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VII. Bestandsaufbau und Bestandsabgrenzung in:

Vinzenz Lübben

Bewertung, Übernahme und Nutzung von Schulunterlagen am Beispiel des Kommunalarchivs Minden, page 39 - 42

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4201-4, ISBN online: 978-3-8288-7098-7, https://doi.org/10.5771/9783828870987-39

Series: Tectum - Masterarbeiten

Tectum, Baden-Baden
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39 VII. Bestandsaufbau und Bestandsabgrenzung VII.1. Tektonik Die Unterlagen der einzelnen Schulen in Trägerschaft der Stadt Minden bilden zusammen die Beständegruppe Stadt Minden Sch der Abteilung Stadtarchiv des Kommunalarchivs Minden.82 Gegenwärtig enthält diese 31 verschiedene Schulbestände: vier Gymnasien (Stadt Minden Sch 1 bis Stadt Minden Sch 4), vier Realschulen (Stadt Minden Sch 5 bis Stadt Minden Sch 8), eine Gesamtschule (Stadt Minden Sch 9) sowie zahlreiche Volks-, Grund- und Hauptschulen (Stadt Minden Sch 10 bis Stadt Minden Sch 31). Tektonik der städtischen Schulbestände 82 Die Urkunden- und Aktenbestände der Abteilung Stadtarchiv des Kommunalarchivs Minden sind in diverse durch Großbuchstaben gekennzeichnete Bestände und Beständegruppen unterteilt: die Beständegruppen Stadt Minden A (Urkunden), Stadt Minden B (Akten und Amtsbücher bis 1723) und Stadt Minden C (Akten und Amtsbücher 1723 bis 1806), die Bestände Stadt Minden D (Akten und Amtsbücher 1806 bis 1813), Stadt Minden E (Akten und Amtsbücher 1813 bis 1850) und Stadt Minden F (Akten und Amtsbücher 1850 bis 1914), die Beständegruppen Stadt Minden G (Akten und Amtsbücher 1914 bis 1945), Stadt Minden H (Akten und Amtsbücher 1945 bis 1972) und Stadt Minden J (Akten und Amtsbücher 1973 bis 1996) sowie den Bestand Stadt Minden K (Akten und Amtsbücher seit 1997). Zusätzlich gibt es Beständegruppen für Ortschroniken (Stadt Minden OChr), Personenstandsregister (Stadt Minden PStR) und Schulen (Stadt Minden Sch); ferner eine noch weiter differenzierte Beständegruppe Stadt Minden W für Sammlungsschriftgut aller Art sowie den Bestand Stadt Minden X für Kopien von Archiv- und Sammlungsgut. 40 VII. BESTANDSAUFBAU UND BESTANDSABGRENZUNG VII.2. Bestandsabgrenzung Generell wurde dabei nach dem Provenienzprinzip pro bestehender oder aufgelöster Schule ein Bestand angelegt. Durch diverse Schulzusammenlegungen und Schulteilungen ließ sich dieser Grundsatz aber nicht immer vollständig umsetzen. VII.2.1. Schulteilungen und Schulabspaltungen Bei der Teilung einer bestehenden Schule in zwei Nachfolgeschulen und bei der Abspaltung eines Teils einer Schule zwecks Neugründung einer neuen Schule kann es auch zu einer Aufteilung der Schulunterlagen der Ursprungsschule kommen. Teilweise werden diese dann von den Nachfolgeschulen weitergeführt, teilweise nicht. Aus heutiger Sicht ist die Aufteilung der Schulunterlagen vielfach nicht mehr nachvollziehbar. Deshalb wurden diese stets im Bestand der Schule belassen, bei der sie übernommen wurden. Ein Beispiel sind die Bestände des Ratsgymnasiums und des Besselgymnasiums: Das heutige Besselgymnasium geht auf den Realschulzweig des Mindener (Jungen-) Gymnasiums, des heutigen Ratsgymnasiums, zurück. Beide Schulen waren lange Zeit unter einem Dach untergebracht und teilten sich eine gemeinsame Schulleitung. Erst 1920 wurde die Bessel-Oberrealschule als selbständige Schule aus dem (Jungen-)Gymnasium herausgelöst, wobei ihre älteren Unterlagen aber bei ihrer Vorgängerschule verblieben. Diese befinden sich daher heute ausnahmslos im Bestand Stadt Minden Sch 1 (Ratsgymnasium). Querverweise in beiden Findbücher machen Nutzer darauf aufmerksam. Ein weiteres Beispiel sind die Bestände der Freiherr-von-Vincke-Realschule und der Käthe-Kollwitz-Realschule: Beide Realschulen lassen sich auf die 1836 als Bürgerschule gegründete spätere städtische Mittelschule zurückführen. Diese war an zwei benachbarten Standorten untergebracht. Die Jungen in der sogenannten „Weißen Schule“ in der Ritterstraße und die Mädchen in der sogenannten „Roten Schule“ in der Alten Kirchstraße. Allerdings hatten beide Zweige der Mittelschule – von zwei kurzfristigen Teilungen der Mittelschule in den 1920er und 1930er Jahren einmal abgesehen – immer eine gemeinsame Leitung. Erst 1964 wurde eine zweite Realschule in Minden gegründet. Diese unterrichtete zunächst nur Mädchen, während die bereits bestehende zeitweilig nur noch Jungen unterrichtete. Die Gründung der zweiten Realschule, der heutigen Käthe-Kollwitz-Realschule, führte allerdings nicht zu einer Aufteilung der Unterlagen der bereits bestehenden Realschule. Diese blieben komplett bei der älteren Realschule, der heutigen Freiherr-von-Vincke-Realschule. Der Bestand Stadt Minden Sch 5 (Freiherr-von-Vincke-Realschule) enthält daher archivwürdige Unterlagen aus beiden Zweigen der früheren Mittelschule. 