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Timo S. Werner, First Ladies – Paarlauf im Amt in:

Lothar Bluhm, Thomas Müller-Schneider, Markus Schiefer Ferrari, Christoph Zuschlag (ed.)

"Das süße Wort: Ich liebe dich", page 365 - 384

Konstellationen der Liebe in Literatur, Kunst und Wissenschaft

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4258-8, ISBN online: 978-3-8288-7142-7, https://doi.org/10.5771/9783828871427-365

Series: LBKS - Landauer Beiträge zur Kultur- und Sozialgeschichte, vol. 2

Tectum, Baden-Baden
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365 First Ladies – Paarlauf im Amt Timo S. Werner Liebe ist gemeinhin keine Kategorie des Politischen und somit auch selten Gegenstand politikwissenschaftlicher Betrachtungen. In Nohlens Lexikon der Politik folgt auf den Eintrag Liberalismus ein Eintrag zur linearen Regression,1 den Terminus Liebe kennt das einschlägige Standardwerk nicht. Auch die (politische) Philosophie, die eine mitunter politikwissenschaftliche Theoriemüdigkeit zu heilen vermag, bietet hier kaum einen Rettungsanker. Liebe steht unweigerlich unter dem Verdacht, eine bloße emotionale Regung zu sein die – so ein zumindest häufig formulierter Anspruch – im von der Ratio geprägten politischen Betrieb keine Rolle zu spielen habe. Dass zumindest Teile der Politikwissenschaft unterdessen auch den Emotionen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung beimessen,2 sei hier nur am Rande erwähnt, ändert es doch am grundsätzlichen Tatbestand nichts, dass ein von Gefühlsregungen möglichst befreiter politischer Raum für erstrebenswert gehalten wird. Viel häufiger wird, um das Vernunftargument zu betonen, die Abwesenheit von Liebe betont. Regierungskoalitionen sind eben keine ‚Liebesheiraten‘, sondern ‚Vernunftehen‘, denen ein zäher Verhandlungsprozess vorausgeht. Liebe spielt im Rahmen dieser Betrachtung denn auch (nur) eine kontextuelle Rolle, sie kann hinzugedacht werden, mitunter lassen sich auf der Grundlage der Beobachtungen von Zeitgenossen und Chronisten auch Vermutungen anstellen, wie es um die Liebe in den hier beschriebenen Beziehungen bestellt war, sie ist aber nicht Hauptgegenstand dieser Ausführungen und kann es aus naheliegenden Gründen auch nicht sein. Im Zentrum dieses 1 Dieter Nohlen u.a. (Hrsg.): Lexikon der Politik. Band 7: Politische Begriffe. Frankfurt am Main 1999. 2 Zwei zentrale Kategorien bestimmen hierbei die Debatte: Angst und Enthusiasmus. Die Liebe ließe sich hier sicher der Emotions-Kategorie Enthusiasmus zuordnen. Vgl. hierfür insbesondere die wegweisenden Arbeiten von George E. Marcus. First Ladies – Paarlauf im Amt 366 Beitrages steht die Rolle der First Lady in den USA und die Frage, wie einzelne ‚Amtsinhaberinnen‘ diese Rolle interpretiert haben und ob sich daraus Idealtypen oder Muster ableiten lassen. Eine Beschäftigung mit den First Ladies der USA bietet sich insofern an, als die Rolle hier tief in der politischen Kultur3 verwurzelt ist und somit auch formelle und informelle Anknüpfungspunkte zum politischen System der USA bestehen, auf die noch näher einzugehen sein wird.4 Die Ausgestaltung eines politischen Systems wirkt sich eben auf die handelnden Protagonisten aus und dies reicht bis in die politische Kultur hinein und trifft somit auch ebenjene Akteure, die eine enge Beschreibung des politischen Systems gar nicht berücksichtigt. Anders formuliert: Die Zuschreibung, wer denn nun die Rolle der First Lady in einem Land übernimmt, ist in präsidentiellen Systemen eben wesentlich einfacher als dies in parlamentarischen Systemen der Fall ist. So ist der Terminus First Lady auch im Kontext des politischen Systems der Bundesrepublik durchaus gebräuchlich, es ist aber schon weit weniger klar oder abhängig vom historischen Kontext , mit wem er verbunden wird. So nehmen bisweilen sowohl die Gattin des Bundespräsidenten als auch die Gattin des Bundeskanzlers diese Rolle für sich in Anspruch – zumindest sofern es um repräsentative oder um Verpflichtungen im sozialen Kontext geht. Der historische Überblick auf der offiziellen Internetseite des Bundespräsidenten führt zumindest für alle bisherigen Amtsinhaber als auch für den aktuellen Bundespräsidenten eigene Artikel zu den jeweiligen Ehefrauen und deren Schwerpunktsetzungen auf. Und für Elke Büdenbender, die Ehefrau von Frank-Walter Steinmeier, lassen sich neben einem Lebenslauf sogar aktuelle Termine einsehen. Da dem Bundespräsidenten neben einigen staatsnotariellen aber hauptsächlich repräsentative Aufgaben zuwachsen, stellt sich die spannende Frage nach dem politischen Einfluss eben hauptsächlich für Ehefrau oder Ehemann des Bundeskanzlers beziehungsweise der Bundeskanzlerin. Immerhin haben häufig auch die Gattinnen5 der Bundeskanz- 3 Siehe allgemein Gabriel Almond und Sidney Verba: The Civic Culture. Political Attitudes and Democracy in Five Nations. Princeton 1963 u. ö.; dies.: The Civic Culture Revisited. Boston/Toronto 1980 u. ö. 4 Es sei dabei am Rande erwähnt, dass eine quasi oder de facto Ämterteilung durch ein Paar nicht exklusiv in der Sphäre der Politik vorkommt – man denke nur an die Aufgabenteilung in protestantischen Pfarrhäusern. 5 Joachim Sauer, der Ehemann von Bundeskanzlerin Merkel, hält sich öffentlich bewusst zurück und nimmt äußerst selten am sogenannten ‚Damenprogramm‘ bei Auslandsreisen der Bundeskanzlerin oder bei Staatsbesuchen teil. Seine öf- Timo S. Werner 367 ler repräsentative und karitative Aufgaben übernommen; es sei hier insbesondere an Loki Schmidt und Hannelore Kohl erinnert, letztere nahm zumindest zeitweise sicher in der Eigen-, aber auch in der Fremdwahrnehmung, die Rolle einer First Lady ein. Die Verbindung aus politischer Macht und Repräsentation, das Zusammenfallen der Funktion des Staatsoberhauptes und des Regierungschefs im Amt des amerikanischen Präsidenten sowie die lange Tradition und die damit einhergehende tiefe Verwurzelung in der politischen Kultur der USA verleihen dem ‚Amt‘ der First Lady in den USA allerdings eine ganz besondere Rolle und sprechen für seine Bedeutung. Dabei ist – so augenfällig er zunächst sein mag – der Amtscharakter der Position der First Lady auch in den USA keineswegs klar. 1. Die Rolle der First Lady im politischen System der USA Obwohl nur die wenigsten Einführungswerke zum politischen System der USA die Funktion der First Lady überhaupt erwähnen, ist, wie