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Kapitel 15 Religion als Quelle der Gewalt in:

Bernard Bernarding

Und Anna seufzte zum Himmel empor, page 197 - 218

Warum der liebe Gott manchmal böse und die Bibel schier unglaublich ist

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4235-9, ISBN online: 978-3-8288-7133-5, https://doi.org/10.5771/9783828871335-197

Tectum, Baden-Baden
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Religion als Quelle der Gewalt Oder: Was der Glaube angerichtet hat „Ich bilde das Licht und schaffe die Finsternis, ich bewirke das Heil und schaffe das Unheil, ich bin´s, Jahwe, der dies alles tut“ (Jes 45,7) Gläubige Menschen gelten in der Regel als friedfertige Zeitgenossen, die zu ihrem Gott beten und zumindest versuchen, ein „anständiges Leben“ zu führen, ein „guter Mensch“ zu sein und die Gebote der Kirche, bzw. der Religion zu befolgen. Dieser ethisch wertvolle Ansatz, der als moralische Essenz fast jeder Religion und als Gottes Kernbotschaft für das Leben auf der Erde verstanden wird, hat einen Ursprung (auch) in den „Zehn Geboten“ der Juden und Christen. Zugleich stellen diese Gebote in allgemeiner Form einen universellen Anspruch der Menschheit dar, der nicht nur theologisch begründet ist. Auch in Naturreligionen und bei Atheisten gehören die ethischen Prinzipien, Vater und Mutter zu ehren, anderen Menschen keinen Schaden zuzufügen und deren Hab und Gut zu respektieren, zum grundsätzlichen Bestandteil ihrer inneren und äußeren Verfasstheit. Soweit zur Theorie. Die Praxis erzählt uns eine andere Geschichte, eine blutige Geschichte, eine Geschichte des Grauens. Denn seit die Menschen sesshaft geworden sind (als Nomaden waren sie viel mehr aufeinander angewiesen), hauen sich „Gottes edelste Geschöpfe“ gegenseitig die Köpfe ein, erbeuten oder stehlen Hab und Gut der anderen, okkupieren deren Land und versklaven, unterdrücken oder erniedrigen Mitmenschen. Die Geschichte der Welt ist eine wahnwitzige Geschichte des Krieges, der Barbarei und der Zerstörung. Alle nur denkbaren Verbrechen, an Mensch, Tier und der Natur, sind begangen worden und werden weiter begangen. Kein Gott und keine Moral, kein Gesetz und keine Regeln haben daran je etwas ändern können. Der Kapitel 15 197 Mensch, so könnte die Schlussfolgerung nun lauten, ist demnach tatsächlich – wie von Gott selbst beklagt – „von Grund auf schlecht“ (1. Mos 6,5). Das Problem von Schuld und Sühne auf Gottes schöner Erde wurde bereits an anderer Stelle erörtert (Kapitel 12). Hier wollen wir uns jetzt auf die Frage konzentrieren, was im Namen Gottes schon alles verbrochen wurde und wer dafür verantwortlich ist – und da fällt uns als erster der Allmächtige selbst ein! Wer die Bibel aufmerksam liest, kommt nicht an der Tatsache vorbei, dass der Gott der Juden und Christen seinen Geschöpfen ein wahrhaftig schlechtes Beispiel gegeben hat. Seine Worte und sein ganzes Verhalten lassen keinen anderen Schluss zu, wie jeder Leser selbst beurteilen kann, wenn sie/er den folgenden Abschnitt „Worte des barmherzigen Gottes“ liest. Selbst die Kirche in Rom, sonst nie verlegen, die Welt der Bibel in den schönsten Farben zu malen, gibt offen zu: „Eines der großen Hindernisse, um die ganze Bibel als inspiriertes Wort Gottes anzunehmen, sind Gewalt und Grausamkeit, besonders im Alten Testament, die in vielen Fällen Gott selber befiehlt.“ (Päpstliche Bibelkommission, 22. Februar 2014). Allerdings wäre die Kirche nicht die Kirche, würde sie nicht doch einen (Aus-)Weg finden, Gewalt und Grausamkeit so zu erklären, dass sie am Ende ganz niedlich daher kommen und immer einen gewissen Sinn haben. In der Verlautbarung des Heiligen Stuhls Inspiration und Wahrheit der Heiligen Schrift ist dies unter Punkt 125 ff nachzulesen. Die folgende Auflistung der „wahren Worte Gottes“, die allesamt aus der Bibel stammen und offiziell also „irrtumsfrei“ sind (Katechismus der Katholischen Kirche, neu herausgegeben von Papst Benedikt XVI. am 28. Juni 2005) und die Liste der Kriege und Verbrechen, die im Namen Gottes verübt worden sind, erheben selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist nur eine kleine Auswahl. Worte des barmherzigen Gottes „Ich will die Menschen, die ich gemacht habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis zum Vieh, dem Gewürm und den Vögeln unter dem Himmel. Denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe“ (1. Mos 6, 7) Kapitel 15 Religion als Quelle der Gewalt 198 „Da ließ der Herr Feuer und Schwefel regnen über Sodom und Gomorrah, und vernichtete die Städte und die ganze Gegend, alle Einwohner und was auf dem Lande gewachsen war“ (1. Mos 19, 24-25) „Isaak habe ich geliebt, Esau aber habe ich gehasst!“ (Mal 1,2-3) „So spricht der Herr: Um Mitternacht will ich durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt im Land soll sterben, vom ersten Sohn des Pharao an bis ersten Sohn der Magd“ (2. Mos 11,4-5) „Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Beule um Beule, Wunde um Wunde“ (2. Mos 21,24-25) „Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen“ (2. Mos 22,17) „Du sollst die Götter der anderen (Völker) nicht anbeten, noch tun, was sie tun, sondern du sollst ihre Steinmale (Heiligtümer) umreißen und zerbrechen“ (2. Mos 23,24) „Werdet ihr mir aber nicht gehorchen und meine Gesetze befolgen,… so will ich euch heimsuchen mit Schrecken, mit Auszehrung und Fieber, dass euch die Augen erlöschen und das Leben hinschwindet“ (3. Mos 26,14-16) „Als die Israeliten in der Wüste waren, fanden sie einen Mann, der Holz auflas am Sabbat. … Der Herr aber sprach zu Moses: Der Mann soll des Todes sterben, die ganze Gemeinde soll ihn steinigen draußen vor dem Lager“ (4. Mos 15,32-35) „Und sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der Herr es Moses geboten hatte, und töteten alles, was männlich war. …Und die Israeliten nahmen gefangen die Frauen der Midianiter und ihre Kinder. All ihr Vieh, ihre Habe und alle ihre Güter raubten sie, und verbrannten mit Feuer all ihre Städte“ (4. Mos 31,9-11) „Und Moses wurde zornig über die Hauptleute des Heeres, und