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5 Namibia: Auswertung von Datenkorb 1 Presseberichterstattung in:

Gunnar Henrich

Antichinesischer Protest in Sambia und Namibia, page 105 - 140

Politische Verstimmungen oder rassistische Ressentiments?

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4253-3, ISBN online: 978-3-8288-7166-3, https://doi.org/10.5771/9783828871663-105

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Politikwissenschaften, vol. 80

Tectum, Baden-Baden
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105 5 Namibia: Auswertung von Datenkorb 1 Presseberichterstattung 5.1 Allgemeine Zeitung Es gibt im Untersuchungszeitraum nur sieben Artikel mit einem direkten Bezug zu China und zu den in Namibia lebenden Chinesen. Es handelt sich nicht um Leserbriefe, sondern ausschließlich um journalistische Artikel. Die ausgewählten Artikel entsprechen den Kategorien sozioökonomischer und politischer Protest. Rassistischer oder historischer Protest kommt als eigenständige Kategorie nicht vor. Die folgenden Artikel befassen sich in unterschiedlicher Ausprägung mit den sozioökonomischen und politischen Ängsten in Bezug auf die Einflussnahme der Chinesen auf den Alltag der namibischen Bevölkerung. Chinesische Firmen, die oft nicht nur das Kapital und Know-how, sondern auch die ungelernten Arbeiter mit ins Land bringen, werden als Bedrohung der eigenen Existenz empfunden. Lokale Textilindustrien sind der Billigware aus China nicht gewachsen. Die heimische Bauindustrie kann den Offerten chinesischer Konkurrenz nicht entgegentreten. Sie unterliegt den staatlichen Arbeitsgesetzen und Mindestlöhnen. Diese werden von chinesischen Firmen häufig missachtet, damit sie die lokalen Baufirmen unterbieten können. Afrikanische Kleinhändler sehen durch Chinaläden mit Billigwaren ihre kärglichen Verdienstmöglichkeiten schrumpfen und kämpfen ums schiere Überleben. In vielen Ländern gilt auf politisch-diplomatischer Ebene der neue Partner aus China als willkommene Alternative. Die Reaktionen in der Bevölkerung hingegen grenzen oftmals an Rassismus, da die chinesische Präsenz als Bedrohung der eigenen Lebensgrundlagen empfunden und erfahren wird (AZ Namibia: 16–17). Dieser Artikel enthält sozioökonomische Codes. Es wird der Antagonismus zwischen chinesischen Unternehmen und der namibischen Konkurrenz und die Unterlegenheit der namibischen Textilindustrie, Bauindustrie und afrikanischen Kleinhändler gegenüber der überlegenen chinesischen Konkurrenz 106 betont. Es wird ebenfalls erwähnt, dass die chinesische Konkurrenz die namibischen Arbeitsschutzgesetze deutlich missachtet. Der Protest entsteht aufgrund der wahrgenommenen Ungleichbehandlung. Die Probleme, die sich aus der chinesischen Konkurrenz ergeben, werden als Gründe für den Protest geschildert. Die Angehörigen der lokalen Bauunternehmen und die namibischen Kleinhändler leiden unter den chinesischen Einwanderern. Einerseits sind sie als Angestellte chinesischer Unternehmen Misshandlungen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Andererseits werden die billigen Produkte aus China von den chinesischen Händlern zu sehr günstigen Preisen angeboten, sodass die namibischen Händler und Kleingewerbetreibenden die Konkurrenz nicht unterbieten können und ihre wirtschaftliche Existenz bedroht sehen. Der Hinweis auf Rassismus im Text ist zu allgemein gehalten, um als Code eingestuft zu werden. Es fehlen Handlungen oder Verhaltensweisen, die rassistische Merkmale erfüllen und dadurch als Rassismus identifiziert werden könnten. Auf Grund dieser Sonderbehandlung seien Namibier gezwungen worden, in bestimmten Fällen ihren Grund und Boden zu verlassen, auf dem sie seit Jahrhunderten lebten und der nun den Chinesen zugesprochen wurde wie z.B. in Oshikango und anderen Orten. Zudem würden Chinesen gegenüber Namibiern bevorzugt, wenn es zu Regierungsausschreibungen und zur Vergabe von Bauarbeiten komme. „Aus diesem Grunde ist es nicht überraschend, dass Chinesen die Namibier und ihre Regierung als selbstverständlich ansehen“, meint die RDP (AZ Namibia: 4–5). Diese Aussagen sind im Konjunktiv verfasst, was darauf hindeutet, dass diese Informationen als ungesichert gelten können. Der Text sagt aus, dass Chinesen gegenüber Namibiern bevorzugt würden, wenn es zu offiziellen Ausschreibungen von staatlicher Seite und zur Vergabe von Bauarbeiten käme. Sie verweisen auf ein Gefälle zwischen chinesischen und namibischen Staatsbürgern in hierarchischen und wirtschaftlichen Rollen wie im Baugewerbe, worauf die Formulierung „bei der Vergabe von Bauarbeiten“ hinweist. Der sozioökonomische Protest wird ebenfalls hervorgerufen, weil eine Kausalität erkennbar wird: Die Vertreibung vom heimischen Grund und Boden nach jahrhundertelanger Besiedelung zugunsten eingewanderter Chinesen ruft ein immenses Unrechtsgefühl hervor. Dieses Gefühl drückt sich in der Ablehnung und dem Protest der Namibier gegenüber den Chinesen aus. Diese Haltung und die Wahrnehmung einer ungenannten Zahl von Chinesen als gefährliche Konkurrenten grenzen an Rassismus. Rassismus agiert mit der fortwährenden Herabsetzung einer Gruppe. Unrühmlich erscheint die Rolle der namibischen Regierung, die diese Form der Landenteignung zulässt und offenkundig von den neuen chinesischen Grundeigentümern profitiert. 107 Vergangenes Jahr war es der Dachverband der Gewerkschaften, der politisch unkorrekt die emsigen Leute aus dem Reich der Mitte angegriffen hat. In dieser Woche war es sowahr Omushamane Tara Shaanika, der Manager-Boss der Namibischen Kammer für Handel und Industrie, NCCI, der in aller Öffentlichkeit das einseitige Verhältnis zwischen Peking und Ovenduka geschildert hat. Nämlich, Schanghai und Peking führen lecker Sachen nach Namibia aus, aber unsere Delikatessen, wie das leckere Beesterfleisch und das Bier des Reinheitsgebots darf nicht an der chinesischen Mauer genossen werden (AZ Namibia: 9). Der Grund für den Angriff wird nicht genannt, aber die Tatsache, dass es sich bei dem Akteur um Gewerkschaften handelt, zeigt die sozioökonomische Dimension. Das Beispiel mit dem Vergleich des Imports chinesischer Lebensmittel und dem Exportverbot namibischer Delikatessen nach China zeigt ebenfalls das ungleiche Verhältnis beider Staaten als Grund für die Unzufriedenheit. Außerdem wird am Beispiel der ausgeführten Delikatessen konkret das Gefühl der Benachteiligung ausgedrückt. Es erscheint nachvollziehbar, dass die Namibier es als ungerecht empfinden, dass namibische Delikatessen für Chinesen nicht infrage kommen. Getragen wird diese Stimmung von existenziellen Ängsten, weil die namibische Nahrungsmittelindustrie wirtschaftliche Einbußen befürchtet. Delikatessen sind an und für sich nicht die auslösenden Merkmale für Rassismus. Rassismus bezieht sich häufig auf bestimmte Eigenschaften bei Menschen. Tatsächlich kann Rassismus aber auch durch die banalsten Dinge ausgelöst werden. Die Delikatessen sind Mittel zum Zweck, d.h. vorgeschobene Argumente, an denen sich eine rassistische Abwertung entzünden kann. Die vermutete Bevorzugung eigener Lebensmittel durch die Chinesen geht mit einer Abwertung dieser Gruppe einher. Es wird als unfair wahrgenommen und gibt Anlass zu Unzufriedenheit und rassistischen Ressentiments, dass Chinesen den Lebensmittelmarkt mit chinesischen Delikatessen dominieren und die namibischen Lebensmittel Absatzschwierigkeiten auf dem chinesischen Markt haben. Die enge Partnerschaft zwischen den namibischen und den chinesischen Eliten zeigt die vermeintlichen Gewinner dieser Austauschbeziehungen: die namibischen Eliten und nicht die namibische Bevölkerung. Hier liegt ein Protest vor, der sich in mündlichen Äußerungen offenbart. Es geht nicht um ein darüber hinausgehendes Handeln, das auf rassistische Faktoren verweisen könnte. Der Text zeigt deutlich die Begründungen für den Protest und ebenfalls die Form, in der sich der Protest äußert. Ob aus fernöstlicher Magie oder wegen importierter Korruption – seit die Regierung den asiatischen Kumpanen Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis anbietet, hat mit der chinesischen Einwanderung der Elfenbein- und Nashornhandel in Namibia zugenommen. Ungebremst geht die Wilderei weiter, un- 108 abhängig von den ungeklärten Fällen im Jahr 2013. Bereits im Februar ist in Opuwo ein Chinese mit zwei Hörnern erwischt worden, im März waren es drei Chinesen mit 14 Hörnern am Flughafen und im April wurden zwei Nashörner nahe Windhoek (Farm Ongos) entdeckt (AZ Namibia: 6–7). Die Codes deuten auf einen Zusammenhang zwischen der chinesischen Migration in Namibia und einem Anstieg der Wilderei und dem Handel mit Elfenbein hin, aus dem der Protest resultiert. Der Begriff „fernöstliche Magie“ ist ein Code für eine mit Vorurteilen behaftete Wahrnehmung. Diese Formulierung deutet bereits auf Rassismus hin. Die Ausrichtung solcher Zuschreibungen ist jedoch eindeutig: Kriminalität chinesischer Migranten trete vor allem in Form der Wilderei auf. Dieser Missstand schafft ein mit Vorurteilen behaftetes Bild über Chinesen in der Bevölkerung und führt zu Protesten. Kriminalität ist sehr häufig ein Merkmal, das rassistischen Zuschreibungen den Boden bereitet. Fast immer geht es darum, dass eine bestimmte Ethnie krimineller als eine andere wahrgenommen wird. Der Vorwurf, in kriminelle Handlungen wie der Wilderei verstrickt zu sein, bestärkt Ressentiments gegen Einwanderer. Der von dem Autor angenommene Anstieg der Wilderei erweckt zunächst nicht den Eindruck von Rassismus. Es stehen sicherlich Vorbehalte im Raum, die sich nicht ohne Weiteres beseitigen lassen. Dennoch enthält der Artikel Unterstellungen, Ablehnungen und Zuschreibungen der Chinesen als eine minderwertig angesehene Gruppe, um Rassismus zu belegen. Wenn den chinesischen Mitbürgern der Toilettengebrauch fremd ist, wird der chinesische Botschafter bestellt; beim Raubbau von Naturressourcen tut Pohamba362 nichts dergleichen. Wie weit dürfen Korruption in Namibia aufgedeckt und Gastfreundschaft eines fachkräftearmen Landes ungehemmt missbraucht werden? (AZ Namibia: 9). Diese Suggestivfrage impliziert zugleich bereits ein Urteil. indem Korruption und ein hemmungsloser Missbrauch namibischer Gastfreundschaft den Chinesen angelastet werden. Dabei sind diese Vorwürfe – ohne spezifische ökonomische Relevanz – rein politischer Natur. Hier liegt politischer Protest gegenüber Pohamba vor. Eine rassistische Zuschreibung ist ebenfalls gegeben, weil den Chinesen unterstellt wird, die Toilette nicht sachgerecht zu benutzen und sie dadurch kulturell herabgewürdigt werden. Wieso muss die Justiz verhafteten Chinesen einen Übersetzer stellen, wenn sie es an Kooperation fehlen lassen und sich um einen Anwalt bemühen müssen? Wieso lässt das Innenministerium (überhaupt) risikovolle Ausländer ohne Englischkenntnisse ins Land? Wie haben die Beamten mit den drei Chine- 362 Hifikepunye Lucas Pohamba war von 2005 bis 2015 namibischer Staatspräsident. 