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6 Formenlehre in:

Sabina Tsapaeva

Das Rostocker Tierepos 'Reynke Vosz de olde' (Ludwig Dietz, 1539) im Kontext der niederdeutschen 'Reynke de Vos'-Überlieferung des 15. und 16. Jahrhunderts und der Rostocker Drucktradition der Mitte des 16. Jahrhunderts, page 189 - 212

Philologische Untersuchung und diplomatische Teiledition

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4211-3, ISBN online: 978-3-8288-7104-5, https://doi.org/10.5771/9783828871045-189

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Germanistik, vol. 11

Tectum, Baden-Baden
Formenlehre Verbalflexion Einheitsplural der Verben im Präsens Indikativ Die einheitliche Endung im Plural Präsens Indikativ der Verben gilt als charakteristi‐ sches Kennzeichen des Niederdeutschen. Es besteht eine Variation zwischen den En‐ dungen auf -et und -en. Überwiegend auf -et endet der sogenannte Einheitsplural in den frühen Texten des niederdeutschen Stammlandes. Im Kolonisationsgebiet wird dagegen die einheitliche Endung -en bevorzugt. Diese Form setzt sich allmählich als dominante Variante im gesamten niederdeutschen Sprachraum durch und erscheint im 15. Jahrhundert im ganzen Norden. Die Endung -et wird jedoch niemals ganz ver‐ drängt. Das Westfälische bildet auch in diesem Fall eine Ausnahme und wird von dieser vom Norden ausgehenden Entwicklung nicht erfasst, die Endung -en dringt hier von Südwesten her ein. Insbesondere in der frühmittelniederdeutschen Phase gilt als typisches Merkmal des Westfälischen darüber hinaus die Endung auf -ent in der 3. Person Plural Präsens Indikativ.631 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ wird der Plural der Verben im Präsens Indikativ durch‐ gehend mit -en gebildet. Es lassen sich keine Ausnahmen mit der -et-Schreibung fin‐ den. 6 6.1 6.1.1 631 Tümpel, Die Mundarten des alten niedersächsischen Gebietes zwischen 1300 und 1500, S. 89-93; Jostes, Schriftsprache und Volksdialekte, S. 88; Tümpel, Niederdeutsche Studien, S. 106-110, 113-120; Colliander, Mittelniederdeutsches Elementarbuch, § 341 Anm. 3; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, §§ 12, 217, 419, 439 Anm. 1; Højberg Christensen, Studier over Lybæks kancellisprog, S. 233-237; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 145ff., 204ff.; Jülicher, Zur Charakteristik des Elbostfälischen, S. 21-24; Dahlberg, Zur Urkundensprache in Göttingen und Duderstadt, S. 70f.; Frings, Geschichte der deutschen Sprache, Karte 47, S. 137; Bischoff, Über die Grundlagen der mittelniederdeutschen Schriftsprache, S. 9f., 15-20; Ahlsson, Studien zum ostfriesischen Mittelniederdeutsch, S. 77f.; Bischoff, Mittelalterliche Überlieferung und Sprach- und Siedlungsgeschichte im Ostniederdeutschen, S. 291; Niebaum, Zur synchroni‐ schen und historischen Phonologie des Westfälischen, S. 282; Peters, Mittelniederdeutsche Spra‐ che, S. 82, 101; ders., Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 75 [= Peters, Mittelniederdeutsche Stu‐ dien, S. 52f.]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 224f.; Härd, Morphologie des Mittelniederdeutschen, S. 1434f.; Peters, Die Diagliederung des Mittelniederdeutschen, S. 1478, 1481f., 1484, 1486; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 174-176; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 396; Temmen, Das ‚Abdinghofer Arzneibuch‘, S. 109-111; ASnA, Bd. I, Karte 45 ‚Verbaler Einheitsplural: bekennen, geloben, haben, tun, wollen (1. Pl. Ind. Präs.)‘, Karte 46 ‚Verbaler Einheitsplural: haben, stehen, wollen (3. Pl. Ind. Präs.)‘, Karte 47 ‚Ver‐ baler Einheitsplural: sehen, hören (3. Pl. Ind. Präs.)‘. Zur modernen Verteilung vgl. König, dtv-At‐ las Deutsche Sprache, S. 158 (Karte). 189 Plural der Präteritopräsentia im Präsens Indikativ Die indikativischen Formen der Präteritopräsentien kennzeichnen sich ebenfalls durch die einheitliche Pluralendung, jedoch lautet die regionsübergreifende Mehr‐ heitsvariante bereits in der frühmittelniederdeutschen Periode -en. Die -en-Endung ist damit zu erklären, dass die Präteritopräsentien historisch gesehen Präteritalformen starker Verben darstellen. Wie Agathe Lasch bemerkt, schließen sich „[d]ie praeteri‐ to-praesentia, denen ursprünglich -en zukommt, [...] früh an die übrigen verben an und zeigen im 14. jh. schon oft -et wie diese.“632 Mit anderen Worten, handelt es sich bei den indikativischen Pluralendungen der Präteritopräsentien auf -et um Analogie‐ bildungen nach dem bekannten Muster der anderen finiten Verbformen. Die geogra‐ phische Verteilung sieht demnach folgendermaßen aus: die -et-Endung findet sich si‐ gnifikant häufiger in westfälischen, ostfälischen und nordniedersächsischen, aber nicht ostfriesischen Texten. Im niederdeutschen Neuland sind -et-Formen eher eine Seltenheit. Diese können entweder auf den westniederdeutschen Einfluss zurückge‐ führt werden oder aber auch als niederländisch633 oder hochdeutsch634 induzierte Formen bewertet werden, was insbesondere für die späte Phase des Mittelniederdeut‐ schen zutrifft.635 Für ‚Reynke Vosz de olde‘ ist ein fast durchgehender -en-Gebrauch festzustellen. Varianz bietet ausschließlich das Präteritopräsens ‚sollen‘, wobei auch hier die Pluralendung -en augenscheinlich dominiert. – Belege für ‚gönnen‘: gunnen 3. Pers. Pl. (1); – Belege für ‚können, kennen‘: koͤne 1. Pers. Pl. (Inversion) (1), koͤnen 2. Pers. Pl. (2), koͤnen 3. Pers. Pl. (9), koͤnen 1. Pers. Pl. (1), koͤnen 1. Pers. Pl. (Inversion) (1); – Belege für ‚können, mögen‘: moͤgen 3. Pers. Pl. (11), moͤghe 2. Pers. Pl. (Inversion) (1), moͤgen 1. Pers. Pl. (4), moͤge 2. Pers. Pl. (Inversion) (6), moͤgen 2. Pers. Pl. (4), moͤgē 2. Pers. Pl. (1), moͤge 1. Pers. Pl. (Inversion) (1); – Belege für ‚müssen‘: moͤthent 3. Pers. Pl. (kontr.) (1), moͤthen 3. Pers. Pl. (4), moͤten 3. Pers. Pl. (1), moͤte 2. Pers. Pl. (Inversion) (1), moͤthe 1. Pers. Pl. (Inversion) (1), moͤtē 1. Pers. Pl. (1), moͤten 1. Pers. Pl. (1), moͤthen 1. Pers. Pl. (1), mothen 3. Pers. Pl. (1), moͤthe 2. Pers. Pl. (Inversion) (1); – Belege für ‚sollen‘: scholen 3. Pers. Pl. (1), schoͤle 2. Pers. Pl. (Inversion) (1), schoͤlen 3. Pers. Pl. (2), schoͤle 1. Pers. Pl. (Inversion) (1), Schole 1. Pers. Pl. (Inversion) (1), scholt 2. Pers. Pl. (1), schoͤlt 2. Pers. Pl. (1); – Belege für ‚wissen‘: weten 3. Pers. Pl. (8), wete 2. Pers. Pl. (Inversion) (2), weten 2. Pers. Pl. (2), weth 1. Pers. Sg. (1). 6.1.2 632 Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 419, S. 226f., hier S. 227. 633 Van Loey, Schönfelds historische grammatica, § 142, S. 168-170. 634 Schmidt, Geschichte der deutschen Sprache, S. 241, 243. 635 Jostes, Schriftsprache und Volksdialekte, S. 89; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 419; Pe‐ ters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 75 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 53]; Fed‐ ders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 225f.; Härd, Morphologie des Mittelniederdeutschen, S. 1434f.; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 396f. Teil II A Textinterne Analyse 190 Partizip Präteritum Im Frühmittelniederdeutschen schwankt die Bildung des Partizip Präteritum zwi‐ schen der Bildung mit und ohne Präfix ge-/ghe-. In der Regel erscheinen Formen oh‐ ne Vorsilbe, wobei dies besonders konsequent im nordniederdeutschen Sprachareal geschieht. Im Laufe des 15. Jahrhunderts gelingt es den präfigierten Formen des Par‐ tizip Präteritum sich schreibsprachlich im gesamten niederdeutschen Sprachraum durchzusetzen. Im „klassischen“ Mittelniederdeutschen kommen demzufolge am häufigsten Präfigierung mit ge-/ghe- vor, als Minderheitsvariante gilt Vorsilbe e-.636 Gesondert zu betrachten sind die Verteilungsmuster der Verben ‚bringen‘, ‚finden‘, ‚kommen‘, ‚treffen‘ und ‚werden‘, da bei ihnen die Schreibung mit oder ohne ge-/ ghe- womöglich anders ausfällt als bei den anderen Verben. Dies liegt darin begrün‐ det, dass diese Verben bereits im Mittelhochdeutschen regelhaft ohne Präfix ge-/ghegebildet werden, wo ansonsten kein Präfixschwund beim Partizip Präteritum vorliegt. Möglicherweise liegt das an dem verbindenden Element der Perfektivität. Im ‚Reynke Vosz de olde‘ scheint die Bildung des Partizip Präteritum mit Präfix ge- der Normalfall zu sein. Sowohl starke als auch schwache Verben erscheinen mit Präfix ge- (276 bzw. 267) bzw. ghe- (4 bzw. 3). Dies betrifft im gleichen Maße Ver‐ ben mit einer Partikel (40 bzw. 48) wie nicht präfigierte (240 bzw. 222). Äußerst sel‐ ten findet man nicht präfigierte Partizipien des Präteritums (3). Diese scheinen lexemgebunden oder auf die lateinischen Entlehnungen beschränkt zu sein, wobei auch hier eine Ausnahme existiert: Der Latinismus geregert erscheint mit perfekti‐ vem Präfix. – lexemgebundener Beleg für das Part. Prät. ohne ge-: bunden (1); – aus dem Lateinischen entlehnte Belege für das Part. Prät. ohne ge-: Figurert (1), studert (1); – aus dem Lateinischen entlehnter Beleg für das Part. Prät. mit ge-: geregert (1). Für die Verben ‚bringen‘, ‚finden‘, ‚kommen‘ und ‚werden‘ sieht die Verteilung637 folgendermaßen aus: Für die Verben ‚bringen‘ und ‚finden‘ erscheinen ausschließlich präfigierte Formen, während ‚kommen‘ und ‚werden‘ sowohl präfixlose als auch prä‐ figierte Partizipien des Präteritums aufweisen, wobei die letzteren im Untersu‐ chungstext eindeutig überwiegen. – Belege für das Part. Prät. von ‚bringen‘ mit ge-: gebracht (15), vorgebracht (1), Ghebracht (1), angebrachte (1), anghebrachte (2), vmmegebracht (1); – Belege für das Part. Prät. von ‚finden‘ mit ge-: gefunden (2); 6.1.3 636 Colliander, Mittelniederdeutsches Elementarbuch, § 151 Anm. 6; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, §§ 221.VI; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 151-156; Bischoff, Über die Grundlagen der mittelniederdeutschen Schriftsprache, S. 64; Ahlsson, Studien zum ostfriesischen Mittelniederdeutsch, S. 78f.; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 75f. [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 53]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 226-228; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 177-179; Roolfs, Der ‚Spieghel der ley‐ en‘, S. 397f.; ASnA, Bd. I, Karte 48 ‚geben (Part. Prät.)