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Bruch des Vertrages von Hagenau, Tod des Sohnes Philipp und Reichstag zu Konstanz 1507 in:

Wolf H. Birkenbihl

Maximilian I., page 91 - 92

Kaiser zwischen Traum und Wirklichkeit

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4301-1, ISBN online: 978-3-8288-7216-5, https://doi.org/10.5771/9783828872165-91

Tectum, Baden-Baden
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Bruch des Vertrages von Hagenau, Tod des Sohnes Philipp und Reichstag zu Konstanz 1507 Schwere Rückschläge hingegen musste Maximilian im Westen hinnehmen. Der französische König begann bereits nach wenigen Monaten seine Verpflichtungen aus dem im Frühjahr 1505 zwischen beiden Monarchen geschlossenen Vertrag von Hagenau zu vernachlässigen und zu hintertreiben, um unter allen Umständen ein habsburgisches Universaldominat zu verhindern. Vorrangiges Ziel des Franzosen war es, die Habsburger von Italien fernzuhalten, das er ihnen in Hagenau geradezu bereitwillig überlassen hatte. Der Habsburger hatte noch auf der Hagenauer Reichsburg prophezeit, Frankreich werde den Friedensvertrag brechen, noch ehe die Tinte trocken sei. Zudem beabsichtigte Ludwig, im Verbund mit Venedig, Maximilian den Romzug und die Kaiserkrönung zu verwehren.233 Ein bei weitem härterer Schlag traf den König mit dem überraschenden Tod seines erst 28jährigen Sohnes Philipp Ende September 1506 in Burgos. Zusammen mit seiner Gemahlin Juana hatte er seit etwas mehr als zwei Monaten das Königreich Kastilien regiert. Maximilian war fest entschlossen, das Erbe seines Enkels Karl gegen Frankreich zu verteidigen und nötigenfalls, sollte Ludwig XII. Ansprüche seines Hauses geltend machen wollen, selbst nach Spanien zu ziehen. Der Habsburger war von der universal-dynastischen Aufgabe seiner Dynastie überzeugt. Umzusetzen war dieses Vorhaben allerdings weniger mit Unterstützung des Reiches, das sich unablässig verweigerte, sondern allenfalls mit Hilfe der österreichischen Erblande.234 Schon bald nach dem Tod Philipps berief Maximilian die Reichsstände nach Konstanz, um über seinen geplanten Italienzug sowie die damit verbundene Kaiserkrönung in Rom vor versammeltem Gremi- 233 Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 3, S. 272, S. 280 234 Ebd., S. 268, S. 302-303 91 um zu beraten. Mit einer mitreißenden Rede trat der König Ende April 1507 vor den bis zum 26. Juli tagenden Reichstag und warb für sein Anliegen, wobei er betonte, dass er in all den vergangenen Kriegen für die Sache des Reiches gelitten habe, wie kein Mensch seit Christus am Ölberg. Zugleich trat der Habsburger, wohl etwas illusionistisch, vehement für den Erhalt Reichsitaliens ein.235 Die Konstanzer Rede Maximilians fand bald darauf in Form eines Flugblattes weit über die Grenzen des Reiches hinaus Verbreitung. Gerade den jüngeren Fürsten sagten die offenen, scharfen, mitunter prahlerischen Worte des Königs zu. Von ihm erwarteten sie sich Eroberungen in Italien, Herrschaften und Pfründe im Dienst des Reiches. Um sich die Kurfürsten gefügig zu machen und sie enger an sich zu binden, stellte Maximilian ihnen eine Verbesserung der Goldenen Bulle in Aussicht, was ihre Machtstellung im Reichsgefüge erheblich aufgewertet hätte.236 Alles in allem wurden die Verhandlungen mit den Reichsständen über Kriegsführung, Reichsregiment, Kammergericht und Reichssteuer lebhaft, mitunter geradezu hitzig geführt. Das vorrangige Ziel, für das der König die Fürsten gewinnen wollte, war der Romzug und die Erlangung der Kaiserkrone.237 Die Stände bewilligten Maximilian letztendlich 12.000 Mann zur Unterstützung seines geplanten Romzuges sowie 120.000 Gulden. Die zugesagten Hilfsgelder sollten allerdings – wie bereits zuvor auch – entweder stark verspätet oder gar nicht eingehen. Ohne das bereitwillige Vorstrecken von Darlehen durch die Fugger, die mit Hilfe der Erträge aus den tirolerischen Erz- und Silberbergwerken zurückbezahlt wurden, wäre das Unternehmen wohl kaum über die ersten Vorbereitungen hinausgekommen.238 235 Hollegger: Maximilian I., S. 178-180 236 Wie Anm. 233, S. 358-359 237 Wie Anm. 235, S. 184-185 238 Ebd., S. 185-186 Bruch des Vertrages von Hagenau, Tod des Sohnes Philipp und Reichstag zu Konstanz 1507 92

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Zusammenfassung

Maximilian I., der zweite Habsburger auf dem deutschen Kaiserthron, als Nachfolger seines Vaters Friedrich III. 1459 in Wiener Neustadt geboren, 1486 in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt und in Aachen gekrönt, seit 1493 Alleinherrscher im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, 1508 zum „Erwählten Römischen Kaiser“ proklamiert – dieser Maximilian ist mit Sicherheit eine der faszinierendsten Gestalten an der Wende zur Neuzeit.

Er war Ritter und moderner Herrscher zugleich, Krieger und Visionär. Er schätzte Turniere und war stolz auf seine konkurrenzlose Artillerie, mit der er Städte und Länder eroberte. Sein politisches Streben war von Anfang an klar auf Expansion ausgelegt, sowohl mit kriegerischen Mitteln als auch durch vorausschauende Heiratspolitik.