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2 Daten in:

Anna Khalizova

Formularbasierte studentische Lingua-Franca-Immatrikulationsberatung, page 15 - 22

Multimodale Konversationsanalysen von hochschulischen Datenerhebungsgesprächen

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4216-8, ISBN online: 978-3-8288-7150-2, https://doi.org/10.5771/9783828871502-15

Series: Dynamiken der Vermittlung: Koblenzer Studien zur Germanistik, vol. 5

Tectum, Baden-Baden
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Daten Das Feld „Immatrikulationsberatung“ Die in dieser Arbeit analysierten, im Zuge der Immatrikulation geführten Datenerhebungsgespräche sind fester Bestanteil des Immatrikulationsverfahrens für internationale Studierende an der Universität Freiburg, das sich in folgende Schritte gliedert. Zunächst erhält der Bewerber von der Universität einen Zulassungsbescheid, der ihm üblicherweise postalisch zugeschickt wird. Im nächsten Schritt erfolgt dann die Immatrikulation selbst. Die Immatrikulation verlangt die persönliche Anwesenheit des Studienplatzbewerbers. Dieser muss sich innerhalb des auf dem Zulassungsbescheid angegebenen Immatrikulationszeitraums persönlich im Service Center Studium bzw. im International Admissions and Services (IAS) einfinden. Das IAS ist ausschließlich für internationale Studierende zuständig und unterstützt sie durch das Angebot einer Beratung zu Studienmöglichkeiten und -voraussetzungen sowie bei Fragen zu Bewerbung, Zulassung und Immatrikulation. Um die Einschreibung durchführen zu können, muss der Bewerber folgende Unterlagen mitbringen: – Zulassungsbescheid; – Pass mit gültigem Aufenthaltstitel (Für Nicht-EU-Bürger/-innen); – Bescheinigung einer deutschen gesetzlichen Krankenversicherung; – Einzahlungsbeleg über die bezahlten Sozial- und Verwaltungsgebühren; – 2 Passfotos; – Studienbuch mit Exmatrikulationsvermerk (Falls der betreffende Bewerber bereits in der Vergangenheit in Deutschland studiert hat); 2 2.1 15 – Nachweise über bisher erbrachte Prüfungsleistungen (Falls er an einer Hochschule studiert bzw. studiert hat); – Antrag auf Immatrikulation; – Anrechnungsbescheid der zuständigen Fakultät (Falls er einen Ortswechsel durchführt). Werden neben den oben genannten Dokumenten weitere Unterlagen benötigt, so ist dies auf dem Zulassungsbescheid vermerkt. Entsprechende Nachweise sind zur Immatrikulation mitzubringen. Um das Immatrikulationsprozedere sowohl für internationale Studierende selbst als auch für die dafür zuständigen Mitarbeiter zu vereinfachen, wurde ein Informationsstand bzw. der sogenannte Help Desk eingerichtet. Dieser Service wird zweimal im Jahr angeboten, drei Wochen vor Wintersemesteranfang und zwei Wochen vor Sommersemesteranfang. An diesem Help Desk erhält man den Antrag auf Immatrikulation, den man gemeinsam mit dem Berater ausfüllen kann. Man kann ihn allerdings auch online herunterladen und selbst ausfüllen. Um den Antrag auf Immatrikulation ausfüllen zu können, wird auch das zugehörige Schlüsselverzeichnis benötigt, das jedoch online nicht verfügbar ist. Außerdem wird auch geprüft, ob der Bewerber über alle für die Einschreibung notwendigen Unterlagen verfügt. Erst dann wird er in das Büro, in dem die eigentliche Immatrikulation erfolgt und normalerweise ca. 5 – 10 Minuten dauert, geschickt. Zugang zum Feld „Immatrikulationsberatung“ Um meine Studie realisieren zu können, musste ich Zugang zum Forschungsfeld ‚Immatrikulationsberatung‘ herstellen. Breidenstein/ Hirschauer/Kalthoff/Nieswand (2013: 50) schreiben, dass die Verschaffung dieses Zugangs „eine Anforderung, die den gesamten Forschungsprozess begleitet“ ist. Sie betonen auch, dass „[…] es um die Sicherung und Gestaltung