‘ und Karte 49 ‚kommen (Part. Prät)‘. 637 Es konnten keine Belege für das Verb ‚treffen‘ ermittelt werden. 6 Formenlehre 191 – Belege für das Part. Prät. von ‚kommen‘ ohne ge-: kamen (2), komen (1); – Belege für das Part. Prät. von ‚kommen‘ mit ge-: gekamen (19), vpgekamen (1), herge‐ kamē (1), gekomen (2), yngekamen (1); – Belege für das Part. Prät. von ‚werden‘ ohne ge-: worden (2), worden638 (2); – Belege für das Part. Prät. von ‚werden‘ mit ge-: gheworden (1), geworden (5). 2. und 3. Person Singular Präsens Indikativ der 2. Ablautreihe In der 2. Ablautreihe gibt es Variation zwischen den Realisierungen der indikativi‐ schen Präsensformen der 2. und 3. Person Singular. Die Variation kommt zum Teil durch die stattgefundenen Ausgleichsprozesse, aber auch durch den potentiellen mit‐ telniederländischen Einfluss zustande. In der Regel zeigen die Verben der 2. Ablaut‐ reihe bei den Präsensformen der 2. und 3. Person Singular den Vokal ü̂. Da in der vormittelniederdeutschen Zeit eo und iu im Präsens Indikativ der 2. Ablautreihe al‐ ternieren, kommt es im Mittelniederdeutschen zur Analogiebildung durch den Ein‐ fluss der 1. Person Singular, die Pluralformen und den Infinitiv. So wechseln in der 2. und 3. Person Singular mnd. ü̂ < westgerm. iu und ê4 < westgerm. eo. Unter mittel‐ niederländischem Einfluss erscheint v. a. im Westen des niederdeutschen Sprach‐ raums auch i-Laut, sodass i-, y- und ie-Schreibungen möglich sind. Ferner kommen und anstelle des ê-Lauts im Südmärkischen und Elbostfälischen vor.639 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ sind ausschließlich die Formen mit und be‐ legt, wobei die letzteren überwiegen, sodass man daraus schließen kann, dass der Ausgleich des Stammvokals zu ê nicht durchgeführt wurde: – Belege für das Verb ‚-bieten‘: gebuͤt 3. Pers. Sg. (1), erbuͤth (syck) 3. Pers. Sg. (2), gebuͤth 3. Pers. Sg. (1), Vorbuͤtstu 2. Pers. Sg. (1); – Belege für das Verb ‚lügen‘: luͤcht 3. Pers. Sg. (2), lucht 3. Pers. Sg. (1), belucht 3. Pers. Sg. (1); – Belege für das Verb ‚-trügen‘: bedruͤcht 3. Pers. Sg. (6). Einige Verben, die zur 5. Ablautreihe gehören, schließen sich in den Formen den Ver‐ ben der 2. Ablautreihe an. Agathe Lasche begründet das damit, dass diese Verben (sên, (ge)schên, jên) im Infinitiv mit den Verben der 2. Ablautreihe übereinstimmen und deswegen auch die weiteren präsentischen Formen dieser annehmen.640 6.1.4 638 Als Teil eines dreigliedrigen Prädikats (Passiv oder Zustandspassiv): synt … rechtferdich erholden worden Bl. 26v; sint … angelopen vnd gestott worden Bl. 130r. 639 Lübben, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 57; Colliander, Mittelniederdeutsches Elementar‐ buch, §§ 319-322; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 426; Sarauw, Niederdeutsche For‐ schungen. II, S. 143-145; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 76 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 53]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 228; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 179; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 398f. 640 Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 426 Anm. 2; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 399. Teil II A Textinterne Analyse 192 – Belege für das Verb ‚geschehen‘: geschuͤt 3. Pers. Sg. (6), Geschuͤth 3. Pers. Sg. (5); – Belege für das Verb ‚-sehen‘: suth syk 3. Pers. Sg. (1), suͤth 3. Pers. Sg. (6), ansuͤth 3. Pers. Sg. (1), suͤt 3. Pers. Sg. (2). 2. und 3. Person Singular Präsens Indikativ der 4. und 5. Ablautreihe Die Verben der 4. und 5. Ablautreihe weisen Variation bei den indikativischen Prä‐ sensformen der 2. und 3. Person Singular auf, abhängig davon, welche lautliche Ver‐ änderung zuerst stattgefunden hat. Der ursprüngliche Kurzvokal wird beibehalten, wenn die Synkopierung des Endsilbenvokals älter als die Tondehnung ist und eine geschlossene Silbe vorliegt. Tritt die Tondehnung bzw. Tondehnung vor der Synko‐ pierung ein, wird der vormittelniederdeutsche Vokal gedehnt und gegebenenfalls ge‐ senkt. In diesem Fall kommt es zu tonlangen Vokalen ē und ō in der 2. und 3. Person Singular. Eine darauffolgende Konsonantenverbindung kann eine Vokalkürzung in geschlossener Silbe hervorrufen. Die beiden letzteren Formenvarianten weisen vor allem auf den Westrand des mittelniederdeutschen Sprachareals und auf das Südmär‐ kische hin.641 Die 2. Person Singular ist im ‚Reynke Vosz de olde‘ kaum belegt, es finden sich jedoch zahlreiche Belege für die 3. Person Singular. Dabei lässt sich ein Nebeneinan‐ der von kurzvokalischen und tongedehnten Formen beobachten. Für die Verben ‚kommen‘ und ‚nehmen‘ lässt sich zudem anmerken, dass hier die synkopierten For‐ men mit eingeschobenem epenthetischem p zwischen m und Dental eindeutig domi‐ nieren. Insgesamt lässt sich eine Tendenz zur Synkopierung mit anschließender Kür‐ zung sowohl für die 4. als auch für die 5. Ablautreihe festhalten. Belege für die 4. Ablautreihe: Belege mit Kurzvokal und epenthetischem p: – ‚-kommen‘: Kumpt 3. Pers. Sg. (20), kumpt … vth 3. Pers. Sg. (1), vthkumpt 3. Pers. Sg. (1), kumpstu 2. Pers. Sg. (2), herkumpt (1); – ‚-nehmen‘: nimpt aff 3. Pers. Sg. (1), nympt 3. Pers. Sg. (6), nimpt 3. Pers. Sg. (2), annimpt 3. Pers. Sg. (1), vornimpst 2. Pers. Sg. (1), thonimpst 2. Pers. Sg. (1), an‐ nympt 3. Pers. Sg. (1), nympstu 2. Pers. Sg. (3), nympt … aff 3. Pers. Sg. (1), nympt … tho 3. Pers. Sg. (1); 6.1.5 641 Lübben, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 53ff.; Colliander, Mittelniederdeutsches Elementar‐ buch, §§ 326f.; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, §§ 428f.; Sarauw, Niederdeutsche For‐ schungen. II, S. 168-174; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 76 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 54]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 229; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 179-181; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 399f. 6 Formenlehre 193 Belege mit Kurzvokal: – ‚brechen‘: bricket 3. Pers. Sg. (1); – ‚-nehmen‘: nymmet syck … an 3. Pers. Sg. (1); – ‚sprechen‘: sprickt 3. Pers. Sg. (2); Belege mit Tondehnung: – ‚brechen‘: breket 3. Pers. Sg. (1); – ‚gebären‘: gebert 3. Pers. Sg. (2); – ‚-nehmen‘: warnemest 2. Pers. Sg. (1); – ‚rächen‘: wreket 3. Pers. Sg. (1); – ‚stehlen‘: stelt 3. Pers. Sg. (2); Belege mit nach vorheriger Tondehnung und Senkung erfolgter neuer Kürzung: – ‚sprechen‘: spreckt 3. Pers. Sg. (56). Belege für die 5. Ablautreihe: Belege mit Kurzvokal: – ‚-geben‘: angyfft 3. Pers. Sg. (1), begyfft (syck) 3. Pers. Sg. (3), gifft 3. Pers. Sg. (7), vorgyfft 3. Pers. Sg. (1), gyfft 3. Pers. Sg. (6), auer gyffst 2. Pers. Sg. (1); – ‚pflegen‘: plecht 3. Pers. Sg. (4); Belege mit Tondehnung: – ‚essen‘: eth 3. Pers. Sg. (1); – ‚geben‘: geuest 2. Pers. Sg. (2); – ‚lesen‘: lest 3. Pers. Sg. (4); – ‚pflegen‘: plegest 2. Pers. Sg. (1); – ‚vergessen‘: vorget 3. Pers. Sg. (2). Plural des Präteritum Indikativ der 4. und 5. Ablautreihe Die 4. und 5. Ablautreihe der starken Verben kennt im indikativischen Präteritum Plu‐ ral den langen Vokal ê. Dieser ist durch Ersetzung des ursprünglichen langen Stamm‐ vokals â durch den umgelauteten Vokal mnd. ê1 aus dem Optativ entstanden. Diese Ersetzung erfolgte ungefähr bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, das Westfälische und Elbostfälische haben an diesem Wechsel jedoch nicht teilgenommen. Als typisch gilt für die Letzteren die Beibehaltung der Schreibung bis ins 16. Jahrhundert hin‐ ein.642 6.1.6 642 Tümpel, Die Mundarten des alten niedersächsischen Gebietes zwischen 1300 und 1500, S. 120-123; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 422; dies., Das starke Präteritum im Mittelniederdeutschen; Behrens, Niederdeutsche Praeteritalbildung; Sarauw, Niederdeutsche For‐ schungen. II, S. 156f.; Jülicher, Zur Charakteristik des Elbostfälischen, S. 22f.; Hol, Een