Content

Brian Porter-Szűcs, Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus in:

Jo Harper

Polens Streit um die Erinnerung, page 75 - 92

Essays zur Illiberalität

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4231-1, ISBN online: 978-3-8288-7184-7, https://doi.org/10.5771/9783828871847-75

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Der Triumph des nationalen Kommunismus Brian Porter-Szűcs Externe Beobachter können durch die Rhetorik des aktuellen politischen Kampfs in Polen leicht verwirrt werden. Einerseits präsentiert sich die PiS als kompromissloser Gegner des Kommunismus und seines Erbes, andererseits aber beschrieben zahlreiche liberale und linke Kritiker das vergangene Jahr als Wiederauferstehung der PRL (Polska Rzeczpospolita Ludowa, Deutsch: Polnische Volksrepublik – Bezeichnung des kommunistischen Staats in den Jahren 1945-89).1 Obwohl sich diese beiden Behauptungen gegenseitig auszuschließen scheinen, sind beide teilweise zutreffend. Die Zentralität des Katholizismus im Weltbild der PiS ist offensichtlich unvereinbar mit dem unnachgiebigen Antiklerikalismus der alten PZPR (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, Deutsch: Polnische Vereinte Arbeiterpartei – der Name der kommunistischen Partei in den Jahren 1948-1990). Jarosław Kaczyńskis Glorifizierung des bewaffneten Widerstands gegen die Sowjetunion in den späten 1940er Jahren oder der Solidarność-Bewegung von 1980-81 suggeriert keine versteckten Sympathien für den Kommunismus und es ist auch kaum vorstellbar, dass sich PiS-Wähler von dem Slogan „Arbeiter der Welt, vereinigt euch!“ angesprochen fühlen. Aber direkt unter der Oberfläche dieses unleugbaren Antikom- Kapitel 4 1 Dies ist ein verbreitetes Motiv in PiS-feindlichen Polemiken. Siehe zum Beispiel Dariusz Ćwiklak, “Tydzień z wehikułem czasu,” Newsweek Polska, Nr. 2 (2016), Zugriff am 15. Juli 2016, http://www.newsweek.pl/plus/peryskop/pis-jak-pzpr-nowe-wladz e-przywoluja-ducha-prl,artykuly,376530,1,z.html; Jarek Nieten, “Czy wraz z PiS wraca komunizm?” Wiadomości24.pl (11. November 2015), Zugriff 15. Juli 2016, http://www.wiadomosci24. pl/artykul/czy_wraz_z_pis_wraca_komunizm_339919.html; “Rostowski: Rządy PiS gorsze niż komunizm,” Super Express, 25. Mai 2016, Zugriff 15. Juli 2016, http://www. se.pl/wiadomosci/polityka/rostows ki-rzady-pis-gorsze-niz-komunizm_843091.html. Links überprüft. 75 munismus hat die PiS in der Tat einen Strang der polnischen Politik mit Wurzeln in der PRL bewahrt. Das Erkennen dieses historischen Kontexts hilft nicht nur dabei, das Phänomen PiS zu verstehen, sondern wirft auch retrospektiv ein neues Licht auf die gesamte Nachkriegsära. Im vergangenen Jahrzehnt haben Wissenschaftler endlich damit begonnen, den Nebel zu lichten, der durch die Interpretation der polnischen Geschichte ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Kalten Krieges entstanden war. Dabei stellten sie die weit verbreitete Periodisierung der polnischen Nachkriegsgeschichte in Frage. Früher begann die Geschichte mit einer dunklen Ära des stalinistischen „Totalitarismus“, gefolgt von einem liberalisierenden (aber unvollständigen) „Tauwetter“ im Jahr 1956. Dies allerdings war lediglich der Transfer von der Gefriertruhe in den Kühlschrank, wie die Invasion der Tschechoslowakei, die „antizionistische“ Kampagne 1968 und das Massaker streikender Arbeiter in Danzig 1970 in aller Deutlichkeit zeigten. Die Solidarność-Bewegung erschien dann als ein Aufschrei der Frustrierten gegen die langfristig mangelnde „Freiheit“ und/oder „Unabhängigkeit“ Polens. Die Chronologie der antikommunistischen Bewegung wurde währenddessen typischerweise als schrittweiser Aufbau einer Allianz zwischen den katholischen Konservativen einerseits und den Sozialdemokraten andererseits porträtiert. Letztere Gruppe bestand hauptsächlich aus ehemaligen Unterstützern der PZPR, die nach den Ereignissen der Jahren 1968-1970 ihre Illusionen verloren hatten. Als die Solidarność aufkam, so erzählt man, wurden der alte Argwohn zwischen den rechten und linken Antikommunisten beiseitegeschoben, weil alle verstanden, dass die wirkliche Spaltung zwischen jenen verlief, die an die Demokratie glaubten, und jenen, die dies nicht taten.2 2 Eine