Content

Gunnar Henrich

Antichinesischer Protest in Sambia und Namibia

Politische Verstimmungen oder rassistische Ressentiments?

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4253-3, ISBN online: 978-3-8288-7166-3, https://doi.org/10.5771/9783828871663

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Politikwissenschaften, vol. 80

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
WISSENSCHAFTLICHE BEITRÄGE AUS DEM TECTUM VERLAG Reihe Politikwissenschaft WISSENSCHAFTLICHE BEITRÄGE AUS DEM TECTUM VERLAG Reihe Politikwissenschaft Band 80 Gunnar Henrich Antichinesischer Protest in Sambia und Namibia Politische Verstimmungen oder rassistische Ressentiments? Tectum Verlag Gunnar Henrich Antichinesischer Protest in Sambia und Namibia. Politische Verstimmungen oder rassistische Ressentiments? Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Reihe: Politikwissenschaft; Bd. 80 © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2018 Zugl. Diss. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 2018 E-Book: 978-3-8288-7166-3 ISSN: 1869-7186 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4253-3 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlagabbildung: fotolia.com @ fabioberti.it Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Für meine Mutter 7 Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung ............................................................................................. 11 2 Forschungsstand zu den chinesisch-afrikanischen Beziehungen ............ 19 2.1 Die chinesisch-afrikanischen Beziehungen im historischen Kontext .......................................................................................... 19 2.2 Namibia und Sambia im Vergleich ................................................. 39 2.2.1 Geschichtliche Entwicklung Sambias ................................. 40 2.2.2 Geschichtliche Entwicklung Namibias ............................... 42 2.2.3 Geschichtlicher Vergleich von Namibia und Sambia .......... 44 2.2.4 Die sambische Wirtschaft ................................................... 45 2.2.5 Die namibische Wirtschaft ................................................. 46 2.2.6 Vergleich der sambischen und namibischen Wirtschaftspolitik ............................................................... 48 3 Historische und theoretische Annäherung an die Rassismusforschung .............................................................................. 63 3.1 Begriff und Formen von Rassismus ................................................ 63 3.2 Rassenbiologie ................................................................................ 66 3.3 Der Zusammenhang von Rassismus und Kolonialismus ................. 71 3.4 Der Begriff der Rasse als sozial konstruierte Ideologie nach Robert Miles .................................................................................. 73 3.5 Biologischer Rassismus und seine gesellschaftliche Wirkung nach Albert Memmi ............................................................................... 76 3.6 Rassismus als diskursive Kategorie nach Stuart Hall ....................... 79 3.7 Differentialistischer Rassismus nach Etienne Balibar ...................... 81 4 Methodisches Vorgehen ........................................................................ 87 4.1 Auswahl der Datenkörbe ................................................................ 87 4.2 Diskursanalyse ................................................................................ 89 4.3 Inhaltsanalyse ................................................................................. 93 4.4 Auswertung der Datenkörbe ........................................................... 95 4.5 Ableitung der vier Untersuchungskategorien ................................ 100 8 5 Namibia: Auswertung von Datenkorb 1 Presseberichterstattung ........ 105 5.1 Allgemeine Zeitung ...................................................................... 105 5.2 The Namibian .............................................................................. 110 5.2.1 Politischer Protest ............................................................ 111 5.2.2 Sozioökonomischer Protest .............................................. 125 5.2.3 Historischer Protest .......................................................... 133 5.2.4 Rassistischer Protest ......................................................... 138 6 Sambia: Auswertung von Datenkorb 1 Presseberichterstattung .......... 141 6.1 Lusaka Times ............................................................................... 141 6.1.1 Politischer Protest ............................................................ 141 6.1.1.1 Enttäuschung über Präsident Sata ...................... 141 6.1.1.2 Gefühle rechtlicher oder politischer Diskriminierung ................................................ 150 6.1.1.3 Vorwürfe von Misshandlungen und Sklavenrolle ....................................................... 160 6.1.1.4 Das Unglück in der Collum Mine ..................... 166 6.1.1.5 Der Human-Rights-Watch-Report von 2011 .... 171 6.1.2 Historischer Protest .......................................................... 171 6.1.3 Sozioökonomischer Protest .............................................. 173 6.1.3.1 Uneingelöste Versprechen der sambischen Regierung .......................................................... 173 6.1.3.2 Konkurrenzängste und ausbeuterische Arbeitsbedingungen ........................................... 174 6.1.3.3 Konkrete Unglücksfälle ...................................... 184 6.1.3.4 Allgemeine Arbeitskämpfe und Missstände ........ 185 6.1.3.5 Konkrete und produktive Ansätze zur Missstandsbehebung .......................................... 190 6.1.4 Rassistischer Protest ......................................................... 192 6.2 Zambian Economist ..................................................................... 201 6.2.1 Politischer Protest ............................................................ 201 6.2.2 Historischer Protest .......................................................... 203 6.2.3 Sozioökonomischer Protest .............................................. 207 6.2.3.1 Verletzung von Menschenrechten ...................... 207 6.2.3.2 Vorfall in der Collum Mine ............................... 208 6.2.3.3 Allgemeiner Protest gegen die Chinesen im Land .................................................................. 211 7 Datenkorb 2: Statements von Politikern ............................................. 213 7.1 Michael Chilufya Sata .................................................................. 213 7.2 Epafras Mukwiilongo ................................................................... 217 7.3 Benjamin Ulenga .......................................................................... 219 7.4 Chichimba Kambwili ................................................................... 220 9 8 Datenkorb 3: Umfragen ...................................................................... 223 8.1 Gerard van Bracht: Sambische Einstellungen zu chinesischen Migranten und Unternehmern ..................................................... 223 8.2 Andrew Niikondo: Namibische Fallstudie im Einzelhandel und Baugewerbe .................................................................................. 225 8.3 Länderstudie von Anthony Yaaw Baah und Herbert Jauch ........... 228 9 Verdichtung: Diskursmuster für antichinesischen Rassismus .............. 237 9.1 Verbindungen zur Kolonialzeit ..................................................... 240 9.2 Rhetorische Fragen ....................................................................... 242 9.3 Spiel mit Zahlen ........................................................................... 243 9.4 Rückschlüsse von Einzelfällen auf die Allgemeinheit .................... 246 9.5 Angst vor Überfremdung und kulturellem Verlust ....................... 249 9.6 Spekulationen und Verschwörungstheorien .................................. 253 9.7 Ergebnis der Verdichtung: Vom antichinesischen Protest zu Rassismus ..................................................................................... 255 10 Zusammenfassung und Ausblick ......................................................... 261 Literaturverzeichnis .................................................................................. 267 11 1 Einleitung Ein von der internationalen Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommener Konflikt spielt sich auf dem afrikanischen Kontinent ab. Dort kommt es vermehrt zu Ressentiments und Ausschreitungen gegen dort lebende Angehörige eines Staates, der erst seit etwa zehn Jahren die wirtschaftliche und politische Situation im postkolonialen Afrika zu beeinflussen versucht: die Volksrepublik China. Besonders andauernd und intensiv sind die Probleme vor allem in Namibia und Sambia. In beiden Staaten besteht ein sich zunehmend radikalisierender Protest gegen chinesische Investoren und Einwanderer. Während die beiden Regierungen die chinesischen Finanzhilfen und Investitionen willkommen heißen, wird in der Bevölkerung eine immer stärkere Ablehnung gegenüber chinesischen Investoren und Migranten, die hauptsächlich als Kleingewerbetreibende in Erscheinung treten, deutlich. Die Chinesen werden entweder als unfaire und finanziell besser ausgestattete Konkurrenten oder als völlig rücksichtslose Arbeitgeber angesehen. Es kam in den vergangenen Jahren bereits zu kleineren Ausschreitungen, auch populistisch orientierte Parteien und Politiker machen sich das Thema zunutze und mobilisieren die Wähler mit antichinesischen Ressentiments. Es stellt sich zunächst die Frage, wie sich die antichinesischen Ressentiments zeigen, wer sie artikuliert und in welchem Kontext sie auftreten. Die vorliegende Arbeit untersucht anhand eines Vergleichs der zwei afrikanischen Staaten im südlichen Afrika, Namibia und Sambia, wie der antichinesische Protest zustandegekommen ist, welche Verläufe und Formen er angenommen hat und wann er als Rassismus auftritt. Diesbezüglich soll zunächst aufgezeigt werden, dass eine veränderte Wahrnehmung der Rolle Chinas seitens der afrikanischen Bevölkerung zu beobachten ist: Von einem offiziell als gleichberechtigten Freund mit gemeinsamer Erfahrung kolonialer Fremdbestimmung ändert sich die afrikanische Wahrnehmung über China hin zu einem übermächtigen, rücksichtslosen Ausbeuter und Unterdrücker. In der Literatur wird auf die zunehmend ablehnende Einstellung der Afrikaner gegenüber den chinesischen Wirtschaftspraktiken im postkolonialen Afrika 12 verwiesen.1 So schlägt Ludger Kühnhardt vor, das finanzielle Potenzial der rund sechs Millionen Auslandschinesen in Europa und den USA von mehr als 600 Mrd. US-$ für gezielte Investitionen in Afrika nutzbar zu machen und dadurch die Abhängigkeit von den ausländischen Geldgebern zu verringern, deren Entwicklungshilfe zu keiner Entwicklung, sondern höchstens zu „Sozialhilfe“ geführt hätte.2 Afrikaner würden bereits heute eine eigene Agenda definieren und verteidigen.3 Die Eckdaten des chinesischen Engagements in Afrika werden wiederholt in der Literatur aufgeführt: Die Expeditionen des chinesischen Admirals Zheng He auf dem afrikanischen Kontinent im 15. Jahrhundert werden als offizieller Beginn der Beziehungen bezeichnet. Danach gab es über mehrere Jahrhunderte keine dokumentierten Begegnungen zwischen Afrika und China. China isolierte sich, wurde im 19. Jahrhundert von Europa kolonisiert, schließlich kam es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu der japanischen Besatzung und dem innerchinesischen Bürgerkrieg zwischen den Kommunisten und der nationalchinesischen Regierung. Das Verhältnis zu Afrika änderte sich erst nach der Gründung der Volksrepublik China 1949. Während der Regierungszeit Mao Zedongs unterstützte China die in der Entstehung begriffenen antikolonialen Befreiungsbewegungen in Afrika. Die Wiederentdeckung des afrikanischen Kontinents infolge der Wirtschaftsreformen Deng Xiaopings war jedoch erst in den 2000er Jahren mit einem einmaligen Großereignis möglich: Die Etablierung des Forums für China-Africa Cooperation (FO- CAC) in Peking im November 2006. 48 von 53 afrikanischen Staatschefs beschlossen mit der chinesischen Regierung eine neue Form der strategischen Partnerschaft, die auf den Prinzipien der politischen Gleichheit, des gegenseitigen Vertrauens und des kulturellen Austauschs beruhen sollte. Flankiert wurden diese Vereinbarungen mit umfassenden Finanzhilfen.4 Wissenschaftler versuchen seit Längerem, die politischen und wirtschaftlichen Ziele der chinesischen Regierung im postkolonialen Afrika zu bestimmen. Bereits 2005 führte Denis Tull aus, dass Chinas Engagement in Afrika – neben wirtschaftlichen Motiven – in eine politische Gesamtstrategie eingebettet sei.5 Joshua Kurlantzick6 nennt als chinesische Ziele unter anderem die Erreichung des Status einer Großmacht. Dabei bediene sich China der Soft- 1 Vgl. Botha 2004, S. 64. 2 Kühnhardt 2017. 3 Kühnhardt 2014, S. 292. 4 Jaing 2008, S. 52. 5 Tull 2005, S. 6. 6 Kurlantzick 2006, S. 2. 13 Power-Methode. Soft Power stützt sich auf Finanzhilfen für die öffentliche Infrastruktur und für die Wirtschaft und nicht auf militärische Interventionen und Gewalt, um den politischen Einfluss in einer Region oder in einem Staat auszubauen. Xuewu Gu arbeitete in seiner Untersuchung über Perspektiven und Trends des chinesischen Engagements im postkolonialen Afrika heraus, dass die chinesische Regierung langfristig beabsichtigt, Afrika als Energie- und Rohstofflieferant zu nutzen.7 In Bezug auf Sambia und Namibia steht die Nutzung von Rohstoffen im Mittelpunkt der bilateralen Zusammenarbeit. Ludger Kühnhardt spricht die Möglichkeit an, dass China den afrikanischen Staaten als Vorbild für eine anzustrebende wirtschaftliche Unabhängigkeit dienen könnte. China hat in einer Generation Millionen eigener Einwohner aus der Armut befreit. Afrika könnte durch China die Grenzen dieses Erfolgs anhand der sozialen Spaltungen in der chinesischen Gesellschaft erkennen und vielleicht für sich selbst verhindern.8 Sambia verfügt über eines der größten Kupfervorkommen der Erde und Namibia verfügt unter anderem über Uranvorkommen, die für den Betrieb der expandierenden Kernenergie in China benötigt werden. Aufgrund der erheblichen Verbreitung chinesischer Konsumgüter in Afrika sei laut Gu von einer „Veränderung der afrikanischen Lebensart“ auszugehen.9 Er nennt als weitere chinesische Ziele die afrikanische Unterstützung in der UNO, die Isolierung Taiwans und die Versorgung mit afrikanischem Erdöl.10 Chris Alden bescheinigte den traditionellen westlichen Geldgebern in Afrika eine Gefährdung ihrer bisherigen Dominanz durch aggressiv auftretende chinesische Staatsunternehmen.11 Er beschreibt drei Hauptlinien in der internationalen Diskussion über das chinesische Engagement in Afrika: China trete als ökonomischer Partner, als Konkurrent der afrikanischen Partnerstaaten oder als neue Kolonialmacht auf.12 Zwei Perspektiven sind in der einschlägigen Literatur dominant: Einerseits könnte ein kolonisiertes, wirtschaftlich von China abhängiges Afrika entstehen, das sich zu einem Absatzmarkt für chinesische Produkte, zu einem Rohstofflieferant für China und zu einem Einwanderungsland für Millionen Chinesen entwickeln würde. Andererseits wird das Bild eines wirtschaftlich prosperierenden, selbstständigen Afrikas entworfen. Mit den chinesischen Investitionen wäre sogar ein eigenes Wirtschaftswunder denkbar. Auf eine 7 Gu 2006a. 8 Kühnhardt 2014, S. 271. 9 Gu 2006b. 10 Gu 2005. 11 Alden et al. 2006, S. 94. 12 Alden 2007, S. 5. 14 mögliche afrikanische Reaktion gegen die chinesische Konkurrenz wird in der Literatur nicht hinreichend eingegangen. Es wäre jedoch vermessen, die Perspektiven auf die beiden vorgestellten Szenarien zu beschränken. Laut Karen L. Harris gibt es ablehnende Ansichten über chinesische Staatsbürger und chinesische Migranten auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Die chinakritischen Ansichten sind von politischem Opportunismus und Ignoranz geprägt und werden von den Medien mit einer entsprechenden Berichterstattung unterstützt.13 Barry Sautman zieht einen Vergleich zwischen den antichinesischen Ressentiments in Sambia und den von ihm als rassistisch bezeichneten Hass auf chinesische Einflüsse jeglicher Art in den USA des 19. Jahrhunderts.14 Robert Negi vertritt die Auffassung, die antichinesischen Proteste in Sambia seien die intensivsten im Vergleich zu allen anderen afrikanischen Staaten.15 Die chinesischen Einwanderer im Nordamerika und Australien traten im 19. Jahrhundert als billig entlohnte Arbeiter und Goldsucher in der Rolle des Konkurrenten gegenüber der einheimischen Bevölkerung auf. Dagegen erscheinen die Chinesen in Namibia und Sambia heute in einer anderen Rolle: in Form von großen Konzernen, die von den Regierungen ins Land geholt wurden. Die Konzerne sind dem Vorwurf ausgesetzt, sie würden die Arbeitsbedingungen diktieren und ungehindert Arbeitskräfte ausbeuten und unterdrücken. Bevor die chinesischen Unternehmen in Afrika investierten, nahm die kommunistische Führung unter Mao Zedong jahrzehntelang die offizielle Rolle als Freund der antikolonialen Befreiungsbewegungen in Namibia und Sambia ein. Die in der Literatur als „all-weather-friendship“ bezeichneten freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden afrikanischen Staaten und China wurden offiziell von keinem sambischen und namibischen Staatspräsidenten infrage gestellt. Die vorliegende Arbeit will eine Lücke in der Literatur schließen, die hinsichtlich Form und Ausdruck des afrikanischen Protests gegen den politischen Einfluss der chinesischen Politik besteht. Eine wissenschaftliche Analyse zu den antichinesischen Aktivitäten in Afrika liegt noch nicht vor. Insbesondere gab es noch keine Untersuchung, die sich mit Ursachen, Verlaufsformen und Folgen dieser Proteste gegen die Anwesenheit von Chinesen in den beiden afrikanischen Staaten befasst. Dabei wird die Frage zu klären sein, inwieweit es sich bei den Protesten um politische Verstimmungen oder rassistische Ressentiments gegenüber den Chinesen in Afrika handelt. 13 Harris 2010, S. 4. 14 Sautman 2013, S. 87–88. 15 Negi 2008, S. 43. 15 Sambia und Namibia befinden sich im Süden Afrikas. Die beiden Staaten gleichen sich in mehrfacher Hinsicht. Ähnlichkeiten bestehen in der historischen Entwicklung als ehemalige und erst spät unabhängig gewordene Kolonien. Beide Staaten verfügen mit Kupfer- und Uranvorkommen über strategisch relevante Bodenschätze. Zudem wird in beiden Ländern durch die Geschichte der antikolonialen Befreiungsbewegungen eine Tradition des Protests gepflegt, in Sambia vor allem bei Arbeitern in der Bergbauregion. In Sambia schürte mit Michael Sata ein Oppositionspolitiker im Wahlkampf 2011 zum ersten Mal in der afrikanischen Geschichte gezielt antichinesische Ressentiments und gewann die Wahl zum Staatspräsidenten. Es ist sinnvoll, die bisher aufgetretenen Formen des Protests zu kategorisieren und anhand der empirischen Beispiele systematisch darzustellen. Eine solche Übersicht kann dazu beitragen, eine problematische Entwicklung in den afrikanisch-chinesischen Beziehungen zu erkennen und wissenschaftlich zu analysieren. Mit einer Kategorisierung des Protests können auch die Konfliktfelder von Chinesen und Afrikanern konkret identifiziert werden. Es geht dabei um die Fragestellung, in welchen Formen der Protest von Afrikanern gegen die dort lebenden Chinesen, gegen die chinesische Regierung und gegen Unternehmen auftritt. Schließlich ist zu klären, wann der Protest rassistische Formen annimmt. Zur Beantwortung der Frage werden chinesische und afrikanische Akteure und der jeweilige Kontext, in dem Protest auftreten kann, miteinander verglichen. Mit einem Ländervergleich zweier afrikanischer Staaten kann der Protest nicht nur einem konkreten Land mit den landestypischen Besonderheiten zugewiesen, sondern als Muster auf den gesamten afrikanischen Kontinent bezogen werden. Als Methode bietet sich eine Kombination aus zwei Ansätzen an: die Diskursanalyse und die Inhaltsanalyse. Früh entwickelt aus den Postcolonial Studies heraus hat die Methode der Diskursanalyse eine lange Tradition. Die Arbeiten von Edward Said (Orientalism, 1978) und Homi K. Bhabha (The Location of Culture, 1994) entwickelten bereits vor Jahrzehnten Formen der Diskursforschung. Homi K. Bhabha verstand die Diskursanalyse als grundlegendes Modell von Protest gegen die koloniale Herrschaft. Mit diesem Ansatz prägte er die Postcolonial Studies nachhaltig. Edward Said sah seine Methode der Diskursforschung in der Verbindung zwischen westlichen Diskursen über den Begriff Orient und den historischen Formen kolonialer Eroberung und Besetzung. Er zog eine scharfe Trennung zwischen der westlichen Wahrnehmung von Kolonialismus und den historischen Tatsachen. Die „Colonial 16 Diskurse Analysis“ sehen Berichte und Dokumente über den Kolonialismus als konstituierend für den Prozess der Kolonisierung an.16 Das Auftreten der Volksrepublik China in Namibia und Sambia wird in Teilen der Bevölkerung beider Staaten häufig als kolonialistisch bezeichnet. Aufgrund der Erfahrungen während der europäischen Kolonialzeit ist die Empfindlichkeit der Bevölkerung gegenüber fremden Mächten in beiden Staaten besonders ausgeprägt. Diese Erfahrungen beeinflussen auch den antichinesischen Protest und die daraus entstehenden Diskurse. Die Inhaltsanalyse ist eine Methode, die sich mit der Diskursanalyse überschneidet und die in dieser Arbeit mit dem Programm MAXQDA durchgeführt wird. Anne Waldschmidt wendet wie viele andere Wissenschaftler eine Kombination aus beiden Methoden an.17 Die Kategorien bilden die Hauptunterscheidungs- und Einordnungsmerkmale für das Analysematerial. Ländervergleiche sind mit der Methode der Inhaltsanalyse bisher kaum vorgenommen worden. Kategorien sind notwendig, um eine Differenzierung des Protests vorzunehmen und sie im Falle unterschiedlicher Ausprägungen voneinander abzugrenzen. Unterschiedliche Datenkörbe können das Auftreten von Protest wesentlich besser belegen als eine einzige Datenquelle. Im Rahmen der ausgewählten Kategorien wird der Protest anhand der wichtigsten rassistischen Theorien überprüft und ist dementsprechend entweder als Protest oder als rassistisches Ressentiment gekennzeichnet. Der antichinesische Protest wird in seiner ganzen Bandbreite vor allem medial kommuniziert und von politischen Akteuren sprachlich umgesetzt, auch wenn er vorher bereits bei Bergarbeitern oder Angestellten von chinesischen Unternehmen entstanden ist. Als Datenkörbe werden öffentlich zugängliche Quellen verwendet. Angesichts einer geringen Zahl von Presseerzeugnissen in beiden Staaten fällt die Wahl des ersten Datenkorbs auf Medienplattformen, um möglichst viele Geschehnisse und Meinungen zum Protest abbilden zu können. In Namibia werden die Internetauftritte der zwei größten namibischen Zeitungen ausgewählt. Der zweite Datenkorb soll die relevantesten Akteure und Kommunikatoren des antichinesischen Protests abbilden. Die Vorwürfe gegen die Chinesen werden vor allem von Oppositionspolitikern aufgenommen und über die Medien mitgeteilt. Der dritte Datenkorb gibt die antichinesische Meinung an Beispielen aus der Bevölkerung wieder. Er besteht aus drei Untersuchungen, die sowohl Einzelinterviews als auch vorformulierte Fragen zur chinesischen Wahrnehmung in Namibia und Sambia auswerten. Jeweils eine Untersuchung bezieht sich auf Nambia und Sambia, die dritte hat beide Staaten zum Gegen- 16 Grimm 1997, S. 41. 17 Waldschmidt 2010, S. 157. 17 stand. Die Untersuchung erfasst den Zeitraum vom 1.1.2010 bis zum 31.12.2014. Der Zeitraum ist in beiden Staaten evident für die politischen Veränderungen im Hinblick auf das politische Verhältnis zu China. Der größte Chinakritiker in Sambia, Michael Chilufya Sata, wurde nach seinen antichinesischen Wahlkämpfen von 2006 bis 2008 im Jahr 2011 sambischer Staatspräsident und blieb es bis zu seinem Tod 2014. Als Sata das Präsidentenamt übernommen hatte, änderte er seine Haltung grundlegend und wechselte von einer chinakritischen zu einer chinafreundlichen Sichtweise. In Namibia begründet sich der Zeitraum von 2010 bis 2014 auch dadurch, dass dort zum ersten Mal ein Populist die politische Bühne betrat, der langfristig mit einer antichinesischen Rhetorik politische Erfolge haben könnte: Epafras Mukwiilongo. Die vorliegende Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Zunächst gebe ich in Kapitel 2 einen Überblick über den Forschungsstand zu den chinesischen Aktivitäten im postkolonialen Afrika. Anschließend stelle ich die beiden zu untersuchenden Staaten Namibia und Sambia aus historischer, politischer und wirtschaftlicher Sicht vor. In Kapitel 3 werden die wichtigsten Rassismustheorien analysiert, die die Grundlage für die empirische Auswertung bilden. Anschließend wird in Kapitel 4 die Methode vorgestellt, mit der der Ländervergleich durchgeführt werden soll. In den Kapiteln 5 bis 8 werde ich die drei Datenkörbe beider Staaten untersuchen. Für den ersten Datenkorb wird zunächst Namibia in der Reihenfolge Zeitungsartikel, politische Reden und wissenschaftliche Studien untersucht. Dabei gliedere ich die vorliegenden Daten nach den vier Kategorien politischer, sozioökonomischer, historisch geprägter und rassistischer Protest. Nach dieser Vorgehensweise folgt dann eine Untersuchung zu Sambia. Die Zeitungsartikel für Namibia werden in Kapitel 5 und die für Sambia in Kapitel 6 analysiert. Jeder Artikel kann einem oder mehreren dieser Kriterien inhaltlich zugewiesen werden. Nach denselben Kriterien gehe ich bei dem zweiten Datenkorb, den Reden der Politiker, vor. Hier wird jede Rede in dem Kontext, in dem sie gehalten wurde, bzw. in der Form vorgestellt, in der die Rede dokumentiert ist. Die Äußerungen sambischer Politiker werden in den Abschnitten 7.1 und 7.4 und die Äußerungen namibischer Politiker in den Abschnitten 7.2 und 7.3 analysiert. Michael Sata aus Sambia und Epafras Mukwiilongo aus Namibia sind besonders durch antichinesische und populistische Äußerungen aufgefallen und werden deswegen nacheinander folgend vorgestellt. Bei den Umfragen im dritten Datenkorb werden Art und Form der Erhebung in Kapitel 8 ausgewertet. Die Ergebnisse der empirischen Analyse werden anhand von sechs Diskursmustern im Rahmen einer Verdichtung in Kapitel 9 zusammengefasst. Am Ende folgen in Kapitel 10 die Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und ein kurzer Ausblick auf weitere Forschungsfragen. 19 2 Forschungsstand zu den chinesisch-afrikanischen Beziehungen 2.1 Die chinesisch-afrikanischen Beziehungen im historischen Kontext Der Beginn der chinesisch-afrikanischen Beziehungen lässt sich bis in die Zeit zum Ende des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen, als der Pekinger Admiral Zheng He18 umfassende Expeditionen auf dem afrikanischen Kontinent durchführte. Diese Expeditionen hatten jedoch keinen Einfluss auf die afrikanische Entwicklung. Die Herrscher in China fanden es im Gegensatz zu den europäischen Mächten nicht erstrebenswert, die afrikanischen Reiche als Kolonien zu unterwerfen oder nach Rohstoffen wie Edelmetalle und Erze zu suchen. So war lange Zeit kaum etwas über Zheng He bekannt, bis im Zuge der wirtschaftlichen Ausdehnung auf dem afrikanischen Kontinent ein politisches Interesse bestand, zugunsten der chinesischen Propaganda eine angeblich Jahrhunderte alte „afrikanisch-chinesische“ Freundschaft, die immer von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen sei, hervorzuheben. Während das vorkommunistische China mit Afrika so gut wie keine Berührungen hatte und die Nationalchinesen unter Chiang Kai-shek sich mehr dem Westen und insbesondere den USA zugewandt hatten, gab es erst nach der Gründung der Volksrepublik China 1949 wieder eine langsame Öffnung gegenüber dem afrikanischen Kontinent. Diese Öffnung war allerdings sehr gezielt und hatte nicht unbedingt wirtschaftliche Gründe, weil es vor allem um die Verbreitung der kommunistischen Ideologie ging. Während der Regierungszeit Mao Zedongs unterstützte China die antikolonialen Befreiungsbewegungen in Afrika 18 Admiral Zheng He führte maritime Forschungsexpeditionen mit umfangreicher Ausrüstung bis an die afrikanische Küste durch. Die Begegnung mit Afrika blieb ohne wirtschaftliche oder geschichtliche Folgen, weil kurz nach den Expeditionen eine isolationistische Politik des chinesischen Kaiserhauses begann und die Forschungsreisen eingestellt wurden. 20 in der Hoffnung, dass die zu unterstützenden Widerstandsbewegungen empfänglich für sinokommunistische Ideen wären. Die Wiederentdeckung des afrikanischen Kontinents im Zuge der Wirtschaftsreformen Deng Xiaopings wurde aber erst in den 2000er Jahren mit einem einmaligen Großereignis verbunden: Ein einschneidendes Ereignis der sinoafrikanischen Beziehungen war die Etablierung des Forum on China-Africa Cooperation (FOCAC) in Peking im November 2006. 48 von 53 afrikanischen Staats- und Regierungschefs vereinbarten mit der chinesischen Regierung eine neue Form der strategischen Partnerschaft, die auf den Prinzipien der politischen Gleichheit, des gegenseitigen Vertrauens, wirtschaftlicher Win-Win-Kooperationen und des kulturellen Austauschs beruhen sollte. Sekundiert wurden diese Vereinbarungen mit umfassenden Finanzhilfen wie der Etablierung eines China-Afrika- Entwicklungsfonds im Umfang von 5 Mrd. US-$.19 Die chinesische Afrikapolitik beruht auf „fünf Prinzipien der gegenseitigen Koexistenz“. Die gegenseitige Nichteinmischung in innere Angelegenheiten wird als das wichtigste Prinzip angesehen. Normiert sind diese Prinzipien im Strategiepapier zur chinesischen Afrikapolitik von 2006.20 China gewährt Entwicklungshilfe in drei Formen: Subventionen (u.a. für Reis und materielle Güter), Anleihen und seit 1995 auch konzessionäre Kredite mit subventionierten Zinssätzen. Der größte Unterschied zur westlichen Entwicklungshilfe sind die beiden Prinzipien der Nichteinmischung und des gegenseitigen Nutzens.21 Nur fünf afrikanische Staaten pflegen keine diplomatischen Beziehungen zur Volksrepublik China und sind dem FOCAC nicht beigetreten. Es handelt sich dabei um Burkina Faso, Gambia, Malawi, Sao Tome und Swasiland.22 Auch die Magrebstaaten sind Mitglied im FOCAC. Diese sehr hohe Präsenz führt zu unterschiedlichen Wahrnehmungen in der westlichen Literatur. Phillip Gieg vertritt die Meinung, dass China nicht einseitig wirtschaftlich, sondern auch politisch und diplomatisch in Afrika erfolgreich sei. Er betont die Soft-Power-Komponente des sinoafrikanischen Verhältnisses. Dabei lege Peking in erster Linie Wert auf die Sicherung der eigenen Rohstoffversorgung durch Afrika.23 Angesichts der erreichten Ziele sei die jüngere chinesische Afrikapolitik eine der erfolgreichsten außenpolitischen Regionalstrategien überhaupt.24 Nach einer Studie wirken sich die quantifi- 19 Jaing 2008, S. 52. 20 Gieg 2010, S. 70. 21 Brautigam 2008, S. 200. 22 Moyo 2009, S. 106. 23 Gieg 2010, S. 78. 24 Gieg 2010, S. 124. 21 zierbaren Effekte des Wachstums der „Asian Drivers“ überwiegend positiv auf die afrikanische Wirtschaft aus. Dieses vorläufige Ergebnis impliziert aber nicht, dass diese Vorteile immer bestehen bleiben.25 Neben China tätigt mittlerweile auch Indien umfangreiche Investitionen in Afrika,26 von denen besonders Nigeria, Südafrika und Namibia profitieren. Die Studie unterstreicht eine eher ökonomisch orientierte Wahrnehmung der afrikanischen Chinapolitik. China ist nicht die einzige Volkswirtschaft, die in Afrika investiert. Ludger Kühnhardt weist darauf hin, dass in der amerikanischen Wahrnehmung Chinas Wunsch nach Ressourcensicherung der Hauptgrund für die Investitionen in Afrika ist. Tatsächlich verfolgt auch die Europäische Union mit ihren Investitionen in Afrika das Ziel, Zugang zu den Ressourcen und Energiesicherheit zu gewinnen.27 Die Fokussierung auf die Soft-Power-Komponente ist eine genuin westliche Sichtweise. Soft Power ist ein westliches Konzept, das ursprünglich die Außenpolitik der Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmen sollte. Das Konzept ist zwar von der chinesischen Regierung adaptiert und in die chinesische Diplomatie eingewoben worden, aber eine Eins-zu-eins- Übernahme eines westlichen Konzepts für eine Kultur, die sich jahrtausendelang von der Außenwelt verschloss, lässt sehr schwer umsetzen. Die Ergebnisse des Wachstums der Asian Drivers, die den Afrikanern zugutekommen und von Goldstein ausgewertet werden, zeigen eine in der westlichen Literatur seltene Perspektive. Während Chinas Auswirkungen auf Afrika häufig als schädlich für die afrikanische Wirtschaft oder Demokratie angesehen werden, nimmt Goldstein die afrikanische Perspektive ein und kommt zu vielversprechenden Ergebnissen. Chinesische Investitionen in technisches Know-how und Kapazitäten für die afrikanische Landwirtschaft sind notwendig, weil die chinesische Regierung in Afrika den Anbau von Nahrungsmitteln unterstützt, die für den Export nach China vorgesehen sind. Dadurch soll der Anbau von landwirtschaftlichen Produkten forciert werden.28 Der afrikanische Kontinent ist geprägt von einer langen und verhängnisvollen Geschichte mit den leidvollen Erfahrungen, von europäischen Kolonialmächten abhängig zu sein. Diese Sicht wird auch in der Literatur geteilt. 25 Goldstein et al. 2006, S. 97. 26 Sandner 2012. 27 Kühnhardt 2014, S. 185. 28 Goldstein et al. 2006, S. 112. 22 Kweku Ampiah und Sanusha Naidu befassen sich mit einer Sicht auf Afrika, die auf die koloniale Geschichte des Kontinents abstellt. Sie verweisen auf das Second Scramble, das einen systematischen Rohstoffabbau zum Ziel hat. Diese Deutung wird als problematisch für Afrika beschrieben und geht mit der China Threat Theory einher.29 Jenseits dieser eher martialischen Begriffe gibt es auch Befürworter: Ampiah begrüßt das chinesische Engagment in Afrika und sieht vor allem Entwicklungschancen und Vorteile für die afrikanischen Staaten, in denen China Investitionen tätigt. Eine eher neutrale Sicht stützt sich auf die Rollenmodelle, die Ampiah und Naisu als einen Dreiklang bezeichnen, den die chinesischen Bestrebungen in Afrika annehmen könnte: Die Chinesen treten entweder als Partner, Mitbewerber oder Kolonialmacht auf.30 Von vielen Afrikanern wird die chinesische Dominanz auf die Erfahrungen der kolonialen Vergangenheit bezogen. Es muss jedoch beachtet werden, dass China keine eigenen Kolonien wie die europäischen Staaten hatte und eine solche Außenpolitik offiziell auch nicht propagiert wird. Es ist wiederum zutreffend, dass China seit Jahrhunderten Macht in Form von Tributsystemen ausübte, beispielsweise über Korea. Bis ins 20. Jahrhundert hinein dominierte China über Vietnam. Die Dominanz führte 1979 sogar zu einer militärischen Intervention, mit der die chinesische Regierung ihre Machtposition gegenüber Vietnam unterstrich. Die afrikanischen Staaten sind infolge der bitteren Erfahrungen, die die europäischen Staaten mit der kolonialen Herrschaft hinterlassen haben, äußerst sensibilisiert gegenüber möglichen neuen kolonialen Verhältnissen. Offizielle chinesische Verlautbarungen über die Rolle Chinas belegen Amphias und Naisus These, dass China ein „Partner“ für Afrika sei. Die Partnerrolle kommt der offiziellen politischen Realität wesentlich näher. Der Einfluss Chinas auf Afrika ist komplexer und psychologisch vielfältiger, als es die westlichen Stereotypen beschreiben. Es gibt in China eine intensive Diskussion über das chinesische Engagement in Afrika. Eine geplante Strategie scheidet nach Meinung vieler chinesischer Wissenschaftler aus. In China selbst wird das Engagement in Afrika von den meisten chinesischen Kommentatoren und hochrangigen Offiziellen nicht als Alternative zum Washington-Consensus31 gesehen. Ein möglicher Beijing- 29 Ampiah et al. 2008, S. 3. 30 Ampiah et al. 2008, S. 4. 31 Der Washington-Consensus besteht aus einer Reihe politischer Maßnahmen zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums. Der Zweck war unter anderem die Deregulierung der Sozialpolitik, Verminderung der Staatsausgaben, Liberalisierung und Entbürokratisierung. Der Washington-Consensus wurde lange Zeit vom IWF und 23 Consensus wird abgelehnt. Die chinesischen Kommentatoren vertreten die Auffassung, die chinesische Hilfe solle den afrikanischen Staaten die Möglichkeit für eine eigenständige Entwicklung geben.32 Die Aussage, afrikanische Konsumenten würden von dem chinesischen Engagement nicht profitieren, sei nicht zutreffend.33 Diese Aussagen deuten darauf hin, dass die chinesische Regierung an einer konstruktiven Entwicklung interessiert ist. In Afrika gibt es dagegen durchaus einige Vorbehalte gegen das chinesische Engagement. Der ehemalige südafrikanische Präsident Thabo Mbeki warnte die afrikanischen Staats- und Regierungschefs davor, eine koloniale Abhängigkeit zu China entstehen zu lassen.34 Ludger Kühnhardt spricht sich für einen Africa-Consensus aus, der in Abgrenzung zum Washington-Consensus die strategischen und politischen Zielsetzungen Afrikas zusammenfasst und dadurch Afrika zu einem rechtmäßigen Partner für die internationalen Beziehungen werden lässt. Der Africa- Consensus soll dem Zweck dienen, die eigenen afrikanischen Interessen zuerst zu berücksichtigen und dadurch die Zukunft Afrikas erfolgreich zu gestalten.35 Es ist wichtig, dass auch die chinesische Seite zum Vorschein kommt. Die innerchinesische Diskussion wird in der westlichen Literatur viel zu wenig berücksichtigt. Dies liegt auch an der Intransparenz der Quellen und der häufig vorhandenen Unkenntnis der chinesischen Sprache bei westlichen Kommentatoren, sodass häufig nur ein kleiner Kreis aus Fachleuten einen Einblick in die aktuelle Debatte hat. Es fällt auf, dass die westlichen Begriffe für das chinesische Engagement in Afrika in der chinesischen Debatte nicht auftauchen. Zu diesen Begriffen gehört etwa „Beijing-Consensus“ als informelle Absprache zwischen China und afrikanischen Demokratien und Diktaturen. Der Sinn des „Beijing-Consensus“ bestehe in der Unterwanderung des „Washington-Consensus“, indem China sich weder an Demokratisierung und an weltanschauliche Bekenntnisse geknüpfte Entwicklungshilfe beteilige noch einen Unterschied zwischen Diktaturen und Demokratien mache. Dabei interpretiert die chinesische Regierung das Prinzip der Nichteinmischung wertfrei: Niemand soll sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen von der Weltbank sowie von westlichen Geberländern für Entwicklungsländer propagiert. Empfänger dieser Programme waren unter anderem die ehemaligen europäischen Ostblockstaaten nach ihrem Zusammenbruch, Teile Lateinamerikas und die asiatischen „Tigerstaaten“ wie etwa Südkorea und Taiwan. 32 Ampiah et al. 2008, S. 11. 33 Moyo 2009, S. 109. 34 Ampiah et al. 2008, S. 331. 35 Kühnhardt 2014, S. 273. 24 Landes einmischen. Der Westen verfolgt häufig eine gegenteilige Strategie und fordert von den afrikanischen Staaten die Anerkennung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Wenn Rechtsstaatlichkeit und Demokratie beispielsweise in China aufkommen sollten, ist von einer eigenständigen chinesischen Interpretation auszugehen, die sich westlichen Beobachtern nicht so ohne Weiteres erschließt. Carmody vertritt die Auffassung, der „Fluch der Ressourcen“ sei eine Art der Regierungsführung in Afrika.36 Auch wenn die aktuellen Umstände Elemente eines „Ressourcen-Kolonialismus“ aufweisen würden, gäbe es langfristig ein Potenzial für die Verringerung der Armut in Afrika. Afrikanische Staaten müssten die zunehmende Nachfrage nach natürlichen Ressourcen umstrukturieren und langfristig koordinieren.37 Carmody bezeichnet das chinesische Verhalten in Afrika als „Flexigemony“. Unter diesen Begriff versteht er eine Kombination aus wirtschaftlichen, politischen und militärischen Hebeln, die zu strategischen Zwecken kombiniert würden. Militärische Macht komme jedoch nicht zum Einsatz. Stattdessen würde China direkte ökonomische Macht einsetzen, um eigene Interessen in Afrika zu sichern.38 Diese These wird durch die immer wieder in China sichtbar werdende und erfolgreich verlaufende Vereinbarkeit verschiedener Strategien und Politikformen deutlich. Die chinesischen Akteure im subsaharischen Afrika sind staatseigene Unternehmen, die Zugang zu Kapital mit günstigen Konditionen haben und sehr langfristig planen.39 Carmody ist zuzustimmen, dass die chinesische Strategie eine ungewöhnliche Flexibilität aufweist. Dabei ist Flexibilität ebenso wie Realpolitik eigentlich eher ein westliches und nicht zwingend ein chinesisches Konzept. Tatsächlich verfügen die Chinesen über eine gewisse Gewandheit, die sich annähernd mit Flexibilität beschreiben lässt. Die chinesische Flexibilität wird in der westlichen Literatur selten berücksichtigt.40 Deshalb sind auch entsprechende Urteile nicht zutreffend, die China wahlweise als ein ausschließlich Manchesterkapitalistisches41 oder als aggressiv-kommunistisches System einschätzen. 36 Carmody 2010, S. 5. 37 Carmody 2010, S. 6. 38 Carmody 2010, S. 82. 39 Carmody 2013, S. 27. 40 Eine Ausnahme bildet Alastair Ian Johnston (1998) der in seinem Werk „Cultural Realism“ eine jahrtausendelange Geschichte der chinesischen Flexibilität nachweist. 41 Der Begriff Manchester-Kapitalismus bezeichnet im industrialisierten Großbritannien des 19. Jahrhunderts das Elend der Arbeiter, die unter schwierigen Arbeitsbedingungen, zu geringen Löhnen und ohne soziale Absicherung lebten. 25 Diese Einschätzung zeigt sich bereits in der westlichen Fassungslosigkeit über den Kompromiss, den China für Hongkong getroffen hat: ein Land – zwei Systeme.42 Hier zeigen westliche Journalisten nur zu oft das unzutreffende Bild einer Diktatur in Hongkong. Zudem erscheint es für viele Beobachter ein Widerspruch, dass China sehr gut ausgebildete Polizisten bei internationalen UNO-Missionen stellt, China die international geltenden Menschenrechte missachten würde. Dabei hat die chinesische Regierung die Einhaltung der Menschenrechte nicht bestritten, sondern legt sie nur anders aus und legt mehr Gewicht auf soziale Grundrechte denn auf individuelle Abwehrrechte.43 Carmody verweist immerhin als einer der wenigen Autoren auf die chinesische Flexibilität. Eine Verbindung zwischen politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Interessen begleitet das wirtschaftliche Engagement Chinas in Afrika. Chinesische Investoren nennen die staatliche Unterstützung durch die chinesische Zentralregierung als zweitwichtigsten Grund, um in Afrika zu investieren.44 Es zeigt sich auch hier, wie die chinesische Regierung die privatwirtschaftlichen Initiativen unterstützt und für den eigenen Vorteil in eine Gesamtentwicklung einbettet. Die unerwünschten Folgen für den afrikanischen Markt liegen auf der Hand: Seit den 1990er Jahren wird Afrika von einem chinesischen „Textil-Tsunami“ heimgesucht. Beispielsweise stammen 80 % der nach Südafrika importierten T-Shirts aus China.45 Der chinesische Einzelhandel in Afrika ist bei afrikanischen Kunden sehr erfolgreich.46 Chinas Investitionen in Afrika verschaffen zunächst der herrschenden afrikanischen Elite einige Vorteile, langfristig zeigen sich jedoch Nachteile für die breite afrikanische Bevölke- 42 „Ein Land – Zwei Systeme“ war die chinesische Verpflichtung nach der Rückgabe der ehemaligen englischen Kronkolonie Hongkong 1997, für rund hundert Jahre die rechtliche und wirtschaftliche Eigenständigkeit Hongkongs nicht anzutasten. Dieser Praxis stand der Eingliederung Hongkongs in das chinesische Staatswesen nichts entgegen. 43 Im chinesischen Weißbuch Menschenrechte von 1991 wird das Grundrecht auf Subsistenz im Sinne einer Grundversorgung mit Nahrung und Kleidung als allen anderen bürgerlichen und politischen Menschenrechten übergeordnet angesehen. Ohne ausreichende Gewährleistung des Rechts auf Subsistenz würde kein anderes Menschenrecht einen Wert besitzen. Das Recht auf Subsistenz ist aus chinesischer Sicht eng mit der Betonung staatlicher Souveränität und einer Hierarchisierung der Menschenrechte verknüpft. Den Primat des Rechts auf Subsistenz vertreten chinesische Diplomaten immer wieder gegenüber der UNO und der westlichen Presse (Kinzelbach 2015). 44 Carmody 2013, S. 44. 45 Carmody 2010, S. 21. 46 Alden 2007, S. 37. 26 rung. So wird ein Manager der chinesischen Mulungushi-Textilfabrik in Sambia mit der Aussage zitiert, die Chinesen würden nicht das Vertrauen der Arbeiter gewinnen wollen, sondern dasjenige der Politiker.47 Carmody spricht von einem neuen Regime mit einer eingebetteten „Geo-Governance“ in Sambia, die durch engherzige Verhandlungen und Geschäfte zwischen den einheimischen und den chinesischen politischen Eliten konstruiert wird.48 In China profitieren von der Absatzmarkt- und Rohstoffsicherung unterschiedliche Akteure und nicht nur wie in einigen afrikanischen Staaten eine gesellschaftspolitische Elite. In den jeweiligen afrikanischen Staaten wird, wie in dieser Arbeit noch auszuführen sein wird, die wirtschaftliche Entwicklung nicht zwingend an die Bevölkerung weitergegeben. In der Forschung wird auf den Einfluss westlicher Medienberichte über die Beziehungen Chinas zu den afrikanischen Staaten verwiesen. Li Xing führt aus, dass der größte Teil der westlichen Berichte zu den sinoafrikanischen Beziehungen die gravierenden Nachteile für die große Mehrheit der afrikanischen Bevölkerung hervorheben würde. Diese Meinung würde aber von vielen afrikanischen Intellektuellen und wirtschaftlichen Akteuren nicht geteilt.49 Nicht in jedem Fall erhalten die medialen Akteure den Einfluss, der ihnen von Li unterstellt wird. Mawdsley zeigt in ihrer Untersuchung englischer Zeitungsartikel über die chinesisch-afrikanischen Beziehungen, dass ein Trend in vielen Zeitungen darin besteht, Afrikaner entweder als „Schurken“ zu verurteilen oder als „gute Freunde“ zu stilisieren. Als Beispiel für afrikanische Schurken dienen ihr der simbabwische Präsident Mugabe und der sudanesische Präsident Baschir.50 Hier zeigt sich eine extrem eurozentrische Sichtweise der westlichen Medien. Es besteht eine Tendenz zu einem stigmatisierenden Schwarz-Weiß-Denken. Den afrikanischen Führern wird die Rolle der Schurken zugeschrieben. Die afrikanische Bevölkerung wird dagegen immer als Opfer der Chinesen gesehen. Diese stereotypen Zuschreibungen lassen die innerafrikanische Sichtweise völlig außer Acht. Eine neutrale Sichtweise über die afrikanische Haltung zu den chinesischen Investitionen ist in der Literatur nicht ohne Weiteres zu finden. Auch die politische Rolle der chinesischen Führung in Bezug auf die internationalen Beziehungen gegenüber dem Westen wird kritisch hinterfragt. Inwieweit sind die afrikanischen Staaten ein Spielball zwischen zwei ideologisch 47 Carmody 2013, S. 37. 48 Carmody 2013, S. 45. 49 Xing et al. 2013, S. 23. 50 Mawdsley 2008. 27 verfeindeten Blöcken, nämlich dem Westen einerseits und China andererseits? Xu Yi-chong führt aus, dass einige chinesische Beobachter China unterstellten, den politischen Einfluss des Westens in Afrika zurückzudrängen. Weitere Wissenschaftler hätten wiederum Angst vor Korruption und Menschenrechtsverletzungen infolge der chinesischen Aktivitäten in Afrika.51 Xu Yi-chong bezweifelt, dass es sich bei den staatseigenen chinesischen Unternehmen in Afrika um Marionetten der chinesischen Regierung mit einer einheitlichen Zielsetzung oder gemeinsamen Strategie handeln würde.52 So hätte die Pekinger Regierung bei kleineren Unternehmen überhaupt keine ausreichenden Kontrollmöglichkeiten.53 Die meisten chinesischen Einwanderer in Afrika seien Kleinhändler, die ihre Ware mit sehr geringem Kapitaleinsatz auf der Straße anbieten würden.54 Diese These steht der westlichen Vorstellung eines geeinten chinesischen Konglomerats aus Staat, Politik und Wirtschaft entgegen. Tatsächlich sind es einfache Menschen aus China, die einen Großteil der Begegnungen mit Afrikanern ausmachen. Es ist kaum vorstellbar, diese Migranten als Agenten einer imperialen chinesischen Macht einzuordnen. Eine häufige Meinung in den westlichen Medien ist die Gleichsetzung von „China“ mit der chinesischen Regierung und den chinesischen Unternehmen. Immer wieder wird ein angeblicher Masterplan unterstellt, eine amorphe Einheit sämtlicher in Afrika tätiger chinesischer Akteure mit einem einzigen Plan, an den sich alle halten würden. Sicher ist diese Vorstellung dem Umstand geschuldet, dass die Afrikapolitik der chinesischen Regierung sehr intransparent ist und viele chinesische Publikationen nicht auf Englisch vorliegen. Die sprachlichen Barrieren spielen ebenfalls eine große Rolle. Gegen eine konzertierte chinesische Aktion mit imperialen Absichten spricht ebenfalls nicht zuletzt das Verhalten der chinesischen Regierung selbst, die in der letzten Dekade kalkulierte Schritte unternommen hat, um das eigene Image von der „China Threat Theory“ zu einem „Peaceful Development“ zu verändern. Die chinesische Regierung bedient sich des Konzepts der „harmonischen Welt“.55 Andere Wissenschaftler argumentieren mit der Idee eines friedlichen Austauschs Chinas mit Afrika und skizzieren günstige Prognosen: Gorm Rye Olson stellt die These auf, dass China mit der Zeit eine Reihe westlicher Werte und Normen adaptiere, die für Sicherheit und eine ökonomische Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent notwendig seien. Nach 51 Yi-chong 2013, S. 87. 52 Yi-chong 2013, S. 88. 53 Yi-chong 2013, S. 103. 54 Na et al. 2007, S. 141. 55 Modi 2013, S. 140. 28 seiner Ansicht seien weder Konflikt noch Konfrontation zwischen dem Westen und China zu erwarten.56 Es ist zutreffend, dass die chinesische Regierung sich mit wenigen Ausnahmen wie dem Koreakrieg oder dem Einmarsch in Vietnam gegenüber Drittstaaten militärisch passiv verhielt. Taiwan als mögliches Angriffsziel blieb bisher eine verbale Drohung. Somit könnten die Bemühungen der chinesischen Regierung wie auch die Adaption des Begriffs „Soft Power“ dem Eindruck entgegenwirken, dass China als Bedrohung für andere Staaten wahrgenommen wird. Zutreffend ist jedoch auch, dass die chinesische Regierung jede Kritik an der Tibet-Politik konsequent unterbindet und im Inselstreit im südchinesischen Meer mit militärischer Gewalt57 droht. Es wäre denkbar, dass die chinesische Regierung hier einen dialektischen Weg geht, der wiederum der chinesischen Flexibilität gerecht wird: so viel militärische Gewalt wie nötig, so viel Diplomatie wie möglich. Westliche Denkmodelle hinsichtlich der sinoafrikanischen Freundschaft treffen in der Literatur auf Ablehnung: Jamie Monson kritisiert die häufig anzutreffende Auffassung, das chinesische Engagement in Afrika durchlaufe mehrere Etappen: eine Kurve von einer frühen Phase der ideologisch geprägten sozialistischen Freundschaften zu afrikanischen Staaten bis zu einem globalisierten Kapitalismus. Haifang und Monson vertreten demgegenüber die Ansicht, dass die sinoafrikanischen Beziehungen über den gesamten Zeitraum sowohl Kontinuitäten als auch Brüche aufweisen.58 Eine regelrechte „Pfadabhängigkeit“ wird von beiden Autoren also verneint. Laut Karen L. Harris gibt es ablehnende Ansichten über chinesische Staatsbürger und chinesische Migranten auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Diese chinakritischen Sichtweisen sind von politischem Opportunismus und von Ignoranz geprägt und stehen häufig im Mittelpunkt der Medienberichterstattung. Harris vergleicht diese Ansichten mit denjenigen des späten 19. 56 Olsen 2011, S. 221. 57 Die chinesische Regierung beansprucht seit den 1940er Jahren ein rund 3,5 Millionen qkm großes Gebiet im südchinesischen Meer. Dort werden umfangreiche Rohstoffvorkommen vermutet. Vor diesem Hintergrund hat die chinesische Regierung damit begonnen, den Bau militärischer Anlagen auf den wenigen dort in der Region befindlichen Inseln voranzutreiben. Das umstrittene Gebiet reicht an die Grenzen zu Vietnam und zu den Philippinen, was zu Streitigkeiten über die Hoheitsrechte geführt hat. Zuletzt urteilte der Internationale Gerichtshof in Den Haag gegen den chinesischen Anspruch auf das Gebiet. Dessen ungeachtet führt die chinesische Regierung weiterhin militärische Manöver durch. 58 Monson et al. 2011, S. 248–249. 29 Jahrhunderts.59 Es gab mehrere staatliche Regelungen, die die chinesischen Einwanderer vom bürgerlichen Leben ausschlossen: die „Exclusion Acts“, so etwa in Australien 1855, Neuseeland 1881, den USA 1882, Kanada 1885 und Südafrika 1904. Diese Entscheidungen gegen chinesische Einwanderer und deren Nachkommen waren vor allem ökonomisch begründet.60 In Zeiten wirtschaftlicher Not wurden die Chinesen häufig als Sündenböcke für alle sozialen und wirtschaftlichen Krisen verantwortlich gemacht. Konkurrenz für begrenzte Arbeitsmöglichkeiten und die Angst vor einer großen Zahl von Menschen, die den Markt beherrschen könnten, begründen diese ablehnenden Reaktionen. Im kalifornischen Goldrausch 1849 stellten die Chinesen ein Drittel der Bevölkerung in den Minenstädten. Im späten 19. Jahrhundert kam es zu Ausschreitungen gegen Chinesen in Bendigo in Australien sowie in San Francisco und Los Angeles.61 Die Chinesen wurden beschuldigt, das „Brot aus dem Mund des weißen Mannes“ zu entwenden; rassistische Stereotypen dominierten in dieser Zeit die Diskussion. Laut Harris wurden wirtschaftliche Argumente und Rassismus verwendet, um den Zugang der weißen Arbeiter zu qualifizierten Arbeitsplätzen zu schützen. Die Chinesen wurden als Bedrohung für die Überlegenheit der weißen Rasse angesehen.62 Dieser historische Rückblick zeigt, wie intensiv die rassistische Diskriminierung von Chinesen bereits vor Jahrhunderten war. Entsprechend groß ist die Empfindlichkeit der chinesischen Regierung gegenüber fremden Einflüssen und die Betonung der chinesischen Regierung, China sei ein Entwicklungsland und eine ehemalige Kolonie mit identischen Erfahrungen wie die afrikanischen Partnerstaaten und würde deswegen auf einer gleichberechtigten Ebene mit den afrikanischen Staaten stehen. Wie verhält es sich aber mit der innerafrikanischen Diskussion über die Freundschaft zu China? Antony Otieno Ongàyo kritisiert, dass eigenständige afrikanische Perspektiven zum China-Afrika-Diskurs nicht berücksichtigt würden. Die Stimmen der zivilgesellschaftlichen Akteure Afrikas würden nur das Echo ihrer westlichen Geldgeber abbilden.63 Seiner Meinung nach könne das chinesische Engagement in Afrika aus einer afrikanischen Perspektive erklärt werden. Zu dieser Perspektive gehörten die schädlichen Folgen afrikanischer Erfahrungen mit Kolonialmächten, das Unterlassen der Kolonialmäch- 59 Harris 2010, S. 4. 60 Harris 2010, S. 8. 61 Harris 2010, S. 9. 62 Harris 2010, S. 10. 63 Ong’ayo Otieno 2011, S. 253. 30 te, eine Infrastrukturentwicklung aufzubauen, und die mittelmäßigen Leistungen der meisten afrikanischen Führer in der postkolonialen Periode.64 Die Kritik an den schädlichen Einflüssen Chinas auf das postkoloniale Afrika wird von Otieno systematisch zerlegt. Die ökonomische Bedrohung Afrikas durch China zeigt sich auf drei Ebenen: direkte Konkurrenz zu den einheimischen Märkten, indirekte Konkurrenz durch Exportmärkte, die für Afrika von Bedeutung sind, und schließlich eigene ökonomische Probleme Afrikas, die durch die Fülle der vorhandenen natürlichen Ressourcen entstehen.65 In dieser wirtschaftspolitischen Analyse wird die Dominanz einer eurozentrischen Perspektive unterbrochen: Tatsächlich kommt eine positive Einschätzung der afrikanischen Ansichten über die chinesischen Investitionen in Afrika zu kurz. Rotberg hat in seiner Studie über den chinesischen Einfluss, den Handel und die Entwicklungshilfe für Afrika herausgearbeitet, dass China zwar nicht beabsichtige, die afrikanischen Staaten zu kolonisieren, aber immense wirtschaftspolitische Ambitionen habe. Keine Weltmacht, auch keine ehemalige Kolonialmacht hätte einen solch umfassenden Bedarf an natürlichen Ressourcen wie die heutige Volksrepublik China.66 Stefanie Rupp weist dagegen darauf hin, dass die Bahnlinien der alten europäischen Kolonialmächte in Afrika auf den schnellen Ressourcentransport zu den Küstenstädten und damit zur schnellen Verschiffung nach Europa ausgerichtet waren. Chinesische Bahnlinien würden afrikanische Gesellschaften und Märkte miteinander verbinden.67 Rupp widerspricht der Behauptung einer neokolonialen Ausrichtung des chinesischen Engagements. Sie stellt die These auf, dass die chinesisch-afrikanischen Beziehungen durch Fremdkapitaleinsatz die Interessen des chinesischen Staates und der afrikanischen Staaten sowie die der afrikanischen Bevölkerung befördern würden.68 Andrew Niikondo untersuchte 2009 die Wahrnehmungen von chinesischen Geschäften in Namibia. In der Fallstudie befasste er sich mit der Situation im Einzelhandel und im Baugewerbe in der namibischen Hauptstadt Windhoek. In beiden Branchen sind die chinesischen Konkurrenten besonders vertreten, was zu entsprechenden Auswirkungen hinsichtlich des antichinesischen Protests in der namibischen Bevölkerung geführt hat. Der Autor verwendet qualitative Methoden, darunter persönlich durchgeführte Interviews. Die befragten Namibier waren Mitarbeiter lokaler namibischer Bauunternehmen, Inhaber 64 Ong’ayo Otieno 2011, S. 255. 65 Alves 2007, S. 26. 66 Rotberg 2008, S. 1. 67 Rupp 2008, S. 74. 68 Rupp 2008, S. 66. 31 und Angestellte großer und kleiner Einzelhandelsgeschäfte, namibische Angestellte chinesischer Unternehmen sowie ortsansässige Personen. In dieser Studie sprach sich die Mehrheit der Befragten gegen den Einfluss der Chinesen in Namibia aus.69 Schließlich ist eine Gesamtuntersuchung sowohl für Namibia als auch für Sambia vorhanden. Im Mai 2009 veröffentlichten Anthony Yaw Baah und Herbert Jauch ihre Studie „Chinese Investments in Africa: A Labour Perspective“. Die Autoren untersuchten insgesamt zehn afrikanische Länder, darunter auch Namibia und Sambia. Sie legten den Untersuchungsschwerpunkt auf Art der Investitionen, d.h. auf die Sektoren, in denen die Chinesen investierten, und auf die Arbeitsbedingungen und -beziehungen. Vier Fragen standen in dieser Studie im Mittelpunkt: Sind die Handels- und Arbeitsbedingungen von gegenseitigem Vorteil oder eine Form von Neokolonialismus? Sind die chinesisch-afrikanischen Geschäfte vorteilhaft für die wachsende Industrialisierung in Afrika oder entwickelt sich Afrika zu einem Lieferanten von Rohstoffen? Sind die Arbeitsbedingungen bei chinesischen Arbeitgebern besser oder schlechter als anderswo im Land? Wie sind die Erfahrungen der Arbeiter und Handelsgewerkschafter?70 Die konkreten Länderstudien zeigen die Probleme mit China an der afrikanischen Peripherie. Die Studie zeigt abseits vom globalen Blick wesentliche Probleme auf und macht sehr konkret die Erfahrungen der afrikanischen Einwohner in ihrer Interaktion mit den chinesischen Investoren und Konkurrenten sichtbar. Li Anshan hat sich eindeutig über die negative Berichterstattung in den westlichen Medien über die chinesischen Aktivitäten geäußert. Anshan erforscht den Einfluss der chinesischen Afrikastrategie auf die gegenwärtige internationale Ordnung. Er gelangt zu dem Ergebnis, dass in westlichen Medien die chinesische Afrikapolitik im Wesentlichen als neokolonialistisch, ökonomischimperialistisch und menschenrechtsverletzend durch die Unterstützung autoritärer Regime dargestellt würde.71 Eine umfassende Analyse über den hinter der Afrikapolitik stehenden Plan der chinesischen Führung legt Xuewu Gu vor. Er arbeitet in seiner Untersuchung über Perspektiven und Trends des chinesischen Engagements in Afrika heraus, 69 Niikondo 2009. 70 Baah/Jauch 2009, S. 4. 71 Anshan 2008, S. 36–37. 32 dass die chinesische Regierung die afrikanischen Staaten langfristig als Energielieferanten nutzen würde. Afrika würde die Bedeutung für China erreichen, die der Nahe Osten heute bereits erreicht habe.72 Die chinesische Motivation speist sich aus drei miteinander verbundenen Faktoren: dem Rückgang des westlichen Einflusses im subsaharischen Afrika, dem Ende des Ost-West- Konflikts und dem Scheitern des afrikanischen Modernisierungsprojekts.73 Gu spricht anhand der erheblichen Verbreitung chinesischer Konsumgüter in Afrika von einer „Veränderung der afrikanischen Lebensart“.74 Gu nennt drei politische Ziele der chinesischen Regierung: die afrikanische Unterstützung des chinesischen Standpunkts in Menschenrechtsfragen bei der UNO, afrikanische Hilfe bei der Aufrechterhaltung der Isolierung Taiwans und die Gewinne aus dem afrikanischen Ölgeschäft für die chinesische Wirtschaft.75 Diese Ziele sind in den tatsächlich erreichten Erfolgen Chinas seit Beginn der Beziehungen mit Afrika erkennbar. Während Li Anshan zu Recht auf die problematische Rolle der westlichen Medien hinweist, erkennt Xuewu Gu die grundlegenden Absichten der chinesischen Regierung in Afrika sehr deutlich. Es werden kurzfristige Ziele sichtbar, die zum Teil bereits erreicht wurden und einen kleinen Einblick in eine mögliche Zukunft der sinoafrikanischen Beziehungen geben. Die ersten Thesen zu den nicht ausschließlich ökonomisch motivierten chinesischen Absichten in Afrika traten früh auf: Bereits 2005 erforschte Denis Tull, dass Chinas Engagement in Afrika nicht nur wirtschaftliche Motive aufweise, sondern in eine politische Gesamtstrategie eingebettet sei. Dabei würden nicht nur Energiesicherheit und die politische Isolierung Taiwans eine Rolle spielen, sondern auch die Projektion internationaler politischer Machtansprüche und die afrikanische Unterstützung in internationalen Foren.76 Die chinesische Afrikapolitik sei nicht afrikaspezifisch, sondern würde in einer global ausgerichteten Außenpolitik der chinesischen Regierung aufgehen.77 Noch konkreter und verbunden mit der Soft-Power-Theorie geht Joshua Kurlantzick vor, der die folgenden chinesischen Ziele in Afrika benennt: Erschließung neuer Märkte, Isolierung Taiwans, afrikanische Unterstützung in der UNO und die Durchsetzung des internationalen Anspruchs, eine 72 Gu 2006a. 73 Gu 2006a. 74 Gu 2006b. 75 Gu 2005. 76 Tull 2005, S. 6. 77 Tull 2005, S. 9. 33 Großmacht zu sein.78 Er spricht aber auch von der erheblichen Zunahme chinesischer Wirtschafts- und Entwicklungshilfe, um politische und strategische Ziele erreichen zu können. Kurlantzicks Verdienst ist die Systematisierung der chinesischen Soft-Power-Politik. Er entwickelte die Idee der zwei Tools, einem kulturellen und einem wirtschaftlichen, die zusammen von der chinesischen Regierung eingesetzt werden, um die Soft-Power-Politik in Afrika durchzusetzen.79 Diesbezüglich erweitert er die ursprüngliche Soft- Power-Idee, wie Joseph Nye sie kreiert hatte, konkret für die chinesischen Interessen: The Means to Success in World Politics von 2004.80 Kurlantzick hat eine grundlegende Theorie über die chinesische Soft Power geschaffen und diese zu einem großen Teil auf den afrikanischen Kontinent angewendet. Der Terminus „Soft Power“ ist immer wieder von anderen Autoren aufgenommen und auf China übertragen worden. Westliche Geldgeber haben in den vergangenen Jahrzehnten zwar immense Summen nach Afrika transferiert, sehen sich aber gegenwärtig einer evidenten chinesischen Konkurrenz ausgesetzt. Chris Alden bescheinigt den traditionellen westlichen Akteuren in Afrika eine Gefährdung ihrer ehemals unangefochtenen Dominanz, die sich durch aggressiv auftretende chinesische Staatsunternehmen zeige. Die „Good Governance“-Ansätze des Westens, die sich auch in afrikanischen Initiativen wie dem NEPAD-Programm (New Partnership for Africa’s Development) niederschlagen, sind durch die chinesischen Konkurrenten erheblich gefährdet.81 Der größte Konflikt zwischen dem Westen und der Volksrepublik China auf ideologischer Ebene besteht tatsächlich in der Missachtung gegenüber den weltanschaulichen Vorgaben des Westens bei der Vergabe von Entwicklungshilfe. Der „Washington-Consensus“ gerät zusehends ins Hintertreffen durch die Weigerung der chinesischen Regierung, diktatorische Regime von ihrer Finanzhilfe auszunehmen. Die Idee eines „Beijing-Consensus“ dagegen dürfte ein westliches Konstrukt sein. Wissenschaftler sehen ein häufiges Problem der vorhandenen Forschungsarbeiten über die chinesische Expansion in Afrika in der fehlenden Sorgsamkeit: Henning Melber führt aus, dass in den Studien über die chinesische Expansion in den subsaharischen Staaten Afrikas zu häufig Generalisierungen statt sorgfältig erforschte Fakten enthalten sind.82 Für Melber ist das chinesische 78 Kurlantzick 2006, S. 2. 79 Kurlantzick 2007, S. 61. 80 Nye 2004. 81 Alden et al. 2006, S. 94. 82 Melber 2009, S. 71. 34 Engagement nur eine weitere Form des Kapitalismus und nicht mehr und nicht weniger aus eigenem Interesse gesteuert wie vergleichbare westliche Investitionen. Daher sollten die chinesisch-afrikanischen Beziehungen nicht nur in der Hervorhebung ihrer Nachteile zur Dämonisierung Chinas liegen, sondern auch zur Glorifizierung des Westens als hochstehendes moralisches Gegenmodell beitragen.83 Jana Hönke stellt historische Vergleiche zwischen früheren westlichen und heutigen chinesischen Akteuren in Afrika an: Sie beschreibt in ihrer Untersuchung über transnationale Bergbauunternehmen im sambischen Copperbelt Ähnlichkeiten zwischen den heutigen staatseigenen Unternehmen Chinas im afrikanischen Bergbau und den merkantilen Großunternehmen früherer Epochen. Während die heutigen chinesischen Unternehmen mit den Eliten souveräner, aber oft fragiler Staaten verhandeln, taten es die damaligen Großunternehmen mit lokalen Machthabern.84 Drew Thompson weist aus historischer Perspektive darauf hin, dass die chinesische Regierung auf eine lange Tradition in der Gewährung von Entwicklungshilfe gegenüber afrikanischen Staaten zurückblickt. Ebenso verhält es sich beim Schuldenerlass für die ärmsten afrikanischen Staaten, der eine Verschuldungsgrenze der afrikanischen Staaten gegenüber der chinesischen Regierung bewirkte.85 Thompson sieht in der finanziellen Hilfe Chinas für Afrika eine gewisse Kontinuität. Auch Kragelund stellt fest, dass die chinesische Präsenz in Afrika häufig nur aus zwei Blickwinkeln bewertet wird: entweder aus USamerikanischer Perspektive angesichts einer möglichen Unterminierung der Menschenrechte oder aber aus chinesischer Sicht als eine ausschließliche Win- Win-Situation.86 Chris Alden nimmt eine systematisische Einordnung über die Wahrnehmung Chinas in Afrika vor. Er beschreibt drei Hauptlinien in der internationalen Diskussion über das chinesische Engagement in Afrika. China in Afrika könne als ökonomischer Partner, als Konkurrent seiner afrikanischen Partnerstaaten oder schließlich als neue Kolonialmacht wahrgenommen werden.87 So spricht Robert Kagan beispielsweise von einer informellen Liga von Diktatoren in Afrika und Zentralasien, die sich durch China erst entwickeln können und ein Gegengewicht zu den westlichen liberalen Interessen bilden.88 Ein zentraler 83 Melber 2009, S. 75–76. 84 Hönke 2009, S. 293. 85 Thompson 2007, S. 47. 86 Kragelund 2007, S. 177. 87 Alden 2007, S. 5. 88 Alden 2007, S. 105. 35 Kritikpunkt in Bezug auf das chinesische Engagement in Afrika ist die Beschäftigung chinesischer Arbeiter für afrikanische Bauprojekte anstelle der einheimischen Arbeitnehmer.89 Aus der chinesischen Perspektive begründet sich diese Wahl mit der hohen Geschwindigkeit des chinesischen Arbeitens mit minimalen Komplikationen und dem Wegfall sprachlicher und kultureller Schranken, die bei der Beschäftigung afrikanischer Arbeiter bestehen würden.90 Teilweise wird von einem Verhältnis berichtet, bei dem 70 % beschäftigter chinesischer Arbeiter nur 30 % afrikanische Arbeiter gegenüberstehen. Kritisiert wird diese Diskrepanz als nicht hilfreich für den Abbau der hohen afrikanischen Arbeitslosigkeit.91 Die chinesischen Arbeiter leben oftmals separiert in bewachten Camps ohne Kontakt zur afrikanischen Bevölkerung. Für manche afrikanische Führer ist das chinesische Engagement jedoch trotzdem eine Erfolg versprechende Alternative gegenüber den politischen und wirtschaftlichen Bedingungen der westlichen Geldgeber.92 Rocha sieht das umfassende NEPAD-Projekt als gefährdet an: China könnte die Ziele von NEPAD untergraben, wenn afrikanische Staaten trotz der eigenen Ressourcen von China abhängig sein würden.93 Innerhalb der afrikanischen Diskussion über die Vor- und Nachteile der chinesischen Bemühungen auf dem afrikanischen Kontinent gibt es eine erhebliche Skepsis in Bezug auf die langfristigen Vorteile: In der afrikanischen Zivilgesellschaft vertreten einige Beobachter die Ansicht, dass die Abwesenheit von politischer Stabilität ein Grund für die afrikanische Unterentwicklung sei. Parteien mit langer Verweildauer an der Regierung wie die Chinas oder Singapurs würden wirtschaftliche „Wunder“ bewirken.94 Die westlichen Sorgen bezüglich des chinesischen Engagements in Afrika wecken Erinnerungen an eine ähnliche Debatte im Westen der 1960er Jahre, als die Unterstützung der damaligen Regierung Mao Zedongs für die antikolonialen Befreiungsbewegungen in Afrika Angst vor politischer Einflussnahme schürte.95 Die chinesische Perspektive des gegenseitigen Nutzens stößt in Afrika auf Kritik: So wird der tansanische Präsident Nyere zitiert, der die Beziehungen zu Tansania zugunsten Chinas als völlig ungleich verteilt ansah.96 89 Alden 2007, S. 45. 90 Alden 2007, S. 83. 91 Rocha 2007, S. 25. 92 Obiorah et al. 2008, S. 287. 93 Rocha 2007, S. 26. 94 Obiorah 2007, S. 43. 95 Large 2007, S. 159. 96 Large 2007, S. 165. 36 Die Haltung der afrikanischen Zivilgesellschaft den chinesischen Investitionen gegenüber ist nicht eindeutig einzuordnen und findet in der westlichen Presse zu wenig Resonanz. Umso wichtiger ist es, dass auf den Unterschied zwischen der afrikanischen Bevölkerung und den afrikanischen Eliten hingewiesen wird. Während die Ablehnung Chinas sich häufig bei der Bevölkerung findet, sind Staatsoberhäupter wie der tansanische Präsident wohl die Ausnahme; die meisten afrikanischen Führer profitieren erheblich von den chinesischen Investitionen.97 Mills vertritt demgegenüber eine These der Veränderung von politischen hin zu wirtschaftlichen Schwerpunkten in der chinesischen Ausrichtung: Chinas frühere Beziehungen zu Afrika waren von politischen Rücksichtnahmen geprägt. Heutige Beziehungen gehorchen im Gegensatz zu früheren politischen Beweggründen mehr den ökonomischen Erfordernissen. China sieht sich selbst als führende Nation der Entwicklungsländer und fordert in diesem Kontext eine weltweit neue, mehr gleichberechtigte wirtschaftliche und politische Ordnung.98 Botha vertritt die entgegengesetzte These, dass die Chinesen nationalistisch seien und nach einem historischen Zustand streben würden, in dem das Reich der Mitte durch sein wirtschaftliches Wachstum das Zentrum der Welt sei.99 Bis zu einer Desillusionierung afrikanischer Staaten angesichts der chinesischen Handelspraktiken könnte es zwar noch viele Jahre dauern, aber dann würde es für China bereits zu spät sein, den vielleicht verloren gegangenen guten Willen der Afrikaner gegenüber China zurückzugewinnen.100 Ähnlich skeptisch werden die Perspektiven des afrikanischen Absatzmarktes für chinesische Produkte eingeschätzt. Kaplinsky wirft die Frage auf, ob Importe von chinesischen Fabrikerzeugnissen eine Konkurrenz sind oder die afrikanischen Produkte ergänzen. Kaplinsky kommt in seiner Untersuchung über Chancen und Risiken des chinesischen Afrikahandels für afrikanische Staaten zu dem Ergebnis, dass die chinesischen Importe afrikanische Produkte verdrängen würden. Dabei stellt Kaplinsky bei seiner Untersuchung auf die Handelsbeziehungen zwischen China und Afrika ab. Er stützt sich auf zwei Begriffe, die seiner Meinung nach relevant sind: Es müsse zwischen ergänzenden und konkurrierenden sowie direkten und indirekten Einflüssen unterschieden werden. Er wählt verschiedene Sektoren aus und untersucht die Einwirkungen Chinas auf Afrika. Die fehlende Wettbewerbsfähigkeit afrikanischer Produkte 97 Dieterich 2013. 98 Mills et al. 2004, S. 1. 99 Botha 2004, S. 60. 100 Botha 2004, S. 64. 37 gegenüber chinesischen gilt als eines der Haupthindernisse für eine gleichberechtigte Partnerschaft.101 Sautman und Hairong attestieren sowohl China als auch den westlichen Staaten (z. B. den USA, Großbritannien) vergleichbare Fehler in Afrika. Beide Seiten würden Afrika als Quelle für die eigene Rohstoffversorgung ausbeuten. Die Chinesen würden die diplomatischen Kontakte mit afrikanischen Entwicklungsländen als eine Möglichkeit nutzen, das eigene Prestige zu verbessern.102 Die chinesischen Führer sähen ausländische Partner nicht einfach als Freunde, sondern in der Rolle als Unterstützer, Investoren, Kunden oder Ausrüster.103 Diese Ansicht ist bezeichnend für die zielorientierte Art der chinesischen Regierung, Interessen systematisch durchzusetzen: Freunde sind willkommen, solange sie nützlich sind. Sautman und Hairong haben mit ihrer Studie zu den chinesisch-afrikanischen Beziehungen umfassende Erkenntnisse gewonnen. Beide Autoren konstatieren der chinesischen Regierung eine sehr pragmatische Haltung gegenüber ihren afrikanischen Partnern. Dabei fällt auf, dass die Chinesen sehr differenziert unterscheiden, in welcher Rolle sie die Afrikaner wahrnehmen. Wenn die Afrikaner als Unterstützer auftreten, ist von einer politischen Unterstützung in der UNO-Vollversammlung auszugehen. Kunden sind sowohl die afrikanischen Staatsmänner als Vertragspartner, etwa für chinesische Bauprojekte, als auch die afrikanischen Käufer von chinesischen Produkten wie Lebensmittel oder Kleidung. Die Autoren heben hervor, dass die chinesischen Absichten nicht von Mitmenschlichkeit geprägt seien, sondern ausschließlich den eigenen Interessen dienten. Bekundungen wie Liebe von Chinesen zu ihrem Mutterland finden sich in der öffentlichen Diskussion in China häufig. Die chinesischen Aktivitäten in Afrika entwickeln sich zu einer vergleichbaren groben Dichotomie gegenüber der chinesischen Afrikapolitik. Viele Aktivitäten wiederholen nur die Verhaltensweisen europäischer Kolonialmächte, nach denen die Afrikaner selber als schädlich oder nachteilig für die Entwicklung des afrikanischen Kontinents wahrgenommen werden. Sowohl der Westen als auch China scheitern darin, ihre Methoden zu hinterfragen.104 Eine Feindschaft gegenüber chinesischen Einwanderern besteht schon lange, nicht nur in Afrika. Bereits während der ersten europäischen Besiedelung des 101 Kaplinsky 2006, S. 12. 102 Sautman et al. 2006, S. 54. 103 Sautman et al. 2006, S. 55. 104 Sautman et al. 2006, S. 56–57. 38 Kaps in Südafrika wurden chinesische Einwanderer in eine Außenseiterrolle gedrängt: Sie wurden im offiziellen Verzeichnis nach allen anderen Bevölkerungsgruppen einschließlich der Sklaven an letzter Stelle aufgeführt.105 In Nordamerika waren antichinesische Widerstände in den vergangenen Jahrhunderten evident. Dabei gab es ein deutliches Gefälle gegenüber anderen Minderheiten: So wurde der „Naturalization Act“ von 1790 in den USA 1870 dahingehend modifiziert, dass Afroamerikaner amerikanische Staatsbürger werden durften. Dieses Gesetz galt jedoch nicht für chinesische Einwanderer in den USA. In einer Reihe von Entscheidungen entschied das oberste US- Gericht, dass asiatische Migranten nicht wie die weiße Bevölkerung einen legalen Bürgerstatus erhalten durften. Als Folge galten sie als „Fremde, untauglich zur Einbürgerung“.106 Es ist auffällig, dass Chinesen in den klassischen Einwanderungsstaaten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ohne Schutz und eigene Interessenvertretung als wirtschaftliche Konkurrenten gesehen und von der Staatsmacht bis hin zum Obersten Gerichtshof vom normalen Bürgerstatus ausgeschlossen und unterdrückt wurden. Hier wird erneut die historische Unterdrückung von chinesischen Einwanderern in verschiedenen Ländern sichtbar. Wie noch zu zeigen sein wird, verhält es sich nicht anders, wenn die Chinesen als Arbeitgeber wie früher als Arbeitnehmer auftreten: Opfer von Ressentiments sind sie in jedem Fall. Der Forschungsstand zeigt, dass keine eindeutigen Erkenntnisse in der einschlägigen Literatur über die chinesische Afrikapolitik bestehen. Einigkeit besteht zumindest in der Wahrnehmung der chinesischen Ziele, die sich allerdings auch eindeutig anhand der politischen Ausrichtung der chinesischen Regierung identifizieren lassen. Das Streben nach Rohstoffsicherung und eine Unterstützung der afrikanischen Staaten für chinesische Interessen bei den Vereinten Nationen werden nicht verschwiegen. Die tatsächlichen Absichten chinesischer Politiker, falls es sie denn gibt, werden möglicherweise erst in einigen Jahrzehnten zu erkennen sein, sie könnten sich dann als ein Ergebnis langfristiger Planung erweisen. Die Schnelligkeit allerdings, mit der sich die geopolitischen Ambitionen Chinas entwickeln und die daraus resultierende Kritik sowohl des Westens als auch der Afrikaner selbst lässt vermuten, dass es schon viel schneller zu evidenten Umbrüchen und Konflikten auf dem afrikanischen Kontinent kommen könnte. Der Forschungsstand lässt sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede in den Forschungsarbeiten erkennen. Der Blick in die Zukunft schwankt zwischen zwei extremen Entwicklungsszenarien: Einerseits dominiert das Bild 105 Harris 2010, S. 14. 106 Fong 2013, S. 26. 39 eines von China kolonisiertes und wirtschaftlich kontrolliertes Afrika, das ein Absatzmarkt für chinesische Produkte, eine Rohstoffquelle für China und ein Einwanderungskontinent für Millionen von chinesischen Kleinunternehmern, Farmern und Arbeitern ist. Andererseits zeigt sich das Bild eines wirtschaftlich prosperierenden und selbstständigen Afrikas, das durch die chinesischen Investitionen die Möglichkeit bekommt, die wirtschaftliche Prosperität nach chinesischem Vorbild nachzuahmen. Der Beijing-Consensus wird als mögliches afrikanisches Zukunftsmodell kritisch hinterfragt und die chinesische Einflussnahme als Problem für Menschenrechte und Demokratisierung eingeschätzt. Eine mögliche afrikanische Reaktion gegen die chinesische Dominanz wird nicht angesprochen. Es gibt viele Einzelbeiträge, angefangen von Presseberichten bis hin zu umfangreichen Feldstudien, die sich mit den Konfliktpotenzialen zwischen der vermeintlichen chinesischen Dominanz und der afrikanischen Unterlegenheit befassen. Es fehlt aber noch eine Gesamtübersicht über die Formen des Protests, die Akteure und Rollenverhältnisse der chinesisch-afrikanischen Konflikte einschließt. 2.2 Namibia und Sambia im Vergleich Die beiden Staaten Namibia und Sambia werden in dieser Arbeit für einen Vergleich herangezogen. Es sind Staaten im Süden Afrikas, die sich in Bezug auf die geschichtliche Entwicklung, das politische System, den Rohstoffreichtum und das daraus sich ergebende Interesse der chinesischen Regierung ähnlich sind. Die chinesischen Einflüsse sind in beiden Staaten mit wachsender Tendenz sehr ausgeprägt. Ganz entscheidend für die Wahl dieser Staaten ist, dass von chinesischer Seite eine offizielle Freundschaft eingefordert wird, die mit Begriffen wie „Gleichberechtigung“ und „Win-win-Beziehungen“ ergänzt wird. Nun hat die Situation sowohl in Namibia als auch in Sambia in großen Teilen der Bevölkerung, aber auch in der Politik zu einer Wahrnehmungsveränderung geführt, die die Chinesen als Feinde, Ausbeuter und Unterdrücker erscheinen lassen.107 Zunächst wird jeweils auf die geschichtliche Entwicklung der beiden Staaten eingegangen. Anschließend werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufgezeigt. 107 Widerstand gegen den wachsenden Einfluss Chinas auf Wirtschaft und Politik gibt es auch in anderen Staaten, sehr extrem mit antichinesischen gewalttätigen Ausschreitungen etwa in Vietnam (Fähnders 2014). 40 2.2.1 Geschichtliche Entwicklung Sambias Cecil Rhodes gründete die British South African Company (BSAC), die 1889 von der britischen Regierung die Rechte an den Gebieten nördlich von Transvaal und östlich von Angola zugesprochen bekam. Die dort ansässigen Stämme überließen den Briten durch Verträge die Schürfrechte für Kupfererz und Gold. Dazu zählte auch das Kupferbergbaugebiet Copperbelt. 1911 wurde das heutige sambische Staatsgebiet unter dem Protektorat Nordrhodesien vereinigt.108 1924 endete die politische Herrschaft der BSAC und Sambia wurde eine britische Kronkolonie. Damals wurden auch die umfangreichen Kupfervorkommen im Copperbelt entdeckt und abgebaut.109 Der Kern des bald beginnenden sambischen Widerstands gegen die britische Fremdherrschaft lag im Copperbelt, wo die gewerkschaftlich organisierten sambischen Arbeiter um ihre Unabhängigkeit kämpften. Es kam zu Streiks und Aufständen. Die erste ernsthafte politische Opposition wurde durch die Northern Rhodesia African Mineworkers’ Union (AMU) als organisierte Gewerkschaft möglich.110 Anfang der 1960er Jahre startete Kenneth Kaunda eine Unabhängigkeitsbewegung und gründete die United National Independence Party (UNIP), die bereits 1963 erfolgreich war.111 Am 24.10.1964 wurde Sambia schließlich unabhängig. Mit der Gründung der Volksrepublik Sambia begann auch die 27-jährige Regentschaft von Präsident Kenneth Kaunda.112 In der Zeit von 1964 bis 1971 bestand in Sambia noch eine Mehrparteiendemokratie mit einem Übergewicht der United National Independent Party (UNIP). Dieser Zustand änderte sich 1968 mit dem Verbot von Oppositionsparteien. Faktisch war die anschließend folgende zweite Republik Sambia ein Einparteienstaat.113 Politische Patronage und Korruption waren unter Kaunda an der Tagesordnung. Kaunda belohnte loyale Parteifreunde mit Ämtern und politischem Einfluss.114 Am 20. und 21.7.1970 gründete sich eine Oppositionsbewegung, die National Interim Comites for Multi-Party Democracy (NIC). Kaunda erklärte sich daraufhin zu einem Referendum über die Zukunft des Landes bereit,115 zu dem es jedoch nicht mehr kam. Kaunda erklärte Sambia schließlich 1973 zum 108 Gahrmann 2001, S. 5–6. 109 Gahrmann 2001, S. 7. 110 Gahrmann 2001, S. 9. 111 Gahrmann 2001, S. 10. 112 Gahrmann 2001, S. 11. 113 Erdmann et al. 2003, S. 4. 114 Erdmann et al. 2003, S. 5. 115 Cao Tanh 2013, S. 105. 41 Einparteienstaat. Anfang 1991 wurde eine Verfassungsänderung mit dem Ziel durchgesetzt, politische Parteien wieder zuzulassen. Die Oppositionsbewegung NIC benannte sich in Movement of Multy-Party Democracy (MMD) um.116 Bei der folgenden freien Wahl 1991 wurde Kaundas Herrschaft beendet. Der Gewerkschaftsführer Frederick Chiluba wurde als Kandidat der MMD neuer Staatspräsident. Bei den Wahlen 1996 konnte er seinen Vorsprung halten und seine Präsidentschaft fortsetzen.117 Als Chiluba eine von der Verfassung eigentlich nicht vorgesehene dritte Amtszeit plante, kam es zu umfangreichen Protesten in der sambischen Zivilgesellschaft. Eine erneute Kandidatur Kaundas wurde ebenfalls verhindert. Die MMD litt unter dieser Machtprobe, weil mehrere kleine Parteien sich von der MMD abspalteten. Michael Sata war zu diesem Zeitpunkt bereits Nationalsekretär des MMD und dadurch verantwortlich für die Organisation der dritten Amtszeit Chilubas. Seine Pläne, nach dem Rückzug Chilubas selbst für die MMD zu kandidieren, ließen sich jedoch nicht durchsetzen. Der Vizepräsident unter Chiluba, Mevy Mwanawasa, wurde Kandidat der MMD. Sata wandte sich daraufhin von der MMD ab und gründete die Patriotische Front (PF).118 2001 gewann der Kandidat der MMD, Mwanawasa, gegen seinen Konkurrenten Anderson Mazoka der United Party for National Development (UPND) mit einem Vorsprung von 28,7 gegenüber 26,7 %. Levy Mwanawasa wurde sambischer Staatspräsident. Michael Sata profilierte sich in den kommenden Jahren als großer Kritiker der MMD-Regierung. Er wies insbesondere auf die sozialen und wirtschaftlichen Probleme in Lusaka und im Copperbelt hin.119 Die wirtschaftlichen Probleme Lusakas mit den Chinesen bestehen darin, dass die chinesischen Kleinunternehmer mit billigen Produkten aus China den sambischen Händlern überlegen sind. Im Copperbelt wiederum geht es um geringe Gehälter, unzureichende Sicherheitsstandards und Misshandlungen von sambischen Angestellten durch chinesische Bergbauunternehmen. Die Einwohnerzahl Sambias betrug 2013 14.538.640 Menschen. 46 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Nur 2 % sind über 65 Jahre. 98 % der Bevölkerung setzt sich aus Schwarzafrikanern zusammen, 1,2 % sind Europäer und Inder und 0,7 % gehören zu dem Buschvolk Twa. Die afrikanische Bevölkerung gliedert sich in 73 ethnische bantusprachige Gruppen, von denen die Bemba mit 20 % die größte Gruppe stellen. Weitere Gruppen bilden die Bantu Botatwe mit 15 %, die Chewa, Ngoni und Nsenga mit ebenfalls 15 % 116 Cao Tanh 2013, S. 106. 117 Botterweck et al. 2005, S. 9. 118 Meyns 2011. 119 Meyns 2011. 42 und die Lozi mit 8 %, die Kaonde mit 3 % und Mambwe mit 3 %. 85 % der Sambier sind Christen. Es gibt auch hinduistische und sunnitisch-islamische Minderheiten. In einigen Städten sind kleine jüdische Gemeinden zu finden. Neben den verschiedenen Bantu-Dialekten ist die wichtigste von acht Amtssprachen Englisch.120 2.2.2 Geschichtliche Entwicklung Namibias 1842 gründeten rheinische Missionare auf der Westseite des Kaps der Guten Hoffnung Stationen. Der deutsche Kaufmann Adolf Lüderitz kaufte dem afrikanischen Volk der Nama einen Großteil des Landes ab. Der Kaufpreis betrug damals 100 Pfund Gold und 250 Gewehre. Auf der Kongo-Konferenz 1884/85 in Berlin wurden die Grenzen in Afrika neu festgelegt. Das Gebiet wurde vom 7.8.1884 an unter dem Namen Deutsch-Südwestafrika als Kolonie dem Deutschen Reich unterstellt. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor das Deutsche Reich die Kolonie, die 1920 von Südafrika als südafrikanisches Mandatsgebiet verwaltet wurde. Zwar widerrief die UNO 1966 diese Entscheidung, aber Südafrika weigerte sich, das Mandat zurückzugeben. Die südafrikanische Regierung verwaltete gegen internationales Recht Namibia weiter als fünfte südafrikanische Provinz. Die dort ansässigen Bevölkerungsgruppen leisteten ab den 1950er Jahren Widerstand gegen die südafrikanische Herrschaft. 1960 gründete sich die South West Africa People’s Organisation (SWAPO) als Unabhängigkeitsbewegung unter dem späteren Parteichef Sam Nujoma. Ab 1966 kämpfte die SWAPO auch militärisch um die Loslösung von Südafrika. 1989 wurde die SWAPO auf einer verfassungsgebenden Versammlung mit 57 % der Stimmen als Regierung gewählt. 1990 wurde Namibia von Südafrika unabhängig. Im gleichen Jahr wurde Sam Nujoma erster frei gewählter Präsident Namibias.121 Die SWAPO gewann daraufhin jede weitere Wahl und regiert bis heute.122 Die Bevölkerung Namibias setzt sich aus mehreren ethnischen Gruppen zusammen. Die rund 2 Mio. Einwohner teilen sich folgendermaßen auf: Die ursprünglichen Einwohner wurden von den San gestellt, die als Jäger und Sammler in der Region lebten. Heute ist nur noch für rund 40.000 San, etwa 10 % der Gesamtzahl, eine solche Lebensweise möglich. Zu einem ebenfalls sehr alten Volk zählen die Damara, die viehzüchtenden Nomaden der Nama sowie etwa 100.000 Hereros. Die größte Gruppe mit rund 50 % der Bevölkerung stellen die Owambo. Weitere Minderheiten bilden die Volksgruppen der 120 o.V. 2018 a. 121 Bundeszentrale für Politische Bildung 2015. 122 Vensky 2010. 43 Himba, der Kavango, der Caprivianer, der Topnaars, Tswana und der Rehobother Baster. Die Weißen stellen nur rund 6 % der namibischen Bevölkerung.123 Im Jahr 2017 betrug die Bevölkerungszahl Namibias 2,3 Mio. Menschen. Die Religion teilt sich auf 87 % Christen und 13 % traditionell afrikanische Religionen. Von der christlichen Bevölkerung sind 20 % protestantisch und 80 % katholisch.124 Die Lebenserwartung betrug 2016 bei Männern 62,1 und bei Frauen 65,1 Jahre.125 Die „Transition“ vom Kolonialsystem zu einer stabilen Demokratie war in Namibia erfolgreich. Vereinzelt wird die Ansicht vertreten, dass gerade die konstante Regierung der SWAPO dazu beiträgt, dass Namibia politisch stabil ist. Seit 2005 gliedert sich das Präsidialsystem auf zwischen dem aktuellen Amtsinhaber Hifikepunye Pohamba und dem immer noch aktiven ersten Präsidenten Sam Nujoma. Eine nennenswerte parlamentarische Opposition existiert nicht. Die wirtschaftlichen Ressourcen sind im Land sehr ungleich verteilt. Die Weißen verfügen nach wie vor über einen hohen Vermögensanteil. Da die natürlichen Ressourcen unter staatlicher Kontrolle stehen, gelang es, wichtige Positionen der Verwaltung mit Schwarzen zu besetzen. Der Human Development Index (HDI) führt Namibia 2012 an 128. Stelle mit der Kennzahl 0.608 unter den Staaten mit mittlerem Entwicklungsgrad. Es gibt regionale und auch ethnische Ungleichheiten beim Einkommen. So besteht eine Lücke im Einkommen zwischen der Hauptstadt Windhoek, der westlichen Erongo-Region, der nördlichen Kavango- und der Ohangwena-Region. Der HDI von Windhoek befindet sich auf dem Niveau der Türkei, der HDI im Norden dagegen bewegt sich auf dem des Sudans. Seit 2013 bildet sich langsam eine von der SWAPO unabhängige Gewerkschaftsbewegung heraus. Vereinzelt kam es bereits zu Streiks. Ein Problem ist die ungleiche Verteilung des Farmlandes. Als Folge der Enteignung durch deutsche Truppen vor rund 100 Jahren ist die Entschädigung der neuen Eigentümer problematisch. Eine wirkungsvolle parlamentarische Opposition fehlt in Namibia. Die Rally for Democracy and Progress (RDP) wurde 2007 gegründet. Es gelang ihr jedoch nicht bei den Wahlen Ende 2009, trotz des guten Ergebnisses stärkste Oppositionspartei zu werden und wirkliche Änderungen herbeizuführen. Es gibt nur unwesentliche programmatische Unterschiede zwischen den namibischen Parteien. Eine tatsächliche Opposition bilden die aktive Zivilgesellschaft und eine unabhängige Presselandschaft.126 123 o.V. 2018d. 124 o.V. 2017a. 125 o.V. 2017b. 126 Kößler 2014. 