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1 Einleitung in:

Julia Wetzel

Bewertungskriterien für Social Enterprises, page 1 - 6

Entscheidungsgrundlage für Investoren - Voraussetzungen für die nachhaltige Gestaltung einer sozial innovativen Wirtschaft

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4179-6, ISBN online: 978-3-8288-7091-8, https://doi.org/10.5771/9783828870918-1

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 87

Tectum, Baden-Baden
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Einleitung Gegenstand der Arbeit Nahezu alle Staaten sehen sich mit zunehmenden gesellschaftlichen Problemen und den daraus resultierenden sozialen Folgen konfrontiert. Dazu gehören unter anderem Armut, diskriminierende und materiell nicht auskömmliche Arbeitsbedingungen, Arbeitslosigkeit oder jugendliche Gewalt, Umweltzerstörung oder auch die unzureichende Versorgung kranker, alter und behinderter Menschen. Die globalisierte Weltwirtschaft, gravierende Folgen von Umweltverschmutzung, das nach wie vor ungebremste Wachstum der Weltbevölkerung und die gerade in Industriestaaten zunehmende Überalterung verursachen erhebliche soziale Spannungen und Probleme. Bisher sind weder auf internationaler Ebene noch einzelstaatlich nachhaltig erfolgreiche Lösungsansätze umgesetzt worden. Die bestehenden nationalen Sozialsysteme und die Vielzahl verabschiedeter internationaler Hilfsfonds sind weder finanziell hinreichend ausgestattet noch verfügen sie über nachhaltig wirkende Konzepte. In Deutschland wird seit mehr als Jahren über die Sicherung der Finanzierung sozialer Leistungen diskutiert. Es wird prognostiziert, dass der Bedarf für soziale Dienstleistungen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter signifikant ansteigen wird. Zugleich wird sich im Gegenzug die finanzielle Ausstattung staatlicher, karitativer und gemeinnütziger Einrichtungen deutlich verringern. Jenseits dieser etablierten Strukturen und Initiativen gibt es seit geraumer Zeit eine neue Bewegung, die sich schlagwortartig unter dem Begriff „Social Entrepreneurship“ zusammenfassen lässt. 1 1.1 Siehe z. B. BMSA (Hrsg.), . Vgl. Schade, Y. ( ), S. . Siehe z. B. Textor, M. R. ( ), Bevölkerung und Gesellschaft. Vgl. Heinze, R. G./Schneiders, K./Grohs, S. ( ), S. . 1 Die Akteure dieser Bewegung, die sogenannten Social Entrepreneurs, versuchen mit neuen innovativen Konzepten, soziale und ökologische Probleme nachhaltig unter gleichzeitiger Beachtung marktwirtschaftlicher Prinzipien abzuschwächen und zu beseitigen. Social Entrepreneurs sind in zahlreichen Themenfeldern aktiv; sie lassen sich nicht ausschließlich auf ein zentrales Themenfeld beschränken. Ihre Handlungsfelder erstrecken sich, um nur einige Beispiele zu nennen, auf die Bereiche Umweltschutz, Regionalentwicklung, Armutsbekämpfung bis hin zur Demokratieförderung oder sie beziehen sich auch auf Aufgaben im Bildungs- und Gesundheitssystem. Seit einigen Jahren entwickeln Social Entrepreneurs außerdem diverse Lösungskonzepte, um die brennende gesellschaftliche Herausforderung der Integration von Flüchtlingen besser zu bewältigen. Das Interesse von Politik und Wissenschaft, sich mit den Erscheinungsformen und Rahmenbedingungen von Social Entrepreneurship zu befassen, hat sowohl auf nationaler als auch auf europäischer und internationaler Ebene deutlich zugenommen. So wurde Ende die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) erstellte Studie „Herausforderungen bei der Gründung und Zur besseren Lesbarkeit werden im Folgenden die männlichen Formen verwendet, mit denen jeweils sowohl Männer als auch Frauen gemeint sind. Vgl. Rummel, M. ( ), S. . Die Begriffe „Social Entrepreneurship“ bzw. „Social Entrepreneur“ wurden bisher inhaltlich hauptsächlich in angelsächsischen Ländern konkretisiert. Dies hat dazu geführt, dass die englischen Begriffe auch international benutzt werden. Eine Übersetzung der englischen Begriffe in den deutschen Sprachgebrauch wird dem internationalen Sprachgebrauch, auch inhaltlich hinsichtlich des Verständnisses der englischsprachigen Begriffe, nicht gerecht. Achleitner, A.-K./ Heister P./ Stahl, E. ( ), S. , weisen zu Recht darauf hin, dass die Übersetzung nicht unproblematisch ist, „da sie teilweise im Deutschen eine falsche Konnotation haben, Wortneuschöpfungen sind oder sich gar nicht erst sinnvoll mit wenigen Worten übersetzen lassen.“ Daher wird vorliegend auf eine Übersetzung der Begriffe verzichtet. Vgl. Oldenburg, F. ( ), S. . Vgl. z. B. Agarwala ( ). Vgl. Oldenburg, F. ( ), S. . Die zunehmende Bedeutung dieses Thema wird unter anderem bei der Betrachtung der europäischen Wirtschaft deutlich. So machte im Jahr die Sozialwirtschaft in der Europäischen Union bereits des gesamten europäischen Bruttoinlandsproduktes aus und das bei Mio. Beschäftigten in diesem Sektor, was einem Anteil von , der aktiven EU-Bevölkerung entspricht, vgl. Europäische Kommission ( ), S. . 