2 Wenn ein amerikanischer Wissenschaftler Code-Namen vergibt … in:

Burckhard Wienand

Die Kehrseite des Glaubens, page 27 - 46

Eine kritische Auseinandersetzung mit den Grundlehren des christlichen Abendlandes

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4282-3, ISBN online: 978-3-8288-7223-3, https://doi.org/10.5771/9783828872233-27

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Religionswissenschaft, vol. 12

Tectum, Baden-Baden
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27 2 Wenn ein amerikanischer Wissenschaftler Code-Namen vergibt … Warnungen gab es genug. Eine so schwere Kost zu begreifen, auszubreiten, gar verständlich zu formulieren und das für einen Laien in Sachen Theologie, es wird allgemein als schier unmöglich angesehen. Vielleicht liegt aber gerade darin der Reiz, und es ist wahr, diese Thematik des Glaubens, die Dreifaltigkeit, scheint selbst für Profis unter den Theologen besonders schwierig. Doch warum dann dran glauben, an „Etwas“, das nicht erklärt werden kann? An eine „Theologen-Konstruktion“, die von den alten Kirchenvätern erdacht, ersonnen, um nicht zu sagen ersponnen wurde. Die Entwicklung des Gedankengebäudes zur Dreifaltigkeit, so wie sie sich heute darstellt, hat insgesamt mehrere Jahrhunderte gedauert. Vielleicht ist sie ja immer noch nicht ganz abgeschlossen, geschweige denn in der Kirche oder auch außerhalb der Kirche erklärbar formuliert. Doch sie gilt als Fundament des christlichen Glaubens, wenn nicht gar als das wesentliche Fundament und darum ist es ein entscheidender Teil auch der christlichen Lehre. Dieses Fundament hätte nämlich dann keine Existenzberechtigung mehr, wenn es als grundlegende Glaubens- überzeugung und Glaubenswahrheit nicht erklärt werden könnte. Zumal dann nicht, wenn man zum Fundament erhebt, was den Worten Jesu in der Bibel nicht entnommen werden kann. Wenn die Kirche selbst bis zum heutigen Tage an Interpretationen zur Trinität bastelt, die selbst in den Studierstuben der Theologen zu Kopfschütteln führen müssen, dann kann doch etwas nicht stimmen. Betrachtet man die historische Entwicklung dieses Themas in der Kirche genau, so hätte diese Entwicklung auch ganz anders verlaufen können. Wenn zum Beispiel der römische Kaiser Konstantin im Jahre 325 nach Chr. einen besseren Tag gehabt hätte oder die damaligen Kirchen- 28 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … väter sich hätten vom Kaiser nicht überreden lassen. Dass der Heilige Geist hier am Werke war, scheint gänzlich unwahrscheinlich. So ist nach wie vor die Frage aktuell, wie sie denn zu verstehen ist, die Trinität (Dreifaltigkeit), die Vorstellung von Gott in drei Personen, also Gott als Drei in Einem. Eine interessante und in Klerikerkreisen bekannte Geschichte ist wohl nicht von der Hand zu weisen: Da sitzt ein Theologiestudent in einer Prüfung und es sieht nicht gut aus. „Und“, fragt der Professor, sichtlich genervt ob der Unkenntnis des Studenten, „können Sie denn wenigstens die Dreifaltigkeit erklären?“ Der Student sieht eine letzte Chance. „Das kann ich! Also die Dreifaltigkeit kann man so erklären …“. Der Professor fällt ihm in’s Wort, er unterbricht: „Es tut mir leid, aber Sie sind durchgefallen. Die Dreifaltigkeit kann niemand erklären!“ Wie kann man aber sinnvoll über etwas reden, das man nicht erklären kann? Darf man als gläubiger Christ ein grundlegendes Fundament des christlichen Glaubens in Zweifel ziehen, weil es einem nicht mal durch die Kleriker verständlich erläutert werden kann? Am besten macht man sich bei der Suche nach Antworten selbst auf den Weg. Vor seinem angeblichen Schöpfer steht man ja schließlich auch allein da und hat keinen Kleriker an der Hand, der einen entschuldigen könnte, weil er selbst das Paradoxon der Trinität nicht hat verständlich erklären können. Hört man sich in den christlichen Gemeinden um, so muss man in aller Deutlichkeit konstatieren, dass das Thema der Dreifaltigkeit heutzutage keinen sonderlich mehr interessiert und zum Kenntnisstand eines gläubigen Christen kann dieses grundlegende Thema heute wohl nicht mehr gerechnet werden. Welch ein eklatanter Widerspruch, ein elementares Thema des Glaubens interessiert keinen mehr, obwohl es der Katechismus der katholischen Kirche deutlich formuliert: Die Dreifaltigkeit ist »in der Hierarchie der Glaubenswahrheiten die grundlegendste und wesentlichste …«. Ein paar Zeilen später heißt es im Katechismus dann aber auch, dass die Trinität »… ein Glaubensmysterium im strengen Sinne ist, eines der in Gott verborgenen Geheimnisse …« und dass »sein innerstes Wesen als heiligste Dreifaltigkeit ein Geheimnis darstellt, das der Vernunft nicht zugänglich ist …«34. 34 Katechismus der katholischen Kirche, a. a. O., Seite 93 f. 29 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … Die grundlegendste Glaubenswahrheit soll ein verborgenes Geheimnis sein und nicht der menschlichen Vernunft zugänglich? Sollte man als Gläubiger also gar nicht erst auf die Idee kommen, mal nachzufragen? Vielleicht kommt der Zweifler einem solchen Geheimnis ja doch auf die Spur, wenn er in der Bibel nach Aussagen Jesu zu diesem Themenkomplex sucht. Diese Suche macht allerdings nur dann Sinn, wenn er als Leser mit Vorsicht an den Bibeltext herangeht, um nicht auch hier wieder in eine typische Falle zu tappen, die durch die über Jahrhunderte hinweg vorgenommene Bearbeitung, Ergänzung und Revision der Bibeltexte von Seiten der Presbyter, Bischöfe und Kirchenväter entstanden ist. Der Katechismus verweist in diesem Zusammenhang immer wieder auf eine bestimmte Bibelstelle und auch in der Dogmatik-Literatur für angehende Theologen wird sie immer wieder genannt. Es ist die Stelle im Mattäus-Evangelium (28,19), in der Jesus vom Auftrag an seine Jünger redet. »Gehet hin und machet alle Völker zu Jüngern, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes …«. Jesus soll nach seiner Auferstehung diese Worte zu seinen Jüngern gesagt haben. Und der Evangelist hat es dann circa fünfzig Jahre später niedergeschrieben. Die Jünger waren bei der Abfassung dieses Evangeliums längst gestorben und ein Protokoll der Ausführungen Jesu gab es leider auch nicht, denn schreiben konnten weder die Jünger noch Jesus selbst. Zudem sprachen sie Aramäisch und das Matthäus-Evangelium wurde in griechischer Sprache verfasst. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, wollte man das Glaubensverständnis der christlichen Gemeinden während der Entstehungszeit dieses Evangeliums, nach der Zerstörung des Tempels der Juden in Jerusalem durch die Römer und der Vertreibung eines großen Teils der jüdischen Bevölkerung hier ausführlich ausbreiten. Sicher ist jedoch, dass die besondere Lebenssituation der Evangelisten bei der Abfassung der einzelnen Evangelien immer eine große Rolle gespielt hat und dies bei dem Evangelisten Matthäus erst recht. Er schrieb das Evangelium wahrscheinlich um das Jahr 70–80 nach Chr. Bezogen auf die genannte Bibelstelle sind sich die Bibelforscher sicher, dass eine solche Formulierung nicht vom Evangelisten selbst stammen kann, sondern nachträglich in das Evangelium eingefügt worden ist. Der Nachweis der späteren Einfügung dieser Formulierungen, die aus guten Gründen noch keine Aussagen über das Verhältnis der drei göttlichen Personen zueinander machen, ist in der gesamten Bibelforschung belegt. 30 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … So formuliert zum Beispiel der Theologe Hans Küng: »Zuerst war die Taufe nur auf den Namen Jesu … schließlich gab es liturgische Weiterentwicklungen dieser christologischen Formel in der Gemeinde des Evangelisten Matthäus«, die dann im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufte. Für Hans Küng ist klar, dass von einer »Einheit dieser drei doch höchst verschiedenen Größen, gar einer Einheit auf gleicher göttlicher Ebene, im ganzen Neuen Testament kein Wort« geschrieben worden ist. Eine »christliche Trinität gab es in den ersten beiden Jahrhunderten nicht … man hielt selbst Jesus bis weit in das dritte Jahrhundert hinein nicht für Gott … und an die Persönlichkeit eines Heiligen Geistes dachte kaum einer«35. Die ersten Teile dieser Bibelstellen aus dem Matthäusevangelium gelten durchaus als echt, das heißt, von Matthäus selbst geschrieben, da die jungen christlichen Gemeinden sehr intensiv die sogenannte Heidenmission betrieben, obwohl, und dafür sollte man sich auch interessieren, Jesus an einer anderen Bibelstelle (10,5) beim Evangelisten Matthäus deutlich gesagt hatte: »gehet nicht zu den Heiden … vielmehr zu den Schafen des Hauses Israel«. Um diese Missionspraxis jedoch besser legitimieren zu können, fügte man zu einem späteren Zeitpunkt an den Schluss des Textes den Befehl der Weltmission und hatte scheinbar ganz beiläufig auch die biblischen Grundlagen für eine Trinität formuliert36. Somit ist klar und in der gesamten theologischen Literatur bestätigt, diese Textstelle ist eine Fälschung und wurde erst viel später von kirchlichen Kreisen in das Evangelium eingeschoben. Es handelt sich um reine Manipulationen nachfolgender Jahrzehnte. Der Theologe Horst Herrmann sagt hierzu: »Die sogenannten Abschiedsreden Jesu, der Missions- und Taufbefehl, das Pfingstereignis, wo vom Heiligen Geist die Rede ist, alle diese Ereignisse unterliegen als „spätere Zutaten“ dem Verdammungsurteil der Bibelkritik«37. Was also tun? Nicht einmal die Bibel liefert einen halbwegs gesicherten Hinweis auf die Trinität. Auch Formulierungen in den Paulusbriefen sind zu einem großen Teil Fälschungen. So zum Beispiel der Epheserbrief, er stammt 35 Hans Küng, Das Christentum, Piper Verlag, München, 6. Auflage 2012, Seite 126 f. 36 Vgl. hierzu: Gerd Lüdemann, Der große Betrug, zu Klampen Verlag, Springe, 5. Auflage 2011, Seite 60 ff. 37 Horst Herrmann, Befreit Gott von den Gläubigen, Tectum Verlag, Marburg 2015, Seite 216. 31 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … aus einer späteren Zeit, als sich die christlichen Gemeinden ihre Schriften auf der Grundlage ihrer Bedürfnisse und Anschauungen passend zurechtlegten. Was die ersten Christen noch selbstverständlich glaubten, nämlich dass es einen Gott gab und einen Sohn Gottes, der als besonderer Mensch mit prophetischen Gaben gesegnet war und der die Juden mit seiner Botschaft überzeugen wollte, dies alles wurde in sein Gegenteil verkehrt. Aus dem Wanderprediger Jesus wurde ein Gott. Und erst gegen Ende des vierten Jahrhunderts wurde der Heilige Geist als Garant für die reine Lehre der Kirche zusätzlich eingeführt. Dabei war dieser Geist als Person eine reine Erfindung von Theologen. Eine göttliche Eigenschaft wurde so zu einer göttlichen Person. Vor allem die Gründung von weiteren Gemeinden und die Missionierung der Bevölkerung im östlichen Mittelmeerraum während des ersten und zweiten Jahrhunderts nach Chr. führte zu der Notwendigkeit, den Lebensweg und die Botschaften des Wanderpredigers aus Galiläa nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich festzuhalten. So entstanden zwischen den Jahren 70 nach Chr. und 110 nach Chr. die Evangelien, die jeweils aus der Sicht der Verfasser mit den unterschiedlichsten Intentionen geschrieben wurden. Auch Paulus schrieb seine Briefe an die Gemeinden, von denen nur sieben nach der kritischen Bibelforschung tatsächlich von ihm selbst verfasst worden sind. Er tat dies, um den entstehenden christlichen Gemeinschaften seine Vorstellungen und Kenntnisse vom Leben Jesu zu vermitteln, obwohl er Jesus selbst nie erlebt hatte. Außerdem wollte er deutlich machen, dass dieser Jesus, entsprechend der jüdischen Glaubenstradition, der sehnlichst erwartete Messias des ach so sündigen jüdischen Volkes und der gesamten sündigen Menschheit war. Nicht nur die vier Evangelien und die Paulusbriefe wurden in die Bibel aufgenommen, sondern es entstanden in dieser Zeit auch weitere Schriften, zumeist auf Griechisch verfasst, immer mit der Absicht, den Gemeinden den „himmlischen Vater“ und seinen „eingeborenen Sohn“ näherzubringen. Selbst hatten die Evangelisten und auch Paulus den Menschensohn nie gesehen. Sie kannten ihn und beschrieben ihn, seine Botschaft und sein Leben daher nur vom Hörensagen. Die Apostel waren längst verstorben und die Überlieferungen und Erzählungen stammten alle von den Nachfolgegenerationen, die ihrerseits Jesus auch nicht mehr gesehen und erlebt hatten. Es ist bekannt, dass weder Jesus noch irgendein Apostel auf aramäisch, auf hebräisch oder auf griechisch Notizen oder Berichte verfasst haben, von dem Geschehen, damals. Noch 32 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … sind