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4 Resümee und Kernaussagen der Arbeit in:

Daniel Ternes

Compliance Management, page 303 - 314

Relevanz und Ausgestaltung bei nicht börsennotierten Unternehmen

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4237-3, ISBN online: 978-3-8288-7131-1, https://doi.org/10.5771/9783828871311-303

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 88

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Resümee und Kernaussagen der Arbeit Status quo Relevanz von Compliance Management für nicht börsennotierte Unternehmen In der vorliegenden Studie wird dem Compliance Management von ca. der Hälfte der Teilnehmer eine hohe bis sehr hohe Bedeutung und von ca. einem Viertel der Teilnehmer eine mittlere Bedeutung beigemessen.492 Damit liegt das Ergebnis etwas unterhalb den Ergebnissen aus den im Kapitel 1.2.2 dargestellten bisherigen Studien. Beispielsweise wird das Thema Compliance Management in der KPMG-Studie493 von 72% der mittelständischen Unternehmen als sehr bedeutend und in der INTES-Studie494 von 83% der Teilnehmer als relevant bis sehr relevant eingestuft. Ein Grund für diese etwas geringere beigemessene Bedeutung kann z.B. in der Funktion bzw. Stellung der antwortenden Personen liegen. Während in der INTES-Studie ca. 80% der Teilnehmer die Funktion eines Gesellschafters einnehmen, handelt es sich bei den Teilnehmern der vorliegenden Studie im Wesentlichen um Personen im Angestelltenverhältnis. Compliance-Verstöße haben für Gesellschafter jedoch eine ganz andere Dimension als für Angestellte, da ihr Eigentum, z.B. durch Vermögensverlust, Schadensersatzzahlungen oder Reputationsschäden, direkt geschädigt wird. Dies kann zu einer höheren Einschätzung der Bedeutung des Compliance Managements führen. Daneben kann auch die unterschiedliche Zusammensetzung der Teilnehmer hinsichtlich der Unternehmensgröße in den verschiedenen Studien ein Einflussfaktor für die unterschiedliche Einschätzung der Relevanz des Compliance Managements sein. Die Auswertung der Kreuztabelle zum Einfluss der Unternehmensgröße (auf Basis der Umsatzerlöse) in Bezug auf die Einschätzung der Relevanz von Compliance Management (siehe Kapitel 3.2.2.1.2.4) hat einen positiven Zusammenhang aufgezeigt. Größere Unternehmen messen dem Compliance Management eine höhere Bedeutung bei. Die Tatsache, dass 58,7% der teilnehmenden Unternehmen (siehe Kapitel 3.2.1.3.1) in der vorliegenden Studie Umsatzerlöse von maximal € 250 Mio. aufweisen, kann das Ergebnis im Vergleich zu den anderen Studien insoweit negativ beeinflussen. Hinsichtlich der Motive für Compliance Management bzw. für die Implementierung eines Compliance Management Systems bestätigt die vorliegende Arbeit im Wesentlichen die Ergebnisse der bisherigen Studien. So weisen gemäß der durchgeführten Studie die Motive Schutz der Reputation des Unternehmens, Vermeidung der Haftung der Mitglieder des Leitungsorgans, Einhaltung bestehender Gesetze sowie Vermei- 4 4.1 492 Vgl. Kapitel 3.2.2.1.1. 493 Vgl. Kapitel 1.2.2.3. 494 Vgl. Kapitel 1.2.2.8. 303 dung von Schadensersatzzahlungen des Unternehmens die höchste Relevanz für die Unternehmen auf.495 Diese Einschätzung findet sich auch in den Vergleichsstudien wieder. Das Motiv Haftungsvermeidung für die Organe wird beispielsweise in der DMI-Studie496, der Recommind-Studie497, der HTWG-Studie498 sowie der A.T. Kearney-Studie499 als sehr bedeutend eingestuft. Die Vermeidung von Reputationsschäden wird bei der Recommind-Studie500 und der HTWG-Studie501 explizit als eines der Hauptmotive für Compliance Management hervorgehoben. Als besonders relevante Rechtsgebiete in Bezug auf das Compliance-Risiko ergibt die vorliegende Studie das Kartell-/Wettbewerbsrecht, das Strafrecht, das Arbeitsrecht sowie das Steuerrecht.502 Dieses Ergebnis bestätigt ebenfalls weitgehend die bisherigen Forschungs-erkenntnisse. So zeigen beispielsweise die Alvarez & Marsal-Studie503 oder die HTWG-Studie504 die hohe Bedeutung der Gebiete Kartell-/Wettbewerbsrecht und Strafrecht. Allerdings ist das Gebiet Steuerrecht in den bisherigen Studien noch nicht im Fokus gewesen. Aufgrund einer in 2016 erfolgten Änderung des Anwendungserlasses zu § 153 AO505, wonach der Existenz eines Tax Compliance Management Systems eine Indizwirkung gegen den Vorwurf des Vorsatzes oder der Leichtfertigkeit, z.B. bei Abgabe einer