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3 Schwanger-, Mutter- und Elternschaft in:

Doris Kölbl

Wenn Mädchen zu Müttern werden, page 29 - 46

Eine sozialpädagogische Betrachtung

2. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4192-5, ISBN online: 978-3-8288-7089-5, https://doi.org/10.5771/9783828870895-29

Tectum, Baden-Baden
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Schwanger-, Mutter- und Elternschaft Elternschaft als zentrales Thema des Erwachsenenalters "Intimität versus Isolierung"65 – Erik Erikson Während des frühen Erwachsenenalters besteht die wesentliche Entwicklungsaufgabe nach Erikson darin, sowohl emotionale als auch sexuelle Bindungen und Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen. Im Verlauf dieses Prozesses muss der junge Erwachsene lernen, Verantwortung zu übernehmen, Kompromisse zu schließen und ein Stück weit die eigene Unabhängigkeit aufzugeben. Feste Bindungen einzugehen, zum Beispiel innerhalb einer Partnerschaft oder Ehe, durch die Entscheidung für eigene Kinder oder durch die Intensivierung von Freundschaften und sozialer Kontakte, ist nach Erikson die charakteristische Herausforderung des frühen Erwachsenenalters. Schafft es der junge Erwachsene nicht, Nähe und Bindung aufzubauen, können Einsamkeit und Isolation mögliche Folgen sein.66 Elternschaft als Entwicklungsaufgabe Folgende Entwicklungsaufgaben sind Teil des Kataloges an Entwicklungsaufgaben, die nach Havighurst im Laufe des frühen Erwachsenenalters, welches er in der Zeitspanne zwischen 18 – 30 Jahren ansiedelt, bewältigt werden müssen: "1. Auswahl eines Partners. 2. Mit dem Partner leben lernen. 3. Gründung einer Familie. 3 3.1 3.1.1 3.1.2 65 Zimbardo & Gerrig; 1999; S. 460 66 vgl. Zimbardo & Gerrig; 1999; S. 461 und S. 496ff. 29 4. Versorgung und Betreuung der Familie. 5. Ein Heim herstellen, den Haushalt organisieren"67. Die Gründung einer Familie zählt zu den zentralen Entwicklungsaufgaben des frühen Erwachsenenalters, Elternschaft ist ein typisches Thema dieser Lebensphase. Schwangerschaft und Elternschaft erfordern Veränderungen und Umstellungen hinsichtlich der eigenen Persönlichkeit und der Organisation des Alltags. Elternschaft bringt neue Anforderungen und Belastungen mit sich.68 Veränderungen durch Elternschaft Komplexe Veränderungsprozesse Elternschaft leitet eine neue Lebensphase ein, die Auswirkungen auf die individuelle Entwicklung jedes Elternteils und auch auf die Partnerschaft hat. Vor allem beim ersten Kind markieren die Veränderungen und neuen Aufgaben, die sich mit der Elternschaft ergeben, einen kritischen Übergang, der mit Belastungen verbunden ist. Die Neuorientierung tangiert die Ebenen der eigenen Person, der Partnerschaft, die des Kindes und der sozialen Umwelt:69 "Komplexe Neuorientierungen auf individueller, partnerbezogener und kindzentrierter Ebene, sowie innerhalb sozialer Umfeldbeziehungen werden erforderlich"70. Der Übergang zur Elternschaft ist gekennzeichnet durch die Ereignisse der Schwangerschaft, der ersten Geburt und dem `Eltern-Sein´. Hieraus wird deutlich, dass es sich um ein prozesshaftes Geschehen handelt, dass sich langsam entwickelt und durchaus als komplex zu betrachten ist: 71 3.2 3.2.1 67 Dreher & Dreher; 1985b; S. 59 zit. nach Oerter & Dreher; 1998; S. 328 68 vgl. Wimmer-Puchinger; 1992; S. 23–25 69 vgl. Olbrich & Brüderl; 1998; S. 410f. 70 Olbrich & Brüderl; 1998; S. 411 71 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S. 12–17 3 Schwanger-, Mutter- und Elternschaft 30 "Auch die frühe Lebensereignisforschung thematisierte die Geburt eines Kindes als kritisches Lebensereignis für den Erwachsenen, besonders für die werdende Mutter"72. Die erste Geburt wird häufig als krisenhafter Umbruch und bedeutende Zäsur erlebt, die Veränderungen im biologischen, psychischen und sozialen