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Kapitel 9 Der Herr und das Weib in:

Bernard Bernarding

Und Anna seufzte zum Himmel empor, page 123 - 136

Warum der liebe Gott manchmal böse und die Bibel schier unglaublich ist

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4235-9, ISBN online: 978-3-8288-7133-5, https://doi.org/10.5771/9783828871335-123

Tectum, Baden-Baden
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Der Herr und das Weib Wie die Bibel das Frauenbild nachhaltig prägte Ist Gott ein Mann oder eine Frau? Für Feministinnen ist die Sache klar… Aber Scherz beiseite: Gott ist weder Mann noch Frau, er ist überhaupt nicht menschlich, auch nicht materialistisch, und selbstverständlich ist „er“ ungeschlechtlich. Deshalb hat „der liebe Gott“ auch keinen langen Bart, wie ihn Künstler aller Epochen immer wieder dargestellt haben, und demnach ist er auch nicht der ältere Herr, der im Alten Testament gelegentlich auftritt. Allerdings, und das sollte den Gläubigen zu denken geben: Warum haben die Erzväter, Propheten und Apostel immer vom „Herrn“ gesprochen? Warum hat Gottvater seinen „Sohn“ auf die Erde geschickt, um die Menschheit zu erlösen? Warum hat auch Jesus selbst immer von seinem Abba gesprochen, was übrigens nicht „Vater“, sondern „Papi“ heißt. Er meinte das weder metaphorisch, noch meinte er Josef, den braven Mann an der Seite Marias, die als „Muttergottes“ zur „ewigen Jungfrau“ wurde – obwohl sie biblisch belegt noch mehr Kinder und Jesus damit eine Reihe von Geschwistern hatte. Ganz konkret, weil die Kirche das Thema so gerne mit einem Tabu belegt: Maria hatte Sex! Das Frauenbild der Bibel, es ist auf spektakuläre Weise doktrinär und männlich geprägt. Es beginnt mit Eva, die als leicht verführbares Weib geschildert wird, deren Aufgabe sich nach dem Sündenfall vor allem in der Produktion und Aufzucht von Kindern sowie der Führung des „Haushalts“ erschöpft. Die Kinder sollen dabei vorzugsweise männlichen Geschlechts sein, Mädchen werden in den ersten biblischen Genealogien gar nicht erwähnt. Auch bei der ersten großen Katastrophe der biblischen Geschichte, der Sintflut (Gen 6–8), bleiben die Frauen – Noahs Gattin und die Schwiegertöchter – namenlos. Mit Abrams Frau Sarai beginnt in der Bibel dann die lange Liste der Frauen, denen der Herrgott „den Leib verschlossen“ hatte, die also Kapitel 9 123 unfruchtbar waren, bevor der Allmächtige sich dann doch noch erweichen ließ und ihren Schoß öffnete. In zahlreichen Episoden wird durch diese Metaphorik immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig im Altertum die Mutterschaft war: Wer keine Nachkommen hatte, galt als minderwertig und von Gott verflucht. Kinderlosigkeit war das schwerste Los, das eine Frau in archaischen Zeiten treffen konnte. Kinder waren nicht nur Ausdruck von Wohlstand und göttlichem Wohlgefallen, sondern auch enorm wichtig für die Altersversorgung der Eltern. Zudem glaubten die Menschen damals, ein Weiterleben nach dem Tod sei eben nur durch Nachkommen möglich. So wichtig Frauen für die Produktion des Nachwuchses auch waren – viel zu sagen hatten (haben) sie in den abrahamitischen Religionen dennoch nicht. Ganz im Gegenteil: Das weibliche Geschlecht wurde auch wegen der patriarchalischen Grundstrukturen der Religionen und der Gesellschaft über Jahrtausende hinweg auf geradezu unglaubliche Weise diskriminiert – und die „Herren der Schöpfung“ legitimierten ihr egoistisches Verhalten auch noch mit dem göttlichen Willen. Von Anfang an haben sie Eva die Schuld an dem Sünden-Schlamassel im Paradies angelastet – und die Frauen haben es sich gefallen lassen. Womöglich auch deshalb, weil Gott persönlich der Nachrangigkeit des weiblichen Geschlechts den Weg bereitete: „Unter Schmerzen wirst du deine Kinder gebären“, sagte der Herr zu Eva, nachdem sie gesündigt hatte. „Und du hast Verlangen nach deinem Mann, er aber wird über dich herrschen“ (Gen 3,16). Damit war die Richtung vorgegeben. Als erste Frau der Weltgeschichte wurde diese Eva, hebräisch chawwa, das bedeutet „Leben“, auch zur ersten Sünderin. Laut Genesis 