unrichtigen Steuererklärung, zukommen kann, wird sich die Bedeutung des Steuerrechts im Rahmen des Compliance Managements zukünftig vermutlich erhöhen. Hinsichtlich der Aufgaben des Compliance Managements ergibt die vorliegende Studie, dass der Präventionsfunktion die höchste Bedeutung beigemessen wird. Dieses Ergebnis bestätigt die bisherigen Erkenntnisse, beispielsweise aus der DMI-Studie506.507 Die Teilnehmer der vorliegenden Studie haben die Compliance-Tätigkeit besonders bedeutend für die Bereiche Unternehmensführung, Vertrieb sowie Einkauf eingeschätzt.508 Dieses Ergebnis zeigt sich ebenfalls in der DMI-Studie509 und der HTWG- Studie510. Die vorliegende Studie bestätigt zudem weitgehend die bisherigen Forschungsergebnisse in Bezug auf die Instrumente des Compliance Managements. So werden gemäß der vorliegenden Studie den Instrumenten Vorleben der Führungskräfte („tone at 495 Vgl. Kapitel 3.2.2.2. 496 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 497 Vgl. Kapitel 1.2.2.4. 498 Vgl. Kapitel 1.2.2.5. 499 Vgl. Kapitel 1.2.2.6. 500 Vgl. Kapitel 1.2.2.4. 501 Vgl. Kapitel 1.2.2.5. 502 Vgl. Kapitel 3.2.2.3. 503 Vgl. Kapitel 1.2.2.7. 504 Vgl. Kapitel 1.2.2.5. 505 Vgl. Bundesministerium der Finanzen, BMF-Schreiben vom 23.05.2016, BStBl. I 2016, S. 490. 506 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 507 Vgl. Kapitel 3.2.2.5. 508 Vgl. Kapitel 3.2.2.6. 509 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 510 Vgl. Kapitel 1.2.2.5. 4 Resümee und Kernaussagen der Arbeit 304 the top“), Unternehmensleitbild, Verhaltenskodizes, Workshops/Schulungen und Richtlinien die höchste Relevanz für ein wirksames Compliance Management beigemessen.511 Insbesondere die hohe Bedeutung der Instrumente Vorleben der Führungskräfte („tone at the top“), Unternehmensleitbild sowie Verhaltenskodizes wird beispielsweise auch durch die DMI-Studie512, die PwC-Studie513 und die HTWG-Studie514 aufgezeigt. Die Schulung der Mitarbeiter ist gemäß der PwC-Studie515 und der HTWG-Studie516 besonders bedeutsam. Das Instrument Hinweisgebersystem wird im Rahmen der vorliegenden Studie hingegen als wenig relevant bewertet, was von den Erkenntnissen der PwC-Studie517 und der Alvarez & Marsal-Studie518 abweicht, die diesem Instrument eine sehr hohe Bedeutung beimessen.519 Die differierende Einschätzung ist mit der unterschiedlichen Zusammensetzung des Probandenkreises zu begründen. Der Teilnehmerkreis der Studien von PwC und Alvarez & Marsal umfasst einen deutlich höheren Anteil an großen Unternehmen. Bei diesen fällt aufgrund der komplexeren Organisationsstruktur der wesentliche Vorteil eines Hinweisgebersystems (Informationsgewinn) stärker ins Gewicht und überwiegt scheinbar die im Zusammenhang mit Hinweisgebersystemen bestehenden Zweifel hinsichtlich der Beeinflussung der Unternehmenskultur (vgl. die Ausführungen in den Kapiteln 2.3.2.3.3 und 3.2.3.3.3.1.1). Zusammenfassend kann hinsichtlich der Analyse zur Relevanz von Compliance Management für nicht börsennotierte Unternehmen festgehalten werden, dass die Ergebnisse der vorliegenden Studie die bisherigen Forschungserkenntnisse weitgehend bestätigen und Compliance Management als bedeutendes Thema wahrgenommen wird. Dabei werden insbesondere das Vorleben der Führungskräfte und ein klares Kommitment der Unternehmensleitung zu Compliance als maßgebliche Faktoren für den Erfolg des Compliance Managements angesehen. Dennoch zeigt die Studie auch, dass bei einem nennenswerten Teil der Unternehmen die hohe Bedeutung des Themas Compliance Management noch nicht angekommen ist. Hier gilt es, weitere Aufklärungsarbeit zu leisten. Status quo Ausgestaltung des Compliance Managements bei nicht börsennotierten Unternehmen Von besonderer Bedeutung für die vorliegende Studie und Ausgangspunkt für die weiteren Fragestellungen zur Ausgestaltung des Compliance Managements ist die 4.2 511 Vgl. Kapitel 3.2.2.7. 512 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 513 Vgl. Kapitel 1.2.2.2. 514 Vgl. Kapitel 1.2.2.5. 515 Vgl. Kapitel 1.2.2.2. 516 Vgl. Kapitel 1.2.2.5. 517 Vgl. Kapitel 1.2.2.2. 518 Vgl. Kapitel 1.2.2.7. 519 Vgl. Kapitel 3.2.2.7. 