44 2.2.3 Geschichtlicher Vergleich von Namibia und Sambia In der geschichtlichen Entwicklung Namibias und Sambias sind Ähnlichkeiten unverkennbar. Einmal unterlagen beide Staaten über viele Jahrzehnte hinweg etwa zur selben Zeit einem auf Ausbeutung der natürlichen Ressourcen ausgerichteten Kolonialregime. Die sambische Geschichte war über 75 Jahre vom britischen Empire geprägt. Erst nachdem die Unabhängigkeitsbewegung durch die Minenarbeitergewerkschaft an Bedeutung gewann, konnte überhaupt von einer möglichen Unabhängigkeit ausgegangen werden. Die Bergarbeiter waren aus diesem Grund bereits während der Kolonialzeit bedeutende Akteure bei sozialpolitischen Konflikten. Auch heute geht ein nennenswerter Widerstand vor allem von den sambischen Bergarbeitern aus. In Namibia waren es die Kolonialmächte Deutsches Reich und Südafrika, die Namibia nachhaltig prägten und die noch heute einen Einfluss auf Namibia ausüben. Hinsichtlich Südafrikas zeigt sich dieser Einfluss in der wirtschaftlichen Verflechtung mit Namibia. Der deutsche Einfluss führte jüngst zu den Diskussionen, die Straßen und Plätze mit Namen deutscher Persönlichkeiten durch namibische Namen zu ersetzen. Die kolonialen Verbrechen der deutschen Truppen an der namibischen Bevölkerungsgruppe der Hereros spielte ebenfalls eine große Rolle.127 Des Weiteren sind Ähnlichkeiten beider Länder in der heterogenen Zusammensetzung der Völker auf dem jeweiligen Staatsgebiet zu erkennen. Beide Staaten weisen bei einer relativ geringen Bevölkerungsanzahl eine dazu im Vergleich sehr hohe Zahl von einzelnen Volksgruppen auf. Der Anteil von Weißen steht nicht im Verhältnis zu ihrer jahrelangen Dominanz in relevanten Funktionen und Ämtern in beiden Staaten. Während in Sambia die Bergarbeitergewerkschaft die Unabhängigkeitsbewegung unterstützt, war es in Namibia eine von Anfang an politisch motivierte Unabhängigkeitsbewegung, die sich konkret auf die afrikanische Identität in Abgrenzung zur Regionalmacht Südafrika berief. Trotzdem waren die beiden organisierten Bewegungen UNIP und SWAPO gleichbedeutend in ihrer politischen antikolonialen Kraft und in ihrer Rolle als politischer Stabilitätsfaktor direkt nach der Befreiung in die Unabhängigkeit für das jeweilige Land. Ganz besonders hervorzuheben sind allerdings die Symbolfiguren der Unabhängigkeit: in Sambia Präsident Kenneth Kaunda und in Namibia Sam Nujoma. Beide Politiker waren nicht 127 Zwischen Januar und August 1904 kam es zu einem Aufstand der Herero- Volksgruppe gegen die deutsche Kolonialmacht. Darauf griffen deutsche Truppen die Aufständischen an und trieben sie in die Omaheke-Wüste, wo Tausende Hereros starben. Die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt, allerdings sank die Bevölkerungszahl der Hereros zwischen 1903 und 1911 von etwa 80.000 auf rund 16.000 Menschen (Unterberg 2014). 45 nur treibende Kräfte und Gründer ihrer jeweiligen Unabhängigkeitsbewegung, sondern auch Identifikationsfiguren und Garanten politischer Stabilität in der jeweiligen Phase der Transition, im Übergang von einer Kolonie zu einer Demokratie. Auch die jeweilige lange Regierungsdauer gab den jungen Staaten eine Chance, die Transition erfolgreich zu bewältigen und eine echte Grundlage für eine funktionierende Demokratie zu schaffen. 2.2.4 Die sambische Wirtschaft Das Hauptanliegen des chinesischen Engagements sind in beiden Staaten wirtschaftliche Interessen. Daher ist es notwendig, einen Einblick in die ökonomische Geschichte beider Staaten zu erhalten. Sambias Wirtschaft gründete schon immer auf Kupfer und Kobalt. Um die Abhängigkeit vom Bergbausektor zu reduzieren, war das Land um die Stärkung anderer Wirtschaftszweige bemüht.128 Ein finanziell besonders ertragreiches sambisches Produkt ist Baumwolle. Mithilfe von Baumwolle wurde versucht, Arbeitsplätze zu schaffen und die Armut in ländlichen Regionen zu verringern. Dabei sollten die nationalen Wirtschaftspläne zwischen 1964 und 1971 der staatseigenen verarbeitenden Industrie helfen. Die Gewinne aus dem Bergbau wurden verwendet, um staatseigene Verarbeitungsindustrien zu subventionieren. Präsident Kaunda schuf Arbeitsplätze in den staatseigenen Bergwerken, sodass die sambischen Arbeiter in den Genuss von umfangreichen wohlfahrtsstaatlichen Leistungen kamen, einschließlich Hilfen bei der Kindererziehung und Gesundheitsfürsorge. Als die weltweiten Kupferpreise in den 1970er Jahren einbrachen, nahmen die Schulden Sambias erheblich zu. So akzeptierte Sambia eine bedingte Anleihe des internationalen Währungsfonds. Die Vergabe zusätzlicher Kredite zur Sanierung des Staatshaushalts war an haushaltspolitische Auflagen gebunden, die nicht ohne Auswirkungen auf die nationalen Entwicklungspläne blieben. Die Weltbank etablierte daraufhin Anpassungsprogramme, die einen drastischen Abbau der wohlfahrtsstaatlichen Leistungen vorsahen.129. Die Wirtschaft Sambias hängt in erheblichem Maße von Einnahmen aus dem Kupferbergbau ab. Während es nach der Unabhängigkeit 1964 gelang, die sambische Infrastruktur durch die Erzeugnisse des Bergbaus auszubauen, fielen die Weltmarktpreise des roten Metalls in den 1970er Jahren. Dieser Zusammenbruch führte in der Bevölkerung zu einer wachsenden Verarmung, die bis zur Jahrtausendwende nicht entscheidend zurückgedrängt werden konnte. 2010 lebten immer noch 60,5 % der Bewohner Sambias in Armut. 78 % der Menschen arbeiten in der Landwirtschaft. Obwohl die Kupferpreise 128 Elliassen 2012, S. 11. 129 Elliassen 2012, S. 12. 46 sich langfristig wieder erholten und das sambische Wirtschaftswachstum anzog, erreichte der Aufschwung nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Ein weiteres sehr großes Problem ist die hohe HIV-Infektionsrate. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt mit 38 Jahren bei Männern und mit 37 Jahren bei Frauen rund zwanzig Jahre unter dem afrikanischen Durchschnitt von 58 Jahren.130 Der Human Development Index (HDI) führt Sambia auf Platz 135 mit der Kennzahl 0,579.131 Die sambische Wirtschaft ist aufgrund der Kupfervorkommen für die chinesische Wirtschaft von besonderem Interesse. Wie verhält es sich demgegenüber mit der wirtschaftlichen Entwicklung in Namibia? Im Folgenden wird die namibische Wirtschaft analysiert. 2.2.5 Die namibische Wirtschaft Seit 1994 verfügt die namibische SWAPO-Regierung über eine Dreiviertelmehrheit im namibischen Parlament. Deshalb könnte sie jederzeit Verfassungsänderungen vornehmen.132 Die ökonomische Abhängigkeit von Südafrika besteht auch nach der Unabhängigkeit fort.133 Die Wirtschaft Namibias war zu kolonialen Zeiten völlig in das südafrikanische Wirtschaftssystem integriert. Nach der Unabhängigkeit legte Windhoek ein Augenmerk auf die Ausbeutung der Bodenschätze, also Kupfer, Blei, Uran, Zink und Diamanten.134 Wenn der namibische Handelsminister Schlettwein von dem Plan „Vision 2030“ spricht, so ist nicht unbedingt eine mit Sambia vergleichbare wirtschaftspolitisch angelehnte Zusammenarbeit mit China beabsichtigt. Stattdessen soll sich eine möglichst unabhängige Wirtschaft entwickeln. Hier zeigt sich bereits ein zentrales Problem: Eine Zollunion mit Südafrika und eine Koppelung des namibischen Dollars an den südafrikanischen Rand zeigt die anhaltende Dominanz der einstigen Kolonie Südafrika in ökonomischen Fragen. Die gesamte Infrastruktur ist südafrikanisch geprägt: Drei von vier namibischen Banken sind in südafrikanischer Hand, Strom und Benzin stammt aus Südafrika, 76 % aller Importe nach Namibia werden aus Südafrika geliefert.135 130 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2016. 131 o.V. 2018 c. 132 Christiansen 2012, S. 2. 133 Müller 2002, S. 20. 134 Müller 2002, S. 21. 135 Scheen 2014. 47 Die hohe Abhängigkeit bedeutet aber nicht, dass die namibische Wirtschaft ohne die Hilfe aus dem Nachbarland nicht existieren würde: Schlettwein stellt sich eine Kooperation mit dem Nachbarland vor, die vielleicht so aussehen könnte, dass das Logo „Made in South Africa“ bei Industrieprodukten wie etwa in der Autoproduktion in „Made in Southern Africa“ geändert wird, sodass Namibia ebenfalls als Industriestandort wahrgenommen werden könnte.136 Das wirtschaftliche Wachstum liegt jährlich bei etwa 5 %. Durch den neuen Hafen von Walvis Bay, der die südafrikanische Schifffahrt entlasten soll, ist Namibia ein begehrter Standort für weltweite Dienstleistungen geworden. Das derzeit größte chinesische Investitionsprojekt in Afrika ist die Uranmine Husab bei Swakopmund, in die rund 2 Mrd. US-Dollar aus China investiert wurden.137 Dieses Projekt zeigt nicht nur die Bedeutung Namibias für die chinesische Wirtschaft, sondern ist vergleichbar mit dem Stellenwert der sambischen Bergbauindustrie für China. Namibia liegt nach Kasachstan, Kanada und Australien weltweit an vierter Stelle bei der Produktion von Uran. Diese neue chinesische Investition könnte für Namibia ein Projekt werden, das die TAZARA-Eisenbahn für die chinesisch-sambische Freundschaft bedeutet: ein symbolisch aufgeladenes, über die Jahrzehnte ausstrahlendes chinesisch-sambisches Gemeinschaftsprojekt. Regional gesehen verfügt Namibia über drei wirtschaftliche Zentren: 1. die Region um die Hauptstadt Windhoek, 2. die Uran-Region bei Walvis Bay, Swakopmund und Arandis sowie 3. die Otavi-Dreieck genannte Industriezone bei Tsumeb und Grootfontein. 1990 war die Ausgangslage Namibias als ehemalige Kolonie hinsichtlich der Ökonomie recht günstig. Die namibische Küstenlinie umfasst 1.600 km und sichert der Regierung schon seither den Zugriff auf die im Meer vorkommenden Fischereigründe und Bodenschätze. Südafrika schenkte nur vier Jahre nach der Unabhängigkeit der namibischen Regierung die Enklave Walvis Bay, wodurch sowohl in Bezug auf Uranvorkommen als für die wirtschaftliche Gesamtentwicklung mit dem Tiefseehafen eine sehr günstige Ausgangsposition für Namibia geschaffen wurde. Der Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen Namibias und macht 56 % des BIP aus. Dazu zählt auch der Dienstleistungssektor. Der Bergbau stellt 34,8 % des BIP, die Landwirtschaft beläuft sich nur auf 9,2 %. Die natürlichen Ressourcen Namibias sind vielfältig: An erster Stelle stehen Uran und Diamanten, wobei die Diamantenreserven Namibias einen geschätzten Wert von 72 Mrd. € umfassen. Des Weiteren gibt es Gold-, Erdöl- und Erdgasvor- 136 Scheen 2014. 137 Stumpf 2015. 48 kommen.138 Namibia verfügt also ebenfalls über Rohstoffvorkommen wie Sambia. Die Frage ist, inwieweit sich die beiden Staaten in ökonomischer Hinsicht ähnlich sind. Deshalb werden die beiden Staaten im folgenden Abschnitt miteinander verglichen. 2.2.6 Vergleich der sambischen und namibischen Wirtschaftspolitik Es fällt bei beiden Staaten zunächst auf, dass sie über erhebliche Bodenschätze verfügen. Diese Ressourcen bilden eine Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg und auch für das jahrzehntelange Interesse des chinesischen Staates an beiden Ländern. Sambia konnte seine ersten sozialpolitischen Erfolge nur aufgrund des Abbaus und Exports von Kupfererz erzielen. Entsprechend schnell rutschte die sambische Wirtschaft ab, als der Weltmarktpreis für Kupfer zusammenbrach. Tatsächlich ist Sambia auch heute noch eines der ärmsten Länder der Welt, auch wenn der Kupferpreis sich wieder stabilisiert hat und ausländische und vor allem chinesische Investitionen eine nachhaltige Produktion in Sambia ermöglichen. In Namibia ist die Situation anders: Hier ist das Rohstoffpotenzial auf mehrere Rohstoffe verteilt und es besteht keine extreme existenzielle Abhängigkeit von einem einzelnen Produkt. Zudem besteht der Unterschied bei Namibia immer noch in der anhaltenden wirtschaftlichen Verflechtung mit der ehemaligen Kolonialmacht Südafrika. Trotzdem ist der Berbau neben dem Tourismus, der sowohl für Sambia als auch für Namibia eine Haupteinnahmequelle darstellt, einer der Hauptsektoren für die wirtschaftliche Entwicklung beider Staaten. Die Verschuldung Sambias konnte durch einen Schuldenerlass 2005/06 von 7 Mrd. US-$ auf 600 Mio. US-$ reduziert werden.139 Der Kupferexport führte durch den Anstieg des Weltmarktpreises 2011 auf über 10.000 US-$ pro Tonne zu einem wirtschaftlichen Aufschwung Sambias.140 Die Investitionen aus China bewirkten ein jährliches Wachstum von rund 5 %. Dadurch, dass das Pro- Kopf-Einkommen 2011 eine Höhe von 1006 US-$ erreichte, erhielt Sambia den Status eines Landes mit mittlerem Einkommen (MIC). Allerdings verteilt sich das Wachstum nicht gleichmäßig. Etwa zwei Drittel der sambischen Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die chinesischen Investitionen in Sambia waren immer Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Während die sambische Regierung gute Beziehungen zu China pflegte, wuchs die Kritik unter Oppositionspolitikern in Bezug auf die chinesischen Aktivitäten. Die öffentliche Wahrnehmung über 138 o. V. 2018 b. 139 o. V. 2007. 140 o. V. 2016 c. 49 die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Sambia und China nahm eine Wendung, als das Thema in den sambischen Wahlkämpfen der Opposition dazu diente, die Regierungspolitik zu kritisieren. Einer der größten Kommunikatoren des antichinesischen Widerstands war der am 28. Oktober 2014 verstorbene Staatspräsident Michael Chilufya Sata. Er führte als erster Politiker in Sambia einen Wahlkampf mit antichinesischen Parolen und handelte sich dabei den Ruf eines Populisten ein. Inwieweit er mit seiner Rhetorik wirklich am Ende den Wahlkampf gewann, kann nicht beantwortet werden. Unbestritten sind jedoch die Zugewinne bei drei aufeinanderfolgenden Wahlen, bis er schließlich 2011 im dritten Anlauf sambischer Staatspräsident wurde. Sata hatte vor seiner politischen Karriere mehrere Berufe, er war u. a. Gewerkschaftsfunktionär und Polizist.141 1985 wurde er Gouverneur in der sambischen Hauptstadt Lusaka. Unter dem sambischen Präsidenten Frederick Chiluba war er in den 1990er Jahren Minister für Arbeit und später für Gesundheit. Die MMD, die Partei Chilubas, verließ er um 2000, um eine eigene Partei, die Patriotische Front, zu gründen. Er wurde erst in den 2000er Jahren Präsidentschaftskandidat seiner Partei. 142 2006 schließlich schlug Satas Stunde als erfolgreicher Populist und Wahlkämpfer. Seine Partei PF wurde die zweitstärkste politische Kraft. Mwanawasa blieb aber mit der MMD an der Regierung. Ein entscheidender Einschnitt in die politische Landschaft Sambias war der unerwartete Tod Mwanawasas 2008. Sein Vizepräsident Rupiah Banda wurde Präsidentschaftskandidat der regierenden MMD. Michael Sata war sein stärkster Konkurrent und unterlag nur äußerst knapp: Banda konnte 40,09 % der Stimmen auf sich vereinigen, Sata unterlag mit 38,13 %. Seine stärksten Gewinne hatte Sata in den Städten und in den nördlichen Provinzen des Copperbelts. 143 Sata kritisierte als Oppositionsführer wiederholt die Ungerechtigkeit und Armut im Land als Verschulden der MMD und des Präsidenten. Seine Anhänger setzten sich bei der Wahl 2006 aus den ungebildeten, arbeitslosen jungen Menschen in den Städten und aus den bei chinesischen Unternehmen angestellten sambischen Arbeitern im Copperbelt zusammen, die überwiegend der Ethnie der Bemba angehören.144 In dieser Wählerorientierung zeigt sich eine Verbindung zwischen den Wahlkampferfolgen und der antichinesischen Rhetorik: Sata legte den Finger in die Wunde, die die chinesische Wirtschaftspolitik in beiden Zentren aufwirft. Die enttäuschten Arbeiter, die unter 141 o. V. 2012c. 142 Chan 2014. 143 Meyns 2011. 144 Larmer et al. 2007, S. 623. 50 chinesischen Arbeitsbedingungen zu leiden hatten, sahen in Sata ihren Retter, auch die Menschen in den Städten waren häufig einem existenziellen Konkurrenzkampf zu den wesentlich billigeren chinesischen Kleinhändlern ausgesetzt. So erklärt sich das veränderte Wahlverhalten dieser beiden Bevölkerungsgruppen. Vor der Präsidentschaftswahl 2011 sprachen sich die beiden Oppositionsparteien PF und UPND für einen Pakt vor der Wahl aus. Die PF hatte ihre besten Ergebnisse in den Städten und den nördlichen Provinzen, die UPND hingegen schnitt im Süden am stärksten ab. Die Volksgruppe der Bembas ist traditionell im Norden ansässig, die Tonga sind dagegen im Süden angesiedelt und wählen bevorzugt die UPND. Tatsächlich scheiterte die Idee, einen gemeinsamen Spitzenkandidaten aufzustellen. Sata war nun zum dritten Mal Kandidat der PF, die UPND wählte einen eigenen Kandidaten. Bei dieser Wahl zahlte sich die Geduld und der Einsatz Satas aus: Er gewann die Wahl und wurde sambischer Staatspräsident. Sata vereinigte auf sich 41,98 % der Stimmen, Banda kam nur auf 35,42 %.145 In Lusaka und im Copperbelt hatte Michael Sata bei den Präsidentschaftswahlen 2006 und 2008 die höchsten Stimmenzuwächse.146 Bei der Präsidentschaftswahl 2008 lag Michael Sata mit 38,13 % der Stimmen auf dem zweiten Platz hinter dem amtierenden Präsidenten Banda, der 40,09 % der Stimmen erhielt. Die Hauptstadt Lusaka, das Copperbelt und weitere Städte wie Kabwe hatte Sata gewonnen.147 Nach Carmody waren die fortgesetzten chinesischen Investitionen in die sambische Wirtschaft trotz der um zwei Drittel fallenden Preise für Kupfer ein Grund, warum Satas Wahlkampf 2008 nicht von denselben antichinesischen Ressentiments wie 2006 dominiert wurde.148 Sautman berichtet über gezielte antichinesische Aktivitäten der PF. Er nennt als Beispiel den Prozess 2011 gegen vier chinesische Staatsangehörige, die ein minderjähriges sambisches Mädchen zur Prostitution gezwungen haben sollten und nicht verurteilt wurden. Dieser Fall verletzte seiner Ansicht nach die Gleichbehandlung vor dem Gesetz.149 Sautman geht aber noch einen Schritt weiter und zieht einen Vergleich zwischen dem von ihm als rassistisch bezeichneten Hass auf alles Chinesische in den USA des 19. Jahrhunderts150 und 145 Meyns 2011. 146 Carmody 2013, S. 39. 147 Cao Tanh 2013, S. 321. 148 Carmody 2013, S. 43. 149 Sautman 2013, S. 87. 150 Sautman zitiert dazu Mark Twain: „A Chinaman had no rights that any man was bound to respect; that he had no sorrows that any man was bound to pity; that neither 51 der seinerzeit von der Patriotischen Front inszenierten Feindseligkeit gegen Chinesen in Sambia.151 Er zitiert einen chinesischen Beobachter mit den Worten, dass jedes unerwünschte Verhalten eines Chinesen in Sambia den Chinesen oder China als Ganzes zugerechnet würde.152 Nach der Regierungs- übernahme 2011 hätte die PF eine rassistisch begründete rechtliche Ungleichbehandlung der Chinesen im Land angesteuert.153 Der Generalsekretär der PF Guy Scott warf der chinesischen Regierung vor, die Präsidentenwahl von 2006 mitentscheiden zu wollen.154 Auf ein breites Interesse stieß die Frage, wie sich der neue Präsident gegenüber chinesischen Investoren verhalten würde. Vor der Wahl machte Sata seinen Wählern dahingehend Versprechungen, dass er die Gewinne des Kupferbergbaus, also vor allem chinesische Profite, umverteilen würde.155 Sata verfolgte als Präsident eine pragmatische Politik: So empfing er den chinesischen Botschafter Zhou Yuxiao gleich am Tag nach seiner Amtseinführung. Die Begegnung verlief im gegenseitigen Einvernehmen: Sowohl der Präsident als auch der Botschafter vereinbarten die Fortsetzung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten. Entgegen den Erwartungen sprach Sata keine Drohungen und Feindseligkeiten gegen die chinesische Regierung aus und knüpfte das chinesische Engagement nicht an irgendwelche Bedingungen. Tatsächlich profitierten von Satas Wahlsieg einige Wähler, die sich den chinesischen Arbeitgegebern gegenüber loyal zeigten. Joseph Canda, sambischer Mitarbeiter in einem chinesischen Geschäft in Lusaka, berichtete über eine Verdreifachung seines Gehalts nach Satas Wahlsieg vom zuvor geltenden Mindestlohnniveau auf ungerechnet 204 US-$ im Monat. Satas antichinesische Wahlkampfrhetorik wurde in Afrika sehr aufmerksam wahrgenommen.156 Nach einer von Machtmissbrauchsvorwürfen begleiteten vierjährigen Amtszeit starb Sata am 29.10.2014 in London.157 Sein Nachfolger sorgte für eine Sensation auf dem afrikanischen Kontinent. Guy Scott ist weiß und damit der erste nicht schwarze Präsident in Afrika seit dem Ende der Apartheid in Südafrika 1994. Scott wurde in Nord-Rhodesien geboren und his life nor his liberty was worth the purchase of a pennywhen a white man needed a scapegoat.” (Sautman 2013, S. 87). 151 Sautman 2013, S. 87–88. 152 Sautman 2013, S. 91. 153 Sautman 2013, S. 102. 154 Cao Thanh 2013, S. 301. 155 Schwikowski 2011. 156 Mulowa 2011. 157 o.V. 2014a. 52 war seit 2011 Vizepräsident unter Sata, seit 2001 war er Mitglied der PF.158 Da im Februar 2015 bekannt wurde, dass China beabsichtigt, über 3 Mrd. US-$ in Sambia zu investieren, ist von einer weiteren intensiven Zusammenarbeit zwischen der sambischen Regierung unter der Führung von Guy Scott und den Chinesen auszugehen.159 Wie ist die Situation in Namibia? Gab es auch dort Politiker, die mit einer antichinesischen Rhetorik bei Wahlen erfolgreich waren? In Namibia gab es zunächst keinen Populisten wie Michael Sata, wobei auch dort die antichinesische Stimmung wächst. Die bereits mehr als 25 Jahre andauernde Herrschaft der SWAPO führte zu zwei überragenden Oppositionsführern, von denen Epafras Mukwiilongo am ehesten die Voraussetzungen erfüllt, mit antichinesischen Aussagen Wahlerfolge zu erzielen. Er trat früher bereits als Chinakritiker in Erscheinung, damals aber noch in seiner Eigenschaft als Sprecher einer Gruppe von namibischen Geschäftsleuten, die sich im Norden des Landes gegen die als unfair empfundenen chinesischen Konkurrenten Gehör verschafften. Mittlerweile hat Mukwiilongo eine eigene Partei gegründet, die mit dem Namen Namibian Economic Freedom Fighters (NEFF) gegen den Abbau von namibischen Ressourcen durch chinesische Unternehmen agiert. Außerdem wird Homosexualität als ein angebliches Übel angesehen, gegen das sich die neue Partei richtet.160 Während die NEFF zumindest über das Potenzial verfügt, später einmal der SWAPO Stimmen wegzunehmen, verläuft der Weg von Benjamin Ulenga anders. Als ehemaliger Gewerkschaftsfunktionär ist er mit den Ursprüngen der namibischen Unabhängigkeitsbewegung verbunden. Ulenga hat eine lange und ihn als Politiker sehr qualifizierende Biographie. Er war im namibischen Unabhängigkeitskampf Offizier in der Widerstandsbewegung, er saß ebenso wie Nelson Mandela in südafrikanischer Haft auf Robben Island und war bis 1998 namibischer Botschafter in London.161 Bereits 1999 wurde er Führer der neuen Oppositionspartei Congress of Democrats, trat als wortgewaltiger Redner und häufiger Kritiker der de facto Einparteienherrschaft und des zunehmend autoritär regierenden Präsidenten Nujoma auf. Bei seiner ersten Kandidatur als Präsidentschaftskandidat 1999 forderte Ulenga Präsident Nujoma noch selbst heraus. Nujoma gewann die Wahl mit 76,8 % der Stimmen. Bei der Wahl 2004 kam der Kandidat der SWAPO, Hifikepunye Pohamba, auf 76,4 % der Stimmen, während Ulenga mit einem Stimmenanteil 158 o.V. 2014b. 159 o. V. 2015a 160 o. V. 2014b. 161 Räther 1999. 53 von 7,3 % noch am besten von sechs Oppositionskandidaten abschloss. Er erhielt bei den Wahlen 2009 nur noch 0,72 % der Stimmen, 2014 spielte er mit 0,39 % der Stimmen ebenfalls keine Rolle mehr. Trotzdem gelang es sowohl Ulenga als auch Sata in Sambia, die jeweils herrschende Regierung der Korruption und des Ausverkaufs nationaler Interessen anzuklagen und auf diese Weise Stimmen zu gewinnen. Wer ist Epafras Mukwiilongo? Bereits 2008, also etwa während der antichinesischen Wahlkämpfe Michael Satas, trat er als Aktivist in Erscheinung. Er war Sprecher einer Organisation von Geschäftsleuten, der „Save the Local Business Community“, der rund 200 namibische Geschäftsleute aus den nördlichen Regionen von Omusati, Oshana, Oshikango und Ohangwena angehörten. Diese Gruppe definierte sich selbst als Gegenbewegung zu einer unfairen Konkurrenz von ausländischen Händlern im Bereich des Einzelhandels. Sie richtete sich hauptsächlich gegen indische und chinesische Mitbewerber, die im Land bzw. in der Region als unerwünscht galten. Die Gruppe veranstaltete Konferenzen unter dem Namen „Save Local Business Community from the Chinese Business“.162 Allerdings dauerte es, bis er eine eigene Partei gründen konnte. Zunächst war Mukwiilongo Mitglied der SWAPO. Die Gründung seiner Partei hatte ein Vorbild: Julius Malema, der Führer der südafrikanischen „Freedom Fighters“, pflegt lose Beziehungen zur SWAPO.163 Wie sieht die Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden afrikanischen Staaten und der chinesischen Regierung genau aus? Die chinesische Regierung unterstützte bereits die sambische Unabhängigkeitsbewegung unter Kaunda. Der chinesische Premierminister Zhou Enlai gewährte der sambischen Regierung im Rahmen seiner Afrika-Reise 1963 ein zinsfreies Darlehen in Höhe von 157 Millionen US-$ zum Bau einer Eisenbahn zwischen Sambia und Tansania, der TAZARA RAILWAY. An dieser Eisenbahn bauten auch 13.500 chinesische Arbeiter mit.164 Die westlichen Staaten lehnten es ab, sich an der TAZARA-Eisenbahn in irgendeiner Form zu beteiligen. Daher baten Tansania und Sambia die chinesische Regierung um Hilfe. Für die chinesische Regierung bot sich die Gelegenheit, den Bau der Eisenbahn als bedeutendes Ereignis für die chinesisch-sambischen Beziehungen hervorzuheben.165 162 Informante` Firm but fair 2008. 163 Shinowene 2014. 164 Dehner 2013. 165 Ndulo 2008, S. 139. 54 Das chinesische Investment in Sambia steht an 19. Stelle der weltweiten chinesischen Direktinvestitionen und an 3. Stelle in Afrika.166 Chinas Bestand an Direktinvestitionen in Afrika wuchs 2012 um 34 % auf 21,7 Mrd. US-$ an und machte damit 4 % der gesamten chinesischen Direktinvestitionen im Ausland aus. Südafrika, gefolgt von Sambia und Nigeria, sind die Hauptempfängerstaaten.167 Im Jahr 2010 betrugen die weltweiten chinesischen Direktinvestitionen 68,81 Mrd. US-$.168 Im Jahr 2012 beliefen sich die chinesischen Direktinvestitionen im Ausland auf 509 Mrd. US-$, speziell für Afrika beliefen sie sich auf 4,1 % der Gesamtsumme.169 Das Jahr 1997 war ein Schlüsseljahr für die chinesisch-sambischen Beziehungen. Eine chinesische Textilfabrik in Kabwe und die erste Niederlassung der staatseigenen Bank of China in Sambia waren der Anfang der nun bereits über 20 Jahre andauernden Wirtschaftsbeziehungen.170 Auch die chinesische Einwanderung nach Sambia spielt seit den 2000er Jahren eine große Rolle. Während 1992 noch 300 Chinesen in Sambia gezählt wurden, waren es 2013 nach offiziell nicht bestätigten Schätzungen bereits 80.000.171 Diese Zahlen werden von Yan und Sautman jedoch angezweifelt: Die Zahl von 80.000 Einwanderern sei eine Erfindung der PF, um sie politisch nutzen zu können. Sautman und Yan gehen von höchstens 4000 Chinesen in Sambia aus.172 Es gibt sechs Arten von sambischen Visa, die an Chinesen ausgegeben werden können: ständiger Aufenthalt, Besuch, Studienzweck, Arbeitserlaubnis, vorübergehender Aufenthalt und selbstständige Unternehmer (Investor). Familienmitglieder erhalten dieselben Visa wie der eigentliche Inhaber; es gibt keine eigenen Familienvisa. Vor 2008 war die Migration von China nach Sambia nicht sonderlich hoch. Diese Situation änderte sich 2011. Bereits im Jahr 2012 entfielen von 9.067 Arbeitserlaubnissen 3.722 auf Chinesen. Ein Jahr später wurden 5.897 Arbeitserlaubnisse für Chinesen ausgestellt. Dabei gelten die Business-Visa entweder bis zu drei Monaten oder bis zu drei Jahren. Einteilen lassen sich die chinesischen Einwanderer nach Sambia in drei Gruppen: vorübergehende Arbeitsmigranten, darunter befinden sich Arbeitskräfte, die nach Ende ihres Vertrags nach China zurückgehen, sowie eine kleinere Anzahl von Managern, Kleinunternehmern und Transitmigranten. Die chinesischen 166 Carmody 2010, S. 90. 167 Levinger 2013. 168 Botschaft der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland 2011. 169 Hütz-Adams et al. 2014, S. 6. 170 Carmody 2013, S. 31. 171 Carmody 2013, S. 41. 172 Sautman et al. 2009, S. 4. 55 Einwanderer sind wesentlich weniger assimiliert und integriert in die sambische Gesellschaft als andere Migrantengruppen. Als Ursachen gelten sprachliche und kulturelle Hürden. Einige Chinesen sprechen Englisch, wenige Sambier jedoch Chinesisch. 173 Ein erhebliches Problem in den sambisch-chinesischen Beziehungen ist der chinesische Kupferabbau im Copperbelt. Bereits 1972 kritisierte Bates die Verfehlungen des sambischen Staates, die Probleme der sambischen Bergarbeiter aufzugreifen, sodass auch die Gewerkschaften nicht ausreichende Möglichkeiten hätten, ihre Mitglieder zu kontrollieren.174 Die Privatisierung der sambischen Kupferminen führte nicht zu den erhofften sozialen Verbesserungen. Die Gewinne aus dem Kupferbergbau wurden aus Sambia transferiert, bevor sie der sambischen Bevölkerung zugutekommen konnten. Die mit dem Kupferbergbau befassten Sambier reagierten auf diese Entscheidungen mit Protesten und Streiks.175 Die sambischen Kupferbergwerke wurden nach der Unabhängigkeit 1964 privatisiert. Anfangs flossen die Erlöse in sozialpolitische Maßnahmen. Mitte der 1970er Jahre brachen jedoch die Rohstoffpreise ein. Sambia konnte die Kredite von IWF und Weltbank nicht zurückzahlen. Deswegen musste die sambische Regierung den Forderungen der Geldgeber nach einer völligen Privatisierung der sambischen Minen nachkommen. Öffentliche Dienstleistungen, die mit Steuereinnahmen aus dem Kupferverkauf finanziert werden sollten, blieben aus. 2000 setzten IWF und Weltbank die Zerschlagung des Staatsunternehmens Zambia Consolidated durch. Die Anteile an den Bergwerken wurden an ausländische Investoren verkauft, die nun auch über die Gewinne verfügen konnten. Durch die Veröffentlichung der vertraglichen Vereinbarungen zwischen den Geberinstitutionen kam es 2007 zu Protesten in der sambischen Bevölkerung. Der Grund dafür war unter anderem ein Passus in den Verträgen: Die neuen Eigentümer der nunmehr privaten Bergwerke konnten jahrelang hundertprozentige steuerliche Abschreibungen geltend machen, die Infrastruktur wurde vom sambischen Staat bereitgestellt und der Import von Maschinen sollte zollfrei bleiben. Dabei wenden die Eigentümer einen besonderen Trick an: Die Schweiz kauft die Hälfte des Kupfers, das tatsächlich aber nicht benötigt wird. Daher verkauft die Schweiz das Kupfer anschließend weiter über das international tätige Rohstoffhandelsunternehmen Glencore plc, das über das Tochterunternehmen Mopani Eigentümer einer der größten sambischen Minen ist. Ein weiterer wesentlicher Kritik- 173 Postel 2015. 174 Burawoy 1972, S. 242. 175 Fraser et al. 2007, S. 2. 56 punkt besteht darin, dass die Verträge zwischen den Geldgebern und der sambischen Regierung weitgehend intransparent sind.176 Robert Negi vertritt die Auffassung, die antichinesischen Proteste in Sambia seien die intensivsten in allen afrikanischen Staaten.177 Er sieht die Ursache für die sambische Sinophobie in der Schlüsselposition, die Kupfer in der sambischen Wirtschaft einnimmt: China sei nun zum bedeutendsten Ausbeuter für die Sambier geworden, zudem würden die ungünstigen Arbeitsbedingungen für die sambischen Beschäftigten das Image der chinesischen Unternehmen im Bergbau verschlechtern.178 Die Non-Ferrous Metals Corporation Africa (NFC Africa), die zur staatseigenen China Non-ferrous Metal and Mining Group gehörte, bewirtschaftete die erste chinesische Sonderwirtschaftszone in Sambia, Zambia-China Trade and Economic Cooperation Zone (ZCCZ), die zu den während des FOCACS 2006 versprochenen Zonen gehört. Die Zone befindet sich im Copperbelt zwischen Kitwe und Chingola.179 Die chinesischen Betreiber der sambischen Chambishi-Kupfermine stellten bevorzugt Gelegenheitsarbeiter ein, um die Arbeitskosten zu senken. Der Widerstand der Sambier vom Grasroot Level ausgehend verhinderte diesen Plan weitgehend. Im Vergleich dazu umfassen die chinesischen Investitionen in der sambischen Textilindustrie einen kürzeren Zeitrahmen, geringere politische Lasten und geringere Gewinnerwartungen.180 Die Aktivitäten großer Bergbauunternehmen haben auch nach Abi Dymonds Auffassung für Arbeiter in unmittelbarer Nachbarschaft erhebliche Schwierigkeiten zur Folge. Typisch sind ungünstige Arbeitsbedingungen wie geringe Löhne, unzureichende Sicherheitsmaßnahmen in den Bergwerken und Misshandlungen der sambischen Arbeiter. Die sambische Regierung scheint nicht in der Lage zu sein, die unerwünschten Folgen des Kupferbergbaus zu mindern.181 Die antichinesischen Streiks in Sambia werden als Weiterführung der Arbeitskämpfe im Anschluss an die koloniale Vergangenheit des Landes gesehen.182 Carmody führt aus, dass die chinesische „Open Door“-Politik kaum messbare 176 o.V. 2013 c. 177 Negi 2008, S. 43. 178 Negi 2008, S. 48. 179 Haglund 2009, S. 8. 180 Kwan Lee 2009, S. 19–20. 181 Dymond 2007, S. 21. 182 Carmody 2010, S. 92. 57 Vorteile für die sambische Bevölkerung bewirkt hat.183 70 % der etwa 14,5 Mio. Sambier lebt laut Ndulo unterhalb der Armutsgrenze und profitiert daher nicht von den makroökonomischen Verbesserungen.184 Die Risiken des chinesischen Engagements in Sambia sieht Ndulo unter anderem in der Anfälligkeit für Korruption, Umweltzerstörung und in den schlechten Arbeitsbedingungen für Sambier bei chinesischen Arbeitgebern.185 In Sambia zeigen sich in mancher Hinsicht die Fallstricke des chinesischen Engagements in Afrika ebenso wie die möglichen Nachteile einer weitergehenden Verstrickung Chinas in Afrika.186 In der heutigen Zeit zeigt sich das chinesische Auftreten in Namibia und Sambia in der Rolle von großen Konzernen, die mit den mächtigen Funktionären die Arbeitsbedingungen diktieren und Ausbeutung sowie Unterdrückung der afrikanischen Arbeiter zu verantworten haben. Während China in den vergangenen Jahrzehnten offiziell als Freund der antikolonialen Befreiungsbewegungen in Namibia und Sambia auftrat, änderte sich die afrikanische Wahrnehmung über China nun dergestalt, dass China als neue Kolonialmacht angesehen wird. Nach Yan Hairong und Barry Sautman ist keine chinesische Investition so sehr diskutiert worden wie der chinesische Kupferbergbau in Sambia.187 Der US-amerikanische Politologe Niall Ferguson behauptet, die chinesische Kupferproduktion in Sambia würde den Beginn eines weltweiten Imperiums zur Folge haben. Die chinesischen Arbeitsbedingungen würden nun auf der ganzen Welt eingeführt werden.188 Nach der Studie von Human Rights Watch sind die chinesischen Unternehmen in Sambia zuverlässige Investoren, angesichts der Höhe der Investitionen aber besonders gefürchtete Arbeitgeber hinsichtlich der Verletzung von Arbeitnehmerrechten.189 Yan und Sautman verbinden die antichinesischen Kampagnen von Michael Satas PF mit dem Hass der Bevölkerung auf die Chinesen durch sambische Minenarbeiter. Dieser Hass entlud sich in Gewalt gegen Chinesen wie etwa tätlichen Angriffen und Steinewürfen. Dabei sollen laut einem ungenannten sambischen 183 Carmody 2013, S. 35. 184 Ndulo 2008, S. 140. 185 Ndulo 2008, S. 144. 186 Alden 2007, S. 72. 187 Yan et al. 2013, S. 131. 188 Yan et al. 2013, S. 135. 189 Yan et al. 2013, S. 135. 58 politischen Führer die ablehnenden Berichte westlicher Medien über die chinesische Präsenz in Afrika eine Rolle gespielt haben.190 Yan und Sautman beschreiben, dass die tödlichen Schüsse 2010 auf 13 sambische Minenarbeiter durch chinesische Aufseher in der privaten chinesischen Collum Mine bei sambischen Politikern und Medien als Ausdruck neokolonialer und amoralischer Praktiken der Chinesen in Afrika angesehen werden.191 Internationale Medien bezeichneten die Schüsse als ein von China bzw. von Chinesen verübtes Verbrechen.192 Ein sambischer Gewerkschafter berichtete von Schlägen chinesischer Aufseher, wenn sambische Arbeiter sich in einer bestimmten Weise falsch verhielten.193 Dabei richteten sich die häufigen sambischen Streiks mit Gewaltausbrüchen in Bergwerken nach Yan und Sautman nicht gegen weiße Vorgesetzte, sondern vor allem gegen chinesische und indische Arbeitgeber.194 Yan und Sautman vergleichen die aufgeheizte rassistische Atmosphäre in Sambia den Chinesen gegenüber mit den von Medien und Politikern zuvor angestifteten antijüdischen Protesten in Südafrika.195 Beide Autoren vertreten die These, es gäbe keine empirischen Belege für kulturelle Interpretationen der chinesischen Praktiken im sambischen Bergbau. Solche rassistischen Thesen seien von westlichen Medien und sambischen Politikern gestreut worden.196 Nach van Bracht beziehen sich die beiden wesentlichen Bereiche für die Entstehung einer antichinesischen Stimmung in Sambia auf die Unterdrückung und Ausbeutung sambischer Arbeiter durch Chinesen und auf das moralische Verhalten der Chinesen im Land.197 Van Bracht führt die antichinesische Stimmung in Sambia auf sechs Faktoren zurück. Er nennt ein Gefühl von Bedrohung, die zweifelhafte Rolle sambischer Politiker, zu hohe Erwartungen an die Chinesen im Land, die Rolle der Medien sowie kulturelle und strukturelle Faktoren.198 Van Bracht widerspricht der häufig in der Literatur vorkommenden Auffassung, dass die Sambier besonders ablehnende Ansichten über China hätten. Er vertritt die Meinung, es gäbe ein sehr komplexes und 190 Yan et al. 2013, S. 138. 191 Yan et al. 2014, S. 1. 192 Yan et al. 2014, S. 2. 193 Yan et al. 2014, S. 4. 194 Yan et al. 2014, S. 7. 195 Yan et al. 2013, S. 138–139. 196 Yan et al. 2013, S. 151. 197 Van Bracht 2012, S. 74. 198 Van Bracht 2012, S. 75. 59 vielfältiges Stimmungsbild im Land.199 Auf sambischen Websites finden sich nach Yan und Sautman extrem rassistische Bezeichnungen für die im Land lebenden Chinesen: „choncholis“, „chingchongs“, „squinty eyes“, „yellow savages“, „Chinese piglets“ and „chinks“; zudem werden massenhafte Deportationen der Chinesen aus Sambia gefordert.200 Westliche Zeitungen zitieren sambische Bergarbeiter beispielsweise mit folgenden Sätzen: Die Sambier wären Sklaven im eigenen Land. Die Chinesen würden in Sambia beabsichtigen, nur dem eigenen Land zu Reichtum zu verhelfen.201 Die PF würde einen regelrechten „Anti-Sinicism“ etablieren.202 Am 22. September 2005 veröffentlichten Gewerkschaftsfunktionäre aus afrikanischen Staaten ein Statement über China. Unter diesen Staaten befanden sich auch Vertreter Sambias. Ein Punkt in dem Statement war die Verstrickung chinesischer Unternehmen in der südafrikanischen Bekleidungs- und Textilindustrie. In dem Dokument werden den Chinesen unfaire Geschäftspraktiken und eine ständige Verletzung von Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechten vorgeworfen.203 Die antichinesischen Einstellungen und Vorurteile resultieren aus dem Gefühl der Unterdrückung und Ausbeutung und sind daher anders als in Europa gelagert. In Europa ist Fremdenfeindlichkeit nicht die Folge von ausbeuterischem Verhalten ausländischer Arbeitgeber. Von offizieller politischer Seite zeigt sich jedoch ein ganz anderes Bild: Die als „all-Wheater-Friendship“ bezeichnete freundschaftliche Beziehung zwischen Sambia und China wurde offiziell von keinem sambischen Staatspräsidenten einschließlich Michael Sata infrage gestellt.204 Es stellt sich die Frage, durch welche Merkmale die antichinesischen Proteste in Namibia geprägt sind. Die chinesischen Beziehungen zu Namibia begannen ebenso wie die Beziehungen zu Sambia mit den Bemühungen Namibias, von Südafrika unabhängig zu werden. Die namibische Unabhängigkeitsbewegung weist eine enge historische Verbindung zu China auf. Aus diesem Grund besteht bis heute eine enge Freundschaft zwischen der regierenden SWAPO und der chinesischen Regierung.205 China war einer der ersten Staaten, der eine eigene Botschaft in der namibischen Hauptstadt Windhoek nach der 199 Van Bracht 2012, S. 87. 200 Yan et al. 2014, S. 12. 201 Yan et al. 2014, S. 16. 202 Yan et al. 2014, S. 18. 203 Kanyenze 2006, S. 285–286. 204 Carmody 2013, S. 28. 205 Sherboune 2007, S. 161. 60 Unabhängigkeit 1990 eröffnete.206 Seit der Unabhängigkeit 1990 ist die chinesische Präsenz in Namibia kontinuierlich angewachsen. Seitdem sollen sich zwischen 2.000 und 3.000 Chinesen im Land aufhalten.207 Bereits in den 1970er und 1980er Jahren besuchte Sam Nujoma als SWAPO- Präsident insgesamt siebenmal die Volksrepublik China.208 In seiner Funktion als namibischer Präsident folgten weitere Besuche (1992, 1996, 1999, 2000 und 2004). Im März 2005 eröffnete Namibia eine Botschaft in Peking. Seit 1990 kam es zu gegenseitigen Besuchen hochrangiger Repräsentanten beider Staaten. Der chinesische Außenminister Tang Jiaxuan besuchte Namibia 2000, der ehemalige chinesische Staatspräsident Hu Jintao besuchte das afrikanische Land im Februar 2007 für zwei Tage.209 Nach dem Besuch Hu Jintaos 2007 kam es zu folgenden Finanzhilfen für Namibia: 1,7 Mrd. namibische Dollar (N$) in konzessionierten Krediten 107 Mio. N$ in bevorzugten Exportkrediten 37 Mio. N$ in Anleihen 37 Mio. N$ in uneigennützigen Anleihen die Konstruktion von drei Landwirtschaftsschulen und eines Krankenhauses.210 2002 investierte China eine interessenfreie Anleihe von 55 Mio. N$ zum Bau eines neuen State Houses in Namibia. 2003 gab es eine Anleihe der chinesischen kommunistischen Partei von 30.000 US-$ für die regierende SWAPO, 2003 und 2005 kam es dann noch jeweils zu Anleihen von jeweils 25 Mio. und 21,5 Mio. N$, die in keinem nationalen namibischen Budgetdokument auftauchen.211 Chinesische Bauarbeiter und Bauunternehmen entwarfen auch den neu erbauten Obersten Gerichtshof und das National-Council-Gebäude in der Hauptstadt.212 Nach einer Veröffentlichung der chinesischen Botschaft in Windhoek 2005 waren damals 100 private chinesische Unternehmen in Namibia tätig. Die gesamten Investitionen beliefen sich auf 30 Mio. US-$ inbesondere in den Bereichen Bauwirtschaft, Handwerk, Ernährung und 206 Sherboune 2007, S. 162. 207 Sherboune 2007, S. 160. 208 Du Pisani 2014, S. 115. 209 Du Pisani 2014, S. 116. 210 Du Pisani 2014, S. 117. 211 Sherboune 2007, S. 166. 212 Sherboune 2007, S. 167. 61 Gesundheit.213 2011 betrug der Handel zwischen China und Namibia 130 Mio. N$.214 Kleine inhabergeführte chinesische Geschäfte sind in Namibia mittlerweile häufig anzutreffen. Nach Angaben des Ministeriums für Handel und Industrie waren 2009 500 chinesische Geschäfte in Namibia registriert.215 Dobler berichtet, dass in jeder größeren afrikanischen Stadt chinesische Geschäfte zu finden seien.216 Viele chinesische Einwanderer erfuhren über Verwandte und Freunde von den wirtschaftlichen Möglichkeiten in Namibia. Andere wurden durch offizielle Anzeigen in chinesischen Zeitungen und Magazinen auf Chancen in Namibia hingewiesen.217 Das verbindende Glied aller chinesischen Kleinhändler in Namibia ist jedoch die Familie. So werden bevorzugt eigene Familienmitglieder angestellt.218 Das Baugewerbe ist ein Hauptbestandteil des chinesischen Engagements in Namibia. 60 bis 70 % der großen namibischen Bauprojekte werden von chinesischen Bauunternehmen ausgeführt, darunter einige große öffentliche Projekte: der Oberste Gerichtshof, eine neue Polizeistation und das Rathaus in Katutura.219 Widerstand gegen Chinesen ist in Namibia zwar vorhanden, hat jedoch nicht das Ausmaß und die Intensität wie in Sambia angenommen. So kam es im März 2015 zum Protest einer Gruppe von Jugendaktivisten gegen die Entscheidung der namibischen Regierung, 10.000 Hektar fruchtbares Land einem chinesischen Unternehmen für den Tabakanbau zu überlassen. Der Sprecher der Gruppe, Job Amupanda, kritisierte, dass diese Entscheidung die namibische Fähigkeit schwächen würde, die Ernährungssicherheit der Bevölkerung zu sichern.220 2008 demonstrierten hunderte Namibier gegen die chinesische Regierung, um eine chinesische Waffenlieferung nach Namibia abzuwenden.221 2014 streikten 80 namibische Angestellte der chinesischen China Harbour Engineering 213 Mapaure 2014, S. 26–27. 214 Du Pisani 2014, S. 118. 215 Du Pisani 2014, S. 120. 216 Dobler 2005. 217 Dobler 2005. 218 Dobler 2005. 219 Du Pisani 2014, S. 121. 220 o.V. 2015 b. 221 Shilongo 2008. 62 Company (CHEC) aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen.222 2012 demonstrierten 100 Arbeiter des chinesischen Unternehmens Jiangsu Zhengtai gegen unfaire Arbeitsbedingungen und gegen die zeitweise angeordnete Aussperrung durch die chinesische Geschäftsleitung.223 Wie diese Beispiele von Protesten und Arbeitsniederlegungen zeigen, kommt es immer wieder zu punktuellen Protesten gegen die chinesischen Aktivitäten im Land. Diese Aktionen sind jedoch zeitlich und räumlich begrenzt, sodass die namibischchinesischen Beziehungen nicht unmittelbar beeinträchtigt werden. Das frühe Engagement der kommunistischen Regierung Chinas in Namibia und Sambia hat den Aufbau der Beziehungen zwischen den Staaten befördert und jedenfalls ideologisch auf ein festes, heute noch gültiges Fundament gestellt. Die jüngere Generation in Namibia und Sambia kann mit der ideologischen Freundschaft nicht mehr viel anfangen, denn die wirtschaftlichen Verhältnisse in beiden Staaten haben sich grundlegend geändert. Heute ist der Rohstoffreichtum das Hauptbetätigungsfeld der Chinesen, aber breite Bevölkerungsschichten in Namibia und gerade Sambia profitieren nicht von diesem Engagement: Sambia ist unverändert einer der ärmsten Staaten der Welt. Diese Beispiele von Arbeitsprotesten, die sich gegen Chinesen richten, zeigt das Potenzial, aus dem sich der antichinesische Protest in Namibia speist. Hier stellt sich auch die Frage, warum die Regierung von Namibia nicht konsequent gegen die unzureichenden Arbeitsbedingungen vorgeht. 222 Hartman 2014. 223 o.V. 2012 b. 63 3 Historische und theoretische Annäherung an die Rassismusforschung 3.1 Begriff und Formen von Rassismus Angesichts der zu beobachtenden Proteste in Teilen der sambischen und namibischen Bevölkerung stellt sich die Frage, inwieweit dieses Phänomen als antichinesische Stimmung aufgefasst werden kann, die aus einer Bevorzugung der in den beiden ausgewählten Ländern anwesenden Chinesen resultiert, oder ob es sich bereits um rassistische Ressentiments handelt. Zu diesem Zweck sollen in diesem Kapitel einschlägige Rassismustheorien vorgestellt werden, die den theoretischen Rahmen für die Diskurs- und Inhaltsanalyse bilden. „Rassismus“ ist heutzutage ein in der öffentlichen Debatte häufig anzutreffender Begriff. Er wird verwendet, um vermeintliche oder tatsächliche Diskriminierungen von Volksgruppen zu bestimmen, um den europäischen Rechtspopulismus zu charakterisieren oder ihn ganz einfach als ein aufgrund seines moralischen Gehalts besonders wirkungsmächtiges Argument in einer kontroversen Diskussion verwenden zu können. Häufig wird beklagt, rassistische Zuschreibungen würden „inflationär“ oder „undifferenziert“ verwendet. Ungeachtet des möglichen Wahrheitsgehalts einer zu häufigen Verwendung von Rassismus zeigt sich bereits an dieser Theorie ein evidentes methodisches Problem: Es ist sehr schwierig, Rassismus exakt zu bestimmen, empirisch zu werten und von anderen Begriffen wie ausschließlichen Beschreibungen von unterschiedlichen Menschen abzugrenzen. Rassismus erleidet das Schicksal vieler soziologischer Theorien: Er ist genuin moralisch zu verstehen. Ein technischer Rassismus ohne moralische Wertung ist nicht vorstellbar. Rassistische Zuschreibungen enthalten immer eine moralische Wertung. Eine verbindliche Definition für Rassismus zu finden ist eine schwierige Aufgabe, die bisher nicht zufriedenstellend gelöst wurde. Viele Theorien über Rassismus sind nicht deckungsgleich und bewegen sich in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen wie Geschichte, Soziologie oder Erziehungswissenschaft. Es sind allerdings zwei Hauptströmungen zu erkennen. Die Vertre- 64 ter der einen Richtung zielen auf biologische oder körperliche Unterschiede zwischen Menschengruppen ab. Die andere Strömung konzentriert sich demgegenüber auf vermeintliche kulturelle Unterschiede zwischen zwei Gruppen. Die ausgemachten Unterschiede werden jeweils durch den, der rassistisch denkt, dergestalt gewertet, dass es zu eigenen Vorteilen der eigenen und zu Nachteilen gegenüber der anderen Gruppe kommt. Es ist nicht leicht, die unterschiedlichen Ansätze über Rassismus zu verbinden. Den Versuch einer fächerübergreifenden Definition macht Rudolf Leiprecht: „Bei Rassismus handelt es sich um individuelle, kollektive, institutionelle und strukturelle Praktiken der Herstellung oder Reproduktion von Bildern, Denkweisen und Erzählungen über Menschengruppen, die jeweils als statische, homogene und über Generationen durch Erbfolge verbundene Größen vorgestellt werden, wobei (explizit oder implizit) unterschiedliche Wertigkeiten, Rangordnungen (Hierarchien) und/oder Unvereinbarkeiten zwischen Gruppen behauptet und Zusammenhänge zwischen äußerer Erscheinung und einem ‚inneren’ Äquivalent psycho-sozialer Fähigkeiten suggeriert, also in dieser Weise ‚Rassen’, ‚Kulturen’, ‚Völker’ oder ‚Nationen’ konstruiert werden.“224 Leiprecht beschreibt Rassismus als abstrakte Bilder oder Denkweisen, die subjektiv Menschengruppen in vermeintlich homogene Gruppen einteilt. Der jeweiligen Gruppe werden ähnliche Eigenschaften zugewiesen, die sowohl äußerlich durch das Erscheinungsbild oder innerlich durch soziales Verhalten festgemacht werden. Leiprecht geht noch weiter: Auch in erster Linie nicht rassistisch gemeinte Sammelbegriffe wie „Volk“ oder „Nation“ identifiziert er als konstruierte, also erfundene Arten des sozialen Lebens. Damit arbeitet Leiprecht eine Verbindung zwischen amoralischen, rassistischen Zuschreibungen einerseits und moralfreien, technischen Beschreibungen gesellschaftlicher Organisationsformen andererseits heraus. Rudolf Leiprecht stellt zu Recht fest, dass in allen Wissenschaftsdisziplinen ein gemeinsamer Nenner für eine Definition von Rassismus fehlt. Einigkeit besteht in der Forschung aber dahingehend, dass es sich bei Rassismus um Prozesse wie Ideen, Repräsentationen und Vorstellungen handelt, die historisch und gesellschaftlich entstanden sind und die sich reproduzieren. Dabei werden Großgruppen, vermeintliche Rassen, in eine Hierarchie eingebunden. Die Konstrukte „Volk“, „Kultur“ und „Nation“ würden dann als Ordnungsmuster und Wissenssysteme soziale Verhältnisse regulieren und diese als Herrschaftsformen rechtfertigen.225 224 Leiprecht 2005, S. 15. 225 Leiprecht 2016, S. 1. 65 Es geht also um subjektive Eindrücke von anderen Menschen in Form von Ideen und Vorstellungen, die sich in wiederkehrenden Prozessen, also Abläufen, verfestigen und sich dann wiederholen. Wenn eine Idee über eine Menschengruppe entsteht, wird sie immer wieder neu identifiziert und zur Bewertung einer Gruppe verwendet. Die ablehnend bewerteten Gruppen werden anschließend unterdrückt. Die Unterdrückung wird durch rassistische Codes wie „Volk“ und „Nation“ legitimiert. Dabei übersieht Leiprecht, dass die Chiffren „Volk“ und „Nation“ auch wertneutrale Ordnungsmuster oder wünschenswerte Identifikationsformen aufweisen können. Grundsätzlich ist seiner These des Missbrauchs der Begriffe aber zuzustimmen. Immer wieder sind Bestandteile von Rassismus auch Verschwörungstheorien, die folgende Bedeutung haben: Der streng genommene Sinn der Wortpaarung „Verschwörungstheorie“ bezeichnet schlicht ein Modell zur Erklärung bestimmter Teile von Realität durch das Zustandekommen bzw. das Wirken einer Verschwörung. Unter einer Verschwörung ist dabei eine von mindestens zwei Akteuren geplante Geheimhandlung zu verstehen, wobei die Ziele dieser Geheimhandlung typischerweise zu keinem guten Ende führen.226 Dabei ist wichtig, dass der Begriff „Verschwörungstheorie“ im allgemeinen Sprachgebrauch als Pejorativum, also abwertend, verwendet wird.227 Dementsprechend können Verschwörungstheorien auch ein Ausdruck von Rassismus sein. Leiprecht stellt fest, dass in der Forschung mittlerweile von Rassismen in der Mehrzahl gesprochen wird. Rassismen hätten die Aufgabe, diskriminierende gesellschaftliche Systeme zu verfestigen.228 Hier zeigt sich, dass verschiedene Konzepte über Rassismus am Ende unvereinbar sind. Natürlich ist eine willkürlich zugeschriebene Eigenschaft wie eine kulturelle oder religiöse Verhaltensweise anders als ein unveränderliches körperliches Merkmal. In beiden Fällen ist rassistische Ausgrenzung möglich, aber nur im erstgenannten Fall kann sie willkürlich von einem zum anderen Merkmal wechseln: Der als rassistisch Gebrandmarkte ist z. B. Muslim, Jude, Atheist oder Katholik als jeweils mögliches Ausgrenzungsmerkmal. Um der willkürlichen Abgrenzung zu begegnen, ist es plausibel, von Rassismen in der Mehrzahl zu sprechen, die nicht eins zu eins übertragbar sind. In der Literatur dominiert eine andere Position: Rassismen seien nicht natürliche Phänomene, sondern nur historisch-gesellschaftliche Ergebnisse von Prozessen, die sich am Ende herausgebildet haben. Leiprecht konstatiert das 226 Seidler 2016, S. 28. 227 Seidler 2016, S. 29. 228 Leiprecht 2016, S. 2. 66 Fehlen von Forschungsarbeiten, die etwa als Methodenmix das Entstehen von Rassismus durch Prozesse analysieren könnten. Es bestünde ein Mangel an Diskursanalysen, die durch Decoding und Encoding von Schulbüchern und ähnlichen Materialien das Entstehen von Rassismus erklären könnten.229 Hier schließt meine Arbeit an, die eine diskursive Betrachtung des Phänomens Rassismus in Sambia und Namibia vornimmt und dabei verschiedene Quellen auswertet. 3.2 Rassenbiologie Der biologische Rassismus ist vermutlich die älteste und tiefste Form von Rassismus. Die Abwertung von anderen Menschen aufgrund von äußeren „biologischen“ Merkmalen durchzieht die Geschichte der Sklaverei, des Kolonialismus und des Holocaust im Nationalsozialismus. Häufig wird heute die Verwendung des Begriffs „Rassismus“ im Sinne des ursprünglichen biologischen Begriffs verstanden. Entsprechend ist es Vertretern von vermeintlichen kulturellen Unterschieden zwischen Gruppen wichtig, darauf hinzuweisen, dass sie eigentlich keine Rassisten seien, weil sie keine biologischen Abgrenzungsschemata verwenden würden. Die Literatur ist sich dieses Problems bewusst und versucht entsprechend, rassistische Formulierungen durch Umwege nicht aus der moralischen Verantwortung zu entlassen. Terkissides kritisiert in diesem Sinne die Vermeidung des Begriffs „Rassismus“ durch andere Formulierungen. Als Beispiel nennt er die Ausdrucksform „Feindlichkeit“, die im Sinne von Ausländer- und Menschenfeindlichkeit verstanden werden soll. Während der Begriff „Feindlichkeit“ die Spaltung in zwei Gruppen beschreibt, sei Rassismus in Wirklichkeit eine illegitime Spaltung einer Bevölkerung auf einem Territorium.230 Für Geulen ist Rassismus ein Produkt menschlicher Kultur und eine Hervorbringung des menschlichen Denkens und Handelns. Rassismus sei ein durch und durch historisches Phänomen und von Wandlungen gekennzeichnet.231 Geulen sieht das Hauptthema des Rassismus als einen andauernden Kampf. Die als Rassen imaginierten Gemeinschaften kämpfen um Selbstbehauptung, Geltung, Überleben und Überlegenheit.232 Terkissides missfällt die Begriffsverwirrung. Um die moralische Wucht von Rassismusvorwürfen zu vermeiden würden über den Umweg der Verwendung anderer Formulierungen dem Sinne nach trotzdem rassistische Denkmuster 229 Leiprecht 2016, S. 23. 230 Terkissides 2004, S. 8. 231 Geulen 2007, S. 7–8. 232 Geulen 2007, S. 10. 67 dargestellt. Geulen hingegen zeigt auf, dass Rassismus auf eine lange Geschichte zurückblickt und immer einen darwinistischen Kontext hatte. Rassismus ist Mittel zum Kampf und Zweck zur Herrschaft. Der Verweis auf den Darwinismus bedeutet in dem von Geulen besprochenen Zusammenhang einen Rückgriff auf die von Charles Darwin im 19. Jahrhundert begründeten biologischen Theorien. Nach diesen Thesen gibt es einen natürlichen Ausleseprozess bei den Tierarten, bei der die am besten an die Umwelt angepasste Art überlebt. Übertragen auf die soziale Wirklichkeit in der menschlichen Gesellschaft bedeutet dieses Phänomen, dass der Rassist sich mit einem auf Ausgrenzung und Gewalt beruhenden Verhalten auf Kosten von unterlegenen Menschen und Gruppen durchsetzt. Der Unterlegene ist damit das Opfer des Rassisten, der wiederum durch den Einsatz von rassistischen Zuschreibungen eine Form von Herrschaft über das Opfer von Rassismus begründen kann. In der kulturellen Segregation drückt sich die Zuteilung symbolischer Macht aus. Es geht um die Bedeutung von Menschen in der Gesellschaft. Daraus folgt eine wirtschaftliche, politische und soziale Segregation. Individueller Rassismus beruht auf persönlichen Handlungen und Einstellungen und kommt in der Interaktion zwischen Menschen vor. Rommelspacher setzt sich auch mit dem Begriff des strukturellen Rassismus auseinander, der durch das gesellschaftliche System mit seinen rechtlichen und politisch-ökonomischen Strukturen der Ausgrenzung hervorgebracht wird. Der institutionelle Rassismus dagegen stützt sich auf Ausgrenzung durch Gewohnheiten, Wertvorstellungen und Handlungsmaximen.233 Individueller Rassismus ist ein nicht durch eine gemeinsame Aktion oder staatliche Maßnahmen hervorgerufener Rassismus. Vielmehr handelt es sich um einen persönlichen, in der eigenen Weltanschauung liegenden Rassismus. Rommelspacher meint damit, dass rechtliche Vorschriften und politische Entscheidungen in einem Staat auch Gruppen in dem Land benachteiligen könnten. Ein Beispiel könnte in einer höheren Besteuerung einer bestimmten Religion im Vergleich zu einer anderen oder aber durch den Ausschluss von finanziellen Förderungen einer Gruppe im Gegensatz zu einer anderen bestehen. So wurden jahrhundertelang in Europa nur christliche Kirchen durch den Staat finanziert. Muslimische Gemeinden sind davon bis heute ausgeschlossen. Diese Ungleichbehandlung mag darauf zurückzuführen sein, dass die kulturelle Prägung in Westeuropa im Wesentlichen auf dem christlichen Glauben basiert. Rassismus ist ein System von Diskursen und Praktiken, die die historisch entwickelten Machtverhältnisse legitimieren und reproduzieren. Menschen 233 Rommelspacher 2009, S. 30. 68 werden durch den strukturellen Rassismus homogenisiert, polarisiert und in eine Hierarchie eingebunden. Rassismus ist also ein gesellschaftliches Verhältnis zwischen Menschen.234 Rassismus war immer von gesellschaftlichen Machtverhältnissen abhängig. In der Kolonialzeit waren es die technologisch überlegenen Staaten Europas, die die kolonisierten afrikanischen, südamerikanischen und asiatischen Völker unterdrückten. Als es um die Einwanderung chinesischer Arbeiter nach Nordamerika und Australien im 19. Jahrhundert ging, wurden die Chinesen als im Wert unter den Europäern stehende Konkurrenten angesehen und bekämpft. Ebenso verhielt es sich jahrhundertelang mit den Nachfahren afroamerikanischer Sklaven in den USA. Heute finden sich häufig muslimische Migranten in der Europäischen Union, die von Teilen der Bevölkerung aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Ethnie von Teilhaberechten der Gesellschaft ausgeschlossen werden sollen. Der Rassismus der Dominierten wird nach Leiprecht einerseits durch vorherrschende Diskurse und andererseits durch institutionelle und gesellschaftliche Verhältnisse unterstützt.235 Die Diskurse bilden die gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse ab, in denen über den Wert der vermeintlich anderen diskutiert wird. Dabei werden Ausdruck, Berechtigung und Adressaten des jeweiligen Rassismus festgelegt. Hier bestätigt sich die These, dass sich Rassismus reproduziert und aus Diskursen sich häufig verfestigende rassistische Strukturen etablieren. Die Diskurse helfen einer Gesellschaft jedenfalls nicht, weniger rassistisch aufzutreten. Ein Beispiel für einen solchen Diskurs ist die öffentliche Diskussion über Kopftücher von Muslimas im öffentlichen Dienst. Es gibt viele, auch emotional vorgetragene Argumente für und gegen das Tragen eines Kopftuchs. Die Diskussion beruhigte sich aber nicht durch den Austausch der Argumente. Tatsächlich beschäftigt das Tragen des Kopftuches im öffentlichen Dienst trotz des Diskurses auch 2017 die höchsten deutschen Gerichte.236 Einige Apologeten vermeiden die Verwendung des biologischen Rassismus angesichts der Schrecken des Holocausts. Sie stellen lieber auf kulturelle denn auf psychologische Unterschiede ab, um ihren Rassismus zu begründen.237 So verstecken manche Rassisten ihren Rassismus, indem sie nicht die biologistischen Merkmale als Unterscheidungskriterium propagieren. Sie würden nicht sagen: „Juden sind aufgrund ihres Jüdischseins minderwertig“. Stattdessen bekräftigen sie den Wert von Juden als Menschen, um gleichzeitig zu sagen, es 234 Rommelspacher 2009, S. 29. 235 Leiprecht 2005, S. 10. 236 Bahners 2017. 237 Fredrickson 2002, S. 3. 69 gäbe vermeintlich unüberwindbare kulturelle Unterschiede. Durch kulturelle Unterschiede wie etwa die Prägung des Alltags oder die der äußeren Kleidung durch religiöse Vorschriften seien zwei Gesellschaften nicht kompatibel und müssten räumlich voneinander getrennt werden. Der Rassismus äußert sich durch die genannten kulturellen Unterschiede, durch die die eigene Kultur über andere Kulturen erhoben wird. Der afrikanische Nationalismus ist zu einem großen Teil durch den europäischen kulturellen Nationalismus beeinflusst worden.238 Die Beeinflussung der afrikanischen Gesellschaft durch europäische Kolonialmächte führte zu der afrikanischen Übernahme von westlichen Konzepten. Als Beispiel kann die Gründung von demokratischen Mehrparteiensystemen in afrikanischen Staaten angesehen werden. Genauso verhält es sich mit der Hervorhebung der jeweiligen europäischen Nation gegenüber anderen Nationen mit der Folge, dass auch auf dem afrikanischen Kontinent afrikanische Staatsführer ihre Nation für höherwertiger halten als andere afrikanische Staaten. Somit entwickelte sich afrikanischer Nationalismus auch durch die Begegnung mit europäischen Staatskonzepten. Diskriminierung durch Institutionen und Individuen können ebenfalls festgestellt werden, wenn sie die Illusion von vermeintlich nicht rassistischen Ideen, d.h. nicht biologischen Ideen erwecken.239 Damit wird ein bevorzugtes Motiv von Rassisten deutlich. Wenn von kulturell minderwertigen Gruppen gesprochen wird, kann der Sprecher immer behaupten, keinerlei biologische Diskriminierungen vorgenommen zu haben. Im Ergebnis ist die Ablehnung des anderen jedoch genauso rassistisch, wenn der rassistisch Denkende Unterschiede feststellt und diese dann als Ausgrenzungskriterium bewertet. Es fällt auf, dass in den „mystischen“ Formen von rassistischen Unterscheidungen ein Motiv liegen könnte, die Vorteile der eigenen möglicherweise ethnisch bedrohten Gruppe nicht zu gefährden. Die Vertreter rassistischer Ungleichbehandlung würden es ungern sehen, wenn ihre Vorurteile der eigenen ethnischen oder kulturellen Gruppe zum Nachteil gereichen würden. Fredricksons Theorie von Rassismus beruht auf den Begriffen „Unterscheidung“ und „Macht“.240 Deterministische kulturelle Unterscheidungen können in ihrer rassistischen Aussage wesentlich effektiver wirken als biologischer Rassismus.241 Da biologi- 238 Fredrickson 2002, S. 3. 239 Fredrickson 2002, S. 4. 240 Fredrickson 2002, S. 8. 241 Fredrickson 2002, S. 8. 70 scher Rassismus häufig als solcher erkannt und moralisch verurteilt wird, ist es für Rassisten effektiver, offensichtlich rassistische Stereotypen zu vermeiden und einen indirekten Weg zu wählen. Sie grenzen andere Gruppen aus, indem sie vermeintliche kulturelle Eigenarten einer Gruppe als unvereinbar mit der Kultur der eigenen Gruppe erklären. Da sie aber nicht eindeutig der anderen Gruppe negative Attribute zuschreiben, sondern nur auf angeblich für jeden erkennbare kulturelle Eigenarten Bezug nehmen, vermeiden sie die direkte moralische Verwerflichkeit von offenem Rassismus. So kann Rassismus viel effektiver wirken. Rassismus ist weder eine gegebene menschliche soziale Tatsache noch eine moderne Theorie, die befriedigend biologische Unterscheidungen in Geschichte und Kultur erklären könnte.242 Die Varianten von Rassismus, die im Westen entwickelt wurden, hatten eine größere Auswirkung auf die menschliche Gesellschaft als jedes andere Äquivalent in einer anderen Zeit oder einem anderen Teil in der Welt.243 Die gängigen Definitionen von Rassismus legen mehr Wert auf biologische als auf die Benachteiligungen von Gruppen durch kulturelle, religiöse oder ethnische Unterschiede. Aus diesem Grund hat Fredrickson eine Definition von Rassismus entworfen, die mehr den Ausdrucksformen ethnozentrischer Abneigungen oder Misstrauen gegenüber dem Gegenüber gerecht wird.244 Rassismus ist weder eine moderne Theorie noch eine gegebene Form sozialer Existenz, sondern eine historische Entwicklung, die von Europäern ausging. Dabei begründet sich die rassistische Idee nach Fredrickson vor allem in religiösen und weniger in biologischen Überzeugungen.245 Es ist einmalig in der westlichen Welt, dass eine dialektische Interaktion zwischen der Voraussetzung von Gleichheit und einer ernsthaften Voreingenommenheit gegenüber bestimmten Gruppen besteht. Entweder sind alle gleich, wie es seit der Französischen Revolution postuliert und in Gesetzesform gegossen wurde, oder aber es gibt angeblich unüberwindbare Unterschiede, die zu Diskriminierungen führen. Beides ist an sich unvereinbar und wird dennoch gleichermaßen praktiziert. Diese Bedingungen sind grundlegend für einen Rassismus als eine ideologische Weltsicht.246 Eine Ideologie wirkt einerseits starr und abgegrenzt. Auf der anderen Seite sind Ideologien flexibel darin, etwas zu versprechen, das auf lange Zeit nicht eintritt. Ein Beispiel mag der real existierende Sozialismus sein. So versprach die DDR 242 Fredrickson 2002, S. 6. 243 Fredrickson 2002, S. 11. 244 Fredrickson 2002, S. 5. 245 Fredrickson 2002, S. 6. 246 Fredrickson 2002, S. 12. 71 jahrzehntelang einen sehr guten Lebensstandard nach dem Erreichen des Kommunismus. Der Kommunismus ist in vierzig Jahren DDR nicht eingetreten und der Lebensstandard blieb entsprechend niedrig. Trotzdem blieb das Ziel als Versprechen bestehen. Ähnlich verhält es sich mit der rassistischen Ideologie. Die Rassisten früherer Jahrhunderte hatten nicht die Absicht, die durch die französische und die amerikanische Revolution errungene Gleichheit aller Menschen auf die Einwohner der europäischen Kolonien zu übertragen. Auf der anderen Seite konnten die biologisch begründeten Unterscheidungen zwischen den kolonisierten Menschen und den Kolonisatoren nicht einfach auf die Kolonialvölker ausgedehnt werden. Die Kolonisierung hätte ihre Berechtigung verloren. Dementsprechend blendeten die Rassisten das offensichtlich Unvereinbare aus und verschoben es auf eine unerreichbare Zukunft: Die kolonisierten Völker könnten im eigenen Interesse kolonisiert worden, indem sie eines Tages zivilisatorisch zu den Kolonialherren aufschlie- ßen könnten. 3.3 Der Zusammenhang von Rassismus und Kolonialismus In kaum einem anderen Zusammenhang wurden rassistische Denkmuster so offensichtlich umgesetzt wie in der Phase der Kolonialzeit. In diesem Punkt ist sich die ansonsten von vielschichtigen Ergebnissen geprägte Rassismusforschung weitgehend einig. Bereits 2005 hat Reinhard Kössler eine Verbindung zwischen Rassismus und Kolonialismus beschrieben. Er stellte eine kausale Beziehung zwischen dem nationalsozialistischen Holocaust und dem deutschen Genozid in Namibia fest. Es zeigt sich eine direkte Übertragung von Strukturen und Mustern der Wahrnehmung. Die nachhaltige Reduzierung von Hemmschwellen wurde ebenfalls sichtbar.247 Obgleich der nationalsozialistische Holocaust in seinem Grauen einzigartig ist, ist Kössler in der Interpretation der weltanschaulichen Ansätze zuzustimmen. Nur gingen die kolonialen Vertreter selten soweit, aus der Wertung von Unterschieden auch die Berechtigung von Genoziden abzuleiten. Der Massenmord an den Hereros in Namibia stellt eine Ausnahme dar. Andere sehen in der Kolonialzeit sogar die Entstehung von Rassismus begründet. Für Birgit Rommelspacher etwa ist Rassismus in der Kolonialzeit zu verorten. Im Kontext des Kolonialismus wurde von den europäischen Mächten mit Rassismus das Ziel verfolgt, die afrikanische Bevölkerung ausbeuten und versklaven zu können. Diese Legitimierung des Kolonialismus für die Kolonialherren war notwendig, weil die koloniale Epoche auch die Zeit der Deklaration der Menschenrechte war. Also mussten die Europäer sich selbst erklären, warum sie einem Teil der Menschheit den Status des gleichberechtig- 247 Kössler 2005, S. 310. 72 ten Menschen absprachen.248 Rommelspacher ist entgegenzuhalten, dass es koloniale Ausbeutung auch in Asien, in der Karibik und in Südamerika gab und somit nicht nur die afrikanische Bevölkerung von dieser Unterdrückung betroffen war. Rassismus bildet eine Legitimationsgrundlage für die kolonialen Eroberungen, die nach Rommelspacher zum Prototyp des Rassismus geworden sind. Soziale Differenzen wurden naturalisiert und als Ausdruck einer vermeintlich unterschiedlichen biologischen Anlage gedeutet.249 Rommelspacher verbindet also die ursprüngliche biologische Variante des Rassismus mit seiner nachhaltigen Etablierung und Legitimation in den vermeintlich unterentwickelten kolonisierten Gesellschaften. Rudolf Leiprecht stellt fest, dass der neuzeitliche Rassismus sich mit der kolonialen Expansion Europas und der Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise entwickelt hat. Der neuzeitliche Rassismus sei verbunden mit der Ausbeutung der außereuropäischen Ressourcen in Afrika und Ostindien.250 Rassismus kommt ohne Rassen aus – die vermeintlichen Rassen werden in einem gesellschaftlichen Kontext überhaupt erst konstruiert. Politische und soziale Interessen würden auf die unpolitische Ebene des Biologischen transferiert. Dadurch würde die soziale Ungleichheit zugunsten bestimmter historischer Gruppen gesichert.251 Rassismus ist damit den Interessen des Kolonialismus entgegengekommen und zeigt sich einerseits als Rassismus der Mehrheitsgesellschaft. Andererseits kann aber auch ein Rassismus aufseiten der Dominierten vorliegen. Rassismus der Dominierten wäre also ein Rassismus derjenigen, die zur Zielscheibe dieser vorherrschenden Rassismen in einer Gesellschaft werden und nun ihrerseits rassistischen Denk- und Handlungsmustern folgen.252 Die Ursache von Rassismus ist bei dem Beispiel von Leiprecht eine austauschbare Größe: Er kann von den Dominierenden zu den Dominierten wechseln. Dieser Aussage ist entgegenzuhalten, dass Leiprecht einen entsprechenden gesellschaftlichen Kontext voraussetzt, damit Rassismus überhaupt erst entstehen kann. Es muss also einen evidenten Machtverlust auf der Seite der Kolonisatoren geben, die Machtstrukturen müssen auf die Seite der bis dahin Unterdrückten wechseln. Ein entsprechend rassistisches Menschenbild dagegen kann in einem solchen Fall vorausgesetzt werden. Diese Haltung ist bereits durch die bei den Kolonisierten während der Kolonialzeit 248 Rommelspacher 2009, S. 25. 249 Rommelspacher 2009, S. 26. 250 Leiprecht 2005, S. 6. 251 Leiprecht 2005, S. 8. 252 Leiprecht 2005, S. 9. 73 möglicherweise hervorgerufenen Wünsche nach Vergeltung an den Kolonialherren zu erwarten. Neben den bereits genannten Wissenschaftlern werden auch Robert Miles, Albert Memmi und Stuart Hall immer wieder in der Forschung zitiert. Im Folgenden werden die Rassismustheorien der drei Autoren vorgestellt. 3.4 Der Begriff der Rasse als sozial konstruierte Ideologie nach Robert Miles Miles sieht die Funktionsweise von Rassismus in der Zuschreibung von genetischen oder äußeren Eigenschaften von Menschen auf andere Menschen. Die zugeschriebenen Eigenschaften bekommen bestimmte Bedeutungen zugewiesen, die zu Kategorien führen, in die Menschen eingeteilt werden. Die unter die Kategorien subsumierten Menschen werden durch die ihnen zugeschriebenen Eigenschaften und Kategorien negativ bewertet.253 Der Begriff „Rassismus“ ist Gegenstand einer intensiven politisch-ideologischen Auseinandersetzung.254 Bei der Debatte um Rassismus stellen sich die Kriterien als relevant heraus, mit denen Personen oder Gruppen eine Bewertung oder einen Rang zugewiesen bekommen. Andere Personen oder Gruppen werden dagegen ausgeschlossen.255 Miles erkennt im Rassismus eine Struktur von klassenspezifischer Benachteiligung und Ausgrenzung.256 Bereits im 16. Jahrhundert wurde der Begriff „Rasse“ in England verwendet, um die Entstehung von Nationen zu erklären. Unterschiedlichen Gruppen wurden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, die dann zu nationalen Ursprungsmythen und Symbolen konstruiert wurden.257 Der Rassist stellt die eigene Nation über die Einwohner anderer Nationen und wertet diese ab. Bestandteile des Diskurses über Rassen waren bis zum 19. Jahrhundert die Verbindung eines biologischen Typs mit einer hierarchischen Ordnung. Anschließend änderte sich die Einordnung von Rasse als einer äußeren Eigenschaft zu einer weitergehenden Festlegung, bei der etwa die Bestimmung des Schädelumfangs und Messgrö- ßen anderer Körperteile eine Rolle spielten.258 Dabei ist diese Einordnung nur eine von mehreren vermeintlich wissenschaftlichen Bestimmungsformen über das Vorliegen von Rassen. Rassismus zeigt sich in kulturell, ethnisch oder religiös geprägten Wertungen zugunsten der eigenen und zuungunsten einer 253 Miles 1991, S. 9. 254 Miles 1991, S. 11. 255 Miles 1991, S. 16. 256 Miles 1991, S. 18. 257 Miles 1991, S. 43. 258 Miles 1991, S. 47. 74 anderen Gruppe. Lediglich die Begründungen sind unterschiedlich. Es ist auch möglich, dass der Rassist einer sozialen Klasse angehört, die er anderen Klassen gegenüber mit rassistischen Begründungen verteidigt. Es geht immer um Abgrenzung und Ausschluss von anderen, um die Sicherung von Privilegien und Vorteilen der eigenen Person oder Gruppe. Zwangsläufig müssen dann andere von den Privilegien ausgeschlossen werden. Rassismus ist immer zweckgebunden. Der Rassist verfolgt mit seinem Rassismus einen eigennützigen Zweck. Diejenigen, die einer bestimmten Bevölkerungsgruppe eine vermeintliche Charaktereigenschaft zuweisen, legen durch diese Zuschreibung auch Kriterien für sich selbst fest. Die eigene Gruppe, die rassistische Kriterien verwendet, wertet sich auf und im Gegenzug wird die als rassistisch definierte Gruppe abgewertet. Die Unterscheidung bilden die rassistischen Kriterien. Es besteht eine enge Verbindung zum europäischen Kolonialismus, also außerhalb von Nationalstaaten.259 Miles lehnt mit seiner historischen Perspektive auf Rassismus die koloniale Erklärung zwar nicht ab, erkennt sie aber auch nicht als einzig mögliche an. Er erläutert sehr detailliert, wie die psychologische Ebene bei der Entstehung von Rassismus funktioniert. Er zeigt, dass Rassismus eine Herrschaftsform voraussetzt. Es kann nur der rassistisch sein, der sich auf Kosten von anderen selbst aufwertet und sich dadurch in einer Machtposition befindet. Miles lehnt eine Überdehnung des Begriffs „Rassismus“ ab. Seiner Meinung nach ist eine Überdehnung durch die Definition von Praktiken möglich, die im Ergebnis dazu führen, dass Menschen mit anderer Hautfarbe, Religion oder Kultur immer wieder benachteiligt werden.260 Miles präferiert einen engeren, genau definierten Rassismusbegriff. Nicht jede Form von Benachteiligung ist für ihn gleichbedeutend mit Rassismus. Miles nennt einige Schlüsselbegriffe, die Rassismus näher bestimmen. Eine Rassenkonstruktion ist ein repräsentativer Prozess, durch den bestimmten biologischen Eigenschaften eine gesellschaftliche Bedeutung zugewiesen wird. Dadurch werden die Träger der jeweiligen biologischen Eigenschaft zu Gruppen zusammengefasst.261 Ein zweiter wichtiger Begriff ist der „Rassismus“ an sich, der sich ausschließlich auf ein ideologisches Phänomen bezieht. Ein Abstellen auf Praktiken und Prozesse besitzt nach Miles nicht genug Trennschärfe und erklärt nicht die logische Beziehung, die zwischen Erkennen und Handeln besteht.262 Der dritte Schlüsselbegriff ist der in zwei Varianten auf- 259 Miles 1991, S. 53. 260 Miles 1991, S. 89. 261 Miles 1991, S. 99. 262 Miles 1991, S. 103. 75 tretende institutionelle Rassismus.263 In der ersten Variante könnte ein rassistischer Diskurs bestimmte Ausgrenzungspraktiken produzieren, die dann aber nicht zwingend durch den Diskurs selbst gerechtfertigt sind, sondern als eine Folge des Diskurses entstehen. In der zweiten Variante könnte der rassistische Inhalt in einen Diskurs abgewandelt werden. Die Abwandlung ist dergestalt zu verstehen, dass der direkte rassistische Gehalt zwar verschwinden würde, aber die ursprüngliche rassistische Bedeutung sich auf andere Begriffe übertragen könnte. So sprachen die offiziellen britischen Einwanderungsregeln seit den 1940er Jahren nicht explizit von „schwarzen Einwanderern“ aus den Kolonien, aber in ihren Formulierungen wurden die „Schwarzen“ dennoch sinngemäß beschrieben. Trotz der Vermeidung von als rassistisch wahrgenommenen Begriffen wird die beschriebene Ethnie selektiv wahrgenommen und damit in einen rassistischen Kontext gestellt. Diese Regelung diente der Beschränkung des Zuzugs von karibischen Einwanderern.264 Als viertes Beispiel nennt Miles den Begriff der ideologischen Verknüpfung, indem Elemente einer Ideologie einer anderen zugewiesen werden, wodurch am Ende Rassismus produziert wird. Als Beispiele führt er Sexismus und Nationalismus an.265 Laut Miles gibt es Verbindungen zwischen Rassenkonstruktionen und Rassismus mit Begriffen wie „Kapitalismus“, „Kolonialismus“ oder auch „unfreie Arbeit“. Dabei kann es zu Widersprüchen kommen.266 So könnte der Begriff „Kapitalismus“ beispielsweise wertneutral oder positiv verwendet werden, gleichzeitig aber auch eine Chiffre für die wirtschaftliche Ausbeutung kolonisierter Völker sein. Die vier vorgestellten Beispiele gilt es zu entschlüsseln. 1. Miles stellt eindeutig die Bedeutung eines biologischen Unterschieds fest. Nur dadurch kann wirklich Rassismus entstehen. 2. Rassismus muss einen wie auch immer gearteten ideologischen Gehalt aufweisen. Nicht ausschließlich technische, in ihrer Motivation vielleicht überhaupt nicht entschlüsselbare Regeln oder Verhaltensweisen ohne Absicht der staatlichen Stellen sind Rassismus. Beispiele dafür sind etwa eine niedrigere Abiturquote von Muslimen durch häufige Nichtzulassung zum Gymnasium. Es muss stattdessen eine konkrete Absicht hinter der objektiv erkennbaren Diskriminierung stehen. Damit engt Miles den 263 Institutioneller Rassismus ist ein durch Institutionen praktizierter Rassismus. Institutionen können sowohl staatliche als auch private Akteure sein, denen gegenüber sich das Opfer von Rassismus in einer untergeordneten oder abhängigen Position befindet. Durch vorgegebene rechtliche Vorgaben kann eine institutionelle Benachteiligung erzeugt werden. 264 Miles 1991 S. 113–114. 265 Miles 1991 S. 116–117. 266 Miles 1991 S. 169. 76 Rassismusbegriff ein. 3. Miles fordert eine genaue Bestimmung des Begriffs „institutioneller Rassismus“, der immer dann vorliegt, wenn entweder bestimmte Gruppen eines gesellschaftlichen Diskurses thematisiert oder im Ergebnis des Diskurses Ausgrenzungen der entsprechenden Gruppe begründet werden. Ein Beispiel könnte in der Zuzugsbegrenzung von Arbeitnehmern mancher EU-Staaten bestehen, weil bei einheimischen Arbeitnehmern durch den Diskurs vorher Ängste vor ungebetener Konkurrenz festgestellt wurden. 4. Sprache ist ein Mittel, um zuvor als rassistisch begriffene Zuschreibungen mit unbelasteten Ersatzbegriffen zu entschärfen.267 Dabei bleiben die möglichen gesetzlichen Diskriminierungen der Gruppe trotzdem bestehen. Zu vermuten wäre, dass er die Veränderung rassistischer Sprache als Alibi und Gewissensberuhigung ansieht. Über gesellschaftliche Normen werden rassistische Begriffe geprägt, die der Rassist meidet und gegenüber Dritten verurteilt, um ein angepasstes Verhalten vorzutäuschen. Wenn er trotzdem rassistische Verhaltensweisen zeigt und mit anderen Begriffen wie „kulturelle Unvereinbarkeit“ argumentiert, kann er sich immer noch auf seine antirassistische Haltung berufen. Für Miles lässt sich Rassismus nicht auf einen einzelnen empirischen Fall beschränken. Der jeweilige einzelne Fall wird mit dem Begriff der „Rassenkonstruktion“ verbunden. Dadurch können politisch-ökonomische Verhältnisse erklärt werden. Die Subjekte und Objekte von Rassismus können als rassistisch wahrgenommen werden, wenn sie innerhalb der jeweiligen Gesellschaft in gesellschaftliche und wirtschaftliche Verhältnisse eingebettet sind. Durch die gesellschaftlichen Rollenbilder kann Rassismus wirken.268 3.5 Biologischer Rassismus und seine gesellschaftliche Wirkung nach Albert Memmi Albert Memmi übt eine umfassende Kritik an der vorherrschenden rassistischen Theorie, nach der es biologische Unterschiede zwischen den Rassen geben würde. Dadurch würden einzelne Rassen als höherwertig gegenüber anderen angesehen. In der Folge kommt es zu einer Legitimierung von Herrschaft und Privilegien der höher stehenden Gruppe.269 Zwar gibt es Unter- 267 Als Beispiel kann der Begriff der kulturellen Unvereinbarkeit zwischen zwei sozialen Gruppen genannt werden. Es ist ein evidenter Unterschied in der Form, ob der Rassist einen anderen Menschen aufgrund äußerer oder ethnischer Merkmale ablehnt oder vermeintlich trennende kulturelle Unterschiede geltend macht. Außerdem kann sich der Rassist immer noch vom biologischen Rassismus abgrenzen und behaupten, er sei ja gar nicht rassistisch. 268 Miles 1991 S. 172–173. 269 Memmi 1987, S. 13. 77 schiede zwischen den Menschen, aber daraus können nicht verschiedene Rassen abgeleitet werden.270 Nach Memmi würde sich die biologische Natur des Menschen durch Vermischungsprozesse erst herausbilden.271 Er verneint ein wie auch immer begründetes Recht einer einzelnen Gruppe, besser zu leben oder zu existieren als eine andere untergeordnete Gruppe. Memmi sieht Rassismus als einen extremen, elitären und selbstsüchtigen Biologismus.272 Memmi betrachtet die biologische Rassentheorie als stärkste Variante und Urform des Rassismus. Wichtig sind auch die gesellschaftlichen Kontexte, in denen Rassismus sich überhaupt erst entfaltet. Nach Memmi ist die biologische Theorie konstruiert, unwissenschaftlich und Ausdruck eines menschenverachtenden Elitendenkens. Rassismus an sich sei eine Pseudotheorie273 und würde erst mit der Interpretation von Unterschieden zwischen Menschen wirklich beginnen.274 Rassismus würde sich als kulturell-gesellschaftliche Gegebenheit erst in einem gesellschaftlichen Kontext entfalten.275 Durch Rassismus würde jedes Kolonialverhältnis veranschaulicht, komprimiert und schließlich eine symbolische Form annehmen. Rassismus liegt vor, wenn eine Feststellung eines Unterschieds gewertet und die Wertung zum eigenen Vorteil genutzt wird.276 Rassismus als Symbol für Unterdrückung kommt in allen Herrschaftsformen vor 277 und findet als ökonomische Waffe eine Anwendung, durch die sich der Rassist Ressourcen und Vorteile verschafft. Dieser marxistischen These stimmt Memmi zwar teilweise zu, obwohl er jedoch keinen ausschließlichen ökonomischen Vorteil feststellen kann.278 Fraglich ist, welchen Nutzen der Rassist, z.B. der Kolonisator in den Kolonien, aus dem jeweils besonderen Opfer zieht.279 Rassismus ist häufig eine Form der Ausbeutung und Sicherung eigener Privilegien. Er könnte aus psychologischen Vorteilen entstehen, etwa durch die Überhöhung der eigenen Person als zivilisiert oder religiös privilegiert gegenüber den als „minderwertig empfundenen anderen. 270 Memmi 1987, S. 15. 271 Memmi 1987, S. 20. 272 Memmi 1987, S. 27–28. 273 Memmi 1987, S. 30. 274 Memmi 1987, S. 37. 275 Memmi 1987, S. 41. 276 Memmi 1987, S. 44. 277 Memmi 1987, S. 60–61. 278 Memmi 1987, S. 65. 279 Memmi 1987, S. 75. 78 Im Grunde genommen verbindet Memmi die biologische These mit gesellschaftlichen Mustern. Einen kurzen Ausflug in die marxistische Theorie von „wirtschaftlich motiviertem Rassismus“ beschreibt Memmi neben dem Vorkommen von Rassismus in Kolonialverhältnissen und schließt den Kreis durch die Feststellung, dass Rassismus immer in eine Herrschaftsform mündet. Nach Memmi hat der biologische Rassismus die weiteste Verbreitung gefunden. Daher müsse man ihn von den anderen Rassismusformen unterscheiden.280 Rassismus, in einem engeren Sinne verstanden, sei biologisch zu definieren, im weiteren Sinne hingegen würde immer eine Abwertung des anderen zum eigenen Vorteil Rassismus ausdrücken.281 Memmi schlägt eine Definition von Rassismus vor: „Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Vorteil des Anklägers und zum Nachteil seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden könne.“282 Schließlich spezifiziert er eine eigene Definition: „Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der eine Aggression gerechtfertigt werden soll.“283 Im Gegensatz zu Miles versucht sich Memmi in einer konkreten Definition. Er legt Wert darauf, dass die biologische Rassismusvariante unter allen Rassismen eine herausragende Stellung einnimmt. Dabei lässt Memmi ausdrücklich das Vorhandensein von Rassismen zu. Es gibt nicht nur einen Rassismus wie die biologische Form, sondern Rassismus ist immer Selbstbetrug in dem Sinne, dass der Rassist sich selbst und das Opfer täuscht, um weiterhin an eine eigene vermeintliche Überlegenheit glauben zu können.284 Politiker würden Rassismus als politisches Mittel missbrauchen, indem sie den potenziellen Rassismus ihrer Gefolgsleute aufgreifen und zum Ausdruck bringen.285 Memmi schlägt vor, den Begriff „Rassismus“ nur für biologische Unterschiede einzusetzen.286 In einem weitergefassten Sinn öffnet Memmi die Tür für jede andere Form von absichtlicher Abwertung eines anderen, die als Rassismus 280 Memmi 1987, S. 95. 281 Memmi 1987, S. 97. 282 Memmi 1987, S. 103. 283 Memmi 1987, S. 151. 284 Memmi 1987, S. 109. 285 Memmi 1987, S. 111. 286 Memmi 1987, S. 121. 79 eingeordnet werden könnte. Er verbindet damit das in seinen Augen unumgängliche Priorisieren des biologischen Rassismus mit dem Vorhandensein von Rassismen im Plural. Memmi verhindert dadurch das mögliche methodische Problem, das beispielsweise auftreten würde, wenn kulturelle Kriterien zur Abwertung ohne jede biologische Grundlage eine Verwendung finden. Rassismus ist immer eine Äußerungsform menschlicher Aggressivität, vermittelt Angst287 und kann nicht als Krankheit, sondern als eine in der menschlichen Gattung verwurzelte Einstellung gesehen werden.288 Memmi schlägt als geeignete Bekämpfungsstrategie von Rassismus vor, Herrschaft und Kolonialismus an sich zu bekämpfen.289 Rassismus als Ideologie umfasst alles – vom Sklavenhandel bis hin zum Kolonialismus.290 Durch den Rassismus wird die koloniale Ausbeutung im Sinne einer Bestrafung der als minderwertig wahrgenommenen Kolonisierten erklärt und auch legitimiert.291 3.6 Rassismus als diskursive Kategorie nach Stuart Hall Stuart Hall setzt sich mit dem Wesen von Identität auseinander, die nicht von Geburt an im Bewusstsein verankert sei, sondern im Sinne eines ewigen „Gebildet-werden“292 immer in Bewegung bleibe. Andere würden akzeptieren, dass Identität nicht unberührt und unverändert bleiben kann. Einige Identitäten beschäftigen sich aber mit Tradition und wollen ihre vermeintliche frühere Reinheit und Sicherheit wiederfinden. Die Globalisierung bekämpft und zerstreut die zentrierten und geschlossenen Räume von Identität.293 Hall wählt einen abstrakteren Weg zur Bestimmung von Rassismus als Miles oder Memmi. Statt einer griffigen Definition versucht er sich an einer subjektiven Interpretation, also der Frage, als was sich jemand empfindet und welche Identität er hat. Die Nation ist zwar ein politisches Gebilde, aber auch ein System kultureller Repräsentation und eine symbolische Gemeinschaft. Eine nationale Kultur entsteht durch einen Diskurs, indem sowohl unsere Handlungen als auch unsere Auffassungen von uns selbst durch nationale Identitäten erst konstruiert werden. Dadurch wird die Bedeutung von Natur hergestellt.294 287 Memmi 1987, S. 131. 288 Memmi 1987, S. 139. 289 Memmi 1987, S. 145. 290 Memmi 1987, S. 161. 291 Memmi 1987, S. 173. 292 Hall 1994, S. 195. 293 Hall 1994, S. 217. 294 Hall 1994, S. 200–201. 80 Hall sieht wie Memmi Diskurse als ursächlich für Rassismus und die Ausprägungen von Rassismus durch kulturelle Empfindungen und Zuschreibungen als gegeben an. Hall wirft dem Westen vor, während der Kolonialzeit eine romantische Illusion zu pflegen, nach der die „Eingeborenen“ der Kolonien „rein“ sein sollten und ihre als „exotisch“ wahrgenommene Heimat möglichst unberührt von fremden Einflüssen bleiben sollte.295 Der Begriff „Rasse“ ist nach Hall eine diskursive und keine biologische Kategorie. Während des Diskurses werden Sprechweisen, Repräsentationssysteme und soziale Praktiken als symbolische Markierungen genutzt, um eine Gruppe gesellschaftlich von einer anderen abzugrenzen. Eine kulturelle Definition von Rasse würde die biologische ersetzen und weiterhin eine bedeutende Rolle in den Diskursen über die nationale Identität spielen.296 Durch die koloniale Erfahrung des Imperialismus hätten sich viele charakteristische Ausprägungen von Rassismus erst entwickelt.297 Hall legt den Schwerpunkt auf einen kulturellen und damit wesentlich symbolisch-abstrakten Rassismus. Während der Kern des Rassismus als etwas moralisch Verwerfliches nicht berührt wird, sieht Hall lediglich einen Austausch des biologischen mit einem kulturellen Auftreten des Rassismus als häufig erlebte Realität an. Hall beschäftigt sich auch mit dem Begriff der „Klasse“. Die Einheit von Klassen sei hervorgegangen aus spezifischen wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Praktiken. Sie seien niemals einfach vorhanden gewesen oder automatisch entstanden.298 Nach Hall ist die Arbeit von Antonie Gramsci maßgeblich: Die existierenden sozialtheoretischen Paradigmen von gesellschaftlichen Unterscheidungen werden durch Klassenbeziehungen vorgegeben, die sich wiederum auf Beziehungen zwischen regionalen, kulturellen und nationalen Unterschieden berufen.299 In der Analyse von unterschiedlichen historischen Formen von Rassismus soll in einem mehr konkreten geschichtlichen Kontext operiert werden. Rassismus ist nicht überall identisch. Weder in Formen, also Ausprägungen, noch in Strukturen von Benachteiligung und Ausbeutung kann Rassismus als identisch angesehen werden. Diese Aussage gilt auch für Prozesse, durch die Rassismus entstehen kann, also beispielsweise die langfristige und sukzessive Abwertung einer Gruppe. Zuletzt kann Rassismus in den Effekten, also den Ausprägungen von Prozessen wie der konkreten 295 Hall 1994, S. 214. 296 Hall 1994, S. 207. 297 Hall 1997, S. 145. 298 Hall 1997a, S. 423. 299 Hall 1997a, S. 416. 81 Benachteiligung einer Gruppe, erkannt werden. Dort tritt er nicht als identisch auf, sondern kommt immer in vielschichtigen Formen zum Vorschein.300 Wie Memmi verneint Hall nicht die Existenz von Rassismen. Er trifft diese Aussage zwar nicht ausdrücklich, anerkennt aber verschiedene Ausprägungen. Die Berufung auf Gramsci zeigt eine Verbindung mit klassentheoretischen Definitionen. Hall zeigt die psychologischen Stadien auf, durch die Rassismus entstehen und wirken kann. Er bleibt dabei notwendigerweise abstrakt. Die Begriffe „Klasse“ und „Rasse“ sind spiegelbildlich zu verstehen. Sie beanspruchen für sich die Hervorbringung von exklusiven Äußerungen.301 Rassismus ist durch erhebliche ideologische Dimensionen gekennzeichnet. Das Phänomen von „Arbeitsklassen-Rassismus“ sei indessen nicht die einzige Erklärung, würde sich aber durch einen ausgeprägten Widerstand gegen die Analyse auszeichnen.302 Hall setzt sich auch mit dem Begriff „Schwarzer“ auseinander. Der Begriff „schwarz“ ist für Hall eine politisch und kulturell konstruierte Kategorie ohne natürlichen Ursprung.303 Rassismus würde unverletzliche symbolische Grenzen zwischen rassistisch konstruierten Kategorien etablieren.304 Zentrale Fragen des Rassismus kreuzen sich konstant mit den Kategorien Klasse, Gender und Ethnie.305 Dabei enthält der Begriff „Ethnie“ einen Ort, wo sich Geschichte, Sprache und Kultur während der Konstruktion von Subjektivität und Identität treffen. Dieser Ort besteht auch für den Fall, wenn alle Diskurse und alles Wissen kontextabhängig sind. Der Begriff „Ethnie“ soll entkoppelt werden von einer Gleichstellung mit den Begriffen „Nationalismus, Imperialismus, Rassismus“ und „Staat“.306 Hall wagt einen begrifflichen Neuanfang und besetzt mit dem Wort „Ethnie“ eine nicht biologisch begründete Differenzierung zwischen Gruppen. 