1 Einleitung 2 Skalierung von Sozialunternehmen. Welche Rahmenbedingungen benötigen Social Entrepreneurs?“ veröffentlicht. Bereits wurde die im Auftrag der Kreditanstalt für Wiederaufbau erstellte Studie „Social Entrepreneurship in Deutschland – Potentiale und Wachstumsproblematiken“ publiziert. Auf europäischer Ebene wurde ein von der Europäischen Kommission und der OECD erarbeiteter Leitfaden veröffentlicht, der Vorschläge für Ansätze zur Messung des sozioökonomischen Nutzens von Social Entrepreneurs beinhaltet. Ende wurde von der Sachverständigengruppe der Europäischen Kommission „Expert Group on Social Entrepreneurship“ (GECES) weiter ein Aktionsplan mit Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Ordnungsrahmens vorgestellt. Diese aktuellen Beispiele indizieren, dass Social Entrepreneurship als alternatives Modell zur Behebung sozialer und ökologischer Probleme mittlerweile mehr als nur einen Nischenplatz einnimmt. Um zukünftig verlässliche rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Social Entrepreneurs und nicht zuletzt auch für interessierte Investoren zu kreieren, bedarf es einer fortlaufenden Diskussion und verlässlichen Regelsetzung in Wissenschaft und Politik. Dabei kommt der Begriffsfindung und -interpretation eine zentrale Bedeutung zu. Der im Titel dieser Arbeit verwendete Begriff des Social Enterprise wird in der wissenschaftlichen Literatur mit unterschiedlichen Definitionen belegt. Den Ausführungen in der Bachelorarbeit wird das Verständnis zugrunde gelegt, das an die Organisationseinheit/das Unternehmen anknüpft, mit dem der Social Entrepreneur seine Ziele verwirklichen will. Im Mittelpunkt der Erörterung und aller Schlussfolgerungen werden die Begriffe „Social Entrepreneurship“ und „Social Entrepreneur“ stehen. Vgl. BMWi (Hrsg.), . Vgl. Scheuerle et al. ( ). Vgl. OECD/Europäische Kommission ( ). Vgl. Europäische Kommission, Leitfaden . Vgl. Howaldt, J./ Domanski, D./ Schwarz, M. ( ), S. . Vgl. Millner R./ Vandor, P. ( ), S. . So Achleitner, A.-K./ Heister, P./ Stahl, E. ( ), S. ; Mort, G. S./ Weerawardena J./ Carnegie, K. ( ), S. . 1.1 Gegenstand der Arbeit 3 Ziel der Arbeit Projekte im Rahmen von Social Entrepreneurship setzen – vor allem in der Gründungsphase – voraus, dass eine hinreichende finanzielle Ausstattung vorhanden ist. Soweit der Entrepreneur nicht über eigene ausreichende finanzielle Ressourcen verfügt, müssen potente Investoren gesucht und gefunden werden. Die Ausrichtung von Social Entrepreneurship, eine nachhaltige soziale Wirkung mit möglichst profitablem Wirtschaften zu vereinbaren, schafft gerade für sozial motivierte Investoren Anreize für ein wirtschaftliches Engagement. Dabei dürfte sich das Engagement von Investoren daran orientieren, ob eine effiziente Wirkungsmessung zur Verfügung steht oder nicht. Der potentielle Investor benötigt aussagekräftige Kriterien für die unternehmensbezogene Risikoeinschätzung. Die nachfolgenden Ausführungen versuchen, die mit dem Begriff „Social Entrepreneurship“ verbundene Interdependenz sozialer und unternehmerischer Zielsetzung zu konkretisieren. Für Investitionsentscheidungen in Projekte, die dem nachfolgend noch näher zu erläuterndem Begriff „Social Entrepreneurship“ gerecht werden, könnten so transparentere Entscheidungshilfen aufgezeigt und für unternehmerische Zwecke wirkungsvoll eingesetzt werden. Vorgehensweise Der Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung wird zunächst eine am Wortlaut orientierte Begriffsanalyse zum Social Entrepreneurship sein, die dann ergänzt wird um die Darstellung der in der wissenschaftlichen Literatur und Praxis etablierten wesentlichen Begriffsdefinitionen. Im Anschluss werden die sozialen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für Social Entrepreneurship in Deutschland aufgezeigt sowie die Grundzüge eines betriebswirtschaftlichen Zielsystems dargestellt und auf die Zielsetzungen beim Social Entrepreneurship angewendet. Sodann erfolgt eine Darlegung und kritische Würdigung der derzeit gängigen Bewertungsverfahren zur Messung des vom Social Entre- 1.2 1.3 1 Einleitung 4 preneurship intendierten Social Impact. Um die insgesamt theoretischen Begutachtungen abzurunden, wird schließlich ein aktuelles praktisches Beispiel für ein funktionierendes Social Enterprise am Unternehmen apeiros dargestellt. Im Fazit werden abschließend die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst. 1.3 Vorgehensweise 5