Bereich verursacht und einen Neubeginn einleitet. Biologische und psychische Ebene Unter den Veränderungen auf biologischer Ebene werden alle Veränderungen des Körpers der Frau im Verlauf der Schwangerschaft und auch nach der Geburt verstanden – sowohl die hormonellen Veränderungen als auch die nach außen deutlich sichtbaren Veränderungen des Körpers. Zu den psychischen Veränderungen zählen die kognitiven Verarbeitungsprozesse und die emotionale und aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Elternschaft.73 Paarbeziehung Elternschaft kann sich auf die Zufriedenheit hinsichtlich der Partnerschaft auswirken. Die Interaktion zwischen den Partnern verändert sich durch das Kind. Werdende Mütter und Väter haben die Aufgabe, das Bild von sich selbst zu verändern und die Elternschaft zu integrieren:74 "Die Entwicklung der Elternidentität stellt eine wichtige Aufgabe für die künftigen Eltern dar"75. Während die Frau die Veränderungen ja bildhaft gesprochen am eigenen Leib erfährt, hat der werdende Vater vorwiegend nur die Möglichkeit sich kognitiv mit den Veränderungen auseinanderzusetzen. Er ist auf die Erzählungen und Berichte der werdenden Mutter angewiesen. 3.2.2 3.2.3 72 Olbrich & Brüderl; 1998; S. 411 73 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S. 14f. 74 vgl. Olbrich & Brüderl; 1998; S. 411f. und vgl. Reichle; 2002; S. 75–88 75 Huwiler; 1995; S. 39 3.2 Veränderungen durch Elternschaft 31 Für die Mutter bedeutet Schwangerschaft und Geburt regelmäßig eine Veränderung der bisher identitätsstiftenden Rollen, während sich werdende Väter weniger bis kaum mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auseinandersetzen müssen. Wenn auch in den Köpfen die traditionelle Aufgabenverteilung allmählich aufbricht, so zeigt die Praxis ein anderes Bild. Die Berufstätigkeit zu unterbrechen und Elternzeit in Anspruch zu nehmen, bedeutet auch, die wirtschaftliche Selbstständigkeit aufzugeben und in vielen Fällen abhängig zu sein vom Partner oder von staatlichen Leistungen. Aber auch dann, wenn sich der Vater an den Aufgaben beteiligt, werden die Alltagsgestaltung, das Freizeitverhalten und die Freiräume des Paares durch die Geburt des Kindes enorm eingeschränkt. Neben der eigenen innerpsychischen Auseinandersetzung mit sich selbst müssen sich werdende Eltern auch mit den Rollenzuschreibungen und Erwartungshaltungen der Gesellschaft auseinandersetzen und sind damit konfrontiert, dass es nur eine geringe gesellschaftliche Wertschätzung und Anerkennung für das `Mutter- Sein´ gibt.76 Eltern müssen enorme Anpassungsleistungen an die veränderte Situation erbringen. Handlungsmuster hinsichtlich der Versorgung und Pflege des Kindes entwickeln die Eltern in der Regel erst im Laufe der Zeit.77 Soziale Beziehungen Darüber hinaus finden Veränderungen auf sozialer Ebene statt. Die Beziehungen des Paares sowie die Beziehungen zu der Familie und Freunden können durch die Geburt des Kindes einen Wandel erfahren. Häufig verändern sich diese dahingehend, dass einerseits alte Freundschaften wegbrechen und andererseits Kontakte zu anderen Müttern oder Familien intensiviert werden. Mit der Elternschaft ver- ändern sich auch die Kontakte zu Institutionen.78 3.2.4 76 vgl. Huwiler; 1995; S. 39–44 und vgl. Olbrich & Brüderl; 1998; S. 420 77 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S. 12–17 78 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S. 14f. und vgl. Reichle; 2002; S. 75–88 3 Schwanger-, Mutter- und Elternschaft 32 Übergang zur Elternschaft Das Phasenmodell nach Gabriele Gloger-Tippelt Gloger-Tippelt plädiert dafür, Schwanger- und Elternschaft nicht als globale Krise zu betrachten. Sie zeigt in ihrem Phasenmodell für den Übergang zur Elternschaft einzelne Schritte und die jeweils damit verbundenen spezifischen Anforderungen, Verarbeitungs- und