109 sen bei der Einreise von Sambia kommuniziert? Warum orientiert sich die Kaution nicht am Wert des Nashorns und wird das Gesindel nach Buße nicht ausgewiesen? Wie lange will Umweltminister Herunga diesem Treiben in- und ausländischer Täter noch zusehen (AZ Namibia: 11). Diese Suggestivfragen lassen außer Acht, dass die Verdächtigen auch Rechte in einem Strafverfahren haben. So greifen diese Fragen ein vermeintliches Vollzugsdefizit aufseiten der Politik und Justiz auf und stehen für eine rassistische Ausrichtung. Chinesen seien „Gesindel“, das ein Risiko in sich berge, zudem würden sie der Wilderei nachgehen. Eine politische Forderung nach Nichteinreise des „Gesindels“ ist eindeutig der politischen Kategorie zuzuordnen. Allein die Zuschreibung „Gesindel“ ist in seiner ethnischen Bedeutung rassistisch. Es lässt sich eine Kausalität erkennen: Das kriminelle Verhalten einiger Chinesen und gleichzeitig die Bevorzugung chinesischer Geschäftsleute durch die namibische Regierung führt zu einer Ablehnung in der Bevölkerung, zu Hassgefühlen, wie anhand der Fragen deutlich wird, und am Ende zu rassistischen Äußerungen wie „Gesindel“. Bezeichnungen wie „Gesindel“ verfolgen eine rassistische Absicht gegen die in Namibia lebenden Chinesen. Ein Vorfall in Otjiwarongo, der sich vor Kurzem zugetragen hat, als e ine namibische Angestellte eines chinesischen Unternehmens gezwungen wurde, einen Plastiksack voller menschlicher Fäkalien zu einer Mülltonne zu tragen und dort zu deponieren, sei nicht nur menschenunwürdig, sondern stelle auch ein Gesundheitsrisiko für die Angestellte sowie die Bevölkerung dar. "Das Schlimmste daran ist, dass es eine Beleidigung unserer nationalen Souveränität ist, für die viele Namibier mit dem Leben bezahlt haben und deshalb kann so etwas nicht toleriert werden", so die Oppositionspartei, die wegen dieses Vorfalls die Regierung aufruft, den betroffenen Chinesen zu verhaften und des Landes zu verweisen. Der Chinese, der die Frau gezwungen habe, einen Plastiksack voller Fäkalien in eine Mülltonne zu werfen, müsse als Persona non grata erklärt und die Deportation müsse transparent von der Regierung durchgeführt werden, so die Erklärung der RDP. "Wir bewundern Emma Kazizi, die sich geweigert hat, den Sack voller menschlicher Exkremente zu tragen und lieber ihren Arbeitsplatz verloren hat, als sich derart menschenunwürdig behandeln zu lassen. Wir rufen alle Namibier auf, sich nicht wie Sklaven oder Menschen zweiter Klasse behandeln zu lassen", teilte die Oppositionspartei mit (AZ Namibia: 6). Die „AZN“ beschreibt das Geschehen sehr distanziert. Es handelt sich um einen diskriminierenden Vorfall eines chinesischen Unternehmers, der zur unerwünschten Person erklärt wird. Namibier sollen nicht Menschen zweiter Klasse oder sogar Sklaven sein, was impliziert, dass sich die Chinesen als Personen erster Klasse fühlen würden. Die Zuordnung von Menschen in erste und zweite Klassen ist rassistisch orientiert. Es liegt jedoch lediglich ein Einzelfall vor, der auf eine verallgemeinernde Ebene gehoben und sogar politisch 110 verwendet wird. Am Ende steht Rassismus, allein die Einteilung von Namibiern und Chinesen in hierarchische Klassen zeugt von dieser Annahme. Alle in Kapitel 3 aufgeführten Quellen in der Rassismusforschung stimmen in der Aussage überein, dass bereits die wertende Einordnung von Menschen in unterschiedliche Gruppen oder Klassen rassistische Tendenzen aufweist. Der Fall von zwei Menschenklassen liegt für oben genannten Fall vor. Die Grenzen zwischen Protest und Rassismus sind fließend. Das Verhalten des chinesischen Vorgesetzten, die namibische Angestellte zur Fakälienentsorgung zu zwingen, ist eine groteske Misshandlung einer Untergebenen. Doch die Handlung des chinesischen Unternehmers gegenüber der namibischen Angestellten ist dergestalt, dass von einem individuellen Rassismus ausgegangen werden kann: Rassismus äußert sich hier auf individueller Ebene gegen eine Person. Die Verhaltensweise des chinesischen Vorgesetzten zeugt von Menschenverachtung und erfüllt die Kriterien von Rassismus. Die Frage der rechtlichen Ungleichbehandlung geht ebenfalls in eine rassistische Richtung. Der biologische Rassismus scheidet aufgrund entsprechender Aussagen aus. Allerdings steht die Annahme eines institutionellen Rassismus im Raum. Nach Balibar könnte ein Rassismus ohne Rassen greifen. Hier zeigt sich ein Problem bei der Anwendung der Theorie. Balibar geht bei seinem Rassismusbegriff von Rassismus durch staatliche oder jedenfalls vorgesetzte Stellen aus. Dieser Fall liegt hier jedoch nicht vor. Nach Rommelspacher könnte es sich um eine Form von individuellem Rassismus handeln. Der chinesische Vorgesetzte offenbart eine rassistische Einstellung gegenüber Namibiern. Die rechtliche Ungleichbehandlung kann nicht abschließend geklärt werden. Ein Beleg für institutionellen Rassismus liegt daher nicht vor, aber nach Rommelspacher ist ein individueller Rassismus gegeben. 5.2 The Namibian In dem Fünfjahreszeitraum sind 1387 Artikel mit einem Bezug zu China erschienen. Es handelt sich nicht um Leserbriefe oder Blogeinträge, sondern um journalistische Beiträge aus der Redaktion. Insgesamt konnten 55 Artikel identifiziert werden, die sich kritisch zu China äußerten. Davon entfallen 25 Codes auf den politischen, 16 auf den sozioökonomischen, 11 auf den historischen und 3 auf den rassistischen Protest. Ausschlaggebend war, ob Anzeichen in den Artikeln für Kritik, Unbehagen oder Hetze gegen Chinesen in Namibia auftauchen. Artikel zu anderen tagesaktuellen Themen wie zum Beispiel über chinesischen Sport oder über die chinesische Küche wurden nicht berücksichtigt. Die identifizierten Artikel wurden anhand der Kategorien eingeteilt und ausgewertet. 111 5.2.1 Politischer Protest Die folgenden Artikel behandeln politische Ängste und daraus resultierende Vorbehalte gegen die im Land anwesenden Chinesen. Beispielsweise ist die Vergabe von Bauaufträgen durch namibische Behörden an chinesische Unternehmen eine häufig genannte Ursache für die bestehende Unzufriedenheit. Auch die enge Freundschaft zwischen den namibischen und chinesischen politischen Eliten sorgt in der namibischen Bevölkerung zunehmend für Protest, sowohl gegen die Chinesen als auch gegen die namibische Politik. Analysts accuse Beijing of ignoring human rights abuses by African leaders as it pursues the resources needed to fuel its rapid economic growth. Chinese investors have snapped up commercial and residential properties in the capital Harare over the past few years Nampa-Reuters (Dokument 72: 15). Ein Einzelfall von chinesischem Eigentum an Grund und Boden in der Hauptstadt Harare wird verallgemeinert und als Beispiel für einen geheimen Plan Chinas genannt, sich Ressourcen für das eigene wirtschaftliche Wachstum anzueignen. Als Indiz für dieses Ziel werden die von Chinesen begangenen Menschenrechtsverletzungen gesehen, die die politische Führung ignoriere und die Teil einer Strategie zur Ressourcenaneignung seien. Diese Kritik geht über die chinesisch-namibische Elitenfreundschaft hinaus. Als reales Beispiel der chinesischen Gefahr gilt der Schutz Sudans durch China im UNO-Sicherheitsrat vor einer Verurteilung wegen der Massaker in Darfur 2006.363 Das im August 2006 ausgesprochene Veto der chinesischen Regierung konnte erst 2007 überwunden werden. 2007 stimmte auch China dem Einsatz einer internationalen Friedenstruppe im Sudan zu, nachdem die chinesische Bedingung erfüllt wurde, dass die sudanesische Regierung der Stationierung der UNO-Soldaten auch zustimmen musste.364 Die Übertragung eines Einzelfalls auf eine allgemeine Ebene ist häufig eine typisch rassistische Argumentationsweise. Durch die Haftbarmachung einer ganzen Ethnie für das Fehlverhalten einer einzelnen Person besteht eine Abwertung der Gruppe. Hier ist nur eine Vorstufe von Rassismus erreicht, denn die rassistischen Zuschreibungen wie die konkrete Abwertung der Gruppe fehlen. The aggressive nature of China and its involvement in our socio-economic life has come to represent a cactus and a source of tension and friction for our political economy, in which the ordinary Namibian citizen (and not the connected politician with a daughter with a Chinese scholarship) has become the 363 Ahmed 2010, S. 8. 364 Ahmed 2010, S. 9. 112 first casualty. As such, Namibians of all walks of life have now come to view China's presence with suspicion and disdain. {sic} This ugly part of the China-Namibia relationship does present threats and not boons to our national interests{sic} China does not waver in its economic commitments to its citizens and national interests. {sic} Every Namibian politician should find it abnormal for houses in a poor country with 51 per cent unemployment to be built by the Chinese! (Dokument 63: 8–9). Allein die Tatsache, dass chinesische Bauunternehmen Aufträge erhalten, obwohl in Namibia eine Arbeitslosigkeit von 51 % herrscht, wird verallgemeinert: China wird eine aggressive wirtschaftliche Tätigkeit unterstellt. Die Namibier sollten der chinesischen Präsenz mit mehr Misstrauen begegnen und es als ungerecht empfinden, dass überwiegend Chinesen Bauaufträge erhielten. Die Beziehungen zwischen China und Namibia werden als Bedrohung für die namibischen Interessen bezeichnet. Die politische Elite Namibias wird in eine Reihe mit den chinesischen Investoren gestellt. Dazu wird auf den Einzelfall der mit einem chinesischen Stipendium ausgestatteten namibischen Präsidententochter verwiesen. Zwei Einzelfälle sind Anlass für die ablehnende Haltung gegenüber den Chinesen. Auch wenn die Übertragung der Einzelschicksale auf die Ethnie fehlt, weil rassistische Anspielungen unübersehbar sind. Dissidents were jailed or put under house arrest and everything possible was done to ensure a smooth congress without demonstrations – in which process untold human rights were violated all over China. All of us who are interested in world politics know that. However, in Namibia, nothing was reported on this. How is it possible that the people of Namibia do not protest about the rubbish they hear about 'our best friends'? What our 'best friends' – all of them – do, is completely contrary to what this nation fought against for more than half a century. What these 'best friends' still do today has been declared as a violation against people, a violation of human rights and it was declared as an abomination by us Namibians when we started our own freedom war. And all those who then violated our human rights were declared as our number one enemy by the same who now say China and Zimbabwe are our best friends (Dokument 35: 5–7). In diesem Zitat werden Fälle von Menschenrechtsverletzungen in China angesprochen. Diese Fakten werden erneut verallgemeinert und allen in Namibia lebenden Chinesen unterstellt. Kritisiert wird das Fehlen öffentlicher Proteste gegen die in Namibia lebenden Chinesen. Die Bezeichnung „best friends“ für China und Namibia wird abfällig verwendet. Politische Proteste sind oft eingebettet in rassistische Zuschreibungen. Außerdem werden die Menschenrechtsverletzungen in China selbst auf eine allgemeine Weise kritisiert. Der Artikel bedient sich der politischen Ressentiments gegen Chinesen in Namibia. 113 Pohamba condemns abuse by Chinese ENGELA – President Hifikepunye Pohamba has condemned Chinese nationals who relieve themselves in plastic shopping bags and then order their Namibian workers to discard the bags of faeces and urine in public refuse bins (Dokument 30: 2-3). Der Präsident mahnt und verallgemeinert mit seiner Aussage, in der sich auch Protest ausdrückt. Einzelfälle von Misshandlungen namibischer Angestellter in chinesischen Unternehmen durch ihre Arbeitgeber bilden für den namibischen Staatspräsidenten einen Anlass für öffentliche Rügen gegen das chinesische Verhalten in Namibia. Unverkennbar zeigt sich in der Aussage die politische Brisanz der chinesischen Verfehlungen. Der höchste politische Amtsträger des Landes äußert eine deutliche Kritik. Eine offizielle politische Aussage hat eine große Bedeutung für die gesamte Öffentlichkeit und ist in diesem Fall als Protest zu werten. Der namibische Staatspräsident wird sich in aller Regel nicht unbedingt rassistisch äußern, es sei denn, er verfolgt mit diesen Aussagen zugleich Wahlziele. He stressed that any Chinese national or anybody else, who will try to treat Namibian employees in a similar manner, will be dealt with effectively. 'We don't want our people to be treated like that. I condemn such people,' said Pohamba. The Namibian leader also criticised Chinese nationals who are running businesses in Namibia without putting up toilets (Dokument 30: 10–12). Es handelt sich um eine Mahnung des Präsidenten, der vom Einzelfall auf die Allgemeinheit schließt. Natürlich ist der namibische Staatspräsident nicht an vorderster Front als Kritiker gegen die chinesischen Verhaltensweisen einzuordnen. Er ist auch nicht Apologet des antichinesischen Protests. Das Gegenteil ist der Fall, der namibische Staatspräsident profitiert von den guten Beziehungen zu China durch die finanziellen Zuwendungen Chinas gegenüber Namibia. Die offiziellen Beziehungen der namibischen Regierungspartei zur chinesischen Regierung werden seit Jahrzehnten nicht infrage gestellt und bilden die Grundlage für die Wirtschaftsbeziehungen. Aber der Präsident fürchtet einen Machtverlust und eine mögliche Abwendung des namibischen Volkes von China, was vielleicht auch zum Nachteil der namibischen Regierung wäre, die die intensiven Beziehungen mit China zu verantworten hat. Daher muss er mit symbolischen Erklärungen gegenüber der Öffentlichkeit versuchen, die Wogen zu glätten und zur Entspannung des Konflikts beizutragen. Seine Äußerungen folgen einem politischen Kalkül. Die Verwendung „any Chinese national” und „our people“ sind eindeutige Verallgemeinerungen. Mit diesen Aussagen wird der Protest durch den Staatspräsidenten kolportiert. Die politische Äußerung reicht in diesem Fall aus, um den Protest zu belegen. 