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4. Kapitel: Empirische Erhebung zur aktiven Sterbehilfe und zur ärztlichen Suizidassistenz in:

Sabrina Steller

Ärztliche Suizidbeihilfe und aktive Sterbehilfe unter besonderer Berücksichtigung des § 217 StGB, page 301 - 344

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4244-1, ISBN online: 978-3-8288-7213-4, https://doi.org/10.5771/9783828872134-301

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Rechtswissenschaften, vol. 120

Tectum, Baden-Baden
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301 4. Kapitel: Empirische Erhebung zur aktiven Sterbehilfe und zur ärztlichen Suizidassistenz A. Bericht über die eigene Umfrage I. Einleitung Die Anregung zur Untersuchung der prinzipiellen Einstellung zur aktiven direkten Sterbehilfe und ärztlichen Suizidassistenz unter Ärztinnen und Ärzten sowie unter Patientinnen und Patienten in Schleswig - Holstein resultierte aus dem Gedanken, das Endergebnis der Arbeit nach einer umfassenden Diskussion und eigenen Meinungsbildung unter Einbeziehung ethischer Aspekte zusätzlich auf ein heterogenes Meinungsbild stützen zu können. Es stellte sich die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte, die in ihrem Arbeitsalltag täglich schwer kranke Patientinnen und Patienten behandeln, und im Vergleich dazu Patientinnen und Patienten über die ärztliche aktive Sterbehilfe / ärztliche Suizidassistenz denken, wenn sie dazu schriftlich und anonym befragt werden. del? Lehnen die praktizierenden Ärztinnen und Ärzte die ärztliche aktive Sterbehilfe genauso rigoros als nicht mit dem Berufsethos vereinbar ab, wie dies von Montgomery in der Öffentlichkeit postuliert wird? Wie stark fühlen sich die heutigen Ärztinnen und Ärzte überhaupt noch vom Berufsethos in ihrem Handeln beeinflusst? Wie viele Ärzte können sich die Ausübung aktiver Sterbehilfe durch eigene Hand vorstellen? Wie fällt die Zustimmung zur Legalisierung generell aus? Zur Klärung dieser und anderer Fragen1465 wurde eine eigene empirische Untersuchung angestellt, deren Ergebnisse im Folgenden dargestellt werden. ____________________________________ 1465 Die versandten und ausgelegten Fragebögen sind zusätzlich im Anhang abgedruckt. 302 II. Ziel der Befragung Ziel der Befragung war es zu erheben, wie ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte in der hausärztlichen Versorgung und Patientinnen und Patienten allgemeinmedizinisch oder internistisch ausgerichteter Praxen über die Legalisierung der ärztlichen aktiven direkten Sterbehilfe denken. Von entscheidender Bedeutung war dabei nicht, Details zu denkbaren Mindestanforderungen einer gesetzlichen Regelung abzufragen, sondern einzig, die innere Grundeinstellung des jeweiligen Teilnehmers als entweder grundsätzlich befürwortend oder grundsätzlich ablehnend zu erfassen. Zur Befragung wurden eigens erstellte Fragebögen an Ärztinnen und Ärzte, welche internistisch und allgemeinmedizinisch, zum Teil mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin, in Schleswig Holstein tätig sind, auf dem Postweg zur freiwilligen und anonymen Beantwortung versendet. Parallel dazu wurden in zwei allgemeinmedizinisch und internistisch ausgerichteten Arztpraxen vergleichbare und teils identische Fragebögen zur freiwilligen und anonymen Beantwortung ausgelegt. Die Auswertung der Umfrage erhebt nicht den Anspruch darauf eine repräsentative, stichprobenartig durchgeführte verallgemeinerungsfähige Umfrage zum Thema aktive direkte Sterbehilfe und ärztliche Suizidassistenz darzustellen. Es hat schon eine erhebliche Anzahl repräsentativer Umfragen1466 gegeben und wird sie anlässlich der Aktualität des Themas immer wieder erneut geben. Aktuell findet sich laut Pressemitteilung1467 der Pressestelle der DAK Gesundheit aus Hamburg eine breite Zustimmung unter den Deutschen für eine gesetzliche Regelung der Sterbehilfe. 70% der Deutschen gaben in dieser Umfrage an, dass sie im Falle einer schweren Erkrankung selbst die Möglichkeit haben möchten, zum Beispiel auf ärztliche Hilfe bei der Selbsttötung zurückgreifen zu können. Ohne die Resultate der vorliegenden Befragung vorwegzunehmen, ließ sich daraus eine Vielzahl an klaren Tendenzen ablesen. Das Ergebnis der Studien und der damit verbundene Erkenntnisgewinn sollen vorwiegend zur Überprüfung der vorangegangenen Argumentation beitragen. Die ausschlaggebende Anregung war die zum Zeitpunkt der Befragung parallel geführte Debatte des Bundestages zur ärztlichen Sterbehilfe und Sterbebegleitung, insbesondere unter Beachtung des ärztlich assistierten Suizides. ____________________________________ 1466 Umfrage der Forsa im Erhebungszeitraum: 13./14. Januar 2014, 1.005 Befragte im Auf trag des DAK zum Thema Sterbehilfe, abrufbar unter: http://www.dak.de/dak/down load/Forsa-Umfrage_zur_Sterbehilfe-1358250.pdf?; letzter Abruf am 18.03.2016. 1467 Pressemitteilung vom 16.01.2014 der DAK Gesundheit in Hamburg, abrufbar unter: http://www.dak.de/dak/download/Pressemitteilung_Umfrage_zur_Sterbehilfe- 1358240.pdf?; letzter Abruf am 18.03.2016. 303 Diese begann am 13.11.2014 und schloss mit vier verschiedenen Gesetzesvorschlägen ab, von denen letztlich die jetztige Fassung des § 217 eine Mehrheit fand. III. Methodik, Erläuterung der Vorgehensweise 1. Zielgruppe 1 Befragt wurden insgesamt 200 allgemeinmedizinisch und internistisch im ambulanten Bereich tätige Ärztinnen und Ärzte, teils mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin, im Bundesland Schleswig Holstein im Zeitraum ab Oktober 2015 bis ungefähr Ende Januar 2016. Die Rücksendung der vorgefertigten Rückumschläge sollte so einfach und zeitsparend wie möglich gestaltet werden. Zu diesem Zweck wurden die Fragebögen mit einem kurzen personenbeschreibenden Anschreiben versehen und zusammen mit einem an die Rechtsanwaltskanzlei Steller adressierten und frankierten Rückumschlag auf dem Postwege versandt. Die für die Versendung und Rücksendung verwendeten DIN A5 Briefumschläge waren gleichartig. Dies hatte zur Folge, dass sogar der Fragebogen bereits in der richtigen Form gefaltet war und sich ohne Aufwand für die Rücksendung eintüten ließ. Die Teilnahme an der Umfrage war freiwillig und die Datenerhebung anonym. Das Fehlen einer Rückschlussmöglichkeit auf die Identität der Befragten sollte die möglichst unbefangene Beantwortung der gestellten Fragen gewährleisten. An der Umfrage haben 97 Ärzte teilgenommen; die Rückläuferquote liegt bei 48,5 %. Für die Befragung wurde die quantitative Datenerhebung gewählt. Die quantitative Datenerhebung unternimmt den Versuch, den ausgewählten Gegenstandsbereich durch Klassifizieren, Messen, Tabellieren und die Anwendung statistischer Methoden zu erfassen.1468 Die erhaltenen Daten in Form der ausgefüllten Fragebögen wurden gesammelt, ausgewertet und anschließend tabellarisch mit dem Tabellenkalkulationsprogramm EXCEL erstellt und in Diagramme umgewandelt. Statistisch handelt es sich um eine einfache deskriptive, beschreibende Darstellung. Eine Totalerhebung der in Schleswig Holstein im allgemeinmedizinisch und internistischen Bereich tätigen Ärzte wäre zwar optimal und durchaus erreichbar gewesen, dies hätte aber außer Verhältnis zum Ziel und Zweck der Studie für die vorliegende Arbeit gestanden. Daher wurde für die Statistik die ____________________________________ 1468 Meier, Kriminologie, § 4 II. Rn. 5. 