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Kindheit und Jugend Maximilians in:

Wolf H. Birkenbihl

Maximilian I., page 11 - 18

Kaiser zwischen Traum und Wirklichkeit

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4301-1, ISBN online: 978-3-8288-7216-5, https://doi.org/10.5771/9783828872165-11

Tectum, Baden-Baden
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Kindheit und Jugend Maximilians In den Wirren jener Zeit wurde Maximilian am Gründonnerstag, dem 22. März 1459, den Annalen nach im Ostturm der Wiener Neustädter Burg „… zwei Stunden vor Sonnenuntergang … “26 geboren. Dem künftigen Kaiser sagte ein Horoskop angeblich ein äußerst wechselvolles Leben mit allen nur denkbaren Höhen und Tiefen voraus. Der Hofastrologe, Mediziner und Humanist Josef Grünpeck prophezeite dem Knaben einen ständigen Kampf mit widrigen Umständen. Dennoch sah der Gelehrte in dem Kleinkind den kommenden Weltenherrscher, als dieser sich beim ersten Bad abrupt aufgerichtet habe. Bei dieser Weissagung dürfte es sich jedoch, aller Wahrscheinlichkeit nach, um eine – wenn auch mit Bedacht gewählte – freie Erfindung Grünpecks handeln.27 Pate für den Namen des Kindes stand der heilige Maximilian von Lorch, der im Auftrag von Papst Sixtus II. im dritten nachchristlichen Jahrhundert als Bischof in seiner Heimatstadt Lorch an der Enns den christlichen Glauben verkündet haben soll. Klassische Namensdeutungen, wie sie später von Humanisten erdacht wurden, waren für den Vater wohl nicht von Bedeutung.28 Die Vorfahren Maximilians waren väterlicherseits vorwiegend deutschstämmig. Von Seiten der Mutter, Eleonore von Portugal, hatte er portugiesisch-spanisches Blut und ein bisweilen aufbrausendes Temperament geerbt. Desweiteren kamen französische und italienische Ahnen hinzu. Die besondere Zuneigung des Sohnes galt von Anbeginn seiner Mutter.29 Ihre vorbildhafte Haltung während der Belagerung der Wiener Hofburg behielt er ein Leben lang in bester Erinnerung. Die mißliche Lage des Kaisers soll sie zu dem Ausspruch veranlasst haben: „Wüßte ich, mein Sohn, Du würdest einst wie Dein Vater, ich 26 Zit. nach: Theodor Ilgen (Hrsg.): Die Geschichte Friedrichs III. und Maximilians I. von Joseph Grünpeck, Leipzig 1899, S. 33 27 Ebd., S. 33-34 28 Heinrich Fichtenau: Der junge Maximilian (1459-1482), München 1959, S. 8 29 Ebd., S. 5-6 11 müßte bedauern, dich für den Thron geboren zu haben.“30 Dem Vater vermochte Maximilian allem Anschein nach zunächst nicht jene Bewunderung zukommen zu lassen, die er ihm in späteren Jahren durchaus zuteil werden ließ. Hatte der Sohn doch vom Wesen des Vaters manches geerbt. Hervorzuheben ist hier insbesondere die Zähigkeit des Kaisers, ein angestrebtes Ziel, wenn nötig, auch auf Umwegen, mit immer neuen Mitteln unablässig zu verfolgen und vor allem nicht aufzugeben. Auch die Ausdauer im Ertragen von Leid und Schmerz sowie der unerschütterliche Glaube an die kommende Größe des Erzhauses Österreich waren Vater und Sohn zu eigen.31 Es gab jedoch noch auf einem anderen Gebiet auffallende Ähnlichkeiten. Am väterlichen Hof herrschten dauerhaft Armut und Schulden vor. Kaiser Friedrich III. versuchte, dieser Misere mit an Geiz grenzender Sparsamkeit zu begegnen. So gestaltete sich dessen persönliche Lebensweise mehr als bescheiden, fast schon spartanisch, mit wenig Sinn für höfisches Gepränge oder gar Mäzenatentum. Hinzu kam eine in den Augen der Zeitgenossen merkwürdig anmutende Vorliebe für Gartenarbeit und die Kultivierung von Obstbäumen oder das Sammeln von Edelsteinen.32 Der Sohn sollte sich dereinst bemühen, diesem Mißstand der ständig leeren Kassen mit der Erhebung hoher Steuern entgegenzuwirken, konnte das Problem aber