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I Einleitendes Vorwort in:

Roland Mugerauer

Gibt es eine wahre Religion?, page 1 - 6

Eine systematisch-theologische und philosophische Einführung samt Wettbewerbsbeiträgen von Oberstufenschülern

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4205-2, ISBN online: 978-3-8288-7164-9, https://doi.org/10.5771/9783828871649-1

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Einleitendes Vorwort Dieses Büchlein setzt sich, ausgehend von der Fragestellung ‘Gibt es eine wahre Religion? Welchen Glaubensannahmen sollen wir Gültigkeit zusprechen?’, mit dem spannungsreichen und schwierigen Verhältnis von Religion und Wahrheit auseinander, ausgehend vom Christentum. Dabei findet auch das Verhältnis der drei großen monotheistischen und abrahamitischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam Beachtung. Das Büchlein richtet sich hiermit vor allem an Studierende der Theologie sowie an Religionspädagog_inn_en und auch Ethik-Lehrer_innen wie Unterrichtende der Philosophie1 sowie an interessierte Lai_inn_en, die angesichts der religiösen Pluralität in der uns umgebenden Welt einmal – alleine oder zu mehreren – dieser Fragestellung näher nachdenken wollen und hierfür eine kurze Hinführung möchten aus christlich-theologischer Perspektive unter Berücksichtigung manch zentraler religions- wie grundlagenphilosophischer Aspekte. Entsprechend beginnt das Bändchen mit einer sehr gerafften systematisch-theologischen Einführung in die Thematik bzw. die Problemstellung (II.), bevor dann Beiträge von Oberstufenschüler_inne_n folgen (III.), die das Thema in fiktionalen Entwürfen problemorientiert behandeln. Anschließend folgen dann Vertiefungen zu besonders wichtigen Aspekten (IV. Adiectamenta (‘Hinzufügungen’), s. dazu nachfolgend). I 1 An die Ethiklehrer_innen und die Unterrichtenden der Philosophie ist besonders gedacht an denjenigen Stellen, an denen die Ausführungen religionsphilosophisch und ‘allgemeinphilosophisch’ werden. Dies geschieht vor allem in einigen Adiectamenta. Hier löst sich der Autor zugunsten philosophischer Einlassungen öfter von der streng theologisch-systematischen ‘Denke’ zugunsten philosophischer und teils pädagogisch-kritischer (oder gar ‘polemischer’) Einlassungen. (Wer diesbezüglich mehr über den Autor und seine Positionen erfahren möchte, ‘google’ seinen Namen – es werden, diesen Punkt betreffend, in diesem Büchlein, von einer Ausnahme abgesehen, bewusst keine Literaturangaben aufgeführt oder weitere Ausführungen gemacht.) 1 Die ‘Gerafftheit’ der einführenden Abhandlung spiegelt recht genau die unterrichtliche Situation wider, der durch den Autor entsprochen werden musste und in deren Kontext der einführende Essay entstanden ist: Auch wenn es sich um keinen ‘Unterrichtsentwurf ’ handelt, liegt der Abhandlung zu Grunde das, was die inhaltlich-substanzielle Grundlage des evangelischen Religionsunterrichtes war, den der Autor zu Beginn des 2. Halbjahres im Schuljahr 2017/18 in ‘seinem’ Grundkurs Evangelische Religion (Q2; G8) an einer hessischen Europaschule (Gymnasium) in Frankfurt am Main erteilt (und seinen ‘Adressaten und Adressatinnen’ ‘zugemutet’) hat in spontanem Entschluss, hiermit bei den evangelischen Schülern und Schülerinnen für die Teilnahme an einem länderübergreifenden Essaywettbewerb (Deutschland, Österreich, Italien) zu werben, der von katholischer Seite ausgeschrieben worden war und von dem er gerade erst Kenntnis erhalten hatte.2 Die Voraussetzungen hierfür waren allerdings ‘eher ungünstig’. Denn der Kurs umfasst(e) 31 Schülerinnen und Schüler, von denen mehr als die Hälfte zum Kurshalbjahr wegen Weggang eines Kollegen ‘Neuzugänge’ waren, da umständehalber zwei Religionskurse zusammengelegt wurden. Der Unterrichtende kannte daher etwa die Hälfte der Schüler_inne_n noch nicht. Zudem war gerade ‘Praktikumszeit’ (teils mit Praktika im Ausland, was weiteren Zeitverlust bedeutete), so dass eine Reihe von Schülerinnen und Schülern von den knapp zwei Doppelstunden zu