bereits angeschnitten, die Rolle doch tief in der politischen Kultur der USA verwurzelt und hat auch in wissenschaftlichen Untersuchungen ihren Niederschlag gefunden, von denen diese Ausführungen profitieren. Es ist umstritten, seit wann der Terminus First Lady in Gebrauch ist, so war von Martha Washington noch als „Lady Washington“ die Rede, in frühen Zeiten war auch die Anrede „Mrs. President“ gebräuchlich, aber bereits 1849 sprach der damalige Präsident Taylor über Dolley Madison, Ehefrau des vierten amerikanischen Präsidenten, von einer Frau, die über ein halbes Jahrhundert die First Lady der USA gewesen sei.6 Obwohl oder gerade weil keine formelle Jobbeschreibung existiert, sind die mit der Position verbundenen Ansprüche vielfältig und weitläufig: fentliche Zurückhaltung wird wohl auch daran deutlich, dass er erstmals bei Merkels vierter Wahl zur Bundeskanzlerin Gast auf der Besuchertribüne des Bundestages war. Aussagen zu seiner Rolle als Berater der Bundeskanzlerin bleiben relativ spekulativ, es gilt in Journalistenkreisen aber als ausgemacht, dass Angela Merkel Grundsatzfragen mit ihm bespricht. Die Süddeutsche Zeitung zählt ihn denn auch in politischen Fragen zum inneren Beraterkreis der Bundeskanzlerin: vgl. Die Gefährten der Kanzlerin, Süddeutsche Zeitung vom 17. März 2018. 6 Vgl. Ronald D. Gerste: Die First Ladies der USA: Von Martha Washington bis Hillary Clinton. Regensburg 2000, S. 11. First Ladies – Paarlauf im Amt 368 A first lady is supposed to be a spouse, a mother, a queen, a campaigner, a movie star, a model, an author, a lobbyist, a hostess, a do-gooder, an orator, a cheerleader, a crusader and a philosopher. She has to be loyal, genteel, sweet, upbeat, unflappable, savvy, eloquent, hip, glamorous, accessible, substantive, effective, independent yet deeply dependent, and traditional yet progressive. She has to avoid offending feminists and cultural conservatives, all the while playing to the great American middle.7 In formeller Hinsicht gibt es diesen „bekanntesten unbezahlten Job“ der USA nicht nur nicht, es stehen ihm in gewisser Hinsicht sogar explizite rechtliche Regelungen entgegen. So verbietet das Bundesrecht (U.S. Code) es Amtsinhabern ausdrücklich – um einer Vetternwirtschaft entgegenzuwirken –, Verwandte in politische Positionen zu heben oder zu beschäftigen: A public official may not appoint, employ, promote, advance, or advocate for appointment, employment, promotion, or advancement, in or to a civilian position in the agency in which he is serving or over which he exercises jurisdiction or control any individual who is a relative of the public official.8 Dem entgegen steht zumindest seit 1978 die rechtliche Verankerung von Haushaltsmitteln und die Einrichtung eines Mitarbeiterstabes für die Arbeit der First Lady. Der aktuelle französische Präsident, Emmanuel Macron, ist mit dem Vorhaben, Ähnliches für seine Première Dame, Brigitte Macron, durchzusetzen – ein Versprechen aus dem Wahlkampf –, gerade gescheitert. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass Rolle und Funktion der First Lady im besonderen Maße von der Persönlichkeit und den (historischen) äußeren Umständen abhängig sind. Es wird noch näher darauf einzugehen sein, wie einzelne Amtsinhaberinnen Rolle und Funktion der First Lady der USA beeinflusst haben. Natürlich – auch wenn dies nicht explizit Gegenstand dieser Betrachtung ist, aber für eine Untersuchung durchaus lohnenswert wäre – spiegelt das Amtsverständnis der First Ladies ganz grundsätzlich auch Rolle und Position der Frau in 7 Gil Troy: Mr. and Mrs. President? The rise and fall of the co-presidency. In: The Social Science Journal 37 (2000), H. 4, S. 598. 8 U.S. Code, Title 5, Part III, Subpart B, Chapter 31, Subchapter I, § 3110. Timo S. Werner 369 der amerikanischen Gesellschaft wider.9 Die offensichtlichste und gleichzeitig am schwierigsten einzuschätzende Rolle ist indes diejenige, die die First Lady auf der informellen Ebene einnimmt. So gibt es, insbesondere in der Perspektive des Rückblicks, Äußerungen amerikanischer Präsidenten über die Rolle ihrer Partnerinnen auf der Hinterbühne: Präsident Truman wies seiner Frau Beth, die sich öffentlich immer im Hintergrund gehalten hatte, retrospektiv etwa eine durchaus gewichtige Rolle als politische Beraterin in schwierigen Zeiten zu: Bess was a full partner in all my transactions – politically and otherwise – whether to fight in Korea, whether to use the atom bomb, whether to initiate the Marshall Plan to rebuild a shattered Europe.10 Ein offener Umgang mit dem politischen Einfluss der First Lady während der Präsidentschaft oder sogar bereits im Vorfeld, wie dies bei Bill und Hillary Clinton der Fall war und von Bill Clinton auch im Wahlkampf entsprechend angekündigt wurde: „If I get elected president, it will be an unprecedented partnership, far more than Franklin Roosevelt and Eleanor“,11 ist allerdings äußerst selten und trägt sicher auch dem Umstand Rechnung, dass selbst in den engsten dieser Tandems nur einer der beiden über eine Legitimation durch eine Wahl verfügt. Der Frage, welche Rolle die First Lady im Kontext der Wahl spielt und ob sich daraus nicht doch eine Art Legitimation ableiten lässt, soll noch nachgegangen werden. Das zu vermutende mediale Echo, entstünde der Eindruck, ein gewählter Amtsinhaber werde, an welchen Strippen auch immer, von seiner First Lady durch die Manege gezogen, dürfte indes stets eher negativ ausfallen. Zwar ist die First Lady nicht die einzige Beraterin des Präsidenten, die nicht über eine Legitimation durch eine Wahl verfügt, dies gilt beispielsweise auch für wichtige, stärker institutionalisierte Ämter wie dem des nationalen Sicherheitsberaters dieser bedarf allerdings immerhin der Zustimmung des Kongresses , es bleibt aber doch immer die Präsidentschaft des gewählten Amtsinhabers. Insofern läuft jedweder politische Einfluss, reicht er über den bloßen Rat hinaus, Gefahr, sich Legitimationsdebatten auszusetzen. Politische Richtungsentscheidungen sol- 9 Vgl. dazu: Jill Abraham Hummer: First Ladies and American Women: In politics and at home. Lawrence, Kansas 2017. 10 Zit. nach: Marianne Hansen Means: The woman in the White House; the lives, times and influence of twelve notable first ladies. New York 1963, S. 217. 