3.7 Differentialistischer Rassismus nach Etienne Balibar Eine ganz andere Sichtweise als die drei vorhergegangenen Autoren nimmt der französische Philosoph Etienne Balibar ein, der das Vorhandensein eines Neo- Rassismus untersucht. Rassismus ist nach Balibar ein rein soziales Phänomen. Rassismus würde sich in einer Vielzahl von Praxisformen wiederfinden, so 300 Hall 1997a, S. 435. 301 Hall 1997a, S. 436. 302 Hall 1997a, S. 439. 303 Hall 1997b, S. 443. 304 Hall 1997b, S. 445. 305 Hall 1997b, S. 444. 306 Hall 1997b, S. 446–447. 82 etwa in Missachtung, Intoleranz und Ausbeutung. Rassismus würde auch in Diskursen und Vorstellungen sichtbar werden, die eine „Reinigung“ des eigenen Selbst von allem Fremden, wie etwa Hautfarbe und religiösen Praktiken, artikulieren.307 Ohne rassistische Theorien gäbe es überhaupt keinen Rassismus.308 Die rassistischen „Mythen“ würden imaginäre Gräben überwinden, die die Intellektuellen von der einfachen Masse trennen. Dabei sind die rassistischen Mythen mit einem Fatalismus verbunden, der die Massen in ihrer natürlichen Infantilität festhält. Der Neo-Rassismus würde durch die Kategorie „Immigration“ den Begriff der „Rasse“ ersetzen.309 Der neue Rassismus sei in der Epoche der Entkolonialisierung zu verorten. Die Bewegungsrichtung der alten Kolonien und Mutterländer würde sich umdrehen. Die Menschheit spalte sich in einen einzigen Rassismus auf. Balibar spricht von einem Rassismus ohne Rassen, von einem differentialistischen Rassismus. Der differentialistische Rassismus würde auf vermeintlich unaufhebbare kulturelle Differenzen abstellen.310 Balibar unterscheidet sich erheblich von Soziologen, die sich mit Rassismus befassen. Er befasst sich gar nicht mit einem möglichen biologischen Rassismus, sondern geht gleich einen Schritt weiter. Der biologische Rassismus ist für ihn eine Vorstufe des heutigen Rassismus. Balibar legt den Schwerpunkt auf einen neuen Rassismus, der den alten fortführt und ergänzt. Der Rassismus ohne Rassen würde jede Form der wertenden kulturellen Unterscheidung erklären, auch den Kolonialismus als eine Ursache des Rassismus. Er sieht aber auch in der nachkolonialen Zeit noch weiterbestehende, nur angepasste Formen von Rassismus. Es fehlt eine direkte Machtausübung gegenüber den kolonisierten Menschen, die durch ihren kolonialen Status rechtlich und politisch benachteiligt sind. Nun wählt der Rassist andere Methoden, beispielsweise eine sehr restriktive Einwanderungspolitik gegenüber den ehemals kolonisierten Gruppen in das eigene Land. Rassismus vollzieht dadurch eine Anpassung an eine neue Situation, die aber nicht weniger wirkungsvoll ist. Nach Balibar wird der traditionelle Antirassismus durch einen Retorsionseffekt des differenziellen Rassismus nachhaltig erschüttert, sodass es im Rahmen einer Kulturvermischung zu einer Beseitigung kultureller Distanzen kommen könnte. Die Menschheit könne dadurch geistig „getötet“ werden. Es seien „Regulierungsmechanismen“ gefährdet, von denen das biologische Überleben 307 Balibar 2014a, S. 23–24. 308 Balibar 2014a, S. 25. 309 Balibar 2014a, S. 27. 310 Balibar 2014a, S. 28. 83 der Menschheit abhängen würde.311 Kultur, so sie denn eine Hierarchie beschreibt, kann als eine Form der Natur fungieren und dadurch in ihrem Wesen auch rassistische Unterschiede beschreiben. Es ist also nicht notwendig, dass ein rein biologischer Naturalismus vorhanden ist. Den natürlichen Faktor bildet nicht mehr die rassistische Zugehörigkeit zu einer vermeintlichen „Rasse“, sondern das rassistische Verhalten an sich wird zu einem natürlichen Faktor erklärt. Der differentialistische Rassismus ist ein Metarassismus, der nur vorspiegelt, aus dem Konflikt zwischen Rassismus und Antirassismus seine Lehren gezogen zu haben. Ein abstrakter Antirassismus sei dagegen zu vermeiden. Balibar lehnt einerseits die künstliche Unterscheidung und damit einhergehende Wertung von Kulturen ab. Auf der anderen Seite beabsichtigt er keine pauschalen Abwertungen unter dem Deckmantel eines Antirassismus. Gegenüber dem Begriff „Kultur“ ist Balibar flexibel: Toleranzschwellen müssen beachtet, natürliche Distanzen eingehalten und die Individuen als Erben und Träger einer einzigartigen Kultur angesehen werden. Alle kollektiven Zusammenhänge müssten voneinander abgegrenzt werden.312 Balibar kritisiert Rassismus und Antirassismus als zwei Seiten einer negativ besetzten Medaille: Der Antirassismus sei erst schuld an der Entstehung von Rassismus. Er provoziere die Bürger in ihrem Gefühl nationaler Zusammengehörigkeit. Durch den differentialistischen Rassismus erfahre die Xenophobie eine Rehabilitation. Die Neorassisten sind nicht Mystiker des Erbguts, sondern Techniker der Sozialpsychologie.313 Sie verwenden keine genetischen Argumente, sondern begründen rassistische Unterschiede mit psychologischen Argumentationsformen und sozialen Gegensätzen. In der Wirkung sind sie jedoch genauso xenophob wie biologische Rassisten. Balibar beschreibt konkret, dass der neue kulturelle Rassismus den auf Natur beruhenden biologischen Rassismus ablösen würde. In der Wirksamkeit sei der kulturelle Rassismus genauso brutal und absolut wie sein Vorgänger. Balibar sieht hinter den rassistischen Zuschreibungen und Denkweisen psychologische Konstruktionen wirken. Damit meint Balibar, dass Rassisten indirekt eine abwertende Ausgrenzung bewirken, indem sie offiziell wertfrei vermeintliche kulturelle Unterschiede lediglich aufzeigen und dadurch bewusst konstruierte psychologische Abwertungsprozesse in Gang setzen. Gruppen sollten unterschieden werden nach ihrer Eignung und in ihrem Widerstand gegen Assimilierung. Durch den Prozess der Kolonisierung sei es zu einer Form der Ausschließung in Gestalt einer Einschließung gekommen. 311 Balibar 2014a, S. 29. 312 Balibar 2014a, S. 30. 313 Balibar 2014a, S. 31. 84 So müssen sich beispielsweise Einwanderer in Frankreich durch Assimilation integrieren. Diese Forderung wird als Fortschritt und als Gewährung eines Rechts oder einer Gunst dargestellt.314 Der biologische Mythos wird damit in Form eines kulturellen Rassismus wiedergeboren.315 Rassismus ist nach Balibar ein historisches und kulturelles Produkt, das nichts mit der Existenz von objektiven biologischen Rassen zu tun hat.316 Rassismus zeigt sich nach Balibar in drei Varianten: NS-Antisemitismus, Rassentrennung in den USA als Folge der Sklaverei und der imperialistische Rassismus der kolonialen Eroberungen.317 Balibar unterscheidet zwischen innerem und äußerem Rassismus. Innerer Rassismus sei gegen eine minorisierte Bevölkerung im eigenen Land gerichtet. Demgegenüber sei äußerer Rassismus eine extreme Form der Fremdenfeindlichkeit.318 Balibar stellt auf mehrere Rassismen ab, die ein ganzes situationsabhängiges Spektrum bilden würden.319 Der Neokolonialismus sei eine vorhandene Realität. Die bevorzugten Objekte des heutigen Rassismus in Frankreich, die Arbeiter aus den früheren französischen Kolonien, wären nach Balibar das Produkt der Kolonisierung. Sie würden die Ressentiments der Bürger einer geschlagenen Macht und die fortbestehende imperiale Verachtung auf sich ziehen.320 Mit dem französischen Beispiel bestätigt Balibar einmal mehr die Grundlage von Rassismus in der Kolonialzeit. Die bisherigen Auswertungen lassen folgende Schlüsse zu: Rassismus ist immer eine wertende Über- und Unterordnung zum Vorteil einer sich gesellschaftlich entfaltenden Gruppe. Der ursprüngliche und nachhaltigste Rassismus zielt auf biologische Unterschiede ab. Dennoch gibt es Modifikationen, entweder in Form von anderen Rassismen oder durch die Bewertung kultureller Unterschiede. Jeder Rassismus ist eine von Menschen entworfene Pseudotheorie ohne tatsächliche Berechtigung. Es gibt eine weitreichende Entfaltung von Rassismus in der Kolonialzeit. Dabei gibt es Rassismus sowohl in der Form, die sich gegen die Koloni- 314 Balibar 2014a, S. 33. 315 Balibar 2014a, S. 35. 316 Balibar 2014b, S. 49. 317 Balibar 2014b, S. 50. 318 Balibar 2014b, S. 51. 319 Balibar 2014b, S. 52. 320 Balibar 2014b, S. 94. 85 sierten selbst richtet, als auch in der Form gegen die ehemaligen Kolonialherren vonseiten der kolonisierten Minderheit. Alle genannten Wissenschaftler stimmen dahingehend überein, dass Rassismus keine wissenschaftliche Berechtigung hat. Während Memmi eine stärker biologische Ausrichtung für Rassismus feststellt, kritisiert Balibar kulturelle Unterschiede als rassistisch. Eine Übereinstimmung findet sich darin, dass der heutige Rassismus seinen Ursprung in der Kolonialzeit hat. Leiprecht hat das Phänomen des umgedrehten Rassismus konkretisiert, eines Rassismus, der von denen ausgeht, die ursprünglich Opfer von rassistischen Ressentiments waren. Im Folgenden werden die Ergebnisse der Theorie auf die Empirie angewendet. 87 4 Methodisches Vorgehen Die Methode der Arbeit soll die Formen der antichinesischen Proteste zu Diskursmustern ordnen, um eine Differenzierung vorzunehmen und im Falle unterschiedlicher inhaltlicher Ausprägungen voneinander abzugrenzen. Die Vorstellung der Methode beginnt mit der Beschreibung der Datenkörbe. 4.1 Auswahl der Datenkörbe Für eine empirische Analyse ist es notwendig, mehr als einen Datenkorb zu verwenden. Unterschiedliche Daten können das vermutete Auftreten eines chinafeindlichen Protests wesentlich besser belegen als eine einzige Datenquelle. Um auch die Akteure, die antichinesischen Protest vertreten könnten, getrennt voneinander analysieren zu können, werden sie entsprechend ihres Auftretens in dem jeweiligen Kontext ausgewertet. Die verschiedenen Datenkörbe werden getrennt voneinander, aber mit derselben Methode untersucht. Es werden öffentlich zugängliche Datenkörbe verwendet, weil die antichinesischen Proteste in erster Linie medial kommuniziert und von Politikern und zivilgesellschaftlichen Aktivisten erst sprachlich umgesetzt werden, auch wenn sie vorher bereits bei Bergarbeitern oder Angestellten von chinesischen Unternehmen entstanden sind. Der erste Datenkorb besteht aus sambischen und namibischen Tageszeitungen, die eine wesentliche Rolle bei der Vermittlung des antichinesischen Protests übernehmen. In den Tageszeitungen werden die Geschehnisse, die zu antichinesischem Protest geführt haben, beschrieben und rekonstruiert. Durch die öffentliche Beeinflussung von Meinungen der Journalisten kann die Entstehung von antichinesischen Protesten erkannt werden. In Kommentaren oder Meinungen werden die zunächst faktischen Proteste in der Bevölkerung überhaupt erst konkret beschreibbar gemacht sowie mit Meinungen und Einschätzungen verbunden, sodass sie in Kategorien gefasst und untersucht werden können. Um möglichst viele Geschehnisse und Meinungen zum Protest abbilden zu können und angesichts einer geringen Anzahl von Presse- 88 erzeugnissen in beiden Staaten muss eine Auswahl geeigneter Medienplattformen getroffen werden. Die Medienplattformen bedienen sich gerade im sambischen Fall bei der Abbildung von antichinesischen Protesten aus allen sambischen Zeitungen. Es werden also regierungsnahe als auch china- und regierungskritische Meinungen gesammelt und in beiden Medienformen dargestellt. Es ist durch die Verwendung der Internetplattformen möglich, einen umfassenden Überblick über die sambische Medienlandschaft zu erhalten. In Namibia ist die Medienlandschaft anders strukturiert, weil es dort eine längere Zeitungstradition als in Sambia gibt. Bereits während der deutschen Kolonialzeit gründeten sich erste Zeitungen, die in der südafrikanischen Kolonialabhängigkeit fortbestanden und reüssierten. Daher werden in Namibia keine Neuigkeiten sammelnden Medienplattformen verwendet, sondern zwei der größten namibischen Zeitungen überhaupt ausgewählt. Es ist möglich, sowohl in Sambia als auch in Namibia eine Übersicht über die wichtigsten und größten Zeitungen im Land sicherzustellen und diese Zeitungen einer Auswertung zu unterziehen. Der zweite Datenkorb soll die relevantesten Akteure und Kommunikatoren des antichinesischen Protests abbilden. Es ist hilfreich, die wichtigsten Politiker der beiden Staaten auszuwählen, die sich als Sprachrohr des Protests sehen. Das Phänomen „antichinesischer Protest“ tritt in politischer Form vor allem bei Oppositionspolitikern auf, weil beide Regierungen sehr eng mit der Regierung der VR China verbunden sind. Es gibt in beiden Staaten nur wenige Politiker, die antichinesische Tendenzen vertreten und diese öffentlich kommunizieren. In beiden Fällen ist es aber möglich, einflussreiche Politiker mit einer antichinesischen Haltung zu untersuchen. Es wird analysiert, unter welchen Bedingungen und zu welchen Anlässen die Politiker ihren Protest gegen China öffentlich machen. Es werden Anlässe ausgewertet, bei denen die Politiker mit einer antichinesischen Haltung auftreten. Dazu zählen Interviewäußerungen, direkt und auch in Zeitungen zitiert, Reden und Schriften politischer Aussagen und Parteibeschlüsse. Die Aussagen werden zwar in ihrem Kontext berücksichtigt, die Auswertung erfolgt allerdings nur anhand der konkreten Aussagen der Politiker. Es geht um die Sprache und die verwendeten Begriffe, die ihrem Sinn nach antichinesisch sein können oder nicht. Es entsteht also ein Strang von mehreren, aus unterschiedlichen Quellen hervorgehenden Aussagen der Politiker. Es werden für einen besseren Vergleich in jedem Land zwei Politiker ausgewählt, die mit antichinesischen Äußerungen auftreten. Zwei sambische und zwei namibische Politiker werden verglichen. 89 Der dritte Datenkorb erfüllt die Aufgabe, soweit wie möglich die antichinesischen Meinungen aus der Bevölkerung wiederzugeben. Darum werden im weitesten Sinne Umfragen zu den Einstellungen der Einwohner beider Staaten gegenüber China und den Chinesen im jeweiligen Land ausgewertet. Es gibt eine Reihe von Umfragen, die von verschiedenen Instituten durchgeführt wurden. Die Umfragen befassen sich sowohl mit der Wahrnehmung der Einheimischen über chinesische Migranten in Namibia und Sambia als auch auf die Meinung gegenüber China als Staat und Wirtschaftsmacht, Arbeitgeber und Wettbewerber. 4.2 Diskursanalyse Für die Auswertung der drei Datenkörbe „Zeitungsartikel“, „Politikeraussagen“ und „Meinungsumfragen“ bieten sich zwei Methoden an, die nicht voneinander zu trennen sind und sich in Teilen überschneiden: die Diskursanalyse und die Inhaltsanalyse. Das Konzept der Diskursanalyse ist umstritten und nicht eindeutig definiert. Im Folgenden werden die verschiedenen Formen der Diskursanalyse vorgestellt. Mit der Anwendung der Diskursanalyse wird die Frage untersucht, welche Beziehungen zwischen Deutungen sozialer oder politischer Ereignisse und durch öffentliche Auseinandersetzungen produzierte Handlungen bestehen. Die Rekonstruktion der jeweiligen Konstellation der Diskursbeiträge und ihrer Träger beruht laut Schwab-Trapp auf einer Auswertung von Daten. Er schlägt aus zeitökonomischen Gründen ein Kategoriensystem vor, das angesichts der häufig erheblichen Menge von Diskursfragmenten verwendet werden soll.321 Nach Reiner Keller kann eine Diskursanalyse als ein Prozess verstanden werden. Es besteht ein Zusammenhang zwischen Sprechen und Schreiben als soziale Praktiken und der Reproduktion von Wissen. Die sozialen Akteure, die Wissen und Sprechen/Schreiben zusammenbringen, betten den Prozess der Wissensvermittlung in soziale Regeln ein und verantworten dadurch die Folgen des Prozesses für soziale Kollektive.322 Die heutige Begriffsdefinition eines Diskurses wurde vor allem von Michel Focault geprägt. Er spricht von grundlegenden Wissensordnungen oder allgemeinen Erkenntnisstrukturen, die sich in der Geschichte abwechseln und durch Sprache konkretisiert werden.323 Grundlegende Wissensordnungen sind zunächst geistig vorhanden. Erkenntnisse und Bewusstwerdung von Wissen 321 Schwab-Trapp 2010, S. 172–173. 322 Keller 2011, S. 8. 323 Keller 2011, S. 16. 90 sind im Individuum vorhanden und können in verschiedenen Situationen oder Zusammenhängen auftreten. Sie werden beeinflusst durch das Erleben des Individuums, also den sozialen oder emotionalen Wahrnehmungen der Individuen. Konkretisiert, mit Namen versehen, überhaupt erst beschreibbar und damit anderen Individuen zugänglich dienen diese Erkenntnisse und Wissensformen durch Sprechakte, d.h. durch sinngebende Worte der Wissenvermittlung. Nicht der Sprechakt selbst und die einzelne Aussage ist ein Diskurs, sondern erst eine Kette von Aussagen ist nach Focault ein Diskurs. Die Kette muss einen Sinn ergeben, der erst einmal für sich allein ein Gebiet bestimmt und abgrenzt. Jede Kette von Aussagen bildet also einen konkreten Raum, ein strukturiertes System von Sinn. Die Ketten von Aussagen sind in ihrem jeweiligen Raum eine Formation wie beispielsweise Wirtschaft oder Medizin. Das intellektuelle Verständnis von Wirklichkeit in der jeweiligen geschichtlichen Epoche wird nach Focault sichtbar, abstrakte soziale Begriffe wie „Wahrheit“ und „Normalität“, aber auch „Realität“ oder „Abweichung von der Realität“ werden erst jetzt konkret fassbar. Der Diskurs gibt eine in sich abgeschlossene und zeitlich und thematisch beschreibbare Form von Wirklichkeit wieder, die intellektuell erfahrbar wird.324 Weitere Formen der Diskurstheorie auf philosophischer Ebene, etwa im Linguismus nach Habermas325, sollen in dieser Arbeit keine Rolle spielen, weil die Diskursanalyse die vorgesehene Methode und damit das von Focault ausgehende Verständnis der Diskursanalyse relevant ist. Die Erkenntnisse Focaults sind im Laufe der Zeit weiterentwickelt worden. Dabei sind verschiedene Ausprägungen zu erkennen, die sich überschneiden, aber auch in andere Richtungen gehen können. Im Folgenden werden einige weitere Ansätze vorgestellt. Nach Reiner Keller sind Diskurse „institutionalisierte, nach verschiedenen Kriterien abgrenzbare Bedeutungsarrangements, die in spezifischen Sets von Praktiken reproduziert und transformiert werden. Diskurse kristallisieren und konstituieren Themen als gesellschaftliche Deutungs- und Handlungsprobleme“.326 Siegfried Jäger hat einen Ansatz für eine kritische Diskursanalyse entwickelt.327 Geschriebene Texte sind für ihn Ergebnisse von Denken und Wissen. Das Denken und Wissen gibt die Motive der durch ihre Sprache handelnden 324 Freie Universität Berlin 2016. 325 Habermas 1985. 326 Keller 2010, S. 205. 327 Keller 2011, S. 28. 91 Individuen wieder.328 „Texte“ bezeichnet Jäger als Diskursfragmente und als Teile von Diskurssträngen auf Diskursebenen.329 Lene Hansen hält die Diskursanalyse speziell für die internationalen Beziehungen geeignet, die ein Teilgebiet der Politikwissenschaft sind. Die internationalen Beziehungen thematisieren die Beziehungen und Interaktionen zwischen Staaten. Im Mittelpunkt steht eine poststrukturalistische Theorie von Identität der Außenpolitik, die eine Diskursanalyse ermöglicht. „Policy“ wird durch Identität konstruiert, gleichzeitig wird Identität auch produziert und reproduziert durch die Formulierung und Legitimation von Policy. Außenpolitik ist keine Eigenschaft von Staaten, Individuen oder Institutionen, sondern eine diskursive und politische Praxis.330 Hansen führt als Beispiel den Balkankrieg von 1992–1995 an.331 Die Diskursanalyse als Methode in der Politikwissenschaft beschreibt Nullmeier in drei möglichen Formen: als Begriff für eine textanalytische Methode, die die diskursiven Strukturen umfangreicher Textmengen untersucht, als multimediales Symbol für die Analyse von Sinnstrukturen und als mögliches Zusammenspiel von Text und Schrift.332 Es wird deutlich, dass die sehr breite Verwendungsmöglichkeit der Diskursanalyse auch für die vorliegende Arbeit nicht nur geeignet, sondern gerade für die Untersuchung der beiden afrikanischen Staaten Namibia und Sambia sinnvoll ist. Für ein besseres Verständnis ist ein Blick in die koloniale Vergangenheit Afrikas hilfreich. In dieser Zeit entwickelten sich die „Postcolonial Studies“. Die Diskursanalyse bietet sich für die Untersuchung afrikanischer Staaten mit kolonialer Vergangenheit wie Namibia und Sambia aus folgendem Grund an: Bereits vor Jahrzehnten entwickelte die Disziplin der „Postcolonial Studies“ Formen einer Diskursforschung. Diesbezüglich sind vor allem die Arbeiten von Edward Said (Orientalism von 1978) und Homi K. Bhabha (The Location of Culture von 1994) zu nennen. So sieht etwa Edward Said seine Methode der Diskursforschung als Verbindung zwischen westlichen Diskursen über den Begriff „Orient“ und den historischen Formen kolonialer Eroberung und Besetzung. Said bezieht sich insoweit auf Michel Foucault, indem er den Diskurs über den Orient histo- 328 Keller 2011, S. 33. 329 Keller 2011, S. 34. 330 Hansen 2006, S. 211. 331 Hansen 2006, S. 213. 332 Nullmeier 2011, S. 329. 92 risch mit der Konstruktion des Begriffs „Orient“ in der europäischen Kultur verbindet. Die „Colonial Diskurse Analysis“ sehen Berichte und Dokumente über den Kolonialismus als konstituierend für den Prozess der Kolonisierung selbst an.333 Dagegen ist für Gayatri Spivak die reale Geschichte des Kolonialismus in die westlichen Wissensformen eingeschrieben. Eine westliche Wahrnehmung des kolonialen Diskurses sei deshalb nicht möglich: Die Struktur des kolonialen westlichen Diskurses sei absolut. 334 Homi K. Bhabha entwickelt schließlich die Hybridität als eine dem kolonialen Diskurs innewohnende Gegensätzlichkeit und Ambivalenz. Der koloniale Diskurs sei immer ein Gegensatz.335 Bhabha entwickelt seine Vorstellung von Hybridität als einen in sich gespaltenen Diskurs als Modell von Widerstand gegen die koloniale Herrschaft überhaupt. Mit diesem Ansatz prägte er die „Postcolonial Studies“ nachhaltig.336 Stuart Hall entwickelt den Begriff der Hybridität weiter zu einem anderen Ethnizitätsbegriff, der konstruktivistisch begründet und von rassistischen Diskursen entkoppelt ist: In Bezug auf Migranten hätte diese neue Ethnizität immer eine antirassistische Bedeutung.337 Said behauptet, dass Europäer aufgrund der geographisch zentralen Lage Europas in einer autoritären Art und Weise Nichteuropäer durch einen kulturellen Diskurs zu einem sekundären ethnisch-kulturellen ontologischen Status zurückstufen. Er fordert, dass die US-amerikanische und europäische Kultur in Verbindung mit imperialistischen Tendenzen gesehen wird und auch in der Theorie die Beziehung zwischen Imperium und Kultur berücksichtigt wird. Die Gegenwart soll als Wegweiser und Paradigma für die Untersuchung der Vergangenheit gesehen werden.338 Bhabha kritisierte an der ursprünglichen foucaultschen Vorstellung von Diskursanalyse, dass in Foucaults Text das Moment des Zufalls in der unmittelbaren Nachbarschaft seines Arguments auftritt. Dadurch gelangt eine zeitliche Unbestimmtheit in die Kette des Diskurses, eine neue diskursive Zeitlichkeit könnte die Expansion eines Arguments verhindern. Foucault könne nur wenig dazu beitragen, die Beziehung zwischen dem Westen und seiner kolonialen 333 Grimm 1997, S. 2. 334 Grimm 1997, S. 3. 335 Grimm 1997, S. 39–40. 336 Grimm 1997, S. 41. 337 Grimm 1997, S. 42. 338 Said 1995, S. 37–38. 93 Vergangenheit zu erklären. Er negiere das koloniale Moment als historische und erkenntnistheoretische Bedingung westlicher Modernität.339 Es wird ersichtlich, dass die „Postcolonial Studies“ entschieden zur Entwicklung der Diskursanalyse nach der ursprünglichen focaultschen Idee beigetragen haben. Namibia und Sambia sind ehemalige Kolonien. Das Auftreten der VR China in beiden Staaten wird gelegentlich als kolonialistisch bezeichnet, insbesondere durch die jahrzehntelange koloniale Unterdrückung und Ausbeutung ist die Empfindlichkeit in der Bevölkerung beider Staaten gegenüber möglichen neuen Kolonialmächten entsprechend hoch. Diese Erfahrungen beeinflussen auch den antichinesischen Protest und die daraus entstehenden Diskurse. Auf dieser Grundlage wird eine Anwendung der Diskursanalyse für die vorliegende Arbeit begründet. Die Frage lautet, wie konkret eine Diskursanalyse als Methode aussehen soll. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Nach Keller soll die Diskursforschung multimethodisch vorgehen, die Daten sollen hermeneutisch reflektiert und kontrolliert interpretiert werden. Eine Diskursanalyse sei immer eine Form der hermeneutischen Textauslegung.340 Der zu untersuchende Datenkorpus muss einer Struktur oder einem Zusammenhang unterliegen, auf den der Datenkorpus ausgerichtet wird.341 Eine systematisch begründete Auswahl von Textteilen muss innerhalb des gesamten Korpus getroffen werden.342 Als Programm ist MAXQDA geeignet, diese Auswahl auch aus zeitökonomischen Gesichtspunkten vornehmen zu können. Die Diskursanalyse steht nicht allein im Raum, ohne Berührungen zu artverwandten Methoden oder theoretischen Konzepten aufzuweisen. Eine solche Verwandtschaft besteht zur Inhaltsanalyse. Dabei schließen sich beide Methoden weder aus noch stehen sie sich antagonistisch gegenüber. 4.3 Inhaltsanalyse Eine mit der Diskursanalyse verwandte, sich zum Teil überschneidende Methode ist die Inhaltsanalyse, die mit dem Programm MAXQDA durchgeführt werden kann. Nach Schwab-Trapp gibt es ohnehin kein einheitliches Methodenset für die Analyse von Diskursen.343 Eine Synthese beider Methoden wird von Waldschmidt vertreten: Zur Auswertung des umfangreichen Textmateri- 339 Bhabha 1995, S. 327–328. 340 Keller 2011, S. 66–76. 341 Keller 2011, S. 83. 342 Keller 2011, S. 91. 343 Schwab-Trapp 2010, S. 171. 94 als sind nach Waldschmidt die qualifizierte Inhaltsanalyse und die kritische Diskursanalyse geeignete Verfahren.344 Eine Inhaltsanalyse erscheint zunächst abstrakt. Es bestehen jedoch Versuche der Verfeinerung und Operationalisierung. Bei der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philip Mayring werden genaue Analyseschritte, Regeln, die Einhaltung von Gütekriterien und eine strenge Orientierung am Untersuchungsgegenstand verlangt. Gütekriterien bedeuten nach Mayring, dass die Studie mit anderen Studien vergleichbar sein soll und Reliabilitätsprüfungen vorhanden sein müssen. Der Sinn der Analyse besteht darin, dass das Material in einzelnen Schritten bearbeitet werden soll, die Zerlegung dient der schrittweisen Nachvollziehbarkeit der gesamten Analyse.345 Sowohl die kritische Diskursanalyse als auch die qualitative Inhaltsanalyse können miteinander kombiniert werden, sodass eine Mischform aus beiden Methoden entstehen kann.346 Die Vorstellungen von Mayring sind sehr konkret in definierten Schritten umsetzbar. Mayring stellt sich ein mehrstufiges Modell vor und geht von dem vorliegenden Material aus, das er genau analysiert. Das Material muss also relevant für die Beantwortung der Ausgangsfrage sein. Es soll geklärt werden, wie das Material entstanden ist und in welcher Form es überhaupt vorliegt. Davon ausgehend kann nach Mayring festgelegt werden, welchen Schwerpunkt die Interpretation hat und welcher Forschungsfrage die Untersuchung folgen soll. Über die genaue Festlegung der Analysetechnik und der Kategorisierung erreicht Mayring am Ende die Interpretation des Materials mit der Beantwortung der Hauptfrage, sodass sich der Kreis schließt. Diese Regeln und Gütekriterien sollen eine präzise und erschöpfende Inhaltsanalyse nach Mayring gewährleisten.347 Für die Auswertung des ersten Datenkorbs bietet sich das Verfahren der Inhaltsanalyse an. Gerade die Zeitungsartikel liegen in gedruckter Form vor und lassen sich nach Themen und inhaltlichen Schwerpunkten trennen. So ist die Inhaltsanalyse sowohl für einen formal-deskriptiven Ansatz als auch für einen diagnostischen Ansatz geeignet. Während der formal-diagnostische Ansatz nicht auf inhaltliche, sondern auf äußere Merkmale abstellt wie die Häufigkeit der im Text vorkommenden Worte, ist der formal-deskriptive Ansatz inhaltlich ausgerichtet. Es geht um Aussagen oder Wertvorstellungen des Autors, die 344 Waldschmidt 2010, S. 157. 345 Mayring 2000, S. 3. 346 Waldschmidt 2010, S. 160. 347 imb Institut für Medien und Bildungstechnologie Augsburg 2016. 95 Rückschlüsse auf die Entstehungsbedingungen des Textes geben.348 Verwandt mit dem formal-deskriptiven Ansatz ist auch der Rückschluss vom Inhalt auf die Situation, also die Erkenntnisse, die man vom reinen Medieninhalt auf die Rahmenbedingungen und die Entstehung von den Texten im Kontext ihrer Inhalte erhält.349 Wichtig ist die Herausbildung von Kategorien. Die Kategorien bilden geradezu die Hauptunterscheidungs- und Einordnungmerkmale für das Analysematerial. Das Kategoriensystem bildet die Gesamtheit aller formalen und inhaltlichen Kategorien einer Analyse. Maurer und Reinemann beschreiben sie dahingehend: „Sie dienen dazu, aus der ganzheitlichen erfahrbaren Realität (der Mitteilung im Kommunikationsprozess) einzelne Aspekte herauszugreifen und in Daten zu überführen. Die Kategorien bestimmen, welche Merkmale von Mitteilungen untersucht werden und wie das zu geschehen hat.“350 4.4 Auswertung der Datenkörbe Die Menge des Materials lässt sich ohne technische Hilfe nicht ausreichend bewältigen. Es geht um die grafische und formale Darstellung des Materials. Ein Computerprogramm für die Auswertung der drei Datenkörbe muss ebenfalls hinzugezogen werden. Die Untersuchungen werden mit dem Programm MAXQDA durchgeführt. Udo Kuckartz entwickelte das Programm MAXQDA351 Mitte der 1980er Jahre.352 Für MAXQDA ist der Import von Textdateien im RTF- und TXT- Format möglich. Außerdem können strukturierte Datensätze und große Textmengen, Bilder, Grafiken und Excel-Tabellen integriert werden. Alle von MAXQDA aufgenommenen Daten werden in einer eigenen Datei gespeichert.353 Es gibt nicht viele empirische Arbeiten, die sich mit den Auswirkungen der QDA-Software auf einen qualitativ-wissenschaftlichen Diskurs befassen.354 Die Methode ist noch relativ neu. Ausgehend von den bisherigen Erfahrungen gibt es in der Literatur zustimmende Aussagen für die Verwen- 348 Maurer et al. 2006, S. 11. 349 Maurer et al. 2006, S. 12. 350 Maurer et al. 2006, S. 45. 351 Das Kürzel „Max“ leitet sich von Max Weber ab, an dessen Methoden sich Kuckartz orientierte. 352 Schmieder 2008, S. 8. 353 Schmieder 2008, S. 9. 354 Schmieder 2008, S. 11. 96 dung der Software.355 MAXQDA ist geeignet, erhobene Daten zu verwalten und darzustellen, aber nicht in der Lage, die Daten selbstständig zu analysieren.356 Die Frage ist nun, in welcher Form die Datenkörbe konkret ausgewertet werden sollen. Schauen wir uns zunächst den ersten Korb an. Es handelt sich um zwei sambische Internetplattformen und zwei namibische Tageszeitungen. Fraglich ist, in welchem Zeitraum die Daten erhoben werden sollen. Obwohl die sambischen und die namibischen Beziehungen zu China seit Jahrzehnten existieren, ist die Untersuchung aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit zeitlich einzugrenzen. Der antichinesische Protest ist nicht so alt wie die Beziehungen an sich. Es ist geboten, den Zeitraum der Untersuchung zu begrenzen, weil er in verschiedenen Formen auftritt und auch durch Akteure zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlicher Stärke kommuniziert wird. Dieser Schritt ist angesichts der Menge des zu untersuchenden Materials für den ersten Korb notwendig. Der Zeitraum für die vorgesehene Untersuchung reicht vom 1.1.2010 bis zum 31.12.2014. Aus mehreren Gründen ist die Entscheidung auf diesen Zeitraum gefallen. Der Zeitraum zwischen 2010 und 2014 ist evident für die politischen Veränderungen in den beiden untersuchten Staaten im Hinblick auf das politische Verhältnis zu China. Sambia erlebte in diesen Jahren drei Präsidenten. Der größte sambische Chinakritiker, der seine Kritik zum Thema der Wahlkämpfe 2006 und 2008 machte, Michael Sata, wurde durch die nach dem Tod des sambischen Staatspräsidenten notwendig gewordenen Neuwahlen Ende 2011 selbst zum Präsidenten Sambias gewählt. Mit den analysierten Zeitungsartikeln, die in diesem Zeitraum erschienen, soll deutlich werden, inwieweit sich die Rhetorik und die Signale Satas als Präsident gegenüber China verändert haben, sobald er ein politisches Amt ausüben konnte und nicht mehr in der Rolle des Oppositionsführers war. Außerdem soll die Frage untersucht werden, inwieweit Brüche und Kontinuitäten in den chinesischsambischen Beziehungen auf Regierungsebene vorliegen. Der Zeitraum endet 2014 auch deswegen, weil Sata in diesem Jahr überraschend starb und daher diese Regierungszeit als abgeschlossen gelten kann. In Namibia stellte sich die politische Situation etwas anders dar, aber auch hier besteht eine plausible Begründung für den Zeitraum von 2010 bis 2014. Zwischen der namibischen und der chinesischen Regierung bestand immer eine enge Freundschaft. Es gab keinen Politiker wie Michael Sata, der als Oppositionsführer die Regierung übernahm und dort sein Verhalten gegen- 355 Schwab-Trapp 2010, S. 187. 356 Schmieder 2008, S. 8. 97 über China zu ändern beabsichtigte. Es gibt jedoch eine andere Besonderheit, die den Zeitraum von fünf Jahren erklärt. Der Politiker Epafras Mukwiilongo war zuvor ein Aktivist mit einer antichinesischen Haltung, jedoch nur als Sprecher einer Gruppe von chinakritischen Geschäftsleuten aus dem namibischen Norden. Die Gründung einer neuen Partei, die sich im Jahr 2014 offen gegen Homosexualität und ausländische Wirtschaftsbeziehungen stellte, könnte eine bahnbrechende Wirkung hinsichtlich eines erstarkenden, politisch wirkenden antichinesischen Protests hervorrufen. Beide Gründe sind ausschlaggebend für die Auswahl des Zeitraums von 2010–2014. Die Untersuchung des ersten Datenkorbs sieht wie folgt aus: Die jeweilige Zeitung wird als eigenständiges Dokument in die Software MAXQDA aufgenommen. Der Zeitraum der Untersuchung wird zunächst auf der Website der Zeitung ausgewählt. Dann werden alle Artikel, die während des ausgewählten Zeitraums veröffentlicht wurden, auf der Website nacheinander gelesen. Durch die Reduktion auf die Begriffe „Chinese“ und „China“ ergibt sich eine Einschränkung der vorhandenen Artikel, sodass eine Bündelung gewährleistet ist. Eine erste Codierung der Artikel für die Verwendung im Programm MAXQDA wird während des Lesens vorgenommen. Dabei geht es um kritische, feindselige oder anklagende Textstellen, die sich mit China oder Chinesen in einem inhaltlichen Zusammenhang mit den beiden afrikanischen Staaten Namibia und Sambia oder Afrika insgesamt befassen. Die auf diese Weise identifizierten Texte werden dann kopiert und in die Software MAXQDA eingeflochten und dem jeweiligen Projekt zugeordnet. Anschließend folgt eine zweite Codierung mit Unterstützung von MAXQDA zur Anwendung. Die Software gibt mehrere Codierungsmöglichkeiten vor, die farblich, thematisch und grafisch voneinander getrennt und in einem Extrafeld angelegt werden. Diese Codes entsprechen inhaltlichen Kategorien, die im Zusammenhang mit der Ausgangsfragestellung stehen. Durch diese Codierung können die Artikel aufgebrochen und einer Interpretation zugänglich gemacht werden. Die kopierten und eingeflochtenen Artikel werden nun anhand der Codes nach erneutem Lesen in diejenigen Textabschnitte aufgeteilt, die den Codes entsprechen. Sie werden markiert und sowohl farblich als auch grafisch kenntlich gemacht. Das Ergebnis ist eine bestimmte Anzahl von markierten Artikeln und eine weitere Anzahl von verschiedenen Codes bzw. Kategorien. Die codierten Textstellen werden interpretiert und abschließend mit der Inhaltsanalyse ausgewertet und hinsichtlich der Ausgangsfrage nach der Ausrichtung des antichinesischen Protests für die Beantwortung der Fragestellung herangezogen. Zwei Ausgangsfragen sind für die Interpretation der codierten Artikel 98 maßgeblich. Zum einen wird die Frage geprüft, inwieweit es sich bei den ausgewählten Artikeln noch um eine neutrale Nachricht handelt und neutral über das chinakritische Ereignis berichtet wird. Die zweite Möglichkeit ist, dass es sich um eine eigene Meinungsäußerung mit chinafeindlichen Motiven handelt. Es sind vier Internetquellen zugänglich, die jeweils zwei Archive in beiden Ländern wiedergeben. Im Folgenden werden beide Archive vorgestellt. Für Namibia: Allgemeine Zeitung The Namibian Für Sambia: Zambian Economist Lusaka Times Die beiden Newsplattformen und Tageszeitungen zeichnen sich durch folgende Merkmale aus: Allgemeine Zeitung Die „Allgemeine Zeitung“ wurde bereits 1916 zum Ende der deutschen Kolonialherrschaft gegründet und erscheint außer an den Wochenenden täglich in deutscher Sprache und ist die älteste Tageszeitung in Namibia. Sie hat eine Tagesauflage zwischen 5.300 und 6.200 Exemplaren. Sie berichtet über lokale und internationale Ereignisse aus Politik und Gesellschaft und ist zudem ein Sammel- und Bezugspunkt der deutschsprachigen Bevölkerung in Namibia. Sie verfügt über ein hervorragendes Onlinearchiv, die Website verzeichnet täglich 1500 Aufrufe. Die traditionelle Bedeutung der Zeitung für Namibia und ihre multikulturelle Färbung durch die deutsche Sprache ermöglicht ihren Einsatz für die vorliegende Untersuchung.357 Die „Allgemeine Zeitung“ veröffentlichte zwischen dem 1.1.2010 und dem 31.12.2014 lediglich 8 Artikel mit einem thematischen Bezug zu chinesischen Einwanderern. Dies ist in fünf Jahren nicht besonders viel. Möglicherweise fühlt sich die deutsche Minderheit in Namibia nicht von der Anwesenheit der Chinesen betroffen. Deshalb ist die Frage aufschlussreich, ob und wie die deutsche Minderheit im Land das Problem wahrnimmt und welche Position sie bezieht. Insgesamt zeigt sich, dass das Thema in den ausgewählten Zeitungen eine ganz unterschiedliche Bedeutung hat. Allerdings wird über dieses Thema nicht täglich berichtet. Es könnte sein, dass Art und Umfang der Berichterstattung von bestimmten Ereignissen abhängt, die im Zusammen- 357 o.V. 2016 b. 99 hang mit der Anwesenheit der Chinesen und den unmittelbaren Folgen stehen. The Namibian „The Namibian“ ist die größte Tageszeitung Namibias und erscheint in einer Auflage von 32.500 Exemplaren. Sie ist linksliberal orientiert und eine große Kritikerin der jetzigen namibischen Regierung. Während sie früher der SWAPO nahestand, ist sie durch ihre heutige Kritik an der Regierung und an der engen politischen Freundschaft zwischen der Regierung und dem chinesischen Staat eine ausgezeichnete Quelle für eine kritische Berichterstattung über die Anwesenheit der Chinesen in Namibia und daher für die Untersuchung geeignet. „The Namibian“ verzeichnet zwischen dem 1.1.2010 und dem 31.12.2014 insgesamt 55 Artikel mit einem Bezug zu China. Davon entfallen auf den politischen Protest 25 Codes, auf den sozioökonomischen 16, auf den historischen 11 Codes und auf den rassistischen 3 Codes. Zambian Economist Der „Zambian Economist“ wurde im Februar 2007 als selbstständige Onlineplattform gegründet und widmet sich täglich den Fragen zu Wirtschaft, Politik und sozialen Problemen. Bis zu 70.000 Einträge wurden im Dezember 2013 gezählt, 51.701 Follower sind bei Facebook anhängig.358 Der „Zambian Economist“ bietet ausführliche Kommentare zu wirtschaftlichen und politischen Themen in Sambia. Die Redaktion pflegt teilweise eine kritische Distanz zu Chinas wirtschaftlichen und politischen Aktivitäten im Land. Der „Zambian Economist“ bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Vom „Zambian Economist“ sind vom 1.1.2010 bis 31.12.2014 insgesamt 22 Artikel und zugeordnete Leserbriefe vorhanden. Es entfallen 3 auf den politischen, 9 auf den historischen und 10 Codes auf den sozioökonomischen Protest. Lusaka Times Die „Lusaka Times“ ist eine virtuelle Newsplattform, die täglich über Ereignisse in Sambia berichtet. Sie wurde 1998 gegründet und fasst täglich Meldungen der großen sambischen Tageszeitungen wie der „Zambia Daily Mail“ oder der „Times of Zambia“ zusammen. Sie erlaubt politisch interessierten Sambiern eigene Artikel und Kommentare eigenverantwortlich einzustellen.359 Die „Lusaka Times“ bildet mithin eine exklusive Übersicht über die politischen und gesellschaftlichen Meldungen der größten sambischen Medien. Durch ihr umfassendes Onlinearchiv konnte jeder einzelne Artikel in dem für 358 o.V. 2013 a. 359 o.V. 2016. 100 die Untersuchung vorgesehenen Zeitraum ohne Probleme eingesehen und ausgewertet werden. Das Onlinearchiv der „Lusaka Times“ wird vom 1.1.2010 bis zum 31.12.2014 ausgewertet. In diesen fünf Jahren sind sämtliche Artikel anhand der Überschriften mit einem Bezug zu China selektiert und zugeordnet worden. Davon sind insgesamt 135 Artikel übrig geblieben, die sich für eine Diskurs- und Inhaltsanalyse als geeignet erweisen. Zusätzlich zu diesen Artikeln ist eine Reihe von kurzen und längeren Leserblogeinträgen unter jedem Artikel vorhanden. Diese Leserbriefe geben ebenfalls eine Meinung zu der chinesischen Präsenz in Sambia wieder und werden in die Codierung einbezogen. Den vier Kategorien werden vier Farben zugeordnet. Der sozioökonomische Protest ist grün, der historische Protest wird gelb markiert. Der rassistische Protest ist blau und der politische Protest rot gekennzeichnet. (Die Farben sind nur in den MAXQDA-Dateien sichtbar und dienen in dem MAXQDA-Programm der inhaltlichen Unterscheidung.) Auf den historischen entfallen 4, auf den sozioökonomischen 47, auf den rassistischen 22 und auf den politischen Protest 62 Artikel. Um den Protest zutreffend abbilden zu können, ist zunächst eine genaue Bezeichnung des Protests notwendig. Ein in der öffentlichen Diskussion häufig aufkommender Begriff ist „Xenophobie“. Dieser Begriff wird häufig (synonym) mit „Fremdenfeindlichkeit“ gleichgesetzt und kommt in Bezug auf China selten zur Anwendung. Hier trifft noch am ehesten die Bezeichnung „Sinophobie“ bzw. „Sinophobia“ zu. Diese Bezeichnung wird in dieser Arbeit eingebettet in die Typologien und einer eigenen Typologie zugewiesen. 4.5 Ableitung der vier Untersuchungskategorien In dieser Arbeit werden für alle drei Datenkörbe dieselben Kategorien angewandt und kommen ebenfalls für das Programm MAXQDA zur Auswertung. Im Folgenden werden die vier Kategorien vorgestellt: sozioökonomischer Protest rassistischer Protest ein historisch geprägter „sinophober“ Protest und politischer Protest. Diese vier Kategorien sind nicht trennscharf und können sich in Teilen überschneiden. Der sozioökonomische Protest bezieht sich auf die Kritik und das Protestverhalten von sambischen und namibischen Betroffenen gegen die wirtschaftlichen Interessen chinesischer Unternehmen beispielsweise im Bergbau, aber auch bei kleinen Händlern. Die Durchsetzung der wirtschaftlichen Interessen wird begleitet von ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, von der Nichteinhaltung gesetzlicher Arbeitsschutzauflagen, der Zahlung nur geringer 101 Löhne und der Nichtberücksichtigung der sambischen bzw. namibischen Arbeiter durch die chinesischen Unternehmen, die ihre Gewinne nach China transferieren oder aber an die afrikanischen Eliten abgeben. Die wirtschaftlichen Interessen sind ebenfalls von unfairem Konkurrenzdruck durch chinesische Kleinhändler gegenüber ihren namibischen und sambischen Konkurrenten geprägt. Die chinesischen Händler, oft nur Ein-Mann-Unternehmen, beziehen ihre Ware als industriell gefertigte Billigprodukte aus China, die sie zu günstigen Preisen auf dem afrikanischen Markt anbieten können und trotzdem noch Gewinne erzielen. Für einheimische Händler bedeutet das Auftreten chinesischer Konkurrenten eine existenzielle Bedrohung, weil sie mit den niedrigen Verkaufspreisen nicht mithalten können. Die mittelbare Drittwirkung der wirtschaftlichen Interessen der Chinesen ist eine soziale, sie stört den sozialen Frieden, prägt eine ablehnende Haltung und führt zu immensen Spannungen in der Bevölkerung. Daher ist der Protest gegen die wirtschaftlichen Verhaltensweisen Chinas in Namibia und Sambia unter die Kategorie sozioökonomischer Protest einzuordnen. Der rassistische Protest ist eine weitere Kategorie. Unter diese Kategorie werden simple rassistische Ansichten und Verhaltensweisen subsumiert. Wenn Afrikaner ethnische oder biologische Vorurteile gegen Chinesen haben, mit Begriffen wie „gelbe Rasse“ oder ähnlichen Stereotypisierungen argumentieren, wird eine andere Form von Protest sichtbar. Dieser Protest stützt sich auf eine Kritik, die nicht genuin sachlich begründet wird, sondern eine Wiedergabe von Stereotypen aufdeckt. Der Chinese sei „anders“, er sei „gelb“ und aufgrund seiner ethnischen Herkunft mit Merkmalen wie „verschlagen“, „habgierig“, „listig“ und „böse“ ausgestattet. Bei dieser Form des Rassismus wird nicht auf neuere Konzepte eines „kulturellen Rassismus“ oder eines „Rassismus ohne Rassen“360 abgestellt, es handelt sich um eine klassische Form von Rassismus, der sich mit Beginn der kolonialen Eroberungen durch europäische Mächte entfaltete. Diese Form von Protest kann zwar auf sozioökonomische Faktoren zurückgehen, ist aber in seiner Ausprägung von den anderen Kategorien zu trennen. Allerdings können auch Textsegmente, die pauschal völkische Urteile enthalten, unter die Kategorie rassistischer Protest fallen. Politischer Protest ist in seiner Art nicht unbedingt sozioökonomisch geprägt, weist aber eine enge Verbindung zur sozioökonomischen Protestform auf. „Politisch“ wird diese Protestform in erster Linie aufgrund der politischen Vertreter genannt. Politiker wie Michael Sata, der als Oppositionsführer antichinesische Vorurteile und Stereotypen kommunizierte, instrumentalisie- 360 Balibar et al. 2014. 102 ren den Protest gegen die im Land anwesenden Chinesen, um Wähler zu mobilisieren und nationalistische Interessen zu bedienen. Dabei können die Gründe für die antichinesische Rhetorik durchaus voneinander abweichen. Entscheidend ist aber, dass die vorhandene Unzufriedenheit mit China und Chinesen im Land von den Politikern für politische Zwecke instrumentalisiert wird. Hier sind Überschneidungen mit den anderen Kategorien möglich. Politiker können eine sozioökonomische Kritik, aber auch rassistische Vorurteile äußern. Es kann durchaus vorkommen, dass ein Datenbestandteil zwei oder drei Kategorien abbildet. Diese Möglichkeit ist in Bezug auf die Bearbeitung mit MAXQDA kein Problem. Die politischen Aussagen stehen natürlich unter dem Vorbehalt, dass sie von Politikern aus machttaktischen Gründen geäußert werden. Dieser Hinweis ändert indessen nichts an ihrer Kategorisierung. Außerdem können allgemeine Äußerungen gegenüber Chinesen, die nicht konkret sozioökonomisch sind, unter die politische Kategorie fallen. Wenn also jemand die Meinung vertritt: „Die Chinesen nehmen den Sambiern das Land weg“, dann besteht in dieser Äußerung kein sozioökonomischer Zusammenhang. Die Angst, die Chinesen könnten Landraub betreiben, ist dann politisch zu verstehen und fällt unter die politische Kategorie. Sowohl in Namibia als auch in Sambia bestehen zweifelsfrei antichinesische Ressentiments. Es geht darum, festzustellen, ob diese Ressentiments Rassismus oder eine legitime Form von Protest sind, der im politischen Kontext gemeinhin wie folgt definiert wird: „Proteste sind Ausdruck für die Unzufriedenheit mit politischen Institutionen, ihren Entscheidungen sowie gesellschaftlichen und sozialen Missständen.“361 Es geht also um den Ausdruck von Unzufriedenheit, die verbal oder durch eine Aktion ausgedrückt werden kann. Die Proteste sind damit noch nicht rassistisch. Protest wird erst dann zu Rassismus, wenn eindeutige rassistische Merkmale vorliegen. Rassismus muss differenziert definiert werden. Die Auswertung der rassistischen Theorien lassen vier theorieübergreifende Merkmale zu. Rassismus ist immer eine wertende Über- und Unterordnung zum Vorteil einer Gruppe. Die Über- und Unterordnung entfaltet sich über gesellschaftliche Diskurse. Der ursprüngliche und nachhaltigste Rassismus ist eine auf biologische Unterschiede abzielende Ideologie. Dennoch gibt es Modifikationen, entweder in Form von anderen Rassismen oder durch die Bewertung kultureller Unterschiede. 361 Bundeszentrale für Politische Bildung 2012. 103 Jede Form von Rassismus ist eine von Menschen entworfene Pseudotheorie ohne tatsächliche Berechtigung. Es gibt eine große Entfaltung von Rassismus in der Kolonialzeit. Dabei gibt es Rassismus einmal in einer Form, die sich gegen die Kolonisierten selbst richtet, als auch als Rassismus der Dominierten bzw. Unterdrückten gegen die ehemaligen Kolonialherren vonseiten der kolonisierten Minderheit. Diese vier Kernaussagen über Rassismus müssen sich in den Quellen wiederfinden, damit eindeutig erkannt werden kann, ob es sich um einen legitimen Protest oder Rassismus handelt. 105 5 Namibia: Auswertung von Datenkorb 1 Presseberichterstattung 5.1 Allgemeine Zeitung Es gibt im Untersuchungszeitraum nur sieben Artikel mit einem direkten Bezug zu China und zu den in Namibia lebenden Chinesen. Es handelt sich nicht um Leserbriefe, sondern ausschließlich um journalistische Artikel. Die ausgewählten Artikel entsprechen den Kategorien sozioökonomischer und politischer Protest. Rassistischer oder historischer Protest kommt als eigenständige Kategorie nicht vor. Die folgenden Artikel befassen sich in unterschiedlicher Ausprägung mit den sozioökonomischen und politischen Ängsten in Bezug auf die Einflussnahme der Chinesen auf den Alltag der namibischen Bevölkerung. Chinesische Firmen, die oft nicht nur das Kapital und Know-how, sondern auch die ungelernten Arbeiter mit ins Land bringen, werden als Bedrohung der eigenen Existenz empfunden. Lokale Textilindustrien sind der Billigware aus China nicht gewachsen. Die heimische Bauindustrie kann den Offerten chinesischer Konkurrenz nicht entgegentreten. Sie unterliegt den staatlichen Arbeitsgesetzen und Mindestlöhnen. Diese werden von chinesischen Firmen häufig missachtet, damit sie die lokalen Baufirmen unterbieten können. Afrikanische Kleinhändler sehen durch Chinaläden mit Billigwaren ihre kärglichen Verdienstmöglichkeiten schrumpfen und kämpfen ums schiere Überleben. In vielen Ländern gilt auf politisch-diplomatischer Ebene der neue Partner aus China als willkommene Alternative. Die Reaktionen in der Bevölkerung hingegen grenzen oftmals an Rassismus, da die chinesische Präsenz als Bedrohung der eigenen Lebensgrundlagen empfunden und erfahren wird (AZ Namibia: 16–17). Dieser Artikel enthält sozioökonomische Codes. Es wird der Antagonismus zwischen chinesischen Unternehmen und der namibischen Konkurrenz und die Unterlegenheit der namibischen Textilindustrie, Bauindustrie und afrikanischen Kleinhändler gegenüber der überlegenen chinesischen Konkurrenz 106 betont. Es wird ebenfalls erwähnt, dass die chinesische Konkurrenz die namibischen Arbeitsschutzgesetze deutlich missachtet. Der Protest entsteht aufgrund der wahrgenommenen Ungleichbehandlung. Die Probleme, die sich aus der chinesischen Konkurrenz ergeben, werden als Gründe für den Protest geschildert. Die Angehörigen der lokalen Bauunternehmen und die namibischen Kleinhändler leiden unter den chinesischen Einwanderern. Einerseits sind sie als Angestellte chinesischer Unternehmen Misshandlungen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Andererseits werden die billigen Produkte aus China von den chinesischen Händlern zu sehr günstigen Preisen angeboten, sodass die namibischen Händler und Kleingewerbetreibenden die Konkurrenz nicht unterbieten können und ihre wirtschaftliche Existenz bedroht sehen. Der Hinweis auf Rassismus im Text ist zu allgemein gehalten, um als Code eingestuft zu werden. Es fehlen Handlungen oder Verhaltensweisen, die rassistische Merkmale erfüllen und dadurch als Rassismus identifiziert werden könnten. Auf Grund dieser Sonderbehandlung seien Namibier gezwungen worden, in bestimmten Fällen ihren Grund und Boden zu verlassen, auf dem sie seit Jahrhunderten lebten und der nun den Chinesen zugesprochen wurde wie z.B. in Oshikango und anderen Orten. Zudem würden Chinesen gegenüber Namibiern bevorzugt, wenn es zu Regierungsausschreibungen und zur Vergabe von Bauarbeiten komme. „Aus diesem Grunde ist es nicht überraschend, dass Chinesen die Namibier und ihre Regierung als selbstverständlich ansehen“, meint die RDP (AZ Namibia: 4–5). Diese Aussagen sind im Konjunktiv verfasst, was darauf hindeutet, dass diese Informationen als ungesichert gelten können. Der Text sagt aus, dass Chinesen gegenüber Namibiern bevorzugt würden, wenn es zu offiziellen Ausschreibungen von staatlicher Seite und zur Vergabe von Bauarbeiten käme. Sie verweisen auf ein Gefälle zwischen chinesischen und namibischen Staatsbürgern in hierarchischen und wirtschaftlichen Rollen wie im Baugewerbe, worauf die Formulierung „bei der Vergabe von Bauarbeiten“ hinweist. Der sozioökonomische Protest wird ebenfalls hervorgerufen, weil eine Kausalität erkennbar wird: Die Vertreibung vom heimischen Grund und Boden nach jahrhundertelanger Besiedelung zugunsten eingewanderter Chinesen ruft ein immenses Unrechtsgefühl hervor. Dieses Gefühl drückt sich in der Ablehnung und dem Protest der Namibier gegenüber den Chinesen aus. Diese Haltung und die Wahrnehmung einer ungenannten Zahl von Chinesen als gefährliche Konkurrenten grenzen an Rassismus. Rassismus agiert mit der fortwährenden Herabsetzung einer Gruppe. Unrühmlich erscheint die Rolle der namibischen Regierung, die diese Form der Landenteignung zulässt und offenkundig von den neuen chinesischen Grundeigentümern profitiert. 107 Vergangenes Jahr war es der Dachverband der Gewerkschaften, der politisch unkorrekt die emsigen Leute aus dem Reich der Mitte angegriffen hat. In dieser Woche war es sowahr Omushamane Tara Shaanika, der Manager-Boss der Namibischen Kammer für Handel und Industrie, NCCI, der in aller Öffentlichkeit das einseitige Verhältnis zwischen Peking und Ovenduka geschildert hat. Nämlich, Schanghai und Peking führen lecker Sachen nach Namibia aus, aber unsere Delikatessen, wie das leckere Beesterfleisch und das Bier des Reinheitsgebots darf nicht an der chinesischen Mauer genossen werden (AZ Namibia: 9). Der Grund für den Angriff wird nicht genannt, aber die Tatsache, dass es sich bei dem Akteur um Gewerkschaften handelt, zeigt die sozioökonomische Dimension. Das Beispiel mit dem Vergleich des Imports chinesischer Lebensmittel und dem Exportverbot namibischer Delikatessen nach China zeigt ebenfalls das ungleiche Verhältnis beider Staaten als Grund für die Unzufriedenheit. Außerdem wird am Beispiel der ausgeführten Delikatessen konkret das Gefühl der Benachteiligung ausgedrückt. Es erscheint nachvollziehbar, dass die Namibier es als ungerecht empfinden, dass namibische Delikatessen für Chinesen nicht infrage kommen. Getragen wird diese Stimmung von existenziellen Ängsten, weil die namibische Nahrungsmittelindustrie wirtschaftliche Einbußen befürchtet. Delikatessen sind an und für sich nicht die auslösenden Merkmale für Rassismus. Rassismus bezieht sich häufig auf bestimmte Eigenschaften bei Menschen. Tatsächlich kann Rassismus aber auch durch die banalsten Dinge ausgelöst werden. Die Delikatessen sind Mittel zum Zweck, d.h. vorgeschobene Argumente, an denen sich eine rassistische Abwertung entzünden kann. Die vermutete Bevorzugung eigener Lebensmittel durch die Chinesen geht mit einer Abwertung dieser Gruppe einher. Es wird als unfair wahrgenommen und gibt Anlass zu Unzufriedenheit und rassistischen Ressentiments, dass Chinesen den Lebensmittelmarkt mit chinesischen Delikatessen dominieren und die namibischen Lebensmittel Absatzschwierigkeiten auf dem chinesischen Markt haben. Die enge Partnerschaft zwischen den namibischen und den chinesischen Eliten zeigt die vermeintlichen Gewinner dieser Austauschbeziehungen: die namibischen Eliten und nicht die namibische Bevölkerung. Hier liegt ein Protest vor, der sich in mündlichen Äußerungen offenbart. Es geht nicht um ein darüber hinausgehendes Handeln, das auf rassistische Faktoren verweisen könnte. Der Text zeigt deutlich die Begründungen für den Protest und ebenfalls die Form, in der sich der Protest äußert. Ob aus fernöstlicher Magie oder wegen importierter Korruption – seit die Regierung den asiatischen Kumpanen Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis anbietet, hat mit der chinesischen Einwanderung der Elfenbein- und Nashornhandel in Namibia zugenommen. Ungebremst geht die Wilderei weiter, un- 108 abhängig von den ungeklärten Fällen im Jahr 2013. Bereits im Februar ist in Opuwo ein Chinese mit zwei Hörnern erwischt worden, im März waren es drei Chinesen mit 14 Hörnern am Flughafen und im April wurden zwei Nashörner nahe Windhoek (Farm Ongos) entdeckt (AZ Namibia: 6–7). Die Codes deuten auf einen Zusammenhang zwischen der chinesischen Migration in Namibia und einem Anstieg der Wilderei und dem Handel mit Elfenbein hin, aus dem der Protest resultiert. Der Begriff „fernöstliche Magie“ ist ein Code für eine mit Vorurteilen behaftete Wahrnehmung. Diese Formulierung deutet bereits auf Rassismus hin. Die Ausrichtung solcher Zuschreibungen ist jedoch eindeutig: Kriminalität chinesischer Migranten trete vor allem in Form der Wilderei auf. Dieser Missstand schafft ein mit Vorurteilen behaftetes Bild über Chinesen in der Bevölkerung und führt zu Protesten. Kriminalität ist sehr häufig ein Merkmal, das rassistischen Zuschreibungen den Boden bereitet. Fast immer geht es darum, dass eine bestimmte Ethnie krimineller als eine andere wahrgenommen wird. Der Vorwurf, in kriminelle Handlungen wie der Wilderei verstrickt zu sein, bestärkt Ressentiments gegen Einwanderer. Der von dem Autor angenommene Anstieg der Wilderei erweckt zunächst nicht den Eindruck von Rassismus. Es stehen sicherlich Vorbehalte im Raum, die sich nicht ohne Weiteres beseitigen lassen. Dennoch enthält der Artikel Unterstellungen, Ablehnungen und Zuschreibungen der Chinesen als eine minderwertig angesehene Gruppe, um Rassismus zu belegen. Wenn den chinesischen Mitbürgern der Toilettengebrauch fremd ist, wird der chinesische Botschafter bestellt; beim Raubbau von Naturressourcen tut Pohamba362 nichts dergleichen. Wie weit dürfen Korruption in Namibia aufgedeckt und Gastfreundschaft eines fachkräftearmen Landes ungehemmt missbraucht werden? (AZ Namibia: 9). Diese Suggestivfrage impliziert zugleich bereits ein Urteil. indem Korruption und ein hemmungsloser Missbrauch namibischer Gastfreundschaft den Chinesen angelastet werden. Dabei sind diese Vorwürfe – ohne spezifische ökonomische Relevanz – rein politischer Natur. Hier liegt politischer Protest gegenüber Pohamba vor. Eine rassistische Zuschreibung ist ebenfalls gegeben, weil den Chinesen unterstellt wird, die Toilette nicht sachgerecht zu benutzen und sie dadurch kulturell herabgewürdigt werden. Wieso muss die Justiz verhafteten Chinesen einen Übersetzer stellen, wenn sie es an Kooperation fehlen lassen und sich um einen Anwalt bemühen müssen? Wieso lässt das Innenministerium (überhaupt) risikovolle Ausländer ohne Englischkenntnisse ins Land? Wie haben die Beamten mit den drei Chine- 362 Hifikepunye Lucas Pohamba war von 2005 bis 2015 namibischer Staatspräsident. 109 sen bei der Einreise von Sambia kommuniziert? Warum orientiert sich die Kaution nicht am Wert des Nashorns und wird das Gesindel nach Buße nicht ausgewiesen? Wie lange will Umweltminister Herunga diesem Treiben in- und ausländischer Täter noch zusehen (AZ Namibia: 11). Diese Suggestivfragen lassen außer Acht, dass die Verdächtigen auch Rechte in einem Strafverfahren haben. So greifen diese Fragen ein vermeintliches Vollzugsdefizit aufseiten der Politik und Justiz auf und stehen für eine rassistische Ausrichtung. Chinesen seien „Gesindel“, das ein Risiko in sich berge, zudem würden sie der Wilderei nachgehen. Eine politische Forderung nach Nichteinreise des „Gesindels“ ist eindeutig der politischen Kategorie zuzuordnen. Allein die Zuschreibung „Gesindel“ ist in seiner ethnischen Bedeutung rassistisch. Es lässt sich eine Kausalität erkennen: Das kriminelle Verhalten einiger Chinesen und gleichzeitig die Bevorzugung chinesischer Geschäftsleute durch die namibische Regierung führt zu einer Ablehnung in der Bevölkerung, zu Hassgefühlen, wie anhand der Fragen deutlich wird, und am Ende zu rassistischen Äußerungen wie „Gesindel“. Bezeichnungen wie „Gesindel“ verfolgen eine rassistische Absicht gegen die in Namibia lebenden Chinesen. Ein Vorfall in Otjiwarongo, der sich vor Kurzem zugetragen hat, als e ine namibische Angestellte eines chinesischen Unternehmens gezwungen wurde, einen Plastiksack voller menschlicher Fäkalien zu einer Mülltonne zu tragen und dort zu deponieren, sei nicht nur menschenunwürdig, sondern stelle auch ein Gesundheitsrisiko für die Angestellte sowie die Bevölkerung dar. "Das Schlimmste daran ist, dass es eine Beleidigung unserer nationalen Souveränität ist, für die viele Namibier mit dem Leben bezahlt haben und deshalb kann so etwas nicht toleriert werden", so die Oppositionspartei, die wegen dieses Vorfalls die Regierung aufruft, den betroffenen Chinesen zu verhaften und des Landes zu verweisen. Der Chinese, der die Frau gezwungen habe, einen Plastiksack voller Fäkalien in eine Mülltonne zu werfen, müsse als Persona non grata erklärt und die Deportation müsse transparent von der Regierung durchgeführt werden, so die Erklärung der RDP. "Wir bewundern Emma Kazizi, die sich geweigert hat, den Sack voller menschlicher Exkremente zu tragen und lieber ihren Arbeitsplatz verloren hat, als sich derart menschenunwürdig behandeln zu lassen. Wir rufen alle Namibier auf, sich nicht wie Sklaven oder Menschen zweiter Klasse behandeln zu lassen", teilte die Oppositionspartei mit (AZ Namibia: 6). Die „AZN“ beschreibt das Geschehen sehr distanziert. Es handelt sich um einen diskriminierenden Vorfall eines chinesischen Unternehmers, der zur unerwünschten Person erklärt wird. Namibier sollen nicht Menschen zweiter Klasse oder sogar Sklaven sein, was impliziert, dass sich die Chinesen als Personen erster Klasse fühlen würden. Die Zuordnung von Menschen in erste und zweite Klassen ist rassistisch orientiert. Es liegt jedoch lediglich ein Einzelfall vor, der auf eine verallgemeinernde Ebene gehoben und sogar politisch 110 verwendet wird. Am Ende steht Rassismus, allein die Einteilung von Namibiern und Chinesen in hierarchische Klassen zeugt von dieser Annahme. Alle in Kapitel 3 aufgeführten Quellen in der Rassismusforschung stimmen in der Aussage überein, dass bereits die wertende Einordnung von Menschen in unterschiedliche Gruppen oder Klassen rassistische Tendenzen aufweist. Der Fall von zwei Menschenklassen liegt für oben genannten Fall vor. Die Grenzen zwischen Protest und Rassismus sind fließend. Das Verhalten des chinesischen Vorgesetzten, die namibische Angestellte zur Fakälienentsorgung zu zwingen, ist eine groteske Misshandlung einer Untergebenen. Doch die Handlung des chinesischen Unternehmers gegenüber der namibischen Angestellten ist dergestalt, dass von einem individuellen Rassismus ausgegangen werden kann: Rassismus äußert sich hier auf individueller Ebene gegen eine Person. Die Verhaltensweise des chinesischen Vorgesetzten zeugt von Menschenverachtung und erfüllt die Kriterien von Rassismus. Die Frage der rechtlichen Ungleichbehandlung geht ebenfalls in eine rassistische Richtung. Der biologische Rassismus scheidet aufgrund entsprechender Aussagen aus. Allerdings steht die Annahme eines institutionellen Rassismus im Raum. Nach Balibar könnte ein Rassismus ohne Rassen greifen. Hier zeigt sich ein Problem bei der Anwendung der Theorie. Balibar geht bei seinem Rassismusbegriff von Rassismus durch staatliche oder jedenfalls vorgesetzte Stellen aus. Dieser Fall liegt hier jedoch nicht vor. Nach Rommelspacher könnte es sich um eine Form von individuellem Rassismus handeln. Der chinesische Vorgesetzte offenbart eine rassistische Einstellung gegenüber Namibiern. Die rechtliche Ungleichbehandlung kann nicht abschließend geklärt werden. Ein Beleg für institutionellen Rassismus liegt daher nicht vor, aber nach Rommelspacher ist ein individueller Rassismus gegeben. 5.2 The Namibian In dem Fünfjahreszeitraum sind 1387 Artikel mit einem Bezug zu China erschienen. Es handelt sich nicht um Leserbriefe oder Blogeinträge, sondern um journalistische Beiträge aus der Redaktion. Insgesamt konnten 55 Artikel identifiziert werden, die sich kritisch zu China äußerten. Davon entfallen 25 Codes auf den politischen, 16 auf den sozioökonomischen, 11 auf den historischen und 3 auf den rassistischen Protest. Ausschlaggebend war, ob Anzeichen in den Artikeln für Kritik, Unbehagen oder Hetze gegen Chinesen in Namibia auftauchen. Artikel zu anderen tagesaktuellen Themen wie zum Beispiel über chinesischen Sport oder über die chinesische Küche wurden nicht berücksichtigt. Die identifizierten Artikel wurden anhand der Kategorien eingeteilt und ausgewertet. 111 5.2.1 Politischer Protest Die folgenden Artikel behandeln politische Ängste und daraus resultierende Vorbehalte gegen die im Land anwesenden Chinesen. Beispielsweise ist die Vergabe von Bauaufträgen durch namibische Behörden an chinesische Unternehmen eine häufig genannte Ursache für die bestehende Unzufriedenheit. Auch die enge Freundschaft zwischen den namibischen und chinesischen politischen Eliten sorgt in der namibischen Bevölkerung zunehmend für Protest, sowohl gegen die Chinesen als auch gegen die namibische Politik. Analysts accuse Beijing of ignoring human rights abuses by African leaders as it pursues the resources needed to fuel its rapid economic growth. Chinese investors have snapped up commercial and residential properties in the capital Harare over the past few years Nampa-Reuters (Dokument 72: 15). Ein Einzelfall von chinesischem Eigentum an Grund und Boden in der Hauptstadt Harare wird verallgemeinert und als Beispiel für einen geheimen Plan Chinas genannt, sich Ressourcen für das eigene wirtschaftliche Wachstum anzueignen. Als Indiz für dieses Ziel werden die von Chinesen begangenen Menschenrechtsverletzungen gesehen, die die politische Führung ignoriere und die Teil einer Strategie zur Ressourcenaneignung seien. Diese Kritik geht über die chinesisch-namibische Elitenfreundschaft hinaus. Als reales Beispiel der chinesischen Gefahr gilt der Schutz Sudans durch China im UNO-Sicherheitsrat vor einer Verurteilung wegen der Massaker in Darfur 2006.363 Das im August 2006 ausgesprochene Veto der chinesischen Regierung konnte erst 2007 überwunden werden. 2007 stimmte auch China dem Einsatz einer internationalen Friedenstruppe im Sudan zu, nachdem die chinesische Bedingung erfüllt wurde, dass die sudanesische Regierung der Stationierung der UNO-Soldaten auch zustimmen musste.364 Die Übertragung eines Einzelfalls auf eine allgemeine Ebene ist häufig eine typisch rassistische Argumentationsweise. Durch die Haftbarmachung einer ganzen Ethnie für das Fehlverhalten einer einzelnen Person besteht eine Abwertung der Gruppe. Hier ist nur eine Vorstufe von Rassismus erreicht, denn die rassistischen Zuschreibungen wie die konkrete Abwertung der Gruppe fehlen. The aggressive nature of China and its involvement in our socio-economic life has come to represent a cactus and a source of tension and friction for our political economy, in which the ordinary Namibian citizen (and not the connected politician with a daughter with a Chinese scholarship) has become the 363 Ahmed 2010, S. 8. 364 Ahmed 2010, S. 9. 112 first casualty. As such, Namibians of all walks of life have now come to view China's presence with suspicion and disdain. {sic} This ugly part of the China-Namibia relationship does present threats and not boons to our national interests{sic} China does not waver in its economic commitments to its citizens and national interests. {sic} Every Namibian politician should find it abnormal for houses in a poor country with 51 per cent unemployment to be built by the Chinese! (Dokument 63: 8–9). Allein die Tatsache, dass chinesische Bauunternehmen Aufträge erhalten, obwohl in Namibia eine Arbeitslosigkeit von 51 % herrscht, wird verallgemeinert: China wird eine aggressive wirtschaftliche Tätigkeit unterstellt. Die Namibier sollten der chinesischen Präsenz mit mehr Misstrauen begegnen und es als ungerecht empfinden, dass überwiegend Chinesen Bauaufträge erhielten. Die Beziehungen zwischen China und Namibia werden als Bedrohung für die namibischen Interessen bezeichnet. Die politische Elite Namibias wird in eine Reihe mit den chinesischen Investoren gestellt. Dazu wird auf den Einzelfall der mit einem chinesischen Stipendium ausgestatteten namibischen Präsidententochter verwiesen. Zwei Einzelfälle sind Anlass für die ablehnende Haltung gegenüber den Chinesen. Auch wenn die Übertragung der Einzelschicksale auf die Ethnie fehlt, weil rassistische Anspielungen unübersehbar sind. Dissidents were jailed or put under house arrest and everything possible was done to ensure a smooth congress without demonstrations – in which process untold human rights were violated all over China. All of us who are interested in world politics know that. However, in Namibia, nothing was reported on this. How is it possible that the people of Namibia do not protest about the rubbish they hear about 'our best friends'? What our 'best friends' – all of them – do, is completely contrary to what this nation fought against for more than half a century. What these 'best friends' still do today has been declared as a violation against people, a violation of human rights and it was declared as an abomination by us Namibians when we started our own freedom war. And all those who then violated our human rights were declared as our number one enemy by the same who now say China and Zimbabwe are our best friends (Dokument 35: 5–7). In diesem Zitat werden Fälle von Menschenrechtsverletzungen in China angesprochen. Diese Fakten werden erneut verallgemeinert und allen in Namibia lebenden Chinesen unterstellt. Kritisiert wird das Fehlen öffentlicher Proteste gegen die in Namibia lebenden Chinesen. Die Bezeichnung „best friends“ für China und Namibia wird abfällig verwendet. Politische Proteste sind oft eingebettet in rassistische Zuschreibungen. Außerdem werden die Menschenrechtsverletzungen in China selbst auf eine allgemeine Weise kritisiert. Der Artikel bedient sich der politischen Ressentiments gegen Chinesen in Namibia. 113 Pohamba condemns abuse by Chinese ENGELA – President Hifikepunye Pohamba has condemned Chinese nationals who relieve themselves in plastic shopping bags and then order their Namibian workers to discard the bags of faeces and urine in public refuse bins (Dokument 30: 2-3). Der Präsident mahnt und verallgemeinert mit seiner Aussage, in der sich auch Protest ausdrückt. Einzelfälle von Misshandlungen namibischer Angestellter in chinesischen Unternehmen durch ihre Arbeitgeber bilden für den namibischen Staatspräsidenten einen Anlass für öffentliche Rügen gegen das chinesische Verhalten in Namibia. Unverkennbar zeigt sich in der Aussage die politische Brisanz der chinesischen Verfehlungen. Der höchste politische Amtsträger des Landes äußert eine deutliche Kritik. Eine offizielle politische Aussage hat eine große Bedeutung für die gesamte Öffentlichkeit und ist in diesem Fall als Protest zu werten. Der namibische Staatspräsident wird sich in aller Regel nicht unbedingt rassistisch äußern, es sei denn, er verfolgt mit diesen Aussagen zugleich Wahlziele. He stressed that any Chinese national or anybody else, who will try to treat Namibian employees in a similar manner, will be dealt with effectively. 'We don't want our people to be treated like that. I condemn such people,' said Pohamba. The Namibian leader also criticised Chinese nationals who are running businesses in Namibia without putting up toilets (Dokument 30: 10–12). Es handelt sich um eine Mahnung des Präsidenten, der vom Einzelfall auf die Allgemeinheit schließt. Natürlich ist der namibische Staatspräsident nicht an vorderster Front als Kritiker gegen die chinesischen Verhaltensweisen einzuordnen. Er ist auch nicht Apologet des antichinesischen Protests. Das Gegenteil ist der Fall, der namibische Staatspräsident profitiert von den guten Beziehungen zu China durch die finanziellen Zuwendungen Chinas gegenüber Namibia. Die offiziellen Beziehungen der namibischen Regierungspartei zur chinesischen Regierung werden seit Jahrzehnten nicht infrage gestellt und bilden die Grundlage für die Wirtschaftsbeziehungen. Aber der Präsident fürchtet einen Machtverlust und eine mögliche Abwendung des namibischen Volkes von China, was vielleicht auch zum Nachteil der namibischen Regierung wäre, die die intensiven Beziehungen mit China zu verantworten hat. Daher muss er mit symbolischen Erklärungen gegenüber der Öffentlichkeit versuchen, die Wogen zu glätten und zur Entspannung des Konflikts beizutragen. Seine Äußerungen folgen einem politischen Kalkül. Die Verwendung „any Chinese national” und „our people“ sind eindeutige Verallgemeinerungen. Mit diesen Aussagen wird der Protest durch den Staatspräsidenten kolportiert. Die politische Äußerung reicht in diesem Fall aus, um den Protest zu belegen. 114 President Hifikepunye Pohamba recently condemned abuse by Chinese companies, after an incident in February at Otjiwarongo where a Chinese supervisor was accused of relieving herself in a plastic bag and instructing a Namibian staff member to dispose off the excrement in a rubbish bin (Dokument 28: 17). Ein konkreter Fall von Misshandlung wird in diesem Zitat geschildert. Der namibische Staatspräsident verurteilt aber generell Misshandlungen von Namibiern in chinesischen Unternehmen und verallgemeinert das Problem mit den Chinesen. Gleichzeitig wird deutlich, dass in Namibia offenbar ein erhebliches Protestpotenzial den Chinesen gegenüber bestehen muss, wenn sich der Präsident selbst mit mahnenden Worten an die Öffentlichkeit wendet. Die namibische Bevölkerung reagiert auf den Vorfall sehr emotional und aufgebracht. Hier wird die vermeintliche „Unmenschlichkeit“ der chinesischen Arbeitgeber für die namibische Bevölkerung sehr deutlich. Der namibische Staatspräsident muss eingreifen und die Wogen glätten, damit die Proteste nicht außer Kontrolle geraten. Diese Reaktion zeigt, dass der namibischen Regierung das Konfliktpotenzial in der eigenen Bevölkerung in Bezug auf die Chinesen im Land sehr bewusst ist. The ambassador's visit was triggered by a recent incident at the China Town shopping complex in Windhoek, where a Namibian employee Asteria Shivute was allegedly unknowingly made to dispose of the faeces of her employers while taking out the shop's rubbish. “The incident damaged Chinese image and it won't happen again, I would further like to urge Chinese nationals to obey local laws and to respect the local people. We have a good relationship and everybody will benefit from it if we keep it strong,” he said (Dokument 19: 6–7). Die Misshandlung der Angestellten Asteria Shivute hatte eine Entschuldigung des chinesischen Botschafters zur Folge, der seine Landsleute sogar dazu anhalten musste, die namibischen Gesetze zu achten. Diese Reaktion belegt die politische Dimension des Falls. Es wird eine Angst vor zunehmenden antichinesischen Ressentiments deutlich, indem sich der chinesische Botschafter zu einer Stellungnahme genötigt sah. Diese Angst der Bevölkerung wird von der namibischen Regierung wahrgenommen. Die Einschaltung des Botschafters ist einerseits eine Beschwichtigungsgeste gegenüber dem namibischen Volk, andererseits zeigt sie die Einzigartigkeit des Vorfalls. Mit anderen Einwanderern scheint es solche Probleme nicht gegeben zu haben. Eine notwendige Voraussetzung für Rassismus wäre die Darlegung weiterer rassistischer Handlungen nach der Misshandlung, weil die Entschuldigung des chinesischen Botschafters eine Reaktion auf die Misshandlung der Frau ist. Almost four years after a weekly tabloid exposed the controversial bursaries awarded to the children of Namibia's top government officials by the Chi- 115 nese Embassy, the ACC revealed that its investigations into the matter never established any answers to the questions about the criteria used and why only children of 'elite' benefited from the scheme. Noa told The Namibian that their inquiry into the matter never received any answers from the Chinese embassy in Namibia (Dokument 16: 20). Die Vergabe von chinesischen Stipendien an die Kinder hochrangiger namibischer Regierungsmitglieder wird in der Zeitung „The Namibian“ kritisiert: Es fehle die Bereitschaft der chinesischen Botschaft, die Kriterien für die Auswahl der Stipendien offenzulegen. Die Folge sind Zweifel, die den Verdacht der Käuflichkeit wecken. Die namibische Bevölkerung, die sich in Teilen von den Vorteilen der chinesischen Einwanderer ausgeschlossen fühlt und nicht mit chinesischen Stipendien begünstigt wird, nimmt mit diesem Bericht wahr, dass Regierungsmitglieder und die Eliten von den Chinesen profitierten. Bemerkenswert ist auch, dass die unterstellte Käuflichkeit der namibischen Regierung nicht im Zentrum des Artikels steht, sondern nur die chinesische Reaktion auf die Recherchen. Offensichtlich geht es dem Autor darum, eine antichinesische Stimmung zu erzeugen. Die bevorzugte Verteilung von Stipendien an Kinder hochrangiger namibischer Politiker für Studienaufenthalte in China wäre ein geeigneter Anlass für eine berechtigte und erfolgreiche Kritik an der regierenden Partei in Namibia. Doch darum geht es dem Autor nicht, der seine Kritik konkret an die chinesische Botschaft richtet. Die chinesische Botschaft ließ Nachfragen von namibischer Seite aufgrund der Stipendienvergabe unbeantwortet. Damit gelingt es dem Autor, den Eindruck verschwörerischer und intransparenter Machenschaften und Beziehungen des chinesischen Engagements in Namibia aufrechtzuerhalten. Die Chinesen unterscheiden zwischen „mächtigen“ und „machtlosen“ Namibiern. Die mächtigen namibischen Politiker gewähren den Chinesen gewisse Vorteile bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, sodass der Nachwuchs der Regierungsmitglieder im Gegenzug großzügige Stipendien erhält. Die einfachen Namibier sind für die Chinesen höchstens als Konsumenten oder Angestellte von Interesse. Es ist ihnen zwar versprochen worden, dass es auch für sie Stipendien geben würde, es ist jedoch bei diesen Versprechen geblieben. Die Vergabe von Bauaufträgen fast ausschließlich an chinesische Unternehmen führt zu Protesten in der namibischen Bauindustrie, in denen sich auch Existenzangst und Wut über unfaire Bedingungen gegenüber den chinesischen Konkurrenten ausdrücken. Die Wahrnehmung, dass die Chinesen im Land privilegiert im Vergleich zur eigenen Bevölkerung seien, ist jedenfalls eine typische Vorbedingung von Rassismus, reicht hier aber nicht zur endgültigen Bestimmung rassistischer Ressentiments aus. *IS our government giving our country away to the Chinese? Thousands of them get preferential treatment while our people starve (Dokument 78: 12). 116 Es gibt keinen konkreten Beleg dafür, dass Namibier unter Hunger leiden, dennoch appelliert der Verfasser an die nationalen Gefühle der namibischen Bevölkerung. Es handelt sich um Spekulationen, um eine antichinesische Stimmung im Land zu erzeugen. Der Autor stellt die spekulative Behauptung auf, dass Tausende von Chinesen im Land eine bevorzugte Behandlung genie- ßen würden, während die Namibier hungern müssten. Es ist zwar zutreffend, dass die Armut in Namibia sehr groß ist. Aber eine wie auch immer geartete bevorzugte Behandlung jedes einzelnen Chinesen in Namibia – denn es sind ja nur einige Tausend im Land – kann nicht bestätigt werden. Die Verallgemeinerung der Vorwürfe gegen die Chinesen in unbestimmter Zahl ist ein Ausdruck für Rassismus. *THE Government [allegedly] allowing 5 000 Chinese families to settle and take the jobs and opportunities from Namibians is tantamount to treason against our people! And yes; most people find the claims of Wikileaks more believable than the denials of the Government. Let the truth out!- Theo (Dokument 73: 7–8). Es wird von „Verrat“ am namibischen Volk gesprochen, weil eine angebliche Mehrheit der Namibier nicht mehr der namibischen Regierung, sondern auf Informationen wie „Wikileaks“ vertrauen würde. Letztlich zielen die Äußerungen darauf ab, Angst vor der Konkurrenz durch sich niederlassende Chinesen zu schüren und die Absichten der eigenen Regierung infrage zu stellen. Die Adressaten der Kritik sind Namibier, die sich ohnehin in Konkurrenz zu den Chinesen befinden und Unsicherheit und Angst vor Überfremdung verspüren. In diesem Zitat sind Voraussetzungen für Rassismus gegeben: Alle in Namibia lebenden chinesischen Familien seien eine Gefahr und eine unerwünschte wirtschaftliche Konkurrenz für die Einheimischen. Es handelt sich hier um ein weiteres Beispiel für eine Verallgemeinerung, die darauf abzielt, Chinesen grundsätzlich als eine wirtschaftliche Gefahr darzustellen. Die pauschale Unterstellung ist jedoch rassistisch. *REGARDLESS of what the Chinese did before Independence, they are not above the laws that apply to all Namibians. Food for Thought Where to start? (Dokument 69: 4–6). Den Chinesen wird vorgeworfen, sich nicht an die Gesetze zu halten, die für alle Namibier gelten würden. Dabei wird auch die von der namibischen Regierung immer wieder öffentlich beschworene Dankbarkeit gegenüber China aufgrund der Unterstützung während der antikolonialen Unabhängigkeitsbewegung thematisiert: Diese Unterstützung dürfe jedoch keine Ausrede oder Entschuldigung sein. Hier wird ein häufig auftretendes Muster in der Kommunikation zwischen der chinesischen und der afrikanischen Elitenebene kritisiert: Immer wieder, auch in den offiziellen Freundschaftsdokumenten, 117 wird auf die gemeinsame Vergangenheit der Befreiungsbewegungen Namibias und auch Sambias mit der chinesischen Regierung verwiesen. Es handelt sich dabei um eine eindeutige politische Kritik. The preferential treatment also applies to educational opportunities. In 2009, the Chinese government secretly awarded scholarships to study in China to the offspring of nine top officials, including one of Pohamba's daughters, Ndapanda. This raised a furore among ordinary Namibians and the Anti- Corruption Commission admitted this year that China had blocked its investigation into how the scholarships were awarded (Dokument 4: 11–12). Am Anfang steht die Behauptung, dass die chinesischen Stipendien an Angehörige der namibischen Elite vergeben wurden. Es folgt ein Eingreifen der chinesischen Regierung, um die geplante Untersuchung über Unregelmäßigkeiten bei der Stipendienvergabe zu blockieren. Diese Situation wird von der Antikorruptionskommission benutzt, um die Vorwürfe gegen China zu generalisieren: Plötzlich sind nicht einmal mehr Stipendien für die Angehörigen der namibischen Elite möglich. Diese Information greifen viele Menschen in der namibischen Bevölkerung auf, es kommt zu Ressentiments und zu antichinesischen Protesten, die sich gegen die eigene als käuflich wahrgenommene Regierung richten. Das Handeln der Antikorruptionsbehörde, die Vorwürfe gegen China in ein offizielles politisches Statement zu kleiden, bleibt auf der Ebene des Protests. Die Antikorruptionsbehörde äußert sich in diesem Fall nicht rassistisch, weil sie nur die Ergebnisse ihrer Untersuchung veröffentlicht. * NAMIBIA and China. I did not know whether to laugh or cry when I heard that the Chinese refused sales for consumption or even donations of our meat and fish in that country. The biggest insult in any African culture is for someone to tell you your food is not even good for its poorest of the poor. It is an insult. But then beggars can't be choosers. I guess they can afford to treat us like dirt in and outside Namibia. Don't they after all finance scanners and other things ...! What a joke! And we call ourselves independent! (Dokument 89: 11). Der Text beschreibt, dass die Chinesen afrikanisches Essen als minderwertig ansehen und damit einen großen kulturellen Fehler begehen, der für Afrikaner eine massive Kränkung zur Folge habe. Dieser Vorwurf appelliert an die nationale Seele der Namibier, indem nicht ein wirtschaftliches oder finanzielles, sondern ein kulturelles Problem als Kritik konstruiert wird. Kulturelle Abwertungen sind nach Balibar rassistische Handlungen. Hier beschreibt der Text aber nur den Vorgang der Kränkung der Namibier durch die Chinesen, wertet aber nur vorsichtig selbst. Der Autor zeigt sich sehr enttäuscht und wirkt verzweifelt. Er belegt aber die Chinesen nicht mit extre- 118 men rassistischen Zuschreibungen. Es stellt sich die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der gemachten Äußerungen. Selbstverständlich beinhaltet der Ärger über das minderwertige Essen den Vorwurf einer kulturellen Geringschätzung. Anders verhält es sich mit den namibischen Befürchtungen, dass Chinesen rechtlich oder politisch besser behandelt würden. Für diese Mutmaßungen liefert der Autor jedoch keine Belege. * GOVERNMENT loyal to Chinese, not workers = Made in China Government. The only free Namibians are the Chinese 'citizens' who are exempted from paying tax (income tax, VAT, import or company tax) and sell the no-guarantee, imported materials as well as faking the local goods. Our fallen heroes must be turning in their graves. - The Eagle's Eye* TO all my fellow Namibians let us unite and stand up against this Chinese invasion which is nothing less then modern colonialism. Let's get rid of these useless politicians who are selling us out just to fill their own pockets mega times. * WITH all respect Mr Muheua, actions speak louder than words. How much time do you need to act? The abuse of our people has been going on since Chinese shops and construction companies came to Namibia (Dokument 83: 3–7). Der Autor unterstellt, dass die Chinesen von Steuerzahlungen befreit wären, Importgüter fälschten, eine neokoloniale Invasion starten und die Namibier ausbeuten würden. Es ist ein Appell an das Nationalgefühl Namibias, zusammenzustehen und gegen die Kumpanei von Chinesen und der eigenen Regierung vorzugehen. Die Präsenz der Chinesen in Form von chinesischen Läden und Bauunternehmen ist nur ein Aufhänger, alles andere wird den Chinesen in einer allgemeinen Form unterstellt. Es stehen sich zwei Fronten gegenüber: die namibische Regierung und China einerseits und die Adressaten des Protests andererseits. Der Vorwurf einer neokolonialen Invasion ist rassistisch. Gängige Rassismustheorien sehen den Ursprung des Rassismus in kolonialistischen Verhältnissen. Die kolonisierte Bevölkerung wurde versklavt und ausgebeutet. Gleichzeitig weist Rommelspacher darauf hin, dass es für die Kolonialherren notwendig war, ihr rassistisches Ausbeutungsverhalten öffentlich zu rechtfertigen: Die Zeit der Kolonien war auch die der Deklaration der Menschenrechte. Es musste daher begründet werden, warum die neu entdeckten Menschenrechte nur für die eigene Bevölkerungsgruppe galten und nicht für die Kolonialvölker.365 Auch Albert Memmi stellt einen Zusammenhang mit 365 Rommelspacher 2009, S. 25. 119 dem Kolonialismus fest: Der Rassismus rechtfertigt die koloniale Ausbeutung der als minderwertig angesehenen kolonisierten Völker.366 The biggest economies in the world is the US, with China second and in the third place is Japan. Now those who have read the Art of War by Sun Tyu will agree with me that we are at war in Namibia. A lot of money is put in for propaganda purpose from these companies to discredit other companies and countries. Their mission is to keep the Namibians poor forever. The economy of this country is in the hands of these few business people and they decide what is good for our country. The amazing thing is that most of these people who are controlling our economy are from outside and from there they are calling the shots.They are controlling our banks, assurances companies, food stores, clothing stores, the media and anything and everything which is coming in or out of the country. They want to make sure that the majority of our people remain poor and poor forever (Dokument 67: 17– 22). Kulturell-historische Strategien wie die des chinesischen Philosophen Sun Tzu werden herangezogen, um ein düsteres Bild für die namibisch-chinesische Zukunft zu entwerfen. Es könnte sogar einen Krieg zwischen Namibiern und Chinesen geben. Es wäre das politische Ziel Chinas, Namibia für immer in Armut zu halten. Erreicht würde diese Absicht durch die totale Kontrolle der Banken sowie der großen und kleinen namibischen Unternehmen. Hier wird den Chinesen eine unheilvolle Gesamtstrategie unterstellt und ein Schreckensszenario für die namibische Bevölkerung entworfen. Es kann von einer klassenspezifischen rassistischen Zuschreibung ausgegangen werden, weil die chinesische Ethnie und ihre vermeintlichen Pläne gegenüber Namibia gemeint sind. Stuart Hall hatte sich mit dem Klassengegensatz aus rassistischer Perspektive beschäftigt. Es handelt sich um die gesamte chinesische Nation, die angeblich die Namibier wirtschaftlich ruinieren und durch Armut versklaven würde. Es findet sich ebenfalls eine Analogie zum Kolonialismus. Sowohl der Rückgriff auf koloniale Verhaltensweisen als auch der klassentheoretische Gegensatz zwischen Chinesen und Namibiern erfüllt den Tatbestand rassistischer Zuschreibungen. Muheua said Pohamba has urged Chinese business people to strictly follow business practices that are followed by other business people in the country and was not pleased that the Chinese people at China Town also use the premises as residences. Muheua said his Ministry has issued a stern warning to the owner of the shop, that no worker should be (Dokument 21: 12–13). 366 Memmi 1987, S. 173. 