4.2 Status quo Ausgestaltung des Compliance Managements bei nicht börsennotierten Unternehmen 305 Frage nach der Verbreitung von Compliance Management Systemen innerhalb der nicht börsennotierten Unternehmen. Gemäß der vorliegenden Umfrage hat etwas mehr als die Hälfte der teilnehmenden Unternehmen (52,3%) ein Compliance Management System implementiert.520 Dieses Ergebnis liegt auf einem vergleichbaren Niveau wie die Ergebnisse der wesentlichen bisherigen, vergleichbaren Studien z.B. vom DMI (48,0%)521, von der KPMG (53,0%)522 oder INTES (54,0%)523. Die Studie von A.T. Kearney524 weist mit einer Quote von 89,0% einen deutlich höheren Anteil an Unternehmen mit implementiertem CMS auf, was jedoch mit der Größenzusammensetzung der Studie begründet werden kann. Wie in den Kapiteln 3.2.3.1.2.3 und 3.2.3.1.2.4 gezeigt wird, haben die Größenkriterien Umsatz und Mitarbeiterzahl einen positiven Einfluss auf die Existenz eines CMS. Die Studie von A.T. Kearney umfasst einen deutlich höheren Anteil an größeren Unternehmen als die vorliegende Studie, wodurch die abweichende Ausprägung resultiert. Insgesamt kann somit festgestellt werden, dass sich der Verbreitungsgrad von Compliance Management Systemen in den Jahren ab 2010 (Zeitpunkt der INTES-Studie) nicht wesentlich verändert hat. Zwar verfügen schon viele Unternehmen über ein CMS, aber bei fast dem gleichen Anteil an Unternehmen besteht weiterhin Handlungsbedarf. Eine zentrale Bedeutung für ein effektives Compliance Management kommt der Funktion des Compliance-Beauftragten zu, da dieser für die praktische Umsetzung verantwortlich ist. Gemäß der vorliegenden Studie haben 59,8% der Probanden einen Compliance-Beauftragten bestimmt.525 Im Vergleich zur DMI-Studie (46,0%)526 ist das eine deutliche Verbesserung, allerdings ist im Hinblick auf die hohe Bedeutung dieser Funktion dennoch weiterhin Handlungsbedarf zu attestieren. Zudem zeigt die vorliegende Studie, dass 77,8% der Compliance-Beauftragten noch zusätzliche Aufgaben bzw. Funktionen zu erledigen haben.527 Ähnliche Ergebnisse finden sich in der DMI-Studie (83,0%)528 oder der PwC-Studie529. Auch diese Erkenntnis verdeutlicht das bestehende Optimierungspotential. Über eine eigenständige Compliance-Abteilung verfügen gemäß der vorliegenden Studie 28,0% der Unternehmen.530 Dieses Ergebnis liegt zwischen den Ergebnissen der DMI-Studie (8,0%)531 und der Studie von A.T. Kearney (41,0%)532. Grundsätzlich besteht diesbezüglich sicherlich Optimierungsbedarf, wobei die Frage nach einer eigenständigen Compliance-Abteilung deutlich von der Größe der Unternehmen be- 520 Vgl. Kapitel 3.2.3.1.1. 521 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 522 Vgl. Kapitel 1.2.2.3. 523 Vgl. Kpaitel 1.2.2.8. 524 Vgl. Kapitel 1.2.2.6. 525 Vgl. Kapitel 3.2.3.2.1.1.1. 526 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 527 Vgl. Kapitel 3.2.3.2.1.3.1. 528 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 529 Vgl. Kapitel 1.2.2.2. 530 Vgl. Kapitel 3.2.3.2.2.1.1. 531 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 532 Vgl. Kapitel 1.2.2.6. 4 Resümee und Kernaussagen der Arbeit 306 einflusst wird (siehe hierzu die Kapitel 3.2.3.2.2.1.2.3 und 3.2.3.2.2.1.2.4), bedingt durch die Faktoren Komplexität der Organisation – und damit verbundener Notwendigkeit einer Compliance-Abteilung – sowie vorhandener Ressourcen (monetär und personell). Für die effektive Umsetzung der Compliance-Strategie und des Compliance-Programms sind die eingesetzten Compliance-Instrumente von entscheidender Bedeutung. Die vorliegende Studie zeigt, dass die Instrumente Vorleben der Führungskräfte („tone at the top“), Unternehmensleitbild, Richtlinien und Workshops/Schulungen besonders häufig von den Unternehmen eingesetzt werden.533 Das Ergebnis hinsichtlich der tatsächlichen Verwendung entspricht der Einschätzung der Relevanz der Instrumente durch die Probanden.534 Vergleichbare Ergebnisse finden sich in den bisherigen Studien, z.B. der DMI-Studie535, der PwC-Studie536, der HTWG-Studie537 oder der Recommind-Studie538. Lediglich hinsichtlich der Verwendung des Instruments Hinweisgebersystem zeigt sich – entsprechend dem Ergebnis zur Einschätzung der Relevanz539 – ein deutlicher Unterschied zwischen der vorliegenden Studie und der PwC-Studie540 sowie der Alvarez & Marsal-Studie541. Während lediglich etwas mehr als ein Drittel der Probanden der vorliegenden Studie ein Hinweisgebersystem verwendet, haben jeweils mehr als zwei Drittel der Probanden der Studien von PwC und Alvarez & Marsal ein Hinweisgebersystem implementiert.542 Wie bereits im Kapitel 4.1 dargelegt, ist als