304 wahl an Personen oder Objekten, die stellvertretend für eine Grundgesamtheit Auskunft gibt. Von den Befragten einer Stichprobe wird auf die gesamte 1469 Bei der Auswahl der Empfänger der Fragebögen wurde darauf geachtet, möglichst flächendeckend vorzugehen, um jeden Kreis Schleswig - Holsteins abzudecken. Die zufällige Auswahl der Empfänger des Fragebogens erfolgte mit Hilfe Holstein. Auf dieser von der Ärztekammer Schleswig - Holstein geführten Internetseite wurden alle Anschriften von Mitgliedern der Ärztekammer, die mit einer Ver- öffentlichung ihrer Daten einverstanden waren, bekanntgegeben. Diesen Arztsuchservice im Internet hat die Ärztekammer zugunsten anderer Suchdienste aus ökonomischen Gründen leider mittlerweile eingestellt.1470 2. Zielgruppe 2 Zum Vergleich mit der Befragung unter Ärztinnen und Ärzten wurden Patientinnen und Patienten allgemeinmedizinscher und internistischer Praxen in Schleswig - Holstein im selben Zeitraum zum Thema aktive direkte Sterbehilfe und ärztlich assistierter Suizid anonym und freiwillig befragt. Die Patientenbefragung lief folgendermaßen ab: Es wurde ebenfalls ein Anschreiben zur kurzen Vorstellung der Person und des Ziels der Befragung erstellt. Dieses Anschreiben sowie die erstellten, zweiseitigen Fragebögen wurden zur freiwilligen Beantwortung zusammen mit einer Umfragebox in den jeweiligen Arztpraxen ausgelegt. Der dahinterstehende Gedanke war, dass die Patientinnen und Patienten die Wartezeit im Wartezimmer zur Beantwortung des Fragebogens nutzen können, so dass eine möglichst hohe Rückläuferquote erzielt wird. Im Umfragezeitraum wurden insgesamt 300 Fragebögen ausgelegt; 200 ausgefüllte Fragebögen konnten erfasst werden. Dies entspricht einer Rückläuferquote von 66,6 %. Der Fragebogen für die befragten Patientinnen und Patienten war umfangreicher und detaillierter ausgearbeitet. Dies hatte den Hintergrund, dass die Pa- ____________________________________ 1469 Abrufbar unter: http://de.statista.com/statistik/lexikon/definition/128/stichprobe/; letzter Abruf am 10.01.2018. 1470 Siehe Hinweis auf der Seite der Ärztekammer Schleswig Holstein, abrufbar unter: http://www.arztfindex.de/index.html; letzter Abruf am 13.04.2016. 305 tientinnen und Patienten mehr Zeit für die Beantwortung der Fragen zur Verfügung hatten und die Motivation zur Beantwortung auf eigenem Antrieb und Interesse an der Thematik beruht und nicht auf fremdveranlasster Aufforderung zur Ausfüllung eines zugesandten Fragebogens. Der überwiegende Teil der Fragen ist identisch formuliert, damit ein Vergleich der Ergebnisse durchgeführt werden konnte. B. Ergebnisse der Befragung 1. Allgemeines a) Der Fragebogen In Teil I des Fragebogens wurden das Alter der Teilnehmer sowie deren religi- öse Einstellung abgefragt. Damit sollte untersucht werden, ob ein Zusammenhang zwischen dem Glauben einer Person und der Ablehnung der aktiven Sterbehilfe bestehen könnte. In Teil II des Fragebogens wurden Fragen zur inneren Einstellung der Patienten zur ärztlichen aktiven Sterbehilfe und in Abgrenzung dazu zur ärztlichen Suizidbeihilfe gestellt. Dabei wurden im Patientenfragebogen zusätzlich verschiedene Leidenssituationen des Patienten aufgegriffen, verbunden mit einer anschließenden Fragestellung. Absicht dieser Befragung war es zu erforschen, ob der Befragte nach der Leidenssituation des die aktive Sterbehilfe Verlangenden hinsichtlich seiner inneren Einstellung differenziert. Die Fragen wurden so formuliert, dass es den Befragten nur möglich war, anzukreuzen. Eine Freitextantwortmöglichkeit wurde nur bei Frage 6 des Patientenbogens gewählt sowie im Arztfragebogen bei Frage 3 hinsichtlich der Stärke des Einflusses des ärztlichen Berufsethos auf das ärztliche Handeln. Hier konnte auf einer Skala von 1-6 mit einer Zahl geantwortet werden. b) Zwischenfazit Insgesamt konnte eine positive Resonanz auf die Befragung festgestellt werden. Die ärztliche aktive direkte Sterbehilfe ist ein kontrovers diskutiertes Thema, welches zum Teil bewegte Emotionen bei den befragten Patienten her- 306 vorgerufen hat. Bei persönlicher Leerung der Umfrageboxen konnten anregende Gespräche, insbesondere mit den Mitarbeitern der Arztpraxen, geführt werden, zum Teil fanden sich handschriftliche Anmerkungen auf den ausgefüllten Fragebögen. Für einige Teilnehmer hätte der Fragebogen noch ausführlicher und umfangreicher sein dürfen. Manche Teilnehmer hätten sich gerne noch Fragen zur passiven Sterbehilfe gestellt, ältere Teilnehmer teilten mit, dass sie gerne noch gefragt worden wären, ob sie früher anderes geantwortet hätten als heute. Andere hatten Probleme mit der juristischen Unterscheidung zwischen aktivem Handeln einerseits und dem Unterlassen andererseits, da zur Erläuterung auf den Fragebögen mitgeteilt wurde, dass das Abstellen des Gerätes eine aktive Handlung sei, die jedoch der passiven Sterbehilfe zuzuordnen sei. Die Thematik der Sterbehilfe bewegt die menschlichen Emotionen; nicht zuletzt bietet sie deswegen ein weitgespanntes kontroverses Diskussionspotenzial. Um jedoch einer Ausuferung entgegenzuwirken und das Ziel der vorliegenden Befragung nicht aus den Augen zu verlieren, wurde der jeweilige Fragebogen auf dreizehn Fragen begrenzt. Zu viele Fragen hätten dazu geführt, dass sich kaum ein Arzt und Patient noch Zeit für die Beantwortung genommen hätte. Ein zu langer Fragebogen wirkt abschreckend. Anzumerken ist ebenfalls noch, dass im Rahmen der Ärztebefragung statt eines ausgefüllten Fragebogens zwei Antwortbriefe zurückgesendet worden sind, die natürlich nicht ausgewertet werden konnten, jedoch zeigten, dass die aktive Sterbehilfe auch für Ärzte ein besonders bewegendes Thema ist. 2. Erläuterung zur Darstellung der Ergebnisse Es folgt die Darstellung der Ergebnisse der Auswertung der Fragebögen im Einzelnen. Dazu wird jede einzelne gestellte Frage darauf untersucht, was mit ihrer Fragestellung erforscht werden sollte, welche Antwortmöglichkeiten zur Verfügung standen, warum bei einigen Fragen eine Altersdifferenzierung vorgenommen wurde. Zudem erfolgt die graphische Darstellung des statistischen Ergebnisses. Die Prozentzahlen sind der Übersichtlichkeit halber gerundet und ohne Nachkommastelle abgebildet. Zunächst findet eine Auswertung der Daten der stichprobenartigen Befragung der Ärzteschaft statt. Anschließend erfolgt die Auswertung und Darstellung der Daten der Patientenbefragung. Abschließend werden die Ergebnisse der Befragungen miteinander verglichen und zur Diskussion gestellt. 307 3. Die Ergebnisse der befragten Ärztinnen und Ärzte Die Erläuterung folgt dem Aufbau des versandten Fragebogens in der Reihenfolge der Fragen. a) 1. Frage: Daten zur Person aa) Fragestellung Die Teilnehmer wurden zunächst um die Angabe ihres Alters gebeten. Dies hatte den Zweck, bei einigen Fragen und deren Antworten nach Altersgruppen differenzieren zu können. Es sollte dadurch die Möglichkeit geschaffen werden festzustellen, ob ein altersbedingter Unterschied in der subjektiven Einstellung der Teilnehmer vorhanden ist. Die Teilnehmer wurden in drei Altersgruppen eingeteilt. Die erste Altersgruppe betrifft die jungen Ärztinnen und Ärzte zwischen 30 50 Jahren, jüngere Teilnehmer waren nicht vorhanden. In die zweite Altersgruppe fallen Ärztinnen und Ärzte mittleren Berufsalters von 51-60 Jahren und in die dritte und letzte Gruppe wurden Teilnehmer ab 61 Jahren mit fortgeschrittener Berufserfahrung eingeordnet. bb) Auswertung Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass jede Altersgruppe annähernd gleich stark vertreten ist. Dadurch lässt sich eine gute Vergleichbarkeit erreichen. Auf die erste Altersgruppe entfällt ein Anteil von 31 %, auf die zweite ein Anteil von 35 % und auf die letzte ein Anteil von 34%. Am stärksten vertreten ist also die Gruppe mittleren Berufsalters. 308 b) 2. Frage: Sind Sie gläubig und beeinflusst dies Ihre Entscheidungen? aa) Fragestellung Die Frage zielte auf die Erfassung der religiösen inneren Haltung des Teilnehmers und deren Einflussnahme auf zu treffende Entscheidungen ab. bb) Auswertung In der Entwurfsversion des Fragebogens war dies eine zweigeteilte Frage, und zwar: Sind Sie gläubig? Beeinflusst dies Ihre Entscheidungen? Dies wurde jedoch auf Anraten in die nunmehr gestellte einteilige Frage geändert, da es für das Ziel der Studie nicht relevant sei, ob der Teilnehmer sich selbst als gläubig einschätze. Als ausschlaggebend wurde stattdessen angesehen, ob sich der Glaube des Teilnehmers auf dessen Entscheidungen auswirkt. Diese Änderung auf Empfehlung hat sich im Nachhinein als nachteilig herausgestellt. In mehr als der Hälfte der ausgefüllten Fragebögen (überwiegend beim Patientenfragebogen) wurde angemerkt, dass der Teilnehmer gläubig sei, dass dieses jedoch keinen Einfluss auf seine Entscheidungen nehme. Diese Anmerkungen zeigen, dass es den Teilnehmern wichtig gewesen wäre klarzustellen, dass sie durchaus gläubig seien, dass dies aber keinen Einfluss ihre Entscheidungen nehme. Im Ergebnis wurde die Frage - zum Teil mit Anmerkung - von allen beantwortet. Die Verteilung des Ergebnisses war unabhängig von den verschiedenen Altersgruppen jeweils ähnlich. In jeder Altersgruppe hat wortet. 