2,18-24 wurde sie nachträglich als „Gefährte“ des Adam aus dessen Rippe entnommen (in Gen 1,27 schafft Gott den Menschen dagegen gleich „als Mann und Frau“). Damit wird in dieser zweiten Schöpfungsversion Evas „Geburtsvorgang“ praktisch umgedreht: Nicht die Frau gebiert, sondern der Mann. Aus Adams Leib entstammt Eva, jene Frau also, die fortan das Frauenbild der Menschheit prägen sollte. Obwohl die Welt von Anfang an bipolar aufgebaut war, weil Gott in seiner großen Weisheit ja wusste, dass nur Gegensätze Spannung erzeugen können (die zur dynamischen Entwicklung des Lebens notwendig ist!), unterschied sich Eva biologisch nur durch ein kleines Chromosom von Kapitel 9 Der Herr und das Weib 124 Adam. Doch dieses Chromosom hat(te) es in sich: Frauen denken und fühlen nicht nur anders als Männer, meist sensitiver; sie sind dem Mann, der dank seines natürlichen Testosteronspiegels in jungen Jahren vor Kraft oft strotzt, in der Regel körperlich unterlegen. Womöglich ist diese (gottgewollte?) biologische Prädisposition der eigentliche Grund, warum sich ein Patriarchat entwickeln und über Jahrtausende hinweg behaupten konnte. Das Schicksal der Eva-Figur steht jedenfalls beispielhaft für das verkorkste Verhältnis, das die abrahamitischen Religionen zu Frauen entwickelt haben. Interessant, dass sich die Feministinnen der heutigen Zeit so wenig auf die biblischen Autoren eingeschossen und die Rolle Evas klaglos akzeptiert haben. Manche, wie die bekannte protestantische Theologin Dorothee Sölle (1929 – 2003) haben sogar versucht, der historisierten Figur Eva etwas Gutes abzugewinnen (Gottes starke Töchter, Verlagsgemeinschaft topos). Doch viel mehr als pastoraler Euphemismus ist nicht dabei herausgekommen. Dabei wäre in solch einer wichtigen Frage durchaus Klartext angesagt. Denn bereits in der Urgeschichte der Bibel ist der Kompass der Geschlechter kalibriert worden, nutzten die (männlichen) Autoren der „heiligen Schriften“ den Vorteil ihrer Bildung, um das Rollenverhältnis der Geschlechter zu zementieren. Demnach war Eva angeblich so charakterschwach und naiv, sich von einer Schlange verführen zu lassen. Im Hintergrund dieser These summt die Unterstellung mit, Adam wäre das wohl nicht passiert. Immerhin wird der Sündenfall auch mit Adam verknüpft, und erst durch diesen fatalen Fehltritt des ersten Menschenpaars „kam die Sünde in die Welt“, stellte der Apostel Paulus mit Bezug auf Jesus Sirach fest (Röm 5,12). Eine groteske Annahme, über die Theologen und Philosophen damals wie heute erstaunlich großzügig hinweg sehen: Denn obwohl die phantastische Urgeschichte in der Genesis zweifelsfrei als Mythos und/oder Märchen erkannt ist und von seriösen Wissenschaftlern als „narrative Anthropologie“ bezeichnet wird, gelten theologische Ableitungen aus diesem Narrativ (die Erbsünde) als Dogma! Wer Verständnis für diese Logik entwickeln will, muss berücksichtigen, dass die Gesellschaft im Altertum streng patriarchal strukturiert war. Der Mann galt als Maß aller Dinge, Frauen wurden nahezu ausnahmslos über ihre Männer definiert. Die Bibel ist ein Spiegelbild die- Wie die Bibel das Frauenbild nachhaltig prägte 125 ser Philosophie. Besonders deutlich wird dies in Exodus 20,17 mit dem Gebot: „Du sollst die Frau deines Nachbarn nicht begehren, auch nicht nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin verlangen, noch seinem Rind und seinem Esel“. Die Einreihung der Frau unter die Besitztümer des Mannes sagt alles über die Rolle der Frau in der Antike aus. Ihre Wertschätzung bezog sie vor allem aus der Anzahl der geborenen Söhne. Ein Mann durfte auch, wenn er es sich wirtschaftlich leisten konnte, mehrere Frauen haben; für Frauen galt das umgekehrt natürlich nicht. Sie durften/mussten die Kinder erziehen, den Haushalt managen, insbesondere Wasser aus oft weit entfernten Brunnen holen und für die Mahlzeiten sorgen. Ansonsten hatten sie dem Mann nach dessen Belieben (sexuell) zur Verfügung zu stehen. Das galt vor allem auch für die Sklavinnen, die dem Hausherrn in absoluter Weise ausgeliefert waren. Es ist nicht bekannt, dass der