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1 Einleitung in:

Gunnar Henrich

Antichinesischer Protest in Sambia und Namibia, page 11 - 18

Politische Verstimmungen oder rassistische Ressentiments?

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4253-3, ISBN online: 978-3-8288-7166-3, https://doi.org/10.5771/9783828871663-11

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Politikwissenschaften, vol. 80

Tectum, Baden-Baden
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11 1 Einleitung Ein von der internationalen Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommener Konflikt spielt sich auf dem afrikanischen Kontinent ab. Dort kommt es vermehrt zu Ressentiments und Ausschreitungen gegen dort lebende Angehörige eines Staates, der erst seit etwa zehn Jahren die wirtschaftliche und politische Situation im postkolonialen Afrika zu beeinflussen versucht: die Volksrepublik China. Besonders andauernd und intensiv sind die Probleme vor allem in Namibia und Sambia. In beiden Staaten besteht ein sich zunehmend radikalisierender Protest gegen chinesische Investoren und Einwanderer. Während die beiden Regierungen die chinesischen Finanzhilfen und Investitionen willkommen heißen, wird in der Bevölkerung eine immer stärkere Ablehnung gegenüber chinesischen Investoren und Migranten, die hauptsächlich als Kleingewerbetreibende in Erscheinung treten, deutlich. Die Chinesen werden entweder als unfaire und finanziell besser ausgestattete Konkurrenten oder als völlig rücksichtslose Arbeitgeber angesehen. Es kam in den vergangenen Jahren bereits zu kleineren Ausschreitungen, auch populistisch orientierte Parteien und Politiker machen sich das Thema zunutze und mobilisieren die Wähler mit antichinesischen Ressentiments. Es stellt sich zunächst die Frage, wie sich die antichinesischen Ressentiments zeigen, wer sie artikuliert und in welchem Kontext sie auftreten. Die vorliegende Arbeit untersucht anhand eines Vergleichs der zwei afrikanischen Staaten im südlichen Afrika, Namibia und Sambia, wie der antichinesische Protest zustandegekommen ist, welche Verläufe und Formen er angenommen hat und wann er als Rassismus auftritt. Diesbezüglich soll zunächst aufgezeigt werden, dass eine veränderte Wahrnehmung der Rolle Chinas seitens der afrikanischen Bevölkerung zu beobachten ist: Von einem offiziell als gleichberechtigten Freund mit gemeinsamer Erfahrung kolonialer Fremdbestimmung ändert sich die afrikanische Wahrnehmung über China hin zu einem übermächtigen, rücksichtslosen Ausbeuter und Unterdrücker. In der Literatur wird auf die zunehmend ablehnende Einstellung der Afrikaner gegenüber den chinesischen Wirtschaftspraktiken im postkolonialen Afrika 12 verwiesen.1 So schlägt Ludger Kühnhardt vor, das finanzielle Potenzial der rund sechs Millionen Auslandschinesen in Europa und den USA von mehr als 600 Mrd. US-$ für gezielte Investitionen in Afrika nutzbar zu machen und dadurch die Abhängigkeit von den ausländischen Geldgebern zu verringern, deren Entwicklungshilfe zu keiner Entwicklung, sondern höchstens zu „Sozialhilfe“ geführt hätte.2 Afrikaner würden bereits heute eine eigene Agenda definieren und verteidigen.3 Die Eckdaten des chinesischen Engagements in Afrika werden wiederholt in der Literatur aufgeführt: Die Expeditionen des chinesischen Admirals Zheng He auf dem afrikanischen Kontinent im 15. Jahrhundert werden als offizieller Beginn der Beziehungen bezeichnet. Danach gab es über mehrere Jahrhunderte keine dokumentierten Begegnungen zwischen Afrika und China. China isolierte sich, wurde im 19. Jahrhundert von Europa kolonisiert, schließlich kam es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu der japanischen Besatzung und dem innerchinesischen Bürgerkrieg zwischen den Kommunisten und der nationalchinesischen Regierung. Das Verhältnis zu Afrika änderte sich erst nach der Gründung der Volksrepublik China 1949. Während der Regierungszeit Mao Zedongs unterstützte China die in der Entstehung begriffenen antikolonialen Befreiungsbewegungen in Afrika. Die Wiederentdeckung des afrikanischen Kontinents infolge der Wirtschaftsreformen Deng Xiaopings war jedoch erst in den 2000er Jahren mit einem einmaligen Großereignis möglich: Die Etablierung des Forums für China-Africa Cooperation (FO- CAC) in Peking im November 2006. 