Veränderungsprozesse auf, die die werdenden Eltern durchleben. In ihrem hypothetischen Verlaufsmodell des Übergangs zur Elternschaft unterscheidet sie vier Anpassungsprozesse vor und drei nach der Geburt des Kindes, die in den folgenden Abschnitten näher dargestellt werden:79 Verunsicherung (bis zur 12. SSW) Diese Phase beginnt mit dem Moment, an dem das Paar erfährt, dass es ein Kind bekommt. Gerade während der ersten Monate der Schwangerschaft ist die Frau infolge der hormonellen Umstellung und den daraus resultierenden körperlichen Veränderungen mit Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufbeschwerden und Geschmacksver- änderungen konfrontiert. Reaktionen auf die Nachricht der Schwangerschaft können positiver, negativer oder auch ambivalenter Natur sein. Die Zukunft erscheint unsicher, Ängste dahingehend, ob man überhaupt eine gute Mutter sein kann oder wie künftig Beruf und Kind vereinbar sind oder wie sich die Paarbeziehung gestalten wird und die finanzielle Situation entwickelt, tauchen auf. Diese Unsicherheiten treten grundsätzlich unabhängig davon auf, ob die Schwangerschaft völlig ungeplant war oder es sich um das lang ersehnte Wunschkind handelt, können bei ungewollter Schwangerschaft aber größer sein. Während der ersten zwölf Wochen haben Paare, die aktuell kein Kind geplant und sich auch keines wünschen, die Möglichkeit, sich mit dem Abbruch der Schwangerschaft gegen das Kind oder für das Austragen der Schwangerschaft zu entscheiden. In dieser ersten Zeit bleibt das Thema Schwangerschaft in der Regel vor allem ein Thema zwi- 3.3 3.3.1 3.3.2 79 vgl. Olbrich & Brüderl; 1998; S. 413–415 und Gloger-Tippelt; 1988; S. 62 3.3 Übergang zur Elternschaft 33 schen den künftigen Eltern und nimmt vornehmlich Raum innerhalb der Paarbeziehung ein. Erst zu einem späteren Zeitpunkt werden Familie, Freunde und das soziale Umfeld eingeweiht und an Gesprächen über das Baby beteiligt.80 Anpassung (ca. 12.–20. SSW) Nachdem sich die Eltern für das Kind entschieden haben und sich mit der zukünftigen Elternschaft emotional auseinandergesetzt haben, findet die Nachricht gewöhnlich Verbreitung im Freundes- und Familienkreis und wird dadurch auch nach außen konkreter. Ab diesem Zeitpunkt erhalten die werdenden Eltern Rückmeldung aus dem sozialen Umfeld zur Schwangerschaft und bevorstehenden Elternschaft. Diese können sowohl unterstützend erlebt werden als auch die Anpassung an die Elternschaft erschweren. Die Frau hat sich nach den ersten drei Monaten zunehmend an die Veränderungen des Körpers gewöhnt, ein neues hormonelles Gleichgewicht ist eingestellt, so dass die körperlichen Beschwerden der Anfangszeit nun allmählich nachlassen und die erste Phase der Unsicherheit und Ängste weitgehend überwunden ist. Viele Eltern stellen sich jetzt bewusst auf das bevorstehende Ereignis ein, nutzen die Zeit, um sich in Zeitschriften, Büchern, bei Ärzten, anderen Professionellen oder im Austausch mit Freunden über die Ver- änderungen während der Schwangerschaft und das Wachstum und die Entwicklung des Kindes zu informieren. Häufig erfolgt jetzt eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und die Veränderung des Gesundheitsverhaltens durch die Mutter. Die ersten Herztöne, das erste Ultraschallbild – all diese Situationen konfrontieren die werdenden Eltern mit dem entstehenden Leben, erleichtern die Integration der Schwangerschaft und stärken das Selbstbild als künftige Mutter oder als künftiger Vater. Die Eltern identifizieren sich zunehmend mit der Elternrolle, diese Phase ist häufig von Glücksgefühlen begleitet.81 3.3.3 80 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S. 75–78 und vgl. Huwiler; 1995; S. 29 und vgl. Faltermaier, u.a.; 2002; S. 126f. 81 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S. 78–81 und vgl. Huwiler; 1995; S. 29f. 3 Schwanger-, Mutter- und Elternschaft 34 Konkretisierung (ca. 20.