309 In der ersten Altersgruppe beantworteten 57 % der Teilnehmer die gestellte , in der zweiten Altersgruppe 63 % und in der dritten Altersgruppe 61%. 43 % der ersten Altersgruppe lassen sich dagegen von ihrem Glauben bei Entscheidungen beeinflussen; 38 % in der zweiten und 39 % in der dritten Altersgruppe. c) 3. Frage: Beeinflusst das ärztliche Berufsethos Ihr Handeln? 310 aa) Fragestellung Die gestellte Frage zielte darauf ab zu erfahren, wie stark sich die befragte Ärzteschaft vom Berufsethos beeinflusst fühlt. Die Stärke der Beeinflussung sollte - vergleichbar mit dem System der Schulnoten als Zahl angegeben werden. Das ärztliche Berufsethos wird immer wieder in öffentlichen Diskussionen als Argument gegen die Legalisierung der ärztlichen aktiven direkten Sterbehilfe angeführt. Der Präsident der Bundesärztekammer, Montgomery, betont kontinuierlich, dass ärztliche aktive direkte Sterbehilfe als strafbare Tötung auf Verlangen rigoros abzulehnen sei.1471 In einem mit Zeit online geführten Interview am 21.01.2014 gab er aus Anlass der Veröffentlichung von Umfrageergebnissen1472 zur aktiven direkten Sterbeh s ist nicht [menschen]würdig, weggespritzt zu werden. Würde ist nicht die schnelle Exekution, sondern sein Leben zu Ende zu leben, denn das Sterben ist immanenter Teil des Le- 1473 Ihn überrasche das Ergebnis der Umfrage nicht, da dahinter der Wunsch stehe, sich möglichst viel Entscheidungsfreiheit über den eigenen Tod zu bewahren. Nach Angaben von Montgomery soll der Todeswunsch bei den meisten todkranken Patienten nach 24 Stunden vollkommen verschwunden sein, wenn man ihnen die Angst vor dem Sterben und die Schmerzen genommen habe, ____________________________________ 1471 Angaben gegenüber Zeit Online vom 21.01.2014; abrufbar unter: http://www.zeit.de/po litik/deutschland/2014-01/Sterbehilfe-Reaktionen; letzter Abruf am 18.03.2016. 1472 Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov im Auftrag von Zeit online vom 21.01.2014, abrufbar unter: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/Sterbe hilfe-YouGov-Umfrage#comments; letzter Abruf am: 10.01.2018. 1473 Angaben gegenüber Zeit Online vom 21.01.2014; abrufbar unter: http://www.zeit.de/po litik/deutschland/2014-01/Sterbehilfe-Reaktionen; letzter Abruf am 18.03.2016. 311 was man bei fast allen Patienten könne. Montgomery verwies dazu auf § 16 Musterberufsordnung aus 2015.1474 bb) Auswertung Für die Beantwortung der Frage wurden die Teilnehmer in drei Altersgruppen unterteilt, die zuvor bereits dargestellt worden sind. Die Einteilung verfolgte den Zweck festzustellen, ob und welche Unterschiede sich bei der Beantwortung der Frage zwischen den Altersgruppen ergeben. Denn kaum eine Berufsgruppe ist durch das berufsspezifische Ethos in ihrem Handeln und ihren Entscheidungen so starkt geprägt und gebunden wie die Ärzteschaft. Gerade im Rahmen der Sterbehilfediskussion gewinnt das ärztliche Ethos an besonderer Bedeutung. Festzustellen ist, dass zwischen den einzelnen Altersgruppen in der Verteilung keine markanten Unterschiede bestehen. In der Berufsgruppe der jungen Ärzte sind knapp die Hälfte der Befragten, 46 %, sehr stark (Note 1) von dem Berufsethos beeinflusst. Die Note 2 vergaben 18 %, 3 und 4 jeweils 14 %, sehr wenig bis gar nicht (Note 5 und 6) vergaben nur 4 %. Die jungen Ärzte fühlen sich folglich sehr stark bis mittelmäßig vom Berufsethos beeinflusst. In der zweiten Altersgruppe, den Ärzten im mittleren Berufsalter, fällt die Beurteilung nicht mehr ganz so eindeutig aus. Die Note 1 für sehr stark vergaben 31 %, die Note 2: 34 %, mittelmäßig beeinflusst fühlen sich noch 16 %, die Note 4 6 für wenig bis gar nicht beeinflusst vergaben 6 %. In der dritten Altersgruppe fällt die Verteilung ähnlich aus, jedoch ist ein geringer Anstieg in der Notengruppe wenig bis gar nicht zu verzeichnen. Mit Note 1 antworteten nur noch 19 %, mit Note 2 noch 35 %, mit 3: 19 %, Note 4: 6 %, Note 5 und 6 immerhin jeweils 10 %. cc) Vergleich der Altersgruppen untereinander Der Vergleich der Altersgruppen untereinander zeigt, dass die jungen Ärzte sich insgesamt stark am Berufsethos des Arztes orientieren und sich davon beeinflussen lassen. Die Beeinflussung nimmt mit steigendem Berufsalter tendenziell ab. In der ersten Altersgruppe waren es noch 46 % die mit 1 antworteten, in der zweiten Altersgruppe immerhin noch 31 %. Ein deutlicher Abstieg ist jedoch in der ____________________________________ 1474 Musterberufsordnung der in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte in der Fassung des Beschlusses des 118. Deutschen Ärztetages 2015; http://www.bundesaerztekam mer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/MBO/MBO_02.07.2015.pdf; letz ter Abruf am 18.03.2016. 312 dritten Altersgruppe zu erkennen. Dort votierten noch 19 % der Befragten mit 1. Die Beeinflussung durch das ärztliche Ethos nimmt generell nur wenig ab, die Note 5 und 6 erfuhr nur in der dritten Altersgruppe einen marginalen Anstieg von 6 % auf 10%, was in Relation gesehen immer noch einen geringen Anteil der Befragten ausmacht. In der ersten Altersgruppe waren es nur 4 % der Befragten, in der zweiten 6 %. Die mittlere Beeinflussung ist in allen drei Altersgruppen verhältnismäßig ähnlich. d) 4. Frage: Sind Sie persönlich schon ernsthaft um aktive Beendigung des Lebens gebeten worden? aa) Fragestellung Die Frage zielte darauf ab, in Erfahrung zu bringen, ob der Teilnehmer bereits in seinem Berufsalltag mit der Bitte oder dem Wunsch nach aktiver Beendigung des Lebens konfrontiert worden ist. Persönliche Erfahrungen mit einer solchen Lebenssituation können zu einer anderen Beantwortung der Fragestellung führen. bb) Auswertung Die prozentuale Verteilung fällt auch hier in den jeweiligen Altersgruppen relativ ähnlich aus. Markant ist jedoch, dass in jeder Altersgruppe mehr als die Hälfte bis ¾ aktiver Beendigung des Lebens schon an einen großen Teil der Befragten herangetragen worden ist. Diesen Wunsch als Einzelfallerscheinung zu deklarieren, fällt nach diesem Ergebnis schwer. gruppe 69 %, in der dritten 74 % der Befragten. 313 Der prozentuale Anstieg beruht vermutlich auf dem fortschreitenden Berufsalter und der zunehmenden Zahl der im Berufsleben behandelten Patienten. e) 5. Frage: Sind Sie persönlich schon um die Beihilfe zu einem Suizid z.B. durch Medikamentenüberlassung gebeten worden? aa) Fragestellung In Ergänzung und zur Abgrenzung, insbesondere vor dem Kontext der politischen Diskussion, wurden Fragen zum ärztlich assistierten Suizid aufgenommen. bb) Auswertung Vorliegend stellt sich das Ergebnis etwas anders dar als zuvor bei der Frage nach der aktiven Beendigung des Lebens. In der ersten Altersgruppe antworteten mit Ja 43 %, in der zweiten 41 %, in der dritten dagegen 71 %. Die erste und zweite Altersgruppe sind ähnlich verteilt: Jeweils die Mehrheit beantwor- In der dritten Altersgruppe waren es dage- Es zeigt sich, dass der Wunsch nach aktiver Beendigung des Lebens häufiger an den Arzt herangetragen wird als der Wunsch nach einem ärztlich begleiteten Suizid. Die Gründe dafür lassen sich nur vermuten. 314 f) 6. Frage: Haben Sie persönlich schon einmal Suizidbeihilfe durch Medikamentenüberlassung geleistet? aa) Fragestellung Die gestellte Frage ist eine heikle Frage, die möglicherweise trotz der Anonymität dazu verlockt, nicht wahrheitsgemäß beantwortet zu werden. Dies basiert jedoch nur auf eigener Einschätzung, keinesfalls ließen sich hierzu Hinweise finden. bb) Auswertung Die Auswertung der gestellten Frage ist sehr aussagekräftig. So lässt sich ein prozentualer Anstieg verzeichnen, je älter der Teilnehmer ist. In der ersten Altersgruppe derjenigen, die sich auch nach eigenen Angaben entsprechend stark vom ärztlichen Berufsethos beeinflusst fühlen, wurde die nehmer gaben an, bis dato keine ärztliche Suizidbeihilfe geleistet zu haben. In der zweiten Altersgruppe waren es noch 97 % der Befragten, welche mit nur noch 74 %. Auch hier hätte sich eine weiterführende Befragung dahingehend angeboten, worin die befragten Teilnehmer die Ursache die Veränderung mit zunehmendem Berufsalter sehen. Vermutlich und zunächst naheliegend offerierte sich einer Ärztin oder einem jungen Arzt mit geringem Berufsalter noch nicht die Situation, um Medikamentenüberlassung für einen Suizid gebeten zu werden. Einige Patienten, die diesen Wunsch in sich tragen, hegen möglicherweise auch eine gewisse Scheu, diesen Wunsch an einen jungen Arzt heranzutragen. 