6 Wenn ein amerikanischer Sheriff den Ruhestand nicht im Knast verbringen muss … in:

Burckhard Wienand

Die Kehrseite des Glaubens, page 103 - 122

Eine kritische Auseinandersetzung mit den Grundlehren des christlichen Abendlandes

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4282-3, ISBN online: 978-3-8288-7223-3, https://doi.org/10.5771/9783828872233-103

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Religionswissenschaft, vol. 12

Tectum, Baden-Baden
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103 6 Wenn ein amerikanischer Sheriff den Ruhestand nicht im Knast verbringen muss … Eine Protestwelle schlug ihm entgegen. Und das zu recht. Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Kohl, hatte im Vorfeld seines Staatsbesuches in Israel und auch auf seiner Israelreise im Jahre 1984 von der „Gnade der späten Geburt“ gesprochen. Diese Formulierung musste in Israel so verstanden werden, dass der Kanzler die Verantwortung der Nachkriegsgeneration für den 2. Weltkrieg und den Holocaust von sich weisen wollte und sich damit selbst eine Art Ablass gewährte. Er hingegen wollte mit seiner Aussage deutlich machen, dass alle Deutschen, die wie er 1930 und später geboren worden waren, nicht hatten schuldig werden können, an den Verbrechen der Nationalsozialisten und dies allein aufgrund des zufälligen Geburtsdatums. Der Journalist und Publizist Günther Gaus hatte diesen Begriff schon früher gebraucht und damit eine Gnade gemeint, die dem Menschen durch Gott ohne eigenes Zutun zu Teil würde. Auch Gaus kritisierte vehement die Formulierung Kohls, die dieser erst Jahre später präzisierte und warf ihm vor, diesen Begriff als „Alibi für einen Schlussstrich“ missbraucht zu haben. Der Katholik Kohl hatte sich bei seinen Äußerungen wieder einmal deutlich vergriffen und die notwendige Sensibilität gegenüber den Juden in Israel und der Welt vermissen lassen. Eine unmissverständliche und klare Formulierung wäre sicher angebracht gewesen. Ist doch Gnade im allgemeinen Sprachgebrauch eine freiwillige, ja wohlwollende Zuwendung des Menschen zu einem anderen Menschen, der auf die eine oder andere Weise schuldig geworden ist und der jetzt der Milde und auch der Zuneigung bedarf. 104 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … Häufig geht es bei der Gnade oder besser der Begnadigung um den Erlass einer an sich berechtigten Strafe oder um die Reduzierung einer Strafe, die aus den unterschiedlichsten Gründen verhängt worden ist. So begnadigte zum Beispiel der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Donald Trump im Jahre 2017 den ehemaligen Sheriff Joe Arpaio aus Arizona105. Dieser galt als Symbolfigur einer gnadenlosen Politik gegenüber illegalen Einwanderern. Er wurde wegen Amtsmissbrauch rechtskräftig verurteilt und doch vom Präsidenten der USA begnadigt, so dass er nicht mehr befürchten musste, seinen Ruhestand im Knast verbringen zu müssen. Im Unterschied zu einem solchen Verständnis von Gnade ist in der Theologie mit Gnade ein zentraler Begriff der Dogmatik gemeint, der die freiwillige und wohlwollende Zuwendung Gottes zu allen Menschen oder wenigstens zu den Gläubigen der christlichen Kirchen beschreibt. Eine solche Gnade Gottes ist notwendig, um die Menschen vor der Versuchung zur Sünde zu bewahren und sie von den begangenen Sünden zu befreien, durch die der Christ eine angeblich große Schuld auf sich geladen hat. Um sein Verhältnis mit Gott wieder in Ordnung zu bringen, ist der Mensch auf diese göttliche Gnade angewiesen. Diese Gnadengabe wird in der Theologie immer in Verbindung mit dem Opfertod des Sohnes Gottes gesehen, der durch seinen Tod eine Urschuld der gesamten Menschheit getilgt und damit die gnädige Zuneigung Gottes zu den Menschen erst möglich gemacht haben soll. Die dogmatischen Ausführungen der Kirche beschreiben einen solchen Weg zur Überwindung und Beseitigung dieser großen Schuld. Für einen Präsidenten der USA, der wie viele Präsidenten von demokratischen und nicht demokratischen Staaten die Gnadenbefugnis hat, ist dies jedoch nichts weiter als die Unterschrift unter ein Dokument, um eine Begnadigung wirksam werden zu lassen. Bei der Gnadentheologie der Kirche ist allerdings ein zusätzliches, ja ein blutiges Opfer nötig, sogar die Ermordung eines Gottessohnes, um die große Schuld der Menschheit aus der Welt zu schaffen und damit die göttliche Gnade wirksam werden zu lassen. Wir müssen noch einmal darauf zurückkommen: Wie groß muss eine solche Schuld der ersten Menschen bloß gewesen sein, ja sogar aller Menschen gewesen sein, damit der, der selbst die Gnadenbefugnis 105 Vgl. hierzu: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 26.08.2017, Artikel: Die Gnade des Präsidenten. 105 besitzt und der die Gnade dann gegenüber den Menschen einfach hätte erweisen können, dass dieser Gott vorher seinen eigenen Sohn umbringen lassen muss? Könnte dieser Gott in seiner Allmacht und Güte nicht eine weniger blutige Lösung gewählt haben? Eine solch brutale Erlösung durch einen Gott ruft zunächst einmal völliges Unverständnis hervor. Und dies vor allem dann, wenn man daran denkt, dass die ersten beiden Menschen nach der Bibel eine Tat begangen haben sollen, die man heute höchstens noch als einfache Ordnungswidrigkeit bezeichnen würde. Dass eine solche Tat, die der Mythologie der Völker im vorderen Orient aus dem 2. Jahrtausend vor Christus entsprungen ist, durch einen heiligen Kirchenvater, der die Theologie dieser Kirche maßgeblich beeinflusst hat, zu einem quasi genetischen Defekt für die gesamte Menschheit wird, ist eine Kernthese der Dogmatik der katholischen Kirche. Von diesem Defekt ist seither jeder Mensch aufgrund seiner Geburt betroffen. Die theologische Literatur der Kirche sagt es immer wieder: »Durch die Ur- und Erbsünde wurde der Mensch ein Anlass göttlichen Zornes … Die erbsündliche menschliche Natur ist geschwächt und steht vor allem unter dem Druck der Begierlichkeit«106. Die Menschheit hat sich somit selbst durch das Essen einer Frucht von einem bestimmten Baum nach der christlichen Lehre in die ewige Verdammnis gebracht. Diese uralte Mythologie von den ersten Menschen hat