11 Zit. nach: Troy, Mr. and Mrs. President?, S. 591. First Ladies – Paarlauf im Amt 370 len, der Demokratievorstellung repräsentativer Demokratien folgend, von denjenigen getroffen werden, die hierfür in ein bestimmtes Amt gewählt wurden und die durch Amtsenthebung oder die unterbleibende Wiederwahl auch entsprechend sanktioniert werden können. Obwohl also schwer einzuschätzen, bleibt das persönliche Gespräch mit dem Präsidenten und der damit verbundene unmittelbare Einfluss unweigerlich die wichtigste politische ‚Funktion‘ einer First Lady, soweit ihr nicht explizit politische Ämter und Aufgaben übertragen werden, was, wie bereits erwähnt, im Rechtssystem der USA auf juristische Schwierigkeiten stößt, trotzdem aber nicht ohne entsprechende Präzedenzfälle ist. Gleichwohl gilt es, sich insbesondere ins Gedächtnis zu rufen, welche auch zeitlichen Anforderungen ein solches politisches Spitzenamt an den jeweiligen Amtsinhaber stellt. Wer es ins direkte Umfeld eines viel gefragten Spitzenpolitikers schafft, genießt fast zwangsläufig Einfluss und dieser wächst mitunter noch für einen Berater aus der Familie, wenn sich der gewählte Amtsinhaber nicht sicher sein kann, wem in seinem – nach einer Wahl – neuen Umfeld er tatsächlich vertrauen kann. Robert Dahl hatte bereits 1961 darauf aufmerksam gemacht, dass gerade der indirekte Einfluss auf politische Akteure, wenngleich schwer messbar, bei der Beantwortung der Frage, wer regiert, nicht übersehen werden darf.12 Der quasi unlimitierte Zugang zu einem der wichtigsten Entscheidungsträger der Welt wird dabei zu einem eigenen politischen Einflussfaktor, der wächst, wenn man auch noch über das (familiäre) Grundvertrauen des Amtsinhabers verfügt. Unter dem 45. Präsidenten der USA, Donald Trump, haben insbesondere seine Tochter Ivanka und deren Ehemann Jared Kushner offensichtlich diese einflussreiche Position übernommen.13 Die andere, offenkundige Rolle der First Lady ist mit den repräsentativen Pflichten des amerikanischen Präsidenten verbunden. Die Verbindung aus Regierungschef und Staatsoberhaupt, deren Dimension vielleicht besonders deutlich wird, wenn man sich Beispiele wie Deutschland mit Bundespräsident und Bundeskanzlerin oder England mit Premierministerin und Königin anschaut, bei denen die beiden Aufgabenbereiche quasi getrennt und von unterschiedlichen Figuren behandelt werden, bringt eine Fülle an zeremoniellen Akten und symbolischen Handlungen 12 Robert Alan Dahl: Who governs? Democracy and power in an American city. New Haven [u.a.] 1961. 13 Vgl. Michael Wolff: Fire and Fury: Inside the Trump White House. London 2018, S. 66ff. Timo S. Werner 371 mit sich, in die eine First Lady gemeinsam mit dem Präsidenten involviert ist oder welche sie, an seiner Stelle, alleine übernimmt. Hinzu kommt im Fall der USA die in der politischen Kultur des Landes verankerte Vorstellung einer ‚first family‘, wofür sich eher in aristokratisch geprägten Kulturen – im Sinne einer royal family – Entsprechungen finden lassen. Es sind letztlich diese beiden Dimensionen, politischer Einfluss und Repräsentation, die die Achsen zur Beschreibung von Idealtypen des Amtes einer First Lady bilden. Die beschriebenen Typen der aristokratisch-repräsentativen14 oder politischen First Lady sind Idealtypen im Sinne Max Webers; bei bewusster Reduktion der empirischen Realität stellen die vorgestellten Typen ausgewählte und auf den entsprechenden Sinnzusammenhang reduzierte Näherungen dar. Jede der beschriebenen Damen weist Aspekte sowohl des politischen als auch des aristokratischen Typus auf, gleichwohl lassen sich klare Tendenzen zum einen oder zum anderen Pol hin feststellen. Zuvor soll in der allgemeinen Rollenbeschreibung aber noch ein Gesichtspunkt aufgegriffen werden, der, zumindest für alle First Ladies der Neuzeit, eine wichtige Funktion darstellt und Repräsentation und Politik wie unter einem Brennglas verbindet: die Rolle der First Lady im Wahlkampf. Auch wenn in der europäischen Politikwissenschaft der Topos der Amerikanisierung geläufig ist und in Untersuchungen immer wieder aufgegriffen wird (dabei geht es zumeist um Fragen der Entertainisierung, Personalisierung oder ganz allgemein der Professionalisierung von Politik im Allgemeinen und um die Amerikanisierung des kommunikativen Extremfalls, des Wahlkampfes im Besonderen), muss bei allen empirisch auffindbaren Veränderungen und Similaritäten im deutschen oder europäischen Kontext die Besonderheit amerikanischer Wahlkämpfe festgehalten werden. Wahlkämpfe sind ganz grundsätzlich geprägt vom politischen System und von der politischen Kultur eines Landes, was für komparative Ansätze immer eine Herausforderung darstellt, wenn man beispielsweise einen Bundestagswahlkampf, bei dem trotz wahrnehmbarer Spitzenkandidaten der Parteien, Abgeordnete eines Parlaments gewählt werden, mit einem Präsidentschaftswahlkampf wie dem in den USA vergleichen will. Für die vorliegende Betrachtung genügt allerdings ein holzschnittartiger Blick auf zwei wesentliche Unterschiede: Durch die in den USA abgehaltenen Vorwahlen (Primaries) sind Wahlkämpfe Veranstaltungen von geradezu epischer Länge. Zunächst müssen sich in- 14 Im Folgenden wird nur noch der Terminus aristokratisch verwendet. First Ladies – Paarlauf im Amt 372 nerhalb der beiden dominierenden Parteilager aus Demokraten und Republikanern – für diesen Vorgang ist auch die programmatisch und hinsichtlich des Organisationsgrades ganz andere Struktur der US-amerikanischen Parteien zu berücksichtigen – erfolgreiche Kandidaten gegen eine Vielzahl parteiinterner Mitbewerber durchsetzen, um die Nominierung der eigenen Partei zu erhalten. Das Magazin The Atlantic zählte für die letzte Wahl zwischen der offiziellen Kandidatur des Republikaners Ted Cruz und der tatsächlichen Präsidentschaftswahl 597 Tage.15 Ein zweiter signifikanter Unterschied, der freilich mit der enormen Kampagnendauer in Verbindung steht, sind die aufgewendeten finanziellen Ressourcen. Auch wenn unterschiedliche Zahlen zur Kampagne 2016 für die beiden Protagonisten Hillary Clinton und Donald J. Trump kursieren, lassen sich doch, auch mit Blick auf die Zahlen, die für die beiden Obama-Wahlkämpfe existieren, Näherungswerte angeben, wonach das Clinton-Lager etwa 1,4 Milliarden US-Dollar und das Trump-Lager etwa 950 Millionen ausgegeben haben. Der große zeitliche Rahmen und die aufgewendeten finanziellen Mittel sind die kontextuellen Bindungen eines Wahlkampfes, der hinsichtlich Opulenz und