gütige Gott sich über die Praxis der Sklaverei jemals echauffiert hätte – im Gegenteil: aufgrund seiner unerforschlichen Wege ließ er die Sklavin Hagar von Abraham schwängern – noch bevor Sarah (im Alter von angeblich über 90 Jahren) endlich ihren Sohn Isaak gebären konnte. Der Legende nach stammen die fünf Bücher Moses übrigens von Moses persönlich, auch dies wurde und wird von Millionen Menschen in aller Welt bedingungslos geglaubt. Wenn man aber die persönliche Autorenschaft des hebräisch-ägyptischen Prinzen ernsthaft unterstellt, hätte auch diese wichtigste Person des Judentums die Weichen zur dauerhaften Diskriminierung der Frauen gestellt. Im Pentateuch gibt es dafür zahlreiche Belege, jene im fünften Buch Moses (Deuteronomium) sind besonders heftig: Dort erlaubt der barmherzige Gott, dass Mädchen und Frauen, die ihre Unschuld verloren haben, gesteinigt werden dürfen. Wörtlich heißt es in der „Heiligen Schrift“, offiziell geschrieben von Moses: „Hat der Ehemann mit seiner Beschuldigung recht gehabt (das Mädchen sei keine Jungfrau mehr gewesen) und die Eltern können die Unberührtheit ihrer Tochter nicht beweisen, so wird die Frau vor das Haus ihres Vaters geführt und dort von den Männern der Stadt durch Steinigung hingerichtet“ (Deut 22,20). Immerhin: Wenn ein Mann ein bereits verlobtes Mädchen vergewaltigt hatte, musste auch er sterben. Vergewaltigte er aber ein noch nicht verlobtes Mädchen, drückte der liebe Gott ein Auge zu: „Dann muss der Mann dem Vater des Mädchens 50 Silberstücke geben und das Mädchen zur Kapitel 9 Der Herr und das Weib 126 Frau nehmen“ (Deut 22, 28-29). Für die Betroffene ein Vorgeschmack der Hölle: Sie musste dem Mann, der sie vergewaltigt hat, auch noch zeitlebens als Ehefrau zur Verfügung stehen. Im Namen des Herrn. Auch der Autor des „Weisheitsbuches“ Jesus Sirach, das rund 200 Jahre vor Christi Geburt geschrieben wurde und als kanonisch gilt, reihte sich in die frauenfeindliche Linie ein. Er schrieb, mit Verweis auf Eva: „Von einer Frau nahm die Sünde ihren Anfang; ihretwegen müssen wir alle sterben“ (Sir 25,24). Diesen antiken Unsinn saugten der selbsternannte Apostel Paulus und sein strebsamer Schüler Timotheus begierig auf. Timotheus befand, eine Frau habe sich grundsätzlich „still zu verhalten“. Schließlich sei zuerst Adam, danach erst Eva erschaffen worden. „Und nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau ließ sich verführen und übertrat das Verbot“ (1 Tim 2,12-14). Timotheus begründet also die Zurückstellung der Frau ausdrücklich mit der Urgeschichte von Adam und Eva. Interessant in diesem Kontext ist der Umstand, dass ausgerechnet Jesus von Nazareth – in deutlichem Kontrast zu seinen frommen Dienern – die Frauen nicht diskriminierte. Jesus ging offen mit Frauen um, sein Verhalten hat ihnen (mit Ausnahme ausgerechnet seiner Mutter Maria!) ein Stück Würde zurückgegeben, das ihnen die patriarchalischen Machos der Antike genommen hatten. Doch wie nachhaltig die Religion den Frauen ihre Gleichberechtigung verweigert hat, sieht man eben auch am Beispiel Jesu: Nicht mal dem Gottessohn war es vergönnt, den Frauen nachhaltig mehr Chancengleichheit zu verschaffen. Mit allen möglichen Tricks haben die Herren der Schöpfung nach dem Tod des Messias versucht, ihre Privilegien zu retten. Vor allem der Apostel Paulus trug entscheidend dazu bei, das fragwürdige Frauenbild des Alten Testaments aufs Neue Testament zu übertragen. Ob im ersten Korintherbrief (14,34) oder im Brief an die Epheser, die Richtung war stets klar: „Ihr Frauen, ordnet euch den Männern unter wie dem Herrn“ (5,22). So geht es unentwegt in der Bibel. Auch in Schriften, die später von „Heiligen Männern“ geschrieben wurden. Paulus´ Weggefährte Timotheus hielt gar nichts von der Gleichberechtigung, die Kirchenväter Augustinus und Thomas von Aquin zementierten die untergeordnete Stellung der Frau zusätzlich mit ideologischem Beton. Augustinus war davon überzeugt, es sei göttliche Vorsehung, „dass die Frauen den Wie die Bibel das Frauenbild nachhaltig prägte 127 Männern zu dienen haben“. Sein Frauenbild, das in