wesentlicher Grund dieses Unterschieds die unterschiedliche Zusammensetzung des Probandenkreises zu nennen. Zusammenfassend kann somit festgestellt werden, dass die vorliegende Studie in Bezug auf die Verwendung von Compliance-Instrumenten die bestehenden Erkenntnisse aus bisherigen Studien – mit Ausnahme des Instruments Hinweisgebersystem – weitgehend bestätigt. Eine hohe Bedeutung im Rahmen eines CMS kommt dem Notfallplan und der Sanktionierung von Compliance-Verstößen zu. Die vorliegende Studie zeigt, dass lediglich 25,0% der Probanden über einen entsprechenden Notfallplan mit Sanktionsmechanismus verfügen.543 Das ist im Vergleich zu den bisherigen Studien, die sich dieser Thematik widmen, als niedrig einzustufen. So zeigt z.B. die DMI-Studie544, dass bei 74,0% der Unternehmen eine Sanktionierung erfolgt. Auch die Alvarez & Marsal-Studie545 postuliert eine weite Verbreitung der Sanktionierung. Gemäß der Recommind-Studie546 verfügt in etwa die Hälfte der Unternehmen über einen Pro- 533 Vgl. Kapitel 3.2.3.3.1.1. 534 Vgl. Kapitel 3.2.2.7 und 4.1. 535 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 536 Vgl. Kapitel 1.2.2.2. 537 Vgl. Kapitel 1.2.2.5. 538 Vgl. Kapitel 1.2.2.4. 539 Vgl. Kapitel 3.2.2.7 und 4.1. 540 Vgl. Kapitel 1.2.2.2. 541 Vgl. Kapitel 1.2.2.7. 542 Vgl. Kapitel 1.2.2.2, 1.2.2.7 und 3.2.3.3.3.1.1. 543 Vgl. Kapitel 3.2.3.3.5.1.1. 544 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 545 Vgl. Kapitel 1.2.2.7. 546 Vgl. Kapitel 1.2.2.4. 4.2 Status quo Ausgestaltung des Compliance Managements bei nicht börsennotierten Unternehmen 307 zess für den Umgang mit Compliance-Verstößen. Hinsichtlich dieser Fragestellung werden die bisherigen Erkenntnisse somit durch die vorliegende Studie nicht bestätigt, sondern vielmehr dringender Handlungsbedarf festgestellt. Im Hinblick auf die Frage der Meldung von Compliance-Verstößen an die Strafverfolgungsbehörden liegt das Ergebnis der vorliegenden Studie mit 54,3% in etwa auf dem Niveau der DMI-Studie547(60,0%).548 Das ausgeglichene Ergebnis verdeutlicht die Brisanz dieser Fragestellung (siehe hierzu die Ausführungen in den Kapiteln 2.3.2.3.6 und 3.2.3.3.5.2.1). Dem Compliance-Reporting kommt innerhalb des CMS eine zentrale Funktion für die Kommunikation von Compliance-Themen zu.549 Die vorliegende Studie zeigt, dass 40,2% der Probanden kein planmäßiges Compliance-Reporting und 50,0% der Probanden kein außerplanmäßiges Compliance-Reporting (Ad-hoc-Berichterstattung) etabliert haben.550 Die bisherigen Studien liefern zu dieser Fragestellung keine Informationen. Das Ergebnis der vorliegenden Studie zeigt jedoch klaren Handlungsbedarf bei einem großen Teil der Unternehmen auf. Hinsichtlich der im planmäßigen Compliance-Reporting enthaltenen Informationen zeigt die Studie, dass insbesondere über aufgetretene Compliance-Fälle, die Tätigkeit des Compliance-Beauftragten bzw. der Compliance-Abteilung sowie über die Compliance-Strategie berichtet wird. Zusammenfassend kann im Hinblick auf die Ausgestaltung des Compliance Managements bei nicht börsennotierten Unternehmen festgestellt werden, dass nach wie vor bei einem großen Teil der Unternehmen Handlungsbedarf besteht. Dieser ist zunächst offenkundig bei den Unternehmen ohne implementiertes CMS (fast die Hälfte der Unternehmen), für die zuvorderst die Etablierung der Funktion eines Compliance- Beauftragten und daran anschließend die Entwicklung und Implementierung eines CMS zu empfehlen ist. Aber auch bei den Unternehmen mit implementiertem CMS besteht Optimierungspotential. Dieses betrifft insbesondere die Bereitstellung erhöhter Ressourcen (monetär und personell, ggf. in Form eigenständiger Compliance-Abteilungen), die Implementierung eines Notfallplans sowie die Etablierung eines Compliance-Reportings. Die vorliegende Studie bestätigt dabei weitgehend die Erkenntnisse bisheriger Studien. Einflussfaktoren auf die Ausgestaltung des Compliance Managements bei nicht börsennotierten Unternehmen Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden die Ergebnisse der Umfrage zur Ausgestaltung des Compliance Managements bei nicht börsennotierten Unternehmen mittels Kreuztabellen, t-Tests und multivariaten Regressionsanalysen hinsichtlich des Einflusses verschiedener Unternehmenscharakteristika (siehe Kapitel 1.3) analysiert. 4.3 547 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 548 Vgl. Kapitel 3.2.3.3.5.2.1. 