Tiefe (zumindest auf persönlicher Ebene) weit über das hinausreicht, was wir in Europa, auch in präsidentiellen Systemen wie in Frankreich, gewohnt sind. Dies wäre allerdings eine deutlich unterkomplexe Beschreibung würde man die Verwurzelung des Interesses an der First Lady innerhalb der politischen Kultur der USA außer Acht lassen. Die Intensität, mit der Bewerberinnen und Bewerber, bereits in den Vorwahlen, ausgeleuchtet werden, bringt es geradezu unweigerlich mit sich, dass auch die jeweiligen Familien und insbesondere die Partner in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. So wird die Partnerin eines Präsidentschaftskandidaten fast zwangsläufig zu einem zweiten, vielleicht sogar bedeutenderen Running Mate, ein Begriff der eigentlich den jeweiligen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft bezeichnet. Politics as practiced in this country is family business. […] In an effort to reach out to voters’ emotions, family members were cast in key roles in America’s election pageant. The image of the family – even in a fifteen-second video clip or sound bite – carries what candidates, es- 15 Cruz erklärte seine Kandidatur für die traditionell im November stattfindende Wahl 2016 im März 2015 und warf damit als erster seinen Hut in den Ring. Donald Trump erklärte seine Kandidatur am 16. Juni 2015. Timo S. Werner 373 pecially presidential contenders, like to think a potent message about themselves.16 Für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute lässt sich dabei sicher bis auf die Ausnahme Clinton die Rolleneinschätzung von Grimes hinsichtlich der Funktion im Wahlkampf auf alle First Ladies übertragen. Bill Clinton hatte mit dem Slogan, wonach die Wähler zwei für den Preis von einem bekämen, bereits im Wahlkampf die politische Rolle Hillarys deutlich gemacht.17 Nimmt die First Lady allerdings nicht bereits im Wahlkampf die Rolle eines politischen Co-Kandidaten ein, fällt es ihr und der Familie zu, den Menschen hinter dem Kandidaten und damit häufig auch dessen emotionale, zugewandte Seite (möglichst) glaubhaft zu beleuchten und hervorzuheben. Ältere Wahlkampfspots aus der Reaganund Bush-Vater-Zeit zeigen, dass es sich dabei keineswegs um eine Entwicklung unserer Tage handelt.18 So wird ein Spot aus der Kampagne von 1988 ganz von Barbara Bush gesprochen; im Bild zu sehen ist neben Barbara Bush der Kandidat im Kreise seiner Familie und seiner Freunde. Eingeleitet wird der Spot mit den Worten von Barbara Bush: „I wish people could see him as I see him“. Die Aufgabe, den Ehemann im Rahmen des Nominierungsparteitages anzupreisen, seine guten Charaktereigenschaften herauszustreichen und ihn, nach den mitunter heftigen parteiinternen Auseinandersetzungen des Vorwahlkampfes, in einem weicheren, wärmeren Licht erscheinen zu lassen, hat innerhalb der Demokraten eine Tradition, die bis Eleanor Roosevelt zurückreicht, die 1940 als erste First Lady auf einem Nominierungsparteitag zu den Delegierten sprach. Eine Rolle, die Bill Clinton ebenso für seine Frau im Wahlkampf 2016 übernehmen sollte. Die Republikaner nahmen diese Tradition erst mit der Kandidatur Richard Nixons und der Rede Pat Nixons 1972 auf. Wie genau diese Ansprachen heute öffentlich wahrgenommen werden und welche Bedeutung ihnen dabei zugeschrieben wird, zeigt der Fall Melania Trump, der man vorwarf, für ihre Rede auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner 2016 Passagen aus Michelle Obamas Rede auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten 2008 plagiiert zu haben. Die kurzen Passagen weisen dabei zwar erstaunliche Ähnlichkeiten in Formulierung und Konstruktion auf, im Nachhinein und für den Kontext 16 Ann Grimes: Running Mates: The Making of a First Lady. New York 1990, S. 15. 17 Vgl. Troy, Mr. and Mrs. President?, S. 591. 18 Die Spots sind im Original über YouTube gut zugänglich. First Ladies – Paarlauf im Amt 374 dieser Ausführungen erscheint aber eher ihre Austauschbarkeit von Bedeutung. Es werden dabei Werte wie Anstand, Moral und Respekt adressiert und als Bestandteil der Kindererziehung benannt und dabei freilich implizit auch dem Kandidaten zugeschrieben wie sonst könnte er diese Werte weitergeben, die, bei aller Bedeutung, natürlich ihren Charakter als Allgemeinplätze nicht verbergen können. Mitunter, dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das Team von Präsident und First Lady sich um eine Wiederwahl bewirbt, wird die First Lady selbst zum Argument für eine zweite Amtszeit. Besonders illustrativ ist hierfür das Beispiel Betty Fords und der „Bettys Husband for President“-Buttons, die Teil des Wahlkampfes 1976 waren. Es ist aber fraglos immer auch abhängig von der Persönlichkeit und der persönlichen Lebensplanung, ob aus einer (eingeforderten) Unterstützung im Wahlkampf eine Quasi-Kandidatur für das Amt der First Lady wird, bedeutet der politische Aufstieg des Partners für die ja in der Regel aus Kreisen der höheren Mittel- und Oberschicht stammenden Familienmitglieder eher einen kalkulierbaren Verlust an Lebensqualität – dies mag auch Barbara Bushs Zurückhaltung erklären, Ehefrau des 41. Präsidenten der USA, wenn sie über ihre Zeit im Präsidentschaftswahlkampf und ihre eigenen Ambitionen spricht: I haven’t really wanted this for so long. At all. I couldn’t have cared less, really as far as for myself, honestly. 19 Wenn aus dem Paarlauf ins Amt trotz der mitunter unterschiedlichen Ambitionen ein Paarlauf im Amt geworden ist, lassen sich, wie erwähnt, zwei grundsätzlich unterscheidbare Idealtypen, die freilich in der historischen Realität in Mischtypen und Schattierungen ihre Entsprechung finden, unterscheiden, die aristokratische und die politische First Lady. 2. Die aristokratische First Lady Die aristokratische First Lady konzentriert sich ganz auf die repräsentativen Aufgaben. Wenn Sie sich politischen Themen zuwendet, tut sie dies in der Regel monothematisch. Sie legt ihren Arbeitsschwerpunkt auf die Umgestaltung bzw. Einrichtung des Weißen Hauses, eine in der historischen Betrachtung durchaus beliebte Tätigkeit, kümmert sich um die 19 Zit. nach: Grimes, Running Mates, S. 14. Timo S. Werner 375 Familie, fungiert als Gastgeberin bei Empfängen und nimmt sich, wenn überhaupt, unverfänglicher, der sogenannten weichen politischen Themen an. Unverfängliche Themen in diesem Sinn sind Themen, die man einem sehr tradierten Rollenverständnis