der Jugend noch einigermaßen „normal“ gewesen sein muss (wie seine Liebschaften und sexuellen Eskapaden nahe legen), geriet als konvertierter Christ komplett auf den alttestamentarischen Trip: „Das Weib (ist) ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbild geschaffen wurde“. Noch schlimmer äußerte sich der Heilige Thomas von Aquin, der in der katholischen Kirche und theologischen Kreisen bis heute höchstes Ansehen genießt. Thomas behauptete allen Ernstes, ein männlicher Fötus werde bereits nach 40 Tagen „Mensch“, ein weiblicher aber erst nach 80 Tagen. Mädchen entstünden (bei der Zeugung) „durch schadhaften Samen oder feuchte Winde“. Wie Thomas und seine christlichen Glaubensbrüder die Frauen tatsächlich einschätzten, verriet der hochgeschätzte Professor aus Aquin mit diesem denkwürdigen Satz: „Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen“. Eher zum Schmunzeln (oder Weinen!) sind die wertenden Worte, die der biblische Autor Jesus Sirach (ca 200 v. Chr.) zum Besten gibt. Er hat dem Thema in seinem Buch, dass es trotz apokrypher Natur in die Bibel geschafft hat, sogar eigene Kapitel gewidmet. Überschrift: „Die böse Frau“ (Sir 25,17 – 26,24). Dort heißt es unter anderem: „Es ist keine Bosheit so schlimm wie Frauenbosheit… Ich wollte lieber bei Löwen und Drachen wohnen als bei einer bösen Frau… Alle Schlechtigkeit ist gering gegen die Schlechtigkeit einer Frau… Eine böse Frau schafft ein betrübtes Herz, ein trauriges Angesicht und Herzeleid… Die Sünde nahm ihren Anfang bei einer Frau. Ihretwegen müssen wir alle sterben… Eine lüsterne Frau erkennt man an ihrem Blick und ihren frechen Augen…“ All dies steht in der Bibel, ist „Gottes Wort“ und „irrtumsfrei“! Das Nicht-ernst-nehmen von Frauen und ihre permanente Diskriminierung durch heilige Schriften und höchste Würdenträger hat sich über die Jahrhunderte hinweg im Bewusstsein der Menschen festgefressen. Bis zur „heiligen“ Inquisition und zur Hexenverfolgung war es da nur noch ein kleiner Schritt. Am Ende wurden Frauen nicht bloß gering geschätzt und missachtet; sie wurden oftmals auch für Fehler und Sünden (der Männer) verantwortlich gemacht, und als „Hexen“ gefoltert, vergewaltigt oder umgebracht. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Kapitel 9 Der Herr und das Weib 128 Exkurs: Berühmte Frauen der Bibel Nach Eva die erste Frau, die in der Bibel Erwähnung findet, ist Abrahams Frau Sarai, die Gott später persönlich in Sarah umtaufte (Gen 17,15). Sie spielt eine tragende Rolle, weil sie angeblich so schön war, dass gleich zwei Könige scharf auf sie wurden (der Pharao von Ägypten und Abimelech, der König von Gerar). Mit Sarai beginnt auch der Sex in der Bibel, wird a) die Willenlosigkeit der Frau beschrieben, die sich dem Wunsch des Mannes zu fügen hat; und b) die Attraktivität des weiblichen Geschlechts, bei denen Männer schwach werden (Gen 12,15). Obwohl Sarai bei der Ankunft in Ägypten bereits 75 Jahre alt war und sich nach den Gesetzen der Biologie in einem faltenreichen Stadium befunden haben muss, entflammte das Herz des Pharao angeblich so vehement, dass er sie zur Frau haben wollte. Und weil Abram Angst hatte, dass ihn die Ägypter lynchen könnten, um an seine schöne Frau zu kommen, gab er sie lieber als seine „Schwester“ aus. Feige und/oder ohnmächtig ließ er zu, dass seine „Schwester“ in den Palast des Pharaos gebracht wurde. Exegeten behaupten, Abram habe keine andere Wahl gehabt als Sarai preiszugeben, da er sonst „verhungert“ wäre (Stuttgarter Erklärbibel, Seite 25). Ungeachtet dessen beschenkte der verliebte Pharao den „Bruder“ seiner neuen Frau mit „Schafen, Rindern, Eseln, Knechten, Mägden, Eselinnen und Kamelen“ (Gen 12,16). Das half Abram zwar über seine wirtschaftliche Not hinweg, doch zur Fortsetzung der biblischen Geschichte brauchte er ja seine Frau zurück. Also musste Gott persönlich eingreifen: der arme Pharao wurde mit furchtbaren Krankheiten gequält, sodass er Sarai entnervt wieder frei gab. Sehr praktisch für Abram: nun war er ein gemachter Mann, denn die Geschenke durfte er behalten und seine Frau bekam er auch