315 g) 7. Frage: In den Grundsätzen der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung wird darauf hingewiesen, dass die Beihilfe zu einem Suizid keine ärztliche Aufgabe sei. Stimmen Sie diesem zu? aa) Fragestellung Die Frage nimmt Bezug auf die Klausel zum Thema Sterbehilfe in der Musterberufsordnung (MBO) der deutschen Ärzteschaft.1475 In der ärztlichen MBO ist seit 2015 ein Verbot der Beihilfe zum Suizid statuiert. Mit der Frage sollte eruiert werden, ob die Einstellung der praktisch tätigen Ärzte im Bereich der Allgemein und Palliativmedizin konform zur Festlegung in der MBO ist. bb) Auswertung Die Auswertung der gestellten Frage fällt zumindest für die erste Altersgruppe - anders als zu Beginn der Untersuchung erwartet aus. Denn die erste Altersgruppe gab an, sich stark vom ärztlichen Ethos beeinflusst zu fühlen. Dennoch geben immerhin 39 % der befragten Ärztinnen und Ärzte an, dass sie dieser Aussage nicht zustimmen und damit ärztliche Suizidbeihilfe für vorstellbar halten. In der zweiten Altersgruppe sind es 38 %, in der dritten Altersgruppe sogar 52 %, also die knappe Mehrheit der Befragten. Eine Ursache für ____________________________________ 1475 Musterberufsordnung der in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte in der Fassung des Beschlusses des 118. Deutschen Ärztetages 2015; http://www.bundesaerztekam mer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/MBO/MBO_02.07.2015.pdf; letz ter Abruf am 18.03.2016. 316 das Ergebnis könnte die im schnellen Lesen schnell misszuverstehende Formulierung der Frage sein. Die Frage wurde jedoch - bezugnehmend auf die Formulierung in der Berufsordnung bewusst so gestellt. h) 8. Frage: Finden Sie, dass jeder Arzt frei und unabhängig von der Berufsordnung entscheiden sollen dürfte, ob er Beihilfe zu ei nem Suizid eines Menschen leisten möchte? aa) Fragestellung Die achte Frage nimmt erneut Bezug auf die zuvor angesprochene MBO der deutschen Ärzteschaft. Zwar ist die Suizidbeihilfe dem Arzt nicht nach dem deutschen Strafrecht versagt, aber die MBO untersagt den Ärztinnen und Ärzten die Suizidbeihilfe. Infolgedessen sind berufsrechtliche Sanktionen möglich. Die Teilnehmer wurden dazu befragt, ob sie für eine freie Entscheidungsmöglichkeit des Arztes hinsichtlich der Beihilfe zum Suizid plädieren. bb) Auswertung Die Frage wurde relativ ausgeglichen beantwortet. Es gibt kein eindeutiges Pro- oder Contra- Ergebnis. In der ersten Altersgruppe sind 43 % der Befragten für die freie Entscheidungsmöglichkeit des Arztes, 57 % dagegen. In der zweiten Altersgruppe beantworten die Frage mit Ja 63 %, mit Nein 38 %. In der dritten Altersgruppe hält sich das Verhältnis ungefähr die Waage. Mit 52 % ist die knappe Mehrheit gegen die freie Entscheidungsmöglichkeit, ob ein Arzt Suizidbeihilfe leisten darf. 317 i) 9. Frage: Sehen Sie ein reales Bedürfnis hinsichtlich der Ausübung aktiver Sterbehilfe? aa) Fragestellung Die gestellte Frage versuchte zu eruieren, ob der Teilnehmer der Ansicht ist, dass überhaupt eine Notwendigkeit zur Ausübung aktiver direkter Sterbehilfe in der Praxis besteht. Diese Frage ist insbesondere deswegen interessant, weil häufig in der Sterbehilfeliteratur das Argument vertreten wird, dass es bei Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung kein praktisches Bedürfnis für die Ausübung aktiver direkter Sterbehilfe mehr gäbe. bb) Auswertung Die Auswertung der gegebenen Antworten zeigt jedoch, dass in jeder Altersgruppe der höchste prozentuale geben ist. Altersgruppen liegt der Anteil bei maximal 10 %. In der dritten Altersgruppe ist der Anteil mit 10% am höchsten, in der ersten Altersgruppe mit 4 % am niedrigsten. Die zweite Altersgruppe votierte Besonders interessant ist, dass die knappe Mehrheit der befragten Ärztinnen und Ärzte dennoch ein reales Bedürfnis nach aktiver direkter Sterbehilfe sehen, jedoch beschränkt auf den Einzelfall. Die Verteilung sieht wie folgt aus: in der ersten Altersgruppe liegt der prozentuale Anteil bei 57 %, in der zweiten Altersgruppe bei 47 % und in der dritten Altersgruppe bei 55 %. ersgruppe 39 %, in der zweiten Altersgruppe 44 % und in der dritten 35 %. 318 j) 10. Frage: Halten Sie ärztliche aktive direkte Sterbehilfe für berufsethisch verwerflich? aa) Fragestellung Frage 10 nimmt erneut Bezug auf die Berufsethik. Die Frage zielte darauf ab, in Erfahrung zu bringen, ob die praktisch tätigen Ärztinnen und Ärzte die aktive direkte Sterbehilfe aus berufsethischen Gründen ablehnen und für verwerflich halten. bb) Auswertung Die Frage war mit folgenden Die prozentuale Verteilung der gegebenen Antworten sieht wie folgt aus: In der ersten Altersgruppe stimmten 43 % mit Ja; 50 % halten die aktive direkte Sterbehilfe für berufsethisch nicht verwerflich, wenn sie auf den streng geregelten Ausnahmefall beschränkt ist, 7% haben uneingeschränkt keine berufsethischen Bedenken gegen die aktive direkte Sterbehilfe. In der zweiten Altersgruppe stimmen 44 % mit Ja, 50 % haben bei dem streng geregelten Ausnahmefall keine Bedenken berufsethischer Art und 6 % stimmten mit Nein. In der dritten Altersgruppe hegen 32 % berufsethische Bedenken, 65 % haben keine Bedenken im Ausnahmefall und nur 3 % stimmen uneingeschränkt mit Nein. Die Auswertung zeigt, dass knapp die Hälfte bis 2/3 der befragten 319 Ärzte im Ausnahmefall keine berufsethischen Bedenken hinsichtlich der Aus- übung aktiver direkter Sterbehilfe haben. Die erste und zweite Altersgruppe bewertet die Frage ähnlich, die dritte Altersgruppe ist erneut liberaler hinsichtlich der Ausübung ärztlicher aktiver Sterbehilfe eingestellt. Das Ergebnis verdeutlicht die These, dass mit steigendem Berufsalter des Befragten die Ablehnung der ärztlichen aktiven Sterbehilfe sinkt. Insgesamt überraschte das Ergebnis. k) 11. Frage: Wären Sie für oder gegen eine Legalisierung der aktiven direkten Sterbehilfe? aa) Fragestellung Diese Frage ist die bedeutungsvollste des Fragebogens. Sie fragt gezielt nach der Legalisierung der aktiven direkten Sterbehilfe, auch in Deutschland. Bei der häufigen Abänderung und Kürzung des Fragebogens hat sich bei dieser Frage eine sprachliche Ungenauigkeit eingeschlichen. Die Frage zeigt zwei Alsgegeben. Dies führte im Ergebnis jedoch dazu, dass sich alle Teilnehmer mit dieser Frage näher auseinandersetzen und diese gewissenhaft lasen und beantworteten. Es lässt sich festhalten, dass die sprachliche Fehlformulierung keine negativen Auswirkungen auf das Ergebnis der Befragung hatte. Denn die aufgeworfene Alternativmöglichkeit in der Frage wurde durch Umkreisen bzw. Unterstreichen mit der jeweiligen Antwortmöglichkeit kombiniert. Teilweise wurde sogar eine Anmerkung bzw. Klarstellung dazu geschrieben. 320 bb) Auswertung Auch bei dieser Frage gab es wieder drei mögliche Antworten: das uneinge- 0% sind für die Legalisierung im streng geregelten Einzelfall und 39% sind gegen eine Legalisierung (Nein). Trotz des starken berufsethischen Einflusses spricht sich über die Hälfte der Befragten (61%) für die Legalisierung aus. In der zweiten Altersgruppe sind für eine Legalisierung 6%, 44% für die Legalisierung auf den strengen Einzelfall begrenzt und 50% sind gegen die Legalisierung. Insgesamt lässt sich in dieser Altersgruppe feststellen, dass die Hälfte der Befragten für die Legalisierung der aktiven direkten Sterbehilfe stimmt. In der dritten und bislang am liberalsten eingestellten Altersgruppe sind 32 % für eine uneingeschränkte Legalisierung, 65 % für die auf den Einzelfall begrenzte Legalisierung, nur 3 % sind dagegen. Diese Altersgruppe hält an der bisherigen liberalen Haltung fest und stimmt mit 97% für die Legalisierung der aktiven direkten Sterbehilfe in Deutschland. Damit zeigt sich, dass insbesondere die Ärztinnen und Ärzte der fortgeschrittenen Berufsaltersgruppe (ab 61J.) für die Legalisierung sind. Hier bestätigt sich erneut, dass mit steigendem Lebens und Berufsalter Ärztinnen und Ärzte immer freier in ihrer Grundhaltung zur aktiven direkten Sterbehilfe sind. Eine Prägung der inneren Einstellung älterer Teilnehmer durch die Taten des Nationalsozialsmus erscheint daher vorliegend als unwahrscheinlich. l) 12. Frage: Können Sie sich vorstellen, selbst aktive Sterbehilfe zu leisten, wenn diese legal und straflos wäre? 321 aa) Fragestellung Diese Frage sollte eruieren, wie viele Ärztinnen und Ärzte sich selbst vorstellen könnten, aktive direkte Sterbehilfe zu leisten. bb) Auswertung In der ersten Altersgruppe konnte sich niemand uneingeschränkt vorstellen, selbst aktive direkte Sterbehilfe zu leisten. 