nach Frauen zuordnet oder zugeordnet hat. Die Themen werden in einer Art und Weise aufgegriffen, dass sie nur in einem weiten Sinne als politisch verstanden werden können. Es werden beispielsweise Ratschläge formuliert, wie sich die Lesekompetenz oder der Einsatz von gesunden Lebensmitteln steigern ließen. Die First Lady tritt dabei aber nicht aktiv innerhalb des politischen Prozesses für die Umsetzung dieser Ziele ein. Sie verursacht innerhalb der politischen Arena weder Ärger – im Sinne von (parteipolitischen) Konflikten noch organisiert sie aktiv politische Mehrheiten. Seine historische Entsprechung findet dieser Idealtyp in Jacqueline „Jackie“ Lee Bouvier Kennedy, der Ehefrau des 35. Präsidenten der USA. Mit ihr verbindet sich insofern eine Zeitenwende, als das aufziehende Medienzeitalter auch für die First Lady einen erhöhten Grad der Beobachtung mit sich brachte. Jackie ist die drittjüngste First Lady und bringt zwischen der Wahl John F. Kennedys und seiner Inauguration ein Kind zur Welt – ins Weiße Haus zieht also kein ‚first couple‘, sondern eine ‚first family‘. Die Zuschreibung aristokratisch trifft für die 1000 Tage im Weißen Haus von Jackie Kennedy wohl in besonderem Maße zu, spricht sie doch selbst, insbesondere nach der Ermordung ihres Mannes, immer wieder vom Mythos Camelot, um ihre Zeit im Weißen Haus zu charakterisieren. Jackie konzentriert sich als First Lady auf repräsentative Aufgaben, allerdings wenig bis gar nicht im karitativen Kontext, sie wird zum Rollenmodell einer ganzen Generation und zur Stilikone, widmet sich der Renovierung und Umgestaltung des Weißen Hauses und tritt öffentlich für die Förderung der Kunst ein.20 Das Ergebnis der umfassenden Renovierungs- und Erneuerungsarbeiten im Weißen Haus wurde der amerikanischen und der Weltöffentlichkeit in einem einstündigen Film vorgestellt, mit dem Titel: A Tour of the White House with Mrs. John F. Kennedy (sic!), den bei Ausstrahlung 75 Prozent der Amerikaner sahen und der in weiteren 106 Ländern ausgestrahlt wurde.21 Die First Lady formulierte ihre Zielsetzung für den Erneuerungsprozess folgenderma- ßen: Das Weiße Haus sollte zu einem „showcase of American art and his- 20 Vgl. Gerste, Die First Ladies der USA, S. 306 ff. 21 Vgl. hierfür: Barbara A. Perry: The First Family. In: Selverstone, Marc J. (Hrsg.): A Companion to John F. Kennedy. Hoboken 2014, S. 80f. First Ladies – Paarlauf im Amt 376 tory“ werden. Jackie Kennedy ist für ihre festlichen Einladungen bekannt und unter ihr halten sowohl Haute Couture als auch Haute Cuisine Einzug ins Weiße Haus. Der Glamourfaktor des Paares und der tragische historische Verlauf mag dazu beigetragen haben, dass im Fall der Kennedys Aspekte der Paarbeziehung, der Liebe im Amt, zumindest in der historischen Nachbetrachtung, eine erhebliche Rolle gespielt haben. Am bekanntesten hierbei sind wohl die Veröffentlichungen des investigativen Journalisten Simon Hersh, The Dark Side of Camelot, der darin nicht nur ausführlich über die Affären des Präsidenten und das Verhältnis zu seiner Frau schreibt, sondern den Kennedys auch eine Nähe zur Mafia unterstellt.22 Die Bedeutung Jackie Kennedys als Stilikone der 60er Jahre ist bis heute ungebrochen und auch wenn uns das Rollenbild, sich auf Empfänge, Kunst und die Renovierung des Weißen Hauses zu konzentrieren, aus heutiger Sicht als altbacken und wenig emanzipiert erscheinen muss, sollte nicht übersehen werden, dass es sich bei den Veränderungen im Weißen Haus um weit mehr als um eine Veränderung der Dekoration handelte und dass Jackie Kennedy in ihrer Zeit, in der die großen gesellschaftliche Veränderungsprozesse der 68er allenfalls vage am Horizont erkennbar waren, tatsächlich für das Bild einer modernen Frau stand. Das Rollenverständnis, mit dem sie ihre Tage im Weißen Haus bestritt, war gleichwohl eines, welches sich, einem aristokratischen Verständnis der Rolle folgend, den Unbill des politischen Alltagsgeschäftes entzog. Die Historikerin Sarah Bradfords betitelt ihre Jackie-Biografie denn auch America’s Queen: The Life of Jacqueline Kennedy Onassis (2000). Eine andere First Lady, die sich dem Idealtyp der aristokratischen First Lady zuordnen lässt, hat auf den ersten Blick mit Jackie Kennedy wenig gemeinsam – Barbara Busch, Ehefrau des 41. Präsidenten der USA. Sie ist in ihrer äußerlichen Erscheinung als Quasi-Großmutter Amerikas eine Art Gegenentwurf zu Jackie Kennedy und auch zu ihrer Vorgängerin Nancy Reagan. Neben den Repräsentationspflichten einer First Lady nimmt sich Barbara Busch des Kampfs gegen den Analphabetismus an. Ein Thema, das sie ganz bewusst wählt, da sie dahinter keine parteipolitischen Kontroversen vermutet und die damit verbundenen Kosten, erwartbar ein Auslöser für politische Kontroversen, sich aus ihrer Sicht in Grenzen halten. Teil ihrer Arbeit ist es denn auch, selbst bei Sponsoren für die notwendigen finanziellen Mittel zu werben. Eben nicht im politi- 22 Vgl. für einen guten Literaturüberblick zu Jackie Kennedy: Perry, The First Family, S. 78ff. Timo S. Werner 377 schen Feld der Gesetzgebung, sondern unter den wohlhabenden Mitgliedern des eigenen Freundeskreises und der Washingtoner Gesellschaft. Barbara Busch war bereits im Wahlkampf, als Frau des damaligen Vizepräsidenten, darauf bedacht, sich nicht zu politischen Fragen zu äußern, sondern, wie oben gezeigt, deutlich zu machen, was ihren Mann auch in emotionaler Hinsicht für das angestrebte Amt qualifiziert.23 Neben dieser persönlichen Festlegung auf eine quasi unpolitische Rolle dürfte für die Wahrnehmung Barbara Bushs als aristokratische First Lady auch der Umstand eine Rolle spielen, dass sie zum Amtsantritt ihres Mannes 1989 bereits Mitte 60 ist. So findet sich in der Literatur auch immer wieder die Beschreibung einer Großmutter der Nation, zu der sicher die selbst gewählte politische Zurückhaltung beigetragen hat. Ihr auf politische Zurückhaltung bedachtes Rollenverständnis einer First Lady wird auch darin deutlich, dass sie innerhalb der vier Jahre im Weißen Haus ihr Büro nicht möglichst nahe ans Machtzentrum, dem West Wing, verlegt wissen wollte, sondern für Besprechungen am liebsten ihre private Räume nutzte und versuchte, selbst ihren eigenen Mitarbeitern, wie sie es nannte, möglichst wenig im Weg zu sein.24 3. Die politische First Lady Für den anderen Idealtypen, die politische First Lady,25 findet sich in der Literatur auch der Titel einer „Co-Presidency“.26 Innerhalb dieser Rolle spielt die First Lady auch öffentlich einen aktiven politischen Part, verfolgt also über ihre repräsentativen Funktionen hinaus, die freilich bestehen bleiben, politische Einzelvorhaben und treibt diese auch innerhalb der politischen Arena selbst voran und tritt dabei als politischer Akteur offen in Erscheinung. Auch wenn sich für diesen Idealtypus erstaunliche 23 Vgl. Grimes, Running Mates, S. 44f. 24 Vgl. Anthony J. Eksterowicz/Kristen Paynter: The Evolution of the Role and Office of the First Lady: The Movement Toward Integration with the White House Office. In: The Social Science Journal 37 (2000), Nr. 4, S. 556f. 25 Diese Zuschreibung findet sich in verschiedenen Texten zur Rolle der First Lady, so z.B. bei: Karen O’Connor u.a.: Wives in the White House: The Political Influence of First Ladies. In: Presidential Studies Quaterly 26 (1996), Nr. 3. 