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Urszula Chowaniec, Kapitel 12 Das Streben nach der „normalen“ Familie in:

Jo Harper

Polens Streit um die Erinnerung, page 209 - 226

Essays zur Illiberalität

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4231-1, ISBN online: 978-3-8288-7184-7, https://doi.org/10.5771/9783828871847-209

Tectum, Baden-Baden
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Die Normalitäts-Politik der PiS Teil III Das Streben nach der „normalen“ Familie Urszula Chowaniec Politik wird zunehmend zu einem öffentlichem rhetorischen Ziel, dessen Ziel es ist, die Bedeutung von Worten und Konzepten zu verwischen, durcheinander zu bringen und zu manipulieren – und zwar eher um Popularität zu erhaschen, als um eine wie auch immer geartete Wahrheit zu kommunizieren. Für Literatur- und Kulturtheoretiker ist die Politik eine ständige Reise durch Arthur Schopenhauers Rhetorikhandbuch. In der heutigen Politik ist das überraschende Element in diesem Spiel, dass es trotz der virtuell und real allgegenwärtigen Medienpräsenz und des beispiellosen sozialen Bildungsniveaus in der westlichen Welt so einfach wie jeher scheint, die Öffentlichkeit zu belügen. Ein Beispiel für eine solch unverblümte und offene, dennoch aber blind akzeptierte Lüge war die Information während der Brexit-Kampagne, wie viel Geld Großbritannien wöchentlich für die EU aufwendet, sowie das Versprechen, dass diese Summe für den NHS (den britischen Gesundheitsdienst) ausgegeben würde. Dies wurde am Morgen nach dem Referendum im Juni 2016 von Nigel Farage, dem Anführer der Brexit-Bewegung, dementiert. Es gibt ausgefeiltere und schwieriger zu bekämpfende Lügen in der politischen Rhetorik: ein Beispiel dafür ist das Hauptthema dieses Artikels, d.h. die Manipulierung des Gender-Konzepts durch rechte Politiker (überwiegend von der PiS) in Polen. Diese Manipulationen trugen dazu bei, eine traditionelle, familienorientierte Politik zu implementieren, die auf einem weiteren verwischten Konzept von Normalität beruht. Gender, in Verbindung mit LGBTIQ-Bewegungen, wurde als Gegenteil der „normalen“ Menschen dargestellt und als soziale Gefahr konstruiert. Kapitel 12 211 An dieser Stelle fasse ich die aktuelle polnische politische Debatte zur „Körperpolitik“ im weiteren Sinne zusammen und befasse mich besonders mit der Sprache, die Konzepte manipuliert, stört, manchmal komplett verändert und schamlos ausnutzt, um bei Auseinandersetzungen die Oberhand zu behalten. Zwei Phänomene stellen den Kern dieses Artikels dar: die Abtreibungsdebatte, die im März 2016 in Gestalt des konservativen Vorschlags auftauchte, das bereits strenge Abtreibungsgesetz noch zu verschärfen, sowie die Debatte über Gender und deren Verbindung zur Familienpolitik und Sexualerziehung. Monströses Gender: „Feministische” Sprache versus ideologische Manipulation Man könnte vielleicht fragen, wie es möglich ist, dass Gender (als Konzept oder Phänomen bzw. dessen Existenz) geleugnet, abgestritten und abgelehnt werden kann? Ich beziehe mich dabei nicht nur auf die kürzliche Debatte zwischen der polnischen katholischen Kirche und der politischen Reaktion auf deren Überlegungen zum Thema Gender (vor allem in den Jahren 2013 und 2014)1, sondern auch auf die allgemeine Öffentlichkeit, dabei oft auch gebildete Menschen, die unsicher werden, wenn sie nur den Begriff Gender hören. Warum ist das so? Gender als Idee – obwohl im wissenschaftlichen und akademischen Kontext populär – ist im allgemeinen Sprachgebrauch schwer zu fassen: Gender ist einfach da. Gender wird übernommen, eingetrichtert, praktiziert, geübt, aber es wird nicht darüber gesprochen. Die Diskussion über Gender wird tendenziell von anderen Begriffen überlagert, wie Pflicht, Aufgabe, Männlichkeit, Elternschaft, Mutter, Weiblichkeit, und viele weitere Dinge. Diese doppelte semantische und pragmatische Dimension von Gender sorgt nicht nur im polnischen Kontext für Kontroversen, sondern auch generell. Im Falle Polens wurde Gender – genau wie in vielen anderen Sprachen (Russisch, Tschechisch, Spanisch, etc.) – nie übersetzt und funktioniert in der 1 Das kürzlich erschienene Buch von Maciej Duda veranschaulicht und beschreibt das Phänomen der sprachlichen