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Roland Mierzwa

Künstlerische, philosophische und theologische Archäologie zum "religionslosen Christentum" nach Dietrich Bonhoeffer, page I - XI

Namen, die was sagen

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4279-3, ISBN online: 978-3-8288-7186-1, https://doi.org/10.5771/9783828871861-I

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Philosophie, vol. 34

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
WISSENSCHAFTLICHE BEITRÄGE AUS DEM TECTUM VERLAG Reihe Philosophie WISSENSCHAFTLICHE BEITRÄGE AUS DEM TECTUM VERLAG Reihe Philosophie Band 34 Roland Mierzwa Künstlerische, philosophische und theologische Archäologie zum „religionslosen Christentum“ nach Dietrich Bonhoeffer Namen, die was sagen Tectum Verlag Roland Mierzwa Künstlerische, philosophische und theologische Archäologie zum „religionslosen Christentum" nach Dietrich Bonhoeffer. Namen, die was sagen Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Reihe: Philosophie; Bd. 34 © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2018 E-Book: 978-3-8288-7186-1 ISSN: 1861-6844 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4279-3 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlaggestaltung: Tectum Verlag, unter Verwendung des Bildes #270972149 von takiwa | shutterstock.com Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Einleitung Dietrich Bonhoeffer hat mit seiner „Formel“ des „religionslosen Christentum“ einen Gedankenimpuls geliefert, den man nach meiner Einschätzung weiterverfolgen sollte, wenn man Ausschau halten will nach einem zukunftsfähigen Christentum. Eine Studie des Buches gräbt daher zunächst einmal die Wurzeln dieses Gedankenganges von Dietrich Bonhoeffer gründlich aus. Aber es wird das bonhoeffer´sche „religionslose Christentum“ weiter gedacht und bei Impulsen in der Philosophie, Kunst und Theologie nach qualitativen Aussagen gesucht, die dazu beitragen können, diesem Gedankengang mehr Farbe zu verleihen und einem/einer „religionslosen Christen/Christin“ ein Antlitz zu schenken. So wäre es von großer Bedeutung für ein „religionsloses Christentum“, wenn dieses radikal emphatisch wird. Philosophische Impulse liefern Shaftesbury, Schopenhauer und Todorov und einen künstlerischen Impuls Jan Koblasa. Arthur Schopenhauer wird noch einmal gelesen und so ein „warmes“ sprich emphatisches Mitleidsverständnis entdeckt. Tzvetan Todorov problematisiert eine ambivalente Dimension der Empathie, macht aber mit der Entdeckung des Blickes als Anfang von Anerkennungserfahrungen einen wesentlichen Ausgangspunkt für ein emphatisches Verhalten aus. Und die Skulptur „Lamento Hiob“ von Jan Koblasa ist aus purer Empathie für die Klage aus einem menschlichen Leid heraus entstanden – vielleicht dem eines suizidal verfassten Menschen, wie es sich in Hiob 3 zeigt? „Religionsloses Christentum“ wird die Reich-Gottes-Verkündigung sehr stark beachten müssen, wenn zu seinem Selbstverständnis das „Dasein-für-Andere“ gehört. Deswegen wird noch einmal der historische Jesus und seine Reich-Gottes-Verkündigung befragt, aber auch mit Martin Luther King, ein origineller Botschafter der Gegenwart der Reich-Gottes-Theologie, dargestellt. Entscheidend ist, dass das Reich-Gottes in Kämpfen und Wehen kommt und dass die Adressaten des Reich-Gottes diejenigen sind, die sich nicht mehr umdrehen, V wenn sie mal die Hand an den Pflug gelegt haben. Das Eingehen in das Reich-Gottes wird den Armen, Witwen, Zöllnern, Prostituierten usw. verkündet. Die scheinbar gut Situierten, die Ehrwürdigen und Etablierten scheinen hier leer auszugehen. „Religionsloses Christentum“ wird also anders „soziologisch“ zusammengesetzt sein, als bisherige Gemeinden. Unter den „anonymen Christen“, ein Gedankenspiel von Karl Rahner, wird man ebenfalls Bürger des „religionslosen Christentum“ finden – siehe aber auch bei Ausführungen von Shaftesbury. Diese „anonymen Christen“ praktizieren Nächstenliebe ganz praktisch ohne einer großen Religion anzugehören, reagieren allergisch auf das Einfordern einer dogmatischen Glaubenstreue und einem Buchstabenglauben. „Zeichen gelebter Solidarität und Barmherzigkeit“ gilt es zu setzen und nicht über einen theistischen-trinitarischen Gott zu reden, sich durch das Reden zum „Gottesbesitzer“ zu machen. Ihr „Glauben“ steht in Relationen der Barmherzigkeit, Zärtlichkeit, Empathie, Gerechtigkeit und Für-Sorge. Der Gedanke der „rettenden Liebe“ von J.H. Wichern kann, wenn er einen „Aufklärungsprozess“ durchgemacht hat, ein „strukturelles“ Moment für sich entdeckte, dem „Mit-einander“ beim Aufhelfen eine moderne Gestalt gibt, das „dazwischen-Gehen“ für sich entdeckte, für die Gegenwart fruchtbar gemacht werden, um zum Beispiel die „Verzweiflung“, die beim Prekariat oft anzutreffen ist, bekämpfen zu können. „Religionslose Christen“, wenn sie in einem solchen