26 Vgl. Troy, Mr. and Mrs. President? First Ladies – Paarlauf im Amt 378 historische Beispiele finden lassen,27 dürfte in der fiktionalen Figur der Claire Underwood, in der US-amerikanischen Fassung von House of Cards die Gattin des Präsidenten Frank Underwood, eine idealtypische Zeichnung einer politischen First Lady zu finden sein. Dies reicht in der Fiktion soweit, dass Claire im Verlauf der Serie Vizepräsidentschaftskandidatin ihres Mannes wird und schließlich von ihm („My turn“) das Amt übernimmt und erste Präsidentin der USA wird. Innerhalb der Serie ist dabei wunderbar ein Wandlungsprozess zu beobachten, der einen Aspekt berührt, der uns bereits beschäftigt hat, die informelle und formelle Rolle der First Lady. Die Underwoods fungieren von Beginn der Serie an als politisches Team! Allerdings fungiert Claire Underwood in den ersten Staffeln als wichtigste politische Beraterin ihres Mannes verdeckt, auf der politischen Hinterbühne. Im weiteren Verlauf der Serie übernimmt sie politische Ämter, wie das einer Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Gewisse Parallelen zum Ehepaar Clinton innerhalb der Serie und in der Entwicklung der Figuren sind dabei augenfällig. Zunächst soll uns aber eine andere, vielleicht in ihrer politischen Wirkung etwas in Vergessenheit geratene First Lady, Eleanor Roosevelt, beschäftigen. Eleanor Roosevelt, First Lady von Franklin D. Roosevelt, Präsident der USA zwischen 1933 und 1945,28 ist in einer Zeit First Lady, die von einem konservativen Frauenbild dominiert und von einer medialen Öffentlichkeit geprägt ist, die so ganz verschieden von der unserer Tage ist. Weiten Teilen der damaligen Öffentlichkeit blieb verborgen, dass sie von einem auf den Rollstuhl angewiesenen Präsidenten regiert wurden, Bilder vom Präsidenten im Rollstuhl waren ebenso tabu, wie die Veröffentlichung des Umstandes, dass die Beziehung zwischen Präsident und First Lady längst mehr Arbeits-, denn Liebesbeziehung war.29 Auch wenn Eleanor Roosevelt in jungen Jahren nicht besonders politisch war, ihre Politisierung erfolgt wohl in den 1920er Jahren,30 hatte sie sich doch bereits vor der Präsidentschaft ihres Mannes für Frauenrechte engagiert und war Teil der Suffragetten-Bewegung, die sich seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts für das Frauenwahlrecht einsetzte, sowie Mitglied der Frau- 27 Neben den hier aufgeführten Beispielen ließen sich selbstverständlich weitere wie Betty Ford oder Rosalynn Carter nennen. 28 Der 22. Zusatzartikel zur Verfassung der USA, der die Amtszeit auf maximal zwei Amtsperioden begrenzt, trat erst 1951 in Kraft. 29 Vgl. Betty Boyd Caroli: First Ladies: From Martha Washington to Michelle Obama. Oxford 2010, S. 192. 30 Ebd. Timo S. Werner 379 enliga.31 Mit Eleanor Roosevelt wechselte eine aktive Politikerin, die im Zentrum eines Netzwerks von Aktivisten für Frauenrechte stand und durch eigene Kolumnen über gute Kontakte in die Medienwelt verfügte, in die Rolle der First Lady und ins Weiße Haus. Erste Erfahrungen im Umfeld der Politik hatte sie als Nichte des 26. Präsidenten der USA, Theodore Roosevelt, bereits in jungen Jahren bei regelmäßigen Besuchen in Washington gesammelt. Während der Präsidentschaft Franklin D. Roosevelts wird seine Frau Auge und Ohr ihres gehandicapten Mannes. In Zeiten der großen Depression fährt sie durchs Land, um sich ein ungeschminktes Bild von den gesellschaftlichen Verhältnissen zu machen. Sie legt dabei in den ersten sieben Jahren der Präsidentschaft mehr als 400.000 km quer durch die Vereinigten Staaten zurück, taucht unangemeldet in Kindergärten, Slums, Fabriken und Gefängnissen auf. Ihre Eindrücke schildert sie in einer regelmäßigen Zeitungskolumne mit dem Titel My Day. Diese erscheint zunächst in 40, ab 1940 in 135 Zeitungen in einem fast täglichen Rhythmus: „More than any first lady in the 20th century, she understood the value of an effective speech, good press relations, and a column in the newspaper“.32 In den zwölf Jahren der Präsidentschaft gibt sie als First Lady fast 400 Pressekonferenzen, hält Radioansprachen und, gegen Honorar, das sie weitgehend spendet, Vorträge im ganzen Land; sie schreibt und veröffentlicht neun Bücher. Neben den gesellschaftlichen und politischen Rechten der Frauen setzte sie sich auch für die Bürgerrechte der Schwarzen ein, was ihr nicht nur Zustimmung eintrug. Eleanor Roosevelts Engagement ist in einem tiefen Sinne politisch. Sie nutzt für die Umsetzung ihrer Ziele, beispielsweise den Anteil von Frauen auf öffentlichen Verwaltungsstellen zu erhöhen, alle ihr zur Verfügung stehenden öffentlichen und informellen Kanäle. Trotz dieser öffentlichen politischen Rolle es ist wenig verwunderlich, dass mit ihr, wie bereits erwähnt, die Tradition einer Rede der First Lady auf den Nominierungsparteitagen beginnt achtet sie darauf, nicht den Eindruck zu erwecken, sie beeinflusse ihren Mann, um ihre politischen Ziele durchzusetzen; allerdings beansprucht sie auch für sich, nicht von ihm beeinflusst zu werden.33 Im Jahr 1941 wird sie stellvertretende Direktorin 31 Vgl. für einen guten Überblick zu ihrem politischen Engagement: Hummer, First Ladies and American Women, S. 17ff. 32 Myra Gutin: Using all available means of persuasion: the twentieth century first lady as public communicator. In: The Social Science Journal 37 (2000), Nr. 4, S. 569. 