auch der Koran (Sure 2,35) in beinahe gleicher Formulierung beschrieben: »Naht euch nicht diesem Baum, sonst gehört ihr zu den Frevlern«. Die gesamte Lehre der Kirche dreht sich seitdem um diesen Frevel, der für alle Gläubigen des Christentums nur beseitigt werden kann, wenn die Gnade Gottes Wirkung zeigt. Jeder Christenmensch ist seit den Anfängen des Christentums auf diese Gnade angewiesen. So weit, so unverständlich, wenn denn diese Gnade Gottes wenigstens auch jeden Christenmenschen erreichen würde. Doch die Theologen stürzen die Christenheit zusätzlich in Verwirrung. Sie formulieren in der ihnen eigenen Sprache, dass es keine Garantie dafür gibt, dass die Gnade Gottes wirklich alle Menschen erreicht. Ob also die ewige Verdammnis nach dem Tode des Menschen wirklich eintritt oder die Gnade Gottes die Rettung bringt, es ist nicht garantiert. Es gibt keinen Automatismus bei der Vergabe der Gnade durch Gott, sagen die Kleriker. Sie 106 Gerhard Kardinal Müller, Katholische Dogmatik, a. a. O., Seite 779. Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … 106 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … ist keine einzufordernde, sondern eine freiwillige, wohlwollende Gnade des Herrn. Fest damit rechnen sollte man als Mensch also nicht! Nun stehen wir da, als Gläubige und als Sünder und müssen nach den Aussagen der Theologen zur Kenntnis nehmen, auf welch unsicherem Terrain wir uns befinden. Hinzu kommt, dass bei der Beschreibung all dieser notwendigen Gnadengaben, die als „Almosen“ nicht mal sicher gewährt werden, ein weiterer Begriff ins Spiel kommt, den die Theologie als Rechtfertigung bezeichnet. Auch hier ist der theologisch nicht Vorgebildete zunächst irritiert. Rechtfertigung ist im allgemeinen Sprachverständnis doch wohl die Verteidigung eines Menschen, der eine bestimmte Behauptung oder ein bestimmtes Verhalten, das er an den Tag gelegt hat, gegenüber einem anderen als durchaus korrekt, tatsächlich und nicht vorwerfbar beschreibt. Die Dogmatik der Kirche meint jedoch mit Rechtfertigung eine Lehre, die das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen beschreibt, das ja durch die große Erbschuld belastet ist. Diese Rechtfertigungslehre besagt, wie eine solche Versöhnung zwischen Gott und den Menschen vollzogen werden kann. »Die Gnade Gottes hat die Macht, den Menschen zu rechtfertigen, das heißt, uns von unseren Sünden reinzuwaschen«, sagt der Katechismus und formuliert weiter: »Da in der Ordnung der Gnade das erste Handeln Gott zukommt, kann niemand die Gnade verdienen, aus der die Behebung der Schuld, die Vergebung und die Rechtfertigung hervorgehen«107. Der Versöhnungsprozess zwischen dem Menschen und Gott ist somit nach der Lehre der Kirche ausschließlich der Gnade und freiwilligen Zuwendung Gottes zu verdanken. Die kann sich der Mensch allerdings, und das ist ein weiterer Stolperstein in der christlichen Dogmatik, nicht selbst verdienen. Die Gnadenlehre scheint ein besonders kompliziertes Kapitel der kirchlichen Dogmatik zu sein, denn jeder Theologe muss doch zugeben, dass nach den Aussagen der Bibel im Schöpfungsbericht Gott selbst festgestellt hatte, dass „alles gut“ war. Sowohl die Welt als auch der Mensch, sie waren eigentlich perfekt geschaffen. Doch der Sündenfall hat alles verändert, das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen war durch die Schuld der Menschen schwer gestört. Durch eine schuldhaft falsche Entscheidung leidet nun die gesamte Schöpfung. Die Ursünde von Adam und Eva hat alles „versaut“ und sie ist dann viele Jahrhunderte später 107 Katechismus der katholischen Kirche, a. a. O., Seite 514. 107 durch die intellektuelle Kraftanstrengung von Kirchenvätern zu dem geworden, was von den Theologen als die zweite, sündige Natur des Menschen bezeichnet wird. Nur durch die gnädige Zuwendung Gottes kann nach der reinen Lehre diese zweite Natur beseitigt werden. Die Schöpfung war aber doch so paradiesisch, wie konnten da die ersten Menschen einer solch simplen Versuchung erliegen? Gott musste doch gewusst haben, dass eine solche Versuchung schiefgehen würde. Trotzdem hat er die beiden Menschen in Versuchung geführt. Deshalb ist auch, entgegen der Überzeugung von Papst Franziskus108, die Formulierung im „Vater unser“: »und führe uns nicht in Versuchung …«, durchaus richtig. Die Bitte also, uns nicht noch einmal in Versuchung zu führen, sondern es doch bei dem einen Mal zu belassen, denn die Folgen waren ja verheerend genug. Der Gott des Alten Testamentes lässt uns Christenmenschen „sehenden Auges“ in die Falle laufen. Er ist also doch kein gütiger und barmherziger Gott, der dem gefallenen Menschen wieder aufhilft. Aber aus welchem Grund macht dann Gott später solche Anstrengungen, um die Menschheit wieder mit sich zu versöhnen. Muss gar seinen Sohn ans Kreuz nageln lassen, um die Menschen wieder auf den „rechten Pfad“ zu bringen. All dies hätte er doch bedeutend einfacher haben können. Warum diese komplizierten Geschichten, die doch für einen allmächtigen Gott völlig unnötig sind. Meine Befürchtung ist groß, dass diese Geschichten von Menschen erdacht und erzählt worden sind, ein Gott käme nie auf solche Ideen. Die gesamte Menschheit verfällt der Sünde, dem Tod und dem Teufel wegen solch einer Lappalie und anschließend muss Gott sich auch noch als Folge davon ständig huldvoll und gnädig den Menschen zuwenden. Bloß damit sie den Glauben nicht wieder verlieren, nicht zurückfallen in die alte Sündhaftigkeit und „bei der Stange“ bleiben. Oder sollte ich besser sagen, auch weiterhin den Worten der Theologen lauschen und auf die Kirche hören. Wie heißt es doch so schön in dem bekannten Kirchenlied, »Fest soll mein Taufbund immer stehen, ich will die Kirche hören …«. Man sucht angesichts der Ausführungen im Buch Genesis nach dem gnädigen Gott, der doch hätte dieses Drama verhindern können. Er ist 108 Siehe: Interview von Papst Franziskus mit dem Sender TV2000 im Dezember 2017. Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … 108 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … aber nicht zu finden und schon gar kein Kapitel oder ein Vers, in dem von der Gnade eines Gottes gar von einer theologisch fundierten Gnadenlehre in der Heiligen Schrift berichtet wird. Die Theologen sagen selbst, es gäbe keine »unmittelbare Entsprechung im Alten Testament für den theologischen Begriff der Gnade, sondern er müsse in einem größeren Wortfeld inhaltlich präzisiert werden«. Diese Ausführungen macht übrigens Gerhard Kardinal Müller, der ehemalige Vorsitzende der Glaubenskongregation des Vatikan109. Doch wie soll so etwas gehen, eine inhaltliche Präzisierung in einem größeren Wortfeld? Es gibt sie einfach nicht, die Rechtfertigungslehre in der Bibel. Kein Wort vom Wanderprediger in Galiläa, kein Wort in den Evangelien. Es gibt eine Passage, auf die sich die Theologen gerne beziehen, die sich der Briefeschreiber Paulus ausgedacht haben muss, denn von Jesus selbst kann so etwas nicht gekommen sein. Paulus hatte Jesus weder gehört noch gesehen, da er selbst erst zum Glauben gekommen war, als Jesus bereits tot oder besser nicht mehr auf dieser Erde war. Aus dem Inhalt seines Briefes an die Römer ist nach vier Jahrhunderten die Erbsünden- und Erlösungstheorie geworden, die den Menschen als schuldigen darstellt, der sich selbst in diese Bredouille gebracht hat. Die Beseitigung dieser Schuld ist so nur durch die gnädige Zuwendung des gleichen Gottes zu erreichen, der der Menschheit, in Kenntnis der menschlichen Schwächen, diese Schuld erst eingebrockt hat. Es ist schon schwierig genug, doch es wird noch komplizierter. Die Theologen haben es nicht dabei belassen, nur von der gnädigen Zuwendung Gottes zu sprechen. Dies war zu wenig, sie haben weitere Räume an das Theoriegebäude von der Gnadenlehre gebaut, sie haben weitere Gnadengaben entwickelt, die am Menschen und auch durch den Menschen vollzogen werden müssen. So behält eine Kirche als Verwalterin dieser Gnadengaben Gottes auf Erden auch ihre Existenzberechtigung. Da gibt es nach der Dogmatik nicht nur eine heiligmachende Gnade, sondern im Katechismus und in den zu glaubenden Dogmen der Kirche ist auch von einer inneren, übernatürlichen Gnade, von einer hinreichenden Gnade, von einer wirksamen Gnade, von einer aktuellen Gnade, von einer zuvorkommenden Gnade und so weiter … die Rede. Und diese Aufzählung ist längst nicht vollständig. Beinahe gnadenlos und unerbittlich wird durch die Kleriker eine Gnadenlehre verfochten, deren Begründungen nicht durch die Worte Jesu 109 Gerhard Kardinal Müller, Katholische Dogmatik, a. a. O., Seite 709. 109 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … gestützt werden können. Vielleicht ist es ja nur dem Zustand der gefallenen Natur des Menschen zu verdanken, dass er diese, als übernatürlich bezeichneten Gnaden und die durch Theologen formulierten religi- ösen Wahrheiten so leicht nicht erkennen kann. Wenn gar nichts mehr hilft, verfallen auch die Kirchenväter gern in eine Sprache, die nur verstanden werden kann, wenn der Mensch zu diesen übernatürlichen Erkenntnissen durch die Gnade befähigt wird. Beim Studium der für alle Zeiten festgezurrten Glaubenswahrheiten, den Dogmen zur Gnadenlehre, benötigt man wirklich diese übernatürlichen Erkenntnisse. So heißt es da unter anderem: »Zum Anfang des Glaubens und des Heils ist die innere übernatürliche Gnade absolut notwendig«. Man kommt also nur zum Glauben, wenn diese übernatürliche Gnade durch Gott auch gegeben ist. Ob dies der Fall ist, ist noch nie bekannt geworden. Auch dann nicht, wenn angeblich bei der Taufe eines Kleinkindes die sogenannte heiligmachende Gnade durch Gott vergeben wird. Solch eine Gnade ist bei der Taufe zwingend erforderlich, damit der gerade in das Erdenleben eingetretene Mensch, der durch die Sünde Adams schon jetzt seine Unschuld verloren hat, nicht gleich dem Tod und dem Teufel verfällt, sondern dass die Voraussetzungen gegeben sind, damit er das ewige Leben doch noch erlangen kann. Es wäre zu schön gewesen, wenn die natürliche Vernunft des Menschen auch die Wirklichkeit einer übernatürlichen Gnade erkennen könnte. Doch wie sollte sie das können? Und so bleiben die Kleriker dabei, sie formulieren über die Jahrhunderte hinweg Dogma um Dogma. Die Kirche weist doch tatsächlich weit über 200 Dogmen aus. Da kommt man schon mal in Schwierigkeiten bei der Einhaltung dieses Regelwerkes. »Der Gerechtfertigte ist ohne besonderes Gnadenprivileg Gottes nicht imstande, das ganze Leben hindurch alle Sünden … zu meiden«. Die empfangene heiligmachende Gnade in der Taufe reicht also zunächst nur, um den Sündenfall zu reparieren. Um auch ein gottgewolltes Leben führen zu können, bedarf es zusätzlich eines besonderen Gnadenprivilegs, sonst wird es nichts mit der Erlösung. Sogar die Versöhnung mit 110 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … Gott durch den Rechtfertigungsvorgang kann wieder zunichte gemacht werden, nämlich dann, wenn die Kirche beim Menschen eine „schwere Sünde“ diagnostiziert. So ist der Christenmensch Zeit seines Lebens auf die unterschiedlichen Gnadengaben angewiesen, die die Kirche in ihren Dogmen formuliert. Schlimmer noch, da gibt es sogar Menschen, die die Gnade Gottes erfahren, damit aber wohl nichts anfangen können und bei denen diese Zuwendung Gottes keine Wirkung zeigt. Denn es heißt in einem nachfolgenden Dogma: »Es gibt eine Gnade, die wahrhaft hinreichend ist und doch un wirksam bleibt«. Man ist bei solchen dogmatischen Formulierungen geradezu herausgefordert, weiter nachzufragen. Was hat denn dieses Dogma zu bedeuten und wie ist eine solche dogmatische Aussage juristisch wirksam und versicherungstechnisch, ohne weitere Geschäftsbedingungen gelesen zu haben, zu bewerten? Ganz schlimm wird es, wenn man feststellen muss, dass die Kirche sogar eine Dogmatik entwickelt hat, die Menschen von vornherein für die ewige Verdammnis bestimmt. Hier lässt Gott den Menschen angeblich gar keine Chance, sich durch den Glauben und Gottes Zuwendung, vielleicht sogar nur durch die Hoffnung auf seine Barmherzigkeit, von den Sünden befreien zu lassen. Als die Kirchenväter dieses Dogma formulierten, gab es noch nicht die Despoten mit den Massenvernichtungswaffen von heute. Aber vielleicht haben sie ja doch schon an so etwas gedacht, an