dennoch nicht beheben. Ganz im Unterschied zum Vater, der Tanzfesten nur Verachtung entgegenbrachte, gab es für den Sohn nichts schöneres als Maskenfeste, die sogenannten Mummereien, und Geselligkeiten jeder Art. Die Zurückhaltung und Behäbigkeit des Kaisers blieb Maximilian zeitlebens fremd. Ihm lag die offene, südländische Art der Mutter weitaus mehr als die Verschlossenheit des alten Herrn.33 Seine Phantasie, seinen wachen Geist wie auch seine Tatkraft hatte Maximilian von ihr geerbt. Andere mütterliche Eigenschaften, wie der Hang zum Abenteuer oder der stark ausgeprägte Geltungsdrang, waren Charakterzüge, die Friedrich III. früh erkannte 30 Zit. nach: Antonia Zierl: Kaiserin Eleonore, Gemahlin Friedrichs III., in: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung (Hrsg.): Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt (Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums, Neue Folge Nr. 29), Wien-Sankt Pölten 1966, S. 150 31 Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 1, S. 71 32 Ebd., S. 72 33 Ebd. Kindheit und Jugend Maximilians 12 und dem Sohn empfahl, Maß zu halten sowie sich in Bescheidenheit zu üben. Seine Kindheit verbrachte der junge Erzherzog in der eher einfach anmutenden Umgebung der Wiener Neustädter Burg, deren Gärten vom Vater zum Teil selber gepflegt wurden. Die weiten Anlagen der Burg mit Forsten und Fischweihern, die von der Ebene bis in das Hochgebirge reichten, boten dem Knaben allerlei Möglichkeiten zur körperlichen Ertüchtigung. Besondere Freude scheint dem kleinen Prinzen das Federspiel – also das Zurückholen des Beizvogels bei der Falkenjagd bereitet zu haben.34 Maximilian erzog man zusammen mit Kindern aus österreichischem Adel, um ihn an seine „edlen Landleute“35 zu gewöhnen. Zu den Spielkameraden und Begleitern seiner Jugend zählte auch Otman Kalixt, angeblich ein Halbbruder des Sultans Mehmed, der am Wiener Hof als möglicher Thronprätendent des osmanischen Reiches angesehen wurde. Er war nach Italien geflohen, von Papst Kalixt III. aufgenommen, getauft und dem Kaiser wohl anlässlich seiner zweiten Romreise im Dezember 1468 anvertraut worden. Mit Otman hielt Friedrich III. zugleich ein Unterpfand gegenüber dem Osmanischen Reich in seinen Händen.36 Der kaiserliche Vater legte großen Wert darauf, dass der Sohn und seine Jugendfreunde am Hof möglichst ungezwungenen Umgang mit dem Gesinde pflegten. Ein gewisses Verständnis Maximilians für das einfache Volk ist ihm ein Leben lang geblieben.37 Bei aller, wenn auch zurückhaltenden, Volkstümlichkeit des alten Kaisers, legte dieser doch allergrößten Wert auf eine gründliche geistige Bildung seines Nachfolgers. Gemäß der Devise „… illiteratum regem nihil aliud esse nisi coronatum asinum [… ein König ohne Bildung sei wie ein gekrönter Esel]“38, wie es im Erziehungsbuch des Ladislaus Postumus stand, ließ der Vater Lehrbücher für seinen Sohn anfertigen, die als wahre Meisterwerke der Buchmalerei gelten können und zugleich 34 Sabine Weiss: Zur Herrschaft geboren. Kindheit und Jugend im Haus Habsburg von Kaiser Maximilian bis Kronprinz Rudolf, Innsbruck-Wien 2008, S. 151, S. 153-154 35 Zit. nach: Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 1, S. 73 36 Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 1, S. 73 37 Hollegger: Maximilian I., S. 25 38 Zit. nach: Gustav Strakosch-Grassmann: Erziehung und Unterricht im Hause Habsburg, in: 5. Jahresbericht des Realgymnasiums in Korneuburg, Wien 1903, S. 3 Kindheit und Jugend Maximilians 13 den Anfang der Frakturschrift markieren.39 Unter Maximilians Lehrmeistern der frühen Jahre ab 1466 fand sich kein namhafter Humanist, sondern ausnahmslos Männer alter Schule. Es scheint, als