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Alexander Philipp Hutzel

Homo Festivus, page I - XX

Das Summer Breeze Open Air und seine Besucher

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4232-8, ISBN online: 978-3-8288-7148-9, https://doi.org/10.5771/9783828871489-I

Series: Tectum - Masterarbeiten

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Alexander Philipp Hutzel Homo Festivus Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Richard Utz Alexander Philipp Hutzel Homo Festivus Das Summer Breeze Open Air und seine Besucher Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Richard Utz Tectum Verlag Alexander Philipp Hutzel Homo Festivus. Das Summer Breeze Open Air und seine Besucher © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2018 E-PDF: 978-3-8288-7148-9 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4232-8 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlagabbildung: © Julian Müller Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Zusammenfassung Das Summer Breeze-Festival findet seit mehr als 20 Jahren im August statt und zieht mittlerweile zehntausende Metalfans aus aller Welt an. Diese Arbeit beschäftigt sich primär mit diesen Fans, wirft aber auch einen Blick auf das Festival an sich und dessen Strukturen. In verschiedenen methodischen Schritten soll ein Annährungsversuch an die Realität des Festivals geleistet werden. Dazu wurden qualitative und quantitative Forschungsmethoden umgesetzt. Dabei wird während der Darstellung wiederkehrend auf die Grenzen und methodischen Verbesserungsmöglichkeiten hingewiesen werden. Der theoretische Hintergrund beinhaltet beispielsweise Ausführungen zu den Themen ‚Fest‘ oder ‚Szene‘. Es wird der durchschnittliche Festivalbesucher1 beschrieben werden, sowie seine Prioritäten während des Festivals. Der Alkoholkonsum wird ausführlich analysiert und verschiedene Dynamiken dieses Szeneevents betrachtet. Weitere Punkte sind zum Beispiel Gruppenzugehörigkeit, Hygieneverhalten oder Running-Gags. Diese Arbeit soll Einblicke in eine Welt (oder Szene) gewähren, welche sich durch ganz spezifische Verhaltensweisen, Symbole und Rituale auszeichnet. Die Welt des Metal ist sehr vielfältig und dennoch gibt es einige Grundpfeiler der Szene, welche in dieser Arbeit vorgestellt werden. Demensprechend gibt es eine große Vielfalt an Menschen, die sich verschiedenen Stilrichtungen des Metal zugeneigt fühlen. Diese Menschen und ihr jährlich stattfindendes Beisammensein, sollen auf den folgenden Seiten beschrieben werden. 1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht. V Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XI Tabellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XIII Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XV Geleitwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XVII Einleitung: Intention und Überblick. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1 1 Theorie: Vom Fest zum Event . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2 3 Das Fest: philosophische und soziologische Betrachtungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2.1 4 Posttraditionale Vergemeinschaftung: Kollektive Einsamkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2.2 7 Das Event: Knotenpunkte der Identität. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2.3 9 Die Szene: Thematisch fokussierte Netzwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2.4 11 Verlaufsbeschreibung des Forschungsprozesses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3 15 Summer Breeze 2011: Beginn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.1 15 Summer Breeze 2012: Erweiterung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.2 16 Summer Breeze 2013: Online . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.3 16 Methodik: Forschungsdesign und Grounded Theory . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4 19 Im „Feld“: „positivistische“ Soziologie und die 10 Gebote der Feldforschung . . .4.1 21 (nicht)teilnehmende (un)strukturierte Beobachtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4.1.1 25 VII Das ‚narrative‘ Interview, ‚ero-epische‘ Gespräch und Feldtagebuch. . . .4.1.2 27 Fragebögen im Feld. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4.1.3 30 Online . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4.2 31 Fragebogen mit Q-SET und Facebook. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4.2.1 33 Experteninterview via Email . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4.2.2 34 Ergebnisse, Analysen, Interpretation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .5 37 Hypothesen und deren Entstehung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .5.1 38 Grundgesamtheit sowie räumliche, zeitliche und sachliche Abgrenzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1.1 42 Die Besucherstruktur des Festivals ist heterogen. Metal als ‚Lebensstil‘ ist ein Phänomen, welches unabhängig von Bildung, Ausbildung, Geschlecht, Alter und Religion in der (deutschen) Gesellschaft vorzufinden ist. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1.2 43 Die Besucher geben den Großteil ihres Geldes für Essen und Trinken aus.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1.3 53 Mit Fortschreiten des Festivals sinkt der Alkoholkonsum der Besucher.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1.4 58 Die Festivalbesucher trinken mehr Bier als andere alkoholische Getränke.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1.5 60 Die Besucher trinken mehr auf dem Campinggelände als auf dem Festivalgelände. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1.6 63 Viel hilft viel: Schätzungen über den gesamten Alkoholkonsum. . . . . . . .5.1.7 64 Hygiene spielt im Festivalalltag bei den Besuchern kaum eine Rolle. . . .5.1.8 65 Die wichtigsten Faktoren für die Besucher sind: Freunde + Musik. . . . . .5.1.9 70 Running-Gags kultivieren ein Gruppengefühl auf verschiedenen Ebenen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1.10 73 Der Festivalbesuch erzeugt ein, auf das Festival begrenztes, ‚Wir‘- Gefühl. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1.11 81 Die Besucher kommen auf das Festival, um eine Auszeit vom Alltag zu nehmen (und ihn gegen einen neuen Alltag zu ersetzen). . . . . . . . . . . . . . . 5.1.12 83 Das Festival bestärkt die Besucher in dem Gefühl, der Metalszene zugehörig zu sein. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1.13 87 Inhaltsverzeichnis VIII Kritik und abschließendes Fazit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .6. 89 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 Inhaltsverzeichnis IX Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Szenedarstellung angelehnt an Hitzler 13 Abbildung 2: Auswertung aus Fragebögen 'Am Wichtigsten' 2012 39 Abbildung 3: Kategorisierung Antworten aus Fragebögen 'Am Wichtigsten' 2012 40 Abbildung 4: Kategorien zu Fragebogen 'Tagesablauf ' 2012 40 Abbildung 5: Kategorisierung Antworten aus Fragebögen 'Tagesablauf ' 2012 41 Abbildung 6: Geschlecht der Besucher 45 Abbildung 7: Religiöse Orientierung der Besucher 47 Abbildung 8: Schulabschlüsse der Besucher 49 Abbildung 9: Ausbildungsabschlüsse der Besucher 50 Abbildung 10: Familienstand der Besucher 51 Abbildung 11: gesamte Geldaufwendung der Besucher 54 Abbildung 12: Geldverwendung der Besucher 56 Abbildung 13: Einschätzung gesamter Alkoholkonsum 64 Abbildung 14: Häufigkeit Toilettengang 69 Abbildung 15: Zustimmung 'Urlaub' 84 Abbildung 16: Zugehörigkeit Metalszene 87 XI Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Summer Breeze Besuche 43 Tabelle 3: Verlauf des Alkoholkonsums der Besucher 59 Tabelle 4: konsumierte Alkoholsorten 61 Tabelle 5: Häufigkeit Duschen 65 Tabelle 6: Häufigkeit Zähne putzen 66 Tabelle 7: Häufigkeit 'Katzenwäsche' 66 Tabelle 8: Häufigkeit Rasieren 67 Tabelle 9: Häufigkeit Gesichtspflege 67 Tabelle 10: Häufigkeit Hände waschen 68 Tabelle 11: Prioritäten der Besucher 71 Tabelle 12: Zustimmung 'Wir'-Gefühl 82 XIII Vorwort Es bedarf zuerst eines gesunden Maßes an Verwunderung. Verwunderung darüber, was Menschen tun. Diesem Impuls schließen sich meistens