Giftgasangriffe von Diktatoren, an Islamisten mit Mordabsichten, denn Mord und Todschlag gab es damals auch, selbst unter Klerikern. Gott soll, nach den ausformulierten Redewendungen der Kirche, trotz seiner Kenntnis ob der Sündhaftigkeit eines Menschen, in bestimmten Fällen von vorn herein eine solch „arme Seele“ der Verdammnis überlassen. Das Dogma sagt: »Gott hat durch seinen eigenen Willensratschluss bestimmte Menschen wegen ihrer vorhergesehenen Sünden zur ewigen Verwerfung vorherbestimmt«. Böse Zungen behaupten, die Kirchenväter hätten bei der Formulierung dieses Dogmas der Sorge Rechnung getragen, dass das Höllenfeuer aus- 111 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … gehen könnte, wenn nicht genügend Nachschub geliefert würde. Doch bleiben wir ernsthaft. Was soll der halbwegs vernunftbegabte Mensch mit diesen Dogmen anfangen? Wie sich mit ihnen auseinandersetzen, sie vielleicht einfach ignorieren? Denn wir sind noch nicht am Ende einer ganzen Reihe von Dogmen zum Thema Gnadenlehre. Zur heiligmachenden Gnade werden weitere Dogmen dem Christenmenschen zu glauben aufgegeben: »Die heiligmachende Gnade macht den Gerechten zu einem Kind Gottes und verleiht ihm ein Anrecht auf das Erbe des Himmels«. »Die heiligmachende Gnade macht den Gerechten zu einem Tempel des Heiligen Geistes«. Man wird auch jetzt den Eindruck nicht los, dass durch solche Dogmen und durch diese Theologensprache mehr vernebelt, als erhellt wird. Der Katechismus der katholischen Kirche bläst ins gleiche Horn. Hier ist die heiligmachende Gnade »ein bleibendes Geschenk, eine übernatürliche, feste Neigung zu Gott«110. Kardinal Müller spricht davon111, dass die Gnade Gottes als »heiligmachende (habituelle) Gnade oder als aktuelle (helfende) Gnade« im Leben des Menschen auftritt. Da gibt es sogar eine Gnadenform, die den Menschen auf den Empfang der Gnade erst noch vorbereitet, ihn sozusagen konditioniert, damit die heiligmachende Gnade oder auch die aktuelle Gnade ihre Wirkung nicht verfehlt. Auch wenn der Mensch dies eigentlich alles gar nicht will, nach der Lehre der Kirche geht ein Verlangen nach Säuberung von der Sünde nicht von dem natürlichen Willen der Menschen aus, sondern dieser Wille werde, so sagen die Theologen, von der sogenannten zuvorkommenden Gnade bewirkt. Sogar der Kirchenvater Thomas von Aquin spricht von der zuvorkommenden Gnade, die zur Vorbereitung des Empfangs der heiligmachenden Gnade unbedingt erforderlich ist. Die Anhäufung der Gnadenformen macht die Problematik der Gnadenlehre allerdings nicht gerade transparenter. Die Hauptschwierigkeit für den Christenmenschen bleibt die Aussage der Übernatürlichkeit der Gnadengaben Gottes. Nach der Lehre der Kirche ist die Gnade in jedem 110 Katechismus der katholischen Kirche, a. a. O., Seite 517. 111 Vgl. hierzu: Gerhard Kardinal Müller, a. a. O., Seite 765 f. 112 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … Fall eine übernatürliche Zuneigung Gottes, die leider wieder nur durch und im Glauben wahrgenommen werden kann. Es wird in der Kirche deutlich unterschieden zwischen einer bleibenden Einwirkung Gottes durch die heiligmachende Gnade, die der Mensch allerdings trotzdem wieder verlieren kann und der vorübergehenden übernatürlichen Gnade, die den Menschen befähigen soll, im Laufe seines Lebens weiterhin „gottgefällig“ zu leben. Auf dem Wege zu seiner Erlösung unterstützt Gott den Menschen nicht nur durch seine Gnade in vielfältiger Weise, wie uns die Kirche weismachen will, sondern die Theologen machen uns immer wieder darauf aufmerksam, dass neben der Kraft der Gnade Gottes auch die Aktivitäten der Kleriker, die kirchliche Lehre, die Bedeutung der Kirchenleitung und die Spendung der Sakramente von entsprechender Bedeutung sind. Unverholen wird das ausdrückliche Interesse der Kirche artikuliert, den katholischen Christen unter Androhung von Sündenstrafen zu den moralischen Vorgaben des Lehramtes zu verpflichten und ihn in die gottesdienstliche Praxis mit einzubinden. Religiöser Glaube hat also doch als Ursache vermehrt die Furcht vor Strafen oder ist gar das Ergebnis dieser Furcht. Obwohl die Gnade nach den Ausführungen der Theologen als freiwilliges Geschenk Gottes allen Menschen zuteilwerden kann, bleibt trotzdem das Dilemma der göttlichen Vorherbestimmung zur himmlischen Seligkeit oder zur Verdammnis. Die Kirche spricht hier von der sogenannten Prädestinationslehre. Die Gnade wirkt wo sie will und wann sie will und sie bleibt übernatürlich. Die reine Vernunft reicht da zur Erkenntnis einfach nicht aus. Der Philosoph Flasch fragt sich, ob man die Gnade als Mensch nicht auch wollen muss, damit sie wirkt: »Warum soll ich sie wollen? Kann ich etwas glauben, nur weil ich es glauben will? Woher weiß ich, bevor ich glaube, dass es die Gnade Gottes ist, die hier wirkt«112? Woran erkenne ich, dass es die Gnade ist, die eine Sündentilgung oder gar eine Heiligung des Menschen bewirkt? Ist es die Gnade, die mich zustimmen lässt, zu einem Glauben, der ja erforderlich ist, um die Gnade erst zu erlangen? Oder hat Gott mich in seinem ewigen Willensratschluss wegen der vorhergehenden Sünden zur ewigen Verwerfung bestimmt? Beim Leser tritt sicher Ermüdung ein. Wo man auch hinschaut, welchen dickleibigen Dogmatikband man auch aufschlägt, man trifft immer 112 Kurt Flasch, Warum ich kein Christ bin, a. a. O., Seite 78. 