–32. SSW) Die ersten Bewegungen des Kindes in dieser Phase lassen das Kind, das sich die Eltern bisher in Gedanken vorgestellt haben, konkreter werden und geben den Eltern Rückmeldung darüber, dass das Kind am Leben ist. Darüber hinaus wird zum ersten Mal spürbar, dass es sich bei dem heranwachsenden Fötus um ein eigenständiges Lebewesen handelt. Der Körper der Frau verändert sich zunehmend, der wachsende Bauch lässt nun auch für die Umwelt sichtbar werden, dass ein neuer Mensch heranwächst. Allmählich wächst das Paar in die Rolle der Mutter und des Vaters hinein, die Reaktionen der Umwelt auf die Schwangerschaft, eine mögliche Teilnahme an speziellen Vorbereitungskursen für die Geburt und Elternschaft lassen diese Rollen immer mehr Gestalt annehmen. Ängste und Unsicherheiten gehen in dieser Phase zurück, das Wohlbefinden der Frau steigt an und es überwiegen – nicht zuletzt dank der guten Vorsorgemöglichkeiten – Gefühle von Sicherheit und Glück:82 "Das in der Konkretisierungsphase vorherrschende Wohlgefühl und ein relativ niedriges Angstniveau schaffen einen emotionalen Zustand, auf dessen Hintergrund sich eine positive Grundhaltung für den weiteren Verlauf der Schwangerschaft und für die Geburt herausbilden kann"83. Antizipation und Vorbereitung (ca. 32. SSW – Geburt) Gegen Ende der Schwangerschaft nehmen die körperlichen Belastungen, Beschwerden und Einschränkungen der Mutter durch das zunehmende Gewicht und den Bauchumfang zu. Die Geburt rückt näher und kann Auslöser von Freude und Glück, aber auch von Verunsicherung sein. Die Eltern müssen sich mit Ängsten auseinandersetzen, die beispielsweise Gedanken an ein behindertes oder krankes Kind, an die Schmerzen der Geburt und mögliche Komplikationen verursachen können. Die Eltern machen sich spätestens jetzt Gedanken über die Art der Geburt und darüber, wo diese stattfinden soll. Sie bereiten sich 3.3.4 3.3.5 82 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S. 81–87 und vgl. Huwiler; 1995; S. 30 83 Gloger-Tippelt; 1988; S. 87 3.3 Übergang zur Elternschaft 35 darüber hinaus durch die Gestaltung des neuen Babyzimmers und den Einkauf von Kleidung, Pflegeartikeln und anderen wichtigen Utensilien für das Kind auf die Ankunft ihres Kindes vor.84 Geburt Der Geburtsprozess verläuft bei jeder Frau zeitlich anders und wird auch von Frau zu Frau hinsichtlich der Ängste und Schmerzen während des Geburtsvorganges unterschiedlich erlebt. Die Anwesenheit des Partners, seine Nähe, sein Rückhalt und Berührungen können die Frau bei der Geburt unterstützen. Die Schmerzen weichen regelhaft dem Glücksgefühl, zum ersten Mal das Kind, auf das die Eltern sich nun neun Monate vorbereitet haben, in den Armen zu halten. Zum ersten Mal wird das Baby, welches sie vorher nur auf dem Ultraschall sehen konnten, begreifbar. Das bedeutet allerdings auch, dass die Vorstellungen und Wünsche, die sich die Eltern hinsichtlich des Aussehens oder des Geschlechts gemacht haben, nun mit der Realität in Einklang gebracht werden müssen.85 Überwältigung und Erschöpfung (ca. 4–8 Wochen nach der Geburt) Nach der Geburt ist die Frau erneut mit enormen körperlichen und hormonellen Umstellungen konfrontiert. Während der ersten acht Wochen genießt die Mutter den gesetzlich gewährten Mutterschutz. Die Veränderungen, die sich im Lebensalltag der Eltern durch die Geburt des Säuglings ergeben, sind enorm. Das lang ersehnte Baby ist nun da und beansprucht die gesamte Aufmerksamkeit seiner Eltern. Die Bedürfnisse des Säuglings zu befriedigen erfordert viel Zeit und Flexibilität von den Eltern und verlangt regelhaft eine völlige Ausrichtung des Zeitmanagements auf das Stillen und die Pflege des kleinen 3.3.6 3.3.7 84 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S: 88–91 und vgl. Huwiler; 1995; S. 30f. und