Manipulationen in Kirche, Politik und manchmal auch wissenschaftlichen Debatten. Maciej Duda, Dogmat płci. Polska wojna z gender (Warszawa: Wydawnictwo Naukowe Katedra, 2016). Kapitel 12 Das Streben nach der „normalen“ Familie 212 englischen Form (im Polnischen sogar ohne Transliteration), was zu der Vagheit des Begriffs im allgemeinen Sprachgebrauch noch zusätzlich beiträgt. Ich argumentiere, dass Gender in vielen modernen Sprachen und Kulturen in einer doppelten Dimension funktioniert: als „offensichtliches“ akademisches Konzept (wobei die Existenz desselben unstrittig ist) sowie in einer „intransparenten“ Version: es stellt sich als in der breit verstandenen Bildungssphäre abwesend heraus (Schulen, Lehrerschulungen, Weiterbildungslehrgänge für Berufsskills), und ist somit auch weiterhin verwischt und lässt sich politisch manipulieren. Der „unbestrittene“ Charakter des Gender-Konzepts ist eine Folge der Forschungsergebnisse verschiedener Disziplinen, insbesondere der feministischen Studien, der Gender Studies und der LGBTQ-Studies. In Polen kam der Begriff Gender in den 1990er Jahren vor allem in der Literaturforschung auf, aber auch in der Politik- und Gesellschaftswissenschaft.2 In jüngster Zeit wurden zahlreiche Bücher und Artikel ver- öffentlicht, die die letzten zwei Jahrzehnte feministischen Denkens in der polnischen Akademie der Wissenschaften zusammenfassen, wie etwa die Gender-Enzyklopädie (Encyclopedia gender: płeć w kulturze, 2014).3 Dennoch verursacht Gender als Konzept mit seinem komplizierten Bedeutungsfeld und besonderen Charakter im Sprachgebrauch zahlreiche Missverständnisse – und das trotz der Forschung hierzu (beginnend mit klassischen Texten u.a. von Joan Scott, Judith Butler und Toril Moi) und den polnischen Veröffentlichungen (Nasiłowska, Iwasiów).4 2 Eine der wichtigsten Publikationen war eine umfangreiche Essay-Sammlung aus dem Jahr 2001, die das vorangegangene Jahrzehnt der Geschlechterforschung zusammenfasste: German Ritz, Magdalena Hornung, Jędzrejczak Marcin und Tadeusz Korsak, Ciało, płeć, literatura: prace ofiarowane Profesorowi Germanowi Ritzowi (Warszawa: Wydawnictwo Wiedza Powszechna, 2001). 3 Rudaś, Grodzka, Monika et al., Encyclopedia gender. Płeć w kulturze (Warszawa: Wydawnictwo Czarna Owca, 2014). 4 Ich beziehe mich an dieser Stelle auf folgende Texte: Joan Scott Wallach, Gender: A Useful Category of Historical Analysis (Washington: American Historical Association, 1986) 46–61; Judith Butler, Gender Trouble: Feminism and the Subversion of Identity (New York, NY: Routledge, 1990); Toril Moi, What is a Woman? and Other Essays (Oxford: Oxford University Press, 1999) sowie die ersten polnischen Veröffentlichungen zum Thema Gender, wie Anna Nasiłowska, Ciało I tekst.Feminizm w literaturoznawstwie. (Warszawa: Instytut Badań Literackich, 2001). Dieses Buch ist eine Sammlung mehrerer Essays, die die Debatte über Feminismus und Gender im Monströses Gender: „Feministische” Sprache versus ideologische Manipulation 213 Lassen Sie uns nun die zahlreichen Verwirrungen im öffentlichen Diskurs in Polen in den Jahren 2013-2014 kurz skizzieren, die auch nach den Wahlen im Herbst 2015 wieder auftraten, als die PiS erneut zum wichtigsten politischen Akteur in der polnischen Politik gekürt wurde. Der Katalog der Missverständnisse Gender ist ein „zutiefst destruktives“ Konzept für „den Einzelnen, die zwischenmenschlichen Beziehungen und das gesellschaftliche Leben insgesamt“, steht in einem Hirtenbrief der polnischen Bischöfe, in dem die „Gender-Ideologie“ angegriffen wird. Der Brief wurde in allen Kirchen am 29. Dezember 2013 verlesen. Darin erklärten die Bischöfe, die „Gender-Ideologie” sei „stark im Marxismus und Neomarximus verwurzelt“, und sie sei in Polen bereits „mehrere Monate lang” von „lautstarken Gruppen mit großen finanziellen Möglichkeiten“ propagiert worden, die „mit Kindern experimentieren“ wollten. Der Brief konstatiert außerdem, dass „Gott Mann und Frau erschaffen hat – mit der großartigen und unabdingbaren Gabe, dass sie in Körper und Geist füreinander da sein sollen; Männer für Frauen und Frauen für Männer, im Rahmen der Ehe.