33 Vgl. Caroli, First Ladies, S. 196. First Ladies – Paarlauf im Amt 380 des Büros für zivile Verteidigung und somit erste First Lady in einem Amt, das der Zustimmung des Präsidenten bedarf, ein Engagement das sie allerdings bereits nach fünf Monaten wieder aufgibt.34 Sie bleibt aber selbst über die Präsidentschaft Franklin D. Roosevelts hinaus politisch aktiv und wird auf Vorschlag von Präsident Truman Mitglied der amerikanischen Delegation bei den Vereinten Nationen, wo sie intensiv an der Formulierung der Menschenrechtscharta mitwirkt. Am Beispiel von Nancy Reagan, First Lady des 40. Präsidenten der Vereinigten Staaten, lässt sich deutlich machen, dass auch First Ladies die sich nicht derart, wie die den Typus prägende Eleanor Roosevelt, engagieren, zu den politischen First Ladies gerechnet werden können. Nancy Reagan wird zumindest öffentlich in die Rolle einer politischen First Lady geschoben. Auch sie hatte sich einer Umgestaltung des Weißen Hauses angenommen und war über einen exquisiten Kleidungsstil und eine Reise zur Trauung des englischen Thronfolgers in die Kritik geraten. Sie findet ihr politisches Thema in der Bekämpfung von Drogen und einer landesweiten Anti-Drogen-Kampagne, Just say No! Es ist die Intensität, mit der sich Nancy Reagan dieses Themas annimmt, die sie von anderen First Ladies, wie Barbara Bush, die sich auch eines sozialen Themas widmeten, hinsichtlich der politischen Dimension unterscheidet. Nancy Reagan hält Konferenzen ab, bereist andere Länder, um auf die Problematik aufmerksam zu machen und spricht schließlich als erste First Lady vor den Vereinten Nationen. Nancy Reagan lässt sich aber auch gut in die Kategorie der politischen First Lady verorten, weil bei ihr, wie bei kaum einer anderen First Lady, bekannt ist, welchen Einfluss sie auf informeller Ebene im Weißen Haus ausübte. Die Chronisten sind sich dabei weitgehend einig, dass sie dies nicht in der Verfolgung eigener politischer Ziele tat, sondern um ihren Mann zu unterstützen.35 Dabei nahm sie allerdings direkten Einfluss auf Personalentscheidungen und soll für ihren Mann als Überbringerin schlechter Botschaften fungiert haben. Wenn Eleanor Roosevelt die Rolle der politischen First Lady geprägt hat, so hat diesen Typus wohl keine Frau ausgefüllt wie Hillary Clinton. Es wurde schon darauf verwiesen, dass die Politisierung des Amtes der First Lady durch die Clintons bereits Bestandteil des Wahlkampfes 1992 war und in der Aussage Bill Clintons mündete, die Wähler bekämen 34 Vgl. Hummer, First Ladies and American Women, S. 25. 35 Vgl. Eksterowicz/Paynter, The Evolution of the Role and Office of the First Lady, S. 556. Timo S. Werner 381 „two at the price of one“. Der Umstand, dass diese Aussage sich in den Umfragewerten nicht positiv niederschlug und sich die Werte erst wieder stabilisierten, als Hillary Clinton öffentlich stärker in der Rolle der treusorgenden Ehefrau auftrat und nicht der des politischen Akteurs, verdeutlicht aber vielleicht auch die Grenzen des Politisierungsgrades des Amtes der First Lady.36 Trotz dieser ersten öffentlichen Zurückweisung, die auch nicht überschätzt werden sollte, Clinton wird trotz oder wegen der mehrfachen Ankündigung einer engen politischen Zusammenarbeit mit seiner Frau, mit deutlichem Abstand zum Amtsinhaber Bush zum Präsidenten gewählt, ist Hillary Clinton vom ersten Tag im Amt eine politische First Lady. Sie wirkt von Beginn an politisch innerhalb der Clinton-Administration und übernimmt den Vorsitz einer Taskforce, die innerhalb der Regierung eine Gesundheitsreform erarbeiten soll. Sie arbeitet dabei an Kampagnen mit und tritt in den entsprechenden Ausschüssen und Komitees des Kongresses auf, die teilweise landesweit im Fernsehen übertragen werden. Die politische Aushandlung dieses in den USA hoch sensiblen Themas37 wird nicht von der First Lady begleitet oder emotional gerahmt – Hillary Clinton dominiert diesen Prozess. Wie nie zuvor wird eine politische First Lady zu einer Co-Präsidentin, ein Umstand der nicht nur für öffentliche Kritik sorgte, sondern zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung führte, bei der geklärt wurde, ob Hillary Clinton eine Angestellte der Regierung sei, was das Gericht, trotz des Bobby-Kennedy-Gesetzes,38 mit dem Verweis bejahte, dass es eine lange Tradition der öffentlichen Tätigkeit der First Lady gebe. Auch auf symbolischer Ebene und hinsichtlich der internen Abläufe innerhalb des Weißen Hauses findet unter Hillary Clinton eine gravierende Veränderung statt: Das Büro der First Lady zieht in den West Wing des Weißen Hauses und somit in dessen politisches Epizentrum. Es ist aber eben nicht nur ein symbolischer Umzug unter den Clintons vermischen sich die beiden Mitarbeiterstäbe von Präsident und First Lady. So beschreibt eine enge Mitarbeiterin Hillary Clintons ihre damalige Arbeit im Weißen Haus: 36 Vgl. Troy, Mr. and Mrs. President?, S. 596. 37 Wie sensibel das Thema ist, hat erneut die Debatte um die von Präsident Obama eingeführte Gesundheitsreform (Obamacare) gezeigt, die bis heute zwischen den politischen Lagern heftig umstritten ist. 38 Allerdings konnte Hillary Clinton aufgrund des Gesetzes nicht für die zusätzliche Aufgabe bezahlt werden. First Ladies – Paarlauf im Amt 382 Everything is integrated. We are not only integrated as the First Lady’s staff but we are integrated into the president’s staff. I go to senior staff meetings, my colleagues are involved in the domestic policy staff meetings, in economic meetings, in national security meetings depending on what is relevant with respect to any particular issue that the first lady is asked to undertake or has been engaged in. All of that is integrated largely into the wider operations of the White House.39 Mit den Clintons hatte sich im Weißen Haus natürlich auch ein Generationenwechsel vollzogen, der ein anderes, moderneres Frauenbild mit sich brachte. Gleichwohl sollten bei dieser Betrachtung Hillarys eigene politische Ambitionen, die sie nach der Präsidentschaft ihres Mannes noch in höchste politische Ämter, bis hin zur ersten Präsidentschaftskandidatur einer Frau, führen sollten, nicht unterschätzt werden. Nach der Niederlage der Demokraten bei den Wahlen zum Kongress und des Verlustes der Mehrheit in beiden Kammern, der auch der öffentlichen politischen Rolle der First Lady im Kontext der Gesundheitsreform zugeschrieben wurde viele konservative, männliche Wähler seien durch die Rolle der First Lady ins Lager der Republikaner getrieben worden , schlug Hillary Clinton einen in ihren öffentlichen politischen Ambitionen eher zurückhaltenden Kurs ein.40 Während der zweiten Amtszeit von Bill Clinton, die von der Lewinsky-Affäre überschattet wurde, sah sie sich dann ausgerechnet in die wenig politische Rolle als die Frau an seiner Seite gedrängt und musste sich bis in den Wahlkampf 2016 hinein den Vorwurf anhören, dadurch entweder emanzipatorische Ideale verraten zu haben oder nur geblieben zu sein, da ihr Mann eben den erstrebten Zugang zur Macht bot. Hillary Clinton kommt als politische First Lady, gemeinsam mit Eleanor Roosevelt, eine Ausnahmestellung unter den (politischen) First Ladies der USA zu; und es ist im Rahmen dieser Betrachtung besonders bedauerlich, dieser Tage Bill Clinton nicht als ersten First Husband erleben zu können. 