114 President Hifikepunye Pohamba recently condemned abuse by Chinese companies, after an incident in February at Otjiwarongo where a Chinese supervisor was accused of relieving herself in a plastic bag and instructing a Namibian staff member to dispose off the excrement in a rubbish bin (Dokument 28: 17). Ein konkreter Fall von Misshandlung wird in diesem Zitat geschildert. Der namibische Staatspräsident verurteilt aber generell Misshandlungen von Namibiern in chinesischen Unternehmen und verallgemeinert das Problem mit den Chinesen. Gleichzeitig wird deutlich, dass in Namibia offenbar ein erhebliches Protestpotenzial den Chinesen gegenüber bestehen muss, wenn sich der Präsident selbst mit mahnenden Worten an die Öffentlichkeit wendet. Die namibische Bevölkerung reagiert auf den Vorfall sehr emotional und aufgebracht. Hier wird die vermeintliche „Unmenschlichkeit“ der chinesischen Arbeitgeber für die namibische Bevölkerung sehr deutlich. Der namibische Staatspräsident muss eingreifen und die Wogen glätten, damit die Proteste nicht außer Kontrolle geraten. Diese Reaktion zeigt, dass der namibischen Regierung das Konfliktpotenzial in der eigenen Bevölkerung in Bezug auf die Chinesen im Land sehr bewusst ist. The ambassador's visit was triggered by a recent incident at the China Town shopping complex in Windhoek, where a Namibian employee Asteria Shivute was allegedly unknowingly made to dispose of the faeces of her employers while taking out the shop's rubbish. “The incident damaged Chinese image and it won't happen again, I would further like to urge Chinese nationals to obey local laws and to respect the local people. We have a good relationship and everybody will benefit from it if we keep it strong,” he said (Dokument 19: 6–7). Die Misshandlung der Angestellten Asteria Shivute hatte eine Entschuldigung des chinesischen Botschafters zur Folge, der seine Landsleute sogar dazu anhalten musste, die namibischen Gesetze zu achten. Diese Reaktion belegt die politische Dimension des Falls. Es wird eine Angst vor zunehmenden antichinesischen Ressentiments deutlich, indem sich der chinesische Botschafter zu einer Stellungnahme genötigt sah. Diese Angst der Bevölkerung wird von der namibischen Regierung wahrgenommen. Die Einschaltung des Botschafters ist einerseits eine Beschwichtigungsgeste gegenüber dem namibischen Volk, andererseits zeigt sie die Einzigartigkeit des Vorfalls. Mit anderen Einwanderern scheint es solche Probleme nicht gegeben zu haben. Eine notwendige Voraussetzung für Rassismus wäre die Darlegung weiterer rassistischer Handlungen nach der Misshandlung, weil die Entschuldigung des chinesischen Botschafters eine Reaktion auf die Misshandlung der Frau ist. Almost four years after a weekly tabloid exposed the controversial bursaries awarded to the children of Namibia's top government officials by the Chi- 115 nese Embassy, the ACC revealed that its investigations into the matter never established any answers to the questions about the criteria used and why only children of 'elite' benefited from the scheme. Noa told The Namibian that their inquiry into the matter never received any answers from the Chinese embassy in Namibia (Dokument 16: 20). Die Vergabe von chinesischen Stipendien an die Kinder hochrangiger namibischer Regierungsmitglieder wird in der Zeitung „The Namibian“ kritisiert: Es fehle die Bereitschaft der chinesischen Botschaft, die Kriterien für die Auswahl der Stipendien offenzulegen. Die Folge sind Zweifel, die den Verdacht der Käuflichkeit wecken. Die namibische Bevölkerung, die sich in Teilen von den Vorteilen der chinesischen Einwanderer ausgeschlossen fühlt und nicht mit chinesischen Stipendien begünstigt wird, nimmt mit diesem Bericht wahr, dass Regierungsmitglieder und die Eliten von den Chinesen profitierten. Bemerkenswert ist auch, dass die unterstellte Käuflichkeit der namibischen Regierung nicht im Zentrum des Artikels steht, sondern nur die chinesische Reaktion auf die Recherchen. Offensichtlich geht es dem Autor darum, eine antichinesische Stimmung zu erzeugen. Die bevorzugte Verteilung von Stipendien an Kinder hochrangiger namibischer Politiker für Studienaufenthalte in China wäre ein geeigneter Anlass für eine berechtigte und erfolgreiche Kritik an der regierenden Partei in Namibia. Doch darum geht es dem Autor nicht, der seine Kritik konkret an die chinesische Botschaft richtet. Die chinesische Botschaft ließ Nachfragen von namibischer Seite aufgrund der Stipendienvergabe unbeantwortet. Damit gelingt es dem Autor, den Eindruck verschwörerischer und intransparenter Machenschaften und Beziehungen des chinesischen Engagements in Namibia aufrechtzuerhalten. Die Chinesen unterscheiden zwischen „mächtigen“ und „machtlosen“ Namibiern. Die mächtigen namibischen Politiker gewähren den Chinesen gewisse Vorteile bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, sodass der Nachwuchs der Regierungsmitglieder im Gegenzug großzügige Stipendien erhält. Die einfachen Namibier sind für die Chinesen höchstens als Konsumenten oder Angestellte von Interesse. Es ist ihnen zwar versprochen worden, dass es auch für sie Stipendien geben würde, es ist jedoch bei diesen Versprechen geblieben. Die Vergabe von Bauaufträgen fast ausschließlich an chinesische Unternehmen führt zu Protesten in der namibischen Bauindustrie, in denen sich auch Existenzangst und Wut über unfaire Bedingungen gegenüber den chinesischen Konkurrenten ausdrücken. Die Wahrnehmung, dass die Chinesen im Land privilegiert im Vergleich zur eigenen Bevölkerung seien, ist jedenfalls eine typische Vorbedingung von Rassismus, reicht hier aber nicht zur endgültigen Bestimmung rassistischer Ressentiments aus. *IS our government giving our country away to the Chinese? Thousands of them get preferential treatment while our people starve (Dokument 78: 12). 116 Es gibt keinen konkreten Beleg dafür, dass Namibier unter Hunger leiden, dennoch appelliert der Verfasser an die nationalen Gefühle der namibischen Bevölkerung. Es handelt sich um Spekulationen, um eine antichinesische Stimmung im Land zu erzeugen. Der Autor stellt die spekulative Behauptung auf, dass Tausende von Chinesen im Land eine bevorzugte Behandlung genie- ßen würden, während die Namibier hungern müssten. Es ist zwar zutreffend, dass die Armut in Namibia sehr groß ist. Aber eine wie auch immer geartete bevorzugte Behandlung jedes einzelnen Chinesen in Namibia – denn es sind ja nur einige Tausend im Land – kann nicht bestätigt werden. Die Verallgemeinerung der Vorwürfe gegen die Chinesen in unbestimmter Zahl ist ein Ausdruck für Rassismus. *THE Government [allegedly] allowing 5 000 Chinese families to settle and take the jobs and opportunities from Namibians is tantamount to treason against our people! And yes; most people find the claims of Wikileaks more believable than the denials of the Government. Let the truth out!- Theo (Dokument 73: 7–8). Es wird von „Verrat“ am namibischen Volk gesprochen, weil eine angebliche Mehrheit der Namibier nicht mehr der namibischen Regierung, sondern auf Informationen wie „Wikileaks“ vertrauen würde. Letztlich zielen die Äußerungen darauf ab, Angst vor der Konkurrenz durch sich niederlassende Chinesen zu schüren und die Absichten der eigenen Regierung infrage zu stellen. Die Adressaten der Kritik sind Namibier, die sich ohnehin in Konkurrenz zu den Chinesen befinden und Unsicherheit und Angst vor Überfremdung verspüren. In diesem Zitat sind Voraussetzungen für Rassismus gegeben: Alle in Namibia lebenden chinesischen Familien seien eine Gefahr und eine unerwünschte wirtschaftliche Konkurrenz für die Einheimischen. Es handelt sich hier um ein weiteres Beispiel für eine Verallgemeinerung, die darauf abzielt, Chinesen grundsätzlich als eine wirtschaftliche Gefahr darzustellen. Die pauschale Unterstellung ist jedoch rassistisch. *REGARDLESS of what the Chinese did before Independence, they are not above the laws that apply to all Namibians. Food for Thought Where to start? (Dokument 69: 4–6). Den Chinesen wird vorgeworfen, sich nicht an die Gesetze zu halten, die für alle Namibier gelten würden. Dabei wird auch die von der namibischen Regierung immer wieder öffentlich beschworene Dankbarkeit gegenüber China aufgrund der Unterstützung während der antikolonialen Unabhängigkeitsbewegung thematisiert: Diese Unterstützung dürfe jedoch keine Ausrede oder Entschuldigung sein. Hier wird ein häufig auftretendes Muster in der Kommunikation zwischen der chinesischen und der afrikanischen Elitenebene kritisiert: Immer wieder, auch in den offiziellen Freundschaftsdokumenten, 117 wird auf die gemeinsame Vergangenheit der Befreiungsbewegungen Namibias und auch Sambias mit der chinesischen Regierung verwiesen. Es handelt sich dabei um eine eindeutige politische Kritik. The preferential treatment also applies to educational opportunities. In 2009, the Chinese government secretly awarded scholarships to study in China to the offspring of nine top officials, including one of Pohamba's daughters, Ndapanda. This raised a furore among ordinary Namibians and the Anti- Corruption Commission admitted this year that China had blocked its investigation into how the scholarships were awarded (Dokument 4: 11–12). Am Anfang steht die Behauptung, dass die chinesischen Stipendien an Angehörige der namibischen Elite vergeben wurden. Es folgt ein Eingreifen der chinesischen Regierung, um die geplante Untersuchung über Unregelmäßigkeiten bei der Stipendienvergabe zu blockieren. Diese Situation wird von der Antikorruptionskommission benutzt, um die Vorwürfe gegen China zu generalisieren: Plötzlich sind nicht einmal mehr Stipendien für die Angehörigen der namibischen Elite möglich. Diese Information greifen viele Menschen in der namibischen Bevölkerung auf, es kommt zu Ressentiments und zu antichinesischen Protesten, die sich gegen die eigene als käuflich wahrgenommene Regierung richten. Das Handeln der Antikorruptionsbehörde, die Vorwürfe gegen China in ein offizielles politisches Statement zu kleiden, bleibt auf der Ebene des Protests. Die Antikorruptionsbehörde äußert sich in diesem Fall nicht rassistisch, weil sie nur die Ergebnisse ihrer Untersuchung veröffentlicht. * NAMIBIA and China. I did not know whether to laugh or cry when I heard that the Chinese refused sales for consumption or even donations of our meat and fish in that country. The biggest insult in any African culture is for someone to tell you your food is not even good for its poorest of the poor. It is an insult. But then beggars can't be choosers. I guess they can afford to treat us like dirt in and outside Namibia. Don't they after all finance scanners and other things ...! What a joke! And we call ourselves independent! (Dokument 89: 11). Der Text beschreibt, dass die Chinesen afrikanisches Essen als minderwertig ansehen und damit einen großen kulturellen Fehler begehen, der für Afrikaner eine massive Kränkung zur Folge habe. Dieser Vorwurf appelliert an die nationale Seele der Namibier, indem nicht ein wirtschaftliches oder finanzielles, sondern ein kulturelles Problem als Kritik konstruiert wird. Kulturelle Abwertungen sind nach Balibar rassistische Handlungen. Hier beschreibt der Text aber nur den Vorgang der Kränkung der Namibier durch die Chinesen, wertet aber nur vorsichtig selbst. Der Autor zeigt sich sehr enttäuscht und wirkt verzweifelt. Er belegt aber die Chinesen nicht mit extre- 118 men rassistischen Zuschreibungen. Es stellt sich die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der gemachten Äußerungen. Selbstverständlich beinhaltet der Ärger über das minderwertige Essen den Vorwurf einer kulturellen Geringschätzung. Anders verhält es sich mit den namibischen Befürchtungen, dass Chinesen rechtlich oder politisch besser behandelt würden. Für