120 Der namibische Staatspräsident fordert die chinesischen Geschäftsleute auf, sich an die bestehenden namibischen Gesetze zu halten. Das Problem chinesischer Gesetzeseinhaltung scheint so groß zu sein, dass vom Staatspräsident eine Intervention für notwendig erachtet wird. Dadurch werden der Rahmen, den die chinesischen Aktivitäten einnehmen, und die Dimensionen des Protests gegen die Chinesen erheblich ausgedehnt. Die politische Aussage des Staatspräsidenten ist als offizielle Handlung zu verstehen und damit als politischer Protest aufzufassen. Aussagen in höchsten politischen Ämtern könnten sich häufig durch eine diplomatische Sprache auszeichnen, die nicht genuin durch rassistische Merkmale auffallen würden. It is said that the Chinese don't put any conditionality in their economic relationships with Africans. But why should China put conditionality when their own governance system is equally corrupt as those of many African countries? (Dokument 3: 15). Die Äußerung ist politisch motiviert, denn China wird die Berechenbarkeit wirtschaftlicher Beziehungen unter Hinweis auf die chinesische Korruption abgesprochen. Diesbezüglich ist eine gewisse Hilflosigkeit erkennbar: Warum sollten Chinesen die bestehende Situation ändern, wenn Korruption in Afrika und China auf der Regierungsebene ähnliche Strukturen aufweist? Aus dieser selektiven Wahrnehmung resultiert die Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die sich in einer Sandwichposition zwischen China und der eigenen Regierung wahrnimmt und sich übergangen fühlt. Diese verzerrte Wahrnehmung befördert die Unzufriedenheit, denn die Bevölkerung geht davon aus, dass die gewählte Regierung alles tun würde, die eigenen Wähler zu schützen und im Interesse des Landes voranzubringen. Wenn die Wähler aber merken würden, dass sie der eigenen Regierung nicht vertrauen können, sei die Grundlage für Proteste gegen die eigene Regierung und die anwesenden Chinesen im Land geschaffen. Continuation of a Neo-African colonialism. Taking over of a country is a very slow process. It can take a 100 or 200 years. Before you know it our future Namibia will be a territory of China or some other first world country. It happened before and it is slowly happening again. if the current African leaders do not wake up and see what is slowly happening. It will be too late for us to reverse the process or stop them from our mother continent. I hope they will not allow this to happen. - Metumo NULL (Dokument 94: 25). Es wird ein gezielter und langfristiger Plan Chinas unterstellt, Namibia in kleinen Schritten zu übernehmen und zu einem Teil Chinas zu machen. Der angebliche Plan Chinas wird sogar zeitlich in Hundert-Jahres-Schritten begründet, indem den Chinesen eine lange strategische Planung unterstellt wird, z.B. die Theorie der Supraplanung. Harro von Senger vertritt in seiner Studie 121 „Supraplanung“ die These eines Jahrhunderte umfassenden zielgerichteten Plans der chinesischen Regierung, unter anderem zu einer der erfolgreichsten Wirtschaftsmächte aufzusteigen. Dabei beschreibt der chinesische Plan eine Perspektive, die hinsichtlich Abstraktionsniveau und flexibler Anpassungsfähigkeit den westlichen Regierungen überlegen sei.367 Die Kritik bezieht sich auf kulturelle Unterschiede, ökonomische Belange bleiben dagegen unerwähnt. Die namibische Regierung wird zwar nicht direkt angegriffen, aber eine Verantwortung der afrikanischen Führer insgesamt hervorgehoben. Solche Behauptungen, die sich empirisch nicht belegen lassen, sind als Verschwörungstheorien einzuschätzen. Chinesen werden generell als Feinde angesehen, bis hin zu der absurden Behauptung, die Anwesenheit der Chinesen sei in eine langfristige Strategie der Überlegenheit eingebettet. In der Literatur wird Rassismus übereinstimmend mit kolonialer Ausbeutung begründet. In der Wahrnehmung der namibischen Bevölkerung erinnern die Verhaltensweisen der Chinesen an die koloniale Vergangenheit, mit der die Namibier leidvolle Erfahrungen von Ausbeutung und Unterdrückung verbinden. Der Rückgriff auf kolonialistische Vorwürfe gegenüber China ist eindeutig ein Bestandteil von Rassismus. COULD you imagine the Swapo Government allowing a European country to run this country like the Chinese do. When will we get Chinese MPs? * OLD master Hage (Geingob) sought the advice on how to protect our people, interesting? Should he not have looked into our laws in regard to this? * ACCORDING to Kaaronda 'we are not for sale'. I think he missed the plot. Namibia has sold out to China long ago. Look at the tender allocations, job stealing - yes stealing, just to mention a few, because our unemployed could also work on construction sites. So please Kaaronda chuck out the Chinese before you want to get rid of the Germans. Thank you. – Proud Namibian (Dokument 92: 14–19). Der Vorwurf richtet sich erneut gegen die eigene Regierung, namibische Interessen nicht angemessen zu berücksichtigen. Es besteht die Sorge, dass Namibia bereits vor langer Zeit an China verkauft worden sei. Den Chinesen wird ein Diebstahl von Arbeitsplätzen vorgeworfen. Es gibt keinen konkreten Vorfall, an den die Kritik anknüpft, aber die Frontenbildung ist eindeutig: die korrupte namibische Regierung, die von China profitiert, und die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen der chinesischen Arbeitgeber. Auf der anderen Seite stehen nationalbewusste Namibier, die einen chinesischen Ministerpräsiden- 367 Von Senger, 2008. 122 ten verhindern möchten und sich für die namibischen Interessen einsetzen. Solche Vermutungen entsprechen nicht der Realität und die ausgeprägte patriotische Haltung steigert sich zu rassistischen Ressentiments. *WELL done WikiLeaks. I was always suspicious why so many Chinese flock to Namibia and Chinese companies get all the construction contracts at the expense of Namibians. We are brainwashed by our leaders about them having helped us during the liberation struggle. I have never seen China in our history books! The Government must stop receiving Chinese loans now! China's strategy is to drown stupid African countries in debt and claim everything (settling their families and setting up cheap mahala business here etc) including our freedom soon! Don't forget the Chinese bursaries given only to Ministers' children. President (Hifikepunye) Pohamba must answer the nation about the lastest WikiLeaks facts revelation. Now I undersatd why the Chinese here seem untouchable. Last time they bullied the former Veterans Minister at 'China Town' and now they busy closing businesses in the North. New colonialism? Wake up Namibia! (Dokument 78: 9–10). Als Auslöser der Kritik wird WikiLeaks gesehen. Mit den Enthüllungen dieser Plattform ist eine Front gegen die eigene Regierung und gegen China entstanden. Eine chinesische Strategie wird unterstellt, nach der Namibia als ein „dummes Land“ (stupid African countries) in eine Schuldenabhängigkeit geführt und von China eingenommen würde. Die Chinesen werden in Verbindung mit dem Vorwurf des Neokolonialismus als unangreifbar bezeichnet. Die namibische Regierung wird als Erfüllungsgehilfe der Chinesen wahrgenommen. Der Artikel soll ein Weckruf sein – mit der Aufforderung an die nationalen Gefühle der Namibier, sich politisch gegen den wachsenden Einfluss zu wehren. Der konkrete Vorwurf gegen die Chinesen und die ausdrückliche Betonung neokolonialer Zusammenhänge erfüllt die Voraussetzung für Rassismus. OUR Government is selling our beautiful country out to the Chinese. Poor quality construction and goods and criminality is to be expected in the future. Not to mention the maltreatment of our labour force by ignoring our labour l ws. When will the government wake up? – Namibian Patriot (Dokument 78: 4–5). „Our beautiful country“ Namibia wird an China verkauft. Zukünftig erwartet der Autor ungünstige Arbeitsbedingungen, Kriminalität und die Missachtung von Arbeitsgesetzen. Es wird kein Einzelfall geschildert, sondern die namibische Regierung auf breiter Front angegriffen. Die Kritik ist ein Appell an das namibische Nationalbewusstsein, das sich gegen die chinesische Bedrohung und die nicht im Interesse Namibias handelnde Regierung richten soll. Der Ausverkauf eines Landes an eine andere Macht ist eine pauschale und wertende Unterstellung, die rassistische Merkmale enthält. 123 *SHAME on the Government for exchanging our citizenship for the defaulted Chinese loans and further rubbishing the reporting media. I for one has seen some Chinese nationals with Namibian ID cards while our people are struggling to get these documents (Dokument 74: 23). Die Staatsbürgerschaft Namibias soll einbürgerungswilligen Chinesen im Tausch gegen chinesische Anleihen verliehen werden. Diese Absicht widerspricht den Möglichkeiten der Namibier, die nur über Kämpfe an diese Dokumente gelangen. Die Einheimischen würden sich in einer untergeordneten Position gegenüber den chinesischen Einwanderern befinden, indem die namibische Regierung die Chinesen bevorzuge. Diese Behauptung ist rassistisch motiviert, indem die Bevorzugung bestimmter Volksgruppen politisch instrumentalisiert wird. Im vorliegenden Fall appelliert der Autor an die nationalen Gefühle der namibischen Bevölkerung. Die namibische Regierung würde ein Komplize der Chinesen sein und sei nicht mehr am eigenen Volk interessiert. Die Einschätzungen des Autors sind jedoch völlig aus der Luft gegriffen. Es handelt sich um Verschwörungstheorien, die von einer Realitätsferne des Autors zeugen. Die Behauptung einer Über- und Unterordnung zweier Volksgruppen ist rassistisch. *IS it 'Timeless' we are watching? No sound or Al Jazeera news. What's going on, NBC people? What's wrong with the media? n FIRST the Chinese took over our jobs, businesses and economy. On Friday night the they took over the whole 20h00 news bulletin on NBC TV and replaced it with their own CCTV news. – Tate Mahangu (Dokument 73: 33–35). Diese Kritik richtet sich gegen die Medien. Die Übernahme der namibischen Wirtschaft und Arbeitsplätze durch die Chinesen würden ignoriert und die Nachrichten von NBC sogar durch eigene chinesische Nachrichten ersetzt. Hier wird die Gefahr einer gesamten Übernahme der einheimischen Wirtschaft durch China befürchtet. Sofern sich die Kritik gegen die namibische Regierung richtet, ist kein Rassismus erkennbar. Die Kritik an einer chinesischen Konspiration mit der namibischen Regierung oder auch an den unzureichenden Arbeitsbedingungen der chinesischen Arbeitgeber könnte hingegen einen gemeinsamen rassistischen Bestandteil haben, wenn er sich gegen die Chinesen als Ethnie richten würde. Allerdings bezeichnen politische Verschwörungen nur die Regierung der Chinesen und nicht die Chinesen als Ethnie. Ebenso verhält es sich mit den unzureichenden Arbeitsbedingungen. Hier geht es nur um die konkret in Namibia ansässigen chinesischen Unternehmen. Grundsätzlich können auch die Verunglimpfungen durch Teile einer Bevölkerung oder Repräsentanten der Regierung ein Hinweis auf Rassismus sein, wenn sie entsprechend herab- 124 würdigend sind. Mit einer Verschwörungstheorie wird die chinesische Regierung in einer rassistischen Weise diffamiert. NAMRIGHTS executive director Phil ya Nangoloh maintains that it is misleading to believe that the Chinese communist government supported Swapo militarily during the liberation struggle. He said yesterday the pronouncements of such support are now being used by high-ranking Namibian officials, which he said 'explains why Chinese nationals are allowed to do whatever they wished in this country, even if this was to be done at the expense and/or to the detriment of Namibians, the owners of this country, themselves'. (Dokument 44: 4–5). Es wird darauf hingewiesen, dass die Chinesen in Namibia ohne Einschränkung frei agieren könnten, auch wenn es zum Nachteil der Namibier als die rechtmäßigen Eigentümer von Grund und Boden sei. Dieser schwerwiegende Vorwurf wird von einem NGO-Aktivisten erhoben. Er verquickt die Verbundenheit der Regierungspartei mit der chinesischen Regierung während des Unabhängigkeitskampfs und identifiziert die Verantwortlichen, nämlich die eigene Regierung, für die gewährte „Narrenfreiheit“ der Chinesen. Die Kritik wird deutlich von Gruppen außerhalb der namibischen Regierung kolportiert, sodass der Vorwurf in erster Linie politisch zu sehen ist. Es gibt keine spezifischen Hinweise auf die wirtschaftlichen Verhaltensweisen der Chinesen. Es liegt ein politischer Protest vor, weil die Äußerung von einem politischen Aktivisten stammt. „Narrenfreiheit“ beinhaltet eine Kritik und bezieht sich auf den Vorwurf, die Eigentumsrechte der Namibier zu missachten. Rassismus sollte auf eine erhebliche Diffamierung hinweisen, die in diesem Fall jedoch nicht vorliegt. The business was lucrative. It was also illegal. “Most of the Chinese people went very far from here, because when they get them they're going to be under arrest,” said Quainn, who quit his job installing satellite dishes for the more reliable pay of small-scale gold mining. Ghana's government last month sent a task force of soldiers, police and immigration officers into the country's gold country to root out foreigners who have flooded mining districts in recent years. In a series of raids this month, the task force arrested and repatriated 218 Chinese nationals, along with 57 others from west African countries, as well as a handful from Russia. Over 200 other Chinese citizens voluntarily returned home under an agreement organised with the Chinese embassy (Dokument 20: 5–9). Die illegale Förderung von Gold durch Angehörige verschiedeneer Nationalitäten, darunter auch Russen und Chinesen, wird von der Zeitung verwendet, um eine Suggestion vorzunehmen: Es seien vor allem Chinesen, die der illegalen Förderung überführt würden. Dazu werden Zahlen genannt, die darauf hinweisen sollen, dass Chinesen beim illegalen Goldabbau überrepräsentiert 125 seien. Aber auch die Zusammenarbeit mit der chinesischen Botschaft bei der Ausweisung der im Goldabbau tätigen Chinesen suggeriert ein erhebliches politisches Problem. Es dominiert der Eindruck, dass ausschließlich Chinesen illegal Gold fördern würden, aber nicht, dass auch Menschen mit anderer Herkunft wie z.B. Westafrikaner und Russen beteiligt sind. Hier wird eine Ethnie zum Sündenbock gemacht, um sie zu diskreditieren. Dort, wo Chinesen überrepräsentiert sind, wie etwa in der Goldförderung, werden ethnische Zuschreibungen vorgenommen. Die Chinesen würden sich in der Tradition der alten Kolonialmächte verhalten, indem sie Namibia wirtschaftlich ausbeuten und politisch beeinflussen würden. Diese abwertende Beschreibung ist rassistisch. 5.2.2 Sozioökonomischer Protest Die folgenden Artikel behandeln die Angst der Namibier vor der ökonomischen Macht der Chinesen im Land und den daraus folgenden gesellschaftlichen Konsequenzen. Im Zentrum stehen immer wieder die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in den chinesischen Unternehmen oder die als existenzbedrohlich empfundene Konkurrenz von chinesischen Kleinunternehmern. *THANK you Julian Assange for leaking information on Chinese-Namibian master/slave relations. First it was the Teko scandal, second was the Chinese scholarships, third the Ongulumbashe train disaster, now it is the cancelling of a loan in exchange for Chinese settlement. Yet there is no flurry of the usual words like imperialism and neo-colonialism being uttered by the ruling party's firebrand youth (Dokument 76: 12–14). Im Mittelpunkt dieses Beitrags stehen drei Skandale, die von WikiLeaks aufgedeckt wurden und die für den Autor ein Beleg für die Herr-Sklave- Beziehung (master/slave relations) sind, indem den Chinesen Imperialismus und Neokolonialismus vorgeworfen wird. Der Autor behauptet, die Namibier würden Unterlegenheitsgefühle und Hass gegenüber den chinesischen Einwanderern verspüren. Der Rückgriff auf den Neokolonialismus und die Einordnung der chinesisch-namibischen Beziehungen von „Herren und Sklaven“ zeigt Merkmale für einen Rassismus der Unterdrückten. Die Konstruktion dieser Gegensätze ist rassistisch, denn die Chinesen aufgrund dieser Vorfälle als Herren zu bezeichnen ist ebenso ungemessen wie die Selbstentwertung als Sklave. Last November, four Chinese in rural South Africa were burnt alive in an arson attack on their home. In Zambia last month, miners in a dispute over pay crushed a Chinese supervisor to death with a coal truck. In Ghana, armed Chinese informal miners have clashed with gangs of local youths, triggering a government crackdown. In Angola a few weeks ago, 37 Chinese men were deported on suspicion of running a criminal gang that burnt its victims 126 with gasoline before burying them alive, according to China's Xinhua state news agency. And from Senegal in the west to Kenya in the east, traders are up in arms about what they see as unfair competition from private Chinese merchants surfing into Africa on the back of a wave of big investments (Dokument 40: 10–11). Es wird eine Beziehung zwischen vier Ereignissen hergestellt: einem Mord an vier Chinesen in Südafrika, einem zu Tode gekommenen chinesischen Vorarbeiter in Sambia und einem gewalttätigen Zusammenstoß zwischen bewaffneten Chinesen und ghanaischen Jugendbanden. Außerdem wird auf die 37 aus Angola ausgewiesenen chinesischen Kriminellen hingewiesen. Diese Ereignisse stehen jedoch in keinem kausalen Zusammenhang. Zum einen fanden sie in mehreren afrikanischen Staaten statt. Zum anderen waren die Ursachen für die Gewalttaten sehr unterschiedlich. Einmal ging es um einen Mord an vier Chinesen in Südafrika. Es wird nicht deutlich, ob der Mord auf ein rassistisches Motiv, einen Raubüberfall oder eine Beziehungstat zurückzuführen ist. Der in Sambia getötete chinesische Vorarbeiter könnte in die sich in der Copperbelt-Region abspielenden Unruhen sambischer Bergarbeiter einzuordnen sein. Die Jugendbanden in Ghana wiederum könnten aus ganz anderen Gründen in einen Streit mit den Chinesen geraten sein. Aus den Taten kann jedenfalls nicht die Erkenntnis abgeleitet werden, es handele sich um gewalttätige Protesthandlungen von Afrikanern gegenüber Chinesen, die sie misshandelt hätten. Dafür sind die Umstände jedes Einzelfalls zu unklar und zu den Tätern liegen nur unzureichende Informationen vor. Schließlich formuliert der Artikel eine verallgemeinernde Aussage, dass einige afrikanische Staaten Probleme mit unfairen Wettbewerbsbedingungen durch chinesische Unternehmer haben. Aus den genannten Gründen ist es nicht angemessen, aus den Vorfällen verallgemeindernde Vorwürfe gegen Chinesen abzuleiten. A Chinese businessmen Rong Qiung Xu aired his disappointed about the Namibian police clampdown saying: 'If someone does something wrong why treat all of us the way? It's really bad (Dokument 24: 6). Im Text wird überzeugend das gesamte Muster der antichinesischen Ressentiments dargestellt. Der chinesische Geschäftsmann beklagt, dass die Polizei von einem Chinesen, der vielleicht gelegentlich negativ aufgefallen sei, auf alle Chinesen schließen würde. Es geht also gar nicht mehr um Einzelfälle. Von einem Chinesen, der sich falsch verhält, wird auf alle in Namibia lebenden Chinesen geschlossen. Der enttäuschte Chinese, der die namibische Polizei kritisiert, zeigt die Entstehung rassistischer Ressentiments auf. Die zugeschriebene kollektive Verantwortung einer Ethnie aufgrund von Einzelfällen ist ein Muster, das das Aufkommen von Rassismus in einer Gesellschaft begünstigt. Durch die Haftbarmachung der chinesischen Ethnie für die Vergehen Einzelner zeigt sich Rassismus. 127 City to investigate China Town businesses THE Ministry of Labour and Social Welfare has instructed the City of Windhoek to investigate outlets at China Town which are not fit for human habitation and business purposes. Deputy Minister of Labour Alphaus Muheua announced the move at a media briefing yesterday. He said the instruction was made after reports about a Chinese shop owner making a Namibian employee carry faeces on Saturday. After the incident, an impromptu investigation was ordered by President Hifikepunye Pohamba, which could not determine whether the faeces were of a human being or that of a dog as the box containing the faeces had already been disposed of by the Municipality (Dokument 21: 1–6). Der Vorwurf der Misshandlung einer namibischen Angestellten durch ihren chinesischen Arbeitgeber führt zu einer offiziellen Untersuchung, die vom namibischen Staatspräsidenten höchstpersönlich angeordnet wird. Die Bedeutung, die dem Vorfall auf namibischer Seite beigemessen wird, entspricht der Angst der politischen Elite Namibias vor einer Ausweitung und Radikalisierung antichinesischer Proteste. Die präsidentielle Order für eine Untersuchung soll möglichen Konflikten entgegenwirken. Hier wird die Verbindung der namibischen Elite mit den chinesischen Vertretern im Land deutlich. Die Vergabe chinesischer Stipendien an Familienangehörige namibischer Politiker ist ein Beleg für die Elitenfreundschaft. Die jahrzehntelangen engen Beziehungen zwischen der namibischen Regierungspartei und der chinesischen Regierung lassen ebenfalls den Schluss zu, dass es auch persönliche Kontakte zwischen den Politikern beider Staaten geben muss, die ein freundschaftliches Klima haben entstehen lassen. Vor diesem Hintergrund ist es einfacher für beide Seiten, Vereinbarungen über finanzielle Zuwendungen Chinas zu verabreden. Die anhaltende finanzielle Unterstützung für Namibia erklärt sich auch aus dem günstigen bilateralen Klima. Offensichtlich konnten chinesische Einwanderer ungehindert ihren Geschäften nachgehen. Erst spät scheint die namibische Regierung um eine Einhaltung der Gesetze und Normen bemüht gewesen zu sein. Hier sind zwei Fälle zu unterscheiden. In dem Vorfall zwischen dem chinesischen Vorgesetzten und der namibischen Angestellten ist aufgrund der unwürdigen Behandlung der namibischen Frau individueller Rassismus gegeben. Die Namibierin wurde aufgefordert, Fäkalien unbekannter Herkunft zu entsorgen. Die Kritik an der Verbindung zwischen den namibischen und chinesischen Eliten erweist sich als Protest. Schließlich ist die beschriebene Äußerung des Staatspräsidenten eine offizielle politische Handlung ohne rassistische Merkmale. 'Allegations of 5 000 Chinese families resettled in Namibia in exchange for the settlement of a so-called loan are very serious and tantamount to corruption of the highest order,' RDP statement said (Dokument 75: 13). 128 Zweifelsohne steht hier der Vorwurf von Korruption im Raum, weil behauptet wird, 5.000 chinesische Familien würden im Tausch gegen eine Anleihe in Namibia angesiedelt werden. Die Aussage richtet sich direkt gegen die namibische Regierung. Eine Front wird gegen Chinesen und die angeblich von China abhängige namibische Regierung errichtet. Es wird erneut an die nationalen Gefühle der Namibier appelliert. Der angebliche Zuzug von 5.000 chinesischen Familien wird als Folge von Korruption gedeutet. Die Abwertung der chinesischen Familien ist ein Beleg für Rassismus. *I APPEAL to my beloved Government to sort out this Chinese story as soon as can be. Whether true or not, the Government should reduce the number of Chinese nationals owning businesses in a market clearly becoming dominated by them for the good of our country and future generation. - Therapy (Dokument 74: 16). Diese Aussage zielt auf die Überfremdungsängste der namibischen Bevölkerung vor einer unabsehbar hohen Zahl von Chinesen, die ins Land einwandern und dadurch die unternehmerische Existenz der einheimischen Händler bedrohen und sie in Zukunft dominieren würden. Die Äußerungen schüren die Befürchtung, dass „das Boot voll“ sei, und greifen typische rassistische Merkmale auf. Ein möglicher Bevölkerungsaustausch zuungunsten der einheimischen Bevölkerung ist ein auf der ganzen Welt verbreitetes rassistisches Argumentationsmuster. Die Chinesen gelten als unerwünschte Eindringlinge, die die Namibier verdrängen und in ihrer Existenz gefährden würden. Hier zeigen sich eindeutig rassistische Tendenzen. Mwilinga's family was subjected to the worst of the white regime - his father was lashed to the bottom of an SADF helicopter and flown over the Kavango floodplain - and while he does not for a second believe that things in Namibia have grown worse since independence, or that Beijing's presence in the country doesn't have its many advantages, he is adamant that Chinese companies exploit local workers. 'The problem we have with the Chinese is that they do not respect our laws,' Mwilinga says, looking out of his window at Katutura location, which still doesn't have electricity. 'Most workers on Chinese construction sites are not registered in terms of the labour act. If they are injured, they are not protected.' (Dokument 66: 25–26). Aufschlussreich ist, dass ein gemäßigter Politiker die Kritik lanciert: Er lehnt nicht pauschal alle Chinesen im Land ab oder beurteilt die chinesische Wirtschaft als ausbeuterisch. Er geht ebenfalls nicht davon aus, dass sich die Situation nach der Unabhängigkeit Namibias nicht erwartungsgemäß entwickelt hätte. Trotz dieser Meinung ist er überzeugt, die chinesischen Arbeitgeber würden die namibischen Gesetze nicht einhalten und namibische Arbeiter misshandeln. Gerade weil Mwilinga die chinesische Präsenz nicht pauschal ablehnt, ist seine Kritik für die namibische Öffentlichkeit umso wirkungsvol- 129 ler. Er äußert sich kritisch, aber wesentlich zurückhaltender, als man es von einem wütenden Politiker erwarten könnte. But the strangest development is the active encouragement of mass immigration of Chinese to Namibia. Chinese have now replaced Namibian constructors and builders, even to build some of the most basic of structures. They get preference over the locals when it comes to government tenders and contracts. Africans are naive to think that China is just here to do business and transfer the dollars back to their homeland. They are also here to get rid of their excess population by settling as many Chinese in Africa as possible (Dokument 3: 13–14). Es wird keine wirtschaftliche Notwendigkeit für die Einwanderung gesehen, sondern eine politische Strategie unterstellt: die Lösung der chinesischen Übervölkerung durch eine massive Ansiedelung in Namibia. Die Zuwanderung löst Ängste in der einheimischen Bevölkerung aus. Dabei tritt die ansonsten wohlwollende Empfangsbereitschaft der Namibier in den Hintergrund. Die Namibier befürchten, dass die chinesischen Einwanderer die einheimische Bevölkerung verdrängen, indem sie bei wirtschaftlichen Aufträgen bevorzugt würden. Diese Ängste begünstigen erhebliche Ressentiments in der Bevölkerung. Die Idee einer Verdrängung einer Bevölkerung durch eine andere ist typisch rassistisch. Hinzu kommen unbewiesene Verschwörungsideen: Die chinesische Regierung wolle durch ihre Ansiedelungspolitik demographische Probleme lösen. Diese Kombination aus Unterstellungen und Ängsten beunruhigt die namibische Bevölkerung. Relations between the local business sector and the Chinese in the North are so strained that the Namibian entrepreneurs have called for a boycott of Chinese businesses in the region (Dokument 93: 14). Namibier boykottieren chinesische Geschäfte aufgrund der angespannten Beziehungen zwischen beiden Gruppen. Der Aufruf zu einem Boykott geht über die bloße Ursachenerkennung hinaus und ist eine Form von politischem Aktionismus. Es sind nicht nur die von chinesischer Konkurrenz betroffenen namibischen Händler oder Arbeiter in chinesischen Unternehmen beteiligt, sondern auch politische Organisationen. Die betroffenen chinesischen Geschäfte werden in einem geographisch abgetrennten Teil des Landes verortet. Boykottaufrufe gegen Geschäfte einer ethnischen Minderheit sind zweifelsohne ein Ausdruck für Rassismus. *THE WikiLeaks report makes sense. It is a shame our leaders sold our nation to China. If China is being paid for 'liberating' us, who negotiated that price? 130 *I HAVE to support the person who suggested on the SMS page that The Namibian should have a separate page on WikiLeaks as there is so much information to learn as with our own country being sold out to China. - JD Hhatutale *THE biggest sell-outs of the African people, the continent and its abundance of natural resources to foreign interests (read Chinese) are the current crop of corrupt African political 'leaders' and their newly found praise-singers (read: hypocrites and parasites) (Dokument 74: 8–11). Bei diesen Zitaten handelt es sich um einzelne Aussagen von enttäuschten und hasserfüllten Namibiern. Den Ursprung für Ängste und überbordende Hassgefühle bildet ein WikiLeaks-Bericht, der die veröffentlichten Informationen der namibischen Regierung über die chinesisch-namibische Zusammenarbeit widerlegt. Der Hass richtet sich nicht nur gegen die Chinesen an sich, sondern auch gegen die namibische Regierung. Die Äußerungen zeugen von der wachsenden Kluft zwischen der Regierung und der unzufriedenen Bevölkerung. Der eigenen Regierung wird Korruption und der Ausverkauf der nationalen Ressourcen an China vorgeworfen. Es ist kein Hinweis auf eine rassistische Verunglimpfung der Chinesen, dass Chinesen wirtschaftlich von den Fehlern der namibischen Regierung profitieren. Namibia's construction industry, along with its allies in the unions, is preparing for an unprecedented showdown with Chinese firms that, they claim, are operating outside the law. If it happens, the Oshakati battle will take the conflict to a new level. Few of the players will be left unbloodied, and it will pose a question that's sure to reverberate across the region: how can Namibia reconcile the new age of the Chinese with the lofty tenets of independence (Dokument 66: 8–9). Eine Rivalität zwischen der namibischen Bauindustrie und der außerhalb der Gesetze operierenden chinesischen Konkurrenz wird vermutet, indem ein „new age of Chinese“ als problematisch für Namibia angesehen wird. Die Präsenz der Chinesen in der Bauindustrie wird als eine erhebliche Bedrohung für die eigene Unabhängigkeit interpretiert. Es wird eine regelrechte Eskalation beschworen. Es stellt sich die Frage, inwieweit die Befürchtungen der namibischen Bauindustrie berechtigt sind. 70 % der staatlichen Bauaufträge in Namibia kommen chinesischen Unternehmen zugute.368 Diese Übermacht löst Ängste aus. Den Chinesen wird unterstellt, sich gesetzeswidrig zu verhalten und dadurch den Namibiern zu schaden. Die Befürchtung geht soweit, dass sogar die politische Unabhängigkeit Namibias auf dem Spiel stehen würde. Der Autor liefert jedoch keine Belege dafür, dass die Chinesen sich in ihrem Konkurrenzverhalten nicht an 368 Dornseif 2012, S. 3. 131 die Gesetze halten würden. Diese Unterstellung ist daher nicht berechtigt und insofern als rassistisch einzuschätzen. *I COULDN'T believe my eyes when I read the story of Government selling our country for a loan they can't repay. Ridiculous. How much and for what was the loan? We need answers or all Chinese must leave immediately (Dokument 76: 11). Der namibischen Regierung wird vorgeworfen, die namibische Staatsbürgerschaft an Chinesen im Tausch mit einer chinesischen Anleihe an China zu vergeben, die Namibia niemals zurückzahlen könne. Dieser Vorwurf wird mit der Forderung verbunden, alle Chinesen sollten im Zweifel das Land verlassen. In diesem Zusammenhang wird der namibischen Regierung der Bankrott erklärt: Wenn sie schon die Anleihe nicht zurückzahlen könne, dann impliziert diese Feststellung, dass die namibische Regierung immer von China abhängig sein würde. Dieses Eingeständnis käme faktisch der Aufgabe der nationalen Unabhängigkeit gleich. Der Autor appelliert an nationale Gefühle, an Nationalstolz und Selbstbewusstsein. Es ist fraglich, inwieweit die Behauptung zutrifft, dass Namibia die chinesischen Anleihen nicht zurückzahlen könnte. Einerseits erhielt Namibia etwa 2 Mrd. N-$ „soft loans“, sogenannte weiche Anleihen, von China. Die weichen Anleihen haben günstigere Konditionen, beispielsweise einen längeren Rückzahlungszeitraum.369 Andererseits nahm Namibia 2007 etwa 1 Mrd. N-$ „Concessional loans“ von China in Anspruch, die zwar nur drei Jahre liefen, aber nach Aussage des damaligen namibischen Finanzministers Calle Schlettwein war unklar, wann China von Namibia erwarten würde, das Geld zurückzuzahlen.370 Diese Aussage deutet darauf hin, dass von der chinesischen Regierung keine kurzfristige Aufforderung zur Rückzahlung des Geldes vorliegt oder zu erwarten ist. Möglicherweise fordert China das Geld für Jahrzehnte nicht zurück. Da aber die chinesische Regierung nicht dezidiert verlauten lässt, dass es überhaupt keine Rückzahlungsverpflichtung gibt, kann von einer unbestimmten Verschiebung der Rückzahlung ausgegangen werden. Von einer Schenkung im Sinne einer fehlenden Rückzahlungspflicht kann jedoch keine Rede sein. Der Bezug auf die Aufgabe der namibischen Unabhängigkeit durch ein zu großes Eingehen auf die Chinesen und der Appell an ein namibisches Nationalbewusstsein sind Äußerungen, die etwas weiter ausgeführt und unterfüttert zu Diffamierungen der Chinesen und zu Rassismus führen könnten. Der Text 369 o.V. 2009. 370 Ndjebela 2011. 132 geht jedoch nicht soweit. Es bleibt beim Vorwurf der bedingungslosen Anleihe durch die Chinesen. *ALL the negatives in the Fitch ratings are as a result of the Chinese in Namibia. *WHAT do you people expect? That our Government will admit that they selling out our beautiful country to the Chinese? Just wait much more interesting and shocking news about this matter will come along. What a shame we did not know this fact before the election (Dokument 74: 20–21). Betont wird in dieser Aussage, dass das heimatliche Namibia an die Chinesen verkauft werden könnte. Dabei richtet sich die Kritik auch gegen die eigene Regierung, die den Ausverkauf zulassen würde. Hier wird an das Gemeinschaftsgefühl appelliert. Alle Namibier sollen sich gemeinsam gegen die namibiafeindliche Regierung und gegen die Chinesen verbünden. Die hauptsächliche Kritik richtet sich im Artikel gegen die namibische Regierung. Die Chinesen sind zwar die Bedrohung im Hintergrund, werden aber nicht rassistisch herabgewürdigt. *CAN the owners of KFC, Mr Price and Fashion World team up and challenge the Chinese for violation of copyrights laws? We are tired of them copying us and invading our territories here in the northern part of Namibia (Dokument 73: 18). Die Chinesen werden beschuldigt, Urheberrechte zu verletzen, die namibischen Erzeugnisse zu kopieren und den nördlichen Landesteil Namibias in Form einer Invasion einzunehmen. Aufschlussreich ist, dass ein konkreter Landesteil angesprochen wird, nämlich der nördliche Teil Namibias. Die Kritik zielt darauf ab, die Bewohner im Norden Namibias gegen die Chinesen aufzuhetzen, indem auch allgemeine Vorwürfe ohne konkrete Einzelfälle wie Missachtung des geistigen Eigentums genannt werden. Der Norden ist von Armut und Unterentwicklung geprägt und Investitionen sind dringend erforderlich. Die Chinesen engagieren sich im Norden, weil sie überall in Namibia wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten sehen und keine Region von dieser Annahme ausschließen. Der Vorwurf einer Invasion der Chinesen hat in seiner Pauschalität und Unbestimmtheit das Potenzial, flankiert mit weiteren Diffamierungen in Rassismus zu münden. How many Chinese in Namibia observe and respect our country's labour laws? How many Chinese respect public holidays in this country? Actually as a matter of fact, Chinese retail shops are mostly open for business on Sundays and on public holidays throughout the day. This is a reality, which should not be cheaply politicised or misquoted if we are to start moving in the right direction (Dokument 10: 6). Die rhetorischen Fragen enthalten den Vorwurf, viele Chinesen würden die Arbeitsgesetze nicht einhalten und öffentliche Feiertage in Namibia nicht 133 respektieren. Als Beispiel werden die gesetzwidrigen Öffnungszeiten chinesischer Einzelhandelsgeschäfte an Sonn- und Feiertagen genannt. Die chinesischen Geschäfte sind tatsächlich am Sonntag geöffnet. Die Tatsache der offenen Geschäfte wird verallgemeinert und mit rhetorischen Fragen vermischt. Am Ende wird erneut eine Stimmung erzeugt, mit der Protest gegen Chinesen begünstigt und sogar offen gefordert wird: “This is a reality, which should not be cheaply politicised or misquoted if we are to start moving in the right direction“. 5.2.3 Historischer Protest Der historische Protest soll den Begriff „Sinophobie“ in die Kategorien gliedern. Eine Form der Sinophobie wie die Ausgrenzung der Chinesen vom Bürgerstatus und gesellschaftlichen Leben wie in Nordamerika oder Australien des 19. Jahrhunderts ist in den beiden untersuchten Ländern nicht zu beobachten. Die Wahrnehmung der Namibier, dass die chinesische Regierung in Namibia koloniale Absichten verfolge und in einer Reihe mit den ehemaligen Kolonialmächten Deutsches Reich und Südafrika stehe, begründet in den Artikeln die Ausweitung der Kategorie historischer Protest auf die Fälle vermeintlicher chinesischer Neokolonisierung. * MR (Hage) Geingob; your speech about the Chinese is pathetic. China a friendly power? Where did you dream this? They walk over everyone and then destroy. Wake up! * RE Mr Hage Geingob's statement that Chinese residents are welcome in Namibia. First it was colonial rule from Berlin. Then from Pretoria and within a few years it will be from Beijing. Good bye Namibian independence! (Dokument 87: 14–15). Chinesen würden alles zerstören und die namibische politische Unabhängigkeit durch Kolonialgesetze in der Tradition des deutschen und südafrikanischen Kolonialismus untergraben. Es stellt sich diesbezüglich die Frage, inwieweit Gemeinsamkeiten zur Kolonialherrschaft tatsächlich bestehen oder die Unterschiede nicht doch sehr viel größer sind, sodass ein Vergleich der beiden Einflüsse nicht angemessen ist. Die Vergleiche stimmen bereits insofern nicht, weil Namibia heute ein souveräner Staat ist und nicht unter einer Kolonialverwaltung regiert wird. Die Ressentiments finden in einer politischen Debatte statt, indem der Vorwurf des Kolonialismus gegen die Chinesen in eine politische Auseinandersetzung eingebunden und gegen die Regierung verwendet wird. Es ist die Summe der vielen Vorwürfe, die zu einem Rassismus der Unterdrückten führen. AFRICA is on the threshold of being re-colonised. This process will, however, differ from the violent one that followed the Berlin Conference when the continent was divided among European powers. There will be no guns and Bible to pacify and subdue the 'natives'. This time it will be decided in 134 boardrooms using the dollar/cheque book, contracts and wine (Dokument 3: 4–5). Eine sich von den Europäern zu unterscheidende Form von Re-Kolonisierung wird den Chinesen in Afrika unterstellt. Dabei würde sich die chinesische Art der Kolonisierung von der Methode des deutschen Kaiserreichs unterscheiden. Während im Anschluss an die Konferenz in Berlin 1884–85 der afrikanische Kontinent durch die europäischen Mächte mit Gewalt erobert wurde, stellt der Autor die These auf, die chinesische Regierung würde Afrika durch finanzielle Hilfen und Vertragsbindungen kolonisieren. Dies ist eine sehr gewagte These, die in dieser Form nicht belegen lässt. Der Vorwurf der Kolonisierung ist ein deutliches Muster von Rassismus, zumal die alte Form des Kolonialismus mit der vermeintlichen heutigen Methode gleichgesetzt wird: Damals wurden die „Eingeborenen“ durch Gewehre und Bibeln bezwungen, heute seien Geld und Verträge legitime Mittel. Atatata, Memme.... we are finished.... poor Namibia Chinese are taking over the world as prophesied in the Holy Bible.This is unstopable. – Collins Angel This how we allow the Chinese to take over our country. The Swapo party government is selling us out.......... what are we ding with one of the world strongest forces on our door steps? – united people`s movement upm It used to be German South West Africa, German East Africa and now the names will change to Chinese Namibia or even Chinese West Africa and Chinese East Africa. – Jonnybegood NULL (Dokument 94: 30–32). Mit Inbrunst wird die latente Gefahr beschworen, China würde die Welt übernehmen und die namibische Regierung eigene Grundstücke an China verkaufen. In den Aussagen drückt sich Verzweiflung aus. Es handelt sich offenbar um einen Namibier, der persönlich schlechte Erfahrungen mit den Chinesen gemacht hat und die Gefahr der kolonialen Vergangenheit während der Besatzung durch das Deutsche Reich beschwört. Diese Form der Kritik stärkt das „Wirgefühl“ und appelliert an ein namibisches Gemeinschaftbewusstsein. Hier liegt Rassismus der Dominierten nach Leiprecht vor. * NBC is showing us the Malawian youth running their small businesses in the streets. To Swapo Party government's shame; the street vendors in Namibia are being arrested. It instead promotes the unfair competition brought about by the State-sponsored Chinese. A new form of colonialism and invasion of Africa. What is the use of showing us what you discourage here? We are not fools (Dokument 87: 41–42). Ein Pressebericht der NBC befasst sich mit dem Straßenhandel von malawischen Jugendlichen und vergleicht diese Situation mit den verhafteten namibischen Straßenhändlern. Von den Verhaftungen würde die chinesische Konkurrenz profitieren. Nun wird dieser Vorfall verallgemeinert und mit abstrak- 135 ten Vorwürfen verbunden: Chinas Verhalten sei eine neue Form von Kolonialismus und Invasion. Die namibischen Kleinhändler sollen sich von der Kritik angesprochen fühlen, weil sie unter der chinesischen Konkurrenz zu leiden hätten und nun aufgehetzt werden sollen, um gegen eine chinesische Invasion zu kämpfen. Die politische Opposition könnte von der Kritik profitieren, weil die namibische Regierung ausdrücklich kritisiert wird. Durch die Behauptungen von einem chinesischen Kolonialismus wird ein typisches rassistisches Ressentiment bedient. Leiprecht sei hier als Beispiel genannt: Die Entwicklung des neuzeitlichen Rassismus ist in seiner Kontinuität mit dem europäischen Kolonialismus untrennbar verbunden. Der neuzeitliche Rassismus hat sich mit der kolonialen Expansion Europas und der Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise entwickelt.371 Unlike the Chinese who don't know Africans very well, the Europeans do not need to have as many of their people scattered all over Africa to extract resources. Instead, the whole system of neo-colonialism still works for them. New colonialism refers to new mechanisms for achieving the same economic objectives despite independence and majority rule. That's why you find many Africans being CEOs of many American and European multi-/transnational companies. “We face neither west nor east, we face straight”. That was Kwame Nkrumah. But we are increasingly being squeezed between 'west and east' (Dokument 3: 18). Es wird ein Vergleich zwischen den ehemaligen europäischen Kolonialmächten und der vermeintlich neuen Kolonialmacht China gezogen. Dieses Machtverhältnis resultiert aus den als gegeben hingenommenen wirtschaftlichen Austauschbeziehungen. Unabhängigkeit und Mehrheitsentscheidungen können die damit verbundenen politischen Probleme nicht beseitigen. Die Afrikaner sehen sich einem ungeheuren Druck ausgesetzt, der durch die wirtschaftlichen Interessen anderer Staaten entsteht. Auf diese Weise entwickelt sich Protest, indem die Afrikaner allgemein als Opfer wahrgenommen werden. China und Europa würden diesen Wettbewerb gewinnen. Dieser Protest wird jedoch instrumentalisiert: Die koloniale Erfahrung wird zur Beschreibung der gegenwärtigen Situation verwendet. Unberücksichtigt bleiben die historischen Bedingungen der Kolonialzeit. Eine verallgemeinernde Begründung wird konstruiert. Aus der Behauptung, die Chinesen seien neue Kolonialherren, ist Rassismus zu entnehmen. Its 20th-century history as a revolutionary socialist republic and its ideological antagonism with the West (which colonised Africa) allows China to masquerade as a friend of the African people (Dokument 13: 18). 371 Leiprecht 2005, S. 6. 136 Es geht vor allem um eine eindeutige Abgrenzung zum Westen: Der Westen war immer ein ideologischer Gegenspieler Chinas. Das sozialistische Modell Chinas bildete eine direkte Konkurrenz zum kapitalistischen Westen. Hinzu kommt, dass China nicht an den kolonialen Sünden der europäischen Mächte in Afrika beteiligt war. Diesen Unterschied betont die chinesische Regierung immer wieder öffentlich als Grund für die chinesisch-afrikanische Zusammenarbeit. China stand kurzzeitig selbst unter kolonialer Herrschaft, sowohl durch europäische Staaten als auch durch Japan. Diejenigen, die Opfer von kolonialistischen Mächten waren, werfen einem selbst ehemals kolonisierten Volk ebenfalls Kolonialismus vor. Hier zeigt sich wieder der Rassismus der Dominierten nach Leiprecht. Das Land kann auf vergleichbare Erfahrungen wie die afrikanischen Staaten verweisen. Diese Rolle erlaubt es China, eine Maske der angeblichen chinesisch-afrikanischen Freundschaft aufzusetzen und eigene Machtansprüche durchzusetzen. Diese Behauptung schürt antichinesische Ressentiments, indem die angeblichen Strategien Chinas politisch dargestellt und historisch begründet werden. China is not seizing territory on the continent and calling it a gathering of colonies, the way European powers did. Instead, she is negotiating with governments, various business entities and crooks and gaining access to Africa's vast natural resources. Wild-Life Threat China is shipping off these things in billions of tons at a rate much faster than the Europeans did during colonial rule (Dokument 13: 14–16). Informationen wie die Ausfuhr natürlicher Ressourcen aus Afrika nach China und die damit verbundenen geschäftlichen Vereinbarungen werden in Beziehung gesetzt zu der wirtschaftlichen Ausbeutung der europäischen Kolonialmächte. Anschließend werden die chinesischen Handlungen in Afrika abstrahiert und als neue koloniale Strategie bezeichnet, die sogar erfolgreicher als die kolonialen Verhaltensweisen der Europäer in der Vergangenheit sei. Auf diese Weise wird sinophobe Stimmung in der namibischen Bevölkerung gegen die Chinesen geschürt. Das Abstellen auf ein chinesisches Kolonialverhalten ist eine Form des Rassismus der Dominierten nach Leiprecht. China colonised other nations in the same way some European nations did and actually, China has still not given these people their liberty. Take the most prominent case for an example, Tibet, which was 'conquered' by China during the 1950s, its people slaughtered in a beastly way. What does China do today to people within its borders who demand freedom and liberty? And please look at what you and your peers do in Namibia! The mirror will tell you that your own people are still in the bonds of economic slavery, bonds you and your party attached to them with the help of China and North Korea and you still bind them even stronger (Dokument 46: 5–6). 137 Ein konkreter Fall, die militärische Eroberung Tibets durch China, wird auf eine abstrakte Ebene gehoben und mit allgemeinen Vorwürfen gegen China vermischt: „slaughtered in a beastly way“. Der Vorwurf des „Abschlachtens“ trifft auf die Situation in Namibia zu. In Tibet hingegen kam es tatsächlich zu Tötungsdelikten an tibetischen Zivilisten und Hunderten von verhafteten Tibetern durch chinesische Sicherheitskräfte.372 Die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Tibet-Politik werden auf die Situation in Namibia projiziert, indem die chinesische Vorgehensweise als gefährlich dargestellt wird. Im Ergebnis sei die chinesische Anwesenheit in Afrika genauso auf Kolonisierung ausgerichtet, wie es die europäischen Mächte während der Kolonialzeit praktiziert haben. Der Verfasser dieses Beitrags schürt Ängste gegen China und sieht die Freiheit und Unabhängigkeit Namibias in Gefahr. Mit dem Bezug zur chinesischen Tibet-Politik wird ein beängstigendes Szenario prophezeit, nämlich staatliche Gewalt, die einen Massenmord heraufbeschwören könnte. Der Rassismus der Dominierten nach Leiprecht trifft das beschriebene Szenario. I HAVE travelled the whole of the southern, eastern and northern regions of Africa and what I have observed leads me to seriously think that China is the new colonialist country and its people not only are not only swarming into Africa in droves but are also usurping the minor jobs that could be undertaken by the unskilled or semi skilled people (Dokument 90: 3). Eine Reisebeschreibung durch Teile Namibias führt zu Kritik. Aus eigenen Beobachtungen folgt die allgemeine Einschätzung, China sei eine neue Kolonialmacht und würde den Namibiern die Arbeitsplätze im Bergbau wegnehmen. Die Kritik geht in diesem Zitat nicht von politischen Oppositionellen oder unter den Chinesen leidenden Arbeitern aus, sondern von einem offenbar unbeteiligten Beobachter, der von eigenen Wahrnehmungen ausgeht und zu allgemeinen Urteilen gelangt. Auch hier erklärt der umgedrehte Kolonialismus den Rassismus der Dominierten. China's investment in Africa has increased so much in recent years that some Africans fear a new form of colonialism (Dokument 88: 4). Es geht um die Furcht der Afrikaner, einer neuen Form von Kolonialismus unterworfen zu sein. Der Kolonialismus wird als eine unerwünschte Begleiterscheinung der chinesischen Investitionen in Afrika wahrgenommen. Betroffen von der Furcht vor den Chinesen sind Afrikaner, die Unterlegenheitsgefühle oder reale Existenzängste angesichts der chinesischen Konkurrenz haben. Jeder 372 o.V. 2008. 138 Rückgriff auf den vermeintlichen chinesischen Kolonialismus in Afrika bedient das Merkmal des Rassismus der Dominierten. 'But, as things are now, we are not able, because they don't just come and take our minerals raw as they are. They also bring labour. You are literally not getting anything out of Chinese involvement. 'They bring labour, after they bringing labour, they take the minerals. At least with the colonisers [of the past] they utilised our people, although the working conditions were not better,' he joked. 'But these ones, they don't give you even labour. They just open a Chinese town on their arrival and then they provide everything,' he said (Dokument 64: 9–11). Die gegenwärtigen Arbeitsbedingungen der Chinesen werden mit denen der europäischen Kolonialmächte früherer Zeiten verglichen. Am Ende würde eine Kolonisierung wie zu Zeiten der europäischen Kolonialmächte stehen. Die Tatsache, dass Chinesen Arbeitsplätze in Namibia schaffen, wird uminterpretiert und in einen Zusammenhang mit der Ausbeutung namibischer Bodenschätze gestellt. Die Chinesen werden pauschal abgelehnt und diffamiert. Durch die Betonung der Neokolonisierung ist die Aussage als rassistisch einzustufen. 5.2.4 Rassistischer Protest Die folgenden Artikel beinhalten Äußerungen, die Chinesen in Namibia als Ethnie unerwünschte Eigenschaften zuschreiben. Diese Stereotypen über China haben ganz eindeutig eine rassistische Intention. Liu Long Fei, a restaurant worker at a hotel in Dunkwa-on-Offin who was arrested and spent over a week in custody, said soldiers carrying out a nighttime raid kicked in doors and arrested everyone who looked Chinese (Dokument 20: 11). Ein chinesischer Restaurantangestellter wird verhaftet. Er erzählt anschlie- ßend, dass jeder, der nur chinesisch aussehe, gezielt von Soldaten aufgesucht und verhaftet würde. Eine verkürzte Darstellung der Informationen gibt Anlass für Ressentiments und gelangt nun auf eine allgemeine Ebene mit einem rassistischen Vorwurf. Chinesen würden eine solche Gefahr sein, dass sogar das Militär aktiv würde. Entscheidend ist, dass der Chinese, wenn auch wohlwollend dargestellt, trotzdem als Krimineller erscheint. Hier liegt eine Form des Rassismus vor, die sich in allen rassistischen Theorien wiederfindet: die Herabwürdigung einer ethnischen Gruppe als „gefährlich“, die man „verhaften müsse“ nur aufgrund ihrer Ethnie. Chinese, who come along with businesses and often stay in search of a better life abroad, have certainly changed the realities in various parts of the continent. There are growing sentiments among the ordinary people, often bor- 139 dering on racism. They feel threatened in their livelihoods, from street hawkers to construction workers. Chinese compete in economic spheres and activities in which Europeans have not been directly engaged. But Chinese people in Africa are mostly not interacting socially. This creates a notion of 'otherness', which makes it difficult for both sides to get familiar with each other (Dokument 31: 7). Die Entstehung von Rassismus wird sehr deutlich aufgezeigt. Die chinesischen Einwanderer grenzen sich von den Einheimischen so ab, dass es kaum zu sozialen Kontakten kommt. Dadurch entstehen Fremdheitsgefühle bei den Afrikanern, die mit Bedrohungs- und Unterlegenheitsgefühlen einhergehen. Die chinesischen Migranten werden als Konkurrenten in Bereichen des Arbeitsmarkts wahrgenommen, in denen die europäischen Kolonialherren nicht engagiert waren. Dadurch entsteht eine neue gefühlte Bedrohung, denn Bauunternehmen und Straßenhandel lagen bislang in namibischer Verantwortung. Hier werden rassistische Ressentiments bedient, die eine Ethnie als gefährlich und unerwünscht wahrnehmen. In dem Artikel wird der Weg aufgezeigt, mit dem der Protest zu Rassismus führt. But there's a subtext in the way McNamara uses the term 'Chinese'. Lurking in the nuance of his telling is an amorphous, hegemonic group with a focused plan for grasping Namibia's economic reins from the (mostly white) elite (Dokument 66: 15, Artikel). In diesem Zitat wird deutlich, wie durch Verwendung von pauschalen Begriffen und Zuschreibungen Rassismus entsteht. „Chinesen“ gelten nicht als Individuen oder Rollenvertreter von Unternehmen oder staatlichen Institutionen, sondern als eine homogene Gruppe mit einem „geheimen Masterplan“ für die Ausbeutung der namibischen Ressourcen. Es kommen Verschwörungstheorien zum Ausdruck, indem „geheime Mächte“ vermutet werden, für die jedoch Belege fehlen. Die Artikel der beiden Zeitungen gehen auf eine Reihe von Missständen ein, die sich aus dem chinesischen Engagement in Namibia ergeben. So würden namibische Arbeitsschutzgesetze von chinesischen Arbeitgebern nicht eingehalten. China würde sich in Namibia wie die ehemaligen Kolonialmächte Deutsches Reich und Südafrika verhalten. Es werden Gerüchte kolportiert, deren Wahrheitsgehalt zweifelhaft erscheint: Die namibische Staatsbürgerschaft würde für chinesische Finanzhilfen an Chinesen vergeben und die einheimische Bevölkerung würde durch eine ungesteuerte Masseneinwanderung von Chinesen zahlenmäßig verdrängt werden. Andere Befunde entsprechen dagegen der Realität: Angehörige namibischer Politiker profitieren von chinesischen Stipendien. Die namibische Bauindustrie ist in ihrer Existenz bedroht, weil 70 % der staatlichen Ausschreibungen an chinesische Unter- 140 nehmen gehen. Es stellte sich heraus, dass der nördliche Landesteil Namibias ein Zentrum der antichinesischen Ressentiments ist. Die Hinweise auf das koloniale Verhalten Chinas ist ebenfalls ein typisches Ressentiment. 141 6 Sambia: Auswertung von Datenkorb 1 Presseberichterstattung 6.1 Lusaka Times Die Lusaka Times veröffentlicht sowohl Nachrichten und Berichte als auch Leserbriefe in Form von Blogeinträgen über den Protest gegen Chinesen in Sambia. Es wird immer gekennzeichnet, ob es sich um einen Blogeintrag, um Nachrichten, Berichte oder einen Artikel handelt. Von insgesamt 22.933 Artikeln und nicht weiter gezählten Blogeinträgen zu jedem einzelnen Artikel im Untersuchungszeitraum sind 135 Artikel und Blogeinträge mit chinafeindlichem Inhalt selektiert worden. Auf den politischen Protest entfallen 62, auf den sozioökonomischen 47, auf den historischen 4 und auf den rassistischen Protest 22 Artikel. 6.1.1 Politischer Protest 6.1.1.1 Enttäuschung über Präsident Sata Kaum ein sambischer Politiker hat die Erwartungen seiner Wähler so enttäuscht wie der im Jahr 2011 verstorbene Präsident Michael Chilufya Sata. Während er sich als Oppositionskandidat von der langjährigen chinafreundlichen sambischen Regierung noch deutlich distanzierte, wandelte er sich als Präsident zu einem verlässlichen und ausgewiesenen Partner Chinas, der die chinesischen Investitionen in Sambia nicht gefährden wollte. In großen Teilen der sambischen Bevölkerung bleibt das Gefühl haften, „die da oben“ paktieren mit den Chinesen in jedem Fall, unabhängig davon, welcher politischen Partei sie angehören. Patriotic Front Leader Michael Sata has condemned the decision by Director of Public of Public Prosecutions (DPP) Chalwe Mchenga to enter a Nolle Prosequi in a case involving two Chinese nationals who shot at 13 miners at Column Coal mine in Sinazongwe district. Mr. Sata said that it was unfortunate that the current Constitution does not protect the interests of the Zambian people (Dokument 11: 5–6, Artikel). 142 Der Autor zitiert den damaligen Oppositionskandidaten Michael Sata, der die Erschießung von dreizehn Sambiern durch zwei Chinesen anprangert. Sata bedauert, dass die sambische Verfassung nicht die Interessen der sambischen Bürger schützen könne und die bestehenden Gesetze nicht die Todesschüsse auf Sambier verhindern würden. Dies ist eine politische Äußerung während der Oppositionstätigkeit des Politikers, die ausgesprochen wurde, weil die Gesetze von Sata noch nicht geändert werden konnten. Tatsächlich war es nur Sata, der als Oppositionsführer vor dem chinesischen Engagement in Sambia immer wieder gewarnt hatte. Die langjährige Regierungspartei in Sambia warb für ein Engagement. Die enge Freundschaft zwischen dem sambischen und dem chinesischen Staat war ein Mantra der früheren sambischen Regierung. Sata konnte die engen Verbindungen beider Staaten nur kritisieren, aber aus der Rolle eines Oppositionsführers heraus nicht verändern. In the next 50 years blacks Zambia will have no trace left for them, mind you are the fewest in population in Africa. So you should be careful how you open up , once the Chinese popularize Zambia, don’t think you will chase them like the way the Zimbabweans did with whites ….the Chinese will soon became a superpower and no country will protect u. You are giving up your birth right …..you will cry …and SATA and his Friends will have long gone in the grave. So don’t give them free ride to sell your Country. You would rather be in undeveloped and your own country than to have non (Dokument 33: 156–159, Blogeintrag). Hier wird eine extreme Behauptung aufgestellt: die zahlenmäßige Verdrängung der Afrikaner in Sambia durch die einwandernden Chinesen. Anschlie- ßend wird ein Szenario entworfen, in dem China als Supermacht mit Sambia machen könne, was es wolle, und niemand Sambia beschützen würde. Für diese Behauptungen werden jedoch keine Belege angeführt. Der Autor stellt die These auf, die einwandernden Chinesen würden allein durch ihre Zahl die ursprüngliche Bevölkerung in Sambia übertreffen. Die Angst vor einer chinesischen Überfremdung ist jedoch unbegründet. Tatsächlich leben nur einige Tausend Chinesen in Sambia, es gibt keine massenhafte Einwanderung. Ein politischer Weg, die Chinesen auszugrenzen, wie es die simbabwische Regierung im Falle der „Weißen“ im Land gemacht hat, wäre dann nicht mehr möglich: China sei eine Supermacht, die kein chinafeindliches Verhalten in Afrika dulden würde. Die sambischen Politiker und nicht nur Sata würden die sambische Souveränität fahrlässig aufgeben und am Ende, wenn sie bereits verstorben wären, müssten die sambischen Nachfahren für die Folgen dieser Politik aufkommen. #5 you are right. MCS cooked for and dined with the Chinese @ state house after assuming power, contrary to the falsehood many voters were made to 143 take, that the Chinese will be sorted out. Abandoned promises are a time bomb… (Dokument 30: 103–106, Blogeintrag). Dieses Zitat enthält eine politische Drohung. Sata, der seine Wähler enttäuscht hat, indem er nichts gegen die Chinesen im Land unternimmt und nun mit den Chinesen ein Staatsbankett abhält, könnte bald wieder abgewählt werden. Ein enttäuschter Wähler, der sich gegen die Chinesen stellt und sich politisch nun verraten fühlt, könnte sich radikalisieren. Hier wird eine politische Richtungsänderung deutlich. Zunächst hatte der Autor Sata gewählt, weil er sich durch Satas Präsidentschaft eine Verbesserung der durch das chinesische Engagement herbeigeführten Missstände in Sambia versprach. Nun ist Sata tatsächlich gewählt worden und setzt die Politik der Vorgängerregierung fort, obwohl sich seine Anhänger mit dieser Wahl für eine Änderung der Politik ausgesprochen hatten: Sata lädt den chinesischen Botschafter zum Essen ein und beschwört öffentlich die sambisch-chinesische Freundschaft. Der Wähler ist enttäuscht und nimmt eine Weiterführung der früheren Regierungspolitik wahr: Die Regierung, unabhängig davon, wer sie stellt, hält konsequent an der guten Freundschaft mit China fest, weil die Regierungspolitiker möglicherweise selbst von dieser Politik profitierten. Ok now these Chinese its just too much nangu ni investment. They dont pay well and have poor safety records. There must be some serious agreement previous government made with them. They are well come provided conditions of service are good enough for employees to complain less (Dokument 42: 45–48, Blogeintrag). Zunächst geht es um den Vorwurf, dass die Chinesen unzureichende Arbeitsbedingungen bieten würden. Anschließend wird eine verschwörungstheoretische Vermutung geäußert, die ehemalige sambische Regierung hätte ein Geheimabkommen mit den Chinesen abgeschlossen. Verschwörungstheorien geben häufig Hinweise auf Rassismus. Sata was given a gift he couldnt refuse by the Chinese, and Zambia has been turned into a Chinese province. Lukuku, hows Bauleni my friend? (Dokument 16: 250–253, Blogeintrag). Sata löste das Versprechen seiner Wahl nicht ein, indem er auf restriktive Maßnahmen gegen die Chinesen im Land verzichtete. Die Chinesen hätten Sambia in eine chinesische Provinz verwandelt. Es handelt sich um eine sehr pauschale Aussage, in der Angst vor Überfremdung und Unterwerfung zum Ausdruck kommt. Der Autor ist offenbar ein ehemaliger Wähler von Sata. Er hatte sich erhofft, dass Sata nach seinem Wahlsieg die chinesischen Aktivitäten in Sambia reduzieren oder besser kontrollieren würde. Nun ist diese Erwartung nicht eingetreten – im Gegenteil, Sata wurde zu einem Verfechter chinesischer Investitionen. Sata setzte als sambischer Präsident die Bündnispolitik 144 seiner Vorgänger fort: Diese Situation zeigt die Kluft, die zwischen Teilen der sambischen Bevölkerung und der jeweiligen sambischen Regierung besteht. Eine Unterscheidung zwischen Chinesen und sambischer Regierung wird für enttäuschte sambische Wähler immer schwieriger. who’s gonna protect us, our own leaders (politicians and union) have now turned against us. its a shame and wait of time for a Union leadewr (muz) to start making chinese look better,evidence is there, record is there to prove they have violated labour laws, CHIWA MULA GALU (Dokument 15: 145–148, Blogeintrag). Diesem Zitat liegt die Feststellung zugrunde, dass die entscheidenden sambischen Instanzen, die Gewerkschaften und die Politik, versagt hätten und die Chinesen nicht daran hindern würden, die Arbeitsgesetze weiterhin zu umgehen. Dieser Protest erweist sich als politische Bankrotterklärung gegenüber den sambischen Institutionen. Der Adressat des Protests ist die sambische Regierung, gegen die Chinesen wird nicht argumentiert. Brother bwana Mukubwa, i have been made to understand that chinese come with women in botswana, and the end result has been that the chinese women have been aggressive grabbing bantu from the batswana women. chinese are just aggressive and upto get anything that is there to satisfy their lusts. we better start learning to protect what we treasure. please do not expect teh chinese to respect zambian laws when we have failed to follow them our leaders are thieves and commit crimes without shame or fear, and tehrefore do not expect a chinese to follow the laws. anyway, do you want them to use dogs??? (Dokument 19: 224–226, Blogeintrag). Das Zitat kritisiert sowohl die chinesische als auch die sambische Regierung. Es wirkt wie der Abschluss einer langen Reihe von Enttäuschungen. Die sambischen Führer gelten als Diebe. Die Chinesen würden sich ohnehin nicht an sambische Gesetze halten, weil die sambische Regierung die Bedingung nicht einfordern würde. Zambians are shamefully disadvantaged in their own country. They are treated like third rate citizens and are abused with impunity by these Chinese chaps. Just take a serious look at any industry where the chaps are involved in - Lack of personal safety equipment/work environment - Verbal and physical abuse and assault are the order of the day for Zambian workers - Shootings & attempted murders of workers at place of work - Slave wages paid to Zambian workers etc etc….. All this happening under mpuno ikuleni govt and does absolutely nothing to protect his people in their country. 145 This can only happen in Zambia…wow. (Dokument 8: 42–50, Blogeintrag). Es werden mehrere Sachverhalte aufgezählt, um die Gefährlichkeit der Chinesen für die sambische Souveränität zu belegen. Darunter fallen Misshandlungen von Arbeitern und Gewalt gegen protestierende Sambier. Außerdem wird die sambische Regierung erneut als Erfüllungsgehilfe der Chinesen beschuldigt, die nichts für die eigene Bevölkerung tun würde. Die genannten Mängel sind unter anderem physische Misshandlungen sambischer Arbeiter durch chinesische Vorgesetzte, Sklavenlöhne, Schüsse auf sambische Arbeiter und das Fehlen von Schutz- und Sicherheitsausrüstung für die Arbeit in den Kohleminen. Aus der Aufzählung der Missstände folgert der Autor, dass die sambische Regierung den Missständen eigentlich abhelfen müsste. Der Autor kritisiert die sambische Regierung, weil sie nichts unternähme. Er sagt indirekt aus, dass Sambia seine Souveränität aufgebe und seine Bürger schutzlos den chinesischen Machenschaften überlasse. If a contractor sees that the government in power has illiterate, clinically dull, and ignorant leaders, that contractor will try anything they want until they are stopped. The id.i.o.t.s are the same workers all over the country who keep withdrawing their cases whenever they are abused. The only way to teach these contractors is to take the matter up with the police and let them prosecute the culprits. Otherwise the impression now being created among these chinese a.r.s.es is that the boss can beat, shoot, or even kill a worker and they will negotiate their way out of trouble. It is the workers’ fault. ALSO, next time vote for a better political party. Everything happening is the fault of Zambians. Even local Zambian contractors get away with a lot of s.h.i.t, by the way!! (Dokument 63: 74–77, Blogeintrag). Der Autor beschreibt eine Wahrnehmung von Arbeitern, dass sich die Regierung gegenüber den Missständen für sambische Arbeiter in chinesischen Unternehmen gleichgültig und ignorant verhält. Anstatt etwas gegen die Missstände zu unternehmen, würden die vom Autor als „Idioten“ bezeichneten Arbeiter ihre Anschuldigungen zurückziehen, wenn sie misshandelt werden. Der Autor sieht den einzigen Ausweg darin, dass die sambische Polizei Fälle von Misshandlungen aufgreifen und nach den bestehenden Gesetzen bestrafen sollte. Anderenfalls befürchtet er, dass die Chinesen in Sambia machen könnten, was sie wollten. Er wirft den Arbeitern vor, an ihrem Schicksal durch eigene Untätigkeit selbst schuld zu sein. Bemerkenswert ist, dass er keine Revolution oder Gewaltmaßnahmen befürwortet, sondern die demokratische Wahl einer chinakritischen Partei vorschlägt. Strong ties my foot, it is a pity that we are still continuing as a nation to play in the hands of foreign countries, at the expense of development. We have been ripped off so many times and even the Chinese are now ripping us off. It is a wishful thought to even think there is any country that can develop 146 another country. As Zambians we just need to explore other important ventures to develop the country. Not this nonsense of depending on vultures loans! (Dokument 118: 98–101, Blogeintrag). Der Autor stellt China in eine Reihe mit anderen Staaten, die Sambia ausbeuten und dies unter dem Vorwand von Entwicklungshilfe legitimieren würden. Es ergeht ein Aufruf an die sambische Nation, die sambischen Ressourcen selbst zu nutzen, um das Land zu entwickeln: Es ist eine konstruktive und eher nachdenkliche Form des Protests, die nicht darauf ausgerichtet ist, Angst zu schüren, sondern Lösungen zu finden. Die vorgeschlagene Lösung ist für Sambier jedoch weder realistisch noch fair. Die sambische Regierung hat kein Interesse daran, den Chinesen den sambischen Ressourcenabbau zu untersagen, weil sie einen Verlust der chinesischen Finanzhilfen befürchten müsste. In dieser Hinsicht besteht eine gewisse Abhängigkeit von der chinesischen Regierung. Ebenso würde die sambische Regierung keiner Verstaatlichung der sambischen Minen373 zustimmen. Es gab zwar den früheren Fall vor der Privatisierung, dass die Erlöse aus dem Bergbau der sambischen Wohlfahrt zugute kamen. In dem Fall aber würden die Spitzen der sambischen Politik nicht mehr in erster Linie von ihrem Ressourcenreichtum profitieren, sie müssten ihn mit dem Volk teilen. Daran hätten sie vermutlich kein Interesse. Why president sata did not go to welcome the Chinese Vip at KK airport? the article says gov’t to gov’t & party to party cooperation, I don’t support the communists ideology at all and this is a danger to Zambia‘s political dispensation. China ‘s party their is no citizen elective of its politicians. human rights abuses are the order of the day, the pf party has shown some signs of communists mentality as exhibited by the arrogance of sata, guy Scott and winter kabimba. The Chinese VIP did not come to assist Zambia but to burden us through loans,they are looking for market for Chinese goods to dump in Zambia. the Chinese president is in England, signed a deal in which Bp will supply oil to china, in return the Chinese will help Uk in loan, the UK will boost its products in china. good deal (Dokument 118: 41–43, Blogeintrag). Das Zitat drückt große Angst vor den Chinesen in Sambia aus und ist eine deutliche Absage an China. Einerseits ist es die Angst auslösende kommunistische Ideologie, andererseits werden Vorwürfe hinsichtlich eines Absatzmarktes für chinesische Waren artikuliert. Schließlich wird auch der sambische Präsident Sata kritisiert, der keine eindeutige Position gegen die Chinesen bezieht. Die PF wird beschuldigt, die kommunistische Ideologie der chinesischen 373 Die sambischen Bergwerke wurden nach Erlangung der sambischen Unabhängigkeit 1964 verstaatlicht und ihre Erlöse für Wohlfahrtsprogramme verwendet. Im Jahr 2000 wurden die Minen dann an private Investoren verkauft. 147 Regierung zu unterstützen, die eine Gefahr für Sambias Demokratie sei. Tatsächlich sei die PF selbst auf dem Weg zu einer kommunistischen Partei. Die Chinesen würden keinerlei Hilfe für Sambia anbieten, sondern durch Anleihen Sambia in eine Abhängigkeit treiben. Der Autor geht sehr weit mit seiner Kritik an der Sata-Regierung und sieht sogar ideologische Ähnlichkeiten in Satas PF und Chinas KP. madam PS, please excuse us, how many warnings are you going to issue to these so called Chinese investors, why don’t you start taking an action e.g. taking them to court and if found wanting prison. otherwise don’t blame those Zambian workers when they take the law in their hands. i don’t like the behaviour of the so called Chinese investors! (Dokument 56: 80–83, Blogeintrag). Eine konkrete Frage, verbunden mit der Forderung zu handeln, richtet sich an eine Politikerin, die dafür sorgen solle, dass die Chinesen bei weiteren Gesetzesverstößen ins Gefängnis kämen. Die Kritik zielt vor allem auf die sambische Regierung. Der Politikerin wird vorgeworfen, sich in erster Linie gegen die sambischen Arbeiter zu wenden, die gegen Chinesen protestieren würden. Die sambische Regierung sei untätig und würde die Rechtsbrüche der Chinesen im Land ignorieren. Dadurch würde sie eine Form der sambischen Selbstjustiz geradezu herausfordern. Hier wird eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aufgezeigt, bei der die Chinesen im rechtlichen Vorteil wären. Eine Justiz, die Sambier nach den Gesetzen verurteilt, aber Chinesen bei Gesetzesverstößen nicht belangt, ist nicht mehr unabhängig und setzt keinen wirksamen Rechtsschutz durch. Der Autor befürchtet, dass durch die chinesischen Investitionen in Sambia die chinesischen Vertreter rechtlich und politisch besonders geschützt würden. Aus diesem Grund spekuliert er über die Möglichkeit, dass es langfristig zu Selbstjustiz von Sambiern gegenüber Chinesen kommen könnte. Hier zeigt sich bereits eine radikale Abkehr vom sambischen Staat, ein evidenter Vertrauensbruch zwischen Teilen der sambischen Bevölkerung und der eigenen Regierung. Es fehlt jedoch ein direkter Aufruf zur Selbstjustiz. The Police refused the money cause they didnt trust themselves. The group had a lot of Police from other UNITS. But the Chinese, these are the PIPO Sata promised to chase, now he is dining with them. Chinese very corrupt. I think they make the Zambian Money, where the hell do they get all this Money?? K100m kwena….. PF this is a test case, we dont want to hear the Chinese released and case squashed. U sang a lot about Chinese (Dokument 58: 128–134, Blogeintrag). Die neue Regierung der PF wird auf die Probe gestellt, ob sie die Probleme mit den Chinesen bewältigen kann. Sata wird kritisiert, weil er als Präsident 148 mit den Chinesen ein Essen verabredet hatte. Den Chinesen wird Korruption unterstellt, indem sie Geld aus Sambia ausführen würden. I wonder what kind of Govt and security we have because these are the same chinese who shot at workers and were not punished in any way,now they are causing more harm……………….GOD HELP US!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! (Dokument 24: 221–225, Blogeintrag). Chinesen dürften Sambier umbringen, ohne bestraft zu werden. Die Regierung Sambias würde nichts gegen diese Verbrechen tun. Gott wird um Hilfe gebeten, um Sambia zu schützen. Der Beitrag zeugt von Verzweiflung und von einer langsam eskalierenden fassungslosen Wut über die Chinesen, die sogar auf Sambier schießen würden. Die sambische Regierung gewährleiste nicht die innere Sicherheit, weil sie die chinesischen Täter nicht zur Verantwortung ziehen würde. Der in Großbuchstaben verfasste Aufruf „GOD HELP US“ drückt die ganze Verzweiflung des Autors aus: Er befürchtet offenkundig eine schlimme Zukunft für Sambia. Sata’s chinese friend, Mr Owang beats a Zambian Casual worker Paul, and later Owang bribes Paul with a K100,000 and Paul with draws the case. Interesting. Chinese infestors and their unique ways of doing business. By the way guys, the Chinese Ambassador says we should give Sata more time to fulfil his campaign promises. NOT THE RIGHT MAN TO TELL US WHAT TO DO.WHEN THE CORRUPT CHINESE CALL YOU ‘GOOD’, THEN THERE’S SOMETHING WRONG WITH YOU. PERIOD!!! (Dokument 56: 141–144, Blogeintrag). Hier wird Kritik an Michael Sata geübt, der zu wenig gegen das Wirken der Chinesen unternehmen würde. Es wird ein Einzelfall aufgeführt, durch den eine vermeintlich korrupte Herangehensweise der Chinesen zur Lösung von juristischen Problemen mit Sambia beschrieben wird. Anschließend geht der Autor zu einer grundlegenden Kritik über, die in dem in Blockschrift verfassten Vorwurf gipfelt, Sata und die Chinesen seien Komplizen. Der chinesische Botschafter würde der sambischen Bevölkerung mitteilen, dass die Bevölkerung mehr Geduld mit Präsident Sata haben solle. Diesen Aufruf kritisiert der Autor: Wenn schon die verhassten Chinesen selbst den Präsidenten loben würden, dann könne Sata nur der falsche Präsident für Sambia sein. Schließlich sollte Sata doch die sambische Bevölkerung vor den Chinesen schützen. Der Beitrag bestätigt die häufig geäußerte Vermutung, die chinesische Regierung würde mit jeder sambischen Regierung zum Nachteil der sambischen Bevölkerung paktieren. Die rassistischen Behauptungen sind eindeutig: Die Chinesen seien gefährlich für Sambia und korrupt. Zudem werden sie als „Infestors“ geschmäht. Der Begriff „Infestors“ hat in etwa die Bedeutung von Ausbeuter. 149 The fruits of poverty, by the way where is grey head and beards comedian called the Labour Minister and why is he QUIET with his fellow comdeian in State House. These Chinese sata’s Chinese are just as Violent even more Violent than MMD’s. Chinese know that Zambians can be beaten and killed at will as long as these mone (Dokument 59: 179–182, Blogeintrag). Der Beitrag ist eine Kritik an der neu gewählten Sata-Regierung, der vorgeworfen wird, die Gewalttätigkeiten der Chinesen, die ungestraft Sambier schlagen und töten dürften, in noch schlimmerer Form zuzulassen, als es die ehemalige MMD-Regierung getan hat. Hier zeigt sich die Enttäuschung eines Wählers, der hoffte, die neue PF-Regierung würde etwas gegen die Misshandlungen von sambischen Arbeitern durch chinesische Arbeitgeber unternehmen. Ernüchtert stellt er fest, dass sowohl der sambische Arbeitsminister als auch Sata selbst schweigen würde, während Chinesen Sambier ungestraft körperlich misshandeln und töten dürften. Der Autor beklagt die anhaltende Armut der sambischen Bevölkerung, die auch die Sata-Regierung nicht beseitigen könne. Er ist maßlos enttäuscht und unterstellt Sata, ein Anwalt der Chinesen zu sein, indem er die Gewalttätigkeiten der Chinesen zulassen würde. Todate How many loans have we aquired from CHINA through the same exim bank? Are these chinese not the same people SATA said he will chase once in power? we need loans from TAIWAN please, thus why tuma chinese are so many in zambia and doing whaterver they want (Dokument 102: 192– 195, Artikel). Es herrscht eine tiefe Enttäuschung gegenüber Präsident Sata, der sein Wahlversprechen nicht eingehalten habe, die Chinesen aufzufordern, das Land zu verlassen. Die konkreten Finanzhilfen durch die chinesische EXIM Bank werden als Mittel der chinesischen Machtausübung abgelehnt. Stattdessen werden neue Anleihen aus Taiwan als Konkurrent zu China gefordert. Hier liegt ein konkreter politischer Vorschlag vor, wie konstruktiv gegen die chinesische Einflussnahme mithilfe von Finanzhilfen vorgegangen werden sollte. How can this be happening now? We thought that PF would sort out the Chinese infesters and not eat with them at state house? We will see how they will bark on this one (Dokument 24: 115–118, Blogeintrag). Die chinesischen „Infestors“ sollten durch die Wahl Michael Satas aus dem Land gewiesen werden. Es ist der Aufschrei eines frustrierten Wählers, der gehofft hatte, politisch etwas gegen die Chinesen in Sambia ausrichten zu können. Diese Enttäuschung könnte langfristig zu einer Radikalisierung führen. Die abwertende, rassistische Zuschreibung zeigt sich darin, dass die Chinesen pauschal als „Infestors“ bezeichnet werden. 150 6.1.1.2 Gefühle rechtlicher oder politischer Diskriminierung Ein immer wiederkehrender Kritikpunkt der sambischen Bevölkerung stützt sich auf die Behauptung, die Chinesen würden durch sambische Gerichte und die Politik besser gestellt sein als die Einheimischen. Argumentiert wird dahingehend, dass sambische Opfer chinesischer Unfälle oder Gewalt wie Misshandlungen und Schusswaffeneinsatz gegen Sambier nicht ausreichend von der Justiz berücksichtigt würden und die sambische Politik den Chinesen Sonderrechte einräumen würde. Die folgenden Zitate behandeln das Empfinden von Ungleichheit anhand ausgewählter Beispiele. I see a situation where there will soon be more Chinese that Zambians in this country. Because every Chinese guy who lands in Zambia never goes back to China. Soon, we’ll be outnumbered and one day we shall have a Chinese president in Zambia. Mark my words (Dokument 81: 56–59, Blogeintrag). Es wird eine Vision der politischen und rechtlichtlichen Diskrimierung entworfen: Infolge der chinesischen Einwanderung werden die Sambier zur Minderheit im eigenen Land erklärt, ein chinesischer Präsident würde eines Tages über Sambia herrschen. Es ist eine zugespitzte und aus Angst vor Überfremdung geprägte Zukunftsvision, die jedoch jeglicher Grundlage entbehrt. Die Idee eines Bevölkerungsaustauschs und einer Verdrängung der einheimischen Bevölkerung durch “gefährliche Fremde” verweisen auf rassistische Merkmale. Hier sei als Beispiel auf Rudolf Leiprecht verwiesen. Er konstatiert in Bezug auf die Rassismusforschung, dass Großgruppen in Hierachien eingebunden sind und als „Rassen“ oder „Völker“ soziale Gesellschaftsmuster als Herrschaftsformen rechtfertigen.374 Es liegt auf der Hand, dass die Verdrängung der einen Bevölkerungsgruppe in einem Staat durch eine andere das etablierte Herrschaftssystem der ursprünglichen Gruppe hinwegfegen würde. Die Gegenwehr durch eine vermeintliche Rasse oder einheimische Kultur, die es zu bewahren gelte, ist ein Mittel zur Machterhaltung. Much as we appreciate China releasing a convicted drug trafficer, we do not condone drug trafficing or any form of law breaking. But can anyone in their right frame of mind honestly compare the act of a drug trafficer to that of poor unarmed labourers merely asking for their little money that they had worked so hard for? Come on wake up! (Dokument 11: 259–261, Blogeintrag). Der Fall eines von China entlassenen Drogendealers aus Sambia wird mit der Behandlung von unterlegenen unbewaffneten sambischen Arbeitern durch Chinesen verglichen. Dieser Protest soll zeigen, dass vermeintlich versöhnliche Gesten Chinas nicht die Misshandlung sambischer Arbeiter durch Chinesen 374 Leiprecht 2016, S. 1. 151 rechtfertigten. Der Rückschluss von einem Einzelfall auf „die Chinesen“ ist jedenfalls ein Argumentationsmuster, in dem sich Rassismus ausdrückt. i predicted what you’re pointing out when the first group of chinese entered the country and started buying land, now they are tens of thousands of them in Zambia alone very soon Zambians will be a minority in their own country, they should start “praying” that they wont turn to slaves on their own soil (Dokument 33: 162–164, Blogeintrag). Ausgehend von der ersten chinesischen Gruppe, die Land erworben hat, wird nun die Angst vor einer Masseneinwanderung geschürt, die Sambier zu einer Minderheit im eigenen Land machen könnte. Außerdem wären die Sambier dann Sklaven der Chinesen. Dabei bezieht sich der Autor auf die im Land lebenden Chinesen, deren Zahl er auf mehrere Zehntausend schätzt. Dies ist Grund genug, um bei ihm Ängste vor zukünftig einwandernden Chinesen auszulösen. Er sieht die Sambier in Zukunft als Minderheit im eigenen Land. Dabei gibt es nicht Zehntausende von Chinesen in Sambia, sondern nur einige Tausend. Der Autor geht von einer Falschinformation aus, die bereits von Michael Sata missbraucht wurde. Es gibt nämlich keine einwandernden Chinesen in großer Zahl und daher ist eine Furcht vor Überfremdung unangebracht. Es handelt sich um unbewiesene Behauptungen. Unterstellungen zum Nachteil einer gesamten Ethnie sind evidente Bestandteile von Rassismus. this thing about the Confucious institute of the University of Zambia! Do we really need Confucious in Zed????????? We do not need to import demons into our country. We already have too many from our own ancestors (Dokument 34: 80–82, Blogeintrag). Der Beitrag richtet sich gegen das neue Konfuzius-Institut an der sambischen Universität. Hier wird Konfuzius mit Dämonen gleichgesetzt, die aus China nach Sambia kämen. Sambia hätte genug eigene Dämonen: Eine diffuse, kulturalistische Angst vor China wird deutlich. In diesem Zitat vermischen sich Sorge vor kultureller Überfremdung und Angst vor unsichtbaren Mächten hinsichtlich einer vermeintlichen geheimen Rolle der Konfuzius-Institute bei den chinesischen Aktivitäten in Sambia. Der differentialistische Rassismus nach Balibar beschäftigt sich mit kulturellen Ressentiments. Der Beitrag zeigt eine tiefe Abscheu vor den kulturellen Einflüssen Chinas. Hier bestätigt sich der differentialistische Rassismus. Central Province Permanent Secretary Mwitwa has warned Chinese investors in the habit of violating the laws of the land to desist from the act and ensure that they treat the Zambian people working with them as fellow human beings (Dokument 56: 4–6, Artikel). 152 Eine sambische Provinzsekretärin spricht eine Warnung an die Chinesen im Land aus, sich an die bestehenden Arbeitsschutzgesetze zu halten. Es handelt sich zwar um eine sachliche Darstellung ohne Hassgefühle, ist aber ein Beleg dafür, dass sich auch sambische Offizielle mit dem Problem befassen. Es könnte sich auch um eine symbolische Geste handeln, um die antichinesischen Ressentiments nicht ausufern zu lassen. Es ist ebenfalls möglich, dass die Provinzsekretärin die Chinesen bittet, sambische Arbeiter nicht wie Menschen zweiter Klasse zu behandeln und die Gesetze einzuhalten. In diesem Fall hätte aber die Aussage der Provinzsekretärin eher eine geringe Bedeutung, weil die sambische Regierung nur in Vertretung einer Staatssekretärin in Erscheinung tritt. Grundsätzlich wirft die Sekretärin den Chinesen aber rassistisches Verhalten vor, weil sie die Sambier als Menschen zweiter Klasse behandeln würden. Labour Minister Chishimba Kambwili has said that Chinese Labour force coming into the country should be reduced and replaced with Zambians with the required expertise. And Mr Kambwili has advised Chinese investors to do away with casualisation and consider giving Zambians permanent pensionable jobs.Mr Kambwili says as much as government welcomes Chinese investment, it is concerned that Chinese investors are paying low salaries to Zambians (Dokument 25: 5–7, Artikel). An dieser Stelle wird ein Mitglied der sambischen Regierung zitiert, indem der Minister die Chinesen direkt auffordert, sich an die in Sambia bestehenden Gesetze zu halten und sowohl vernünftige Arbeitsplätze für Sambier zu schaffen als auch gerechte Löhne zu zahlen. Es ist keine Aufforderung an die Regierung, vielmehr tritt die Regierung selbst als Verfechter der sambischen Interessen in Erscheinung. Construction Company allegedly forces their Zambian workers to partake in the eating of dog meat. Labour and Social Security Minister Fackson Shamenda has told QFM News in an interview that government will not condone such unacceptable conduct. Mr. Shamenda says he will dispatch a team of officers from his ministry to follow up the reports and investigate the matter. Mr. Shamenda has since encouraged Zambian workers especially those working for private companies to come up with unions to avoid being exploited by employers (Dokument 106: 7–10, Artikel). Einzelfälle bilden den Anlass für abwegige Behauptungen, wie die folgenden Aussagen belegen: Der Autor zitiert einen Politiker, der den Vorwürfen nachgehen will, sambische Arbeiter hätten Hundefleisch verzehrt. Dieses Verhalten toleriert er ebenso wenig, wie er auch sambische Arbeiter auffordert, sich gewerkschaftlich gegen die Ausbeutung durch chinesische Unternehmen zu wehren. Insofern bleiben die sambischen Arbeiter sich selbst überlassen und dürfen nicht mit einer Unterstützung der Regierung rechnen. Misshandlun- 153 gen von sambischen Arbeitern durch chinesische Vorgesetzte werden in ihrer Bedeutung dahingehend interpretiert, dass die amtierende sambische Regierung gegen eine chinakritische Regierung ausgetauscht werden sollte. Die Vorfälle werden als gegeben hingenommen, aber in der politischen Diskussion benutzt und durch ihren vermeintlichen Wahrheitsgehalt der chinakritischen Argumentation vorangestellt. Die Gesamtheit der Vorwürfe ist sehr kritisch. Der Verzehr von Hundefleisch ist zwar allgemein inakzeptabel, legt aber den Verdacht nahe, dass der Zwang, Hundefleisch zu verzehren, ein Akt der Herabwürdigung für den sambischen Arbeiter darstellt und damit rassistisch motiviert ist. They will have to adhere to our labour laws and treat all Zambian workers with respect and dignity. They must be told that all those Chinese pushing wheelbarrows and raring chickens in Lusaka and elsewhere must either get in proper investment portfolios based on their investment licences or must leave the country. This is a new economic beginning, a true economic emancipation for the Zambian people (Dokument 12: 133–139, Blogeintrag). Es wird ein Forderungskatalog an Chinesen in Sambia gerichtet und es werden Beispiele für Konfliktfälle aufgezählt. Die Chinesen werden aufgefordert, ihre sambischen Angestellten mit Respekt zu behandeln, geeignete Investitionspapiere vorzuweisen und sich an die sambischen Arbeitsgesetze zu halten. Es ist eine sehr konstruktive Form von Protest, weil es konkret darum geht, was die Chinesen im Land machen sollen, damit das Zusammenleben besser funktioniert. These Chinese chaps seem to have alot of balls. They are always answering back like trying to enter into a confrontation with government officials. No wonder they had a lunchon at State House. There alot of chinese doing tertiary jobs. Boiler makers, bricklayers no one can tell me Zambians can’t do those jobs. In the end these mines are ripping big from us. They pay little tax, pay employees peanuts and keep the money for copper sales in their countries (Dokument 25: 166–167, Blogeintrag). Den Chinesen wird vorgeworfen, einen politischen Einfluss zu nehmen und dadurch im „State House“ zum Essen eingeladen zu werden. Anschließend werden die konkreten Ungerechtigkeiten aufgezählt, unter anderem der Transfer von Erlösen aus dem Kupferbergbau nach China. Well it seem the Chinese investors in Zambia never learn and are not willing to learn and live with the locals at peace. The behavior being exhibited by the so called Chinese investors is shocking and displeasing. They need to be reminded that they are in a foreign country where they have not the freedom as in their country. It is just to hear the same stories from time to time, surely the police are not doing enough to stop this scourge. Zambians must be protected in their own country and live in total peace. Foreigners brutally killing 154 and injuring Zambians at will must not be accepted at all costs. Even if it is poverty this is too much, people do not need to suffer at the hands of foreigners! I do not know in which country a local would be abused by foreigners and get away with it! (Dokument 65: 111–114, Blogeintrag). Der Beitrag geht von einer pauschalen Darstellung der Verhaltensweise der Chinesen im Land aus. Die Chinesen würden niemals lernen, die Sambier menschenwürdig zu behandeln und in Frieden mit ihnen zu leben. Sie würden nicht aufhören, Sambier zu schlagen und zu misshandeln. Der Autor fordert dringend, die Sambier im eigenen Land zu schützen. Die allgemeine Unterstellung, Chinesen wären gegenüber Sambiern gewaltbereit, ist ein rassistisches Vorurteil, das außer Acht lässt, dass es auch friedliche Chinesen gibt, die sich angepasst gegenüber Sambiern verhalten. Der Verfasser spricht von chinesischen Investoren, die die „Entmenschlichung“ der Sambier zu verantworten hätten und als Verursacher für die Probleme in Sambia gelten würden. Der Text zeigt unverhüllt rassistische Ressentiments. china owned zambia ever since chinamen built the railroad (Dokument 65: 193–196, Blogeintrag). Mit dieser Aussage wird behauptet, dass der sambische Staat seit dem Bau der TAZARA-Eisenbahn Eigentum der Chinesen sei. Die durchaus zu begrüßende Entwicklungszusammenarbeit mit China wird ins Gegenteil verkehrt, denn die TAZARA-Eisenbahn gilt als Beginn der konstruktiven chinesischsambischen Zusammenarbeit und wird immer wieder als Meilenstein in den chinesisch-afrikanischen Beziehungen genannt. Die Behauptung einer Eigentümerschaft der Chinesen über Sambia ist unspezifisch, pauschal und unbelegt. ONLY IN ZAMBIA DO FOREIGNERS IGNORE COURT RULINGS, AND IT’S A SIGN OF TOTAL LWALESSNESS IN A COUNTRY WHERE EVEN THE HEAD OF STATE NEITHER TAKES HIMSELF NOR HIS JOB SERIOUSLY SO HOW WILL FOREIGNERS RESPECT US AND OUR LAWS? (Dokument 103: 37–39, Blogeintrag). Hier zeigt sich politischer Protest in einer sehr extremen Form: Nur in Sambia würden Ausländer, sprich die Chinesen, Gerichtsurteile ignorieren und die Einheimischen nicht respektieren. Der sambische Präsident würde sich nicht um die Probleme kümmern: Es ist eine verallgemeinernde Aussage, in der die Enttäuschung über die eigene Regierung zum Ausdruck kommt und Angst um Sambias Zukunft artikuliert wird. In this country, it is very difficult to arrest a Chinese. Remember the coal mine issue? Just watch out for the full implications of this against Zambians because the Chinese currently are untouchable. If you crossed paths with a Chinese working in Zambia, anywhere in Zambia and you say, stepped on 155 him or did something he deems unfit for him, and HE GOES to Police, I can assure you will end up being the victim, no matter who who know in Zambia. It is a very worrisome trend and I do honestly believe we are slowly losing our sovereignty to these guys. But being away in another country, one would not understand the full extent of this scenario back home where Zambians are now going to be at the mercy of these guys who are willing to do anything to get their way. Its a very worrisome scenario (Dokument 32: 391– 394, Blogeintrag). Anhand eines konkreten Beispiels wird aufgezeigt, wie schwierig es ist, straffällig gewordene Chinesen in Sambia zu inhaftieren. Es entsteht verzerrtes Bild von Chinesen, die sich nicht an Gesetze halten würden. Die Folgen sind das Schüren von Ängsten und aufkommende Zweifel an der Unabhängigkeit der Justiz. Der Autor geht auf einen Unfall in einer chinesischen Kohlenmine ein, bei dem ausschließlich sambische Opfer zu beklagen waren. Aus dem Umstand, dass es zu keiner Verurteilung möglicher chinesischer Verantwortlicher kam, leitet der Autor die Behauptung ab, Chinesen bräuchten sich nicht an Gesetze zu halten und könnten sich auf diese Weise schrittweise die sambische Souveränität aneignen. Die chinesischen Aktivitäten würden einen rechtsfreien Raum erschaffen. Hier liegt ein Fall von differentialistischem Rassismus vor. Nach Balibar besteht differentialistischer Rassismus in der Furcht vor einer Kulturvermischung, die kulturelle Distanzen auflöst.375 Kultur kann die biologische Rasse ersetzen, indem sie auch eine Hierarchie mit rassistischen Unterschieden beschreibt und die fremde Kultur als Gefahr gilt.376 In Bezug auf Sambia besteht die Befürchtung, die Chinesen würden die sambische Rechtswirklichkeit unterwandern, in den sambischen Kulturraum eindringen und die sambischen Werte und Regeln verändern. Auch Stuart Hall bestätigt die These, dass eine kulturelle Definition von „Rasse“ die biologische ersetzen und eine bedeutende Rolle in den Diskursen über die nationale Identität spielen könnte.377 I am getting tired of this PF talk without action. Chinese people enter Zambia at borders and not mines. Casualisation is not only in the mines all foreign companies have taken advantage of our week laws. Please PF time to campaign and get popular is over. You are risking being caught napping just like RB. If you can not formulate you own laws I advise you to get hold of South African Labor laws, copy and paste them in our laws. There has been too much talk but very little action from this government (Dokument 25: 149–152, Blogeintrag). 