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Liga von Cambrai, Reichstage zu Worms 1509 und Augsburg 1510 in:

Wolf H. Birkenbihl

Maximilian I., page 99 - 106

Kaiser zwischen Traum und Wirklichkeit

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4301-1, ISBN online: 978-3-8288-7216-5, https://doi.org/10.5771/9783828872165-99

Tectum, Baden-Baden
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Liga von Cambrai, Reichstage zu Worms 1509 und Augsburg 1510 Der Habsburger war entschlossen, die Situation zu nutzen und ein neues Bündnis mit Frankreich einzugehen. Nur mit dem französischen Verbündeten an der Seite, schien ihm die Rückeroberung der an Venedig verlorenen Gebiete möglich. Binnen kurzer Zeit fanden der Kaiser sowie der französische König zusammen. Am 10. Dezember 1508 unterzeichneten die Vertreter Ludwigs und Maximilians in Cambrai einen gegen die Republik Venedig gerichteten Bündnisvertrag, die sogenannte Liga von Cambrai. Bald darauf schlossen sich auch der Papst sowie die Könige von Aragón, Ungarn und England dieser Liga an. Der neue Bund mit Frankreich war offiziell, wie so oft, als Allianz gegen die Osmanen geschlossen worden, was man überall entsprechend kundtat, tatsächlich aber richtete sich dieser Zusammenschluss gegen die Signorie. Als Dank für seine Waffenbrüderschaft wurden Ludwig XII. Grenzgebiete in der Lombardei in Aussicht gestellt. Venedig hatte sich aufgrund seiner Eroberungen auf dem Festland bei all seinen Nachbarn unbeliebt gemacht. Bald sollte sich die Signorie der Gefahr eines Angriffes aller europäischen Großmächte klar werden.247 Die Liga von Cambrai führte zu einer völligen Umkehr aller bestehenden Bündnisse. Frankreich beging gegenüber seinem langjährigen Verbündeten Venedig einen eindeutigen Treuebruch und der Kaiser brach den kurz zuvor mit der Signorie geschlossenen Waffenstillstand. Maximilian hegte die Hoffnung, mit französischer Waffenhilfe einerseits die Verluste des letzten Feldzuges gegen Venedig auszugleichen, andererseits aber auch den einstigen Reichsbesitz in Italien zurückzugewinnen und somit die Reichsherrschaft über Italien formal zu erneuern. Das Bündnis mit Frankreich schien ihm den Mangel an eigenen militärischen Kräften zu ersetzen. Maximilian verfolgte jedoch 247 Hollegger: Maximilian I., S. 194-195 99 zeitgleich eine Doppelstrategie, indem er auch danach strebte, mit Hilfe Aragóns die Vorherrschaft in Italien wiederherzustellen und so die Franzosen allmählich von der Halbinsel zu verdrängen. Letztlich sollte sich in Italien aber keine Hegemonie des Reiches durchsetzen, sondern der Machtanspruch Spaniens.248 Die Liga von Cambrai war zweifellos der Anlass für das folgende langjährige Ringen um Italien. Was mit dem Konflikt um Venedig begann, wuchs sich allmählich zu einem Machtkampf um ganz Italien aus. Einen europäischen Krieg dieses Ausmaßes hatte es bisher wohl noch nicht gegeben. Am 14. Mai 1509 eröffnete Frankreich diese Auseinandersetzung mit der Schlacht von Agnadello in der Lombardei und konnte das venezianische Hauptheer empfindlich schlagen. Den Franzosen gelang es nach diesem entscheidenden Sieg bis an die Lagunen Venedigs vorzudringen. Im Anschluss daran eroberte das französische Heer innerhalb von zwei Wochen Bergamo, Brescia, Cremona und Peschiera zurück – allesamt von Venedig besetzte ehemalige Mailänder Gebiete –, die ihnen der Vertrag von Cambrai zugestand. Bald erregte aber die Vorgehensweise Frankreichs die Mißgunst aller übrigen Bundesgenossen.249 Maximilian erschien erst geraume Zeit später mit einem