549 Vgl. Kapitel 2.3.2.3.7. 550 Vgl. Kapitel 3.2.3.3.6.1.1. 4 Resümee und Kernaussagen der Arbeit 308 Insbesondere die Analyse im Hinblick auf die Charakteristika organisatorische Mitzugehörigkeit, Gesellschafteridentität, Existenz eines Mehrheitsgesellschafters, Existenz von Frauen im Management, Existenz eines kaufmännischen und/oder juristischen Hintergrunds im Management (Ausbildung des Managements), Existenz von mindestens einem Mitglied mit ausländischer Staatsangehörigkeit innerhalb des Managements (Internationalität des Managements) sowie Existenz eines Compliance-Falls in der Vergangenheit ist in bisherigen Studien noch nicht vorgenommen worden und stellt folglich eine Erweiterung der bisherigen Forschung dar. Dabei ist für einige Unternehmenscharakteristika ein deutlicher Einfluss auf die Ausgestaltung des Compliance Managements bei nicht börsennotierten Unternehmen erkennbar, während für andere Merkmale kein Zusammenhang feststellbar ist. Wie in Kapitel 3.2.1.1 beschrieben, stellt die Rechtsform eines Unternehmens u.a. aufgrund unterschiedlicher gesetzlicher und regulatorischer Pflichten sowie unterschiedlicher Haftungsregime der Eigentümer ein interessantes Merkmal und eine potentielle Einflussgröße auf die Ausgestaltung des Compliance Managements dar. Zudem kann aus der Prinzipal-Agenten-Theorie551 die Erwartung abgeleitet werden, dass bei managergeführten Unternehmen der Bedarf an einem gut ausgestalteten Compliance Management System höher als bei inhabergeführten Unternehmen ist. Vor diesem Hintergrund wurde die Hypothese H(1a) gebildet, wonach die Rechtsform der Kapitalgesellschaft einen positiven Einfluss auf die Ausgestaltung des Compliance Managements hat. Zudem wurde die Hypothese H(1b) gebildet, wonach der Einfluss für die Rechtsform Aktiengesellschaft besonders deutlich sein soll. Die im Kapitel 3.2.3 dargestellten Ergebnisse der Auswertungen bestätigen die Hypothese H(1a) größtenteils nicht. Für Gesellschaften der Rechtsform AG zeigt sich jedoch bei wesentlichen Fragen ein höherer Ausgestaltungsgrad des Compliance Managements, weshalb die Hypothese H(1b) teilweise als bestätigt angesehen werden kann. Im Kapitel 3.2.1.2 wurde für das Merkmal Branchenzugehörigkeit eine Differenzierung in stark regulierte Branchen, wie z.B. Pharma, Lebensmittel oder Finanz- und Energiewirtschaft, und weniger stark regulierte Branchen, wie z.B. Dienstleistungen, Handel oder Medien & Druckbranche, vorgenommen. Darauf aufbauend wurde die Hypothese H(2) gebildet, wonach Unternehmen aus stark regulierten Branchen über eine höhere Institutionalisierung ihres Compliance Managements verfügen. Die Auswertung der Ergebnisse im Kapitel 3.2.3 lässt für viele der Fragestellungen zur Ausgestaltung des Compliance Managements einen entsprechenden Zusammenhang erkennen. Im Kapitel 3.2.1.3 wurde die Zusammensetzung der Stichprobe hinsichtlich des Merkmals Unternehmensgröße dargestellt, wobei die Unternehmensgröße zum einen durch die Umsatzerlöse und zum anderen durch die Mitarbeiterzahl bestimmt wird. Daneben wurde erläutert, dass in der Regel die Komplexität der Struktur und Organisation von Unternehmen mit steigender Unternehmensgröße zunimmt. Daher wurden die Hypothesen H(3) und H(4) gebildet, wonach ein positiver Zusammenhang zwischen der Ausgestaltung des Compliance Managements und der Unternehmens- 551 Vgl. Kapitel 2.1.1. 4.3 Einflussfaktoren auf die Ausgestaltung des Compliance Managements bei nicht börsennotierten Unternehmen 309 größe – auf Basis der Merkmale Umsatzerlöse und Mitarbeiterzahl – zu erwarten ist. Die im Kapitel 3.2.3 durchgeführte Analyse bestätigt die vorgenannten Hypothesen H(3) und H(4). Demnach ist eine klare Tendenz zu erkennen, dass ein positiver Zusammenhang zwischen der Unternehmensgröße und der Ausgestaltung des Compliance Managements besteht. Die wesentlichen Elemente eines CMS sind bei größeren Unternehmen i.d.R. deutlich ausgeprägter implementiert. Dieses Ergebnis wird von den Ergebnissen der DMI-Studie552 und der INTES-Studie553 bestätigt. Im Kapitel 3.2.1.4 wurde die Eigentümerstruktur der Stichprobe dargestellt. Dabei wurde zunächst das Merkmal organisatorische Mitzugehörigkeit analysiert. Gemäß den Ausführungen im Kapitel 3.2.1.4.1 verfügen Konzerne i.d.R. über komplexere Organisationsstrukturen als alleinstehende Unternehmen, was in der Konsequenz