zurück. Als Abram mit Sarai nach dem ägyptischen Abenteuer weiter „ins Südland“ zog, war er „sehr reich an Vieh, Silber und Gold“ (Gen 13,2). Die Rolle der biblischen Rebekka ist noch spezieller als die von Sarah. Als junges Mädchen wurde Rebekka extra aus Abrahams alter Heimat Haran herbeigeschafft, da der Vater nicht wollte, dass sein Sohn eine Kanaaniterin heiratet. Der 40jährige Isaak nahm also Rebekka zur Frau, und wie in der Bibel üblich, war sie erst mal unfrucht- Wie die Bibel das Frauenbild nachhaltig prägte 129 bar. Doch selbstverständlich ließ sich der Herr erweichen und so wurde Rebekka doch noch schwanger – mit Zwillingen! Damit begann ein Drama, das weitreichende religionsphilosophische Konsequenzen haben sollte und Theologen und Bibelwissenschaftler bis heute beschäftigt. Die Zwillinge machten nämlich schon im Mutterleib Rabbatz, strampelten gegen den Bauch der Mutter, sodass Rebekka unruhig „hin ging, um den Herrn zu befragen“ (das heißt, sie konsultierte einen Priester). An dieser Stelle wird es kompliziert und heikel, denn aus der Antwort des Priesters spricht nach biblischer Logik Gott der Herr persönlich: „Zwei Völker wohnen in deinem Leib, und ein Volk wird dem anderen überlegen sein. Und der Ältere wird dem Jüngeren dienen“ (Gen 25,23). Diese kleine Episode ist theologisch von überragender Bedeutung. Denn aus dieser göttlichen Antwort leiteten Schriftgelehrte, Propheten und Apostel später eine furchtbare Ideologie ab: Der Prophet Maleachi gab die Richtung vor und zitierte den Allmächtigen: „Jakob habe ich geliebt, Esau aber habe ich gehasst!“ (Mal 1,2-3). Daraus wiederum formulierte der Apostel Paulus die göttliche Willkür-These: „Ich schenke Erbarmen, wem ich will; und ich erweise Gnade, wem ich will“ (Röm 9,15). Der Kirchenvater Augustinus begründete mit dieser Formel schließlich seine unselige Gnadenlehre (De diversis quaestionibus ad Simplicianum). Sie besagt Ungeheuerliches: Der Mensch kann tun und lassen, was er will, Gutes oder Schlechtes. Doch wenn er Gottes Gnade nicht erfährt, hat er keine Chance auf Erlösung. Dann wartet auf ihn – die ewige Hölle! Abermals wird deutlich, dass es in der Bibel, speziell auch in der folgenden Jakob-Legende, fast ausschließlich um das Befolgen der Gesetze, also um Gehorsam geht – und um das männliche Geschlecht. Frauen sind zum Dienen und zum Gebären da, oder für hinterlistige Tricks. So half Rebekka ihrem Lieblingssohn Jakob nicht nur, den Erstgeburtssegen des erblindeten Vaters zu erschwindeln; sie schickte Jakob auch in die alte Heimat Haran, um ihn vor dem Zorn des betrogenen Bruders Esau zu schützen. Immerhin entspann sich aus dieser Entwicklung „die schönste Liebesgeschichte der Bibel“ (die Theologin Dorothee Sölle). Interessant, dass manche Theologen das so sehen wollen. Als sei eine Liebesstory schon deshalb schön, weil die Lieben- Kapitel 9 Der Herr und das Weib 130 den aus dramaturgischen Gründen erstmal nicht zueinander finden. Jedenfalls traf Jakob an einer Tränke vor der Stadt die Tochter seines Onkels Laban, die attraktive Rahel, in die er sich sofort verliebte. Am Ende der „schönsten Liebesgeschichte“ hatte Jakob dann vier Frauen (Rahels ältere Schwester Lea, die ihm Onkel Laban zuerst unterjubelte; Rahel, für die er den ganzen Stress auf sich nahm; sowie die Sklavinnen Silpa und Bilha). Dafür hat er insgesamt 20 Jahre lang bei Laban arbeiten müssen. Belohnt wurde er immerhin mit zwölf Söhnen (die Zahl seiner Töchter wird nicht genannt), aus denen die zwölf Stämme Israels hervorgehen sollten. Außerdem war Jakob in Parallele zu seinem Opa Abraham reich geworden und konnte als gemachter Mann zurück in seine Heimat Kanaan reisen. Auch hier spielt nur einer die Hauptrolle: der Mann. Den Frauen bleiben Nebenrollen – die immerhin durch die typische biblische Unfruchtbarkeit (diesmal bei Jakobs Lieblingsfrau Rahel) auf ergreifende Weise dramatisiert werden. „Mach mir Kinder, sonst sterbe ich!