Beginn des 2. Halbjahres, in denen, auf ’s Äußerste komprimiert, die Grundlagen für ihre Essay-Entwürfe erarbeitet wurden, nur eine besuchen konnte. Dass nur knapp zwei Doppelstunden zur sachlichen Einführung in die Problematik verwendet werden konnten, war umständebedingt: 2 Es handelte sich um eine Ausschreibung der ‘Jungen Akademie des Erbacher Hofs – Akademie des Bistums Mainz’ und des interdisziplinären Forschungsprojekts ‘Analytic Theology – The Nature of God’ (Fakultät für Katholische Theologie, Universität Innsbruck). Der Wettbewerb war gerichtet an Schülerinnen und Schüler zwischen 16 und 19 Jahren. Er sollte „Jugendliche zu einer geistigen Auseinandersetzung mit gesellschaftlich und kirchlich relevanten Fragen anregen“. Seine Ziele waren „Persönlichkeitsbildung, die Entwicklung einer interdisziplinären und interkulturellen Dialogfähigkeit sowie die Kompetenz zu kritischer Reflexion“ (so aus dem Anschreiben an die Fachlehrerinnen und Fachlehrer der Fächer Religion, Ethik, Philosophie, Deutsch und weiterer Fächer vom November 2017). I Einleitendes Vorwort 2 Einerseits erhielt der Unterrichtende erst spät Kenntnis von dem länderübergreifenden katholischerseits ausgeschriebenen Essaywettbewerb: ‘Der echte Ring / vermutlich ging verloren’ (G.E. Lessing) – Zum spannungsreichen Verhältnis von Religion und Wahrheit – Essaywettbewerb für Schülerinnen und Schüler 2018’, für den die Beiträge gedacht waren; andererseits musste außer allfälligen organisatorischen Dingen der Unterrichtende mit Blick insbesondere auf mögliche Abiturprüfungen Zeit ‘sparen’ für die Behandlung und Erarbeitung der ‘normalen’ unterrichtlichen Inhalte der Q2-Phase. Denn an ‘seiner’ Schule sind in der Oberstufe jeweils nur zwei wöchentliche Unterrichtsstunden für Religion (wie auch für Ethik) angesetzt statt der in Hessen an anderen Gymnasien lehrplanentsprechend üblichen drei.3 Aus diesem Grund ging es darum, in möglichster Kürze unterrichtlich die wesentlichen Kernpunkte der Themenstellung zu vermitteln. Dies konnte in dem strikt begrenzten zeitlichen Rahmen zugleich auch nur gelingen u.a. durch eine ‘Methode der Einklammerung’. Zum Beispiel hätte man sich in Fragen, was ‘Wahrheit’ überhaupt ist, welcher der in der philosophischen Tradition erarbeiteten und vertretenen Wahrheitstheorien der Vorzug zu geben ist4, und ob ‘Wahrheit’ im religiösen Sinne überhaupt dasselbe meint wie Wahrheit im gewöhnlichen und philosophischen Sinne, bereits hoffnungslos ‘verlieren’ können. 3 Diese Dreistündigkeit des Unterrichts an anderen Gymnasien entspricht auch dem vielfachen Interesse von Schülerinnen und Schülern, in den Fächern Religion bzw. Ethik Abitur zu machen. 4 Zum Beispiel: – Wahrheit als Übereinstimmung der Sache/n mit dem sie erkennenden Verstand (adaequatio rei/rerum et intellectus); – Wahrheit als Übereinstimmung des Denkens mit seinen eigenen, logisch zwingenden Gesetzen; – Wahrheit als Effekt einer Haltung, die es uns am besten möglich macht, mit dem Gesamt unserer Erfahrungen zu leben; – Wahrheit als Ausdruck eines Willens zur Macht; – Wahrheit als Übereinstimmung der Untersuchenden über einen Sachzusammenhang, die sich im argumentativen Diskurs herstellt und unter die Idee gestellt ist, dass alle vernünftigen Subjekte im herrschaftsfreien Diskurs in der je spezifischen Ansicht dieses übereinstimmen können/können würden. I Einleitendes Vorwort 3 Daher war es sinnvoll, die Frage nach der Wahrheit zunächst einzuklammern und sie indirekt abzuhandeln und schließlich zu beantworten. Entsprechend musste mit anderen ‘Untiefen’ des Themas verfahren werden, etwa hinsichtlich der Aspekte ‘Theologie und Wissenschaft’ oder ‘Theologie und Hermeneutik’5. Gleichwohl hat sich diese ‘Methode der Einklammerung’ unterrichtlich als zielführend erwiesen, wie die gleich anschließend entstandenen und im Band nach dem Einleitungsessay abgedruckten Schüler_innen-Beiträge zeigen. Deshalb wird auch in diesem schmalen Bändchen entsprechend verfahren. Allerdings finden sich in Gestalt ausgewählter ‘Adiectamenta’ hier zusätzlich helfende Ergänzungen zur Problemvertiefung. Problemvertiefend sind sie gedacht selbst dann, wenn sie ausnahmsweise einmal (s. bes. IV.5) positionellen Charakter haben, d.h. entschieden Position beziehen. Allesamt sollen sie vor allem dienen der Entwicklung von auf die Thematik bezogenem Problembewusstsein. Wie wir von Sokrates lernen können, ist dies weit mehr als nichts, ja, es ist wohl die dem Menschen eigentlich gemäße Weisheit (anthropínê sophía6)! Man kann dies auch bezeichnen als problemqualifiziertes Nichtwissen – auch wenn dies manchem Leser/mancher Leserin zunächst anstößig und ‘wenig’ erscheinen mag. Wie Platons Sokratesgestalt zeigt, kann ein dergestaltes persongebundenes Nichtwissen (als nichtpropositional verfasste Problemkompetenz) immerhin dazu verhelfen, sich immer wieder thematisch-sachbezogen zu bewähren – ganz anders als diejenigen, die sich sicher wissend dünken, seine Dialogpartner, die die dialogthemeneinschlägige ‘Expertise’ für sich beanspruchen! Bevor im Anschluss die Gliederung der Sacheinführung, die der Unterrichtende gegeben hat, vorgestellt wird, sei noch auf zweierlei hingewiesen: 5 Weil der Rahmen des Bändchens, der mit dem Verlag vereinbart war, hierdurch vollends ‘gesprengt’ worden wäre, wird auf den letztgenannten Aspekt auch in den Adiectamenta nicht näher eingegangen. Er sei hier daher ausdrücklich als eine der ‘Aussparungsstellen’ kenntlich gemacht. 6 Soweit das Griechische transkribiert wird, wird fortan teilweise eine etwas einfachere Form gewählt. I Einleitendes Vorwort 4 Erstens: Wegen der Knappheit der Ausführungen in der systematisch-theologischen Themeneinführung sind, wie gerade erwähnt, einige ausgewählte Aspekte in Adiectamenta (‘Hinzufügungen’ im Sinne von: „Illud de iis adiciam breviter.“7) etwas näher ausgeführt und vertieft, da sie besonders wichtig sind. Auch hier unterlag das ‘Hinzugefügte’ hinsichtlich Umfang und Anzahl aber strikten Beschränkungen, d.h. einem ‘Aussparungsprinzip’, um den Umfang dieses Büchleins in engen Grenzen zu halten. Diese ‘Hinzufügungen’ sollten also, obgleich sachsystematisch einigermaßen zentral, als ‘bloß’ exemplarisch8 verstanden werden – auch diese Erkenntnis gehört zu dem (sokratischen) Problembewusstsein, dessen Entwicklung beim Leser bzw. der Leserin intendiert ist. Auch die Vielfältigkeit und Heterogenität der Positionen, die in den Schüler_innen-Beiträgen (manchmal nur sehr kurz) aufscheinen, dient diesem Ziel. Das in den Adiectamenta ausgewählte Gesagte hat insofern also durchweg exemplarischen Charakter für das Viele, das in diesem Bändchen ungesagt bleiben muss. Das Gesagte soll allerdings dazu verhelfen, auch Ungesagtes zu erkennen und zu erwägen! Zweitens: Die protestantischen Autorinnen bzw. Autoren der eingereichten Wettbewerbsbeiträge erhielten eine (in sich differenzierte) Anerkennung von katholischer Seite, einige weitere Autorinnen und Autoren eine Einladung zur Teilnahme an der `Summerschool´ zum Thema mit Referent_inn_en aus Wissenschaft, Gesellschaft, Kirche, Medien und Kultur. Eine Verleihung zweier Preise und eine Anerkennung in Form einer Urkunde an die Autorinnen und Autoren im Rahmen der Abiturabschlussfeier ist zugesagt durch den Präsidenten des zuständigen Kirchlichen Schulamtes der EKHN (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau).9 7 „Dieses will ich dem Gesagten kurz hinzufügen.“ 8 Auch dies lehrt die Sokratesfigur Platons: Unter vielen möglichen Wegen der Problematisierung und Problemvertiefung kann stets nur einer bzw. können lediglich einige wenige gewählt und gegangen werden. 9 Zum Zweck der Publikation wurden die Beiträge marginal grammatisch, orthographisch etc. wie auch sehr sachte inhaltlich bearbeitet. Da die Bearbeitung möglichst wenig ‘eingriffig’ war, macht sich dies bemerkbar in einer gewissen Uneinheitlichkeit (auch) der manifesten Gestalt sowie stellenweise in einer gewissen Differenzierungsbedürftigkeit der vorbrachten Argumente und Gedanken aus fachlicher Sicht. I Einleitendes Vorwort 5