tegen‐ stelling noord: zuid in de praeterita en participia van de sterke weerkwoorden; Korlén, Die mittelniederdeutschen Texte des 13. Jahrhunderts, S. 225-227; Dahlberg, Zur Urkundensprache in Göttingen und Duderstadt, S. 59; Korlén, Norddeutsche Stadtrechte. I, S. 53-55; ders., Norddeut‐ sche Stadtrechte. II, S. 74; Ahlsson, Studien zum ostfriesischen Mittelniederdeutschen, S. 78; Foerste, Geschichte der niederdeutschen Mundarten, Sp. 1787f.; Peters, Mittelniederdeutsche Teil II A Textinterne Analyse 194 Im Untersuchungstext finden sich insgesamt sieben Belege für das Verb ‚spre‐ chen‘. Andere Verben sind im Präteritum Plural nicht vertreten, sodass eine genauere Aussage nicht möglich erscheint. Es lässt sich jedoch festhalten, dass im ‚Reynke Vosz de olde‘ wenig überraschend die e-Schreibung für ‚sprechen‘ im Präteritum Plural anzutreffen ist. Belege für die 4. Ablautreihe: – ‚sprechen‘: spreken (7). Das Verb ‚bringen‘ Das mittelniederdeutsche Verb brengen ist auf asächs. brengian und das mnd. brin‐ gen entsprechend auf asächs. bringan historisch gesehen zurückzuführen. Die erste Variante begegnet vor allem im Westfälischen sowie in einem Teil des Ostfälischen und ist in das niederländisch-westfälisch-mitteldeutsche brengen-Verbreitungsgebiet zu verorten. Die auf das asächs. bringan zurückgehende Variante bringen ist dagegen im nordniederdeutschen und ostfälischen Areal zu finden und kommt außerdem im Oberdeutschen vor. Ansonsten gibt es die bringen-Realisierung im Holländischen und Brabantischen als Nebenform zur dominierenden brengen-Variante. Bei der Bildung der Präterital- und Partizipialformen herrscht Varianz zwischen aund o-Schreibungen. Für das Mittelniederländische ist diese Varianz bereits unter‐ sucht worden643, für das Mittelniederdeutsche fehlen bislang einschlägige Ergebnisse zur Erforschung der räumlichen wie zeitlichen Formenverteilung.644 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ ist bringen als Normalform anzusehen, lediglich die Schreibung für kurzes i variiert zwischen und . Im Präteritum variieren die aund o-Formen stark, wobei die Schreibung mit leicht überwiegt. Als führende Partizipialform gilt die a-Schreibung, während die o-Schreibung im Partizip Präteri‐ tum nur einmal belegt ist. 6.1.7 Sprache, S. 101; ders., Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 76f. [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 54]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 181-184; Härd, Morphologie des Niederdeutschen, S. 1434; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 181f.; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 400. 643 Goossens, Historische en moderne taalgeografie, S. 31-33 (mit Karte); van Loey, Middelneder‐ landse spraakkunst. II. Klankleer, § 15, S. 21f.; Berteloot, Bijdrage tot een klankatlas van het der‐ tiende-eeuwse Middelnederlands, S. 56, Karte Nr. 27; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 230f. 644 Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 431; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. I, S. 95f., 302; Dahlberg, Zur Urkundensprache in Göttingen und Duderstadt, S. 66; Ahlsson, Studien zum ostfriesischen Mittelniederdeutsch, S. 79; Bischoff, Über die Grundlagen der mittelniederdeut‐ schen Schriftsprache, S. 29; Niebaum, Zur synchronischen und historischen Phonologie des Westfä‐ lischen, S. 284; König, dtv-Atlas Deutschen Sprache, S. 94 (Karte); Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 77 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 54f.]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 230f.; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 400f.; Temmen, Das ‚Abdinghofer Arznei‐ buch‘, S. 111f.; ASnA, Bd. I, Karte 51 ‚bringen (Inf., 1.+3. Pl. Ind. Präs.)‘. 6 Formenlehre 195 – Inf. und Ableitungen: bryngen (6), bringen (12), anbringent (substantiv. Inf.) (2), jnbrin‐ gen (1), anbryngent (substantiv. Inf.) (1), anbryngeren (Subst.) (1), vullenbrynghen (1), vullenbringen (2), bringē (1), vorthobringen (1), vorbringer (Subst.) (1), vorbringent (sub‐ stantiv. Inf.) (1), heruor thobringen (1), ynbringen (1); – Formen des Präs.: brynge 1. Pers. Sg. Ind. (1), Brynget (syck) 3. Pers. Sg. Ind. (2), bringe 1. Pers. Sg. Ind. (5), bringet 3. Pers. Sg. Ind. (12), bryngen 3. Pers. Pl. Ind. (2), vullenbringen 3. Pers. Pl. Ind. (2), Bringet 2. Pers. Pl. Imp. (1), vorbringen 3. Pers. Pl. Ind. (2), bringe 3. Pers. Sg. Konj. (1), vullenbringet 3. Pers. Sg. Ind. (1), bryngstu 2. Pers. Sg. Ind. (1), Brynget 2. Pers. Pl. Imp. (1); – Formen des Prät. mit o-Schreibung: brochte 3. Pers. Sg. Ind. (7), broͤchte 3. Pers. Sg. Konj. (2), vorbroͤchte 3. Pers. Konj. (2), broͤchten 3. Pers. Pl. Konj. (1), brochte 1. Pers. Pl. Ind. (1); – Formen des Prät. mit a-Schreibung: brachte 3. Pers. Sg. Ind. (18); – Formen des Part. Prät. mit a-Schreibung: vorbrocht (1); – Formen des Part. Prät. mit o-Schreibung: gebracht (15), vorgebracht (1), Ghebracht (1), angebrachte (1), vullenbracht (1), anghebrachte (2), vullenbracht (1), vmmegebracht (1). Präteritum Indikativ der ehemals reduplizierenden Verben Die ehemals reduplizierenden Verben mit Stammvokalen, die auf germ. ê1 und germ. ai oder auf germ. ô und au zurückgehen, weisen im Präteritum mnd. ê4 < germ. ê2 oder eo auf. Als westliches Charakteristikum gilt die i-Realisierung statt ê4 bei den Präterita der ehemals reduplizierenden Verben. Die Schreibvarianten mit langem î sind außerdem dem Südmärkischen eigen.645 Ferner sind Formen mit langem î zu un‐ terstreichen, die bei Präteritalformen mit ursprünglichem kurzem Vokal e oder i vor Nasalverbindungen auftreten. Diese Eigentümlichkeit kommt im Mittelniederdeut‐ schen äußerst selten vor und ist wohl auf den ostniederländischen Einfluss zurückzu‐ führen.646 Zudem begegnen die Präteritalformen mit ie-Schreibung vor Nasalverbin‐ dungen im Geldrischen.647 Bei den Verben mit Stammvokal auf germ. ê1, ai sowie germ. ô und au verhält sich ‚Reynke Vosz de olde‘ sehr einheitlich. Es kommt ausschließlich e-Schreibung vor, teilweise mit Bezeichnung der Vokallänge durch nachgestelltes oder überge‐ schriebenes , das Dehnungs-h ist dagegen nicht belegt. 6.1.8 645 Colliander, Mittelniederdeutsches Elementarbuch, § 336 Anm. 2, § 336 Anm., § 337 Anm., § 338 Anm.; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, §§ 114 Anm. 1, 433-435; Peters, Katalog sprach‐ licher Merkmale I, S. 77 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 55]; Fedders, Die Schreib‐ sprache Lemgos, S. 232; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 183f.; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 401. 646 Van Loey, Middelnederlandse spraakkunst. I. Vormleer, § 62, S. 83-86; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 401. 647 Tille, Zur Sprache der Urkunden des Herzogtums Geldern, § 222, S. 165f.; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 401. Teil II A Textinterne Analyse 196 Präterita mit Stammvokal auf germ. ê1: – ‚-lassen‘: leth 3. Pers. Sg. (11), leͤth 3. Pers. Sg. (5), leten 2. Pers. Pl. (1), vorleten 3. Pers. Pl. (1), leten 3. Pers. Pl. (1), leeth 3. Pers. Sg. (3), vorlet 3. Pers. Sg. (1), lethe 2. Pers. Pl. (Inversion) (1). Präterita mit Stammvokal auf germ. ai: – ‚heißen‘: hete 3. Pers. Sg. (3), wilkamenhete 3. Pers. Sg. (1), heth 3. Pers. Sg. (5), heͤth 3. Pers. Sg. (3), heeth 3. Pers. Sg. (1), heet 3. Pers. Sg. (1). Präterita mit Stammvokal auf germ. ô und au: – ‚-laufen‘: leep 3. Pers. Sg. (9), lepen 3. Pers. Pl. (3), wech leep 3. Pers. Sg. (1), leep tho 3. Pers. Sg. (1), lepen 1. Pers. Pl. (1), lepe 1. Pers. Pl. (Inversion) (1), lepen 2. Pers. Pl. (1), leep … vth 3. Pers. Sg. (1); – ‚-rufen‘: repen 3. Pers. Pl. (4), reͤp 3. Pers. Sg. (1), reep 3. Pers. Sg. (9), reͤp … an 3. Pers. Sg. (1), reep 1. Pers. Sg. (1). Bei den Verben mit a vor Doppelkonsonanz bzw. a mit Ersatzdehnung liegt im ‚Reynke Vosz de olde‘ Varianz vor, allerdings nicht für alle Verben. So erscheint das Verb ‚gehen‘ konstant mit i- bzw. y-Schreibung vor Nasalverbindung und für das Verb ‚hängen‘ ist einmal e-Schreibung belegt, während ‚fallen‘ und ‚fangen‘ zwi‐ schen i und e im Präteritum Indikativ variieren. Die Realisierungen für die präterita‐ len Formen des Verbs ‚halten‘ beschränken sich auf die einfache e-Schreibung und die Schreibung mit übergeschriebenem zur Bezeichnung der Dehnung. Präterita auf e oder i vor Nasalverbindungen: – ‚-fallen‘: Vellen 3. Pers. Pl. (1), entfyll 3. Pers. Sg. (1), vell 3. Pers. Sg. (1); – ‚-fangen‘: venck 3. Pers. Sg. (1), vynck 3. Pers. Sg. (1), entfynck 3. Pers. Sg. (2), ent‐ fenck 1. Pers. Sg. (1); – ‚gehen‘: anghinck 3. Pers. Sg. (1), ghingen 3. Pers. Pl. (2), gynck 3. Pers. Sg. (4), ginck 3. Pers. Sg. (8), gingen … hen 3. Pers. Pl. (1), ghinck 3. Pers. Sg. (7), ghinck 1. Pers. Sg. (2), ginck … wech 3. Pers. Sg. (2), hen gyngen 3. Pers. Pl. (1), (heruth) ginck 3. Pers. Sg. (2), ghynck 3. Pers. Sg. (4), ghyngen 3. Pers. Pl. (1), entghynck 3. Pers. Sg. (1), ghynck (vort[h]) 3. Pers. Sg. (2), vthghinck 1. Pers. Sg. (1), vthginck 3. Pers. Sg. (1), ginck hen wech 3. Pers. Sg. (1), gynck … tho 3. Pers. Sg. (1), ghingen … vorth 3. Pers. Pl. (1), wech ghingen 3. Pers. Pl. (1), gyngen 3. Pers. Pl. (1), gingen vort 3. Pers. Pl. (1), gynck … an 3. Pers. Sg. (1), ginck … an 3. Pers. Sg. (2), gynge 2. Pers. Pl. (Inversion) (1), ginck tho 3. Pers. Sg. (1), ghinck … tho 1. Pers. Sg. (1), entghyngen 1. Pers. Pl. (1), ghinck … tho 3. Pers. Sg. (1), ginck … nedder 3. Pers. Sg. (1), ginck vp‐ wert 3. Pers. Sg. (1), ghyngen 1. Pers. Pl. (1), ghynck 1. Pers. Sg. (1), ghinck … vth 1. Pers. Sg. (1); – ‚-halten‘: Heldt 3. Pers. Sg. (5), heͤldt 3. Pers. Sg. (4), helden 3. Pers. Pl. (1), helt 1. Pers. Sg. (2), heͤlt 3. Pers. Sg. (1), entheͤlt (syck) 3. Pers. Sg. (2); – ‚hängen‘: henck 3. Pers. Sg. (1). 