vgl. Faltermaier, u.a.; 2002; S. 126f. 85 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S. 92–96 und vgl. Huwiler; 1995; S. 31 und vgl. Faltermaier, u.a.; 2002; S. 128 3 Schwanger-, Mutter- und Elternschaft 36 Babys. Die Eltern müssen lernen, mit diesen Anforderungen umzugehen. Häufig erleben die Frauen dies als eine Zeit, in der wenig Raum für sie selbst bleibt, sie sich ständig in Warteposition befinden und schließlich auch häufig ihren Schlaf-Wach-Rhythmus an den Säugling anpassen. Meist sind die Eltern besonders in der Anfangszeit sehr angespannt, nervös und inständig bemüht, alles richtig zu machen. Diese Umstellungen können allerdings auch zur Überforderung führen. Die Wochenbettdepression tritt bei vielen Frauen in den ersten Wochen nach der Geburt als Folge der enormen körperlichen und psychischen Anstrengungen und hormonellen Umstellungen auf. Die Geburt des Kindes hat zudem Rückwirkung auf die Partnerschaft. Das Paar muss sich an die neue Situation zu dritt gewöhnen. Unter Umständen reduziert sich innerhalb der Paarbeziehung die Zeit für Zärtlichkeit, Intimität und intensive Gespräche. Die Freiheit, die das Paar noch vor der Geburt hatte, wird durch Kinder zunehmend eingeschränkt. Dennoch Räume für Zweisamkeit zu schaffen, ist eine große Herausforderung, mit der das Paar konfrontiert wird. Vor allem dann, wenn es sich um das erste Kind handelt, können die Eltern auf keine Erfahrung in der Rolle als Mutter oder Vater zurückgreifen, müssen erst allmählich lernen, diese auszufüllen und in ihr Selbstbild zu integrieren. Wie die Veränderungen in die bestehende Partnerschaft integriert werden, hängt auch von der Qualität und den Merkmalen der Partnerschaft vor der Geburt des Kindes ab. Darüber hinaus können auch ein guter Gesundheitszustandes des Kindes, intensive Vorbereitung auf die Zeit mit dem Baby, Unterstützung durch die Familie und die gerechte Aufteilung der anfallenden Arbeiten hinsichtlich des Haushaltes und der Pflege des Säuglings unter den Geschlechtern unterstützende Faktoren während dieser ersten Zeit sein. Intensive Glücksmomente über die Ankunft des neuen Familienmitgliedes können genauso zum Spektrum der Gefühle nach der Geburt gehören wie Müdigkeit, Erschöpfung und depressive Stimmungen, Unsicherheit und Angstgefühle.86 86 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S. 96–101 und vgl. Huwiler; 1995, S. 31f. und vgl. Mietzel; 1997; S. 175–187 und vgl. Olbrich & Brüderl; 1998; S. 419–422 3.3 Übergang zur Elternschaft 37 Herausforderung und Umstellung (ca. 2–6 Monate nach der Geburt) Die Eltern gewinnen zunehmend Routine hinsichtlich der Versorgung und Pflege des Kindes, die Mutter hat sich zu diesem Zeitpunkt bereits von der Geburt erholt. Die Rollen des Vaters und der Mutter nehmen zunehmend Gestalt an, die Eltern können nun bereits auf einige Erfahrung im Umgang mit dem Säugling zurückgreifen. Auch die Neugestaltung und -orientierung der Paarbeziehung findet in dieser Phase statt, in der Regel wird jetzt auch die sexuelle Beziehung wieder aufgenommen. Die Zufriedenheit mit der Partnerschaft nimmt dann ab, wenn der Wunsch nach mehr Beteiligung des Partners an der Versorgung des Kindes und den Aufgaben im Haushalt unerfüllt bleibt. Häufig erfährt die vor der Geburt idealisierte Vorstellung von der Zeit mit dem Baby als Mutter und Hausfrau eine Ernüchterung. Viele Frauen erleben darüber hinaus die finanzielle Abhängigkeit von ihrem Partner als zusätzliche Belastung.87 Gewöhnung (ca. 6–12 Monate nach der Geburt) Die Eltern haben sich nun an das neue Familienmitglied gewöhnt, sind nun bereits vertraut mit seinen typischen Gewohnheiten und Verhaltensweisen, den individuellen Besonderheiten und der Persönlichkeit ihres Babys und werden zunehmend entspannter und sicherer im Umgang mit dem Säugling und der veränderten Lebenssituation. Die