375 Balibar 2014a, S. 29. 376 Balibar 2014a, S. 30. 377 Hall 1994, S. 207. 156 Die Chinesen würden Sambia aufgrund der offenen Grenzen durch massive Einwanderung erobern. Es wird empfohlen, südafrikanische Arbeitsgesetze statt der wirkungslosen sambischen einzuführen. Der Autor geht davon aus, dass die südafrikanischen Arbeitsgesetze ihre Arbeiter so schützen, dass es sinnvoll wäre, sie eins zu eins in Sambia umzusetzen. Die PF würde nur reden und sich nicht genug für die sambischen Arbeiter einsetzen. Es geht also auch um eine vermeintliche Überfremdung durch Chinesen und untätige sambische Politiker. Hier zeigt sich nicht nur Wut über Chinesen, sondern auch die Unzufriedenheit mit der eigenen Regierung. Die Betonung einer Überfremdung und Eroberung durch Einwanderung ist rassistisch. Nach Robert Miles ist Rassismus auch in politisch-ideologischen Auseinandersetzungen zu finden,378 indem bestimmten Gruppen ein höherer Rang als anderen Gruppen zugewiesen wird, die damit von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen werden.379 Miles führt rassistische Argumentationsformen als Erklärung und Rechtfertigung für die Herausbildung von Nationen bis ins Großbritannien des 16. Jahrhunderts zurück.380 Auf dieselbe Weise argumentiert der Artikel: Chinesen kämen von außen, schädigten die sambische Nation und müssten aus der sambischen Gesellschaft ferngehalten werden. In the next 50 years blacks Zambia will have no trace left for them , mind you are the fewest in population in Africa. So you should be careful how you open up , once the Chinese popularize Zambia , don’t think you will chase them like the way the Zimbabweans did with whites ….the Chinese will soon became a superpower and no country will protect u. You are giving up your birth right …..you will cry …and SATA and his Friends will have long gone in the grave. So don’t give them free ride to sell your Country. You would rather be in undeveloped and your own country than to have non (Dokument 33: 156–159, Blogeintrag). Es wird eine zahlenmäßige Verdrängung der Afrikaner in Sambia durch die einwandernden Chinesen beklagt, indem das Bild entworfen wird, dass Sambia für China als Supermacht nur ein Spielball sei und niemand Sambia beschützen könnte. Das Szenario einer unendlichen Masse von Chinesen, die ungehemmt einreisen und einheimische Sambier verdrängen würden, ist eindeutig rassistisch. 378 Miles 1991, S. 11. 379 Miles 1991, S. 16. 380 Miles 1991, S. 43. 157 Chinese are the most corrupt people on earth I’m sorry. They have dodged the rule of law and paid the boy out side court. Do this in china you will be sent home through DHL as a parcel shame (Dokument 59: 199–202, Blogeintrag). Der Vorwurf gegen die Chinesen in Sambia lautet: Sie seien die korruptesten Menschen der Welt und hätten die Gesetze in Sambia vollkommen ausgehebelt. Das klingt nach enttäuschter, tief frustrierter Abwendung von China. Der Autor verweist darauf, dass das Verhalten der Chinesen in Sambia im umgekehrten Fall nicht denkbar wäre: Wenn Sambier in China Chinesen misshandeln würden, würden sie sofort des Landes verwiesen. Die Chinesen blieben jedoch von Gegenmaßnahmen verschont. Sie würden den sambischen Gesetzen ausweichen und durch Entschädigungszahlungen für Unglücksfälle die juristische Aufarbeitung umgehen. Der Autor prangert die in seinen Augen vorliegende rechtliche Ungleichbehandlung von Chinesen und Sambiern an. Er unterstellt den Chinesen, sich durch die finanzielle Macht den sambischen Gesetzen entziehen zu können. Der Vorwurf „the most corrupt people on earth“ ist eine schwerwiegende rassistische Zuschreibung. SHAMENDA IF YOU CAN NOT DEAL THESE CHINESE, JUST ASK KAMBWILI TO SORT THEM OUT FOR YOU…… (Dokument 106: 58–61, Blogeintrag). Eine kurze politische Aufforderung ergeht an Minister Kambwili, der sich bereits gegen die Chinesen in Sambia positioniert hatte. Er solle die Chinesen aus dem Land weisen. Dieser pauschale Aufruf beinhaltet die Hoffnung, dass gegen die Chinesen vorgegangen wird. Der Autor beschreibt nicht, warum die Chinesen des Landes verwiesen werden sollten. As much as I am sadened by the death of this china man, I am also sadened at the low wages these investors give the poor Zambians. The solution is that the employers and employees should respect each other. The chinese guys short 13 miners at the same mine and they were acquited. Let also these guys who threw th trolly be aquited in the spirit of reconciliation. These is what it should be done (Dokument 48: 654–657, Blogeintrag). Vordergründig geht es um die Trauer über den gewaltsamen Tod eines Chinesen. Tatsächlich wird die Trauer verbunden mit der Bestürzung über die niedrigen Löhne für sambische Arbeiter. Ein Vorfall wird emotionalisiert, um auf das eigentliche Problem der niedrigen Löhne hinzuweisen. Hier wird das Fehlen von gegenseitigem Respekt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern angesprochen. Die Chinesen hätten 13 sambische Bergarbeiter niedergeschossen und würden rechtlich nicht belangt. Der Autor fordert, die chinesischen Schützen sollten im Geiste der Versöhnung zur Verantwortung gezogen werden. Damit spricht der Autor die fehlende gegenseitige Verständigung an. Der 158 gesamte Beitrag ist keine einseitige Schuldzuweisung, sondern drückt das Bedauern über die scheinbar unüberwindlichen Grenzen zwischen Sambiern und Chinesen aus. Der Umgang zwischen Sambiern und Chinesen solle zukünftig zu einem respektvollen Verhalten beider Seiten führen. Der Autor beklagt sowohl chinesische als auch sambische Opfer. Bottom line is if it was an ordinary Zambian who had committed that crime he would be rotting at Kamfinsa. Capitalist please accept that the DPP was wrong. The fact that this is coming from one Michael Sata does not change matters. It is a fact MMD Law was applied here. Did you know that we have 2 laws in Zambia, one for me and a better one for RB and those who lick his boots? In Kalulushi at the Chinese complex Zambians are being beaten and denied their wages, but your MMD DC is doing is to encourage people to be patient while he sorts out their complaints (Dokument 11: 269–271, Blogeintrag). Der konkrete Fall von körperlich misshandelten sambischen Arbeitern in Kalulushi wird verallgemeinert. Die These von zwei Rechtswirklichkeiten in Sambia wird aufgestellt: Die eine gelte für Sambier und die andere würde nur für die Chinesen im Land vorteilhaft sein. Geschickt wird von einem Einzelfall eine allgemeingültige Behauptung abgeleitet. Dabei ist die angenommene rechtliche Bevorzugung der Chinesen nirgendwo in Sambia festgeschrieben. Es gibt kein wie auch immer geartetes Sonderrecht für Chinesen in Sambia. Wenn es ein solches gäbe, würde es sich nur in der konkreten Auslegung eines Rechts zugunsten von Chinesen und zuungunsten von Sambiern zeigen. Der Beweis für eine politisch gewollte und durch die weisungsbefolgenden Gerichte ausgeführte rechtliche Bevorzugung der Chinesen vor Sambiern ist aber kaum zu erbringen und erschöpft sich in als ungerecht wahrgenommenen Einzelfällen. Die Einzelfälle werden der chinesischen Ethnie zugerechnet. Dadurch enthält der Text rassistische Züge. It’s a bitter truth, but Soon and very soon the majority poor will arise to defend themselves and their cause in any way possible! When one chinese or two are killed, the Zambian/s suspects end up in jail or behind the bars, yet when one Chinese kills 11 (eleven) Zambians or more at the same mine or the copperbelt, the Chinese appeals and is acquitted, etting away with murder!!(Is life more important in one person than the other? Isn’t Life ought to be equal regardless!) .hat kind of a world of hypocrites and double standards we live in.With this selective justice ,would one blame the poor if they arose to defend their cause in a country that favours the few with money? Civilization demands that whether Chinese, Zmbian or other foreigners, all should be EQUAL before the LAW regardless (Dokument 50: 56–59, Blogeintrag). Die beiden Tötungsdelikte von Sambiern an Chinesen und von Chinesen an sambischen Staatsbürgern werden gegeneinander aufgerechnet: Die Sambier 159 würden bestraft werden, die Chinesen jedoch straffrei bleiben. Eine Zweiklassengesellschaft wird beschworen, in der die Chinesen die höherwertige Klasse seien. Der Protest fordert die rechtliche Gleichbehandlung aller Menschen in Sambia. Tatsächlich wurden die Vorwürfe gegenüber den chinesischen Schützen hinsichtlich der 11 verwundeten Sambier durch den sambischen Staat ohne ausreichende Erklärung niedergeschlagen.381 Dieses Urteil ist zumindest ein Indiz für eine Ungleichbehandlung, es gibt aber keine gesetzliche Unterscheidung. Bevorzugende Sondergesetze für chinesische Staatsbürger bestehen nicht. Seriöse Quellen sind nicht vorhanden, die auf Sondergesetze für Chinesen zum Nachteil der sambischen Bevölkerung hinweisen. Es ist mithin für die sambische Bevölkerung schwer, ein objektives Bild über eine vermeintlich rechtliche Bevorzugung der Chinesen durch die sambischen Behörden zu erhalten. Möglicherweise sind die Medien überhaupt nicht daran interessiert, solche Vorfälle aufzuklären. Vielleicht geht es den Medien darum, eine chinakritische Stimmung zu unterstützen, weil sie sich davon eine höhere Auflage versprechen. Durch die Behauptung von „Menschenklassen“ wird eine Analogie zum biologischen Rassismus nach Albert Memmi entworfen. Höher und minderwertige „Klassen” ersetzen hier die „Rassen”. Es handelt sich um eindeutige rassistische Ressentiments. BOTSWANA IS CRYING TODAY BECAUSE OF THESE CHINESE CONSTRUCTION COMPANIES.THE RECENTLY COMPLETED COAL POWER STATIONS WORTH BILLIONS OF PULA HAVE BROKEN DOWN. NOW THERE IS A SERIOUS POWER SHORTAG- ES IN THE COUNTRY.ANOTHER CHINESE COMPANY BUILT A DOUBLE STOREY SENIOR SECONDARY SCHOOL WITHOUT BRICK FORCE.THE NEWLY BUILT AIRPORT ROOF WAS BROWN OFF BY A MINOR STORM. ZAMBIAN GOVT. MUST LEARN FROM THE GOVERNMENT IN BOTSWANA (Dokument 71: 198–201, Blogeintrag). Der Beitrag enthält den nicht belegten Vorwurf gegen chinesische Bauunternehmen, Bauwerke minderwertiger Qualität errichtet zu haben, und gelangt zu der Schlussfolgerung, dass der sambische Staat ebenso wie Botswana gegen diese vermeintlichen Missstände vorgehen sollte. Botswana hätte bereits gehandelt, Sambia solle sich diesem Beispiel anschließen.382 381 o.V. 2011 b. 382 In den vergangenen Jahren hatte die Regierung von Botswana rund 2000 ausländische Experten des Landes verwiesen, darunter viele Chinesen. 2013 erklärte der botswanische Präsident Ian Khama, chinesische Unternehmen sollten in der nächsten Zukunft keine weiteren Regierungsaufträge erhalten. 160 6.1.1.3 Vorwürfe von Misshandlungen und Sklavenrolle Die folgenden Artikel enthalten den Vorwurf, dass die Chinesen in Sambia wie vorkoloniale Sklavenhalter auftreten würden. Die sambische Bevölkerung hätte den Status von Sklaven, wäre entrechtet und den Chinesen ausgeliefert. Außerdem werden allgemeine Ängste und Vorbehalte gegenüber den Chinesen in Sambia geschürt. President Sata says the Patriotic Front -PF- government is concerned that there is unlimited number of Chinese expatriates who are coming into the country to take up jobs which Zambians are capable of doing (Dokument 12: 6, Blogeintrag). Eine politische Aussage des Oppositionsführers Sata zielt auf Ängste unter potenziellen Wählern vor einer unübersichtlichen Zahl einwandernder Chinesen ab, die als Konkurrenten um Arbeitsplätze gesehen werden. Sata spricht explizit davon, dass die Chinesen Arbeitsplätze erhalten, die auch von Sambiern besetzt werden könnten. Er verspricht, solche Arbeitsplätze zukünftig den Sambiern zur Verfügung zu stellen. Zudem spricht er sich dagegen aus, dass eine unbeschränkte Zahl von einwandernden chinesischen Arbeitern sich in Sambia ansiedeln sollte. Wie sich während der Amtszeit Satas herausstellte, konnte er seine Wahlversprechen nicht einlösen. Satas Protest enthält eine politische Forderung, die auf Wählermaximierung abzielt. Von rassistischen Zuschreibungen hält er Abstand. Please shut up and put up.Why cant you tell Chinese to stop attackibng Zambians.We have no other place to go to.We have only one zambia fotr us. Why should we have people coming to our country to attack us. Would any Chinese say the same in China? You are just an embarrasment irresponsible with a colonial mind who cant protect their own (Dokument 8: 78–80, Blogeintrag). Die Fragen, in denen sich Hass- und Wutgefühle ausdrücken, sind rhetorischer Natur und zeigen, dass eine feindliche Stimmung gegen Chinesen erzeugt wird, die die Sambier angreifen würden. Durch eine koloniale Einstellung würden die Chinesen sich in Sambia unangemessen und regelwidrig verhalten. Es wird indirekt gefordert, dass die Chinesen nicht nach Sambia kommen dürften, um Sambier zu misshandeln. Die Aussagen zeugen von Verzweiflung, Hass und Hilflosigkeit. Der Vorwurf des Kolonialismus findet sich in der Rassismusforschung in allen Theorien wieder. Der Text ist als rassistisch einzuordnen. Ama chinamen aba released from chinese ‘prison’ to come and work in sleepy African states for nothing in the interest of fast-tracking chinese development to a world super power, and the chaps will be back in prison, again! Africa careful with these released ‘jailbirds’. (Dokument 3: 216–218, Blogeintrag). 161 Angeblich würde die chinesische Regierung Strafgefangene für eine gewisse Zeit nach Afrika schicken, dort würden sie arbeiten, um die Weltmachtrolle Chinas zu fördern. Am Ende würden sie dann wieder nach China ins Gefängnis zurückkehren. Es zeigt sich eine Form von Protest, die den Chinesen unlautere Mittel für eine schleichende Machtübernahme unterstellt. Der Autor argumentiert mit verschwörungstheoretischen Behauptungen, die einer Überprüfung nicht standhalten. Es fehlt eine Quelle für die Behauptung, dass chinesische Strafgefangene in Afrika arbeiten müssten. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen gibt es keine chinesischen Strafgefangenen, die in Afrika arbeiten. Es handelt sich um geradezu absurde Behauptungen, die verschwörungstheoretisch aufbereitet und als Argumentationsgrundlage genutzt werden.383 The British erected these facilities exclusively for themselves, using our resources but when they left, we ourselves failed to maintain them. So what do you expect the Chinese to do, except carry on with the tradition in place? They owe us s.h.i.t! We need to wake up and clean our act. Its times such as these that I am convinced that Sata maybe just the right guy to turn things around (Dokument 6: 49, Blogeintrag). Die Chinesen würden in der Tradition der britischen Kolonialmächte stehen, die sambischen Ressourcen nur für sich selbst nutzen und am Ende verhindern, dass Sambier ebenfalls von diesen Ressourcen profitieren könnten. China würde wie die britische Kolonialmacht handeln. Allein der Präsidentschaftskandidat Sata sei eine politische Hoffnung, um diesem Handeln ein Ende zu bereiten. Der Beitrag enthält durch den Hinweis auf koloniale Verhältnisse der Chinesen rassistische Merkmale. mistreats you in your own land. Are we normal? Kambwili is doing what he can to protect us from these SLAVE OWNERS and you condemn him? what rubbish…!! MMD used to loose elections on the copperbelt because miners were largely mistreated by these so called infestors. Wake up Zambians, Zambia is your mother land. You can develop Zambia without infestors. You have a product to sale - Copper. How did KK do it??? (Dokument 29: 237– 240, Blogeintrag). In diesem Text wird behauptet, dass die sambische Bevölkerung sich einer Gehirnwäsche unterzogen hätte. Die Misshandlungen durch die Chinesen werden damit erklärt, dass die Sambier vielleicht nicht mehr selbstständig reagierten. Chinesen seien Sklaveneigentümer. Es folgt der dringende Aufruf an die Sambier, aufzuwachen und das „Mutterland“ zu retten. Es ist ein Appell an das gemeinsame Nationalgefühl. Die Sambier sollten sich darauf be- 383 o.V. 2016 a. 162 sinnen, dass ihr Mutterland durch die chinesischen Aktivitäten in Gefahr sei. Die Chinesen in Sambia werden als „Infestors“ bezeichnet, die Sambia bei der wirtschaftlichen Entwicklung nicht unterstützen würden. Die sambische Bevölkerung könne und solle das Mutterland wirtschaftlich entwickeln, ohne es den Chinesen auszuliefern. Der Autor erklärt, dass die MMD-Regierung abgewählt werden solle, weil sie die Interessen der chinesischen Investoren vertreten würde. Er ruft auf, die eigenen Ressourcen, beispielsweise Kupfer, im Interesse der sambischen Entwicklung zu nutzen. Durch die Betonung der Sklaveneigentümerschaft der Chinesen gegenüber den Sambiern wird ein wertender Unterschied zwischen beiden Ethnien hergestellt. Die Sambier seien die Sklaven der Chinesen. Diese Behauptung sieht die Chinesen als „ Herrenmenschen“ oder „Sklavenbesitzer“, die Sambier seien jedoch das versklavte Opfer. Die wertende Unterscheidung der beiden Ethnien ist eindeutig rassistisch. Kambwili is the type of minister and leader we need in Zambia. All those condemning him should pose and think for a moment. Do u have the interests of your people at home or u just want bribes at the expense of your own people? Zambians have suffered for too long at the hands of these rude investors. All Kambwili needs to do now is to adopt a methodical and more guided and sober approach towards dealing with these slave masters (called investors in Zambia). Overall, well done Kambwili and keep it up! In Eastern province ‘kambwili’ is a ‘hoe’ and this ‘hoe’ is digging very well. Good job (Dokument 29: 384–386, Blogeintrag). Ein Politiker wird als Vertreter der durch China gedemütigten, ausgebeuteten Sambier gelobt. Chinesen werden diffamiert und als „Sklavenhalter“ bezeichnet, unter denen Sambier leiden würden. Auch hier geht es um den Vorwurf der Sklavenhalterschaft der Chinesen. Die Kritik hat fast neokolonialistische Züge, geht aber durch den Begriff „Sklaven“, die gegenüber ihrem Herrscher vollkommen rechtlos sind, noch darüber hinaus. Sie muss als rassistisch eingestuft werden. THE CHINESE WILL BE SENDING IN MORE YELLOWMAN TO ZAMBIA TO TAKEOVER JOBS FROM POOR ZAMBIANS. WE AS ZAMBIAI WE SHOULD CREATE JOBS OURSELVES ANO TO BEG FROMCHINA WHO THEM SELVES BEGGARS IN THEIR OWN COUNTRY (Dokument 39: 66–69, Blogeintrag). Es wird ein Szenario entworfen, indem China einen Plan verfolgt, die Migration besonders zu befördern, um den Sambiern Arbeitsplätze wegzunehmen und die Sambier zu Bettlern im eigenen Land zu machen. Diese Behauptung soll Ängste schüren und richtet sich an Sambier, die sich in Konkurrenz zu den Chinesen sehen und daher ungerecht behandelt fühlen. Der Vorwurf der Bevölkerungsverdrängung ist rassistisch. 163 And all the more reason Micheal Sata is still looking elsewhere while his ministers are looking at what they have to offer. One child one family, most zambians have no idea what we will get into once the chinese have total control and you don’t run a country like that because you basically become a puppet, and corruption slips in (Dokument 46: 69–72, Blogeintrag). Die Verschwörungstheorie, die Chinesen würden schrittweise die völlige Kontrolle über Sambia erlangen und der sambische Staat würde sich zu einer Marionette der chinesischen Regierung machen, ruft Verunsicherung in der Bevölkerung hervor. Konkret wird die chinesische Regierung kritisiert. Interesting Events unfolding:-this is a reaction when pipo have been downtrodden, in the first case Justice has never been known at this Mine and secondly workers have been abused for too long. Death will not be accepted unless imposed as judgement in courts of law, lets have fair situations in work places the Employer and Employee need to exist in harmony as they are all stakeholders. Chines and Indians in Zambia are currently leading in mistreating workers and these are all time bombs. The PF gvmt inherited a lot of challenges and am happy with their courage in dealing with these issues. Soon Zambia will be a good place for all and Law of the Land will be respected by all poor or Rich. Viva PF! we have 9yrs to go as 2016 is already ours (Dokument 48: 447–450, Blogeintrag). Eine Art politisches Loblied wird auf die neue Regierung der PF angestimmt, die zum sozialen Frieden und zur Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien führen soll. Die Chinesen werden als „Zeitbomben“ und führend in der Misshandlung sambischer Arbeiter dargestellt. Der Beitrag zeigt einen zufriedenen Wähler der PF, der der neuen sambischen Regierung einen Vertrauensvorschuss gibt, der sich im Ergebnis allerdings nicht bestätigte. Die Sata- Regierung hat genauso wie ihre Vorgänger die unzureichenden Arbeitsbedingungen der chinesischen Arbeitgeber zugelassen, entsprechend waren viele Wähler hinterher enttäuscht. Der Verfasser des Beitrags hofft jedoch, das von ihm als sehr gefährlich dargestellte Geschäftsgebaren der Chinesen in Sambia würde durch die neue Sata-Regierung noch gestoppt und die Chinesen würden sambische Gesetze einhalten. Die Darstellung einer Ethnie als „Zeitbombe“ ist sehr abwertend und ein Beleg für Rassismus. And yet you do not prosecute the same Chinese when they shoot Zambians and when their unsafe factories blow to pieces Zambian workers. Zambia is very ripe for a revolution! (Dokument 57: 41–44, Blogeintrag). Diese Aussage ist ein hetzerischer Aufruf, eine Revolution gegen die Chinesen anzuzetteln, weil sie Sambier erschießen und durch die Sicherheitsmängel ihrer Fabriken Sambier in Gefahr bringen würden. Der Verfasser spielt auf die Schüsse von Chinesen auf Sambier und die Unglücksfälle in chinesischen 164 Fabriken mit sambischen Todesopfern an. Er ist aber nicht an einer angemessenen juristischen Aufarbeitung interessiert, sondern fordert extremistische Konsequenzen. Die Rede von einer Revolution könnte auch die aktuelle sambische Regierung einbeziehen, der er unterstellt, die Chinesen in Schutz zu nehmen. Der Artikel birgt eine Menge sozialen Sprengstoff, denn eine Revolution könnte in letzter Konsequenz auch zu Gewalt führen. Diese Aussagen sind sehr radikal. Chinese people every where in the world are known to mistreat people. If we start allowing foreigners to abuses citizens then we might as well hand them the key to the nation. Chinese people no matter what destination they are in are supposed to respect the people of the host nation with dignity and respect by paying employees for work done and not doing anything that can harm Zambian citizens. You need to start sending a message so others from other nations can follow by expelling those involved in these beatings. These people are victims being victimized and by Zambia not doing anything is revictimization by not doing anything or blaming people for going to get their hard earned income. Please lets not waste time and ship the Chinese where they belong. They think they can control us (Dokument 65: 287–290, Blogeintrag). Der Beitrag zeigt ein komplettes Bild über die sozialen Probleme der Chinesen im Land und beschwört ein Katastrophenszenario. Konkrete Einzelfälle werden jedoch nicht genannt. Am Ende steht die verallgemeinernde Aufforderung, die Chinesen aus dem Land auszuweisen, bevor sie die sambischen Bürger kontrollieren würden. Es ist eine pauschale Aufforderung, sich gegen die Chinesen zur Wehr zu setzen. Dabei zeigen sich typische Ressentiments für einen rassistischen Protest. Die vorhandenen sozialen Probleme mit den Chinesen in Sambia werden umgedeutet in einen allgemeinen Angriff auf die „Chinesen“ an sich, die als ethnische Gruppe klassifiziert und negativ beschrieben werden. Zudem wird der sambischen Regierung unterstellt, nichts gegen die Opferrolle zu unternehmen, in die die Sambier durch die Regierung gedrängt würden. Die Ressentiments zeigen sich auch in dem Vorwurf, die „Chinesen“ würden glauben, die Sambier kontrollieren zu können. Für diese Aussage fehlen jedoch Belege. Das rassistische Element des Beitrags ist die Zuschreibung von negativen Eigenschaften der Chinesen als Ethnie. i predicted what you’re pointing out when the first group of chinese entered the country and started buying land, now they are tens of thousands of them in Zambia alone very soon Zambians will be a minority in their own country, they should start “praying” that they wont turn to slaves on their own soil (Dokument 33: 162–164, Blogeintrag). Ausgehend von der ersten chinesischen Gruppe, die Land erwarb, wird nun die Angst vor einer Masseneinwanderung geschürt, die alle Sambier zu einer 165 Minderheit im eigenen Land machen könnte. Außerdem wären die Sambier dann Sklaven der Chinesen. Die Sorge einer Verdrängung der Sambier durch eine ungesteuerte und zahlenmäßig erdrückende Einwanderung von Chinesen ist nicht berechtigt. Es halten sich nur wenige Tausend Chinesen im Land auf. Von einer evidenten Einwanderungswelle chinesischer Migranten kann nicht gesprochen werden. Die Behauptung der Überfremdung durch Chinesen und die Betonung der Sklavenhalterschaft sind rassistische Merkmale. The Chinese will give you the grant and a Chinese company will be given the tender and our children will be impoverished because they are now enslaved to the Chinese. Botswana is now crying because of over reliance Chinese construction company. The Sir Seretse International airport is still incomplete,the Francistown stadium also incomplete. These were supposed to have been complete before the last World cup in South Africa. The new power station is full of design flaws and is being redesigned, A complete new double secondary school in the north was built without brick force. I can go on and on. Just because they built the TAZARA does not mean they are experts in all areas. Don’t say you were not warned! (Dokument 119: 245–252, Blogeintrag). Der Beitrag skizziert düstere Zukunftsvisionen. Die Vorstellung, die sambischen Kinder, die noch unter der Sklavenherrschaft der Chinesen leiden würden und die konkreten Beispiele von unfertigen Bauwerken schlechter Qualität, die Chinesen errichtet hätten, zeugt von einer bedrückenden Stimmungslage. Am Ende steht der Hinweis, dass die Sambier gewarnt worden seien. Durch den Vorwurf der „Sklavenhalterschaft“ der Chinesen wird der typische Kolonialismusvorwurf, der an sich schon eine rassistische Zuschreibung ist, noch übertroffen. Whatever you say bwana Mumba in your fervent support of the chinks won’t wash with the people on the ground in Zambia. The chinks have treated Zambians sharbly. The coal mines in Southern province, their tuntemba companies on the copperbelt… the list is endless. Don’t pretend you don’t know these things. Our experience with them has been negative. And so you can only **** the gullible. Putting up a spirited defence of these people doesn’t go down well, just want wash with the majority of Zambians, bwana. You are waisting your time totting up your statistics (Dokument 46: 226– 229, Blogeintrag). Es werden Beispiele angeführt, mit denen eine Ausbeutung und Misshandlung Sambias durch die Chinesen belegt werden soll. So geht es um die Kohlenminen in den südlichen Provinzen. Dort kam es im Jahr 2005 zu einem Unfall, 166 dem ausschließlich sambische Arbeiter zum Opfer fielen. Die Ursache für den Unfall waren vermutlich Sicherheitsmängel. 6.1.1.4 Das Unglück in der Collum Mine Immer wieder kommt es zu Unglücksfällen und Ausschreitungen, die sich im Zusammenhang mit chinesischen Unternehmen ereignen. Die Opfer sind überwiegend sambische Arbeiter. Die Unfallursache liegt nach Wahrnehmung der sambischen Öffentlichkeit häufig in vermeintlich fehlenden Sicherheitsbestimmungen in den chinesischen Unternehmen. Manchmal wird den chinesischen Vorgesetzten sogar ein absichtliches Handeln unterstellt. Einer der gravierendsten Vorfälle ist das Unglück in der chinesischen Collum Mine. Die Ereignisse haben sich wie folgt zugetragen. Im Oktober 2010 protestierten hunderte sambische Arbeiter gegen die geringen Löhne. Zwei chinesische Manager schossen mit Gewehren auf die Protestierenden und verwundeten bei dieser Aktion 12 Sambier. Die Schützen wurden zunächst verhaftet, die Anklage jedoch kurz darauf fallengelassen und die Chinesen aus der Haft entlassen.384 Die Schließung der Collum Mine 2013 wurde vom sambischen Regierungsvertreter Kennedy Sakeni damit begründet, dass die Minenbetreiber gegen sambische Sicherheitsbestimungen verstoßen hätten. Eine erneute Verstaatlichung der Mine würde es aber nicht geben.385 Der sambische Arbeitsminister Austin Liato führte aus, dass ein staatliches Komitee die Arbeitsbedingungen in der Mine überprüfen würde. Der Direktor der Mine, Xu Jian Ling, stellte klar, dass alle Opfer gemäß den sambischen Gesetzen entschädigt würden.386 Der damalige sambische Staatspräsident Rupiah Banda warnte indessen die sambische Bevölkerung davor, Ressentiments gegen Ausländer, speziell gegen Chinesen, zu entwickeln. Es würde sich um ein Arbeitsproblem handeln. Er hätte den chinesischen Botschafter darauf hingewiesen, dass Chinesen die sambischen Gesetze beachten müssten.387 Aus der Aussage von Ling lässt sich schlussfolgern, dass sich das chinesische Unternehmen über die Risiken dieser Geschäftsbeziehungen in Sambia bewusst war, wenn solche Vorfälle wie die in der Collum Mine nicht aufgeklärt und die Opfer und deren Angehörige keine Entschädigung erhalten würden. Die Aussage des Arbeitsministers ist dahingehend zu verstehen, dass die sambische Regierung um die Brisanz solcher Vorfälle wusste und darum öffentlich mahnte, um den Anschein zu erwecken, 384 Magistad 2011. 385 o.V. 2013 b. 386 Nklomaba 2010. 387 o.V. 2010. 167 dass sie der Verantwortung der eigenen Bevölkerung gegenüber nachkommt. Sowohl der chinesischen als auch der sambischen Regierung geht es um Schadensbegrenzung, um die weitere sambisch-chinesische Zusammenarbeit durch eskalierende Proteste nicht zu gefährden. Die folgenden Beiträge haben weitere Unglücksfälle und Ausschreitungen zum Thema. It was shocking to hear that they were no protests from any NGOs, locals in the area and even from the miners at the Collum mine when these managers pulled a disappearing act. I would urge our people to be more patriotic and give credence particularly where our fellow citizens are endangered or least being mistreated. The fact that Zambians were shot at, for a pay dispute, should entail that maximum justice for our people so that it serves as a lesson to all future offenders particularly the (so called) investors (Dokument 3: 168, Blogeintrag). Die Schießerei an der Collum Mine wird von Unverständnis über die fehlenden Proteste in der Bevölkerung und von NGOs begleitet. Die patriotische Gesinnung der Sambier wird angesprochen, der Vorwurf von Misshandlungen und rechtlicher Bevorzugung der Chinesen dominiert die öffentliche Meinung. Der Gegensatz zwischen Sambiern und Chinesen wird deutlich gemacht. Please Honourable Kambwili help these people in this mine, they have been working in a bad and cruel environment with these fake Chinese investors. I am always hate each time i hear about Collum Coal mine. Does it mean the government of Zambia thru the Labour Minister does have any power to close this mine? or comand the owners to change the working culture? PLease you pipo help these poor miners before they all (Dokument 24: 80–83, Blogeintrag). Es ist eine unumwundene Bitte eines besorgten Sambiers an die Politik, den sambischen Arbeitern in den chinesischen Bergwerken zu helfen. Die chinesischen Investoren werden als „Schwindler“ bezeichnet und es wird gefordert, die Collum Coal Mine zu schließen. Die Sambier sehen es als selbstverständlich an, dass der zuständige Minister eingreifen sollte: Er soll die sambischen Arbeitnehmer in der chinesischen Mine davor schützen, ausgebeutet und misshandelt zu werden. Die zweifelnde Frage, ob die sambische Regierung überhaupt über die Macht verfügt, die chinesische Mine zu schließen, zeigt, dass in der sambischen Bevölkerung das Gefühl dominiert, die Regierung würde keinesfalls gegen die chinesischen Unternehmer vorgehen können. Es ist die Sorge um das Versagen des Rechtstaats, das sich am Beispiel der Collum Mine zeigt. Die Bezeichnung der chinesischen Bergwerksbetreiber als „Schwindler“ ist eine Beleidigung. 168 Kambwili please deal with these no for good infesters before they kill more people.We need sanity in the labour ministry, deal with people who are issuing work permits to these misfits. How can a supervisor allow people to go and work in an area were blasting has just taken place. Are they not sacrificing our people for their rituals? Visit that mine and get first hand information, investigate and reprimand them vehemently (Dokument 24: 86–88, Blogeintrag). Die sambische Politik wird wegen der ungerechten Behandlung von sambischen Bergarbeitern durch die chinesischen Vorgesetzten um Hilfe gebeten. Ausgehend von den Unglücksfällen in den Minen wird der Vorwurf erhoben, die Chinesen würden Sambier bewusst töten. Es wird nach einer konsequenten politischen Kontrolle gerufen und ein Besuch der Unglücksstelle gefordert, damit sich Politiker selbst ein Bild von den Bedingungen machen könnten. File: Coal Mine workers picking coal without protective clothes at Shaft One at the chinese collum mine One miner has died in an underground accident at the Chinese owned Collum Coal Mine while two others are battling for their lives at Maamba Hospital in Sinazongwe district. Sinazongwe District Administrative Officer Sokoluku Daka, Sinazongwe Member of Parliament Richwell Siamunene and Nkanddabwe Ward Councilor Partson Mangunje confirmed the accident that happened on Tuesday 17th January at 13:30 hours. An eye witness, Geshom Muchindu, a miner who was underground at the time of the accident disclosed that the accident occurred after blasting underground. Mr. Muchindu alleged that before dust settled the Chinese supervisor ordered them to go and work in the tunnel where blasting had just been done. He said there was a rock fall on three of the miners and killed one on the spot while the others were severely injured. And one of the injured, Dought Mudenda also said the Chinese Supervisor only named as Ruin forced them to enter the tunnel where blasting was done and allegedly threatened them that he would deduct their working hours if they refused (Dokument 24: 2–11, Artikel). Der Unfall in einem chinesischen Kohlebergwerk mit sambischen Arbeitern, die infolge des Unglücks starben, wird in sehr sachlicher Weise beschrieben und mit Einzelbeispielen belegt. Es wird detailliert geschildert, wie die sambischen Arbeiter von ihren chinesischen Vorgesetzten gezwungen würden, ohne ausreichende Sicherheitsmaßnahmen zu arbeiten. Hier wird indirekt eine Verbindung zwischen den Todesfällen und dem Verhalten der chinesischen Vorgesetzten hergestellt. In dem Artikel werden sambische Augenzeugen zitiert, die beobachteten, dass die chinesischen Aufseher die sambischen Arbei- 169 ter in den Tunnel geschickt hätten, obwohl die Sprengarbeiten gerade begonnen hätten. Eine mögliche Weigerung der sambischen Arbeiter wurde mit Drohungen beantwortet. Sollten diese Vorwürfe zutreffen, träfe die chinesischen Aufseher eine Mitschuld an dem Unglück. Der Vorwurf ist schwerwiegend. The Chinese Embassy should not refute these findings, who doesn’t know that zambian workers were shot at by chinese employers and what about the BEGRIM disaster where hundreds of our country men were exploded into oblivion??? This report is just stating the obvious and refuting it is calling us imbeciles. One suggestion, Kaluku lukuku is pair up with Mushota, they would make a contravesial couple!!! (Dokument 16: 195–198, Blogeintrag). Zwei Einzelfälle werden in Verbindung miteinander gesetzt: Die Erschießung von sambischen Arbeitern durch chinesische Arbeitgeber und die Explosion in der Begrim Mine mit hunderten von sambischen Todesopfern. Diese beiden Ereignisse werden in Form einer rhetorischen Frage mit der Aufforderung an die chinesische Botschaft verbunden, die vermutete Absicht der Chinesen bei den Todesfällen nicht abzustreiten. Der Autor unterstellt der chinesischen Botschaft indirekt, absichtlich die Aufklärung der sambischen Todesfälle in der Mine zu behindern oder jedenfalls nicht zu unterstützen. Dieser Vorwurf beruht allerdings auf Spekulationen. Two hours on the job, the wanker is bending already to kiss ass!! Lets talk about the Bilgrim explosion tat Chambeshi, No Chinese died but they were supervisors and foremen in the plant, how come? they knew that the plant was about to blow and left the Zambian workers to perish without even warning them. The Chinese have no safety regulations, the government has to monitor them closely and make them apply the standard mining regulations which are standardised not the Chinese ones (Dokument 15: 160–164, Blogeintrag). Von einem konkreten Einzelbeispiel ausgehend wird eine verschwörungstheoretisch inspirierte rhetorische Frage gestellt: Warum nur Sambier, aber keine Chinesen unter den Opfern seien. Die Unterstellung, es sei Absicht der chinesischen Verantwortlichen gewesen, wird verbunden mit einer politischen Forderung nach Schutz. Bei der in chinesischer Eigentümerschaft stehenden BEGRIM-Fabrik kam es 2005 zu einer Explosion, durch die rund 50 sambische Arbeiter ihr Leben verloren. Hier gibt der Autor einer Verschwörung Raum durch die Tatsache, dass kein Chinese unter den Opfern war. Diese Vermutung könnte bedeuten, dass die Chinesen die Explosion absichtlich oder höchst fahrlässig herbeigeführt hätten, als sich nur Sambier in den gefährdeten Bereichen befanden. Auch diese Behauptung erweist sich als reine Spekulation ohne jegliche Belege. 170 you are very right No. 4. Instead of just making noise in the Media, go and push for policies to curb this vice. This is not news; everybody knows that chinese campanies in Zambia are exploiting Zambians and bring in unqualified chinese in the name of expatriates. Now that you have found out this ( Which I believe you already knew before you visited Chambishi), next time lets hear you bringing it up in parliament or policymaking fora in the labour ministry. you are a policymaker for crying out loud. do your job (Dokument 25: 102–103, Blogeintrag). Es wird vorausgesetzt, dass jeder in Sambia von der Ausbeutung der Sambier durch die Chinesen wüsste. Aus dieser gewagten Annahme folgt eine konkrete Aufforderung an die Politik, diesen Zustand zu ändern. Die Forderung nach politischer Intervention wird auch für die Chambishi Mine erhoben. In der sich in chinesischer Hand befindlichen Chambishi Mine ereignete sich 2012 ein Unglück: Bei Ausschreitungen protestierender sambischer Arbeiter starb ein chinesischer Aufseher, zwei weitere wurden verletzt.388 Damit ist die Chambishi Mine für den Autor ein Symbol, welches hohe Gewaltpotenzial die chinesisch-sambischen Spannungen beinhalten. WHY THE CHINESE DID NOT CRY FOR SAFTY WHEN THEIR CHINAMAN SHOT 11 ZAMBIAN MINERS LAST YEAR. THE CHI- NESE EMBESSY PEOPLE ARE USELESS BECAUSE THEY DID NOT CONDEMN THEIR CHINESE NATIONAL WHEN HE HAD FIRED SHOTS AND INSTEAD GOT R.B TO QUASH THE CASE DIPO- MATICALY.THAT WOULD BE MURDER WAS NEVER JAILED AND WE ALL KNOW THAT. I DONT HOLD HATRED BECAUSE ANY DEATH IS PAINFULL. I CALL A SPADE SPADE (Dokument 50: 196– 199, Blogeintrag). Ausgehend von den Todesschüssen auf elf sambische Arbeiter wird eine wütende Anklage gegen China an sich, die chinesische Botschaft und die angebliche Befreiung der Chinesen vom gültigen sambischen Recht aufgebaut. Diese polemische und verallgemeinerte Form von Protest ist von Hass gekennzeichnet. Die chinesische Botschaft würde sich aus dem chinesisch-sambischen Konflikt heraushalten und den Chinesen möglicherweise sogar Unterstützung gewähren. Die sambische Justiz würde nicht ausreichend ermitteln und die Chinesen nicht wegen Mordes anklagen. Hier liegt eine erbitterte Anklage gegen das sambische System vor, gegen einen Schulterschluss aus offiziellen sambischen Vertretern aus Politik und Justiz und den Vertretern der chinesischen Regierung in Sambia, der chinesischen Botschaft. 388 Okeowo 2013. 171 6.1.1.5 Der Human-Rights-Watch-Report von 2011 Internationales Aufsehen erregte im November 2011 der Report der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ über die Zustände in chinesischen Bergbauunternehmen im sambischen Copperbelt. Als Ergebnis des Reports wurden anhaltende Arbeitsrechtsverstöße und Misshandlungen sambischer Arbeiter durch chinesische Vorgesetzte festgestellt. Der folgende Artikel benennt die Reaktionen auf den Report. Fine words coming from a member of a Nation that does not recognise the Human rights of its own people, let alone the rights of Zambians, you only have to look on Human Rights Watch at the abuse meted out to Zambians from their chinese employers (Dokument 28: 204–205, Blogeintrag). Es wird die allgemeine Behauptung aufgestellt, dass die Chinesen die Menschenrechte missachten würden. Anschließend wird daraus die Konsequenz abgeleitet, dass anhand des „Human Rights Watch Reports“ die Misshandlung der sambischen Angestellten durch ihre chinesischen Vorgesetzten belegt wird. 2011 wurde der 122-seitige Report der NGO vorgestellt. Mit dem Titel „You’ll Be Fired if You Refuse“ wird anhand von 170 Interviews aufgezeigt, dass chinesische Unternehmen im sambischen Copperbelt systematisch sambische Arbeitsschutzgesetze missachteten. Sambische Arbeiter wurden mit unzureichendem Sicherheitsequipment ausgestattet, sodass es gehäuft zu Unfällen kam. Sie wurden gezwungen, anstrengende Mehrarbeit zu leisten. Proteste und gewerkschaftliches Engagement werden jedoch mit Sanktionen belegt.389 Der „Human-Rights-Watch-Report“ ist nach Recherchen eine der wenigen zuverlässigen Quellen, die die Vorwürfe gegen die chinesischen Arbeitgeber belegen. Der Vorwurf der Missachtung von Menschenrechten ist häufig in der Politik zu hören, oft mit rassistischen Untertönen, die im vorliegenden Fall aber nicht vorhanden sind. 6.1.2 Historischer Protest Die folgenden Artikel stellen Verbindungen her zwischen der wirtschaftlichen Macht Chinas und einer vermeintlichen sambischen Neukolonisierung durch China. Dabei werden auch Vergleiche mit der Sklaverei früherer Jahrhunderte gezogen. Durch die regelmäßige Berufung auf die geschichtlichen Erfahrungen mit dem Kolonialismus werden die Artikel der Kategorie historischer Protest zugeordnet, einige weisen aber auch rassistische Elemente auf. 389 Tharoor 2011. 172 Africa is being slowly recolonised this time by the east .This new master is not doing it by the gun but thru the double fisted grip of economics & immigration much like their Mexican counterparts in the U.S.A. (Dokument 81: 52–54, Blogeintrag). Der Autor stellt folgende Behauptung auf: Früher wurde Afrika von europäischen Mächten mit Waffen kolonisiert, heute vollzieht sich die Kolonisierung durch die chinesische Wirtschaftsmacht und Einwanderung. Zudem stellt der Autor einen ethnischen Vergleich an: Auch Mexikaner würden durch den zahlenmäßigen Anstieg der Einwanderer die USA langfristig kolonisieren. Solche Vergleiche sind unangemessen und sachlich nicht richtig. Tatsächlich gibt es eine große Zahl illegal in die USA einwandernder Mexikaner und daraus resultierend umfassende Grenzkontrollen auf amerikanischer Seite. Doch es gibt keine kolonialen Pläne von mexikanischer Seite. Die chinesische Einwanderung nach Afrika folgt bisher gesetzlichen Regelungen, die eine illegale Einwanderung kaum zulassen. Dies ändert aber nichts an der rassistischen Intension des Verfassers, der vor einer Bevölkerungsverdrängung und dem rassistischen Vorwurf der Neokolonisierung warnt. There are very little human rights in China. Why would they have any considerations of workers in their new colony of Zambia. Get real! Chinese money is buying everything and anything across the globe. People need to start saying what are we getting out of this? There are still laws in Zambia. Make your new colonial master adhere to them. In China they still have child slave labour (Dokument 63: 84–87, Blogeintrag). Der Autor verknüpft die in China fehlenden Menschenrechte mit der heutigen angeblichen Kolonisierung Sambias durch China. Die Chinesen würden im eigenen Land keine Menschenrechte einhalten. Entsprechend seien die Chinesen in Sambia auch nicht bereit, den sambischen Einwohnern die Menschenrechte zuzugestehen, die in China selbst fehlten. Chinesische Vertreter in Sambia würden sich in der Tradition alter Kolonialmächte verhalten, die ebenfalls keine Menschenrechte in ihren Kolonien einhielten. China hätte Kindersklavenarbeit, zudem würden die chinesischen Finanzmittel alles und jeden in der Welt kaufen. Angst spricht aus diesen Sätzen, Angst vor zunehmender Machtlosigkeit Sambias und Machtzunahme Chinas, Angst vor der Zurückdrängung von Menschenrechten durch Chinesen. Der Vorwurf des Kolonialismus ist ein Bestandteil der rassistischen Theorien. Ukwa has a point! The Chinese are our new colonial super power… Taking ownership of our natural resources and exporting the profits back to China… They are too clever! (Dokument 94: 604–607, Blogeintrag). Die Chinesen werden als neue koloniale Supermacht bezeichnet. China würde sich die natürlichen Ressourcen aneignen und die Profite zurück nach China 173 exportieren. Es ist ein Ausdruck von Misstrauen, zumal die Chinesen als „clever“ bezeichnet werden. Die Bewunderung für die chinesische Politik ist in dieser Aussage offensichtlich, denn der Autor betreibt keine rassistische Hetze und stellt auch keine unangemessenen Forderungen. Diese Einschätzung ändert aber nichts an der kritischen Grundaussage seines Beitrags. Der Vorwurf des chinesischen Kolonialismus ist rassistisch. The country does not need this type of developement; it was called slavery in the past. Why are you allowing another country to take advantage of your people. China has no civil rights at home, no safety in there own mines why would they practice them here in their new colony? (Dokument 50: 152– 155, Blogeintrag). In dieser wütenden Anklage an China wird ein direkter Bezug von den heutigen chinesischen Investitionen in Afrika zu der früheren Sklaverei durch europäische Nationen hergestellt. Die unzureichenden Menschenrechte in China sind für den Autor ein Beleg, dass China sich in Sambia nicht an Menschenrechte halten könne. Da auch der Begriff „neue Kolonie“ fällt und damit die Chinesen als Kolonialherren bezeichnet werden, liegt Rassismus der Dominierten nach Leiprecht vor. 6.1.3 Sozioökonomischer Protest 6.1.3.1 Uneingelöste Versprechen der sambischen Regierung Der sozioökonomische Protest thematisiert in erster Linie Ängste und Aufbegehren gegen chinesische Investitionen, die soziale und wirtschaftliche Missstände bewirken könnten. Die Kritik richtet sich gegen den 2011 gewählten Präsident Sata, dessen Wähler sich überwiegend eine Beseitigung der unzureichenden Arbeitsbedingungen in chinesischen Unternehmen erhofften. Eine Abhilfe blieb nach Meinung vieler Sambier aus. Somit geht die Kritik an Sata einher mit der Kritik an der früheren Regierung, weil sich offenbar wenig geändert hat. Whatever the president wanted to say, this is not the way. Embarrassing government officials, ministers, MPs, by shouting at them publicly and telling them that they are less intelligent than others, I can not defend that. China is a country full of illiterate peasants. The development that China has recorded is based on a few elite treating everyone else as slaves. China is a slave labour country. I am beginning to think that maybe my president is the one who is not very intelligent, or at least not civilised or well groomed/cultured (Dokument 94: 748–751, Blogeintrag). Das chinesische Wirtschaftswunder wird mit einer „Sklavenhaltermentalität“ der chinesischen Führung gegenüber dem eigenen Volk begründet. Diese Einstellung wäre auch gegenüber Sambia sichtbar und entsprechend sei die 174 politische Führung Sambias entweder ungebildet oder nicht intelligent, weil sie nichts gegen die chinesischen Machenschaften unternehmen würde. Diese sachlich vorgetragene Behauptung wird mit einer dezidierten Kritik an der sambischen Führung verbunden. Weder Angst noch Hetze sind aus dem Beitrag zu entnehmen. Trotzdem bewegt sich der Vorwurf der „Sklavenhaltermentalität“ der Chinesen auf einer rassistischen Ebene. Es werden zwei Ethnien in einer Über- und Unterordnung geschildert. Die andere Ethnie, im vorliegenden Fall die sambische, werde durch die chinesische Ethnie versklavt und dadurch als minderwertiger angesehen. Some one really needs to get down to the bottom of these strikes at Chinese mines. The MMD government set a bad precedent and if the Chinese can not stop their culture of abuse, someone should be brave enough to tell them to leave the country. The duty of government if first and foremost to its citizens, not foreigners (Dokument 13: 32–34, Blogeintrag). Es wird ein Vorwurf gegen die MMD-Regierung erhoben, nichts gegen die Ausbeutung der Sambier in den chinesischen Minen zu unternehmen. Die Aussage besteht in der konkreten politischen Forderung, die Chinesen des Landes zu verweisen. It’s a pity you support MMD. I read most of you comments. I agree with you on this one. There are lot of cases that have not been reported in these Chinese Mines because workers are afraid to loose their jobs. One person was kicked in copperbelt but kept quiet. He ended up taken to the hospital after a week by his wife because she saw him complain and he was finding it hard to sleep during the nighttime. When ZCCM was run by Zambians, we did not have such kind of cases. MMD knows this very well but it’s a political point to keep people employed at the cost of human abuse (Dokument 10: 372– 374, Blogeintrag). Es werden Einzelfälle von Misshandlungen an sambischen Arbeitern in den chinesischen Minen geschildert. Angenommen wird eine Verbindung zur sambischen Regierung, die als zu chinafreundlich gesehen wird. Der Protest gegen die Chinesen wird konkret mit Kritik an der regierenden Partei verbunden und eine politische Alternative eindeutig benannt. 6.1.3.2 Konkurrenzängste und ausbeuterische Arbeitsbedingungen Im Mittelpunkt der sambischen Kritik an China steht die Nichteinhaltung von sambischen Arbeitsschutzgesetzen durch chinesische Unternehmen. Auch die als unfair empfundenen Zugänge chinesischer Einzelhändler zu offenbar kostengünstigen Produktionskapazitäten in China führen zu Unmut, weil die chinesischen Händler ihre sambischen Konkurrenten mit Dumpingpreisen erheblich unterbieten. 175 On Thursday a report by Human Rights Watch (HRW) said Chinese mining companies in Zambia, were routinely flouting laws designed to protect workers’ safety and the right to organise. The New York-based body urged President Michael Sata to follow through on campaign promises to stamp out abuse of workers in the sector (Dokument 15: 14, Artikel). Eine wissenschaftliche Studie wird als Beleg für chinesische Verletzungen der Arbeitnehmer in sambischen Bergwerken herangezogen. Mit diesem Hinweis wird die Forderung an Präsident Sata verknüpft, seine als Oppositionsführer abgegebenen Wahlversprechen einzulösen und sich der Probleme anzunehmen. Zambia has mined copper for ages. That foolish excuse of saying chinese are employed for speciallised jobs which zambians cant do is a BIG lie. May be you mean as a result of improved technology but even that is not an excuse becauise Zambians are trainable. You can send your Zambian workers to go and acquire that skill. Chinese are good for nothing it is very unfortunate that they have the money so we are dancing to their tune. they fail to pay workers good salaries, They fail to observe saftey rule,They fail to train the Zambia workers. They are just after our wealthy.Very foolish investors (Dokument 25: 62–65, Blogeintrag). Eine Reihe von Vorwürfen richtet sich an die Adresse der Chinesen im Land. Zum einen würden Chinesen für gute „Jobs“ eingesetzt, für die eigentlich auch Sambier geeignet wären. Außerdem wird kritisiert, dass Chinesen mit den getätigten Investitionen Macht ausüben könnten. Zum Schluss werden den chinesischen Arbeitgebern die geringen Gehälter für Sambier angelastet. Die Kritik bleibt relativ sachlich. Are we still getting Chinese to run shops under the PF? These people are scam of the earth. Can we not get better infestors other than those selling chicken, runing shops, digging drainages because we have plenty Zambians already doing this. We need Car assembly, Manufacturing, Mining, commercial farmers for investers and not these chinese we are seeing around We also need investers to come with their own money and build own infrastructure and not come to queue with us at Barklays and increase rentals by occupying already existing buildings. Who gives foreigners permits in this country? (Dokument 45: 57–60, Blogeintrag). Eine unfaire Konkurrenz der Chinesen in den Einzelhandelsgeschäften wird beklagt. Sambier könnten einfache Arbeiten genauso verrichten. Es wird ebenfalls gefordert, dass China nur große Summen in die Infrastruktur des Landes investieren sollte, weil diese finanziellen Mittel am ehesten der Bevölkerung zugutekämen. Die Angst vor der eingewanderten Konkurrenz bei kleinen Händlern und Arbeitern ist ein häufiges Motiv für die Entstehung von Ressentiments. Rassismus liegt zwar noch nicht vor, könnte sich aber relativ 176 schnell aus der Kritik des Autors an dem chinesischen Konkurrenzverhalten im Einzelhandel entwickeln. File: Coal Mine workers picking coal without protective clothes at Shaft One at the chinese collum mine Chinese miners at the embattled Collum Coal Mine in Sinazongwe district in Southern province have petitioned government to provide maximum protection to them during riots. The Chinese nationals, who mobbed Labour and Social Security Minister Fackson Shamenda yesterday, complained that there was no protection given to them whenever there was a riot at the mine (Dokument 50: 4–6, Blogeintrag). Ein konkreter Fall für die unzureichende Ausstattung sambischer Kohlenminenarbeiter mit Schutzkleidung wird als eine Ursache der Streiks aufgeführt. Hinter dieser Form des Protests steht nicht die Absicht, Ängste zu schüren, sondern nur Verantwortlichkeiten festzulegen. It’s a shame to allow China or other people to construct simple things like wheel-burrow, drainage, township roads, schools, clinics etc when we have universities geniuses in Zambia. Education must be aligned to socialeconomic development of our communities. Eg, All final year students should finish a project in communities as part of their thesis. This policy should be implemented in all sectors of the higher education courses. To achieve this, All govt needs is policy-to bridge universities with companies….Accept MUTUAL INVESTMENT, Limit begging from Chinese plz. we can do better, vision 2030 and beyond (Dokument 52: 48–50, Blogeintrag). Es wird kritisiert, dass chinesische Ingenieure Schulen und Straßen entwerfen würden. Die Projekte könnten auch von sambischen Ingenieuren im Sinne der sambischen Entwicklung umgesetzt werden. Anschließend wird das sambische Ausbildungssystem einer kritischen Beurteilung unterzogen und mit der Forderung nach besserer Schulung sambischer Studierender verbunden. Insgesamt bleibt der Autor sachlich. Workers employed by China-Jiangxi to construct the new provincial government office block in Chinsali district of Muchinga Province today protested at the permanent secretary’s office over alleged poor working conditions and inhuman treatment by the Chinese contractor. The Irate workers have complained that since their engagement three months ago, they have not signed any formal contract that stipulate their work conditions saying transport to ferry them to the project site, about eight (8Kilometres) away has been withdrawn; a situation they have described as pathetic. Among other problems highlighted include, non-payment of tools allowances despite them doing the work with their own handy equipment saying what 177 has incensed them more is the withdrawal of transport to ferry them to the construction site without paying them any allowance. The group leaders who sought anonymity told ZANIS that the use of abusive language and beating of workers is slowly creeping in the work environment citing a recent incident in which a named 28 year old casual worker was hit with a shot button on his back but the matter was not reported to police as it was sorted out amicably (Dokument 63: 8–11, Artikel). Es handelt sich um die Beschreibung eines Streiks sambischer Arbeiter gegen chinesische Arbeitgeber. Die Argumente für den Streik werden systematisch dargestellt. Bemerkenswert ist, dass es keine formalen Verträge für die Arbeiter gibt. Auslagen für zu nutzende Werkzeuge werden nicht erstattet. Transportmittel für die Arbeiter zum Arbeitsplatz stellen die chinesischen Arbeitgeber nicht zur Verfügung. Zudem berichtet der Autor von verbalen und körperlichen Misshandlungen durch die Chinesen. Besonders brisant erscheint die Tatsache, dass die sambischen Arbeiter für das chinesische Bauunternehmen ein sambisches Regierungsgebäude errichten sollen. Diese Auftragsvergabe erscheint als ein Indiz für die enge Verbundenheit der chinesischen und der sambischen Regierung, denn tatsächlich hätte auch ein sambisches Unternehmen das Regierungsgebäude bauen können. Natamoyo said he received a report around 15:00 hrs on Sunday from the workers that the Chinese employers would leave the following day without paying the workers their wages. Because of this information, the Zambian workers decided to demand for their wages. However, the Chinese contractors decided not to give in to the workers’ demands but opted to physically deal with the workers. Mr. Natamoyo said when he tried to intervene in the matter he learnt that the Chinese had locked up one Zambian worker in the toilet whom they had brutally assaulted (Dokument 65: 9-11, Artikel). Der Beitrag entwirft ein kritisches Bild über einen Fall, zu dem ein Sambier von seinen negativen Erfahrungen mit chinesischen Arbeitgebern berichtet. Zum einen wird die Nichtzahlung von Gehältern beklagt und anschließend ein Misshandlungsfall öffentlich gemacht: Ein sambischer Arbeiter wird von seinem chinesischen Vorgesetzten in eine Toilette gesperrt. Dieser Vorfall ist möglicherweise ein Indiz dafür, dass die Chinesen mit Gewalt gegen Arbeiter vorgehen, wenn es zu Konflikten kommt. Zudem steht die Behauptung im Raum, dass die chinesischen Arbeitgeber auf die Forderungen nach regelmäßigen Gehaltszahlungen nicht eingehen und stattdessen mit physischer Gewalt drohen. Auf diese Weise bewirken die Chinesen nur noch mehr Protest, der sich in Gegengewalt entladen könnte. So drastisch die Schilderungen auch sind, es ist ein radikaler Protest, der aber in Rassismus münden könnte. 178 Minister of Labour and Social Security Fackson Shamenda has urged the Chinese construction companies to treat workers in a more “humane” way to avoid industrial unrests. Mr Shamenda was speaking in Itezhi tezhi today when he visited Sino Hydro group of companies which has been contracted by Itezhi Tezhi Power Corporation (ITPC) to construct the US$230 million hydroelectric power station in Itezhi tezhi. Mr Shamenda said that all Chinese firms should treat workers fairly and respect their religious beliefs by enabling them to attend church services on Sunday or Saturdays. “Both local Zambian workers and Chinese workers in Zambia should not work like slaves” he said (Dokument 85: 3–9, Artikel). Der sambische Arbeitsminister wird zitiert, der sich zu den Arbeitsbedingungen in chinesischen Bauunternehmen äußert. Der Minister fordert die Chinesen auf, die Sambier nicht wie „Sklaven“ zu behandeln. Dieser Appell ist als ein symbolisches Zeichen mit dem Ziel zu verstehen, die sambischen Proteste nicht eskalieren zu lassen. Die Aussage belegt, dass der Arbeitsminister Kenntnisse von den Protesten hat und entsprechend handeln müsste, es aber scheinbar bei dieser Aussage belässt. Die Einordnung in eine „Herr-Sklave- Beziehung“ ist ein rassistisches Ressentiment. Der Autor verzichtet aber darauf, eine solche Behauptung aufzustellen. Stattdessen ist er nur darauf aus, die chinesischen Unternehmen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. “We need to harmonise the working culture of the Chinese and blend it with the culture of the Zambians to ensure industrial harmony” Mr Shamenda said. He said that as a result of different working cultures between the Chinese and Zambians, the country has witnessed industrial conflicts such as the one at the coal mine which led to deaths of some workers. Mr Shamenda advised the Chinese company not to use their workers as slaves but give them enough time to engage in social activities (Dokument 85: 15–17, Artikel). Der sambische Arbeitsminister wird erneut zitiert. Er sucht nach einem Kompromiss, um die verschiedenen Arbeitskulturen von Chinesen und Sambiern zusammenzuführen. Dies ist eine „niederschwellige“ Form, um den Konflikt zu klären. Die politische Äußerung an sich ist sachlich und berechtigt. Borrowing money has 2 systems in play, industrialized system and consumer system.so America‘s debt is different from Zambia ‘s debt, how? American govt wants to sell military weapons to Cambodia,it will borrow money from China,then pays USA companies manufacturing military equipment,their by boosting the companies ‘s productivity and those firms will employ more workers who will be taxed by the state and federal gov’t -boost the USA economy.the other one ,of which Zambia is active is where our govt borrows from china and the Chinese govt attaches conditions by using Chinese firms to supply or manufacture the products,creating employment for the citizens,so Zambia is just a customer for china,no tax,no jobs created but over- 179 burdened by the loans on our back.China boost its economy (Dokument 101: 262–266, Blogeintrag). Zwei Großmächte und ihr Umgang mit unterlegenen Staaten werden verglichen: Die USA würde Kambodscha mit gewährten Anleihen zu Waffenkäufen verpflichten; China würde Anleihen gewähren, um Sambia zu einem Kunden zu machen. Chinesen zahlten keine Steuern und schafften keine sambischen Arbeitsplätze. Es ist eine sachlich vorgetragene Feststellung, die Kritik an den Wirtschaftsbeziehungen äußert und auf eine Besorgnis hindeutet. Der Autor sieht einen Zusammenhang zwischen den US-amerikanischen Käufen von Militärausrüstung und der Art, wie die Chinesen Sambia finanzieren. Die USA leihe sich von China Geld, das in Rüstungsprojekte investiert würde, durch die die amerikanische Wirtschaft „boome“ und zu höheren Steuereinnahmen für die USA führe. Die sambische Regierung dagegen leihe sich Geld von China und räume im Gegenzug der chinesischen Regierung weitreichende Rechte ein, um in Sambia chinesische Produkte zu verkaufen und Arbeitsplätze für Chinesen zu schaffen. So sei Sambia lediglich ein Kunde für China, es gebe keine Steuereinnahmen und es entständen keine zusätzlichen sambischen Arbeitsplätze. Aus diesem Grund würde die sambische Bevölkerung nicht von den chinesischen Anleihen profitieren. SHANDONG Dejian, a Chinese firm engaged by Maamba Collieries limited to install electrical pylons from Munzuma Zesco substation in Choma to the mine in Sinazonzwe District, has procured protective clothing units for its workers. The company has also increased the workers salaries to K900 per month from about K700. The workers, last week protested over lack of protective clothing and poor conditions of service prompting Choma District Commissioner Bernadette Hamweemba to summon company director William Teng (Dokument 104: 4–6, Artikel). Der Artikel beschreibt einen Einzelfall, als infolge eines sambischen Streiks ein chinesisches Elektronikunternehmen die sambischen Gehälter erhöhte und Schutzkleidung für die Arbeiter produzierte. Der Beitrag zeigt an einem konstruktiven Beispiel, wie es zu verbesserten Arbeitsbedingungen durch Streiks kommen könnte. Der Protest impliziert, dass Proteste gegen die chinesischen Arbeitgeber im Land tatsächlich helfen könnten. The profits being salted away by MCC is unprecedented. They keep two sets of accounting figures. One for GRZ showing a loss, and the other reflecting the financial health of the company which is privy only to Chinese. Miners in Luanshya should emulate their brothers in Chambishi. In 20 years time, exminers will be destitute with the salaries they are currently commanding. It is time they benefit from the toil and sweat they are putting in. Not to mention, it is their god given resources that is being exploited…..WAKE UP GUYS!!! (Dokument 105: 36–38, Blogeintrag). 180 Der sozioökonomische Protest zeigt hypothetisch, wie die Löhne der sambischen Arbeiter langfristig immer mehr sinken würden. Die Sambier sollen sich am Ertrag ihrer Ressourcen beteiligen, darum steht am Ende ein Aufruf an alle Sambier, „aufzuwachen“ und die Situation zu verändern. when where you last in Zambia for you to call Zambians Lazy. Have you carefully analyzed this clip. Zambians are saying they are working hard to grow chickens which are fit for human consumption while the Chinese are producing cheap health Hazard chickens resulting in Zambians loosing business.Zambia do not have a shortage in chicken supply. we are always producing enough to feed ourselves and export to Congo. The farm being shown here is nothing compared to the farm I saw in Chongwe which owned by a Zambian, but he complained bitterly on the unfair competition he was facing from the Chinese who were growing health Hazard chickens. Join me to send messages to our friends back in Zambia not to buy these chickens…just write..DO NOT BUY CHINESE CHICKENS…send to 5 people (Dokument 7: 81–85, Blogeintrag). Der Beitrag wird ausgehend von einem Einzelbeispiel verallgemeinert. Zwei Geflügelhändler werden gegenübergestellt: Der sambische Händler, der seine gebratenen Hühnchen anbietet, und der chinesische Konkurrent, der dem Kunden ein billigeres Hühnchen verkauft. Der einheimische Verkäufer kann nicht mithalten und leidet nun unter Existenzängsten. Dadurch werden Ablehnung und Wut auf die chinesischen Einwanderer geschürt und gipfeln in dem Aufruf, chinesische Geflügelhändler zu boykottieren. Zweifelsohne handelt es sich hier um Rassismus. The point to consider is not allowing the chinese to completely take away the market from Zambians. How are Zambians going to feed their children if the chinese can be retailing, let them whosele their chiken to the marketeers. Such considerations sould be put in place if our poor marketeers were to be protected from unfare competition. Cheap loans should also be given to Zambians chicken farmes as the chinese are using cheap money from China (Dokument 7: 91, Blogeintrag). Der Artikel prangert an, dass die Chinesen den Markt der Sambier komplett dominieren und damit die Zukunft der sambischen Kinder bedrohen würden. Das Beispiel bezieht sich auch auf die preiswert angebotenen chinesischen Hühnchen und verallgemeinert diesen Zustand. So wird ein Muster in den wirtschaftlichen Aktivitäten der Chinesen sichtbar: Die Chinesen würden frei verfügbares Kapital aus China einsetzen, um die sambischen Geflügelzüchter unterbieten zu können. It’s about time we started addressing these issues about child molestation and defilement. If these cases are not taken to court or people give a blind eye to the situation then it will only get worse and we will be sending the wrong 181 message. These Chinese people are nothing but trouble to Zambia and doing injustices to Zambian people. They need to start respecting the Zambian laws, and the Zambian people. Look at what they are doing to the wildlife. They are the ones killing off Rhinos and other endangered species. They sell a Rhino horn for $65,000 in China or abroad. They are taking away from the Zambian economy and the tourism business. Get rid of all of them and send them back packing to their Chinese villages. They are nothing but peasants there so who do they think they are? (Dokument 32: 503–506, Blogeintrag). Von einem konkreten Einzelbeispiel ausgehend, dem Handel mit Nashörnern, wird eine bedrückende Gesamtsituation für das ganze Land konstruiert. Die Chinesen werden in jedem Fall als „schädlich“ für Sambia bezeichnet, sie würden nur „Ärger machen“, die Wirtschaft „ausbeuten“ und die Sambier „nicht respektieren“. Interessanterweise werden die Chinesen in Sambia als „Bauern“ bezeichnet, die sich für etwas Besseres halten würden. Diese Zuschreibung drückt eine persönliche Missachtung der Chinesen durch den Autor aus, mit dem Begriff „peasants“ meint er, dass Chinesen ungebildet, aber arrogant seien. Hinsichtlich des Nashornhandels verweist der Autor auf die Gewinne von 65.000 $, die für ein Horn in China zu erwarten seien. Die Vorwürfe einer Ausbeutung der sambischen Wirtschaft und des Tourismusgeschäfts durch die Chinesen bleiben jedoch unpräzise, weil der Autor keine weiteren Beispiele nennt. Es stellt sich die Frage, welche Chinesen der Autor gemeint hat. Aus dem Text ergibt sich, dass der Autor von „diesen Chinesen“ spricht. Da er aber keine konkrete Eingrenzung macht, welche Chinesen gemeint sind, und allgemein von dem schädlichen Einfluss der Chinesen auf den gesamten sambischen Staat spricht, ist davon auszugehen, dass er die Chinesen als Ethnie meint. Die Aussage ist rassistisch, weil behauptet wird, dass die Anwesenheit der Chinesen ungünstige Auswirkungen auf die sambische Gesellschaft habe. It’s about time we started addressing these issues about child molestation and defilement. If these cases are not taken to court or people give a blind eye to the situation then it will only get worse and we will be sending the wrong message. These Chinese people are nothing but trouble to Zambia and doing injustices to Zambian people. They need to start respecting the Zambian laws, and the Zambian people. Look at what they are doing to the wildlife. They are the ones killing off Rhinos and other endangered species. They sell a Rhino horn for $65,000 in China or abroad. They are taking away from the Zambian economy and the tourism business. Get rid of all of them and send them back packing to their Chinese villages. They are nothing but peasants there so who. “This Chinese man is killing our businesses because all our customers are now buying from him since he opened his shop last Friday,” said Peter Soko. The traders, who wanted to break windows of the shop, said 182 it was unfair that such investors are competing with the local traders because they remain at an advantage as they quickly sell their products. Business, however, returned to normal by 10:00 hours and police were seen guarding the area thereafter (Dokument 41: 8–9, Artikel). Hier geht es um chinesische Händler, die den sambischen Einzelhandelsgeschäften die Kunden abziehen und damit die wirtschaftliche Existenzgrundlage der einheimischen Betreiber zerstören würden. Eine berechtigte Sorge kann zu einem Problem für sambische Händler werden und zu Protest auffordern, weil sie sich in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht fühlen. Wenn die chinesische Konkurrenz die sambischen Händler schrittweise aus dem Geschäft drängen würde, könnten die unterlegenen sambischen Händler ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten. Sie und ihre Familien würden der Armut anheimfallen. The idea of finding an investor for Mulungushi Textile is a good one ONLY if by all means possible our govt can’t manage 2 run it alone due 2 finance.however,in as much as i wud want the Mulungushi Textile 2 b invested on,i strong think we shud giv 2 a dfrent investor apart from chinese.yes its true that the proposed investors are Chinese 2getha with Tanzanian.when observd carefully,i can clearly see that its stil Chinese investor coz they are the majority shareholders who hav jst partnered with Tanzanians.PF please wake up; CHINESE ARE TAKING OVER ZAMBIA SLOWLY!! (Dokument 47: 76–78, Blogeintrag). Beschrieben wird die Suche nach Investoren für die Mulungushi-Textilfabrik. Der Vorwurf steht im Raum, dass die chinesischen Investoren Sambia langsam übernehmen und bei Ausschreibungen bevorzugt würden. Die Idee einer Landnahme durch die Chinesen ist verknüpft mit dem Bedrohungsszenario, die einheimische Bevölkerung würde verdrängt. Rassistische Merkmale sind offensichtlich, auch wenn der Autor seinen Vorwurf nicht weiter ausführt. What has the Zambian miners working at this mine without protective clothing got to do with the former govt, the problem is current so there has to be a solution for the now,lets not blame the M.M.D what are we doing as PF to sort out the problem????These pipo need a voice to speak for them,the chinease have tortured them enough en i guess thay are only reacting now!!!i trust something can be done to serve the situation en pips’s lives! (Dokument 50: 105–108, Blogeintrag). Die fehlende Schutzkleidung steht in einem allgemeinen Kontext. Der Protest wird aggressiv ausgedrückt: „We doing as PF to sort out the problem“. Die Chinesen würden die Sambier foltern, eine entschlossene sambische Reaktion wäre dringend notwendig. Es ist ein politischer Aufruf, der Versuch, Hass zu schüren. Tatsächlich ist der Autor von der Sata-Regierung genauso enttäuscht wie von der ehemaligen MMD-Regierung. Er kann nicht glauben, dass die 183 sambische Regierung nichts tut, um sambische Bergarbeiter mit angemessener Schutzkleidung auszustatten. Er fordert eine politische Stimme für die Arbeiter. Are the injured and families of the deceased properly compensated? Such inadequate and scant attention to SHE issues is a criminal offence and China Henan should have been additionally blacklisted for breach of contract conditions. How much and who did the contractor pay to get out of this hole? Only in Zambia?? (Dokument 114: 51–54, Blogeintrag). Die konkreten Fragen implizieren Vorwürfe gegen ein chinesisches Unternehmen aufgrund von angeblich vermeidbaren Arbeitsunfällen. Im Raum steht die Frage nach Entschädigungen und Verantwortung. Die Gleichheit vor dem Gesetz sollte sowohl für Sambier als auch für Chinesen gelten. Doch Sambier kritisieren die vermeintliche Vorzugsbehandlung der Chinesen durch die sambische Politik und die Gerichte, insbesondere zu Fragen der Arbeitsschutzgesetze. Die beiden folgenden Artikel behandeln dieses brisante Thema. Der Vorwurf der „Ungleichbehandlung vor dem Gesetz“ rechtfertigt eine Einordnung als Rassismus. I thought the case was over because these guys compensated the victims. The mistake the victims made was to accept the money from these Chinese *****. To tell you the truth, these chaps will never be arrested, Zambian laws only applies to the poor. If you have money you walk away free (Dokument 3: 91–92, Blogeintrag). Es handelt sich um einen Blogeintrag, der sich nicht unbedingt auf Tatsachen stützt. Der Blogeintrag wirft den Opfern des Unfalls vor, Geld als Entschädigung angenommen zu haben. Dieses Geld wird als Freifahrtschein der Chinesen gesehen, mit dem sich die Beschuldigten von Haftstrafen freikaufen könnten. Der Protest zeigt zwar die Empörung über die soziale Ungleichheit, aber keine Angst oder Konkurrenzgefühle, sondern eher Sozialneid und Enttäuschung über die wirtschaftliche Macht der Chinesen. Fraglich ist, welche Chinesen konkret gemeint sind. Aus dem Zusammenhang ergibt sich, dass Geld durch eine möglicherweise höhere Ebene an die Sambier geflossen ist, vielleicht von hochrangigen Industrievertretern oder Vertretern der chinesischen Politik. Die Chinesen würden durch ihre Geldzahlung verhindern, dass es zu stärkeren Protesten oder juristischen Untersuchungen käme. Weder die Chinesen noch die mit China verbündeten sambischen Regierungspolitiker forderten jedoch juristische Konsequenzen. This is irresponsible and lack of ethics or respect for the environment or people…the court should have fined these Chinese cowboys K1million… this is no different to cattle rustling. These cowboys have priced the works of that project based on material they will be purchasing…now they are getting ma- 184 terial for free, get a Quantity Surveyor or Construction PM to price the material they have stolen from Mr Banda add damages and distress caused plus court charges and pay the landowner(s) (Dokument 125: 49–53, Blogeintrag). Der Bericht über einen Unfall mit sambischen Opfern in einem chinesischen Unternehmen wird zu einer Anklage gegen den fehlenden Respekt der Chinesen vor Sambia. Zudem wird dem sambischen Gericht vorgeworfen, dass es zu milde geurteilt habe. Es ist eine Form von Protest, die sich noch nicht radikalisiert hat. 6.1.3.3 Konkrete Unglücksfälle Immer wieder wird auf Unglücksfälle in chinesischen Unternehmen mit sambischen Opfern hingewiesen. Dabei geht es in der sambischen Kritik häufig um die Nichtbeachtung von Sicherheitsbestimmungen durch chinesische Vorgesetzte, die für die Unglücke verantwortlich gemacht werden. Der Schwerpunkt der folgenden Artikel liegt nicht auf den politischen Konsequenzen, sondern auf den sozialen Folgen der Unglücksfälle. GOVERNMENT has suspended China Henan International Corporation from carrying out civil works for Southern Water and Sewerage Company (SWASCO) in Livingstone following the recent accident in the tourist capital in which two of its workers died while one survived. The accident happened on May 14, 2014 when the soil buried them as they were digging trenches in readiness for the laying of new water pipes for SWASCO (Dokument 112: 7–8, Artikel). Hier wird die Reaktion der Regierung nach einem vermeidbaren Unfall in einem chinesischen Unternehmen mit sambischen Todesopfern aufgezeigt. Das Unternehmen wurde von den Aufträgen suspendiert. Dieses Beispiel ist ein Hinweis, dass die sambische Regierung durchaus in der Lage ist, gegen chinesische Aktivitäten vorzugehen. “I wish to announce that China Henan International Corporation will resume its operations with immediate effect from today (Thursday) because the company has met most of the required conditions stipulated in the Factories Acts,” he said. Mr Munsanje assured residents that the company had put measures in place to avoid the recurrence of similar accidents. The accident happened on May 14, 2014 when the soil buried them as they were digging trenches in readiness for the laying of new water pipes for SWASCO. Prior to the accident, two workers were digging a trench at a depth of four meters while another was working at the two metres level but within the 185 same trench, the walls of the trench collapsed caving in the loose soil around the trench and burying the three workers alive. The workers on site attempted to rescue their colleagues and only managed to dig out one worker after 15 minutes who was rushed to the Livingstone General hospital, while the bodies of the other two workers were taken out 1 hour 30 minutes later. This part of the trench had earlier collapsed several times the previous day, and workers reported the matter to their supervisors, but no action was taken by the supervisors. The findings from this investigation reveal that the soil at the site was too sandy to hold the walls of a four meter trench. There was need to support the trench walls with timbering and shutter structures and prevent the caving in (Dokument 114: 12–19, Artikel). Dieser ausführliche Beitrag untersucht den Unfall in dem chinesischen Unternehmen, durch den zwei sambische Arbeiter ihr Leben verloren. Der Unfall ereignete sich beim Ausheben zweier Gräben durch sambische Arbeiter. Während der Untersuchungen des Unfalls stellte sich heraus, dass die Beschaffenheit des Geländes für die Größe der Gräben zu sandig war. Den chinesischen Vorgesetzten wird aufgrund unzureichender Sicherheitsvorkehrungen die Schuld für diesen Unfall zugewiesen. Der Bericht bleibt auch in seiner Schuldzuweisung sachlich. 6.1.3.4 Allgemeine Arbeitskämpfe und Missstände Streiks, Unruhen und Demonstrationen gegen chinesische Arbeitgeber wechseln sich ab mit den öffentlichen Anklagen gegen eine chinesische Entwicklungspolitik, die nach Meinung vieler Sambier der sambischen Wirtschaft schaden würde. Die Milliarden, die die chinesische Regierung in die sambische Infrastruktur investiert hatte, konnten die Armut der sambischen Bevölkerung nicht signifikant verringern. Infrastrukturinvestitionen dienen nicht der Armutsbekämpfung. Es stellt sich die Frage, in welche Bereiche und Projekte die Gelder geflossen sind. Typisch sind Investitionen in den Straßenund Schienenbau, um die Distribution der Rohstoffe zu sichern. Is that what we call development ? Why should we get old locomotive engines which have been phsed out by the Chinese ? Why cant china extend to Zambia it’s modern Railway technology systems other than turning our country into a dumping site for their outdated engines all in the name of loans? Ma rubbish bati iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii (Dokument 4: 60–62, Blogeintrag). In diesem Beitrag wird der Vorwurf erhoben, die Chinesen würden mit der Lieferung altersschwacher Eisenbahnsysteme die sambische Wirtschaft auf der technologischen Ebene absichtlich schwächen. Der Protest ist sowohl hart in der Sache als auch in der Wortwahl. 186 yeah, how do u expect the foreigner to have ur interests at heart? these chinese are here for one reason, just like the whites were….exploit and go,,,,, a win-win situation is only possible with unselfish leaders,which is very unlikely in this country,we will die poor and our children will be poor (Dokument 6: 202–205, Blogeintrag). Die Chinesen werden auf eine Stufe mit den „Weißen“ gestellt, die Sambia ebenfalls nur ausbeuten und das Land anschließend wieder verlassen würden. Die offiziell immer wieder verwendete Beschwörung von „Win-Win- Verhältnissen“ sei nur bei selbstlosen Führern möglich und daher reine Propaganda. Damit werden Chinesen und Weiße als die anderen gesehen, die gegen Sambia agitieren würden. Die Gegenüberstellung von „wir“ und „die anderen“ verstärken die rassistischen Argumente. Ein Kernelement aller Rassismustheorien ist die künstlich erzeugte, wertende Unterscheidung zwischen zwei verschiedenen Gruppen. Weil allgemein von „uns“ und „denen“ gesprochen wird, kann davon ausgegangen werden, dass die jeweilige Ethnie gemeint ist und damit eindeutig rassistische Vorurteile vorliegen. Am tod china is now # 2 to USA in this o that but what does china do to alleviate problems in world. China’s aim is; symphoning raw materials cheaply from corrupt dictatorships in africa and exporting cheap quality goods back to africa. World conflicts are dealt wit by western powers coz china is stingy. Hu njintao donated $150pin wen he visited zambia an amnt les than wat a footballer in europe earns pe week (Dokument 10: 333, Blogeintrag). Zwei vermeintliche Hauptziele Chinas werden aufgezeigt. Einerseits beabsichtige China Rohstoffe von korrupten Diktaturen in Afrika zu erhalten, andererseits sei es Chinas Absicht, Güter von minderer Qualität nach Afrika zu exportieren und dort abzusetzen. Sambia wird als Spielball für die wirtschaftlichen Interessen Chinas gesehen. NO PROBLEM WITH CHINESE INVESTORS BUT WE HAVE SERI- OUS ISSUES WITH CHINESE INFESTORS…..WE NEED TO WORK TOGETHER BUT OUR PEOPLE SHOULD BE RESPECTED (Dokument 12: 142–144, Blogeintrag). Durch ein Portmanteauwort werden aus geduldeten Investoren „Infestors“, die nicht in Sambia aktiv sein sollten. Dahinter steht der allgemeine Vorwurf, dass chinesische Arbeiter in Sambia akzeptiert würden, die Chinesen aber die Sambier nicht genügend respektierten. Die Diffamierung als „Infestors” ist eine abwertende Zuschreibung einer Gruppe. Da das Wortspiel „Infestors“ von „Investors“ stammt und der Begriff „Investoren“ im Text genannt ist, ist davon auszugehen, dass nur die chinesischen Investoren gemeint sind. Diese Formulierung kann als Rassismus eingeordnet werden. 187 what a way of life. government must not slumber over matters safety and health at work, they rob the nation of human resources and family bread winners. this should not be tolerated. there is need to start prosecuting these chinese ****** (Dokument 24: 161–163, Blogeintrag). Hassgefühle sprechen aus diesem Beitrag. Die Regierung wird dringend aufgefordert, „aufzuwachen“ und dem Diebstahl der natürlichen Ressourcen Sambias und der Misshandlung sambischer Arbeiter ein Ende zu bereiten. Es wird gefordert, die Chinesen zur Verantwortung zu ziehen. Man of lies at work. In day like chinese are exploiters and gonga suppliers. At night, they are good friends who deliver brief cases of fake Dollars (Dokument 33: 75–77, Blogeintrag). Chinesen werden als „Ausbeuter“ und „Geldfälscher“ bezeichnet. Es fehlen jedoch konkrete Beispiele. Da der Begriff „Ausbeuter“ allgemein den Chinesen zugewiesen wird, ohne sich auf eine bestimmte Gruppe innerhalb der Chinesen in Sambia wie beispielsweise die chinesischen Arbeitgeber zu beziehen, ist eine wertende Unterscheidung zwischen Chinesen und Sambiern getroffen worden. Hier zeigt sich ein Hauptmerkmal für rassistische Ressentiments. China not a partner but a plunderer inriching itself on Africa’s nature resources which are in source in china. Take all mines under chinese to be controlled by gvt, Zambia will see no begging hand in few years to come (Dokument 73: 487–490, Blogeintrag). China wird nicht als Partner, sondern als „Plünderer“ der natürlichen Ressourcen Afrikas bezeichnet. Eine Handlungsaufforderung zielt auf eine Verstaatlichung der sambischen Minen, um den fortgesetzten Diebstahl der Ressourcen zu verhindern. Der Vorwurf ist sachlich begründet, wenn auch nicht unbedingt wahrheitsgemäß. Es werden explizit die sambischen Bergwerke als Beute der Plünderer genannt. Die Beschuldigungen gehen jedoch noch weiter, indem der Verdacht geäußert wird, die chinesischen Unternehmen würden die sambische Regierung kontrollieren. Cheap money! Wen chinese companies pay slave wages n poor conditions of work (Dokument 73: 292–295, Blogeintrag). Diese Aussage hält den chinesischen Unternehmen vor, Sklavenlöhne zu zahlen. Es gibt keine konkreten Einzelbeispiele, sodass es bei einer pauschalen Verurteilung der Chinesen bleibt. Mit „Sklavenlöhnen“ ist die Höhe der ausgezahlten Löhne gemeint. Der implizite Vorwurf des „Sklavenhalters“ weckt Assoziationen zur Kolonialzeit und steht für einen Rassismus der Dominierten. Debt = the new slavery willingly signed on by the zambian slave himself (Dokument 102: 197–200, Blogeintrag). 