Version dieses Narrativs findet sich in fast jeder Zusammenfassung der modernen polnischen Geschichte seit spätestens der 1980er Jahre. Siehe zum Beispiel Marian K. Dziewanowski, Poland in the Twentieth Century (New York: Columbia University Press, 1980); Andrzej Friszke, Polska: Losy państwa i narodu 1939-1989 (Warszawa: Wydawnictwo Iskry, 2007); Jakub Karpinski, Countdown: The Polish Upheavals of 1956, 1968, 1970, 1976, 1980, über. Olga Amsterdamska und Gene M. Moore (New York: Karz-Cohl, 1982); Andrzej Paczkowski, Pól wieku dziejów Polski, 1939-1989 (Warszawa: PWN, 2000); Joseph Rothschild und Nancy M. Wingfield, Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 76 Hier ist kein Platz für eine umfassende Kritik dieses konventionellen Verständnisses der modernen polnischen Geschichte, aber einige wenige wichtige Elemente dieser Geschichte sind für unser heutiges Verständnis der PiS von zentraler Bedeutung. Es wird nämlich immer klarer, dass 1) die PZPR nach 1956 nicht liberalisiert, sondern nationalisiert wurde; und 2) die Antipathie der Katholiken gegenüber dem Kommunismus tiefgehend und aufrichtig war, aber eine andere Richtung einschlug, als viele weltliche Aktivisten damals glaubten. Es ist bequem zu denken, dass der Kommunismus schrittweise, aber unaufhaltsam auseinanderbrach – vom „Totalitarismus“ der unmittelbaren Nachkriegsjahre über den (nicht komplett) reformierten Kommunismus bis hin zum totalen Zusammenbruch und zum Triumph des Liberalismus, des Konstitutionalismus, der Rechtsstaatlichkeit und der Freiheit des Einzelnen. Eine Welle wissenschaftlicher Publikationen im Laufe des vergangenen Jahrzehnts hat jedoch diese teleologische Geschichtsschreibung in Frage gestellt und die osteuropäische Geschichte in einem breiteren globalen Kontext platziert.3 Wie Andrzej Leder überzeugend argumentiert, waren die Jahre 1945-56 Return to Diversity: A Political History of East Central Europe since WWII, 4. Auflage (New York: Columbia University Press, 2007). 3 Einige dieser Herausforderungen und Neu-Kontextualisierungen beschäftigten sich besonders mit Polen; andere stellten ähnliche Fragen für andere Länder in Mittelund Osteuropa. Die gemeinsame Methode, die bei all diesen Fällen eingesetzt wurde, war die Untersuchung des Kommunismus aus Sicht bestimmter Themen oder Personengruppen, die zuvor nicht als wichtiger Teil der Geschichte angesehen wurden. Zu den wichtigsten Beispielen gehören: Kate Brown, A Biography of No Place: From Ethnic Borderland to Soviet Heartland (Cambridge: Harvard University Press, 2005); Brown, Plutopia: Nuclear Families, Atomic Cities, and the Great Soviet and American Plutonium Disasters (New York: Oxford University Press, 2015); Zsuzsa Gille, From the Cult of Waste to the Trash Heap of History: The Politics of Waste in Socialist and Postsocialist Hungary (Bloomington: Indiana University Press, 2007); Kristen Ghodsee, The Red Riviera: Gender, Tourism, and Postsocialism on the Black Sea (Durham, NC: Duke University Press, 2005); Lynne Haney, Inventing the Needy: Gender and the Politics of Welfare in Hungary (Berkeley: University of California Press, 2002); Longina Jakubowska, Patrons of History: Nobility, Capital, and Political Transitions in Poland (London: Ashgate, 2012); Małgorzata Fidelis, Women, Communism, and Industri- alization in Postwar Poland (Cambridge: Cambridge University Press, 2010); Martha Lampland, The Object of Labor: Commodification in Socialist Hungary (Chicago: The University of Chicago Press, 1995); Mary Neuburger, Balkan Smoke: Tobacco and the Making of Modern Bulgaria (Ithaca, NY: Cornell University Press, 2012). Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 77 trotz aller (vielzähliger!) Sünden der Stalinisten tatsächlich revolutionär – und zwar in dem Sinne, dass die Vektoren der Macht in Polen aus der Vorkriegszeit (und die dazugehörigen Mentalitäten) auf den Kopf gestellt und neu durchgemischt wurden.4 Es war eine dunkle Zeit für Intellektuelle, Aktivisten nichtkommunistischer Parteien, Grundbesitzer, Unternehmer und nahezu jeden Bürger mit direkten Verbindungen zum polnischen Staat der Zwischenkriegsjahre. Arbeiter und Bauern lebten kaum in dem Paradies, das die Propaganda der PZPR proklamierte, und das Leben blieb während der Aufbaujahre überaus hart. Aber Millionen Menschen sahen Chancen auf den Aufstieg, der bisher unvorstellbar war, da sich die bisherigen gesellschaftlichen Randgruppen anschickten, die leer gewordenen Plätze der Opfer des Stalinismus und (in noch größerem Umfang) Nationalsozialismus einzunehmen. Selbst geschlechterspezifische Hierarchien wurden untergraben, wenn auch nie in dem Ausmaß, wie von den Verfechtern des Kommunismus behauptet. All dies forderte überwältigende Opfer – aber die polnische Nachkriegsgeschichte ist nicht zu verstehen, wenn die stalinistische Ära ausschließlich unter dem Gesichtspunkt von Unterdrückung, Terror und Gewalt betrachtet wird. Von dieser neuen Perspektive aus erscheint das Jahr 1956 als Thermidor der polnischen Revolution – und wie das französische Original beendete es die schlimmste Gewalt und drehte einige der radikalsten gesellschaftlichen Veränderungen der vorherigen Jahre wieder zurück. Der Aufstieg von Władysław Gomułka kann deshalb nicht mehr als liberalisierendes Tauwetter betrachtet werden, sondern als Rückzug der PZPR von jedweden ernsthaften Ambitionen auf eine grundsätzliche Wandlung der polnischen Kultur und Gesellschaft.5 Selbst in den späten 1940er Jahren, als die Kommunisten in Polen die Macht an sich rissen, vertrat Gomułka eine sehr klare Version des Kommunismus. Sein Slogan damals (und später) war der „polnische Weg“ („Polska Droga”), was oft so verstanden wird, dass die Kommunisten der einzelnen Länder den am besten in den lokalen Kontext passenden Weg des Sozialismus wählen sollten. In der Tat waren seine Argumente mehr 4 Andrzej Leder, Prześniona rewolucja: Ćwiczenie z logiki historycznej (Warszawa: Krytyka Polityczna, 2014). 5 Dieses Argument stammt aus meinem Buch Poland in the Modern World: Beyond Martyrdom (London: Wiley-Blackwell, 2015), 231–57. Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 78 als nur Taktik: er stellte auch die Annahme in Frage, dass der Endpunkt der sozialistischen Entwicklung in jedem Land derselbe sein würde. Sein Weg wurde nicht „polnisch“ genannt, weil er durch Polen führte, sondern weil er nach Polen führte.6 Nach 1956 wurde die rotweiße polnische Flagge viel bekannter als die rote kommunistische Flagge, und die Staatspropaganda forcierte die Verwendung des Adjektivs „polnisch“ vor sämtlichen alten kommunistischen Begriffen (das polnische Proletariat, das polnische Volk, und vor allem der polnische Kommunismus). Noch in den vierziger Jahren wurde Gomułka von seinen Parteikameraden wegen der „nationalistischen Abweichung“ und der Verfechtung eines „nationalen Kommunismus“ anstatt des dogmatisch korrekteren Internationalismus angegriffen. Die vorsätzliche Parallele zwischen dem nationalen Kommunismus und dem Nationalsozialismus war eine Übertreibung, aber mit der gebührenden Berücksichtigung des Godwinschen Gesetzes ist dieses Label dennoch zutreffend.7 In Gomułkas Polen glorifizierte die offizielle Staatsideologie ethnisch-nationale Homogenität, ließ alte Geschichten über das (wiederholt unter Beweis gestellte) nationale Märtyrertum im Kampf um die Unabhängigkeit aufleben und fachte den Fremdenhass an (insbesondere gegen Deutsche und Juden). Ja, die PZPR erbot auch weiterhin der UdSSR die Ehre, aber die zugrunde liegende Begründung hatte sich verändert. Während die früheren Kommunisten Stalin für die Führung des weltweiten Proletariats und den Sieg über die internationale faschistische Bedrohung huldigten, verteidigte Gomułkas PZPR die Allianz mit den Sowjets als bestes Mittel zur Aufrechterhaltung der polnischen Souveränität und zur Verteidigung der nach dem Zweiten Weltkrieg neu gewonnen Gebiete gegen den deutschen Revanchis- 6 Zum Nationalismus von Gomułka siehe Marcin Zaremba, Komunizm, legitymizacja, nacjona-lizm: Nacjonalistyczna legitymizacja władzy komunistycznej w Polsce (Warszawa: Trio, 2001). Für eine vergleichende Perspektive siehe Krzysztof Tyszka, Nacjonalizm w komunizmie: Ideologia narodowa w Związku Radzieckim i Polsce Ludowej (Warszawa: Wydawnictwo IFiS PAN, 2004). 7 Das Godwinsche Gesetz besagt, dass jede Online-Diskussion, wenn sie lang genug fortgesetzt wird, immer mit einer Beschuldigung endet, jemand sei Nazi. Siehe Mike Godwin, “Meme, Counter-Meme,” Wired (Oktober 1994), Zugriff 18. Juli 2016, http://www.wired.com/1994/10/godwin-if-2. Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 79 mus.8 Die polnische Volksrepublik mag ein Arbeiterstaat gewesen sein, sie war dabei aber unbestreitbar auch ein Nationalstaat. Deshalb ist es nicht überraschend, dass einige Nationalisten – frühere Mitglieder der nationaldemokratischen Bewegung (Endecja) – in verschiedenen Funktionen in der Volksrepublik Polen mit am Steuer waren. Aber die meisten der extremen Rechten verließen entweder das Land oder zogen sich von der aktiven Politik zurück. Der Hauptgrund hierfür ist zentral: die Legitimität der PZPR wurde von der katholischen Kirche nie anerkannt. Gomułka und seine Nachfolger bagatellisierten viele der Ziele des Sozialismus, aber sie konnten den grundsätzlichen Antiklerikalismus und Szientismus des marxistischen Projekts nie vollständig über Bord werfen. Die katholischen Hierarchen hatten ihrerseits den Sozialismus so lange dämonisiert (im wortwörtlichen Sinne!), dass eine Umkehr undenkbar war. Angesichts der Bedeutung des Katholizismus für den polnischen Nationalismus des 20. Jahrhunderts war der nationale Kommunismus Gomułkas zum Scheitern verurteilt.9 Mag das Scheitern auch unvermeidbar gewesen sein, so stellt sich doch eine selten artikulierte Frage: wenn die Kirchenführung nach dem Zweiten Weltkrieg den Kommunismus also nicht akzeptierte, welche Art von sozialem, wirtschaftlichem und politischem System wollte sie dann in Polen sehen?10 Eines war sehr klar: sie wollten für Polen keine liberale kapitalistische Demokratie. In den Vereinigten Staaten wurde die katholische Kirche zu einem prominenten Akteur des Antikommunismus während des Kalten Kriegs, aber nicht allzu viele Jahre vorher hatte die Mehrheit der protestantischen Amerikaner und der 8 Es ist einfach, den Gegensatz überzubewerten, da die Stalinisten gelegentlich auch nationalistische Rhetorik nutzten. Siehe z.B. T. David Curp, A Clean Sweep? The Politics of Ethnic Cleansing in Western Poland, 1945-1960 (Rochester, NY: University of Rochester Press, 2006); Michael Fleming, Communism, Nationalism, and Ethnicity in Poland, 1944-1950 (New York: Routledge, 2010). 9 Wie ich an anderer Stelle argumentiert habe, war der Nationalismus für den polnischen Katholizisimus nicht immer von zentraler Bedeutung. Er wurde aber in den Zwischenkriegsjahren sehr wichtig (wenn nicht sogar etwas früher). Siehe Porter- Szűcs, Faith and Fatherland: Modernity, Catholicism, and Poland (New York: Oxford University Press, 2011). 10 Ich untersuche diese Frage umfangreicher in Faith and Fatherland: Modernity, Catholicism, and Poland (New York: Oxford University Press, 2011), 158–207. Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 80 katholischen Kurie in Rom die Kirche als antithetisch zur Verfassung der USA angesehen.11 Leo XIII ist für seine Kapitalismuskritik in der Enzyklika Rerum Novarum bekannt – weniger bekannt ist allerdings seine Schrift Testem benevolentiae nostrae, die den so genannten „Amerikanismus“ verurteilt. In diesem Dokument lehnte er die Behauptung ab, dass religiöser Pluralismus eine positive Sache sei, dass die Menschen in der modernen Welt ihr eigenes Gewissen und eigene Urteile über die Obrigkeitshörigkeit (insbesondere religiöser Art) stellen sollten, und vor allem dass Kirche und Staat trennbar seien. Lincolns bekannte Forderung, dass die Regierung „vom Volk, durch das Volk und für das Volk“ gestaltet werden müsse, war selbst für den vergleichsweise reformfreudigen Papst Leo undenkbar: das einzige Ziel der Regierung und die einzige Legimitierungsquelle war Gott. Diese Haltung blieb bis weit ins zwanzigste Jahrhundert erhalten. Obwohl Pius XII. nach dem Zweiten Weltkrieg scheinbar eine Allianz zwischen der Kirche und den USA vollzog (insbesondere durch seine Exkommunizierung all jener, die mit den Kommunisten zusammenarbeiteten, im Jahr 1949), sah er diese in Wirklichkeit als unbequeme Anpassung zum Kampf gegen einen gemeinsamen Feind an.12 Ironischerweise hatte er gegenüber den USA ähnliche Gefühle, wie gegenüber dem Dritten Reich: beide widersprachen den Fundamenten der Kirchenlehre, aber er war gewillt, diese