Elternschaft ist jetzt bereits routinierter geworden, Stress und Ängste nehmen ab, Sicherheit und das Vertrauen in die Bewältigung der Elternschaft steigen an. Die Eltern gewöhnen sich zunehmend an die fordernde Haltung des Säuglings und werden dahingehend gelassener. Ebenso nehmen während dieser Phase die pflegerischen Tätigkeiten ab und schaffen Raum für fördernde Anregung, Interaktion und Stimulation des Säuglings, der nun von Tag zu Tag Neues lernt. Die Eltern nehmen in dieser Phase die Planung der weiteren Zukunft wieder auf, die Frau denkt möglicherweise über einen erneuten Berufseinstieg 3.3.8 3.3.9 87 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S. 101–108 und vgl. Huwiler; 1995; S. 32f. 3 Schwanger-, Mutter- und Elternschaft 38 nach, plant eine Wiederaufnahme der Schul- oder Berufsausbildung oder des Studiums, oder das Paar entscheidet sich für eine erneute Elternschaft.88 Beeinflussende Faktoren für die Bewältigung der Elternschaft Für die Bewältigung der Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft sind folgende persönlichen, familialen und außerfamilialen Ressourcen und Faktoren von Bedeutung. Eine zentrale Rolle kommt hierbei den Persönlichkeitsmerkmalen der Mutter und des Kindesvaters zu. Erfolgreich bewältigte Entwicklungsaufgaben wie die Identitätsbildung, Partnerwahl und Partnerschaftserprobung wirken sich des Weiteren auf die Bewältigung der Entwicklungsaufgabe Elternschaft aus. Darüber hinaus stellen die aktuelle Situation innerhalb der Paarbeziehung, die Beziehungsstruktur, die Interaktionsformen und Strategien der Konfliktbewältigung eines Paares beeinflussende Faktoren für die Bewältigung dar. Eine Schwangerschaft birgt mehr Belastungen, wenn die Mutter Single ist. Auch Konflikte und Streitigkeiten innerhalb der Partnerschaft, die Untreue eines Partners und mangelnde Unterstützung aus dem sozialen Umfeld der werdenden Eltern sind zusätzliche Stressfaktoren, die Ängste in Bezug auf die bevorstehende Elternschaft auslösen können. Werden Kinder in eine stabile Paarbeziehung hineingeboren, so trägt das Kind in der Regel zur Bereicherung dieser Bindung bei. Ist die Paarbeziehung jedoch schon bei Geburt des Kinds instabil und schwierig, so kann das Kind eher zur Belastungsprobe für die Paarbeziehung der Eltern werden.89 Darüber hinaus muss das Alter, das Ausbildungs- und Bildungsniveau und die Berufstätigkeit der Eltern berücksichtigt werden. Ebenso ist die Geplant- und Erwünschtheit des Kindes von zentraler Bedeutung für die Verarbeitung und das Erleben der Schwanger- und Mutterschaft.90 3.4 88 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S. 108–113 und vgl. Huwiler; 1995; S. 33–35 89 vgl. Olbrich & Brüderl; 1998; S. 419–422 und vgl. Wimmer-Puchinger; 1992; S. 46f. und vgl. Faltermaier, u.a.; 2002; S. 128f. 90 vgl. Mietzel; 1997; S. 175–187 3.4 Beeinflussende Faktoren für die Bewältigung der Elternschaft 39 Die Lebensumstände, sozioökonomischen Rahmenbedingungen und die finanzielle Situation wirken sich auf die Verarbeitung der Schwangerschaft aus. Eine schwierige finanzielle Ausgangssituation kann sehr belastend sein. Die Beziehungen zu und die Unterstützung durch die jeweiligen Herkunftsfamilien, Freunde, Bekannte und soziale Netzwerke können die Elternschaft erleichtern. Es existieren Zusammenhänge zwischen der Unterstützung durch das soziale Umfeld und der Stressbildung beziehungsweise Zufriedenheit der Mutter. Zum sozialen Netz zählen die Möglichkeiten der Säuglings- und Kinderbetreuung und soziale Unterstützungseinrichtungen wie soziale und medizinische Dienste.91 Fokus: Alleinerziehende Alleinige Erziehungsverantwortung Nachdem die Auswirkungen, die die Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes auf das Leben der Eltern und die Paarbeziehung haben, erläutert wurden, wird im Folgenden auf die