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10 Zusammenfassung und Ausblick in:

Gunnar Henrich

Antichinesischer Protest in Sambia und Namibia, page 261 - 266

Politische Verstimmungen oder rassistische Ressentiments?

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4253-3, ISBN online: 978-3-8288-7166-3, https://doi.org/10.5771/9783828871663-261

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Politikwissenschaften, vol. 80

Tectum, Baden-Baden
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261 10 Zusammenfassung und Ausblick Die vorliegende Arbeit beantwortet die Frage nach dem Vorhandensein von rassistischen Ressentiments gegenüber Chinesen in Afrika. Deshalb wurden in den beiden afrikanischen Staaaten Namibia und Sambia die jeweiligen antichinesischen Proteste auf das Vorhandensein rassistischer Ressentiments hin untersucht. Dabei stehen drei Fragen im Vordergrund: Wie genau sehen die antichinesischen Ressentiments aus, wer äußert sie und in welchem Kontext treten sie auf? Das Ziel der Untersuchung ist es, die Protestformen zu kategorisieren und auf dieser Grundlage systematisch zu analysieren. Als Methode wurde die Inhaltsanalyse verwendet. Mit den „Postcolonial Studies“ von Edward Said und Homi K. Bhabha wurde die Diskursanalyse als Methode verwendet. Aus der Diskursanalyse geht die qualitative Inhaltsanalyse hervor. Bei ihr geht es darum, Kategorien zu entwickeln, die die Hauptunterscheidungs- und Einordnungsmerkmale für das Analysematerial bilden. Das Material wurde nach formalen und inhaltlichen Gesichtspunkten mit dem Computerprogramm MAXQDA ausgewertet. Die entstandenen Diskurse weisen erhebliche Merkmale von Rassismus auf. Aufgrund der historischen Erfahrungen, die das Selbstverständnis der namibischen und sambischen Bevölkerung der Kolonialzeit bis in die Gegenwart prägen, wird die chinesische Präsenz als Hinweis auf eine neue Kolonialmacht gedeutet. Das koloniale Verhalten Chinas beeinflusst sowohl den antichinesischen Protest als auch den Rassismus und die daraus entstehenden Diskurse. Zunächst war es notwendig, den Begriff „Rassismus“ aus wissenschaftlicher Perspektive zu erläutern und die Bandbreite rassistischer Merkmale in Diskursen aufzuzeigen. Es gibt mehrere theorieübergreifende Merkmale, die die Basis der Untersuchung bilden. Der Rassist unterscheidet regelmäßig zwischen zwei Menschengruppen zum Vorteil der einen und Nachteil der anderen Gruppe, indem er entweder auf biologische oder kulturelle Merkmale abstellt. Wie ein roter Faden zieht sich die koloniale Vergangenheit vieler westlicher Staaten 262 durch die Rassismusforschung. Rassismustheorien haben ihren Anfang häufig in der Kolonialzeit. Dabei kann Rassismus nach Leiprecht auch umgedreht zuungunsten der ehemaligen Kolonialvölker von den damals dominierten und unterdrückten Völkern ausgehen. Auch wirtschaftliche Klassenzugehörigkeit wird als Zuschreibungsmerkmal für rassistische Unterscheidungen herangezogen. Fehlt in den Aussagen der Hinweis, dass Rassismus verneint wurde, können die antichinesischen Ressentiments als reiner Protest eingeordnet werden. Der Protest kann aggressiv, verzweifelt oder sachlich sein – ohne rassistische Merkmale bleibt er auf einer Ebene unterhalb von Rassismus. Für die Identifizierung des antichinesischen Protests wurden drei Datenkörbe aus öffentlich zugänglichen Quellen analysiert. Für den ersten Datenkorb wurden angesichts einer geringen Anzahl von Presseerzeugnissen öffentlicher Zeitungen in beiden Staaten die Internetauftritte von zwei ausgewählten Zeitungen