188 Es gibt zwar kein Einzelbeispiel, aber eine konkrete These wird aufgestellt: Die Auslandsschulden des sambischen Staates gegenüber China würden in eine freiwillig erkaufte neue Sklaverei führen. Diese ansonsten nicht belegte Behauptung zielt auf das Schüren von Ängsten. Hier werden die Chinesen nicht ausdrücklich als „Sklavenhalter“ der Sambier bezeichnet. Die Versklavung folgt aus der Verschuldung des sambischen Staates. Da China der Hauptgläubiger der sambischen Regierung im Ausland ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang, dass nur die chinesische Regierung gemeint sein kann. Diese Einsicht ändert aber nichts an der Etablierung einer „Herr-Sklave-Beziehung“, die auf rassistische Vorurteile verweist. I spoke to one chinese friend of mine and he said that China is using Zambia. This is a one way relationship against a toothless country that is being exploited and will most probably even give up their freedom for expendable goods. Shame (Dokument 118: 74–79, Blogeintrag). Ein Chinese berichtet aus erster Hand, dass China Sambia ausnutze, ausbeute und die sambische Freiheit stehle. Diese pauschale Behauptung könnte von einem Whistleblower stammen, der über Insiderwissen verfügt. Der vermeintliche Insider vermutet eine Verschwörung und wird als „Freund“ des Autors aufgeführt. Es wird nicht deutlich, inwieweit diese Person tatsächlich Einblick in die chinesischen Aktivitäten hat oder selbst betroffen ist. Es ist aber unzulässig, einen Freund zu zitieren und dadurch belegen zu wollen, dass China den sambischen Staat nur ausnutzen würde. Es bedarf konkreter Informationen, um diese sehr gewagte Behauptung zu belegen. Die Behauptung an sich entspricht einem rassistischen Stereotyp, weil die Ethnie „Chinesen“ als „Ausbeuter“ und „Entzieher der sambischen Freiheit“ diffamiert wird. Ambassador Mutesa i thought your brain ticks Zambia is sovereign country we can`t allow Chinese to do what they want in name of world economy giants, we need protection from govt we can`t allow Chinese shoot our innoncent defenceless chaps claiming decent salary and working condition, When yu hear such talk coming from politician then yu know he is oiled, Zed full of jockers hahaaa (Dokument 8: 35–39, Blogeintrag). In dieser von Hass erfüllten Anklage wird die sambische Regierung aufgefordert, Sambia vor dem übermächtigen China zu schützen. Die Chinesen könnten machen, was sie wollten. Als ökonomischer Gigant könne China den Sambiern ausbeuterische Arbeits- und Sicherheitsbedingungen aufzwingen. In dem Protest zeigt sich die Wut. Der Autor reagiert mit Sarkasmus auf die sambische Politik der Untätigkeit und macht sich lustig. Der Protest soll zwar keine Angst schüren, aber Frust und Enttäuschung treten deutlich hervor. 189 I wonder how I survived living with these ****** for 6 long years…I wish every Zambian had gone through that to understand what type of human being the Chinese are. A person who knows these people would think twice before letting them into the country (Dokument 13: 96–98, Blogeintrag). Diese generelle Abrechnung zeugt von tiefer Enttäuschung und Frustration über die Chinesen im Land. Es wird nicht näher auf Einzelfälle eingegangen, die zu einer solchen Einschätzung geführt haben könnten. Die pauschalen Aussagen heben hervor, dass die sambische Regierung die Chinesen gar nicht ins Land hätte lassen dürfen. In dem Protest drückt sich ein nicht näher beschriebenes unerwünschtes Erlebnis aus. Der Autor behauptet zwar zu wissen, welche Art Menschen die Chinesen seien, er spricht die vermutliche Diffamierung aber nicht aus. Bwana Shamenda, These Chinese investers in Zambia will never treat Zambian workers as human beings. The Chinese employers has always treated their employees like dogs for centuries. When they treat their own people like slaves in their own country ba Shamenda how can you expect these slave traders to treat our Zambian workers differently (Dokument 85: 72–75, Blogeintrag). Hier richtet sich ein sambischer Bürger an den Arbeitsminister. Er äußert seinen Hass über die Chinesen mit pauschalen Aussagen, indem er den Chinesen unterstellt, die sambischen Arbeitskräfte wie „Hunde“ behandelt zu haben. Er widerspricht der Möglichkeit, dass die Chinesen irgendwann die Sambier anders behandeln würden. Es werden ausdrücklich chinesische Investoren und chinesische Arbeitgeber genannt. Diese beiden Gruppen werden als „Sklavenhalter“ bezeichnet. Die Bezeichnung „Sklavenhalter“ ist eine kolonialistische und damit rassistische Zuschreibung. Chinesische Arbeitgeber würden ihre chinesischen Untergebenen seit Jahrhunderten wie Hunde und nicht wie Menschen behandeln. Dabei gibt es eine so intensive Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern erst seit Ende der Kolonialzeit. Es wird ein Gegensatz zwischen zwei Menschenklassen geschaffen: „Hunde“ auf der einen und „Sklavenbesitzer“ auf der anderen Seite. Hier zeigt sich eine ausgeprägte rassistische Einstellung. THESE CHINESE INVESTERS MUST NOT TREAT ZAMBIAN WORKERS ON ZAMBIAN SOIL,THEY CAN DO THAT IN CHINA NOT HERE OTHERWISE THEY RISK THEMSELVESN GETTING KILLED .TIT FOR TAT ZAMBIANS WILL REACT WHICH WILL BE VERY UNFORTUNATE.CHINESE SHOULD LEARN TO TREAT ZAMBIANS PROPERLY (Dokument 57: 37–39, Blogeintrag). Dieser Gewaltaufruf ist als eine Mahnung an die Chinesen zu verstehen, dass sie sambische Arbeiter anständig behandeln sollen. Im Zweifel würden sie den 190 eigenen gewaltsamen Tod riskieren. In der Drohung drückt sich ein sehr radikaler Protest aus, wobei Rassismus mit der Androhung von Gewalt einhergeht. The same chinese caused the riot, if they paid them the minimum wage, they wouldn’t have an riot (Dokument 49: 179–182, Blogeintrag). Ganz sachlich wird die Verantwortung der Chinesen für die sambischen Streiks herausgestellt. OVER 1,000 miners at China Non-Ferrous Corporation Africa (NFCA) Mining Plc in Chambishi and those from a contracted company JHCX Mining Construction Zambia Limited have been dismissed following the protests that have recently rocked the Chinese mining company (Dokument 13: 2–3, Artikel). Der Protest richtet sich gegen das Machtmittel der Chinesen, 1.000 streikende sambische Arbeiter einfach zu entlassen, wenn sie gegen ihre unzureichenden Arbeitsbedingungen protestieren. 6.1.3.5 Konkrete und produktive Ansätze zur Missstandsbehebung In den Artikeln und Blogbeiträgen aus den sambischen Zeitungen gibt es nicht nur Gegner der chinesischen Präsenz. Einige Sambier schlagen produktive und konstruktive Lösungen für die Missstände vor. Die Chinesen sind also nicht generell ein Feindbild. Es handelt sich in allen Fällen um sachliche Informationen. We all know that chines don’t treat Zambians well. Firing them is being irresponsible. Why can’t those mine employers meet the demands of those workers? Some useless Zambians maybe t pushing them (Chines) as a show to pf. Let’s see what pf does about this evil (Dokument 13: 76–78, Blogeintrag). Es wird vorausgesetzt, dass allgemein bekannt ist, dass Sambier von Chinesen misshandelt werden. Es steht die Frage im Raum, warum die chinesischen Bergbauunternehmen nicht die Forderungen der betroffenen sambischen Arbeiter berücksichtigen würden. Der Aufruf, dieses „Böse“ politisch zu lösen, ist sehr allgemein gehalten. So you pointing fingers are not Zambian. Pulease. Zambians work as hard as any other nation…by that I mean that each country has its fair share of hard workers and lazy ****…that is neither here nor there. What this article is pointing out a report that confirmed the poor conditions workers in Chinese firms in Zambia work in. Despite your 2+ back breaking Jobs you work in Europe America etc you are not forced to work in conditions of poor safety, below minimum wage etc…where is your compassion for your fellow Zambians. Living abroad makes some peoples Brains soft (Dokument 16: 113– 116, Blogeintrag). 191 Die unzureichenden Arbeitsbedingungen in den chinesischen Minen in Sambia werden kritisiert, indem sie mit den leichteren Arbeiten in Europa und Amerika verglichen werden. Dadurch werden die Chinesen als ausbeuterische Arbeitgeber dargestellt. Die USA und die europäischen Staaten gelten aufgrund der dort üblichen Arbeitsbedingungen als Vorbild für Sambia. Die chinesischen Arbeitgeber würden sich in europäischen Staaten ebenfalls an die dortigen Gesetze halten – gäbe es entsprechende Gesetze in Sambia, würden die von chinesischen Investoren hervorgerufenen Missstände durch die sambischen Gesetze beseitigt. Yesterday a Chinese miner, Wu Shengzai aged, 50, was killed while another is battling for his life after other miners, particularly Zambians, rioted to protest against delays by management to effect the newly revised minimum wage payment (Dokument 49: 15, Artikel). Der Autor berichtet über ein chinesisches Todesopfer. Er greift die Probleme in sachlicher Form auf. Es geht um einen Todesfall während eines Streiks sambischer Arbeiter, die sich gegen die geringen Löhne der chinesischen Arbeitgeber wehrten. Die Todesursache bleibt jedoch unklar, sodass der Beitrag einen Anlass für Spekulationen bietet. ZANIS’s Mike Munkombwe Reports that The miners rioted on Saturday to protest against delays by manage-ment to implement the newly revised minimum wage. Southern province deputy Police Commissioner Fred Mutondo has confirmed the killing of the Chinese national BUT could not give further details on the matte (Dokument 48: 7–8, Artikel). Es wird auf den Streik sambischer Bergarbeiter gegen die geringen chinesischen Löhne und auf den Tod eines Chinesen eingegangen. Die sambische Polizei hat den Tod des Chinesen bestätigt, es fehlen jedoch nähere Details. Fest steht nur, dass der Chinese während eines Streiks für bessere Löhne starb. Der Autor will sachlich darstellen und keineswegs Ängste schüren. Some chinese must go back. We can not allow a situation where someone can come all the way from China to sell salaula or rear chickens. Most labour laws are good but due to corruption any Chinese who wanted to come to Zambia and start a simple business were allowed in the country. That is wrong. We want real big money investors and I am sure there is a minimum amount of money a person or company should produce before given a business permit. Corruption in Z has been on the roof starting from airport, police officers, govt offices, FRA is worse especially in kalomo. Being an agriculturist I am praying that a turn around of policies will benefit the country because if there is a drought next season a lot of people will starve. We need long term plan and sustainable plan (Dokument 12: 531–534, Blogeintrag). 192 Hier wird sehr differenziert argumentiert und sinngemäß ein Einwanderungsgesetz vorgeschlagen. Chinesische Investitionen in Sambia sind erwünscht, wenn wirklich hohe Investitionen getätigt würden und ein Teil der finanziellen Mittel auch Sambia zugute käme. 6.1.4 Rassistischer Protest Eine eigene Kategorie bilden die vielen rassistischen Äußerungen. Chinesen werden aufgrund ihrer Ethnie angegriffen und pauschal beleidigt. Es wird mit Aufrufen zu Gewalt und Selbstjustiz gegen die angeblichen Verfehlungen von Chinesen in Sambia Stimmung gemacht. Es handelt sich durchgehend um Blogeinträge und nicht um Presseartikel. Der rassistische Protest hat seinen Ursprung in einer unzufriedenen Bevölkerung. Dieser Unterschied ist sehr wichtig. Die Frage ist jedoch, inwieweit der rassistische Protest von der Presse befördert wird und die Leser mit ihren Kommentaren noch einen „draufsetzen“. Es kommen insgesamt 22 rassistische Beiträge vor. Sad reading that a man got killed, but you reap what you sow..The same Chinese donkeys shot and killed Zambians at Collum mine last year and not a single one went to jail. They were sheltered at the Chinese Embassy until safe passage to China was arranged, the same Chinese have subjected Zambians to appalling work conditions, No safety gear, 10 hour work shifts etc etc.. Sad as it may be, they had it coming. Maybe now they will learn to respect Zambians (Dokument 48: 659–662, Blogeintrag). In Bezug auf die Schüsse bei der Collum Mine wird Präsident Sata angelastet, die Sambier nicht ausreichend vor den Übergriffen der Chinesen zu schützen. Sambier könnten von „chinesischen Affen“ (Chinese donkeys) erschossen werden. Die problematischen Arbeitsbedingungen werden ebenfalls angeführt. Außerdem wird kritisiert, dass die Chinesen strafrechtlich nicht verfolgt würden. Insgesamt werden die latente Angst und der überbordende Hass über die sambische Politik und das Verhalten der Chinesen deutlich. Die Herabsetzung der Chinesen als „Affen“ ist genuin rassistisch im biologischen Sinne nach Albert Memmi. Chinese so harsh? jail the bastard, make him pay for this stupid thing. Why should we keep allowing Chinese take lives of Zambians if Zambians can also do the job of supervising. I feel sorry for the man who has died. This asian stupid vegetable needs life imprisonment. Government should look into this, its getting out of hand (Dokument 24: 66–69, Blogeintrag). Ein von Chinesen erschossener Sambier dient als Anlass, in einer verachtenswerten Form Chinesen zu beleidigen, die lebenslänglich ins Gefängnis gesperrt werden sollten. Generell wird gegen Chinesen Stimmung gemacht, die angeb- 193 lich ungestraft Sambier töten dürften. Die Chinesen werden als „dummes Gemüse“ bezeichnet. It’s always been my view regarding the Chinese that one cannot trust them. Their goods, their products, their services, their racist conduct, always terrible (Dokument 106: 36–38, Blogeintrag). Eine Aufzählung von chinesischen Dienstleistungen in Sambia wird als „terrible“ bezeichnet. Die chinesische Einstellung wird als rassistisch angesehen und die chinesischen Güter ebenfalls ablehnend beurteilt. Hier kommt der Rassismus der Dominierten nach Leiprecht zum Ausdruck. Leiprecht stellt hierzu fest: So lässt sich auch zwischen Rassismen unterscheiden, die sich in einer Gesellschaft als Rassismus der Mehrheitsgesellschaft oder als Rassismen der Dominanz artikulieren und als vorherrschende Rassismen einer Gesellschaft bezeichnet werden können, und verschiedenen Rassismen der Dominierten, also Rassismen auf Seiten derjenigen, die zur Zielscheibe dieser vorherrschenden Rassismen in einer Gesellschaft werden, aber ihrerseits rassistischen Denk- und Handlungsmustern folgen.390 Die Sambier, die sich von der fremden Macht dominiert fühlen, beschreiben die Chinesen ihrerseits auf eine abwertende Weise als rassistische Menschen, denen niemand trauen könne. I have never been angered by anything more than the government’s failure to punish the Chinese that shot Zambian workers. They got away go Scott-free! Causing the death of Chinese national is not right either. However, if this man was Zambian, no one in the government would be worked up about it period! And why? Because he has white skin! This man may have died in the chaos of riots and therefore, there is probably no intent to kill. The Chinese who pointed their guns at Zambian workers and opened fire had every intent to kill. This behavior on the part of the Chinese, which includes the other mine incident where 50 Zambian workers died and not one Chinese national died, are a plain show of the chinese’s lack regard for lives of the Zambian workers and is likely to be met in kind (Dokument 49: 162–165, Blogeintrag). Die rechtliche Nichtverfolgung von Tötungsdelikten an streikenden sambischen Arbeitern wird als rassistische Handlung beurteilt. Im Mittelpunkt steht die Behauptung, es würden in Sambia „höherwertige“ und „minderwertige“ Menschen leben. Die höherwertigen Menschen sind die chinesischen Einwanderer, weil sie durch die sambischen Gesetze bevorzugt würden. Die einheimische Bevölkerung hingegen würde durch die eigene Regierung nicht ausrei- 390 Leiprecht 2005, S. 9. 194 chend vor den chinesischen Aktivitäten geschützt und dadurch herabgesetzt. Der rassistische Terminus der wertenden Unterscheidung zwischen Menschengruppen ist hier erfüllt. THE CHINESE ARE JUST REAPING WHAT THEY SORE LAST YEAR AT THE SAME MINE THEY SHOT AT OUR FELLOW DEFENCE- LESS ZAMBIANS ALTHOUG AM NOT SUPPORTING WHAT HAP- PENED ITS ACTUALLY NEVERS MUMBA AND THE MMD WHO LET THAT NONSENSE TO DEGENERATE INTO THAT LOSS OF LIFE (Dokument 48: 664–667, Blogeintrag). Der Fall eines gewaltsam zu Tode gekommenen Chinesen wird mit einem vorher begangenen Tötungsdelikt an einem Sambier durch einen Chinesen gerechtfertigt. Diese Vergleiche bilden den Ausgangspunkt für Rassismus. Der Aufruf, Menschen zu töten, um sich für deren gewalttätiges Verhalten zu rächen, entspricht dem umgedrehten Rassismus der Dominierten nach Leiprecht. Sad reading that a man got killed, but you reap what you sow..The same Chinese donkeys shot and killed Zambians at Collum mine last year and not a single one went to jail. They were sheltered at the Chinese Embassy until safe passage to China was arranged, the same Chinese have subjected Zambians to appalling work conditions, No safety gear, 10 hour work shifts etc etc.. Sad as it may be, they had it coming. Maybe now they will learn to respect Zambians (Dokument 48: 659–662, Blogeintrag). Die Chinesen würden versuchen, das Rechtssystem zu manipulieren, um für die Taten nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden. Die Aussagen zeugen von einem abgrundtiefen Hass, indem die Chinesen als „Esel“ bezeichnet werden, die den Tod verdient hätten. Der Autor schreibt sehr emotional und hofft, dass die Chinesen in Zukunft die Sambier mehr respektieren würden. In der abwertenden Formulierung „Chinese donkeys” zeigt sich, dass der Autor sich biologisch orientierter rassistischer Zuspitzungen bedient. FAKA MULILO WE DONT NEED THE CHINESE TRADING IN ZAMBIA ESPECIALLY IN RURAL AREAS. DURING THE 2ND RE- FORMS IN 1968 SUPER KEN BANNED ASIANS TRADING IN RU- RAL AREAS IF THEY WERE NOT ZAMBIANS BY BIRTH BUT THE MMD HAS BROUGHT THE CHINESE FILTH Y BUSINESS BACK. THE CHINESE SHOULD ONLY BE ALLOWED TO INVEST IN BIG INDUSTRIAL PROJECTS LIKE PRDUCING HEAVY INDUSTRIAL MACHINERIES AND NOT TO SELL CHICKENS, VEGETABLES AND SALAULAS.THE MMD HAD AGREED TO EXAMPT THE CHINESE BUSINESSMEN FROM PAYING DUTY FOR THEIR IM- PORTS INTO ZAMBIA TO PAY OFF CHINESE LOANS FOR THE ZAM TAN RAILWAYS SO HOW CAN THE LOCAL TRADERS COM- 195 PETE WITH THEM.. THE CHINESE NEEDS TO BE STOPPED IN TRADING FAST BEFORE ITS TOO LATE AS WE ALL KNOW CHI- NESE BREEDS FASTER THAN MOSQUITOS (Dokument 41: 103–105, Blogeintrag). Zunächst wird ein konkreter Fall aus der Vergangenheit geschildert, durch den eine Art Bann gegen chinesische Händler ausgesprochen wird. Dieses Vorgehen wird als Lösung für die heutige Zeit angesehen. Es wird die Forderung erhoben, den Chinesen zu untersagen, Einzelhandelsgeschäfte zu eröffnen, weil sie eine unfaire Konkurrenz zu den lokalen Händlern darstellten. Stattdessen sollten Chinesen nur in große Industrien investieren und mit diesen Mitteln die sambische Wirtschaft ankurbeln. Am Ende werden mit diesen eindeutigen politischen Forderungen weitere Ängste geschürt. Als besonders rassistisch im biologischen Sinne erweist sich die Aussage, dass Chinesen sich schneller als „Moskitos“ vermehrten. The Problem with Muzungu anikonde attitude…u become a slave..these tuma China monkeys are here for a gain and they will abuse these poor zambians to their best abilities….FIGHT BACK AND IF POssible, circumcize them (Dokument 65: 151–154, Blogeintrag). Es ist ein offener Aufruf zur Gewalt: Chinesen seien „Affen“, die Sambier versklaven und nur ausnutzen würden. An die Sambier richtet sich die Aufforderung, zurückzuschlagen und sich der Vereinnahmung durch die Chinesen zu widersetzen. Mit der Aufforderung „FIGHT BACK“ wird eine Stimmung forciert, die langfristig in Gewalt münden könnte. Die offensichtliche Angst rührt daher, dass den Chinesen unterstellt wird, sich nur zum eigenen Vorteil in Sambia zu engagieren und die „armen“ Sambier nach Kräften auszunutzen. Die Bezeichnung als „Affen“ ist ein biologisch geprägtes rassistisches Ressentiment, das deutlich die Verachtung der Sambier ausdrückt. Are you aware that the chinese so called investers move around with small pink bags in every government ministry that they hear has a tennder to offer? I agree with 19. Chinese are the most immoral race on earth, remember they are not religious. How does Zambia’s christian nation declaration mix with the chinese? The only common thing is corruption! True, China has developed at the expense of poor africans who have been sold off by their own selfish elected leaders such as… Africa should wake up to reality and set its own path. China will not develop Zambia for zambians. Its a falacy. The only zambians developing are the government officials and politicians! (Dokument 8: 161–164, Blogeintrag). Die Chinesen werden als „Rasse“ bezeichnet, die mit unerwünschten Eigenschaften ausgestattet sei. Die sambische Bevölkerung dürfe sich nicht mit der chinesischen Rasse vermischen. Dieser Perspektive stehe auch entgegen, dass 196 Sambia im Gegensatz zu China eine eine christliche Nation sei. Hier kommt der ursprüngliche, genuin biologische Rassismus nach Albert Memmi zum Ausdruck, mit dem nicht einmal versucht wird, die Bezeichnung von Menschengruppen als „Rassen“ zu verstecken. I AM PRETTY SURE WITH NO LAWS (OR STANDARDS) IN ZAM- BIA, MOST ZAMBIANS HAVE EATEN DOGS WITHOUT THEIR KNOWLEDGE. CHINESE DON’T RESPECT BLACK PEOPLE. SO, FEEDING YOU ON A DOG WOULDN’T BOTHER A CHINA MAN AT ALL. SO, IT’S HIGH TIME LAWS ARE ENACTED STATING THAT ANYONE FOUND SLAUGHTERING A DOG FOR DINNER IS LIABLE FOR PROSECUTION AND ONCE FOUND GUILTY WILL ATTRACT A LONG PRISON SENTENCE. OTHERWISE, ALL I CAN SAY TO ZAMBIANS IS ENJOY YOUR DOG MEAT DINNERS. ELO AMA ZAMBIANS FIPUBA. PANTU FYE UULEMWEBA WA NKANDA IYABUTA, ENA KULYA (Dokument 106: 191–194, Blogeintrag). Aus der unbewiesenen Unterstellung wird der Vorwurf abgeleitet, dass Sambier unwissentlich chinesisches Hundefleisch verzehren würden. In der Hass und Angst schürenden Aussage, Chinesen würden die „Schwarzen“ nicht respektieren, offenbart sich Rassismus: Die Chinesen sind die Fremden, die ihre Sitten, zum Beispiel ihre Essgewohnheiten, den Einheimischen aufzwingen würden. WHY ALLOW CHINESE EATING DOGS IN ZAMBIA IN THE FIRST PLACE. BWANA MINISTER, THAT IS ZAMBIA, THAT’S NOT CHI- NA. CHINESE ARE NOT SUPPOSED TO EAT DOGS IN ZAMBIA BUT IN CHINA AND WHEREVER THEY EAT DOGS- SAY NIGERIA. OTHERWISE IN BUTCHERIES DOG MEAT WILL BE MIXED WITH COW MEAT OR DOG MEAT FOR MINCED MEAT. ZAMBIANS AND ZAMBIAN AUTHORITIES REALLY DON’T STOP TO SUR- PRISE ME. HOW CAN YOU LET THE CHINESE TO COME AND SET RULES AND LAWS OF EATING DOG MEAT. ZAMBIANS, PLEASE, SET YOUR OWN STANDARDS (LAWS) AND LET COMERS FOLLOW THOSE STANDARDS (OR LAWS). EVEN HERE IN THE UK THE CHINESE DON’T EAT DOGS. ONCE FOUND THAT CHINA MAN WOULD BE JAILED (Dokument 106: 182–185, Blogeintrag). Anhand eines konkreten Beispiels, wiederum des Verzehrs von Hunden, wird eine rasssistische Stimmung erzeugt. Hundefleisch zu verzehren gehört in Sambia weder zur Esskultur noch ist es politisch erwünscht. Es müsse damit Schluss sein, dass Chinesen eigene Gesetze für den Hundeverzehr schafften. Der Rassismus offenbart mit diesen Behauptungen eine kulturelle Komponente. Die Angst vor fremder Kultur und vor dem Verlust der eigenen Identität 197 ist ein häufig zu erkennendes Muster. Zum kulturellen Rassismus äußert sich Balibar folgendermaßen: Die Art und Weise, wie die Kategorie der Immigration als Ersatz für den Begriff der Rasse und damit als Agens einer Zersetzung des »Klassenbewußtseins« funktioniert, liefert uns hierfür einen ersten Hinweis. Ganz offensichtlich haben wir es hier nicht einfach mit einer Tarnungsoperation zu tun, die aufgrund des mehr als schlechten Rufs des Ausdrucks »Rasse« und seiner Ableitungen nötig geworden wäre; und handelt sich auch nicht ausschließlich um eine Auswirkung der Strukturveränderungen, die sich innerhalb der französischen Gesellschaft vollzogen haben. Schon seit langem sind die kollektiven Zusammenhänge der Arbeitsimmigranten Diskriminierungen und fremdenfeindlichen Gewalttätigkeiten ausgesetzt, die ihrerseits von den Stereotypen des Rassismus durchdrungen sind.391 Balibar weist mit seinem Zitat darauf hin, dass „Migration“ als Zielobjekt der Rassisten den alten Begriff der „Rasse“ ersetzt hat. Strukturveränderungen in der Aufnahmegesellschaft und Wahrnehmung der Migranten als das „Andere, Fremde“ führen zu den gleichen rassistischen Vorurteilen, die auch den ursprünglichen biologischen Rassismus ausgezeichnet haben. SPOT ON MY BROTHER/SISTER. WHY SHOULD WE NOT BE PROTECTED IN OUR OWN LAND? WHEN WE GO TO THESE PEOPLES’ LANDS- THE FARE SKIN. WE ARE SERIOUSLY DIS- CRIMINATED. SO WHERE ARE WE GOING TO FEEL FREE IF EVEN NOT ON OUR OWN LAND. CULTURAL INDUCTION SHOULD BE ENFORCED TO NEW COMERS. BRITAIN DOES IT AND YOU PAY FOR THE TRAINING. THIS IS ESSENTIAL (AND I TOTALLY AGREE WITH THE BRITISH GOVERNMENT) FOR NEW COMERS TO HAVE ‘CULTURAL’, TRADITIONAL, AND LIFE- STYLE VALUES OF BRITAIN. FAILING THE TEST DISQUALIFIES ONE FROM ACQUIRING A BRITISH CITIZENSHIP OR INDEFI- NITE LEAVE TO STAY IN THE UK. WHY CAN’T ZAMBIA DO THE SAME/SIMILAR THING? (Dokument 106: 174–177, Blogeintrag). Es steht der Vorwurf im Raum, dass die Sambier allein aufgrund ihrer Hautfarbe von den Chinesen diskriminiert würden. Wie die Aufnahme von Einwanderern nach Großbritannien nach kulturellen Kriterien organisiert werde, sollte dieses System auch in Sambia eingeführt werden. Gemeinsame Werte müssten von einer Einwanderungsgruppe berücksichtigt werden. Diese politischen Forderungen befördern rassistische Tendenzen in der sambischen Bevölkerung. Der umgedrehte Rassismus der Dominierten von Leiprecht zeigt sich darin, dass den als dominant wahrgenommenen Chinesen ihrerseits Ras- 391 Balibar 2014a, S. 27–28. 198 sismus durch Trennung nach Hautfarben vorgeworfen wird. Die Forderung, aufgrund von kultureller Unvereinbarkeit die Chinesen auszuweisen oder nicht einwandern zu lassen, ist rassistisch motiviert. Hey, hey, hold on right there, despite our different backgrounds and nationalities, we share one skin colour. Right from the outset I unreservantly condemn the PF regime for making these racist Chinese and others, ill treat our fellow brothers and sisters in inhumane manners for a long time without taking these criminals to court. Who is running Zambia as of now? Who is collecting taxes from these greedy racist investors? Who is giving information about specific locations where to invest their money? Who is turning a blind eye when they commit these racist atrocities on our fellow Africans? Who is not convicting them when they defile minor females in Zambia? All the above questions have a common denominator and it is the PF regime.These people must be thoroughly investigated and charged (Dokument 56: 90–93, Blogeintrag). Diese direkte Aneinanderreihung offener Fragen ist rhetorisch zu verstehen. Der Protest ist ein Appell an ein gemeinsames Nationalgefühl. Die ethnische Gemeinschaft der Sambier solle sich den als rassistisch bezeichneten Chinesen entgegenstellen. Dabei ist zwar auch die Kritik an der eigenen Regierung zu hören, weil beispielsweise keine Steuern von den Chinesen eingefordert werden. Es wird ein Antagonismus „Wir“ gegen „die anderen“ konstruiert, der auf rassistischen Grundannahmen basiert: „Wir“ haben dieselbe Hautfarbe und „die anderen“ sind ohnehin Rassisten. Ein Kulturkampf wird mit diesem Protest beschworen. WHAT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! The **** is damn stupid!I These Chinese have more respect for dogs than for black people and the **** is talking about forgiving him. It is for this reason that wwhite treat us as animals that have a very short memory of our sufferings (Dokument 59: 280–283, Blogeintrag). Der Protest schlägt sich in Theorien von Rassen aufgrund von Hautfarben nieder. Die Chinesen würden eher Hunde als „schwarze“ Menschen respektieren. Die „Weißen“ wiederum hätten die Sambier früher ebenfalls wie Tiere behandelt. Die Chinesen würden es heute auch tun. Indem den Chinesen und den Weißen ein rassistisches Handeln unterstellt wird, greift der Verfasser gleichfalls auf ein rassistisches Denken zurück. Der Rassismus der Dominierten nach Leiprecht tritt wiederum zum Vorschein. Die ursprünglichen Opfer von Rassismus, die Schwarzafrikaner, richten ihre abwertenden Einstellungen gegen die Chinesen. Die Chinesen werden hier mit den Weißen, die früher Sambia rassistisch unterdrückten, gleichgesetzt. Damit schließt sich der Kreis des umgedrehten Rassismus. Beim Rassismus handelt es sich also nicht nur um individuelle Vorurteile, sondern auch um die Legitimation von gesellschaftlichen Hierarchien, die auf der Diskriminierung der so konstruierten 199 Gruppen basieren. In diesem Sinn ist Rassismus immer ein gesellschaftliches Verhältnis.392 No one killed this man. He got run over by a trolley! It was a riot! You think if I wanted to kill you, I would put my car in neutral and push it and let of coast towards you?? However, the chinese that pointed guns at Zambians and opened fire had every intent to kill and the government let them go free just because they have white skin, period! (Dokument 49: 184–187, Blogeintrag). Ein Todesfall in einer Mine wird wiederholt zum Anlass genommen, die eigene Regierung hart zu kritisieren: Die Chinesen dürften Sambier ungestraft töten, weil Chinesen eine weiße Haut hätten. Es liegt eine Stereotypisierung mit einem biologischen Rassismus nach Memmi vor, die sich auf die Behauptung stützt, dass es eine Ungleichbehandlung aufgrund von Hautfarbe gäbe. Brother bwana Mukubwa, i have been made to understand that chinese come with women in botswana, and the end result has been that the chinese women have been aggressive grabbing bantu from the batswana women. chinese are just aggressive and upto get anything that is there to satisfy their lusts. we better start learning to protect what we treasure. please do not expect teh chinese to respect zambian laws when we have failed to follow them our leaders are thieves and commit crimes without shame or fear, and tehrefore do not expect a chinese to follow the laws. anyway, do you want them to use dogs??? (Dokument 19: 224–226, Blogeintrag). Den Chinesen wird vorgeworfen, aggressiv „ihre Lust“ zu befriedigen und die sambischen Gesetze nicht zu befolgen. Chinesische Frauen werden als besonders aufdringlich beschrieben. Als Anlass für diese Äußerung wird ein Vorfall in Botswana geschildert, weil Chinesen intime Beziehungen zu einheimischen Frauen eingegangen sind. Die chinesischen Frauen hätten auf diese Vorfälle sehr rabiat reagiert. Daraus schließt der Autor, dass die Chinesen grundsätzlich aggressiv seien und ihre Lust mit allen Mitteln rücksichtslos befriedigen würden. Er unterstellt chinesischen Frauen einen ausgeprägten Besitzanspruch gegenüber ihren Männern, denen er wiederum eine rücksichtslose Form sexueller Bedürfnisbefriedigung attestiert. Diese Aussagen lassen sich nicht bestätigen und verdeutlichen, dass mit allen erdenklichen Vorurteilen Ressentiments geschürt werden. Die rassistischen Ressentiments bewegen sich auf einer biologischen Ebene, weil den Chinesen ein angeblich besonders aggressives Sexualverhalten zugeschrieben wird. One of these days they will be race riots like in indonesia and malaysia. These Chinese will learn the hard way (Dokument 10: 327–328, Blogeintrag). 392 Rommelspacher 2009, S. 29. 200 Gewalttätige Ausschreitungen gegen Chinesen wie in Indonesien und Malaysia werden auch für Sambia prophezeit und indirekt gerechtfertigt. Es ist eine aufgebrachte, scheinbar zur Gewalt entschlossene oder jedenfalls Gewalt einkalkulierende Form des Protests. In Sambia kam es noch nicht zu gewalttätigen Unruhen mit chinesischen Opfern. In Malaysia und Indonesien ist es dagegen zu Zusammenrottungen eines chinesenfeindlichen Mobs gekommen, es gab einige Todesopfer infolge von Gewalttaten. Der Autor befürchtet eine Eskalation der Gewalt zwischen Chinesen und Sambiern. Die Rechtfertigung von Gewalt gegen eine bestimmte Ethnie ist Rassismus. now colonised by chinese what a people. black people who cant have pride of their own.sad (Dokument 71: 93–96, Blogeintrag). Es wird ein Gegensatz zwischen Einheimischen und Chinesen aufgebaut, die eine neue Kolonialherrschaft anstrebten. „Schwarze“ Menschen könnten unter diesen Bedingungen nicht stolz auf das eigene Land sein. Der Protest erzeugt Angst, die in Hass und Rassismus umschlägt, jedenfalls in einen rassischen Antagonismus mit der Formulierung „schwarze“ Menschen (black people), denen ja „weiße“ Menschen als amorphe Masse gegenüberstehen würden. Dies ist eine biologische rassistische Zuschreibung. uhmmmmmmmmmm………ati “the chinese are the reason Zambian goverment is dowing well”…………. *******!! A grade 5 in chibolya has more brains than you. For your own info the ‘chinks’ in china are slaughtering black africans like chickens ‘Quangdong’ and no one give a damn … africans are turning to violence because they are simply fade up with being taken for *****.. now go suck on that wrinkled white worm under the scottish skirt you call a penis (Dokument 48: 74–78, Blogeintrag). Der Autor hetzt in diesem Blogeintrag gegen Chinesen, die er „Chinks“ nennt. Die „Chinks“ dürften Sambier wie Hühner abschlachten, darum müssten die Sambier mit Gewalt reagieren. Die Behauptung, dass die Chinesen Sambier wie Tiere schlachten würden, ist nicht belegt. Dennoch kommt die radikale Meinung einer Aufforderung zur Gewalt gleich. Auch in dieser Aussage zeigt sich biologischer Rassismus. ITS TIME WE BEAT UP EVERY CHINAMAN THAT WE SEE IN ZAMBIA,THESE DOG EATERS WILL NEVER EVER LEARN ABOUT HUMAN RIGHTS AS IT DOES NOT EXIT IN CHINA.ENOUGH IS ENOUGH NOW LET US ROUND UP EVERY CHINAMAN IN ZAM- BIA AND BUNDLE THEM UP AND PUT THEM ON ETIOPEAN AIR AND FORCEFULLY SEND THEM BACK TO THEIR STINKING COUNTRY. IDIOTS (Dokument 65: 160–163, Blogeintrag). Der Beitrag ist ein rassistischer Gewaltaufruf gegen Chinesen. Jeder Chinese solle verprügelt werden, weil sie „Hundefresser“ seien. Das Heimatland würde 201 stinken und die Chinesen sollten gewaltsam ausgewiesen werden. Die rassistische Zuschreibung bedient sich biologischer Argumente. The point of departure is as usual, excellent piece of work done by those policemen/women for being true partriots and, secondly we also sincerely thank those members of the public for reporting such suspicious activities. This is clear message that Zambia will not fold its arms and sit idly for these dishonest blood thirst vapires to suck even the last drop of Zambian blood. Zambia will not give in to any pressure from any quarter, be it from an inconsiderate piece of dust or a billionnaire. Zambia is not mickey mouth and it is not piece of cake for dishonest investors or non paying tax individuals. Zambians remain undivided when it comes to the management of their natural resources. Any Zambian who works against National Interests should be treated as an enemy to the state. Viva HH, viv (Dokument 58: 154–158, Blogeintrag). In diesem Beitrag werden die Chinesen als „Vampire“ bezeichnet, die nach sambischem Blut verlangen würden. Sie werden auch als „Steuersünder“ hingestellt. Es ist ein kämpferischer Protest, der auch nationale Gemeinschaftsgefühle bedient: Jeder Sambier, der gegen die nationalen Interessen handelt, sollte als Staatsfeind angesehen werden. Die Diffamierung als „Vampire“ ist ein biologisch geprägter Rassismus. 6.2 Zambian Economist Insgesamt wurden 1661 Artikel im Untersuchungszeitraum veröffentlicht. Es gibt 22 Beiträge zum antichinesischen Protest auf der Plattform „Zambian Economist“. Der Zambian Economist ist ein Blog und kein reines Nachrichtenmedium. Die Plattform stützt sich auf die Meinungsäußerungen der Betreiber. Dabei entfallen auf den politischen Protest 3, auf den historischen Protest 9 und auf den sozioökonomischen Protest 10 Beiträge. 6.2.1 Politischer Protest Es kommt in Sambia verstärkt zu öffentlichen Unmutsäußerungen über die Chinesen im Land, die nicht immer einer einzelnen Kategorie oder einem Thema zuzuordnen sind. Häufig mischt sich der Hass über konkrete Ereignisse, durch die Chinesen in einem schlechten Licht erscheinen, mit allgemeinen Vorbehalten gegen die fernöstliche Konkurrenz. Thirdly, slowly but surely – Chinese are entrenching themselves. They already have a lot of economic muscle. This Sinazongwe case is now also making them neutralize our legal system. That is what allowing them to get away with it, means. Once they have ALL the important parts of administration in their pocket that is it. The trick is – through bribery or other control mechanisms, they want our government people to chicken out – anytime they make 202 a mistake. And as SOON AS they achieve dominance economically and legally, our freedoms will be gone. And always remember that – wherever Chinese have put an imprint, it becomes impossible to undo it. Who can police them with America getting so weak? (Dokument 1: 27). Der Autor entwirft ein Zukunftsszenario, in dem die Chinesen das rechtliche System Sambias aushebeln, die wichtigen Bereiche der Regierung unter ihre Kontrolle bringen und am Ende die sambische Freiheit beenden würden. Obwohl kein konkretes Beispiel genannt wird, ist die Angst vor der wirtschaftlichen Dominanz Chinas unübersehbar. Ein Stückweit spielen aber auch Verschwörungstheorien eine Rolle. Der Autor konstruiert die Vision einer chinesischen Kontrolle auf allen administrativen Ebenen Sambias. Außerdem würde China durch die Erlangung der wirtschaftlichen Kontrolle die Freiheit der Sambier beenden. Für diese Spekulation gibt es keinerlei Beweise. If this is indeed true, then the message being given is that a rich investor (or any other individual for that matter). can get away with murder. It also further ingrains the perception that Chinese investors are being treated with kid gloves and allowed to flout local laws and regulations whilst GRZ looks the other way. This is arrogance of the highest order (Dokument 1: 16–17). Der Beitrag stellt sich allgemein gegen die sambischen Gesetze, die angeblich die Chinesen begünstigten. Dabei basiert der Protest auf sozialpolitischen Argumenten: Die Menschen mit dem meisten Geld, in diesem Fall die Chinesen, könnten selbst bei einer begangenen Mordtat ungeschoren davonkommen, zudem wäre es ihnen möglich, über die lokalen Gesetze zu spotten. I am forever saddened by the lack of governance in both Zambia and Tanzania and the lack of control measure in illegal wildlife trade. The politicians are in it and they are to be held accountable for this barbaric act. China is seriously a devil and a snake in green grass. dont trust them as they have an agenda which will play on your ignorance and before you know it they have ripped your country's resources and depleted. When are we going to wake up? christ! it is sickening to hear how these politicians talk the talk but cant walk the walk (Dokument 15: 12–14). Der Protest richtet sich einerseits gegen die Chinesen im Land am Beispiel des illegalen Wildtierhandels, der als barbarisch dargestellt wird, und gegen den zu wenig unternommen würde. Andererseits wird auch gefragt, wie die sambische Regierung den Diebstahl der eigenen Ressourcen zulassen konnte. China wird als Teufel hingestellt. Der gesamte Beitrag zeugt von Angst, bietet aber keine konkreten Lösungsvorschläge an. Die Bezeichnung „Teufel“ für China ist eine Herabwürdigung einer Gruppe, nämlich der Gruppe der Chinesen, die sich am illegalen Wildtierhandel bereichern würden. Ob nun die Gruppe speziell 203 oder China als Adressat der Diffamierung gemeint ist, lässt gleichermaßen die Deutung Rassismus zu. 6.2.2 Historischer Protest Sambia wurde als ehemalige Kolonie recht spät von Großbritannien unabhängig und zeigt sich daher besonders empfindlich gegenüber kolonialistischen Bestrebungen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die ökonomische Übermacht Chinas häufig als neokoloniale Überwältigung wahrgenommen wird. Gerade die enge Freundschaft der sambischen mit der chinesischen Regierung wird als fehlende Gegenwehr und als Verlust der sambischen Souveränität wahrgenommen. Die folgenden Artikel behandeln die Angst der Sambier, ihre kurze Zeit der Unabhängigkeit durch die neue „Kolonialmacht China“ wieder zu verlieren. "Great Britain decolonized the African country of Zambia in the mid-20th century. China has recolonized it in the early 21st. The story is the same throughout the Third World from Sudan to Kazakhstan: China invests in a poor country in return for strategic benefits, usually an oilfield or a mine. Besides getting cash, local dictators get a weapons dealer and a protector at the United Nations..." Toronto Sun's Ezra Levant using Zambia as the poster child of new Chinese led colonialism. In a recent review of The Beijing Consensus, I note the complexities of assessing Beijing's thrust on our nation. On the one hand the Collum coal incident reinforced the vision of a nation helpless before Beijing, on the other hand we have not seen tangible evidence of a country being intentionally transformed in Beijing's image. The sort of "black and white" pronouncements by Mr Levant is one which needs to be rejected for more sober assessment. China is not intentionally setting out to colonise Zambia a sharp contrast to British foreign policy in the 19th century. As Halper rightly argues, Beijing's activities in Zambia are reactionary shaped by incentives at home, which gives our leaders sufficient potential to bargain, if they so wish. (Dokument 2: 1–4). Hier liegt eine Analyse der globalen Situation Chinas und Afrikas vor. Die These des „Beijing-Consensus“ wird angesprochen und ein historischer Vergleich mit der britischen Kolonialzeit gezogen. Dabei gelangt der Verfasser zu ausgewogenen Erkenntnissen. Einerseits beschreibt er umfassend die Theorie der Neukolonisierung Sambias, andererseits sieht er ausreichend Handlungsspielraum für die sambische Politik, sich der chinesischen Kontrolle zu widersetzen. So ausgewogen der Text auch ist, so sehr bedient er das in den Rassismustheorien immer wiederkehrende Element der Verortung von Rassismus, nämlich im Kolonialismus. Da den Chinesen unterstellt wird, koloniale Verhaltensweisen zu befolgen, sind rassistische Ressentiments offensichtlich. 204 It is through this prism that China’s current activities are rightly viewed as a potent emerging colonising power. It certainly did not deliberately set out to colonise Africa, rather its colonisation efforts are an outworking of its rulers struggle to maintain the current growth trajectory at all costs, in order to pacify the expectant masses. The Politiburo’s quest for domestic stability has produce in Africa a situation where it is now the pre-eminent colonial power of the 21st century (Dokument 33: 6). Der Autor unterstellt der chinesischen Regierung eine Strategie der Befriedung der Massen und der inneren Stabilität. Die Strategie lässt China heute als die größte Kolonialmacht des 21. Jahrhunderts erscheinen. Es ist eine gewagte These, die jedoch keinen Beleg für konkrete Einzelfälle liefert. Die Bezeichnung der Chinesen als „Kolonialmacht“ ist rassistisch. Hier liegt der umgedrehte Rassismus nach Leiprecht vor. Die ehemals kolonisierten Einwohner Sambias sehen in China eine neue Kolonialmacht. Der sambische Rassismus tritt damit an die Stelle des den Chinesen unterstellten kolonialen Rassismus. Dabei ist es offenkundig unerheblich, dass die tatsächliche rassistische Erfahrung der Sambier durch europäische Kolonialmächte wie Großbritannien gemacht wurde. In June 2011, Secretary of State Hillary Rodham Clinton gave a speech in Zambia warning of a “new colonialism” threatening the African continent. “We saw that during colonial times, it is easy to come in, take out natural resources, pay off leaders and leave,” she said, in a thinly veiled swipe at China (Dokument 32: 7). Der Autor geht auf die Rede der damaligen US-Außenministerin Hillary Clinton ein, die vor einem chinesischen Kolonialismus warnt und China als eine Bedrohung für Afrika sieht. Diese Aussage zeugt von westlichen Befürchtungen, infolge der chinesischen Präsenz in Afrika einen wirtschaftlichen und politischen Einfluss einzubüßen. Hillary Clinton dient quasi als „Kronzeugin“ und „seriöse Instanz“, sodass die Vorwürfe gegen chinesische Einwanderer als berechtigt erscheinen. Allerdings geht der Autor nicht darauf ein, aus welchen Gründen die damalige US-amerikanische Regierung gegen eine chinesische Präsenz in Afrika war. Der Vorwurf des chinesischen Kolonialismus ist ein typisches rassistisches Element. Hier zeigt sich aber eine Besonderheit: Der rassistische Vorwurf stammt nicht von den eigentlich betroffenen Sambiern, sondern von der US-amerikanischen Außenministerin. Bemerkenswert ist, dass die sambische Zeitung diese Vorwürfe ungeprüft veröffentlicht und dadurch die Stimmung gegen die Chinesen anheizt. To try and get this correct, that is why I keep on challenging the Zambian Youth that – the oddies when they were fighting for independence, they at least never allowed the colonizer to cheat them. Today the colonizers (in the name of investors) cheat us day and night. They are not even scared. And as I 205 warned before, once you allow them to sit on the resources, they will use anything including weapons to keep us off. The Sinazongwe incident, is a case in point. Who would dare chase Chinese away from the Zambian mines once they are entrenched? We are really not foresighted (Dokument 6: 36). Der Autor stellt folgende weitreichende These in den Raum: China würde Sambia kolonisieren und die heutige sambische Jugend würde die mühsam erkämpfte Unabhängigkeit aufgeben. Letztlich könnten die Chinesen eines Tages auch Waffen verwenden, um sich gegen die Sambier durchzusetzen. Der gesamte Text zeugt von einer unreflektierten Zukunftsangst. Colonialism is of course also intellectual. At the heart of the Chinese story in Africa is not only an escalation African subjudication but also the spread of ideas. One such idea is the perpetuation of a slavery ethos. Africa's current leadership continues to enslave their people, repeating the same mistakes of their pre-colonial forefathers. The buyers may have changed but the sellers remain the same – a small band of power hungry elites. The commodities were ivory but now its copper, manganese, diamonds, etc. One thing never changes – people are still being sold. Africans are not being physically shipped, but certainly many have all their dignity stripped through poverty and other abuses (Dokument 33: 16). Eine psychologisch dichte Form des Protests wird hier deutlich: Nahezu konstruktivistisch wird mit der Entwicklung einer kulturellen Idee argumentiert, der von China entwickelten Idee eines „Sklavenethos“. Das „Sklavenethos“ würde den Afrikanern von afrikanischen Regierungen und der chinesischen Regierung infiltriert, die Methoden der Versklavung seien nicht physische Gefangennahme, sondern Armut und Misshandlungen. Die Güter der Sklaverei seien nicht Elfenbein, sondern Diamanten und Kupfer. Im Mittelpunkt steht der Vorwurf, dass die afrikanischen Regierungen mit den Chinesen eng zusammenarbeiten würden. Es entsteht ein Graben zwischen den afrikanischen Eliten und den chinesischen Unternehmen bzw. dem chinesischen Staat einerseits und der afrikanischen Bevölkerung andererseits. Die afrikanischen Regierungen würden die Versklavung der eigenen Bevölkerung durch China aktiv unterstützen und sich dadurch zu Verbündeten Chinas machen. Der Vorwurf der „Sklavenhalterschaft“ beschreibt die Behauptung einer rassistischen Über- und Unterordnung zweier Gruppen. Dadurch ist es zu einer Ethnisierung der einen Gruppe gekommen. Its not all about the extraction of raw minerals, according to Reuters part of the Chinese neo-colonisation is involves a significant cultural exchange. Not sure where this puts a recent claim I heard that China may also be exporting "prisoners" to Zambia (Dokument 21: 7). 206 Der Beitrag entwirft das Bild eines chinesischen Neokolonialismus, durch den ein kultureller Austausch stattfinden würde. Außerdem wird behauptet, es würden chinesische Sträflinge nach Sambia importiert. Insgesamt bleibt der Beitrag seltsam nebulös und enthält keine näheren Begründungen für die Annahme eines kulturellen Austauschs. Zudem wird auch die Über- und Unterordnung einer bestimmten Kultur gegenüber einer anderen rassistisch dargelegt. I feel China will simply use our internal problems (centralisation and corruption) to gain the advantages it needs, there will be no overt attempt to control Zambia, merely the flow of its resources. The main obstacle to our benefiting from our resources thus becomes our society, values and politics. The fact that China will be able to extract concessions from us will rankle like colonialism and will be a refinement of British forms. In the sense that internal developments will be subject to external control (Dokument 2: 111). Den Chinesen wird eine Strategie unterstellt, mit deren Hilfe sie die inneren Probleme Sambias nutzen, um Kontrolle über die sambischen Ressourcen und die sambische Gesellschaft zu erhalten. Vergleiche mit der britischen Kolonialzeit werden herangezogen. Dabei stützt sich der Autor auf Spekulationen. Die These, dass die Chinesen in der Tradition der ehemaligen britischen Kolonialmacht vorgehen, um Sambia politisch zu kontrollieren, entbehrt jeglicher Grundlage. Es ist zwar zutreffend, dass China die guten Beziehungen zur sambischen Regierung für den Import sambischer Ressourcen ausnutzt, aber es gibt keine Anzeichen für eine politische Kontrolle Chinas über Sambia nach kolonialem Vorbild. Die Behauptung einer neuen Kolonialherrschaft Chinas über Sambia erweist sich als Rassismus der Dominierten nach Leiprecht. Like colonial leaders of the past, the Chinese strategy for dominance has targeted its effort on a corrupt African leadership through dirty deals. Out of desperation and corruption, African leaders are selling their people into a new era of corruption and virtual colonialism as China seeks to buy up all the metals, minerals and oil she can lay her hands on: copper for electric and telephone cables, cobalt for mobile phones and jet engines - the basic raw materials of modern life. It is crude rapacity, but to Africans and many of their leaders it is better than the alternative, which is slow starvation (Dokument 33: 7). Der Autor sieht eine Verbindung zwischen dem chinesischen Export von Bodenschätzen aus Afrika und den China unterstützenden korrupten afrikanischen Regierungen. Dabei gehe China wie die ehemaligen kolonialen Herrscher vor. Er kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Die chinesischen Aktivitäten seien für Afrika besser als das langsame Verhungern. Diese pessimistische Sicht zeigt ein realitätsfremdes Bild von der Anwesenheit der Chine- 207 sen in Sambia. Der Vorwurf des Kolonialismus ist grundsätzlich rassistisch geprägt. Hier aber wird er in einem positiven Kontext verwendet. Its not all about the extraction of raw minerals, according to Reuters part of the Chinese neo-colonisation is involves a significant cultural exchange. Not sure where this puts a recent claim I heard that China may also be exporting "prisoners" to Zambia (Dokument 21: 7). Der Artikel geht nicht direkt auf Einzelfälle ein, stellt aber pauschal die These auf, dass die chinesische Neokolonisation Sambias einen erheblichen kulturellen Wandel bewirken würde. Zudem wird die Annahme des Imports von chinesischen Strafgefangenen nach Sambia wiederholt. Es gibt keine konkreten Belege für diese Ansichten. Der Vorwurf des chinesischen Neokolonialismus hat jedoch rassistische Untertöne. 6.2.3 Sozioökonomischer Protest 6.2.3.1 Verletzung von Menschenrechten Menschenrechte werden in der sambischen Kritik gegenüber China zwar universell verstanden, sie bilden aber auch die konkret von Chinesen verletzten Arbeitnehmerrechte ab. Wenn infolge von unzureichenden Schutzmaßnahmen immer mehr Sambier Opfer von vermeidbaren Arbeitsunfällen werden, ist es nicht verwunderlich, dass sich der Hass gegen die als verantwortlich angesehenen chinesischen Unternehmer richtet. It is indeed sad very sad that we are seeing ourselves sold by the regime of nowadays!Its not only in Zambia, its almost the whole of Africa that at the plight of the bogus investors, the Chinese people, we see our lady, our labour sold! How far is the going to be, WE are tired of being sold in this contemporary times. Does our govts need us to raise wt pangas that we are tired. NO. NO but time wil tell that we shall raise one say and the peace we have embraced for long wil be long gone. Worse stil, in Zambia, the bogus investors go to an extent of killing, shooting our miners. How far can this go, we are tired! Have our leaders been choked too much with the dust they are licking from the boots of the bogus investors? Have they put cotton wool in the ears that they cant listen to us? Indeed, what we are seing now it the Politics of the stomach, as long as I am fed, others do not care, but is the normal of One Zambia One Nation. (Dokument 5: 14–18). Der Autor entwirft eine weitreichende Verschwörungstheorie: Der gesamte afrikanische Kontinent würde von den Chinesen aufgekauft werden, die sogar ungestraft Sambier erschießen könnten. Die sambische Regierung würde „die Füße der chinesischen Investoren küssen“. Der Verfasser zeigt sich pessimistisch, es gibt keinen direkten Aufruf für ein Handeln der Afrikaner, auch keine Aufforderung an die sambische Politik, gegen die Chinesen vorzugehen. 208 "I asked, “What have I done wrong?” and [the supervisor] replied, “Don’t you know you’re not supposed to talk, you’re a slave.” [My boss] and his supervisor spoke in Chinese for several minutes, and then he said I was fired. After being fired, I went to the safety officer and took him to the workplace. Then I went to see the HR [human resources] officer, who confirmed that he had been to the site where the problem started. He was very defensive of the Chinese, he didn't even address the issue of working near the fire without fire safety equipment. HR told me to go home, that they would finish their investigations. I have taken the case to court..." From a new hard hitting report on the human rights abuse of Chinese companies in Zambia. Sadly, all of this is nothing new to many of our readers. Nevertheless it is useful to have a report that independently brings to these issues. The recommendations there are also useful, particularly the need to increase monetary fines and increase capacity at the Ministry of Mines in relation to safety. Email This (Dokument 25: 1–5). In einem sachlichen Stil wird ein Vorfall von Misshandlung sambischer Angestellter durch chinesische Unternehmen im „Human Rights Watch Report“ beschrieben. Der Autor stellt enttäuscht fest, dass sich nichts geändert habe. 6.2.3.2 Vorfall in der Collum Mine Die Ausschreitungen in der Collum Mine haben einen hohen Symbolcharakter für den Dissens in den sambisch-chinesischen Beziehungen. Entsprechend beschäftigen sich die folgenden Artikel mit den Vorfällen in der Mine. What a bizarre development: Management of Collum Coal Mine and all the 13 workers who were shot at have agreed that their supervisors should not be prosecuted. This comes after mine management agreed to compensate victims of the shooting between K20 and K45 million. There's something wrong in a country where the State allows witnesses to be bought off (that is what "compensation" is) before formal criminal charges are brought. The Collum incident was not a civil offence, it was an alleged "criminal" act. That is to say the alleged offence was committed both against the State and the individual. The alleged offence therefore is not a "private deal" between the victims and the alleged offender (Dokument 1: 3–5). Die Verantwortlichen für die Schussverletzungen von dreizehn sambischen Arbeitern werden nicht bestraft, stattdessen werden die Arbeiter finanziell entschädigt. Der Autor wirft der sambischen Regierung vor, einen offensichtlichen Kriminalfall zu ignorieren und ihn auf die Ebene eines privaten Schadensersatzes zu stellen. Das ist für ihn bizarr und unverständlich. Er vermutet, dass etwas grundsätzlich schief läuft in einem Staat, der derartige Vorfälle zulässt. 209 Die folgenden Artikel beziehen sich auf Beispiele von antichinesischen Ressentiments. Der Protest gegen die Chinesen in Sambia ist nicht immer eindeutig nach Ursache und Wirkung zu unterscheiden, sondern besteht häufig aus einer Gemengelage verschiedener Einflüsse. According to the Chinese embassy source, the shooting happened when mine workers protested against poor pay and working conditions. The Collum Mine promised to pay workers their wages on October 15 but failed to. Around 200 miners protested at the mine and the Chinese managers were not able to communicate with the workers due to their inadequate English (Dokument 40: 30). Diese Darstellung der Proteste an der Collum Mine zeigt, dass die chinesische Geschäftsleitung hinsichtlich der Forderungen der Streikenden letztlich eingelenkt hat. Zudem wird ein häufig übersehenes Grundproblem in der sambisch-chinesischen Kommunikation genannt: Die chinesischen Manager beherrschen die englische Sprache nur unvollkommen oder gar nicht. And workers at the mine complained of poor working conditions. During a heated meeting with officials from the Ministry of Mines, district council and the management, the workers complained of working long hours with little pay. They said they were not even given protective clothing. They accused management of threatening them with dismissals whenever they complained on wages. In an interview, an underground worker, Gashum Muchindu, said he earns K20,000 a day for loading a 75-tonne bucket with raw coal (Dokument 40: 67–71). Der Artikel beschreibt, wie die sambischen Arbeiter Vertretern des sambischen Bergbauministeriums von ihren problematischen Arbeitsbedingungen berichten. Es handelt sich um eine politische Verurteilung der Schüsse in der Collum Mine. Der Autor übt Kritik an der sambischen Regierung, die den Zwischenfall nicht als kriminelle Handlung, sondern als privaten Streit einstuft. Verallgemeinert wird auch, dass Untersuchungen feststellten, die Chinesen würden in Sambia Menschenrechte verletzen. Dies führt zu der Behauptung, Chinesen würden ihre systembedingte Missachtung der Menschenrechte durch ihr generelles Verhalten in Sambia importieren. Diese Art von Verallgemeinerungen zeigt, dass von Einzelfällen auf die allgemeine Situation abstrahiert wird. Der Vorwurf, China würde im eigenen Land Menschenrechte missachten, ist weit verbreitet und durch zahllose Beispiele belegt. Withheld wages and severely poor working conditions were a frequent source of conflict between workers and mine managers A shooting at a privately-owned Chinese mine in Zambia on October 15 which injured 11 local mine employees and one resident has put Chinese investment in the country between the crosshairs of a labor relations debate. 210 Sporadic strikes and conflicts between local workers and Chinese management had occurred since 2004 due to the disputes surrounding payment and other employment issues (Dokument 40: 27–28). Der Autor geht auf einen konkreten Einzelfall ein: Gemeint sind die Schüsse auf sambische Arbeiter mit 11 Verwundeten in einer chinesischen Mine. Er verweist auf eine Zunahme der spontanen Proteste und Konflikte zwischen Chinesen und Sambiern seit 2004. Die Aussagen beschreiben eine aktuelle Situation, ohne jedoch Lösungen anzubieten. China’s growing ties with corrupt governments inevitably undermines ordinary Africans striving to build a better Africa. Zambia has experienced firsthand the human right abuses and flouting of countless labour laws by Chinese companies which were recently documented in a hard hitting report by Human Rights Watch. Recourse to the legal process is fraught with difficulties as political actors intervene to maintain a parallel form of justice. When the employees at Collum Coal Mine were shot by their Chinese supervisors the Banda led government quickly stepped in to agree that they should not be prosecuted. A crime against the state had become a private deal among individuals (Dokument 33: 9). Hier werden zunehmende Probleme mit den Chinesen in Afrika aufgrund von Einzelfällen genannt, wie der Todesschüsse in der Collum Mine und die im Untersuchungsbericht von Human Rights Watch aufgezeigten Misshandlungen sambischer Angestellter durch chinesische Vorgesetzte. Der Artikel gelangt zu der Einschätzung, dass Chinas Beziehungen zu den afrikanischen Regierungen die Bemühungen von Afrikanern unterwandern, ein besseres Afrika entstehen zu lassen. Zudem wirft er der damaligen Banda-Regierung vor, die Schüsse an der Collum Mine nicht als Verbrechen gegen den sambischen Staat anzusehen. And workers at Collum Coal mine on Tuesday demanded that the government take over the running of the mine because the Chinese owners had failed to run it properly. During a tour of Collum Coal Mine on Tuesday, mines minister Wylbur Simuusa said he was not happy with the way the mine was being run by the Chinese. Simuusa said it was clear that the mine owners were totally disregarding safety standards, adding that the mine does not even have qualified personnel approved by the Ministry of Mines to run it (Dokument 40: 56–58). Der Beitrag benennt einen sambischen Politiker, der die Zustände in der Collum Mine in Augenschein nimmt und ganz eindeutig zugunsten der sambischen Arbeiter Stellung bezieht. Es handelt sich um einen sachlichen Protest, der auch die Verantwortung der sambischen Politik positiv darstellt. 211 What is happening at Collum Coal Mine is simply despicable. We are setting a precedent for other foreign corporations to do the same. And believe me others are watching. Quite obviously there is no one on the sceen who is a son or a daughter of miners from the colonial days. Did anybody parents or grandparents work for White Boers in 1950s? Conditions were so bad those days I cannot describe them. Over time we made tremendous improvements but now it seems were going backwards. Shame! (Dokument 1: 23–25). Der Autor warnt vor einem Tabubruch: Wenn Ereignisse wie die in der Collum Mine ungestraft stattfinden dürften, dann würden andere ausländische Unternehmen sich derselben Methoden bedienen. Zudem drohten Zustände in den Bergwerken wie während der Zeit der kolonialen Ausbeutung in den 1950er Jahren. Hier wird zwar ein Vergleich zum Kolonialismus gezogen, China wird aber nicht namentlich genannt. Dadurch lässt der Verfasser keine rassistischen Ressentiments aufkommen. Mr Muchima said the experts would write a report to government to ensure that an appropriate action was taken to address the situation at the Nkanddabwe collume mine. He said government supports Chinese investment in the country but would not accept a situation where Zambians will be working as slaves. “We would rather be poor than to subject our citizens to inhuman conditions, government will not tolerate such attitudes of enslaving our own people. I am disturbed with what I have seen,” Mr Muchima said (Dokument 23: 8–9). Hier liegt ein konkreter Bericht über Handlungen eines sambischen Politikers angesichts der Situation in der Collum Mine vor. Der Politiker versprach, gegen Misshandlungen von chinesischen Arbeitgebern vorzugehen. Seine Aussagen sind bedacht, sachlich und lösungsorientiert gewählt. 6.2.3.3 Allgemeiner Protest gegen die Chinesen im Land Es gibt eine Reihe von Artikeln, die eine allgemeine Sicht auf die chinesischen Arbeitsrechtsverletzungen werfen. Sie lassen sich nicht auf einen konkreten Vorfall wie die Schüsse in der Collum Mine zurückführen. But local opposition parties, labour unions and NGOs are at odds with the government initiatives and the Chinese. They have criticised Chinese mine owners for bad working conditions, low wages and substandard safety standards and practices. In Chambishi 46 Zambian workers died in 2005 in an accident at a Chinese explosives factory. They were buried beside the road to the mine gate. The incident was widely reported in the Zambian media at the time and it wasn’t the only one, said Chibamba Kanyama, a respected local business ana- 212 lyst. He said that "many of the hazards in mining have been associated with Chinese investors" (Dokument 12: 30–32). Der Autor beschreibt, wie die sambischen Gewerkschaften und die politische Opposition gegen die Chinesen vorgehen sollten und wie es zu Unglücksfällen in chinesischen Bergwerken mit sambischen Opfern kam. Recent evidence appear to show that as Chinese jails reach the full bream, thousands of Chinese convicts have allegedly been pressed into service on infrastructure projects undertaken by state-run Chinese companies in Asia and parts of Africa, reminiscent of exports of convicts to Australia at the height of British imperialism. Many have come across such Chinese convicts finishing their jail time as forced labourer on road projects in Africa. This export of unwanted peoples is not only blocking unskilled local labour to have job opportunities but it may lead to deep social problems in the future (Dokument 33: 12). Der Autor behauptet, Beweise zu haben, dass Tausende chinesischer Häftlinge nicht in anderen Ländern, sondern auch in Afrika zur Zwangsarbeit für chinesische Unternehmen eingesetzt werden. Diese Behauptung wirft ein Schlaglicht auf zukünftige soziale Probleme in Afrika, weil ungelernte lokale Arbeiter um ihre Existenz gebracht werden könnten. Ohne auf Einzelfälle weiter einzugehen oder Beweise zu liefern, entwirft der Autor ein Bild der Angst, das bei den sambischen Arbeitern, die die chinesische Konkurrenz fürchten, auf Zustimmung stoßen könnte. Die Interpretation des ersten Datenkorbs hat gezeigt, dass der antichinesische Protest vor allem über die Medien kommuniziert wird. Dabei liegen zum einen Zeitungsmeldungen vor, die über diverse Missstände in Namibia und Sambia berichten: Unglücksfälle, Arbeitskämpfe und schlechte Arbeitsbedingungen in den chinesischen Unternehmen. Zum anderen bilden die Kommentarfunktionen der Zeitungen eine Plattform für namibische und sambische Leser. In den Kommentaren zeigt sich der Hass über die Chinesen in den beiden Ländern. Dabei gehen die Äußerungen in eine Richtung, die von Unmutsbekundungen bis zu offenem rassistischem Hass gegen die chinesischen Einwanderer reichen. 213 7 Datenkorb 2: Statements von Politikern Die Auswertung von politischen Äußerungen der sambischen und namibischen Politiker erwies sich als schwierig. Es sind nur wenige öffentliche Äußerungen über China und Chinesen vorhanden. Es stellt sich die Frage, woher die antichinesischen Proteste eigentlich kommen. Besonders extrem war die antichinesische Einstellung von Michael Sata, der als Oppositionsführer in einer Rede vor der Harvard Universität in den USA 2007 sehr konkret zu den chinesischen Einflüssen in Sambia Stellung bezog. In seiner Präsentation „Chinese Investment in Africa and Implications for International Relations, Consolidation of Democracy and Respect for Human Rights: The Case of Zambia“ am 24.10.2007 sowie weiteren einzelnen Äußerungen während seiner Zeit als Oppositionsführer in Sambia ergaben sich insgesamt 13 Codierungen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Sata seine Einstellung nach seiner erfolgreichen Wahl zum Präsidenten komplett änderte und die chinafreundliche Politik fortsetzte. Seine Wahl ist jedenfalls in Teilen seinen antichinesischen Äußerungen während der Wahlkämpfe zuzuschreiben. 7.1 Michael Chilufya Sata Sata erhielt die Einladung als Oppositionsführer an die Harvard Universität in Boston vom „Committee on Human Rights Studies Events“. Die Rede, die er am 24. Oktober 2007 hielt, wurde später als Manuskript veröffentlicht. Chinese investors have also been violating the labour laws, environmental regulations, and occupational health and safety standards with impunity, because the Zambian Government shields them from the regulatory bodies. It also ignores very serious reports of abuse of Zambian workers by their Chinese superiors. Failure to observe the occupational health standards at the Chinese government owned explosives factory even resulted in the death of 50 Zambian casual workers, in an explosion that destroyed the entire plant, but in which not a single Chinese life was lost. Many questions surrounding the death of the 50 Zambians workers at the Chinese explosives factory to this day remain unanswered (Dokument 1: 21). 214 Sata vermischt die Berichte über die Verletzungen von Umwelt- und Arbeitsschutzgesetzen durch chinesische Arbeitgeber in Sambia mit der Explosion in einem sambischen Unternehmen, in dessen Folge 50 sambische Arbeiter, aber kein Chinese starb. Während auf die Explosion nicht weiter eingegangen wird, abgesehen vom Hinweis auf viele offengebliebene Fragen, richten sich die Vorwürfe an die sambische Regierung, die die Misshandlungsvorwürfe gegen die Chinesen nicht aufklären würde. Exclusion of Zambians from technical and managerial jobs denies qualified people employment opportunities in their own country, while the unskilled Chinese workers have taken away employment from their unskilled Zambian counterparts. Many Zambians cannot understand why unskilled workers from China should take away employment opportunities from their Zambian counterparts, in the face of very high unemployment levels, estimated at more than 70%. The Chinese investment in Zambia is therefore more beneficial to China than Zambia (Dokument 1: 20). Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in Sambia wird die kritische Frage gestellt, warum ungelernte chinesische Arbeiter Arbeitsplätze anstelle ungelernter sambischer Arbeiter erhalten würden. Sata leitet aus dieser Behauptung den Vorwurf ab, dass die chinesischen Investitionen mehr Profit für die Chinesen als für die Sambier bringen würden. In times when Zambia had policy disagreements with the international financial and western bilateral development agencies, however, and especially on governance and human rights issues, China stood out by providing dubious loans and grants mostly for consumption, and the impoverished defense and security services. China’s dubious assistance to (Dokument 1: 16). Sata bezeichnet die chinesischen Anleihen und finanziellen Hilfen für Sambia als dubios. Er unterstellt China, nur dann helfen zu wollen, wenn Sambia Schwierigkeiten mit westlichen Geldgebern hätte und von westlicher Seite Menschenrechtsfragen aufgekommen wären. Diese Sichtweise hinterfragt kritisch die politischen Beweggründe für die chinesischen Hilfen. Chinese investment, on the other hand, is focused on taking out of Africa as much as can be taken out, without any regard to the welfare of the local people (Dokument 1: 30). Diese kurze Aussage listet auf, dass die chinesischen Investitionen nur Vorteile für die chinesische Wirtschaft, aber nicht für die Menschen in Afrika hätten. Einzelbeispiele werden nicht genannt. Just as the Africans rejected European exploitation, oppression and dehumanization, there is no doubt that Chinese exploitation and domination will be rejected too (Dokument 1: 30). 215 Sata stellt die Behauptung auf, dass die frühere europäische Ausbeutung Afrikas und die unmenschliche Behandlung der Afrikaner in der Kolonialzeit in Zukunft wieder zurückkehren könnten. Die chinesischen Aktivitäten in Afrika würden genau auf dieselbe Situation hinauslaufen. Der Hinweis auf einen neuen Kolonialismus der Chinesen ist ein rassistisches Ressentiment. Chinese investments in Zambia have raised controversy on a number of counts. The large scale-mining and construction firms have created industrial disharmony, because of providing poor working conditions, which do not comply with the labour laws, environmental regulations and the occupational health and safety standards. They also pay “slave wages”. The Chinese investments have also created only a limited number of skilled and unskilled jobs for Zambians, because most technical and managerial positions, as well as a significant number of unskilled jobs are reserved for, and held by the Chinese workers, who have come along with the investment. The situation is worsened by disparities in wages paid to the Chinese and Zambian workers doing the same jobs, with the Chinese being paid substantially more. Similarly, the issuance of work permits in Zambia is now marred by discrimination, because whereas the Chinese firms can take into Zambia any number of Chinese workers they wish to take in, whether skilled or unskilled, the non- Chinese employers find it very difficult to obtain work permits even for very few skilled workers from other countries. Due to the favorable treatment given to the Chinese by the Immigration service, there are currently more than 80 000 Chinese nationals in Zambia (Dokument 1: 19). In dem Beitrag wird der Nutzen chinesischer Investitionen in Sambia angezweifelt. Die Chinesen hätten nur wenige gute Arbeitsplätze in Sambia geschaffen und würden Chinesen bei den Gehältern bevorzugen. Zudem wird die nicht überprüfte Behauptung aufgestellt, dass mehr als 80.000 chinesische Einwanderer in Sambia leben würden. Hier wird Angst vor Überfremdung geschürt. „Überfremdung“ ist ein häufig eingesetztes rassistisches Vorurteil. Chinese private investment has also brought into Zambia unfair competition. The Chinese traders, for example, sell cheap low quality products from China ranging from clothes to electronic household goods, which do not meet the local standards for various products. The garments, for example, wear out after being washed once, but they cost substantially less, and uninformed poor people, buy such garments at the expense of stronger locally made garments. Such trading activities are killing the local industry and taking away livelihoods from local people, such as tailors and traders selling better quality garments, not to mention the textile firms, most of which have collapsed not only in Zambia, but in Southern African region as a whole. The entry of Chinese traders in the micro enterprise sector has also worsened competition in an already over-crowded informal economy, which supports the bulk of the labor force (Dokument 1: 23). 216 Sata zeigt anhand von einigen Einzelbeispielen, wie die chinesischen Einzelhändler durch die Vorteile günstiger chinesischer Produkte die einheimischen Händler schrittweise verdrängen würden. Er empfindet dieses “Preisdumping” als unfaire Konkurrenz. Even when Zambia’s heavy foreign debt burden got out of hand at US$7 billion, China did not step in with any help. It was only after the international financial institutions and the western bilateral donors had come up with the Multi-lateral Debt Relief Initiative (MDRI) and the Highly Indebted Poor Countries Initiative (HIPC) that Zambia’s debts even to China could be forgiven (Dokument 1: 15). Satas Beitrag enthält den Vorwurf gegen die Chinesen, bei einem Auslandsschuldenstand von 7 Mrd. US-$ der sambischen Regierung nicht geholfen zu haben. Stattdessen hätten westliche Geldgeber eine finanzielle Hilfe gegeben. Der chinesische Weg der finanziellen Hilfe ohne Bedingungen wird kritisch hinterfragt. The China African policy is also not in line with the democratic aspirations of the Africans, because whereas the Africans have recognized absence of democracy and respect for human rights as the major contributing factors to their continent’s lagging behind the rest of the world, China is yet to accept that. (Dokument 1: 26). Sata bemängelt, dass die chinesische Regierung die notwendige Demokratisierung afrikanischer Staaten nicht unterstützen würde. Die Demokratisierung wäre aber die wichtigste Aufgabe der afrikanischen Staaten. China also tends to ignore human rights abuses in developing countries in general, and in countries with which it has closer diplomatic ties in particular. The excuse for ignoring human rights abuses in other countries is China’s policy of “non interference” in the internal affairs of other countries, which basically amounts to appeasement of individual leaders of the countries concerned (Dokument 1: 7). Eine kritische Äußerung über das Verhalten Chinas in den Entwicklungsländern wird sichtbar. China verletze konsequent Menschenrechte in den Entwicklungsländern, auch wenn enge Beziehungen zu dem Land bestünden. Dabei würde China immer wieder die Politik der „Nichteinmischung“ betonen, um sich für die Menschenrechtsverletzungen zu entschuldigen. Die folgenden Vorwürfe äußerte Oppositionsführer Michael Sata während eines Interviews auf dem Flughafen in Lusaka, nachdem sein Pass angeblich von einem Chinesen gestohlen wurde. 217 They have already discredited themselves, nobody else has discredited them. They are not investors, they are invaders. They have invaded here, they are not bringing development but they are creating employment for themselves (Dokument 1: 44). Sata stellt fest, dass die chinesischen Investoren, die er hier „Invasoren“ nennt, sich durch ihr Verhalten diskreditiert hätten. Es wird nicht deutlich, welche Art von Verhalten er kritisiert. Der Begriff „Invasoren“ bedeutet, dass die chinesischen Investoren eine feindliche Invasion in Sambia durchführen würden. Es ist zu fragen, wen Sata gemeint hat. Er spricht von den chinesischen Investoren. Da der Begriff „Invasoren“ hinreichend unbestimmt ist, ist eine rassistische Intention zu erkennen. “You people do not understand; the Chinese have invaded the world and if the Chinese are invading, and you people are proud of them coming to take up your jobs, that’s your problem. Me I am concerned about the poor people. I am concerned with the Chinese pushing wheelbarrows in Zambia.” (Dokument 1: 42–43). Hier ergeht ein Aufruf Satas an die Sambier: Sie würden nicht verstehen, wie gefährlich die als „Invasion“ bezeichnete Aktivität der Chinesen in Sambia sei. Die Äußerungen sind von Hass geprägt. Durch die Bezeichnung „Invasoren“ gegenüber den Chinesen wird eine Ethnisierung des Vorwurfs begründet. Ethnisierung ist in wertender Form ein Ausdruck von Rassismus. Zambians, therefore seem condemned to exploitation by the emerging Chinese entrepreneurs, who have access to generous Chinese Government loans and exclusive business opportunities from the Chinese enterprises in Zambia (Dokument 1: 24). Sata fasst zusammen, wie die sambischen Kleinhändler durch die unfaire Konkurrenz der durch chinesische Finanzhilfen gestärkten chinesischen Unternehmer schrittweise verdrängt werden. 7.2 Epafras Mukwiilongo Bei dem namibischen Oppositionsführer Epafras Mukwiilongo verhält es sich anders als bei Sata. Dieser Oppositionsführer hat in Namibia eine radikale Partei gegründet und ist unter anderem auch mit homophoben Äußerungen aufgefallen. Ihm werden in mehreren Statements insgesamt drei Codierungen zugerechnet. Zwei dieser Codierungen sind auf seine Zeit als Anführer der „Anti Chinese Group“ vor der Gründung seiner neuen Partei zurückzuführen. Das folgende Statement stammt aus einem Interview aus dem Jahr 2008, als Mukwiilongo noch Führer einer antichinesischen Interessengruppe von namibischen Geschäftsleuten im Norden des Landes war. 218 “The Chinese are buying and developing land now, and Namibians without money don t have access to this land. In few years time many Namibians are going to start buying land from Chinese. The government is telling the youth that they should go and establish SMEs, but how does government expect this people to compete against already skilled and experience business people if they are not given any type of protection? (Dokument 9: 6–17). Der erste Vorwurf richtet sich gegen die namibische Regierung, die die im Konkurrenzkampf unterlegenen Namibier nicht vor der stärkeren Konkurrenz der Chinesen schützen würde. Ein weiterer Vorwurf geht an die Adresse der Chinesen, die ungehindert Land aufkaufen könnten, ohne dass finanziell unterlegene Namibier bei diesen Ausschreibungen berücksichtigt würden. Es ist eine sehr auf die angeblichen Nachteile der Namibier ausgerichtete Äußerung, die im politischen Kontext eines auf Stimmenmaximierung abzielenden Oppositionspolitikers zu verstehen ist. Folgende Äußerungen wurden 2014 nach der neuen Parteigründung durch Epafras Mukwiilongo veröffentlicht: Instead our government is busy empowering Chinese and Indians to destroy our local businesspeople... The government of the day has passed a mining act which promotes, protects and gives access of our mining resources to foreigners at the expense of the Namibian nation. (Dokument 1: 2). Epafras Mukwiilongo wirft der namibischen Regierung vor, dass sie kein Bergbaurecht eingeführt habe, das die Schutzbedürftigkeit der namibischen Arbeiter berücksichtigen würde. Er vermisst eine staatliche Regulierung. Seine Kritik ist indirekt an die Chinesen und die Inder gerichtet, gilt aber in erster Linie der namibischen Regierung. Die folgende öffentliche Aussage machte Mukwiilongo im Jahr 2008, als er Vorsitzender einer antichinesischen Interessengruppe wurde. “They have no right to be here either…we also want the Indians out,” Mukwiilongo said. Earlier this year, the same organisation held a meeting themed “Save Local Business Community from the Chinese Businesses”. At the meeting, held on June 7, the group of local businesspeople discussed the proliferation of Chinese businesses in the retail sector and various other sectors the locals previously dominated (Dokument 2: 6–7). Diese politische Äußerung ist von Hass gekennzeichnet: Der Politiker, damals noch Funktionär der antichinesischen Interessengruppe, spricht den Indern das Recht ab, sich überhaupt in Namibia aufhalten zu dürfen. Die Sätze sind aus der Perspektive eines Oppositionspolitikers ohne Regierungsverantwortung gefallen und zeigen sich als eine hetzerische Anklage gegen die namibische Regierung. Die Aufforderung, eine ganze Ethnie aus einem Land auszuweisen, ist genuin rassistisch. 219 7.3 Benjamin Ulenga Ulenga werden drei Aussagen zugeschrieben. Während einer Debatte 2006 in der „National Assembly on malpractices in the building industry“ äußerte er sich folgendermaßen: Ulenga said there was no sign that Chinese or Korean companies were paying Social Security contributions or complying with the Affirmative Action Employment Act (Dokument 2: 18–20). Er stellt fest, dass weder chinesische noch koreanische Unternehmen Sozialversicherungsbeiträge zahlen würden. Damit seien Unternehmen beider Staaten von Gesetzen befreit. Im Gegensatz dazu müssten Unternehmen anderer Länder Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Ulengas Kritik entspricht den in Datenkorb 1 identifizierten Thesen, dass Chinesen in Namibia rechtlich bevorzugt würden. Ulenga verzichtet darauf, neben der These einer rechtlichen Ungleichbehandlung auch neokolonialistische Vorwürfe zu äußern, vielleicht, um nicht als rassistisch zu gelten. Instead of being replaced by new, dynamic Namibian construction companies, the field was now dominated by foreign contractors, mainly Chinese state-owned companies, he said He said the problem with the foreign contractors was that they received preferential treatment from Government and were not competing on a level playing field with local businesses (Dokument 2: 7–12). Ulenga beobachtet, dass eine Bevorzugung von chinesischen Bauunternehmen bei öffentlichen Ausschreibungen bestehe. Junge, dynamische namibische Bauunternehmen würden dadurch in ihrer Existenz gefährdet. Hier wird auf die unterlegene namibische Wirtschaft gegenüber der übermächtigen Konkurrenz aus China hingewiesen. Dadurch könne sich die heimische Industrie nicht entwickeln. In Namibia gibt es Hinweise, dass chinesische Bauunternehmen den Versuch einer Monopolisierung des Baugewerbes anstreben. Nach Schätzungen der „Industries Federation of Namibia“ (CIF) von 2009 wurden 60–70 % der großen namibischen Bauprojekte chinesischen Unternehmen zugesprochen.393 Hierzu könnte man einwenden, dass Migranten immer in einheimische Bereiche vorstoßen, die ineffizient sind oder von Einheimischen nicht ausgefüllt werden können. Inwieweit chinesische Bauunternehmen über einen Technologie- und Know-how-Vorteil im Vergleich zur namibischen Konkurrenz bei der Durchführung komplexer Bauprojekte verfügen, ließ sich zwar nicht abschließend klären, erscheint aber als Begründung naheliegend. Die „Ineffizi- 393 o.V. 2011 a. 220 enz“ im Textilhandel könnte darin bestehen, dass die Herstellung in Afrika von Handarbeit geprägt ist und die chinesische Konkurrenz den Markt mit industriell gefertigten Produkten überschwemmt. Das folgende Zitat von Ulenga fiel 2006 beim Start der parlamentarischen Sitzungen im September bei einer parlamentarischen Anfrage zum Thema „malpractices in the building industry, likenon-compliance with tender regulations, lack of standards and therole of foreign contractors.“394 Ulenga claimed that often buildings constructed by foreign companies, some with Chinese ownership, did not adhere to Namibian labour laws, paid wages lower than the minimum set by the Construction Industry Federation (CIF) and did sub-standard work (Dokument 1: 8–12). Ulenga wird mit der Feststellung zitiert, dass chinesische Bauunternehmen sich nicht an namibische Arbeitsgesetze halten und niedrige Gehälter zahlen würden. Es ist eine sachliche Beschreibung von offensichtlichen Tatsachen, die keine Angst schüren soll. Die Funktion der vermeintlich nur sachlichen Tatsachenbeschreibung dient einer seriös erscheinenden Ummantelung von Populisten. Seriöse Faktenwiedergabe sollen die populistischen Meinungen glaubwürdig verpacken und möglichst unangreifbar von Kritik an den Wähler bringen. 7.4 Chichimba Kambwili Auf Kambwili entfallen neun Äußerungen. Der sambische Arbeitsminister Kambwili äußerte sich im Jahr 2012 öffentlich auf eine Frage zu Misshandlungen im Krankenhaus und zu den Fragen der chinesischen Aktivitäten in Sambia. Minister of Labour Chishimba Kambwili has threatened to terminate the work permit for a Chinese national who is a Chief Medical Officer at Sinozam Friendly Hospital in Kitwe for what Kambwili described as mistreating workers and exhibiting rude behavior to the minister (Dokument 5: 37). Der Bericht gibt die Drohung des Politikers Kambwili wieder, die Arbeitserlaubnis eines chinesischen Chefarztes zu widerrufen, der eine sambische Angestellte misshandelt habe. Der Politiker setzt sich hier für die sambischen Arbeiter ein. He also directed the mine management to reduce the number of expatriate workers in order to allow more Zambians get jobs (Dokument 5: 50). Die chinesische Minengeschäftsführung wird mit einer sachlichen Aufforderung angewiesen, die Zahl der ausländischen Arbeiter zugunsten von sambi- 394 o.V. 2006. 221 schen Arbeitssuchenden zu reduzieren. Die folgenden Äußerungen stammen von Kambwili in einem Zeitungsartikel in der „Post Newspaper“ in Sambia 2014. “You must understand you came for the sole purpose of creating employment for our people, not to chase people like animals,” he said (Dokument 1: 27). Er fordert von den Chinesen in Sambia, Arbeitsplätze zu schaffen und die sambischen Einwohner nicht wie „Tiere“ zu behandeln. “By God’s power in future…I bounce back as labour minister, I am coming for you Chinese.” (Dokument 1: 22). Hier richtet der Politiker eine deutliche Warnung an die Chinesen: Er würde „zu ihnen kommen“ und sich um „sie kümmern“, wenn er Arbeitsminister wäre. Diese Drohung wird nicht näher ausgeführt, z. B. auf welche Weise er sich „kümmern“ würde. Man kann Spekulationen freien Lauf lassen. “I am warning LCM CEO that he should not dismiss a single worker because the moment he does that, that is when he will be deported.” (Dokument 5: 36). Es ist eine bewusste Drohung gegen den „CEO“ des chinesischen Unternehmens „LCM“: Wenn er einen einzigen sambischen Arbeiter entlassen würde, müsste er mit Deportation rechnen. Hier bezieht Kambwili eindeutig Position. Seine Drohung soll wohl so verstanden werden, dass er sofort eingreifen würde, wenn ein Arbeiter aus welchem Grund auch immer entlassen würde. Es ist eine in ihrer zu erwartenden Wirkung zweifelhafte Warnung, die er wohl kaum wahrmachen könnte. We can’t treat our people like this. I have spoken to honourable Shamenda several times and the young man is still in the township. This is why the miners are not coming out to say their problems because there is no one to speak for you…” (Dokument 1: 9). Es zeigt sich, dass in der Regierung kein wirklicher Ansprechpartner für die Sorgen der sambischen Bergarbeiter vorhanden ist. Kambwili thematisiert den offensichtlichen Vertrauensverlust zwischen der sambischen Regierung und den Bergarbeitern. Er kritisiert seinen Kollegen, den Arbeitsminister Fackson Shamenda, der nicht ausreichend auf die Sorgen der Bergarbeiter einginge. Die Arbeiter würden sich nicht trauen, ihre Probleme mit den Chinesen offen anzusprechen. “I still insist, even when I am minister, that I do not appreciate Chinese investors in the mines. In this town if we had another investor other than the Chinese, you could have seen… but they (Chinese) stay 40 to 60 people in a 222 house. They don’t even rent people’s houses…. That is why I will die with my belief,” (Dokument 1: 16). Sichtbar wird der deutliche Unmut über die Behandlung der sambischen Arbeiter im Allgemeinen, aber auch ein konkretes Beispiel wird angeführt: Zwischen 40 und 60 Chinesen würden in einem Haus wohnen, ohne Miete zu zahlen. Der Vorwurf, keine Miete zu zahlen, bedeutet, die Chinesen würden sich Leistungen erschleichen. Die Vorstellung, 40 bis 60 wohnten in einem Haus, impliziert unhygienische Wohnverhältnisse, Krankheit und Verwahrlosung. Diese Behauptung bewirkt rassistische Vorurteile wie Minderwertigkeit, soziale Verelendung, Ausgrenzung und Entwertung. He said the PF Government will not tolerate investors who mistreat workers at places of work (Dokument 2: 6). Auch wenn nicht gezielt auf Chinesen eingegangen wird, ist aus dem Kontext eindeutig zu entnehmen, dass es sich um diese Gruppe handelt. Die Regierung der PF würde keine Investoren dulden, die sambische Arbeiter an ihrem Arbeitsplatz misshandeln. Die folgende Aussage bezieht sich auf einen Leserbrief im „Zambian Watchdog“, der die Äußerungen des Politikers in den Kontext des sambischen Wählers stellt. i dont like pf but kambwili is the best labour minister,courtesy or not he is doing the best for the zambian employees.these chinese are exploiters and it’s true.i have worked for chinese firms before and the little devils simply have no heart.kambwili does not need courtesy with the chinese.they treat locals like shit believe me.they might be the biggest economy in our times but they need to respect our people and treat them with respect.let them go if they can’t change.viva kambwili!! (Dokument 4: 36). Er lobt ausdrücklich den Politiker Kambwili, der sich gegen die Chinesen eingesetzt hätte. Vorwürfe hinsichtlich der Misshandlungen sambischer Staatsbürger durch die Chinesen gehen einher mit polemischen Beleidigungen. Er nennt die Chinesen „little devils“. Diese beleidigende Wortwahl gegenüber einer Ethnie ist rassistisch. 223 8 Datenkorb 3: Umfragen Es wurden drei Untersuchungen ausgewertet, die sich zum einen mit den namibischen und sambischen Vorbehalten und zum anderen mit den Meinungen über die Anwesenheit der Chinesen in den beiden untersuchten Ländern befassen. Die Umfragen haben zum Ziel, ein Stimmungsbild der Bevölkerung über die chinesischen Aktivitäten in beiden Ländern zu erhalten. Während in den ausgewerteten Zeitungsartikeln viele Leser zu konkreten Anlässen Stellung bezogen haben, geht es in den Umfragen um vorformulierte Fragen zu China und den in den beiden untersuchten Ländern lebenden Chinesen. Aus den Antworten lässt sich ableiten, welche Formen von Protest in der namibischen und sambischen Bevölkerung zu beobachten sind. 8.1 Gerard van Bracht: Sambische Einstellungen zu chinesischen Migranten und Unternehmern Die erste Umfrage bezieht sich auf grundsätzliche Einstellungen der sambischen Bevölkerung zu den chinesischen Migranten aus dem Jahr 2012. Gerard van Bracht untersuchte die Einstellungen der befragten Sambier während eines Feldaufenthalts von drei Monaten. Von Dezember 2011 bis Februar 2012 holte er in Form von strukturierten Interviews die Meinung von 155 Sambiern über die Rolle der Chinesen im Land ein. Dabei lassen sich die Befragten wie folgt einteilen: 61 Angestellte einer privaten sambischen Firma, 42 Einzelhändler oder Kleinunternehmer, 21 Angestellte einer chinesischen Firma, 17 Mitarbeiter der sambischen Regierung, 14 Studenten und Arbeitslose.395 Das Ergebnis lag sowohl in Tabellenform vor, indem die Befragten vorformulierten Fragen zustimmen konnten, als auch in originalen Aussagen von befragten Sambiern. 