10 „Gebote“ für On-Air-Personalities in:

Wolfgang Ferencak

Radio 4.0 ... braucht Personality, page 77 - 80

Betrachtungen und Strategien für das Radiobusiness

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4224-3, ISBN online: 978-3-8288-7144-1, https://doi.org/10.5771/9783828871441-77

Tectum, Baden-Baden
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10 „Gebote“ für On-Air-Personalities Radiomann – Strandjungs Hier findest Du ein paar Grundregeln, die Dir helfen sollen, Deiner Herausforderung als Moderator, besser gerecht zu werden. 1 Du sollst nicht nörgeln! Die Moderation ist freundlich. Denn wir freuen uns, dass uns unser Hörer zufällig gerade auf unserer Frequenz begegnet. Wir möchten, dass er uns zuhört. Wir hören freundlichen Menschen auch lieber zu als Nörglern und Schwerenötern. 2. Du sollst nicht schwafeln! Die Moderation ist direkt. Unser Hörer hat zu wenig Zeit, wenn er uns trifft. Wir kommen direkt zur Sache, ohne zu hetzen. Wir erzählen klar und verständlich, damit der Hörer uns folgen kann, aber wir sparen uns alle überflüssigen Schlenker und blumigen Ein- und Umleitungen (es sei denn, es bietet sich als besonderes Stilmittel an). 3. Du sollst Dich nicht anbiedern! Die Moderation richtet sich immer an einen individuellen Hörer. Wir können den Hörer dabei direkt ansprechen, aber biedern uns nicht bei Ihm an. Wir sitzen neben ihm – aber nicht auf seinem Schoß. 4. Du sollst nicht ablesen! Die Moderation soll nie abgelesen klingen. Der Moderator ist kein Märchenonkel. Eltern wissen um die einschläfernde Wirkung des Vorlesens. Wir reden natürlich und unverkrampft mit dem Hörer, aber nicht kumpelhaft und schulterklopfend. 77 5. Du sollst nicht schauspielern! Der Ton ist dem Thema angemessen. Bei bunten, unterhaltenden Themen ist die Moderation dynamisch und freudig, aber nicht marktschreierisch und künstlich begeistert. Bei ernsten Themen ist die Moderation ernst, aber nicht trübsinnig und leidend; nachdrücklich, aber nicht hochdramatisch. 6 Du sollst schauspielern! Dem Moderator merkt man nie an, dass er einen vollen Arbeitstag hinter sich hat, dass er schlecht geschlafen oder Krach mit seiner Frau hat. Ein Moderator vermittelt immer das Gefühl, dass ihm seine Tätigkeit Freude bereitet und nie, dass er einen "Job" macht – egal, was davon tatsächlich zutrifft. 7 Du sollst nicht belehren! Ein Moderator ist immer besser informiert als sein Hörer, aber er lässt es ihn nie spüren. Ein Moderator ist kein Oberlehrer. Er macht seinen Hörer schlauer, aber es ist nie besserwisserisch. Ein Moderator ist für viele seiner Hörer ein "STAR", aber er behandelt sie nie wie Fans. 8 Du sollst den Mund halten können! Ein guter Moderator kann auch den Mund halten (weniger ist mehr). Er freut sich darüber, dass sein Hörer ihm zuhört, und darum missbraucht er niemals diese Bereitschaft. Wenn ein Gesprächspartner etwas Wichtigeres zu sagen hat als er selbst, kann der Moderator schweigen und zuhören. Der Moderator unterhält seinen Hörer, aber er muss ihn nicht ununterbrochen zum Lachen bringen. Schlechte Kalauer und dumme Sprüche werden nicht dadurch besser, dass sie von einem Radiomoderator vorgetragen werden. 9 Du sollst Dich konzentrieren! Der Moderator klingt mit jeder Silbe, die er sagt, konzentriert, engagiert und bei der Sache, auch bzw. gerade, wenn er nebenbei die Technik bedient und tausend andere Dinge bedenken muss. 10 „Gebote“ für On-Air-Personalities 78 10 Du sollst nicht selbstverliebt sein! Der Moderator ist von jedem Wort, das er sagt, hundertprozentig überzeugt. Und er ist ebenso davon überzeugt, dass es in dieser Sekunde auf dieser Welt nichts Wichtigeres gibt als das, was er zu sagen hat. Trotzdem ist er nicht selbstgefällig und in seine eigene Stimme verliebt (was ja bei den meisten Moderatoren der Fall ist – aber hören darf man es nicht). Übrigens: Wenn Du dann eine echte Personality bist, kannst Du Dich zur richtigen Zeit, im richtigen Kontext und mit der richtigen Entschuldigung über jede oder alle diese Regeln hinwegsetzen, aber dann machst Du es bewusst und kannst erklären, warum. Oder wie Matthias Matuschik (Bayern 3) es auf den Lokalfunktagen 2011 formuliert hat. “Ich rede einfach so, wie mir der Schnabel gewachsen ist”, “Ich rede nicht, wie man es mir beigebracht hat. Wenn ich zurückdenke, sehe ich mich auf dem Schulhof stehen, mit Leuten um mich herum, die sich meine Geschichten angehört haben. Ich habe immer so gesprochen. Ich gehe nicht in den Sender und ändere plötzlich mein Verhalten, um ein Grinsbügel zu werden.“ Alle diese Regeln und mehr machen Dich aber nicht zur On-Air-Personality, wenn Du den einen essentiellen Schritt nicht gehst: Den Schritt aus dem Radioempfänger, Smartphone, Tablet, was auch immer, rein ins Leben Deines Hörers. 10 „Gebote“ für On-Air-Personalities 79

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Zusammenfassung

Die Zukunft des Radios in Zeiten digitaler Mitbewerber treibt alle Radiomacher um. Leider wird dabei häufig nur über den technischen Wandel gesprochen. Der inhaltliche Wandel ist aber mindestens genauso wichtig. Deshalb liefert Radio 4.0 Thesen und mögliche Zukunftsszenarien, aber auch Anregungen zur Gestaltung zukunftssicherer Radioprogramme. Radio 4.0 beschäftigt sich mit den technischen Veränderungen in den Übertragungswegen und deren Implikationen für Programmmacher. Darüber hinaus wird die Veränderung im Anbietermarkt durch neue Mitbewerber im Audiosegment, wie Streamingdiensten oder Podcastanbietern, analysiert und es werden Forecast-Szenarien für mögliche Veränderungen im Nutzerverhalten entwickelt. Auch die Herausforderung durch soziale Medien wird erörtert. Der Schwerpunkt liegt jedoch in der Bedeutung des Faktors Mensch für die weitere positive Entwicklung des Mediums Radio in der Zukunft. So liefert dieses Buch Argumente für eine größere Anstrengung, Radio durch Personalities unverwechselbar zu machen. Radio 4.0 will Mitarbeitern wie Verantwortlichen Mut machen, ausgetretene Pfade zu verlassen und das Radio zukunftsfähig zu gestalten.