ausgewertet. Dazu gehören auch Blogeinträge von Lesern. Im Falle Sambias geht es um die Internetauftritte der beiden Zeitungen „Lusaka Times“ und „Zambian Economist“. In Namibia wurden die Onlinearchive der beiden Zeitungen „Allgemeine Zeitung“ und „The Namibian“ untersucht. Der zweite Datenkorb besteht aus Aussagen relevanter politischer Kommunikatoren des antichinesischen Protests. Es handelte sich jeweils um zwei hinsichtlich der chinesischen Aktivitäten besonders intensiv engagierte namibische und sambische Politiker. In Sambia wurde der Oppositionspolitiker und spätere Präsident Michael Chilufya Sata und der gegenwärtig amtierende Informationsminister Chishimba Kambwili ausgewählt. In Namibia bezog sich die Auswertung auf Aussagen der beiden Oppositionspolitiker Epafras Mukwiilongo und Benjamin Ulenga. Der dritte Datenkorb zeigt die antichinesischen Meinungen aus befragten repräsentativen Teilen der Bevölkerung. Ausgewertet wurden drei Untersuchungen, die zum Thema sowohl Einzelinterviews als auch vorformulierte Fragen zur chinesischen Wahrnehmung in Namibia und Sambia enthalten. Der Zeitraum der Untersuchung der drei Datenkörbe beläuft sich vom 1.1.2010 bis 31.12.2014. In diese Phase fällt die Amtszeit des größten Chinakritikers in Sambia, Michael Chilufya Sata, die von 2011 bis zu seinem Tod 2014 dauerte. In Namibia trat in dem ausgewählten Zeitraum Epafras Mukwiilongo als Oppositionspolitiker auf, der ähnlich wie Sata in Sambia einen Wahlkampf gegen die chinesischen Aktivitäten im Land führte. Der erste Datenkorb besteht aus vier Kategorien. Die Kategorien bilden jeweils den politischen, sozioökonomischen, historischen und rassistischen Protest ab. Für die politische Kategorie ist ausschlaggebend, ob der Artikel 263 einen politischen Bezug zu den chinesischen Aktivitäten herstellt. Dieses Vorgehen stützt sich auf den Vorwurf politischer Kontrolle durch China oder durch Kritik an der sambischen bzw. namibischen Regierung. Die sozioökonomische Kategorie bildet die Bandbreite der wirtschaftlichen Probleme mit den Chinesen ab: Dazu gehören unzureichende Arbeitsbedingungen in den chinesischen Unternehmen und die Konkurrenz von chinesischen Mitbewerbern im Bau- und Einzelhandelsgewerbe. Der historische Protest beleuchtet die Vorwürfe des Neokolonialismus gegenüber der chinesischen Regierung. Die Kategorie rassistischer Protest beschreibt die rassistischen Äußerungen über Chinesen als Ethnie, der insgesamt unerwünschte Eigenschaften zugeschrieben werden. In der Empirie zeigt sich, dass der Rassismus am stärksten in den Zeitungsartikeln und Blogeinträgen auftaucht. Offenbar gibt es Unterschiede zwischen Politikern und Befragten aus der Bevölkerung. Politiker achten mehr auf ihre Worte und ihre Fragen sind vorgegeben, was rassistische Äußerungen eher unterbindet. In dieser Arbeit sind sechs Diskursmuster herausgearbeitet worden. Die Diskursmuster bilden dabei sowohl rassistische Ressentiments als auch politische Verstimmungen dazu ab. Zu den Diskursmustern gehören Kolonialismusvorwürfe, rhetorische Fragen, Zahlenspiele, Rückschlüsse von Einzelfällen auf die Allgemeinheit, Überfremdungsängste und Verschwörungstheorien. Die Arbeit zeigt die Entstehung einer breiten und politisch manipulierten Protestbewegung gegen chinesische Investitionen in Namibia und Sambia. Diese Protestbewegung wird in erster Linie über die neuen Medien verbreitet, die die Möglichkeit für Leser bieten, in Blogbeiträgen und Kommentaren die wirtschaftlichen Aktivitäten der Chinesen anzuprangern. Hinzu kommen Oppositionspolitiker, die