sprach zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen leben lassen? … So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrau sind. Aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch am Leben“ (4. Mos 31,14-18) „Wenn jemand einen widerspenstigen und ungehorsamen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht,…. so sollen ihn steinigen alle Leute seiner Stadt, dass er sterbe“ (5. Mos 21,18-21) „Wenn zwei Männer miteinander raufen und die Frau des einen hinzukommt, um ihren Mann aus der Gewalt des anderen zu befreien, und wenn sie die Hand ausstreckt und dessen Schamteile ergreift, dann sollst du ihr die Hände abhacken. Du sollst in dir kein Mitleid aufsteigen lassen“ (Dtn, 25,11-12) Oder: Was der Glaube angerichtet hat 199 „Da erhob das Volk ein Kriegsgeschrei und man blies die Posaunen. Da fiel die Mauer (von Jericho) um und das Volk stieg zur Stadt hinauf, ein jeder stracks vor sich hin. So eroberten sie die Stadt und vollstreckten den Bann an allem, was in der Stadt war, mit der Schärfe des Schwertes, an Mann und Weib, Jung und Alt, Rindern, Schafen und Eseln“ (Jos 6,20-21) „Gepriesen sei unter den Frauen Jael, … sie griff mit ihrer Hand den Pflock, und mit ihrer Rechten den Schmiedehammer, und zerschlug Siseras Haupt, und zermalmte und durchbohrte seine Schläfe“ (Ri 5,24-26) „Da sandte die Gemeinde zwölftausend streitbare Männer und gebot ihnen: Geht hin und erschlagt mit der Schärfe des Schwertes die Bürger von Jabesch in Gilead mit Weib und Kind!“ (Ri 21,10) „Und sie geboten den Benjaminern: Geht hin und legt euch auf die Lauer in den Weinbergen. Wenn ihr dann seht, dass die Töchter Silos zum Reigentanz hinausgehen, so brecht hervor und raubt euch jeder eine Frau“ (Ri 21, 21) „Und so ziehe nun hin und schlage Amalek, und vollstrecke den Bann an allem, was er hat und schone ihn nicht; sondern töte Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel!“ (1. Sam 15,3) „Wenn du aber nicht gehorchen willst dem Herrn deinem Gott,… so wird der Herr dir die Pest anhängen, bis er dich vertilgt hat… dich schlagen mit Auszehrung, Entzündung, Fieber, Getreidebrand und Dürre… Der Herr wird dich schlagen mit ägyptischem Geschwür, mit Pocken, Grind und Grätze, dass du nicht geheilt werden kannst… Er wird dich schlagen mit Wahnsinn, Blindheit und der Verwirrung des Geistes…“ (Dtn 28). Was die Religion (bislang) angerichtet hat (Um zu zeigen, dass Gewalt im Namen Gottes kein christliches, sondern allgemein ein religiöses und universelles Phänomen ist, sind in dieser Auflistung auch Vorgänge enthalten, die von Gläubigen anderer Religionen verübt wurden). Menschenopfer Mit der „Erfindung“ der Religion, seit der Mensch in früher Vorzeit sein Denkvermögen und ein Selbst-Bewusstsein entwickelt hat, geht der Opferbrauch einher. Um höhere Wesen und Götter milde zu stimmen, und um „böse Geister“ zu vertreiben, haben die Menschen „Opfer“ dargebracht. Am Anfang waren es Trank- Speise- und Rauchopfer, dann Tieropfer – und für eine lange Zeit sogar Menschenopfer. Viele der Mythen, Märchen und Sagen, die in der Stein- oder Bronzezeit Kapitel 15 Religion als Quelle der Gewalt 200 entstanden sind, haben deshalb durchaus einen realen Hintergrund: die Menschen damals glaubten fest an Götter und Dämonen, sie glaubten an die Macht der Riten. Sie glaubten, den Göttern Opfer darbringen zu müssen, um ihre Gunst zu erhalten oder zu gewinnen, damit das Land fruchtbar werde. Sie glaubten den phantastischen Beschwörungen der Priester und Schamanen. Weil sich aus diesem übernatürlichen Geisterglauben heraus überall auf der Welt die Lebenswirklichkeit abgeleitet hat, gehören Riten und Religionen, Beschwörungen, Überlieferungen und "heilige Schriften" zum kulturellen Erbe der Menschheit, die zum tieferen Verständnis unserer Geschichte beitragen. Diese Geschichte aber, wer wüsste das nicht, hat erschreckende Seiten. Zu welchen Handlungen unsere Ahnen fähig waren, welch abenteuerliche Vorstellungen und Phantasien sie entwickelt haben, wirkt heute unfassbar, ja surreal. Viele der schlimmsten Auswüchse metaphysischer Verirrung sind zwar überwunden, aber sie wirken nach, und sie prägen noch heute die Riten und Relationen der praktizierten Religionen auf unserem Planeten. Generationen von Menschen, von der Steinzeit über die Antike bis ins späte Mittelalter hinein, waren geradezu besessen von dem Drang, die Götter und Dämonen zu besänftigen. Dabei machten sie auch vor Menschenopfern nicht Halt. Dieses Phänomen war weltweit zu beobachten und keineswegs auf den Orient oder Europa beschränkt. Der schottische Ethnologe James George Frazer hat dazu erschütternde Beispiele zusammengetragen (in: Der goldene Zweig, rowohlt). So haben etwa die Menschen in Ecuador alljährlich Kinder für die Ernte geopfert. Ähnlich in Peru, Mexiko oder bei den Pawnees (Sioux-Indianer), bei denen nur Mädchen das Opferschicksal erleiden mussten. In Lagos (Guinea) war es lange Zeit Sitte, ein junges Mädchen zum Frühlingsanfang zu pfählen, um eine gute Ernte zu erlangen. Als „bekanntesten Fall von Menschenopferung“ nennt Frazer die Praxis der Khonds in Bengalen, der Erdgöttin Tari Pennu Kindsopfer darzubringen. Ob bei den Kelten oder Druiden, ob in Phönizien und im alten Ägypten, überall sieht der Anthropologe Frazer „Beweise“ dafür, dass die Götter durch Menschenopfer beschwichtigt werden sollten. Besonders pikant für das Juden- und Christentum: Die Opferung Isaaks durch Abraham. Dieser Vorgang sei nicht etwa, wie die Bibel behauptet, in letzter Sekunde durch einen „Engel des Herrn“ verhin- Oder: Was der Glaube angerichtet hat 201 dert worden; sondern – die Existenz der Figur Abraham unterstellt – tatsächlich erfolgt (Hyam Maccoby in: Der heilige Henker). Das könne man auch aus der Bibel selbst schließen, denn Abraham kehrte nach dem Opferakt alleine zu seinen Knechten zurück (1. Mos 22,19). Aber wenn wir uns als Christen über die Opferpraxis unserer Ahnen aufregen sollten, müssten wir uns dann nicht auch über den Allerhöchsten aufregen? Hat nicht auch Gottvater persönlich ein Menschenopfer dargebracht, als er seinen Sohn Jesus „zur