113 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … auf die gleichen Formulierungen zur Gnadenlehre der Kirche. Die Argumentationen wirken geradezu voneinander abgeschrieben. Die ganze Gnadenlehre scheint eine Mogelpackung zu sein, denn selbst die heiligmachende Gnade versöhnt die Menschen ja nicht mit Gott. Nach der Versöhnung müsste doch eigentlich der alte paradiesische Zustand wieder hergestellt worden sein, sonst ist es doch keine richtige Versöhnung. Doch davon ist auf dieser Welt weit und breit nichts zu sehen. Diese ewigen Wiederholungen zur heiligmachenden Gnade, zur aktuellen Gnade, die beschriebene Erzeugung eines übernatürlichen Lebens durch die Gnade, dauernd die Hinweise, dass selbst bei freiem Willen der Einfluss der zuvorkommenden Gnade, die nachfolgenden Gnaden erst ermöglicht. Und immer wieder die Notwendigkeit der Gnade, denn der Mensch ist Sünder, ein Mensch im „gefallenen Zustand“, wir armen Seelen können die religiösen Wahrheiten mit unseren natürlichen Kräften einfach nicht erkennen. Wir gehen verloren, wenn der Ruf Christi uns nicht durch die zuvorkommende Gnade erweckt, damit wir uns der Versöhnung mit Gott zuwenden können. Die Erbsünde ist es wieder und wieder, die ja die ganze Menschheit in die Verdammnis geführt hat. Sie gab Anlass zum „göttlichen Zorn“. Sie war so übermächtig, dass wir völlig der Sünde und dem Tod verfallen sind. Und dann die ständigen Beschreibungen zur Rettung. Einzig die Kleriker haben ein schlüssiges Konzept entwickelt, um den Menschen aus dem „irdischen Jammertal“ zu befreien. Wir haben unsere Unschuld verloren, die Kirche kann uns aus diesem „Unrechtszustand“ gegenüber Gott befreien. Wir haben die Sünde Adams geerbt und die Theologen bieten nun die Erlösung von dieser Sünde an. Jesus starb und schuf einen Fundus von Verdiensten, die er gegenüber Gott, der er ja selber ist, einbringen kann. Es waren die sogenannten Erlösungsverdienste Christi. Und nur durch diese Verdienste in Verbindung mit den Sakramenten der Kirche gelangt der sündige Mensch zum Nachlass seiner Sünden, zum Nachlass der Höllenstrafen, zur übernatürlichen, gnadenhaften Erneuerung, ja zur Heiligung und zu einer göttlichen Beschaffenheit der Seele. Sollte sich der Sünder allerdings wieder von Gott abwenden, dann hat auch hier die Kirche wieder einen Weg parat. Nämlich durch die Lossprechung im Bußsakrament, da wird dann der alte Gnadenzustand wirksam wieder hergestellt. Welch ein Sündenwahn! Erst macht die Theologie die Menschen zu Sündern, um ihnen anschließend zu erklären, dass sie auf die Gnade der Kirche, doch nein, auf die übernatürliche Gnade Gottes angewiesen sind. Oder besser doch 114 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … auf die Gnade der Kirche, denn nur die Kirche erteilt ja die Vergebung der Sünden im Sakrament. Selbstverständlich mit der Vollmacht Gottes. Von alledem steht in der Bibel nichts! In den Evangelien ist kein Wort von Jesus niedergeschrieben, dass der Sündenfall Adams die ganze Menschheit in die Verdammnis geführt hat. Kein Hinweis, dass Jesus diesen angeblichen Sündenfall rückgängig machen wird, damit nicht alle Menschen zum Teufel gehen. Wenn aber nicht Jesus durch sein Wort, wer kann dann eine solche Gnadentheologie in Umlauf gebracht haben? Der Mensch Jesus hat nicht gewusst, dass er wegen der mythologischen Erzählungen von Adam und Eva im Alten Testament hat sterben müssen. Paulus war es (Röm 5,12–25)! Dieser selbst ernannte Apostel, der Briefe geschrieben hat, an die von ihm gegründeten Gemeinden im Mittelmeerraum. Hier ist es der Brief an die römische Gemeinde, der wahrscheinlich um das Jahr 56 nach Christus geschrieben worden ist und in der Folge von den Gemeindemitgliedern abgeschrieben und weitergereicht wurde. So kursierte in den noch konspirativ wirkenden urchristlichen Gruppierungen der Hauptstadt des Reiches eine Vorstellung von der Erlösungsbedürftigkeit der Menschen, die sich Paulus ausgedacht hatte. »Durch einen einzigen Menschen (Adam) kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen …« (Röm 5,12), das sind seine Formulierungen, wenn man den vielen Übersetzungen und Revisionen der Bibeltexte glauben darf. Paulus schaffte diese Verbindung zwischen der Geschichte im Alten Testament, die er als eine tatsächliche Gegebenheit interpretierte und verband sie mit der Deutung vom Opfertod Jesu am Kreuz. Denn bis dahin war dieser Tod von keinem Christen nachvollziehbar verstanden worden. So formuliert er weiter: »Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden …«. Dieser Mythos von der Sünde Adams und die Wiedergutmachung durch Jesus, als Interpretation des Paulus, war die begreifliche Begründung der Christen für die bis dahin unbegreifliche Ermordung ihres Propheten. Wenn es aber nötig war, dass ein Gott für die Sünden der Menschen sterben musste, dann musste die Sünde noch viel größer gedacht werden, als es in der Bibel zum Ausdruck kommt. So musste die Sünde dem Kreuzigungsgeschehen angepasst werden und es entwickelte sich auf dieser Grundlage durch den Kirchenvater Augustinus, den Bischof von Hippo, im 5. Jahrhundert eine Erbsündenlehre in Verbindung mit einer Gnadentheologie, die bis heute in der Dogmatik ihre Gültigkeit hat. Augus- 115 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … tinus bezog sich ausdrücklich auf den Römerbrief von Paulus und lehrte, dass diese Sünde der ersten Menschen auch physisch als Erbsünde auf alle Menschen übertragen werde. Dieser Erblast kann kein Mensch entkommen. Auch war Augustinus der Überzeugung, dass der Mensch eben wegen dieser Erblast das „ewige Übel“ verdiene. Dieser Erbsündengedanke, der sich nirgendwo in den Evangelien des Neuen Testamentes findet, entsteht somit durch den Kirchenvater erst 400 Jahre später. Diese Überlegungen werden auf dem Tridentinischen Konzil im 16. Jahrhundert als zu glaubendes Dogma für alle Christen festgelegt. Die Frage der Tilgung einer Erbschuld und die Zuwendung der göttlichen Gnade ist zwischen den christlichen Konfessionen immer noch umstritten. Ob dem Menschen die Gnade ohne eigenes Zutun von Gott geschenkt wird, oder ob sich der Mensch zusätzlich auch mit eigenen Kräften Verdienste bei der Tilgung der Schuld erwerben kann, es wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Der Islam kennt zwar nach dem Koran auch die Sünde der ersten Menschen, hat allerdings daraus keine Erbsündenlehre entwickelt, die für die gesamte Menschheit gilt, sondern hat es abgelehnt, dass diese Sünde an alle Nachkommen weitervererbt werden kann. Wir halten also fest: Aus der Sicht der katholischen Kirche ist der Sündenfall der Grund für den Zorn Gottes, für das Elend in der Welt, für den Hang des Menschen zum Bösen und für den Tod in dieser Welt. Von dieser Verfehlung Adams ist jeder Mensch schon bei der Geburt betroffen. Der Katechismus der Kirche betont: »Die Erbsünde wird durch die Fortpflanzung an die gesamte Menschheit weitergegeben«. Die