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6. Zusammenfassung und Fazit in:

Julia Wetzel

Bewertungskriterien für Social Enterprises, page 79 - 82

Entscheidungsgrundlage für Investoren - Voraussetzungen für die nachhaltige Gestaltung einer sozial innovativen Wirtschaft

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4179-6, ISBN online: 978-3-8288-7091-8, https://doi.org/10.5771/9783828870918-79

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 87

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Zusammenfassung und Fazit Die Begriffsinterpretation von „Social Entrepreneur/Social Entrepreneurship“ hat im wissenschaftlichen und praktischen Kontext verdeutlicht, dass die gängigen Definitionen an drei typische Kernkriterien anknüpfen und zwar an die Verbindung von sozialer/gesellschaftlicher/ökologischer Mission mit unternehmerischen Methoden ( ), die Innovationsfähigkeit im Sinne des Etablierens neuer Praktiken und nachhaltiger Methoden zur Überwindung von Sektorgrenzen ( ) und dem neuen Umgang mit Ressourcen dergestalt, dass die Zielgruppe an der Lösung des gesellschaftlichen Problems aktiv zu beteiligen ist ( ). Das Unternehmen apeiros verkörpert das moderne Social Entrepreneurship, das dieser Begriffsbeschreibung vollends gerecht wird. Die Gründerpersönlichkeit Stefan Schwall trägt maßgeblich zum Erfolg der Bildungsoffensive für Schulverweigerer bei. Die Überwindung des traditionell angenommenen Zielkonfliktes zwischen Social und Financial Impact gelingt, da das Unternehmen ohne Spenden auskommt. Es erscheint schwierig, auf das Social Enterprise vorhandene Wirkungsmessungsinstrumente anzuwenden. Die Übertragung von Methoden zur Erfolgsmessung aus der traditionellen Wirtschaft scheint auf den ersten Blick eine objektive Hilfestellung für Investoren zu geben. Quantitative Verfahren vermitteln eine gewisse Sicherheit und Verlässlichkeit, an denen sich Investoren orientieren können. Die Arbeit hat jedoch aufgezeigt, dass diese Verfahren vor allem im Bereich „Social Entrepreneurship“ an ihre Grenzen stoßen. Sie reichen oftmals für ein komplexes Verständnis der Arbeitsweise und Methodik eines Social Entrepreneurship nicht aus. Bei der klassischen Vorgehensweise der Erfolgsbewertung entsteht der Eindruck, dass der reine Output bzw. die so „gehypte“ gesellschaftliche Wirkung (Social Impact) einzig und allein zählen. So wird insbesondere die Inputseite bei einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Erfolg eines Social Enterprises eher außen vorgelassen. Doch gerade diese Inputseite mit der Fokussierung auf die 6. 79 Gründerpersönlichkeit ist – wie am Beispiel von apeiros verdeutlicht wurde – von herausragender Bedeutung. Investoren sollten daher die vorhandenen Ressourcen, das heißt insbesondere die explizit personenbezogenen Fähigkeiten von vorhandenen Kernkompetenzen (im Sinne des RBV-Ansatzes) analysieren. Investorenentscheidungen sollten sich weniger an mehr oder weniger fragwürdigen Messverfahren orientieren, sondern sich schwerpunktmäßig mit den Kernkompetenzen auseinandersetzen. Es stellen sich Fragen wie: Welche Charakterzüge weist der Social Entrepreneur auf? Inwieweit ist eine Verbindung mit der Betroffenengruppe vorhanden? Hat er das System verstanden und kann ursachenbezogene Lösungen entwickeln? Zudem könnte eine Analyse des vorhandenen Netzwerkes vorgenommen werden. Hat der Social Entrepreneur ein ausreichendes Netzwerk, um sein Geschäftsmodell unter Einbeziehung aller Perspektiven und Institutionen durchzusetzen? Eine aussagekräftige Social Reporting Methode, die vor allem auf immaterielle Kernkompetenzen abstellt, kann in diesem Zusammenhang aufschlussreich sein. Schon in Bezug auf traditionelle Entrepreneurs wird in der Literatur festgestellt, dass ein erfolgreiches Unternehmen immer eine Person braucht, die über den Willen zur Gründung, unternehmerisches Verhalten, betriebswirtschaftliche Kompetenz und branchenspezifische Kenntnisse verfügt. Umso mehr gilt dies dann für Social Entrepreneurs, die sich in der Regel mit ihrer Zielsetzung in einem gesellschaftlich und wirtschaftlich deutlich schwierigeren Umfeld befinden. Die Europäische Kommission hat in ihrer Mitteilung zum Sozialen Unternehmertum aus dem Jahr festgestellt, dass sich das Potential von Social Entrepreneurship erst dann entfalten kann, wenn an Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen ein Bewusstsein für gesellschaftliches Unternehmertum geschaffen wird. Dazu sollte auch gehören, dass ein entsprechendes Bild vom Social Entrepreneur an potentielle Gründungspersönlichkeiten und potentielle Investoren vermittelt wird. Potentielle Social Entrepreneurs sollten wissen, was von ihnen erwartet wird und potentielle Investoren sollten wissen, was sie vom Social Entrepreneur erwarten dürfen. Vgl. Jacobsen, L. K. ( ) S. . Vgl. Europäische Kommission ( b), S. . 6. Zusammenfassung und Fazit 80 Da für den potentiellen Investor kaum objektivierbare Kriterien zur Verfügung stehen, erlangt die persönliche Beziehung zwischen ihm und dem potentiellen Social Entrepreneur eine letztlich entscheidende Bedeutung. Der Investor muss zu der Überzeugung gelangen, dass der Social Entrepreneur über die persönliche Befähigung verfügt, dass angedachte Geschäftsmodell erfolgreich und nachhaltig zu verwirklichen. 6. Zusammenfassung und Fazit 81

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Zusammenfassung

Der globalisierte Kapitalismus, Umweltkatastrophen, Überbevölkerung sowie zunehmende politisch und religiös motivierte Konflikte fordern ein Umdenken ökonomischer Konzepte. Allein mit den herkömmlichen Sozial- und Wirtschaftssystemen lassen sich existenzbedrohende Probleme wie Armut, Hunger, Krankheit, mangelnde Bildung und Betreuung nicht lösen. Es gilt dringend, neue, zukunftsweisende unternehmerische Konzepte zu entwickeln und zu fördern. Seit geraumer Zeit hat sich unter dem Begriff „Social Entrepreneurship“ eine Bewegung etabliert, die versucht, unter Beachtung klassischer Ökonomiegrundsätze gesellschaftliche Herausforderungen nachhaltig zu lösen.

Nun gilt es, die mit dem Begriff „Social Entrepreneurship“ verbundene Interdependenz sozialer und unternehmerischer Zielsetzung zu konkretisieren. Private und öffentliche Investoren benötigen eine effiziente Wirkungsmessung für die unternehmensbezogene Risikoeinschätzung und den Social Return on Invest. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Social Entrepreneurship kann zur Überwindung des traditionell angenommenen Zielkonfliktes zwischen Social und Financial Impact essentiell beitragen. Das Mut machende Fazit: Social Entrepreneurship kann als Alternative zu reinem Gewinnstreben und karitativem Unternehmensengagement ein erstrebenswertes Wachstumspotential entfalten, wenn evaluierbare rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für potenzielle Investoren verlässlich zur Verfügung stehen.