Erlösung der Sünden“ am Kreuz sterben ließ…? Wie auch immer, es sind Geschichten, die verstörend wirken. Wenn über Jahrtausende hinweg Kinder, Heranwachsende, Alte oder alle möglichen Tiere auf brutalste Art und Weise erstochen, erschlagen, gepfählt, geköpft, zerhackt und verbrannt wurden, um die Götter milde zu stimmen, dann deuten diese furchtbaren Rituale unserer Vorfahren darauf hin, dass rationales Abwägen und emotionales Empfinden der frühen Menschen offenbar noch nicht hinreichend entwickelt war. Oder aber, dass die Macht des Irrationalen, Transzendenten, des „Göttlichen" weitaus stärker ausgeprägt war als der natürliche Abwehrreflex vor der eigenen Grausamkeit. Ohne Zweifel scheint festzustehen, dass unsere Vorfahren etwas anders tickten als wir heute, „robuster“, wenn man so will, und dass der Kopf (Glaube, resp. Aberglaube) dem Herz oder Bauch offenbar überlegen war. Allerdings genügt schon der schlichte Hinweis auf die noch immer nachwirkenden Weltkriege unserer Väter und Großväter, oder auf den globalen Terrorismus islamischer Gotteskrieger, dass die Menschen nichts oder nur erschreckend wenig aus der Geschichte gelernt haben: sie quälen und metzeln und morden noch immer – auch im Namen Gottes. Religionskriege und Kreuzzüge Das Wesen der (monotheistischen) Religion – die Gläubigen werden es nicht gerne hören – ist grundsätzlich intolerant: Meine Religion ist richtig, deine ist falsch! Die universelle Logik jeder Religion, im Besitz der (alleinigen) Wahrheit zu sein, ist zugleich Brutstätte für Misstrauen, Unverständnis und Gewalt. Und weil auch die alten Götter in den Mythen der Sumerer, Ägypter, Griechen oder Germanen niemals zimperlich waren und wahre Blutbäder (untereinander) anrichteten, dachten Kapitel 15 Religion als Quelle der Gewalt 202 die Menschen, Gewalt sei ein probates Mittel zum Zweck. Der Gott der Juden und Christen, auf den wir uns hier konzentrieren, war diesbezüglich ebenso gewaltig wie gewalttätig: Das Alte Testament trieft vor Blut, der Herr persönlich gab „seinem Volk“ den Auftrag, das Land Kanaan gewaltsam einzunehmen. Dort lebten zwar bereits Menschen – die aber das Pech hatten, die falschen Götter anzubeten. Die „Landnahme“ der Israelis in Kanaan war der erste Religionskrieg der Geschichte (siehe Buch Joshua). Gleiches gilt für die Schaffung des Staatswesens „Israel“ durch die Könige Saul, David und Salomo. Sie war geprägt von unzähligen Kriegen und Gewaltakten. Insbesondere über den angeblichen Helden David hielt Gott seine schützende Hand, obwohl David ein skrupelloser Bandenchef, aggressiver Heerführer und lüsterner Frauenheld war (siehe Bücher des Propheten Samuel und Buch der Könige). David hat seine Beutezüge und Eroberungskriege stets mit dem Auftrag des Herrn legitimiert – und viele Despoten überall auf der Welt sollten es ihm nachahmen und sich über Jahrtausende hinweg ebenfalls auf den Herrn berufen. Skythen, Hetither, Mongolen, Babylonier, Assyrer, Ägypter, Griechen, Perser, Makedonier, Römer, Araber, Germanen, Franken, Gothen, Wikinger, Hunnen, Spanier, Portugiesen, Briten: Die Eroberungsfeldzüge in der Antike bis zum Mittelalter waren gewiss keine reinen Religionskriege, denn letztlich ging es immer (auch) um Macht und Einfluss, Ruhm und Geld. Gleichwohl beteten die Könige und Kaiser, Feldherren und Heerführer immer um „höheren“ Beistand, brachten die Eroberer ihre Kultur und damit ihre Religion mit Gewalt in den neuen Herrschaftsbereich. Das beste Beispiel dafür ist Südamerika: Dort sind die Naturreligionen der Indios fast ausgestorben. Seit der brutalen Conquista der Spanier und Portugiesen mit der Zwangschristianisierung der Indios beten die Menschen dort mehrheitlich zu Jesus Christus. Damals wurden die Indios von den christlichen Eroberern aber nicht nur zwangsbekehrt, sondern auch noch versklavt: In Silberminen wie in Potosi (Bolivien) oder auf Plantagen mussten sie unter unfassbaren Bedingungen zum Nutzen der gottesfürchtigen Konquistadoren schuften. Eindeutig als Religionskrieg kann der Makkabäer-Aufstand 165 v. Chr. bezeichnet werden. Nachdem der Einfluss des Hellenismus in Is- Oder: Was der Glaube angerichtet hat 203 rael immer stärker wurde, begannen sich die Juden gegen die schleichende Entwertung ihrer Religion zu wehren. Und als der seleukidische König Antiochos IV im Jahr 168 v. Chr. das Judentum verbieten wollte, geriet der grummelnde Widerstand zum blutigen Aufstand. Die Juden erhoben sich unter einer „Makkabäer“ genannten priesterlichen Führungsschicht – und konnten sich am Ende tatsächlich in jahrzehntelangen Kämpfen und Scharmützeln gegen die syrische Besatzungsmacht behaupten. Keine Chance gegen die (späteren) römischen Okkupanten hatten die Juden dagegen in der Zeit nach Jesus. Nachdem die Hebräer immer wieder mit trotzigem Mut ihren Selbstbehauptungswillen demonstriert hatten, schickte Kaiser Nero im Jahr 67 eine Armee mit 30 000 Mann nach Israel. Dieser erste „Jüdische Krieg“ dauerte sieben Jahre, dabei starben 1,1 Millionen Menschen, zehntausende wurden versklavt. Den entscheidenden Schlag gegen die Juden führte der junge Offizier Titus, der im Jahr 70 Jerusalem eroberte und die Stadt mit ihrem heiligen Tempel in Schutt und Asche legte. Später folgten zwei weitere Kriege („Diaspora-Aufstand“ um 116 n. Chr. und „Bar-Kochba-Aufstand“ 132 n. Chr.). Reine Religionskriege waren die Kreuzzüge, die vom Vatikan und vom „Heiligen römischen Reich deutscher Nation“ angezettelt wurden, um Jerusalem zu „befreien“. Vorausgegangen war eine islamische Invasion, die nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 ihren Anfang nahm. Die Araber eroberten Ägypten, Syrien und Palästina, drangen östlich bis nach Konstantinopel und westlich bis nach Spanien vor. Der erste Kreuzzug (zu dem Papst Urban II aufgerufen hatte) begann im Jahr 1096 als „Pilgerzug“ bewaffneter Laien, eskortiert von mehreren Ritterzügen aus Deutschland, Frankreich und Sizilien. Er endete nach viel Gemetzel drei Jahre später mit der Rückeroberung Jerusalems. Der zweite Kreuzzug (1147-1149), zu dem (der später heilig gesprochene) Bernhard von Clairvaux mit