395 Van Bracht 2012, S. 58. 224 A Zambian roller operator (with a monthly salary of between 500.000 and 750.000 KW, or between 100 and 150 USD) working for a Chinese construction company in Livingstone asserted that “nobody can say the Chinese do good things. They’re not good investors. They insult us sometimes in Chinese... They can fire you, they don’t care.” 23 Let us (Dokument 5: 204– 209). Ein sambischer Angestellter in einem chinesischen Bauunternehmen kritisiert die chinesischen Arbeitgeber. Die Chinesen würden nach Belieben missliebige Sambier entlassen und niemand könne behaupten, die Chinesen würden gute Dinge in Sambia leisten. Ein Sambier berichtet unzensiert über die eigenen Erlebnisse: A Zambian woman who has lived in China for fourteen years and now works for a Chinese company in Lusaka commented that Chinese companies that “treat the workers bad destroy the Chinese good name and the confidence the Zambians have in the [Chinese-Zambian] partnership.” (Dokument 5: 159– 163). Eine Sambierin mit wohl guten Erfahrungen sowohl in China selbst als auch als Angestellte eines chinesischen Unternehmens in Sambia erklärt die fehlende öffentliche Empörung über chinesische Misshandlungen sambischer Arbeiter durch das hohe Vertrauen, das offenbar viele Sambier in die chinesischsambischen Beziehungen hätten. Die bekannt gewordenen Vorfälle von Misshandlungen durch chinesische Arbeitgeber würden nicht ausreichen, um ein ihrer Ansicht nach vorhandenes Grundvertrauen in die chinesischen Aktivitäten zu erschüttern. Verglichen mit den vielen negativen Aussagen über die chinesischen Aktivitäten fällt diese positive Aussage besonders auf. Sie ist wohl als Einzelfall zu werten. Die Aussage der Sambierin ist sehr persönlich zu werten. Es bleibt offen, ob dieses Urteil auf die mit den Chinesen gemachten positiven Erfahrungen zurückzuführen ist oder ob sie ihren Arbeitsplatz nicht gefährden will und deshalb den „guten Ruf“ der Chinesen und das sambische „Grundvertrauen“ gegenüber China verteidigt. The 42 Zambian business owners that were interviewed were also asked a separate question on the questionnaire. One-third of them explicitly complained that Chinese business activities in their locality have a negative impact on their own business. Especially Zambian sellers of chickens and second-hand clothes reported being affected by Chinese competitors. However, not every Zambian shop-owner experiences competition from Chinese businesses (Dokument 5: 88–95). Von 42 befragten sambischen Unternehmern erklärt ein Drittel, dass die chinesische Konkurrenz im jeweiligen speziellen Bereich, zum Beispiel Se- 225 cond-Hand-Kleidern, zu Umsatzeinbußen für den eigenen Handel führen würde. As for negative comments, complaints concerning the work conditions provided by Chinese companies top the list for comments on the negative impact on the individual interviewee. More than half (52.5 %) of the complaints relate to poor pay, bad work conditions, safety, violations of the Zambian labor laws, and verbal and physical violence (Dokument 5: 78–82). Weit über die Hälfte der Befragten bestätigt mehrere unhaltbare Zustände in chinesischen Arbeitsverhältnissen, darunter geringe Sicherheitsstandards und niedrige Gehälter. Indirect negative effects of Chinese competition on local business were also found: several Zambians who worked for Zambian firms complained that their bonus had decreased because the shop they worked in sold less due to Chinese competition, or that Chinese shops copied their goods and sold them for a lower price. Third, the items under “social behavior” in Table 2 indicate that many Zambians feel that they are personally negatively affected by the general behavior of some Chinese people in Zambia. For instance, some respondents object to the fact that Chinese doctors conduct abortions in Zambia (Dokument 5: 126–135). Eine nicht näher genannte Zahl von befragten Angestellten sambischer Einzelhandelsgeschäfte bestätigt die Schließung ihrer Geschäfte aufgrund der chinesischen Konkurrenz und als deren Folge den Verlust von Arbeitsplätzen. Zudem sagt eine Anzahl von Sambiern aus, dass sie sich persönlich von dem allerdings nicht näher beschriebenen generellen Verhalten der Chinesen in Sambia bedroht fühlten. Die Formulierung von Ängsten kann zu rassistischen Vorurteilen führen. The treatment of workers, however, is clearly a major issue on the Zambian level for the respondents. Half of the total complaints (50.5 %) relate to the issue of treatment of Zambian workers, which are mostly about the low pay of workers and the verbal or physical abuse of workers (Dokument 5: 52– 55). Über die Hälfte der durch die Umfrage erfassten Sambier beklagen die zu geringen Gehälter sowie die physischen und verbalen Misshandlungen durch chinesische Arbeitgeber. 8.2 Andrew Niikondo: Namibische Fallstudie im Einzelhandel und Baugewerbe Für Namibia gab es eine Umfrage, die sich mit der Einstellung der Bevölkerung zu der Anwesenheit der Chinesen befasste. Andrew Niikondo erstellte 2009 eine Fallstudie über den Einzelhandel und das Baugewerbe in der nami- 226 bischen Hauptstadt Windhoek. In beiden Branchen sind die chinesischen Konkurrenten umfassend vertreten, was zu entsprechenden Auswirkungen hinsichtlich des antichinesischen Protests in der namibischen Bevölkerung geführt hat. Der Autor verwendet als Methode persönlich durchgeführte Interviews. Die befragten Namibier teilten sich auf in Mitarbeiter lokaler namibischer Bauunternehmen, großen und kleinen Einzelhandelsgeschäften, namibischen Angestellten chinesischer Unternehmen und ortsansässigen Personen, wie Hausfrauen, Rentner oder sonstigen Berufen. On the question whether they support the presence of the Chinese retail shops in Namibia and Windhoek in particular 60 % of the respondents did not support the presence of the Chinese retailers in Namibia because of the following reasons (Dokument 3: 11–18). 60 % der befragten Namibier stimmten der Aussage zu, dass Chinesen in Namibia Waren von unzureichender Qualität verkaufen und ihre namibischen Angestellten ausbeuten würden. Die Frage hinsichtlich der objektiven Qualität der chinesischen Waren lässt sich kaum beantworten. In der Literatur wird darauf verwiesen, dass alle befragten Namibier die unzureichende Qualität der Güter bestätigt hätten.396 Eine Erklärung könnte darin bestehen, dass die chinesischen Produkte in China selbst mit geringen Herstellungskosten gefertigt werden und die Qualität nicht den einheimischen Produkten entspricht. Dadurch würden sich auch die günstigen Preise der chinesischen Händler erklären. he result was that 80 % of the respondents who sell products similar to the Chinese affirmed that there was a serious business threat, because the Namibian small retailers had lost their customers to the Chinese. t present most of their customers opt to buy the Chinese products regardless of quality because they are very cheap, though not cheap and cheerful (Dokument 3: 36–41). Immerhin 80 % der befragten Namibier, die identische Produkte wie ihre chinesischen Konkurrenten verkaufen, stimmten der Aussage zu, dass sie Kunden an Chinesen verloren hätten: Deren Waren wären zwar von geringer Qualität, aber dafür viel billiger. Hier stellt sich die Frage, ob die namibischen Meinungen auf tatsächlichen Erfahrungen mit Chinesen beruhen oder nur ein Stimmungsbild wiedergeben, das eine Folge von Vorurteilen ist. Da die chinesischen Waren offenkundig in großer Zahl von Namibiern gekauft werden, ist davon auszugehen, dass die vorformulierten Fragen eine allgemeine Stimmung wiedergeben. Hätten die chinesischen Waren wirklich die in den Antworten behauptete geringe Qualität, wäre ein verändertes Käuferverhalten hin zu 396 Amadhila 2012, S. 20. 227 namibischen Waren zu erwarten. Dieser Umschwung im namibischen Kaufverhalten hat aber nicht stattgefunden. All respondents were sceptical about the contribution that the Chinese retailer make to the national economy. They argued that the Chinese pay meagre salaries to their Namibian employees, and take the big chunk of profit to China. The respondents further argued that it is still not clear whether the Chinese retailers pay tax or not. Their banking behaviour is another issue. The respondents are of the conviction that the Chinese retailers do not bank in Namibia, hence it is not justified to support the notion that their contribution to the national economy is significant (Dokument 3: 46–53). Die Befragten waren sich einig, dass die Chinesen die heimischen Banken nicht nutzen würden, möglicherweise keine Steuern zahlen und geringe Löhne und Gehälter ihren namibischen Angestellten zahlen würden. In den Ergebnissen der Befragung zeigt sich eine sachliche Form des Protests, der die ablehnende Haltung gegenüber den anwesenden chinesischen Unternehmen ausdrückt. They also feel that the number of Chinese nationals is increasingly unabated, a trend that raises concerns that Namibia will soon become a second China (Dokument 3: 100–102). Die Befragten stimmten der Behauptung zu, dass es zu viele Chinesen in Namibia geben würde und Namibia möglicherweise ein zweites China werden könnte. Die Angst vor Überfremdung und Verdrängung der eigenen Bevölkerung durch eine andere ist eine typisch rassistische Argumentationsform. Die geäußerte Angst ist genuin rassistisch. That aside, all respondents shared the same sentiments on the point of quality. They argued that their businesses have a “guarantee money back” policy on their products, while the Chinese do not provide such guarantee on their products (Dokument 3: 128–131). Die Interviewten bekräftigen die Aussage, dass die Chinesen keine Gewährleistungsgarantie auf ihre Produkte abgeben würden. Almost 100 % of the respondents believed that the employees in the Chinese companies are treated unfairly. By consolidating the basis of their argument, the respondsnts cited the following as vivid examples of protests among members o (Dokument 3: 234–236). Die Befragten sagten aus, dass namibische Angestellte chinesischer Unternehmen unfair behandelt würden. Hier zeigt sich die wirtschaftliche Angst vor möglichen Entlassungen durch die chinesischen Arbeitgeber. Of all interviewees in the local construction companies, 92 % (N = 23) indicated that they do not support the Chinese in terms of their contribution to 228 Namibia. Compared to interviewees of the Chinese construction business, the corresponding percentage is 80 %. This negative perception can also be put into context of the previously mentioned 72% interviewees (Table 21 above) who indicated that they are unsatisfied with their employment condition. (Dokument 3: 303–308). Die Befragten in der Bauindustrie stimmten der Aussage zu, dass sie die Bedingungen der chinesischen Hilfen für Namibia nicht unterstützen würden. Gemeint ist damit das Verhalten der Chinesen in der Bauindustrie. Die Stichprobe ist allerdings zu gering, um generelle Aussagen treffen zu können. Die Antworten von nur 23 Befragten reichen nicht aus, um die Probleme in der Bauindustrie ausreichend zu untermauern. In Niikondos Umfrage über Namibia bestätigen die Befragten berechtigte Ängste über den Verlust von Kunden an die chinesische Konkurrenz. Außerdem wird die unzureichende Qualität chinesischer Waren beklagt. Es werden auch abstrakte Ängste über die angebliche Steuerbefreiung der Chinesen durch die namibische Regierung geäußert. 8.3 Länderstudie von Anthony Yaaw Baah und Herbert Jauch Als dritte Umfrage ist eine Länderstudie sowohl von Namibia als auch von Sambia vorhanden. Im Mai 2009 veröffentlichten Anthony Yaw Baah und Herbert Jauch ihre Studie „Chinese Investments in Africa: A Labour Perspective“. Die Autoren untersuchten insgesamt 10 afrikanische Länder, darunter auch Namibia und Sambia. Sie legten den Schwerpunkt auf Art der Investitionen und die Sektoren, in denen die Chinesen investierten, und auf Arbeitsbedingungen und -beziehungen. Folgende drei Fragen stehen im Mittelunkt: Sind die Handels- und Arbeitsbedingungen von gegenseitigem Vorteil oder eine Form von Neokolonialismus? Sind die chinesisch-afrikanischen Geschäfte vorteilhaft für die wachsende Industrialisierung in Afrika oder wird Afrika ein Lieferant von Rohstoffen? Sind die Arbeitsbedingungen bei chinesischen Arbeitgebern besser oder schlechter als in anderen Ländern? Wie sind die Erfahrungen der Arbeiter und Handelsgewerkschafter?397 Das Ergebnis der Studie enthält für Namibia und Sambia 20 Codierungen, von denen alle der sozioökonomischen Kategorie zugeordnet werden. Some of these workers were sometimes intimidated by management with threats of dismissal if they associated with unions. Relations between the un- 397 Baah/Jauch 2009, S. 4. 229 ion and management were equally terrible. The Chinese looked down on Zambians as inferior. Even when using the same cage going underground, the Chinese would always keep to themselves in one corner. Chinese were generally rough in handling Zambian workers. Some incidents of Chinese beating up Zambian workers were witnessed and when Zambians hit back they were immediately dismissed (Dokument 5: 6–12). Das Ergebnis der Umfrage zeigt auf, dass Chinesen sambische Arbeiter misshandeln, sie im Falle des Widerspruchs entlassen und gewerkschaftliche Aktivitäten durch Drohungen unterbunden werden. Es fehlen allerdings konkrete Zahlenangaben. The Chinese boss rarely mixes with Zambian workers even during social events and often discriminates against Zambians. For example, in all management positions there is no single Zambian (Dokument 5: 27–28). Eindeutig war die Meinung der Befragten, dass die chinesischen Vorgesetzten die sambischen Arbeiter diskriminierten und Sambier in keiner einzigen Leitungsposition tätig seien. Freedom of association is often violated (Chinese managers usually intimidate workers with threats of instant dismissal if they associate with unions, for example at NFC Africa Mining Plc, Collum Coal Mining Industries Limited, Sunfeng Minerals and Mining (Z) Limited, Chambishi Copper Smelters, China Zambia Friendship Farm as well as a number of fast food outlets, restaurants, and retail stores); The right to collective bargaining is often undermined (often casual employees are denied this right); (Dokument 6: 5– 12). Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die gewerkschaftliche Betätigung sambischer Arbeiter von chinesischen Vorgesetzten blockiert wird. Die Blockade gelingt den Chinesen dadurch, dass sie den gewerkschaftlich tätigen Arbeitern mit Entlassung drohen. Aus dem Beitrag geht nicht hervor, wie viele Personen tatsächlich interviewt wurden, insofern sind die Ergebnisse nur unter Vorbehalt aussagekräftig. SME’s in the country were Chinese and Lebanese traders. Endjala was not happy that government failed to protect local people from unfair competition: “Threats from the Chinese are harming our businesses – they are also going into the kapana business and competing with our people because they know how to do it. We cannot go against the Chinese because they have been welcomed here by our government” (Dokument 9: 25–29). Befragte sambische Geschäftsleute beklagen die Bedrohungen der chinesischen Konkurrenz für den eigenen Umsatz und die fehlende Unterstützung durch die eigene Regierung, die nur Chinesen bevorzugen würde. 230 During our field work, we also spoke to a group of residents in Outapi, Omusati region. They expressed similar resentments about Chinese traders: “We don’t understand why government is allowing the Chinese to have businesses everywhere… Our children will not have a chance to open up businesses, because opportunities are given to the Chinese. When we have national or regional trade fairs, the stalls are always occupied by the Chinese, selling cheap quality products.” (Dokument 10: 2–8). Sambische Kleinhändler erklären, dass sie in keiner Weise der billigeren chinesischen Konkurrenz gewachsen seien, dass ihre Regierung ihnen Unrecht täte, indem die Chinesen Geschäfte eröffnen dürften. Die Sambier wirken bedrückt und sehen auch keine Zukunftsperpektiven für die eigenen Kinder. Sie gehen aber nicht so weit, sich über die Chinesen abwertend zu äußern und meiden dadurch rassistische Anspielungen. According to the Construction Industries Federation of Namibia (CIF), Chinese construction companies in Namibia are operating illegally and completely ignore Namibian laws. The CIF pointed out that not one single Chinese building contractor in the country was in possession of a valid affirmative action compliance certificate (Dokument 11: 2–5). Ein NGO-Mitglied äußert sich im Sinne der Baugewerkschaft in Namibia dahingehend, dass die chinesischen Bauunternehmen illegal im Land operieren und sich nicht an namibische Arbeitsgesetze halten würden. Die chinesischen Bauunternehmen arbeiten jedoch legal und erhalten von der namibischen Regierung staatliche Bauaufträge. Zutreffend ist aber auch, dass namibische Angestellte immer wieder von Verstößen gegen die Arbeitsschutzgesetze berichten. Grundsätzlich sind die Unternehmen legal tätig, es kommt jedoch zu Gesetzesverstößen, die von der namibischen Justiz offenbar nicht mit letzter Konsequenz verfolgt werden. Workers cited several other violations of their rights and of Namibia’s labour laws, which they experienced at the hands of their Chinese employers. They also pointed out that no negotiations over conditions of employment took place: “We don’t have any benefits. In 2007 my child was ill and she was admitted in the hospital for one month. I requested leave, but the management refused. So I had to take unpaid leave” (Retail worker in Oshakati, Dokument 13: 2–7). Namibische Arbeiter merkten an, dass sie keine Rechte gegenüber den chinesischen Arbeitgebern hätten. Bei einer Erkrankung der eigenen Kinder würden sie keinen bezahlten Urlaub erhalten, sondern müssten wie in dem Fall der sambischen Mutter einen Monat ohne Bezahlung bei ihrem Kind im Krankenhaus bleiben. 231 Other problems that workers experienced were verbal abuse, intimidation as well as harassment. Female workers at a construction company in the North said that their Chinese employers and Chinese supervisors sexually harassed them but because of a lack of job security they had to bear such harassments. Most workers felt that they had no right to express their views or lodge their complaints. In some cases they were either told that they talked too much or if they were not satisfied with their jobs, they should quit. The workers stated that despite the fact that that they were ill-treated, they still had to come back to work because they needed the money to survive (Dokument 13: 20–28). Abgesehen von den Aussagen der meisten befragten Arbeiter, dass sie von ihren chinesischen Vorgesetzten misshandelt würden und im Falle von freien Meinungsäußerungen mit einer Entlassung rechnen müssten, kommt noch ein weiterer schwerwiegender Vorwurf zur Sprache: Weibliche Angestellte eines Bauunternehmens im namibischen Norden berichteten von sexueller Belästigung durch chinesische Vorgesetzte, die sie aus Angst vor Arbeitsverlust nicht angezeigt hätten. Sexuelle Übergriffe auf Frauen sind ein Zeichen für die Herabwürdigung und Missachtung der weiblichen Selbstbestimmung. Offenbar haben die chinesischen Vorgesetzten ihre Macht dazu missbraucht, das Abhängigkeitsverhältnis der weiblichen Angestellten auszunutzen, möglicherweise in der Erwartung, keiner Strafverfolgung ausgesetzt zu sein. “We are not free to complain. They call us pigs and we don’t ask why or fight back because if we do that we will lose our jobs. We work in fear, even though the working conditions are bad and wages low. We need this job to survive.” (Construction worker in Walvis Bay, Dokument 13: 31–34). Ein Bauarbeiter in Namibia berichtet von den schwierigen Arbeitsbedingungen in dem chinesischen Unternehmen, die er aber ebenso wie Beleidigungen hinnehmen würde, um seine Arbeitsstelle nicht zu verlieren. Der Ausdruck „pigs“ für die Arbeiter ist eine Herabwürdigung der Persönlichkeit und zeigt rassistische Tendenzen, denn es scheint, dass die Chinesen die Arbeiter diskriminieren. Hier liegt der umgedrehte Rassismus nach Leiprecht vor. Die Arbeiter erleben die chinesischen Arbeitgeber als rassistisch ihnen gegenüber und drehen diese rassistischen Denk- und Handlungsmuster schließlich gegenüber den Chinesen in Sambia um. Unter diesen Umständen bedingen sich rassistische Vorurteile gegenseitig. “They discriminate against us in many ways. I see all Chinese employees have protective clothes like overalls, masks and shoes.” (Construction worker in Oshakati, Dokument 13: 43–44). Ein anderer Bauarbeiter in Namibia sieht es als Diskriminierung an, dass die chinesischen Arbeitgeber über ausreichende Schutzkleidung verfügen, er und seine Kollegen dagegen nicht. Auch hier zeigt sich deutlich, dass die Chinesen 232 die Namibier als nicht würdig erachten, Schutzkleidung zu tragen. Die Einordnung in „wertvolle“ Menschen, hier die Chinesen, die für sich Privilegien sichern, und weniger „wertvolle“, dort die Namibier, die von diesen Privilegien ausgeschlossen bleiben, ist eindeutig rassistisch. “The relationship is not good, we are treated badly. The Chinese have an attitude of treating us the way whites treated our fathers during the colonial era. The Chinese refuse to recognise the union. They solve their problems with the Labour Commissioner’s office.” (Retail worker in Oshakati) (Dokument 15: 4–7). Ein namibischer Einzelhandelsangestellter vergleicht die ihm zugefügten Erniedrigungen durch den chinesischen Vorgesetzten mit den Erfahrungen, die seine Väter während der Kolonialzeit machen mussten. Er bezieht sich auf bereits in der Kolonialzeit bestehende unzureichende Sicherungsmaßnahmen und Möglichkeiten zur Interessenvertretung der Arbeiter. Er unterstellt China, eine koloniale Macht zu sein und in der Tradition der deutschen und südafrikanischen Kolonialherren die namibischen Angestellten als rechtlose Objekte zu behandeln. Hier findet sich ein übliches rassistisches Ressentiment. Der umgedrehte Rassismus der Dominierten nach Leiprecht wird in Beziehung zu den kolonialen Erfahrungen gesetzt. they (the Chinese) are working very hard. Construction workers are supposed to be paid according to the CIF-MANWU agreement but they are not adhering. They are underpaying their workers and therefore Namibian companies don’t want to pay minimum wages too (Dokument 15: 21–25). Bauarbeiter werfen den Chinesen nicht nur vor, die geringsten Gehälter zu zahlen, sondern sie sehen auch einen unerwünschten Nachahme-Effekt: Die namibischen Bauunternehmen würden auch nicht mehr den Mindestlohn zahlen wollen, wenn die Gepflogenheiten der chinesischen Arbeitgeber sich durchsetzen sollten und keine Gegenmaßnahmen ergriffen würden. “I have nothing good to say about labour relations at Chinese companies in the construction sector. The salaries are low, they ill-treat workers and they don’t adhere to health and safety regulations. I had a case where a worker was offered groceries instead of a salary for the month. Where in the world have you heard of such a thing? The government must do something (Dokument 15: 35–39). Dieser namibische Bauarbeiter prangert die unfaire Behandlung durch die chinesischen Vorgesetzten an und fordert, die Regierung müsste endlich eingreifen. Eine Welt, in der solche Missstände zugelassen werden, stößt bei ihm auf Unverständnis. 233 The interviewed workers in all Chinese companies indicated that there was neither a health and safety policy, nor protective clothing, nor a health and safety committee nor any form of training on health and safety issues at their workplace (Dokument 15: 75–77). Die befragten Arbeiter sagten übereinstimmend aus, dass es in allen chinesischen Unternehmen weder Sicherheits- noch Gesundheitsstandards geben würde. Es ist davon auszugehen, dass die fehlenden Sicherheits- und Gesundheitsstandards sich auf die namibischen Arbeiter beziehen. “The factory has no fire extinguishers or fire exists and is so full of materials that a small fire could explode into an inferno within a second.” (Retail worker in Ombalantu). “I remember one time we were working in Noordoewer and we had an accident there. One of my colleagues was killed and some were injured including me. I know my deceased colleague’s family did not get any compensation, and neither did we get any. We had to use our money for medical treatment.” (Construction worker in Windhoek, Dokument 15: 99–106). Sowohl ein Einzelhandelsangestellter als auch ein Bauarbeiter in Namibia berichten von Unfällen, die durch unzureichende Sicherheitsstandards in chinesischen Unternehmen herbeigeführt worden seien. Sie bezweifeln, dass die Angehörigen der Unfallopfer eine Entschädigung erhalten würden. Die immer wieder formulierten Schwachpunkte in chinesischen Unternehmen, nämlich die fehlenden Sicherheitsstandards, werden in allen Interviews angeprangert. (Interview, 17 July 2008). NAFAU organiser Wilma Angula agreed: “Chinese are worse than other foreign employers. The working conditions at Chinese companies are terrible. You cannot compare them with any other companies in Namibia. At Chinese companies you will be dismissed if you don’t want to work overtime…. The big problem is that they pretend not to understand English at all.” (Interview, 15 May 2008). (Dokument 16: 5–10). Besonders drastisch schildern die Interviewten die Bedingungen in den chinesischen Unternehmen in Namibia als die schlimmsten überhaupt. Außerdem spiele es eine Rolle, dass die chinesischen Vorgesetzten kein Englisch verstünden und dadurch auch Lösungen der Probleme kaum möglich wären. “The Chinese are worse compared to other companies. Their wages can be compared to the wages of domestic workers in this town… The Chinese don’t bank with our local banks and trade their money on the black market.” (John Kamati, NAFAU, Walvis Bay, 12 June 2008, Dokument 16: 12–15). Neben der üblichen Kritik hinsichtlich der geringen Gehälter chinesischer Arbeitgeber behauptet der Befragte, dass die Chinesen keine namibischen 234 Banken nutzen und ihr Geld auf dem Schwarzmarkt anstatt in namibischen Geschäften ausgeben würden. Chinese and BEE construction companies are not complying with the minimum wage and this makes our job difficult when we try to reprimand other companies. We want the Walvis Bay Council when awarding tenders to force companies to comply with the CIF agreement and other national agreements.” (Eila Kamanya, MANWU branch organiser, Walvis Bay, 12 June 2008, Dokument 16: 16–20). Der Vertreter einer namibischen NGO kritisiert die chinesischen Bauunternehmen, die keine Mindestlöhne zahlen würden. Die Behörden müssten eingreifen. “They (Chinese) are offering the worst conditions because they are paying their employees poorly. They work long hours without compensation, they are hired on short-term contracts with no signed contracts at all. Employees are working in unhealthy conditions, they get no sick leave and no maternity leave and there is no safety at the workplace. The rights of the employees are not respected.” (NAFAU organiser in Oshakati, 18 June 2008, Dokument 16: 21–26). Der Vertreter der namibischen Gewerkschaft macht deutlich, dass die chinesischen Unternehmen die schlechtesten Arbeitsbedingungen überhaupt hätten. Er nennt eine Reihe von Beispielen wie fehlende Sicherheit am Arbeitsplatz oder fehlende schriftliche Arbeitsverträge. Auch mit dieser Aussage wird das Misstrauen der Namibier deutlich, weil offensichtlich wirtschaftliche Interessen der chinesischen Arbeitgeber über den Rechten und Schutzbedürfnissen der namibischen Arbeitnehmer stehen. Das damit einhergehende Misstrauen ist ein Nährboden für Rassismus, weil wirtschaftliche Interessen zugleich eine Grenze zwischen den Ehnien aufbauen, die zumindest auf der Seite der Namibier eine Begründung für einen Rassismus der Dominierten liefert, wie es Leiprecht in seiner Studie ermittelt hat. The Chinese are the very worst. In other companies they have rules and regulations, written contracts, benefits and union structures. (Matti Haimbili, MANWU regional organiser, Oshakati, 18 June 2008, Dokument 16: 27– 30). Der befragte namibische Gewerkschaftsfunktionär beschreibt detailliert die Unterschiede zwischen den chinesischen und allen anderen Unternehmen. In den chinesischen Unternehmen fehle es an Regeln, schriftlichen Verträgen und Gewerkschaftsstrukturen. Diese Defizite könnten ein Hinweis sein, dass staatliche Institutionen in den Ländern nicht ausreichend legitimiert seien. Natürlich gibt es Gewerkschaften in Namibia, aber der Autor unterstellt, dass die namibischen Interessenvertretungen der Arbeitnehmer nicht ausreichend 235 von der namibischen Politik unterstützt würden. Er kritisiert zudem, dass die Arbeitsverträge zwischen namibischen Arbeitnehmern und chinesischen Arbeitgebern offenbar nicht schriftlich geregelt seien. In Yaaw Baahs und Jauchs Umfragen geht es um beide Staaten. Für Sambia stellen die Autoren fest, dass viele Sambier sich über die Bedrohung durch die chinesische Konkurrenz ebenso erregen wie über die Misshandlungen sambischer Angestellter durch chinesische Vorgesetzte. Es werden die in der Inhaltsanalyse aufgedeckten Existenzängste bestätigt. In Namibia kommen die konkreten Aussagen einzelner Betroffener zur Geltung: Die Arbeiter beklagen, sie hätten gegenüber den chinesischen Vorgesetzten keine Rechte. Die namibische Regierung würde nichts für ihren Schutz unternehmen. Verschärfend kommt in den Zeitungsartikeln zum Ausdruck, dass durch fehlende Englischkenntnisse chinesischer Manager die Kommunikation schwierig sei. Die chinesischen Arbeiter lebten oftmals separiert in eigenen bewachten Camps ohne Kontakt zur afrikanischen Bevölkerung. Nach der Auswertung der drei Datenkörbe stellt sich die Frage, in welchen Diskursmustern der antichinesische Rassismus auftaucht. Dabei geht es um die Argumentationsformen, denen sich der Rassismus bedient. Der folgende Abschnitt fasst die Ergebnisse der empirischen Auswertung zusammen und ordnet sie in einer Reihe von Diskursmustern ein. 237 9 Verdichtung: Diskursmuster für antichinesischen Rassismus Die Ergebnisse aus den drei Datenkörben haben gezeigt, dass sowohl in Sambia als auch in Namibia viele Vorkommnisse und Äußerungen häufig zu unverhohlenem Protest als auch rassistischen Ressentiments gegenüber Chinesen und China an sich führen. Im Folgenden werden die Ergebnisse anhand typischer Diskursmuster verdichtet und zusammengefasst. Diskursmuster nehmen nach Focault einen Einfluss darauf, in welche Richtung sich Denkmuster durch öffentliche Debatten und politische Mobilisierung entwickeln.398 Seiner Ansicht nach gibt es „belief systems“, die Wertvorstellungen und Kausalannahmen über die Wirklichkeit bei den Akteuren eines Diskurses wiedergeben. Die „belief systems“ werden von Akteuren geteilt und durch Koalitionen gemeinsam in politische Handlungsoptionen umgesetzt, die oft gegen die etablierten Parteien und Interessenverbände durchgesetzt werden. Am Ende bestimmen sie den Inhalt eines Politikfeldes.399 Im Folgenden wird auf mögliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede hingewiesen, die in beiden Ländern entweder zu rassistischen Ressentiments gegen die chinesischen Einwanderer führen oder sich in Protesten ausdrücken. Der erste Datenkorb behandelt Zeitungsberichte, die mit Leserbriefen, Kommentaren und Berichten ergänzt werden. In allen Zeitungen waren die politischen und sozioökonomischen Vorbehalte gegen die anwesenden Chinesen besonders ausgeprägt. Dabei überschneiden sich die Argumente häufig. In Namibia wird im politischen und sozioökonomischen Sektor konkret Bezug genommen auf die überwiegende Vergabe aller öffentlichen Bauaufträge an chinesische Unternehmen. An diesem Beispiel zeigt sich die große Unzufrie- 398 Kerchner et al. 2006, S. 262. 399 Kerchner et al. 2006, S. 40. 238 denheit vieler Namibier mit der eigenen Regierung, die die Vergabe der Bauaufträge zu verantworten hat. Die großzügige Handhabung von chinesischen Stipendien an ausschließlich Angehörige der namibischen Regierung belegt den Verdacht, die eigene Regierung würde nur chinesische Interessen berücksichtigen und die namibische Bevölkerung weitgehend im Stich lassen. Als wirtschaftlich bedrohlich wird die Tatsache empfunden, dass chinesische Einzelhändler durch den Verkauf von in China günstig produzierten Waren ihre namibischen Konkurrenten problemlos unterbieten können. Die Misshandlung von namibischen Angestellten durch chinesische Vorgesetzte führte zu wachsenden Ressentiments in der Bevölkerung. Der namibische Staatspräsident sah sich daraufhin zu einer öffentlichen Rüge gegenüber den chinesischen Arbeitgebern genötigt. Diesen Auftritt könnte man natürlich auch so auslegen, dass der Staatspräsident nicht beabsichtigte, die namibischchinesische Freundschaft zu gefährden, und aus diesem Grund eine politische Haltung einnahm, die zunächst deeskalierend wirken sollte. Die Namibier unterstellen den Chinesen, nicht nur die Korruption zu befördern, sondern auch auf Initiative namibischer Politiker von Steuerverpflichtungen befreit worden zu sein. Ein weiterer Vorwurf ist, dass Namibia sehenden Auges in eine Schuldenabhängigkeit geraten könnte, weil die namibische Regierung Teile ihrer Souveränität an China abtreten würde. Ein solcher Vorwurf lässt sich allerdings durch die empirische Auswertung der Medienberichte nicht bestätigen. Namibia ist weiterhin souverän, Schulden bei chinesischen Kreditgebern haben nicht zu einer wirtschaftlichen Abhängigkeit geführt. Dagegen spricht auch das Erstarken von chinakritischen Oppositionsparteien wie die von Epafras Mukwiilongo. Die These einer Aufgabe der Souveränität zugunsten Chinas ist in den Bereich der Verschwörungstheorien einzuordnen. In diesen Kontext passt auch die unbelegte Behauptung, dass die chinesische Regierung ihre Überbevölkerung durch gezielte Einwanderung nach Namibia zu verringern versuche. Zudem bilden Spekulationen über eine zahlenmäßige Verdrängung der Namibier durch Chinesen ein bedeutendes Drohpotenzial für antichinesischen Rassismus. Diese Angst wird auch in der sambischen Bevölkerung geschürt, zahlenmäßig durch chinesische Einwanderer verdrängt zu werden. Eine Zwei-Klassen-Justiz wird ausgemacht, wichtige staatliche Institutionen wie Gerichte und Parlament hätten beim Schutz der sambischen Souveränität versagt. Es sind Einzelfälle von Kriminalität wie die Freilassung eines chinesischen Drogendealers, die solche Behauptungen stützen, wobei in der Medienberichterstattung offen bleibt, auf welche juristischen Gründe sich die Freilassung stützt. Typisch für die Angst der Sambier ist die allgemeine Vermutung, dass die Freilassung mit unlauteren Mitteln herbeigeführt worden sei. Des Weiteren wird kritisiert, 239 dass bei den Schüssen in der Collum Mine kein chinesischer Schütze verurteilt wurde. Offenbar profitieren nur die sambischen Politiker finanziell von den chinesischen Investitionen. Dies könnte ein Grund für die weitergeführte Elitenfreundschaft unter Sata sein. Die Elitenfreundschaft ist dem Umstand geschuldet, dass die chinesische Regierung seit dem Beginn der diplomatischen Beziehungen die Nähe der Regierungsparteien suchte. Diese Absicht war bereits während der Unabhängigkeitsbewegung zu beobachten. Damals unterstützte China die Führer der antikolonialen Befreiungsbewegungen und schuf ein Miteinander in der Opferrolle, weil beide Staaten Opfer der europäischen Kolonialherrschaft waren und ihre Bevölkerungen bereits in dieser Zeit mit rassistischen Anfeindungen konfrontiert wurden. Diese gemeinsame historische Erfahrung wurde von offizieller Seite später immer wieder beschworen und ist eine der Grundlagen der afrikanisch-chinesischen Freundschaft. Dadurch, dass die Führer der Befreiungsbewegungen in Sambia jahrzehntelang, in Namibia sogar heute noch regieren, blieb der Status der bilateralen Freundschaften ungestört. Zudem sind die von China aufgestellten Kriterien für die Freundschaft mit den afrikanischen Staaten elitenbezogen in Form einer Partnerschaft auf gegenseitiger Augenhöhe. Damit ist natürlich die Regierung des Staates gemeint und nicht die breite Bevölkerung. Ebenso verhält es sich mit der gegenseitigen Nichteinmischung in die Souveränität des jeweils anderen Staates. China bekräftigt, dass das afrikanische Volk dem afrikanischen Machthaber unterstellt ist und nur auf den jeweiligen Machthaber kommt es China an. Es ist für China relevant, weiterhin Zugang zu den Rohstoffen zu haben und den Absatzmarkt für chinesiche Produkte nicht zu gefährden. Aus diesem Grund legt China Wert darauf, dass die afrikanischen Eliten der chinesischen Regierung gegenüber wohlgesonnen sind. Für Melber ist das chinesische Engagement nur eine weitere Form des Kapitalismus und nicht mehr und nicht weniger aus eigenem Interesse gesteuert wie vergleichbare Investitionen westlicher Geberländer. Daher sollten die gesamten chinesisch-afrikanischen Beziehungen nicht nur durch Hervorhebung ihrer schlimmsten Aspekte zur Dämonisierung Chinas und zur Glorifizierung des Westens als hochstehendes moralisches Gegenmodell verwendet werden.400 Die folgenden Abschnitte beleuchten die Diskursmuster, die sich gegen die chinesischen Aktivitäten in Namibia und Sambia richten. Dabei werden Ereignisse wie die Schüsse in der Collum Mine oder die unzureichenden Arbeitsbedingungen in chinesischen Unternehmen mit Diskursmustern inter- 400 Melber 2009, S. 75–76. 240 pretiert, mit denen rassistische Ressentiments in der Gesellschaft gefördert werden. 9.1 Verbindungen zur Kolonialzeit Als ehemalige Kolonien, die erst spät ihre Unabhängigkeit erlangt haben, sind die namibischen und sambischen Einwohner sehr empfindlich, wenn es um ihre Souveräntität geht. Immer wieder besteht der Vorwurf, dass China mit seiner immensen wirtschaftlichen Macht eine neokoloniale Rolle einnehmen und beide afrikanische Staaten in eine neue Abhängigkeit führen würde. Wiederholt werden historische Bezüge zur Kolonialzeit unter deutscher und südafrikanischer Herrschaft vorgenommen. China wird der Status einer neuen Kolonialmacht zugeschrieben, dem ein patriotisches „Wirgefühl“ der Namibier und Sambier entgegengestellt werden soll. Als Argument für die Neokolonisierung durch die Chinesen wird die Ausbeutung natürlicher Ressourcen genannt. Ein zentraler Bestandteil des antichinesischen Diskurses sind die neokolonialen Verhaltensweisen der Chinesen. Dabei gehen die Vorwürfe in Richtung einer Sklavenhaltermentalität vonseiten der Chinesen. Hillary Clinton wird als Kronzeugin angeführt, weil sie während einer Afrikareise vor neokolonialen Tendenzen gewarnt hatte. Die Kolonialzeit ist eines der sensibelsten Themen für beide Staaten. Die sambische Unabhängigkeit vom Britischen Königreich besteht erst seit wenigen Jahrzehnten. Namibia ist erst 1990 von Südafrika unabhängig. Die Angst vor einer neuen Kolonisation ist groß. Als besonders enttäuschend wird der fehlende Schutz der Bevölkerung vor Chinesen durch die jeweilige Regierung wahrgenommen. Dabei ist die Politik der namibischen Regierung widersprüchlich. Die namibische Regierungspartei ist anders als in Sambia von der Opposition nicht abgelöst worden. Es ist immer noch die ehemalige antikoloniale Befreiungsbewegung an der Macht. Sie zieht ihre politische Legitimation und Identität aus der Bewahrung der über Jahrzehnte erkämpften Unabhängigkeit. Infolge dieser historischen Bedingungen wird jegliche Einflussnahme von außen in Teilen der Bevölkerung als ein Rückfall in koloniale Abhängigkeiten wahrgenommen. Daraus entsteht der nach Rudolf Leiprecht erforschte Rassismus der Dominierten: Die ehemaligen Opfer von Rassismus und Kolonialherrschaft verhalten sich ihrerseits rassistisch gegenüber den vermeintlich neuen Kolonialherren. Diese Wahrnehmung wird verstärkt von Hinweisen, dass Familienangehörige der namibischen Politiker Stipendien von Vertretern der chinesischen Regierung erhalten. Vor diesem Hintergrund ist es schwierig, die Geschehnisse vorurteilsfrei einzuordnen und differenziert über mögliche Verstrickungen politischer Akteure zu berichten. In den sambischen Medien fällt eine Besonderheit auf: Die sambischen Zeitungsartikel und Leserbriefe sind von einer teilweise erschreckenden Brutalität 241 und Gewaltbereitschaft gekennzeichnet. In diesem Punkt unterscheidet sich Sambia von Namibia. Der Grund ist unter anderem auf die sambische antikoloniale Bewegung zurückzuführen. Die sambischen Bergarbeiter waren immer die patriotischen Vorkämpfer für die Befreiung von der britischen Kolonialherrschaft. Sie bildeten Gewerkschaften, streikten und kämpften für die sambische Souveränität. Dieses Protestpotenzial besteht bis in die Gegenwart fort. Die Bergarbeiter sind von den unzureichenden Arbeitsbedingungen in chinesischen Unternehmen im Copperbelt am stärksten betroffen und sehen sich einer möglichen neuen Kolonialmacht gegenüber. Dadurch erwacht ein kollektiver Protest, der auf die gesamte sambische Gesellschaft übergreifen könnte. Die Vermutung, die Chinesen seien neue Kolonialherren, zeigt sich auch durch den vermeintlich rechtsfreien Raum, in dem Chinesen trotz der gegen Sambier eingesetzten Waffengewalt nicht bestraft würden. Diese und andere Vorfälle schüren die Ansicht, dass die Chinesen sich wie damals die englischen Kolonialherren benehmen und die Angehörigen des Kolonialvolks ungestraft erschießen dürften. Ein häufig erwähntes Beispiel sind die Vorfälle in der Collum Mine, als 13 streikende sambische Arbeiter von zwei chinesischen Aufsehern durch Schüsse verwundet worden sind. Solche Vorkommnisse haben viele Sambier in der Vermutung bestärkt, die Chinesen würden in der Tradition der britischen Kolonialmacht auftreten. Sie nützten die sambischen Ressourcen nur für sich selbst und würden verhindern, dass Sambier sie ebenso nutzen könnten. Diese und ähnliche Annahmen bilden den Nährboden für den umgedrehten Rassismus nach Leiprecht. Der Oppostitionsführer und spätere Präsident Sata galt als eine politische Hoffnung, um diesem Handeln ein Ende zu bereiten. Weiterhin ist auch eine These aus der Kolonialismusforschung aufschlussreich: Edward Said behauptet, dass Europäer aufgrund der geographisch zentralen Lage Europas autoritär Nichteuropäer durch einen kulturellen Diskurs zu einem sekundären ethnisch-kulturellen ontologischen Status zurückstufen.401 Die öffentliche Diskussion in Namibia und Sambia mit der Rückbesinnung auf die antikoloniale Vergangenheit führt auch aufseiten der Afrikaner zu einer inneren, vielleicht unbewussten Identifikation mit der Rolle der immer noch nicht befreiten Kolonisierten. Das Empfinden der kolonialen Identität produziert dieses Bewusstsein. Die Menschen, die sich als koloniale Opfer verstehen, bleiben in ihrer Vorstellung in der Kolonialzeit verhaftet. Der Rassismus der Dominierten nach Leiprecht ist die Folge einer weiterbestehenden kolonialistischen Identität, nur dass sich die Identität jetzt umdreht: Der 401 Said 1995, S. 37–38. 242 ehemalige Kolonisierte als Opfer von Rassismus richtet den eigenen Rassismus gegen die neue Kolonialmacht. Die gegenwärtigen Arbeitsbedingungen der Chinesen werden von vielen Kritikern in Namibia und Sambia mit denen der europäischen Kolonialmächte früherer Zeiten verglichen. Am Ende steht eine vermeintliche Kolonisierung ähnlich der durch die europäischen Staaten. Die Tatsache, dass Chinesen Arbeit nach Namibia und Sambia bringen, wird uminterpretiert und in einen Zusammenhang mit der Ausbeutung der namibischen Bodenschätze gestellt. Die Chinesen werden in vielen Zeitungsbeiträgen pauschal abgelehnt und diffamiert. Dabei sind die Diffamierungen häufig rassistischer Natur. 9.2 Rhetorische Fragen Rhetorische Fragen erfüllen den Zweck, eine eigene Meinung wiederzugeben und sie nur zum Schein als Frage zu formulieren. Antworten werden nicht gegeben und stehen auch nicht in einem Erwartungskontext. So ist es verständlich, dass beim Ansprechen konkreter Missstände in Namibia und Sambia die Autoren der entsprechenden Artikel zu dem Stilmittel der rhetorischen Frage greifen. Es geht nicht um eine Antwort oder die Erhellung eines Sachverhalts. Es geht nur um die größtmögliche politische Wirkung von eigenen Meinungen. Rhetorische Fragen sollen provozieren oder eine feststehende Tatsache durch eine völlig unnötige Frage erneut untermauern.402 Rhetorische Fragen greifen ein vermeintliches Vollzugsdefizit seitens der Politik und Justiz in Namibia und Sambia auf und stehen für rassistische Einstellungen. Als Beispiel werden die Fragen nach der vermeintlich unkontrollierten Zuwanderung von Chinesen nach Namibia und Sambia gestellt. Ein dauerhafter Aufenthalt von Chinesen ist in Sambia aufgrund der sambischen Visabestimmungen jedoch nicht vorgesehen. Epafras Mukwiilongo äußerte sich nur als Oppositionskandidat bzw. als politischer Aktivist. Er prangert an, dass die namibische Regierung die Bevölkerung nicht ausreichend vor China schützen würde. Er geht sogar soweit, den Chinesen generell das Recht abzusprechen, sich in Namibia aufzuhalten. Die chinesische Präsenz in Namibia verzeichnete einen Anstieg seit der Unabhängigkeit 1990. Seitdem sollen sich zwischen 2.000 und 3.000 Chinesen im Land aufhalten.403 Der namibische Oppositionsführer Ulenga wird sehr konkret: Er behauptet, dass die überlegene chinesische Konkurrenz im Baugewerbe die namibische 402 o.V. 2016 e. 403 Sherboune 2007, S. 160. 243 Bauindustrie existenziell bedrohe. Wenn man die Zahlen zugrunde legt, nach denen 70 % der öffentlichen Ausschreibungen chinesischen Unternehmen zugutekommen, ist diese Sorge begründet. Chichimba Kambwili aus Sambia geht detailliert auf ein schlechtes Leistungsverhalten eines chinesischen Chefarztes ein. Der Chefarzt habe seine sambischen Angestellten zur Mehrarbeit ohne ausgleichende Lohnzahlungen gezwungen. Aufgrund dessen intervenierte Kambwili und kündigte rechtliche Schritte gegen die Klinik an. Ebenso droht er einem chinesischen Unternehmer die Deportation nach China an, wenn der Unternehmer seine sambischen Angestellten zukünftig nicht besser behandeln würde. Dieser Streit gipfelte in der prophetischen Drohung: Er würde sich um die Chinesen „kümmern“, sobald er Arbeitsminister sei. Er kritisierte auch die sambische Regierung. 9.3 Spiel mit Zahlen Offizielle Statistiken und veröffentlichte Zahlen lassen sich auf verschiedene Weise interpretieren. Es gibt Zahlen, die tatsächlich vorliegen, und es gibt Prognosen und Einschätzungen zu Zahlen. Das Problem ist, dass Zahlen immer einen gewissen Spielraum für Interpretationen und subjektive Einschätzungen zulassen. Während seiner Zeit als Oppositionsführer behauptete Sata, in Sambia würden 80.000 Chinesen leben. Tatsächlich waren seinerzeit jedoch höchstens 5.000 Chinesen im Land. Sata verstand es, dieses Spiel mit Zahlen in seinen antichinesischen Protest einzubinden. Vermutlich hat er aus politischem Kalkül heraus behauptet, dass bis zu 80.000 Chinesen nach Sambia kommen könnten, um diese Prognose bereits als Realität hinzustellen. Diese hohen Zahlen werden von Yan und Sautman jedoch entschieden angezweifelt: Die Zahl von 80.000 Einwanderern sei eine Erfindung der PF, um sie für eigene politische Interessen instrumentalisieren zu können. Sautman und Yan gehen von höchstens 4.000 Chinesen in Sambia aus.404 Dabei geht es Sata nur um die politische Wirkung und nicht um die Frage, ob sich wirklich zu viele Chinesen im Land aufhalten. Aufschlussreich ist, dass die Zahlen aufgegriffen und ein schlagendes Argument in der öffentlichen Diskussion sind, sodass bereits 5.000 Chinesen in Sambia für viele Einwohner ein Bedrohungspotenzial bedeuten. Bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 14,5 Mio. Einwohnern entsprechen 5.000 Chinesen einem zu vernachlässigenden Anteil von 0,03 %. Wie viele Chinesen es tatsächlich sind, spielt für diejenigen Sambier keine Rolle, die sich ohnehin in der Defensive fühlen und die Chinesen als Bedrohung wahrnehmen. Die mit den antichinesischen Protesten in Sambia einhergehenden Befürchtungen, die Chinesen im Land 404 Sautman et al. 2009, S. 4. 244 würden sich langfristig niederlassen und eine Art Überfremdung vornehmen, sind daher unberechtigt. Die Angst vor Überfremdung führt aber häufig zu rassistisch motivierten Ressentiments. Berechtigte Befürchtungen lassen sich allenfalls im Zusammenhang mit der namibischen Bauindustrie feststellen. Allein die Tatsache, dass chinesische Bauunternehmen Aufträge erhalten, obwohl in Namibia eine Arbeitslosigkeit von 51 % herrscht, wird verallgemeinert: Den Chinesen werden aggressive wirtschaftliche Aktivitäten zum Nachteil der namibischen Bevölkerung unterstellt. Die Namibier begegnen der chinesischen Präsenz mit Misstrauen und empfinden es als ungerecht, dass Chinesen bei der öffentlichen Vergabe von Bauaufträgen eine bevorzugte Behandlung erhalten. Genauso verhält es sich mit den Billigprodukten der chinesischen Einzelhändler, die tatsächlich die Existenz namibischer und sambischer Ladenbesitzer und Händler durch die kostengünstige Produktion von Konsumgütern in China bedrohen. Die Manipulation von Zahlen zeigt sich auch im historischen Protest. Bereits im 19. Jahrhundert bestand in Australien, den USA und Südafrika die Angst vor einer Masseneinwanderung von Chinesen. Die Ängste der weißen Bewohner in den Staaten gipfelten darin, die Chinesen in wirtschaftlicher Hinsicht als Konkurrenten zu sehen. Diese Bedrohungsgefühle sind in Namibia und Sambia heute ähnlich. Damals wurden die Chinesen in den USA von der Staatsbürgerschaft durch höchstrichterliche Beschlüsse ausgeschlossen. In Nambia hat ein WikiLeaks-Bericht für Verwirrung gesorgt und rassistisch motivierte Angst vor Überfremdung geschürt: Die Staatsbürgerschaft wird angeblich im Austausch für Finanzhilfen an Chinesen vergeben. Die namibische Regierung beabsichtige, die namibische Staatsbürgerschaft an 5.000 chinesische Familien im Austausch gegen den Erlass einer ausstehenden Schuld zu vergeben. Der namibische Premierminister Nahas Angula sagte dazu, die Chinesen würden von allen Ausländergruppen in Namibia diejenigen sein, die die wenigsten Anträge auf eine Einbürgerung stellten. Lediglich fünf Chinesen hätten die namibische Staatsbürgerschaft verliehen bekommen: Drei durch reguläre Einbürgerung, zwei durch Heirat mit Namibiern und einer durch Abstammung. Die Innenministerin Rosalia Nghidinwa gab an, dass nur zwei Chinesen in ihrer Amtszeit seit 2005 die namibische Staatsbürgerschaft beantragt hätten. Der Finanzminister Carl-Hermann Gustav Schlettwein schließlich stritt ab, dass es zu Absprachen zwischen der chinesischen und der namibischen Regierung über Schuldentilgung als Ausgleich für die Vergabe der 245 Staatsbürgerschaft gekommen sei. Zudem würden die namibischen Schulden nur 15 % des namibischen Bruttosozialprodukts ausmachen.405 Wie sehr auch in diesem Beispiel das Spiel mit Zahlen für das Schüren von Ängsten eine Rolle spielt, verdeutlichen die strengen aufenthaltsrechtlichen Bedingungen, mit denen die Chinesen in Sambia leben. Es gibt insgesamt sechs Arten von sambischen Visa für Chinesen. Dazu gehören die Visa für ständigen Aufenthalt, Besuch, Studienzweck, Arbeitserlaubnis, vorübergehenden Aufenthalt und selbstständige Unternehmer (Investor). Familienmitglieder erhalten die gleichen Visa wie der eigentliche Inhaber. Die Mehrzahl der Migranten kam aus China, anschließend folgten Indien und Südafrika. Vor 2008 gab es keine besondere hohe Migration von China nach Sambia. Ab 2011 kam es zu einer Änderung. 2012 entfielen von 9.067 Arbeitserlaubnissen 3.722 auf Chinesen. 2013 wurden 5.897 Arbeitserlaubnisse für Chinesen ausgestellt. Die Geltungsdauer der Business-Visa liegt entweder bei drei Monaten oder bei drei Jahren. Es kann also nicht die Rede davon sein, dass die Chinesen beabsichtigen, langfristig in Sambia zu bleiben. Einteilen lassen sich die chinesischen Einwanderer nach Sambia in drei Gruppen: Arbeitsmigranten, die nur vorübergehend bleiben wollen, angelernte Arbeitskräfte, die nach Ende ihres Vertrags nach China zurückgehen, sowie eine kleinere Anzahl von Managern, Kleinunternehmern und Transitmigranten. Die chinesischen Einwanderer sind wesentlich weniger assimiliert und integriert in die sambische Gesellschaft als andere Migrantengruppen. Als Ursachen gelten sprachliche und kulturelle Barrieren. Die kulturellen Barrieren führen teilweise zu einer rassistischen Abwertung der chinesischen Einwanderer: Sie würden die sambische Kultur durch ihr Fremdsein negativ beeinflussen. Einige Chinesen sprechen Englisch, jedoch wenige Sambier beherrschen Chinesisch.406 Diese Voraussetzungen belegen die Annahme, dass nur ein ganz kleiner Teil der etwa 4.000 Einwanderer überhaupt die Chance und die Absicht hat, langfristig in Sambia zu bleiben. Es besteht ein ökonomischer Zusammenhang, wenn die Zahl der einreisenden Chinesen auf die realen Ängste der einheimischen Bevölkerung trifft. Anders verhält es sich, wenn willkürlich behauptete Zahlen zur Masseneinwanderung als Grundlage für Bedrohungsszenarien verwendet werden, die in Rassismus gipfeln können. So wird beispielsweise in Deutschland von mittlerweile weltweit 10 Millionen Flüchtlingen gesprochen, die sich auf den Weg nach Deutschland machen würden. Für solche Behauptungen gibt es jedoch keinerlei Belege. Auf diese Weise dienen rein spekulative Zahlen als Grundlage für 405 Kisting 2010. 406 Postel 2015. 246 das Schüren von Fremdenfeindlichkeit und übertriebenen Ängsten, die zwar vorher schon vorhanden waren, nun jedoch verstärkt werden. Die Beziehungen zwischen China und Namibia werden von der eigenen Bevölkerung als Bedrohung für die namibischen Interessen wahrgenommen. Die Gesetze schützen die namibischen Arbeiter nicht vor chinesischen Misshandlungen. Außerdem setzen sich die namibischen Politiker nicht für namibische Unternehmen dahingehend ein, die existenzbedrohende Konkurrenz der chinesischen Bauindustrie einzudämmen. Deshalb entsteht der Eindruck einer geheimen Zusammenarbeit zwischen der namibischen und chinesischen Regierung. Als Beispiel wird der Einzelfall der mit einem chinesischen Stipendium ausgestatteten namibischen Präsidententochter aufgeführt. Die Vorteile der chinesischen Zuwendungen wie Stipendien kommen nur den Angehörigen der namibischen Eliten zugute. So wird ein Manager der chinesischen Mulungushi-Textilfabrik in Sambia mit der Aussage zitiert, die Chinesen würden nicht das Vertrauen der Arbeiter gewinnen wollen, sondern dasjenige der Politiker.407 Carmody spricht von einem neuen Regime mit einer eingebetteten „Geo-Governance“ in Sambia, die durch engherzige Verhandlungen und Geschäfte zwischen den einheimischen und den chinesischen politischen Eliten konstruiert wird.408 Es werden mehrere Sachverhalte aufgezählt, um die Gefährdung der Chinesen für die sambische Souveränität zu belegen. Darunter fallen Misshandlungen von Arbeitern und Gewalttaten gegen protestierende Sambier. Hier zeigt sich gewalttätiger Rassismus in aller Offenheit. Auch die sambische Regierung wird erneut als Erfüllungsgehilfe der Chinesen beschuldigt, die sich nicht für die eigene Bevölkerung einsetzen würde. 9.4 Rückschlüsse von Einzelfällen auf die Allgemeinheit Seit sich chinesische Einwanderer in Sambia und Namibia aufhalten, kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die aber als allgemeines Problem gesehen werden. Die Einzelfälle sind nicht zu leugnen und werden von politischen Interessen für den Kampf um die Meinungshoheit instrumentalisiert, um ein vermeintliches Verhalten einer nationalen oder ethnischen Gruppe belegen zu können. In Sambia sind es reale Vorfälle wie Gewalttaten von chinesischen Migranten gegen Sambier, die in einen Kontext gestellt werden und zu Rückschlüssen auf die beteiligten Migranten als Gruppe führen. Der abwertende Bezug auf eine ganze Gruppe ist Rassismus. Eine weitere Rolle spielen konkrete Unglücksfälle, teilweise mit Todesfolge, im 407 Carmody 2013, S. 37. 408 Carmody 2013, S. 45. 247 Zusammenhang mit sambischen Opfern. Es gibt auch angebliche Vorkommnisse, die als Einzelfälle gerade im Internet eine höhere Eigendynamik erhalten und immer wieder als Beleg für ein unerwünschtes Gruppenverhalten herangezogen werden. Allgemein formuliert: Wenn Migranten ins Land kommen, begehen sie wie andere Gruppen ebenfalls Straftaten. Sie sind keine besseren oder schlechteren Menschen als die Einheimischen. Im Falle Namibias gibt es einen Bericht über den in einem chinesischen Unternehmen arbeitenden namibischen Angestellten, der aus einem Mülleimer essen sollte. Solche Vorfälle werden missbraucht, um sie in den Kontext der jeweiligen Meinung zu stellen und dadurch eine ganze Ethnie zu verurteilen. Die Abwertung einer Ethnie ist ein eindeutiges Zeichen für Rassismus. Die sachliche Berechtigung eines Generalverdachts gegenüber einer ganzen Ethnie ist für denjenigen, der den Verdacht verbreitet, unerheblich. Es geht nur um die Diskreditierung der Gruppe an sich und nicht um tatsächliche Ereignisse. Das Vorliegen eines Einzelfalls wird benutzt, um Stimmung gegen die Chinesen zu machen. Der Einzelfall an sich spielt keine Rolle. Viele Namibier fühlen sich verletzt, wenn chinesische Lebensmittel nach Namibia importiert, im Gegenzug aber namibische Delikatessen nicht nach China exportiert werden dürfen. Solche Verallgemeinerungen bewirken eine Kränkung der Namibier in ihrem Nationalstolz: Chinesen legen auf namibische Delikatessen offenbar keinen Wert. Zusätzlich sind auch Existenzängste im Spiel. Die namibische Nahrungsmittelindustrie befürchtet wirtschaftliche Einbußen. Sie kann nicht auf dem großen chinesischen Markt expandieren, während günstig angebotene chinesische Lebensmittel den einheimischen Anbietern nun auch noch im eigenen Land Konkurrenz machen und die wirtschaftliche Existenz von Ladenbesitzern und Händlern gefährden. Die enge Partnerschaft zwischen den namibischen und den chinesischen Eliten zeigt die vermeintlichen Gewinner dieser Austauschbeziehungen: Die namibischen Eliten und nicht die namibische Bevölkerung. Verallgemeinert werden die möglichen Nachteile der wirtschaftlichen und politischen Kooperation mit China, wobei es sich bei diesen Nachteilen um spezifische Probleme handelt, die sich auf Mutmaßungen stützen und nicht verifiziert sind. Ähnlich wie in Namibia werden immer wieder Misshandlungen gegenüber sambischen Angestellten in chinesischen Unternehmen beklagt. Dieser Vorwurf wird an einem Einzelfall festgemacht: Ein sambischer Arbeiter wurde von seinem chinesischen Vorgesetzten mit einem Metallgegenstand misshandelt. Es sei dahingestellt, ob ein chinesischer Arbeiter von seinem chinesischen Vorgesetzten wegen des gleichen Vergehens auch misshandelt worden wäre. Die Tatsache, dass es ein Sambier war, deutet auf rassistische Ressentiments hin. Vereinzelt rufen Sambier sogar gezielt zu Selbstjustiz und Racheakten gegen Chinesen auf. Hier könnte eine Dynamik entstehen, die zu offener 248 Gewalt führen könnte und das chinesisch-sambische Verhältnis schwer belasten würde. Den chinesischen Unternehmen wird vorgeworfen, Bauwerke minderer Qualität zu errichten. Auch in Bezug auf diesen Vorwurf ist zunächst von Einzelfällen auszugehen: So wurden staatliche Gebäude von chinesischen Unternehmen gebaut. Es lässt sich nicht feststellen, was bei der Vergabe der Bauaufträge eine Rolle spielte. Es ist jedoch als selbstverständlich anzusehen, dass staatliche Auftraggeber Wert auf Qualität der eigenen Repräsentationsbauwerke legen und daher die verlangte Qualität auch überprüfen würden. Die wirtschaftlichen Probleme Lusakas mit den Chinesen bestehen hauptsächlich darin, dass die chinesischen Kleinunternehmer mit ihren industriell gefertigten Billigprodukten aus China den sambischen Händlern überlegen sind. Wenn den Sambiern etwas zu schaffen macht, dann sind es die chinesischen Billigprodukte, die für wachsende Probleme bei Kleinunternehmern sorgen. Gegen diese wirtschaftlichen Gründe müsste eigentlich die sambische Regierung entsprechende Maßnahmen ergreifen und Regulierungen vornehmen. Es ist fraglich, ob sie es nicht will oder nicht kann. Im Grunde geht es Sambiern nicht anders als anderen afrikanischen Ländern, sie sind Opfer von Globalisierung und Freihandel. Es wird kritisiert, dass es „nur“ sambische Opfer bei vermeintlich vermeidbaren Unglücksfällen gegeben hätte. Es besteht der Vorwurf, dass speziell chinesische Arbeiter für Infrastrukturprojekte eingeschleust würden, anstelle einheimische Arbeiter zu beschäftigen. Außerdem würden Chinesen den sambischen Arbeitern keine ausreichende Schutzkleidung zur Verfügung stellen. Hieraus lässt sich der Verdacht ableiten, dass die sambischen Arbeiter in den Augen der chinesischen Vorgesetzten als minderwertig gelten und deshalb keiner besonderen Schutzkleidung bedürfen. Eine wichtige Rolle spielt auch, dass häufig fehlende Englischkenntnisse der chinesischen Manager die Verständigung zusätzlich erschweren. Es drängt sich die Frage auf, ob die chinesischen Manager die Fremdsprache Englisch nicht erlernen, weil sie es nicht für notwendig erachten, mit ihren sambischen Untergebenen in deren Sprache zu kommunizieren. Vor diesem Hintergrund erscheint es legitim zu behaupten, dass auch die chinesischen Manager rassistische Ressentiments gegenüber den sambischen Arbeitern hegen. Der konkrete Fall eines körperlich misshandelten sambischen Arbeiters in Kalulushi, der von der Justiz nicht aufgeklärt wurde, wird ebenfalls verallgemeinert. Dabei wird die These von zwei Rechtswirklichkeiten in Sambia aufstellt: Eine würde für Sambier gelten und die andere nur für die im Land lebenden Chinesen vorteilhaft sein. Geschickt wird von einem Einzelfall auf eine allgemeingültige Vermutung abgestellt. Dabei ist die angebliche rechtli- 249 che Bevorzugung der Chinesen in Sambia nirgendwo festgeschrieben. Es gibt kein wie auch immer geartetes Sonderrecht für Chinesen in Sambia. Wenn es ein Sonderrecht gibt, so zeigt sich es gelegentlich in der konkreten Auslegung eines Rechts zugunsten von Chinesen und zuungunsten von Sambiern. Als Beleg können die Schüsse chinesischer Vorarbeiter auf protestierende Sambier in der Collum Mine dienen. Die Schützen wurden strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen. Es ist schwierig, den Beweis zu erbringen, dass die angeblich unabhängigen sambischen Gerichte die Chinesen rechtlich bevorzugen würden. Die Kritik beschränkt sich auf als ungerecht empfundene Einzelfälle, die unterschwellig als Rassismus gedeutet werden, denn vor der Justiz müssen alle Menschen gleich sein. 9.5 Angst vor Überfremdung und kulturellem Verlust Das „Fremde“ gilt zunächst immer als etwas Gefährliches. Soziale Gemeinschaften pflegen seit eh und je eine gewisse Vorsicht gegen fremde Besucher, weil sich niemand sicher sein konnte, ob sie gute oder böse Absichten hatten. Verstärkt wird diese Angst auf der abstrakten Ebene der Nation, Ethnie oder deren Kultur. Es ist nicht verwunderlich, wenn eine grundsätzliche Vorsicht vor anderen Kulturen existiert. Schwierig wird es, wenn eine Unvereinbarkeit zwischen Kulturen oder gar eine Konfliktsituation besteht, die Angst vor der Verdrängung einer Kultur durch eine andere auslöst. Die Namibier und Sambier haben eine eigene Kultur, die von außen bisher nur von westlichen Kolonialmächten geprägt wurde. Im Fall Sambias war es Großbritannien, im Fall Namibias das ehemalige Deutsche Reich und anschließend Südafrika, die ihre Kultur im neuen Land verbreiteten. In Namibia und Sambia ist die Amtssprache Englisch. Bereits in diesem Bereich zeigt sich ein Konflikt: Chinesische Manager in Namibia und Sambia sprechen häufig kein Englisch. Die Kommunikation mit ihren afrikanischen Angestellten ist dadurch erschwert. Die chinesische Kultur ist in Afrika bis heute weitgehend unbekannt. Es gab keine historischen Begegnungen zwischen China und Afrika. Admiral Zheng He hätte für frühe Begegnungen beider Kulturen sorgen können, doch seine Expeditionen wurden vom chinesischen Kaiser unterbunden, bevor sie Früchte tragen konnten. China beteiligte sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht an dem kolonialen Wettlauf der europäischen Mächte. Die Volksrepublik war nach ihrer Gründung 1949 außenpolitisch eher zurückgezogen und erst später während der Herrschaft Mao Zedongs politisch an Afrika interessiert. Dabei wurde die Begegnung nur auf der politischen Ebene gepflegt, indem das kommunistische Regime als Mitkämpfer für die Unabhängigkeit um Sympathien in Afrika warb und seit den 2000er Jahren eine auf Gleichberechtigung, gegenseitigen Respekt, Win-win-Beziehungen und Nichteinmischung beruhende strategische Partnerschaften unterhält. 250 Bereits in den 1970er Jahren sollten sich afrikanische Staaten für einen dauerhaften Sitz Chinas im UN-Sicherheitsrat einsetzen. Ganz wichtig für die heutigen kulturellen Begegnungen ist die Tatsache, dass Chinesen bis in die 2000er Jahre nur selten mit der einheimischen Bevölkerung Sambias und Namibias in Berührung gekommen sind. Mit der Zuwanderung von chinesischen Arbeitern und Führungskräften ist in der Bevölkerung relativ schnell ein Misstrauen bis hin zu Rassismus entstanden, der sich den empirischen Befunden folgend in den untersuchten Ländern zu verfestigen scheint. Die Partnerschaft Namibias und Sambias mit China ist ein Elitenprojekt und wird immer wieder symbolisch betont: So ist der Besuch des damaligen chinesischen Premierministers Zhou Enlai auf der Baustelle der TAZARA-Eisenbahn von Sambia nach Tansania zwischen 1963 und 1965 eine frühe Bekräftigung für die Verbundenheit beider Regierungen. Seit der Etablierung des Forums der „China-Afrika-Kooperation“ 2000 wurde eine elitäre Plattform geschaffen, mit der die Verbindung zwischen dem afrikanischen Kontinent und China strategisch vertieft wurde. Das erste Treffen war in Peking im Oktober 2000, es kamen weitere Treffen hinzu, so in Addis Ababa 2003, Peking 2006 und Sharm-el-Sheikh 2009. Die Teilnehmer waren ausnahmslos Mitglieder afrikanischer und chinesischer Eliten. Dort wurde auch ein Konsultationsmechanismus zwischen afrikanischen und chinesischen Außenministern eingerichtet.409 Die chinesische Regierung nutzte die engen Verbindungen zu den afrikanischen Eliten auch zur Förderung einer multipolaren Weltordnung mit Betonung der staatlichen Souveränität und der internationalen Wahrnehmung Chinas als authentische Stimme der Dritten Welt. China legte großen Wert auf symbolische Politik: So führte für den neu ernannten chinesischen Au- ßenminister die erste Auslandsreise auf den afrikanischen Kontinent.410 Die Entfremdung der politischen Eliten in Namibia und Sambia von der Bevölkerung ist offensichtlich. Als eine Möglichkeit, die Kluft zwischen den afrikanischen Eliten und der Bevölkerung und deren Ausnutzung durch die chinesische Regierung zu überwinden, erweist sich der Africa-Consensus von Ludger Kühnhardt. Nur durch einen gemeinsamen Pakt, die Bündelung der afrikanischen Interessen zum Wohle aller, könnte das Afrika der Zukunft die eigenen Probleme erfolgreich lösen.411 Zudem wird von afrikanischen Politikern wie dem nigerianischen Politiker Ken Ugwu Nnamani betont, dass sich nach seiner Auffassung die aufstrebende chinesische Mittelklasse auch bald politisches Gehör verschaffen wird – ein 409 o.V. 2012 a. 410 Willis 2014. 411 Kühnhardt 2014, S. 293. 251 Hinweis darauf, dass bisher nur die chinesischen und afrikanischen Eliten in die wirtschaftliche und politische Kooperation eingebunden sind.412 Die Bevölkerung erlebt diese Kooperation aus einer passiven Beobachterperspektive, sodass völkerverbindende Begegnungen die Ausnahme bleiben. Namibier bzw. Sambier nehmen Chinesen als Vorgesetzte oder Konkurrenten wahr, die durch die Medienberichterstattung entweder als rücksichtslose Arbeitgeber oder als wirtschaftliche Rivalen auftreten. Diese Voraussetzungen bilden den Nährboden für Überfremdungsängste und für kulturellen Verlust und im Weiteren den Nährboden für Hass und rassistische Vorurteile. Die Sambier würden auch aufgrund ihrer Hautfarbe von den Chinesen diskriminiert. So wie die Aufnahme von Einwanderern nach Großbritannien nach kulturellen Kriterien organisiert wird, solle dieses System auch in Sambia eingeführt werden. Es werden gemeinsame Werte wie die staatliche Souveränität oder die christliche Kultur beschworen, die eine Einwanderungsgruppe berücksichtigen solle. Diese politischen Forderungen können eine rassistische Grundtendenz befördern. Den Sambiern und Namibiern ist die chinesische Kultur fremd: Chinesen sagen ungern konkret „Nein“, sie sind sehr anpassungsfähig, gehen oft strategisch geschickt vor413 und können sich als Migranten der Mehrheitsgesellschaft anpassen. Das laute Poltern liegt ihnen fern. Die einzelnen afrikanischen Länder sehen sich einer gewaltigen Wirtschaftsmacht mit geradezu unbegrenzten Ressourcen gegenüber. Die eigenen Regierungen tun nichts, um die einheimische Bevölkerung vor schwierigen Arbeitsbedingungen und existenzbedrohender Konkurrenz zu schützen. Es kommt immer wieder zu Klagen über ein kulturelles Unverständnis. Dazu zählt eine erhöhte Sensibilität gegenüber einer Ausbeutung durch eine überlegene Macht wie zur Kolonialzeit. Kolonialistisches Verhalten war immer geprägt von Rassismus. Chinas Verhalten erinnert an die britischen und südafrikanischen Kolonialmächte der Vergangenheit. Daher stellen sich Sambier und Namibier die Frage, ob sich denn gar nichts geändert hat. Sie befürchten eine Überfremdung durch eine unbegrenzte Zuwanderung, die sich jedoch nicht an den tatsächlichen Zahlen festmachen lässt (vgl. Abschnitt 8.3). Es kann nicht von einer zahlenmäßigen Verdrängung der Sambier ausgegangen werden. Schließlich besteht auch eine hohe Sensibilität gegenüber dem möglichen Verlust der nationalen Souveränität, wenn sich die eigenen Regierungen den Chinesen unterwerfen. Sie befürchten, dass es keine Unabhängigkeit mehr gäbe und die Befreiung von der Kolonialzeit nur ein Übergangsstadium in eine neue Fremdherrschaft gewesen 412 Obiorah 2008, S. 6. 413 Langer 2004. 252 sei. Nach Birgit Rommelspacher waren koloniale Ausbeutungen immer rassistisch motiviert. Yan und Sautman vergleichen die durch die chinesischen Aktivitäten im Land aufgeheizte rassistische Atmosphäre in Sambia gegenüber den Chinesen mit den zuvor stattgefundenen antijüdischen Protesten durch Medien und Politiker in Südafrika. 414 So kam es auch 2015 zu erheblichen antijüdischen Ausschreitungen. In Südafrika hatten damals hunderte Anhänger der propalästinensischen Gruppe „Boycott, Divestment and Sanctions“ gegen die Juden im Land demonstriert. Auch Hakenkreuzschmiereien und gewalttätige Übergriffe gegenüber Juden kamen vor. Die Gruppe „Boycott, Divesments und Sanctions“ wurde von dem regierenden „African National Congress“ und von der Gewerkschaft „COSATU“ unterstützt.415 Beide Autoren vertreten die These, es gäbe keine empirischen Befunde für kulturelle Interpretationen der chinesischen Praktiken im sambischen Bergbau. Die rassistischen Thesen einer fremden kulturellen Interpretation der wirtschaftlichen Aktivitäten seien von westlichen Medien und sambischen Politikern gestreut worden.416 Eine bedeutende Rolle spielt in weiten Teilen der namibischen und sambischen Bevölkerung die Angst vor einer zahlenmäßigen und einer kulturellen Überfremdung der jeweiligen Gesellschaft durch die im Land anwesenden Chinesen. Eine quantitative Bevormundung der Sambier und Namibier durch Chinesen hat nicht wirklich stattgefunden. Eine tatsächliche Bedrohung der kulturellen Identität ist durch die Einwanderung der Chinesen in Sambia und Namibia auf keinen Fall gegeben. Ein NGO-Aktivist erhebt den Vorwurf, dass die Chinesen in Namibia ohne Einschränkung agieren könnten, auch wenn es zum Nachteil der Namibier als die eigentlich rechtmäßigen Bewohner Namibias sei. Er verquickt die Verbundenheit der Regierungspartei mit der chinesischen Regierung während des Unabhängigkeitskampfs und identifiziert auch die eigene Regierung als Verantwortliche für die „Narrenfreiheit“ der Chinesen. Hier wird der Protest deutlich von Gruppen außerhalb der namibischen Regierung kolportiert, daher ist der Vorwurf in erster Linie politisch zu sehen. Neben den Anschuldigungen auf unkorrekte Verhaltensweisen gibt es keine spezifischen Hinweise auf wirtschaftlich unkorrekte Verhaltensweisen der Chinesen. Zutreffend ist, dass die namibische Regierung eine sehr enge Partnerschaft mit den Chinesen unterhält, die sich bis auf die Zeit zurückführen lässt, als die jetzige Regierungspartei noch eine antikoloniale Befreiungsbewegung war. Zutreffend ist 414 Yan et al. 2013, S. 138–139. 415 Schönherr 2015. 416 Yan et al. 2013, S. 151. 253 ebenfalls, dass es Vorteile für Angehörige der namibischen Regierungselite hat, so eng mit den Chinesen verbunden zu sein. Dies belegt die Gewährung von chinesischen Stipendien für Angehörige der namibischen Politiker. Die These, dass die Chinesen rechtliche „Narrenfreiheit“ in Namibia hätten, lässt sich nicht bestätigen. Deutlich zeigt sich allerdings, dass die Chinesen politische Patronage genießen und beispielsweise im freien Unternehmertum namibische Konkurrenten in der wirtschaftlichen Existenz gefährden. Die namibische Regierung unternimmt aus Rücksicht auf die namibisch-chinesische Freundschaft nichts gegen diese anhaltenden Probleme. Anhand eines konkreten Beispiels, dem Verzehr von Hundefleisch, wird ebenfalls eine antichinesische Stimmung erzeugt. Der Vorwurf des Verzehrs von Hundefleisch gründet sich auf den Bericht von sambischen Arbeitern der chinesischen „Hua Ling Construction Company“. Sie seien durch chinesische Vorgesetzte zum Essen von Hundefleisch gezwungen worden.417 Hier drängt sich der Vergleich zwischen „Herrenmenschen“ und „Sklaven“ auf: Die „Herren“ bestimmen sogar über das Essen der Untergebenen. Hundeverzehr ist in Sambia weder kulturell noch politisch erwünscht. Es dürfte nicht sein, dass Chinesen eigene Gesetze zum Hundeverzehr einrichten. Der Protest hat eine kulturelle Komponente. Anhand dieses Beispiels zeichnet sich ein häufig zu beobachtendes Muster ab: Es dominiert die Angst vor fremder Kultur bis hin zu Aufgabe und Verlust der eigenen Identität. Auch der Vorwurf der Sklavenhaltermentalität ist ein Zeichen für Rassismus. 9.6 Spekulationen und Verschwörungstheorien Unbelegbare Thesen einer geheimen Verschwörung und eines Zusammenwirkens böser Mächte haben in vielen politischen Diskussionen Eingang gefunden. Viele der in dieser Arbeit analysierten Artikel beschäftigen sich mit sehr spekulativen Theorien über die konspirative Zusammenarbeit zwischen der jeweiligen afrikanischen und der chinesischen Regierung. Verschwörungstheorien haben eine lange Tradition in der Politik. Rechte Gruppen pflegten bereits in der Weimarer Republik und später im Nationalsozialismus die Theorie vom „internationalen Finanzjudentum“, das die USamerikanische Politik dominieren würde. Diese Verschwörungstheorien bestehen bis heute fort. In linken Gruppen gelten Israel und die USA als die vermeintlichen Drahtzieher für globale Probleme wie Krieg und Unterdrückung. Sie hätten z. B. die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 zu verantworten. Auch die Freimaurer wurden jahrhundertelang als heimliche Herrscher der Welt gesehen. Am Beispiel der muslimischen Einwanderung nach 417 o.V. 2014 c. 254 Europa wird argumentiert, dass Muslime eine abgesprochene Aktion umsetzen würden, um die Vorherrschaft über Europa zu gewinnen und Europa zu islamisieren. Anlass für solche Behauptungen sind reale Gefahren wie der territoriale Herrschaftsanspruch des Islamischen Staates. Aus der durch Verschwörungstheorien geschürten Angst resultieren Brandanschläge auf Asylbewerberheime und hetzerische Kampagnen in sozialen Netzwerken. Gerade Verschwörungstheorien bilden den Nährboden für Rassismus. Der antichinesische Protest stützt sich neben anderen Faktoren in Sambia und Namibia ebenfalls auf Spekulationen und Verschwörungstheorien. Die Menschen haben Angst, eine Minderheit im eigenen Land zu werden, und reagieren in Blogbeiträgen auf diese diffuse Vorstellung mit extremen Schreckensszenarien für die Zukunft des Landes. Damit erhalten die Aufrufe zu Hass und Gewalt gegen Chinesen eine Legitimation. Die kommunistische Ideologie Chinas wird als Bedrohung für die sambische und namibische Souveränität und Demokratie gesehen. Die Chinesen machen ungeachtet der jeweiligen Staatsform mit fast allen afrikanischen Staaten Geschäfte. Sicher haben sie eine enge Bindung mit der namibischen und sambischen Regierung und protegieren eine Intensivierung der Zusammenarbeit. Auf der anderen Seite haben die Chinesen von Anfang an als grundlegendes Merkmal der chinesischafrikanischen Beziehungen gegenseitige Nichteinmischung und Akzeptanz der nationalen Souveränität propagiert. China hat noch keiner afrikanischen Regierung ihre Staatsform aufgezwungen. Diese Haltung ist sicher anders als in den 1960er Jahren, als Mao Zedong für den Export der kommunistischen Ideologie warb. Die Verschwörungstheorien hinsichtlich der engen Bindung zwischen der sambischen und der chinesischen Regierung wird durch eine eindeutige Beobachtung bestätigt. Tatsächlich hat es nach Satas Wahlsieg keine wirkliche Verbesserung der sozialen Situation der Sambier in chinesischen Unternehmen gegeben. Satas Wahl zum Präsidenten stützte sich vor allem auf den hohen Zuspruch arbeitsloser junger Menschen in Lusaka und im Copperbelt. Sie erhofften sich eine spürbare Verbesserung ihrer Lebenssituation. Relativ schnell mussten sie jedoch zur Kenntnis nehmen, dass die sozialpolitischen Veränderungen ausgeblieben sind. Deswegen ist die Frustration und Enttäuschung der Bevölkerung ein Nährboden für die abstrusesten Verschwörungstheorien. In der Folge galt Sata als ein Komplize der Chinesen, weil die versprochene Hilfe für die eigene Bevölkerung ausblieb. Aus diesem Grund richtete sich der Protest gegen die ehemalige MMD-Regierung und gegen Sata. Kulturell historische Strategien, beispielsweise ein besonders taktisches Verhalten analog einer Kriegslist wie die des chinesischen Philosophen Sun Tzu werden herangezogen, um ein düsteres Bild der sambisch-chinesischen Zukunft zu entwerfen, in der Sambia durch China seiner Souveränität beraubt, kolonisiert und kontrolliert würde. 255 Sun Tzu befürworte in seinen Werken, Kriege durch List statt nur durch den Einsatz militärischer Mittel zu entscheiden. In Namibia sind diese Ängste ebenfalls weit verbreitet. Das politische Ziel Chinas wäre es, Namibia für immer in Armut zu halten. Erreicht würde diese Absicht durch die totale Kontrolle über den Bankensektor und die namibischen Unternehmen. Hier wird den Chinesen eine bedrohliche Gesamtstrategie unterstellt und eine ungewisse Zukunft für Namibia entworfen. Auch das als existenzbedrohlich empfundene Konkurrenzverhalten chinesischer Einzelhändler, die ihre sambischen Konkurrenten durch kostengünstig in China produzierten Waren unterbieten, ist in Namibia ähnlich brisant. Die namibische Regierung hätte umfassende Möglichkeiten, die eigene Bevölkerung bei diesen Problemen zu unterstützen und die unerwünschten Begleiterscheinungen zumindest zu lindern. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die namibischen Politiker die chinesischen Investoren nicht enttäuschen und eigene Privilegien nicht gefährden wollen. Der sambische Minister Kambwili fordert die Chinesen öffentlich dazu auf, die sambischen Arbeitsschutzgesetze einzuhalten. Dass ein Minister sich eingeschaltet hat, zeigt, wie brisant das Thema „Arbeitsschutz“ in Sambia ist. Mit solchen symbolischen Gesten bemüht sich die sambische Regierung, die Proteste nicht eskalieren zu lassen. Eigentlich muss es selbstverständlich für einen Arbeitgeber sein, die eigenen Angestellten zu schützen. In Namibia ist die Situation sehr ähnlich. Nach Misshandlung einer chinesischen Angestellten schaltete sich sogar der namibische Präsident ein und der chinesische Botschafter sah sich gezwungen, den Vorfall öffentlich zu kritisieren. Diese Beschwichtigungen haben zum Ziel, die eigene Macht nicht zu gefährden und die antichinesischen Proteste möglichst unter Kontrolle zu halten. 9.7 Ergebnis der Verdichtung: Vom antichinesischen Protest zu Rassismus Es stellt sich die Frage, wie sich diese Erkenntnisse über den antichinesischen Protest als Form von Rassismus einordnen lassen. In der Verdichtung hat sich gezeigt, dass es verschiedene Diskursmuster gibt, die die chinesischen Aktivitäten in Namibia und Sambia als Problem mit weitreichenden Folgen für die einheimische Bevölkerung erscheinen lassen. Dazu zählen Ereignisse wie der Vorfall in der Collum Mine und die Kooperation zwischen der jeweiligen afrikanischen und chinesischen Regierung zum Vorteile der Regierungsangehörigen, wie zum Beispiel chinesische Stipendien für Angehörige von hochrangigen namibischen Regierungsmitgliedern. Hinzu kommen spekulative und hasserfüllte Behauptungen, die von Verschwörungstheorien über Vorwür- 256 fe des Neokolonialismus bis zu offen rassistischen Zuschreibungen reichen. Rassistische und menschenverachtende Bezeichnungen werden verwendet: Chinesen seien „Affen“, „Hunde“ oder „Vampire“. Chinesische Frauen würden in Sambia rücksichtslos auftreten. Es fällt auf, dass neben den Gewaltaufrufen der Sambier auch konstruktive Leserbriefe und Artikel erschienen sind, die eine politische Lösung der Probleme vorschlagen, ohne die chinesischen Einwanderer als innere Feinde zu verdammen.418 Im Folgenden wird der Weg der Protestformen, die ihren Ausdruck in den in der Verdichtung dargestellten Diskursmustern finden, zu offenem Rassimus dargestellt. Die Auswertung der drei Datenkörbe hat ergeben, dass die unterschiedlichen Protestformen durch die mediale Darstellung befördert werden und in einen offenen Rassismus gegen die in den beiden Ländern lebenden Chinesen münden. Die Literatur verweist auch auf die problematische Rolle der westlichen Medien bei der Entstehung antichinesischer Ressentiments.419 Wie die vorliegende Arbeit zeigt, gilt diese Aussage auch für die sambischen und namibischen Medien. Étienne Balibars These lautet, dass es verschiedene Formen von Rassismus gibt, die durch die historischen Umstände und die Möglichkeiten eines Menschen geprägt werden.420 Die historischen Umstände der besonderen Freundschaft zwischen beiden afrikanischen Staaten und China erlauben den Chinesen, sich im wirtschaftlichen Bereich in beiden Staaten zu betätigen. Diese Situation ist der engen wirtschaftlichen Verbindung zwischen den Staaten und den gegenseitigen Interessen an einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit geschuldet. Balibar konstatiert einen Neorassismus als „Rassismus ohne Rassen“, der auf die Unaufhebbarkeit der kulturellen Differenzen abstellt. Die enge Verbindung zwischen den jeweiligen Regierungen stößt bei der afrikanischen Bevölkerung auf Protest, die die chinesische Kultur für unvereinbar mit der sambischen und namibischen Kultur erklären. Durch die Betonung der Andersartigkeit bestätigt sich Balibars These.421 Patrick Girard stimmte Balibar (1976) dahingehend zu, dass es Rassismen in unterschiedlichen Epochen gegeben habe. Stuart Halls Argumentation weist ebenfalls in diese Richtung, dass es historische Rassismen gebe, die sich historisch und gesellschaftlich unterscheiden. George M. Fredrickson sah eine allgemeine Geschichte des Rassismus als Grundlage für unterschiedliche Formen von Rassismen. Nach Albert Memmi ist es unerheblich, ob die vom Rassisten erkannten Unter- 418 Melber 2009, S. 71. 419 Rebol 2010, S. 3524. 420 o.V. 2016 d. 421 Pühretmayer et al. 2011. 257 schiede tatsächlich oder fiktiv sind. Eine der bekanntesten Definitionen über Rassismus stammt von Memmi. Robert Miles definiert Rassismus als Ergebnis von konstruierten Bedeutungen, die einem Menschen genetisch oder phänotypisch bedingt zugeschrieben werden. Rassismus liegt vor, wenn die Bedeutungen in Form von Kategorien negativ gewertet werden.422 In der vorliegenden Arbeit wird Miles These bestätigt, weil unerwünschte Eigenschaften und Verhaltensweisen ganz allgemein den Chinesen als Ethnie zugewiesen werden: Chinesen würden Afrikaner als minderwertig ansehen und nur Afrikaner schlecht behandeln, jedoch keine anderen Ethnien. In den gängigen rassistischen Theorien tauchen einige Merkmale wiederholt auf. Zum einen ist Rassismus immer eine konstruierte Unterscheidung zwischen zwei Menschengruppen. Diese Unterscheidung ist zum Vorteil der einen und zum Nachteil der anderen Gruppe. Es geht dabei immer um Macht. Die Macht wird durch die rassistische Abwertung der unterlegenen Gruppe gewonnen und stabilisiert. Die vermeintlichen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen können durch zwei ausgeprägte Kriterien hergeleitet werden. Entweder ist es die klassische Form von Rassismus, der sich in biologischen Unterschieden äußert. Dabei wird auf die Hautfarbe, die vermutete Intelligenz bzw. Dummheit, die ethnische Herkunft oder auch auf die Nationalität Bezug genommen. Der Rassist wertet die andere Gruppe im Vergleich zu sich selbst ab: Der andere habe eine dunklere Hautfarbe, sei insgesamt weniger intelligent oder gehöre einer minderwertigeren Ethnie an. Wissenschaftlichen Standards halten die behaupteten biologischen Unterschiede jedoch nicht stand. Diese Erkenntnis spielt für die Überzeugungen von Rassisten jedoch keine Rolle. Das andere Kriterium ist ein vermeintlicher kultureller Unterschied zwischen zwei Menschengruppen. Der Rassist weist der anderen Gruppe „andersartige“ kulturelle Prägungen zu und behauptet, dass sich aus der kulturellen Prägung negative Verhaltensweisen ableiten ließen. So seien die Chinesen beispielsweise auf eine unangenehme Weise „schlau“ oder „listig“. Beide Kriterien finden sich in den untersuchten Quellen. Wenn die Chinesen nicht auf biologische Weise als „Vampire“ oder „Affen“ abgewertet wurden, gab es einen Rückgriff auf kulturelle Unterschiede. So wurde den Chinesen die konfuzianische Prägung oder ihre von den Einheimischen abgeschottete Lebensweise in Namibia und Sambia als eine unüberwindbare kulturelle Barriere gedeutet. Ein wichtiger Bestandteil der Rassismustheorien ist die Verwurzelung von Rassismus in einer kolonialen Vergangenheit. Während der Kolonialzeit entwickelte sich der moderne Rassismus erst, weil sich dort sowohl die Macht 422 o.V. 2016 e. 258 der Kolonialherren über die Kolonisierten als auch die biologische Abwertung der Kolonisierten vereinte. Der Vorwurf eines neokolonialistischen Verhaltens der Chinesen gegenüber der namibischen und sambischen Bevölkerung zieht sich wie ein roter Faden durch die untersuchten Quellen. Es ist naheliegend, dass beide Bevölkerungen als ehemalige Opfer von Kolonialmächten eine besondere Empfindlichkeit gegenüber neuer Dominanz hegen. Der Vorwurf des Kolonialismus korrespondiert mit der Furcht vor der Sklavenhaltermentalität der Chinesen. Leiprecht ist es zu verdanken, die kolonialen Ressentiments theoretisch zu begründen: Die in der Kolonialzeit gemachten rassistischen Erfahrungen übertragen die damals Dominierten dann auf den vermeintlichen neuen Kolonisator und bedienen sich eines „umgedrehten“ Rassismus: des Rassismus der Dominierten. Da in den Quellen immer wieder der Vorwurf des Kolonialismus und der Sklavenhaltermentalität vorkommt, ist der Rassismus der Dominierten ein elementarer Bestandteil der rassistischen Ressentiments in Namibia und Sambia. Eine weitere Unterscheidung zwischen Menschengruppen könnte durch die „Klassentheorie“ von Antonie Gramsci erklärt werden. Er stellt die These auf, dass gesellschaftliche Unterschiede durch Klassenbeziehungen entstehen, die wiederum durch regionale, kulturelle und nationale Unterschiede gebildet werden.423 Auch Memmi hat sozioökonomische Unterschiede zwischen Gruppen zum Nachteil einer der beiden Gruppen als ökonomische Waffe bezeichnet. Durch die ökonomischen Unterschiede zeigt sich Rassismus dadurch, dass die wirtschaftlich höhergestellte Gruppe die andere dominiert. Natürlich spielt in Sambia die ökonomische Macht der Chinesen eine erhebliche Rolle für die rassistischen Ressentiments. Doch ob es Klassen- oder Rassenunterschiede sind, spielt im Ergebnis keine Rolle: In beiden Fällen wird die wertende Unterscheidung zum Nachteil einer der beiden Gruppen getroffen. Nur die Argumente unterscheiden sich. Das zentrale Ergebnis dieser Arbeit lautet: Wenn mehrere Diskursmuster zusammentreffen und den Diskurs über eine bestimmte Ethnie bestimmen, hat sich Rassismus in einer Gesellschaft etabliert. In Namibia und Sambia wird der Diskurs über die dort lebenden Chinesen von Rassismus bestimmt. Die sechs identifizierten Diskursmuster sind in unterschiedlicher Intensität für den antichinesischen Protest kennzeichnend. Ein weiteres Ergebnis der Arbeit liegt somit vor: Die rassistischen Ressentiments sind die Summe aus mehreren Diskursen gleichzeitig. Ein Diskursmuster für sich genommen bewirkt dagegen noch nicht, dass sich Rassismus etablieren kann. Die Befürchtungen der afrikanischen Bevölkerung, dass es zu einer neuen chinesischen Kolonialherr- 423 Hall 1997a, S. 416. 259 schaft kommen könnte, reichen für das Vorhandensein von Rassismus nicht aus. Es müssen erst weitere Diskurse dazukommen. Ein Beispiel ist auch die manipulierte Uminterpretation von bestimmten Informationen wie dem Unglück in der Chambishi Mine, wo eine absichtliche Herbeiführung des Unglücks vermutet wurde. Zudem gibt es abenteuerliche Spekulationen, die zu Verschwörungstheorien stilisiert werden, wie die Behauptung einer vermeintlichen rechtlichen Bevorzugung der Chinesen in Namibia und Sambia. Auch die Behauptung, eine neue neokoloniale Versklavung der Afrikaner durch China fände statt, passt in dieses Schema. 