Sinne die „rettende Liebe“ praktizieren, können dann eine echt Not wendende Tätigkeit hinsichtlich des Prekariats an den Tag legen. „Religionslose Christen“ leben im Sinne von Erich Fromms Gedankenvorschlag orientiert an einer Haltung des „Seins“, allerdings ergänzt um eine „christliche“ Haltung, die den „Gotteskomplex“ (vergl. H.E. Richter) überwunden hat und das „Sterblich-Leben“ für sich entdeckt hat – also nicht mehr in Ängsten vor dem Tod verhaftet ist. Erst dann ist das, was Fromm anregt, wirklich leb-bar. „Religionsloses Christentum“ wird sich darin ausdrücken, dass es die Hoffnung nicht verliert. Apokalyptik ist hier ambivalent. Es gibt eine Apokalyptik ohne Hoffnung, es gibt eine Apokalyptik verzweifelter Hoffnung und es gibt eine Apokalyptik als Hoffnung. Zu dieser Apokalyptik führt die Diskussion von Jürgen Moltmanns Ausführun- Einleitung VI gen hin. Wenn Gott den Schöpfungsentschluss einmal fasste, den Willen zum Leben äußerte, dann ist zu hoffen, dass er seiner Schöpfung treu bleibt. Darauf ist zu hoffen, das hoffen „religionslose Christen“, gänzlich frei von Angst und frei von einer vor Angst triefenden Apokalyptik. Die Tiefenbohrungen in diesem Buch versuchen diesbezüglich Aspekte zu entbergen, die tief verborgen in den verschiedenen theologischen, philosophischen und künstlerischen Entfaltungen schlummern. Es werden scheinbar nicht zu verbindende Ansätze in diesem Buch so quer gelesen, damit „Samenkörner der Wahrheit“ für das bonhoeffersche Gedankenexperiment zum „religionslosen Christentum“ fruchtbar gemacht werden können. Selbst die Kritik Enrique Dussels an einer „Herrschafts-Moral“, die zu einer Abschottung gegenüber Ansprüchen der Armen führt, kann in diesem Zusammenhang als Element eines „religionslosen Christentum“ herbeigeholt werden, weil dadurch dem „Dasein-für-Andere“ gedient wird. Wenn Shaftesbury manchmal mehr „moralischen Sensus“ bei sogenannten Atheisten ausmacht und Bonhoeffer die „kirchliche“ Religion gewissermaßen verlässt und tatsächliche Christentum außerhalb der „Salonkirche“ zu entdecken glaubt, dann wird deutlich, dass das „religionslose Christentum“ anders „soziologisch“ verfasst sein wird. Es stellt sich die Frage: Kann man es eher bei (Christlichen) Basisgemeinschaften finden, die auch non-religiöse Menschen in ihren Gemeinschaften zulassen können? Das abschließende Kapitel thematisiert Jesus Christus ganz anders, wenn es ein Jesus Christus im Horizont des „religionslosen Christentum“ sein soll. Dieser Jesus ist ein Prototyp; er ist ein Prototyp für eine Art der Liebe und der Barmherzigkeit im Zwischenmenschlichen, wodurch er transparent auf den „ge-wussten“ und „ge-glaubten“ Gott wurde. Er war als Märtyrer ein Prototyp. Aber innerhalb eines „religionslosen Christentum“ wird nicht ausgeschlossen, dass es noch einmal Söhne und Töchter Gottes in der Geschichte geben wird können, die in ebenso unvergleichlicher Weise transparent auf Gott hin sind. Der Blick auf diese wird allerdings ausgeblendet durch die spezifische Erzählung des Jesus Christus der Bibel. Dezember 2018 Einleitung VII Inhaltsverzeichnis 500 Jahre Verdeckung Lateinamerikas – zwei Perspektiven. Ein Vergleich der Anliegen von Enrique Dussel und Tzvetan Todorov . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. 1 Rezeption apokalyptischer Aspekte in der Eschatologie von J. Moltmann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. 31 Lamento Hiob . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3. 55 Compassion – eine philosophische Spurensuche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4. 61 Martin Luther Kings Reich Gottes – Theologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .5. 121 Sein in der Welt – religiös . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .6. 131 Die rettende Liebe (Wichern I; Wichern II; Wichern III; Wichern IV) . . . . . . . . . .7. 149 Jesus Christus – Vergewisserungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .8. 161 Schlussteil – Gott mit und unter den Benachteiligten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .9. 175 Danksagung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10. 177 IX

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Zusammenfassung

Von Dietrich Bonhoeffer stammt der Gedanke des „religionslosen Christentums“. Die Ausführungen dazu sind allerdings fragmentarisch. Deswegen unternimmt dieses Buch künstlerische, philosophische und theologische Tiefenbohrungen bei Persönlichkeiten, um Gedankengut freizulegen, das für die inhaltliche Anreicherung des Gedankens eines „religionslosen Christentums“ von Bedeutung sein kann. Folgende Persönlichkeiten werden in Einzelstudien analysiert: Enrique Dussel, Erich Fromm, Martin Luther King, Jan Koblasa, Jesus Christus, Jürgen Moltmann, Karl Rahner, Arthur Schopenhauer, Anthony Shaftesbury, Tzvetan Todorov und Johann Hinrich Wichern.