martialischen Predigten aufgerufen hatte, endete als Misserfolg, da die politische Lage im Heiligen Land und der gesamten Levante völlig unübersichtlich geworden und der Kampfeswille der Muslime neu entflammt war. Die abermalige Eroberung Jerusalems durch Sultan Saladin im Jahr 1187 war schließlich der Anlass für den dritten Kreuzzug (1189-1192). Dieser Kriegszug Kapitel 15 Religion als Quelle der Gewalt 204 war sehr prominent besetzt, die „Soldaten Christi“ wurden angeführt vom deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa (der auf dieser Tour allerdings ums Leben kam), Frankreichs Regent Philipp II, und dem englischen Hero Richard Löwenherz. Wie viele Opfer diese christlich inspirierten Kreuzzüge auf beiden Seiten gekostet haben, lässt sich nicht mehr ermitteln. Bis heute ziehen religiöse Fanatiker und Machtpolitiker, die sich auf „Gott“ berufen, gegeneinander zu Felde. Der bekannteste und geopolitisch heikelste Konflikt ist der Kampf zwischen Juden und Moslems ums Heilige Land. Der unerbittliche Krieg um die Oberhoheit in Israel und Palästina hat unzählige Todesopfer gefordert und der Welt eine neue Form des Terrorismus gebracht: Flugzeugentführungen, Attentate, Geißelnahmen (Olympia 1972 in München!), Selbstmord-Anschläge auf öffentlichen Plätzen. Das kleine Israel hat sich mit Unterstützung der großen USA zu einer Atommacht entwickelt, und spätestens seit der iranischen Revolution 1979 mit der Errichtung eines islamischen „Gottesstaates“ ist der gesamte Nahe Osten zum Pulverfass geworden. Auch im angeblich befriedeten Europa, das der Welt die Reformation und die Aufklärung schenkte, bekriegen sich die Konfessionen bis heute. Erinnert sei an den noch immer schwelenden Nordirland-Konflikt, wo sich Christen jahrzehntelang gegenseitig massakriert haben (unter Anführung des protestantischen Geistlichen Ian Paisley, der eine Gleichberechtigung der Katholiken als „Pakt mit dem Teufel“ ablehnte). Oder an das Massaker von Srebrenica 1995, als „christliche“ Serben mehr als 7000 bosnische Moslems unter den Augen der Weltöffentlichkeit kaltblütig erschossen und verscharrten. Die schlimmste Form eines Religionskrieges war aber der Holocaust. Millionen Menschen wurden während der Nazi-Diktatur allein aufgrund ihrer jüdischen Herkunft vertrieben, erschossen oder vergast, oder sie starben nach schrecklichen Misshandlungen. Es spielt dabei keine Rolle, dass das Hauptziel der Nazis die Eroberung „neuen Lebensraums“ (im Osten) und eine Art größenwahnsinnige Weltherrschaft war. Fakt ist, dass sich (auch) die christlichen Kirchen dem Hitler-Regime gegenüber fragwürdig verhielten und insbesondere Papst Pius XII eine beklemmende Zurückhaltung an den Tag legte. Er hatte (als Kardinalstaatssekretär) im Juli 1933 sogar den ersten internationa- Oder: Was der Glaube angerichtet hat 205 len Vertrag mit dem aggressiven Nazi-Staat („Reichskonkordat“) unterschrieben. Auch an eine Exkommunizierung des Massenmörders Hitler traute sich der Vatikan nicht ran. Angeblich wegen des Römerbriefs von Paulus, Kapitel 13, Vers 1 und 2: „Jedermann sei untertan der (staatlichen) Obrigkeit, denn sie kommt von Gott… Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung“… Mord und Verfolgung Es gibt einen gewissen Unterschied zwischen den Religionsformen Polytheismus und Monotheismus: Die polytheistisch geprägten Menschen der Antike waren toleranter, was den Umgang mit Göttern anging. Für sie war selbstverständlich, dass es nicht nur einen Gott gab, sondern viele Götter für jeden Lebensbereich. Jahwe, der anfangs als Wettergott verehrt wurde, entwickelte sich erst bei den Hebräern zu dem „Einen“, dem „eifersüchtigen Gott“, als den er sich selbst bezeichnete. Nicht umsonst heißt sein erstes Gebot, das er mit neun anderen auf zwei Tafeln am Sinai dem Moses überreichte: „Du sollst keine fremden Götter neben mir haben!“ Dieses Alleinstellungsmerkmal muss ihm also besonders wichtig gewesen sein, und wer sich anmaßte, das Gebot zu übertreten, war dem Tode geweiht. Ein mörderisches Kapitel waren auch die Christenverfolgungen in den ersten drei Jahrhunderten nach Christi. Hier waren die Anhänger der neuen Religion nicht Täter, sondern Opfer. Aber die Religion war die Ursache der Gewalt: Weil sich die Juden in Rom im Jahr 38, also wenige Jahre nach Jesu Tod, lautstark über die „Götzenbilder“ der Römer aufregten, wurde das Judentum kurzerhand verboten. Einige Jahre später ließ Kaiser Claudius die Judenchristen gar des Landes verweisen. Zur grausamen Christenverfolgung kam es dann Mitte der 60er Jahre, als Kaiser Nero zur Christenhatz aufrief. Nach einem furchtbaren Brand in Rom, der den Christen angelastet wurde (obwohl es Gerüchte gab, Nero selbst habe die Brandstiftung veranlasst), wurden die ersten Christen verhaftet. Der römische Dichter Tacitus hat uns hinterlassen, was mit den bedauernswerten Geschöpfen geschah: „Man steckte sie in Tierfelle, und ließ sie von Hunden zerfleischen, man schlug sie ans Kreuz oder zündete sie an, und ließ sie nach Einbruch der Dunkelheit als Fackeln brennen“. Kapitel 15 Religion als Quelle der Gewalt 206 Systematisch verfolgt wurden die Christen unter Kaiser Decius (249-251). Decius wollte Juden, Heiden und vor allem die immer stärker werdenden Christen dazu zwingen, die römischen Götter anzubeten. Dazu erließ er folgendes Dekret: „Wer die Götter Roms nicht verehrt und dem allmächtigen Kaiser das Opfer verweigert, ist des Religionsfrevels und des Majestätsverbrechens schuldig“. Am häufigsten weigerten sich Christen, dem Dekret Folge zu leisten – und das machte sie nachgerade berühmt. Menschen, die „freiwillig“ in den Tod gingen für ihren Gott, das ließ aufhorchen. Für besonders eifrige Gottesanbeter wurde es plötzlich sogar erstrebenswert, als Märtyrer in das ewige Himmelreich einzugehen… Der fromme Krieger: Karl der Große Karl der Große ist ein klangvoller Name. Französisch wird er Charlemagne genannt, was noch besser klingt. Im Geschichtsunterricht lernen die Kinder Europas, was für ein toller Herrscher dieser Kaiser gewesen ist und warum er „Vater Europas“ genannt wird. Dass er ein frommer