39 % wären jedoch im Einzelfall dazu bereit, für 61 % kommt dies jedoch nicht in Frage. In der zweiten Altersgruppe könnten sich immerhin 6 % vorstellen, selbst aktive direkte Sterbehilfe auszuüben, 41 % im Einzelfall und 53 % gar nicht. In der dritten Altersgruppe sind ebenfalls nur 6 % für die unbegrenzte aktive Sterbehilfe, 48 % würden dies im Einzelfall tun, 45 % könnten sich dies nicht vorstellen. m) 13. Frage: Im Strafrecht wird hinsichtlich der Strafbarkeit des Arztes zwischen aktivem Handeln einerseits und Unterlassen andererseits unterschieden. Als Beispiel: Ein Arzt, welcher seinen Patienten sterben lässt (z.B. durch Abstellen von Geräten), handelt straflos. Ein Arzt, welcher aktiv das Leben seines Patienten beendet, begeht eine grundsätzlich strafbare Tötung auf Verlangen. a) Halten Sie diese Unterscheidung hinsichtlich der Strafbarkeit des Arztes für gerecht? 322 b) Sollte diese Differenzierung hinsichtlich der Strafbarkeit des Arztes aufgehoben werden? aa) Fragestellungen Die beiden letzten Fragen des Fragebogens nehmen abschließend Bezug auf die Strafbarkeit des Arztes. In der Fragestellung selbst findet zum besseren Verständnis eine sehr kurze Erläuterung der rechtlichen Sachlage statt. bb) Auswertung Die erste Alternative der Fragestellung fragt danach, ob diese Differenzierung nach der Handlungsweise für gerecht gehalten wird. Damit sollte das Gerechtigkeitsempfinden des Befragten angesprochen werden. Die zweite Alternative nimmt in der Folge darauf Bezug, ob diese Differenzierung nach der Handlungsweise hinsichtlich der strafrechtlichen Folgen aufgehoben werden sollte. Dies wird zum Teil im Rahmen der Diskussion um die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe von den Befürwortern gefordert. cc) Ergebnis Abb.: 13a) In der ersten Altersgruppe halten diese Differenzierung 68% für gerecht; 32 % dagegen nicht. In der zweiten Altersgruppe sehen 66 % dies als gerecht an und demensprechend 34 % als nicht gerecht. In der dritten Altersgruppe halten 52 % diese Differenzierung für gerecht, 48 % für nicht gerecht. 323 dd) Ergebnis Abb. 13b) Diese Frage geht einen Schritt weiter und fragt danach, ob diese Differenzierung nach der Handlungsweise für die Strafbarkeit aufgehoben werden sollte. In der ersten Altersgruppe sind 39 % für und 61% gegen die Aufhebung. In der zweiten Altersgruppe sind 34 % für die Aufhebung und 66 % für die Beibehaltung. In der dritten Altersgruppe wollen 52 % diese Differenzierung aufgehoben wissen, 48 % möchten daran festhalten. 4. Die Ergebnisse der Erhebung der zur aktiven direkten Sterbehilfe befragten Patientinnen und Patienten Im Folgenden wird der Fragebogen für Patientinnen und Patienten ausführlich vorgestellt. Die Fragen sind überwiegend zwecks Vergleichbarkeit der zwei Typen von Fragebögen gleich gestellt. Die errechneten Prozentzahlen sind gerundet und beziehen sich immer auf die Gesamtheit der 200 befragten Teilnehmer. Bei einigen Antworten wurde zusätzlich nach Altersgruppen unterschieden. Hier sollte untersucht werden, ob die jüngere Generation die Frage prozentual anders beantwortet als die ältere Generation. a) 1. Frage: Der Anteil der Altersgruppen der Teilnehmer: 0-17 Jahre 2% 18-29 Jahre 10% 30-50 Jahre 31%51-69 Jahre 39% 70 und älter 18% ANTEIL DER 200 TEILNEHMER IN DEN 5 ALTERSGRUPPEN 324 Die 200 Teilnehmer der Befragung wurden in fünf Altersgruppen aufgeteilt: 1. Altersgruppe: 0- 17 Jahre, Minderjährige 2. Altersgruppe: 18-29 Jahre, junge Erwachsene 3. Altersgruppe: 30 50 Jahre, Erwachsene mittleren Alters 4. Altersgruppe: 50 69 Jahre, Erwachsene fortgeschrittenen, mittleren Alters 5. Altersgruppe: 70 Jahre und älter, Senioren Die Darstellung zeigt den prozentualen Anteil der Teilnehmer der jeweiligen Altersgruppe. Der Anteil der Teilnehmer der ersten Altersgruppe beträgt 2%, in der zweiten Altersgruppe liegt der Anteil bei 10%, in der dritten Altersgruppe beträgt er 32 %, in der vierten 39 % und in der fünften Altersgruppe 18%. Ziel der Aufteilung der Befragten in Altersgruppen war es festzustellen, ob Unterschiede hinsichtlich der inneren Einstellung in Abhängigkeit vom Alter bestehen. Auf diesen Aspekt wird, wo eine solche Auswertung der Antwort anhand der Altersgruppen vorgenommen wurde, jeweils gesondert eingegangen. b) 2. Frage: Sind Sie gläubig und beeinflusst dies Ihre Entscheidungen? 325 aa) Zur Fragestellung Die Fragestellung beabsichtigte festzustellen, ob der Glaube des Befragten einen Einfluss, gleich welcher Stärke, auf im Leben zu treffende Entscheidungen nimmt. Hinsichtlich der Formulierung dieser Frage gilt das oben Gesagte zu dieser Frage des Arztfragebogens entsprechend. bb) Auswertung Die gestellte Frage war mit Ja oder Nein zu beantworten. Im Rahmen der Auswertung der gegebenen Antworten wurden die Teilnehmer bei der vorliegenden Fragestellung in fünf Altersgruppen unterteilt. In der ersten Altersgruppe (0-17J.) geben alle (100%) Teilnehmer an, dass der Glaube keinen Einfluss auf ihre Entscheidungen nehme. In der zweiten Altersgruppe (18-29 J.) ist dies bei 89% der Teilnehmer der Fall, bei den restlichen 11% der Befragten nimmt der Glaube Einfluss auf ihre Entscheidungen. Die dritte (30-50 J.) und fünfte (70 +) Altersgruppe verhalten sich beide identisch: 85% haben die gestellte Frage mit Nein beantwortet, 15 % mit Ja, in der vierten Gruppe haben 27% der Befragten mit Ja und 73 % mit Nein geantwortet. Insgesamt nimmt der Glaube unabhängig vom Alter - keinen herausragenden Einfluss auf zu treffende Entscheidungen. c) 3. Frage: Sind Sie Mitglied in einer Religionsgemeinschaft? aa) Zur Fragestellung Gefragt wurde nach der Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft. Wurde die Frage bejaht, so sollte angegeben werden, in welcher. 326 bb) Auswertung 62 % der Teilnehmer gaben an, kein Mitglied in einer Religionsgemeinschaft zu sein. 26 % sind Mitglied in der evangelisch-lutherischen Gemeinschaft, 6% in der katholischen. Ein Teilnehmer (1%) ist Buddhist. 5 % haben zu der Frage keine Angaben gemacht. d) 4. Frage: Sind Sie im Besitz einer individualisierten, schriftlichen Patientenverfügung? aa) Zur Fragestellung Die vierte Frage beabsichtigte zu erfahren, wie viele der Teilnehmer sich schon bei der Anfertigung einer Patientenverfügung mit medizinischen Behandlungsoptionen, deren Möglichkeiten und Grenzen für den Fall von Krankheit oder sonstiger fehlender Einwilligungsfähigkeit auseinandergesetzt haben. bb) Auswertung Bei der Auswertung der Frage stellte sich heraus, dass 61% der befragten Teilnehmer nicht im Besitz einer individualisierten, schriftlichen Patientenverfügung sind. Dieses Ergebnis war so nicht erwartet worden, da eine Patientenverfügung in Zeiten der zunehmenden Verrechtlichung der Medizin, insbesondere auch zur Gewährleistung des eigenen Selbstbestimmungsrechtes im Falle von Krankheit oder generell am Lebensende, an Bedeutung gewinnt. 327 e) 5. Frage: Sollte der ärztlich unterstützte Suizid Ihrer Meinung nach gesetzlich geregelt werden? aa) Zur Fragestellung Diese Fragestellung bezog sich auf die subjektive Einstellung des Befragten, und zwar zum ärztlich unterstützten Suizid. Dabei zielte die Frage darauf ab, die allgemeine Grundhaltung als positiv oder negativ im Hinblick auf den ärztlich unterstützten Suizid festzustellen. bb) Auswertung Das Ergebnis der Frage ist relativ eindeutig: 95 % der Teilnehmer geben an, dass ihrer Meinung nach der ärztlich unterstützte Suizid gesetzlich geregelt werden sollte. 