5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht in:

Siegfried Guido Dahl

Der hoeere Ruf und Der feinere Pfif, page 5 - 52

Kommentierte Synopse der Schriften des August Siegfried von Goue und  des Ferdinand Opiz

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4236-6, ISBN online: 978-3-8288-7146-5, https://doi.org/10.5771/9783828871465-5

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Philosophie, vol. 31

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht5. „Der hoeere Ruf“ „Der feinere Pfif“ Der Uibergang. Des Uibergangs Uibergang. Des Uibergangs Uibergang zum Uibergang. Der Mensch als Erdenklos. Der Mensch. Di Sichpruifung. Zeichen der Lokung. Di Lokung zur Weisheit. Ruf zur Weisheit. Der hoeere Ruf. Di Weisheit. Di hoe Weisheit. Der Weisheit Buch. Das Messer des Weisen. Di Hoele des Weisen. Di Binde des Weisen. Das Spil des Weisen. Speise des Weisen. Ruistung zur Betrachtung. Tagseufzer des Weisen. Der Lichtfaden. Des Lichtfadens Zerfadung. Des Lichtfadens Zerfadung zu Zerfadungen. Der Mensch als Tirpflanze. Der Mensch. Di Sichpruifung. Schranken der Richtung. Di Richtung zur Harmoni. Pfif zur Harmoni. Der feinere Pfif. Di Harmoni. Di ware Harmoni. Der Harmoni Lerton. Das Pfeifchen des Harmonischen. Di Wonung des Harmonischen. Der Stab des Harmonischen. Di Jagd des Harmonischen. Schlaf des Harmonischen Erhebung zum Gesange. Gebaet des Harmonischen. 5 Anmerkungen 1. Der Uibergang. Der Übergang Der Lichtfaden 1. Der Lichtfaden. Anmerkungen [2] Gemeint ist die Loslösung von der traditionellen Wissenschaft mit ihren Gesetzlichkeiten von Okkultem sowie ihrer syllogistischen Methode. [3] Es handelt sich im erkenntnistheoretischen Sinne um ein Evidenzerlebnis, um einen Augenblick intuitiver Helle, d. h. um eine Initialzündung des Geistes, in dem ein erstes, unbezweifelbares Prinzip erkannt ist, und welches von nun an dem Denken Orientierung zu geben vermag. Hier im Kontext einer freimaurerischen Unterrichtung als „zirkelzündiger Strahl“ beschrieben. Vgl. Kap. 7.9. Wee Dir! wen du keinen Uibergang [2] kennest. Auch der Tor ist zu einem gezwangfessigelt. Di Zuruikpraßlung vom zirkelzuindigen [3] Stral ist ein Ocean nicht durch erdklosstralende Steine auszustamfen. G. Wehe dir, der du dich nicht vom traditionellen Wissenschaftsverständnis lösen kannst. Jeder, auch ein Tor, ist dazu befähigt. Ein unvermittelter Geistesblitz eröffnet dir einen Ozean von Erkenntnismöglichkeiten, losgelöst von allen bisherigen Irrtümern. G. Gut für dich, wenn du noch im Stand der Unwissenheit verharrst. Allerdings vermagst du dir eine Erkenntnistheorie zu eigen zu machen, ohne die du dich im Labyrinth des Lebens nicht zurechtfindest. Über diese Möglichkeit verfügt ein jeder. Erst wenn dir vom blendenden Rand deines engen Blickfeldes ein kurzlebiger Verbrennungsrest, in dem die noch nachbrennende Glut eine ästhetisch schöne Farbskala erzeugt, in das Blickfeld gerät, dann sind alle erkannten Gegenstände aus dem Dunkel des Nichtwissens in das Licht der Erkenntnis gehoben. Hier befindet sich der Quellgrund deines Lebens und zu- Wol dir, wann du noch blind herumkreuchst. Nur Einen Lichtfaden, one disen kanst du im Labirinte nicht wandeln, aber disen hast du mit iedem gemein. Wann dir vom blendenden Rande des engen Horizonts ein seifblasschoener Lokrußling reizend hinabblizt und du hinaufklimmst, [2] dann sind alle dem Nichtsein entrissene Nichtse zentnerschwere Steine in den Bluteuripus des Lebens [3] den Siz deiner Nichtunseligkeit, unaufhaltsam geschleudert. L. [2] Es ist für den Angeredeten nur von Vorteil, über die bisherigen Theorien wissenschaftlicher Erkenntnis noch nichts zu wissen. Erst die sensorische Erkenntnis der Dinge vermag ihn zu jener Wahrheit zu führen, der es von nun an mit der Methode der Empirie weiter zu folgen gilt. Die Relation zwischen Lockrußling und erkennendem Subjekt ist als empirisch wahrnehmbarer Vorgang beschrieben. [3] Dann werden aus den bisher undefinierten „Nichtsen“ definierte Gegenstände der empirischen Wahrnehmung. Euripus bezeichnet eine schmale Meerenge in Griechenland und bedeutet hier so viel wie der le- Teil I 6 Anmerkungen 1. Der Uibergang. Der Übergang Der Lichtfaden 1. Der Lichtfaden. Anmerkungen gleich der Ort, an dem deine Zufriedenheit ihr Zuhause hat. L. bensspendende Blutfluss. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 7 Anmerkungen 2. Des Uibergangs Uibergang Des Übergangs Übergang Des Lichtfadens Zerfadung 2. Des Lichtfadens Zerfadung Anmerkungen [4] Die Aufforderung „gee uiber“ vermeint hier, die traditionelle Lehrmeinung hinter sich zu lassen und markiert den Übergang zu einer wissenschaftlichen Erneuerung, die methodisch mit dem Evidenten intuitiv anhebt und dann deduktiv zu Komplexerem überzugehen vermag. [5] Nach René Descartes werden motorische Nerven als Rohrleitungen aufgefasst, die über die Zirbeldrüse Animalgeister bis in die Wurzeln senden. Leib und Seele werden dieserart durch ein feines, stoffartiges Fluidum (spiritus animales = weingeistartige, feine Dünste, näherhin physiologische Energien) vermittelt, das die Nervenbah- Gee uiber! Und wohin? zitre Torenmaesiger dich zu entwikeln. Du gest uiber Menschgebildeter. [4] Was hilft es dir, wen du nicht wider deine schlaffe Nerven durch aromatische Befestigungen beschenkelst. [5] Sie den Sturm eingehauchter Strudel. Stuirze dich hinein, damit du ins Ganze gezogen werdest. G. Löse dich vom traditionellen Wissenschaftsverständnis und beginne damit, dir dein Wissen neu zu erarbeiten. Du wirst dabei zusehends der wahren Erkenntnis näher kommen, weil diese dir wesensgemäß ist. Dabei gilt es, mit Abbildern [Codes], durch Animalgeist bewirkt, die noch schlaffen Nervenenden anzuregen. Mache dir die Wirbeltheorie zu eigen und beeile dich, sie zu verstehen, um letztendlich das Ganze allen Naturgeschehens zu erfassen. G. Wie kannst du deine Erkenntnis erweitern? Korrigiere den ehemals falsch eingeschlagenen Denkweg und beginne von Neuem. Du bist dazu imstande, weil du über den Status eines bloßen Erdlings hinaus bist. Wie kannst du denn deinen Lebenssinn bewahren, wenn du nicht des Öfteren deine irrtumsanfälligen Augen nach den Newton’schen Gesetzen ausrichtest? Durch diese vermagst du die Irrtümer der Vergangenheit zu korrigieren, damit du schließlich zur wahren Erkenntnis gelangst. A. Zerfade in den Lichtfaden! Und womit? Eile den fligenden Bolz vor di Scheibe zu erreichen. [4] Du kanst in zerfaden Mererdling! Kanst du nichtunselig bleiben, wenn du deine bloedseenden Augen nicht durch iene neutonischen Pruifungen [5] erheiterst und genug geschickt wirst, dich durch den Wirbel [6]der dich bestuirmenden schwarzen Gewitter zu draengen, um ninicht zu sen was du sen solst. A. [4] Mache dich daran, den von einer Armbrust abgeschossenen Pfeil noch im Fluge zu überholen und ihm ein neues Ziel zu geben. [5] Gemeint sind die Prüfungen auf der Grundlage der erkenntnistheoretischen Prämissen Isaac Newtons: newton(i)sche Prüfungen). [6] „Es sind die Wirbel, die man eine verborgene Qualität nennen könnte, da man ihre Existenz nie nachgewiesen hat. Die Anziehung dagegen ist etwas Wirkliches, weil man ihre Wirkung zeigt und ihre Verhältnismäßigkeiten berechnet. Der Grund für diese Ursache liegt im Scho- ße Gottes. – Procedes huc, et non ibis Teil I 8 Anmerkungen 2. Des Uibergangs Uibergang Des Übergangs Übergang Des Lichtfadens Zerfadung 2. Des Lichtfadens Zerfadung Anmerkungen nen bewegt. Das Bild des freimaurerischen Erkenntnisstrahls (zirkelzuindiger Stral) wird fortgeführt mit dem Verb „beschenkeln“, d. h. die begonnenen Erkenntnisbemühungen fortführen. amplius.