irgendwelche Nachweise erbracht worden, dass die Apostel oder auch Jesus selbst des Schreibens mächtig gewesen wäre. So beeindruckend die Persönlichkeit Jesu auch war, wenn sie es gekonnt hätten, die Apostel, sie hätten sicher Protokoll geführt über das Leben und die Faszination einer solchen Persönlichkeit. Da Jesus und die Apostel im Judentum verwurzelt waren und zumindest Jesus die Schriften des Judentums gut kannte, so konnte er, dies wird im Matthäus-Evangelium besonders deutlich, immer wieder Bezug nehmen auf die messianischen Verheißungen dieser Schriften und auf seine angebliche Rolle als Erfüller der alttestamentlichen Prophezeihungen. So wurde, nach Jesu Tod, unter Hinweis auf die jüdischen Vorstellungen eines Messias, das Schrifttum der Juden als Altes Testament mit in das christliche Schrifttum aufgenommen. Die Schriftverheißungen des jüdischen Volkes hatten sich nach den Vorstellungen der Christen jetzt durch Jesus Christus selbst erfüllt. All diese, überwiegend in griechischer Sprache und auf Papyrus-Rollen geschriebenen Schilderungen eines „Gottes-Sohnes“, Jahrzehnte nach dem Tode Jesu als mündliche Berichte wiedergegeben, sind deutlich gekennzeichnet durch subjektive Ergänzungen der Autoren, durch Verklärungen, Überzeichnungen und Erweiterungen der tatsächlichen Worte und Ereignisse. Dies ist verständlich und leicht zu erklären, angesichts der Wunder und Worte einer so charismatischen Persönlichkeit, wie es Jesus nun einmal war. Hinzu kam die sogenannte „Naherwartung der Endzeit“, die Jesus doch so deutlich beschrieben hatte. Die Kenntnis dieser Evangelien, die in den christlichen Gemeinden mehr als Loseblatt-Sammlung in Umlauf waren, führte natürlich auch zu der Notwendigkeit, diesen Jesus auf der Grundlage der Berichte näher zu betrachten. Man saß zusammen, angesichts der jeweiligen politischen Situation meist in Form eines konspirativen Treffs, beim Abendessen und hörte die Geschichten über Jesus. Man fragte sich, wann er denn nun kommen würde, zu richten die „Lebenden wie die Toten“. Angesagt war dies ja eigentlich noch zu Lebzeiten seiner Jünger. Da dies Ereignis nun doch nicht eintraf und die Schriftensammlungen keine ausreichenden Erklärungen mehr boten, begannen die Gemeindemitglieder intensiver über Jesus, seine Rolle als möglichen Sohn Gottes und auch über den Geist Gottes nachzudenken. In den gegründeten christlichen Gemeinden innerhalb des römischen Reiches entwickelten sich so die unterschiedlichsten Vorstellungen von der Person und der Sendung eines Messias Jesus Christus. Die getauften 33 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … Heidenchristen kannten das ja, eine Vielzahl von Göttern bei den Römern, den Griechen und den Ägyptern. Warum sollte Gott-Vater nicht auch einen Sohn gehabt haben, den er zur Erde gesandt hatte? Zwei Götter störten eigentlich nicht. Andererseits hatte man ja nur den einen Gott des Alten Testamentes und man konnte sich nicht vorstellen, dass ein Gott „am Kreuz“ sterben konnte, ganz elendig, gar schmerzhaft und leidend. So entstanden in den jungen christlichen Gemeinden eine Vielzahl unterschiedlicher Vorstellungen über mögliche himmlische Gottheiten. Schon gegen Ende des ersten Jahrhunderts, sogar noch vor der Niederschrift des Johannesevangeliums gab es die ersten Lehren, die vielfach als sogenannte Irrlehren bezeichnet wurden. Gemeindevorsteher behaupteten, Jesus sei nur Mensch gewesen, wenn auch ein besonders hervorgehobener und kein Gott, entsprechend den überwiegend verbreiteten Vorstellungen in den meisten Gemeinden. Auch wurde jetzt der Geist Gottes ebenfalls noch nicht als göttliche Person angesehen, vielmehr stellte der Geist Gottes zunächst nichts anderes als eine Eigenschaft des einen Gottes dar. In Antiochien gab es allerdings schon im Jahre 107 nach Chr. die ersten Annahmen von drei christlichen Gottheiten, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Meinungen über mehrere Gottheiten wurden verbreitet, Vermutungen angestellt, Spekulationen schossen ins Kraut. War Jesus nun Gott oder Mensch oder gar beides? In welchem Verhältnis stand dann der Sohn zum Vater? War er als Gott untergeordnet oder auf Augenhöhe mit dem Vater? Sogenannte Häresien gab es zu Hauf, doch es gab niemanden, der auf der Grundlage der Schriften deutlich machen konnte, wer denn in die Irre ging und wer auf dem rechten Weg war. Der angesehene Kirchenvater Athenagoras von Alexandrien formulierte die Vorstellung von einer Trinität mit Vater, Sohn und Heiligem Geist als drei Gottheiten im Jahre 177 nach Chr.. Andere behaupteten, dass es keine drei Gottheiten geben könne, da das Christentum mit seinem Ursprung im Judentum nur einen Gott akzeptieren könne. In der Mitte des zweiten Jahrhunderts gründete der Presbyter Marcion eine Gemeinschaft von Gläubigen, die sich radikal vom Judentum und allen Schriften des Alten Testamentes trennten und nur wenige Schriften, vor allem die Paulusbriefe, für ihre Gemeinschaft als Grundlage des Glaubens akzeptierten. Der aus Afrika stammende römische Gelehrte Tertullian übersetzte erstmalig um das Jahr 200 nach Chr. Schriften aus dem Griechischen ins Lateinische mit entsprechenden Hinweisen auf eine Trinität mit Vater, 34 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … Sohn und Heiligem Geist38. Durch die in den Gemeinden zunehmende Vergötterung des Menschen Jesus entstand nun die Schwierigkeit, dass das Verhältnis von Gott-Vater und Gott-Sohn bei gleichzeitiger Beibehaltung des einen Gottes geklärt werden musste. Dass auch noch der Heilige Geist als Gott hinzugekommen ist, geht vor allen Dingen auf das Johannes-Evangelium zurück. Bei all diesen Fragen zu den christlichen Gottheiten in dieser Zeit muss man zusätzlich das politische und religiöse Umfeld betrachten, in dem die Christen im Mittelmeerraum lebten. Sie waren umgeben von den Gottheiten der Römer und Griechen und zudem von den misstrauischen und feindseligen, ja mörderischen Verfolgungen durch die römische Obrigkeit. Religionsgeschichtlich, sagt Heinz-Werner Kubitza, sind Götterdreiheiten ein alter Hut, »schon lange vor dem Christentum waren solche Götterdreiheiten in Hochkulturen bekannt und wurden verehrt«39. Angesichts der Überzeugungen, die aus dem Judentum übernommen worden waren, dass