48 von 53 afrikanischen Staatschefs beschlossen mit der chinesischen Regierung eine neue Form der strategischen Partnerschaft, die auf den Prinzipien der politischen Gleichheit, des gegenseitigen Vertrauens und des kulturellen Austauschs beruhen sollte. Flankiert wurden diese Vereinbarungen mit umfassenden Finanzhilfen.4 Wissenschaftler versuchen seit Längerem, die politischen und wirtschaftlichen Ziele der chinesischen Regierung im postkolonialen Afrika zu bestimmen. Bereits 2005 führte Denis Tull aus, dass Chinas Engagement in Afrika – neben wirtschaftlichen Motiven – in eine politische Gesamtstrategie eingebettet sei.5 Joshua Kurlantzick6 nennt als chinesische Ziele unter anderem die Erreichung des Status einer Großmacht. Dabei bediene sich China der Soft- 1 Vgl. Botha 2004, S. 64. 2 Kühnhardt 2017. 3 Kühnhardt 2014, S. 292. 4 Jaing 2008, S. 52. 5 Tull 2005, S. 6. 6 Kurlantzick 2006, S. 2. 13 Power-Methode. Soft Power stützt sich auf Finanzhilfen für die öffentliche Infrastruktur und für die Wirtschaft und nicht auf militärische Interventionen und Gewalt, um den politischen Einfluss in einer Region oder in einem Staat auszubauen. Xuewu Gu arbeitete in seiner Untersuchung über Perspektiven und Trends des chinesischen Engagements im postkolonialen Afrika heraus, dass die chinesische Regierung langfristig beabsichtigt, Afrika als Energie- und Rohstofflieferant zu nutzen.7 In Bezug auf Sambia und Namibia steht die Nutzung von Rohstoffen im Mittelpunkt der bilateralen Zusammenarbeit. Ludger Kühnhardt spricht die Möglichkeit an, dass China den afrikanischen Staaten als Vorbild für eine anzustrebende wirtschaftliche Unabhängigkeit dienen könnte. China hat in einer Generation Millionen eigener Einwohner aus der Armut befreit. Afrika könnte durch China die Grenzen dieses Erfolgs anhand der sozialen Spaltungen in der chinesischen Gesellschaft erkennen und vielleicht für sich selbst verhindern.8 Sambia verfügt über eines der größten Kupfervorkommen der Erde und Namibia verfügt unter anderem über Uranvorkommen, die für den Betrieb der expandierenden Kernenergie in China benötigt werden. Aufgrund der erheblichen Verbreitung chinesischer Konsumgüter in Afrika sei laut Gu von einer „Veränderung der afrikanischen Lebensart“ auszugehen.9 Er nennt als weitere chinesische Ziele die afrikanische Unterstützung in der UNO, die Isolierung Taiwans und die Versorgung mit afrikanischem Erdöl.10 Chris Alden bescheinigte den traditionellen westlichen Geldgebern in Afrika eine Gefährdung ihrer bisherigen Dominanz durch aggressiv auftretende chinesische Staatsunternehmen.11 Er beschreibt drei Hauptlinien in der internationalen Diskussion über das chinesische Engagement in Afrika: China trete als ökonomischer Partner, als Konkurrent der afrikanischen Partnerstaaten oder als neue Kolonialmacht auf.12 Zwei Perspektiven sind in der einschlägigen Literatur dominant: Einerseits könnte ein kolonisiertes, wirtschaftlich von China abhängiges Afrika entstehen, das sich zu einem Absatzmarkt für chinesische Produkte, zu einem Rohstofflieferant für China und zu einem Einwanderungsland für Millionen Chinesen entwickeln würde. Andererseits wird das Bild eines wirtschaftlich prosperierenden, selbstständigen Afrikas entworfen. Mit den chinesischen Investitionen wäre sogar ein eigenes Wirtschaftswunder denkbar. Auf eine 7 Gu 2006a. 8 Kühnhardt 2014, S. 271. 9 Gu 2006b. 10 Gu 2005. 11 Alden et al. 2006, S. 94. 12 Alden 2007, S. 5. 