hätte Friedrich III. Lehrer für seinen Sohn bevorzugt, die nicht aus Wien oder Nieder- österreich kamen. Den aus Passail in der Steiermark stammenden Peter Engelbrecht, Chorherr des Wiener Neustädter Stiftes, der eher rigorose Methoden zur Anwendung brachte, um seinem Zögling etwa grammatikalische Feinheiten beizubringen, behielt Maximilian in überaus schlechter Erinnerung. Meister Engelbrecht war vom kaiserlichen Vater darin bestärkt worden, von der Rute ausgiebig Gebrauch zu machen, um dem widerspenstigen Knaben notwendiges Wissen beizubringen, wobei das Lateinische hier die einzige Unterrichtssprache war. Täglich wurde der Schüler von seinem Lehrer angehalten, Verse und Sprüche berühmter, zumeist antiker, Autoren auswendig zu lernen, um so den Grundstock einer lateinischen Phraseologie zu schaffen, derer sich der Zögling später bedienen konnte. Für Friedrich hatte eine nüchterne und solide Grundausbildung Priorität vor geistreichen Diskursen.40 Erst in späteren Jahren konnte Maximilian in Gesprächen mit Gelehrten nachholen, was ihm in seiner Jugend entgangen war. Gehobene Lektüre und Sprachenstudium ermöglichte dem Prinzen sein Lehrer Thomas von Cilli, kaiserlicher Rat sowie Dompropst zu Konstanz und Wien, der wohl im Jahre 1471 seine Tätigkeit als Erzieher antrat. Maximilian sprach ein durchaus passables Gebrauchslatein, sollte aber die lateinische Hochsprache gemäß den Vorstellungen der Humanisten zeit seines Lebens nicht beherrschen.41 Der heranwachsende Knabe bekam Gelegenheit, sich neben dem Lateinischen und seiner Muttersprache Deutsch noch weitere Sprachen anzueignen. Da es aber nicht seinem Wesen entsprach, sich intensiv und gründlich mit Angelegenheiten zu befassen, war es kaum verwunderlich, dass sich auch das Sprachenstudium des Prinzen in ähnlichen Bahnen bewegte, wobei eine mehrfach bezeugte Sprechstörung, die bis zum neunten oder zehnten Lebensjahr anhielt, noch erschwerend hinzu kam. Französisch und auch Flämisch, das Maximilian am burgundischen Hof erlernen sollte, beherrschte er allem Anschein 39 Heinrich Fichtenau: Die Lehrbücher Maximilians I. und die Anfänge der Frakturschrift, Hamburg 1961, S. 5-6 40 Ebd., S. 6, S. 10-11 41 Ebd., S. 12, S. 14 Kindheit und Jugend Maximilians 14 nach einigermaßen flüssig. Hingegen sprach er Spanisch und Englisch wohl nur derart rudimentär, dass es allenfalls für eine Unterhaltung mit Landsknechten ausreichen mochte, wie er selbst einmal scherzhaft feststellte. Recht gut hingegen scheinen seine Kenntnisse – wenn man Zeitgenossen trauen darf – im Italienischen gewesen zu sein.42 Mit dem Tod der Mutter im Jahre 1467 verschwand für Maximilian und seine sechs Jahre jüngere Schwester Kunigunde jener Mensch aus ihrem Leben, der beiden am nächsten stand und ihnen liebevoll zugetan war. Fortan zog die kleine Familie des Kaisers mitsamt einer eher bescheidenen Hofhaltung von einer Residenz zur nächsten. Für den Heranwachsenden begann nun mit dem unaufhörlichen Wechsel der Aufenthaltsorte jenes rastlose Dasein, das letztlich erst mit dem Tod Maximilians ein Ende finden sollte.43 Bald nach Eleonores Ableben wurde der Achtjährige in die Obhut zweier Männer, Sigmund Prüschenk Freiherr zu Stettenberg und Wolfgang von Polheim, gegeben, die beide treue Gefolgsleute Kaiser Friedrichs waren und in der Folgezeit die wichtigsten Vertrauten des jungen Maximilian wurden. Neben dem Waffentraining gehörte die Jagd zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Bereits seit frühester Kindheit war er an den Umgang mit Pferden, Hunden und Falken sowie die Handhabung von Jagdgeräten oder Stechzeug gewöhnt worden.44 Maximilians Hang zur Tollkühnheit trat in den folgenden Jahren bereits immer