Unterschiede angesichts einer aus seiner Sicht apokalyptischen Bedrohung beiseite zu schieben: des Kommunismus. Das Problem mit dem Kommunismus lag für die meisten katholischen Hierarchen nicht in der Infragestellung von Kapitalismus und Demokratie. Ganz im Gegenteil: der Kommunismus wurde als Kulmination all des Bösen gesehen, das der Kapitalismus und die Demokratie freigesetzt hatten. Er stand ganz unten an dem Abhang, den die Menschheit seit der Aufklärung hinabgerutscht war. Erst während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1963-65) schwächte die Kirche 11 Zur gespannten Lage des Katholizismus in den Vereinigten Staaten siehe Frank J. Coppa, The Policies and Politics of Pope Pius XII between Diplomacy and Morality (New York: Peter Lang, 2011); John T. McGreevy, Catholicism and American Freedom (New York: Norton, 2003). 12 Zu den Themen Katholizismus, USA und kalter Krieg siehe Patrick H. McNamara, A Catholic Cold War: Edmund A. Walsh and the Politics of American Anticommunism (New York: Fordham University Press, 2005). Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 81 ihren Standpunkt gegenüber der Moderne und der Demokratie ab – aber selbst dann blieb die katholische Feindseligkeit gegenüber dem Individualismus und Kapitalismus erhalten. Während viele polnische Katholiken den Veränderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils mit Enthusiasmus entgegensahen, war der Klerus zu einem wesentlichen (oder gar überwiegenden) Teil vorsichtig, wenn nicht offen dagegen. Entscheidend war, dass sowohl Primas Stefan Wyszyński als auch sein Nachfolger Józef Glemp auch weiterhin eine direkte Verbindungslinie zwischen dem liberalen Individualismus, über die politische Demokratie, hin zum Kommunismus sahen. Tatsächlich, wie manche argumentierten, war der polnische Klerus offener für den Dialog mit den nationalen Kommunisten der PZPR, als mit den Linksliberalen und Sozialdemokraten der säkulären antikommunistischen Opposition.13 Karol Wojtyła vertrat eine offenere Haltung gegenüber der Moderne, aber nach 1979 wurde sein direkter Einfluss auf die polnische Kirche abgeschwächt, obwohl sein symbolischer Einfluss in unvorstellbare Dimensionen wuchs. Ich möchte hier die Relevanz von linken katholischen Zeitungen wie Tygodnik Powszechny nicht kleinreden, die das Konzil mit Enthusiasmus aufnahmen. Heute ist jedoch klar, dass diese Bemühungen eine (wenn überhaupt) minimale langfristige Auswirkung auf die große Mehrheit des Klerus hatten. In den 1970er und 1980er Jahren waren die meisten Beobachter überzeugt, dass den Katholiken und der säkularen Linken eine Annäherung oder gar eine echte Allianz im Kampf gegen den Kommunismus gelungen war.14 In der Rückschau jedoch ist erkennbar, wie fragil und oberflächlich diese kurze Interessensgemeinschaft war. Als die 13 Andrzej Romanowski, “Kościół, lewica, wojna,” Znak 681 (2012), Zugriff 18. Juli 2016, http://www.miesiecznik.znak.com.pl/6812011andrzej-romanowskikosciol-le wica-wojna. Piotr Kosicki argumentiert, dass es tatsächlich einige ernsthafte Versuche in Europa gegeben hat, einen Dialog zwischen Kommunisten und Katholiken in Gang zu bringen. Kosicki, Catholics on the Barricades: Poland, France, and “Revolution,” 1939–1956 (New Haven: Yale University Press, 2018). 14 Die wichtigsten Texte, die den Versuch der Anbahnung einer solchen Allianz markierten, waren (von rechts) Bogdan Cywiński, Rodowody niepokornych (Kraków: Znak, 1971); und (von links) Adam Michnik, Kościół, lewica, dialog (Rome: Instytut Literacki, 1977). Zur Rolle der Kirche in der antikommunistischen Bewegung zu jener Zeit, siehe Jan Kubik, The Power of Symbols Against the Symbols of Power: The Rise of Solidarity and the Fall of State Socialism in Poland (State College, PA: Pennsylvania State University Press, 1994). Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 82 PZPR im Jahr 1989 endgültig gestürzt wurde, folgte die bittere Ernüchterung der konservativen Katholiken umgehend.15 Anstatt der systemischen Konterrevolution, die die meisten Priester und Bischöfe gewollt hatten, waren sie Zeugen, wie sich Polen von einem inakzeptablen Regime (Kommunismus) zum nächsten (liberale kapitalistische Demokratie) hangelte. Menschen außerhalb Polens sind erstaunt, wenn die extreme Rechte darauf pocht, dass das Jahr 1989 nichts Wesentliches verändert hat und alles nur eine riesige Verschwörung war, um alte PZPR-Funktionäre auf Machtpositionen zu halten, sowie das Lech Wałęsa ein kommunistischer Agent war, etc.16 Aus der Sicht jener, die die Protagonisten im Kalten Krieg als autoritären Kommunismus und liberalen demokratischen Kapitalismus identifizierten, ist die Behauptung absurd, dass das Jahr 1989 weniger als ein epischer Triumph war. Aber aus der Perspektive jener, die den Kommunismus als logische Konsequenz der Aufklärung und der Französischen Revolution verstanden, war das, was die Polen taten, nur ein kleiner Rückschritt auf dem Weg in den Untergang. Der Umschwung von 1989 wurde deshalb von zwei großen ideologischen Gruppen als Misserfolg gewertet: von den nationalen Kommunisten der PZPR und den katholischen Konservativen. Erstere büßten ihre gesamte Glaubwürdigkeit ein und ihr rhetorisches Vokabular wurde diskreditiert. Selbst das Wort robotnik (Arbeiter) verschwand fast völlig aus der Öffentlichkeit und wurde durch pracownik (Arbeitnehmer) ersetzt. Allerdings blieben große Teile der Weltanschauung der PZPR weiterhin beliebt: die Ausländerfeindlichkeit (wie zuvor Deutsche und Juden, nun aber zusätzlich Russen und möglicherweise Araber), das Bekenntnis zu einer egalitarischen Wirtschaftspolitik und das Streben nach sozialer Disziplin und Einheit. All diese Themen waren auch für die desillusionierten Katholiken von zentraler Bedeutung, die nun direkt in die Lücke schlüpfen konnten, die die nationalen Kom- 15 Ich führe diesen Punkt weiter aus in Faith and Fatherland, 267–71. 16 Die vielleicht unrühmlichste neuere Artikulierung dieser verschwörerischen Interpretation der polnischen Geschichte findet sich in Dorota Kania, Jerzy Targalski, and Maciej Marosz, Resortowe dzieci (Warszawa: Fronda, 2013). Für ein Beispiel der Darstellung des Anführers der Solidarność-Bewegung als kommunistischem Agent, siehe Sławomir Cenckiewicz, Wałęsa: Człowiek z teczki (Poznań: Zysk, 2013). Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 83 munisten hinterlassen hatten. Der einzige wesentliche Unterschied war, dass sie dem Mix der PZPR ein Schlüsselelement hinzufügen konnten, das die Kommunisten nie besaßen: die Imprimatur der Kirche. In diesem Sinne ist es kein Zufall, dass die Partei Sojusz Lewicy Demokratycznej (Union der Demokratischen Linken – die Nachfolgepartei der PZPR) genau dann kollabierte, als die PiS als politische Kraft aufstieg. Hier gibt es keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang, weil der Zusammenbruch der SLD hauptsächlich durch parteiinterne Probleme verursacht wurde, u.a. durch Korruption und ideologische Inkohärenz. Durch ihr Verschwinden hinterließ die SLD aber line Lücke, die die PiS ausfüllen konnte. Ursprünglich versuchte die SLD, mit ihrem eigenen Vermächtnis zu brechen und sich als moderate sozialdemokratische Partei neu zu formieren. Aber selbst nach dem Erfolg in den späten neunziger Jahren wurde sie weithin als ideologisch formbare technokratische Partei wahrgenommen, oder einfach als Ansammlung von klientelistischen Beziehungen. Zwar gehörte die Polnische Allianz der Gewerkschaften (Ogólnopolskie Porozumienie Związków Zawodowych oder kurz OPZZ), die mit der Gewerkschaft Solidarność um Mitglieder kämpfte, zur Parteibasis, aber die organisierte Arbeit ging in den frühen 2000er Jahren rapide zurück und die Mitgliedsraten fielen bis 2014 auf 11 % Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 84 der arbeitenden Bevölkerung.17 In jedem Fall schlugen sich die Verbindungen der SLD mit der Gewerkschaft nicht in einer politischen Agenda nieder, die die Unterstützung der Arbeiterklasse mobilisieren konnte. Zumindest einige der Parteichefs behielten das alte Weltbild des nationalen Kommunismus bei. Im Juni 2016 gab der frühere SLD-Vorsitzende Leszek Miller ein Interview, in dem er viele von Kaczyńskis Argumenten über die Unzumutbarkeit eines „Eingriffs von außen“, die Notwendigkeit einer einheitlichen nationalen Macht und die Irrelevanz von technischen Verfassungsfragen, die wichtige politische Ziele torpedieren könnten, wiederholte. Er kritisierte