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Schlussplädoyer in:

Carolin Puscher

Abfindungsregelungen in GmbH-Satzungen, page 279 - 280

Eine empirische Untersuchung zur Gestaltungs- und Abfindungspraxis in Deutschland

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4270-0, ISBN online: 978-3-8288-7170-0, https://doi.org/10.5771/9783828871700-279

Tectum, Baden-Baden
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Schlussplädoyer Obwohl den Gesellschaftern vor allem im Schrifttum umfassende Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich der Abfindungsberechnung und der Auszahlungsmodalitäten vorgestellt und empfohlen werden, zeigte die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführte empirische Untersuchung, dass das Thema „Abfindungsklauseln“ bei der Erstellung von GmbH- Satzungen oft vernachlässigt wird. Bei der Auswertung der ausgewählten GmbH-Satzungen fiel auf, dass die meisten Satzungen, die überhaupt eine ausdrückliche Regelung enthielten, standardisierte Formulierungen wiedergaben, die merklich für eine Vielzahl von Satzungen verwendet werden und nicht zu individuellen Lösungen führen sollten. Auch die häufige Vereinbarung von (modifizierten) Buchwertklauseln trotz der Gefahr, dass bei erfolgreicher Geschäftsentwicklung ein grobes Missverhältnis zwischen dem Buchwert und dem wahren Wert des Geschäftsanteils entstehen kann, weißt auf diese Nachlässigkeit hin. Genau aus diesem Grund wurden in der vorliegenden Arbeit Formulierungsvorschläge für einzelne Klauseln, aber keine vollständigen Abfindungsklauseln vorgeschlagen. Auch Praktiker sowie die Formularbuchliteratur sollten die Gesellschafter motivieren individuelle Lösungen zu finden, anstatt pauschale „Fertiglösungen“ anzubieten. Bei der Gründung einer GmbH werden oft andere Themen priorisiert und im laufenden Geschäftsbetrieb wird die Aufnahme einer Abfindungsklausel oder die Änderung einer bestehenden Regelung leicht übersehen oder einfach vergessen. Nicht zuletzt ist dies wahrscheinlich auch darauf zurückzuführen, dass es sich bei vielen GmbH um kleinere (Handwerks-)Betriebe handelt, bei denen die Gründungskosten möglichst gering gehalten werden sollen, um alle liquiden Mittel in das Unternehmen selbst investieren zu können. Oft wird daher die Frage der Abfindung und des Ausscheidens einzelner Gesellschafter auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Hauptanliegen der vorliegenden Arbeit war es, Gesellschaftern und ihren Beratern die Bedeutung und Chancen von Abfindungsklau- 279 seln aufzuzeigen. Sie soll einen Beitrag dazu leisten, dass zukünftig bei Gründung und Gestaltung der Satzung ein erhöhtes Augenmerk auf die Regelungen hinsichtlich des finanziellen Ausgleichs bei Beendigung der Mitgliedschaft gelegt wird. Durch eine interessengerechte und faire Abfindungsregelung kann auch nach Ausscheiden eines Gesellschafters der Gesellschaftsfrieden erhalten bleiben. Viele Gesellschafterstreitigkeiten können so vermieden werden, was nicht nur zur Liquiditäts- und Ressourcenschonung führt, sondern vor allem das schützt, was die Gesellschafter in jahrelanger Arbeit aufgebaut haben. Schlussplädoyer 280

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Zusammenfassung

Die Frage der Ausgestaltung von Abfindungsregelungen für den Fall des Ausscheidens eines Gesellschafters aus der GmbH ist in unserer schnelllebigen Gegenwart nicht nur für Unternehmensgründer, sondern auch für bereits bestehende Gesellschaften von großer praktischer Bedeutung. Das Thema birgt erhebliches Konfliktpotential, da hier eine interessengerechte Abwägung der (Teilhabe-)Interessen des ausscheidenden Gesellschafters und der Interessen der übrigen Gesellschafter zu erfolgen hat. Eine rechtstatsächliche und rechtswissenschaftliche Untersuchung der Thematik war daher schon vor dem Hintergrund der großen Anzahl von Gesellschaften mit beschränkter Haftung – die mit Abstand die beliebteste Rechtsform in Deutschland darstellt – längst überfällig.

Carolin Puscher legt mit ihrer Arbeit einen umfassenden Leitfaden für die Rechtstheorie und -praxis vor, indem sie die gegenwärtige Gesetzeslage und Rechtsprechung in großer Breite ausleuchtet und analysiert. Die von ihr durchgeführte empirische Untersuchung gibt zusätzlich Auskunft darüber, welche Abfindungsklauseln in der Praxis üblich sind. Die erörterten vertraglichen Gestaltungsmöglichkeiten und entwickelten Vorschläge für die Vertragsgestaltung ermöglichen es jedem Gesellschafter, die für seine Gesellschaft passende, individuelle Abfindungslösung zu finden.