6 Formenlehre 197 Infinitiv und Partizip Präteritum-Formen der Verben ‚fangen‘ und ‚hängen‘ Die ehemals reduplizierenden Verben ‚fangen‘ und ‚hängen‘ stellen sich im Mittel‐ niederdeutschen wie folgt dar: Im Infinitiv können sowohl Kurzformen, als auch ana‐ log zum Partizip Präteritum gebildeten Langformen auftreten. Seltener belegt sind Ergebnisse des umgekehrten Prozesses, wenn Formen des Partizip Präteritum nach dem Infinitiv gebildet werden.648 Die Verteilung der Kurz- und Langformen für den Infinitiv und der Formen des Partizip Präteritum für die ehemals reduplizierenden Verben ‚-fangen‘ und ‚-hängen‘ sieht im ‚Reynke Vosz de olde‘ relativ gleichmäßig aus. Für den Infinitiv sind sowohl für ‚-fangen‘ als auch für ‚-hängen‘ ausschließlich Langformen anzutreffen. Als Parti‐ zip Präteritum von ‚hängen‘ sind ebenfalls nur Langformenfestzustellen. Für das Par‐ tizip Präteritum von ‚-fangen‘ kommen hingegen beide Varianten vor. Die Kurzform erscheint allerdings nur zweimal in der Reimposition, die Langformen dagegen sind auch außerhalb derselben belegt. Belege für ‚-fangen‘: – Langformen für Inf.: entfangen (2), entfangē (1); – Kurzformen für Part. Prät.: entfan (2); – Langformen für Part. Prät.: entfangen (4), gefangen (8), gefangenn (1), befangen (1), gefangen (1); Belege für ‚hängen‘: – Langformen für Inf.: hangen (4); – Langformen für Part. Prät.: gehangen (2), behangen (3). Der sogenannte „Rückumlaut“ Das Mittelniederdeutsche besitzt eine Reihe von Verben, die traditionell als Verben mit dem sogenannten „Rückumlaut“ bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um Verben mit gemischter Konjugation, die sowohl einen für starke Verben typischen Vo‐ kalwechsel, als auch das für das schwache Präteritum charakteristische Dentalsuffix aufweisen. Beim Vokalwechsel handelt es sich allerdings um keinen Ablaut wie bei unregelmäßigen Verben. Die Verben mit dem sogenannten „Rückumlaut“ gehen historisch betrachtet auf die asächs. jan-Verben zurück. Die Präteritumformen und die Formen des Partizip Präteritum können im Mittelniederdeutschen mit dem alten a erscheinen, falls der 6.1.9 6.1.10 648 Colliander, Mittelniederdeutsches Elementarbuch, § 334 Anm. 2; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, §§ 226, 434 Anm. 2; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 186; Peters, Kata‐ log sprachlicher Merkmale I, S. 78 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 55]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 232; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 183f., hier insbes. S. 184. Teil II A Textinterne Analyse 198 Umlautfaktor synkopiert wurde, bevor der Umlaut stattgefunden hat. Es treten jedoch auch Präteritumformen mit e-Umlaut auf, falls die Synkopierung des Umlautfaktors nach dem Umlaut eingesetzt ist oder falls keine Synkopierung durchgeführt wurde. Die Bezeichnung „Rückumlaut“ bezieht sich auf das erhaltene a, obwohl hier nie‐ mals ein Umlaut eingetreten ist. Im gesamten mittelniederdeutschen Sprachraum variieren Präteritumformen mit a und e, wobei die a-Schreibung besonders häufig im westfälischen Areal vor‐ kommt.649 Im Ostniederländischen ist ebenfalls verstärkt die ursprüngliche a-Reali‐ sierung verbreitet.650 Die Formenverteilung im ‚Reynke Vosz de olde‘ sieht folgendermaßen aus: Bei den Präteritum und Partizip Präteritum-Formen variiert die Realisierung mehr oder minder je nach Verb. So findet sich Varianz zwischen den e- und a-Formen für das Verb ‚-kennen‘, wobei die letzteren doppelt so häufig im Text vorkommen. Für das Verb ‚senden‘ finden sich nur zwei a-Belege. Hier lässt sich aufgrund geringer Be‐ leglage kaum eine genauere Schlussfolgerung ziehen. Für das Verb ‚-setzen‘ sind ausschließlich die a-Realisierungen für Präteritum und Partizip Präteritum belegt. Belege mit a-Schreibung: – ‚-kennen‘: erkant (6), bekannt (4), erkande (syck) (2), vnerkanden (1), bekandt (2); – ‚senden‘: gesandt (2); Belege mit e-Schreibung: – ‚-kennen‘: kende (3), kenden (1), erkent (1), bekent (1), Erkende syck (1), enckent (1); – ‚-setzen‘: auersettet (1), gesettet (5), vndersettedes (1), settede (syck) (3), vorgesettet (2). Präsens Indikativ-Formen von hebben 3. Person Singular Präsens Indikativ Beim Verb hebben variieren die Schreibungen für die indikativische Präsensform der 3. Person Singular. Die übliche Form hevet mit dem langen Vokal ist dabei als ältere anzusetzen, sie wird allerdings bereits in Texten des „klassischen“ Mittelniederdeut‐ schen von der synkopierten Form heft abgelöst. Neben der regionsübergreifenden Form heft begegnet am westlichen Rand des mittelniederdeutschen Sprachgebietes die gedehnte Variante heeft, für die ein Langvokal vermutet werden kann sowie eine 6.1.11 649 Lübben, Mittelniederdeutsche Grammatik, S. 82; Colliander, Mittelniederdeutsches Elementar‐ buch, § 344; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 437; Sarauw, Niederdeutsche Forschun‐ gen. II, S. 190-192; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 78 [= Peters, Mittelniederdeut‐ sche Studien, S. 55f.]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 232; Härd, Morphologie des Mittelniederdeutschen, S. 1434; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 185; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 402; ASnA, Bd. I, Karte 52 ‚gesetzt: sog. Rückum‐ laut‘. 650 Van Loey, Middelnederlandse spraakkunst. I. Vormleer, § 54, S. 64-67; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 402. 6 Formenlehre 199 Rückführung auf mittelniederländischen Einfluss.651 Das Westfälische bzw. Südwest‐ fälische kennt außerdem Formen mit a-Schreibung. Die ältere langvokalische Form hevet wurde im Elbostfälischen bereits im 14. Jahrhundert durch eine synkopierte Form het ersetzt. Die Form der 3. Person Singular Präsens Indikativ het gilt auch als Kennform des Südmärkischen.652 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ kommt für die 3. Person Singular Präsens Indikativ ausschließlich die jüngere kurzvokalische Normalform in der Schreibung hefft (130) vor. Plural Präsens Indikativ Bei den indikativischen Präsensformen des schwachen Verbs hebben zeigt sich Vari‐ anz auch in der Pluralbildung. Es erscheinen die Hauptvarianten westl. hebbet und östl. hebben sowie die synkopierte Pluralform heb(b)t. Im Südwestfälischen begegnet zudem die Variante havet.653 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ kommt als Realisierung für den Einheitsplural des schwachen Verbs ‚haben‘ ausschließlich die ostmittelniederdeutsche Hautvariante auf -en vor: hebben (44). Besonderheiten der Verben leggen und seggen Für die Infinitiv- und indikativischen Präsensformen der Verben leggen und seggen ist im Mittelniederdeutschen eine Varianz zwischen einfacher g- bzw. gh-Schreibung und doppelter gg- bzw. ggh-Schreibung festzustellen. Die überregional am häufigsten auftretenden indikativischen Präteritumformen lauten lêde ‚legte‘ und sêde ‚sagte‘; diese kennzeichnen sich durch stattgefundene Synkopierung -ege > ê. Im westfäli‐ schen Sprachraum begegnen dafür Formen lachte und sachte. Die Formen des Parti‐ zip Präteritum erscheinen üblicherweise mit dem kurzen e: gelecht, gesecht. Das 6.1.12 651 Kloeke, Een oud sjibboleth, S. 48f.; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 402f. 652 Tümpel, Die Mundarten des alten niedersächsischen Gebietes zwischen 1300 und 1500, S. 89-93; ders., Niederdeutsche Studien, S. 106-110; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, §§ 217, 439 Anm. 1; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 204-206; Jülicher, Zur Charakteristik des Elbostfälischen, S. 23f.; Kloeke, Expansions- und Reliktgebiete, S. 111-128; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 78 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 56]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 234f.; Taubken, Zur Lautgeographie des Westfälischen, S. 14; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 185f.; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 402f.; Temmen, Das ‚Abdinghofer Arzneibuch‘, S. 112f.; ASnA, Bd. I, Karte 53 ‚haben (3. Sg. Ind. Präs.)‘. 