sich die antichinesischen Ressentiments zunutze machen, um Wahlen zu gewinnen. Wie der politische Aufstieg von Michael Sata zeigt, wird der Protest von Oppositionspolitikern instrumentalisiert. Die Protestformen zeigen sich auf mehreren Ebenen: Einerseits kommt es in beiden Staaten wiederholt zu Klagen über Misshandlungen von sambischen und namibischen Angestellten chinesischer Unternehmen, in Sambia speziell im Bergbau. Die chinesischen Arbeitgeber zahlen zu geringe Löhne, halten sich nicht an Arbeitsschutzgesetze und sind dem Vorwurf ausgesetzt, gegen afrikanische Arbeiter und Angestellte mit Gewalt vorzugehen. Es kam aus diesem Grund in beiden Staaten bereits zu Unruhen und Streiks, die zu Verletzten und sogar Todesopfern führten. Des Weiteren wird im Einzelhandel der beiden Staaten die Überflutung mit preiswerten chinesischen Waren beklagt, mit denen die sambische und namibische Konkurrenz unterboten und in der Folge die wirtschaftliche Existenz dieser Kleingewerbetreibenden 264 und Händler gefährdet wird. In Namibia ist die Situation im Baugewerbe besonders kritisch. Fast drei Viertel aller staatlichen Bauaufträge werden an chinesische Unternehmen vergeben. Die namibische Bauindustrie leidet unter dieser offensichtlichen Ungleichbehandlung. Möglicherweise verfügt die namibische Bauindustrie nicht über das notwendige technische Know-how, um komplexe Bauprojekte zu realisieren. In arabischen Staaten ist es beispielsweise so, dass dort europäische Baukonzerne die Märkte beherrschen. Dies deutet darauf hin, dass die einheimischen Bauunternehmen nicht konkurrenzfähig sind. Es ist zumindest möglich, dass es sich in Namibia ähnlich verhält. Eine ganz erhebliche Rolle spielt das Verhalten der jeweiligen Regierungen. Weder die namibische noch die sambische Regierung gehen gegen unerwünschte chinesische Aktivitäten in ihren Ländern vor. Insofern tragen die Regierungen eine wesentliche Verantwortung für den wachsenden Unmut in der Bevölkerung, weil sie es versäumen, entsprechende Schutzmechanismen zu institutionalisieren. Die Frage nach Kontinuitäten und Brüchen in den chinesisch-sambischen bzw. chinesisch-namibischen Beziehungen kann folgendermaßen beantwortet werden: In den Beziehungen der Regierungen beider Staaten mit der chinesischen Regierung gibt es keine Brüche. In Sambia hat Sata nur als Oppositionsführer die chinesischen Aktivitäten im Land kritisiert. Als Staatspräsident hat er die Politik seiner Vorgänger unverändert weitergeführt. Es besteht eine enge Kooperation zwischen den afrikanischen und den chinesischen Eliten. Die Kooperation öffnet die Türen für chinesische Investoren. Die chinesischen Unternehmer profitieren durch den Rohstoffabbau und den Absatzmarkt ihrer Produkte. Die afrikanischen Politiker verdienen an den chinesischen Abgaben und Finanzhilfen. Auch die vielen staatlichen Bauaufträge an chinesische Unternehmen in Namibia sind für die Politiker von Vorteil, vermutlich werden sie sehr kostengünstig ausgeführt. China hatte unter Mao Zedong beide Staaten in ihrem Befreiungskampf von den Kolonialherren unterstützt und sie anschließend wirtschaftlich massiv gefördert. In Namibia regiert immer noch die Partei, die das Land 1990 in die Unabhängigkeit geführt hat. In Sambia stellte die Unabhängigkeitsbewegung bis 2011 den Staatspräsidenten. Neben den ablehnenden Kommentaren in den Zeitungsartikeln gegenüber den Chinesen gab es auch eine Reihe von positiven Beiträgen zu den chinesisch-afrikanischen Beziehungen. Es könnte sein, dass hinter den versöhnlicheren Kommentaren zu China