es nur einen Gott gibt, musste die junge Kirche zwingend beschreiben, wie unter diesen Voraussetzungen das Verhältnis zwischen Gott-Vater und dem Sohn Jesus und dann auch noch zwischen diesen und dem Heiligen Geist verstanden werden kann. Da man seit dem ersten Jahrhundert, wenn auch zunächst zögerlich, aus dem Wanderprediger Jesus, der Friedfertigkeit und Barmherzigkeit gepredigt hatte und dem Irrtum unterlag, dass Gott-Vater schon zu Lebzeiten der Apostel das „Jüngste Gericht“ abhalten würde, weil man diesen Jesus zu einem Gott gemacht hatte, musste man eine „Formel“ finden, die es schaffte, trotzdem einen einzigen Gott zu definieren. Und dies angesichts von anfänglich zwei, später sogar drei Gottheiten. Beim Rückgriff auf die Schriften stellten die Kirchenväter fest, dass in der Bibel zwar der Glaube an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist formuliert war, dass es aber keine Aussagen von einem Gott in drei Personen, keine Lehre von einer Dreifaltigkeit gibt. Christus als Gott zu bezeichnen, der ja als Mensch bei den Menschen gelebt hatte und andererseits aufgrund der jüdischen Überlieferung des Monotheismus unbedingt an der Einheit eines Gottes festzuhalten, das war nun die Aufgabe der Kirchenväter. 38 Vgl. hierzu: www.wikipedia.org/w/index.php title=Tertullian. 39 Heinz-Werner Kubitza, Der Jesuswahn, Tectum Verlag, Marburg, 2. Auflage 2013, Seite 243. 35 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … Zwar versuchten immer wieder Bischöfe aus den führenden Gemeinden in Alexandria, Antiochien, Korinth und Ephesus sich durch bestimmte Formulierungen zu profilieren, Rom war interessanterweise noch weit weg, doch war eine einheitliche Vorstellung in dieser Frage nicht zu erzielen. Selbst der Kirchenvater Tertullian versuchte bei seinen Übersetzungen der Schriften mit Begrifflichkeiten zu arbeiten, die der damaligen griechisch-philosophischen Wissenschaft entnommen wurden und in ihrer Vorstellung von einem Wesen in drei Personen sprachen. So entstanden zum Beispiel Begriffe wie „wesensgleich“ oder „wesensähnlich“. Man versuchte, geradezu mit Hochdruck im dritten und zu Anfang des vierten Jahrhunderts intellektuell ein Problem zu lösen, das man sich durch die Festlegung einer Gottheit des Sohnes selbst geschaffen hatte. Hans Küng drückt es so aus: »Je mehr der Sohn auf die Seinsebene mit dem Vater gestellt … und dieses Verhältnis mit naturhaften Kategorien umschrieben wurde, umso schwieriger wurde es, gleichzeitig Jesu Unterscheidung von Gott und seine Einheit mit Gott begrifflich zusammenzudenken«40. Hinzu kam die Frage, wenn Jesus als Sohn Gottes eines Wesens mit dem Gott-Vater ist, wie verhalten sich dann in Jesus die beiden Wesen miteinander, das göttliche und das menschliche? Die zu Anfang des vierten Jahrhunderts in den christlichen Gemeinden weit verbreitete Lehre des Arianismus stand im Gegensatz zu den Vorstellungen einiger Bischöfe und Presbyter, vor allem im Osten des Römischen Reiches. Sie lehrten die strikte Gleichheit von Vater und Sohn. Der sogenannte Arianismus hingegen unterschied deutlich zwischen Vater und Sohn. Hier war der Vater der alleinige Gott und der Sohn diesem untergeordnet, der Sohn war gegenüber dem Vater nur „wesensähnlich“. Im Mittelpunkt dieser theologischen Auseinandersetzungen stand somit die Frage, ob Jesus wahrer Gott sei, gleichen Wesens wie Gott selbst. Der Heilige Geist als personifizierter Gott stand zunächst noch nicht im Focus der theologischen Diskussion. Man versuchte nach dem anfänglich apokalyptisch-urchristlichen Weltbild des ersten Jahrhunderts mit Hilfe der griechischen Philosophie die notwendige begriffliche Klarheit bei dieser Dreifaltigkeitsfrage hinzubekommen. Doch wie sollte das gehen? Allein die verwendete griechische Terminologie war stark umstritten und fragwürdig. Man war sich lange nicht darüber im Klaren, mit welchen Formulierungen man diese angebliche Wirklichkeit versehen sollte und mit welchem Wortlaut die Einheit des 40 Hans Küng, a. a. O., Seite 225. 36 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … göttlichen Wesens und die Dreiheit (oder besser zunächst nur die Zweiheit) der göttlichen Personen bezeichnet werden sollte. Es folgte, wie häufig in der Geschichte, eine Entwicklung, die typisch ist für diese Kirche. Die Entwicklung und Ausprägung einer elementaren Glaubenslehre wird letztlich entschieden durch die weltliche Macht. Der Römische Kaiser löste das Problem auf seine Weise. Nach den Verfolgungen der Christen im Römischen Reich in der Mitte des dritten Jahrhunderts und zu Anfang des vierten Jahrhunderts war Kaiser Konstantin dazu übergegangen, die Christenverfolgungen zu beenden und im sogenannten „Toleranzedikt von Mailand“ die freie Religionsaus- übung allen Bürgern des Römischen Reiches zuzusichern. Nach dieser „Konstantinischen Wende“ nahm die Zahl der Christen im Reich stark zu, allerdings gab es auch Bekehrungen aus persönlichen Gründen, insbesondere in der Umgebung des Kaiserhofes, weil die Christen von Kaiser Konstantin stark bevorzugt wurden. Da jedoch die meisten Christen im Osten des römischen Reiches eher dem Arianismus zuneigten und die Auseinandersetzung innerhalb des Christentums in dieser so elementaren Frage weiter zu eskalieren drohte, entschied sich der Kaiser zu einem Schritt, der nichts mit dem Bedürfnis einer Klärung von dogmatischen Fragen einer Glaubensrichtung zu tun hatte, sondern nur deshalb erfolgte, weil er an der gerade gewonnenen Einheit seines Römischen Reiches interessiert war. Eine reichsübergreifende Ideologie sollte die notwendige stabilisierende Wirkung für das gesamte Römische Reich erzeugen. Die reichsverbindende Funktion der Religion war durch diesen Streit stark gefährdet und so griff er ein. Er selbst war kein Christ, ist es nie geworden. Nach den historischen Angaben war er eher ein Anhänger des römischen Sonnengottes und er soll, gesichert ist das nicht, erst auf dem Sterbebett den Glauben der christlichen Kirche angenommen haben. Die Vergebung der Sünden und die Hoffnung auf das Himmelreich konnten ja nicht schaden, denn Konstantin war ein Verbrecher, skrupellos, wie Despoten eben so sind. Im Laufe seines Lebens hatte er die halbe Verwandtschaft umbringen lassen, aber die Christen, die hat er privilegiert. Dieser