39 Zit. nach: Eksterowicz/Paynter, The Evolution of the Role and Office of the First Lady. S. 558. 40 Vgl. Caroli, First Ladies, S. 316. Timo S. Werner 383 4. Fazit Wenig verwunderlich, wird die Rolle der First Lady von den jeweiligen Amtsinhaberinnen geprägt. Wie die Präsidenten sind auch die First Ladies determiniert durch die jeweiligen historischen Bedingungen, aber bis zum 21. Jahrhundert auch durch das jeweilige eigene und an sie herangetragene Rollenverständnis von Frauen im Allgemeinen. Gleichwohl lassen sich Entwicklungen im Sinne einer Professionalisierung feststellen und mit den Idealtypen einer aristokratischen und einer politischen First Lady auch Unterscheidungen hinsichtlich der Amtsführung treffen. Stellt man nun die, im politischen Kontext immer wieder virulente Frage, welche Amtsführung (aristokratisch oder politisch) erfolgreicher sei, ergibt sich wohl kein eindeutiges Bild. Ein Blick auf Umfragedaten nach der Beliebtheit der First Ladies ergibt sowohl unter befragten Historikern als auch bei öffentlichen Umfragen einen Spitzenplatz für Eleanor Roosevelt, gefolgt von Barbara Bush und Jackie Kennedy.41 Also eine der politischen First Ladies gefolgt von zweien, die eher oder ganz überwiegend dem aristokratischen Lager zuzuordnen sind. Freilich zeigt sich bei den Umfragen ganz grundsätzlich die Schwierigkeit, dass offen bleibt, ob die Befragten (zumindest bei den befragten Historikern sollte dies allerdings der Fall sein) die Rolle der First Lady von der Bewertung der Präsidentschaft insgesamt trennen können. Es bleibt aber festzuhalten, dass im Gegensatz zu gewöhnlichen politischen Ämtern die eigene Einstellung zum Quasi-Amt und die charakterliche Disposition eine besonders große Rolle für die Amtsführung spielen. So ist auch zu erklären, warum sich bei aller Professionalisierung, was den Stab und die Ausstattung angeht, eben keine lineare Entwicklung abzeichnet, wie wir sie beispielsweise beim Amt des amerikanischen Vizepräsidenten feststellen können dieses hat in seiner Bedeutung im 20. Jahrhundert durchaus eine schrittweise Entwicklung erfahren. Laura Bush, die auf Hillary Clinton als First Lady folgte, lässt sich eher wieder dem aristokratischen Idealtypus zuordnen und, auch wenn man dahinter ein eher konservatives Rollenbild vermuten mag, so lässt sich auch für die Jahre, in denen Michelle Obama als First Lady fungierte, eher dieser Idealtyp in Anschlag bringen. Die politische First Lady spielt, auch aufgrund ihrer mangelnden demokratischen Legitimation, immer ein Spiel 41 Vgl. für einen Überblick: Robert P. Watson: Ranking the Presidential Spouses. In: The Social Science Journal 36 (1999), Nr. 4, S. 117- 136. First Ladies – Paarlauf im Amt 384 mit dem Feuer und läuft Gefahr, Teil des konflikthaften politischen Prozesses zu werden, was ihre Rolle als Repräsentantin beschädigen kann. Anderseits bietet das Amt, auch aus der historischen Perspektive, Möglichkeiten, die weit über den repräsentativen, sozialen oder karitativen Bereich hinausreichen und Raum für ein politisches Verständnis dieses Amtes bieten. Welche Rolle die Liebe zwischen Präsident und First Lady für die Amtsgestaltung spielt, bleibt, für die Protagonisten wohl glücklicherweise, indes meist im Verborgenen.42 42 Ich danke Judith Hartenstein und Jürgen Raab, Landau, für ihre Anmerkungen.

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Zusammenfassung

Mit Band 2 der Landauer Beiträge zur Kultur- und Sozialgeschichte wird eine Reihe von Sammelbänden zu Ringvorlesungen fortgeführt, in denen sich Landauer Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler aus den verschiedensten Disziplinen mit ihren jeweils eigenen Perspektivierungen übergreifenden kultur- und sozialgeschichtlichen Erscheinungen zuwenden. Im Fokus dieses 2. Bandes steht das Phänomen der Liebe.

Der wissenschaftliche Blick auf die Liebe ist immer einer auf eine Erscheinung, die sich auf sehr unterschiedliche Weise präsentiert. Das gilt sowohl in Hinblick auf ihre Historizität als auch ihre Systematizität. Und es gilt allemal für ihre Bewertung im Spannungsfeld von Sozialkonstruktion und biologisch-psychologischer Prädisposition. Aus diesem Spannungsfeld heraus schauen die Beiträge auf die tatsächliche oder vermeintliche Krise der modernen Paarbeziehung und fragen nach den Faktoren, die für die unterschiedlichen Bezeichnungen von Paarbeziehungen verantwortlich sind. In den Blick genommen werden Konstellationen der Liebe in den biblischen Erzählungen und ihrer Rezeptionsgeschichte, in der deutschen, englischen und französischen Literatur und im Film, in der Philosophie, der Musik und in der Kunst, gestern und heute. Ein eigener Blick wird auf die Idealtypik der ‚First Lady‘ in der politischen Kultur der USA geworfen.

Die Landauer Beiträge zur Kultur- und Sozialgeschichte dokumentieren Ergebnisse regelmäßig stattfindender Ringvorlesungen an der Universität Koblenz-Landau. Die öffentliche Vortragsreihe wird als fester Bestandteil der universitären Veranstaltungskultur vom Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften am Standort Landau organisiert und widmet sich interdisziplinären Fragestellungen aus dem jeweiligen Blickwinkel der vortragenden Disziplinen. Auf diese Weise wird ein Forum für den aktiven wissenschaftlichen Austausch zwischen den Neuphilologien (Germanistik, Romanistik, Anglistik), der Kunst- und der Musikwissenschaft, der evangelischen und katholischen Theologie, der Soziologie, der Politikwissenschaft sowie der Wirtschaftswissenschaft ermöglicht und befördert.