653 Tümpel, Die Mundarten des alten niedersächsischen Gebietes zwischen 1300 und 1500, S. 89-93; ders., Niederdeutsche Studien, S. 106-110; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, §§ 12, 217, 439 Anm. 1; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 204-206; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 78 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 56]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 235; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 396; Temmen, Das ‚Abdinghofer Arznei‐ buch‘, S. 109ff. Teil II A Textinterne Analyse 200 Westfälische kennt an dieser Stelle im Normalfall genauso wie im Präteritum die a- Realisierung gelacht und gesacht.654 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ sieht die Verteilung folgendermaßen aus: Infinitiv und Präsens Indikativ – ‚legen, -legen‘: entleggen Inf. (2), leggen Inf. (2), lecht 3. Pers. Sg. Präs. Ind. (1), be‐ lecht 3. Pers. Sg. Präs. Ind. (1); – ‚sagen, -sagen‘: secht 3. Pers. Sg. Präs. Ind. (32), besecht 3. Pers. Sg. Präs. Ind. (2), seggen Inf. (10), segge 1. Pers. Sg. Präs. Ind. (8), beseght 3. Pers. Sg. Präs. Ind. (1), segget (Inklination) 1. Pers. Sg. Präs. Ind. (3), seggen 3. Pers. Pl. Präs. Ind. (3), segget 2. Pers. Pl. Imp. (5), seghen 3. Pers. Pl. Präs. Ind. (2), thosecht 3. Pers. Sg. Präs. Ind. (2), thosegge 2. Pers. Sg. Imp. (1), seggen 2. Pers. Pl. Präs. Ind. (2), seghe 3. Pers. Sg. Präs. Konj. (1), sechstu 2. Pers. Sg. Präs. Ind. (1), segge 3. Pers. Sg. Präs. Konj. (1), seggē Ind. (1). Präteritum – ‚legt-‘: lede 3. Pers. Prät. Ind. (6); – ‚sagt-‘: sede 3. Pers. Sg. Konj. (1), sede 3. Pers. Sg. Ind. (9), sede 1. Pers. Sg. Ind. (5), sede 1. Pers. Sg. Konj. (1), seden 3. Pers. Pl. Ind. (2). Partizip Präteritum – ‚gelegt‘: gelecht (5), angelecht (1), angelecht (Adj.) (1); – ‚gesagt, -gesagt, -sagt‘: besecht (2), gesecht (14), vorgesechte (Adj.) (1), affgesecht (1), thogesechten (Adj.) (1), vthgesechten (Adj.) (1), thogesechte (Adj.) (1), thogesecht (1), Thogesechtē (Adj.) (1). Es lässt sich also festhalten, dass im vorliegenden Text ausschließlich die mittelnie‐ derdeutschen Normalformen für die Verben ‚legen‘ und ‚sagen‘ vorkommen. Im Prä‐ sens und Infinitiv überwiegen eindeutig die gg-Schreibungen mit Doppelkonsonanz, die gh-Variante erscheint zweimal beim Verb ‚sagen‘. Die Beleglage lässt keinerlei westfälischen Einfluss auf den Text feststellen. Das Präteritopräsens ‚sollen‘ Das Präteritopräsens ‚sollen‘ der 4. Ablautreihe weist gleichzeitig mehrere Variablen mit jeweils unterschiedlicher diatopischer Verteilung auf.655 6.1.13 654 Lübben, Mittelniederdeutsche Grammatik, S. 82; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, §§ 126, 439 Anm. 2; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 204-206; Seelmann, Mnd. sagen und segen; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 79 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 56]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 235f. 655 Lübben, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 61b; Tümpel, Niederdeutsche Studien, S. 110-113; Colliander, Mittelniederdeutsches Elementarbuch, § 352; Lasch, Mittelniederdeutsche Gramma‐ tik, §§ 10, 256, 443; Højberg Christensen, Studier over Lybæks kancellisprog, S. 400-403, 410; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 209f.; Jülicher, Zur Charakteristik des Elb‐ ostfälischen, S. 24f.; Dahlberg, Zur Urkundensprache in Göttingen und Duderstadt, S. 71f.; Korlén, Zum Problem der sog. westfälischen Strömung, S. 93; ders., Norddeutsche Stadtrechte. 6 Formenlehre 201 Die Schreibung im Anlaut unterscheidet sich je nach Region. Die s- oder z- Schreibung kommt üblicherweise in Westfalen vor, wo sie durch identische nieder‐ ländische, ripuarische und hochdeutsche (mitteldeutsche) Realisierungen gestützt wird. Im Frühmittelniederdeutschen begegnet diese Form auch in anderen Spracharealen des Mittelniederdeutschen. Ansonsten erscheint im gesamten Gebiet in der Frühzeit anlautend die Kombination , die später überregional durch ersetzt wird. Eine besonders starke Formendiskrepanz ist für das Übergangs‐ gebiet Ostwestfalen zu verzeichnen, wo sowohl das westfälische , als auch das für Ostfalen typische bzw. später im Anlaut erscheint. Im Elb‐ ostfälischen und Südmärkischen tritt in der Regel die s-Schreibung auf. In der balti‐ schen Region und in Danzig variieren die Varianten mit , und . Diese Variation zwischen den drei Schreibungen ist auf den Einfluss westfälischer Siedler des 12. Jahrhunderts zurückzuführen. Im ‚Reynke Vosz de olde‘ findet sich keine Schreibvariation im Anlaut. Alle 286 Belege weisen konstant den jüngeren überregional verbreiteten sch-Anlaut auf.656 Als zweite Variable lässt sich der Stammvokal untersuchen, dessen Schreibung in den indikativischen Formen des Präsens Plural zwischen für ö und für ü variiert. Am Westrand des mittelniederdeutschen Schreibsprachenareals und in Ostfa‐ len erscheint überwiegend die u-Schreibung. Sonst kommt in den anderen mittelnie‐ derdeutschen Schreibsprachen im Stamm die Schreibung mit , so auch im Meck‐ lenburgischen, wie Nerger feststellt.657 ‚Reynke Vosz de olde‘ weist nur zwei Schreibvarianten des Stammvokals im Präsens Plural auf, die beide auf ein ö hindeuten und der überregionalen Tendenz zur Schreibung von für ö entsprechen. Auffällig ist nur ein Beleg für die 2. Person Plural Präsens Indikativ schoͤlt 234r, allerdings aus der Sicht der Bildung des Ein‐ heitsplurals und nicht aufgrund des Stammvokals. Er scheint von der Lübecker Text‐ vorlage beeinflusst worden zu sein, die an dieser Stelle schult 217r aufweist: – Belege mit o-Schreibung: scholen 3. Pers. Pl. Präs. Ind. (1), Schole 1. Pers. Pl. Präs. Ind. (Inversion) (1), scholt 2. Pers. Pl. Präs. Ind. (1); – Belege mit oͤ-Schreibung: schoͤle 2. Pers. Pl. Präs. Ind. (Inversion) (1), schoͤlen 3. Pers. Pl. Präs. Ind. (2), schoͤle 1. Pers. Pl. Präs. Ind. (Inversion) (1), schoͤlt 2. Pers. Pl. Präs. Ind. (1). II, S. 74; Bischoff, Über die Grundlagen der mittelniederdeutschen Schriftsprache, S. 22-25; Ahls‐ son, Studien zum ostfriesischen Mittelniederdeutsch, S. 79f.; Niebaum, Synchronische und histo‐ rische Phonologie des Westfälischen, S. 284f.; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 80 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 57f.]; ders., Zur Entstehung der lübischen Schreibspra‐ che, S. 152 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 301]; Fedders, Die Schreibsprache Lem‐ gos, S. 237-241; Peters, Bemerkungen zur Sprachgeschichte Münsters; Taubken, Zur Lautgeogra‐ phie des Westfälischen, S. 8-10; Peters, Die Diagliederung des Mittelniederdeutschen, S. 1480ff.; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 188-190; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 403; Temmen, Das ‚Abdinghofer Arzneibuch‘, S. 113-117; ASnA, Bd. I, Karte 54 ‚sollen (3. Sg. Ind. Präs.)‘, Karte 55 ‚sollen (3. Pl. Ind. Präs.): An-/Inlaut‘, Karte 56 ‚sollen (3. Pl. Ind. Präs.): Endung‘, Karte 57 ‚sollen (1.+3. Pl. Ind. Präs.): liquidlos‘. 656 Zu Konsonantenverbindungen mit s vgl. Kap. 5.4.8. 657 Nerger, Grammatik des meklenbugrischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 83f. Teil II A Textinterne Analyse 202 Auch die präsentischen Konjunktiv-Formen deuten auf ein ö hin, sie fallen zum größ‐ ten Teil mit den entsprechenden Indikativ-Formen zusammen: schoͤlen 3. Pers. Pl. Präs. Konj. (15), schoͤlē 3. Pers. Pl. Präs. Konj. (2), schoͤlen 2. Pers. Pl. Präs. Konj. (4), schoͤlent 1. Pers. Pl. Präs. Konj. (1), schoͤlenn 3. Pers. Pl. Präs. Konj. (1). Die prä‐ sentische Konjunktiv-Form der 3. Person Singular variiert dagegen zwischen dem markierten und nicht markierten Umlaut, wobei die Formen mit Umlautkennzeich‐ nung im Untersuchungstext eindeutig dominieren: schole (2) versus schoͤle (19). Die Präteritumformen des Verbs ‚sollen‘ im ‚Reynke Vosz de olde‘ entsprechen ebenfalls den für das mecklenburgische Sprachareal typischen Formen658, wobei die ältere u-Schreibung im Text nicht vorkommt: – Prät. Ind.: scholde 3. Pers. Sg. (11), scholden 3. Pers. Pl. (3), scholden 2. Pers. Pl. (2), scholde 1. Pers. Sg. (1); – Prät. Konj.: scholde 3. Pers. Sg. (24), scholden 3. Pers. Pl. (3), scholdet659 3. Pers. Sg. (2), schoͤlde 3. Pers. Sg. (1), scholde 1. Pers. Sg. (6), scholdestu 2. Pers. Sg. (1), scholt660 2. Pers. Pl. (1), scholdest 2. Pers. Sg. (1). Zuletzt ist eine Variation zwischen der inlautenden einfachen l- und doppelter ll- Schreibung bei den indikativischen Plural Präsens-Formen des Verbs ‚sollen‘ festzu‐ stellen. Für die älteren Texte ist im gesamten mittelniederdeutschen Gebiet die einfa‐ che l-Schreibung als Normalform anzusehen. Diese wird in jüngerer Zeit durch die geminierte ll-Realisierung in weiten Teilen des mittelniederdeutschen Schreibspra‐ chenareals, außer in westfälischer Schreibtradition, verdrängt. In der Frühzeit zeigt das Mittelniederdeutsche außerdem gelegentlich Verbformen mit Liquidschwund: scon, scun, schun, sun etc.661 Belege für diese Variable sind im ‚Reynke Vosz de olde‘ keine Seltenheit. Es las‐ sen sich allerdings ausschließlich Belege mit älterer einfacher l-Schreibung finden, die auf eine beibehaltene Tonlänge hindeuten.662 Eine Variation zwischen der einfa‐ chen l-Schreibung und der geminierten ll-Realisierung lässt sich stattdessen für die 1. 