“ (1. Mose 30,1), fleht sie ihren Mann an. Weil Kinderlosigkeit im Altertum als schwerer Makel galt, war es üblich, dass im Notfall Sklavinnen als „Leihmütter“ herhalten mussten. Und da Rahel die üblichen Schwierigkeiten hatte, musste sich Jakob eben mit dem „Erkennen“ der Sklavinnen Silpa und Bilha um den ersehnten Nachwuchs bemühen. Lieblingssohn Josef, der eine herausragende Rolle im weiteren Verlauf der biblischen Geschichte spielen sollte, wurde nach Öffnung des Schoßes durch den gütigen Herrn natürlich von Jakobs Lieblingsfrau Rahel geboren… Nicht typisch für die Bibel ist hingegen das Wirken der Jüdin Judith. Die ebenso attraktive wie reiche Witwe des Kaufmanns Manasse wurde auserwählt, die bedrohten Juden vor dem Terrorregime des babylonischen Königs Nebukadnezar (605-562) zu retten. Nun war Nebukadnezar (der II.) zwar ein frommer Mann, er betete die alten mesopotamischen Götter Marduk und Nabu an – und wurde selbst von seinen Untertanen als Gott verehrt. Das aber durfte natürlich nicht sein, und muss auch die offizielle Rezeption der Judith-Geschichte verstanden werden: Der Herrschafts- und Gottes-Anspruch des Nebukadnezar ging (den Juden) zu weit. Deshalb entmachtete Jahwe den Götzen aus Babylon und ließ „sein“ Israel durch die mutige (und blutige) Hand der gottesfürchtigen Judith retten. Wie die Bibel das Frauenbild nachhaltig prägte 131 Stellvertretend für Nebukadnezar musste allerdings dessen Hauptmann Holofernes dran glauben. Dieser Krieger belagerte im Rahmen eines babylonischen Eroberungsfeldzuges die kleine Stadt Bethulia (nördlich von Hebron), um ihre Bewohner zur Aufgabe zu zwingen. In dieser schwierigen Lage tritt Judith auf den Plan – und trickst mit weiblicher List und weiblichen Reizen den scheinbar unbesiegbaren Krieger Holofernes aus. Judith wendet im letzten Moment die Katastrophe ab, indem sie sich herausputzt, ihre besten Kleider anlegt und „sich salbt mit köstlichem Wasser“ (Parfum), um dann mit ihrer Magd (die einen Schlauch voll schweren Weines und einen Beutel mit Feigenkuchen tragen muss) zum Zelt von Holofernes zu pirschen. Die Wächter täuscht sie mit der Mär, dem Feldherrn alles aus der Stadt Bethulia verraten zu wollen. Weil Judith so schön ist, lässt man sie durch. Holofernes ist entzückt und entflammt sofort in heftiger Leidenschaft. Um es kurz zu machen: Judith diniert mit Holofernes, die Diener ziehen sich diskret zurück – und Judith schenkt dem Feldherrn ein: Erst Wein, bis er betrunken ist; dann das Schwert, das über dem Bett hing. Der gütige Gott verschonte die selbstlose Judith dabei vor der sexuellen Schande, und so konnte sie ohne Befleckung aus dem betrunkenen Hauptmann einen Mann ohne Haupt machen. Den abgeschlagenen Kopf wickelte sie mit ihrer Magd in einen Vorhang und nahm ihn mit in ihre Stadt, die danach aus dem Häuschen war. Am nächsten Morgen fanden die Assyrer den Torso ihres Hauptmannes Holofernes und ergriffen panisch die Flucht. So wurde Judith zur Retterin des Volkes Israel. Ihre heutige Berühmtheit erlangte die heroische Märchengestalt Judith aber vor allem durch die kreative Rezeption der Künstler im Mittelalter: Michelangelo, Botticelli, Lucas Cranach der Ältere, Caravaggio und viele andere schufen phantastische Bildmotive, Vivaldi und von Reznicek komponierten wunderbare Judith-Melodien. Und Anna seufzte zum Himmel empor. Dieser Satz aus dem Protevangelium des Jakobus (eine apokryphe Schrift aus dem 2. Jahrhundert n. Chr.) ist aus gutem Grund zum Titel dieses Buches gewählt worden, denn er ist sinnbildlich gleich in dreifacher Hinsicht: 1. für die biblische Logik, die grundsätzlich Unterwürfigkeit und Apotheose verlangt; 2. für das Schicksal der Menschen, die mit den göttlichen Anforderungen, die an sie gestellt werden, nicht klar kommen; und 3. für das Drama der Frauen, die über Jahrtausende hinweg mit Gottes Segen be- Kapitel 9 Der Herr und das Weib 132 nachteiligt und diskriminiert wurden. Anna, die Mutter Marias und damit Großmama von Jesus, steht sinnbildlich für die armen Menschenkinder, die sich in ihrem Kummer gen Himmel wenden. Dort, wo sie den barmherzigen „Vater“ vermuten. Den gütigen Gott, der alles weiß und alles kann. Anna brauchte Hilfe, weil sie – man ahnt es schon – nicht schwanger