“ – Du kommst bis dahin voran und nicht weiter. (Voltaire, Philosophische Briefe, 15. Brief) 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 9 Anmerkungen 3. Des Uibergangs Uibergang zum Uibergang. Des Übergangs Übergang zum Übergang Des Lichtfadens Zerfadung zu Zerfadungen 3. Des Lichtfadens Zerfadung zu Zerfadungen Anmerkungen [6] Das heißt neugierig, mit der Gier nach Neuem, also wissensdurstig. Eben nicht alt-gierig, die Gier nach rückwärts gewendetem Altem, um längst vergangene Weisheiten neu zu aktualisieren. [7] Nach Descartes’scher Theorie ist der Kosmos durch Ätherwirbel entstanden. Aus einer ursprünglich einheitlichen unteilbaren Materie entstanden durch Achsendrehung und Bewegungen drei unterschiedliche Arten von Materie: die Feuermaterie aus feinem Abrieb, die Himmelsmaterie, kugelförmig abgeschliffen, sowie die irdische Materie aus gröberen Teilen. Du kanst ein Adler sein; die stralenhauchende Wolken naeer kennen als alle andre tifer in di Atmosfaere geblasene Klumpen, in deren Bezirk ein raßlender Feuerbal sich waelzend bestaubet. Es bleibt etwas fuir dich aufgestemmet. Wag es enzuindungsvol [6] das Hoeere einzuatmen. Was denkst du von dem Feuerdunst? [7] kanst du ihn gewoenen? dan, dan lachst du des Staubes. Nichts ist fuir dich uibrig, als den du bald wirst kennen lernen, der uibergegangene Uibergang zu des Uibergangs Uibergang. G. Mit scharfem Verstand vermagst du Realistischeres über die Entstehung des Kosmos zu sagen, als was die bisher im Umlauf befindlichen Theorien hergeben. Sie wirbeln nur Staub auf. Für dich gilt: Sei wissensdurstig und wage es, dir die richtige Theorie anzueignen. Kennst du die Wirbeltheorie oder kannst du die Gedanken über sie nachvollziehen? Dann freilich wirst du über die zuvor geschilderten Denkmodelle nur noch lachen. Nunmehr bleibt dir einzig die methodische Suche nach der Wahrheit, die sich zuerst klar und deutlich dem Verstand zeigt und Mit scharfem Blick vermagst du auf der zinnbewehrten Ringmauer des Kirchenstaats ( und nicht in ihm) dich mehr beschäftigen als alle anderen Schüler des Polybios, die nur das nachbeten, was er ihnen verkündet, und bei dem noch der Sagen- und Mythenbestand der Antike zur Theorie seiner Geschichtswissenschaft zählt. Schicke dich nunmehr an, gemäß empirisch-naturwissenschaftlicher Methode das kosmische Geschehen zu ergründen. Was hältst du von dem sinnlich beinahe nicht mehr erfahrbaren Urgrund aller Dinge? Vermagst du es, dich in ein jeder sinnlichen Vorstellung Du kanst ein Argus sein: auf den truigpippingsgebaerenden [7] Zinnen dich mer beschaeftigen als alle andere noch fest an der hundertbruistigen Mutter klebende Poliben, [8] in deren Inneren ein ninichtwacher Orakellaut strudelnd lert. Es bleibt noch etwas fuir dich zu sen und zu hoeren. Erkuine dich ganz Aug und Or das Feinere einzuwesen. Was denkst du von dem fastunmerklichkleinen Alle? kanst du in disem Lilliputpuinktchen dich einschraenken? [9] Dann, dann vergessest du den großen Kreis. Nichts ist sonst dein Tunris, als di du bald wirst kennen lernen, di zerfadete Zerfa- [7] Zusammengesetzt aus: „Trug“, „Pippin“ und „gebären“. Die Rede ist vom Kirchenstaat, der sich zu einem Großteil der „Pippinischen Schenkung“ verdankt, jener zur Zeit vorliegender Abfassung bereits als Fälschung erwiesenen Urkunde, die der Kirche „rechtmäßig“ riesigen Grundbesitz bescheinigte. [8] Schüler des Polybios, eines griechischen Geschichtsschreibers, der zu den bedeutendsten antiken Historikern zählt. [9] In ein nicht mehr steigerungsfähiges Absolutes – die Rede ist von einem kleinsten und unveränderlichen Teil I 10 Anmerkungen 3. Des Uibergangs Uibergang zum Uibergang. Des Übergangs Übergang zum Übergang Des Lichtfadens Zerfadung zu Zerfadungen 3. Des Lichtfadens Zerfadung zu Zerfadungen Anmerkungen durch Deduktion zum Urteil findet. G. Entzogenes minimal hineinzudenken? Wenn ja, dann brauchst du dich mit dem Gro- ßen nicht mehr zu beschäftigen. Nach nichts anderem mehr sollst du streben als nach der rechten Anwendung der empirischen Erkenntnismethode, an die jedes Wissen gebunden bleibt. In ihrem Gefolge kann die Vernunft die Wirklichkeit ordnen und durch Schlussfolgerungen zu richtigen Ergebnissen gelangen. C. dung zu des Lichtfadens Zerfadungen. C. Baustein der Materie, von jenem kleinsten Teilchen (Atom), das nicht mehr geteilt werden kann. Der Veränderung materieller Gegenstände liegt stets die Veränderung der Zusammensetzung ihrer Bausteine zu einer neuen Atomkonstellation zugrunde. Während bei Descartes die Ausdehnung bereits Teilbarkeit einschließt, wird hier die Gegenthese einer Unteilbarkeit bestimmter Entitäten vertreten (Atomismus). 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 11 Anmerkungen 3 a. Von den Wurmbeeten [8] Von den Wurmbeeten [8] Kompostanlage für Regenwürmer; hier ein Bild für Menschen, die noch immer der mittelalterlichen Wissenschaft (Scholastik) verhaftet sind. [9] Leg das Rüstzeug der Vernunft an, denn wer zur wahren Erkenntnis gelangen will, darf sich nicht auf tradiertes bzw. traditionell gültiges Wissen verlassen. Ein weit gestrektes Lager! Fuilest du di Geisel? Winsle nicht nach Huitten. Ein kleiner Kamf, den begruiße den Uiberwinder. Wol dir! Umguirte dich, [9] und durchkreuze das Lager. G. Das traditionelle Wissenschaftsverständnis hat so manchen Vertreter in dieser Welt. Bemerkst du die erwachende Vernunft in dir? Sieh nach vorn und jammere nicht vergangenen Zeiten nach. Ein kurzer Kampf mit dir selber, dann freue dich deiner Entscheidung für das Neue. Gut für dich! Sei bereit und mach dich auf den Weg. G. Teil I 12 Anmerkungen 4. Der Mensch als Erdenklos. Der Mensch als Erdenkloß Der Mensch als Tierpflanze 4. Der Mensch als Tirpflanze. Anmerkungen [10] Übersetzung des lat. „gleba terrae“, d. h. Erdklumpen. Aus Staub der Erde gebildet, gehört der Mensch als Naturwesen mehr der Tierwelt zu. Vgl. 1 Moses 2,7: „Und Gott der Herr machet den Menschen aus dem Erdenkloß“ (Luther-Bibel). Hier so viel wie ein organisierter Fleischklumpen. Siehe auch: Deutsches Wörterbuch von Jakob Grimm und Wilhelm Grimm, CD-ROM. Der Mensch Erdenklos [10] ist ganz untaetig. Keine Feder Kraft di Torheit von sich abzuprellen. Das Gefuil daß er wuirken kan macht in zum Kraftsinnbrauchler. H. Im Status eines Erdenkloßes ist der Mensch gänzlich passiv und träge. Er verfügt über keinerlei Antriebskraft, sich der Unwissenheit zu erwehren. Nur das Gefühl, dennoch etwas bewirken zu können, macht die Aktualisierung dieser Kraft sinnvoll. H. Was tut ein Mensch, dem lediglich Vegetatives und Animalisches zugehört? Weder ein visuelles Zeichen noch ein auditives Zischen bewegt ihn zu sinnlichen Erkenntnissen. Diese stehen ihm noch mit schmerzvollen Erlebnissen und Verwundungen bevor. Sein Vermögen, sehen und hören zu können, lässt ihn zu etwas verlocken, das ihm zum jetzigen Zeitpunkt noch vorausliegt. H. Der Mensch Tirpflanze [10], was thut er? Kein Lokzischen in in den Abgrund zu stuirzen, wo er auf alle Eken sich verwundend immer tifer hinabplazt. Der vergrabene Same daß er see und hoere macht in zum Welokungstier. H. [10] Kontraktion der Begriffe Tier und Pflanze. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 13 Anmerkungen 5. Der Mensch. Der Mensch Der Mensch 5. Der Mensch. Anmerkungen [11] In der Textvorgabe heißt es „Turns“. [12] Kraft und Ausdauer sind an einer nunmehr noch unvernünftigen Zielvorgabe zu prüfen. Vgl. Anm. 13 des Paralleltextes. Aus dem Kraftsinbrauchlichkeits Gefuil entstet di Wollung. Stee auf einem Bein auf der Spize des Turms [11] und halte den Sturm aus ohne zu fallen. [12]Widerstrebe der Rukhaeklung zum Klos und sei dir selbst dein Morgen und Abendwerk. H. Aus einem Gefühl heraus, diesen Kräften Sinn verleihen zu können, erwächst der Wille. Versuche, mit einem Bein auf einer Turmspitze den Sturm auszuhalten, ohne zu verunglücken. Es gilt, nie wieder in den Stand eines willenlosen Wesens zurückzufallen und jederzeit Herr seiner Taten zu bleiben. H. Der Same, der zur Zeugung bereit und fähig ist, steht am Anfang einer Entwicklung, die mit der ‚Sensation‘ [12], d. h. mit äu- ßeren Sinneswahrnehmungen anhebt. Schau bei Gluthitze vom hei- ßen Sande mit blo- ßen Augen in die hoch stehende Mittagssonne und halte den Blick aus, ohne geblendet zu werden. Beim staunenden Beobachten des nächtlichen Sternen-himmels ist dringend Vorsicht geboten, nicht den Boden unter den Füssen, d. h. den Ausgangspunkt der Erfahrung zu verlieren. Über allem steht die Maxime, stets nur die eigenen Erfahrungen zu machen. W. Aus dem Welokungslibbarkeitssame [11] keimt sogar auch einige Frucht auf. Sie mit dem ungeruisteten Seesinne vom gluienden Sande in deinem Zenit di Sonne an, und laß den Stralpfeil im Auge steken one geblendet zu werden. [13] Vermeide di Hinquatschung in Drek beim Anstaunen des Lichtbesaeten Nachthimmels [14] und sei dir selbst Stok und Laterne. W. [11] Befruchtungskraft des „Wehlockungstiers“. [12] Zwei Quellen hat die Erfahrung: 1. die „sensation“, die äußere Sinneswahrnehmung, und 2. die „reflection“, die innere Selbstwahrnehmung, die sich auf Akte des Denkens, Glaubens, Wollens etc. bezieht. [13] Die Ideen können bei abwesender Vernunft mit anderen Vorstellungen zu wahren Urteilen noch nicht verknüpft werden. Es handelt sich daher um Vorstellungen abseits jeglicher Vernunft. [14] Gefahr des „Hans-guck-in-die- Luft“-Phänomens bzw. einer Art Weltfremdheit. Vgl. die Erzählung von der thrakischen Magd, die sich einst über Teil I 14 Anmerkungen 5. Der Mensch. Der Mensch Der Mensch 5. Der Mensch. Anmerkungen Thales lustig machte, weil er zwar sehe, was am Himmel, nicht aber, was zu seinen Füßen geschehe (Platon, Theaitet, 174 a). 