diese Mutmaßungen liefert der Autor jedoch keine Belege. * GOVERNMENT loyal to Chinese, not workers = Made in China Government. The only free Namibians are the Chinese 'citizens' who are exempted from paying tax (income tax, VAT, import or company tax) and sell the no-guarantee, imported materials as well as faking the local goods. Our fallen heroes must be turning in their graves. - The Eagle's Eye* TO all my fellow Namibians let us unite and stand up against this Chinese invasion which is nothing less then modern colonialism. Let's get rid of these useless politicians who are selling us out just to fill their own pockets mega times. * WITH all respect Mr Muheua, actions speak louder than words. How much time do you need to act? The abuse of our people has been going on since Chinese shops and construction companies came to Namibia (Dokument 83: 3–7). Der Autor unterstellt, dass die Chinesen von Steuerzahlungen befreit wären, Importgüter fälschten, eine neokoloniale Invasion starten und die Namibier ausbeuten würden. Es ist ein Appell an das Nationalgefühl Namibias, zusammenzustehen und gegen die Kumpanei von Chinesen und der eigenen Regierung vorzugehen. Die Präsenz der Chinesen in Form von chinesischen Läden und Bauunternehmen ist nur ein Aufhänger, alles andere wird den Chinesen in einer allgemeinen Form unterstellt. Es stehen sich zwei Fronten gegenüber: die namibische Regierung und China einerseits und die Adressaten des Protests andererseits. Der Vorwurf einer neokolonialen Invasion ist rassistisch. Gängige Rassismustheorien sehen den Ursprung des Rassismus in kolonialistischen Verhältnissen. Die kolonisierte Bevölkerung wurde versklavt und ausgebeutet. Gleichzeitig weist Rommelspacher darauf hin, dass es für die Kolonialherren notwendig war, ihr rassistisches Ausbeutungsverhalten öffentlich zu rechtfertigen: Die Zeit der Kolonien war auch die der Deklaration der Menschenrechte. Es musste daher begründet werden, warum die neu entdeckten Menschenrechte nur für die eigene Bevölkerungsgruppe galten und nicht für die Kolonialvölker.365 Auch Albert Memmi stellt einen Zusammenhang mit 365 Rommelspacher 2009, S. 25. 119 dem Kolonialismus fest: Der Rassismus rechtfertigt die koloniale Ausbeutung der als minderwertig angesehenen kolonisierten Völker.366 The biggest economies in the world is the US, with China second and in the third place is Japan. Now those who have read the Art of War by Sun Tyu will agree with me that we are at war in Namibia. A lot of money is put in for propaganda purpose from these companies to discredit other companies and countries. Their mission is to keep the Namibians poor forever. The economy of this country is in the hands of these few business people and they decide what is good for our country. The amazing thing is that most of these people who are controlling our economy are from outside and from there they are calling the shots.They are controlling our banks, assurances companies, food stores, clothing stores, the media and anything and everything which is coming in or out of the country. They want to make sure that the majority of our people remain poor and poor forever (Dokument 67: 17– 22). Kulturell-historische Strategien wie die des chinesischen Philosophen Sun Tzu werden herangezogen, um ein düsteres Bild für die namibisch-chinesische Zukunft zu entwerfen. Es könnte sogar einen Krieg zwischen Namibiern und Chinesen geben. Es wäre das politische Ziel Chinas, Namibia für immer in Armut zu halten. Erreicht würde diese Absicht durch die totale Kontrolle der Banken sowie der großen und kleinen namibischen Unternehmen. Hier wird den Chinesen eine unheilvolle Gesamtstrategie unterstellt und ein Schreckensszenario für die namibische Bevölkerung entworfen. Es kann von einer klassenspezifischen rassistischen Zuschreibung ausgegangen werden, weil die chinesische Ethnie und ihre vermeintlichen Pläne gegenüber Namibia gemeint sind. Stuart Hall hatte sich mit dem Klassengegensatz aus rassistischer Perspektive beschäftigt. Es handelt sich um die gesamte chinesische Nation, die angeblich die Namibier wirtschaftlich ruinieren und durch Armut versklaven würde. Es findet sich ebenfalls eine Analogie zum Kolonialismus. Sowohl der Rückgriff auf koloniale Verhaltensweisen als auch der klassentheoretische Gegensatz zwischen Chinesen und Namibiern erfüllt den Tatbestand rassistischer Zuschreibungen. Muheua said Pohamba has urged Chinese business people to strictly follow business practices that are followed by other business people in the country and was not pleased that the Chinese people at China Town also use the premises as residences. Muheua said his Ministry has issued a stern warning to the owner of the shop, that no worker should be (Dokument 21: 12–13). 366 Memmi 1987, S. 173. 120 Der namibische Staatspräsident fordert die chinesischen Geschäftsleute auf, sich an die bestehenden namibischen Gesetze zu halten. Das Problem chinesischer Gesetzeseinhaltung scheint so groß zu sein, dass vom Staatspräsident eine Intervention für notwendig erachtet wird. Dadurch werden der Rahmen, den die chinesischen Aktivitäten einnehmen, und die Dimensionen des Protests gegen die Chinesen erheblich ausgedehnt. Die politische Aussage des Staatspräsidenten ist als offizielle Handlung zu verstehen und damit als politischer Protest aufzufassen. Aussagen in höchsten politischen Ämtern könnten sich häufig durch eine diplomatische Sprache auszeichnen, die nicht genuin durch rassistische Merkmale auffallen würden. It is said that the Chinese don't put any conditionality in their economic relationships with Africans. But why should China put conditionality when their own governance system is equally corrupt as those of many African countries? (Dokument 3: 15). Die Äußerung ist politisch motiviert, denn China wird die Berechenbarkeit wirtschaftlicher Beziehungen unter Hinweis auf die chinesische Korruption abgesprochen. Diesbezüglich ist eine gewisse Hilflosigkeit erkennbar: Warum sollten Chinesen die bestehende Situation ändern, wenn Korruption in Afrika und China auf der Regierungsebene ähnliche Strukturen aufweist? Aus dieser selektiven Wahrnehmung resultiert die Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die sich in einer Sandwichposition zwischen China und der eigenen Regierung wahrnimmt und sich übergangen fühlt. Diese verzerrte Wahrnehmung befördert die Unzufriedenheit, denn die Bevölkerung geht davon aus, dass die gewählte Regierung alles tun würde, die eigenen Wähler zu schützen und im Interesse des Landes voranzubringen. Wenn die Wähler aber merken würden, dass sie der eigenen Regierung nicht vertrauen können, sei die Grundlage für Proteste gegen die eigene Regierung und die anwesenden Chinesen im Land geschaffen. Continuation of a Neo-African colonialism. Taking over of a country is a very slow process. It can take a 100 or 200 years. Before you know it our future Namibia will be a territory of China or some other first world country. It happened before and it is slowly happening again. if the current African leaders do not wake up and see what is slowly happening. It will be too late for us to reverse the process or stop them from our mother continent. I hope they will not allow this to happen. - Metumo NULL (Dokument 94: 25). Es wird ein gezielter und langfristiger Plan Chinas unterstellt, Namibia in kleinen Schritten zu übernehmen und zu einem Teil Chinas zu machen. Der angebliche Plan Chinas wird sogar zeitlich in Hundert-Jahres-Schritten begründet, indem den Chinesen eine lange strategische Planung unterstellt wird, z.B. die Theorie der Supraplanung. Harro von Senger vertritt in seiner Studie 121 „Supraplanung“ die These eines Jahrhunderte umfassenden zielgerichteten Plans der chinesischen Regierung, unter anderem zu einer der erfolgreichsten Wirtschaftsmächte aufzusteigen. Dabei beschreibt der chinesische Plan eine Perspektive, die hinsichtlich Abstraktionsniveau und flexibler Anpassungsfähigkeit den westlichen Regierungen überlegen sei.367 Die Kritik bezieht sich auf kulturelle Unterschiede, ökonomische Belange bleiben dagegen unerwähnt. Die namibische Regierung wird zwar nicht direkt angegriffen, aber eine Verantwortung der afrikanischen Führer insgesamt hervorgehoben. Solche Behauptungen, die sich empirisch nicht belegen lassen, sind als Verschwörungstheorien einzuschätzen. Chinesen werden generell als Feinde angesehen, bis hin zu der absurden Behauptung, die Anwesenheit der Chinesen sei in eine langfristige Strategie der Überlegenheit eingebettet. In der Literatur wird Rassismus übereinstimmend mit kolonialer Ausbeutung begründet. In der Wahrnehmung der namibischen Bevölkerung erinnern die Verhaltensweisen der Chinesen an die koloniale Vergangenheit, mit der die Namibier leidvolle Erfahrungen von Ausbeutung und Unterdrückung verbinden. Der Rückgriff auf kolonialistische Vorwürfe gegenüber China ist eindeutig ein Bestandteil von Rassismus. COULD you imagine the Swapo Government allowing a European country to run this country like the Chinese do. When will we get Chinese MPs? * OLD master Hage (Geingob) sought the advice on how to protect our people, interesting? Should he not have looked into our laws in regard to this? * ACCORDING to Kaaronda 'we are not for sale'. I think he missed the plot. Namibia has sold out to China long ago. Look at the tender allocations, job stealing - yes stealing, just to mention a few, because our unemployed could also work on construction sites. So please Kaaronda chuck out the Chinese before you want to get rid of the Germans. Thank you. – Proud Namibian (Dokument 92: 14–19). Der Vorwurf richtet sich erneut gegen die eigene Regierung, namibische Interessen nicht angemessen zu berücksichtigen. Es besteht die Sorge, dass Namibia bereits vor langer Zeit an China verkauft worden sei. Den Chinesen wird ein Diebstahl von Arbeitsplätzen vorgeworfen. Es gibt keinen konkreten Vorfall, an den die Kritik anknüpft, aber die Frontenbildung ist eindeutig: die korrupte namibische Regierung, die von China profitiert, und die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen der chinesischen Arbeitgeber. Auf der anderen Seite stehen nationalbewusste Namibier, die einen chinesischen Ministerpräsiden- 367 Von Senger, 2008. 122 ten verhindern möchten und sich für die namibischen Interessen einsetzen. Solche Vermutungen entsprechen nicht der Realität und die ausgeprägte patriotische Haltung steigert sich zu rassistischen Ressentiments. *WELL done WikiLeaks. I was always suspicious why so many Chinese flock to Namibia and Chinese companies get all the construction contracts at the expense of Namibians. We are brainwashed by our leaders about them having helped us during the liberation struggle. I have never seen China in our history books! The Government must stop receiving Chinese loans now! China's strategy is to drown stupid African countries in debt and claim everything (settling their families and setting up cheap mahala business here etc) including our freedom soon! Don't forget the Chinese bursaries given only to Ministers' children. President (Hifikepunye) Pohamba must answer the nation about the lastest WikiLeaks facts revelation. Now I undersatd why the Chinese here seem untouchable. Last time they bullied the former Veterans Minister at 'China Town' and now they busy closing businesses in the North. New colonialism? Wake up Namibia! (Dokument 78: 9–10). Als Auslöser der Kritik wird WikiLeaks gesehen. Mit den Enthüllungen dieser Plattform ist eine Front gegen die eigene Regierung und gegen China entstanden. Eine chinesische Strategie wird unterstellt, nach der Namibia als ein „dummes Land“ (stupid African countries) in eine Schuldenabhängigkeit geführt und von China eingenommen würde. Die Chinesen werden in Verbindung mit dem Vorwurf des Neokolonialismus als unangreifbar bezeichnet. Die namibische Regierung wird als Erfüllungsgehilfe der Chinesen wahrgenommen. Der Artikel soll ein Weckruf sein – mit der Aufforderung an die nationalen Gefühle der Namibier, sich politisch gegen den wachsenden Einfluss zu wehren. Der konkrete Vorwurf gegen die Chinesen und die ausdrückliche Betonung neokolonialer Zusammenhänge erfüllt die Voraussetzung für Rassismus. OUR Government is selling our beautiful country out to the Chinese. Poor quality construction and goods and criminality is to be expected in the future. Not to mention the maltreatment of our labour force by ignoring our labour l ws. When will the government wake up? – Namibian Patriot (Dokument 78: 4–5). „Our beautiful country“ Namibia wird an China verkauft. Zukünftig erwartet der Autor ungünstige Arbeitsbedingungen, Kriminalität und die Missachtung von Arbeitsgesetzen. Es wird kein Einzelfall geschildert, sondern die namibische Regierung auf breiter Front angegriffen. Die Kritik ist ein Appell an das namibische Nationalbewusstsein, das sich gegen die chinesische Bedrohung und die nicht im Interesse Namibias handelnde Regierung richten soll. Der Ausverkauf eines Landes an eine andere Macht ist eine pauschale und wertende Unterstellung, die rassistische Merkmale enthält. 