Erbsünde sei etwas, das »man mit erhalten, aber nicht begangen hat«113. Der ehemalige Papst Benedikt XVI spricht allerdings in seinen Schriften nicht mehr von der biologischen Vererbung der Erbsünde, bleibt aber bei seiner Argumentation sinngemäß im selben Gedanken haften, da er die Erbsünde als kollektive menschliche „Verstrickung“ der Vergangenheit bezeichnet, in die jeder Mensch durch seine Geburt eintritt. Am Ende flüchtet der Katechismus dann doch wieder in die alten Argumentationsmuster und formuliert für die Gläubigen, dass »die Weitergabe der Erbsünde ein Geheimnis ist, das wir nicht völlig verstehen können«. Und trotzdem, die Vorstellung vom Sündenfall im Paradies war für die gesamte Theologie der Kirche so einschneidend, dass sie zusammen 113 Katechismus der katholischen Kirche, a. a. O., Seite 133 f. 116 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … mit der Erlösungsvorstellung durch den Kreuzestod die Dogmatik bis heute bestimmt. Die mythologischen Sagen und Erzählungen der alten Völker in Mesopotamien, der Sumerer, der Assyrer, der Babylonier stammen nach der historischen Forschung zumeist aus dem 2. Jahrtausend vor Christus. Sie sind einschließlich der Schöpfungslehre und der Erschaffung der Menschen im Wesentlichen im 1. Jahrtausend vor Chr. in die Schriften des jüdischen Volkes eingeflossen. Wobei die Historiker überwiegend davon ausgehen, dass in etwa der Zeitraum zwischen der Zerstörung des Nordreiches Israel, um 722 vor Christus durch die Assyrer und dem Exil eines Teils des jüdischen Volkes in Babylon zwischen 587 und 538 vor Chr. für diese Bibelstellen der Genesis verantwortlich sind. Ein monotheistischer Schöpfergott hatte sich bereits gegen Ende des 2. Jahrtausends im jüdischen Volk über die Jahrhunderte hinweg entwickelt, nachdem die bis dahin als Nomaden herumziehenden Völker begannen, feste Bauten zu errichten und sesshaft zu werden. In die religiösen Vorstellungen des jüdischen Volkes flossen nicht nur die Mythologien der mesopotamischen Völker, sondern auch die Götterwelten der Ägypter, der Hethiter und der Phönizier mit ein. In der Religion dieser Völker waren die Götter und Göttinnen teils in Menschengestalt, aber auch in Tiergestalt oder als Mischwesen präsent. Es waren immer eine Vielzahl von Göttern, die für alle Lagen des Lebens angerufen wurden. Man stellte sich die Götter überwiegend als direkt ansprechbare Personen mit beinahe menschlichen Charakterzügen vor. Die Bibel beschreibt ja auch eine solche direkte Ansprache an einen Gott im „brennenden Dornbusch“. Doch die Zahl der brennenden Dornbüsche hat heute leider rapide abgenommen. Einen paradiesischen Zustand, in dem die Menschen gelebt haben, ihn hat es so nie gegeben. Ein Elternpaar als Anfang der Menschheit ganz sicher auch nicht. Da bevorzugt man heute doch eher die Überlegungen der Evolutionstheorie. Ein Sündenfall, wie im Buch Genesis der Bibel beschrieben, gab es schon mal gar nicht. Und damit verbunden auch keine Vertreibung aus dem Paradies, eine schuldhafte Trennung der Menschheit von einem Gott, vor dem sich die ersten Menschen angeblich verstecken mussten. Im Kern sind die gesamten Bibelaussagen und Interpretationen durch die Theologen der Kirche nichts anderes, als eine Beschreibung und ein Glaube an die mythologischen Götterwelten der alten Völker des heutigen Nahen Ostens. 117 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … Alle ernsthaften Forschungen sind sich darüber einig, dass der Bibeltext des Alten Testamentes eine Zusammenfassung vieler einzelner Texte aus den verschiedenen Landstrichen der heute so sehr mit Kriegen und Terror überzogenen Regionen des östlichen Mittelmeerraumes ist. Diese Mythen aus dem 2. Jahrtausend sind nach mündlicher Überlieferung erst viele Jahre später vor allem auf Tontafeln festgehalten und zu einem Gesamttext zusammengefasst worden. Bei der Entwicklung der Glaubensvorstellungen des jüdischen Volkes war die Mythologie der Nachbarvölker einfach zu mächtig. Die Vorstellung von einem Paradies einfach zu verlockend. Daher auch das Bedürfnis des jüdischen Volkes, nach dem Ursprung des sündhaften Verhaltens ihres Volkes in einem Paradies zu suchen und die Erzählung von einem Mann und einer Frau zu übernehmen, die im Paradies einer Versuchung erliegen. So sind auch die Gläubigen von heute, wenn sie sich an den Text der Bibel halten, von dieser alten Mythologie bestimmt, aus der dann die Theologie der Kirche von Ur- und Erbsünde entwickelt wurde. Paulus hat diese Texte der Thora offensichtlich wörtlich verstanden und hat seine Überlegungen zur Sünde des Menschen auf dieser mythologischen Grundlage des jüdischen Volkes begründet. So finden sich diese Vorstellungen wieder, allerdings weiterentwickelt, in der gesamten heutigen christlichen Theologie. Es gab ihn einfach nicht, diesen Garten Eden, der bis in das 16. Jahrhundert nach Chr. hinein von der Christenheit als ein im fernen Osten existierender Ort angenommen wurde. Denkt man einmal ernsthaft darüber nach, so ist es doch eigenartig, dass auch heute noch der normale, intelligente Christenmensch sich auf so etwas Unsinniges wie die Versuchung der ersten Menschen durch eine Schlange verlässt und als Folge davon an eine Theologie der Erbsünde glaubt. Diese Geschichte ist jedoch nichts anderes als Mythologie, ähnlich der Märchen und Heldensagen früherer Jahrhunderte in der Mitte Europas. Doch die Kirche braucht die Erzählungen und Überlieferungen als Tatsachen, denn so bleibt sie weiter notwendig für die Interpretationen dieser Geschichten des Alten und Neuen Testamentes. Es geht nicht anders. Der Sündenfall als Ursache und Beginn einer Theologie muss erhalten bleiben. Nur dadurch sind die Überlegungen, zunächst von Paulus und dann auch vom Kirchenvater Augustinus, zur Schuld der Menschen erklärbar und begründbar. 