schwachen Heer am Kampfschauplatz in Italien – kaum 1000 Mann und 1500 Reiter. Zuvor hatte der Monarch noch für drei Tage den Wormser Reichstag besucht, der vom 22. April bis 9. Juni 1509 tagte. Die Reichsstände waren auch dieses Mal wieder dem Kaiser geschlossen entgegengetreten und hatten ihm jede Hilfe für den Italienfeldzug versagt, obgleich gerade damals die einmalige Gelegenheit bestanden hätte, die alten Reichsrechte in Italien mit Hilfe französischer Siege nahezu ohne eigene Kraftanstrengung wiederherzustellen.250 Nicht einmal auf die Verabschiedung neuer Reformen wollten sich die in Worms Versammelten einlassen. Der Hauptgrund für diese Entscheidung war wohl die Tatsache, dass der Monarch die Stände nicht über den Abschluss der Liga von Cambrai informiert hatte. Insbesondere alle größeren Reichsstädte lehnten den Krieg gegen die Signorie ab, da 248 Wie Anm. 247, S. 196 249 Ebd. 250 Reinhard Seyboth: Reichsreform und Reichstag unter Maximilian I., in: Helmrath, Kocher, Sieber (Hrsg.): Maximilians Welt, S. 250 Liga von Cambrai, Reichstage zu Worms 1509 und Augsburg 1510 100 dieser eine beträchtliche Störung ihres Handels bedeutete.251 Letztlich erfuhr der Habsburger ausschließlich durch seine österreichischen Erbländer – allen voran Tirol – Unterstützung mit Kapital und Truppen. Derart gestärkt gelang es Maximilian im ersten Ansturm und ohne großen Widerstand im Juni 1509 die Städte Verona und Padua zu besetzen. Padua sollte allerdings sehr bald wieder verloren gehen und konnte trotz Belagerung nicht mehr zurückgewonnen werden. Im Osten vermochten die Kaiserlichen Triest und die habsburgische Grafschaft Görz in Venetien – ein wichtiger Vorposten gegen die Republik Venedig – zurückzuerobern. Die Franzosen, die dem Habsburger bereits enorme Landgewinne verschafft hatten, waren allerdings nicht bereit, ihm alle seine noch ausstehenden Ansprüche zu erfüllen oder gar seine Neuerwerbungen zu verteidigen. Bestärkt wurden sie in ihrem Handeln wohl noch zusätzlich durch den Unwillen der Reichsstände, dem Kaiser für seinen Feldzug entsprechende Kriegshilfen zur Verfügung zu stellen. Für das Reich sahen die Stände hier „… kein nutz, sonder allein nachtheil, schimpf und schade …“252 Die französische Armee zog sich von daher vorzeitig, noch im Oktober, in ihr Winterquartier zurück. Der Konsens zwischen den beiden Verbündeten nahm fortan zusehends ab. Französische Ritter weigerten sich, gemeinsam mit deutschen Landsknechten – Schustern, Schneidern und Stallknechten – zu kämpfen. Ordnung und Disziplin der kaiserlichen Truppenverbände ließen in den Augen der Franzosen mehr als zu wünschen übrig. Von den Kaiserlichen besetzte Landstriche wurden vollständig ausgeplündert und die Bevölkerung stark in Mitleidenschaft gezogen. Maximilians Hoffnung, mit Hilfe der eroberten Gebiete den Krieg finanzieren zu können, sollte nicht in Erfüllung gehen. Der Monarch war gezwungen, Teile Veronas an die Franzosen zu verpfänden, um seine Verbündeten auf diese Weise für die Verteidigung der Stadtbefestigung gewinnen zu können. Den ungünstigen Verlauf der letzten Operationen versuchte der Kaiser mit Hilfe von Flugblättern, die jegliche Schuld an der misslichen Lage den Reichsständen zuwiesen, öffentlich zu rechtfertigen. Dieser Vorwurf war durchaus zutreffend, denn die Stände hatten in der Tat den Monarchen geradezu 251 Dietmar Heil (Bearb.): Deutsche Reichstagsakten unter Maximilian I., Bd. 10: Der Reichstag zu Worms 1509, Berlin-Boston 2017, S. 73, S. 76, S. 79-80 252 Zit. nach: Seyboth: Reichsreform und Reichstag, in: Helmrath, Kocher, Sieber (Hrsg.): Maximilians Welt, S. 251 Liga von Cambrai, Reichstage zu Worms 1509 und Augsburg 1510 101 schändlich im Stich gelassen. Zu jenem Zeitpunkt, gegen Ende des Jahres 1509, war das Reich als Kriegsmacht wohl kaum mehr ernst zu nehmen.253 Ein bedeutender Erfolg hingegen gelang Maximilian in Form eines Ausgleichs mit König Ferdinand von Aragón im Dezember 1509 in der kastilischen Erbfolgefrage. Der Kaiser erklärte sich bereit, Ferdinand, der für seine dem Wahnsinn verfallene Tochter Juana die Regentschaft in Kastilien ausübte, auf Lebenszeit zu bestätigen. Im Gegenzug erhielt der Kaiser die Zusicherung, dass sein Enkel Karl – der spätere Karl V. – dereinst die Nachfolge Ferdinands in Aragón und Kastilien werde antreten können. Seit dem Tod seines Sohnes und Thronfolgers Don Juan im Herbst 1497, der mit Maximilians Tochter Margarethe verheiratet gewesen war, schien Aragóns König seinen Platz an der Seite Habsburgs zu sehen. Ihm blieb letztlich nichts anderes übrig, als sich mit der arrangierten Nachfolgeregelung abzufinden. Für Ferdinand war Frankreich der unumschränkte Feind, der potentielle Eroberer ganz Italiens, gegen den es eine starke Front aufzubauen galt. Sowohl der aragonesische König als auch der Habsburger betrachteten Italien als Kernland des Heiligen Römischen Reiches sowie als Bindeglied ihrer beiden Dynastien.254 Trotz des beharrlichen Einwirkens der Monarchen Aragóns, Englands sowie vor allem des Papstes auf Maximilian, seine Allianz mit Frankreich aufzugeben, verblieb der Kaiser fest an der Seite des Königreiches. Das enge Bündnis mit Ludwig XII. erschien ihm als die einzig mögliche und reelle Option. Dem erfahrenen Feldherrn Maximilian war aufgrund seiner bisherigen Erkenntnisse wohl bewusst, dass es ihm schwerlich gelingen würde, Frankreich zu besiegen. Im Bund mit Ludwig durfte Maximilian zumindest hoffen, Venedig unterwerfen zu können, wobei er nicht bedachte, dass der Franzosenkönig nicht das geringste Interesse hatte, sich der Stadtrepublik über ein gewisses Maß hinaus zu bemächtigen. Ludwig schien sich die Möglichkeit eines erneuten Bündnisses mit seinem einstigen und langjährigen Verbündeten Venedig für die Zukunft offen halten zu wollen.255 253 Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 4, S. 46-47, S. 49-50, S. 52-54, S. 60-64 254 Miguel Angel Ladero: Das Spanien der katholischen Könige. Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien 1469-1516, Innsbruck 1992, S. 37, S. 55, S. 283-284 255 Metzig: Kommunikation und Konfrontation, S. 203 Liga von Cambrai, Reichstage zu Worms 1509 und Augsburg 1510 102 Den Papst bezichtigte der Kaiser des Verrates, da dieser, seiner Meinung nach, stets den vollständigen Sieg über die Signorie und die Wiederherstellung der Reichsrechte in Italien behindert, wenn nicht sogar hintertrieben habe. Zudem habe Julius II., nach Ansicht Maximilians, bei der Verteilung von Territorien, wie sie sich aus dem Vertrag von Cambrai ergab, vorrangig seine ureigenen Interessen verfolgt. Tatsächlich schloss Julius, kaum hatte er den Venezianern die norditalienische Romagna abgenommen, im Februar 1510 Frieden mit der Signorie.256 Mit Lossagung des Papstes sollte sich die Liga von Cambrai rasch auflösen. Seither fühlte sich der Kaiser um so enger Frankreich verbunden, zumal ihm auch der Augsburger Reichstag, der vom 3. März bis 22. Mai 1510 im Stadtpalast der Fugger tagte und eine notwendig gewordene Folge der prekären Lage war, in der sich der Monarch seit Herbst 1509 befand, keine zufriedenstellende Kriegshilfe in