328 f) 6. Frage: Nach den Grundsätzen der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung ist die Unterstützung des Arztes beim Suizid keine ärztliche Aufgabe. Stimmen Sie diesem zu? aa) Fragestellung Diese Frage ist vollumfänglich identisch mit der Frage 7 des Arztfragebogens. bb) Auswertung Die Auswertung zeigt, dass 88 % der befragten Teilnehmer der Ansicht sind, dass die Suizidbeihilfe durchaus auch zu den ärztlichen Aufgaben gehöre. Lediglich 12% gehen mit der Bundesärztekammer konform und stimmen nicht zu. g) Frage 6a: Ergänzung bei JA, stimme zu: Ja, stimme zu 12%Nein, ist ärztliche Aufgabe 88% 329 aa) Fragestellung Die vorstehende Abbildung präsentiert als Einzige der Umfrage eine qualitative Datenerhebung. Teilnehmer, welche die Frage 6 antwortet haben, sollten angeben, aus welchem Grund bzw. welchen Gründen sie der Meinung sind, dass der ärztlich assistierte Suizid keine ärztliche Aufgabe sei. Zu beantworten war im Vorwege, ob die Ablehnung aus berufsethischen Gründen erfolgt. Den Teilnehmern wurde zudem ermöglicht, im Freitext weitere Gründe anzugeben. bb) Auswertung 36 % der Teilnehmer geben an, dass die fehlende Zustimmung aus berufsethitz dazu geben 57 % an, dass die Ablehnung aus anderen Gründen erfolgt. h) 7. Frage: Die Unterstützung beim Suizid ist dem Arzt untersagt. Sollte jeder Arzt frei nach seinem Gewissen entscheiden dürfen, ob er Suizidbeihilfe leisten möchte? aa) Zur Fragestellung Diese Frage ist identisch mit der Frage 8 des Arztfragebogens. 330 bb) Auswertung Die Auswertung der gestellten Frage zeigt, dass 85 % der Teilnehmer dafür plädieren, dass Ärztinnen und Ärzte frei und ohne die restriktiven Vorgaben in der Berufsordnung entscheiden können sollen, ob sie Suizidbeihilfe aus eigener ethischer und sittlicher Gewissensüberzeugung leisten möchten. Die Ärztin bzw. der Arzt sollen nach Meinung der Teilnehmer nach ihrer eigenen, persönlichen Einschätzung und Vorstellung für sich abwägen dürfen, ob sie durch z.B. Medikamentenüberlassung bei einem Suizid assistieren möchten. Dies widerspricht den derzeit strengen Vorgaben der Berufsordnung der Bundesärztekammer, die jede Form der Suizidbeihilfe ablehnt. Zudem hat sich durch das Inkrafttreten des § 217 auch die strafrechtliche Rechtslage verändert. Eine Suizidassistenz ist nunmehr allenfalls noch im ersten Einzelfall möglich. Das Interview mit einem allgemeinmedizinisch und palliativmedizinisch tätigen Arzt hat überdies gezeigt, dass wegen der bestehenden Rechtsunsicherheit in Bezug auf § 217 für viele Ärzte selbst die erste Suizidassistenz ausgeschlossen sein wird. i) 8. Frage: Wenn ein dem Arzt vertrauter, unheilbar kranker Patient mit starken Schmerzen seinen Wunsch nach einem ärztlich unterstützten Suizid äußert, wären Sie dann für einen ärztlich assistierten Suizid? aa) Fragestellung Diese Frage konkretisiert die Konstitution des Patienten. Die Frage beinhaltet konkretisierungsbedürftige Begrifflichkeiten wie die Formulierung der starken Schmerzen. 331 bb) Auswertung Das Ergebnis der Frage ist offenkundig und bedarf keiner weiteren Erläuterung: 97 % der befragten Teilnehmer befürworten in der geschilderten Situation einen ärztlich assistierten Suizid. j) 9. Frage: Stellen Sie sich bitte folgende Situationen vor: Ein unheilbar erkrankter, dem Tod nah stehender und dem Arzt vertrauter Patient: äußert dem Arzt gegenüber den ernsthaften und länger anhaltnden Wunsch nach aktiver Beendigung seines Lebens durch Gabe eines todbringenden Medikamentes. Wären Sie für oder gegen eine Befolgung seines Willens? aa) Fragestellung Die erste Variante der Frage 9 knüpft wie Frage 8 an die Krankheitssituation des Patienten an. Die folgenden zwei Varianten sollen abfragen, für welche Lebens bzw. Krankheitssituation des Patienten der Teilnehmer sowohl aktive direkte Sterbehilfe als auch den ärztlich assistierten Suizid für einen gangbaren Lösungsweg hält oder ablehnt. Wichtig war dabei, dass die aktive Sterbehilfe stets nur auf ausdrücklichen und anhaltenden Wunsch des Patienten in Betracht zu ziehen ist. Dabei wird zum 332 einen an das Selbstbestimmungsrecht des Patienten angeknüpft, zum anderen soll damit eindeutig eine Abgrenzung zum Missbrauch getroffen werden. bb) Auswertung Das Ergebnis der Frage zeigt, dass nur 2 % der Teilnehmer aktive direkte Sterbehilfe für den vorgestellten Patienten ablehnen. 98 % befürworten daher die Möglichkeit der aktiven direkten Sterbehilfe. Eine derart breite Zustimmung ist ebenfalls nicht erwartet worden, offenbart jedoch, dass die individuelle Selbstbestimmung ex ante für den Krankheitsfall einen besonderen Stellenwert einnimmt. ist nicht mehr fähig, seinen Willen zu äußern, hat aber in seiner Patientenverfügung festgelegt, dass er in dieser konkreten Lebens situation aktive Sterbehilfe wünsche. Wären Sie für oder gegen die Befolgung seines Willens nach aktiver Beendigung des Lebens? aa) Fragestellung Diese Abwandlung betrifft Patienten, die nicht mehr in der Lage zur freien Artikulation ihres gegenwärtigen Willens sind, aber zu einem früheren Zeitpunkt die Ausübung der aktiven direkten Sterbehilfe für diese Lebenssituation in einer Patientenverfügung festgelegt haben. Eine Patientenverfügung dient der Regelung der medizinischen Behandlungswünsche für den Fall der eigenen Einwilligungsunfähigkeit. Hierbei wird auf verschiedene Lebens- und Krankheitssituationen Bezug genommen. 333 bb) Auswertung Die Auswertung der vorstehenden Frage zeigt eindeutig, dass 96 % der Befragten auch für die Ausübung aktiver direkter Sterbehilfe sind, wenn dies von einem nunmehr artikulations-und einwilligungsunfähigen Patienten in einer Patientenverfügung bestimmt worden ist. Dies zeigt, dass auch das schriftlich zu einem früheren Zeitpunkt als in der gegenwärtigen Krankheitssituation ausge- übte Selbstbestimmungsrecht des Patienten Beachtung finden soll. Dies untermauert die These von Wilhelm, der dem in einer möglicherweise Jahre zuvor erstellten Patientenverfügung deklarierten Sterbewunsch die gleiche Wertigkeit beimisst wie einem in der gegenwärtigen Krankheitssituation gebildeten Sterbewillen. Das Risiko, dass sich dieser Wille möglicherweise in der Zwischenzeit geändert haben könnte, wird anscheinend von den Befragten in Kauf genommen oder es war den befragten Teilnehmern nicht bewusst. Eine tiefergehende Befragung der Teilnehmer hätte sich hier vorliegend erneut angeboten. 9c) ...ist nicht mehr handlungs-und bewegungsfähig, leidet nicht not wendig an unerträglichen Schmerzen, ist aber auf Grund anderer Krankheitserscheinungen einem unerträglichen Leidenszustand ausgesetzt (z.B. Atemnot) und äußert den ernsthaften und langan haltenden Wunsch aa) Teil 1: nach aktiver Beendigung seines Lebens durch Verabreichung todbringender Medikamente. Wären Sie für oder gegen die Befolgung seines Willens? 334 aa) Fragestellung Die letzte Abwandlung der Frage 9 differenziert zwischen der aktiven direkten Sterbehilfe und dem ärztlich assistierten Suizid. Es erschien bei dieser Fragestellung wichtig, in Erfahrung zu bringen, ob die Teilnehmer unter Zugrundelegung der zuvor dargestellten Ausgangssituation deutlich zwischen der aktiven direkten Sterbehilfe einerseits und dem ärztlich assistierten Suizid andererseits differenzieren. In dieser Abwandlung wird ein Patient vorgestellt, der auf der einen Seite nicht mehr handlungs- und bewegungsfähig ist, aber andererseits nicht notwendig an unerträglichen Schmerzen, sondern auf Grund anderer Krankheitssymptome (beispielhaft an Dyspnoe) leidet. Die Handlungsund Bewegungsunfähigkeit soll Patienten mit einbeziehen, die zu einem Suizid nicht mehr ohne fremde Hilfe körperlich in der Lage sind. Damit wird auf Patienten (beispielsweise Querschnittsgelähmte oder an ALS, COPD, MS erkrankte Menschen) Bezug genommen, die sich nicht in unmittelbarer Todesnähe befinden, sondern chronisch erkrankt sind und - je nach Verlauf der Erkrankung - unter Umständen noch eine längere Lebenserwartung haben. bb) Auswertung Das Ergebnis ist ebenfalls eindeutig. Trotz der markanten Unterschiede der geschilderten Situationen zueinander sind 94% für die aktive direkte Sterbehilfe, wenn dies der Wille des Patienten ist. Unerträglicher Schmerz beziehungsweise die Gesamtkrankheitssituation scheint daher nicht ausschlaggebend zu sein für die Befürwortung der aktiven direkten Sterbehilfe. Oberste Priorität genießen wiederum die Patientenautonomie und das Selbstbestimmungsrecht. 