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7. Schlussbetrachtungen unter Einbezug religionspsychologischer Aspekte in:

Stephanie Bähring

Die religionswissenschaftliche Bedeutung von Mund und Kuss in den abrahamitischen Religionen und in der Antike, page 101 - 108

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4198-7, ISBN online: 978-3-8288-7108-3, https://doi.org/10.5771/9783828871083-101

Series: Religionen aktuell, vol. 24

Tectum, Baden-Baden
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Schlussbetrachtungen unter Einbezug religionspsychologischer Aspekte Nachdem nun der Kuss in den einzelnen Religionen und seiner kulturellen Umwelt umfassend untersucht wurde, soll nun eine Zusammenschau der Ergebnisse unter Einbezug religionspsychologischer Aspekte, deren Gegenstand die Gottesbeziehung ist, folgen. Zum einen sollte diese Arbeit einen Vergleich zwischen den polytheistisch römisch-griechischen Vorstellungswelten sowie Judentum, Christentum und Islam leisten, zum anderen aber auch nach dem Zusammenhang zwischen Religiosität und Intimität fragen. Für die Entwicklung des menschlichen Kusses im Allgemeinen haben sowohl biologische als auch kulturanthropologische Faktoren eine Rolle gespielt. Mittels verschiedener Einflüsse entstand er aus gegenseitigem Beriechen, Paarungsverhalten, Kussfüttern und dem menschlichen Bedürfnis nach Intimität. In allen behandelten Religionen existiert der Kuss sowohl im privaten und öffentlichen, religiösen und profanen Bereich, sowie in erotischen als auch platonischen Kontexten. Nach dem Abschluss aller vier Themenblöcke lassen sich vier verschiedene Bedeutungsbereiche des Kusses feststellen, auf die im Folgenden zusammenfassend eingegangen wird. Der Kuss kann als Ausdruck von Persönlichkeit und somit als Stellvertreter für Sprache gesehen werden, er ist Ausdruck von Beziehungen sowohl im zwischenmenschlichen Bereich als auch im Gott-Mensch-Verhältnis und kann überdies Identitätsmerkmal einer bestimmten Gruppe sein. Des Weiteren trägt er das Potenzial in sich, Leben zu geben oder sogar zu nehmen. Der enge Zusammenhang zwischen Kuss und Sprache war war bei den lexikalisch-semantischen Untersuchungen unübersehbar. Für beide Handlungen wird der Mund als Werkzeug mit seiner Zunge und seinen Lippen gebraucht. Sprachliche Verwandtschaft zwischen dem Kuss und dem Mund als Kusswerkzeug weist nur das Lateinische mit 7. 101 os und osculum auf. Auf semantischer Ebene ist zu vermerken, dass die verschiedenen Kulturen teilweise auch zwischen den Bedeutungsrichtungen der Wörter für „Kuss“ und „küssen“ unterscheiden, womit der Leser oder Zuhörer gleich weiß, um welchen Kontext es geht. Diese Unterscheidung wird nur im Griechischen und Lateinischen vollzogen. Das Arabische kennt hingegen drei verschiedene Wörter für den Kuss bzw. küssen, verwendet diese aber synonym. Das Judentum kennt für den Kuss nur eine Wurzel, die mit verschiedenen Stämmen kombiniert wird, und das westliche Christentum hat sich, angelehnt an das Lateinische, nur das osculum zu eigen gemacht aufgrund seiner platonischen Bedeutung. Beide, sowohl der Mund durch Sprache als auch der Kuss als Handlung, können die Gesinnung eines Menschen deutlich machen. So können entweder durch Sprache explizit oder durch den Kuss implizit dem Gegenüber Liebe, Freude, Ehrerbietung, Lüge, Hass oder Verrat als Botschaft vermittelt werden, womit wiederum die Haltung des Gegenübers offenbar wird. Wie wenig Lügen oder Verrat zunächst sprachlich deutlich werden und ihre wahre Natur enthüllen, so wenig augenscheinlich ist auch ein Schein- oder Schmeichelkuss, oder