oftmals zu formaleren Strukturen als bei alleinstehenden Unternehmen führt. Daher wurde die Hypothese H(5a) aufgestellt, wonach ein positiver Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zu einem Konzern und der Ausgestaltung des Compliance Managements besteht. Die Auswertungen im Kapitel 3.2.3 bestätigen diese Hypothese weitgehend. Bei den meisten Fragestellungen zur Ausgestaltung des Compliance Managements zeigt sich, dass die Unternehmen mit Konzernzugehörigkeit einen höheren Ausgestaltungsgrad aufweisen. Zudem wurde aufgrund der Tatsache, dass für börsennotierte Mutterunternehmen striktere gesetzliche und regulatorische Rahmenbedingungen als für nicht börsennotierte Mutterunternehmen bestehen, in Hypothese H(5b) ein entsprechend positiver Zusammenhang zwischen dem Merkmal Börsennotierung des Mutterunternehmens und der Ausgestaltung des Compliance Managements formuliert. Diese Hypothese wird durch die Auswertungen im Kapitel 3.2.3 teilweise bestätigt. In Bezug auf die Eigentümerstruktur wurde im Kapitel 3.2.1.4.2 zudem das Merkmal Gesellschafteridentität untersucht. Hierbei wurde aufgrund der i.d.R. professionellen Strukturen von institutionellen Investoren die Hypothese H(6) aufgestellt, wonach die Existenz von institutionellen Investoren im Gesellschafterkreis zu einer besseren Ausgestaltung des Compliance Managements insbesondere im Vergleich zu Unternehmen mit einem Gesellschafterkreis aus natürlichen Personen bzw. Familie führt. Die Auswertungen im Kapitel 3.2.3 lassen eine klare Tendenz erkennen, dass die Hypothese Gültigkeit besitzt. So weisen Unternehmen mit institutionellen Investoren im Gesellschafterkreis hinsichtlich der meisten Fragestellungen die bessere Ausgestaltung im Vergleich zu Unternehmen mit einem Gesellschafterkreis aus natürlichen Personen bzw. Familie auf. Ein weiteres Merkmal unter dem Charakteristikum Eigentümerstruktur ist die Frage nach der Existenz eines Mehrheitsgesellschafters. Auf Basis der Ausführungen zur Prinzipal-Agenten-Theorie (siehe hierzu Kapitel 2.1.1 und 3.2.1.4.3) wurde die Hypothese H(7) gebildet, wonach die Existenz eines Mehrheitsgesellschafters dazu führt, dass aufgrund der Kontrollaktivitäten und des Einflusses des Mehrheitsgesellschafters ein Compliance Management System als weniger bedeutend angesehen wird 552 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 553 Vgl. Kapitel 1.2.2.8. 4 Resümee und Kernaussagen der Arbeit 310 und das Compliance Management bei den Unternehmen mit Mehrheitsgesellschafter schwächer ausgestaltet ist als bei Unternehmen ohne einen Mehrheitsgesellschafter. Die Auswertungen im Kapitel 3.2.3 zeigen, dass die Hypothese nur für einige wenige Fragestellungen bestätigt wird. Bei der Mehrzahl der Fragestellungen ist kein Zusammenhang erkennbar. Im Kapitel 3.2.1.5 wurde die Stichprobe im Hinblick auf die Zusammensetzung des Managements untersucht. Dabei wurde zunächst die Existenz von Frauen im Management analysiert, da die Gender-Diskussion derzeit eine hohe Aktualität aufweist.554 Die Analyse des möglichen Einflusses des Merkmals Frauen im Management auf die Ausgestaltung des Compliance Managements wurde dabei ohne vorformulierte Erwartungshaltung durchgeführt. Die Auswertung der Ergebnisse im Kapitel 3.2.3 lässt keinen statistisch signifikanten Einfluss der Existenz von Frauen im Management auf die Ausgestaltung des Compliance Managements erkennen. Ein weiteres Merkmal in Bezug auf das Charakteristikum Management stellt die Ausbildung des Managements dar.555 Dabei wurde im Rahmen der Analyse zwischen Unternehmen mit einem Management mit Mitgliedern, die über eine juristische und/ oder kaufmännische Ausbildung verfügen, und Unternehmen mit einem Management ohne Mitglieder mit juristischer und/oder kaufmännischer Ausbildung, unterschieden. Da das Thema Compliance Management maßgeblich von der juristischen und kaufmännischen Profession vorangetrieben wurde und wird, wurde die Hypothese H(8) formuliert, wonach ein positiver Zusammenhang zwischen der Ausgestaltung des Compliance Managements und der Existenz eines Mitglieds im Management mit kaufmännischem oder juristischem Hintergrund zu erwarten ist. Die im Kapitel 3.2.3 dargestellten Ergebnisse bestätigen die Erwartungshaltung überwiegend. So ist tendenziell eine positive Auswirkung von Mitgliedern mit kaufmännischem oder juristischem Hintergrund im