“ Und weiter: „Deshalb muss es große Besorgnis auslösen, dass aktuell der Versuch unternommen wird, Ehe und Familie neu zu definieren, insbesondere von Verfechtern der Gender-Ideologie.“ Der Hirtenbrief löste große Verwirrung aus. Viele Beobachter glaubten, die Kontroverse sei von einfachen Missverständnissen geschürt worden. Piotr Mucharski, Chefredakteur der Krakauer katholischen Wochenzeitschrift Tygodnik Powszechny, sagte zum Beispiel, dass „Gender Studies seit Jahren an polnischen Universitäten gelehrt werden und bis jetzt niemand Einspruch erhoben hat.”5 Die Gleichberechtigungsbeauftragte der polnischen Regierung, Agnieszka Kozłowska-Rajewicz, erklärte, in polnischen Schulen würden keine familien- Magazin Teksty Drugie in den Jahren 1993 und 1995 eröffnet hatten). Siehe auch Inga Iwasiów, Gender dla średnio zaawansowanych (Warszawa: W.A.B., 2004). 5 Siehe Jonathan Luxmoore, “Polish Church Declares War on Gender Ideology,” Our Sunday Visitor Newsweekly, 29. Januar 2014. Kapitel 12 Das Streben nach der „normalen“ Familie 214 feindlichen Inhalte gelehrt und die Bischöfe hätten den Begriff „Gender-Ideologie“ als „eingebildeten Feind“ erfunden. Zwischenzeitlich äußerte eine Gruppe Professoren aus Warschau, die neue Kampagne der Kirche berge das Risiko einer „Gefährdung der Forschungsfreiheit“. Eine andere Gruppe wandte sich mit einer Beschwerde an den Papst, wonach die Anschuldigung, dass das Fach Gender Studies eine der Ursachen der Krise der Familie sei, einer „Hexenjagd“ gliche. Eine hitzige öffentliche Debatte nahm ihren Anfang, in der feministische Kreise und die Verfechter der Gender Studies die Anschuldigungen eher als Witz ansahen, während die Kirche und konservative Kreise (Lehrer, Aktivisten, einige Parlamentarier) die Angelegenheit sehr ernst nahmen und – unter Zuhilfenahme der oben dargelegten Sprache (Gender-Ideologie, Verbindungen zum Marximus, destruktive Idee, Genderismus gegen die Familie, etc.) – eine Medienkampagne starteten und Proteste, Gesprächsrunden und Vorträge organisierten. Auch mehrere prominente Kirchenmänner stellten den Schritt der Bischöfe in Frage. In ihrer Berichterstattung über die Debatte hob die katholische Wochenzeitschrift Sonntagsgast hervor, dass katholische Experten von den Ereignissen verwirrt seien: „Pater Jacek Prusak, Jesuit und Redakteur, sagte, dass der Hirtenbrief ‚verfälschte Beziehungen zwischen Religion und Wissenschaft‘ offenbare, während Pater Maciej Zięba, ein bekannter Dominikanermönch, in Frage stellte, ob die Verteufelung von ‚Gender‘ ein kluger Schritt gewesen sei, wo doch die meisten Polen den Begriff noch nie gehört hatten.”6 Die Geschichte des „Gender-Problems“ in der polnischen Kirche reicht bis ins Jahr 2012 zurück; dies zumindest wurde von der katholischen Informationsagentur der polnischen Kirche KAI im Januar 2014 suggeriert, als erklärt wurde, dass die katholische Kirche weltweit „einstimmig die Gender-Ideologie abgelehnt habe“, nachdem sie vom emeritierten Papst Benedikt XVI. in einer Weihnachtsansprache an die römische Kurie im Dezember 2012 darauf hingewiesen worden war.7 In seiner Ansprache hatte der Papst die Gender-Theorie als „neue Philosophie der Sexualität“ beschreiben, die predigte: „Das Geschlecht ist kein vorgegebenes Element der Natur mehr“, sondern „eine soziale 6 Ebd. 7 Ebd. Der Katalog der Missverständnisse 215 Rolle, die wir für uns selbst wählen.“ Der Papst fügte hinzu, dass die „tiefgehende Unwahrheit“ der Theorie das Risiko berge, eine „anthropologische Revolution“ vom Zaun zu brechen, die die menschliche Würde durch die Unterhöhlung der Familie und die Verführung der Menschen, „ihre Natur abzulehnen“, bedrohen würde.8 Nach dieser Rede begannen die einzelnen polnischen Bischöfe, „Gender“ ab Mitte 2013 anzuprangern. Der Bericht der Zeitschrift Sonntagsgast über die Maßnahmen der Kirche lautet: „Im Oktober [2013] erklärte der Vorsitzende der Katholischen Erziehungskommission der Kirche, Bischof Marek Mendyk aus Legnica, er habe ein Schreiben an das Bildungsministerium verschickt, in dem er die Streichung von Gender-Themen aus den Schulen gefordert habe. Im November schrieb der Bischof von Kielce Kazimierz Ryczan an polnische Parlamentarier und drängte sie dazu, ‚die Heimat gegen den totalitären Genderismus zu verteidigen‘, während Erzbischof Marek Jędraszewski