deutlicher hervor. Waffentraining, Jagd und Bewegung in freier Natur schienen, so die Idee des Vaters, auch dazu geeignet, den jungen Mann von unlauteren Vergnügungen und Torheiten jeglicher Art abzuhalten.45 Allem Anschein nach ließ sich der Heranwachsende wenig vom Ansinnen des Vaters leiten, sondern schlug vielmehr eigene Wege ein, die immer deutlicher seinen Hang zur Maßlosigkeit hervorkehrten. Maximilian selbst vertrat in späteren Jahren die Meinung, ein junger Bursche müsse mindestens sieben Jahre lang ein Draufgänger gewesen 42 Hollegger: Maximilian I., S. 22 43 Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 1, S. 80-82 44 Ebd., S. 81 45 Fichtenau: Der junge Maximilian, S. 17-18 Kindheit und Jugend Maximilians 15 sein, um sich dereinst mit voller Bereitschaft den ernsten Dingen des Lebens widmen zu können.46 Als der jugendliche Prinz begann, eine tiefergehende Neigung zu Büchern zu entwickeln, bot ihm die wohlsortierte Bibliothek des Vaters eine erste reichhaltige Informationsquelle. Seinem Lieblingsthema – Chronik und Geschichte – näherte er sich über Bibel, Sagen und Heldenepen an. Maximilian fand seine vorbildhaften Helden weniger bei den klassischen Autoren und Geschichtsschreibern – Cäsar hat er wohl allem Anschein nach gelesen –, sondern hauptsächlich in der Heiligen Schrift und in deutschen Heldenliedern, vor allem im Nibelungenlied.47 Recht früh entdeckte der sensible Knabe seine überaus große Liebe zur Musik. Da Maximilian zeitweise zur Melancholie neigte, fand er stets Aufheiterung an musikalischen Darbietungen. Am väterlichen Hof machte der Prinz die Bekanntschaft des später berühmten Musikers und Hoforganisten Paul Hofhaimer aus Radstadt im Salzburger Land, der einst als Sängerknabe in der kaiserlichen Hofkapelle angefangen hatte.48 Dieser Einfluss von Kindesbeinen an legte die Grundlage für Maximilians eigenes, lebenslanges musikalisches Engagement. Er würde sich dereinst nicht nur mit größtem Eifer der kaiserlichen Kantorei sowie der Hofkapelle widmen, sondern ebenso den berittenen Trompetern, Posaunisten und Paukenschlägern – seiner „Kriegsmusik“ –, die neben dem Einsatz im Krieg auch bei diversen kaiserlichen Auftritten und Turnieren Beachtung finden sollte.49 Neben körperlicher Ertüchtigung, schulischer Bildung und geistreicher Beschäftigung legte Friedrich III. allem Anschein nach auch allergrößten Wert auf Kenntnisse des Heranwachsenden und zukünftigen Nachfolgers in Regierungsangelegenheiten. „Wolle der Sohn ein Reich regieren, müsse er mehr wissen als Volk und Fürsten“.50 Gemäß diesem Motto weihte der Kaiser den Sohn persönlich in die Staatsge- 46 Wie Anm. 42, S. 23 47 Wie Anm. 43, S. 76-77 48 Manfred Schuler: Zur Orgelkunst am Hof Kaiser Maximilians I., in: Walter Salmen (Hrsg.): Musik und Tanz zur Zeit Kaiser Maximilian I. Innsbrucker Beiträge zur Musikwissenschaft, Bd. 15, Innsbruck 1992, S 123-124 49 Keith Polk: Patronage, Imperial Image, and the Emperor's Musical Retinue: On the Road with Maximilian I., in: Salmen (Hrsg.): Musik und Tanz, S. 79-80, 82-83 50 Zit. nach: Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 1, S. 74 Kindheit und Jugend Maximilians 16 schäfte ein. Zudem ließ es sich der Vater nicht nehmen, den Prinzen in der „Secretarikunst“ zu unterweisen und warnte ihn ausdrücklich davor, seinen Sekretären zu viel Einfluss in Regierungsangelegenheiten einzuräumen. Am allermeisten aber legte er ihm ans Herz, sich vor den Landständen in Acht zu nehmen, da diese es ausschließlich darauf abgesehen hätten, den Fürsten in seiner Macht stark einzuschränken.51 Neben einer Unterweisung des Sohnes in Staatsangelegenheiten, förderte der Vater wohl auch mit Nachdruck, dass der Thronfolger