Kaiser entscheidet nun, er greift aktiv ein in das Geschehen und beruft ein Konzil ein41. Die Historiker beschreiben ausführlich die Situation. Der Kaiser lud ein, im Mai des Jahres 325 nach Chr., bei herrlichem Wetter in das Städtchen Nicäa, nur 30 Kilometer entfernt von sei- 41 Vgl. hierzu: Hans Küng, a. a. O., Seite 221 ff. 37 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … nem eigenen Sommersitz, einem Ort, der zu Lande und zu Wasser gut zu erreichen war. Geladen haben soll er alle Bischöfe der damaligen Christenheit. Man spricht von circa 1800 Bischöfen. Gekommen waren allerdings nur zwischen 220 und 318 Bischöfe, die Quellen sind da nicht sehr präzise. Unter demokratischen Gesichtspunkten würde man heute sagen, das Konzil war bei einer so wichtigen Abstimmung nicht beschlussfähig. Doch abgestimmt wurde ja auch nicht, denn Kaiser Konstantin bestimmte und entschied, wobei er, statt den Bischöfen die Formulierungen zu überlassen, die entscheidende „Formel“ selbst definierte, sie vorschlug und auch als Glaubenslehre festlegte. Die Kirchenväter hatten nichts zu bestellen. Sie waren auf Kosten des Kaisers angereist, wurden üppig verpflegt und konnten so zu dieser Jahreszeit die Lokalitäten des kaiserlichen Palastes ausgiebig genießen. Von den circa 300 Teilnehmern waren allerdings nur fünf aus dem Westen des Reiches gekommen. Selbst der damalige Papst Silvester aus Rom, er spielte zu dieser Zeit noch keine maßgebliche Rolle. Der Grund hierfür ist leider nicht bekannt. Vielleicht hielt ihn ja auch die Angst um Leib und Leben ab, denn die geistlichen Herren ließen sich bewachen, hatten Leibwächter und Anhänger mitgebracht, die ihre geschliffenen Schwerter stets gezückt hielten. Der Kaiser eröffnete das Konzil und führte selbst den Vorsitz42. Er hatte die Absicht, seine Vorstellungen in jedem Fall durchzusetzen. Das Glaubensbekenntnis der sogenannten Arianer, die in der Mehrzahl waren, kam trotzdem nicht auf die Tagesordnung, es war ihrem Bischof entwendet und dann zerrissen worden, noch ehe dieser seinen Text zu Ende gelesen hatte. Es waren damals raue Sitten, auch und gerade unter den Klerikern. Die Historiker berichten von einem großen Lärm und von erbittertem Streit. Den Kaiser ficht das alles nicht an, er hatte seine eigene Einschätzung des theologischen „Gezänks“. Alle Beschwerden, alle Streitschriften, die von den Bischöfen vorgebracht wurden, ließ der Kaiser ungesehen vernichten. Die anwesenden Bischöfe wechselten zudem mehrfach ihre Überzeugungen und neigten mal zu der Formulierung, Jesus ist „wesensähnlich“ mit dem Vater und dann wieder, nach entsprechender Überzeugungsarbeit durch den Kaiser und nach tumultartigen Szenen, zu der Formulierung, Jesus ist „wesensgleich“ mit dem Vater. 42 Vgl. hierzu Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Band 1, Die Frühzeit, Rowohlt Verlag, Hamburg, 9. Auflage 2016, Seite 362 ff. 38 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … Kaiser Konstantin, der im Streit der Priester nach den Aussagen des Historikers Deschner »nur Starrsinn sah, verbat sich jede theologische Diskussion und forderte die Anerkennung der von ihm formulierten Aussage«43 von der Gottheit Jesu. Er hatte mit Hilfe philosophischer Beratung die Terminologie des Begriffs der „Wesensgleichheit“ von Vater und Sohn vorgegeben. Dieser „Kunstbegriff “ beschreibt nun einen Zustand von Vater und Sohn, aber er erklärt nichts. So richtig beseitigt war das Problem für die damalige Christenheit daher immer noch nicht. Der Kaiser hatte entschieden, über die kirchliche Lehre, nicht etwa der Papst oder die Kleriker. Und so sollte es weitergehen, im gesamten vierten Jahrhundert44. Die Häresie der Arianer wurde ausdrücklich verurteilt. Am Ende unterschrieben praktisch alle Bischöfe das „Nicäanische Glaubensbekenntnis“, bis auf zwei ägyptische Kirchenväter, die dann folgerichtig verbannt wurden. Es gibt ernst zu nehmende Stimmen, die behaupten, dass Kaiser Konstantin solange über die Gottheit Jesu abstimmen ließ, bis alle andersdenkenden Bischöfe abgereist waren. Zutrauen würde man es ihm schon, dem Kaiser. Dann wäre allerdings Jesus nicht nur durch einen erzwungenen, sondern auch noch durch einen manipulierten Mehrheitsbeschluss zu einem Gott gemacht worden. Wer glaubte, mit diesem Konzil sei die Diskussion um die Gottheit Jesu zu Ende gewesen, der irrte gewaltig. Auch in den Folgejahren wurde weiter gestritten. Selbst Konstantin unterstützte aus „machtpolitischen“ Gründen zeitweilig mal die eine und mal die andere Position. »Um des Vaters und des Sohnes Willen befehdeten sich ab dem vierten Jahrhundert Päpste, Bischöfe und Patriarchen mit allen Mitteln … es wird verurteilt, degradiert, verbannt; wird gemordet und es wütet der staatliche Terror, … stehen Kirchenväter gegeneinander auf, werden erhoben und wieder vom Thron gestoßen, sobald eine andere trinitarische Ansicht … siegreich ist«, sagt der Historiker45. Und so kommt es zu einem weiteren Konzil, einberufen im Jahre 381 nach Chr. durch den Kaiser Theodosius I. Es ging hierbei um die seit dem Jahre 325 nach Chr. nach wie vor andauernde Auseinandersetzung zwischen den Arianern und den Trinitariern und um eine damit verbundene mögliche Kirchenspaltung, die unbedingt verhindert werden musste. 43 Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Band 1, a. a. O., Seite 364. 44 Vgl. hierzu: Hans Küng, Das Christentum, a. a. O., Seite 222. 