14 mögliche afrikanische Reaktion gegen die chinesische Konkurrenz wird in der Literatur nicht hinreichend eingegangen. Es wäre jedoch vermessen, die Perspektiven auf die beiden vorgestellten Szenarien zu beschränken. Laut Karen L. Harris gibt es ablehnende Ansichten über chinesische Staatsbürger und chinesische Migranten auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Die chinakritischen Ansichten sind von politischem Opportunismus und Ignoranz geprägt und werden von den Medien mit einer entsprechenden Berichterstattung unterstützt.13 Barry Sautman zieht einen Vergleich zwischen den antichinesischen Ressentiments in Sambia und den von ihm als rassistisch bezeichneten Hass auf chinesische Einflüsse jeglicher Art in den USA des 19. Jahrhunderts.14 Robert Negi vertritt die Auffassung, die antichinesischen Proteste in Sambia seien die intensivsten im Vergleich zu allen anderen afrikanischen Staaten.15 Die chinesischen Einwanderer im Nordamerika und Australien traten im 19. Jahrhundert als billig entlohnte Arbeiter und Goldsucher in der Rolle des Konkurrenten gegenüber der einheimischen Bevölkerung auf. Dagegen erscheinen die Chinesen in Namibia und Sambia heute in einer anderen Rolle: in Form von großen Konzernen, die von den Regierungen ins Land geholt wurden. Die Konzerne sind dem Vorwurf ausgesetzt, sie würden die Arbeitsbedingungen diktieren und ungehindert Arbeitskräfte ausbeuten und unterdrücken. Bevor die chinesischen Unternehmen in Afrika investierten, nahm die kommunistische Führung unter Mao Zedong jahrzehntelang die offizielle Rolle als Freund der antikolonialen Befreiungsbewegungen in Namibia und Sambia ein. Die in der Literatur als „all-weather-friendship“ bezeichneten freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden afrikanischen Staaten und China wurden offiziell von keinem sambischen und namibischen Staatspräsidenten infrage gestellt. Die vorliegende Arbeit will eine Lücke in der Literatur schließen, die hinsichtlich Form und Ausdruck des afrikanischen Protests gegen den politischen Einfluss der chinesischen Politik besteht. Eine wissenschaftliche Analyse zu den antichinesischen Aktivitäten in Afrika liegt noch nicht vor. Insbesondere gab es noch keine Untersuchung, die sich mit Ursachen, Verlaufsformen und Folgen dieser Proteste gegen die Anwesenheit von Chinesen in den beiden afrikanischen Staaten befasst. Dabei wird die Frage zu klären sein, inwieweit es sich bei den Protesten um politische Verstimmungen oder rassistische Ressentiments gegenüber den Chinesen in Afrika handelt. 13 Harris 2010, S. 4. 14 Sautman 2013, S. 87–88. 15 Negi 2008, S. 43. 15 Sambia und Namibia befinden sich im Süden Afrikas. Die beiden Staaten gleichen sich in mehrfacher Hinsicht. Ähnlichkeiten bestehen in der historischen Entwicklung als ehemalige und erst spät unabhängig gewordene Kolonien. Beide Staaten verfügen mit Kupfer- und Uranvorkommen über strategisch relevante Bodenschätze. Zudem wird in beiden Ländern durch die Geschichte der antikolonialen Befreiungsbewegungen eine Tradition des Protests gepflegt, in Sambia vor allem bei Arbeitern in der Bergbauregion. In Sambia schürte mit Michael Sata ein Oppositionspolitiker im Wahlkampf 2011 zum ersten Mal in der afrikanischen Geschichte gezielt antichinesische Ressentiments und gewann die Wahl zum Staatspräsidenten. Es ist sinnvoll, die bisher aufgetretenen Formen des Protests zu kategorisieren und anhand der empirischen Beispiele systematisch darzustellen. Eine solche Übersicht kann dazu beitragen, eine problematische Entwicklung in den afrikanisch-chinesischen Beziehungen zu erkennen und wissenschaftlich zu analysieren. Mit einer Kategorisierung des Protests können auch die Konfliktfelder von Chinesen und Afrikanern konkret identifiziert werden. Es geht dabei um die Fragestellung, in welchen Formen der Protest von Afrikanern gegen die dort lebenden Chinesen, gegen die chinesische Regierung und gegen Unternehmen auftritt. Schließlich ist zu klären, wann der Protest rassistische Formen annimmt. Zur Beantwortung der Frage werden chinesische und afrikanische Akteure und der jeweilige Kontext, in dem Protest auftreten kann, miteinander verglichen. Mit einem Ländervergleich