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Zusammenfassung

Die modernen westlichen Gesellschaften sind gekennzeichnet durch religiöse Pluralität und Vielfalt. Schon damit stellt sich die Frage nach der vermeintlich wahren Religion. Ausgehend von den Fragestellungen „Gibt es eine wahre Religion? Welchen Glaubensannahmen sollen wir Gültigkeit zusprechen?“ widmet sich der habilitierte Pädagoge, Theologe und Philosoph Roland Mugerauer den damit einhergehenden Problemen aus christlich-theologischer, religionsphilosophischer und allgemeinphilosophischer Sicht. Zudem präsentiert der Autor im Mittelteil des Buches Wettbewerbsbeiträge von Oberstufenschülern zum Thema, die im Rahmen des Evangelischen Religionsunterrichts an einer hessischen Europaschule (Gymnasium) entstanden sind. Sie wurden verfasst im Kontext eines von katholischer Seite ausgeschriebenen länderübergreifenden (Italien, Österreich, Deutschland) Essaywettbewerbs, der 2018 zum Thema „Der echte Ring / vermutlich ging verloren (G.E. Lessing) – Zum spannungsreichen Verhältnis von Religion und Wahrheit“ durchgeführt wurde. Viele der enthaltenen Beiträge wurden durch die Juroren des Wettbewerbs ausgezeichnet.