261 10 Zusammenfassung und Ausblick Die vorliegende Arbeit beantwortet die Frage nach dem Vorhandensein von rassistischen Ressentiments gegenüber Chinesen in Afrika. Deshalb wurden in den beiden afrikanischen Staaaten Namibia und Sambia die jeweiligen antichinesischen Proteste auf das Vorhandensein rassistischer Ressentiments hin untersucht. Dabei stehen drei Fragen im Vordergrund: Wie genau sehen die antichinesischen Ressentiments aus, wer äußert sie und in welchem Kontext treten sie auf? Das Ziel der Untersuchung ist es, die Protestformen zu kategorisieren und auf dieser Grundlage systematisch zu analysieren. Als Methode wurde die Inhaltsanalyse verwendet. Mit den „Postcolonial Studies“ von Edward Said und Homi K. Bhabha wurde die Diskursanalyse als Methode verwendet. Aus der Diskursanalyse geht die qualitative Inhaltsanalyse hervor. Bei ihr geht es darum, Kategorien zu entwickeln, die die Hauptunterscheidungs- und Einordnungsmerkmale für das Analysematerial bilden. Das Material wurde nach formalen und inhaltlichen Gesichtspunkten mit dem Computerprogramm MAXQDA ausgewertet. Die entstandenen Diskurse weisen erhebliche Merkmale von Rassismus auf. Aufgrund der historischen Erfahrungen, die das Selbstverständnis der namibischen und sambischen Bevölkerung der Kolonialzeit bis in die Gegenwart prägen, wird die chinesische Präsenz als Hinweis auf eine neue Kolonialmacht gedeutet. Das koloniale Verhalten Chinas beeinflusst sowohl den antichinesischen Protest als auch den Rassismus und die daraus entstehenden Diskurse. Zunächst war es notwendig, den Begriff „Rassismus“ aus wissenschaftlicher Perspektive zu erläutern und die Bandbreite rassistischer Merkmale in Diskursen aufzuzeigen. Es gibt mehrere theorieübergreifende Merkmale, die die Basis der Untersuchung bilden. Der Rassist unterscheidet regelmäßig zwischen zwei Menschengruppen zum Vorteil der einen und Nachteil der anderen Gruppe, indem er entweder auf biologische oder kulturelle Merkmale abstellt. Wie ein roter Faden zieht sich die koloniale Vergangenheit vieler westlicher Staaten 262 durch die Rassismusforschung. Rassismustheorien haben ihren Anfang häufig in der Kolonialzeit. Dabei kann Rassismus nach Leiprecht auch umgedreht zuungunsten der ehemaligen Kolonialvölker von den damals dominierten und unterdrückten Völkern ausgehen. Auch wirtschaftliche Klassenzugehörigkeit wird als Zuschreibungsmerkmal für rassistische Unterscheidungen herangezogen. Fehlt in den Aussagen der Hinweis, dass Rassismus verneint wurde, können die antichinesischen Ressentiments als reiner Protest eingeordnet werden. Der Protest kann aggressiv, verzweifelt oder sachlich sein – ohne rassistische Merkmale bleibt er auf einer Ebene unterhalb von Rassismus. Für die Identifizierung des antichinesischen Protests wurden drei Datenkörbe aus öffentlich zugänglichen Quellen analysiert. Für den ersten Datenkorb wurden angesichts einer geringen Anzahl von Presseerzeugnissen öffentlicher Zeitungen in beiden Staaten die Internetauftritte von zwei ausgewählten Zeitungen ausgewertet. Dazu gehören auch Blogeinträge von Lesern. Im Falle Sambias geht es um die Internetauftritte der beiden Zeitungen „Lusaka Times“ und „Zambian Economist“. In Namibia wurden die Onlinearchive der beiden Zeitungen „Allgemeine Zeitung“ und „The Namibian“ untersucht. Der zweite Datenkorb besteht aus Aussagen relevanter politischer Kommunikatoren des antichinesischen Protests. Es handelte sich jeweils um zwei hinsichtlich der chinesischen Aktivitäten besonders intensiv engagierte namibische und sambische Politiker. In Sambia wurde der Oppositionspolitiker und spätere Präsident Michael Chilufya Sata und der gegenwärtig amtierende Informationsminister Chishimba Kambwili ausgewählt. In Namibia bezog sich die Auswertung auf Aussagen der beiden Oppositionspolitiker Epafras Mukwiilongo und Benjamin Ulenga. Der dritte Datenkorb zeigt die antichinesischen Meinungen aus befragten repräsentativen Teilen der Bevölkerung. Ausgewertet wurden drei Untersuchungen, die zum Thema sowohl Einzelinterviews als auch vorformulierte Fragen zur chinesischen Wahrnehmung in Namibia und Sambia enthalten. Der Zeitraum der Untersuchung der drei Datenkörbe beläuft sich vom 1.1.2010 bis 31.12.2014. In diese Phase fällt die Amtszeit des größten Chinakritikers in Sambia, Michael Chilufya Sata, die von 2011 bis zu seinem Tod 2014 dauerte. In Namibia trat in dem ausgewählten Zeitraum Epafras Mukwiilongo als Oppositionspolitiker auf, der ähnlich wie Sata in Sambia einen Wahlkampf gegen die chinesischen Aktivitäten im Land führte. Der erste Datenkorb besteht aus vier Kategorien. Die Kategorien bilden jeweils den politischen, sozioökonomischen, historischen und rassistischen Protest ab. Für die politische Kategorie ist ausschlaggebend, ob der Artikel 263 einen politischen Bezug zu den chinesischen Aktivitäten herstellt. Dieses Vorgehen stützt sich auf den Vorwurf politischer Kontrolle durch China oder durch Kritik an der sambischen bzw. namibischen Regierung. Die sozioökonomische Kategorie bildet die Bandbreite der wirtschaftlichen Probleme mit den Chinesen ab: Dazu gehören unzureichende Arbeitsbedingungen in den chinesischen Unternehmen und die Konkurrenz von chinesischen Mitbewerbern im Bau- und Einzelhandelsgewerbe. Der historische Protest beleuchtet die Vorwürfe des Neokolonialismus gegenüber der chinesischen Regierung. Die Kategorie rassistischer Protest beschreibt die rassistischen Äußerungen über Chinesen als Ethnie, der insgesamt unerwünschte Eigenschaften zugeschrieben werden. In der Empirie zeigt sich, dass der Rassismus am stärksten in den Zeitungsartikeln und Blogeinträgen auftaucht. Offenbar gibt es Unterschiede zwischen Politikern und Befragten aus der Bevölkerung. Politiker achten mehr auf ihre Worte und ihre Fragen sind vorgegeben, was rassistische Äußerungen eher unterbindet. In dieser Arbeit sind sechs Diskursmuster herausgearbeitet worden. Die Diskursmuster bilden dabei sowohl rassistische Ressentiments als auch politische Verstimmungen dazu ab. Zu den Diskursmustern gehören Kolonialismusvorwürfe, rhetorische Fragen, Zahlenspiele, Rückschlüsse von Einzelfällen auf die Allgemeinheit, Überfremdungsängste und Verschwörungstheorien. Die Arbeit zeigt die Entstehung einer breiten und politisch manipulierten Protestbewegung gegen chinesische Investitionen in Namibia und Sambia. Diese Protestbewegung wird in erster Linie über die neuen Medien verbreitet, die die Möglichkeit für Leser bieten, in Blogbeiträgen und Kommentaren die wirtschaftlichen Aktivitäten der Chinesen anzuprangern. Hinzu kommen Oppositionspolitiker, die sich die antichinesischen Ressentiments zunutze machen, um Wahlen zu gewinnen. Wie der politische Aufstieg von Michael Sata zeigt, wird der Protest von Oppositionspolitikern instrumentalisiert. Die Protestformen zeigen sich auf mehreren Ebenen: Einerseits kommt es in beiden Staaten wiederholt zu Klagen über Misshandlungen von sambischen und namibischen Angestellten chinesischer Unternehmen, in Sambia speziell im Bergbau. Die chinesischen Arbeitgeber zahlen zu geringe Löhne, halten sich nicht an Arbeitsschutzgesetze und sind dem Vorwurf ausgesetzt, gegen afrikanische Arbeiter und Angestellte mit Gewalt vorzugehen. Es kam aus diesem Grund in beiden Staaten bereits zu Unruhen und Streiks, die zu Verletzten und sogar Todesopfern führten. Des Weiteren wird im Einzelhandel der beiden Staaten die Überflutung mit preiswerten chinesischen Waren beklagt, mit denen die sambische und namibische Konkurrenz unterboten und in der Folge die wirtschaftliche Existenz dieser Kleingewerbetreibenden 264 und Händler gefährdet wird. In Namibia ist die Situation im Baugewerbe besonders kritisch. Fast drei Viertel aller staatlichen Bauaufträge werden an chinesische Unternehmen vergeben. Die namibische Bauindustrie leidet unter dieser offensichtlichen Ungleichbehandlung. Möglicherweise verfügt die namibische Bauindustrie nicht über das notwendige technische Know-how, um komplexe Bauprojekte zu realisieren. In arabischen Staaten ist es beispielsweise so, dass dort europäische Baukonzerne die Märkte beherrschen. Dies deutet darauf hin, dass die einheimischen Bauunternehmen nicht konkurrenzfähig sind. Es ist zumindest möglich, dass es sich in Namibia ähnlich verhält. Eine ganz erhebliche Rolle spielt das Verhalten der jeweiligen Regierungen. Weder die namibische noch die sambische Regierung gehen gegen unerwünschte chinesische Aktivitäten in ihren Ländern vor. Insofern tragen die Regierungen eine wesentliche Verantwortung für den wachsenden Unmut in der Bevölkerung, weil sie es versäumen, entsprechende Schutzmechanismen zu institutionalisieren. Die Frage nach Kontinuitäten und Brüchen in den chinesisch-sambischen bzw. chinesisch-namibischen Beziehungen kann folgendermaßen beantwortet werden: In den Beziehungen der Regierungen beider Staaten mit der chinesischen Regierung gibt es keine Brüche. In Sambia hat Sata nur als Oppositionsführer die chinesischen Aktivitäten im Land kritisiert. Als Staatspräsident hat er die Politik seiner Vorgänger unverändert weitergeführt. Es besteht eine enge Kooperation zwischen den afrikanischen und den chinesischen Eliten. Die Kooperation öffnet die Türen für chinesische Investoren. Die chinesischen Unternehmer profitieren durch den Rohstoffabbau und den Absatzmarkt ihrer Produkte. Die afrikanischen Politiker verdienen an den chinesischen Abgaben und Finanzhilfen. Auch die vielen staatlichen Bauaufträge an chinesische Unternehmen in Namibia sind für die Politiker von Vorteil, vermutlich werden sie sehr kostengünstig ausgeführt. China hatte unter Mao Zedong beide Staaten in ihrem Befreiungskampf von den Kolonialherren unterstützt und sie anschließend wirtschaftlich massiv gefördert. In Namibia regiert immer noch die Partei, die das Land 1990 in die Unabhängigkeit geführt hat. In Sambia stellte die Unabhängigkeitsbewegung bis 2011 den Staatspräsidenten. Neben den ablehnenden Kommentaren in den Zeitungsartikeln gegenüber den Chinesen gab es auch eine Reihe von positiven Beiträgen zu den chinesisch-afrikanischen Beziehungen. Es könnte sein, dass hinter den versöhnlicheren Kommentaren zu China die sambischen und namibischen Eliten stehen, die ihre vorteilhaften Geschäftsbeziehungen mit China durch die Proteste gefährdet sehen. Viele Sambier waren von Sata enttäuscht, weil er seine popu- 265 listischen Versprechungen, gegen die Anwesenheit der Chinesen vorzugehen, nicht einlöste, sondern sich ganz im Gegenteil wie die Vorgängerregierungen mit den Chinesen arrangierte. Im Fall Sambias haben die sambischen Eliten die Verantwortung für die Bergwerke im Wesentlichen den Chinesen überlassen. Dadurch treten sie zum einen nicht mehr als Verantwortliche für die historisch gesehen immer protestbereiten Bergarbeiter in Erscheinung. Zum anderen profitieren die sambischen Eliten als Empfänger der chinesischen Finanzhilfen nach wie vor von der Kupfererzförderung. Die Schwierigkeiten, die durch die Benachteiligung der Arbeiter – in Form von Lohnkürzungen, ungenügendem Arbeitsschutz und Misshandlungen – hervorgerufen wurden, haben jetzt die chinesischen Bergbauunternehmen zu verantworten. Die Chinesen machen sozusagen die „Drecksarbeit“ für die einheimischen Eliten, die nun nicht mehr direkt im Fadenkreuz der sambischen Proteste stehen. Die Regierungsübernahme des ehemals sehr chinakritischen Politikers Sata, der zu Oppositionszeiten die Ängste und Befürchtungen der Bevölkerung aufgriff, änderte nicht die stillschweigende Kooperation zwischen den sambischen politischen Eliten und den chinesischen Bergbauunternehmen. Dieses Ergebnis lässt den Schluss zu, dass vor allem die Eliten beider Staaten von den chinesischen Investitionen profitieren. Die These der Arbeit lautet, dass sich Rassismus erst in einer Gesellschaft etabliert, wenn mehrere Diskursmuster zusammentreffen. Die einzelnen Diskurse werden durch Diskursformen sichtbar. Zum einen gibt es Ereignisse wie die Vorfälle in der Collum Mine bzw. der Chambishi Mine. Die Unglücksfälle bilden den Anlass für die These, dass die Chinesen die Unfälle absichtlich herbeigeführt hätten. Begründet wird diese spekulative Behauptung damit, dass kein Chinese unter den Opfern war. Spekulativ sind auch die Verschwörungstheorien, die eine politische Übernahme oder eine Neukolonisierung von Namibia und Sambia durch die chinesische Regierung prophezeien. Gerade die Bezugnahme auf die ehemalige Kolonialzeit hat diesen intensiven Diskurs beflügelt. Ein weiterer Diskurs zeigt sich in den Äußerungen der beteiligten Politiker – aus der Oppositionsrolle heraus ist die politische Kritik wesentlich härter als von Regierungsseite. Ein anderer Diskurs ist die Kritik seitens der Bevölkerung, dass die jeweilige Regierung überhaupt nicht das Wohl der eigenen Bürger im Auge habe, sondern eng mit den Chinesen paktiere. Tatsächliche Ereignisse wie die Vergabe von chinesischen Stipendien an Angehörige namibischer Politiker und Verschwörungstheorien wie die chinesische Kontrolle der namibischen und sambischen Regierung werden in einen Kontext gestellt und bewirken auf diese Weise rassistische Vorurteile. Eine große Rolle spielt auch die Enttäuschung der Wähler über Sata, die sich um ihre Hoffnungen hinsichtlich eines Eingreifens gegenüber den chinesischen 266 Bergbauunternehmen betrogen fühlen. Alle diese Diskurse bedingen einander und verstärken sich. Die vorliegende Arbeit hat die Ursachen antichinesischen Protests aufgezeigt. Es sind zusammengenommen die vier Hauptformen rechtliche Ungleichbehandlung, ethnische Abwertung, koloniale Vergangenheit und sozioökonomische Angst und Kritik. Das Zusammenkommen mehrerer Diskursmuster und die Bestimmung des Diskurses über eine einzelne Ethnie führen zu Rassismus in der sambischen und namibischen Gesellschaft. Dabei hat sich gezeigt, dass die Chinesen entsprechend agieren, weil sie sich als Arbeitgeber gegenüber den Sambiern und Namibiern überlegen fühlen. Sie behandeln sie wie Menschen zweiter Klasse, was impliziert, dass sie sich selbst als höherwertig wahrnehmen. Da die Sambier und Namibier in ihren Augen minderwertig sind, zeigen sie ihre scheinbare Überlegenheit dadurch, dass sie geringere Löhne zahlen, ihrer Aufsichts- und Fürsorgepflicht nicht nachkommen und teilweise gewalttätig werden. Im Mittelpunkt stehen handfeste wirtschaftliche Interessen, um Gewinne zu maximieren, indem der einheimischen Bevölkerung gerechte Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen verwehrt bleiben. Auf der anderen Seite sehen sich die Namibier und Sambier als die wertvolleren, über den Chinesen stehenden Menschen an. Sie lassen sich zwar im Arbeitsleben von den Chinesen unterdrücken und nehmen diskriminierende Behandlungen stillschweigend hin, wehren sich aber durch die wirtschaftliche Übermacht der Chinesen zum Beispiel durch herabwürdigende Vergleiche mit in ihren Augen minderwertige Tiere: Die Chinesen seien „Hunde“, „Affen“, „Moskitos“, „Vampire“ u.a. Sie werfen ihnen brutales und menschenverachtendes Handeln vor. Natürlich müssen wir davon ausgehen, dass, wenn von den Chinesen die Rede ist, nicht immer die ganze Ethnie gemeint ist, genauso verhält es sich bei den Sambiern und Namibiern. Aber auch wenn nur ein geringer Teil der Ethnie durch eine andere herabgewürdigt wird, ist diese Entwertung eine Form von Rassismus. Das Beispiel von China in Namibia und Sambia zeigt, dass überall, wo Fremde hinkommen und frühere Ressentiments mobilisiert werden, Rassismus entstehen kann. Abgesehen vom afrikanischen Kontinent zeigt sich im Jahr 2017 eine Renaissance des Rassismus in der westlichen Welt, inbesondere bei neugewählten Politikern. Könnten die Fälle von Namibia und Sambia ein warnendes Beispiel sein? Jedenfalls wird Rassismus nie ganz verschwinden, ganz unabhängig von der Frage, um welche Gesellschaft es sich handelt. Es wird immer großer Anstrengungen bedürfen, den sich ausbreitenden Rassismus einzudämmen. Nur mit dem gemeinsamen Willen, Toleranz und Verständnis für den jeweils anderen zu zeigen, wird dies gelingen. 267 Literaturverzeichnis Ahmed, Gaafar Karrar (2010): The Chinese Stance on the Darfur Conflict. Johannesburg. Alden, Chris (2007): China in Africa. London. Alden, Chris; Davies, Martyn (2006): A Profile of the Operations of Chinese Multinationals in Africa, South African Journal of International Affairs Volume 13, Issue 1, pp. 83–96. Online unter http://www.ccs.org.za/downloads/Alden%20and%20Davies%20- %20SAIIA%20-%20Vol.%2013.1.pdf. Zugriff am 21.03.2016. Alves, Philip; Draper, Peter (2007): Introduction. China`s growing role in Africa. In: Garth Pere le (eds.): China in Africa. Mercantilist predator, or partner in development? Johannesburg, pp. 19–30. Amadhila, Nelago (2012): Grassroots Perceptions of China in Namibia: Effects on Domestic Politics and Foreign Policy. In: AFRICAN EAST- ASIAN AFFAIRS The China Monitor, Issue 2 November 2012, pp. 17– 45. Ampiah, Kweku; Naidu, Sanusha (eds.) (2008): Crouching Tiger, Hidden Dragon: China and Africa. Cape Town. Ampiah, Kweku; Naisu, Sanusha (2008a): Introduction. Africa and China in the Post-World Era. In: Ampiah, Kweku; Naidu, Sanusha (eds.): Crouching Tiger, Hidden Dragon: China and Africa. Cape Town, pp. 3–19. Ampiah, Kweku; Naidu, Sanusha (2008b): The Sino-African Relationship – Towards an Evolving Partnership? In: Ampiah, Kweku; Naidu, Sanusha (eds.): Crouching Tiger, Hidden Dragon: China and Africa. Cape Town, pp. 329–339. Anshan, Li (2008): China`s New Policy toward Africa. In: Rotberg, Robert I. (ed.): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge, pp. 21– 49. 268 Balibar, Etienne (2014a): Gibt es einen „Neo-Rassismus“?, in: Balibar, Etienne. Rasse Klasse Nation. Hamburg, S. 23–38. Balibar, Etienne (2014b): Rassismus und Nationalismus, in: Balibar, Etienne; Wallerstein, Immanuel: Rasse Klasse Nation. Ambivalente Identitäten. 3. Aufl. Hamburg, S. 49–84. Bhabba, Homi K. (1995): In a Spirit of Calm Violence. In: Gyan Prakash (ed.): After Colonialism. Imperial Histories and postcolonial displacements. Princeton, pp. 326-343. Bhabba, Homi K. (2004): The Location of Culture. London. Bösl, Anton; Du Pisani, André; Zaire, Dennis (eds.) (2014): Namibia’s Foreign Relations. Historic contexts, current dimensions, and perspectives for the 21st Century. KAS. Botha, P. J. (2004): China Inc: An Assessment of the Implications for Africa. New Diplomatic Initiatives. In: Mills, Greg; Skidmore, Natasha (eds.): Towards China Inc? Assessing the implications for Africa. Johannesburg, pp. 59–65. Botschaft der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland (2011): Chinesische Direktinvestitionen weltweit an fünfter Stelle. Online unter http://www.china-botschaft.de/det/zt/yy/t856458.htm. Zugriff am 23.03.2016. Botterweck, Gerd; Simuntanyi, Neo (2005): POLITISCHE PARTEIEN UND PARTEIENSYSTEM IN SAMBIA, Bonn. Online unter http://library.fes.de/pdf-files/iez/03285.pdf. Zugriff am 21.03.2016. Brautigam, Deborah (2008): China`s Foreign Aid in Africa: What do we know? In: Rotberg, Robert I. (ed.): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge, pp. 197–216. Bahners, Patrick (2017): Kopftuch, Teil drei. Online unter http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/eilantrag-zurueckgewiesenkein-kopftuch-auf-der-richterbank-15091193.html. Zugriff am 28.01.2018. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2016): Afrika südlich der Sahara. Sambia. Online unter: http://www.bmz.de/de/laender_regionen/subsahara/sambia/index.html. Zugriff am 21.03.2016. Bundeszentrale für politische Bildung (2012): Protest und Beteiligung. Online unter http://www.bpb.de/apuz/138272/protest-und-beteiligung. Zugriff am 05.02.2018. 269 Bundeszentrale für politische Bildung (2015): Namibia feiert seine Unabhängigkeit. Online unter http://www.bpb.de/politik/hintergrundaktuell/203118/namibia-feiert-seine-unabhaengigkeit. Zugriff am 21.03.2016. Burawoy, Michael (1972): Another Look at the Mineworker. In: African Social Research 1972, pp. 239–287. Cao Thanh, Nguyen (2013): SAMBIA IN DER 3. REPUBLIK. DEMO- KRATISCHE TRANSITION UND WIRTSCHAFTLICHE LIBERA- LISIERUNG VON 1991 BIS 2008. Berlin. Carmody, Padraig (2010): Globalization in Africa. Recolonization or Renassaince? Boulder. Carmody, Padraig (2013): The Rise of the Brics in Africa. The Geopolitics of South-South Relations. London. Chan, Stephen (2014): Michael Sata obituary. Forceful and ruthless president of Zambia nicknamed King Cobra. Online unter http://www.theguardian.com/world/2014/oct/29/michael-sata. Zugriff am 21.03.2016. Christiansen, Thomas (2012): Hat Namibia seine Chancen genutzt? Eine Bilanz. Teil 1/5 (Ausgangssituation und internationale Hilfe). In: Allgemeine Zeitung Windhoek, S. 7. Online unter http://www.uni-giessen.de/ fbz/fb07/fachgebiete/geographie/bereiche/geoinfor/dateien/pdf_2012_1. Zugriff am 21.03.2016. Dehmer, Dagmar (2013): Pragmatismus, Geschäftssinn und Nichteinmischung. In: Der Tagesspiegel, 17.03.2013. Dietz, Ton; Havnevik, Kjell; Kaag, Mayke; Oestigaad, Terje (eds.) (2011): African Engagements. Africa negotiating an Emerging Multipolar World. Boston. Dobler, Gregor (2005): South-South business relations in practice. Chinese merchants in Oshikango, Namibia. Online unter http://www.google.de/ url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=0CD0QFjAE&url =http%3A%2F%2Feldis.org%2Fvfile%2Fupload%2F1%2Fdocument%2 F0708%2Fdoc22353.pdf&ei=5crlVMDIIYPDPYasgbgL&usg=AFQjCN EPYvicHen-Gq74XaHR7RilFzFYdQ&bvm=bv.85970519,d.ZWU. Zugriff am 22.03.2016. Dobler, Gregor (2005): South-South business relations in practice: Chinese merchants in Oshikango, Namibia. Dornseif, Golf (201): Radikale Chinesen als neue Kolonialherren Namibias. Online unter http://www.golf-dornseif.de/uploads/Radikale_Chinesen_ als_neue_Kolonialherren_Namibias.pdf. Zugriff am 22.03.2016. 270 Du Pisani, André (2014): Namibia and China. Profile and appraisal of a relationship. In: Bösl, Anton; Du Pisani, André; Zaire, Dennis (eds.): Namibia’s Foreign Relations. Historic contexts, current dimensions, and perspectives for the 21st Century, pp. 111-134. Dieterich, Johannes (2013): Afrikaner werfen Chinesen Kolonialismus vor. Online unter https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.china-und-afrikaafrikaner-werfen-chinesen-kolonialpolitik-vor.6035e998-1d2c-4eb1-a48b- 856330554832.html. Zugriff am 28.01.2018. Dymond, Abi (2007): Undermining development? Copper mining in Zambia. London. Eliassen, Ina Eirin (2012): Chinese Investors: Saving the Zambian Textile and Clothing Industry? Stellenbosch. Online unter http://www.ccs.org.za/wpcontent/uploads/2012/11/CCS-Research-Report-Ina-final.pdf. Zugriff am 21.03.2016. Erdmann, Gero; Simuntanyi, Neo (2003): Transition in Zambia: The Hybridisation of the Third Republic, Lilongwe. Online unter http://www.kas.de/wf/doc/kas_4368-544-1-30.pdf. Zugriff am 21.03.2016. Fähnders, Till (2014): Antichinesische Proteste in Vietnam. In der Flugbahn des Bumerangs. Online unter http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ asien/antichinesische-proteste-in-vietnam-in-der-flugbahn-desbumerangs-12945581.html. Zugriff am 01.03.2017. Fong, Kelly Nicole (2013): Excavating Chinese America in the Delta: Race and the historical archaeology of the Isleton Chinese American community. Los Angeles. Fraser, Alastair; Lungu, John (2007): FOR WHOM THE WINDFALLS? Winners & losers in the privatisation of Zambia’s copper mines. Lusaka. Fredrickson, George M. (2002): Racism: A Short History. Princeton. Freie Universität Berlin (2016): Literaturtheorien im Netz Diskurs. Online unter http://www.geisteswissenschaften.fuberlin.de/v/littheo/glossar/diskurs.html. Zugriff am 22.03.2016. Gahrmann, Christian (2001): Sambia – ein kurzer Lauf durch die Geschichte. ASA – Länderbericht Tutorengruppe Maren Kandulla. Online unter http://www.sambiahilfe.de/AnhangDateien/Sambiageschichte.pdf. Zugriff am 21.03.2016. Geulen, Christian (2007): Geschichte des Rassismus. München. Gieg, Philip (2010): Great Game um Afrika? Europa, China und die USA auf dem schwarzen Kontinent, Würzburg. 271 Goldstein, Andrea; Pinaud, Nicolas; Reisen, Helmut; Chen, Xiaobaio (2006): The Rise of China and India. What`s in it for Africa? Paris. Grimm, Sabine (1997): Einfach hybrid! Kulturkritische Ansätze der Postcolonial Studies (Teil) 1, in: iz3w Blätter des Informationszentrums, 3. Weltausgabe 223, August 1997, S. 39–42. Große Hüttmann, Martin (2013): Soft Power. In: Große Hüttmann, Martin; Wehling Hans-Georg (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz. Online unter http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/177268/softpower. Zugriff am 21.03.2016. Gu, Xuewu (2005): China Returns to Africa, Trends East Asia (TEA), Nr. 9. Gu, Xuewu (2006a): China's Involvement in Africa 2006a. Trends and Perspectives. International Reports Issue 10/2006 Online unter http://www.kas.de/wf/doc/kas_9513-544-2-30.pdf?061109175134. Zugriff am 21.03.2016. Gu, Xuewu (2006b): China als Akteur der Weltpolitik. Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 49/2006) Online unter http://www.bpb.de/apuz/29353/china-als-akteur-der-weltpolitik?p=all. Zugriff am 21.03.2016. Habermas, Jürgen (1985): Die neue Unübersichtlichkeit. Kleine Politische Schriften V. Frankfurt am Main. Haglund, Dan (2009): Regulating diversity: China and the changing composition of Zambia‘s mining sector. In: The China Monitor (Issue 44), pp. 8– 12. Hairong, Y.; Sautman, B. (2013): “The Beginning of a World Empire?” Contesting the Discourse of Chinese Copper Mining in Zambia. In: Modern China 39 (2), pp. 131–164. DOI: 10.1177/0097700412473705. Hall, Stuart (1994): Rassismus und kulturelle Identität. Zürich. Hall, Stuart (1997): Critical Dialogues in Cultural Studies. London. Hall, Stuart (1997a): Gramsci`s relevance for the study of race and ethnicity, in: Hall Stuart, Critical Dialogues in Cultural Studies, S. 411–440. Hall, Stuart (1997b): New ethnicities, in: Hall, Stuart (ed.), Critical Dialogues in Cultural Studies, S. 441–449. Hansen, Lene (2006): Security as practice. Discourse analysis and the Bosnian war. New York: Routledge. Harris, Karen L. (2010): Anti-Sinicism: roots in pre-industrial colonial southern Africa. African and Asian Studies (Pretoria), Volume 9, Issue 3, pp. 213–231. 272 Hartman, Adam (2014): Chinese company workers strike at Namport. Online unter http://www.namibian.com.na/index.php?id=128283&page= archive-read. Zugriff am 22.03.2016. Hönke, Jana (2009): Extractive Orders. Transnational Mining Companies in the Nineteeth and Twenty-first Centuries in the Central African Copperbelt. In: Southall Robert; Melber, Henning (eds.): A new Scramble for Africa? Imperialism, Investment and Development. Scottsville, pp. 274– 298. Hütz-Adams, Friedel; Hummel, David; Knoke, Irene (2014): Partnerschaft auf Augenhöhe? Die Rolle Chinas in Afrika. Hg. v. SÜDWIND – Institut für Ökomonie und Ökumene. Bonn. Online unter http://www.sued wind-institut.de/fileadmin/fuerSuedwind/Publikationen/2014/2014- 22_Partnerschaft_auf_Augenhoehe._Die_Rolle_Chinas_in_Afrika.pdf. Zugriff am 22.03.2016. imb Institut für Medien und Bildungstechnologie Augsburg (2016): http://qsf.e-learning.imb-uni-augsburg.de/node/764. Zugriff am 22.03.2016. Informante` Firm but fair (2008): ?We want Indians out!? – Mukwiilongo. Online unter http://www.informante.web.na/node/2867. Zugriff am 22.03.2016. Jaing, Wenran (2008): China’s Emerging Partnership in Afrcia. In: Robert I. Rotberg (eds.): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge, pp. 50–64. Jauch, Herber; Traub-Merz, Rudolf (eds.) (2006): The Future of the Textile and Clothing Industry in Sub-Saharan Africa. Bonn. Jauch, Herbert (2006): Africa’s Clothing and Textile Industry. The Case of Ramatex in Namibia. In: Jauch, Herbert; Traub-Merz, Rudolf (eds.): The Future of the Textile and Clothing Industry in Sub-Saharan Africa. Bonn, pp. 212–226. Jauch, Herbert; Baah, Anthony Yaw (eds.) (2009): Chinese Investments in Africa: A Labour Perspective. Windhoek. Jauch, Herbert; Sakaria, Iipumbu (2009): Chinese Investments in Namibia. In: Jauch, Herbert; Bah, Anthony Yaw (eds.): Chinese Investments in Africa: A Labour Perspective, pp. 203–237. Johnston, Ian Alastair (1998): Cultural Realism. Strategic Culture and Grand Strategy in Chinese History. Princeton. Kanyenze, Godfrey (2006): The Textile and Clothing Industry in Zimbabwe. In: Jauch Herbert; Traub-Merz, Rudolf (eds.): The Future of the Textile and Clothing Industry in Sub-Saharan Africa. Bonn, pp. 275–290. 273 Kaplinsky, Raphael (2006): Winners and losers: China’s trade threats and opportunities for Africa. In: Wild, Leni; Mepham; David (eds.): The New Sinosphere. China in Africa, London pp. 12–21. Keller, Rainer (2010): Der Müll der Gesellschaft. Eine wissenssoziologische Diskursanalyse. In: Keller, Rainer; Hirseland, Andreas (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 2: Forschungspraxis. Wiesbaden, S. 197-233. Keller, Rainer; Hirseland, Andreas (Hg.) (2010): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 2: Forschungspraxis. Wiesbaden. Keller, Rainer; Hirseland, Andreas (Hg.) (2011): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, Band 1: Theorien und Methoden. Wiesbaden. Keller, Reiner (2011): Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen. Wiesbaden. Kerchner, Brigitte, Schneider, Silke (2006): Foucault: Diskursanalyse der Politik: Eine Einführung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Kinzelbach, Katrin (2015): Weißbuch Menschenrechte in China. Quellen zur Geschichte der Menschenrechte, herausgegeben vom Arbeitskreis Menschenrechte im 20. Jahrhundert. Online unter www.geschichtemenschenrechte.de/schluesseltexte/weissbuch-menschenrechte-in-china/. Zugriff am 28.02.2017. Kisting, Denver (2010): Govt elusive on 'settler deal'. Economic news. Online unter http://www.namibian.com.na/print.php?id=74170&type=2. Zugriff am 10.09.2017. Kitissou, Marcel (eds.) (2007): Africa in China`s Global Strategy. London. Kößler, Reinhard (2005): From Genocide to Holocaust? Structural Parallels and Discursoive Continuities. In: Africa Spectrum. Vol 40, No. 2, pp. 309-317. Kößler, Reinhard (2014): Namibia (hrsg. Bundeszentrale für politische Bildung). Online unter http://www.bpb.de/internationales/weltweit/ innerstaatliche-konflikte/54796/namibia. Zugriff am 21.03.2016. Koyi, Grayson (2006): The Textile and Clothing Industry in Zambia. In: Jauch, Herbert; Traub-Merz, Rudolf (eds.): The Future of the Textile and Clothing Industry in Sub-Saharan Africa. Bonn, pp. 258–274. Kragelund, Peter (2007): Chinese Drivers for African Development? The Effects of Chinese Investments in Zambia. In: Kitissou, Marcel (ed.): Africa in China`s Global Strategy. London, pp. 162–181. Kühnhardt, Ludger (2014): Africa Consensus. New Interests, Initiatives and Partners. Washington D.C. 274 Kühnhardt, Ludger (2017): Die Idee des Eigentums stärken. Online unter https://www.nzz.ch/meinung/compact-with-africa-die-idee-deseigentums-staerken-ld.1292326. Zugriff am 28.01.2018. Kurlantzick, Joshua (2006): Beijing’s Safari. China’s Move into Africa and Its Implications for Aid, Development and Governance, Washington DC. Kurlantzick, Joshua (2007): Charme Offensive: How China`s Soft Power Is Transforming the World, New York. Kwan Lee, Ching (2009): Raw Encounters: Chinese Managers, African Workers and the Politics of Casualization in Africa’s Chinese Enclaves. Los Angeles. Langer, Wolfgang (2000): Die Inhaltsanalyse als Datenerhebungsverfahren 2000 München. Large, Daniel (2007): As the Beginning ends. China`s Return to Africa. In: Manji, Firoze; Marks, Stephen (eds.): African Perspectives on China in Africa. Nairobi, pp. 135–168. Larmer, Miles; Fraser, Alastair (2007): OF CABBAGES AND KING CO- BRA: POPULIST POLITICS AND ZAMBIA’S 2006 ELECTION. In: African Affairs, 106/425, pp. 611–637. Online unter http://users.polisci.wisc.edu/schatzberg/ps362/larmer2007.pdf. Zugriff am 23.03.2016. Leiprecht, Rudolf (2005): Rassismen (nicht nur) bei Jugendlichen. Beiträge zu Rassismusforschung und Rassismusprävention. Oldenburg. Leiprecht, Rudolf (2016): Rassismus – Debatte und Forschung in Deutschland im Kontext internationaler Bezugnahmen (unveröffentlicht). Levinger, Hannah (2013): China in Afrika – neue Herausforderungen abseits des Rohstoff-Supercycles. Online unter https://www.dbresearch.de/ servlet/reweb2.ReWEB?document=PROD0000000000322704& rwnode=DBR_INTERNET_DE-PROD$NAVIGATION&rwobj= ReDisplay.Start.class&rwsite=DBR_INTERNET_DE-PROD. Zugriff am 22.03.2016. Magistad, Mary Kay: Mining in Zambia &mdash, One Year After Collum Coal Incident. In: Pri`s the World vom 4.10.2011. Online unter http://www.pri.org/stories/2011-10-04/mining-zambia-one-year-aftercollum-coal-incident. Zugriff am 10.09.2017. Manji, Firoze; Marks, Stephen (eds.) (2007): African Perspectives on China in Africa. Nairobi. Mapaure, Clever (2014): Chinese Investments in Zimbabwe and Namibia. A Comparative Legal Analysis. Centre for Chinese Studies. Stellenbosch. 275 Mapaure, Clever (2014): Chinese Investments in Zimbabwe and Namibia A Comparative Legal Analysis, Stellenbosch. Online unter http://www.ccs. org.za/wp-content/uploads/2014/10/CCS_PhanW_Clever_2014.pdf. Zugriff am 24.03.2016 Maurer, Marcus; Reinemann, Carsten (2006): Medieninhalte. Eine Einführung [Lehrbuch]. 1. Aufl. Wiesbaden Mawdsley, Emma (2008): Fu Manchu versus Dr. Livingstone in the Dark Continent? How British broadsheet newspapers represent China, Africa and the West in British Broadsheet Newspapers. Pambazuka News Issue 338. Online unter http://www.pambazuka.net/en/category.php/ comment/45593/print. Zugriff am 21.03.2016. Mayring, Philipp (2000): Qualitative Inhaltsanalyse. Online unter http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/ 1089/2383. Zugriff am 28.01.2018. Melber, Henning (2009): Global Trade Regimes and Multi-Polarity. The US and Chinese Scramble for African Resources and Markets. In: Southall, Robert; Melber, Henning (eds.): A new Scramble for Africa? Imperialism, Investment and Development. Scottsville, pp. 56–82. Memmi, Albert (1987): Rassismus. Frankfurt. Meyns, Peter (2011): Überraschender Regierungswechsel Michael Sata: Präsident Sambias beim vierten Anlauf, in: afrika süd, zeitschrift zum südlichen afrika – Auszug Heft 5/2011). Bonn. Online unter http://www.issabonn.org/publikationen/5-11meyns.htm, Zugriff am 21.03.2016. Miles, Robert (1991): Rassismus. Einführung in die Geschichte und Theorie eines Begriffs. Hamburg. Mills, Greg; Skidmore, Natasha (eds.) (2004): Towards China Inc? Assessing the implications for Africa. Johannesburg. Modi, Renu (2013): Indian and Chinese Soft Power in Africa. In: Xing, Li; Abdulkadir, Osman (eds.): China-Africa Relations in an Era of Great Transformations. Surrey, pp. 127–143. Monson, Jamie; Haifang, Liu (2011): Railway Time. Technology Transfer and the Role of Chinese Experts in the History of Tazara. In: Dietz, Ton; Havnevik, Kjell; Kaag, Mayke; Oestigaad, Terje (eds.): African Engagements. Africa negotiating an Emerging Multipolar World. Boston, pp. 226–251. Moyo, Dambisha (2009): Dead Aid. Why Aid is not working and how there is another way for Africa. London. 276 Müller, Tobias (2002): Die Politik der Nationalen Versöhnung in Namibia – Den Spagat überzogen? Freiburg im Breisgau. Mulowa, Anthony (2011): Trotz scharfer Wahlkampfsprüche muss Sambias neuer Präsident Sata mit den Chinesen kooperieren. Online unter http://www.dandc.eu/de/article/trotz-scharfer-wahlkampfsprueche-musssambias-neuer-praesident-sata-mit-den-chinesen, zuletzt aktualisiert am 25.03.2015, zuletzt geprüft am 25.03.2015. Muneku, Austin C. (2009): Chinese Investments in Zambia. In: Jauch, Herbert; Bah, Anthony Yaw (eds.): Chinese Investments in Africa: A Labour Perspective, Accra und Windhoek, pp. 160–202. Na, Wu; Reilly, James (2007): China’s Corporate Engagement in Africa. In: Marcel Kitissou (eds.): Africa in China’s Global Strategy. London, pp. 132–155. Ndjebela, Toivo (2011): Chinese loan underused. Online unter http://www.afran.info/modules/smartsection/item.php?itemid=219. Zugriff am 15.03.2015. Ndulo, Muna (2008): Chinese Investments in Africa. A Case Study of Zambia. In: Ampiah, Kweku; Naidu, Sanusha (eds.): Crouching Tiger, Hidden Dragon: China and Africa. Cape Town, pp. 138–151. Negi, Robit (2008): Beyond the “Chinese Scramble”. The Political Economy of Anti-China Sentiment in Zambia, African Geographical Review Vol. 27, Issue 1, pp. 41–63. Nguyen, Cao Thanh: SAMBIA IN DER 3. REPUBLIK DEMOKRATI- SCHE TRANSITION UND WIRTSCHAFTLICHE LIBERALISIE- RUNG VON 1991 BIS 2008. Niikondo, Andrew (2009): Perceptions on the impact of Chinese businesses in Namibia: a case study of the retail and construction sector in Windhoek. Windhoek, Namibia: Friedrich Ebert Stiftung. Nkolomba, Martin (2010): Zambia: Collum shooting victims to be compensated. Online unter http://ukzambians.co.uk/home/2010/10/30/zambiacollum-shootingvictims-compensated/. Zugriff am 22.03.2016. Nullmeier, Frank (2011): Politikwissenschaft auf dem Weg zur Diskursanalyse? In: Keller, Rainer; Hirseland, Andreas (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, Band 1: Theorien und Methoden. Wiesbaden, S. 308–377. Nye Jr., Joseph S. (2005): Soft Power: The Means To Success In World Politics. New York. 277 o.V. (2006): 40,000 Chinese in Namibia. South African Migration Project (SAMP). Online unter http://www.queensu.ca/samp/migrationnews/ article.php?Mig_News_ID=4107&. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2007): Geld für Gehälter – Oxfam-Positionspapier Nr. 98. Online unter https://www.oxfam.de/system/files/20070412_geldfuergehaelter_394kb.p df. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2008): Tibet Der blutige Aufstand eskaliert. Online unter http://www.tagesspiegel.de/politik/international/tibet-der-blutigeaufstand-eskaliert/1190368.html. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2009): China gives, China takes away. Online unter http://www.insight.com.na/china-gives-china-takes-away/. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2010): Zambia: Do not create phobia – RB. Online unter http://ukzambians.co.uk/home/2010/10/22/zambia-create-phobia-rb/. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2011a): Chinese builders taking over. Online unter http://www.namibiansun.com/chinese-builders-taking-over.4713. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2011b): Zambia drops Chinese bosses' mine shooting charges. Online unter http://www.bbc.com/news/world-africa-12973534. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2012a): China Africa Relations: Frog-Leap Development and Future Challenges. Online unter http://www.focac.org/eng/xsjl/xzzs/t920757.htm. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2012b): Demonstration against Chinese firm drags on. Online unter http://www.namibiansun.com/content/national-news/demonstrationagainst-chinese-firm-drags. Zugriff am 23.03.2016. o.V. (2012c): Michael Chilufya Sata Online unter http://www.infoplease.com/encyclopedia/people/sata-michaelchilufya.html. Zugriff am 21.03.2016. o.V. (2013a): About: History. Online unter http://www.zambianeconomist.com/p/about_11.html. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2013b): Cancellation of the mining license for Collum Coal Mine in national interest. Online unter http://ukzambians.co.uk/home/2013/ 02/27/cancellation-of-the-mining-license-for-collum-coal-mine-innational-interest/. Zugriff am 22.03.2016. 278 o.V. (2013c): Glencore und das Kupfer Sambias Online unter http://wz.subfiles.net/2013/08/2892-glencore-und-das-kupfer-sambias/. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2014a): Guy Scott Präsident in Sambia: Erstes weißes Staatsoberhaupt in Afrika seit 20 Jahren. Online unter http://www.spiegel.de/politik/ausland/sambia-guy-scott-folgt-alspraesident-auf-michael-sata-a-1000050.html. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2014b): Local party apes Malema’s EFF. Online unter http://www.namibiansun.com/politics/local-party-apes-malemaseff.67539. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2014c): Shamenda appalled by reports of Chinese firm forcing Zambian workers to eat dog meat. Online unter https://www.lusakatimes.com/2014/05/13/shamenda-appalled-reportschinese-firm-forcing-zambian-workers-eat-dog-meat/. Zugriff am 22.03.2016. o. V. (2014d): Nach Behandlung in London: Sambischer Präsident Michael Sata ist gestorben. Online unter http://www.spiegel.de/politik/ausland/ michael-sata-praesident-von-sambia-gestorben-a-999848.html. Zugriff am 23.03.2016 o.V. (2015a): China pledges to increase investments in the Zambian economy to over US$3 billion. Online unter https://www.lusakatimes.com/2015/ 02/02/china-pledges-increase-investments-zambian-economy-us3-billion/. Zugriff am 23.03.2016. o.V. (2015b): Namibia: Youth activists condemn land given to Chinese. Online unter http://www.news24.com/Africa/News/Namibia-Youthactivists-condemn-land-given-to-Chinese-20150310. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2016a): 5 myths about the chinese in Africa. Online unter http://www.reporting-focac.com/5-china-africa-myths.html. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2016): About Us. Online unter https://www.lusakatimes.com/about/. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2016b): Allgemeine Zeitung – ein Kurzprofil. Online unter http://www.az.com.na/az-profil. Zugriff am 23.03.2016. o.V. (2016c): CIPEC. Online unter http://www.kupferpreis.info/kupferlinks/cipec/. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2016d): Rassismus – Rassist und Rassentrennung Online unter http://www.rassismus.de/?option=com_content&view=article&id=50&Ite mid=57. Zugriff am 22.03.2016. 279 o.V. (2016e): Rhetorische Frage. Online unter http://wortwuchs.net/stilmittel/rhetorische-frage/. Zugriff am 22.03.2016. o.V. (2017a): Namibia. Online unter: https://www.auswaertiges-amt.de/de/ aussenpolitik/laender/namibia-node/namibia/208312. Zugriff am 28.01.2018. o.V. (2017b): Namibia Lebenserwartung bei Geburt. Online unter https://www.indexmundi.com/de/namibia/lebenserwartung_bei_geburt.h tml. Zugriff am 28.01.2018. o.V. (2018a): goruma Sambia: Bevölkerung und Städte. Online unter: http://www.goruma.de/Laender/Afrika/Sambia/Bevoelkerung/ Zugriff am 28.01.2018. o.V. (2018b): Namibia Rohstoffe – Afrika – Namibia (2018): Online unter http://www.schatzwert.de/rohstoffe/bodenschaetze/bodenschaetzenamibia.html. Zugriff am 28.01.2018. o.V. (2018c): Human Development Index (HDI). Online unter http://www.laenderdaten.de/indizes/hdi.aspx. Zugriff am 28.01.2018. o.V. (2016): namibia-facts. Online unter http://www.namibiafacts.de/bevoelkerung. Zugriff am 21.5.2016. Obiorah, Ndubisi (2007): Who’s afraid of China in Africa? Towards an African Civil Society Perspective on China-Africa Relations. In: Manji, Firoze; Marks, Stephen (eds.): African Perspectives on China in Africa. Nairobi, pp. 35–55. Obiorah, Ndubisi (2008): Rise and Rights in China-Africa Relations. edited by The Johns Hopkins University. Centre for Law and Social Action. Lagos, Nigeria. Online unter https://www.saisjhu.edu/sites/default/files/Rise-and-Rights-in-China-Africa-Relations.pdf. Zugriff am 05.02.2018. Obiorah, Ndubisi; Kew, Darren; Tanko, Yusuf (2008): “Peaceful Rights” and Human Rights. China`s Expanding Relations with Nigeria. In: Rotberg, Robert I. (ed.): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge, pp. 272–295. Okeowo, Alexis (2013): China, Zambia, and a Clash in a Coal Mine. In: The New Yorker 9. Oktober 2013. Online unter http://www.newyorker.com/business/currency/china-zambia-and-a-clashin-a-coal-mine. Zugriff am 24.03.2016. Olsen, Gorm Rye (2011): China into Africa. Conflict or the Triumph of Western Order? In: Dietz, Ton; Havnevik, Kjell; Kaag, Mayke; Oesti- 280 gaad, Terje (eds.): African Engagements. Africa negotiating an Emerging Multipolar World. Boston, pp. 204–225. Ong’ayo Otieno, Antony (2011): China-Africa Relations. The Relevance of Strategic Engagement of African Civil Society Organisations with China. In: Dietz, Ton; Havnevik, Kjell; Kaag, Mayke; Oestigaad, Terje (eds.): African Engagements. Africa negotiating an Emerging Multipolar World. Boston, pp. 252–279. Pere, Garth le (ed.) (2007): China in Africa. Mercantilist predator, or partner in development? Johannesburg. Postel, Hannah (2015): Following the Money: Chinese Labor Migration to Zambia. Migration Polica Insitute. Online unter http://migrationpolicy.org/article/following-money-chinese-labormigration-zambia. Zugriff am 22.03.2016. Prakash, Gyan (ed.) (1995): After Colonialism. Imperial Histories and postcolonial displacements. Princeton. Pühretmayer, Hans; Puller, Armin (2011): 8.2 Kulturalistischer Rassismus als Naturalisierung und Legitimierung rassistischen Handelns. Hg. v. Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Wien. Wien. Online unter http://www.univie.ac.at/sowi-online/esowi/cp/denkenpowi/denkenpowi- 64.html. Zugriff am 24.03.2016 Räther, Frank (1999): NAMIBIA Zu viel Personenkult. Online unter http://www.focus.de/politik/ausland/namibia-zuvielpersonenkult_aid_175812.html. Zugriff am 22.03.2016 Rebol, Max (2010): Public perceptions and reactions: Gauging African views of China in Africa. edited African Journal of Agricultural Research, Vol. 5 (25) 3524-3535. Online unter http://www.academicjournals.org/journal/ AJAR/article-full-text-pdf/EBA338F30758 Rocha, John (2007): A new Frontier in the Exploitation of Africa`s Natural Resources. The Emergence of China. In: Manji, Firoze; Marks, Stephen (eds.): African Perspectives on China in Africa. Nairobi, pp. 15–34. Rommelspacher, Birgit (2009): Was ist eigentlich Rassismus? Online unter: http://www.birgit-rommelspacher.de/pdfs/was_ist_rassismus.pdf. Zugriff am 13.6.2016. Rotberg, Robert I. (eds.) (2008): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge. Rotbert, Robert I. (2008): China`s Quest for Ressources, Opportunities and Influence in Africa. In: Rotberg, Robert I. (ed.): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge, pp. 1–20. 281 Rupp, Stefanie (2008): Africa and China. Engaging Postcolonial Interdependencies. In: Rotberg, Robert I. (ed.): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge, pp. 65–86. Said, Edward (1995): Secular interpretation, the geographical element, and the methodology of imperialism. In: Prakash, Gyan (ed.): After Colonialism. Imperial Histories and postcolonial displacements. Princeton, pp. 21–39. Said, Edward (2003): Orientalism: Western Conceptions of the Orient. London. Sandner, Phillip: Afrikas schlummerndes Wirtschaftspotenzial | Afrika | DW.DE | 13.09.2012. Deutsche Welle (www.dw.de). Online unter http://www.dw.de/afrikas-schlummerndes-wirtschaftspotenzial/a- 16237437. Zugriff am 15.02.2015. Sautman, Barry (2013): The Chinese Defilement Case: Racial Profiling in an African “Model of Democracy”. In: Rutgers Race & the Law Review (Vol. 14), pp. 87–134. Sautman, Barry; Yan, Hairong (2006): Honour and shame? China`s Africa ties in comparative context. In: Wild, Leni; Mepham, David (eds.): The New Sinosphere. China in Africa, London pp. 54–62. Sautman, Barry; Yan, Hairong (2009): Chinese Activities in Zambia. More than Just Mining. In: The China Monitor (Issue 44), pp. 4–8. Scheen, Thomas (2014 a und b): Namibia schickt sich zum Aufstieg an. Frankfurter Allgemeine Zeitung. Online unter http://www.faz.net/aktuell/ wirtschaft/wirtschaftspolitik/die-wirtschaft-von-namibia-schickt-sich-zumaufstieg-an-12988801.html. Zugriff am 22.03.2016. Schmieder, Christian (2008): „COMPUTERGESTÜTZTE QUALITATIVE DATENANALYSE: TECHNIK DER LEGITIMATION – LEGITI- MATION DER TECHNIK Eine qualitative Studie zur Verwendung von MAXQDA in akademischem Forschen“, Freiburg. Schönherr, Markus (2015): Wir werden euch töten. Pro-palästinensische Gruppen machen immer aggressiver gegen die jüdische Gemeinde mobil. Online unter http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/22262. Zugriff am 27.09.2017. Schubert, Klaus; Klein, Martina (2011): Das Politiklexikon. Bonn. Online unter http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/politiklexikon/18092/ rassismus. Zugriff am 24.03.2016. Schwab-Trapp, Michael (2010): Methodische Aspekte der Diskursanalyse. Probleme der Analyse bei kursiven Auseinandersetzungen am Beispiel der deutschen Diskussion über den Kosovokrieg. In: Keller, Rainer; Hirse- 282 land, Andreas (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 2: Forschungspraxis. Wiesbaden, S. 171-197. Schwikowski, Martina (2013): Präsident Satas Streit mit Investoren: Sambias Ausverkauf an China stoppen. Online unter http://www.taz.de/!82014/, zuletzt aktualisiert am 01.08.2013. Zugriff am 22.03.2016. Seidler, John David (2016): Die Verschwörung der Massenmedien. Eine Kulturgeschichte vom Buchhändlerkomplott bis zur Lügenpresse. Bielefeld. Senger, Harro von (2008): Supraplanung. Unerkannte Denkhorizonte aus dem Reich der Mitte. München. Sherboune, Robert (2007): China`s growing presence in Namibia. In: Garth Pere le (eds.): China in Africa. Mercantilist predator, or partner in development? Johannesburg, pp. 160–171. Shilongo, Anna (2008): Namibians Protest Against Arms Ship. Online unter http://www.newera.com.na/2008/04/25/namibians-protest-against-armsship/. Zugriff am 22.03.2016. Shinovene, Immanuel (2014): Malema's EFF fever hits Namibia. Online unter http://www.namibian.com.na/index.php?id=124911&page= archive-read. Zugriff am 22.03.2016. Southall, Robert; Melber, Henning (eds.) (2009): A new Scramble for Africa? Imperialism, Investment and Development. Scottsville. Stumpf, Heiko (2015): Marktchancen in Namibia. Hg. v. Germany Trade & Invest. Online unter http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/rade/ Maerkte/suche,t=marktchancen-in-namibia,did=1176824.html. Zugriff am 22.03.2016. Terkessidis, Mark (2004): Die Banalität des Rassismus. Migranten zweiter Generation entwickeln eine neue Perspektive. Bielefeld. Tharoor, Ishaan: Human Rights Watch Reports Abuses in Chinese-Run Mines in Zambia. In: TIME vom 4.11.2011. Online unter http://world.time.com/2011/11/04/human-rights-watch-reports-abusesin-chinese-run-mines-in-zambia/. Zugriff am 24.03.2016. Thompson, Drew (2007): China`s Emerging Interests in Africa. Opportunities and Challenges for Africa and the United States. In: Kitissou, Marcel (ed.): Africa in China`s Global Strategy. London, pp. 45–55. Tull, Denis M. (2005): Die Afrikapolitik der Volksrepublik China. Berlin. Unterberg, Swantje (2014): Schlacht am Waterberg „Aufräumen, aufhängen, niederknallen”. Online unter http://www.spiegel.de/einestages/herero- 283 aufstand-1904-schlacht-am-waterberg-in-deutsch-suedwestafrika-a- 984565.html. Zugriff am 01.03.2017. van Bracht, Gérard (2012): A survey of Zambian views on Chinese people and their involvement in Zambia. In: THE CHINA MONITOR AFRICAN EAST-ASIAN AFFAIRS, Issue 1, August 2012, pp. 54–97. Vensky, Hellmuth (2010): Aus Deutsch-Südwestafrika wird Namibia. In: Die Zeit, 19.03.2010. Waldschmidt, Anne (2010): Der Humangenetik-Diskurs der Experten. Der Werkzeugkasten der Diskursanalyse. In: Keller, Rainer; Hirseland, Andreas (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 2: Forschungspraxis. Wiesbaden, pp. 148–170. Wild, Leni; Mepham, David (eds.) (2006): The New Sinosphere. China in Africa. London. Willis, Ben (2014): China, Africa, and Neo-Colonialism. Edited University of Plymouth. Online unter http://www.e-ir.info/2014/01/22/china-africaand-neo-colonialism/. Zugriff am 22.03.2016. Xing, Li; Abdulkadir, Osman (eds.) (2013): China-Africa Relations in an Era of Great Transformations. Surrey. Xing, Li; Stewart, Ashley Kim (2013): Beyond Debating the Differences. China’s Aid and Trade in Africa. In: Xing, Li; Abdulkadir, Osman (eds.): China-Africa Relations in an Era of Great Transformations. Surrey, pp. 23–48. Yan, Hairong; Sautman, Barry (2013): “The Beginning of a World Empire?” Contesting the Discourse of Chinese Copper Mining in Zambia. In: Modern China, 39 (2) 2013, pp. 131–164. Yan, Hairong; Sautman, Barry (2014): Bashing ‘the Chinese’. contextualizing Zambia’s Collum Coal Mine shooting. In: Journal of Contemporary China 2014. Yi-chong, Xu (2013): Capitalist or Villain. Chinese SOEs in Africa. In: Xing, Li; Abdulkadir, Osman (eds.): China-Africa Relations in an Era of Great Transformations. Surrey, pp. 87–106. Zick, Andreas (2010): Spielarten des Rassismus. Heinrich-Böll-Stiftung. Online unter https://heimatkunde.boell.de/2010/04/01/spielarten-desrassismus. Zugriff am 23.03.2016.

Zusammenfassung

Die chinesische Präsenz in Afrika nimmt seit Jahren zu. Die afrikanischen Länder verzeichnen eine Zuwanderung von Chinesen im Zuge des mit den jeweiligen Regierungen vereinbarten Rohstoffabbaus und der Investition in Infrastrukturprojekte. Die Forschung zu diesem Phänomen ist auf die Frage nach Art und Motivation der chinesischen Regierung fokussiert. Dabei wird oft übersehen, dass sich in Afrika zunehmend Widerstand gegen die chinesischen Bestrebungen formiert.

Gunnar Henrich untersucht in seiner Dissertation mit einer Diskursanalyse zwei afrikanische Staaten im Süden Afrikas: Namibia und Sambia. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage, wie der antichinesische Protest zustande gekommen ist, welche Verläufe und Formen er angenommen hat und ob er gar als Rassismus auftritt. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass der Protest häufig rassistische Formen annimmt. Wenden die ehemaligen Opfer rassistischer Kolonialpolitik selbst zunehmend rassistische Argumentationsformen an? Gibt es gar einen „umgedrehten Rassismus“? Henrich schließt mit seiner Arbeit eine Forschungslücke und trägt so zum gegenwärtigen Diskurs bei.

References
Literaturverzeichnis
Ahmed, Gaafar Karrar (2010): The Chinese Stance on the Darfur Conflict. Johannesburg.
Alden, Chris (2007): China in Africa. London.
Alden, Chris; Davies, Martyn (2006): A Profile of the Operations of Chinese Multinationals in Africa, South African Journal of International Affairs Volume 13, Issue 1, pp. 83?96. Online unter http://www.ccs.org.za/downloads/Alden%20and%20Davies%20-%20SAIIA%20-%20Vol.%2013.1.pdf. Zugriff am 21.03.2016.
Alves, Philip; Draper, Peter (2007): Introduction. China`s growing role in Africa. In: Garth Pere le (eds.): China in Africa. Mercantilist predator, or partner in development? Johannesburg, pp. 19?30.
Amadhila, Nelago (2012): Grassroots Perceptions of China in Namibia: Effects on Domestic Politics and Foreign Policy. In: AFRICAN EAST-ASIAN AFFAIRS The China Monitor, Issue 2 November 2012, pp. 17?45.
Ampiah, Kweku; Naidu, Sanusha (eds.) (2008): Crouching Tiger, Hidden Dragon: China and Africa. Cape Town.
Ampiah, Kweku; Naisu, Sanusha (2008a): Introduction. Africa and China in the Post-World Era. In: Ampiah, Kweku; Naidu, Sanusha (eds.): Crouching Tiger, Hidden Dragon: China and Africa. Cape Town, pp. 3?19.
Ampiah, Kweku; Naidu, Sanusha (2008b): The Sino-African Relationship ? Towards an Evolving Partnership? In: Ampiah, Kweku; Naidu, Sanusha (eds.): Crouching Tiger, Hidden Dragon: China and Africa. Cape Town, pp. 329?339.
Anshan, Li (2008): China`s New Policy toward Africa. In: Rotberg, Robert I. (ed.): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge, pp. 21?49.
Balibar, Etienne (2014a): Gibt es einen 凬eo-Rassismus??, in: Balibar, Etienne. Rasse Klasse Nation. Hamburg, S. 23?38.
Balibar, Etienne (2014b): Rassismus und Nationalismus, in: Balibar, Etienne; Wallerstein, Immanuel: Rasse Klasse Nation. Ambivalente Identit鋞en. 3. Aufl. Hamburg, S. 49?84.
Bhabba, Homi K. (1995): In a Spirit of Calm Violence. In: Gyan Prakash (ed.): After Colonialism. Imperial Histories and postcolonial displacements. Princeton, pp. 326 343.
Bhabba, Homi K. (2004): The Location of Culture. London.
B鰏l, Anton; Du Pisani, Andr?; Zaire, Dennis (eds.) (2014): Namibia抯 Foreign Relations. Historic contexts, current dimensions, and perspectives for the 21st Century. KAS.
Botha, P. J. (2004): China Inc: An Assessment of the Implications for Africa. New Diplomatic Initiatives. In: Mills, Greg; Skidmore, Natasha (eds.): Towards China Inc? Assessing the implications for Africa. Johannesburg, pp. 59?65.
Botschaft der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland (2011): Chinesische Direktinvestitionen weltweit an f黱fter Stelle. Online unter http://www.china-botschaft.de/det/zt/yy/t856458.htm. Zugriff am 23.03.2016.
Botterweck, Gerd; Simuntanyi, Neo (2005): POLITISCHE PARTEIEN UND PARTEIENSYSTEM IN SAMBIA, Bonn. Online unter http://library.fes.de/pdf-files/iez/03285.pdf. Zugriff am 21.03.2016.
Brautigam, Deborah (2008): China`s Foreign Aid in Africa: What do we know? In: Rotberg, Robert I. (ed.): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge, pp. 197?216.
Bahners, Patrick (2017): Kopftuch, Teil drei. Online unter http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/eilantrag-zurueckgewiesen-kein-kopftuch-auf-der-richterbank-15091193.html. Zugriff am 28.01.2018.
Bundesministerium f黵 wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2016): Afrika s黡lich der Sahara. Sambia. Online unter: http://www.bmz.de/de/laender_regionen/subsahara/sambia/index.html. Zugriff am 21.03.2016.
Bundeszentrale f黵 politische Bildung (2012): Protest und Beteiligung. Online unter http://www.bpb.de/apuz/138272/protest-und-beteiligung. Zugriff am 05.02.2018.
Bundeszentrale f黵 politische Bildung (2015): Namibia feiert seine Unabh鋘gigkeit. Online unter http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/203118/namibia-feiert-seine-unabhaengigkeit. Zugriff am 21.03.2016.
Burawoy, Michael (1972): Another Look at the Mineworker. In: African Social Research 1972, pp. 239?287.
Cao Thanh, Nguyen (2013): SAMBIA IN DER 3. REPUBLIK. DEMOKRATISCHE TRANSITION UND WIRTSCHAFTLICHE LIBERALISIERUNG VON 1991 BIS 2008. Berlin.
Carmody, Padraig (2010): Globalization in Africa. Recolonization or Renassaince? Boulder.
Carmody, Padraig (2013): The Rise of the Brics in Africa. The Geopolitics of South-South Relations. London.
Chan, Stephen (2014): Michael Sata obituary. Forceful and ruthless president of Zambia nicknamed King Cobra. Online unter http://www.theguardian.com/world/2014/oct/29/michael-sata. Zugriff am 21.03.2016.
Christiansen, Thomas (2012): Hat Namibia seine Chancen genutzt? Eine Bilanz. Teil 1/5 (Ausgangssituation und internationale Hilfe). In: Allgemeine Zeitung Windhoek, S. 7. Online unter http://www.uni-giessen.de/fbz/fb07/fachgebiete/geographie/bereiche/geoinfor/dateien/pdf_2012_1. Zugriff am 21.03.2016.
Dehmer, Dagmar (2013): Pragmatismus, Gesch鋐tssinn und Nichteinmischung. In: Der Tagesspiegel, 17.03.2013.
Dietz, Ton; Havnevik, Kjell; Kaag, Mayke; Oestigaad, Terje (eds.) (2011): African Engagements. Africa negotiating an Emerging Multipolar World. Boston.
Dobler, Gregor (2005): South-South business relations in practice. Chinese merchants in Oshikango, Namibia. Online unter http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=0CD0QFjAE&url=http%3A%2F%2Feldis.org%2Fvfile%2Fupload%2F1%2Fdocument%2F0708%2Fdoc22353.pdf&ei=5crlVMDIIYPDPYasgbgL&usg=AFQjCNEPYvicHen-Gq74XaHR7RilFzFYdQ&bvm=bv.85970519,d.ZWU. Zugriff am 22.03.2016.
Dobler, Gregor (2005): South-South business relations in practice: Chinese merchants in Oshikango, Namibia.
Dornseif, Golf (201): Radikale Chinesen als neue Kolonialherren Namibias. Online unter http://www.golf-dornseif.de/uploads/Radikale_Chinesen_als_neue_Kolonialherren_Namibias.pdf. Zugriff am 22.03.2016.
Du Pisani, Andr? (2014): Namibia and China. Profile and appraisal of a relationship. In: B鰏l, Anton; Du Pisani, Andr?; Zaire, Dennis (eds.): Namibia抯 Foreign Relations. Historic contexts, current dimensions, and perspectives for the 21st Century, pp. 111 134.
Dieterich, Johannes (2013): Afrikaner werfen Chinesen Kolonialismus vor. Online unter https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.china-und-afrika-afrikaner-werfen-chinesen-kolonialpolitik-vor.6035e998-1d2c-4eb1-a48b-856330554832.html. Zugriff am 28.01.2018.
Dymond, Abi (2007): Undermining development? Copper mining in Zambia. London.
Eliassen, Ina Eirin (2012): Chinese Investors: Saving the Zambian Textile and Clothing Industry? Stellenbosch. Online unter http://www.ccs.org.za/wp-content/uploads/2012/11/CCS-Research-Report-Ina-final.pdf. Zugriff am 21.03.2016.
Erdmann, Gero; Simuntanyi, Neo (2003): Transition in Zambia: The Hybridisation of the Third Republic, Lilongwe. Online unter http://www.kas.de/wf/doc/kas_4368-544-1-30.pdf. Zugriff am 21.03.2016.
F鋒nders, Till (2014): Antichinesische Proteste in Vietnam. In der Flugbahn des Bumerangs. Online unter http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/antichinesische-proteste-in-vietnam-in-der-flugbahn-des-bumerangs-12945581.html. Zugriff am 01.03.2017.
Fong, Kelly Nicole (2013): Excavating Chinese America in the Delta: Race and the historical archaeology of the Isleton Chinese American community. Los Angeles.
Fraser, Alastair; Lungu, John (2007): FOR WHOM THE WINDFALLS? Winners & losers in the privatisation of Zambia抯 copper mines. Lusaka.
Fredrickson, George M. (2002): Racism: A Short History. Princeton.
Freie Universit鋞 Berlin (2016): Literaturtheorien im Netz Diskurs. Online unter http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/glossar/diskurs.html. Zugriff am 22.03.2016.
Gahrmann, Christian (2001): Sambia ? ein kurzer Lauf durch die Geschichte. ASA ? L鋘derbericht Tutorengruppe Maren Kandulla. Online unter http://www.sambiahilfe.de/AnhangDateien/Sambiageschichte.pdf. Zugriff am 21.03.2016.
Geulen, Christian (2007): Geschichte des Rassismus. M黱chen.
Gieg, Philip (2010): Great Game um Afrika? Europa, China und die USA auf dem schwarzen Kontinent, W黵zburg.
Goldstein, Andrea; Pinaud, Nicolas; Reisen, Helmut; Chen, Xiaobaio (2006): The Rise of China and India. What`s in it for Africa? Paris.
Grimm, Sabine (1997): Einfach hybrid! Kulturkritische Ans鋞ze der Postcolonial Studies (Teil) 1, in: iz3w Bl鋞ter des Informationszentrums, 3. Weltausgabe 223, August 1997, S. 39?42.
Gro遝 H黷tmann, Martin (2013): Soft Power. In: Gro遝 H黷tmann, Martin; Wehling Hans-Georg (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz. Online unter http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/177268/soft-power. Zugriff am 21.03.2016.
Gu, Xuewu (2005): China Returns to Africa, Trends East Asia (TEA), Nr. 9.
Gu, Xuewu (2006a): China's Involvement in Africa 2006a. Trends and Perspectives. International Reports Issue 10/2006 Online unter http://www.kas.de/wf/doc/kas_9513-544-2-30.pdf?061109175134. Zugriff am 21.03.2016.
Gu, Xuewu (2006b): China als Akteur der Weltpolitik. Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 49/2006) Online unter http://www.bpb.de/apuz/29353/china-als-akteur-der-weltpolitik?p=all. Zugriff am 21.03.2016.
Habermas, J黵gen (1985): Die neue Un黚ersichtlichkeit. Kleine Politische Schriften V. Frankfurt am Main.
Haglund, Dan (2009): Regulating diversity: China and the changing composition of Zambia憇 mining sector. In: The China Monitor (Issue 44), pp. 8?12.
Hairong, Y.; Sautman, B. (2013): 揟he Beginning of a World Empire?? Contesting the Discourse of Chinese Copper Mining in Zambia. In: Modern China 39 (2), pp. 131?164. DOI: 10.1177/0097700412473705.
Hall, Stuart (1994): Rassismus und kulturelle Identit鋞. Z黵ich.
Hall, Stuart (1997): Critical Dialogues in Cultural Studies. London.
Hall, Stuart (1997a): Gramsci`s relevance for the study of race and ethnicity, in: Hall Stuart, Critical Dialogues in Cultural Studies, S. 411?440.
Hall, Stuart (1997b): New ethnicities, in: Hall, Stuart (ed.), Critical Dialogues in Cultural Studies, S. 441?449.
Hansen, Lene (2006): Security as practice. Discourse analysis and the Bosnian war. New York: Routledge.
Harris, Karen L. (2010): Anti-Sinicism: roots in pre-industrial colonial southern Africa. African and Asian Studies (Pretoria), Volume 9, Issue 3, pp. 213?231.
Hartman, Adam (2014): Chinese company workers strike at Namport. Online unter http://www.namibian.com.na/index.php?id=128283&page=archive-read. Zugriff am 22.03.2016.
H鰊ke, Jana (2009): Extractive Orders. Transnational Mining Companies in the Nineteeth and Twenty-first Centuries in the Central African Copperbelt. In: Southall Robert; Melber, Henning (eds.): A new Scramble for Africa? Imperialism, Investment and Development. Scottsville, pp. 274?298.
H黷z-Adams, Friedel; Hummel, David; Knoke, Irene (2014): Partnerschaft auf Augenh鰄e? Die Rolle Chinas in Afrika. Hg. v. S蹹WIND ? Institut f黵 謐omonie und 謐umene. Bonn. Online unter http://www.suedwind-institut.de/fileadmin/fuerSuedwind/Publikationen/2014/2014-22_Partnerschaft_auf_Augenhoehe._Die_Rolle_Chinas_in_Afrika.pdf. Zugriff am 22.03.2016.
imb Institut f黵 Medien und Bildungstechnologie Augsburg (2016): http://qsf.e-learning.imb-uni-augsburg.de/node/764. Zugriff am 22.03.2016.
Informante` Firm but fair (2008): ?We want Indians out!? ? Mukwiilongo. Online unter http://www.informante.web.na/node/2867. Zugriff am 22.03.2016.
Jaing, Wenran (2008): China抯 Emerging Partnership in Afrcia. In: Robert I. Rotberg (eds.): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge, pp. 50?64.
Jauch, Herber; Traub-Merz, Rudolf (eds.) (2006): The Future of the Textile and Clothing Industry in Sub-Saharan Africa. Bonn.
Jauch, Herbert (2006): Africa抯 Clothing and Textile Industry. The Case of Ramatex in Namibia. In: Jauch, Herbert; Traub-Merz, Rudolf (eds.): The Future of the Textile and Clothing Industry in Sub-Saharan Africa. Bonn, pp. 212?226.
Jauch, Herbert; Baah, Anthony Yaw (eds.) (2009): Chinese Investments in Africa: A Labour Perspective. Windhoek.
Jauch, Herbert; Sakaria, Iipumbu (2009): Chinese Investments in Namibia. In: Jauch, Herbert; Bah, Anthony Yaw (eds.): Chinese Investments in Africa: A Labour Perspective, pp. 203?237.
Johnston, Ian Alastair (1998): Cultural Realism. Strategic Culture and Grand Strategy in Chinese History. Princeton.
Kanyenze, Godfrey (2006): The Textile and Clothing Industry in Zimbabwe. In: Jauch Herbert; Traub-Merz, Rudolf (eds.): The Future of the Textile and Clothing Industry in Sub-Saharan Africa. Bonn, pp. 275?290.
Kaplinsky, Raphael (2006): Winners and losers: China抯 trade threats and opportunities for Africa. In: Wild, Leni; Mepham; David (eds.): The New Sinosphere. China in Africa, London pp. 12?21.
Keller, Rainer (2010): Der M黮l der Gesellschaft. Eine wissenssoziologische Diskursanalyse. In: Keller, Rainer; Hirseland, Andreas (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 2: Forschungspraxis. Wiesbaden, S. 197 233.
Keller, Rainer; Hirseland, Andreas (Hg.) (2010): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 2: Forschungspraxis. Wiesbaden.
Keller, Rainer; Hirseland, Andreas (Hg.) (2011): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, Band 1: Theorien und Methoden. Wiesbaden.
Keller, Reiner (2011): Diskursforschung. Eine Einf黨rung f黵 SozialwissenschaftlerInnen. Wiesbaden.
Kerchner, Brigitte, Schneider, Silke (2006): Foucault: Diskursanalyse der Politik: Eine Einf黨rung. Wiesbaden: VS Verlag f黵 Sozialwissenschaften.
Kinzelbach, Katrin (2015): Wei遙uch Menschenrechte in China. Quellen zur Geschichte der Menschenrechte, herausgegeben vom Arbeitskreis Menschenrechte im 20. Jahrhundert. Online unter www.geschichte-menschenrechte.de/schluesseltexte/weissbuch-menschenrechte-in-china/. Zugriff am 28.02.2017.
Kisting, Denver (2010): Govt elusive on 'settler deal'. Economic news. Online unter http://www.namibian.com.na/print.php?id=74170&type=2. Zugriff am 10.09.2017.
Kitissou, Marcel (eds.) (2007): Africa in China`s Global Strategy. London.
K鲞ler, Reinhard (2005): From Genocide to Holocaust? Structural Parallels and Discursoive Continuities. In: Africa Spectrum. Vol 40, No. 2, pp. 309-317.
K鲞ler, Reinhard (2014): Namibia (hrsg. Bundeszentrale f黵 politische Bildung). Online unter http://www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte/54796/namibia. Zugriff am 21.03.2016.
Koyi, Grayson (2006): The Textile and Clothing Industry in Zambia. In: Jauch, Herbert; Traub-Merz, Rudolf (eds.): The Future of the Textile and Clothing Industry in Sub-Saharan Africa. Bonn, pp. 258?274.
Kragelund, Peter (2007): Chinese Drivers for African Development? The Effects of Chinese Investments in Zambia. In: Kitissou, Marcel (ed.): Africa in China`s Global Strategy. London, pp. 162?181.
K黨nhardt, Ludger (2014): Africa Consensus. New Interests, Initiatives and Partners. Washington D.C.
K黨nhardt, Ludger (2017): Die Idee des Eigentums st鋜ken. Online unter https://www.nzz.ch/meinung/compact-with-africa-die-idee-des-eigentums-staerken-ld.1292326. Zugriff am 28.01.2018.
Kurlantzick, Joshua (2006): Beijing抯 Safari. China抯 Move into Africa and Its Implications for Aid, Development and Governance, Washington DC.
Kurlantzick, Joshua (2007): Charme Offensive: How China`s Soft Power Is Transforming the World, New York.
Kwan Lee, Ching (2009): Raw Encounters: Chinese Managers, African Workers and the Politics of Casualization in Africa抯 Chinese Enclaves. Los Angeles.
Langer, Wolfgang (2000): Die Inhaltsanalyse als Datenerhebungsverfahren 2000 M黱chen.
Large, Daniel (2007): As the Beginning ends. China`s Return to Africa. In: Manji, Firoze; Marks, Stephen (eds.): African Perspectives on China in Africa. Nairobi, pp. 135?168.
Larmer, Miles; Fraser, Alastair (2007): OF CABBAGES AND KING COBRA: POPULIST POLITICS AND ZAMBIA扴 2006 ELECTION. In: African Affairs, 106/425, pp. 611?637. Online unter http://users.polisci.wisc.edu/schatzberg/ps362/larmer2007.pdf. Zugriff am 23.03.2016.
Leiprecht, Rudolf (2005): Rassismen (nicht nur) bei Jugendlichen. Beitr鋑e zu Rassismusforschung und Rassismuspr鋠ention. Oldenburg.
Leiprecht, Rudolf (2016): Rassismus ? Debatte und Forschung in Deutschland im Kontext internationaler Bezugnahmen (unver鰂fentlicht).
Levinger, Hannah (2013): China in Afrika ? neue Herausforderungen abseits des Rohstoff-Supercycles. Online unter https://www.dbresearch.de/servlet/reweb2.ReWEB?document=PROD0000000000322704&rwnode=DBR_INTERNET_DE-PROD$NAVIGATION&rwobj=
ReDisplay.Start.class&rwsite=DBR_INTERNET_DE-PROD. Zugriff am 22.03.2016.
Magistad, Mary Kay: Mining in Zambia &mdash, One Year After Collum Coal Incident. In: Pri`s the World vom 4.10.2011. Online unter http://www.pri.org/stories/2011-10-04/mining-zambia-one-year-after-collum-coal-incident. Zugriff am 10.09.2017.
Manji, Firoze; Marks, Stephen (eds.) (2007): African Perspectives on China in Africa. Nairobi.
Mapaure, Clever (2014): Chinese Investments in Zimbabwe and Namibia. A Comparative Legal Analysis. Centre for Chinese Studies. Stellenbosch.
Mapaure, Clever (2014): Chinese Investments in Zimbabwe and Namibia A Comparative Legal Analysis, Stellenbosch. Online unter http://www.ccs.org.za/wp-content/uploads/2014/10/CCS_PhanW_Clever_2014.pdf. Zugriff am 24.03.2016
Maurer, Marcus; Reinemann, Carsten (2006): Medieninhalte. Eine Einf黨rung [Lehrbuch]. 1. Aufl. Wiesbaden
Mawdsley, Emma (2008): Fu Manchu versus Dr. Livingstone in the Dark Continent? How British broadsheet newspapers represent China, Africa and the West in British Broadsheet Newspapers. Pambazuka News Issue 338. Online unter http://www.pambazuka.net/en/category.php/comment/45593/print. Zugriff am 21.03.2016.
Mayring, Philipp (2000): Qualitative Inhaltsanalyse. Online unter http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/1089/2383. Zugriff am 28.01.2018.
Melber, Henning (2009): Global Trade Regimes and Multi-Polarity. The US and Chinese Scramble for African Resources and Markets. In: Southall, Robert; Melber, Henning (eds.): A new Scramble for Africa? Imperialism, Investment and Development. Scottsville, pp. 56?82.
Memmi, Albert (1987): Rassismus. Frankfurt.
Meyns, Peter (2011): 躡erraschender Regierungswechsel Michael Sata: Pr鋝ident Sambias beim vierten Anlauf, in: afrika s黡, zeitschrift zum s黡lichen afrika ? Auszug Heft 5/2011). Bonn. Online unter http://www.issa-bonn.org/publikationen/5-11meyns.htm, Zugriff am 21.03.2016.
Miles, Robert (1991): Rassismus. Einf黨rung in die Geschichte und Theorie eines Begriffs. Hamburg.
Mills, Greg; Skidmore, Natasha (eds.) (2004): Towards China Inc? Assessing the implications for Africa. Johannesburg.
Modi, Renu (2013): Indian and Chinese Soft Power in Africa. In: Xing, Li; Abdulkadir, Osman (eds.): China-Africa Relations in an Era of Great Transformations. Surrey, pp. 127?143.
Monson, Jamie; Haifang, Liu (2011): Railway Time. Technology Transfer and the Role of Chinese Experts in the History of Tazara. In: Dietz, Ton; Havnevik, Kjell; Kaag, Mayke; Oestigaad, Terje (eds.): African Engagements. Africa negotiating an Emerging Multipolar World. Boston, pp. 226?251.
Moyo, Dambisha (2009): Dead Aid. Why Aid is not working and how there is another way for Africa. London.
M黮ler, Tobias (2002): Die Politik der Nationalen Vers鰄nung in Namibia ? Den Spagat 黚erzogen? Freiburg im Breisgau.
Mulowa, Anthony (2011): Trotz scharfer Wahlkampfspr點he muss Sambias neuer Pr鋝ident Sata mit den Chinesen kooperieren. Online unter http://www.dandc.eu/de/article/trotz-scharfer-wahlkampfsprueche-muss-sambias-neuer-praesident-sata-mit-den-chinesen, zuletzt aktualisiert am 25.03.2015, zuletzt gepr黤t am 25.03.2015.
Muneku, Austin C. (2009): Chinese Investments in Zambia. In: Jauch, Herbert; Bah, Anthony Yaw (eds.): Chinese Investments in Africa: A Labour Perspective, Accra und Windhoek, pp. 160?202.
Na, Wu; Reilly, James (2007): China抯 Corporate Engagement in Africa. In: Marcel Kitissou (eds.): Africa in China抯 Global Strategy. London, pp. 132?155.
Ndjebela, Toivo (2011): Chinese loan underused. Online unter http://www.afran.info/modules/smartsection/item.php?itemid=219. Zugriff am 15.03.2015.
Ndulo, Muna (2008): Chinese Investments in Africa. A Case Study of Zambia. In: Ampiah, Kweku; Naidu, Sanusha (eds.): Crouching Tiger, Hidden Dragon: China and Africa. Cape Town, pp. 138?151.
Negi, Robit (2008): Beyond the 揅hinese Scramble?. The Political Economy of Anti-China Sentiment in Zambia, African Geographical Review Vol. 27, Issue 1, pp. 41?63.
Nguyen, Cao Thanh: SAMBIA IN DER 3. REPUBLIK DEMOKRATISCHE TRANSITION UND WIRTSCHAFTLICHE LIBERALISIERUNG VON 1991 BIS 2008.
Niikondo, Andrew (2009): Perceptions on the impact of Chinese businesses in Namibia: a case study of the retail and construction sector in Windhoek. Windhoek, Namibia: Friedrich Ebert Stiftung.
Nkolomba, Martin (2010): Zambia: Collum shooting victims to be compensated. Online unter http://ukzambians.co.uk/home/2010/10/30/zambiacollum-shooting-victims-compensated/. Zugriff am 22.03.2016.
Nullmeier, Frank (2011): Politikwissenschaft auf dem Weg zur Diskursanalyse? In: Keller, Rainer; Hirseland, Andreas (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, Band 1: Theorien und Methoden. Wiesbaden, S. 308?377.
Nye Jr., Joseph S. (2005): Soft Power: The Means To Success In World Politics. New York.
o.V. (2006): 40,000 Chinese in Namibia. South African Migration Project (SAMP). Online unter http://www.queensu.ca/samp/migrationnews/article.php?Mig_News_ID=4107&. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2007): Geld f黵 Geh鋖ter ? Oxfam-Positionspapier Nr. 98. Online unter https://www.oxfam.de/system/files/20070412_geldfuergehaelter_394kb.pdf. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2008): Tibet Der blutige Aufstand eskaliert. Online unter http://www.tagesspiegel.de/politik/international/tibet-der-blutige-aufstand-eskaliert/1190368.html. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2009): China gives, China takes away. Online unter http://www.insight.com.na/china-gives-china-takes-away/. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2010): Zambia: Do not create phobia ? RB. Online unter http://ukzambians.co.uk/home/2010/10/22/zambia-create-phobia-rb/. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2011a): Chinese builders taking over. Online unter http://www.namibiansun.com/chinese-builders-taking-over.4713. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2011b): Zambia drops Chinese bosses' mine shooting charges. Online unter http://www.bbc.com/news/world-africa-12973534. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2012a): China Africa Relations: Frog-Leap Development and Future Challenges. Online unter http://www.focac.org/eng/xsjl/xzzs/t920757.htm. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2012b): Demonstration against Chinese firm drags on. Online unter http://www.namibiansun.com/content/national-news/demonstration-against-chinese-firm-drags. Zugriff am 23.03.2016.
o.V. (2012c): Michael Chilufya Sata Online unter http://www.infoplease.com/encyclopedia/people/sata-michael-chilufya.html. Zugriff am 21.03.2016.
o.V. (2013a): About: History. Online unter http://www.zambian-economist.com/p/about_11.html. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2013b): Cancellation of the mining license for Collum Coal Mine in national interest. Online unter http://ukzambians.co.uk/home/2013/02/27/cancellation-of-the-mining-license-for-collum-coal-mine-in-national-interest/. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2013c): Glencore und das Kupfer Sambias Online unter http://wz.subfiles.net/2013/08/2892-glencore-und-das-kupfer-sambias/. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2014a): Guy Scott Pr鋝ident in Sambia: Erstes wei遝s Staatsoberhaupt in Afrika seit 20 Jahren. Online unter http://www.spiegel.de/politik/ausland/sambia-guy-scott-folgt-als-praesident-auf-michael-sata-a-1000050.html. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2014b): Local party apes Malema鈥檚 EFF. Online unter http://www.namibiansun.com/politics/local-party-apes-malemas-eff.67539. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2014c): Shamenda appalled by reports of Chinese firm forcing Zambian workers to eat dog meat. Online unter https://www.lusakatimes.com/2014/05/13/shamenda-appalled-reports-chinese-firm-forcing-zambian-workers-eat-dog-meat/. Zugriff am 22.03.2016.
o. V. (2014d): Nach Behandlung in London: Sambischer Pr鋝ident Michael Sata ist gestorben. Online unter http://www.spiegel.de/politik/ausland/michael-sata-praesident-von-sambia-gestorben-a-999848.html. Zugriff am 23.03.2016
o.V. (2015a): China pledges to increase investments in the Zambian economy to over US$3 billion. Online unter https://www.lusakatimes.com/2015/02/02/china-pledges-increase-investments-zambian-economy-us3-billion/. Zugriff am 23.03.2016.
o.V. (2015b): Namibia: Youth activists condemn land given to Chinese. Online unter http://www.news24.com/Africa/News/Namibia-Youth-activists-condemn-land-given-to-Chinese-20150310. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2016a): 5 myths about the chinese in Africa. Online unter http://www.reporting-focac.com/5-china-africa-myths.html. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2016): About Us. Online unter https://www.lusakatimes.com/about/. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2016b): Allgemeine Zeitung ? ein Kurzprofil. Online unter http://www.az.com.na/az-profil. Zugriff am 23.03.2016.
o.V. (2016c): CIPEC. Online unter http://www.kupferpreis.info/kupfer-links/cipec/. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2016d): Rassismus ? Rassist und Rassentrennung Online unter http://www.rassismus.de/?option=com_content&view=article&id=50&Itemid=57. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2016e): Rhetorische Frage. Online unter http://wortwuchs.net/stilmittel/rhetorische-frage/. Zugriff am 22.03.2016.
o.V. (2017a): Namibia. Online unter: https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/namibia-node/namibia/208312. Zugriff am 28.01.2018.
o.V. (2017b): Namibia Lebenserwartung bei Geburt. Online unter https://www.indexmundi.com/de/namibia/lebenserwartung_bei_geburt.html. Zugriff am 28.01.2018.
o.V. (2018a): goruma Sambia: Bev鰈kerung und St鋎te. Online unter: http://www.goruma.de/Laender/Afrika/Sambia/Bevoelkerung/ Zugriff am 28.01.2018.
o.V. (2018b): Namibia Rohstoffe ? Afrika ? Namibia (2018): Online unter http://www.schatzwert.de/rohstoffe/bodenschaetze/bodenschaetze-namibia.html. Zugriff am 28.01.2018.
o.V. (2018c): Human Development Index (HDI). Online unter http://www.laenderdaten.de/indizes/hdi.aspx. Zugriff am 28.01.2018.
o.V. (2016): namibia-facts. Online unter http://www.namibiafacts.de/bevoelkerung. Zugriff am 21.5.2016.
Obiorah, Ndubisi (2007): Who抯 afraid of China in Africa? Towards an African Civil Society Perspective on China-Africa Relations. In: Manji, Firoze; Marks, Stephen (eds.): African Perspectives on China in Africa. Nairobi, pp. 35?55.
Obiorah, Ndubisi (2008): Rise and Rights in China-Africa Relations. edited by The Johns Hopkins University. Centre for Law and Social Action. Lagos, Nigeria. Online unter https://www.sais-jhu.edu/sites/default/files/Rise-and-Rights-in-China-Africa-Relations.pdf. Zugriff am 05.02.2018.
Obiorah, Ndubisi; Kew, Darren; Tanko, Yusuf (2008): 揚eaceful Rights? and Human Rights. China`s Expanding Relations with Nigeria. In: Rotberg, Robert I. (ed.): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge, pp. 272?295.
Okeowo, Alexis (2013): China, Zambia, and a Clash in a Coal Mine. In: The New Yorker 9. Oktober 2013. Online unter http://www.newyorker.com/business/currency/china-zambia-and-a-clash-in-a-coal-mine. Zugriff am 24.03.2016.
Olsen, Gorm Rye (2011): China into Africa. Conflict or the Triumph of Western Order? In: Dietz, Ton; Havnevik, Kjell; Kaag, Mayke; Oestigaad, Terje (eds.): African Engagements. Africa negotiating an Emerging Multipolar World. Boston, pp. 204?225.
Ong抋yo Otieno, Antony (2011): China-Africa Relations. The Relevance of Strategic Engagement of African Civil Society Organisations with China. In: Dietz, Ton; Havnevik, Kjell; Kaag, Mayke; Oestigaad, Terje (eds.): African Engagements. Africa negotiating an Emerging Multipolar World. Boston, pp. 252?279.
Pere, Garth le (ed.) (2007): China in Africa. Mercantilist predator, or partner in development? Johannesburg.
Postel, Hannah (2015): Following the Money: Chinese Labor Migration to Zambia. Migration Polica Insitute. Online unter http://migrationpolicy.org/article/following-money-chinese-labor-migration-zambia. Zugriff am 22.03.2016.
Prakash, Gyan (ed.) (1995): After Colonialism. Imperial Histories and postcolonial displacements. Princeton.
P黨retmayer, Hans; Puller, Armin (2011): 8.2 Kulturalistischer Rassismus als Naturalisierung und Legitimierung rassistischen Handelns. Hg. v. Fakult鋞 f黵 Sozialwissenschaften, Universit鋞 Wien. Wien. Online unter http://www.univie.ac.at/sowi-online/esowi/cp/denkenpowi/denkenpowi-64.html. Zugriff am 24.03.2016
R鋞her, Frank (1999): NAMIBIA Zu viel Personenkult. Online unter http://www.focus.de/politik/ausland/namibia-zuviel-personenkult_aid_175812.html. Zugriff am 22.03.2016
Rebol, Max (2010): Public perceptions and reactions: Gauging African views of China in Africa. edited African Journal of Agricultural Research, Vol. 5 (25) 3524-3535. Online unter http://www.academicjournals.org/journal/AJAR/article-full-text-pdf/EBA338F30758
Rocha, John (2007): A new Frontier in the Exploitation of Africa`s Natural Resources. The Emergence of China. In: Manji, Firoze; Marks, Stephen (eds.): African Perspectives on China in Africa. Nairobi, pp. 15?34.
Rommelspacher, Birgit (2009): Was ist eigentlich Rassismus? Online unter: http://www.birgit-rommelspacher.de/pdfs/was_ist_rassismus.pdf. Zugriff am 13.6.2016.
Rotberg, Robert I. (eds.) (2008): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge.
Rotbert, Robert I. (2008): China`s Quest for Ressources, Opportunities and Influence in Africa. In: Rotberg, Robert I. (ed.): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge, pp. 1?20.
Rupp, Stefanie (2008): Africa and China. Engaging Postcolonial Interdependencies. In: Rotberg, Robert I. (ed.): China into Africa. Trade, Aid and Influence. Cambridge, pp. 65?86.
Said, Edward (1995): Secular interpretation, the geographical element, and the methodology of imperialism. In: Prakash, Gyan (ed.): After Colonialism. Imperial Histories and postcolonial displacements. Princeton, pp. 21?39.
Said, Edward (2003): Orientalism: Western Conceptions of the Orient. London.
Sandner, Phillip: Afrikas schlummerndes Wirtschaftspotenzial | Afrika | DW.DE | 13.09.2012. Deutsche Welle (www.dw.de). Online unter http://www.dw.de/afrikas-schlummerndes-wirtschaftspotenzial/a-16237437. Zugriff am 15.02.2015.
Sautman, Barry (2013): The Chinese Defilement Case: Racial Profiling in an African 揗odel of Democracy?. In: Rutgers Race & the Law Review (Vol. 14), pp. 87?134.
Sautman, Barry; Yan, Hairong (2006): Honour and shame? China`s Africa ties in comparative context. In: Wild, Leni; Mepham, David (eds.): The New Sinosphere. China in Africa, London pp. 54?62.
Sautman, Barry; Yan, Hairong (2009): Chinese Activities in Zambia. More than Just Mining. In: The China Monitor (Issue 44), pp. 4?8.
Scheen, Thomas (2014 a und b): Namibia schickt sich zum Aufstieg an. Frankfurter Allgemeine Zeitung. Online unter http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/die-wirtschaft-von-namibia-schickt-sich-zum-aufstieg-an-12988801.html. Zugriff am 22.03.2016.
Schmieder, Christian (2008): 凜OMPUTERGEST躎ZTE QUALITATIVE DATENANALYSE: TECHNIK DER LEGITIMATION ? LEGITIMATION DER TECHNIK Eine qualitative Studie zur Verwendung von MAXQDA in akademischem Forschen?, Freiburg.
Sch鰊herr, Markus (2015): Wir werden euch t鰐en. Pro-pal鋝tinensische Gruppen machen immer aggressiver gegen die j黡ische Gemeinde mobil. Online unter http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/22262. Zugriff am 27.09.2017.
Schubert, Klaus; Klein, Martina (2011): Das Politiklexikon. Bonn. Online unter http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/politiklexikon/18092/rassismus. Zugriff am 24.03.2016.
Schwab-Trapp, Michael (2010): Methodische Aspekte der Diskursanalyse. Probleme der Analyse bei kursiven Auseinandersetzungen am Beispiel der deutschen Diskussion 黚er den Kosovokrieg. In: Keller, Rainer; Hirseland, Andreas (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 2: Forschungspraxis. Wiesbaden, S. 171 197.
Schwikowski, Martina (2013): Pr鋝ident Satas Streit mit Investoren: Sambias Ausverkauf an China stoppen. Online unter http://www.taz.de/!82014/, zuletzt aktualisiert am 01.08.2013. Zugriff am 22.03.2016.
Seidler, John David (2016): Die Verschw鰎ung der Massenmedien. Eine Kulturgeschichte vom Buchh鋘dlerkomplott bis zur L黦enpresse. Bielefeld.
Senger, Harro von (2008): Supraplanung. Unerkannte Denkhorizonte aus dem Reich der Mitte. M黱chen.
Sherboune, Robert (2007): China`s growing presence in Namibia. In: Garth Pere le (eds.): China in Africa. Mercantilist predator, or partner in development? Johannesburg, pp. 160?171.
Shilongo, Anna (2008): Namibians Protest Against Arms Ship. Online unter http://www.newera.com.na/2008/04/25/namibians-protest-against-arms-ship/. Zugriff am 22.03.2016.
Shinovene, Immanuel (2014): Malema's EFF fever hits Namibia. Online unter http://www.namibian.com.na/index.php?id=124911&page=archive-read. Zugriff am 22.03.2016.
Southall, Robert; Melber, Henning (eds.) (2009): A new Scramble for Africa? Imperialism, Investment and Development. Scottsville.
Stumpf, Heiko (2015): Marktchancen in Namibia. Hg. v. Germany Trade & Invest. Online unter http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/rade/
Maerkte/suche,t=marktchancen-in-namibia,did=1176824.html. Zugriff am 22.03.2016.
Terkessidis, Mark (2004): Die Banalit鋞 des Rassismus. Migranten zweiter Generation entwickeln eine neue Perspektive. Bielefeld.
Tharoor, Ishaan: Human Rights Watch Reports Abuses in Chinese-Run Mines in Zambia. In: TIME vom 4.11.2011. Online unter http://world.time.com/2011/11/04/human-rights-watch-reports-abuses-in-chinese-run-mines-in-zambia/. Zugriff am 24.03.2016.
Thompson, Drew (2007): China`s Emerging Interests in Africa. Opportunities and Challenges for Africa and the United States. In: Kitissou, Marcel (ed.): Africa in China`s Global Strategy. London, pp. 45?55.
Tull, Denis M. (2005): Die Afrikapolitik der Volksrepublik China. Berlin.
Unterberg, Swantje (2014): Schlacht am Waterberg 凙ufr鋟men, aufh鋘gen, niederknallen?. Online unter http://www.spiegel.de/einestages/herero-aufstand-1904-schlacht-am-waterberg-in-deutsch-suedwestafrika-a-984565.html. Zugriff am 01.03.2017.
van Bracht, G閞ard (2012): A survey of Zambian views on Chinese people and their involvement in Zambia. In: THE CHINA MONITOR AFRICAN EAST-ASIAN AFFAIRS, Issue 1, August 2012, pp. 54?97.
Vensky, Hellmuth (2010): Aus Deutsch-S黡westafrika wird Namibia. In: Die Zeit, 19.03.2010.
Waldschmidt, Anne (2010): Der Humangenetik-Diskurs der Experten. Der Werkzeugkasten der Diskursanalyse. In: Keller, Rainer; Hirseland, Andreas (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 2: Forschungspraxis. Wiesbaden, pp. 148?170.
Wild, Leni; Mepham, David (eds.) (2006): The New Sinosphere. China in Africa. London.
Willis, Ben (2014): China, Africa, and Neo-Colonialism. Edited University of Plymouth. Online unter http://www.e-ir.info/2014/01/22/china-africa-and-neo-colonialism/. Zugriff am 22.03.2016.
Xing, Li; Abdulkadir, Osman (eds.) (2013): China-Africa Relations in an Era of Great Transformations. Surrey.
Xing, Li; Stewart, Ashley Kim (2013): Beyond Debating the Differences. China抯 Aid and Trade in Africa. In: Xing, Li; Abdulkadir, Osman (eds.): China-Africa Relations in an Era of Great Transformations. Surrey, pp. 23?48.
Yan, Hairong; Sautman, Barry (2013): 揟he Beginning of a World Empire?? Contesting the Discourse of Chinese Copper Mining in Zambia. In: Modern China, 39 (2) 2013, pp. 131?164.
Yan, Hairong; Sautman, Barry (2014): Bashing 憈he Chinese?. contextualizing Zambia抯 Collum Coal Mine shooting. In: Journal of Contemporary China 2014.
Yi-chong, Xu (2013): Capitalist or Villain. Chinese SOEs in Africa. In: Xing, Li; Abdulkadir, Osman (eds.): China-Africa Relations in an Era of Great Transformations. Surrey, pp. 87?106.
Zick, Andreas (2010): Spielarten des Rassismus. Heinrich-B鰈l-Stiftung. Online unter https://heimatkunde.boell.de/2010/04/01/spielarten-des-rassismus. Zugriff am 23.03.2016.

Zusammenfassung

Die chinesische Präsenz in Afrika nimmt seit Jahren zu. Die afrikanischen Länder verzeichnen eine Zuwanderung von Chinesen im Zuge des mit den jeweiligen Regierungen vereinbarten Rohstoffabbaus und der Investition in Infrastrukturprojekte. Die Forschung zu diesem Phänomen ist auf die Frage nach Art und Motivation der chinesischen Regierung fokussiert. Dabei wird oft übersehen, dass sich in Afrika zunehmend Widerstand gegen die chinesischen Bestrebungen formiert.

Gunnar Henrich untersucht in seiner Dissertation mit einer Diskursanalyse zwei afrikanische Staaten im Süden Afrikas: Namibia und Sambia. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage, wie der antichinesische Protest zustande gekommen ist, welche Verläufe und Formen er angenommen hat und ob er gar als Rassismus auftritt. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass der Protest häufig rassistische Formen annimmt. Wenden die ehemaligen Opfer rassistischer Kolonialpolitik selbst zunehmend rassistische Argumentationsformen an? Gibt es gar einen „umgedrehten Rassismus“? Henrich schließt mit seiner Arbeit eine Forschungslücke und trägt so zum gegenwärtigen Diskurs bei.