Content

IX Addenda in:

Boris Hogenmüller

Melchioris Cani De Locis Theologicis Libri Duodecim, page 101 - 106

Studien zu Autor und Werk

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4219-9, ISBN online: 978-3-8288-7125-0, https://doi.org/10.5771/9783828871250-101

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Theologie, vol. 9

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Addenda Kopie der Censura, Padua 1714 IX IX.1 101 IX Addenda 102 Transkript der Censura Censura Fratris Roderici Vadilaei Benedictini, S C Majestatis a Sacris Concionibus, in libros de locis Theologicis admodum R. Patris Fratris Melchioris Cani, Sancti Dominici Monachi, Episcopi Canariensis. De Mandato Regii senatus, opus, cui titulus est, De locis Theologicis admodum R Magistri Fratris Melchioris Cani, Ordinis sancti Dominici Monachi, olim Canarinesis Episcopi, inspiciendum ac excutiendum accepi: Laborem sane viribus ingenii mei longe disparem sentiens, non sum adversatus, tum ob tanti Senatus dignitatem, cujus obsistere imperio citra gravissimi criminis notam haud licebat; tum ob ejusdem operis magnam toti Ecclesiae utilitatem futuram: adde, quod ejusdem authoris elucubrationes, hanc praesertim, perlegendi magno tenebar desiderio. Itaque legi, evol0vi, perlegi praesens opus. Sed quid potissimum in tanto quidem opere laudem, vix dicere queo. Nam si dictionis castitatem, elegantiam quaeras, eam certe reperies, quae cum Ciceroniana conferri possit. Si vero rerum gestarum historiam, rationemque tractandae historiae requiras, Sallustio historico satis laudato, si non superiorem, inferiorem profecto non invenies. Si autem Philosophiae subtilem accuratamque rationem percupias, hic compendio omnem Platonicae, Aristotelicaeque disciplinae rationem cumulatissime contemplari licebit. Si vero Theologiae Scholasticae capiaris argumento, post Divum Thomam (quem semper excipiendum duxi) nullo ex multis, qui de hac Familia docte ac diserte scripserunt, inferiorem judicare licebit, ita ut vere illius non satis laudati Magistri Fratris Francisci a Victoria discipulum eximium agnoscere possis: cui omnes suos is author (quae non ejus prudentiae, eruditionis, modestiae, ac humilitatis laus minima existimanda est) progressus in re Theologica refert acceptos. Porro si juris Pontificii (cui author non contemnendam dedit operam) affectes peritiam, ex hujus Monachi laboribus compendiariam tractandi ejusdem Juris rationem petere licebit. Jam vero si sacrarum profunda literarum mysteria persentire, ac pervestigare cures, nullo, post illos magnos sanctae Ecclesiae doctores, magistro plenius ac clarius disces. Quid dicam de eo, quo adversus omnes haereticos zelo accendebatur? quos sane ceu venaticus procul odorabatur canis, persequebaturque, magni illius Athanasii incorruptos ac catholicos referens mores, ac fortes labores: quos omnes pro catholicae veritatis amore instar magni patriarchae IX.2 IX.2 Transkript der Censura 103 Jacobi facile perpetiebatur. Caeterum tanti authoris utilitatem, doctrinam, omniumque disciplinarum tractandarum rationem, Christiane lector, Illustrissimo, ac Reverendissimo Archiepiscopo Hispaniensi, Ferdinando Valdesio, supremo rerum fidei cognitori (quem hujus praeclari operis haeredem reliquit) acceptam referto, qui summo curavit studio, ut praesens opus in lucem omnium utilitati profuturum ederetur. Nec minor, studiose lector, Illustrissimo ac Reverendissimo Domino Gasparo de Cuniga, Archiepiscopo Compostellano, summo S C M Capellano gratia debetur, qui pro ea necessitudine, qua auctori devinctus erat, summopere studuit, ut quam brevi tam insigne opus in lucem ederetur. Quapropter opus tam elegans, eruditum, omniumque disciplinarum genere refertissimum (ut praetermittam valde catholicum, hisque calamitosis temporibus apprime utile, immo dicam necessarium) excudendum, non solum magna cum laude totius sanctissimi Patris Dominici Ordinis, sed etiam totius Hispaniae, immo Ecclesiae catholicae, oppido duximus. Madriti 15. die mensis Augusti, anni Dominici M.D.LXII. Rodericus Vadilaeus IX Addenda 104 Übersetzung der Censura Urteil des Benediktinerbruders Rodrigo de Vadillo [Roderich Vadiläus], seiner heiligen kaiserlichen Majestät a Sacris Concionibus, zu den Büchern De locis theologicis des äußerst ehrwürdigen Vaters und Bruders Melchior Cano, Dominikaner, Bischof der Kanarischen Inseln. Ich habe durch das Mandat des Königlichen Rats das Werk, dessen Titel De locis theologicis lautet, des äußerst ehrwürdigen Lehrers und Bruders Melchior Cano, aus dem Dominikanerorden, des ehemaligen Bischofs der Kanarischen Inseln, zur genauen Prüfung erhalten. Obwohl ich glaube, dass diese Aufgabe meine Fähigkeiten bei weitem übersteigt, wollte ich mich nicht widersetzen sowohl aufgrund des Ranges des so angesehenen Rates, dessen Befehl ich mich nur unter der Gefahr widersetzen konnte, für ein äußerst schwerwiegendes Vergehen gerügt zu werden, als auch aufgrund des großen Nutzens dieses