118 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … Heiner Geißler spricht von dem »Wahnsinn und dem Irrsinn der theologischen Erfindung der Erbsünde durch Augustinus«114. Seine Erbsündentheologie hat als Basis die Schöpfungsgeschichte der Bibel. Nur wenn auf diesem Wege die Schuld der gesamten Menschheit attestiert ist, macht eine Erlösungstheologie einen Sinn. Der Tod Jesu als Wiedergutmachung, um die in der Verdammnis befindliche Menschheit zu erlösen, erklärt sich aus der Apfelgeschichte. Ohne diese Erbsündenlehre ist die Erlösung durch Jesus am Kreuz nicht erforderlich. Aus dieser Wiedergutmachung ergibt sich zusätzlich eine weitere Schuld der Menschen. Nicht nur, dass sie jetzt die Mörder eines Gottes sind, sondern jetzt hat der Christ auch ewig dankbar zu sein für diese „Erlösungstat“. Da der Mensch trotz dieser Erlösungstat sündhaft bleibt, ist er nun Zeit seines Lebens auf die gnädige Zuwendung Gottes angewiesen. Damit wären wir wieder bei der Gnade Gottes, auf die der Christ setzt, damit er nicht rückfällig wird und in der Verdammnis landet. Durch diese Gnadenlehre wird der Christ in ständiger Unmündigkeit gehalten. Nur die Kirche hat die Mittel und vergibt die Gnadengaben, auf die der Mensch immer angewiesen ist. Er kann von dieser Verderbtheit nur befreit werden, wenn er durch Taufe und Buße, durch Reue und Gebete die Gnadengaben der Kirche annimmt. Die Theologie sagt, dass wir von der Gnade Gottes abhängig sind, weil wir »durch die Sünde … die unversehrte Natur verloren haben … und nur durch die Gnade zum Tun des natürlich Guten befähigt werden«115. Heiner Geißler spricht auch von dem Supergau aller faulen Ausreden, wenn die Kirche behauptet, dass »der Mensch sich rechtfertigen muss … wegen seiner Sünden, die auf die Ursünde des Menschen zurückgehen und von der die gesamte Menscheit befallen ist«116. Die Gnadenlehre, sie steht auf tönernen Füßen, weil sie auf einem angeblichen Ursprungsverbrechen der ersten Menschen basiert und damit dem Heilsgeschehen am Kreuz einen Sinn gibt. Auch hier ist Paulus wieder federführend am Werk gewesen, wenn er von der Erlösung der Menschheit durch das Blut Christi spricht. Dass diese Aussagen in einem krassen Widerspruch zu den Verkündigungen Jesu stehen, ist eine weitere Baustelle der Theologie. 114 Heiner Geißler, Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?, a. a. O., Seite 32. 115 Theodor Schneider (Hrsg.), Handbuch der Dogmatik, Band 2, a. a. O., Seite 22. 116 Heiner Geißler, Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?, a. a. O., Seite 32. 119 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … Die Kirche bleibt dabei. Der Mensch ist der Sünder, dessen Natur durch die Erbsünde schuldig geworden ist und der ständig unter dem Fluch der Begierlichkeit steht. Nur die Gnade Gottes, durch die Kraft des Todes Christi erworben, macht aus dem Menschen wieder ein „Ebenbild Gottes“. Kardinal Müller formuliert es so: »Nur die Gnade Christi kann aus dem Sünder … einen Heiligen, einen Gerechtfertigten machen … deshalb ist die Gnade unbedingt notwendig«117. Trotz aller Beteuerungen, das Gebäude der Gnadenlehre stürzt ein, weil die Grundannahme falsch ist. Denn der Sündenfall, der die gesamte Menschheit belastet, ich wiederhole mich, ihn hat es nicht gegeben. Warum beharrt die Kirche dann trotzdem weiterhin auf dieser Ursünde, die nichts weiter ist, als eine späte Fixierung von Mythen verschiedener Völker. Das Motiv der Vertreibung aus dem Paradies ist eine „literarische Fiktion“. Dieses Motiv stammt aus einer Zeit, als die Menschen darauf angewiesen waren, die Religion als Bewältigungsmittel zu nutzen, denn nur Gott half, Problem zu erklären, er half aber nicht bei ihrer Bewältigung. Die Geschichte der Evolution des Menschen ist etwas ganz anderes als ein Sündenfall und deshalb kippt das theologische Gebäude. Diese biblische Geschichte kann nicht herhalten für eine durch den Geschlechtsverkehr weitergegebene Erbsünde, die dann durch Jesu Sühne als Gnade Gottes wieder „ausgebügelt“ wird. H. Geißler spricht gar bei der Erbsünde von der schweren Verletzung und Beleidigung der menschlichen Würde, die die Kirche aus der Welt schaffen muss. Die Formulierung Sünde kommt in der Bibel beim Sündenfall gar nicht vor. Auch von einem Fluch gegen die gesamte Menschheit wird in keinem Text der Genesis gesprochen. H. Geißler packt der heilige Zorn, »wenn man weiß, dass all diese theologischen „Wahrheiten“ … nie von Jesus gesagt wurden«118. Es ist keine göttliche Offenbarung gewesen, sondern es waren wohl eher Denkmuster und Redeformen von Theologen, die bei der Erbsündenlehre, der Erlösungslehre und der Gnadenlehre zum Ausdruck gekommen sind. Im Vorwort einer Bibelausgabe steht, dass es »letztlich die 117 Gerhard Kardinal Müller, Katholische Dogmatik, a. a. O., Seite 783. 118 Heiner Geißler, Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?, a. a. O., Seite 35. 120 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … vom Heiligen Geist geleitete Kirche ist, die uns den wesentlichen Inhalt und den gesicherten Kern der Bibel lehrt«119. Dass es sich bei diesen biblischen Geschichten auch um Aussagen von Propheten und Kirchenvätern handelt, also um männliche Geschlechtsgenossen, die dieses Sündenfallkonzept kultiviert haben, wird auch dann besonders deutlich, wenn man an die beschriebene Rolle Evas denkt, denn ihre Rollenbeschreibung ist doch wohl eher ein Produkt männlicher Phantasie. Die Evolutionsbiologen sagen, dass das „kulturelle“ Gedächtnis eines Volkes in der Geschichte immer sehr weit zurückreicht und viele Generationen noch nach Jahren Erinnerungen präsent haben, die häufig eingebunden sind in Mythen und Glaubensvorstellungen, in Geschichten und Ritualen. Nichts spricht für das Motiv einer Vertreibung aus dem Paradies in der biblischen Form. Es war, nach Aussagen der Historiker, nach dem Ende der Eiszeit vor gut 15 000 Jahren das blühende Land vom Nil bis zum Euphrat und Tigris, das als Paradies in Erinnerung war, in dem die Menschen nach der Sesshaftwerdung in Behausungen lebten. Doch das Paradies dauerte nicht lange. Der Anthropologe spricht davon, dass sich »das Leben in Sesshaftigkeit als Fluch erwiesen haben muss … das zeigen deutlich prähistorische Skelettfunde … die Feldarbeit war eine Strapaze«120. Nach der Nomadenzeit als Jäger und Sammler war die Sesshaftwerdung eines Volkes mit der Mühsal der landwirtschaftlichen Produktion verbunden. Es gab jetzt Krankheiten und