eines sozialen Kontextes, in dem die Forschung überhaupt stattfinden kann, geht“ (Breidenstein/Hirschauer/Kalthoff/ Nieswand 2013: 50). Der Zugang zum Forschungsfeld in unserer Studie erfolgte in drei Etappen: 2.2 2 Daten 16 – Einholung der Erlaubnis der Leitung der Service Center Studium Freiburg; – Einholung der Erlaubnis der Berater, bei den Datenerhebungsgesprächen anwesend sein zu dürfen und sie aufnehmen zu dürfen; – Einholung der Erlaubnis der Studenten, bei den Datenerhebungsgesprächen anwesend zu sein und sie aufnehmen zu dürfen. Im Frühjahr 2014 nahm ich erstmals Kontakt zur Leitung des Service Center Studium Freiburg auf. Die Leitung unterstützte mein Forschungsvorhaben und gestattete somit die Durchführung von Aufnahmen. Diese Erlaubnis beschränkte sich auf bestimmte Abteilungen des Service Center Studium. Wichtig für mich war, dass sich unter diesen Abteilungen auch die für internationale Studierende zuständige Abteilung befand. Als weitere Bedingung für die Durchführung der Aufzeichnungen wurde vereinbart, dass sowohl die Berater als auch die Studenten nach ihrem Einverständnis gefragt und über den Zweck der Aufnahmen informiert wurden. Nachdem die Leitung die Durchführung von Aufnahmen gestattet hatte, musste ich im zweiten Schritt die Erlaubnis der Mitarbeiter, bei den Datenerhebungsgesprächen anwesend sein zu dürfen und Tonaufnahmen davon zu machen, erwerben. Darüber hinaus trat ich im Frühjahr 2014 auch mit den Beratern in Kontakt und erläuterte mein Forschungsvorhaben sowie das geplante Vorgehen bei der Datensammlung und -auswertung. Im Anschluss daran erkundigte ich mich nach der Bereitschaft der Berater, sich an den Aufnahmen zu beteiligen. Alle Berater erklärten sich bereit, an der Studie teilzunehmen. Im dritten Schritt musste eine Aufnahmeerlaubnis der Studenten erfragt werden. Hierfür sprach ich die Bewerber vor jedem Datenerhebungsgespräch persönlich an, stellte mich kurz vor, erläuterte mein Vorhaben, erklärte, dass alle Gespräche anonymisiert werden und fragte nach der Erlaubnis, das Gespräch aufnehmen und dabei Notizen machen zu dürfen. Es sei angemerkt, dass sich die Mehrzahl der Studenten kooperativ zeigte und der Anfertigung von Tonaufnahmen zustimmte. Eine Erlaubnis für die Anfertigung von Videoaufnahmen zu erhalten, erwies sich hingegen als schwieriger. Für jedes mit Kamera dokumentierte Gespräch liegt eine entsprechende schriftliche Einverständniserklärung des beteiligten Studenten vor. 2.2 Zugang zum Feld „Immatrikulationsberatung“ 17 Da die Feldforschung sich über einen Zeitraum von drei Jahren erstreckte, mussten der Kontakt zu den entsprechenden Abteilungen und ihren Mitarbeitern mehrfach neu hergestellt werden. Die Tatsache, dass die Leitung und einige Berater uns und unser Forschungsvorhaben bereits vom ersten Jahr an kannten, erleichterte den Zugang in späteren Phasen erheblich. Ablauf der Feldarbeit Die Beobachtung von Gesprächen und das Anfertigen von Audio-und Videoaufnahmen begann im März 2014 und endete im April 2016. Die Audioaufnahmen entstanden im Frühjahr 2014, 2015 und 2016. Dies entspricht einem Zeitraum von 7 Wochen, in denen pro Tag in einer Zeitspanne von drei bis fünf Stunden etliche Datenerhebungsgespräche aufgenommen wurden. Die Videoaufnahmen wurden im Frühjahr 2016 gemacht. Die Tonaufnahmen wurden mit Hilfe von drei digitalen voice recodern, die Videoaufnahmen mit Hilfe einer Videokamera gemacht. Insgesamt wurden so 150 Gespräche dokumentiert. Vor Beginn jedes Datenerhebungsgesprächs sprach ich die Studierenden persönlich an, um von ihnen eine Aufnahmegenehmigung zu erhalten. Hierbei stellte ich mich kurz vor und erläuterte das Ziel meiner Studie. Die Berater warteten die Erfragung der