zweier afrikanischer Staaten kann der Protest nicht nur einem konkreten Land mit den landestypischen Besonderheiten zugewiesen, sondern als Muster auf den gesamten afrikanischen Kontinent bezogen werden. Als Methode bietet sich eine Kombination aus zwei Ansätzen an: die Diskursanalyse und die Inhaltsanalyse. Früh entwickelt aus den Postcolonial Studies heraus hat die Methode der Diskursanalyse eine lange Tradition. Die Arbeiten von Edward Said (Orientalism, 1978) und Homi K. Bhabha (The Location of Culture, 1994) entwickelten bereits vor Jahrzehnten Formen der Diskursforschung. Homi K. Bhabha verstand die Diskursanalyse als grundlegendes Modell von Protest gegen die koloniale Herrschaft. Mit diesem Ansatz prägte er die Postcolonial Studies nachhaltig. Edward Said sah seine Methode der Diskursforschung in der Verbindung zwischen westlichen Diskursen über den Begriff Orient und den historischen Formen kolonialer Eroberung und Besetzung. Er zog eine scharfe Trennung zwischen der westlichen Wahrnehmung von Kolonialismus und den historischen Tatsachen. Die „Colonial 16 Diskurse Analysis“ sehen Berichte und Dokumente über den Kolonialismus als konstituierend für den Prozess der Kolonisierung an.16 Das Auftreten der Volksrepublik China in Namibia und Sambia wird in Teilen der Bevölkerung beider Staaten häufig als kolonialistisch bezeichnet. Aufgrund der Erfahrungen während der europäischen Kolonialzeit ist die Empfindlichkeit der Bevölkerung gegenüber fremden Mächten in beiden Staaten besonders ausgeprägt. Diese Erfahrungen beeinflussen auch den antichinesischen Protest und die daraus entstehenden Diskurse. Die Inhaltsanalyse ist eine Methode, die sich mit der Diskursanalyse überschneidet und die in dieser Arbeit mit dem Programm MAXQDA durchgeführt wird. Anne Waldschmidt wendet wie viele andere Wissenschaftler eine Kombination aus beiden Methoden an.17 Die Kategorien bilden die Hauptunterscheidungs- und Einordnungsmerkmale für das Analysematerial. Ländervergleiche sind mit der Methode der Inhaltsanalyse bisher kaum vorgenommen worden. Kategorien sind notwendig, um eine Differenzierung des Protests vorzunehmen und sie im Falle unterschiedlicher Ausprägungen voneinander abzugrenzen. Unterschiedliche Datenkörbe können das Auftreten von Protest wesentlich besser belegen als eine einzige Datenquelle. Im Rahmen der ausgewählten Kategorien wird der Protest anhand der wichtigsten rassistischen Theorien überprüft und ist dementsprechend entweder als Protest oder als rassistisches Ressentiment gekennzeichnet. Der antichinesische Protest wird in seiner ganzen Bandbreite vor allem medial kommuniziert und von politischen Akteuren sprachlich umgesetzt, auch wenn er vorher bereits bei Bergarbeitern oder Angestellten von chinesischen Unternehmen entstanden ist. Als Datenkörbe werden öffentlich zugängliche Quellen verwendet. Angesichts einer geringen Zahl von Presseerzeugnissen in beiden Staaten fällt die Wahl des ersten Datenkorbs auf Medienplattformen, um möglichst viele Geschehnisse und Meinungen zum Protest abbilden zu können. In Namibia werden die Internetauftritte der zwei größten namibischen Zeitungen ausgewählt. Der zweite Datenkorb soll die relevantesten Akteure und Kommunikatoren des antichinesischen Protests abbilden. Die Vorwürfe gegen die Chinesen werden vor allem von Oppositionspolitikern aufgenommen und über die Medien mitgeteilt. Der dritte Datenkorb gibt die antichinesische Meinung an Beispielen aus der Bevölkerung wieder. Er besteht aus drei Untersuchungen, die sowohl Einzelinterviews als auch vorformulierte Fragen zur chinesischen Wahrnehmung in Namibia und Sambia auswerten. Jeweils eine Untersuchung bezieht sich auf Nambia und Sambia, die dritte hat beide Staaten zum Gegen- 16 Grimm 1997, S. 41. 17 Waldschmidt 2010, S. 157. 