und brutaler Krieger war, der für die Zwangs-Christianisierung der Menschen über viele Tausend Leichen ging, wird manchmal auch erwähnt, aber eher nebenbei. Mit den dunklen Seiten von Helden befasst man sich nicht so gern, das haben wir schon bei König David gesehen. Da die Welt offenbar Helden braucht, drückt man gern ein Auge (oder beide!) zu, vor allem, wenn die Helden lange tot sind: David! Alexander der Große! Julius Caesar! Karl der Große! Napoleon! Was die nicht alles erobert haben! Historiker schnalzen mit der Zunge. Tatsächlich haben diese historischen Despoten Millionen Menschenleben auf dem Gewissen, weil sie ihren Machtanspruch mit Feuer und Schwert erkämpft und verteidigt haben. Eines der schlimmsten Verbrechen Karls des Großen war das „Blutgericht von Verden“, als der Regent gleich mehrere Tausend „Rädelsführer“ eines Aufstands mit dem Schwert hinrichten ließ. Mitten während seiner Sachsenkriege (772-804) wurde Karl in Rom zum Kaiser gekrönt – natürlich vom Papst (Leo III) persönlich. Ein Gegenpapst (Paschalis III) hat den martialischen Kaiser sogar mal „heilig“ gesprochen. Dabei war die Hauptbeschäftigung Karls das Unterwerfen anderer Völker. Insbesondere die Sachsen (sie besiedelten Oder: Was der Glaube angerichtet hat 207 damals das heutige Mittel- und Ostdeutschland) hatten es ihm angetan, auch weil sie „Heiden“ waren. In mehreren Feldzügen, die über 30 Jahre währten, zwang er die zähen Sachsen schließlich in die Knie – und ordnete ihre Zwangsbekehrung an. Karl selbst war ein frommer Mann, der enorm viel zur kirchlichen Konsolidierung im frühen Mittelalter beigetragen hat. Er räumte der Bekämpfung des Heidentums im Ausland und der Stabilisierung der Kirche im Innern hohe Priorität ein und verlangte von seinen Untertanen eine „christliche Lebensführung“. Seine Missionierungspolitik, die er mit brutaler Gewalt durchsetzen ließ, stieß sogar bei seinem engsten Berater Alkuin auf Widerstand. Bis heute ein klangvoller Name, hochverehrt und vor allem in Europa geschätzt: Kaiser Karl der Große (Mitte). Die Stadt Aachen, wo er seine letzte Ruhe fand, hat ihm dieses Monumentalgemälde gewidmet. Noch heute wird in Aachen jährlich der „Karlspreis“ verliehen – und angesichts des stets prominent besetzten Medienspektakels interessiert sich niemand (mehr) dafür, dass Karl das Christentum mit Feuer und Schwert durchgesetzt hat und dafür über ungezählte Leichen ging. Bereits die Merowinger hatten die Kirche in ihre Herrschaftskonzeption eingebunden und daran haben die Karolinger angeknüpft. Karl forcierte diesen Prozess durch den massiven Ausbau der klerikalen Infrastruktur. So ließ er zahlreiche Klöster gründen und Bistümer einrich- Kapitel 15 Religion als Quelle der Gewalt 208 ten, wobei es für den Kaiser selbstverständlich war, die Bischöfe selbst zu ernennen. Zudem erließ er ein Sondergesetz (Capitulatio de partibus Saxoniae), welches die Missachtung der christlichen Reichsordnung – etwa Verunglimpfung eines Priesters oder der Kirche, die Feuerbestattung oder das Essen von Fleisch an Fastentagen – mit der Todesstrafe bedrohte. Gezielt sollen von Karl auch Deportationen als Mittel der Unterwerfung und Befriedung eingesetzt worden sein. Karls Brutalität und Kompromisslosigkeit trugen ihm den Namen „Sachsenschlächter“ ein. Diese Charakterisierung war üblich, bis ein gewisser Despot die „Verunglimpfung“ seines großen Vorbildes verbot. Der Mann hieß Adolf Hitler… Die Heilige Inquisition Eine der schlimmsten Auswüchse religiöser Verirrung firmiert unter dem Namen Heilige Inquisition („Untersuchung“). Die Voraussetzung für diese mörderische Methode zur Abschreckung von Ketzern und Häretikern schuf Papst Innozenz III (1161-1216). Es sollte eines der düstersten Kapitel in der Geschichte des Christentums werden. Da die „heilige Mutter Kirche“ schon früh den Anspruch erhob, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben, leitete sie daraus auch das „göttliche“ Recht ab, Abweichlern den Prozess zu machen und sie entsprechend zu bestrafen. Begonnen hatte das Drama in Südfrankreich, wo die Gläubigen, erzürnt und frustriert vom privilegierten und ausschweifenden Leben der klerikalen Oberschicht, das Christentum anders definierten und auch anders leben wollten. Asketischer, frommer. Die „Katharer“ (die Reinen) und die „Waldenser“ (nach dem Gründer Petrus Valdes aus Lyon) fanden immer mehr Zulauf, was im Vatikan die Alarmglocken läuten ließ. In seiner Not rief der Papst den König und die Bischöfe zum Kreuzzug gegen die Häretiker (Abweichler) auf, und damit begann eine jahrhundertelange Ära des Mordens, Verfolgens und der Denunziation. Im Namen des Herrn zogen päpstliche Inquisitoren von Stadt zu Stadt und Dorf zu Dorf, um „Ketzer“ ausfindig zu machen, zu verurteilen und sie der irdischen Gerichtsbarkeit zu übergeben, die dann die Drecksarbeit erledigen musste. Für alle möglichen Vergehen wurden die angeblichen oder tatsächlichen Delinquenten ohne viel Federlesens an den Pranger gestellt Oder: Was der Glaube angerichtet hat 209 oder gar ins Jenseits befördert. Wer eine abweichende Meinung vertrat, „das Falsche“ glaubte oder einfach nur beschuldigt wurde, musste exzellente Argumente oder Fürsprecher haben, sonst drohte im schlimmsten Fall der Scheiterhaufen. Eines der bekanntesten Opfer des Inquisitionswahns war der tschechische Priester und Prediger Jan Hus, der auf dem Konzil von Konstanz 1415 des Abweichlertums bezichtigt und öffentlich verbrannt wurde – obwohl ihm König Sigismund „freies Geleit“ zugesichert hatte! Drei Bischöfe und ein Kardinal waren für das Todesurteil verantwortlich. Ebenfalls qualvoll sterben musste der Priester, Philosoph, Abenteurer und Astronom Giordano Bruno (1548-1600). Dieser unruhige Geist aus Süditalien lehrte an mehreren Universitäten und lebte unter anderem in Neapel, Paris, Toulouse, London, Wittenberg, Helmstedt, Frankfurt, Prag, Genf, Zürich und Venedig. Bruno, der persönlich eine komplizierte Theologie mit Elementen des Pantheismus favorisierte, wurde Anfang 1600 nach siebenjähriger Kerkerhaft in Rom wegen „Ketzerei und Magie“ schuldig gesprochen