aus Łódź warnte, dass „‚Gender‘ die ‚Leugnung Gottes‘ und den ‚Tod der Zivilisation‘ mit sich bringen würde.”9 Gender als Feindbild wurde auch in dem nachweihnachtlichen Hirtenbrief der Bischöfe thematisiert, in dem erklärt wurde, dass die „Gender-Ideologie” Menschen dazu ermuntert, „selbst zu entscheiden, ob sie Männer oder Frauen sind” und ein „neues Familienbild propagiert“, typischerweise basierend auf homosexuellen Beziehungen. Die Bischöfe fügten hinzu, dass die Ideologie in Polen „ohne das Wissen der Gesellschaft und ohne die Zustimmung des polnischen Volks“ verbreitet wird, und zwar unter dem Vorwand, gegen häusliche Gewalt zu kämpfen und Gleichberechtigung zu propagieren. Dadurch würde „nicht nur die Familie, sondern auch unsere Heimat und die Menschheit insgesamt“ gefährdet.10 Werfen wir einen genaueren Blick auf den Manipulationsmechanismus des Hirtenbriefs. Im Hirtenbrief vom 29. Dezember 2013 lesen wir, dass „die [Gender-Ideologie, der Genderismus) … Regeln übernimmt, die in einem kompletten Widerspruch zur Realität und zu einem integralen Verständnis der menschlichen Natur stehen. Sie behauptet, dass das biologische Geschlecht keine soziale Relevanz hat 8 Ebd. 9 Ebd. 10 Ebd. Kapitel 12 Das Streben nach der „normalen“ Familie 216 und dass nur das kulturelle Geschlecht zählt, das jeder unabhängig von den biologischen Voraussetzungen frei gestalten und definieren kann.”11 Die wichtigsten Elemente des Briefs waren selbstverständlich die rhetorische Verwendung des Worts Ideologie und die Endung –ismus für das Wort Gender. Damit soll sofortige Skepsis, wenn nicht gar Abneigung, gegen das Phänomen geschürt werden, noch bevor es tatsächlich definiert wurde. Anschließend spielt die Definition selbst keine große Rolle mehr. Aber hier geht die Manipulation noch weiter: die gewählte Definition steht im Widerspruch zu allen Wörterbuch-Definitionen des Begriffs Gender. Ab Januar 2014 war vielen polnische Katholiken unklar, was in der ganzen Debatte überhaupt bekämpft wird. Einige Kommentatoren in den Medien waren überzeugt, die Kirche habe das Thema Gender thematisiert, um die öffentliche Debatte vom sexuellen Missbrauch durch Priester abzulenken, der Anfang 2013 in Polen die Überschriften in den Medien erreichte. Es wurde außerdem angemerkt, dass der Begriff Gender erweitert wurde (im rhetorisch vagen Sprachgebrauch), um Gefahren für soziale und moralische Fragen abzudecken – von Homosexualität bis hin zu Abtreibung (siehe Meinung des Chefredakteurs der Zeitschrift Tygodnik Powszechny Piotr Mucharski).12 Kirchenvertreter haben dies verneint, aber viele Katholiken verstehen weiter nicht, warum der „Gender“-Sturm so plötzlich ausgebrochen ist. Trotz der Überraschung großer Teile der katholischen Welt setzte die Kirche ihre Kampagne im Januar 2014 fort. In einer Ansprache vor Parlamentariern am 23. Januar sagte Pater Dariusz Oko, ein Dozent der Päpstlichen Johannes-Paul-II.-Universität in Krakau, dass die „Gender-Ideologie“ von „Atheisten vorangetrieben“ werde und die „Zivilisation bedroht“. Pater Oko, ein wahrer „Anti-Gender“-Kämpfer, erklärte: 11 Siehe z.B. den Eintrag: “Bishops Attack Dangerous ‘Gender’ Ideology and Re-definition of Marriage. And from Where Else? Polonia Semper Catholica.” RORATE CÆLI Blog, 11. Februar 2014, Zugriff am 2. Dezember 2017, http://rorate-caeli.blo gspot. com/2014/02/bishops-attack-dangerous-gender.html. 12 Siehe Jonathan Luxmoore, “Polish Church Declares War on Gender Ideology.” Der Katalog der Missverständnisse 217 „Genau wie die Kirche die marxistische und nationalsozialistische Ideologie kritisiert hat und dafür verfolgt wurde, kritisiert sie heute die Gender-Ideologie.”13 Dies spiegelt sich im gesellschaftlichen Leben wider – laut Berichten polnischer Zeitungen fordern viele Eltern eine Verbannung von „Gender“ aus den Schulen. Im Januar unterstützte eine Gruppe von Lehrern die Kirche in einem knallharten Statement, in dem gefordert wurde, „so genannte Gender Studies“ aus Bildungseinrichtungen zu verbannen. Lena Kolarska-Bobińska, die damalige Hochschulministerin, wies diese Forderung zurück und erklärte, die polnischen Kollegen würden keine EU-Gelder mehr erhalten, wenn sie die in der polnischen Verfassung verankerten