123 *SHAME on the Government for exchanging our citizenship for the defaulted Chinese loans and further rubbishing the reporting media. I for one has seen some Chinese nationals with Namibian ID cards while our people are struggling to get these documents (Dokument 74: 23). Die Staatsbürgerschaft Namibias soll einbürgerungswilligen Chinesen im Tausch gegen chinesische Anleihen verliehen werden. Diese Absicht widerspricht den Möglichkeiten der Namibier, die nur über Kämpfe an diese Dokumente gelangen. Die Einheimischen würden sich in einer untergeordneten Position gegenüber den chinesischen Einwanderern befinden, indem die namibische Regierung die Chinesen bevorzuge. Diese Behauptung ist rassistisch motiviert, indem die Bevorzugung bestimmter Volksgruppen politisch instrumentalisiert wird. Im vorliegenden Fall appelliert der Autor an die nationalen Gefühle der namibischen Bevölkerung. Die namibische Regierung würde ein Komplize der Chinesen sein und sei nicht mehr am eigenen Volk interessiert. Die Einschätzungen des Autors sind jedoch völlig aus der Luft gegriffen. Es handelt sich um Verschwörungstheorien, die von einer Realitätsferne des Autors zeugen. Die Behauptung einer Über- und Unterordnung zweier Volksgruppen ist rassistisch. *IS it 'Timeless' we are watching? No sound or Al Jazeera news. What's going on, NBC people? What's wrong with the media? n FIRST the Chinese took over our jobs, businesses and economy. On Friday night the they took over the whole 20h00 news bulletin on NBC TV and replaced it with their own CCTV news. – Tate Mahangu (Dokument 73: 33–35). Diese Kritik richtet sich gegen die Medien. Die Übernahme der namibischen Wirtschaft und Arbeitsplätze durch die Chinesen würden ignoriert und die Nachrichten von NBC sogar durch eigene chinesische Nachrichten ersetzt. Hier wird die Gefahr einer gesamten Übernahme der einheimischen Wirtschaft durch China befürchtet. Sofern sich die Kritik gegen die namibische Regierung richtet, ist kein Rassismus erkennbar. Die Kritik an einer chinesischen Konspiration mit der namibischen Regierung oder auch an den unzureichenden Arbeitsbedingungen der chinesischen Arbeitgeber könnte hingegen einen gemeinsamen rassistischen Bestandteil haben, wenn er sich gegen die Chinesen als Ethnie richten würde. Allerdings bezeichnen politische Verschwörungen nur die Regierung der Chinesen und nicht die Chinesen als Ethnie. Ebenso verhält es sich mit den unzureichenden Arbeitsbedingungen. Hier geht es nur um die konkret in Namibia ansässigen chinesischen Unternehmen. Grundsätzlich können auch die Verunglimpfungen durch Teile einer Bevölkerung oder Repräsentanten der Regierung ein Hinweis auf Rassismus sein, wenn sie entsprechend herab- 124 würdigend sind. Mit einer Verschwörungstheorie wird die chinesische Regierung in einer rassistischen Weise diffamiert. NAMRIGHTS executive director Phil ya Nangoloh maintains that it is misleading to believe that the Chinese communist government supported Swapo militarily during the liberation struggle. He said yesterday the pronouncements of such support are now being used by high-ranking Namibian officials, which he said 'explains why Chinese nationals are allowed to do whatever they wished in this country, even if this was to be done at the expense and/or to the detriment of Namibians, the owners of this country, themselves'. (Dokument 44: 4–5). Es wird darauf hingewiesen, dass die Chinesen in Namibia ohne Einschränkung frei agieren könnten, auch wenn es zum Nachteil der Namibier als die rechtmäßigen Eigentümer von Grund und Boden sei. Dieser schwerwiegende Vorwurf wird von einem NGO-Aktivisten erhoben. Er verquickt die Verbundenheit der Regierungspartei mit der chinesischen Regierung während des Unabhängigkeitskampfs und identifiziert die Verantwortlichen, nämlich die eigene Regierung, für die gewährte „Narrenfreiheit“ der Chinesen. Die Kritik wird deutlich von Gruppen außerhalb der namibischen Regierung kolportiert, sodass der Vorwurf in erster Linie politisch zu sehen ist. Es gibt keine spezifischen Hinweise auf die wirtschaftlichen Verhaltensweisen der Chinesen. Es liegt ein politischer Protest vor, weil die Äußerung von einem politischen Aktivisten stammt. „Narrenfreiheit“ beinhaltet eine Kritik und bezieht sich auf den Vorwurf, die Eigentumsrechte der Namibier zu missachten. Rassismus sollte auf eine erhebliche Diffamierung hinweisen, die in diesem Fall jedoch nicht vorliegt. The business was lucrative. It was also illegal. “Most of the Chinese people went very far from here, because when they get them they're going to be under arrest,” said Quainn, who quit his job installing satellite dishes for the more reliable pay of small-scale gold mining. Ghana's government last month sent a task force of soldiers, police and immigration officers into the country's gold country to root out foreigners who have flooded mining districts in recent years. In a series of raids this month, the task force arrested and repatriated 218 Chinese nationals, along with 57 others from west African countries, as well as a handful from Russia. Over 200 other Chinese citizens voluntarily returned home under an agreement organised with the Chinese embassy (Dokument 20: 5–9). Die illegale Förderung von Gold durch Angehörige verschiedeneer Nationalitäten, darunter auch Russen und Chinesen, wird von der Zeitung verwendet, um eine Suggestion vorzunehmen: Es seien vor allem Chinesen, die der illegalen Förderung überführt würden. Dazu werden Zahlen genannt, die darauf hinweisen sollen, dass Chinesen beim illegalen Goldabbau überrepräsentiert 125 seien. Aber auch die Zusammenarbeit mit der chinesischen Botschaft bei der Ausweisung der im Goldabbau tätigen Chinesen suggeriert ein erhebliches politisches Problem. Es dominiert der Eindruck, dass ausschließlich Chinesen illegal Gold fördern würden, aber nicht, dass auch Menschen mit anderer Herkunft wie z.B. Westafrikaner und Russen beteiligt sind. Hier wird eine Ethnie zum Sündenbock gemacht, um sie zu diskreditieren. Dort, wo Chinesen überrepräsentiert sind, wie etwa in der Goldförderung, werden ethnische Zuschreibungen vorgenommen. Die Chinesen würden sich in der Tradition der alten Kolonialmächte verhalten, indem sie Namibia wirtschaftlich ausbeuten und politisch beeinflussen würden. Diese abwertende Beschreibung ist rassistisch. 5.2.2 Sozioökonomischer Protest Die folgenden Artikel behandeln die Angst der Namibier vor der ökonomischen Macht der Chinesen im Land und den daraus folgenden gesellschaftlichen Konsequenzen. Im Zentrum stehen immer wieder die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in den chinesischen Unternehmen oder die als existenzbedrohlich empfundene Konkurrenz von chinesischen Kleinunternehmern. *THANK you Julian Assange for leaking information on Chinese-Namibian master/slave relations. First it was the Teko scandal, second was the Chinese scholarships, third the Ongulumbashe train disaster, now it is the cancelling of a loan in exchange for Chinese settlement. Yet there is no flurry of the usual words like imperialism and neo-colonialism being uttered by the ruling party's firebrand youth (Dokument 76: 12–14). Im Mittelpunkt dieses Beitrags stehen drei Skandale, die von WikiLeaks aufgedeckt wurden und die für den Autor ein Beleg für die Herr-Sklave- Beziehung (master/slave relations) sind, indem den Chinesen Imperialismus und Neokolonialismus vorgeworfen wird. Der Autor behauptet, die Namibier würden Unterlegenheitsgefühle und Hass gegenüber den chinesischen Einwanderern verspüren. Der Rückgriff auf den Neokolonialismus und die Einordnung der chinesisch-namibischen Beziehungen von „Herren und Sklaven“ zeigt Merkmale für einen Rassismus der Unterdrückten. Die Konstruktion dieser Gegensätze ist rassistisch, denn die Chinesen aufgrund dieser Vorfälle als Herren zu bezeichnen ist ebenso ungemessen wie die Selbstentwertung als Sklave. Last November, four Chinese in rural South Africa were burnt alive in an arson attack on their home. In Zambia last month, miners in a dispute over pay crushed a Chinese supervisor to death with a coal truck. In Ghana, armed Chinese informal miners have clashed with gangs of local youths, triggering a government crackdown. In Angola a few weeks ago, 37 Chinese men were deported on suspicion of running a criminal gang that burnt its victims 126 with gasoline before burying them alive, according to China's Xinhua state news agency. And from Senegal in the west to Kenya in the east, traders are up in arms about what they see as unfair competition from private Chinese merchants surfing into Africa on the back of a wave of big investments (Dokument 40: 10–11). Es wird eine Beziehung zwischen vier Ereignissen hergestellt: einem Mord an vier Chinesen in Südafrika, einem zu Tode gekommenen chinesischen Vorarbeiter in Sambia und einem gewalttätigen Zusammenstoß zwischen bewaffneten Chinesen und ghanaischen Jugendbanden. Außerdem wird auf die 37 aus Angola ausgewiesenen chinesischen Kriminellen hingewiesen. Diese Ereignisse stehen jedoch in keinem kausalen Zusammenhang. Zum einen fanden sie in mehreren afrikanischen Staaten statt. Zum anderen waren die Ursachen für die Gewalttaten sehr unterschiedlich. Einmal ging es um einen Mord an vier Chinesen in Südafrika. Es wird nicht deutlich, ob der Mord auf ein rassistisches Motiv, einen Raubüberfall oder eine Beziehungstat zurückzuführen ist. Der in Sambia getötete chinesische Vorarbeiter könnte in die sich in der Copperbelt-Region abspielenden Unruhen sambischer Bergarbeiter einzuordnen sein. Die Jugendbanden in Ghana wiederum könnten aus ganz anderen Gründen in einen Streit mit den Chinesen geraten sein. Aus den Taten kann jedenfalls nicht die Erkenntnis abgeleitet werden, es handele sich um gewalttätige Protesthandlungen von Afrikanern gegenüber Chinesen, die sie misshandelt hätten. Dafür sind die Umstände jedes Einzelfalls zu unklar und zu den Tätern liegen nur unzureichende Informationen vor. Schließlich formuliert der Artikel eine verallgemeinernde Aussage, dass einige afrikanische Staaten Probleme mit unfairen Wettbewerbsbedingungen durch chinesische Unternehmer haben. Aus den genannten Gründen ist es nicht angemessen, aus den Vorfällen verallgemeindernde Vorwürfe gegen Chinesen abzuleiten. A Chinese businessmen Rong Qiung Xu aired his disappointed about the Namibian police clampdown saying: 'If someone does something wrong why treat all of us the way? It's really bad (Dokument 24: 6). Im Text wird überzeugend das gesamte Muster der antichinesischen Ressentiments dargestellt. Der chinesische Geschäftsmann beklagt, dass die Polizei von einem Chinesen, der vielleicht gelegentlich negativ aufgefallen sei, auf alle Chinesen schließen würde. Es geht also gar nicht mehr um Einzelfälle. Von einem Chinesen, der sich falsch verhält, wird auf alle in Namibia lebenden Chinesen geschlossen. Der enttäuschte Chinese, der die namibische Polizei kritisiert, zeigt die Entstehung rassistischer Ressentiments auf. Die zugeschriebene kollektive Verantwortung einer Ethnie aufgrund von Einzelfällen ist ein Muster, das das Aufkommen von Rassismus in einer Gesellschaft begünstigt. Durch die Haftbarmachung der chinesischen Ethnie für die Vergehen Einzelner zeigt sich Rassismus. 