wurde. Der Herr hatte, wie auch schon beim biblischen Anna-Vorbild Hanna (der Mutter des Propheten Samuel) ihren „Leib verschlossen“. Warum der Herr dies tat, bleibt wie immer unklar. Die heilige Anna, berühmt geworden als Großmutter von Jesus. Zahlreiche Künstler (hier ein Ausschnitt aus dem berühmten Gemälde „Anna Selbtritt“ von Leonardo da Vinci) haben ihr ein Denkmal gesetzt. Annas Kopf soll heute tatsächlich in der deutschen Kleinstadt Düren ruhen (siehe Text über Anna). Annas Mann hieß Joachim, und der war nicht nur reich, sondern auch schlau: Er brachte alle Opfergaben für den Herrn doppelt dar, um auf der sicheren Seite zu sein. Dieser Trick half ihm aber auch nicht weiter, denn eines Tages bekam er Stress mit der Gemeinde, weil er „für Israel“ noch keine Nachkommen gezeugt hatte. Also wurde Joachim traurig und ging in die Wüste, um dort 40 Tage und 40 Nächte lang zu fasten. Wie ernst er seine Sühne nahm, ist nicht bekannt, schließlich war er ja allein; aber Joachim hat diese Tortur gesund überstanden – was sich seine Frau Anna offenbar nicht vorstellen konnte, denn sie stimm- Wie die Bibel das Frauenbild nachhaltig prägte 133 te „ein zwiefaches Klagelied“ an. Einmal wegen ihrer Kinderlosigkeit, zum anderen wegen der nun vermuteten Witwenschaft. Also wusch sie ihr Haupt, legte Brautkleider an, setzte sich im Garten unter einen Lorbeerbaum – und seufzte zum Himmel empor (Jakobus 3,1). Kapitel 4 des Protevangeliums beginnt mit den Worten: „Und siehe, ein Engel des Herrn trat zu ihr und sprach: „Anna, Anna, der Herr hat deine Bitte erhört. Du wirst empfangen und gebären, und deine Nachkommenschaft wird in der ganzen Welt genannt werden“. Ein anderer Engel kam zum Ehemann, weil der ja ebenfalls über die Neuigkeit informiert werden musste: „Joachim, Joachim, siehe Anna, dein Weib, hat in ihrem Leib empfangen!“ Alle freuten sich riesig, und es blieb offen, auf welche Weise Anna empfangen hatte, denn ihr Ehemann war ja 40 Tage lang nicht zuhause gewesen. Aber Joachim wusste nun eben, „dass Gott der Herr mir gnädig ist, und mir alle meine Sünden vergeben hat“ (5,1). Nach Aussage des Jakobus gebar Anna im siebten Monat und gab dem Mädchen den Namen Maria. Diese Leistung Annas genügte, um von der katholischen Kirche heilig gesprochen zu werden. Obwohl von ihr außer der Mutterschaft Marias nichts bekannt ist und sie in den offiziellen Evangelien überhaupt nicht erwähnt wird, entstand im frühen Mittelalter ein regelrechter Kult um die Oma von Jesus. Der Anna-Hype begann um das Jahr 550, als Kaiser Justinian in Konstantinopel (heute Istanbul) eine Kirche bauen ließ, die er nach ihr benannte. Anna war übrigens dreimal verheiratet, die (zahlreichen) Kinder aus diesen Beziehungen wären damit allesamt Verwandte von Jesus gewesen, auch Johannes der Täufer gehörte zur Sippe. Annas Verehrung erreichte dann zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt, als in ganz Europa immer mehr Anna-Altäre, Anna-Statuen und Anna-Kapellen errichtet wurden. Die Kirche schreckte damals nicht einmal davor zurück, „Anna-Gürtel“ zu vertreiben, die gegen Unfruchtbarkeit helfen sollten… An dieser Stelle noch ein kleiner Exkurs zur Heiligen Anna, der so makaber ist, dass er nicht verschwiegen werden darf: Zwar wurde die gute Frau nach ihrem Ableben ganz normal beerdigt – doch ihre Totenruhe wurde gleich mehrfach und nachhaltig gestört. Fromme Freunde der Reliquien-Tradition trennten nämlich nicht nur Annas Kopf vom Leichnam ab, was schon schaurig genug ist. Der Kopf musste auch noch eine Odyssee antreten, die geradezu unglaublich verlief. Kapitel 9 Der Herr und das Weib 134 Heute ruht das Haupt der heiligen Anna – in der deutschen Kleinstadt Düren bei Aachen! Kein Witz. Es war eine echte Räuberpistole: Im Jahr 1212, da war Annas Seele bereits 1200 Jahre im Himmel, wurde das Haupt der Heiligen von Bethlehem nach Mainz überführt. Wer das warum und mit welcher Berechtigung veranlasst hat, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. In Mainz am Rhein ruhte Annas Kopf dann weitere 300 Jahre in der Kirche St. Stephanus – bis eines