Gleichbehandlungsnormen nicht einhielten. Professor Małgorzata Fuszara verurteilte die „falsche Verbindung“ von Geschlechterforschung und Marximus durch die Bischöfe und beschuldigte sie, „einen Geist der moralischen Panik“ auszulösen, aus dem „inkompetente Leute politisches Kapital schlagen wollen“. Der Redakteur des Tygodnik Powszechny sagte, dass „vielleicht die Wissenschaft, die Gender lehrt, einen Fehler begangen hat, indem sie das Konzept der breiteren Öffentlichkeit nicht erklärt hat“. Er fügte an, dass dies der Grund sein könnte, warum viele Menschen jetzt Gender für eine religionsfeindliche atheistische Ideologie halten.14 Dies ist ein sehr wichtiger Einwand in dem Disput, der zeigt, wie unerwartet akademischer Jargon in die Alltagssprache eingeht und wie problematisch der Mangel an klaren, knappen Definitionen ist. Gender in der Diskussion: Hassrede und Gewalt – einige Beispiele Indessen gebrauchen zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens und Politiker in Polen das Wort Gender und haben ein neues soziales Monster konstruiert – die Gender-Ideologie. An dieser Stelle möchte ich zwei Beispiele für die Konsequenzen dieser Debatte präsentieren. Das erste zeigt, wie die Gender-Debatte eine Quelle sozialer Gewalt geworden ist, und das zweite veranschaulicht den Missbrauch der Spra- 13 Ebd. 14 Ebd. Kapitel 12 Das Streben nach der „normalen“ Familie 218 che feministischer Sexualitätsforschung (den Begriff „drittes Geschlecht“) durch einen PiS-Politiker, d.h. den Sprecher der polnischen Regierung. Ein interessantes Beispiel für gender-feindliche Rhetorik ist eine Erklärung der polnischen Regierungssprecherin Elżbieta Witek im Jahr 2013.15 In einem Kurzinterview beschuldigte sie „Gender, die Gender-Ideologie zu verbreiten“ (ohne offensichtlich zu bemerken, dass sie eine Tautologie verwendete), sie nannte Gender „das dritte Geschlecht“ und verband damit die Sexualisierung von Kindern und die Geschlechtserziehung an Schulen, durch die Eltern die Kontrolle über ihre Kindern verlieren und Kinder die Identifikation mit ihrem biologischen Geschlecht einbüßen würden. Dieses Beispiel zeigt, wie populistisch, verworren und widersprüchlich politische Interventionen sein können, die darauf abzielen, bestimmte Positionen zu untermauern, ohne zu versuchen, das Konzept selbst zu verstehen. Der Diskurs wird von Politikern in grammatikalisch korrekten, aber logisch widersprüchlichen Sätzen geführt. Die einzige Funktion dieser sinnlosen Definition ist phatisch: um ein Gefühl der Gefahr und Unsicherheit zu schaffen, oder um die Störung eines sicheren und bekannten Status Quo (Normalität) zu beschreiben. Die Wurzeln des Missverständnisses Warum haben sich die wenigen Wissenschaftler, die den teuflischen Charakter des Gender-Konzepts verkündeten (wie Paweł Bortkiewicz), oder auch Politiker (Elżbieta Witek) so wenig Mühe gegeben, „Gender“ als Konzept zu verstehen? Ich bin überzeugt, dass die Wurzeln dieses beabsichtigten Missverständnisses hinsichtlich des Wesens der Geschlechterforschung in Folgendem liegen: erstens ist es eine Quelle des Missverständnisses, dass Gender mit einem alten „Feind“ in Verbindung gebracht wird; in diesem Fall wird es der „konservativen Normalität“ gegenübergestellt und mit dem Feminismus assoziiert, genau- 15 Fernsehinterview in Lublin: POLSKA. Ideologia gender a fundusze unijne. Veröffentlicht am 11. Dezember 2013. Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=YatQ5 mfgm0s (Zugriff: 12.02. 2017). Die Wurzeln des Missverständnisses 219 er gesagt mit Frauen, die sich gegen die traditionelle Ordnung auflehnen. In den 1980er Jahren bemerkte Joan Scott, dass Gender als Synonym für Frauen verwendet wurde. Sie schrieb: „In der einfachsten neueren Verwendung ist ‚Gender‘ ein Synonym für ‚Frauen‘. Alle Bücher und Artikel zur Frauengeschichte haben in den letzten Jahren in den Titeln das Wort ‚Frauen‘ durch ‚Gender‘ ersetzt. In einigen Fällen geht es dabei trotz der vagen Bezugnahme auf analytische Konzepte tatsächlich um die politische Akzeptanz des Themas. In diesen Fällen soll die Verwendung des Worts ‚Gender’ die wissenschaftliche Ernsthaftigkeit desselben betonen, das neutraler und objektiver klingt, als ‚Frauen’… Dieser