127 City to investigate China Town businesses THE Ministry of Labour and Social Welfare has instructed the City of Windhoek to investigate outlets at China Town which are not fit for human habitation and business purposes. Deputy Minister of Labour Alphaus Muheua announced the move at a media briefing yesterday. He said the instruction was made after reports about a Chinese shop owner making a Namibian employee carry faeces on Saturday. After the incident, an impromptu investigation was ordered by President Hifikepunye Pohamba, which could not determine whether the faeces were of a human being or that of a dog as the box containing the faeces had already been disposed of by the Municipality (Dokument 21: 1–6). Der Vorwurf der Misshandlung einer namibischen Angestellten durch ihren chinesischen Arbeitgeber führt zu einer offiziellen Untersuchung, die vom namibischen Staatspräsidenten höchstpersönlich angeordnet wird. Die Bedeutung, die dem Vorfall auf namibischer Seite beigemessen wird, entspricht der Angst der politischen Elite Namibias vor einer Ausweitung und Radikalisierung antichinesischer Proteste. Die präsidentielle Order für eine Untersuchung soll möglichen Konflikten entgegenwirken. Hier wird die Verbindung der namibischen Elite mit den chinesischen Vertretern im Land deutlich. Die Vergabe chinesischer Stipendien an Familienangehörige namibischer Politiker ist ein Beleg für die Elitenfreundschaft. Die jahrzehntelangen engen Beziehungen zwischen der namibischen Regierungspartei und der chinesischen Regierung lassen ebenfalls den Schluss zu, dass es auch persönliche Kontakte zwischen den Politikern beider Staaten geben muss, die ein freundschaftliches Klima haben entstehen lassen. Vor diesem Hintergrund ist es einfacher für beide Seiten, Vereinbarungen über finanzielle Zuwendungen Chinas zu verabreden. Die anhaltende finanzielle Unterstützung für Namibia erklärt sich auch aus dem günstigen bilateralen Klima. Offensichtlich konnten chinesische Einwanderer ungehindert ihren Geschäften nachgehen. Erst spät scheint die namibische Regierung um eine Einhaltung der Gesetze und Normen bemüht gewesen zu sein. Hier sind zwei Fälle zu unterscheiden. In dem Vorfall zwischen dem chinesischen Vorgesetzten und der namibischen Angestellten ist aufgrund der unwürdigen Behandlung der namibischen Frau individueller Rassismus gegeben. Die Namibierin wurde aufgefordert, Fäkalien unbekannter Herkunft zu entsorgen. Die Kritik an der Verbindung zwischen den namibischen und chinesischen Eliten erweist sich als Protest. Schließlich ist die beschriebene Äußerung des Staatspräsidenten eine offizielle politische Handlung ohne rassistische Merkmale. 'Allegations of 5 000 Chinese families resettled in Namibia in exchange for the settlement of a so-called loan are very serious and tantamount to corruption of the highest order,' RDP statement said (Dokument 75: 13). 128 Zweifelsohne steht hier der Vorwurf von Korruption im Raum, weil behauptet wird, 5.000 chinesische Familien würden im Tausch gegen eine Anleihe in Namibia angesiedelt werden. Die Aussage richtet sich direkt gegen die namibische Regierung. Eine Front wird gegen Chinesen und die angeblich von China abhängige namibische Regierung errichtet. Es wird erneut an die nationalen Gefühle der Namibier appelliert. Der angebliche Zuzug von 5.000 chinesischen Familien wird als Folge von Korruption gedeutet. Die Abwertung der chinesischen Familien ist ein Beleg für Rassismus. *I APPEAL to my beloved Government to sort out this Chinese story as soon as can be. Whether true or not, the Government should reduce the number of Chinese nationals owning businesses in a market clearly becoming dominated by them for the good of our country and future generation. - Therapy (Dokument 74: 16). Diese Aussage zielt auf die Überfremdungsängste der namibischen Bevölkerung vor einer unabsehbar hohen Zahl von Chinesen, die ins Land einwandern und dadurch die unternehmerische Existenz der einheimischen Händler bedrohen und sie in Zukunft dominieren würden. Die Äußerungen schüren die Befürchtung, dass „das Boot voll“ sei, und greifen typische rassistische Merkmale auf. Ein möglicher Bevölkerungsaustausch zuungunsten der einheimischen Bevölkerung ist ein auf der ganzen Welt verbreitetes rassistisches Argumentationsmuster. Die Chinesen gelten als unerwünschte Eindringlinge, die die Namibier verdrängen und in ihrer Existenz gefährden würden. Hier zeigen sich eindeutig rassistische Tendenzen. Mwilinga's family was subjected to the worst of the white regime - his father was lashed to the bottom of an SADF helicopter and flown over the Kavango floodplain - and while he does not for a second believe that things in Namibia have grown worse since independence, or that Beijing's presence in the country doesn't have its many advantages, he is adamant that Chinese companies exploit local workers. 'The problem we have with the Chinese is that they do not respect our laws,' Mwilinga says, looking out of his window at Katutura location, which still doesn't have electricity. 'Most workers on Chinese construction sites are not registered in terms of the labour act. If they are injured, they are not protected.' (Dokument 66: 25–26). Aufschlussreich ist, dass ein gemäßigter Politiker die Kritik lanciert: Er lehnt nicht pauschal alle Chinesen im Land ab oder beurteilt die chinesische Wirtschaft als ausbeuterisch. Er geht ebenfalls nicht davon aus, dass sich die Situation nach der Unabhängigkeit Namibias nicht erwartungsgemäß entwickelt hätte. Trotz dieser Meinung ist er überzeugt, die chinesischen Arbeitgeber würden die namibischen Gesetze nicht einhalten und namibische Arbeiter misshandeln. Gerade weil Mwilinga die chinesische Präsenz nicht pauschal ablehnt, ist seine Kritik für die namibische Öffentlichkeit umso wirkungsvol- 129 ler. Er äußert sich kritisch, aber wesentlich zurückhaltender, als man es von einem wütenden Politiker erwarten könnte. But the strangest development is the active encouragement of mass immigration of Chinese to Namibia. Chinese have now replaced Namibian constructors and builders, even to build some of the most basic of structures. They get preference over the locals when it comes to government tenders and contracts. Africans are naive to think that China is just here to do business and transfer the dollars back to their homeland. They are also here to get rid of their excess population by settling as many Chinese in Africa as possible (Dokument 3: 13–14). Es wird keine wirtschaftliche Notwendigkeit für die Einwanderung gesehen, sondern eine politische Strategie unterstellt: die Lösung der chinesischen Übervölkerung durch eine massive Ansiedelung in Namibia. Die Zuwanderung löst Ängste in der einheimischen Bevölkerung aus. Dabei tritt die ansonsten wohlwollende Empfangsbereitschaft der Namibier in den Hintergrund. Die Namibier befürchten, dass die chinesischen Einwanderer die einheimische Bevölkerung verdrängen, indem sie bei wirtschaftlichen Aufträgen bevorzugt würden. Diese Ängste begünstigen erhebliche Ressentiments in der Bevölkerung. Die Idee einer Verdrängung einer Bevölkerung durch eine andere ist typisch rassistisch. Hinzu kommen unbewiesene Verschwörungsideen: Die chinesische Regierung wolle durch ihre Ansiedelungspolitik demographische Probleme lösen. Diese Kombination aus Unterstellungen und Ängsten beunruhigt die namibische Bevölkerung. Relations between the local business sector and the Chinese in the North are so strained that the Namibian entrepreneurs have called for a boycott of Chinese businesses in the region (Dokument 93: 14). Namibier boykottieren chinesische Geschäfte aufgrund der angespannten Beziehungen zwischen beiden Gruppen. Der Aufruf zu einem Boykott geht über die bloße Ursachenerkennung hinaus und ist eine Form von politischem Aktionismus. Es sind nicht nur die von chinesischer Konkurrenz betroffenen namibischen Händler oder Arbeiter in chinesischen Unternehmen beteiligt, sondern auch politische Organisationen. Die betroffenen chinesischen Geschäfte werden in einem geographisch abgetrennten Teil des Landes verortet. Boykottaufrufe gegen Geschäfte einer ethnischen Minderheit sind zweifelsohne ein Ausdruck für Rassismus. *THE WikiLeaks report makes sense. It is a shame our leaders sold our nation to China. If China is being paid for 'liberating' us, who negotiated that price? 130 *I HAVE to support the person who suggested on the SMS page that The Namibian should have a separate page on WikiLeaks as there is so much information to learn as with our own country being sold out to China. - JD Hhatutale *THE biggest sell-outs of the African people, the continent and its abundance of natural resources to foreign interests (read Chinese) are the current crop of corrupt African political 'leaders' and their newly found praise-singers (read: hypocrites and parasites) (Dokument 74: 8–11). Bei diesen Zitaten handelt es sich um einzelne Aussagen von enttäuschten und hasserfüllten Namibiern. Den Ursprung für Ängste und überbordende Hassgefühle bildet ein WikiLeaks-Bericht, der die veröffentlichten Informationen der namibischen Regierung über die chinesisch-namibische Zusammenarbeit widerlegt. Der Hass richtet sich nicht nur gegen die Chinesen an sich, sondern auch gegen die namibische Regierung. Die Äußerungen zeugen von der wachsenden Kluft zwischen der Regierung und der unzufriedenen Bevölkerung. Der eigenen Regierung wird Korruption und der Ausverkauf der nationalen Ressourcen an China vorgeworfen. Es ist kein Hinweis auf eine rassistische Verunglimpfung der Chinesen, dass Chinesen wirtschaftlich von den Fehlern der namibischen Regierung profitieren. Namibia's construction industry, along with its allies in the unions, is preparing for an unprecedented showdown with Chinese firms that, they claim, are operating outside the law. If it happens, the Oshakati battle will take the conflict to a new level. Few of the players will be left unbloodied, and it will pose a question that's sure to reverberate across the region: how can Namibia reconcile the new age of the Chinese with the lofty tenets of independence (Dokument 66: 8–9). Eine Rivalität zwischen der namibischen Bauindustrie und der außerhalb der Gesetze operierenden chinesischen Konkurrenz wird vermutet, indem ein „new age of Chinese“ als problematisch für Namibia angesehen wird. Die Präsenz der Chinesen in der Bauindustrie wird als eine erhebliche Bedrohung für die eigene Unabhängigkeit interpretiert. Es wird eine regelrechte Eskalation beschworen. Es stellt sich die Frage, inwieweit die Befürchtungen der namibischen Bauindustrie berechtigt sind. 70 % der staatlichen Bauaufträge in Namibia kommen chinesischen Unternehmen zugute.368 Diese Übermacht löst Ängste aus. Den Chinesen wird unterstellt, sich gesetzeswidrig zu verhalten und dadurch den Namibiern zu schaden. Die Befürchtung geht soweit, dass sogar die politische Unabhängigkeit Namibias auf dem Spiel stehen würde. Der Autor liefert jedoch keine Belege dafür, dass die Chinesen sich in ihrem Konkurrenzverhalten nicht an 368 Dornseif 2012, S. 3. 131 die Gesetze halten würden. Diese Unterstellung ist daher nicht berechtigt und insofern als rassistisch einzuschätzen. *I COULDN'T believe my eyes when I read the story of Government selling our country for a loan they can't repay. Ridiculous. How much and for what was the loan? We need answers or all Chinese must leave immediately (Dokument 76: 11). Der namibischen Regierung wird vorgeworfen, die namibische Staatsbürgerschaft an Chinesen im Tausch mit einer chinesischen Anleihe an China zu vergeben, die Namibia niemals zurückzahlen könne. Dieser Vorwurf wird mit der Forderung verbunden, alle Chinesen sollten im Zweifel das Land verlassen. In diesem Zusammenhang wird der namibischen Regierung der Bankrott erklärt: Wenn sie schon die Anleihe nicht zurückzahlen könne, dann impliziert diese Feststellung, dass die namibische Regierung immer von China abhängig sein würde. Dieses Eingeständnis käme faktisch der Aufgabe der nationalen Unabhängigkeit gleich. Der Autor appelliert an nationale Gefühle, an Nationalstolz und Selbstbewusstsein. Es ist fraglich, inwieweit die Behauptung zutrifft, dass Namibia die chinesischen Anleihen nicht zurückzahlen könnte. Einerseits erhielt Namibia etwa 2 Mrd. N-$ „soft loans“, sogenannte weiche Anleihen, von China. Die weichen Anleihen haben günstigere Konditionen, beispielsweise einen längeren Rückzahlungszeitraum.369 Andererseits nahm Namibia 2007 etwa 1 Mrd. N-$ „Concessional loans“ von China in Anspruch, die zwar nur drei Jahre liefen, aber nach Aussage des damaligen namibischen Finanzministers Calle Schlettwein war unklar, wann China von Namibia erwarten würde, das Geld zurückzuzahlen.370 Diese Aussage deutet darauf hin, dass von der chinesischen Regierung keine kurzfristige Aufforderung zur Rückzahlung des Geldes vorliegt oder zu erwarten ist. Möglicherweise fordert China das Geld für Jahrzehnte nicht zurück. Da aber die chinesische Regierung nicht dezidiert verlauten lässt, dass es überhaupt keine Rückzahlungsverpflichtung gibt, kann von einer unbestimmten Verschiebung der Rückzahlung ausgegangen werden. Von einer Schenkung im Sinne einer fehlenden Rückzahlungspflicht kann jedoch keine Rede sein. Der Bezug auf die Aufgabe der namibischen Unabhängigkeit durch ein zu großes Eingehen auf die Chinesen und der Appell an ein namibisches Nationalbewusstsein sind Äußerungen, die etwas weiter ausgeführt und unterfüttert zu Diffamierungen der Chinesen und zu Rassismus führen könnten. Der Text 369 o.V. 2009. 