im schlimmsten Fall, wie am Beispiel von Jesus und Judas deutlich wurde, der Judaskuss, ein Kuss des Verrats. Den größten Teil der Arbeit hat der Kuss als beziehungsstiftende bzw. beziehungskonstituierende Handlung eingenommen. Aus biologischer Sicht wird, wie in Kapitel 2.2 erwähnt, beim Küssen das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, was als Katalysator zur Bindungsbereitschaft wirkt. Menschen brauchen Bindungen, sie sind Beziehungswesen, die „aktiv Beziehung [suchen] und auf die günstige Resonanz ihrer Bezugspersonen angewiesen [sind].“472 Diese Beziehung suchen sie zum einen durch Bindungsaufbau zu ihren Mitmenschen, zum anderen können Menschen auch religiöse Beziehungen eingehen. Die Gottesbeziehung wird „als Bezogenheit auf eine transzendente Wirklichkeit verstanden, weshalb die religiöse Beziehung im Zentrum der Aufmerksamkeit steht.“473 Ihren Ausdruck findet diese Form der Beziehung in Riten, Gebeten oder Meditation.474 Die Wirklichkeit, be- 472 Murken, Gottesbeziehung, S. 37. 473 Ebd., S. 11. 474 Vgl. ebd., S. 12. 7. Schlussbetrachtungen unter Einbezug religionspsychologischer Aspekte 102 stimmte Erfahrungen sowie bestimmte Normen werden in diesen Handlungen als religiös gedeutet.. Das sind „moralische Bestimmungen, Regeln und Gesetze, die den Kosmos, die Gesellschaft und das Verhalten des einzelnen betreffen; sie sind in ihrem Absolutheitsanspruch durch eine höhere Instanz gerechtfertigt.“475 Jedoch lassen sich zwischenmenschliche Beziehungen und die Gottesbeziehung eines Menschen nicht einfach voneinander trennen, da er in beiden Beziehungsnetzen verhaftet ist und sich diese gegenseitig bedingen. Der Kuss als „Beziehungstat“ kann dabei sowohl im Profanen, als auch im Religiösen ritualhaften Charakter besitzen. Auffällig ist hierbei die sich durch alle genannten Religionen ziehende Sitte der fußfälligen Verehrung und des Handkusses. Josuttis schreibt in diesem Zusammenhang: „In genetischer Hinsicht haben Rituale archaischen Charakter, weil sie teils im stammesgeschichtlichen Erbe, teil im kollektiven Unbewussten, teils in der frühkindlichen Epigenese verankert sind. Auf diesem Hintergrund wird verständlich, daß einzelne Verhaltenspartikel wie die Unterwerfungsgesten des Gebets, aber auch umfangreiche Verhaltenssequenzen wie die „Rituale freundlicher Begegnung“ […] weltweit verbreitet sind.“476 Die Anbetung der weltlichen Herrscher mit Fuß- oder Handkuss ist aus dem Religiösen ins Profane transformiert worden, nachdem diese auch für sich eine gottgleiche Verehrung einforderten. Die Stellung der Proskynese entwickelte sich wahrscheinlich aus der Gebetshaltung beim Erdkuss für die griechischen und römischen Erdgötter, wie der Fruchtbarkeitsgöttin Gaia, die dann ihre Nachahmung in Judentum, Christentum und Islam fand. Die Kusshand hingegen kennen nur die Römer, Griechen und Christen als Grußgestus für die unerreichbaren Himmlischen. Weder das Judentum, noch der Islam haben diese Geste als solche aufgenommen. Den Lippenkuss im religiösen Bereich und damit verbunden eine gewisse Sakralität der Sexualität, die sogar der Göttin Venus geweiht ist, war nur bei Römern und Griechen verbreitet. Der Geschlechtsakt diente unter anderem als Mittel zur Erkenntnis und führte sogar bis hin zur Tempelprostitution. Homosexualität wurde toleriert und die 475 Murken, Gottesbeziehung, S. 40. 