658 Nerger, Grammatik des meklenbugrischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 83f. 659 Kontrahiert aus scholde dat. 660 Diese Form scheint reimbedingt zu sein. 661 Lübben, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 61b; Tümpel, Niederdeutsche Studien, S. 110-113; Colliander, Mittelniederdeutsches Elementarbuch, § 352; Lasch, Mittelniederdeutsche Gramma‐ tik, §§ 10, 256, 443; Højberg Christensen, Studier over Lybæks kancellisprog, S. 400-403, 410; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 209f.; Jülicher, Zur Charakteristik des Elb‐ ostfälischen, S. 24f.; Dahlberg, Zur Urkundensprache in Göttingen und Duderstadt, S. 71f.; Korlén, Zum Problem der sog. westfälischen Strömung, S. 93; ders., Norddeutsche Stadtrechte. II, S. 74; Bischoff, Über die Grundlagen der mittelniederdeutschen Schriftsprache, S. 22-25; Nie‐ baum, Synchronische und historische Phonologie des Westfälischen, S. 284f.; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 80 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 56f.]; ders., Zur Entste‐ hung der lübischen Schreibsprache, S. 152 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 301]; Fed‐ ders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 237-241; Peters, Die Diagliederung des Mittelniederdeut‐ schen, S. 1480ff.; Roolfs, Der ‚Spieghel der leyen‘, S. 403; Temmen, Das ‚Abdinghofer Arznei‐ buch‘, S. 113-117. 662 Belege s. oben. Vgl. auch Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 83. 6 Formenlehre 203 und 3. Person Singular Präsens Indikativ feststellen, wobei die einfache l-Schreibung eindeutig dominiert: schal 1. Pers. Sg. Präs. Ind. (5) versus schall 1. Pers. Sg. Präs. Ind. (1) und schal 3. Pers. Sg. Präs. Ind. (135) versus schall 3. Pers. Sg. Präs. Ind. (14). Die doppelte ll-Schreibung kann in diesem Fall wohl als zusätzlicher Hinweis auf eine Vokalkürze interpretiert werden. Ferner kann festgehalten werden, dass bei der 2. Person Singular Präsens im Ost‐ fälischen die Schreibung du schast anzutreffen ist, während sich in den Texten des gesamten Sprachraumes die üblichen Formen du schalt, schalst und scholt finden. Im ‚Reynke Vosz de olde‘ zeigen sich ausschließlich die regionalübergreifenden Formen schalt (8) und die klitisierte Variante schaltu (16). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ‚Reynke Vosz de olde‘ im Großen und Ganzen den überregionalen Tendenzen folgt und keine für ältere Texte typischen Formvarianten aufweist. Es überwiegen eindeutig Formen mit o-Schreibung im Plu‐ ral, die auch im Mecklenburgischen zu erwarten sind. Abgesehen von einer durch die Lübecker Vorlage beeinflussten Form in der 2. Person Plural Präsens Indikativ und einer reimbedingten Ausnahme für die 2. Person Plural Präteritum Konjunktiv schei‐ nen sich die Formen des Präteritopräsens ‚sollen‘ relativ regelmäßig zu verhalten. Das Präteritopräsens ‚wissen‘ Das Präteritopräsens ‚wissen‘ weist im Ostfälischen Doppelkonsonanz vor gekürzten tonlangen Vokalen vor Suffix -en auf663: wetten ‚wissen‘. Für die indikativische Prä‐ teritumform der 3. Person Singular gilt als mittelniederdeutsche Normalform die Form wiste. Daneben erscheinen folgende Varianten: wuste, weste, woste.664 Als mecklenburgisches Kennzeichen gelten die Formen wêt für 1. und 3. Person Singular Präsens Indikativ, wêst für 2. Person Singular Präsens Indikativ sowie die ungekürzte pluralische Form wēten im Präsens Indikativ. Im Präteritum Indikativ sind für die 1. und 3. Person Singular wiste und wuste und für das Partizip Präteritum die Varianten wist und wust zu erwarten.665 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ treten für das Präteritopräsens ‚wissen‘ im Präsens aus‐ schließlich ungekürzte Formen auf. Im Präteritum erscheinen für das Mecklenburgi‐ sche charakteristische Formen mit u als Stammvokal, daraus lässt sich anhand des Formenbestands keine Variation zwischen wiste und wuste feststellen. Der Einzelbe‐ leg für das Partizip Präteritum erscheint in der tonlangen Variante geweten 234v an‐ statt meckl. wist oder wust. Dieser Umstand lässt sich dadurch erklären, dass die Ros‐ tocker ‚Reynke Vosz de olde‘-Ausgabe hier dem Text der Lübecker Vorlage folgt.666 6.1.14 663 Zur Kürzung tl. Vokale vor -en vgl. auch Kap. 5.2.4 Kürzung tl. Vokale vor -el, -er, -en, -ich und -ing. 664 Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 441; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 206f.; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 79 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 56f.]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 236. 665 Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 83f. 666 Vgl. ‚Reynke de vos‘, Bl. 216v. Teil II A Textinterne Analyse 204 – Inf.: weten (23), wetende (1); – Präs.-Formen: weth 3. Pers. Sg. Ind. (13), weten 3. Pers. Pl. Ind. (8), wete 3. Pers. Sg. Konj. (1), wete 2. Pers. Pl. Ind. (Inversion) (2), weten 2. Pers. Pl. Ind. (2), weth 1. Pers. Sg. Ind. (1); – Prät.: wuste 3. Pers. Sg. Ind. (7), wust667 3. Pers. Sg. Ind. (1), wuste 1. Pers. Sg. Ind. (1), wuͤste 3. Pers. Sg. Konj. (5); – Part. Prät.: geweten (1). Das Präteritopräsens ‚können‘ Beim Präteritopräsens ‚können‘ variieren die Schreibungen und bei den in‐ dikativischen Präteritumformen und bei den Formen des Partizip Präteritum. Als westfälische Kennform gilt die o-Schreibung.668 Als mecklenburgische Formen wer‐ den für die 1. und 3. Person Singular Präsens Indikativ kan und für die 2. Person Sin‐ gular Präsens Indikativ kanst beschrieben. Als mecklenburgische Normalformen für den Plural Präsens Indikativ gelten künnen und kȫnen, wobei kȫnen die jüngere ist. In der 1. und 3. Person Singular Präteritum Indikativ ist in mecklenburgischen Quel‐ len konde zu erwarten. Die Hauptformen für das Partizip Präteritum lauten im Meck‐ lenburgischen kunt und kont.669 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ lassen sich folgende Formen für das Präteritopräsens ‚können‘ finden: – Inf.: koͤnen (4); – Präs.-Formen: kan 3. Pers. Sg. Ind. (64), kan 1. Pers. Sg. Ind. (8), koͤne 1. Pers. Pl. Ind. (Inversion) (1), koͤnen 2. Pers. Pl. Ind. (2), koͤnen 3. Pers. Pl. Ind. (9), koͤnen 1. Pers. Pl. Ind. (1), kanst 2. Pers. Sg. Ind. (2), kanstu 2. Pers. Sg. Ind. (2), koͤnen 1. Pers. Pl. Ind. (In‐ version) (1); – Prät.-Formen: konden 3. Pers. Pl. Ind. (4), konde 3. Pers. Sg. Konj. (5), kunde 3. Pers. Sg. Konj. (1), konde 1. Pers. Sg. Konj. (4), konde 3. Pers. Sg. Ind. (20), konde 1. Pers. Sg. Ind. (3), kunde 3. Pers. Sg. Ind. (1), koͤndent 2. Pers. Pl. Konj. (1), konde 2. Pers. Pl. Ind. (In‐ version) (1), konde 1. Pers. Pl. Konj. (Inversion) (1). Es lässt sich festhalten, dass ‚Reynke Vosz de olde‘ im Präsens ausschließlich die jüngere mecklenburgische Normalform schreibt. Im Präteritum variieren zwar die Schreibungen und , die o-Schreibung dominiert allerdings eindeutig über den Einzelbeleg mit . 6.1.15 667 Diese Form scheint reimbedingt zu sein. 668 Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, §§ 182f., 442; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 207; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 79 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 57]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 236f. 669 Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 83f. 6 Formenlehre 205 Das unregelmäßige Verb ‚wollen‘ In der 1. und 3. Person Singular Präsens Indikativ sowie im Plural Präsens Indikativ und im Infinitiv begegnet im westfälischen und ostfälischen Sprachraum für das un‐ regelmäßige Verb ‚wollen‘ neben der i- auch die e-Schreibung.670 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ sind ausschließlich die überregional vertretenen Schreibformen mit i-Stammvokal belegt, es variiert lediglich die Realisierung mit oder . Die für die westfälische und ostfälische Sprechsprache typischen Vari‐ anten mit kommen im Untersuchungstext nicht vor. – Inf. mit i-Schreibung: willen (3); – 1. und 3. Pers. Sg. Präs. Ind. mit i-Schreibung: wil 1. Pers. Sg. (1), will 3. Pers. Sg. (2), wil 3. Pers. Sg. (27), wilt (kontr. < wil it) 3. Pers. Sg. (1); – Pl. Präs. Ind. mit i-Schreibung: willen 3. Pers. Pl. (11), wille 1. Pers. Pl. (Inversion) (5), willen 1. Pers. Pl. (2), wille 2. Pers. Pl. (Inversion) (3); – Inf. mit y-Schreibung: wyllen (1); – 1. und 3. Pers. Sg. Präs. Ind. mit y-Schreibung: wyl 1. Pers. Sg. (19), wyl 3. Pers. Sg. (48), wyll 3. Pers. Sg. (7), wylt (kontr. < wyl it) 1. Pers. Sg. (1); – Pl. Präs. Ind. mit y-Schreibung: wyllen 3. Pers. Pl. (5), Wylle 2. Pers. Pl. (Inversion) (4), wylle 1. Pers. Pl. (Inversion) (1), wyllen 2. Pers. Pl. (1). Die unregelmäßigen Verben ‚tun‘, ‚gehen‘, ‚stehen‘ ‚tun‘ Im Nordniederdeutschen und Ostfälischen lautet die Form der 3. Person Singular Prä‐ sens Indikativ des unregelmäßigen Verbs ‚tun‘ deit. Das Westfälische kennt stattdes‐ sen die erhaltene Form dö̂t.671 6.1.16 6.1.17 670 Colliander, Mittelniederdeutsches Elementarbuch, § 359; Lasch, Mittelniederdeutsche Gramma‐ tik, § 447; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 216-218; Dahlberg, Studien über den Wortschatz Südhannovers, S. 96; ders., Zur Urkundensprache in Göttingen und Duderstadt, S. 72; Korlén, Norddeutsche Stadtrechte. II, S. 75; Ahlsson, Studien zum ostfriesischen Mittelnieder‐ deutsch, S. 80; Foerste, Geschichte der niederdeutschen Mundarten, Sp. 1789; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 80f. [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 58]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 241f.; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 190f.; ASnA, Bd. I, Karte 45 ‚Verbaler Einheitsplural: bekennen, geloben, haben, tun, wollen (1. Pl. Ind. Präs.)