Aussicht stellte. Zwar einigten sich die Reichsstände darauf, dem Kaiser eine bescheidene Truppen- und Finanzhilfe zu gewähren, allerdings viel zu spät und letztlich auch in viel zu geringem Umfang. Die versammelten Fürsten waren der Überzeugung, dass der Habsburger den Krieg in Italien ausschließlich zum Nutzen seines eigenen Hauses, nicht aber zum Wohlergehen des Reiches führe. Eben diesen Vorwurf hatten sie ihm bereits auf dem letzten Reichstag in Worms gemacht. Auch auf diesem Reichstag brachte der Kaiser diverse zukunftsweisende Reformideen ein.257 Oberste Priorität nahm hier der Plan ein, ein stehendes Heer von rund 40.000 Landsknechten und 10.000 Reitern aufzubauen. Diese stehende Truppe sollte nicht nur bei Kriegen außerhalb des Reiches zum Einsatz kommen, sondern auch zur Sicherung des Landfriedens im Inneren dienen. Anfangs rechnete der Kaiser zumindest noch mit der Durchsetzung eines Bruchteils seiner Forderungen, letztendlich sollten sich die Stände nicht einmal ansatzweise auf eine Beratung von Maximilians Vorschlägen einlassen. Eine Fortsetzung der Reichsreform scheiterte hauptsächlich am Unwillen der Reichsfürsten, eventuelle Einschränkungen ihrer Privilegien hinzunehmen, da sie ihren Machtanspruch innerhalb des Reichsgefüges gefähr- 256 Ebd., S. 262, S. 345-346 257 Reinhard Seyboth (Bearb.): Deutsche Reichstagsakten unter Maximilian I., Bd. 11: Die Reichstage zu Augsburg 1510 und Trier/Köln 1512, Teil 1, Berlin-Boston 2017, S. 80-83 Liga von Cambrai, Reichstage zu Worms 1509 und Augsburg 1510 103 det sahen. Steuerliche Hilfen wurden dem Kaiser gänzlich versagt und so blieb Maximilian aufgrund seiner desolaten finanziellen Lage keine andere Wahl, als am Bündnis mit Frankreich, das ihm stets ein gewisses Unbehagen bereitete, festzuhalten. Trotz des alles in allem wenig überzeugenden Ergebnisses des Reichstages, gab es in Augsburg diverse Festlichkeiten, an denen der Monarch teilnahm – sogar ein Turnier zwischen Kaiser Maximilian und Kurfürst Friedrich von Sachsen wurde zur allgemeinen Unterhaltung abgehalten. Dem Kaiser selbst brachte das enormen Prestigegewinn ein.258 Da der Habsburger zu jenem Zeitpunkt keine andere Möglichkeit sah und sich in einem völligen Abhängigkeitsverhältnis zu Frankreich befand, war er wohl bereit, den verwegendsten Plänen des französischen Königs zu folgen. Im September 1510 hatte Ludwig XII., nachdem der Papst ihn aus der Liga ausgestossen hatte, da er dessen Expansionsdrang fürchtete und ihn bei nächster Gelegenheit aus Italien vertreiben wollte, eine Synode der gallikanischen Kirche nach Tours berufen. Dem Papst drohte der Franzosenkönig seinerseits offen mit Konzil und Absetzung. Ludwig umwarb und umschmeichelte bei alledem den Kaiser, um ihn an seiner Seite zu halten. Der Preis, den Maximilian für seine Bündnistreue würde bezahlen müssen, hätte nicht höher sein können. Anstatt der Kaiserkrönung in Rom, die er sich als Dank für die Unterstützung des Papstes im Kampf gegen Venedig erhofft hatte, musste er nun fürchten, zusammen mit Frankreichs König aus Italien verdrängt zu werden. Dem Kaiser war bewusst, dass er auch zukünftig nur mit Hilfe der gewaltigen französischen Kriegsmacht würde bestehen und gegebenenfalls die verlorenen italienischen Gebiete wieder zurückerobern können.259 Um dem König von Frankreich seine Ergebenheit zu bezeugen, sandte der Habsburger seinen Bevollmächtigten Matthäus Lang von Wellenburg nach Frankreich, der am 17. November 1510 in Blois die bestehenden Verträge mit Ludwig erneuerte und Maximilians Bereitschaft erklärte, das