476 Josuttis, Gottesdienst, S. 165f. 7. Schlussbetrachtungen unter Einbezug religionspsychologischer Aspekte 103 Ehe zwischen Mann und Frau diente lediglich zur Weitergabe des eigenen Namens und zur Sicherung und Stabilisierung gesellschaftlicher und politischer Verhältnisse. Dadurch, dass es bei den Römern als auch bei den Griechen männliche und weibliche Götter gab und auch die mythischen Erzählungen ohne Hemmungen von Liebe, Laster und Intrigen zu berichten wussten, kam es in diesem kulturellen Umfeld niemals zu einer Lustfeindlichkeit oder Einschränkung der Sexualität auf den privaten Bereich, wie es in Juden- und Christentum, sowie im Islam praktiziert wurde. Die Vorstellung von wie auch immer sexuell gearteter Lust als Strafe war dem römisch-griechischen Kulturkreis fremd. Jedoch wurde im Juden- bzw. Christentum und Islam durch die anthropomorphe Vorstellung eines männlichen Gottes „das weibliche Geschlecht als Ursprungsort menschlichen Lebens verdrängt und an seine Stelle eine männliche Gottesgestalt mit dem Status des höchstes Wertes gesetzt […].“477 Natürlich war auch die römisch-griechische Kultur patriarchalisch geprägt und es gab Restriktionen für Frauen, wie beispielsweise das ius osculi, aber sie erfuhren nicht dieselbe Zurückdrängung in den häuslichen Bereich wie es nach und nach in den abrahamitischen Religionen der Fall war. Dagegen kennen der römisch-griechische Polytheismus, wie auch die abrahamitischen Religionen, den Sachkuss. Dieser Kuss entspringt dem Bedürfnis und der Sehnsucht nach Intimität mit der transzendenten Gottheit und dem Wunsch nach Beziehung; bestenfalls der Einigung mit dem Göttlichen. Indem heilige Gegenstände berührt und geküsst werden, soll dabei ein Stück der Heiligkeit bzw. der „zauberhaften Seelensubstanz“, die den Gegenständen, wie beispielsweise Reliquien, innewohnt, in den Adoranten übergehen. Die Römer und Griechen küssten Tempelschwellen und Statuen, Juden die Tora, die Mezuza und viele weitere zum Gottesdienst gehörende Gegenstände, wobei sich dieser Brauch wie beschrieben erst als Übernahme spät entwickelt hat. Christen verehren Reliquien und Heilige mitunter durch den Kuss, Muslime küssen jedoch nur die Kaaba und den Koran aufgrund des Ikonographieverbots. Ein besonderer Kuss, der sich, im Gegensatz zu den anderen Religionen, nur im Christentum entwickelt hat, ist der Heilige Kuss bzw. 477 Mulack, Frauen, S. 99. 7. Schlussbetrachtungen unter Einbezug religionspsychologischer Aspekte 104 Bruderkuss. Obwohl auch bei Römern, Griechen, Juden und Muslimen stets zur Begrüßung und zum Abschied zwischen Freunden, Verwandten und in familiären Beziehungen, teilweise nach Geschlechtern getrennt, geküsst wurde, hat sich im Christentum als einziger Religion ein Kuss entwickelt, der zwischen ihren Anhängern auch eine religiöse Bedeutung hat. Dieser Begrüßungskuss leistete einen konstituierenden Beitrag zur Identitätsbildung und Stabilisierung der Christen als Gruppe. Er bewirkte Integration, Identität, Kontinuität und die soziale Gestaltung von Trieben.478 Indem der Kuss auch ein Ritual ist, dient er zur Strukturierung einer gewissen Ordnung, wehrt „Chaosmächte“ ab und manifestiert „das Urvertrauen in die fortdauernde Ordnung des Seins, getragen von einem numinosen Gefühl gegenwärtigen Heils.“479 Indem das Christentum die geistige Liebe zu Gott betonte und diese selbst gegenüber einem ehelichen Verhältnis höherstellte, gelang es ihm auch den Heiligen Kuss, der anfänglich noch zwischen beiden Geschlechtern ausgetauscht wurde, trotz seiner erotischen Konnotation in einen heiligen und reinen Kontext einzubetten. Die frühen Christen nahmen den Kuss zum Anlass, sich als Gruppe zu definieren und von ihrer Umwelt zu exkludieren, bis, wie schon beschrieben wurde, auch die In-group anfing, innerhalb ihrer Mitglieder zu differenzieren. Die Ähnlichkeiten