Gebrauch von ‘Gender’ ist eine Facette dessen, was als Suche der feministischen Forschung nach wissenschaftlicher Anerkennung in den 1980ern bezeichnet werden kann.”16 Gender (Geschlechterforschung) sollte damit objektiver klingen, als Frauenforschung, da letztere tendenziell als voreingenommen, unprofessionell und ideologisch besetzt wahrgenommen wurde. Dennoch hat es Gender als Konzept überlebt, mit „Feminismus“, „Frauen“ und dem so genannten „dritten“ Geschlecht in einen Topf geworfen zu werden. So wurde Gender von der Kirche missverstanden und ist zum Synonym all dessen geworden, was gegen die heteronormative Ordnung ist. Dies wiederum provoziert eine starke Abneigung gegen feministische Sichtweisen. Die Sexualisierung von Kindern Die polnische Debatte über Gender und Sexualerziehung ist hochgradig emotional. „Das ist nicht normal!“, schreien PiS-Politiker in Bezug auf ein Schulprogramm, das Fächer über Sexualität umfasst, da die Informationen über diese Lebenssphäre Kindern in den Familien vermittelt werden sollen. Bildungsministerin Anna Zalewska erklärt ausweichend, dass sie „keine ‚Sexerzieher‘ in die Schulen lassen“ wird.17 Vernünftige Stimmen werden häufig im Keim erstickt, wie etwa die von 16 Scott, “Gender: A Useful Category of Historical Analysis,” 1056. 17 Siehe z.B. “W Polityce.pl,” Zugriff am 2. Februar 2017, http://wpolityce.pl/spolecze nstwo/273677-anna-zalewska-szefowa-men-we-wsieci-nie-wpuszcze-seks-edu-kat orow-do-szkol-trzeba-szanowac-intymnosc-mlodych-ludzi. Kapitel 12 Das Streben nach der „normalen“ Familie 220 Joanna Kluzik-Rostkowska, einer ehemaligen Bildungsministerin, die sagte: „Ich bin der Meinung, dass Sexualerziehung den Kindern dabei hilft, viele Gefahren zu vermeiden. Natürlich geht es darum, die Informationen oder das Wissen über die Sexualität und die verschiedenen damit verbundenen Situationen an das Alter des Kindes anzupassen.”18 Es scheint, als habe die neue Regierung, die das Land wohl in eine mythische traditionelle Ordnung zurückversetzen will, jede rationale Diskussion in der Öffentlichkeit abgelehnt. Seit Anfang 2016 wurden emotional geladene Beschuldigungen gegen Sexualerziehung, Gender- Ideologie und Feminismus als nationale Gefahren laut. Plötzlich wurde neben Gender als Feind der Normalität auch die Sexualerziehung zu einer Gefahr für die Familie im konservativen Sinne, die als einzig richtige Norm dargestellt wird. Alles, was nicht zu dieser Familie passt (heterosexuell, mit Kindern) wird als Gefahr für die Gesellschaft dargestellt. Die Gefahr wird außerdem als gegen die Kinder gerichtet präsentiert („unsere Kinder“; das inklusive Wort „unser“ spielt dabei eine wichtige rhetorische Rolle). Und all das wird der Reinheit, dem Respekt für die Familie und der Mäßigung gegenübergestellt. Allein die Struktur der Phrase „unsere Kinder“ ist in Wirklichkeit eine ideologische Vereinnahmung der Kinder, die durch die Auferlegung einer falschen Definition mit apokalyptischen Konsequenzen konstruiert wird – einer Strategie der Einschüchterung mit dem einfachen Zweck, „den Gegner“ zu diskreditieren. Eine ehrliche Diskussion über die Körperpolitik in Polen scheint tabu zu sein – egal ob es um Abtreibung, Gender oder künstliche Befruchtung geht. All diese Themen sind in hermetischen Sphären ideologischer Mutmaßungen gefangen, wobei keinerlei sozialen Konsequenzen oder realen Fakten auf wissenschaftlicher Grundlage vertraut werden kann. Die Allgegenwärtigkeit von Misstrauen, Argwohn und der Annahme einer Verschwörung ist überraschend stark. Das stärkste Konzept innerhalb dieser Diskurse scheint das Verständnis von Normalität zu sein – der konservativen, und in vielen Fällen religiös verorteten Annahme, dass vor langer langer Zeit eine mythische Gesellschaft frei von Problemen existiert hat: von Problemen dieser Art. Es 18 Siehe Na Temat Blog, Zugriff am 1. Februar 2017, http://natemat.pl/163917,seksed ukatorzy-beda-mieli-zakaz-wstepu-do-szkol-joanna-kluzik-rostkowska-to-jest-mi kro-zamach--na-autonomie-szkol. Die Sexualisierung von Kindern 221 ist das am wenigsten plausible Konzept überhaupt, aber es funktioniert auf rhetorischer Ebene. Abtreibung: Ein Test der Demokratie „Ein totales Abtreibungsverbot zu unterstützen, ist