und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ein noch prominenteres Opfer, aber mit dem Leben davongekommen, war Galileo Galilei (1564–1641). Der Florentiner Universalgelehrte wurde von der Kirche ultimativ aufgefordert, die Verbreitung des kopernikanischen Weltbildes zu unterlassen. Als er sich nicht daran hielt, traten die Inquisitoren auf den Plan und drohten dem frommen Katholiken mit Verurteilung. Galilei, der auf ein Leben im Jenseits noch keine Lust hatte, gab nach und schwor den Glaubens- Eid („Ich glaube, was die heilige katholische und apostolische Kirche für wahr hält, prediget und lehret“) und kam mit Kerkerhaft und Hausarrest davon. Die genaue Zahl der Opfer christlicher Verirrung ist nicht bekannt. Schätzungen zufolge wurden im Laufe der Jahrhunderte (das letzte Opfer, Cayetano Ripoll, starb 1826 in Valencia) über 100 000 Menschen dem Tribunal unterzogen, mindestens 12 000 davon wurden hingerichtet. Am schlimmsten wütete die „heilige Inquisition“ mit ihrem religiösen Gesinnungsterror in Spanien, wo zu den Autodafés (Glaubensgerichte) oft mehrere tausend Schaulustige kamen. Kapitel 15 Religion als Quelle der Gewalt 210 Die Hexenjagden Glaube befähigt Menschen nicht nur, an Götter und Geisterwesen zu glauben, sondern auch an Magie und Hexerei. Das ist das Wesen des Glaubens: man meint, es sei so. Man weiß es nicht, ist aber trotzdem davon überzeugt. Menschen, die sehr fest im Glauben sind, können durch sachliche Argumente und vernünftige Ansprache kaum noch erreicht werden. Deshalb hat der Glaube, ganz allgemein, oft gravierende Folgen. Besonders im frühen Mittelalter glaubten die Leute in nahezu allen Kulturkreisen, der Teufel treibe sein übles Werk vor allem im Menschen. Was in der Antike die Dämonen waren, das war nun der Teufel als Widersacher Gottes. Er nahm Besitz von einer Person, wütete in ihrem Körper und machte sie „besessen“. Die „Hexen“ waren geboren, verfluchte Gestalten, die „zaubern“ konnten und mit dem Teufel im Bund standen. Klar, dass man dagegen vorgehen musste. Es gibt vielfältige Erklärungsmuster, wie der Hexenwahn des Mittelalters entstand und wer dafür verantwortlich ist. Das Christentum ist nicht ursächlich schuld an dem Jahrhunderte währenden Wahn, der Millionen Opfer und mehrere zehntausend Tote gefordert hat. Aber die Religion spielte eine nicht unerhebliche Rolle in diesem Prozess, da sie aktiv unterstellte, der Teufel habe bei Hexerei und „Schadenzauber“ (magische Praktiken, die angeblich jemanden Schaden zufügen) seine böse Hand im Spiel. Die Hexenjagden sind ein „gutes“ Beispiel dafür, zu welch furchtbaren Handlungen Menschen in der Lage sind, wenn sie glauben, etwas Richtiges zu tun. Als die Pest (Mitte des 14. Jahrhunderts) und die „kleine Eiszeit“ (Klimasturz zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert mit Hungersnöten und Verelendung) über Europa kamen, wurde nach „Schuldigen“ gesucht. Dabei öffnete sich die Tür für die Denunziation von „Hexen“ sperrangelweit. Und wenn die angeblichen Missetäterinnen (mehr als Dreiviertel der Beschuldigten waren Frauen) nicht „gestehen“ wollten, musste man eben nachhelfen. Das ging stufenweise: Als erstes wurde die der Hexerei bezichtigte Person befragt. Das ging sehr detailliert zu, am meisten interessierte die Ankläger und Richter das sexuelle Verhalten der Hexen, denen in der Regel Ge- Oder: Was der Glaube angerichtet hat 211 schlechtsverkehr mit dem Teufel unterstellt wurde („Teufelsbuhlschaft“). Es folgte die Forderung nach einem Geständnis, denn ohne Geständnis durfte damals niemand verurteilt werden. Im Nachhinein betrachtet wäre den Frauen ein frühes Geständnis anzuraten gewesen, denn wer „leugnete“, kam nicht etwa frei mangels Beweisen, sondern dem drohte die Territion („Schreckung“). Dabei wurden den Angeklagten Folterinstrumente vorgeführt oder schon mal angelegt. Wer jetzt immer noch den Mut hatte, seine Vergehen abzustreiten, musste mit der Tortur rechnen, auch „peinliche Befragung“ genannt (peinlich von Pein, Schmerz). Auf deutsch: Folter. Besonders beliebt waren Daumenschrauben, die Streckbank und sexuelle Erniedrigungen jeder Art. Die sonst übliche Begrenzung der Folter auf eine Stunde galt in diesem Fall nicht: Hexerei war ein crimen exceptum („Ausnahmeverbrechen“), da gab es kein Erbarmen. Wenn auch die Tortur nichts fruchtete, wurden die Hexen mancherorts dann noch „auf die Probe“ gestellt. Es gab die Wasserprobe, die Feuerprobe, die Nadelprobe, die Tränenprobe, die Wiegeprobe. Eine kurze Beschreibung der Wasserprobe soll hier ausreichen, um die Verirrung menschlichen Geistes zu bekunden: Bei der Heißwasserprobe musste der Delinquent mit der Hand eine Münze aus einem Topf mit siedend heißem Wasser holen. Der verbrühte Arm wurde verbunden, und wenn er nach ein paar Tagen nicht eiterte, galt der Schwerverletzte als unschuldig. Schlimmer noch war die Kaltwasserprobe: Die Hexe wurde gefesselt in einen Bottich oder Tümpel geworfen. Schwamm sie obenauf, dann war sie schuldig. Ging sie unter, war sie unschuldig – aber oft auch schon ertrunken. Der Dominikanerpater Heinrich Kramer (1430-1505) war ein besonders eifriger Hexenjäger. Er gab den so genannten „Hexenhammer“ heraus, eine Publikation zum trefflichen Umgang mit Hexen und Zauberern. Kramer gelang es, den damaligen Papst Innozenz VIII zu einer „Hexenbulle“ zu bewegen (summis desiderantes affectibus). Damit ermächtigte der Pontifex die Inquisitoren in Deutschland, gegen Zauberer und Hexen gerichtlich vorzugehen. Es sollte mehr als 500 Jahre dauern, bis sich die Kirche dafür entschuldigt hat, „dass auch Menschen der Kirche im Namen des Glaubens….auf Methoden zurückgegriffen haben, die dem Evangelium nicht entsprechen“ (Kardinal Jo- Kapitel 15 Religion als Quelle der Gewalt 212 seph Ratzinger im Jahr 2000). Auch Papst Franziskus verurteilte die Mitwirkung der Kirche an Hexenverfolgungen. Dies sei „Unrecht“ gewesen, sagte er am 11. April 2016 im Rahmen einer Messe im Vatikan. Die Bartholomäusnacht Der heilige Bartholomäus war ein Jünger Jesu, der nicht weiter aufgefallen war. In der Bibel spielt er keine Rolle. Berühmt wurde