370 Ndjebela 2011. 132 geht jedoch nicht soweit. Es bleibt beim Vorwurf der bedingungslosen Anleihe durch die Chinesen. *ALL the negatives in the Fitch ratings are as a result of the Chinese in Namibia. *WHAT do you people expect? That our Government will admit that they selling out our beautiful country to the Chinese? Just wait much more interesting and shocking news about this matter will come along. What a shame we did not know this fact before the election (Dokument 74: 20–21). Betont wird in dieser Aussage, dass das heimatliche Namibia an die Chinesen verkauft werden könnte. Dabei richtet sich die Kritik auch gegen die eigene Regierung, die den Ausverkauf zulassen würde. Hier wird an das Gemeinschaftsgefühl appelliert. Alle Namibier sollen sich gemeinsam gegen die namibiafeindliche Regierung und gegen die Chinesen verbünden. Die hauptsächliche Kritik richtet sich im Artikel gegen die namibische Regierung. Die Chinesen sind zwar die Bedrohung im Hintergrund, werden aber nicht rassistisch herabgewürdigt. *CAN the owners of KFC, Mr Price and Fashion World team up and challenge the Chinese for violation of copyrights laws? We are tired of them copying us and invading our territories here in the northern part of Namibia (Dokument 73: 18). Die Chinesen werden beschuldigt, Urheberrechte zu verletzen, die namibischen Erzeugnisse zu kopieren und den nördlichen Landesteil Namibias in Form einer Invasion einzunehmen. Aufschlussreich ist, dass ein konkreter Landesteil angesprochen wird, nämlich der nördliche Teil Namibias. Die Kritik zielt darauf ab, die Bewohner im Norden Namibias gegen die Chinesen aufzuhetzen, indem auch allgemeine Vorwürfe ohne konkrete Einzelfälle wie Missachtung des geistigen Eigentums genannt werden. Der Norden ist von Armut und Unterentwicklung geprägt und Investitionen sind dringend erforderlich. Die Chinesen engagieren sich im Norden, weil sie überall in Namibia wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten sehen und keine Region von dieser Annahme ausschließen. Der Vorwurf einer Invasion der Chinesen hat in seiner Pauschalität und Unbestimmtheit das Potenzial, flankiert mit weiteren Diffamierungen in Rassismus zu münden. How many Chinese in Namibia observe and respect our country's labour laws? How many Chinese respect public holidays in this country? Actually as a matter of fact, Chinese retail shops are mostly open for business on Sundays and on public holidays throughout the day. This is a reality, which should not be cheaply politicised or misquoted if we are to start moving in the right direction (Dokument 10: 6). Die rhetorischen Fragen enthalten den Vorwurf, viele Chinesen würden die Arbeitsgesetze nicht einhalten und öffentliche Feiertage in Namibia nicht 133 respektieren. Als Beispiel werden die gesetzwidrigen Öffnungszeiten chinesischer Einzelhandelsgeschäfte an Sonn- und Feiertagen genannt. Die chinesischen Geschäfte sind tatsächlich am Sonntag geöffnet. Die Tatsache der offenen Geschäfte wird verallgemeinert und mit rhetorischen Fragen vermischt. Am Ende wird erneut eine Stimmung erzeugt, mit der Protest gegen Chinesen begünstigt und sogar offen gefordert wird: “This is a reality, which should not be cheaply politicised or misquoted if we are to start moving in the right direction“. 5.2.3 Historischer Protest Der historische Protest soll den Begriff „Sinophobie“ in die Kategorien gliedern. Eine Form der Sinophobie wie die Ausgrenzung der Chinesen vom Bürgerstatus und gesellschaftlichen Leben wie in Nordamerika oder Australien des 19. Jahrhunderts ist in den beiden untersuchten Ländern nicht zu beobachten. Die Wahrnehmung der Namibier, dass die chinesische Regierung in Namibia koloniale Absichten verfolge und in einer Reihe mit den ehemaligen Kolonialmächten Deutsches Reich und Südafrika stehe, begründet in den Artikeln die Ausweitung der Kategorie historischer Protest auf die Fälle vermeintlicher chinesischer Neokolonisierung. * MR (Hage) Geingob; your speech about the Chinese is pathetic. China a friendly power? Where did you dream this? They walk over everyone and then destroy. Wake up! * RE Mr Hage Geingob's statement that Chinese residents are welcome in Namibia. First it was colonial rule from Berlin. Then from Pretoria and within a few years it will be from Beijing. Good bye Namibian independence! (Dokument 87: 14–15). Chinesen würden alles zerstören und die namibische politische Unabhängigkeit durch Kolonialgesetze in der Tradition des deutschen und südafrikanischen Kolonialismus untergraben. Es stellt sich diesbezüglich die Frage, inwieweit Gemeinsamkeiten zur Kolonialherrschaft tatsächlich bestehen oder die Unterschiede nicht doch sehr viel größer sind, sodass ein Vergleich der beiden Einflüsse nicht angemessen ist. Die Vergleiche stimmen bereits insofern nicht, weil Namibia heute ein souveräner Staat ist und nicht unter einer Kolonialverwaltung regiert wird. Die Ressentiments finden in einer politischen Debatte statt, indem der Vorwurf des Kolonialismus gegen die Chinesen in eine politische Auseinandersetzung eingebunden und gegen die Regierung verwendet wird. Es ist die Summe der vielen Vorwürfe, die zu einem Rassismus der Unterdrückten führen. AFRICA is on the threshold of being re-colonised. This process will, however, differ from the violent one that followed the Berlin Conference when the continent was divided among European powers. There will be no guns and Bible to pacify and subdue the 'natives'. This time it will be decided in 134 boardrooms using the dollar/cheque book, contracts and wine (Dokument 3: 4–5). Eine sich von den Europäern zu unterscheidende Form von Re-Kolonisierung wird den Chinesen in Afrika unterstellt. Dabei würde sich die chinesische Art der Kolonisierung von der Methode des deutschen Kaiserreichs unterscheiden. Während im Anschluss an die Konferenz in Berlin 1884–85 der afrikanische Kontinent durch die europäischen Mächte mit Gewalt erobert wurde, stellt der Autor die These auf, die chinesische Regierung würde Afrika durch finanzielle Hilfen und Vertragsbindungen kolonisieren. Dies ist eine sehr gewagte These, die in dieser Form nicht belegen lässt. Der Vorwurf der Kolonisierung ist ein deutliches Muster von Rassismus, zumal die alte Form des Kolonialismus mit der vermeintlichen heutigen Methode gleichgesetzt wird: Damals wurden die „Eingeborenen“ durch Gewehre und Bibeln bezwungen, heute seien Geld und Verträge legitime Mittel. Atatata, Memme.... we are finished.... poor Namibia Chinese are taking over the world as prophesied in the Holy Bible.This is unstopable. – Collins Angel This how we allow the Chinese to take over our country. The Swapo party government is selling us out.......... what are we ding with one of the world strongest forces on our door steps? – united people`s movement upm It used to be German South West Africa, German East Africa and now the names will change to Chinese Namibia or even Chinese West Africa and Chinese East Africa. – Jonnybegood NULL (Dokument 94: 30–32). Mit Inbrunst wird die latente Gefahr beschworen, China würde die Welt übernehmen und die namibische Regierung eigene Grundstücke an China verkaufen. In den Aussagen drückt sich Verzweiflung aus. Es handelt sich offenbar um einen Namibier, der persönlich schlechte Erfahrungen mit den Chinesen gemacht hat und die Gefahr der kolonialen Vergangenheit während der Besatzung durch das Deutsche Reich beschwört. Diese Form der Kritik stärkt das „Wirgefühl“ und appelliert an ein namibisches Gemeinschaftbewusstsein. Hier liegt Rassismus der Dominierten nach Leiprecht vor. * NBC is showing us the Malawian youth running their small businesses in the streets. To Swapo Party government's shame; the street vendors in Namibia are being arrested. It instead promotes the unfair competition brought about by the State-sponsored Chinese. A new form of colonialism and invasion of Africa. What is the use of showing us what you discourage here? We are not fools (Dokument 87: 41–42). Ein Pressebericht der NBC befasst sich mit dem Straßenhandel von malawischen Jugendlichen und vergleicht diese Situation mit den verhafteten namibischen Straßenhändlern. Von den Verhaftungen würde die chinesische Konkurrenz profitieren. Nun wird dieser Vorfall verallgemeinert und mit abstrak- 135 ten Vorwürfen verbunden: Chinas Verhalten sei eine neue Form von Kolonialismus und Invasion. Die namibischen Kleinhändler sollen sich von der Kritik angesprochen fühlen, weil sie unter der chinesischen Konkurrenz zu leiden hätten und nun aufgehetzt werden sollen, um gegen eine chinesische Invasion zu kämpfen. Die politische Opposition könnte von der Kritik profitieren, weil die namibische Regierung ausdrücklich kritisiert wird. Durch die Behauptungen von einem chinesischen Kolonialismus wird ein typisches rassistisches Ressentiment bedient. Leiprecht sei hier als Beispiel genannt: Die Entwicklung des neuzeitlichen Rassismus ist in seiner Kontinuität mit dem europäischen Kolonialismus untrennbar verbunden. Der neuzeitliche Rassismus hat sich mit der kolonialen Expansion Europas und der Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise entwickelt.371 Unlike the Chinese who don't know Africans very well, the Europeans do not need to have as many of their people scattered all over Africa to extract resources. Instead, the whole system of neo-colonialism still works for them. New colonialism refers to new mechanisms for achieving the same economic objectives despite independence and majority rule. That's why you find many Africans being CEOs of many American and European multi-/transnational companies. “We face neither west nor east, we face straight”. That was Kwame Nkrumah. But we are increasingly being squeezed between 'west and east' (Dokument 3: 18). Es wird ein Vergleich zwischen den ehemaligen europäischen Kolonialmächten und der vermeintlich neuen Kolonialmacht China gezogen. Dieses Machtverhältnis resultiert aus den als gegeben hingenommenen wirtschaftlichen Austauschbeziehungen. Unabhängigkeit und Mehrheitsentscheidungen können die damit verbundenen politischen Probleme nicht beseitigen. Die Afrikaner sehen sich einem ungeheuren Druck ausgesetzt, der durch die wirtschaftlichen Interessen anderer Staaten entsteht. Auf diese Weise entwickelt sich Protest, indem die Afrikaner allgemein als Opfer wahrgenommen werden. China und Europa würden diesen Wettbewerb gewinnen. Dieser Protest wird jedoch instrumentalisiert: Die koloniale Erfahrung wird zur Beschreibung der gegenwärtigen Situation verwendet. Unberücksichtigt bleiben die historischen Bedingungen der Kolonialzeit. Eine verallgemeinernde Begründung wird konstruiert. Aus der Behauptung, die Chinesen seien neue Kolonialherren, ist Rassismus zu entnehmen. Its 20th-century history as a revolutionary socialist republic and its ideological antagonism with the West (which colonised Africa) allows China to masquerade as a friend of the African people (Dokument 13: 18). 371 Leiprecht 2005, S. 6. 