besonderen Lebensumstände, Herausforderungen und Belastungen eingegangen, denen Alleinerziehende zusätzlich gegenüberstehen. Dieser Fokus findet seine Berechtigung darin, dass junge Mädchen während des Jugendalters – wie im Kapitel 2 näher ausgeführt – gerade dabei sind, erste Erfahrungen zu sammeln und Intimität und Sexualität auszuprobieren, also zu vermuten ist, dass sie sich regelhaft nicht in einer stabilen Paarbeziehung befinden und auch im Fall einer Schwangerschaft gegebenenfalls ohne gefestigte Paarbeziehung oder alleinerziehend sind. Ökonomische Belastungen Alleinerziehende stehen anderen Herausforderungen gegenüber als Familien mit zwei Elternteilen in einem Haushalt. Sie sind häufig mit 3.5 3.5.1 3.5.2 91 vgl. Gloger-Tippelt; 1988; S. 70–75 und vgl. Huwiler; 1995; S. 57–63 und S. 79f. 3 Schwanger-, Mutter- und Elternschaft 40 ökonomischen Problemen und materiellen Risiken konfrontiert, die zur dauerhaften Belastung werden können: "Die Einkommenssituation von Alleinerziehenden ist umso schlechter, je jünger das jüngste Kind ist, das im Haushalt lebt, je jünger sie selbst sind, wenn sie zu Alleinerziehenden werden, je geringer ihre Schul- und Berufsausbildung ist, je höher die Anzahl der Kinder ist"92. Vor allem dann, wenn die Mutter nicht berufstätig ist und kein eigenes Erwerbseinkommen erzielt, sind viele Alleinerziehende auf staatliche Transferleistungen angewiesen, um die Existenz ihrer Familie zu sichern. Häufig lassen die monatlichen Transferleistungen keinen Spielraum für Freizeitaktivitäten, einen Cafebesuch oder das Bezahlen eines Babysitters – die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben. Soziale Isolation kann eine mögliche Folge sein. Beschwerlicher wird die Situation dann, wenn Unterhaltszahlungen für die Kinder von Seiten des Vaters nicht getätigt werden und Alleinerziehende auch dahingehend auf die Unterstützung durch den Staat angewiesen sind:93 "Etwa jede(r) dritte Alleinerziehende erhält keine Zahlungen, weil der getrennt lebende Elternteil entweder nicht unterhaltsfähig ist oder weil der Aufenthaltsort unbekannt ist"94. Limmer stellt fest, dass die Zahlungsmoral in direktem Zusammenhang mit der Qualität und Häufigkeit des Kontaktes zum Kind steht: Je seltener dieser wird, umso seltener geht auch der Unterhalt auf dem Konto der Mutter ein. Die Probleme um die Unterhaltszahlung werden dann größer, wenn der ehemalige Partner wieder in einer neuen Beziehung ist. Darüber hinaus macht sie auch die Qualität der ehemaligen Paarbeziehung als Faktor aus, der die späteren Unterhaltszahlungen beeinflusst:95 "Haben Eltern niemals zusammengelebt, ist die Zahlungsbereitschaft geringer"96. 92 Limmer; 2004; S. 19 93 vgl. Limmer; 2004; S. 18f. und S. 39f. 94 Limmer; 2004; S. 26 95 vgl. Limmer; 2004; S. 26f. 96 Limmer; 2004; S. 27 3.5 Fokus: Alleinerziehende 41 Streitigkeiten über die unregelmäßigen oder gar nicht erfolgenden Unterhaltszahlungen können die Beziehung zwischen den Ex-Partnern belasten. Partnerschaft `Mit dir will ich nie wieder etwas zu tun haben´! Dieser Wunsch wird dann schwierig umzusetzen sein, wenn man mit seinem ehemaligen Partner in gemeinsamer Erziehungsverantwortung für ein minderjähriges Kind steht. "Eltern bleiben Eltern"97, so sieht es auch das neue Kindschaftsrecht. Eltern, die bisher die gemeinsame Sorge hatten, sollen diese auch weiterhin behalten, weil das Kind beide Eltern benötigt – nicht nur in finanzieller, sondern auch in emotionaler Hinsicht. Getrenntlebende Eltern müssen sich über den Umgang, die Besuche des Kindes beim Vater austauschen und diese organisieren – hier werden sie immer wieder mit dem ehemaligen Partner konfrontiert. Die Qualität der Beziehung zum Ex-Partner ist stark davon abhängig, wie die Trennung vollzogen wurde, ob es sich um eine Wahlentscheidung gehandelt hat oder nicht, und