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 15 Anmerkungen 6. Di Sichpruifung. Die Selbstprüfung Die Selbstprüfung 6. Di Sichpruifung. Anmerkungen [13] Auf traditionelle Gewissheiten ist kein Verlass mehr. [14] Logische und mathematische Sätze zählen zu den Ideen, mit denen man bereits auf die Welt kommt (ideae innatae). Sie sind der apriorische Beginn ewiger Vernunftwahrheiten, die in einer logischen Grundalternative des Urteils „es ist“ oder „es ist nicht“ zum Ausdruck gelangen. [15] Ein Viereck ist das freimaurerische Symbol für die Loge, das sicherlich nur Eingeweihten, d. h. Brüdern und somit Freimaurern, bekannt ist. Mist auf allen Seiten. Ein Atmosfaerenglaenzer vom Drekklumpen in Pful gestuirzt. [13] Ein gefaerlicher Streit zwischen zwei mal zwei ist vir und zweimal zwei ist fuinf. Wahrheit bricht durch. Ein Virek hat vir gleiche Seiten und vir gleiche Winkel. [14] Alle wissen es. Wenige wissen es. [15] Der Gewisheit Warnemlinger emfindet di Zeichen der Lokung. H. Überall nur dummes Zeug. Eine hehre Himmelswahrheit hat sich als Täuschung erwiesen. Der waghalsige Streit zwischen dem Produkt aus 2 mal 2 gleich vier und 2 mal 2 gleich fünf tritt zutage. Doch Wahrheit setzt sich durch. Ein Viereck hat vier gleiche Seiten und vier gleiche Winkel. Jedermann verfügt intuitiv über diese Kenntnis, wenige nur wissen um seine symbolische Bedeutung. Ausgestattet mit einer solchen Gewissheit erwächst im Menschen das Streben nach mehr. H. Mehr Schein als Sein, überall. Wahrheitsapostel, die ohne eigentliche Wahrheitsgrundlage beanspruchen, sich zu Wahrheitshöhen aufschwingen zu können. Da gibt es die Vertreter traditioneller Lehrmeinungen, die der Beliebigkeit unterschiedlichster Interpretationen von Sachgehalten anheimfallen. Was wahr ist, ist das Bewusstsein seiner selbst und die zeitlose Gültigkeit mathematischer Gesetze. Zuweilen ist derjenige, der sieht, blind, und derjenige der nicht sieht, erkennt die Wahrheit. Nur wer allem auf den Grund geht, weiß, wo es langgeht. A. Blendwerke in allen Zirkeln. Cherubsaffen [15] mit papirnen Kondorsschwingen uiberm Abgrunde. Ein alter feuerspruiender Goeze, den der Weisse weiß der Schwarze schwarz färbt. Gar nichts, ich bin. [16] Einmal eins ist eins, einmal eins war eins, und einmal eins bleibt eins. [16a] Der Seer ist blind. Der Blinde sit. [17] Des Seins Nachspuirer sit di Schranken der Richtung. A. [15] Cherubaffen sind das Gegenteil von Cherubim, die in unmittelbarer Gegenwart Gottes weilen. Erstere zeigen die Gegenwart Satans, des Affen Gottes, an. Ihnen fehlt es hier an ausreichendem Denkvermögen. [16] Das Wissen um die eigene Existenz bedeutet intuitives Wissen. [16a] Intuitive Erkenntnis. Der Geist nimmt die Übereinstimmung bzw. Nichtübereinstimmung zweier Ideen unmittelbar durch sich selbst wahr. [17] Wie der sehende Ödipus blind für die Wahrheit ist, die der blinde Teiresias sieht und offenbart. Vgl. Sophokles: König Ödipus, 1. Hauptszene. Teil I 16 Anmerkungen 7. Zeichen der Lokung. Aufkommendes Streben nach mehr Leitplanken auf dem Weg der Erkenntnis 7. Schranken der Richtung. Anmerkungen [16] … der in Saus und Braus lebt. [17] Alles Kot bzw. Gift und Galle. Leite deinen Gaengelwagen auf di Glanzhoeen du Pruifling. Zuigelire unerschroken am Rand unabseliger Vorurteils Tifen. Wuirme in verschiedenen Kopf und Leibesdeken speien dir nach. Du bist schon zu hoch. Ir Speichel faelt auf ire Nase. Der Schoenweltbrausling [16] entdekt in sich beschaemt sein Kotalles [17] und zittert um seinen Seifenblasenglanz. Noch strebst du Pruifling nach einem ungeseenen Kleinod; Versuche noch einige Fittigungen. H. Prüfling, führe deine noch unsicher agierende Vernunft auf ein sicheres Erkenntnisfundament. Gehe unerschrocken gegen ungeprüfte Wahrheiten vor, denn nur tradierte Gewissheiten bieten keine Sicherheit. Dabei behindern dich deine Mitmenschen, weil sie lediglich über Wahrscheinlichkeiten bzw. über täuschende Wahrnehmungsurteile der Sinne verfügen. Doch bist du schon weiter als sie, du hast sie hinter dir gelassen, sodass ihre Vorurteile nur noch auf sie selbst zurückfallen. Derjenige, der sich gänzlich in einer Welt bloßer Wahrscheinlichkeiten eingerichtet hat, erfährt nunmehr be- Sei ganz du selbst, Künftiger. Losgelöst von aller Sinneswahrnehmung bist du dir selbst genug. Da sei dir sicher. Tausende und Abertausende Schreiberlinge stellen sich mit der ganzen Autorität ihrer Denkschulen gegen dich. Doch lache darüber. Sie werden noch eher als du in der Erde liegen. Die akademische Lehre samt ihrem universitären Lehrkörper vereinigt die unterschiedlichsten Wissenschaften zu einem unakzeptablen Einheitsbrei. Sie geht recht freizügig damit um, wenn sie noch gänzlich Unkundige mit diesem Brei überschüttet. Noch sehnst du dich danach, Künftiger, Stelle dich einsam da wo du bist Kuinftiger. Sei taub und blind, du sist und hoerst schon genug, sei sicher. Tausend und wider tausend dintensprizende Schreibkile [18] zilen aus den Winkeln der Schulen nach dir. Lache. Si werden noch ee schwarz und schmuzig als du. [19] Der Lerstulfuiller samt seinen fittigaenlichen Plapperern sammelt bei Oel und Wasser nur Schleim in sein Schnekenhaus und gibt in wider ungeizig von sich, indem er geifernd auf schrofichten Erdklumpen herumkreucht. Noch senst du dich Kuinftiger nach einem unbekannten Alle [20]; harre in die- [18] „Mir ekelt vor diesem tintenklecksenden Säkulum, wenn ich meinen Plutarch lese von großen Menschen (…). Pfui, Pfui über das schlappe Kastratenjahrhundert“, so 1781 Friedrich Schiller, in: Die Räuber, Sämtliche Werke, I,2, S. 502 ff. [19] Sie werden eher ins Gras bei- ßen als du. [20] Vgl. auch Kap. 3: „fastunmerklichkleinen Alle“. Die Rede ist von jenem kleinsten Baustein der Materie, der allem zugrunde liegt und es in seiner Ordnung behält. J. W. Goethe beschreibt dies zutreffend ca. 40 Jahre nach Erscheinen vorliegender Schrift in seinem Faust I, 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 17 Anmerkungen 7. Zeichen der Lokung. Aufkommendes Streben nach mehr Leitplanken auf dem Weg der Erkenntnis 7. Schranken der Richtung. Anmerkungen schämt bei sich, was seinen Erkenntnisstand inhaltlich ausmacht: nur Mist! Er muss befürchten, dass dieser Popanz wie eine Seifenblase zerplatzen wird. Noch strebst du, Prüfling, nach einem geistigen Kleinod. Strenge dich weiterhin an. H. das dir jetzt noch unbekannte Ganze zu entdecken. Verweile bei diesem Gedanken noch eine kurze Dauer. N. ser Richtung blos noch einige Blike. N. 382 f.: „Daß ich erkenne, was die Welt / Im Innersten zusammenhält.“ Teil I 18 Anmerkungen 8. Di Lokung zur Weisheit. Das Streben nach Weisheit Der Weg zur Harmonie 8. Di Richtung zur Harmoni. Anmerkungen [18] Ein Spiegel, der optisch kein Bild wiedergibt. Hier dient er als Sinnbild für die Vernunft des Angesprochenen. Im freimaurerischen Sinne des „Erkenne dich selbst“ zeigt er nicht so sehr das optische Bild, sondern will symbolisch das im Innern Verborgene aktuell einsichtig machen. [19] Beachte die freimaurerische Dreizahl. Schaeme dich nicht der stummen Lere des Wargestaltrukprallingers. [18] Du erblikst hinter deiner scheuslichen Gestalt di zerstreute Teile eines bessern Embrio. Bei jeder Fuirbaslichkeit naeren si sich der Zusammensezung. Verdreifache [19] deinen Lauf und hoere den Ruf zur Weisheit. H. Stehe dazu, wenn dein Verstand nur bei sich ist. Unabhängig von aller Sinneserfahrung sind dir die Module zu einer weiterführenden Erkenntnis bekannt. Jeder weitere Denkschritt führt sie in die Einheit eines sicheren Urteils. Beeile dich und höre den Ruf zur Weisheit. H. Bekenne dich zu der Tätigkeit deiner Vernunft, die nunmehr bei sich ist. Die Fähigkeit des Geistes, durch Vergleichen, Trennen und Verbinden komplexe Ideen erzeugen zu können, offenbart dir etwas, das du nie allein mit den Sinnen wahr-nehmen konntest. So ist eins alles und alles ist eins. Verliere dich nicht an tausenderlei Sekundärem, d. h. abstrahiere alles sinnlich Vorgestellte. Danach vernimm den Pfiff zur Harmonie. N. Schaeme dich nicht der stummen Lere des Widerhallstimmlosigkeitstandes. [21] Dein dreiseitiggeschliffen [22] Pruifungswerkzeug entdekt dir was du ni hoeren kontest. Eins ist alles und alles ist eins. Wirf dis und iens ein nach dem andern von dir ab und sobald du ganz entbloeset bist hoere den Pfif zur Harmoni. N. [21] Ein Echo, das akustisch keinen Ton wiedergibt. Hier dem Spiegel direkt gegenübergestellt. [22] Siehe Kap. 9: das Vermögen des Verstandes, kraft Reflexion mit einem „dreiseitiggeschliffen Pruifungswerkzeug“ (Intuition, Demonstration, Sensation) komplexe Ideen zu erzeugen. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 19 Anmerkungen 9. Ruf zur Weisheit. Ruf zur Weisheit Pfiff zur Harmonie 9. Pfif zur Harmoni. Anmerkungen [20] Sarg, Schädel und Knochen zählen zum rituellen Inventar bei einer freimaurerischen Tempelarbeit und sind Zeichen der Vergänglichkeit. [21] Gemeint ist das Erlebnis einer zweiten Geburt, d. h. der Beginn eines neuen Lebens, das den Eintritt in eine Freimaurerloge beschreibt. Von daher kann man mit dem Neophyten (Neuaufgenommenen) „rätselgleich“ sprechen. Gruise den Uibergang. Gemeinschaftlichere dich mit Sarg, Schedeln und Knochen. [20] Leben kommt aus Tod. [21] Verstee mich wol. Man darf dir nun etwas raetselgleich sprechen. Hebe den Dekel des Sarges auf und hoere den hoeeren Ruf. H. Heiße Deinen neuen Erkenntnisstand willkommen. Sei vereint mit Sarg, Schädeln und Knochen. Das Leben entsteht aus dem Tod. Verstehe mich. Von nun an kann man mit dir in Rätselbildern sprechen. Hebe den Sargdeckel auf und wisse um deine Vernunft. H. Fühle dich wohl bei jedem Erkenntniszugewinn. Denke an die verschiedenen Grade der Klarheit, nach denen sich die verschiedenen Grade des Wissens unterscheiden. Jede Erkenntnis ist aktuelle Lebensgegenwart. Verstehe mich, wenn ich dir nun erkläre, wie der Weg zur wahren Erkenntnis verläuft. Lass dich nicht mitreißen vom Fluss der Meinungen, schau über ihn hinweg und höre auf die Stimme deiner Vernunft. D. Libe di zerfadung. Denk an Frucht [23], Trank [24] und Werkstatt. [25] Man lebt da man lebt. Verstee mich wol. Man darf dir nun etwas orakelmaessiger [26] ins Or raunen. Warum schaust du uiber den reissenden Strom hin? Hoere den feineren Pfif. D. [23] Intuition. [24] Demonstration. [25] Sensation. [26] Im Gegensatz zu „raetselgleich sprechen“ mit dem Neophyten der Freimaurerei. Teil I 20 Anmerkungen 10. Der hoeere Ruf. Freimaurerische Initiation Der feinere Pfiff 10. Der feinere Pfif. Anmerkungen [22] Neun ist die Potenz der Drei, der heiligen Zahl; freimaurerisches Symbol geistiger Wiedergeburt und Inbegriff höchster Vollkommenheit. [23] Diadem und Ordensband gehören zur rituellen Bekleidung des Freimaurers in geöffneter Loge. Doch ist dieses Symbolzeichen von nun an überflüssig, da sein Bedeutungsgehalt zum verinnerlichten Wissensbestand zählt. [24] Der „flammende Stern“ - um sich rotierend als Pentagramm oder Hexagramm ausgebildet – ist der Freimaurerei Symbol des Transzendenten. Zwoelf Tausend Neun Hundert und Neunzig Neun [22] Teile laß im hoelzernen Kasten. Steige auf inen herum und laechle dem zuruikgelassenen Unflat. Fuige im das Diadem und Ordensband [23] bei, und betuinche di verweste Scheuslichkeit mit einem Stern. [24] Der Pöbel bewundert in, augzwizert fuir seinen Glanz und haelt di Nase zu. H. Lasse die 12.999 Teile im hölzernen Sargkasten liegen. Steige auf ihnen herum und lächele über den Plunder, der vom alten Menschen übrig geblieben ist. Füge dem Rest das Diadem und das Ordensband zu und bemale die verweste Scheußlichkeit mit einem Stern. Das gemeine Volk bewundert diesen ob seines äußeren Glanzes, zwinkert anerkennend mit den Augen und hält sich die Nase zu. H. Erkenntnisse qua Intuition sind unmittelbar wahr, sie bedürfen keines eigenen Beweises. Wenn du dich nicht unbedingt beeilen musst, dann lass dir Zeit. Und wenn du dich über etwas freuen kannst, dann weine nicht. Belasse dem Hochweisen seine Kleidungsstücke, die seinen akademischen Stand auszeichnen, seine Meinung, auch seine Bibel und das Buch der Natur. Sage ihm Lebewohl, denn sein Selbstverständnis ist sein Missverständnis. Ich bin ich und was kümmert mich der Wissensbetrieb heutiger Tage? U. Zwei ist mer als eins, und drei ist mer als zwei: zwei ist mer als eins und eins. [27] Wann du nicht lauffen must, ge: wein nicht, wan du lachen kanst. Laß dem Hochweisen seinen Mantel, seine Kappe, seinen Stok, sein großes und sein kleines Buch. [28] Neige dich vor im, weil er es fordert. Mein! Was ist Poebel? U. [27] Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. [28] Die Rede ist wohl von dem „Buch der Natur“ und der Heiligen Schrift. Anstelle eines geschlossenen Wissenssystems in Naturwissenschaft und Theologie qua Scholastik eröffnet sich von nun an frei von allen geheiligten Autoritäten ein beinahe grenzenloser Erkenntnisozean für Forschung und Wissenschaft. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 21 Anmerkungen 11. Di Weisheit. Die Weisheit Die Harmonie 11. Di Harmoni. Anmerkungen [25] Die Zahl Zwölf schließt den Zyklus der Zahlenreihe ab, auf der vornehmlich die philosophischen Spekulationen beruhen. Die Zahl Dreizehn bleibt ausgeschlossen, von daher stammt die negative Bedeutung, die man dieser Zahl als Schicksalszahl allgemein beimisst. [26] Die hier und im Folgenden angeführte Klimax macht die stufenartige Steigerung von der eingeschränkten zur wahren Erkenntnis deutlich. Die Begriffsleiter beginnt mit dem Prüfling bzw. Gelockten und führt über den Berufenen und Hochberufenen hin zum Weisen, bis schließlich der Grad der „hohen Weisheit“ erreicht ist Durch und durch seen si dich di Lerer der hoen Weisheit, dein geringster Gedanke ist inen ein dreizen [25] Millionen mal vergroeserter Erdbal. Dein geringster Gedanke in der neuen Gestalt ist dem Pruifling [26] und dem Gelokten ein Machtspruch, dem Berufenen ein Raetsel, dem Hochberufenen ein knopfigter Leitfaden und dem Weisen ein Gemeinstab. Wan du wilst so alleinigest du dir den Gebrauch dises Stabs. Reiche dein Or zur hoeern Weisheit. Du bist durchsichtig und hel wi Glas, aber noch nicht gleich geglanziget. Der hoen Weisheit Leren sind schnel wi di Scheibe des Diamant-Schleifers. Schmige Glid fuir Die sogenannten Lehrer der hohen Weisheit geben sich alle erdenklichen Mühen, dich zu verstehen. Für sie weitet sich ein relativ harmloser Gedanke zu einem riesigen Problem aus. In seiner neuen Form verleiht dein geringster Gedanke dem Prüfling und Gelockten den Anspruch, sich weiterzuentwickeln. Dem Berufenen bleibt er noch ein Rätsel, dem Hochberufenen ein noch nicht vollständiges Regelwerk und dem Weisen ein allgemeines Gesetz. Wenn du es willst, so mache dir nur für dich den Gebrauch dieses Gesetzes zu eigen. Allgemein sieht man dich als einen Weisen an, jedoch ist deine Weisheit noch nicht voll- Nur du selbst siehst dich und weißt um dich; der Gegensatz von Ja und Nein ist ein sich ausschließender. Du bist ein „Künftiger“, wenn dir die Möglichkeit wahrer Erkenntnis eröffnet bleibt. Als ein „Baldiger“ weißt du, dass alle Wahrheit von der Erkenntnis der Sinne anhebt, und als „Harmonischer“ verfügst du endlich über die richtige Erkenntnismethode. Durch sie vermagst du nunmehr Wahres zu erkennen. Folge stets deinem Strebevermögen nach richtiger und wahrer Erkenntnis. Allerdings fällst du einem Irrtum anheim, wenn du meinst, auf die sinnliche Wahrnehmung verzichten zu können. Die Gesetze der Erkenntnis- Dich sit nimand als du und der, der ist. [29] Was fuir ein Vergleich zwischen Ja und Nein? [30] Bist du noch ein Kuinftiger in der Richtung dann ist dein Gedanke ein Same, bist du ein Baldiger herbeigepfiffen dann ist er eine bluiende Pflanze, bist du schon ein Wirklicher ein Harmonischer [31] dann ist er dir auch eine Frucht di alles hat. Diser Frucht Genuß ist dem Harmonischen ein Eigenthum. Luistert es dir darnach, o! So laß geschen und tu. Du gebaerdest dich taub und blind, aber du bist es noch nicht, deswegen sist und hoerst du auch noch nicht. Der waren Harmoni Geseze sind Spinngewebneze. Bepanzere [29] Innere Selbstwahrnehmung schließt im Locke’schen Sinne auf die Idee der Realexistenz. [30] Der Geist nimmt die Inkompatibilität zweier entgegengesetzter Ideen wahr. [31] Die steigende Aussageintensität (Klimax) des jeweiligen Kenntnisstandes eines Künftigen, Baldigen und Harmonischen betont den Entwicklungsgedanken zur richtigen Erkenntnis bis zur wahren Harmonie. Sie bewirkt stilistisch zugleich eine Verstärkung ihres Aussagegehalts. [32] Μῶμος, lat. „Momus“, Gott der Spott- und Tadelsucht bei den Griechen und Römern, Personifikation der Nörgelei. Teil I 22 Anmerkungen 11. Di Weisheit. Die Weisheit Die Harmonie 11. Di Harmoni. Anmerkungen Glid an iren Rand. Vermeide durch llzuhartdruklichkeit di Zersplitterung. H. kommen. Die hohe Kunst der Weisheit nimmt mit zunehmender Lerngeschwindigkeit zu. Intensiviere diese, aber übernimm dich nicht dabei, ansonsten erreichst du das Gegenteil. H. logik müssen zu einer Ganzheit zusammengefügt werden. Die Logik sei dir von nun an ein unverzichtbarer Begleiter. Lass dich nicht ins Bockhorn jagen von der Arroganz der Mitmenschen nach dem Vorbild des Momus. Deine Gegenwart ist bereits vorweggenommene Zukunft. E dich mit selben ninicht und ganz. Fuircht nicht Momushoenereien [32] noch Zerrei- ßung. Was du sein wirst bleibst du. E. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 23 Anmerkungen 12. Di hoe Weisheit. Die Hohe Weisheit Die wahre Harmonie 12. Di ware Harmoni. Anmerkungen [27] Wohl eine Rakete des Geistes. H. Heine rühmt 1833 die intellektuelle Brillanz der Madame de Staël als ein Feuerwerk ihrer „Geistesraketen“ und brillanten Tollheiten. Vgl. ders., Die romantische Schule, Erstes Buch. See den hochgeradlinirenden brausenden Kunstfeuerschwanz [27] die Luft teilen. Folge im nach. Du hoerst nur sein Geraeusch. Fuir dich keine andere Fuilung als der rukfallende Steken. Aber du kanst dein Haupt enzien. Glanz! Glanz! Glanz! H. Erlebe jenen Geistesblitz, der dich direkt durch die Sphäre bloßer Wahrscheinlichkeiten zu ungeahnten Höhen führt. Verfolge ihn weiterhin und bleibe gänzlich auf ihn fixiert. Unabhängig von der Außenwelt zählt nur noch deine Vernunft. Deine größte Sorge bestehe für dich darin, wieder in alte Denkgewohnheiten zurückzufallen. Aber du vermagst dich ja weiterhin zu konzentrieren. Glanz! Glanz! Glanz! H. Ab jetzt hebt jede Erkenntnis bei der empirischen Wahrnehmung an und ist in ihren methodischen Möglichkeiten vielfältiger Ideenverknüpfung stets aktuell. Zweifle nicht an deiner Erkenntnis, die nichts anderes ist als die Wahrnehmung der Übereinstimmung oder des Widerstreits von Ideen. Davon sei überzeugt. Nichts, aber auch gar nichts kann dich in alte Irrtümer zurückfallen lassen. S. See den stralenden Faden in tausendmaltausend zerfadete Faden zerfadet. Laß dich leiten und folg Ariadnen. [33] Keine Verwirrung, du hoerst wi si verschidentlich gespannt sind. Für dich kein ander Licht [34] und keine andere Stimme. Was kann dich verfuiren? Nichts! Nichts! Nichts! S. [33] Mithilfe des Fadens der Ariadne, Tochter des Minos, König von Kreta, und seiner Frau Pasiphae, fand Theseus den Weg durch das Labyrinth. Der Ariadnefaden steht für ein Hilfsmittel, um sich in schwierigen Situationen zurechtzufinden. [34] Das heißt, die Lehre von der Teilhabe des Menschen an der göttlichen Vernunft in Form eingeborener Ideen („ideae innatae“ / „lumen naturale“ bei Descartes) wird hier verworfen. Teil I 24 Anmerkungen 12 a. Das Amt eines Tilgmans. Die Zuchtmeisterin Vernunft [28] Gemeint ist wohl der Verstand im Sinne der obersten Prinzipien des Bewusstseins gegen- über dem Verstand als der diskursiven, logisch schlussfolgernden, also rationalen Instanz. Eine endgültige Sprachregelung zwischen beiden war in vorkantischer Zeit noch nicht gefunden; häufig werden beide Begriffe auch synonym verwendet. [29] So viel wie das Umfeld. [30] Eine Welt von Vorurteilen hat der Angesprochene mehr oder weniger von seiner Umgebung übernommen, die er ohne Gedanken an eine Analyse oder Überprüfung benutzt. Durch eine solche Voreingenommenheit entgeht es ihm, ob die Si ligen beisammen, Geisel, Messer und Binde. Entflie dem ersten Hib, du Erdenklos! einer zerquetschet di blutrauchende Wurmfaeserung, und zeen di Luft. [29] Nichts hindert di Zerstoerung der Huitte, [30] worauf er sich stuirzet. Wirf dich in di Hoele des Weisen, und wimre nach der Weisheit Gestaltigung. P. Verstand, Vernunft [28] und ihr Gegenteil, die Unvernunft, liegen dicht beisammen. Als Zuchtmeisterin genügt ihr nur ein Hieb, d. h. eine Initialzündung des Geistes, deine Existenz als Erdenkloß zu vernichten. Weder dein Umfeld bleibt davon ausgeschlossen noch deine Welt von Vorurteilen, die bisher dein Lebensrahmen gebildet haben. Begib dich in die Nähe des Weisen und bitte um Unterstützung auf dem Weg zur Weisheit. P. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 25 Anmerkungen 12 a. Das Amt eines Tilgmans. Die Zuchtmeisterin Vernunft imaginäre Brille, durch die er die Wirklichkeit bestimmt, über Realität informiert oder sie in Wahrheit verbirgt. Teil I 26 Anmerkungen 13. Der Weisheit Buch. Das Buch der Weisheit Der Leerton der Harmonie 13. Der Harmoni Lerton. Anmerkungen [31] Etwa in dem Sinne: „Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens“ (Friedrich Schiller, Die Jungfrau von Orleans). Es ist entschiden, daß unter den Vielmaesigen das Hervorsteende gegriffen wird. Si wol daß du nicht irrwaelest. Es gibt Heken wo das Messer der Weisen eine stumpf gekeilte Schere wird. G. In gewohnter Weise entscheidet man sich für das, was aus dem Mittelmaß hervorragt. Achte aber darauf, dass du dich bei deiner Wahl nicht vertust. Gegen die Mehrheitsmeinung vermag die beste Vernunft sich nicht durchzusetzen. [31] G. Wer vermag allgemeingültige Regeln für eine richtige Erkenntnis aufzustellen? Auf Autoritäten oder Meinungen anderer zu bauen ist so abwegig und gefährlich, wie an steilen Abhängen auszuruhen. Die rechte Erkenntnisquelle ist die Sinneswahrnehmung und die Selbstbeobachtung des Geistes. [36] V. Wer hat entschieden, was allen gilt? Fremden trauen ist im Randschoße [35] grundloser Kluiften schlaffen. Es gibt spiziglange Oren in deren Krummgängen das helle Pfeifchen des Harmonischen lautlos toent. V. [35] Die Textvorlage schreibt: „Ranstschoße“. [36] Also äußere Erfahrung (Sensation) und innere Erfahrung (Reflexion). 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 27 Anmerkungen 14. Das Messer des Weisen. Das Messer des Weisen Das Pfeifchen des Harmonischen 14. Das Pfeifchen des Harmonischen. Anmerkungen [32] Unzulänglichkeiten der Vernunft („kleinste Modelvertifung“ im „Knochenwerk“) können durch die tätige Vernunft (Messer) verbessert bzw. abgestellt werden. Eklatant Falsches hingegen muss getilgt werden, um von Neuem mit dem Vernunftdiskurs beginnen zu können. Ja, ia, nur immer tifer. Ser wol im, des Bein widerstet, noch besser im, des Knochenwerk markartig di kleinste Modelvertifung [32] ausfuilt. Trenne den hinderlichen Splitter mit dem Messer. Lere dem Hochberufenen den Wert des Hefts. H. Nur immer tiefer! Gut für den, der um einen Widerspruch nicht verlegen ist, allerdings noch besser, wenn er auch noch den kleinsten Irrtum zu korrigieren vermag. Wesentlich Falsches allerdings muss gänzlich widerlegt und abgestellt werden. Mache den Hochberufenen mit deiner Vernunftmethode bekannt. H. Ja, nur immer gründlicher! Gut, den rechten Gebrauch sinnlicher Wahrnehmung für sich entdeckt zu haben. Noch besser geht es dem, dessen Geist, an die sinnliche Wahrnehmung gebunden, im Erkenntnisvollzug die feinsten Nuancen wahrnimmt. Mache Falschem mithilfe deiner Vernunft den Garaus und übe dich als „Herbeigepfiffener“ weiterhin im rechten Erkenntnisgebrauch. E. Ja, ia, nur immer feiner. Ser wol im des Hoerkraft di Heilquelle entdekt, noch besser im des Geistgefuil erdmenschartig di feinsten Lichtfadenfaeserchen vernimmt. Verscheuch mal das verwirrende Misgeraeusche mit dem Tone des Pfeifchens. Mache dich als Herbeigepfiffener [37] im aechten Ansaze ans Loechchen maechtig geschikt. E. [37] Der „Herbeigepfiffene“ entspricht dem Hochberufenen im Paralleltext und markiert hier den Übergang von der zweiten zur dritten Lichtfadenstrecke. Teil I 28 Anmerkungen 15. Die Hoele des Weisen. Die Höhle des Weisen Die Wohnung des Harmonischen 15. Di Wonung des Harmonischen. Anmerkungen [33] Kleidung und Höhlenwände haben – dem Fell des Leoparden gleich – eine fleckige Färbung angenommen. Die Bilder stehen für eine fehlgeleitete Vernunft. [34] Von lat. „elysium“, fiktiver Ort der menschlichen Sehnsucht (Paradies) , der aber endgültig auf Erden niemals gefunden werden kann. Du denkst dir einen Menschenhasser in rauchgewachsener Kleidung. Was wilst du mit deiner Leoparden-gruft? [33] Du irrest. Kanst du es fassen, so kenne den Unterschid des Schimmers und der Nacht, aber nur di sanfte Naechte sind gruinrauschende Elisaeiden. [34] G. Versetze dich in die Lage eines Menschen, der ausschließlich von Vorurteilen lebt. Was willst du mit einer solch fehlgeleiteten Vernunft? Dies ist nichts für dich. Wenn du es vermagst, so lerne den Unterschied von Halbwissen und Dummheit kennen. Nur durch eine richtige Methode ist es möglich, wahres Wissen zu erwerben. G. Unter Aufbietung aller Kräfte bemühst du dich, in deiner Phantasie ein Trugbild zu bewegen. Was bezweckst du mit einem solchen Phantom? Fehlende Sinneserfahrung verhindert eine ad- äquate Erkenntnis. Bedenke die Schritte der Vernunft, von der Anschauung bis hin zum Urteil. Flüchtige Wahrnehmungsurteile sind nicht für die Ewigkeit geschaffen. R. Du plakst dich schwizend in deinen Fantasmenhallen ein chimaerisch Tirengelsteinbild [38] aufzustellen. Was wilst du mit disem Kolosse? Du stest zu nidrig in ganz zu sen, in disem Hause kan man nicht so sein. Betrachte deine Wonung und denk an di Stufen der Entnichtseten vom Einten bis wohin? Efemerische Pigmaeenwuirmchenbruten [39] sen nicht hin zum Millionten. R. [38] Phantom, das Tierisches und Engelhaftes in sich vereint. Die Kontraktion der Begriffe Tier und Engel bezeichnet hier die Gleichzeitigkeit zweier Wesenseigenschaften sowie eine Geistsphäre ohne vorausgegangene Sinneswahrnehmung. [39] Fehlende Vernunfttätigkeit eintägiger Zwerggeburten. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 29 Anmerkungen 16. Di Binde des Weisen. Die Binde des Weisen Der Stab des Harmonischen 16. Der Stab des Harmonischen. Anmerkungen [35] Die Binde verwehrt den Zugang zum Licht, d. h. zur Erkenntnisquelle. Mit angelegter Augenbinde betritt der Neophyt bei seiner Aufnahmefeier in den Bund der Freimaurer den Tempel. Danach erst zeigt man ihm das Licht. [36] Bilder am südlichen Sternenhimmel. Du weist nicht warum si faal ist dise Binde, du Erdling! [35] Auch der Begriff von Bindwerk ist fuir dich ein tausend-iaeriges Gedanken Geschaeft. Befestige einen Faden vom Serpentarius bis zum Orion [36] und treibe ungeseenes Gaukelspil darauf. Er wird brechen und dir bleibt Stof zum Geweb. H. Es gehört zur irrigen Erkenntnis eines Erdlings, nicht um ihren Mangel zu wissen. Auch setzt die Vorstellung einer stringenten Methode bzw. eines Erkenntnissystems noch viel Denkarbeit voraus. Ein gesponnener Phantasiefaden dient eben nur phantasiereicher Spekulation und zu nichts mehr. Der Faden wird reißen, und von da an ist dir Gelegenheit gegeben, dein Denken nach der Methode des richtigen Vernunftgebrauchs anzugehen. H. Als ein Mehrerdling kennst du nicht die Ursache, weshalb dein Wissensbestand auf unsicheren Füssen steht. Das Aufzählen der verschiedenen Erkenntnismöglichkeiten kommt dir noch wie das Herunterleiern alphabetisch geordneter Begriffe eines Nachschlagewerkes vor. Füge jene in einen rationalen Gesamtzusammenhang oder in eine logische Reihenfolge, deren Ausgangspunkt die Sensation und Reflexion, d. h. die äußere Sinneswahrnehmung und die innere Selbstwahrnehmung sind. Gedankenblitze machen dabei die fehlerhaft sinnliche Wahrnehmung obsolet. Verfahre so, dann wirst du eige- Du weist nicht warum er so gelenk ist diser Stab du Mererdling! Auch di Benennungen des verschiedenen Stabgebrauchs [40] sind dir zenzenmalzen rensische [41] Buchstabenlisten. Bilde in dir zu einer Rute oder zu einem Zepter [42] von Gold, Eisen, oder von Elfenbein, di Sonne sei an der Spize und Donnerkeile muissen statt des Dorns sein, zirkle damit um dich. Er verlirt seine Macht, du bleibst Herr. S. [40] Dies ist die Wahrnehmung eines Zusammenhangs und einer Übereinstimmung bzw. Nichtübereinstimmung und des Widerstreits zwischen einfacher und zusammengesetzter Ideen. Keine Wahrheit existiert an sich oder aus sich. Die Erkenntnis besteht aus einem Gewebe von Ideenbeziehungen; der Verstand kann nicht das Geringste erfassen, ohne es in dem Netz und den Knoten der Interdependenzen, die es bilden, zu erfassen. [41] „rensich“ von lat. „res“ abgeleitet; hier ein Sachbuch des gesammelten Wissens. [42] Ein eigens geformter Stab, der die besondere Würde seines Trägers Teil I 30 Anmerkungen 16. Di Binde des Weisen. Die Binde des Weisen Der Stab des Harmonischen 16. Der Stab des Harmonischen. Anmerkungen ner Erkenntnis mächtig sein. S. zum Ausdruck brachte. Hier dient die antike bzw. mittelalterliche Vorstellung des Machtzeichens im übertragenen Sinne der Beschreibung empirischer Vernunft des Menschen. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 31 Anmerkungen 16 a. Der Mantel des Weisen. Der Mantel des Weisen [37] Leg dir das dicke Fell eines Büffels zu ... [38] Jemand, der in (Saus und) Braus lebt. Warum beneidest du den Taumel des Wolluistlings? Nicht di zusammengepreste Saefte des Wurms warmigen di Huitte. Bepanzre dich mit der zotteligten Deke des schnaubenden Bruillingers [37], und beelende di Verfraesigung der Brauslinger. [38] P. Warum beneidest du den Triebmenschen um seine Triebnatur? Ein uneigentliches Leben voller Vorurteile führt nicht zur richtigen Erkenntnis. Sei nüchtern und sachlich und führe das Denken eines ausnahmslos gefühlsgeleiteten Menschen ad absurdum. P. Teil I 32 Anmerkungen 16b. Das Holz des Weisen. [39] Das Wissenschaftssystem des Weisen [39] Der Weise allegorisiert den „Baum der Wissenschaften“. [40] Descartes, Brief an Picot, 1647, den Principia Philosophiae vorangestellt: „Die gesamte Philosophie ist einem Baum vergleichbar, dessen Wurzeln die Metaphysik, dessen Stamm die Physik und dessen Zweige alle übrigen Wissenschaften sind, die sich auf drei hauptsächliche zurückführen lassen, nämlich auf die Medizin, die Mechanik und die Ethik.“ Die Metaphysik folgt also nicht aus der Physik, wie in der Scholastik, sondern umgekehrt die Physik aus der Metaphysik. Hol und mit Efeu umschlungen. Honig Sauglinge durchsumsen di gedraengte Aeste. Sprudelnde Quellen durchriseln di Wurzel. Das Blatt beschattiget den Schlummer. [40] P. Der Stamm des Baumes ist innen hohl und außen von Efeu umschlungen. Bienen ernähren sich in seinem Geäst, sprudelnde Wasserquellen geben seiner Wurzel Nahrung. Sein Blattwerk spendet dem Schlafenden Schatten. P. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 33 Anmerkungen 16 c. Der Stab des Weisen. Der Stab des Weisen [41] Eine spitzkegelige Wurzel, die sticht, auch Symbol der Vollkommenheit. In der freimaurerischen Symbolik ist der Zylinder bzw. „hohe Hut“ das Zeichen eines freien, d. h. selbstbestimmten, von Vorurteilen unbelasteten Mannes von gutem Ruf, getragen während ge- öffneter Tempelarbeit. [42] Vgl. Kap. 16b. Mitten unter den Dornen keimet di Cilindrische Wurzel. [41] Sie sticht den Wurm nicht haerter, als den Elefanten. Dem Weisen ein Centaur, dem Torenmaesigen eine vilknotige Geisel. Wol dir, wurmnaerender Gestaltiger, wann dich di Spizze erreicht. P. Die mühsame Entwicklung zur wahren Erkenntnis wird im vorgenannten Wissenschaftssystem [42] befördert durch die philosophische Vernunft der Metaphysik. Diese legt sich auf alle Menschen, wie verschieden sie auch sein mögen. Für den Weisen ist sie ein Kraftpaket, dem Toren bereitet sie schmerzliche Stufen auf dem Weg zur Wahrheit. Ein Zusammentreffen mit ihr wird dir gut tun, der du dich bis dato mit bloß sinnlicher Wahrnehmung und Vorurteilen begnügt hast. P. Teil I 34 Anmerkungen 17. Das Spiel des Weisen Das Spiel des Weisen Die Jagd des Harmonischen 17. Die Jagd des Harmonischen Anmerkungen [43] Das Spiel des Weisen besagt das Bemühen der Vernunft, das noch nicht gänzlich gelöste Problem der Bestimmung von Zeit hin und her zu wägen, um zu einer Lösung zu kommen. Wer dazu nicht in der Lage ist, soll das Denken von und über Eventualitäten etc., die sich ihm dann auftun, unterlassen. Di Zeit: ein Unding in sich: im Chaos ein Etwas. Vergebens durchgruibelst du das Gebaeude deiner Erkenntnis. Nichts das si aufwiget. Denke und spile jedoch, aber welch ein Spil? [43] Entknotige das Seil, oder denke Nichtsheiten. G. Für sich betrachtet ist die Zeit kein Objekt sinnlicher Wahrnehmung. Allein in einer ungeordneten Welt wäre sie ein solches. Du bemühst deine Vernunft vergeblich. Und doch ist die Zeit die unverzichtbare Grundlage aller Erkenntnis. Gib dich dem freien Spiel deiner Gedanken hin. Versuche, das Problem zu lösen, widrigenfalls denke nicht weiter darüber nach. G. Die Zeit entzieht sich der Wahrnehmung mit den Sinnen, bei der eine jede Erkenntnis anhebt. Dennoch legt sie sich auf alles Sichtbare, dem sie Maß und Gewicht verleiht. Erfolglos sind deine Bemühungen, ihr Wesen zu ergründen. Dein Unvermögen, sie zu bestimmen, macht dich unzufrieden. Doch ruhe und forsche dennoch weiter, nicht in Gleichzeitigkeit, sondern in der Aufeinanderfolge eines Vorher und Nachher. Losgelöst von aller Sensation erwächst im Geist die Idee einer Dauer, die mit dem Moment aktueller Erkenntnis beginnt und als Wissen bei ihrer Aufnahme im Gedächtnis endet. Mit einer so gefun- Das Unsichtbare: wer hat es gesen? Gleichwol bestimmen si alle seine Eigenschaften nach Mas und Gewicht. Vergebens durchirrst du das Gehege deiner erzilten Widerspruchlosigkeiten, es stoest dir nirgenthalben auf. Wann es dich schaudern soll dann schaudere es dich vor dem dich verungluikenden Mißgenuße. Rue und iage dennoch! Aber welch eine Jagd! Wann du nicht nach Dingen zilst, so rust du ein kurzes Izt hindurch und dann rutest du. [43] T. [43] Die Idee der Dauer ist im Text in verschiedenen Zeitformen des Verbs „ruhen“ ausgedrückt: im Präsens und Präteritum. Ihr liegt die erfahrbare Aufeinanderfolge eines Früher – Zugleich – Später zugrunde, welche allgemein auf jede vergangene und zukünftige Dauer angewendet werden kann. Die Zeit ist nach Newton ein für sich Seiendes, absolut, d. h. unabhängig von aller menschlichen Erkenntnis ist sie in der Welt: „Zeit ist, und sie tickt gleichmäßig von Moment zu Moment.