er erst als Märtyrer, als man ihm im fernen Armenien, wo er missionierte, angeblich bei lebendigem Leib die Haut abzog und dann mit dem Kopf nach unten kreuzigte. Sein Leichnam muss danach ganz schön gefleddert worden sein, denn nach dem Ableben wurden seine Gebeine quer durch ganz Europa transportiert. „Reliquien“ vom heiligen Bartholomäus sollen in türkischen, mesopotamischen, englischen, deutschen, französischen und italienischen Kirchen liegen. Traurige Berühmtheit erlangte sein Name aber durch ein Massaker, das zufällig an seinem Gedenktag am 24. August 1572 stattfand. In dieser Nacht wurden auf Anordnung der Königinmutter Katharina de Medici in Paris über 2000 Hugenotten (Protestanten) ermordet. Eine Folge der internen Machtkämpfe des Königshauses mit dem dominierenden Adelsgeschlecht des Hauses Guise aus Lothringen. Die politische Konstellation in Frankreich zur damaligen Zeit war zu kompliziert, um sie hier in Kürze darstellen zu können. Deshalb nur die wichtigsten Punkte im Zeitraffer: Katharina gewährte den sich immer stärker ausbreitenden Protestanten in Frankreich durch ein Edikt Religionsfreiheit. Sie tat das aus taktisch-politischen Gründen, um das katholische Haus Guise zu schwächen. Der Machtkampf zwischen Katholiken und Protestanten eskalierte dann im „Blutbad von Vassy“ am 1. März 1562, als Anhänger der beiden Religionen in dem kleinen Ort in der Normandie aneinander gerieten und sich gegenseitig abmetzelten. Der Vorfall führte zu den (acht) „Hugenottenkriegen“, die Frankreich über viele Jahre lähmten und große Opfer auf allen Seiten kosteten. Unrühmlicher Höhepunkt des Dramas um Macht und Glauben war dann die Bartholomäusnacht. Es gibt keine gesicherten Quellen, wie der Ablauf tatsächlich war, denn beiden Seiten stellten natürlich nur ihre Sicht der Dinge dar. Jedenfalls wurde nahezu die gesamte Führungsschicht der Hugenotten von den Katholiken ermordet. Die Oder: Was der Glaube angerichtet hat 213 Protestanten wehrten sich und es kam auf den Straßen von Paris (und in den Tagen danach in ganz Frankreich) zu pogromartigen Szenen. Dabei starben bis zu 2000 Menschen. Das Verhältnis der „christlichen“ Parteien, Katholiken und Protestanten, war auf Jahrzehnte hinweg schwer belastet. Das Jonestown-Drama Wie weit Fanatismus und religiöse Verblendung gehen können, zeigte das furchtbare Drama der Sekte „Peoples Temple“, die im Dschungel von Guyana (im Nordosten Südamerikas) ihre Glauben praktizieren wollte. Dort hatte der Religionsgründer und Prediger Jim Jones in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Camp aufgebaut, in dem abseits der Zivilisation rund 1000 Anhänger seiner Lehre unter KZ-ähnlichen Bedingungen lebten und arbeiteten. Am 18. November 1978 kam es zur Katastrophe: Der selbst ernannte Guru Jones zwang seine Anhänger zum Massenselbstmord. Gewiss, auch wenn die verquere Ideologie des Sektengründers Jones, der gern von einem „apostolischen Sozialismus“ sprach, keine echte Religion war, so basierte sie gleichwohl auf dem gleichen Prinzip: Die Anhänger glaubten den Worten und Predigten ihres Vorbeters. Sie suchten in der „Volkstempel“-Kirche jene Hoffnung und Zuversicht, die ihnen das harte Leben in Amerika verwehrte: Jones gewann vor allem Außenseiter der Gesellschaft, diskriminierte Schwarze und Gestrauchelte, die seinen Prophezeiungen nach einem besseren Leben vertrauten. Der frühere Methodisten-Pfarrer, der die Sekte 1956 gegründet und nach einem zehnjährigen Intermezzo in Kalifornien nach Guayana geführt hatte, nutzte die Abhängigkeit seiner Gläubigen schamlos aus. Als die Berichte über totalitäre Strukturen, Drogenexzesse und sexuellen Missbrauch nicht enden wollten, besuchte der demokratische US-Kongressabgeordnete Leo G. Ryan mit drei Journalisten das Camp – und kam nicht mehr zurück: Bewaffnete Garden des wahnsinnigen Sektenchefs, der den Eingriff der Behörden und damit das Ende seines „Tempels“ befürchtete, erschossen die vier Besucher. Danach befahl der unter akutem Verfolgungswahn leidende „Vater“ Jones seinen „Jüngern“ den gemeinsamen Tod. Erst bekamen die Kinder einen Giftcocktail, dann tranken auch die Erwachsenen aus Kapitel 15 Religion als Quelle der Gewalt 214 dem bereitgestellten Todesbecher. Am Ende lagen mehr als 900 Leichen im Dschungel von Guayna. Das Goldstein-Massaker Am 25. Februar 1994 betrat der israelische Sanitätsoffizier Baruch Goldstein morgens um fünf Uhr im palästinensischen Hebron die „Höhle Machpela“, die als Grabstätte der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob gilt. Goldstein trug seine Uniform und hatte ein Sturmgewehr sowie vier prall gefüllte Magazine dabei. Unvermittelt eröffnete er das Feuer auf die dort betenden Muslime und erschoss wahllos Männer, Frauen und Kinder. Bei dem Massaker starben 29 Menschen, rund 150 weitere wurden teils schwer verletzt. Nachdem die Magazine aufgebraucht waren, wurde Goldstein von Überlebenden überwältigt und mit einem Feuerlöscher erschlagen. Nach Angaben der Nachrichtenagenturen kam es nach dem Terroranschlag zu tagelangen Ausschreitungen, bei denen weitere 24 Menschen starben. Goldstein war ein fanatischer Gottesanbeter, der in den USA aufgewachsen war und dort Medizin studiert hatte. Er emigrierte nach Israel und arbeitete als Militärarzt. Was den gottesfürchtigen Juden letztlich zu seiner mörderischen Tat getrieben hat, konnte nicht geklärt werden. So schlimm wie das Massaker selbst war auch die Reaktion der ultrarechten Kach-Bewegung, der Goldstein angehörte. Sie verherrlicht den Massenmörder Goldstein bis heute als Zaddik („Gerechter“), der als „Märtyrer“ gestorben sei. Besonders fromme Verehrer des Täters errichteten in Hebron ein Denkmal, das die Inschrift trug: „Hier ruht der Heilige Dr. Baruch Kappel Goldstein, gesegnet sei das Andenken dieses aufrichtigen und heiligen Mannes. Möge der Herr sein Blut rächen, der seine Seele den Juden, der jüdischen Religion und dem jüdischen Land geweiht hat“. Das Denkmal wurde verboten und abgerissen. Seitdem feiern seine Anhänger am Grab ihres Idols, das zum Wallfahrtsort für ultrareligiöse Israelis wurde. Alle Beteiligten – der Täter, seine Anhänger und die Opfer – glaubten fest an Gott. An den gerechten und barmherzigen Gott. Oder: Was der Glaube angerichtet hat 215 Nine eleven Als schlimmster Terroranschlag in der Geschichte der Menschheit gilt eine Attacke islamistischer Fanatiker, die als „Nine eleven“ (9/11) in die Annalen einging. Am Morgen des 11. September 2001 kaperten insgesamt 19 Entführer, 15 davon aus Saudi-Arabien, in den Vereinigten Staaten von Amerika vier Passagier-Flugzeuge. Zwei davon lenkten sie in die Zwillingstürme des World Trade Center (WTC) in New York City, eines in das Verteidigungsministerium (Pentagon) in Washington, das vierte stürzte in der Nähe von Shanksville (Pennsylvania) ab, nachdem die Passagiere an Bord vehement Widerstand geleistet hatten. Bei dem islamistischen Terrorakt, der beispiellos in der Geschichte ist, starben rund 3000 Menschen. In Schriften, die (später) gefunden und den Attentätern zugeordnet werden konnten, hieß es u.a.: „Öffne dein Herz, heiße den Tod im Namen Gottes willkommen … denn du bist nur einen kurzen Moment entfernt von dem guten, ewigen Leben in der Gesellschaft von Märtyrern“. Der Anschlag war eindeutig religiös motiviert, auch wenn politische, soziale und kulturelle Gründe eine große Rolle spielten. Die islamische Terror-Organisation „Al-Quaida“, die den Terrorakt zehn Jahre lang geplant und vorbereitet hatte, begriff sich selbst als verlängerten Arm Gottes auf Erden, um „Ungläubige“ und „Imperialisten“ mit dem Dschihad (Heiliger Krieg) zu bestrafen. Als Mastermind hinter den Anschlägen wurde der Terroristenführer Osama Bin-Laden aus Saudi- Arabien idendifiziert, der sich später auch dazu bekannte und weitere Attentate ankündigte. Bin-Laden, der sich damals in Afghanistan versteckt hatte, war jahrelang auf der Flucht vor den Sonderkommandos des FBI. Er wurde schließlich doch ausfindig gemacht und am 2. Mai 2011 bei der Operation Neptun´s Spear in Pakistan getötet. Der amerikanische Präsident George W. Bush, ein gläubiger Christ, ordnete unmittelbar nach den Anschlägen die Bombardierung von Terrorzielen in Afghanistan an, wo Al-Quaida ihr Hauptquartier hatte. Daraus sollte sich ein jahrelanger Krieg in dem islamischen Land anschließen, das in den 1990er Jahren bereits durch die sowjetische Invasion verwüstet worden war. Auch den Irakkrieg (ab 2003) begründete Präsident Bush mit den angeblichen Terrorkontakten des irakischen Diktators Saddam Hussein mit Al-Quaida. Vor seiner Kriegsentschei- Kapitel 15 Religion als Quelle der Gewalt 216 dung hatte Bush nach eigenen Angaben Gott angerufen und um Beistand gebetet. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, aber durch „Nine-eleven“ und in den darauf folgenden Kriegen sind insgesamt mindestens 250 000 Menschen ums Leben gekommen. Andere Quellen (die Zahl der Zivilopfer ist nicht zu ermitteln) sprechen sogar von 600 000 Toten. Auch die Zahl der Verletzten, Vertriebenen und anders Geschädigten sowie der materielle Schaden ist nicht seriös zu beziffern. Die Kosten des Krieges „gegen den (islamistischen) Terror“ sollen sich allein auf amerikanischer Seite auf weit über zwei Billionen Dollar belaufen. Die Spätfolgen des Krieges (Zerfall des Irak, Entstehung des „Islamischen Staates“) dauern bis heute an. Die mörderischen Buddhisten von Myanmar Dem Buddhismus wird allgemein ein friedfertiger Charakter bescheinigt. Das dies ein Trugschluss ist, wissen wir spätestens seit Anfang des Jahres 2017, als die Vertreibung des Volkes der Rohingua in Myanmar in den Fokus der Weltöffentlichkeit geriet. Im Jahr zuvor hatten die frommen Mönche der Buddhisten begonnen, unter Führung ihres Abtes Ashin Wirathu die muslimische Minderheit der Rohinguas zu drangsalieren und zu vertreiben. Wirathu ist Führer der rassistischen Bewegung „696“ und wird „Burmas Hitler“ genannt. Im Bundesstaat Rakhine traf es die Rohinguas besonders hart. Zwar sind die Konflikte in Myanmar (früher: Burma) eine Folge der Kolonialisierung durch die Briten sowie durch die jahrzehntelange Militärdiktatur, als ethnische Probleme nicht gelöst, sondern mit Gewalt unterdrückt wurden. Doch ändert die Ursache nichts an den verheerenden Folgen: Mindestens 700 000 Rohingua sind seitdem aus ihren Dörfern vertrieben worden und mussten ins benachbarte Bangladesh fliehen. Dort hausen sie unter unfassbaren Elendsbedingungen – und die Welt schaut zu. Zwar gab es durchaus Initiativen und Care-Aktionen, um die verzweifelten Menschen wenigstens vor dem Hungertod zu retten, doch blieb das Engagement der Vereinten Nationen eher bescheiden. Mehr als die offizielle Politik sahen sich halbstaatliche und private Hilfsorganisationen in der Pflicht, den entwurzelten Menschen mit dem Nötigsten zu helfen. Und während die Politik weiter in präch- Oder: Was der Glaube angerichtet hat 217 tigen Konferenzsälen verhandelt und zu keinem Ergebnis kommt, haben die „frommen“ Mönche von Myanmar ganze Arbeit geleistet: Hunderte Dörfer der vertriebenen Muslime wurden im Januar und Februar 2018 dem Erdboden gleichgemacht. Der Konflikt, der bereits zigtausend Menschen das Leben gekostet hat und etwa eine Million Rohinguas heimatlos machte, schwelt weiter. Ein Ende ist nicht abzusehen. Kapitel 15 Religion als Quelle der Gewalt 218

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Zusammenfassung

Fromme Christen und Theologen müssen tapfer sein, wenn sie dieses Buch lesen. Der Autor analysiert und kommentiert die Bibel mit einem neuen Ansatz und kommt dabei zu verblüffenden Erkenntnissen. Er porträtiert die wichtigsten Figuren des Alten und Neuen Testaments, beschreibt die zum Teil grotesken Widersprüche der „Heiligen Schrift“ und führt gleich mehrere Gründe an, warum Jesus mit großer Wahrscheinlichkeit verheiratet war. Seine Bewertung der Offenbarung und der Theodizee (Gerechtigkeit Gottes) ist ebenso spannend wie die unglaubliche Geschichte von der Lustfeindlichkeit des Christentums. Am Schluss des Buches legt der Autor dar, warum „Gott“ aber trotz aller Ungereimtheiten sowie der weiter zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft 4.0 nicht „sterben“ kann.