die sambischen und namibischen Eliten stehen, die ihre vorteilhaften Geschäftsbeziehungen mit China durch die Proteste gefährdet sehen. Viele Sambier waren von Sata enttäuscht, weil er seine popu- 265 listischen Versprechungen, gegen die Anwesenheit der Chinesen vorzugehen, nicht einlöste, sondern sich ganz im Gegenteil wie die Vorgängerregierungen mit den Chinesen arrangierte. Im Fall Sambias haben die sambischen Eliten die Verantwortung für die Bergwerke im Wesentlichen den Chinesen überlassen. Dadurch treten sie zum einen nicht mehr als Verantwortliche für die historisch gesehen immer protestbereiten Bergarbeiter in Erscheinung. Zum anderen profitieren die sambischen Eliten als Empfänger der chinesischen Finanzhilfen nach wie vor von der Kupfererzförderung. Die Schwierigkeiten, die durch die Benachteiligung der Arbeiter – in Form von Lohnkürzungen, ungenügendem Arbeitsschutz und Misshandlungen – hervorgerufen wurden, haben jetzt die chinesischen Bergbauunternehmen zu verantworten. Die Chinesen machen sozusagen die „Drecksarbeit“ für die einheimischen Eliten, die nun nicht mehr direkt im Fadenkreuz der sambischen Proteste stehen. Die Regierungsübernahme des ehemals sehr chinakritischen Politikers Sata, der zu Oppositionszeiten die Ängste und Befürchtungen der Bevölkerung aufgriff, änderte nicht die stillschweigende Kooperation zwischen den sambischen politischen Eliten und den chinesischen Bergbauunternehmen. Dieses Ergebnis lässt den Schluss zu, dass vor allem die Eliten beider Staaten von den chinesischen Investitionen profitieren. Die These der Arbeit lautet, dass sich Rassismus erst in einer Gesellschaft etabliert, wenn mehrere Diskursmuster zusammentreffen. Die einzelnen Diskurse werden durch Diskursformen sichtbar. Zum einen gibt es Ereignisse wie die Vorfälle in der Collum Mine bzw. der Chambishi Mine. Die Unglücksfälle bilden den Anlass für die These, dass die Chinesen die Unfälle absichtlich herbeigeführt hätten. Begründet wird diese spekulative Behauptung damit, dass kein Chinese unter den Opfern war. Spekulativ sind auch die Verschwörungstheorien, die eine politische Übernahme oder eine Neukolonisierung von Namibia und Sambia durch die chinesische Regierung prophezeien. Gerade die Bezugnahme auf die ehemalige Kolonialzeit hat diesen intensiven Diskurs beflügelt. Ein weiterer Diskurs zeigt sich in den Äußerungen der beteiligten Politiker – aus der Oppositionsrolle heraus ist die politische Kritik wesentlich härter als von Regierungsseite. Ein anderer Diskurs ist die Kritik seitens der Bevölkerung, dass die jeweilige Regierung überhaupt nicht das Wohl der eigenen Bürger im Auge habe, sondern eng mit den Chinesen paktiere. Tatsächliche Ereignisse wie die Vergabe von chinesischen Stipendien an Angehörige namibischer Politiker und Verschwörungstheorien wie die chinesische Kontrolle der namibischen und sambischen Regierung werden in einen Kontext gestellt und bewirken auf diese Weise rassistische Vorurteile. Eine große Rolle spielt auch die Enttäuschung der Wähler über Sata, die sich um ihre Hoffnungen hinsichtlich eines Eingreifens gegenüber den chinesischen 266 Bergbauunternehmen betrogen fühlen. Alle diese Diskurse bedingen einander und verstärken sich. Die vorliegende Arbeit hat die Ursachen antichinesischen Protests aufgezeigt. Es sind zusammengenommen die vier Hauptformen rechtliche Ungleichbehandlung, ethnische Abwertung, koloniale Vergangenheit und sozioökonomische Angst und Kritik. Das Zusammenkommen mehrerer Diskursmuster und die Bestimmung des Diskurses über eine einzelne Ethnie