verrückt. Aber Frauen die Abtreibung unbeschränkt zu erlauben, ist genauso falsch“, lese ich auf Facebook. Es ist eine Frau, die das schreibt – eine denkende, gebildete Frau. Anfang Oktober 2016 quillt meine Facebook-Pinnwand, genau wie jene der Aktivistinnengruppe „Dziewuchy Dziewuchom“ (Mädels für Mädels) über an Initiativen gegen die Parlamentsdebatte zur Verschärfung des Abtreibungsgesetzes. Also, warum ist es verrückt, die Abtreibung zuzulassen? Werden die Frauen sie als Verhütungsmittel nutzen? Ich stelle diese Fragen bewusst, um zu provozieren, und ich kenne all die Argumente der Pro-Life-Befürworter, die Frauen als promiskuos und unverantwortlich darstellen. Als dieser Text entstand, wurden überall in Polen so genannte „schwarze Proteste“ (czarne protesty) organisiert. Wenn die Unterstützung des aktuellen, strengen Abtreibungsgesetzes in Polen zu einem Akt der liberalen und fortschrittlichen Politik wird – weil eben ein noch schlimmeres Gesetz droht – dann ist es nur fair zu sagen, dass alle polnischen Bürger (Frauen wie Männer) von jenen in einem politischen Spiel gefangen wurden, die nicht hören wollen, nicht diskutieren wollen und nicht wissen wollen, sondern von ihrer so genannten „Pro-Life“-Tugend und ihrer Macht überzeugt sind. Das während einer Parlamentsdebatte Anfang April 2014 vorgeschlagene Gesetz war ein echter Schock: das aktuelle Abtreibungsgesetz von 1993 sieht keine Möglichkeit zur Beendigung von Schwangerschaften vor, es sei denn, das Leben der Mutter oder deren psychologisches Wohlergehen ist in Gefahr (z.B. wenn die Schwangerschaft aus einer unerlaubten Handlung heraus entstanden ist), oder der Fötus ist stark deformiert. Das neue Abtreibungsgesetzes streicht all diese Ausnahmen, wodurch die Abtreibung generell unter Strafe gestellt wird. April 2016 ist ein wichtiger Monat in der Geschichte der Körperpolitik in Polen: die PiS schloss die Implementierung ihrer Politik (die teilweise für den Wahlerfolg ausschlaggebend war) zur Unterstützung polni- Kapitel 12 Das Streben nach der „normalen“ Familie 222 scher Familien mit mehr als einem Kind ab, wonach von nun an jede Familie monatlich fünfhundert Zloty pro Kind erhielt (ab dem zweiten). Diese familienfreundliche Politik wurde vom Vorschlag zur Verschärfung des Abtreibungsgesetz begleitet, das ohnehin bereits das strengste Gesetz dieser Art in Europa war. Schnell begannen polnische Frauen, sich zu organisieren. Die Facebook-Initiative „Mädels für Mädels“ wurde zur wichtigsten Plattform zur Weitergabe von Informationen. Dennoch konnten diese tausenden von Stimmen nicht verhindern, dass der Vorschlag juristisch weiter ausgearbeitet wurde. Viele polnische Frauen begannen zu streiken, um ihrem Protest gegen das Gesetz Nachdruck zu verleihen. Jedes Abtreibungsgesetz geht davon aus, dass der erste Instinkt einer Frau ist, ungeborenes Leben nicht zu schützen, sondern es loswerden zu wollen. Niemand scheint jene Stimmen zu hören oder ihnen Glauben zu schenken, die sagen, dass Abtreibung immer der letzte Ausweg ist. Der Kampf für eine Überarbeitung des geltenden Abtreibungsgesetzes von 1993 erfordert den Glauben, dass irgendwer im Parlament und in der Regierung so mutig, intelligent und verantwortungsbewusst ist, wie es die kürzlich verstorbene Simone Veil in der französischen Regierung 1974 war, als sie für die Liberalisierung eines Gesetzes kämpfte, das mit dem aktuellen polnischen Abtreibungsgesetz fast identisch war. Während ihrer Abschlussrede wurde sie beleidigt und beschimpft, aber das Gesetz wurde mit Erfolg eingeführt. Sie sagte dabei etwas, das jeder bedenken sollte, der sich an der Abtreibungsdebatte beteiligen will: „Erstens möchte ich eine weibliche Überzeugung mit Ihnen teilen und ich entschuldige mich dafür, dies vor einer fast ausschließlich nur aus Männern bestehenden Versammlung zu sagen: keine Frau hat jemals gerne eine Abtreibung vornehmen lassen. Sie müssen den Frauen nur zuhören, es ist immer eine Tragödie und wird auch immer eine Tragödie bleiben.”19 Körperpolitik in Polen unter der PiS ist zu einer verstörenden Sphäre des chauvinistischen Diskurses geworden, der beschämenden Strategien und der Herabsetzung und Übergehung von Frauen. Die zeitgenössische Körperpolitik