Aufnahmegenehmigung stets ab. In einigen Fällen, wenn sie das Gefühl hatten, dass die Bewerber Verständnisschwierigkeiten hatten, unterstützen mich die Berater bei der Erläuterung meines Vorhabens. Erst nachdem die Aufnahme gestattet wurde, wurde das Aufnahmegerät eingeschaltet. Das Aufnahmegerät lag während der ganzen Untersuchung auf dem Tisch. Nach Beendigung des Gesprächs schaltete ich den Recorder wieder aus. Den Gegenstand meiner Untersuchung bilden alle authentischen, im Rahmen der Immatrikulation geführten Datenerhebungsgespräche. Für gesprächsanalytische Datensammlung ist die Authentizität des in der gesellschaftlichen Wirklichkeit dokumentierten sprachlichen Handelns unabdingbar (Rehbein 2001: 930, Grießhaber 1994: 33). Die entstandenen Audio- und Videoaufnahmen von Gesprächen wurden in unserer Studie zusätzlich durch eine qualitative Analysemethode der Feldforschungsarbeit, nämlich die sogenannte teilnehmende Beobach- 2.3 2 Daten 18 tung unterstützt. Dabei habe ich mich auf passive Teilnahme (Bortz/ Döring 2016: 329) beschränkt, d.h. ich habe das soziale Geschehen beobachtet und am Feldgeschehen passiv teilgenommen. Durch passive teilnehmende Beobachtung habe ich versucht, die maximale Authentizität der Daten zu gewährleisten. Die Gewinnung von real ablaufenden Gesprächen in natürlichen Vorkommenszusammenhängen konfrontiert den einzelnen mit einem Problem, das Labov (1978: 200) als „Beobachterparadoxon“ beschreibt. Labov (1978: 200) schreibt: „Um Daten zu erhalten, die am wichtigsten für die linguistische Theorie sind, müssen wir beobachten, wie Leute sprechen, wenn sie nicht beobachtet werden“. Im Grunde versucht man also etwas zu beobachten, dass sich nur dann beobachten ließe, wenn die Beteiligten gerade unbeobachtet wären. Stukenbrock (2013: 224) verweist in diesem Zusammenhang auf folgende Möglichkeiten mit dem Beobachterparadoxon umzugehen. Sie betont, wie wichtig es ist, einerseits Persönlichkeitsrechte und Datenschutzbedingungen zu respektieren und andererseits die Datenaufnahme so einzurichten, dass natürliche Interaktionsabläufe nicht behindert oder gestört werden. Zu jedem einzelnen Gespräch habe ich Notizen gemacht. Das Hintergrundwissen, das ich im Laufe meiner Forschungsarbeit erworben habe, bezieht sich auf das Herkunftsland und den Studiengang der Bewerber sowie auf problematische Stellen im Formular. Das Feldnotizbuch bildet somit ein „Mittel zur Gegenstandskonstitution“ (Spranz-Fogasy/Deppermann 2001: 1010) für die spätere Analyse der Gespräche. Daneben wurden auch zwanzigminütige Interviews mit Beratern durchgeführt. Die Sachbearbeiter machten mich mit den für meine Studie relevanten internen Organisationsabläufen vertraut. Die Kenntnis dieser Abläufe erleichterte die spätere Rekonstruktion behördlicher Vorgänge. Die gewonnenen Daten sowie alle Personen-, Orts- und Institutionsbezeichnungen, die Aufschluss über die Identität der Interaktanten geben können, wurden anonymisiert. Datenmaterial und Kurzvorstellung der Interaktanten Insgesamt konnten ca. 55 Stunden authentischer interkultureller institutioneller Kommunikation dokumentiert werden, was 150 Datener- 2.4 2.4 Datenmaterial und Kurzvorstellung der Interaktanten 19 hebungsgesprächen entspricht. Dominant waren in diesen Gesprächen vor allem zwei Sprachen, Deutsch und Englisch. Der Datenkorpus enthält 8 Gespräche auf Französisch, 3 Gespräche auf Spanisch und 1 Gespräch auf Chinesisch. Das Datenmaterial zeichnet sich durch eine sehr stark ausgeprägte Interkulturalität aus. An der Studie haben Studenten und Berater aus insgesamt 49 Ländern teilgenommen. Das Spektrum umfasst Länder von 5 Kontinenten. An der Studie haben Studenten aus folgenden Ländern: Ägypten, Argentinien, Bangladesch, Belgien, Brasilien, Bulgarien, China, England, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Hongkong, Indien, Indonesien, Iran, Irland, Island, Italien, Japan, Kanada , Kasachstan, Kolumbien, Luxemburg, Mexiko, Neuseeland, Nicaragua, Niederlande, Norwegen, Österreich, Pakistan, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tschechien, Türkei, Ukraine, USA teilgenommen. An der Studie haben insgesamt 11 Berater aus 8 Ländern teilgenommen, und zwar 1 Beraterin aus den USA (M.) (Muttersprache Englisch, Fremdsprachenkompetenzen Deutsch, Spanisch), 2 Berater aus China: (L.) (Muttersprache Chinesisch, Fremdsprachenkompetenzen Deutsch, Englisch) und (Y.) (Muttersprache Chinesisch, Fremdsprachenkompetenzen Deutsch, Englisch), 1 Beraterin aus Frankreich (L.) (Muttersprache Französisch, Fremdsprachenkompetenzen Deutsch, Englisch), 1 Berater aus Togo (F.) (Muttersprache Französisch, Fremdsprachenkompetenzen Deutsch, Englisch), 1 Berater aus Burkina Faso (A.) (Muttersprache Französisch, Fremdsprachenkompetenzen Deutsch, Englisch), 1 Beraterin aus der Elfenbeinküste (L.) (Muttersprache Französisch, Fremdsprachenkompetenzen Deutsch, Englisch, Spanisch), 1 Berater aus Indien (K.) (Muttersprache Hindi, Fremdsprachenkompetenzen Englisch, Deutsch) 3 Beraterinnen aus Deutschland: (T.) (Muttersprache Deutsch, Fremdsprachenkompetenzen Englisch, Französisch), (A.) (Muttersprache Deutsch, Fremdsprachenkompetenzen Englisch, Französisch, Schwedisch) und (J.) (Muttersprache Deutsch, Fremdsprachenkompetenzen Englisch, Spanisch). An dieser Stelle möchte ich etwas ausführlicher auf Sprachkompetenzen der BeraterInnen eingehen. Drei BeraterInnen kommen ursprünglich aus Deutschland und sprechen Deutsch als Muttersprache, die anderen acht Berater sprechen Deutsch als Fremdsprache. Um an 2 Daten 20 einer deutschen Hochschule für einen deutschsprachigen Studiengang immatrikuliert zu werden, brauchen Bewerber einen Nachweis über entsprechende Deutschkenntnisse mit dem Niveau C1. D. b., dass sieben Berater über dieses Niveau verfügen. Es soll jedoch an dieser Stelle erwähnt werden, dass trotz hoher Deutschkompetenz beim Leser bei einigen Beispielen der Eindruck entstehen könnte, dass die Sprachkompetenz der Berater trotzdem manchmal problematisch ist. Von den 11 oben erwähnten Beratern spricht ein Berater Deutsch auf dem Niveau A1, weil er an der Universität für einen englischsprachigen Studiengang immatrikuliert ist. Die Englischkompetenz der Berater ist auch ziemlich hoch. Die Beraterin aus den USA spricht Englisch als Muttersprache. Bei allen anderen variiert die Kompetenz zwischen B2 und C1. Das betrifft vor allem Beispiele mit solchen sprachlichen Fehlern wie etwa falsche Genusverwendung (B. 30, Z. 01 „und WANN hast du deine abitur gemacht?“, B. 60, Z. 17 „Abschluss die allgemein HIGH school abschluss“) oder falsche Konjugation von Verben (B. 31, Z. 13 „wann du mit deiner SCHUle fertig war“). Durch mangelnde Sprachkompetenz der BerateInnen können falsche Akzentmarkierungen, die von der üblichen Prosodie und vom Silbenkonzept her falsch vorkommen, z.B. B. 4 „COuntry“, B. 32 „SCHOol“, verursacht werden. In einigen Beispielen wird die Sprachkompetenz durch den Wechsel ins Englische beeinträchtigt, wie etwa in Beispiel 56 oder 58. Und wenn im ersten Beispiel das Missverständnis ziemlich schnell behoben wurde, hat es im zweiten dagegen eine Zeitlang gedauert. Zu nennen wären auch Realien, die sprachliche Probleme hervorrufen können. Die Beherrschung von Realien setzt nicht nur eine (hohe) Sprachkompetenz, sondern vor allem das Wissen um Kultur und Geschichte des entsprechenden Landes voraus. In der Mehrzahl der von mir analysierten Beispiele konnte ich sehen, dass Berater