45 Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Band 1, a. a. O., Seite 362 ff. 39 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … In Konstantinopel, jetzt unter dem Vorsitz des Kaisers Theodosius I, der das Christentum zur Staatsreligion erhoben hatte und Gesetze gegen das Heidentum und gegen christliche Häresien erließ, tagte nun ein Konzil mit nur 150 Bischöfen. Die große Mehrheit aller Bischöfe des Reiches war nicht anwesend und insoweit war es wohl eher eine Synode der oströmischen Bischöfe. Auch der Bischof von Rom, der Papst, war nicht anwesend, doch dem Kaiser war es gleichgültig. Und trotzdem, die Trinitätslehre wurde jetzt endgültig in einem „nicäanisch-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis“ festgelegt. Man stellte neben den Gott-Vater als zweite Person den Sohn Gottes und als dritte Person den Heiligen Geist. Als wesentliches Fundament der Staatsreligion gehörten diese dogmatischen Aussagen zur Trinität jetzt zum Christentum und wer anderes glaubte, der war ein Häretiker. Ausdrücklich wurde eine Vielzahl von existierenden Häresien genannt, die ab jetzt verurteilt waren und demzufolge grausam verfolgt wurden. Per Dekret von Kaiser Theodosius I erlassen, war diese Lehre nun nach dem Konzil von allen Christen zu glauben. Im Wortlaut heißt es jetzt: »So glauben wir, gemäß der Lehre der Apostel und des Evangeliums, an den einen Gott, den Vater, den allmächtigen … und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, gezeugt nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater und an den Heiligen Geist …«46. In der Bibel stand von alledem nichts! Erklären konnte man das theoretische Gebäude der Trinität jedoch immer noch nicht und viele nachfolgende Konzilien, auf denen man ein solches Geheimnis verständlich zu machen versuchte, brachten noch mehr Verwirrung. Wieviel Konzilien wurden bemüht, im 6. Jahrhundert (589), im 7. Jahrhundert (675), im 13. Jahrhundert (1215, 1274) und selbst noch im 15. Jahrhundert (1441), man kam der „Paradoxie“ nicht näher. Die Trinitätslehre galt ab jetzt als ein für alle Mal geklärt und erledigt, obwohl nicht nur seine Entwicklung ,sondern auch, nach der Aussage der Theologen, sein Inhalt nur schwerlich nachvollziehbar war. Nach einer solchen Betrachtung der typischen Entstehungsgeschichte von kirchlichen Lehraussagen kommt man nicht mehr daran vorbei, man muss den dogmatischen Glaubensgrundsatz in Gänze lesen, um die in ihm steckende Unverständlichkeit selbst erfahren zu können. Denn nur so sind die unterschiedlichsten und überwiegend fruchtlosen Ver- 46 Zitat aus: wikipedia.org/wiki/bekenntnis … 40 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … suche der Kleriker nachvollziehbar, den Gläubigen diesen Teil der kirchlichen Lehre nahezubringen. Nach der Lehre der Kirche gilt nun, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist „wesensgleich“ sind, das heißt, alle drei Personen der Trinität sind im Vollsinn ein Gott. Es gibt keine Über- oder Unterordnung. »Allen drei Personen der Trinität kommt gleichermaßen uneingeschränkte Gottheit zu, dennoch handelt es sich nicht um drei Götter, sondern nur um einen Gott, weil sich die drei Personen gegenseitig durchdringen …«47. Man fragt sich, wie das gehen soll, doch es wird weiter in gleichem Stil fortgefahren. So legt das II. Konzil von Konstantinopel im Jahre 533 fest: »Wer nicht bekennt, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist eine Natur oder Wesenheit … haben; wer nicht bekennt die wesensgleiche Dreifaltigkeit, eine Gottheit, die in drei Hypostasen (Verwirklichung göttlicher Eigenschaften zu einem göttlichen Wesen) angebetet wird, der sei ausgeschlossen«48. Man stelle sich einmal eine Situation vor: Ein Christ wird von einem Moslem und einem Juden gefragt, da doch alle drei Religionen einen Gott verehren, wie es sich denn so verhält mit der Dreifaltigkeit, wo doch auch das Christentum als monotheistische Religion gilt. Die Wahrscheinlichkeit ist groß: Der „christliche Mitbruder“ würde sich sofort in häretischen Formulierungen verheddern. Nicht zuletzt aus diesem Grunde müssen wir noch einmal festhalten: In den gesamten Schriften des Alten und des Neuen Testamentes gibt es zwar den Glauben an einen Gott, es gibt aber keine Lehre von einem Gott in drei Personen (oder Seinsweisen) und keine Lehre von einer Dreifaltigkeit. In der Bibel bleibt Gott-Vater selbst immer verborgen, Jesus ist der „herabgekommene“ Menschensohn und der Heilige Geist ist die von Gott ausgesandte unsichtbare Kraft und Macht. In der Bibel gibt es keine philosophischen Spekulationen, keine undurchdringlichen Geheimnisse, wie drei so verschiedene Personen eins sein können. Nirgendwo eine Trinitätslehre in dem Sinne, dass das Miteinander des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes als das Verhältnis dreier göttlicher Personen bedacht oder gar beschrieben worden wäre. 47 Rochus Leonhardt, Grundinformation Dogmatik, Vandenhoek und Ruprecht Verlag, Göttingen, 4. Auflage 2009, Seite 224. 48 Theodor Schneider (Hrsg.), Handbuch der Dogmatik, Band 2, a. a. O., Seite 527. 41 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … Die Umstände der Entstehung einer solchen Trinitätslehre vor dem Hintergrund der politischen Situation im Römischen Reich und der Götterdreiheiten in anderen Hochkulturen des Mittelmeerraums haben deutlich gezeigt, dass es bei dieser Lehre um eine Schöpfung altkirchlicher Theologen ging. Um handfeste Auseinandersetzungen unter den Patriarchen und um machtpolitisches Kalkül eines Herrschers, der sich um eine aufgeblasene Diskussion der Theologen mit philosophischen Begrifflichkeiten wenig kümmerte, dafür aber entschied, als Jünger des römischen Sonnengottes. Und er legte den Grundstein für die in Ewigkeit geltende Dogmatik der christlichen Kirche zur Dreifaltigkeit. Man darf sie getrost verwerfen, die Lehre von der Dreifaltigkeit; als „hellenistisch-philosophische Konstruktion“, die notwendig war, nachdem man Jesus und den Heiligen Geist auch zu Göttern gemacht hatte. Und wenn es zutrifft, was das Lexikon der theologischen Grundbegriffe sagt, dass jede Analyse dieses Lehrgebäudes davon ausgehen muss, »… dass die Dreieinigkeit ein undurchdringliches Geheimnis darstellt …«49, ja dann kann die Dreipersönlichkeit eines Gottes sicher nicht von uns Menschen mit den natürlichen Mitteln der Vernunft gefunden werden. Wir geben es trotzdem nicht auf. Der katholische Katechismus muss den Gläubigen doch erklären können, was gemeint ist, wie sonst sollen denn die Gemeindemitglieder dies als Fundament ihres Glaubens annehmen können? Spätestens die Dogmatik-Literatur für angehende Profis in Sachen Kirche muss doch erhellende Aussagen machen können. Wie sonst sollten die Kleriker den Glauben in die Bevölkerung tragen können? Wir schauen nach. Der Katechismus in seiner Ausgabe von 2015 im Walter de Gruyter- Verlag sagt zu diesem Thema: »Um das Trinitätsdogma formulieren zu können, musste die Kirche mit Hilfe von Begriffen aus der Philosophie (Substanz, Person, Wesen, Hypostasen …) eine geeignete Terminologie entwickeln … damit sie im Stande wäre, das unaussprechliche