Werkes, der sich für die ganze Kirche einstellen wird. Hinzu kommt noch, dass ich großes Verlangen verspürte, die ausgearbeiteten Schriften des Autors, insbesondere die vorliegende, zu lesen. Deshalb habe ich dieses Werk gelesen, überdacht und genau untersucht. Doch kaum vermag ich zu sagen, was an einer freilich so bemerkenswerten Schrift am meisten zu loben ist. Denn wenn man nach reinem Ausdruck und Eleganz fragt, dürfte man hier wohl sicher eine Diktion finden, die mit der des Cicero zu vergleichen ist. Wenn man aber nach historischen Tatenberichten und einer Methode sucht, wie Geschichte zu behandeln ist – der Historiker Sallust ist dabei besonders hervorzuheben –, dann dürfte man, wenn schon niemand bedeutenderen, so sicher auch niemand geringeren [als Cano] finden. Wenn man aber den scharfsinnigen und genau ausgearbeiteten Grundsätzen der Philosophie zugetan ist, dann wird man in diesem Kompendium das gesamte System der platonischen und aristotelischen Lehre am vollständigsten erfassen können. Sofern man aber durch ein Argument der scholastischen Theologie gewonnen wird, dann wird nach dem heiligen Thomas – ich glaubte, man müsse diesen stets herausnehmen – keiner seiner vielen Anhänger, die gelehrt und klug geschrieben haben, diesen [Cano] als geringeren beurteilen können, weshalb man ihn wirklich als herausragenden Schüler jenes nicht genug zu lobenden Lehrers und Bruders Francisco de Vitoria identifizieren kann. Auf diesen führt der Autor (das soll man als größtes Lob seiner Klugheit, Bildung, Maßhaltung und Demut erachten) seine gesamte Entwicklung zurück, die er in der Theologie gemacht hat. IX.3 IX.3 Übersetzung der Censura 105 Wendet man sich nun aber der Kenntnis des kanonischen Rechts (die Bemühung des Autors darum darf man nicht verachten) zu, wird man den Studien dieses Mönches eine geeignete Methode entnehmen können, jenes Recht zu behandeln. Strebt man jedoch danach, die tiefengründigen Geheimnisse der Heiligen Schriften zu erfassen und zu erforschen, kann man es nach den herausragenden Gelehrten der heiligen Kirche von keinem anderen Lehrer umfassender und besser lernen. Was soll ich aber darüber sagen, mit welchem Eifer er gegen alle Häretiker vorgegangen ist? Geradezu wie ein Jagdhund hat er sie schon aus der Ferne gerochen und verfolgt, wobei er sich auf die unverdorbene katholische Lebensführung und tapferen Anstrengungen jenes großen Athanasius berief. Alles ertrug er ganz leicht aus Liebe zur katholischen Wahrheit gleich dem großen Patriarchen Jakobus. Dass wir den guten Dienst des Verfassers, dessen Lehre und Methode, alle Disziplinen zu behandeln, christlicher Leser, erhalten haben, muss dem hoch angesehenen und bedeutenden Erzbischof von Spanien, Fernando de Valdés, zugerechnet werden. Von ihm, dem höchsten Rechtsbeistand in Dingen des Glaubens (ihm als Erben hat Cano nämlich sein herrliches Werk überlassen), habe ich das Buch erhalten – er, der sich mit höchstem Eifer um die Veröffentlichung dieses Werkes zum Nutzen aller bemüht hat. Und nicht weniger Dank, geneigter Leser, gebührt dem hochangesehenen und verehrten Herrn Gaspar de Zúñiga, Erzbischof von Santiago de Compostela, dem hoch angesehenen Kaplan seiner heiligen kaiserlichen Majestät, der sich aufgrund der Freundschaft, mit der er dem Autor gegenüber verbunden war, sehr darum bemüht hat, dass ein so bedeutendes Werk so schnell wie möglich veröffentlicht wurde. Daher glaube ich, dass das so geschmackvolle, gelehrte und mit allen Disziplinen in einem Höchstmaß erfüllte Werk (ich möchte ‚äußerst erforderlich‘ sagen, um gerade in diesen gefährlichen Zeiten den Ausdruck ‚sehr katholisch’ und ‚besonders nützlich’ wegzulassen), das geprüft werden soll, nicht nur das große Lob des gesamten Ordens des hochheiligen Vaters Dominikus, sondern auch das von ganz Spanien, ja der ganzen Kirche verdient. Madrid 15. August 1562. Rodrigo de Vadillo IX Addenda 106

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Der spanische Dominikaner Melchior Cano (1509 bis 1560) gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Theologie. Als Professor für Philosophie und Theologie in Salamanca, Berater Kaiser Karls V., Teilnehmer am Konzil von Trient und entschiedener Gegner der Jesuiten prägte er die katholische Gegenreformation im 16. Jahrhundert wie kaum ein anderer. Sein Meisterwerk Über die Orte der Theologie (De Locis Theologicis Libri Duodecim) war für Jahrhunderte ein unübertroffenes Standardwerk theologischer Methodologie. Als solches inspirierte die Schrift einerseits bis weit in das 18. Jahrhundert zahlreiche Nachahmer zur Abfassung eigener Abhandlungen über theologische Orte; andererseits wurde sie selbst in zahllosen Editionen nachgedruckt und herausgegeben, die jedoch nicht selten fehlerhaft sind.

Die vorliegende Studie widmet sich in acht Kapiteln jenen Fragen, die sich noch heute hinsichtlich Autor und Werk ergeben, und leistet damit einen weiteren Beitrag zur aktuellen Forschung.