bezüglich bestimmter Glaubensvorstellungen in Judentum, Christentum und Islam, wie die eines dualistischen Weltbilds oder die Verbindung von Sexualität und Strafe, gehen auf den Zoroastrimus, eine frühe persische Großreligion, zurück, die wesentlich das Verständnis von Schuld, Sünde und Sühne und damit verbunden die Vorstellung von Erlösungsszenarien nachhaltig prägte.480 Die Übertragung der Hauchseele beim Heiligen Kuss, ist der römisch-griechischen Vorstellungswelt entnommen. Der griechische Begriff Psyche „bezeichnet bei Homer den Lebensatem der als Hauchseele verstandenen Psyche, die durch den Mund oder die tödliche Wunde den Sterbenden verläßt.“481 Diese Vorstellung findet sich auch im Alten Testament, welches mit den Begrifflichkeiten næpæš für den Lebensodem und rûah. für den Geist Gottes spielt, wobei die Trennung 478 Vgl. Josuttis, Gottesdienst, S. 166f. 479 Ebd., S. 168. 480 Düsing, Einleitung, S. 7. 481 Ebd. 7. Schlussbetrachtungen unter Einbezug religionspsychologischer Aspekte 105 der Begriffe für unser heutiges Verständnis nicht ganz klar ist. Ähnlich ist die Problemlage, wie schon skizziert wurde, im Arabischen mit den Termini nafs und rūh. . Paulus hingegen bedient sich der griechischen Begriffe ψυχή, νοῦς und πνεύμα. Bei Paulus wird „in Abgrenzung zum original göttlichen Lebenshauch oder Geist Gottes […] die dem Menschen eingehauchte Psyche als bloße Potentialität zu einer Gottesbeziehung und Gotteserkenntnis verstanden.“482 Paulus sieht den Menschen als psychisches (seelisch und fleischlich gesonnenen) und gleichzeitig pneumatischen (geistlichen, geistbestimmten) Menschen.483 Die Übertragung einer Hauchseele durch einen Kuss findet sich zwar schon in der römisch-griechischen Vorstellungswelt. Mit einer konkreten Gottesvorstellung wird die belebende Hauchseele aber erst im Judentum, Christentum und Islam in Verbindung gebracht, wobei sich in letzterem die Imagination der Seelenübertragung erst im Mystizismus entwickelt hat. Mit der Übertragung der Hauchseele ist speziell im Judentum, zumindest in einem Einzelfall der Auslegung, auch die gleichzeitige Todesbedrohung durch Jahwes Kuss gegeben, da er die Macht hat, das Leben durch einen Kuss wieder zu nehmen. Wie anthropomorph dabei die göttliche Kussvorstellung war, hat die Auslegung der Rabbinen in Bezug auf Mirjams Todeskuss gezeigt: statt einen Kuss explizit zu benennen, begnügte man sich mit einem kryptischen „dort“ für die Lippen Gottes. An diesem Punkt würde auch die Frage nach der erotischen Intimität des Kusses ansetzen. Im profanen Bereich lässt sich zunächst offensichtlich zwischen Liebesküssen und Begrüßungs-, Abschieds- oder Verehrungsküssen unterscheiden. Letztere konnten auch auf unterschiedliche Körperstellen gegeben werden, wie Wangen, Hände, Füße, Stirn oder sogar Lippen und dort auch intergeschlechtlich. Das ius osculi bei den Römern belegt, dass auch scheinbar harmlose Küsse eine erotische Komponente haben konnten, indem ein Kussverbot zwischen Mann und Frau ab dem sechsten Verwandtschaftsgrad eingeführt wurde. Meiner Meinung nach können auch scheinbar harmlose Küsse erotische Intimität hervorrufen, gewollt oder ungewollt. Das Empfinden eines Kusses ist stets subjektiv und der Zusammenhang 482 Düsing, Einleitung, S. 9. 