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Zusammenfassung

Der globalisierte Kapitalismus, Umweltkatastrophen, Überbevölkerung sowie zunehmende politisch und religiös motivierte Konflikte fordern ein Umdenken ökonomischer Konzepte. Allein mit den herkömmlichen Sozial- und Wirtschaftssystemen lassen sich existenzbedrohende Probleme wie Armut, Hunger, Krankheit, mangelnde Bildung und Betreuung nicht lösen. Es gilt dringend, neue, zukunftsweisende unternehmerische Konzepte zu entwickeln und zu fördern. Seit geraumer Zeit hat sich unter dem Begriff „Social Entrepreneurship“ eine Bewegung etabliert, die versucht, unter Beachtung klassischer Ökonomiegrundsätze gesellschaftliche Herausforderungen nachhaltig zu lösen.

Nun gilt es, die mit dem Begriff „Social Entrepreneurship“ verbundene Interdependenz sozialer und unternehmerischer Zielsetzung zu konkretisieren. Private und öffentliche Investoren benötigen eine effiziente Wirkungsmessung für die unternehmensbezogene Risikoeinschätzung und den Social Return on Invest. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Social Entrepreneurship kann zur Überwindung des traditionell angenommenen Zielkonfliktes zwischen Social und Financial Impact essentiell beitragen. Das Mut machende Fazit: Social Entrepreneurship kann als Alternative zu reinem Gewinnstreben und karitativem Unternehmensengagement ein erstrebenswertes Wachstumspotential entfalten, wenn evaluierbare rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für potenzielle Investoren verlässlich zur Verfügung stehen.