17 stand. Die Untersuchung erfasst den Zeitraum vom 1.1.2010 bis zum 31.12.2014. Der Zeitraum ist in beiden Staaten evident für die politischen Veränderungen im Hinblick auf das politische Verhältnis zu China. Der größte Chinakritiker in Sambia, Michael Chilufya Sata, wurde nach seinen antichinesischen Wahlkämpfen von 2006 bis 2008 im Jahr 2011 sambischer Staatspräsident und blieb es bis zu seinem Tod 2014. Als Sata das Präsidentenamt übernommen hatte, änderte er seine Haltung grundlegend und wechselte von einer chinakritischen zu einer chinafreundlichen Sichtweise. In Namibia begründet sich der Zeitraum von 2010 bis 2014 auch dadurch, dass dort zum ersten Mal ein Populist die politische Bühne betrat, der langfristig mit einer antichinesischen Rhetorik politische Erfolge haben könnte: Epafras Mukwiilongo. Die vorliegende Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Zunächst gebe ich in Kapitel 2 einen Überblick über den Forschungsstand zu den chinesischen Aktivitäten im postkolonialen Afrika. Anschließend stelle ich die beiden zu untersuchenden Staaten Namibia und Sambia aus historischer, politischer und wirtschaftlicher Sicht vor. In Kapitel 3 werden die wichtigsten Rassismustheorien analysiert, die die Grundlage für die empirische Auswertung bilden. Anschließend wird in Kapitel 4 die Methode vorgestellt, mit der der Ländervergleich durchgeführt werden soll. In den Kapiteln 5 bis 8 werde ich die drei Datenkörbe beider Staaten untersuchen. Für den ersten Datenkorb wird zunächst Namibia in der Reihenfolge Zeitungsartikel, politische Reden und wissenschaftliche Studien untersucht. Dabei gliedere ich die vorliegenden Daten nach den vier Kategorien politischer, sozioökonomischer, historisch geprägter und rassistischer Protest. Nach dieser Vorgehensweise folgt dann eine Untersuchung zu Sambia. Die Zeitungsartikel für Namibia werden in Kapitel 5 und die für Sambia in Kapitel 6 analysiert. Jeder Artikel kann einem oder mehreren dieser Kriterien inhaltlich zugewiesen werden. Nach denselben Kriterien gehe ich bei dem zweiten Datenkorb, den Reden der Politiker, vor. Hier wird jede Rede in dem Kontext, in dem sie gehalten wurde, bzw. in der Form vorgestellt, in der die Rede dokumentiert ist. Die Äußerungen sambischer Politiker werden in den Abschnitten 7.1 und 7.4 und die Äußerungen namibischer Politiker in den Abschnitten 7.2 und 7.3 analysiert. Michael Sata aus Sambia und Epafras Mukwiilongo aus Namibia sind besonders durch antichinesische und populistische Äußerungen aufgefallen und werden deswegen nacheinander folgend vorgestellt. Bei den Umfragen im dritten Datenkorb werden Art und Form der Erhebung in Kapitel 8 ausgewertet. Die Ergebnisse der empirischen Analyse werden anhand von sechs Diskursmustern im Rahmen einer Verdichtung in Kapitel 9 zusammengefasst. Am Ende folgen in Kapitel 10 die Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und ein kurzer Ausblick auf weitere Forschungsfragen.

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Zusammenfassung

Die chinesische Präsenz in Afrika nimmt seit Jahren zu. Die afrikanischen Länder verzeichnen eine Zuwanderung von Chinesen im Zuge des mit den jeweiligen Regierungen vereinbarten Rohstoffabbaus und der Investition in Infrastrukturprojekte. Die Forschung zu diesem Phänomen ist auf die Frage nach Art und Motivation der chinesischen Regierung fokussiert. Dabei wird oft übersehen, dass sich in Afrika zunehmend Widerstand gegen die chinesischen Bestrebungen formiert.

Gunnar Henrich untersucht in seiner Dissertation mit einer Diskursanalyse zwei afrikanische Staaten im Süden Afrikas: Namibia und Sambia. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage, wie der antichinesische Protest zustande gekommen ist, welche Verläufe und Formen er angenommen hat und ob er gar als Rassismus auftritt. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass der Protest häufig rassistische Formen annimmt. Wenden die ehemaligen Opfer rassistischer Kolonialpolitik selbst zunehmend rassistische Argumentationsformen an? Gibt es gar einen „umgedrehten Rassismus“? Henrich schließt mit seiner Arbeit eine Forschungslücke und trägt so zum gegenwärtigen Diskurs bei.