in handwerklichen Fertigkeiten Erfahrungen sammelte. Das Schmieden von Waffen, das Gießen von Geschützen, das Prägen von Münzen oder aber das Arbeiten an der Drechselbank zählte zu jenen praktischen Tätigkeiten, die der junge Erzherzog zumindest ansatzweise kennenlernen durfte. Manche dieser Betätigungen scheint Maximilian mit überaus großer Geschicklichkeit und Kompetenz ausgeübt zu haben – nachweislich vor allem das Hantieren an der Drechselbank.52 Von Kindheit an wurde Maximilian einerseits durch reinen Rationalismus, andererseits aber auch durch romantisches und frommes Gedankengut geprägt. Eine besondere Herzensangelegenheit des alten Kaisers war die Religion, also die Lehre der römisch-katholischen Kirche, die er dem Sohn persönlich näher zu bringen versuchte. Sowohl Vater, als auch Mutter gaben den Kindern ein Beispiel an gelebter Frömmigkeit. Zum Alltag des Hofes gehörten täglicher Gottesdienst, fromme Stiftungen und Wallfahrten. Friedrich vertraute ganz auf das Gottesgnadentum und sah sein Schicksal als Monarch eng mit dem Willen Gottes verknüpft.53 In der väterlichen Bibliothek hatte Maximilian reichlich Gelegenheit, sich intensiv mit Glaubensfragen auseinanderzusetzen. Rund die Hälfte der in der Hofbibliothek befindlichen Bände behandelten religiöse Themen. Auch die sogenannten schwarzen Bücher, die der Kaiser dem Sohn keinesfalls vorenthielt, erweckten dessen reges Interesse. Maximilian beschäftigte sich zeitlebens mit Alchimie, Astrologie, Mystik und allen Formen des Aberglaubens.54 So verwundert es nicht, dass die Volkssage den späteren Kaiser in Verbindung mit Doktor Faustus – 51 Hollegger: Maximilian I., S. 24-25 52 Ebd., S. 24 53 Koller: Friedrich III., S. 241-243 54 Ebd., S. 173-175 Kindheit und Jugend Maximilians 17 jener mythologischen Figur, die mit dem Teufel im Bunde steht – brachte. Sterndeuter und Wahrsager wie Josef Grünpeck, Johannes Lichtenberger oder Agrippa von Nettesheim sollten bei Maximilian stets Gehör und offene Türen finden. Aus Furcht vor kirchlichem Verbot, wagte er es nicht, wie er es nur allzu gerne getan hätte, alle diese „geheimen“ Wissenschaften in einem Buch zusammenzufassen.55 Abschließend lässt sich sagen, dass der Vater dem Sohn insbesondere den schier unerschütterlichen Glauben an die Größe, die Erwähltheit und das Sendungsbewußtsein des Hauses Habsburg vermittelt beziehungsweise vererbt hat. Maximilian selbst sah sich seit frühester Jugend durch die Gnade Gottes dazu auserkoren, seine österreichischen Erblande dereinst in vollkommen eigener Verantwortung zu regieren. Die Berufung der Habsburger zur Weltherrschaft war ihm, seiner eigenen Überzeugung nach, in die Wiege gelegt worden.56 55 Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 1, S. 78 56 Koller: Friedrich III., S. 248-250 Kindheit und Jugend Maximilians 18

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Zusammenfassung

Maximilian I., der zweite Habsburger auf dem deutschen Kaiserthron, als Nachfolger seines Vaters Friedrich III. 1459 in Wiener Neustadt geboren, 1486 in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt und in Aachen gekrönt, seit 1493 Alleinherrscher im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, 1508 zum „Erwählten Römischen Kaiser“ proklamiert – dieser Maximilian ist mit Sicherheit eine der faszinierendsten Gestalten an der Wende zur Neuzeit.

Er war Ritter und moderner Herrscher zugleich, Krieger und Visionär. Er schätzte Turniere und war stolz auf seine konkurrenzlose Artillerie, mit der er Städte und Länder eroberte. Sein politisches Streben war von Anfang an klar auf Expansion ausgelegt, sowohl mit kriegerischen Mitteln als auch durch vorausschauende Heiratspolitik.