 0000113, Folder 4; Hilla Rebay Archiv, Call Number M0007, Box 0000113, Folder 7; Hilla Rebay Archiv, Call Number M0007, Box 0000113, Folder 9 I. Einführung in die Thematik und Methodik der Arbeit 26 Rebay und Peggy Guggenheim im fünften Teil der Arbeit vorgestellt. Mit Gertude Stein, Katherine S. Dreier und Galka E. Scheyer stehen drei andere Sammlerinnen im Mittelpunkt, die sich als Künstlerinnen und Kuratorinnen der modernen Kunst Verdienste erworben haben. Zusammen mit Hilla Rebay und Peggy Guggenheim waren alle fünf Frauen ausgeprägte Charaktere, die sich unermüdlich für die Verbreitung moderner Kunst einsetzten und den künstlerischen Schaffensprozess vorantrieben. Zielsetzung ist es, aufzuzeigen, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen persönlichen Strategien diese fünf Frauen als Privatsammlerinnen zeitgenössischer Kunst in Europa und den USA öffentlich hervorgetreten sind. Das Ziel ist jedoch keine Aneinanderreihung monographischer Artikel biografischen Inhalts, sondern eine kulturhistorische Analyse der jeweiligen Sammlungsstrategien im Kontext unterschiedlicher Kunst- und Kulturlandschaften. Es werden zunächst individuelle Ausprägungen ihres Tuns dargestellt, um abschließend verbindende Elemente herauszuarbeiten. 5. Zum Inhalt und Aufbau der Arbeit 27

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Zusammenfassung

Die Auseinandersetzung mit dem Konkurrenzverhalten der beiden Guggenheim-Lager ist das zentrale Forschungsvorhaben der vorliegenden Arbeit. Besondere Gewichtung kommt in diesem Kontext dem Gründungsmuseum der Solomon R. Guggenheim Foundation, dem Museum of Non-Objective Painting und der Museumsgalerie Art of This Century zu. Nie zuvor wurde eine Gegenüberstellung dieser beiden Institutionen in diesem Umfang in einer Arbeit vorgenommen. Die Studie schließt diese Forschungslücke, um ein differenziertes Bild des Konkurrenzkampfs innerhalb des New Yorker Kunstbetriebs zu gewinnen und somit eine erweiterte Diskussionsgrundlage zu schaffen. Es wird die Frage beantwortet, wie diese Konkurrenz zwischen den beiden Guggenheim-Lagern zustande kam und sich vor dem Hintergrund der amerikanischen zeitgenössischen Kunstszene entwickelte. Als Hauptakteure dieser Auseinandersetzung stehen sich zwei Persönlichkeiten gegenüber: Hilla Rebay und Peggy Guggenheim. Das Wirken dieser beiden Frauen vor dem Hintergrund ihrer zunehmenden Gegnerschaft wird in einer umfassenden sozial- und kulturhistorischen Studie untersucht. Es soll einerseits verdeutlicht werden, wo Berührungspunkte zwischen den Sammlerinnen bestanden haben, andererseits soll die wachsende Rivalität der beiden Frauen näher beleuchtet werden. Das Anliegen dieser Arbeit ist, bereits bekannte Erkenntnisse unter Zugrundelegung eben dieses Konkurrenzkampfs kritisch zu prüfen und um neue Aspekte zu erweitern.