136 Es geht vor allem um eine eindeutige Abgrenzung zum Westen: Der Westen war immer ein ideologischer Gegenspieler Chinas. Das sozialistische Modell Chinas bildete eine direkte Konkurrenz zum kapitalistischen Westen. Hinzu kommt, dass China nicht an den kolonialen Sünden der europäischen Mächte in Afrika beteiligt war. Diesen Unterschied betont die chinesische Regierung immer wieder öffentlich als Grund für die chinesisch-afrikanische Zusammenarbeit. China stand kurzzeitig selbst unter kolonialer Herrschaft, sowohl durch europäische Staaten als auch durch Japan. Diejenigen, die Opfer von kolonialistischen Mächten waren, werfen einem selbst ehemals kolonisierten Volk ebenfalls Kolonialismus vor. Hier zeigt sich wieder der Rassismus der Dominierten nach Leiprecht. Das Land kann auf vergleichbare Erfahrungen wie die afrikanischen Staaten verweisen. Diese Rolle erlaubt es China, eine Maske der angeblichen chinesisch-afrikanischen Freundschaft aufzusetzen und eigene Machtansprüche durchzusetzen. Diese Behauptung schürt antichinesische Ressentiments, indem die angeblichen Strategien Chinas politisch dargestellt und historisch begründet werden. China is not seizing territory on the continent and calling it a gathering of colonies, the way European powers did. Instead, she is negotiating with governments, various business entities and crooks and gaining access to Africa's vast natural resources. Wild-Life Threat China is shipping off these things in billions of tons at a rate much faster than the Europeans did during colonial rule (Dokument 13: 14–16). Informationen wie die Ausfuhr natürlicher Ressourcen aus Afrika nach China und die damit verbundenen geschäftlichen Vereinbarungen werden in Beziehung gesetzt zu der wirtschaftlichen Ausbeutung der europäischen Kolonialmächte. Anschließend werden die chinesischen Handlungen in Afrika abstrahiert und als neue koloniale Strategie bezeichnet, die sogar erfolgreicher als die kolonialen Verhaltensweisen der Europäer in der Vergangenheit sei. Auf diese Weise wird sinophobe Stimmung in der namibischen Bevölkerung gegen die Chinesen geschürt. Das Abstellen auf ein chinesisches Kolonialverhalten ist eine Form des Rassismus der Dominierten nach Leiprecht. China colonised other nations in the same way some European nations did and actually, China has still not given these people their liberty. Take the most prominent case for an example, Tibet, which was 'conquered' by China during the 1950s, its people slaughtered in a beastly way. What does China do today to people within its borders who demand freedom and liberty? And please look at what you and your peers do in Namibia! The mirror will tell you that your own people are still in the bonds of economic slavery, bonds you and your party attached to them with the help of China and North Korea and you still bind them even stronger (Dokument 46: 5–6). 137 Ein konkreter Fall, die militärische Eroberung Tibets durch China, wird auf eine abstrakte Ebene gehoben und mit allgemeinen Vorwürfen gegen China vermischt: „slaughtered in a beastly way“. Der Vorwurf des „Abschlachtens“ trifft auf die Situation in Namibia zu. In Tibet hingegen kam es tatsächlich zu Tötungsdelikten an tibetischen Zivilisten und Hunderten von verhafteten Tibetern durch chinesische Sicherheitskräfte.372 Die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Tibet-Politik werden auf die Situation in Namibia projiziert, indem die chinesische Vorgehensweise als gefährlich dargestellt wird. Im Ergebnis sei die chinesische Anwesenheit in Afrika genauso auf Kolonisierung ausgerichtet, wie es die europäischen Mächte während der Kolonialzeit praktiziert haben. Der Verfasser dieses Beitrags schürt Ängste gegen China und sieht die Freiheit und Unabhängigkeit Namibias in Gefahr. Mit dem Bezug zur chinesischen Tibet-Politik wird ein beängstigendes Szenario prophezeit, nämlich staatliche Gewalt, die einen Massenmord heraufbeschwören könnte. Der Rassismus der Dominierten nach Leiprecht trifft das beschriebene Szenario. I HAVE travelled the whole of the southern, eastern and northern regions of Africa and what I have observed leads me to seriously think that China is the new colonialist country and its people not only are not only swarming into Africa in droves but are also usurping the minor jobs that could be undertaken by the unskilled or semi skilled people (Dokument 90: 3). Eine Reisebeschreibung durch Teile Namibias führt zu Kritik. Aus eigenen Beobachtungen folgt die allgemeine Einschätzung, China sei eine neue Kolonialmacht und würde den Namibiern die Arbeitsplätze im Bergbau wegnehmen. Die Kritik geht in diesem Zitat nicht von politischen Oppositionellen oder unter den Chinesen leidenden Arbeitern aus, sondern von einem offenbar unbeteiligten Beobachter, der von eigenen Wahrnehmungen ausgeht und zu allgemeinen Urteilen gelangt. Auch hier erklärt der umgedrehte Kolonialismus den Rassismus der Dominierten. China's investment in Africa has increased so much in recent years that some Africans fear a new form of colonialism (Dokument 88: 4). Es geht um die Furcht der Afrikaner, einer neuen Form von Kolonialismus unterworfen zu sein. Der Kolonialismus wird als eine unerwünschte Begleiterscheinung der chinesischen Investitionen in Afrika wahrgenommen. Betroffen von der Furcht vor den Chinesen sind Afrikaner, die Unterlegenheitsgefühle oder reale Existenzängste angesichts der chinesischen Konkurrenz haben. Jeder 372 o.V. 2008. 138 Rückgriff auf den vermeintlichen chinesischen Kolonialismus in Afrika bedient das Merkmal des Rassismus der Dominierten. 'But, as things are now, we are not able, because they don't just come and take our minerals raw as they are. They also bring labour. You are literally not getting anything out of Chinese involvement. 'They bring labour, after they bringing labour, they take the minerals. At least with the colonisers [of the past] they utilised our people, although the working conditions were not better,' he joked. 'But these ones, they don't give you even labour. They just open a Chinese town on their arrival and then they provide everything,' he said (Dokument 64: 9–11). Die gegenwärtigen Arbeitsbedingungen der Chinesen werden mit denen der europäischen Kolonialmächte früherer Zeiten verglichen. Am Ende würde eine Kolonisierung wie zu Zeiten der europäischen Kolonialmächte stehen. Die Tatsache, dass Chinesen Arbeitsplätze in Namibia schaffen, wird uminterpretiert und in einen Zusammenhang mit der Ausbeutung namibischer Bodenschätze gestellt. Die Chinesen werden pauschal abgelehnt und diffamiert. Durch die Betonung der Neokolonisierung ist die Aussage als rassistisch einzustufen. 5.2.4 Rassistischer Protest Die folgenden Artikel beinhalten Äußerungen, die Chinesen in Namibia als Ethnie unerwünschte Eigenschaften zuschreiben. Diese Stereotypen über China haben ganz eindeutig eine rassistische Intention. Liu Long Fei, a restaurant worker at a hotel in Dunkwa-on-Offin who was arrested and spent over a week in custody, said soldiers carrying out a nighttime raid kicked in doors and arrested everyone who looked Chinese (Dokument 20: 11). Ein chinesischer Restaurantangestellter wird verhaftet. Er erzählt anschlie- ßend, dass jeder, der nur chinesisch aussehe, gezielt von Soldaten aufgesucht und verhaftet würde. Eine verkürzte Darstellung der Informationen gibt Anlass für Ressentiments und gelangt nun auf eine allgemeine Ebene mit einem rassistischen Vorwurf. Chinesen würden eine solche Gefahr sein, dass sogar das Militär aktiv würde. Entscheidend ist, dass der Chinese, wenn auch wohlwollend dargestellt, trotzdem als Krimineller erscheint. Hier liegt eine Form des Rassismus vor, die sich in allen rassistischen Theorien wiederfindet: die Herabwürdigung einer ethnischen Gruppe als „gefährlich“, die man „verhaften müsse“ nur aufgrund ihrer Ethnie. Chinese, who come along with businesses and often stay in search of a better life abroad, have certainly changed the realities in various parts of the continent. There are growing sentiments among the ordinary people, often bor- 139 dering on racism. They feel threatened in their livelihoods, from street hawkers to construction workers. Chinese compete in economic spheres and activities in which Europeans have not been directly engaged. But Chinese people in Africa are mostly not interacting socially. This creates a notion of 'otherness', which makes it difficult for both sides to get familiar with each other (Dokument 31: 7). Die Entstehung von Rassismus wird sehr deutlich aufgezeigt. Die chinesischen Einwanderer grenzen sich von den Einheimischen so ab, dass es kaum zu sozialen Kontakten kommt. Dadurch entstehen Fremdheitsgefühle bei den Afrikanern, die mit Bedrohungs- und Unterlegenheitsgefühlen einhergehen. Die chinesischen Migranten werden als Konkurrenten in Bereichen des Arbeitsmarkts wahrgenommen, in denen die europäischen Kolonialherren nicht engagiert waren. Dadurch entsteht eine neue gefühlte Bedrohung, denn Bauunternehmen und Straßenhandel lagen bislang in namibischer Verantwortung. Hier werden rassistische Ressentiments bedient, die eine Ethnie als gefährlich und unerwünscht wahrnehmen. In dem Artikel wird der Weg aufgezeigt, mit dem der Protest zu Rassismus führt. But there's a subtext in the way McNamara uses the term 'Chinese'. Lurking in the nuance of his telling is an amorphous, hegemonic group with a focused plan for grasping Namibia's economic reins from the (mostly white) elite (Dokument 66: 15, Artikel). In diesem Zitat wird deutlich, wie durch Verwendung von pauschalen Begriffen und Zuschreibungen Rassismus entsteht. „Chinesen“ gelten nicht als Individuen oder Rollenvertreter von Unternehmen oder staatlichen Institutionen, sondern als eine homogene Gruppe mit einem „geheimen Masterplan“ für die Ausbeutung der namibischen Ressourcen. Es kommen Verschwörungstheorien zum Ausdruck, indem „geheime Mächte“ vermutet werden, für die jedoch Belege fehlen. Die Artikel der beiden Zeitungen gehen auf eine Reihe von Missständen ein, die sich aus dem chinesischen Engagement in Namibia ergeben. So würden namibische Arbeitsschutzgesetze von chinesischen Arbeitgebern nicht eingehalten. China würde sich in Namibia wie die ehemaligen Kolonialmächte Deutsches Reich und Südafrika verhalten. Es werden Gerüchte kolportiert, deren Wahrheitsgehalt zweifelhaft erscheint: Die namibische Staatsbürgerschaft würde für chinesische Finanzhilfen an Chinesen vergeben und die einheimische Bevölkerung würde durch eine ungesteuerte Masseneinwanderung von Chinesen zahlenmäßig verdrängt werden. Andere Befunde entsprechen dagegen der Realität: Angehörige namibischer Politiker profitieren von chinesischen Stipendien. Die namibische Bauindustrie ist in ihrer Existenz bedroht, weil 70 % der staatlichen Ausschreibungen an chinesische Unter- 140 nehmen gehen. Es stellte sich heraus, dass der nördliche Landesteil Namibias ein Zentrum der antichinesischen Ressentiments ist. Die Hinweise auf das koloniale Verhalten Chinas ist ebenfalls ein typisches Ressentiment.

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References

Zusammenfassung

Die chinesische Präsenz in Afrika nimmt seit Jahren zu. Die afrikanischen Länder verzeichnen eine Zuwanderung von Chinesen im Zuge des mit den jeweiligen Regierungen vereinbarten Rohstoffabbaus und der Investition in Infrastrukturprojekte. Die Forschung zu diesem Phänomen ist auf die Frage nach Art und Motivation der chinesischen Regierung fokussiert. Dabei wird oft übersehen, dass sich in Afrika zunehmend Widerstand gegen die chinesischen Bestrebungen formiert.

Gunnar Henrich untersucht in seiner Dissertation mit einer Diskursanalyse zwei afrikanische Staaten im Süden Afrikas: Namibia und Sambia. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage, wie der antichinesische Protest zustande gekommen ist, welche Verläufe und Formen er angenommen hat und ob er gar als Rassismus auftritt. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass der Protest häufig rassistische Formen annimmt. Wenden die ehemaligen Opfer rassistischer Kolonialpolitik selbst zunehmend rassistische Argumentationsformen an? Gibt es gar einen „umgedrehten Rassismus“? Henrich schließt mit seiner Arbeit eine Forschungslücke und trägt so zum gegenwärtigen Diskurs bei.