483 Vgl. ebd. 7. Schlussbetrachtungen unter Einbezug religionspsychologischer Aspekte 106 zwischen Körper, Geist, Seele und Eros ist eng. Beim Kuss wird zwischen den Küssenden eine Beziehung aufgebaut, sie stehen in einem Verhältnis zueinander und müssen sich für einen (kurzen) Zeitraum miteinander auseinandersetzen, in dem auch unbewusst biologische Prozesse ablaufen. Indem der Kuss von den Menschen in den religiösen Bereich übertragen wurde, ist er nicht weniger erotisch als zuvor. Jedoch fand die Transformation auch in die entgegengesetzte Richtung statt: der Kuss in seiner bestimmten Funktion, wie bei der Proskynese, wurde aus dem Religiösen wieder in den weltlichen Bereich übertragen. Jedoch haben religiöse Vorstellungen den Kuss besonders in Judentum, Christentum und Islam in ein religiöses Moralkorsett gezwängt, das jegliches erotische Empfinden außerhalb der Ehe verbieten sollte. Wurde der Heilige Kuss beispielsweise zunächst noch zwischen den Geschlechtern ausgeführt, unter der Annahme eines keuschen Mundes und reinen Gedanken, so wurde er, je mehr sich die Kirche als Institution begriff und den leibfeindlichen Aspekt des Christentums betonte, gänzlich als Ritual verdrängt. Aber auch der Heilige Kuss kann sich seiner erotischen Komponente nicht entledigen, denn Berührung schafft Intimität, und wenn Intimität vorhanden ist, kann sie auch erotische Gefühle hervorrufen. Jedoch sollte die sexuelle Intimität stets im Kontext Erwachsener betrachtet werden. Küsse in einer Eltern-Kind-Beziehung sollten frei von erotischen Gedanken sein. Der Islam hingegen ist nach Mohammeds Zeugnis weitaus offener in Bezug auf Sexualität, ausdrücklich wird sie in der Ehe empfohlen. Die Hadithe sprechen explizit von Zungenküssen und zum Kuss als festem Bestandteil des Vorspiels wird geraten. Neben zwischenmenschlicher Verbundenheit im Kuss wird auch bei Sachküssen ein gewisses Maß an Intimität aufgebaut. Der Gegenstand dient sozusagen als Ersatz für die ersehnte Person, wobei es trotz seiner Funktion als vermittelnde Instanz zu sexuellen Gedanken je nach seinem Kontext, ob profan oder religiös, und seiner Beschaffenheit kommen kann. Feststeht, dass der Kuss in der römisch-griechischen Antike, in Judentum und Christentum, sowie im Islam ein sehr vielfältiges und facettenreiches Zeichen ist, dass sowohl zwischen den Göttern, als auch 7. Schlussbetrachtungen unter Einbezug religionspsychologischer Aspekte 107 in der Gott-Mensch-Beziehung seinen festen Platz hatte, der aber in seinen Durchführungsmodalitäten stets zu Kontroversen angeregt und zu moralischen Uneinigkeit geführt hat. 7. Schlussbetrachtungen unter Einbezug religionspsychologischer Aspekte 108

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Zusammenfassung

Religiosität und Intimität verbinden sich im Kuss. Ein Kuss ist mehr als der in der heutigen Vorstellungswelt allgemein angenommene erotische Kuss zwischen zwei Mündern. Er ist Ausdruck von Persönlichkeit, Stellvertreter für Sprache und Identitätsmerkmal. Der Kuss ist eine „Beziehungstat“ und kann sowohl im Profanen als auch im Religiösen beziehungsstiftend wirken. Durch seine verschiedenen Erscheinungsformen und Durchführungsmodalitäten hat er sowohl in der Antike bei den alten Römern und Griechen, als auch in den abrahamitischen Religionen bei Juden, Christen und Muslimen stets zu Kontroversen über seine moralische Integrität angeregt. Der Kuss hat demzufolge eine Geschichte wechselseitiger Transformation zwischen dem biologischen, sozial-gesellschaftlichen und religiösen Bereich hinter sich. Er ist ein bedeutsames und facettenreiches Zeichen in jedweder Hinsicht; eine Geste, die auch heute noch zwischen den Menschen und in der Gott-Mensch-Beziehung gleichermaßen ihren festen Platz hat. Der Lesende reist bei der Lektüre dieses Buches in die Vergangenheit und lernt verschiedene Kussformen, deren Entstehung, Entwicklung und Anwendungsbereiche in der jeweiligen Religionskultur kennen.