viele Fragen an und genau deswegen lesen Sie nun diese Zeilen. Weil ich mich gewundert und Interesse daran entwickelt hatte, herauszufinden, was dieser Homo sapiens sapiens denn überhaupt macht. Was macht er? Er feiert. Gerne viele und gerne regelmäßig. Er hat viele Gründe zu feiern und heutzutage ein großes Spektrum an Möglichkeiten zu feiern. Er feiert seine Freunde und seine Artgenossen, seine Fußballer, sein Land, seine Erfolge, seine Geburt, die Geburt von anderen Leuten, die Geburt von irgendwelchen Göttern. Aber sehr oft feiert er einfach sich selbst und seine Musik. So auch auf dem Summer Breeze-Festival, einem Metalfestival in Bayern (oder Franken, je nachdem, wen man frägt). Die deutsche Festivallandschaft ist immens vielfältig und bedient jedweden (musikalischen) Geschmack. Gerade Fans härterer Gitarrenmusik kommen in Deutschland auf ihre Kosten und somit leistet dieses Buch nicht nur wichtige Erkenntnisse über dieses eine Festival, sondern gibt, natürlich unter qualitativ und quantitativ anderen Voraussetzungen, auch Aufschluss darüber, was (Metal)Festivals im Allgemeinen ausmachen. Denn die Kernaussagen dieses Buches sind elementar für jedwedes Musikfestival, egal welcher Musikrichtung. Der Kern des Festivals, nämlich die Besucher, ändern sich und ihre Ansprüche und Gründe, ein Festival zu besuchen, nur geringfügig. Der Rahmen ändert sich dagegen jährlich. Es gibt, auch auf dem Summer Breeze, immer wieder Neuerungen wie die Gestaltung des Festivalgeländes, des Rahmenprogramms, der Bühnen oder der Wegführung. Das Festival durchläuft auch aufgrund der erfolgreichen letzten Jahre eine Kommerzialisierung, die sich beispielsweise durch goldene Trinkhörner, einem Rock ’n‘ Roll Wrestling Bash und so weiter zeigt. Vieles ändert sich auch im Umfeld des Festivals, wenn sich beispiels- XV weise die Stadt Dinkelsbühl mittlerweile auf den Ansturm der Metalfans freut und sich darauf einrichtet – es gibt hier unter anderem viel zu verdienen. Diese Arbeit entstand als Bachelorarbeit während meines Studiums der Sozialen Arbeit an der Hochschule Mannheim. Die Idee dafür entstand während eines Seminars zu Einführung in die Soziologie. Ich bedanke mich herzlich bei Prof. Dr. Richard Utz für den Impuls, die Betreuung sowie das Geleitwort. Ich danke meinen Freunden für die Unterstützung auf und nach dem Festival. Ich danke allen, welche an meinen (Online)Umfragen teilgenommen haben und damit die Basis für diese Arbeit gewährleistet haben. Ich danke Dr. Martin Reichinger vom Nomos Verlag für die Idee zur Realisierung dieses Buches. Ich danke Vivienne Jahnke für das angenehme Lektorat und Eva Lang für die Herstellung. Viel Spaß beim Lesen! Vorwort XVI Geleitwort Am Beginn dieser im Sommersemester 2014 als Bachelor-Arbeit bei der Fakultät Sozialwesen der Hochschule Mannheim eingereichten Studie stand ein Masterplan: Gleich im ersten Semester seines Studiums kam Herr Hutzel nach einer Vorlesung zur Klassik der empirischen Sozialforschung auf mich zu und trug mir seine Gedanken über ein Forschungsprojekt vor, das er über das Musik-Festival „Summer Breeze“ im Bayerischen Dinkelsbühl durchzuführen gedachte. Herr Hutzel hatte das Festival bereits mehrere Male als Fan besucht und wollte es in den kommenden drei Jahren mit den Methoden der empirischen Sozialforschung als teilnehmender Beobachter untersuchen, das jeweils im August stattfindet und im Sommer 2013 ca. 37.000 Besucher zählte. Das war eine starke Ansage, der eine starke Einhaltung der Ansage folgte, wie die sich anschließende Feldforschung zeigte und das nun als Buch vorliegende Ergebnis beweist, das unter dem Titel: „Homo Festivus: Das Summer Breeze Open Air und seine Besucher“ erscheint. Ein solches Projekt verdient die Aufmerksamkeit eines breiteren Publikums, das nicht allein an methodologischer Begründung und methodischer Durchführung interessiert ist, sondern an der sozialen Wirklichkeit einer musikalischen Lebenswelt, ihren Relevanzen und Praktiken, ihrer Symbolik und den dichten Beschreibungen ihres Verständnisses davon, worin die Essenz eines „Metal-Fans“ besteht. Ein gutes Stück Sozialforschung also, die ethnografische ebenso wie quantitative Methoden anwendet, die Menschen vor Ort in der Situation des Festes aufsucht, mit ihnen spricht und sich ihre Welt erklären lässt, und eine Online-Umfrage startet und auswertet, um durch Quantifizierung zu objektiven Daten zu kommen, die das Wie-Viel und Wie- Oft alltäglicher Praktiken erhebt. Worum geht es also in dieser Feldforschung? Die Studie führt in die eigenartige und einzigartige Welt einer musikalischen Szene ein, die sich zeitlich befristet und räumlich lokalisiert zur festivalistischen XVII Subkultur steigert. Es handelt sich um die Welt des Metal, die anhand eines ihrer zentralen Events, dem –Dinkelsbühler „Summer Breeze“ beforscht wird. Dabei typologisiert der Autor das Festival als eine Art sozialen Hybrid aus Fest und Feier, die in der Fachliteratur auch als „posttraditionale Gemeinschaft“ oder schlicht als „Szene-Event“ bezeichnet wird. Mit Hilfe zahlreicher standardisierter Beobachtungsbögen, mehrerer Feldtagebücher und vielstündiger „ero-epischer Interviews“ (Roland Girtler) sammelte der Autor einen umfangreichen Datenkorpus, den er für die Konstruktion eines Fragebogens nutzte, um 2013 eine Online-Befragung durchzuführen. Für die Interpretation seiner Daten verwendete Herr Hutzel anspruchsvolle Theorie, die ebenso sorgfältig wie kreativ, ebenso sinngetreu wie kritisch für die Beantwortung seiner Frage nach den typischen Festival-Besuchern, ihrer Motivationen und ihres Verhaltens mit Bezug zur festivalistischen Subkultur genutzt wird. Die Arbeit bietet zahlreiche wertvolle und aufschlussreiche Informationen, die nicht nur für verschiedenste Felder der Sozialwissenschaften relevant sind, die sich mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen befassen, sondern auch für das öffentliche Verständnis einer Subkultur, der wegen ihrer Erscheinungsformen zumeist ablehnende Voreingenommenheiten vorschnell alle möglichen Negativurteile aufprägen. So korrigiert diese Feldforschung etwa das Vorurteil über die Festival-Besucher im Allgemeinen, die sich angeblich immer ins Koma saufen oder ausschweifende Sex-Orgien feiern oder Gewaltexzesse ver- üben. Denn das alles ist so auf dem Summer Breeze nicht der Fall! Der Alkoholkonsumm nimmt mit Dauer des Festivals ab, kollektiver Sex spielt keine Rolle und gewalttätige Ausschreitungen kommen nicht vor. Die Musik ist kein Mittel zum Exzess, sondern ein Medium von eigenem Wert, in dem sich ein musikalisiertes Gruppenleben entfaltet und in dem sich der Metal Fan alias Homo Festivus eine durch Ritualisierungen konturierte, außeralltägliche Identität schafft, durchaus humorvoll und spielerisch, provokativ und selbstironisch. Herr Hutzel hat mit seiner Studie Neuland erschlossen und einen ebenso wichtigen wie gut lesbaren Text geschrieben, der das Wissen über das musikalische Erleben von mehr als einer Generation musikbegeisterter Menschen erweitert und zwar genau dort, wo diese Gene- Geleitwort XVIII rationen eine Wirklichkeit nach eigenen Maßstäben sozial gestaltet, in symbolische Formen kleidet und im festivalistischen Kontext lebt. Mannheim, September 2018 Prof. Dr. Richard Utz Geleitwort XIX

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References

Zusammenfassung

Festival ist, wenn die eigene Verwahrlosung als Erholung empfunden wird.

Das Summer Breeze Festival findet seit über 20 Jahren im fränkischen Dinkelsbühl statt und zieht mittlerweile zehntausende Metalfans aus aller Welt an. Alexander Hutzel beschäftigt sich mit diesen Fans und eröffnet einen, im wahrsten Sinne, feucht-fröhlichen Einblick in eine außeralltägliche Realität. Dazu wurden qualitative sowie quantitative Forschungsmethoden vor einem fundierten sozialtheoretischen Hintergrund umgesetzt.

Die Arbeit beschäftigt sich unter anderem mit den Verhaltensweisen, den Symbolen und den Ritualen der Festivalbesucher. Es werden Gruppenzugehörigkeit, Hygieneverhalten, Alkoholkonsum und Running Gags analysiert, sodass ein empirisch begründetes Bild eines Megaevents der Metalszene entsteht.