‘, Karte 46 ‚Verbaler Einheitsplural: haben, stehen, wollen (3. Pl. Ind. Präs.)‘, Karte 58 ‚wollen (3. Sg. Ind. Präs.)‘. 671 Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 82f.; Lasch, Mittel‐ niederdeutsche Grammatik, §§ 120, 448.1 und Anm. 1; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 212f.; Seelmann, Die mittelniederdeutschen langen o, S. 19; Dahlberg, Die Mundart von Dors‐ te II, S. 185; Åsdahl Holmberg, Der Harffer Sachsenspiegel, S. 73-78, Karte S. 75; Foerste, Ge‐ schichte der niederdeutschen Mundarten, Sp. 1789; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 81 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 58]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 242f.; Teil II A Textinterne Analyse 206 Die im ‚Reynke Vosz de olde‘ frequentere Graphie für die 3. Person Singular Präsens Indikativ des Verbs ‚tun‘ ist deyt (20) bzw. deit (12), deith (2) und präfigiert miszdeit (1). Seltener und überwiegend in den Kapitelglossen, dort häufiger in den Autoritätensprüchen, sowie ferner auch in den Randglossenbeiträgen kommt die er‐ haltene und eher für das Westfälische typische, jedoch auch im Mecklenburgi‐ schen672 zuweilen vorkommende Variante doet (7) und präfigiert miszdoet (1). ‚gehen‘, ‚stehen‘ Als mittelniederdeutsche Normalformen für die 3. Person Singular Präsens Indikativ der unregelmäßigen Verben ‚gehen‘ und ‚stehen‘ gelten die Realisierungen mit ei: geit, steit. Neben diesen Formen begegnet im westfälischen Schreibsprachenareal ebenfalls die langvokalische Varianten mit â und ê2.673 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ liegt eine starke Variation zwischen den überregional vertretenen und auch für das Mecklenburgische üblicheren ei-Realisierungen und den erhaltenen langvokalischen Varianten mit â, wobei die Letzteren fast ausschließlich in den Kapitelglossen und Randglossenbeiträgen enthalten sind. Belege für ‚gehen‘: – Belege mit ei-Schreibung: geit (7), geith (1), vmme geit (2), vmmegheit (1), vthgheit (1), gheit (1); – Belege mit ey-Schreibung: vndergeyt (1), geyt (1), gheyt (8), gheyt … tho (3), gheyt … vp / nedder (1); – Belege mit ae-Schreibung: begaet (1), vorgaet ‚vergeht‘ (1), vmme gaet (1), gaet (3), ghaet (2); Belege für ‚stehen‘: – Belege mit ei-Schreibung: steit (11), entsteit (1); – Belege mit ey-Schreibung: steyt (4), weddersteyt (1), ensteyt (1), besteyt (1), steyt … an (1), steyt … by (1), entsteyt (1); – Belege mit ae-Schreibung: staet (2), anstaet (1); – Belege mit a-Schreibung: bystath (1), stath (1); – Beleg mit e-Schreibung: bestet (1). Als üblichere Graphie für die 3. Person Singular Präsens Indikativ von ‚gehen‘ und ‚stehen‘ kann im ‚Reynke Vosz de olde‘ die Schreibung und gelten. Die Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 191; Temmen, Das ‚Abdinghofer Arzneibuch‘, S. 117ff.; ASnA, Bd. I, Karte 59 ‚tun (3. Sg. Ind. Präs.)‘. 672 Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 83. 673 Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 82f.; Colliander, Mittelniederdeutsches Elementarbuch, § 356f.; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, §§ 120, 448.2.3; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 214ff.; Katara, Reduplizierende Verba im Niederdeutschen, S. 157ff.; Dahlberg, Zur Urkundensprache in Göttingen und Duderstadt, S. 72; Ahlsson, Studien zum ostfriesischen Mittelniederdeutsch, S. 80; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 81 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 58f.]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 242f.; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 191; Temmen, Das ‚Abdinghofer Arzneibuch‘, S. 117ff.; ASnA, Bd. I, Karte 60 ‚stehen (3. Sg. Ind. Präs.)‘. 6 Formenlehre 207 ei- / ey-Schreibung kommt für ‚gehen‘ dreimal so häufig wie die ae-Schreibung vor. Bei ‚stehen‘ sind die ae-Schreibungen siebenmal so selten wie die ei- / ey-Schrei‐ bung. Bei den beiden Verben sind die ei-Varianten ungefähr gleich häufig anzutreffen wie die mit ey-Schreibung. Die präteritalen Formen des Verbs ‚stehen‘ zeigen im Mittelniederdeutschen üb‐ licherweise den Stammvokal u. Neben dieser überregional verbreiteten Variante er‐ scheinen v. a. im Westfälischen die Formen mit o. Nerger weist darauf hin, dass das Präteritum zu ‚stehen‘ im Mecklenburgischen nach der 4. Ablautreihe gebildet wurde und demnach in der Form stand resultierte.674 Im Frühmittelniederdeutschen sind au‐ ßerdem langvokalische Varianten mit Nasalschwund belegt: stôd, stôden.675 Für die Formen des Präteritum des unregelmäßigen Verbs ‚stehen‘ finden sich im ‚Reynke Vosz de olde‘ sowohl zahlreiche überregional belegte u-Schreibungen als auch ältere o(e)-Varianten mit gleichzeitigem Nasalschwund, wobei die Letzteren mit insgesamt 5 Belegen eher Minderheitsvarianten im Text darstellen. Zunächst über‐ rascht der uͤ-Gebrauch im Präteritum Indikativ, dieser scheint jedoch eine Ausnahme darzustellen und zum größten Teil reimbedingt zu sein. Die Annahme von Nerger be‐ züglich der a-Schreibungen findet im ‚Reynke Vosz de olde‘ keine Unterstützung. – Belege mit u-Schreibung: stunt 3. Pers. Sg. Prät. Ind. (3), vnderstunt … syck 3. Pers. Sg. Prät. Ind. (1), entstunt 3. Pers. Sg. Prät. Ind. (1), stundt 3. Pers. Sg. Prät. Ind. (12), stundt … vp 3. Pers. Sg. Prät. Ind. (1), stunde 3. Pers. Sg. Prät. Konj. (2), stunden 3. Pers. Pl. Prät. Ind. (2); – Belege mit uͤ-Schreibung: stuͤnde 3. Pers. Sg. Prät. Konj. (1), vpstuͤnde 3. Pers. Sg. Prät. Konj. (1), vnderstuͤnden 3. Pers. Pl. Prät. Ind. (1), vnderstuͤnde 3. Pers. Sg. Prät. Konj. (1), stuͤndē 3. Pers. Pl. Prät. Ind. (1), stuͤnden 3. Pers. Pl. Prät. Ind. (3), bystuͤnden 3. Pers. Pl. Prät. Ind. (1); – Belege mit o-Schreibung: stod 3. Pers. Sg. Prät. Ind. (1); – Belege mit oe-Schreibung: stoet 3. Pers. Sg. Prät. Ind. (1), vp stoet 3. Pers. Sg. Prät. Ind. (1), anstoet 3. Pers. Sg. Prät. Ind. (1), stoedt 3. Pers. Sg. Prät. Ind. (1). Das Verbum substantivum ‚sein‘ Das Verbum substantivum ‚sein‘ weist gleichzeitig mehrere Variablen auf.676 6.1.18 674 Vgl. dazu Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 83. 675 Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 448.3; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 215f.; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 81 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 58f.]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 242f. 676 Tümpel, Die Mundarten des alten niedersächsischen Gebietes zwischen 1300 und 1500, S. 90; Lübben, Mittelniederdeutsche Grammatik, S. 83f.; Tümpel, Niederdeutsche Studien, 105f.; Colli‐ ander, Mittelniederdeutsches Elementarbuch, § 355; Lasch, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 449; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 243-247; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 192-194. Teil II A Textinterne Analyse 208 Infinitiv Für die Infinitivform erscheinen zwei Ausprägungen: das im Mittelniederdeutschen üblichere überregional verbreitete wēsen und die südlich beeinflusste Variante sîn.677 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ begegnen beide Varianten. Mit doppelt so vielen Bele‐ gen überwiegt allerdings eindeutig die hochdeutsch gestützte Variante sîn: syn (48). Die mittelniederdeutsche Normalform wēsen erscheint vorwiegend im Verstext und weniger in den Kapitel- und Marginalglossen: wesen (21) und aff wesen (1). 1. Person Singular Präsens Indikativ Für die 1. Person Singular Präsens Indikativ treten im Mittelniederdeutschen neben der am weitesten verbreiteten Variante bin auch sin in Westfalen, bün im nordnieder‐ deutschen Sprachareal und ben im westlichen Schreibsprachenraum auf.678 Im Meck‐ lenburgischen können beide Formen bin und bün auftreten.679 Als übliche Schreibvariante kann für ‚Reynke Vosz de olde‘ die mittelniederdeut‐ sche Normalform byn gelten, wobei im Text insgesamt zwei Schreibvarianten vor‐ kommen: byn (21) und bin (3). 