335 b) Teil 2: nach einem ärztlich unterstützten Suizid. Wären Sie für oder gegen die Befolgung seines Willens? aa) Fragestellung Diese Frage nimmt Bezug auf dieselbe Ausgangssituation des Patienten, jedoch wünscht sich dieser nun den ärztlich begleiteten Suizid. bb) Auswertung Die Auswertung zeigt, dass die Teilnehmer nicht zwischen der aktiven direkten Sterbehilfe und dem ärztlich assistierten Suizid differenzieren. Auch hier sind 94 % für die Befolgung des Patientenwillens. Diese Auswertung verdeutlicht erneut, welchen hohen Stellenwert das Selbstbestimmungsrecht des Menschen genießt. 336 k) 10. Frage: Im Strafrecht wird hinsichtlich der Strafbarkeit des Arztes zwischen aktivem Handeln einerseits und Unter lassen andererseits unterschieden. Als Beispiel: Ein Arzt, welcher seinen Patienten sterben lässt (z.B. durch Abstellen von Geräten), handelt straflos. Ein Arzt, welcher aktiv das Leben seines Patienten beendet, beginge eine strafbare Tötung auf Verlangen. a) Halten Sie diese Unterscheidung für die Strafbarkeit des Arztes für gerecht? aa) Fragestellung Diese Frage nimmt Bezug auf die rechtliche Bewertung der juristischen Einteilung in Begehen und Unterlassen, welche im Rahmen der Sterbehilfeproblematik zur Differenzierung zwischen aktiver direkter und passiver Sterbehilfe führt. Sie verdeutlicht den Teilnehmern den Unterschied zwischen aktivem Handeln einerseits und Unterlassen andererseits als Handlungsmodalitäten, die im Rahmen der Sterbehilfeproblematik unterschiedliche Rechtsfolgen nach sich ziehen. Zur Veranschaulichung und zum besseren Verständnis wurde ein Kurzbeispiel eingefügt. bb) Auswertung Im Rahmen der Auswertung wurde zur Ermittlung von Bewertungsunterschieden bewusst in Altersgruppen unterteilt. Das Ergebnis zeigt jedoch, dass keine 337 markanten Unterschiede zwischen den Altersgruppen vorhanden sind. In jeder Altersgruppe empfindet die deutliche Mehrheit eine Strafbarkeit des Arztes als nicht gerecht. In der ersten Altersgruppe sind es 75%, in der zweiten sogar 94 %, in der dritten 92 %, in der vierten 89 % und in der fünften Altersgruppe 82 %. b) Sollte diese Differenzierung hinsichtlich der Strafbarkeit aufgehoben werden? aa) Fragestellung In Anknüpfung an die vorherige Frage wurde als Alternative danach gefragt, ob diese Einteilung für die Strafbarkeit des Arztes nach Meinung der Studienteilnehmer aufgehoben werden sollte. bb) Auswertung Die auch hier vorgenommene Differenzierung nach dem Alter zeigt ebenfalls keine markanten Meinungsdifferenzen zwischen Jung und Alt. Die Mehrheit plädiert für die Abschaffung dieser Einteilung hinsichtlich der Strafbarkeit des Arztes. In der ersten Altersgruppe sind alle Teilnehmer für die Aufhebung, in der zweiten Altersgruppe sind es 89 %, in der dritten 93 % und in der vierten 97%. In der Gruppe der Senioren stimmten 88 % für die Aufhebung. 338 l) 11. Frage: Halten Sie ärztliche aktive Sterbehilfe (Gabe todbringender Medikamente) für moralisch verwerflich? aa) Fragestellung Frage 11 nimmt Bezug auf die Moralvorstellungen der Teilnehmer und beabsichtigt, die ethische Einstellung zur aktiven direkten Sterbehilfe abzubilden. Ethische, insbesondere medizinethische, Grundsätze bilden die unverzichtbare Basis der Sterbehilfediskussion. bb) Wahlantworten Die Frage konnte mit drei verschiedenen Antwortmöglichkeiten beantwortet werden: das uneingeschr sowie vermittelnd die Begrenzung auf den Einzelfall cc) Auswertung In der Auswertung zeigt sich, dass nahezu alle Teilnehmer, gleichgültig welchen Alters, die aktive direkte Sterbehilfe für moralisch nicht verwerflich halmaßgeblich zwischen den Altersgruppen. 339 Zu den Ergebnissen im Einzelnen: In der ersten Altersgruppe, den Minderjährigen, halten 75 % die aktive Sterbehilfe im Einzelfall für nicht moralisch verwerflich, 25 % sehen keine Eingestimmt. In der Teilnehmer angekreuzt. In der dritten Altersgruppe stimmen 3 % für Ja, 42 % für die Einzelfallmöglichkeit, 55 % für das uneingeschränkte Nein. Die vierte Altersgruppe votierte ähnlich: Auch hier stimmen 3 % für Ja, 40 % für den Einzelfall und die Mehrheit mit 57% für Nein. m) 12. Sehen Sie ein reales Bedürfnis hinsichtlich der Ausübung ärztlicher aktiver Sterbehilfe? aa) Fragestellung Frage 12 erkundet, ob der Teilnehmer, fernab von den theoretischen Möglichkeiten, auch ein praktisches, real existierendes Bedürfnis nach Ausübung der aktiven direkten Sterbehilfe sieht. Denn dies zählt ebenfalls zu den zu berücksichtigenden Aspekten in der Sterbehilfediskussion. 340 bb) Antwortmöglichkeiten Die möglichen Antworten entsprechen denen der Frage 11. cc) Auswertung Die Auswertung ist ebenfalls vergleichbar mit der Auswertung zu Frage 11. Nur ein geringer prozentualer Anteil der Teilnehmer, gleichgültig welcher Altersgruppe, sieht kein reales Bedürfnis für die Ausübung der aktiven direkten Sterbehilfe. Die Beschränkung auf den Einzelfall und das uneingeschränkte Ja pendeln mehr oder weniger stark um die Mitte, mit Ausnahme der ersten Altersgruppe. Dort stimmten 75 % für den Einzelfall und 25 % für das bedingungslose Ja. In der zweiten Altersgruppe sehen 5 % kein reales Bedürfnis, 48% im Einzelfall und 47 % generell ein reales Bedürfnis. In der dritten Altersgruppe sehen 3 % kein Bedürfnis, 47 % im Einzelfall und 50% ein uneingeschränktes Bedürfnis. Die vierte Altersgruppe beantwortet die Frage wie folgt: 59 % stimmen sich auf den Einzelfall und 5 % sehen kein Bedürfr Senioren verhält sich ähnlich: 3 % stimmten für Nein, 45 % für das Einzelfallbedürfnis und 52 % für unbedingten Bedarf. n) 12. Frage: In den Niederlanden ist die aktive direkte Sterbehilfe erlaubt. Sollte die aktive Sterbehilfe auch in Deutschland gesetzlich erlaubt werden? 341 aa) Fragestellung Die Frage unterrichtet den Teilnehmer zunächst darüber, dass in den Niederlanden die aktive Sterbehilfe gesetzlich erlaubt ist. Anschließend wird der Teilnehmer danach gefragt, ob er auch für eine Legalisierung in Deutschland ist. Die Frage konnte mit vier Antwortmöglichkeiten beantwortet werden. Die erste Antwortmöglichkeit ist das uneingeschränkte Ja, die zweite befürwortet die Legalisierung nur im Einzelfall. Schließlich war die Frage noch mit Nein oder mit Enthaltung zu beantworten. bb) Auswertung Im Rahmen der Auswertung der Antworten wurde erneut nach Altersgruppen unterschieden. Zunächst zeigte sich, dass sich insgesamt nur wenige Teilnehmer ausdrücklich gegen eine Legalisierung aussprachen. In der ersten Altersgruppe beantworteten 25 % die Frage m den Einzelfall. In dieser Altersgruppe votierte niemand mit Nein, Enthaltungen gab es ebenfalls keine. Damit ergab sich ein Konsens für die Legalisierung der aktiven direkten Sterbehilfe. In der zweiten Altersgruppe stimmen 53% mit Auch in dieser Altersgruppe stimmte niemand gegen die Legalisierung oder enthielt sich. Damit befürwortet in dieser Altersgruppe jeder Teilnehmer die Legalisierung. In der dritten Altersgruppe enthalten s sich die Legalisierung für den Einzelfall. 1 % gibt an, dazu keine Meinung zu 30 % stimmen für die Einzelfalllegalisierung und 6 % enthalten sich. Jeweils lässt sich eindeutig eine hohe Zustimmung für die Legalisierung unter den Teilnehmern feststellen. Prozentual enthalten sich mehr Teilnehmer, als das sie mit einem bedingungs . Des Weiteren sind in der ältesten Altersgruppe mehr als die Hälfte der Teilnehmer uneingeschränkt für die aktive Sterbehilfe, knapp 1/3 stimmen für die Einzelfalllegalisierung. Am stärksten sprechen sich die Menschen mittleren bis fortgeschrittenen Alters (Altersgruppe 4) mit 74 % für die uneingeschränkte Legalisierung aus. In der ältesten Altersgruppe (Altersgruppe 5 der 70 Jährigen und älter) plädiert mit immerhin 64 % noch ein großer Anteil der Teilnehmer für die uneingeschränkte Legalisierung. Mit steigendem Alter der Teilnehmer nehmen diese, jedenfalls nach der hiesigen Statistik, keine ablehnendere Haltung zur Legalisierung ein als die jüngeren Teilnehmer. 