Mysterium auszudrücken …«. Somit verwendet die katholische Kirche Kunstbegriffe, die zwar nichts erklären, aber wenigstens beschreiben, was gemeint ist. »Sie verwendet den Begriff Substanz (auch Wesen), um das göttliche Wesen in seiner Einheit zu bezeichnen …« und den Begriff Person (Hypostase), um 49 Handbuch theologischer Grundbegriffe, Band 4, dtv, München, 2. Auflage 1974, Seite 280 f. 42 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … »den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist in ihrer … Verschiedenheit zu bezeichnen …«50. Nun haben wir also die Bezeichnungen für bestimmte und unterstellte Tatbestände, aber eine Erklärung, gar eine nachvollziehbare Darlegung oder Umschreibung, damit es anschaulich wird, haben wir immer noch nicht. Vielleicht hilft ja eine andere Stelle im Katechismus: »Jede der drei göttlichen Personen ist voll und ganz Gott. Der Vater ist dasselbe wie der Sohn. Der Sohn dasselbe wie der Vater. Der Vater und der Sohn dasselbe wie der Heilige Geist. Nämlich von Natur/Wesen/Substanz … ein Gott. Die drei göttlichen Personen sind real voneinander verschieden. Der Vater ist nicht derselbe wie der Sohn. Der Sohn ist nicht derselbe wie der Vater, der Heilige Geist ist nicht derselbe wie der Vater oder der Sohn …«51. Wie das? Der Vater ist dasselbe wie der Sohn, ist nicht derselbe wie der Sohn? Auch nach mehrmaligem Lesen, man kommt ins Grübeln. Es ist und bleibt ein dem menschlichen Denken aufgenötigter Unsinn, der zwar beschrieben wird, aber nichts erhellt. Vielleicht ist die Trinität eines Gottes doch etwas, was man nicht verstehen muss, sondern eher etwas, das man verstehen muss als etwas, das nicht verstanden werden kann. Wie weit weg sind wir jetzt eigentlich von der Heiligen Schrift? Wie kann nur in den Gehirnwindungen von Bischöfen und Presbytern auf Synoden und Konzilien eine solche göttliche Theologie entstehen? Sie ist und bleibt nichts anderes, als eine hochkomplexe Spekulation, die aber das Problem, wie drei Größen eins sein können, nicht erklären kann, dafür aber versucht, durch verbale Unterscheidungen irgendeinen sinnvollen Zusammenhang für eine Dreieinigkeit herstellen zu können. Es stellen sich sicher beim Leser langsam Erschöpfungserscheinungen ein, doch wir sind noch nicht am Ende der Diskussion. Wir müssen in die Dogmatik-Literatur für Theologen der Kirche schauen, denn dort wird sehr ausführlich der Frage nachgegangen, wie die Einheit eines Gottes gesichert bleiben kann und zugleich das Gottsein des Vaters, 50 Katechismus der katholischen Kirche, a. a. O., Seite 97 ff. 51 Katechismus der katholischen Kirche, a. a. O., Seite 98. 43 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … das „ebenbürtige“ Gottsein des Sohnes und das Gottsein des Heiligen Geistes ausgedrückt werden kann52. Doch vorher der offizielle Wortlaut eines Teils der Dogmen der katholischen Kirche, wie sie vom Christenmenschen zu glauben sind53: »In Gott sind drei Personen, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist«. »Jede der drei Personen besitzt numerisch dieselbe göttliche Wesenheit«. »Die zweite göttliche Person geht aus der ersten durch Zeugung hervor und verhält sich deshalb zu ihr, wie der Sohn zum Vater«. »Die drei göttlichen Personen sind ineinander«. Ein Gott, der zunächst im Alten Testament der einzige war, wird zu einer Gruppe, die dieselbe Wesenheit besitzt. Diese Gruppe entsteht dann auch noch durch eine „Zeugung“ und der Heilige Geist später noch durch eine „Hauchung“. Welchen Sinn sollen diese Formulierungen haben? Vielleicht erklärt es ja die Dogmatik-Literatur der Theologen: »Der Sohn ist vom Vater nicht geschaffen, sondern in rein geistiger Zeugung, das heißt, durch uneingeschränkte Mitteilung seines Wesens, hervorgebracht. Diese Wesensmitteilung ist weder frei gesetzte Willensentscheidung, noch durch äußere Einwirkung erzwungen. Sie ist reiner Wesensvollzug. Der Hervorgang des Geistes aus dem Vater (und dem Sohn bzw. durch den Sohn) kann nicht Zeugung genannt werden. Vom Namen „spiritus/pneuma“ abgeleitet heißt es „spiratio“, vom Vater und vom Sohn in gemeinsamem Wesensvollzug gehauchter Hauch. Mit diesen Bestimmungen ist zweifellos eine sehr weitgehende, an die Grenze des Sagbaren führende Abstraktion von den konkreten heilsökonomischen Verhältnissen vollzogen, die danach verlangt, von philosophisch reflektierter menschlicher Erfahrung wenigstens veranschaulicht bzw. auf diese hin ausgelegt zu werden …«54. Nun haben wir es endlich … oder doch noch nicht? Vielleicht noch ein Absatz aus der Dogmatik von Gerhard Kardinal Müller. Er spricht von vier Relationen. Dabei ist »die Beziehung des Va- 52 Vgl. hierzu die Ausführungen zur Trinität in: Theodor Schneider (Hrsg.), Handbuch der Dogmatik, Band 2, a. a. O., Seite 483 ff. 53 Walter Gerhardt, An ihren 245 Dogmen krankt die Kirche …, August von Goethe Literaturverlag, Frankfurt 1987, Seite 62. 54 Theodor Schneider (Hrsg.), Handbuch der Dogmatik, Band 2, a. a. O., Seite 558. 44 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … ters zum Sohn eine aktive Zeugung, … die Beziehung des Sohnes zum Vater ein passives Gezeugtsein und die Beziehung des Vaters und des Sohnes zum Heiligen Geist eine aktive Hauchung und die Beziehung des Geistes zum Vater und Sohn die eines passiven Gehauchtseins …«55. „Nebel“ steigt auf … und es stellt sich nun doch vermehrt die Frage, ob die Unverständlichkeiten solcher Texte nur wegen der Wissenschaftlichkeit der Theologie verfasst worden sind? Oder könnte nicht doch diese mit philosophischen und sprachlichen Kapriolen aufgeladene Dogmatik einer Einheit in der Dreiheit, die letztlich unmöglich ist, darauf hinweisen, dass der ganze Ansatz schlichter Unsinn ist? Der Geheimnischarakter des Trinitätsdogmas ist nicht aufzuklären. Es gibt eben in Gott verborgene Geheimnisse, die mit »natürlicher Vernunft und auch nach geschehener Offenbarung«56 nicht erkannt werden können. In der Tat, es wird nichts aufgehellt, sondern eher durch solches „Wortgeklingel“ besonders deutlich, was die Kirche und ihre Repräsentanten an vielen Stellen selbst immer wieder zugeben müssen. Der Versuch ist gescheitert, das Drei-Eine-Wesen Gottes mit Hilfe menschlicher Begrifflichkeit zu beschreiben. Besonders ärgerlich ist die Tatsache, auch wenn es niemand