Seuchen, die bis dahin nicht bekannt waren. Insoweit beschreibt die Bibel tatsächlich eine Ursünde des Homo sapiens. Es ging um die Schwierigkeiten, die durch die Sesshaftwerdung der Menschen vor rund 10 000 Jahren entstanden waren: Unterdrückung und Gewalt sowie die Bewältigung der Mühen des täglichen Lebens. Statt diesem Adam zu erlauben, wilde Früchte zu sammeln und auf die Jagd zu gehen, war er nun verdammt, „im Schweiße seines Angesichtes“ seinen Lebensunterhalt zu sichern. Doch es gab noch eine andere Entwicklung des Homo sapiens, die mit der Beschreibung des Sündenfalls in Zusammenhang gebracht werden kann. Über einen zugegebenermaßen jahrtausende langen Zeitraum hinweg entwickelte sich bei ihm die Form eines Bewusstseins, die 119 Die Heilige Schrift, Pattloch Verlag, 32. Auflage 1992, Seite VII. 120 Carel van Schaik und Kai Michel, Das Tagebuch der Menschheit, a. a. O., Seite 59 f. 121 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … es dem Homo sapiens ermöglichte, das Dasein in der Welt zu reflektieren, ein gewolltes Leben zu führen und seine Bedürfnisse zu entwickeln. Außerdem muss den Menschen bewusst geworden sein, wie sehr ihnen Gefahren drohen, durch die Natur selbst und durch die Konditionierung ihres Körpers. Ihnen wurde klar, dass auch ihr Leben endlich ist. U. Schnabel beschreibt sehr eindrucksvoll, dass »der Gewinn dieses Wissens und diese Erkenntnis teuer bezahlt werden musste … die Menschen waren gezwungen, die Tatsache zur Kenntnis zu nehmen, dass die Welt nicht gerade der einfachste Ort zum Überleben ist«. Und er sagt auch: »Wenn diese trüben Tatsachen ins Bewusstsein dringen, kann man sich schon wie aus dem Paradies vertrieben fühlen«121. Man ist also nicht fein raus, wie es die Kirche lehrt, wenn man glaubt, dass Gott den Menschen von dieser Urschuld erlöst hat. Eine solche Urschuld der Menschheit hat es nie gegeben. Es war die Endlichkeit des Seins, die in das Bewusstsein der Menschen drang. Ihnen wurde ihre Sterblichkeit bewusst. Das war die Frucht vom Baum der Erkenntnis. Mit einem Gott, der die Menschen wegen ihrer Schuld vertreibt, hat das alles nichts zu tun. Ironischerweise entwickelte sich beim Menschen gerade mit dieser Erkenntnis auch das Bedürfnis, diesen angstbesetzten Zustand aufzuheben. So kam es, dass, wie Ulrich Schnabel es ausdrückt, »dieselbe Fähigkeit, die den Menschen aus dem Paradies vertrieb, ihn überhaupt erst in den Stand versetzte, religiöses Denken zu entwickeln«122. Und weil es diese Grundschuld der Menschheit nie gegeben hat, sind alle Diskussionen über die Erbsünde, die Erlösungstheologie und die Gnadenlehre unsinnig geworden. Da wir uns mit den Verweisen auf die Dogmen und die nicht überprüfbaren „göttlichen Wahrheiten“ nicht mehr in die Irre führen lassen, sollten wir an dieser Stelle nach den authentischen Worten des Wanderpredigers Jesus im Neuen Testament suchen und den Versuch unternehmen, ihn zu verstehen. Leider sind Generationen von Gläubigen mit Schuldzuweisungen, mit Angst und Schrecken, mit Fegefeuer und Höllenglut viel zu lange gepeinigt worden. Wo Kleriker Trost spenden sollten, haben sie Schuld zuge- 121 Ulrich Schnabel, Die Vermessung des Glaubens, Pantheon Verlag, München, 4. Auflage 2010, Seite 289. 122 Ulrich Schnabel, Die Vermessung des Glaubens, a. a. O., Seite 290. 122 Wenn ein AMerikAnischer sheriff den ruhestAnd nicht iM knAst verbringen Muss … wiesen, mit dem Entzug der Gnade Gottes gedroht und dann vorgegeben, diese Schuld kraft ihres Amtes heilen zu können. Es war schon eine grandiose Idee, die Menschheit zu bestrafen und die Idee einer Ursünde aufzubauen, die von solcher Tragweite ist, dass sie alle Generationen belastet. Aber es ist eben nur eine Idee und zwar eine ganz üble, sonst nichts und damit ist die notwendige Gnadengabe Gottes auch obsolet geworden. Doch wir sollten nicht allzu sehr „draufhauen“, auf die Kleriker und die Amtskirche. Jedoch sollte sich niemand mehr mit dem Hinweis auf das Lehramt der Kirche abspeisen lassen. Wir Menschen haben unsere Weltanschauungen und Gottesvorstellungen allesamt selbst erfunden, weil wir eben so sind. Weil wir immer nach Erklärungen suchen und weil es uns widerstrebt, dass die Welt und die gesamte Schöpfung unerklärbar sein sollen. So halte ich es dann doch lieber mit dem Ukrainer Lunatscharski (Schreibweise auch Lunacharsky)123: »Religion ist wie ein Nagel, je härter man darauf schlägt, umso tiefer dringt er ein. Wir sollten uns mehr bemühen, ihn herauszuziehen«, kontrovers zu diskutieren und nach menschlich verständlichen Argumenten für unsere ewige Suche nach dem Sinn, für unsere Fragen nach dem menschlichen Dasein und unsere menschlichen Verhaltensweisen suchen. 123 Anatoli W. Lunatscharski, (1875–1933), ukrainischer Philosoph und Schriftsteller, zitiert aus: Ulrich Schnabel, Die Vermessung des Glaubens, a. a. O., Seite 337.

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Zusammenfassung

Wir wollen doch alle die Kirche im Dorf lassen. Doch selbst hineingehen, nicht nur an Weihnachten, gar betend dort verweilen, daran ist kaum einer interessiert. Sich gar beschäftigen mit den Glaubensgrundsätzen, die nicht zuletzt zur Errichtung solcher Bauwerke beigetragen haben, dazu sieht nur selten jemand eine Veranlassung.

Burckhard Wienand zeigt einen lohnenden Weg, sich mit den Fundamenten der christlichen Lehre, vor allem der Lehre der katholischen Kirche, zu beschäftigen, die unser Leben über Jahrhunderte hinweg ganz wesentlich mitbestimmt haben. Er stößt die „Geweihten“ von ihrem Sockel und dringt vor zum wesentlichen Kern einer christlichen Überzeugung. Er schiebt die „betonierten“ Glaubensregeln einfach beiseite und zeigt eine Möglichkeit, die kirchlichen Räume wieder mit Leben zu füllen.

Denn die Kirchen werden die Menschen gänzlich verlieren, wenn sie sich nicht auf die eigentliche Botschaft des Wanderpredigers aus Galiläa konzentrieren und konsequent danach leben. Die Fehltritte ihres Personals beschleunigen diesen Erosionsprozess.

Erst wenn der ganze „Pfusch“ beseitigt worden ist, kann die Kirche auch im Dorf bleiben, als Haus für alle Menschen aller Ideologien und Weltanschauungen …