3. Person Singular Präsens Indikativ Für die 3. Person Singular Präsens treten im Mittelniederdeutschen zahlreiche Varian‐ ten mit diatopischer Verteilung auf. Überregional vertreten ist die Variante is. In West- und Ostfalen kommt es vor. Als hochdeutsch beeinflusste Variante gilt mnd. ist.680 Als Hauptform im ‚Reynke Vosz de olde‘ gilt die überregional auftretende Form ys (479). Daneben kommt einmal die Schreibung is (1) vor und dreimal die hoch‐ deutsch gestützte Variante yst (3). Das Erscheinen der letzteren Variante kann jedoch auch anders als durch den hochdeutschen Einfluss erklärt werden: In allen drei Fällen handelt es sich nämlich um reimbedingte t-Auslautpositionen: lyst : yst Bl. 42r, byst : yst Bl. 178v, yst : fryst Bl. 31v. 677 Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 82; Foerste, Ge‐ schichte der niederdeutschen Mundarten, Sp. 1788; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 81 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 59]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 243-247, hier S. 244; Härd, Morphologie des Mittelniederdeutschen, S. 1435; ASnA, Bd. I, Karte 61 ‚sein (Infinitiv)‘. 678 Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 82; Sarauw, Nieder‐ deutsche Forschungen. II, S. 210f.; Foerste, Geschichte der niederdeutschen Mundarten, Sp. 1788; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 82 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 59]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 243-247, hier S. 244; Härd, Morphologie des Mittelniederdeutschen, S. 1435. 679 Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 82; Scharnhorst, Untersuchungen zum Lautstand in den Schriften Nicolaus Gryses, S. 134. Vgl. auch Kap. 5.1.8 e > ö und i > ü im Inlaut. 680 Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 211; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 82 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 59]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 243-247, hier S. 244f.; Härd, Morphologie des Mittelniederdeutschen, S. 1435. 6 Formenlehre 209 Präsens Plural Als übliche Formen für Präsens Plural gelten die Varianten sint und sin. Neben die‐ sen im mittelniederdeutschen Schreibsprachenraum allgemein verbreiteten Formen kommen weitere zahlreiche regionale Varianten vor.681 Im Mecklenburgischen sind die allgemein gültigen Normalformen zu erwarten.682 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ begegnen beide mittelniederdeutschen Hauptformen, wobei synt eindeutig und bei allen Personen dominiert. – sint: sint 3. Pers. Pl. (12); – synt: synt 3. Pers. Pl. (99), synt 1. Pers. Pl. (3), synt 2. Pers. Pl. (11); – synth: synth 3. Pers. Pl. (6); – syn: syn 3. Pers. Pl. (34), syn 2. Pers. Pl. (5). Präteritum Plural Bei den Formen des Präteritum Plural wechselt die a- und e-Schreibung. Der ur‐ sprüngliche Langvokal â wird zu ê1 umgelautet. Dieser Wechsel ist durch die Anglei‐ chung an die entsprechende Optativform mit langem ê zu erklären. Die a-Variante gilt als ältere Form und kommt eher im Frühmittelniederdeutschen vor, bis sie im ge‐ samten mittelniederdeutschen Sprachgebiet durch das umgelautete ê1 verdrängt wird. Ansonsten ist die a-Schreibung im westfälischen Sprachareal verbreitet. Im ‚Reynke Vosz de olde‘ hat sich der Wandel von â zu ê1 vollständig vollzogen: weren Pl. Prät. Ind. (43). Partizip Präteritum Bei den Formen des Partizip Präteritum herrscht im Mittelniederdeutschen eine Vari‐ ation zwischen den stark und schwach gebildeten Formen. Einerseits kann die übli‐ chere Form gewēsen, andererseits die schwach gebildete mitteldeutsch induzierte Form gewēset erscheinen. Beide Formen sind auch im Mecklenburgischen zu erwar‐ ten.683 Im Westmittelniederdeutschen sowie im Südmärkischen ist ferner die synko‐ pierte Variante gewēst belegt.684 Im ‚Reynke Vosz de olde‘ findet sich eine Variation zwischen der mittelniederdeutschen Hauptform gewesen (9), gewesē (1) und der synkopierten Vari‐ ante gewest (5). Gewēset erscheint im Text nicht. Einige Belege für die synkopierte 681 Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 211; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 82 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 59]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 243-247, hier S. 245f.; Härd, Morphologie des Mittelniederdeutschen, S. 1435; ASnA, Bd. I, Karte 62 ‚sein (3. Pl. Ind. Präs.)‘. Vgl. auch Kap. 5.1.8 e > ö und i > ü im Inlaut. 682 Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 82; Scharnhorst, Untersuchungen zum Lautstand in den Schriften Nicolaus Gryses, S. 134. 683 Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 112, S. 82-85, hier S. 82. 684 Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 212; Foerste, Geschichte der niederdeutschen Mundarten, Sp. 1788f.; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 82 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 59]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 243-247, hier S. 246f.; Härd, Morphologie des Mittelniederdeutschen, S. 1435; ASnA, Bd. I, Karte 63 ‚sein (Part. Prät.)‘. Teil II A Textinterne Analyse 210 Form gewēst scheinen reimbedingt zu sein, andere wiederum können wohl mit dem Einfluss der Lübecker Vorlage erklärt werden, die an entsprechenden Stellen ghewest aufweist. Pronominalflexion: Der Einheitskasus Als charakteristisches Merkmal des Niederdeutschen erscheint der Einheitskasus für den Dativ und Akkusativ der 1. und 2. Person Singular des Personalpronomens.685 Der Ausgleich zwischen den Dativ- und Akkusativformen erfolgt im niederdeutschen Sprachgebiet nicht einheitlich und zeigt diatopische Unterschiede. So weisen das Nordniederdeutsche, Westfälische und Südmärkische den Einheitskasus auf dativi‐ scher Grundlage auf: hier sind die Formen mî, dî belegt. Im Ostfälischen hingegen werden die Akkusativformen auf den Dativgebrauch ausgeweitet: hier begegnen in obliquen Kasus die Formen mik / mek und dik / dek. Mî und dî existieren in dieser Dialektregion dennoch als Nebenformen und kommen wieder verstärkt ab dem 15. Jahrhundert vor, was wohl auf den Einfluss der lübischen Schriftsprache zurückzu‐ führen ist. Für das Sauerländische ist das Beibehalten der Differenzierung zwischen Dativ mî, dî und Akkusativ mik, dik zu vermerken.686 ‚Reynke Vosz de olde‘ zeigt keine Kasusdifferenzierung. Der syntaktische Unter‐ schied zwischen den Dativ- und Akkusativformen wird sowohl im Verstext als auch in den Kapitel- und Marginalglossen ausnahmslos zum Dativ ausgeglichen. 6.2 685 Das Gleiche gilt für die entsprechenden Formen der 1. Person Plural sowie 2. Person Plural. 686 Nerger, Grammatik des meklenburgischen Dialektes, § 144, S. 107; Tümpel, Die Mundarten des alten niedersächsischen Gebietes zwischen 1300 und 1500, S. 86f.; Lübben, Mittelniederdeutsche Grammatik, § 76a; Tümpel, Niederdeutsche Studien, S. 77-83, 95-102; Lasch, Mittelniederdeut‐ sche Grammatik, §§ 401, 403 Anm. 2; Sarauw, Niederdeutsche Forschungen. II, S. 104-109; Dahlberg, Zur Urkundensprache in Göttingen und Duderstadt, S. 68; Bischoff, Über die Grundla‐ gen der mittelniederdeutschen Schriftsprache, S. 21; Ahlsson, Studien zum ostfriesischen Mittel‐ niederdeutsch, S. 69f.; Foerste, Geschichte der niederdeutschen Mundarten, Sp. 1783f.; Bischoff, Über gesprochenes Mittelniederdeutsch, S. 37f., 42f.; Peters, Katalog sprachlicher Merkmale I, S. 83 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 60]; ders., Katalog sprachlicher Merkmale II, S. 92f. [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 82f.]; ders., Zur Entstehung der lübischen Schreibsprache, S. 152, 157 [= Peters, Mittelniederdeutsche Studien, S. 301, 306]; Fedders, Die Schreibsprache Lemgos, S. 248f.; Weber, Die mittelniederdeutsche Schreibsprache Osnabrücks, S. 195f.; Peters, Die Diagliederung des Mittelniederdeutschen, S. 1480f.; Temmen, Das ‚Abding‐ hofer Arzneibuch‘, S. 119-121. 6 Formenlehre 211

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Zusammenfassung

In den Beständen der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Rostock befindet sich ein aus mehrfacher Sicht interessanter ‚Reynke Vosz de olde‘-Druck aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Dieser in der Rostocker Offizin des bedeutendsten Druckers Mecklenburgs erschienene Text stellt eine bebilderte Verserzählung dar, in deren Mittelpunkt die bekannte Figur des Fuchses Reineke steht. Innerhalb der Überlieferungsgeschichte dieses Tierepos nimmt die Rostocker Ausgabe zweifelsohne eine exponierte Stellung ein. Zum einen fungiert sie rezeptionsgeschichtlich als Bindeglied zwischen der Lübecker Erstausgabe, den nachfolgenden niederdeutschen Reynke-Versionen und der hochdeutschen Rezeption des Reynke-Stoffes im 16. und 17. Jahrhundert. Zum anderen spiegelt der Text mentalitäts­geschichtlich und kulturhistorisch gesehen die historischen und religiösen Umbrüche der Reformationszeit wider. Aus sprachhistorischer Sicht erscheint der Text als einzigartiges Zeugnis für die Übergangsphase vom „klassischen“ Mittelniederdeutschen zum Spätmittelniederdeutschen. Umso mehr verwundert es, dass die Rostocker ‚Reynke Vosz de olde‘-Ausgabe trotz ihres hohen Stellenwertes bisher kaum bzw. sehr eingeschränkt in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses gerückt ist. Die hier präsentierte Arbeit bietet eine erstmalige sprach- und überlieferungshistorische Beschreibung, Einordnung, Bewertung und Verortung des Tierepos sowie seine Inkontextsetzung innerhalb der niederdeutschen ‚Reynke de Vos‘-Tradition des 15. und 16. Jahrhunderts und der Rostocker Drucktradition der Mitte des 16. Jahrhunderts.