Konzil von Pisa zu unterstützen, dessen Einberufung für 1511 mit reger Unterstützung schismatischer Kardinäle in Tours beschlossen worden war. Der Kaiser ließ öffentlich verkünden, dass Julius II. der gesamten Christenheit ein 258 Wie Anm. 257, S. 84, S. 91 259 Hollegger: Maximilian I., S. 199 Liga von Cambrai, Reichstage zu Worms 1509 und Augsburg 1510 104 denkbar schlechtes Vorbild sei. Alle Kirchengelder aus dem Gebiet des Reiches würden, so die Argumentation Maximilians, in erster Linie zum Plaisir und zur Repräsentation des päpstlichen Hofes verwand, statt für das Abhalten heiliger Messen oder gar zur Abwehr der Türken. Nach Ansicht des Habsburgers war es unumgänglich, den Papst zur Rechenschaft zu ziehen und so sprach man bereits offen von dessen Absetzung.260 Trotz Maximilians unbedingter Loyalität zum französischen König, sah er sich von dessen Bündnistreue bald verlassen. Alle Anstrengungen des Kaisers, Friaul und Treviso – einst wichtige Grenzmarken – im Sommer 1511 zu erobern, blieben mangels jedweder Unterstützung Frankreichs erfolglos. Eine Wiederherstellung der alten Reichsrechte in Italien im Sinne einer „renovatio imperii“, schien somit unmöglich geworden zu sein.261 Weiterhin Unterstützung fand der Monarch hingegen bei seinem Erbland Tirol. Hier ließ man ihm immer wieder Hilfe in Form von Kriegssteuern und Soldaten zukommen. Während des Venezianerkrieges sollte Tirol alljährlich rund 10.000 Mann an die Grenzen schicken. In diesem schweren Ringen war der Habsburger gänzlich auf seine Erbländer angewiesen. Die entscheidenste Ursache für die militärischen Niederlagen des Kaisers in den folgenden Jahren war aber mit Sicherheit die beharrliche Verweigerung von Hilfen seitens der Reichsstände. Der Plan, ein stehendes Heer aufzustellen, das in jenen Jahren einer politischen Neuorientierung Europas notwendig gewesen wäre, war nicht durchzusetzen. Mit Sicherheit war den Ständen die expansionistische Unternehmungslust des Kaisers – wohl nicht zu Unrecht – suspekt.262 Nach drei entbehrungsreichen Kriegsjahren war der Friedenswille im Herbst 1511 auf allen Seiten groß. Insbesondere das Innsbrucker Regiment, das die Hauptlast dieses Krieges zu tragen hatte, drängte auf den Abschluss eines baldigen Friedens. Vorerst sollte sich jedoch keine Seite dazu bereit finden, einen annehmbaren Vergleich oder Friedens- 260 Ebd., S. 200-201 261 Wie Anm. 255 262 Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 4, S. 70-71 Liga von Cambrai, Reichstage zu Worms 1509 und Augsburg 1510 105 vorschlag einzubringen, den alle Beteiligten hätten akzeptieren können.263 263 Wie Anm. 262, S. 85-86 Liga von Cambrai, Reichstage zu Worms 1509 und Augsburg 1510 106

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Zusammenfassung

Maximilian I., der zweite Habsburger auf dem deutschen Kaiserthron, als Nachfolger seines Vaters Friedrich III. 1459 in Wiener Neustadt geboren, 1486 in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt und in Aachen gekrönt, seit 1493 Alleinherrscher im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, 1508 zum „Erwählten Römischen Kaiser“ proklamiert – dieser Maximilian ist mit Sicherheit eine der faszinierendsten Gestalten an der Wende zur Neuzeit.

Er war Ritter und moderner Herrscher zugleich, Krieger und Visionär. Er schätzte Turniere und war stolz auf seine konkurrenzlose Artillerie, mit der er Städte und Länder eroberte. Sein politisches Streben war von Anfang an klar auf Expansion ausgelegt, sowohl mit kriegerischen Mitteln als auch durch vorausschauende Heiratspolitik.