die PiS ausschließlich dafür, wegen diplomatischer Vorbehalte die angemessene Verdammung der „Völkermordpolitik” der ukrainischen Nationalisten gegen Polen während des Zweiten Weltkriegs auszulassen.18 Es ist verlockend, dies als Manifestation der alten Plattitüde zu interpretieren, wonach die extreme Linke und die extreme Rechte sich einander annähern. Eine bessere geometrische Metapher würde jedoch mit einem Dreieck beginnen, mit der liberalen Demokratie an einer Ecke, dem nationalen Konservatismus an der zweiten und dem Sozialismus an der dritten. Diese alternative Form ist nützlich, weil sie die Verschiebungen veranschaulicht, die die einzelnen politischen Bewegungen bewerkstelligen müssen, um Allianzen zu bilden oder neue gemischte Ideologien zu schaffen. 17 Karolina Goś-Wójcicka und Tomasz Sekuła, Związki zawodowe w Polsce w 2014 r. (Warsaw: Główny Urząd Statystyczny, 2015), 5 18 Siehe Dorota Kowalska, “Leszek Miller: Unia Europejska ma w sprawie TK słabe karty i PiS to wie,” Polska The Times (13. Juni 2016), Zugriff 18. Juli 2016, http://w ww.polska-times.pl/opinie/a/leszek-miller-unia-europejska-ma-w-sprawie-tk-slab e-karty-i-pis-to-wie-wywiad,10103432. Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 85 Diesem Schema zufolge waren die meisten politischen Parteien in den USA und Westeuropa in den ersten Nachkriegsjahren irgendwo am unteren linken Eck des Dreiecks angesiedelt, wobei die obere rechte Ecke durch den Horror des Faschismus weitgehend in Verruf geraten war. Zu jener Zeit war der Vatikan einer der wenigen Institutionen, die diesen Platz immer noch einnahmen. Der Kommunismus war derweilen am rechten unteren Eck fest verankert. Der Aufstieg des nationalen Kommunismus von Gomułka nach 1956 hat, wie ich bereits erläutert habe, die PZPR nicht in Richtung Libera- Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 86 lismus bewegt, sondern direkt nach oben, in Richtung der rechten oberen Ecke des Dreiecks. Währenddessen entfernte sich die Kirche im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils vom extremen Eckpunkt, obwohl dieser Wandel in Polen weniger stark erkennbar war. Nach 1989 existierte die PZPR nicht mehr und hinterließ ein klaffendes Loch in der politischen Landschaft Polens. Die große Mehrheit der intellektuellen Elite hatte gehofft, ein Amerika und Westeuropa ähnelndes Spektrum von Mitte-Links- und Mitte-Rechts-Parteien zu schaffen, aber wie David Ost argumentierte, ließen diese Bemühungen kaum Raum für eine von Ärger und Frustration bestimmte Politik.19 Da die SLD versuchte, jede Assoziation mit dem Kommunismus zu vermeiden, ergriff niemand auf der nationalen politischen Bühne Partei für die Arbeiter, die mit Zorn beobachteten, wie die Arbeitslosenzahlen in die Höhe schossen (auf über 16 % in den späten 1990er Jahren) und die gewerkschaftliche Organisierung auf fast 12 % abfiel (eine der geringsten Raten in Europa und nur knapp über den Zahlen in den USA).20 Die emotionalsten politischen Debatten während der 1990er Jahre kreisten um kulturelle Fragen. Während die Liberalen auf einen stärker säkulären Staat drängten, hofften die Konservativen darauf, 19 David Ost, The Defeat of Solidarity: Anger and Politics in Postcommunist Europe (Ithaca, NY: Cornell University Press, 2005). 20 Statistik der OECD (https://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=UN_DEN), Zugriff 18. Juli 2016. Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 87 dem Katholizismus auch weiterhin eine wichtige Stellung zu garantieren. Das Ergebnis stellte ein offensichtliches Problem dar. Wie diese klaffende Lücke zu füllen war, war in keiner Weise vorbestimmt. All jenen, die die polnische Politik durch die verzerrte Brille Warschaus sahen, kann vergeben werden (was ich hoffe, ich war nämlich einer von ihnen), dass sie glaubten, der zunehmende Wohlstand und die Säkularisierung würden das allmähliche Ende der oberen rechten Ecke des Dreiecks bewirken. Wir richteten unser Augenmerk auf das einzigartige Wirtschaftswachstum in Polen und die Tatsache, dass immer mehr Polen mit ihrem Leben zufrieden waren und optimistisch in die Zukunft sahen.21 21 Die BIP-Statistiken stammen von der Website Conference Board, Zugriff 18. Juli 2016, https://www.conference-board.org/data/economydatabase/index.cfm?id=27 762. Ansichten zur Familiensituation von CBOS, Zugriff 8. Februar 2016, http://cb os.pl/PL/trendy/05_ poziom_zycia_tabela.php. Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 88 Was wir nicht realisierten: während der traditionelle katholische Konservatismus tatsächlich rückläufig war, war das Fundament für Gomułkas nationalen Kommunismus nie verschwunden. Diese Weltanschauung wurde zwar nicht von der Mehrheit der Bevölkerung vertreten, aber mit der entsprechenden Kombination politischer Kräfte kann selbst eine Partei mit Unterstützung von einem Drittel der Wähler- Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 89 schaft an die Macht gelangen (wie bei der Wahl 2015 geschehen). So kam die aktuelle politische Landschaft zustande.22 Ich habe die Kirche absichtlich aus dem letzten Schaubild entfernt, weil ich aktuell keine nennenswerte katholische Kraft in der polnischen Politik erkenne, die unabhängig von der PiS ist. Die Bischofskonferenz und der Großteil des Klerus sind Anhänger von Kaczyński. Ihre Geschicke sind demzufolge unlösbar miteinander verbunden, im Guten wie im Schlechten. Obwohl ich die PiS an dieselbe Stelle gesetzt habe, die einst die PZ- PR innehatte, bezeichne ich Kaczyński dennoch nicht als Kommunisten. Stattdessen wage ich die These, dass die PZPR selbst von früheren Formen von Leninismus und sogar Stalinismus in Richtung des nationalen Kommunismus abrückte. Dies war die Ideologie, die 1989 gestürzt wurde. Für all jene, die sich innerhalb des breiten Spektrums der 22 Ich habe die Zäsur auf 2005 datiert (als die PiS zum ersten Mal die Regierung stellte), statt auf 2001 (als die PiS gegründet wurde). Die Diskussion über ein Bündnis zwischen PiS und PO in den Jahren 2004/05 zeigt, dass damals viele Menschen die PiS noch immer als Wiederholung der AWS sahen, einer konservativen katholischen Partei, die noch im breiten Rahmen einer liberalen parlamentarischen Demokratie lag. Nach 2005 wurde klar, dass dies nicht der Fall war. Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 90 liberalen Demokratie verorteten (von den Sozialdemokraten über die Liberalen bis hin zu den Christdemokraten), war dies ein eindeutiger Sieg. Aber viele in Polen wollten diese Art von Revolution in den 1980ern nicht. Stattdessen strebten sie nach einem Staat, der die gesamte linke Ecke meines ideologischen Dreiecks ablehnen würde. Sie wollten einen Staat, der das Bekenntnis der PZPR zu sozialer Kohäsion, kultureller Homogenität und Nationalismus aufrechterhielt, und dies mit einem katholischen statt einem linken begrifflichen Vokabular versehen würde. Die PiS ist weder eine einfache Wiederauferstehung der PZPR, noch eine Rückkehr zur radikalen Rechten aus der Vorkriegszeit – seit den 1930er Jahren ist zu viel passiert, als dass offener Faschismus in Europa umsetzbar wäre. Stattdessen lässt sich die PiS am besten als Mischung aus der PZPR nach 1956 (frei von Verknüpfungen zur marxistischen Tradition) und der Endecja von vor 1939 verstehen. Kaczyński ist demzufolge der uneheliche Sohn von Roman Dmowski und Władysław Gomułka. Kapitel 4 Der Triumph des nationalen Kommunismus 91

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Damit ein besseres Verständnis von geschichtswissenschaftlichen Zusammenhängen im öffentlichen Leben und in der aktuellen Politik Polens möglich wird, verschafft dieser Band mit Essays und Interviews sowohl dem informierten als auch dem nicht-spezialisierten Leser einen Überblick zur aktuellen polnischen Politik mit Einblicken in die jüngste Vergangenheit sowie in historische Zusammenhänge. Die Beiträge beleuchten Aspekte eines, anscheinend umfassenderen, Veränderungsprozesses, der seit der Finanzkrise 2008 in Europa und vor allem in den zentralen und östlichen Teilen des Kontinents stattfindet. Das Buch stellt einige komplexe wissenschaftliche Ideen für den Laien nachvollziehbar dar und bringt Wissenschaftlern die Vorteile von Echtzeit-Reportagen, empirischen und interdisziplinären Ansätzen nahe. Es ist ein Versuch, Antworten auf die Fragen zu finden, warum und wie die Prawo i Sprawiedliwość (PiS) wieder an die Macht kam und wie sie agiert, seit sie an der Macht ist.