nachvollziehen kann, die Experten der Kirche verstehen es! Obwohl auch sie keine halbwegs sinnvolle Formulierung für diese Problemstellung finden können, die durch sie selbst erst geschaffen worden ist. Der Theologe Horst Herrmann beschreibt es so: Die Theologen haben stattdessen für sich eine besondere Qualität reserviert, »sie lassen es beim Erklärungsversuch, es gehört zum Selbstverständnis solcher Leute, dass wir sie nicht verstehen dürfen. Sie müssen immer einen „Vorsprung“ haben … der Theologieexperte kennt nicht einmal Fragen, er kennt nur Antworten … und die hat er für sich reserviert«57. Welch eine Arroganz. Beim Blick zurück, in die Bibel wird klar, was gemeint ist. Wenn der Wanderprediger in Galiläa unterwegs war und vom Vater gesprochen hat, so hat er den Gott des Alten Testamentes gemeint, der als alleiniger Gott der Schöpfer aller Dinge war. Wenn Jesus vom Heiligen Geist ge- 55 Gerhard Kardinal Müller, Katholische Dogmatik, Herder Verlag, Freiburg, 10. Auflage 2016, Seite 448. 56 Ludwig Ott, Dogmatik, Herder Verlag, Freiburg 1981, Seite 91. 57 Horst Herrmann, Befreit Gott von den Gläubigen, Tectum Verlag, Marburg 2015, Seite 215. 45 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … sprochen hat, was ja nicht unwahrscheinlich ist, so hat er sicher keine göttliche Person gemeint, denn die jüdische, alttestamentarische Vorstellung vom Geist Gottes war eher die einer „Kraft Gottes“ oder einer „Präsenz Gottes“ in dieser Welt. Aus diesen in der Heiligen Schrift erzählten Ereignissen und Beschreibungen zur Person eines Gottes ist durch die Kleriker der Kirche in Jahrhunderten eine intellektuell höchst anspruchsvolle Begriffskunst geworden, der selbst Theologen und Priester der Kirche nicht mehr folgen wollen und ihr deshalb eher mit eine Art Desinteresse begegnen. Und trotzdem setzt man den Menschen immer noch dieses Theoriegebäude als Mysterium vor und die Christen haben unter Aufgabe des Verstandes daran zu glauben und dies alles zu akzeptieren. Es klingt unwahrscheinlich, aber es tut sich was, denn zunehmend entfernt sich die aktuelle Bibelkritik von dieser Deutung des Jesus als eines mit Gott-Vater wesensgleichen Sohnes und sie ist dabei, diese Thesen zu verwerfen, wie auch die Aussage, dass der Heilige Geist eine eigenständige göttliche Person sei. Zumal eine Bibelstelle aus dem Johannesevangelium gern von den Klerikern verschwiegen wird. Denn hier sagt Jesus nach Johannes (Joh. 14,28): »… ihr würdet euch freuen, dass ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich …«. Würden solche Aussagen jedoch von den kirchlichen Institutionen akzeptiert und angenommen werden, so würde dies bedeuten, dass sowohl der Sohn als auch der Geist aus der Lehre von der Trinität fallen, und die Dogmen und vielleicht auch die Institutionen würden in sich zusammenfallen. Was wäre uns alles erspart geblieben, wäre man doch bei den Vorstellungen des Wanderpredigers und seinen authentischen Worten geblieben und hätte nicht solche Kopfgeburten auf Konzilien produziert. Ein Gott als Vater, vielleicht auch als Mutter, mit dem Sohn, einem charismatischen Propheten und einem Geist als die Kraft dieses Gottes in der Welt. Es wäre zu erklären gewesen, den Gläubigen der anderen monotheistischen Religionen, dem Islam und dem Judentum und man könnte sich sogar wieder näher kommen und gemeinsam an einen Gott als Schöpfer dieser Erde glauben, aber so … Solange die Religionen sich dogmatisch und unversöhnlich begegnen, solange wird es keinen Frieden auf dieser Erde geben, sagt auch der Theologe Hans Küng. Denn nicht nur der „Nahe Osten“ versinkt im Chaos und dies nicht zuletzt auch deshalb, weil sich immer wieder die 46 Wenn ein AMerikAnischer Wissen schAftler code-nAMen vergibt … von Menschen erdachten Dogmen und Lehraussagen der Religionen für machtpolitische Interessen der Staatenlenker instrumentalisieren lassen. Es gäbe allerdings noch eine andere mögliche Antwort für unseren „christlichen Mitbruder“ auf die Frage des Moslems und des Juden nach der Dreifaltigkeit des Christentums angesichts des Monotheismus der Religionen. Diese Antwort wäre allerdings alles andere als christlich und auch nicht sehr erfreulich und vielleicht ist sie auch nur noch in Militärkreisen bekannt. Am 16. Juli 1945 um 5:28:45 Uhr zündete die amerikanische Kriegsmaschinerie die erste Atombombe über Japan. Der Code-Name für diese Kernwaffenexplosion lautete: „Trinity (Dreifaltigkeit)“. Auf Nachfrage nannte R. Oppenheimer zur Begründung, dass er bei der Namensgebung für dieses Projekt an ein Gedicht von J. Donne gedacht habe und dort heißt es: „Zerschlage mein Herz, dreifaltiger Gott“. Sollte diese Dreifaltigkeit angesichts des Waffenarsenals in der Welt und angesichts der Politik von „alten Herren“ an den Hebeln der Macht nach den beiden Einsätzen in Japan am Ende des 2. Weltkrieges jemals wieder zum Einsatz kommen, ja dann Gnade uns Gott. Der Menschheit wäre die Anzahl der göttlichen Personen dann sowas von gleichgültig …

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Zusammenfassung

Wir wollen doch alle die Kirche im Dorf lassen. Doch selbst hineingehen, nicht nur an Weihnachten, gar betend dort verweilen, daran ist kaum einer interessiert. Sich gar beschäftigen mit den Glaubensgrundsätzen, die nicht zuletzt zur Errichtung solcher Bauwerke beigetragen haben, dazu sieht nur selten jemand eine Veranlassung.

Burckhard Wienand zeigt einen lohnenden Weg, sich mit den Fundamenten der christlichen Lehre, vor allem der Lehre der katholischen Kirche, zu beschäftigen, die unser Leben über Jahrhunderte hinweg ganz wesentlich mitbestimmt haben. Er stößt die „Geweihten“ von ihrem Sockel und dringt vor zum wesentlichen Kern einer christlichen Überzeugung. Er schiebt die „betonierten“ Glaubensregeln einfach beiseite und zeigt eine Möglichkeit, die kirchlichen Räume wieder mit Leben zu füllen.

Denn die Kirchen werden die Menschen gänzlich verlieren, wenn sie sich nicht auf die eigentliche Botschaft des Wanderpredigers aus Galiläa konzentrieren und konsequent danach leben. Die Fehltritte ihres Personals beschleunigen diesen Erosionsprozess.

Erst wenn der ganze „Pfusch“ beseitigt worden ist, kann die Kirche auch im Dorf bleiben, als Haus für alle Menschen aller Ideologien und Weltanschauungen …