“ 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 35 Anmerkungen 17. Das Spiel des Weisen Das Spiel des Weisen Die Jagd des Harmonischen 17. Die Jagd des Harmonischen Anmerkungen denen Maßeinheit kann sie nunmehr jederzeit aktualisiert werden. T. Teil I 36 Anmerkungen 18. Speise des Weisen. Speise des Weisen Schlaf des Harmonischen 18.Schlaf des Harmonischen. Anmerkungen [44] Bei den Alchemisten und Kabbalisten des Mittelalters auftauchender Begriff. Der Stein soll die Kraft der Wandlung haben, Unedles in Edles überführen zu können. Derjenige, der den „Stein des Weisen“ sucht, ist ein Phantast; er gibt sich alle erdenkbare Mühe, etwas zu finden, was es nicht gibt. Der Begriff steht hier für jegliche Form von Aberglauben. Du siest Eisen und hoerst von eisernen Wunden. Tod und Leben wi weit sind si von einander! – Um so mer naeerst du dich des Lebens, ie mer du das Krachen deiner Morschheit fuilest. Fuile es noch einmal, und wann du vom Stein der Weisen [44] gehoeret, so lachaeugle dem Torenmaesigen zur Belerung und sei befridiget bei maesigen Mal. Dann wirst du fort wandeln. G. Du forderst deine Vernunft und hast dabei die Konsequenzen für dein Leben im Sinn. Jetzt kennst du die Strecke von der irrtumsanfälligen Sinneswahrnehmung hin zur wahren Vernunfterkenntnis. Ein jeder Fortschritt deines methodisch geleiteten Denkens steht nunmehr im umgekehrten Verhältnis zum bloßen Meinen und Dafürhalten in deinem früheren Leben. Je mehr Vernunft, desto weniger Wahrscheinlichkeit. Fühle diesen Abstand noch einmal, und wenn dir jemand vom Stein des Weisen erzählt, so sei mit lachenden Augen dem Ungebildeten ein gelehriges Beispiel. Begnüge dich da- Du bist ganz bei dir, denkst entweder angestrengt nach oder ruhst befriedigt aus, um dich der Lärm der Welt. Es gibt jetzt keinen Weg mehr zurück! Du liegst richtig, je mehr du am Faden deines Zwecks festhältst und je weniger du in die Systematik deiner Erkenntnislogik eingreifst. Versuche dies nicht, und wenn du deine Überlegungen kurz unterbrichst, so übe Zurückhaltung mit dem, was du erkannt hast. Schätze mit äußerster Vorsicht die Wirkung deiner Worte ab, damit sie missverstanden nicht Anlass erneuter Spukgeschichten werden. Dann hast du deine wah- Du ligst auf Dornen [44] oder Rekbaenken und schlaefst [45] ein beim Bruillen und Donnern. Kein Weg fuir dich zwischen Ist und War! – Um so richtiger gest du, ie weniger du am radwerke kuinstelst. Kuinstle nicht, auch nicht noch einmal, und wann du einst einen Augenwink vom Schlaf erwachst, so preise kein Traumgesicht zur Taeuschung und sei behutsam der Zauberlaterne wegen. Dann wirst du singen koennen. E. [44] Vornehmlich eine Sache für Fakire. [45] Mit Schlaf ist hier das meditierende „Bei-sich-Sein“ im Sinne von Nachdenken, Überlegen gemeint. Vielleicht ein versteckter Hinweis auf die „Meditationes de prima philosophiae“ des René Descartes. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 37 Anmerkungen 18. Speise des Weisen. Speise des Weisen Schlaf des Harmonischen 18.Schlaf des Harmonischen. Anmerkungen mit und gehe den eingeschlagenen Weg weiter. G. re Erkenntnishöhe erreicht. E. Teil I 38 Anmerkungen 18 a. Der Umgang mit Tiren. Der Umgang mit Tieren [45] König bedeutet in diesem Kontext so viel wie Lenker bzw. Leiter, im erweiterten, pädagogischen Sinne auch Erzieher. [46] Anlehnung an 1 Kor. 15,52 bzw. Offb. 8,7-13: sinnbildlich die Posaunen des Jüngsten Gerichts. Gemeint ist hier ein Signal, welches den Höheund Endpunkt der Erkenntnis verkündet. Beorige das Winseln des Virfuislings: doch nicht als Tiran. Durchdenke tif das Verhaeltnis zwischen dem König [45] und dir. Messe genau deine Schritte; und sei dem Erdling eine folgschnarrende Posaune. [46] P. Schaffe dem Heulen und Flehen der Menschen auf unterster Erkenntnisstufe Abhilfe. Allerdings nicht wie ein Tyrann, der sie mit Gewalt zu ihrem Glück zwingen will. Gestalte die Beziehung zwischen ihnen und dir gleichsam als eine zwischen Regierendem und Regiertem. Überlege also genau, wie du vorgehst. Sei noch unvernünftigen Menschen eine Aufforderung, deinem Vorbild Folge zu leisten. P. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 39 Anmerkungen 18b. Das Nachtlager des Weisen. Das Nachtlager des Weisen [47] Vgl. Kap. 16 a. [48]… und begrüß die aufgehende Sonne. Nimm di bepanzerte Haut der Bruillinger, [47] und nicht das gezettelte Kleid des Luft Schwingers. Streke nicht onmächtig dich in di Nacht. Trinke den Strom, und begruisige den aufgeenden Tagleuchter. [48] G. Mach dir lieber ein dickes Fell zu eigen, als dass du allzu dünnhäutig bist. Bewahre auch in der Dunkelheit das Licht deiner Vernunft. Ertrage und prüfe alle Meinungsvielfalt und gelange danach zur Wahrheit. G. Teil I 40 Anmerkungen 19. Ruistung zur Betrachtung Rüstung zur Betrachtung Erhebung zum Gesang 19. Erhebung zum Gesange Anmerkungen [49] Der 60. Teil einer Sekunde, hier als durchlaufender Punkt einer Pendelbewegung (Metronom) gemeint. [50] Vgl. Kap. 11, „Di Weisheit“. Dort ist von der Scheibe eines Diamantenschleifers die Rede. In sein Gleichgewicht versezt, stet er gerade der Stok, vileicht eine Terzie. Warum faelt er rechts? Warum links? Aeusere Gewalt – unsichtbare Bewegung – Schliffe. [50] H. In ihr Gleichgewicht gesetzt ist die Vernunft für die Verweildauer einer Tertie [49] auf ihrer Höhe angelangt. Warum ist dieser Moment so kurz? Die Gründe liegen in äußerer Gewalt, dem Fluss der Zeit und stetem Fortschreiten des Denkens. H. Von der Wahrnehmung mit den Sinnen, von staubiger Erde, dem Ausgangspunkt aller Erkenntnis, hat das Wissen in dir eine nicht mehr steigerungsfähige Höhe erreicht – zumindest für einen äu- ßerst kurzen Augenblick. Alle Erkenntnis bleibt an die ihr zugehörigen Bedingungen eigener Entfaltungsmöglichkeiten gebunden und verdankt sich stets ihrer irdischen Existenzweise. S. Vom ungelekten Staube [46] aufsteigend starrt es stumm [47] dein Singlid, villeicht kuirzer als deine Terzie. Warum tif? Warum hoch? Unveraenderlich Tonmas – Noten und Taktschlag – Atem. S. [46] Von der bloßen Wahrnehmung mit den Sinnen zum Verstandesurteil [47]. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 41 Anmerkungen 20. Tagseufzer des Weisen Tagesseufzer des Weisen Hochgebet des Harmonischen 20. Gebaet des Harmonischen Anmerkungen [51] Metaphorisch für Vernunft, vom lat. „insecare“, einschneiden. [52] Trifle, engl. „aus mit Früchtemarmelade bestrichenen, in Sherry oder Madeira getränkten Bisquitscheiben, Eiercreme und auch kandierten Früchten mit Schlagsahne.“ S. Brockhaus, Bd. 19, Wiesbaden 1974. [53] Vgl. Hiob, 40,15: ein Flusspferd, das am jüngsten Tag von Gott gebändigt wird. Ich frolokige dich an, Gedanke der Weisheit. Entknotige mich mer und mer aus dem Zusammenhang meiner Wurmnaerenden Gestalts Brüder. Schaffe nicht zwergigte Geburten durch den Gedankenzeuger. Sei dem Vorurteil eine atomlich staubende Stamf-Muile, und fettige das Insekt [51] mit Weistriflingen [52] bis zum Beemot. [53] H. Gedanke der Weisheit, wie bist du mir eine Freude! Führe mich immer mehr aus der Gesellschaft ungebildeter Menschen. Bewahre meine Vernunft vor mickrigen Erkenntnissen bzw. Irrtümern. Zermalme das Vorurteil zu kleinstem Staub und nähre meine Vernunft mit unbestechlicher Logik bis zum Ende aller Tage. H. Ich preise dich, Augenblick (höchster) Erkenntnis. Lass mich immer mehr den Erkenntnisvorgang mit einem wahren Urteil abschließen. Lass meine Sinne Dinge vernehmen, die diese Wirklichkeit übersteigen. Vernichte alle diejenigen, die bloß meinen und dafürhalten oder stopfe ihnen zumindest den Mund. Lass mich in meinem Erkenntniszuwachs immer mehr zur Wahrheit fortschreiten bis hin zu dem Ende, das meiner Existenz vorausliegt. Amen, so sei es. T. Ich frolokige dich an Puinktchen der Harmoni. Vereinige mich mer und mer mit der Einheit des einigen Eins. Laß mich ungebunden schaukelnd anzuhoeren unentscheidliche Schaelle und zu sen unfasbare Bilder vom Qualme. [48] Sei