342 5. Zusammenfassung und Gesamtbetrachtung der Studienergebnisse Die ermittelten Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Wertungen und Thesen erheben wie erwähnt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und Repräsentanz. Sie dienen vornehmlich dazu aktuelle Meinungstrends bei der Diskussion zur aktiven Sterbehilfe und ärztlichen Suizidassistenz im abgefragten Zeitraum in Schleswig Holstein aufzuzeigen. Bei der Befragung hat sich gezeigt, dass die Ablehnung der ärztlichen aktiven direkten Sterbehilfe unter den befragten Ärztinnen und Ärzten nicht so eminent ausgefallen ist wie zunächst angenommen. Ungefähr die Hälfte der Teilnehmer der ärztlichen Sterbehilfestudie spricht sich für die ärztliche aktive Sterbehilfe aus und nehmen eine positive Grundhaltung zu ihr ein. Viele Teilnehmer (ungefähr 1/3) gehen sogar so weit, dass sie generell bereit wären, selbst aktive direkte Sterbehilfe am Patienten zu leisten. Dies hat sehr überrascht. Dass die befragte Ärzteschaft in Schleswig Holstein nach eigenem Bekunden stark vom ärztlichen Berufsethos geprägt ist, erstaunte vor diesem Kontext ebenfalls. Dies ist als positiv zu bewerten, da die Ausführungen gezeigt haben, dass die Medizin eine traditionsreiche Wissenschaft ist und sich nicht nur in der Bewältigung medizinischer Aufgaben erschöpft, sondern auch ethischen Fragenstellungen ausgesetzt ist. Gerade die jüngeren, noch unerfahrenen Ärzte fühlen sich vom ärztlichen Ethos sehr stark beeinflusst. Dies zeugt von einem starken Idealismus in jungen Jahren, welcher jedoch, und dies hat die Befragung auch offenbart, mit zunehmendem Lebensalter abnimmt. Die Gründe dafür können nur vermutet werden. Entweder nimmt der starke Idealismus mit der Dauer der Berufsausübung ab oder der Arzt ernüchtert auf Grund der beruflichen Umstände. Zu berücksichtigen ist ferner, dass die befragte Teilnehmergruppe aus Ärzten bestand, die in der Allgemeinmedizin (partiell mit Zusatzbezeichnung Palliativmedizin) tätig sind. Als Fazit ist festzuhalten, dass knapp die Hälfte der Teilnehmer im Einzelfall die aktive direkte Sterbehilfe als berufsethisch nicht verwerflich empfinden und ebenso viele eine Legalisierung befürworten. Die Patientenstudie zeigte sogar ein noch deutlicheres Ergebnis. Es lässt sich mutmaßen, dass die praktizierenden Ärztinnen und Ärzte, aktive direkte Sterbehilfe als nicht zwangsläufig unvereinbar mit ihrem ärztlichen Habitus, insbesondere dem nil nocere – bonum facere, ansehen. Immerhin wäre sogar knapp die Hälfte der Teilnehmer bereit, im Einzelfall selbst aktive Sterbehilfe zu leisten. Gleichwohl sehen die meisten Teilnehmer kein praktisches Bedürfnis nach aktiver Sterbehilfe. Im Hinblick auf die ärztliche Suizidassistenz hat sich gezeigt, dass über die Hälfte der Teilnehmer für eine freie Gewissensentscheidung des Arztes plä- 343 diert. Dennoch wird sie von der Mehrheit nicht als ärztliche Aufgabe anerkannt. Dies zeigt, dass sich Ärzte grundsätzlich eine freie Gewissensbetätigung wünschen, ihnen jedoch bewusst zu sein scheint, dass die Suizidassistenz nicht zu den ärztlichen Aufgaben zählt und daher eher der Sparte des seltenen Einzelfalls zuzuordnen ist. Das Ergebnis der parallel durchgeführten Patientenstudie überraschte nicht wirklich. Insgesamt votierten die Teilnehmer der Patientenstudie deutlich zustimmender, die Ärzteschaft verhielt sich erwartungsgemäß zurückhaltender. Dies ist nicht verwunderlich, sind es doch die Ärzte, die sich stets im Spannungsfeld zwischen Patientenautonomie, ärztlicher Verantwortung und Heilauftrag befinden. Die Patienten sind dagegen stark von dem Wunsch nach Selbstbestimmung geprägt. Schließlich betreffen diese Fragen in erster Linie auch das eigene Denken und das eigene Leben der teilnehmenden Patienten. Sie sind nicht diejenigen, die von außen versuchen hineinzublicken, sondern diejenigen, die sich drinnen befinden. Viele Teilnehmer der Patientenstudie sehen ein Bedürfnis nach Ausübung der aktiven direkten Sterbehilfe im Einzelfall und wünschen sich folgerichtig auch die Legalisierung für streng geregelte Einzelfälle. Vor der Untersuchung war erwartet worden, dass gerade die älteren Teilnehmer auf Grund der Ereignisse aus der Zeit des Nationalsozialismus eine eher ablehnende Haltung gegenüber der aktiven Sterbehilfe einnehmen könnten. Dies hat sich jedoch nicht bestätigt. Ob junge Sorglosigkeit im Umgang mit dem Tod oder stetig näher rückende Todesnähe, beides scheint keinen Einfluss auf die Zustimmung zur Legalisierung der aktiven direkten Sterbehilfe zu nehmen. Zudem zeigen sich zwischen den Altersgruppen insgesamt keine signifikanten Unterschiede. Die Vermutung, dass sich eher die jüngeren Teilnehmer für eine Legalisierung aussprechen als die älteren Teilnehmer, hat sich damit ebenfalls nicht bestätigt. Die Antworten zum Themenkomplex des ärztlich assistierten Suizides zeigen keine signifikanten Unterschiede in der Bewertung im Vergleich zu den Antworten zur aktiven direkten Sterbehilfe. Zumeist waren die Ergebnisse weitgehend ähnlich. Überwiegend gehört aus Sicht der Patienten die Suizidbeihilfe zu den ärztlichen Aufgaben und sollte legalisiert werden. Der Arzt sollte daher aus Patientensicht eine freie Gewissensentscheidung über die Möglichkeit der Leistung ärztlicher Suizidbeihilfe treffen dürfen, statt von Vorgaben der ärztlichen Berufsordnung in seinem Handeln reglementiert zu sein. 344 Die mehrheitliche Zahl der Teilnehmer der Patientenstudie differenziert nicht zwischen der Leidens-und Krankheitssituation des Patienten im Hinblick auf die aktive direkte Sterbehilfe oder die ärztliche Suizidassistenz. Aus Patientensicht erfährt sowohl die aktive direkte Sterbehilfe als auch die Suizidbeihilfe eine breite Zustimmung wie die eindeutigen Ergebnisse der Befragungen hinsichtlich beider differenter Patientensituationen zeigen. Dies erscheint unter der Prämisse des Selbstbestimmungsrechts absolut konsequent. Logischerweise empfindet auch die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer der Patientenstudie die strafrechtliche Einteilung in die Handlungsmodalitäten aktiv und passiv sowie deren unterschiedliche Rechtsfolgen als nicht gerecht und kassationsbedürftig. Die Ärzte votierten bei dieser Frage dagegen zurückhaltender. Dort spricht sich die Mehrheit gegen die Aufhebung aus, diese Einteilung wird nicht als sehr ungerecht empfunden. Die Frage nach der Legalisierung der aktiven direkten Sterbehilfe in Deutschland fand ein eindeutiges Ergebnis. Die Mehrzahl der Teilnehmer der Patientenstudie stimmte für die Legalisierung, wenn auch vornehmlich für den Einzelfall. Altersbedingte markante Unterschiede waren nicht festzustellen. Im Gegensatz dazu votierten die Ärzte zurückhaltender, dennoch war das Resultat homogen verteilt und aussagekräftig. Eine deutliche Ablehnung gegen die Legalisierung hat sich gleichfalls nicht ergeben. Die Mehrheit der Ärzte kann sich, insbesondere für den Einzelfall, durchaus eine partielle Legalisierung vorstellen. Zwar erheben die vorigen Darstellungen nicht den Anspruch auf repräsentative Relevanz, gleichwohl lässt sich ihnen ein gewisses Meinungsbild entnehmen und eine Tendenz ablesen. Die Ergebnisse der Studie tragen zumindest im Hinblick auf die Suizidassistenz das präferierte Endergebnis der Arbeit, da deutlich wurde, dass ärztliche Suizidbeihilfe Ausdruck des Selbstbestimmungsrechtes des Patienten ist, eine solche Hilfe im Einzelfall durchaus moralisch gerechtfertigt sein kann und auch Sicht der befragten Ärzte nicht zwingend im Widerspruch zum Berufsethos steht. Damit zählt sie zwar nicht zu den ärztlichen Aufgaben, aber ihre Legitimierung würde dem Arzt die Möglichkeit eröffnen, eigenverantwortlich eine freie Gewissensentscheidung über die Leistung von Suizidassistenz treffen zu können.

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Zusammenfassung

Kaum eine juristische Thematik beschäftigt die Menschen so sehr wie die ärztliche Sterbehilfe. Sie interessengerecht gesetzlich zu regeln ist daher fortwährend ein gesamtgesellschaftliches Bestreben. Dabei sollte das Gesetz zum einen das pluralistische Meinungsbild der Gesellschaft widerspiegeln, zum anderen die verfassungsrechtlichen Grundsätze wie den Bestimmtheitsgrundsatz wahren. Dieser legislativen Herausforderung hat sich der Gesetzgeber im Jahr 2015 gestellt, indem er ein neues Gesetz, die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung gemäß § 217 StGB, beschlossen hat.

Sabrina Steller hat sich eingehend mit den verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Bestimmtheit eines Gesetzes auseinandergesetzt und diese in Bezug auf § 217 StGB untersucht. Im Zuge dessen ist ein abändernder Vorschlag zur Neufassung des Tatbestandes des § 217 Abs. 1 StGB entstanden. Eine empirische Erhebung zur Thematik unter Ärzten und Patienten, ein Blick auf die Medizinethik der Sterbehilfe sowie das niederländische Sterbehilfegesetz schließen die Thematik ab.