zeigt, dass die polnische Kultur noch im- 19 Siehe die komplette Rede, Zugriff am 21. Dezember 2016, http://www2.assembleenationale.fr/14/evenements/2015/anniversaire-loi-veil. Abtreibung: Ein Test der Demokratie 223 mer stark patriarchalische Merkmale aufweist; Frauen sollen gepriesen werden und hart arbeiten, aber die entscheidende Stimme ist an Lösungen zu vergeben, die traditionelle Geschlechterrollen und männliche Kulturmuster unterstützen. Und dies hatte nichts mit den Zielen wirklicher Männer zu tun, unter denen es viele Unterstützer wahrhaft feministischer und fortschrittlicher Werte gibt. In einer Rede von 2009 beurteilte Maria Janion die 25 Jahre der Demokratie in Polen und äußerte ihre Enttäuschung über die Gleichberechtigungspolitik, das Abtreibungsgesetz und die relativ geringe Präsenz von Frauen im öffentlichen Leben. Zusammenfassend erklärte sie, dass die polnische Demokratie eine männliche Demokratie sei. Der „männliche“ Charakter der polnischen Demokratie sollte nicht als Vorwurf gegen Männer an sich verstanden werden, sondern als Versuch, Werte am Leben zu erhalten, die Frauen unterdrücken.20 Die aktuelle Debatte über Gender, die Erfindung des Genderismus und der Gender-Ideologie als neuer Form der Hexenjagd, ist ganz klar ein weiteres Zeichen für den konservativen und „maskulinen“ Charakter der polnischen Demokratie, und es ist zu betonen, dass dieser maskuline Charakter für alle Geschlechter und Gender überaus unterdrückend wirken kann. Auf dem Höhepunkt des Gender-„Kriegs“ wurde ein Brief an den Papst versandt. In dem unter anderem von Professor Magdalena Środa unterzeichneten Schreiben wurde der Papst dazu aufgerufen, den falschen und unvernünftigen Gebrauch des Begriffs Gender durch die polnische katholische Kirche zu unterbinden. Die Initiative war in schmerzhafter Weise erfolglos. Die offene Antwort schien dieselbe Annahme zu vertreten: es gibt eine Gender-Ideologie, Genderismus und Gender-Lobbys und diese sind gefährlich. Dies ist zweifellos ein rhetorischer Schritt: katholische Kreise sind sich der Nützlichkeit von Gender als Konzept zur Erforschung und Beschreibung sozialer Kontexte voll bewusst und dies widerspricht auch nicht der Doktrin selbst (siehe Supplement, “Gender: fakty i mity”/Gender: Fakten und Mythen, Tygodnik Powszechny). In dieser Beilage vom Dezember 2013 sagte Sławomira Walczewska, eine berühmte polnische Feministin und Aktivistin: „Lasst uns aufhören, um den Begriff zu 20 M. Janion, Bohater spisek, śmierć. Wykłady żydowskie (Warszawa: Virtualo, 2009). Siehe meine Einführung zu Urszula Chowaniec et al., Women’s Voices and Feminism in Polish Cultural Memory (Newcastle: Cambridge Scholar Publishing, 2012). Kapitel 12 Das Streben nach der „normalen“ Familie 224 kämpfen. Es kann sich hier um einen linguistischen Trick handeln, um die Debatte zu stoppen. Vermeidet das Wort Gender. Wenn wir ‚Gender‘ durch kulturelle Rolle ersetzen, lässt das Konzept sich leichter schlucken. Aber reicht das? Oder ist das Bedürfnis nach einem Feindbild stärker?” Die beiden letzten Fragen bleiben immer noch unbeantwortet, oder sind ganz einfach rhetorisch. Abtreibung: Ein Test der Demokratie 225

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Zusammenfassung

Damit ein besseres Verständnis von geschichtswissenschaftlichen Zusammenhängen im öffentlichen Leben und in der aktuellen Politik Polens möglich wird, verschafft dieser Band mit Essays und Interviews sowohl dem informierten als auch dem nicht-spezialisierten Leser einen Überblick zur aktuellen polnischen Politik mit Einblicken in die jüngste Vergangenheit sowie in historische Zusammenhänge. Die Beiträge beleuchten Aspekte eines, anscheinend umfassenderen, Veränderungsprozesses, der seit der Finanzkrise 2008 in Europa und vor allem in den zentralen und östlichen Teilen des Kontinents stattfindet. Das Buch stellt einige komplexe wissenschaftliche Ideen für den Laien nachvollziehbar dar und bringt Wissenschaftlern die Vorteile von Echtzeit-Reportagen, empirischen und interdisziplinären Ansätzen nahe. Es ist ein Versuch, Antworten auf die Fragen zu finden, warum und wie die Prawo i Sprawiedliwość (PiS) wieder an die Macht kam und wie sie agiert, seit sie an der Macht ist.