Management auf die Ausgestaltung des Compliance Managements erkennbar. Als weiteres Merkmal für das Charakteristikum Management ist die Internationalität des Managements untersucht worden.556 Da unterschiedliche Länder z.T. unterschiedliche rechtliche, regulatorische und kulturelle Rahmenbedingungen aufweisen, die zu unterschiedlichen Prägungen der Manager führen können, wurde die Frage analysiert, ob hinsichtlich der Ausgestaltung des Compliance Managements ein Unterschied zwischen Unternehmen mit mindestens einem Mitglied mit ausländischer Staatsangehörigkeit innerhalb des Managements zu den Unternehmen ohne ein Mitglied mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Managementteam beobachtet werden kann. Die Analyse wurde dabei ohne vordefinierte Erwartungshaltung vorgenommen. Die im Kapitel 3.2.3 gezeigten Ergebnisse lassen keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Existenz eines Mitglieds mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Managementteam und der Ausgestaltung des Compliance Managements erkennen. 554 Vgl. Kapitel 3.2.1.5.1. 555 Vgl. Kapitel 3.2.1.5.2. 556 Vgl. Kapitel 3.2.1.5.3. 4.3 Einflussfaktoren auf die Ausgestaltung des Compliance Managements bei nicht börsennotierten Unternehmen 311 Ein weiteres wichtiges Unternehmenscharakteristikum stellt die Existenz eines Kontrollgremiums dar, welche im Kapitel 3.2.1.6 für die Stichprobe untersucht wurde. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde dabei analysiert, ob ein Unterschied bei der Ausgestaltung des Compliance Managements zwischen Probanden mit bzw. ohne Kontrollgremium beobachtet werden kann. Wie im Kapitel 3.2.1.6 dargelegt, kann die Existenz eines Kontrollgremiums als ein Indiz für ein erhöhtes Kontroll- und Organisationsbewusstsein gewertet werden, woraus die Hypothese H(9a) abgeleitet wurde, dass die Unternehmen mit einem Kontrollgremium über ein besser ausgestaltetes Compliance Management verfügen. Aufgrund der gesetzlichen Normierung der Aufgaben und Pflichten des Aufsichtsrats wurde zudem die Hypothese H(9b) gebildet, wonach die Unternehmen mit einem Aufsichtsrat als Kontrollgremium über ein besser ausgestaltetes Compliance Management verfügen als die Unternehmen ohne ein Kontrollgremium oder mit einem übrigen – freiwillig gebildeten – Kontrollgremium. Die Analyse der Auswertungen im Kapitel 3.2.3 legt den Schluss nahe, dass die Hypothese H(9a) teilweise und die Hypothese H(9b) deutlich bestätigt werden. Hinsichtlich einer Vielzahl der Fragestellungen weisen die Unternehmen mit einem Aufsichtsrat als Kontrollgremium eine bessere Ausgestaltung des Compliance Managements auf. Für das Kontrollgremium Beirat scheint die Hypothese H(9a) jedoch nur eingeschränkt Gültigkeit zu besitzen. Die Folgerung zur Hypothese H(9a) wird durch die Erkenntnisse der DMI-Studie557 und der INTES-Studie558 bestätigt. Als letztes Unternehmensmerkmal wurde die Existenz eines Compliance-Falls in der Vergangenheit analysiert.559 Da ein Compliance-Fall i.d.R. mit negativen Konsequenzen für das Unternehmen und die verantwortlichen Personen, wie z.B. Geldbu- ßen, Schadensersatzzahlungen, strafrechtliche Folgen sowie Reputationsschäden, verbunden ist, wurde die Hypothese H(10) gebildet, wonach Unternehmen, die einmal einen Compliance-Fall zu bewältigen hatten, eine bessere Ausgestaltung des Compliance Managements aufweisen. Die Analyse der Auswertungen im Kapitel 3.2.3 lässt einen deutlich positiven Zusammenhang zwischen der Existenz eines Compliance- Falls in der Vergangenheit und der Ausgestaltung des Compliance Managements erkennen, womit Hypothese H(10) bestätigt wird. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass für die Unternehmenscharakteristika Branchenzugehörigkeit (stark regulierte Branchen), Unternehmensgröße, organisatorische Mitzugehörigkeit (Konzernzugehörigkeit), Gesellschafteridentität (institutionelle Gesellschafter), Ausbildung des Managements, Existenz eines Kontrollgremiums (insbesondere Aufsichtsrat) und Existenz eines Compliance-Falls in der Vergangenheit die Tendenz eines positiven Einflusses auf die Ausgestaltung des Compliance Managements bei nicht börsennotierten Unternehmen erkennbar ist. Dabei legt die multivariate Analyse nahe, dass insbesondere die Existenz eines Compliance- Falls in der Vergangenheit ein besonders prägendes Merkmal darstellt. Aber auch die Merkmale Größe (insbesondere auf Basis der Umsatzerlöse), institutionelle Gesell- 557 Vgl. Kapitel 1.2.2.1. 