im Unterschied zu Bewerbern im Umgang mit deutschen Realien sicherer und vor allem kompetenter waren. Diese Wissenslücken wurden im Gespräch durch diverse Verfahren behoben. Aus der Sicht der Übersetzungswissenschaft waren einige von Beratern eingesetzte Methoden wie etwa Ersetzung von einem kulturellen Konzept durch ein ähnliches kulturelles Konzept aus der anderen Kultur nicht immer richtig, jedoch wirkungsvoll, denn dadurch wird die Bedeutung der Frage klar, somit wird eine Beantwortung der Frage möglich (Ausführlicher zum Umgang mit Realien siehe 2.4 Datenmaterial und Kurzvorstellung der Interaktanten 21 Punkt 3.2). Abschließend seien auch solche Momente zu erwähnen, wann den Beratern nötige Begriffe entfallen und somit die Rede stolpernd wird, z.B. in Beispiel 78. Im Großen und Ganzen lässt sich feststellen, dass es kaum Beispiele im Datenkorpus gibt, in denen die Kommunikation aufgrund der Sprachkompetenz der Berater wirklich problematisch geworden wäre. Da im Fokus meiner Arbeit der Verstehensprozess zwischen Lingua-Franca-Sprechern steht, wurden zur Analyse nur solche Gespräche herangezogen, die Nicht-Mutterprachler-/Nicht-Muttersprachler Interaktionen darstellen. Das bedeutet, dass sowohl Deutsch als auch Englisch für die Interaktanten eine Zweit-oder Fremdsprache ist. Darüber hinaus wurden für die Analyse 56 Gespräche, in denen Deutsch als Lingua-Franca und 58 Gespräche, in denen Englisch als Lingua-Franca verwendet wird, herangezogen. Gespräche, in denen entweder Deutsch oder Englisch die Muttersprache des Beraters oder des Studenten ist, werden in die weitere Analyse nicht einbezogen. Gespräche auf Französisch (8), Spanisch (3), Chinesisch (1) werden in die weitere Analyse ebenfalls nicht einbezogen. Der hohe Anteil an Gesprächen, die auf Englisch geführt werden, ist durch folgende Faktoren zu erklären: Viele Studenten verfügen über bessere Englisch- als Deutschkenntnisse und fühlen sich daher im Englischen sicherer; in vielen Studiengängen, wie z.B. Global Studies oder Microsystem Engineering, verläuft das Studium auf English; Bei der Zulassung zum Studium müssen (gute) Englischkenntnisse nachgewiesen werden. Somit bestätigen sich die Worte von Meyer/Kameyama (2007: 7): „Mehrsprachigkeit am Arbeitsplatz ist kein Ausnahmefall mehr, sondern integraler Bestandteil beruflicher Alltagswirklichkeit“. 2 Daten 22

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Zusammenfassung

Die Kommunikation mit Behörden ist etwas, das jeder aus eigener Erfahrung kennt. Ein Formular ausfüllen, einen Antrag stellen oder sich beraten lassen – dies sind bekannte Vorgänge, die aber auch Muttersprachlern oft genug schwerfallen, wenn unzugänglicher Fachjargon und unerfahrene Studenten aufeinandertreffen. Findet die Interaktion mit der Behörde zudem in einem interkulturellen Kontext statt, kann dies zu einem Härtetest für beide Seiten werden. Die folgende konversationsanalytische Studie bietet einen Einblick in die Gestaltung von Immatrikulationsgesprächen, die das Ausfüllen von Formularen zum Zweck haben und aufgrund unterschiedlicher Sprachkenntnisse in einer Lingua franca ablaufen. Hier zeigen sich beispielhaft Hindernisse und Probleme, aber auch Lösungsmöglichkeiten bei dem auch in Deutschland immer häufiger werdenden Aufeinandertreffen von Institutionalität und Mehrsprachigkeit. Zum formularbasierten Interagieren gibt es bis dato wenig Forschung. Am Beispiel des Datenkorpuses aus 114 Audio- und 24 Videoaufnahmen in der Immatrikulationsberatung im „Help Desk“ des universitären Service Centers für ausländische Studierende beleuchtet diese Arbeit die Gestaltung des Verstehensprozesses während der Immatrikulationsberatung unter diesen besonderen Voraussetzungen.