allen plaerrenden Gauklern eine berstende Mine oder wenigstens ein di Kele gemach verstop-fendes Luftgift. Stimme mich feiner und feiner bis zum moeglichst-woltoenenden Amen. T. [48] Lass mich im freien Raum auf einer Schaukel Töne vernehmen, die sich allem Unterscheidungsvermögen entziehen. Lass mich ebenfalls unfassbare Nebelbilder sehen. Teil I 42 Anmerkungen 20 a. Vom Stultorum plena sunt omnia Die Welt steckt voller Torheit (Cicero, Ad familiares) [54] Also zum exakt gegenüberliegenden Ort auf dem Globus, auf dem sich die Bewohner die Füße zukehren – so die landläufige Auffassung vernunftloser Zeitgenossen. Wenn ihre Füße auf entgegengesetztem Boden stehen, scheinen auch ihre Köpfe Entgegengesetztes zu denken. [55] Freimaurerische Symbolzahl. Durchbore der Erden Mittelpunkt bis zum Antipoden, [54] alle drei [55] Schritte winselt der Wurm um dich. Durchkreuze di Oberfläche zwischen den Polen, uiberall tritst du auf zwergigte Geburten. Gluik genug! Wann du den Schimmer noch von Ferne beaugigest. Durchgruible mer und mer der Weisheit Grundsaeze. Unabseelige Tifen! Pralle nicht zuruik, wann du gleich das Licht noch nicht siest. Wuinsche! hoffe! P. Durchbohre die Erde vertikal durch den Erdmittelpunkt bis hin zum Antipoden. Alle drei Schritte winseln Unvernünftige um dich herum. Oder durchkreuze die Oberfläche von Pol zu Pol, überall begegnen dir die gleichen Kleingeister. Ein großer Glücksfall für dich, wenn du zu Halbund Unwahrheiten Distanz hältst. Durchforste immer mehr die Prinzipien, nach denen deine Vernunft fortschreitet. Welch Glück wird dir doch dabei zuteil! Schrecke nicht zurück, wenn du noch nicht ganz der Wahrheit teilhaftig bist. Wün- 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 43 Anmerkungen 20 a. Vom Stultorum plena sunt omnia Die Welt steckt voller Torheit (Cicero, Ad familiares) sche sie dir, hoffe auf sie! P. Teil I 44 Anmerkungen 20b. Von der Wurmlichkeit des Leibes. Von der Wurmlichkeit des Leibes [56] Posaunen sind Boten Gottes bzw. der Endzeit. Ganz allgemein signalisieren sie hier den Endzustand des Entwicklungsprozesses menschlicher Vernunft. Es waren einst die Trompeten vor Jericho, die dessen Stadtmauern zum Einsturz gebracht haben sollen (Jos. 6,5). Verachte nicht den Kraechzendsten deiner Gestaltsbruider. Du selbst bist das Erdreich, in dem der Wurmlichkeit Pflanze aufkeimet. Wenige Tage, dan bricht si hervor. Wol dir, wen du der Beposaunung [56] das Or reichst. G. Blicke nicht auf deine Mitmenschen herab, auch wenn sie noch gänzlich einer irrtumsanfälligen Erkenntnis der Sinne verhaftet sind. In dir selbst sind die Bedingungen einer neuen Bewusstseinswahrheit angelegt. Schon recht bald eröffnen sie dir ein Feld klarer und deutlicher Erkenntnisse. Verschließe dich ihnen nicht. G. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 45 Anmerkungen 20 c. Von der Beposaunung. Von der Beposaunung [57] Kunstwort aus den Verben „kreißen“ (entbinden) und „zwitschern“ gebildet. [58] Abgeerntetes Feld voller leerer Halme. [59] Entsprechend seiner Erdverbundenheit ist es das Moos, das die Hütte des Erdlings verunreinigt. [60] …, die ihn halb in sein Gestern und halb in sein Heute aufsplitten könnte. [61] Der richtige Vernunftgebrauch besagt, nur das als wahr anzuerkennen, was sich klar und deutlich erkennen lässt („clare et distincte percipere“). Hast du in schon in der Fern gewarnemigt, den ersten Klang der Tromete. Etwas heiser ist er, und kreiszwitschert [57] uiber ein halmigtes [58] Feld. Erschrik nicht du Erdwurm. Noch ein kurzer Zeitraum di Schrekbilder und den moosichten Unflat deiner Gemaecher [59] zu tilgen. Lern in gebrauchen. Keine Zeitversplitterung [60] ist dir zu gestatten. Den bald toenet di zweite Posaune. H. So langsam ist in dir die Gewissheit gereift, dass dein Geist klare und deutliche Vorstellungen besitzt. Sie sind dir noch nicht ganz geläufig, weil Neuland. Doch lasse dich nicht abschrecken, du einst vom Staub gebildeter Mensch. Nur noch wenig Zeit bleibt dir, die „Irrungen und Wirrungen“ deiner früheren Art der Erkenntnisgewinnung zu korrigieren. Verzettele dich nicht, denn bald ist dir der methodische Durchgang zu einem sicheren Erkenntnisurteil [61] gewiss. H. Teil I 46 Anmerkungen 20d. Di zweite Posaune. Die zweite Posaune Wol dem Weisen, der Seel Rislinge der Jauchzartigkeit schmeket. Fuir in di lezte Posaune ein Jubel. G. Für den Weisen besteht der Lohn in der Freude, seine ihm mögliche Erkenntnishöhe erreicht zu haben. Der letzte Schritt auf dem Weg zur Erkenntnis ist ihm Genugtuung. G. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 47 Anmerkungen 20 e. Von der Entwurmigung Von der Entwurmigung [62] Betrifft den zu Staub verwesten Rest des alten Menschen. [63] Meint die rote Farbe der schottischen Hochgradmaurerei, der das System der „Strickten Observanz“ zugehörte. Goue war Mitglied einer solchen Loge, die sich in der Tradition des Tempelherren-Ordens verstand. [64] Als ein Weiser im profanen und als Wiedergeborener im freimaurerischen Sinne. [65] Wegen des Vermögens ihrer Häutung ist die Schlange das symbolische Tier der Wiedergeburt. Auch ist sie das ägyptische Herrschaftssymbol. Eine goldene Schlange zierte die Stirn („gestirnartig“) der Pharaonen und Asche, Staub, Moos, Schlangen, eine Urne [62]. Fuige den schwarzen Blutauigling [63], und den trifenden Schaedel hinzu. Lange wuste der Weisheit Gestalting zu laecheln: doch nun laechelt er zwifach. [64] Gewoene di Schlange[65], und dein Umgang ist gestirnartig. G. Asche, Staub, Moos, Schlangen, eine Urne. Füge das purpurne Rosengewächs und den tropfend nassen Schädel hinzu. Lange Zeit wusste der Gestalter der Weisheit zu lächeln. Doch nun lächelt er doppelt. Gebrauche deine Vernunft, die hinter deiner Stirne sitzt. G. Teil I 48 Anmerkungen 20 e. Von der Entwurmigung Von der Entwurmigung signalisierte Kraft und Stärke. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 49 Anmerkungen 20 f. Von unbeleibten Wesen. Von Geistern [66] Materie ist physisch durch Gestalt und Bewegung bestimmt und insoweit mathematisch erklärbar. Nichts Okkultes bewegt die Welt, vielmehr können alle Phänomene in ihr durch Geometrie erklärt werden. [67] d.h. über die Reduktion auf das Einfache und Evidente sowie über die Konstruktion zum Komplexeren. Hir Salamander, dort Gnomen. [66] Kenst du dise Geschwader. Armseliger Blindling, ich traure um deine Blindsuichtigkeit. Sie den Weisen, er begruist seine Freunde, und dir gibt er Leren. G. Salamander und Gnomen, dieses Phantasiegebilde kennst du sicherlich. Du armer Blinder, deine Unwissenheit dauert mich. Betrachte dagegen den Weisen: Er heißt Gleichgesinnte willkommen und wird dich aufklären. [67] Dies über seine analytische Methode, die schlussendlich zu einem Wahrheitsurteil führt. G. Teil I 50 Anmerkungen 20 g. Di Anklamrung an der Ewigkeit Saeule. Aufnahme in die Freimaurerloge [68] Gemeint ist das Umklammern der Ewigkeitssäule. Den Freimaurer erwartet eine „höhere Arbeit“ im „ewigen Licht“. Wer sich an der Eingangssäule des masonischen Tempels festhält, steht vor dem Tor in den „ewigen Osten“, dort, wo der Weisheit Weg irdisch beschlossen ist. Ein großer Schrit! [68] Du hast in getan. Jauchze! G. Ein großer Schritt. Du hast ihn getan. Jauchze! G. 5. Titel des „Hoeeren Rufs“ und des „Feineren Pfifs“ in synoptischer Übersicht 51

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Zusammenfassung

„Oedipus“ ein. Der Protagonist stoischer Lebensführung stellt darin fest, dass ein großer Teil der Wahrheit dem verborgen bleibt, der nicht über einen [inneren] Sehsinn, dies ist seine Vernunft, verfügt. Allein durch sie gelangt der Mensch zu einer wahren Erkenntnis.

Zusätzlich beschreibt von Goue im Fortgang der Vernunft systematisch einen Weg; den Weg eines Suchenden bis hin zu dessen Initiierung in den Bund der Freimaurer. Es ist die geistige Arbeit am Symbol, die ihn zu einer wahrhaft freimaurerischen Haltung und ebenso zu freimaurerischen Tugenden zu führen vermag.

Handelt der „hoeere Ruf“ noch von einer ungeteilten theoretischen und zugleich praktischen Vernunft, die zur Wahrheitserkenntnis führen kann, so bleibt sie in der Parallelschrift des „­feineren Pfifs“ von Ferdinand Opi(t)z auf das sinnlich Erfahrbare verwiesen. Dem Rationalismus von Goues ­descartscher Prägung steht ein in sich geschlossenes System des angelsächsischen Empirismus gegenüber.

Beide Schriften werden in der vorliegenden Untersuchung vom Autor aus ihrer kryptischen Verschlüsselung herausgeführt, in eine jedermann verständ­liche Sprache transferiert und synoptisch kommentiert.