558 Vgl. Kpaitel 1.2.2.8. 559 Vgl. Kapitel 3.2.1.7. 4 Resümee und Kernaussagen der Arbeit 312 schafter und Existenz eines Aufsichtsrats scheinen im Vergleich besonders bedeutende Einflussfaktoren zu sein. Während der Effekt für die Charakteristika Unternehmensgröße und Existenz eines Kontrollgremiums bereits durch vorhergehende Studien (DMI und INTES) zumindest nahegelegt wurde, stellen die übrigen Zusammenhänge neue Erkenntnisse dar. Ausblick Die vorliegende Arbeit beinhaltet eine umfangreiche Überprüfung des Status quo hinsichtlich der Relevanz und der Ausgestaltung des Compliance Managements bei nicht börsennotierten Unternehmen und stellt damit eine gute Benchmark-Analyse für diese Gruppe von Unternehmen dar. Insgesamt zeigt sich, dass noch hinreichend Handlungsbedarf besteht. Aus dieser Erkenntnis kann die Frage abgeleitet werden, wie nicht börsennotierte Unternehmen dazu bewegt werden können, die Qualität ihres Compliance Managements zu verbessern. Eine denkbare Möglichkeit könnte zum Beispiel die Kodifizierung einer Pflicht zur Implementierung eines Compliance Management Systems i.S.d. IDW PS 980 und des ISO 19600 im Handelsgesetzbuch sein. Eine andere Möglichkeit könnte – entsprechend dem Vorbild der USA (FCPA und USSG)560 – eine gesetzlich manifestierte Berücksichtigung bei der Strafbemessung durch die Gerichte im Fall eines Compliance-Verstoßes sein. Dies könnte die Motivation der Unternehmensleitungen für das Compliance Management ggf. weiter erhöhen. Die tiefergehende Behandlung dieser Fragestellung könnte zukünftig einen sinnvollen Aspekt im Forschungsbereich Compliance Management darstellen. Die Analyse des Einflusses der verschiedenen Unternehmenscharakteristika auf die Ausgestaltung des Compliance Managements erfolgte auf Basis einer Vielzahl von überprüften Fragestellungen. Aufbauend auf der vorliegenden Arbeit und dem verwendeten Datensatz könnte es wissenschaftlich von besonderem Interesse sein, sich einzelnen, ausgewählten Fragestellungen noch detaillierter mittels des Einsatzes von Korrelations- bzw. Regressionsanalysen zu widmen. Damit könnten zum einen weitere Unternehmenscharakteristika bzw. potentielle Einflussfaktoren überprüft und zum anderen die Stärke des jeweiligen Zusammenhangs bestimmt werden. Ein gesteigertes Interesse hinsichtlich einer solch weiterführenden Untersuchung besteht aus Sicht des Autors auf Basis der vorliegenden Arbeit insbesondere für die Merkmale Frauen im Management, Ausbildung des Managements, Eigentümerstruktur und Existenz eines Kontrollgremiums. Zudem wäre die Erweiterung der Abhängigkeitsanalyse hinsichtlich der Zusammensetzung des Kontrollgremiums – konkret um die Merkmale Frauen im Kontrollgremium und Ausbildung der Mitglieder des Kontrollgremiums – interessant. Das Thema Compliance Management bietet folglich auch in der Zukunft noch interessanten Forschungsbedarf. Es bleibt insbesondere spannend, wie sich aufbauend auf der Kenntnis von Einflussfaktoren das Compliance Management in den nächsten Jahren entwickeln wird. 4.4 560 Vgl. die Ausführungen in den Kapiteln 2.2.4.2 und 2.2.4.3. 4.4 Ausblick 313

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Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit stellt eine empirische Studie zur Relevanz und Ausgestaltung von Compliance Management in Kombination mit einem Überblick über die bestehenden gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen sowie die existierenden theoretischen Sollkonzepte zum Thema Compliance Management dar. Dabei wird für wesentliche Fragestellungen zum Thema Compliance Management (z.B. Existenz von Compliance Management Systemen, Motive für Compliance Management, verwendete Compliance-Instrumente, Existenz eines Compliance-Beauftragten, etc.) ein Überblick des Status quo gegeben und darüber hinaus eine Analyse von Einflussfaktoren (wie z.B. Unternehmensgröße, Rechtsform, Branchenzugehörigkeit, Existenz eines Kontrollgremiums, Gesellschafteridentität, Existenz von Frauen im Management, Existenz eines Compliance-Falls in der Vergangenheit, u.a.) auf den Ausgestaltungsgrad des Compliance Managements dargestellt. Damit kann die Arbeit sowohl als Benchmark-Studie als auch als Leitfaden im Rahmen der Implementierung von Compliance Management Systemen dienen.