Tages ein frecher Steinmetz aus Kornelimünster (bei Aachen) sich der Reliquie räuberisch bemächtigte und mit nach Hause nahm. Danach fing das Gezerre erst richtig an: Der Abt des Klosters von Kornelimünster wollte keine Schuld auf sich laden, lehnte das „Geschenk“ des Steinmetzes dankend ab und transportierte den Totenkopf persönlich zu seinen Franziskaner-Brüdern nach Düren, damit er von dort zurück nach Mainz gebracht werde. Aber der Abt hatte die Rechnung ohne den frommen Herzog von Jülich gemacht! Dieser Edelmann, so steht es in den Annalen der Stadt, erhob lautstark Einspruch gegen den Rücktransport, sodass der Stadtrat von Düren in heiligem Eifer beriet – und die Reliquie einfach konfiszierte! Auch die Fürsprache der Erzbischöfe von Köln und Mainz fruchtete nichts, die Dürener rückten ihren Schatz nicht mehr heraus. Der Streit ums heilige Haupt schwelte weiter, bis im Jahr 1506 Papst Julius II. persönlich ein Machtwort sprach – zugunsten von Düren. Dort wird Annas Haupt seitdem unter einem kostbaren Schrein aufbewahrt. Zwar wurde die Annakirche im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff im November 1944 vollständig zerstört. Doch angeblich hat man die Reliquie der heiligen Anna aus den Trümmern retten können. Göttliche Gnade floss auch Maria Magdalena zu, der „Gefährtin Jesu“, wie sie von den Evangelisten genannt wird. Sie ist, trotz der Muttergottes, die vielleicht interessanteste Frauenfigur im Neuen Testament, was auf das geheimnisvolle Verhältnis zu ihrem Guru Jesus zurückzuführen ist. Denn jeder Gläubige, der sich für die Bibel im Allgemeinen und für Maria Magdalena im Besonderen interessiert, kommt an einer gewissen Frage nicht vorbei: Haben die beiden – sich etwa geliebt? Die Frage ist pikant: Hatte Jesus Christus, Menschensohn und Gottessohn in einem, etwa auch menschliche, also erotische Gefühle? Womöglich gar ein Sexualleben? Im Evangelium des Philippus (apo- Wie die Bibel das Frauenbild nachhaltig prägte 135 kryph), das zum berühmten Nag-Hammadi-Codex zählt, heißt es vieldeutig: „Und die Gefährtin [des Erlösers] ist Maria Magdalena. Der [Erlöser liebte] sie mehr als [alle] Jünger und er küsste sie [oft] auf ihren [Mund]“ (II,3 Vers 55). Das Wort „Mund“ ist eine Interpretation der Bibelforscher, das Original-Papyrus ist an dieser Stelle beschädigt, was Raum für Spekulationen lässt. Was wir aber wissen ist die Tatsache, dass Jesus ein besonderes Vertrauensverhältnis zu Maria Magdalena hatte. Umgekehrt darf man mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Maria aus Magdala diesen spannenden Typ Jesus geliebt hat. Verehrt und mit „ihrem Vermögen“ ausgehalten hat sie ihn (Lk 8,2-3), seit Jesus sie exorziert und von „sieben bösen Geistern“ befreit hatte. Sie war auch die erste Frau, die Jesus nach seiner Auferstehung sehen – aber nicht berühren durfte (Joh 20,17). Künstler wie Angelico, da Correggio und Holbein der Jüngere haben aus diesem noli me tangere-Motiv („Berühr mich nicht!“) weltberühmte Ikonografien geschaffen. Auch dies ein interessanter Aspekt: Der „ungläubige Thomas“ durfte den Herrn nach dessen Auferstehung berühren (Joh 20,27). Warum er, Magdalena aber nicht? Weil sie eine Frau war? Kapitel 9 Der Herr und das Weib 136

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Zusammenfassung

Fromme Christen und Theologen müssen tapfer sein, wenn sie dieses Buch lesen. Der Autor analysiert und kommentiert die Bibel mit einem neuen Ansatz und kommt dabei zu verblüffenden Erkenntnissen. Er porträtiert die wichtigsten Figuren des Alten und Neuen Testaments, beschreibt die zum Teil grotesken Widersprüche der „Heiligen Schrift“ und führt gleich mehrere Gründe an, warum Jesus mit großer Wahrscheinlichkeit verheiratet war. Seine Bewertung der Offenbarung und der Theodizee (Gerechtigkeit Gottes) ist ebenso spannend wie die unglaubliche Geschichte von der Lustfeindlichkeit des Christentums. Am Schluss des Buches legt der Autor dar, warum „Gott“ aber trotz aller Ungereimtheiten sowie der weiter zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft 4.0 nicht „sterben“ kann.