41 VII.2. BESTANDSABGRENZUNG VII.2.2. vorübergehende Schulteilungen Bei nur kurzfristigen, später rückgängig gemachten Schulteilungen wurden die Unterlagen der einzelnen Teilschulen im Bestand der später wiedervereinigten Schule belassen und nicht wieder in separate Bestände getrennt. Beispiele sind die Volksschulen in Dankersen und Todtenhausen, die zeitweilig wegen hoher Schülerzahlen in zwei selbständige Schulen geteilt waren, später aber wieder zusammengeführt wurden. VII.2.3. Schulzusammenlegungen In den letzten zehn Jahren kam es in der Stadt Minden wiederholt zu Zusammenlegungen früher eigenständiger Grundschulen unter neuem Namen und an neuem Standort. So wurden im Zeitraum von 2005 bis 2009 die Grundschulen Hahlen und Rodenbeck zur Michael-Ende-Schule, die Hafenschule und die Grundschule Meißen zur Cornelia-Funke-Schule, die Grundschulen Häverstädt/Bölhorst und Dützen/Haddenhausen zur Grundschule „Am Wiehen“ sowie die Grundschulen „In den Bärenkämpen“ und Minderheide zur Mosaikschule vereinigt. Die Unterlagen dieser neuen Schulen dürften zukünftig eigene Bestände bilden. Die archivwürdigen Unterlagen der jeweiligen Vorgängerschulen wurden größtenteils bereits vom Kommunalarchiv Minden übernommen und ihrer ursprünglichen Provenienz entsprechend eigenen Beständen zugeordnet. VII.2.4. Schulübernahmen Bei der Übernahme einer (aufgelösten) Schule durch eine andere werden die Unterlagen der übernommenen Schule meistens an den Standort der übernehmenden Schule überführt und dort separat gelagert. Zwar werden diese Unterlagen später teilweise noch benötigt, um daraus Schulbescheinigungen oder Zeugniszweitschriften anzufertigen, inhaltlich werden die Unterlagen aber nicht mehr verändert oder gar weitergeführt. Nach ihrer Übernahme in das Kommunalarchiv Minden lassen sich die Unterlagen der einzelnen Schulen daher problemlos wieder nach ihrer Provenienz trennen und den zugehörigen Archivbeständen zuordnen. Ein Beispiel ist die mittlerweile selbst aufgelöste Hauptschule Dankersen. Diese hatte nach und nach Unterlagen von anderen Schulen übernommen: der Volksschulen Aminghausen und Päpinghausen sowie der Hauptschule Heideschule. Als zum Ende des Schuljahres 2008/09 die Auflösung der Hauptschule Dankersen anstand, wurden dort alle archivwürdigen Unterlagen der genannten Schule und ihrer Vorgängerschulen übernommen und später nach ihrer jeweiligen Provenienz verschiedenen Schulbeständen zugeordnet. Die restlichen noch nicht archivreifen Unterlagen der Hauptschule Dankersen wurden zur Hauptschule Minden-Süd gebracht. Nach der Schließung auch dieser Schu- 42 VII. BESTANDSAUFBAU UND BESTANDSABGRENZUNG le wurden die Unterlagen einige Jahre später zur Hauptschule Todtenhausen weitergereicht. Momentan zeichnet sich auch deren baldige Auflösung ab, womit dann keine Hauptschule in der Stadt Minden mehr vorhanden wäre.

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Zusammenfassung

Schulunterlagen sind eine sehr wichtige Quelle der Bildungs- und Ortsgeschichte. Neben Unterlagen aus schulischer Provenienz müssen daher auch Unterlagen der Schulträger und der Schulaufsichtsbehörden archiviert werden. Hierfür sind neben den kommunalen auch staatliche Archive zuständig. Zur Sicherung der noch vorhandenen Altunterlagen empfiehlt sich eine systematische Erfassung und Sichtung aller Schulen innerhalb des eigenen Archivsprengels. Im Vorfeld durchgeführte Recherchen zur Entwicklung des lokalen Schulwesens erleichtern dabei das Vorgehen. Die Bewertung von Schulunterlagen kann durch Bewertungsmodelle wesentlich vereinfacht werden. Durch eine gezielte Zusammenarbeit mit dem jeweils regional zuständigen staatlichen Archiv lässt sich zudem eine »Überlieferungsbildung im Verbund« erreichen. Am Beispiel des Kommunalarchivs Minden, das mit seinem Vorgehen seit Jahren gute Erfahrungen gemacht hat, zeigt Vinzenz Lübben praxisnah, wie die Archivierung von Schulunterlagen funktionieren kann.