führen zu Rassismus in der sambischen und namibischen Gesellschaft. Dabei hat sich gezeigt, dass die Chinesen entsprechend agieren, weil sie sich als Arbeitgeber gegenüber den Sambiern und Namibiern überlegen fühlen. Sie behandeln sie wie Menschen zweiter Klasse, was impliziert, dass sie sich selbst als höherwertig wahrnehmen. Da die Sambier und Namibier in ihren Augen minderwertig sind, zeigen sie ihre scheinbare Überlegenheit dadurch, dass sie geringere Löhne zahlen, ihrer Aufsichts- und Fürsorgepflicht nicht nachkommen und teilweise gewalttätig werden. Im Mittelpunkt stehen handfeste wirtschaftliche Interessen, um Gewinne zu maximieren, indem der einheimischen Bevölkerung gerechte Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen verwehrt bleiben. Auf der anderen Seite sehen sich die Namibier und Sambier als die wertvolleren, über den Chinesen stehenden Menschen an. Sie lassen sich zwar im Arbeitsleben von den Chinesen unterdrücken und nehmen diskriminierende Behandlungen stillschweigend hin, wehren sich aber durch die wirtschaftliche Übermacht der Chinesen zum Beispiel durch herabwürdigende Vergleiche mit in ihren Augen minderwertige Tiere: Die Chinesen seien „Hunde“, „Affen“, „Moskitos“, „Vampire“ u.a. Sie werfen ihnen brutales und menschenverachtendes Handeln vor. Natürlich müssen wir davon ausgehen, dass, wenn von den Chinesen die Rede ist, nicht immer die ganze Ethnie gemeint ist, genauso verhält es sich bei den Sambiern und Namibiern. Aber auch wenn nur ein geringer Teil der Ethnie durch eine andere herabgewürdigt wird, ist diese Entwertung eine Form von Rassismus. Das Beispiel von China in Namibia und Sambia zeigt, dass überall, wo Fremde hinkommen und frühere Ressentiments mobilisiert werden, Rassismus entstehen kann. Abgesehen vom afrikanischen Kontinent zeigt sich im Jahr 2017 eine Renaissance des Rassismus in der westlichen Welt, inbesondere bei neugewählten Politikern. Könnten die Fälle von Namibia und Sambia ein warnendes Beispiel sein? Jedenfalls wird Rassismus nie ganz verschwinden, ganz unabhängig von der Frage, um welche Gesellschaft es sich handelt. Es wird immer großer Anstrengungen bedürfen, den sich ausbreitenden Rassismus einzudämmen. Nur mit dem gemeinsamen Willen, Toleranz und Verständnis für den jeweils anderen zu zeigen, wird dies gelingen.

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References

Zusammenfassung

Die chinesische Präsenz in Afrika nimmt seit Jahren zu. Die afrikanischen Länder verzeichnen eine Zuwanderung von Chinesen im Zuge des mit den jeweiligen Regierungen vereinbarten Rohstoffabbaus und der Investition in Infrastrukturprojekte. Die Forschung zu diesem Phänomen ist auf die Frage nach Art und Motivation der chinesischen Regierung fokussiert. Dabei wird oft übersehen, dass sich in Afrika zunehmend Widerstand gegen die chinesischen Bestrebungen formiert.

Gunnar Henrich untersucht in seiner Dissertation mit einer Diskursanalyse zwei afrikanische Staaten im Süden Afrikas: Namibia und Sambia. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage, wie der antichinesische Protest zustande gekommen ist, welche Verläufe und Formen er angenommen hat und ob er gar als Rassismus auftritt. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass der Protest häufig rassistische Formen annimmt. Wenden die ehemaligen Opfer rassistischer Kolonialpolitik selbst zunehmend rassistische Argumentationsformen an? Gibt es gar einen „umgedrehten Rassismus“? Henrich schließt mit seiner Arbeit eine Forschungslücke und trägt so zum gegenwärtigen Diskurs bei.