davon, wie schwierig die Beziehungskonstellation vor der Trennung war. Weiterhin bedeutend für die Gestaltung und das Erleben der Beziehung zum Ex-Partner kann der zeitliche Abstand zur Trennung sein.98 Die Sehnsucht nach einer neuen Partnerschaft ist bei Alleinerziehenden häufig vorhanden. Frauen, die nicht im Erwerbsleben stehen, haben jedoch weniger Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen. Darüber hinaus sind die Versorgung, Pflege und Erziehung des Kindes zeit- und arbeitsintensiv. Viele Alleinerziehende ergreifen hinsichtlich der Partnersuche erst gar nicht die Initiative: aus Rücksicht auf das Kind, aus Unsicherheit oder um von einem möglichen Misserfolg nicht enttäuscht zu werden.99 3.5.3 97 Limmer; 2004; S. 24 98 vgl. Wimmer-Puchinger; 1992; S. 62f. und vgl. Limmer; 2004; S. 24f. 99 vgl. Limmer; 2004; S. 27–30 3 Schwanger-, Mutter- und Elternschaft 42 Unterstützung durch Familie, Verwandte und Freunde Gerade für Alleinerziehende ist ein funktionierendes, stabiles soziales Netz von besonderer Bedeutung und Notwendigkeit. Emotionale, praktische und finanzielle Unterstützung aus dem sozialen Netz, kann Alleinerziehende enorm entlasten. Menschen zu haben, mit denen man reden kann und die zuhören können, die hin und wieder die Kinderbetreuung übernehmen, hilfreiche Informationen und Ratschläge bereithalten und zum Gang auf Ämter begleiten oder in Notsituationen auch finanzielle Unterstützung anbieten.100 Jedes Hilfesystem, das unterstützend wirkt, kann aber auch fordernd sein: "Alleinerziehende, die sich für die empfangene Unterstützung nicht entsprechend revanchieren können, zahlen oftmals einen anderen Preis: Sie treten ein Stück Selbstbestimmung ab, indem sie wohlmeinende Ratschläge oder direkte Einmischungen in das Familienleben von Seiten der Unterstützungsleistenden tolerieren oder sie müssen sich mit einem verminderten Selbstwertgefühl arrangieren"101. Die erhaltende Hilfe kann belastend sein, weil die Mütter das Gefühl haben, sich revanchieren zu müssen oder mit Ratschlägen und Kritik hinsichtlich des eigenen Erziehungsverhaltens konfrontiert werden. Besonders die Unterstützung durch die eigene Mutter fördert die Abhängigkeit und behindert das Bestreben nach Unabhängigkeit und Loslösung. Die enorme Abhängigkeit von der Unterstützung macht es quasi unmöglich, sich gegen mögliche Bevormundung und Kritik aufzulehnen. Konflikte werden dann eher in Kauf genommen. Die gegenseitige Unterstützung funktioniert am besten zwischen Alleinerziehenden oder mit anderen Eltern, die sich jeweils in einer ähnlichen Situation befinden und auf die gegenseitigen Hilfsdienste angewiesen sind.102 3.5.4 100 vgl. Limmer; 2004; S. 31–35 101 Limmer; 2004; S. 33 102 vgl. Limmer; 2004; S. 33f. 3.5 Fokus: Alleinerziehende 43 Zusammenfassung Die Ausführungen dieses Kapitels zeigen, dass Elternschaft und die Gründung einer Familie zentrale Entwicklungsaufgaben des Erwachsenenalters und nicht des Jugendalters sind. Sie werden begleitet von enormen Veränderungsprozessen, die Auswirkungen auf folgende Lebensbereiche haben: – Veränderungen im Körper der Frau – Veränderungen hinsichtlich der eigenen Persönlichkeit – Veränderungen innerhalb der Paarbeziehung – Veränderungen hinsichtlich Arbeit und Beruf – Veränderungen hinsichtlich der Alltagsgestaltung – Veränderungen hinsichtlich der Freizeitgestaltung – Veränderungen in Freundschaftsbeziehungen – Veränderungen in der sozialen Umwelt Das Phasenmodell vom Gloger-Tippelt macht die Vielschichtigkeit des Prozesses der werdenden Elternschaft besonders deutlich und zeigt konkrete Aufgaben und Anforderungen auf, die vor und nach der Geburt daraus erwachsen: – Verarbeitung positiver und vor allem negativer Reaktionen hinsichtlich der Schwanger- und Mutterschaft aus dem Umfeld – Umgang mit körperlichen Belastungen, Veränderungen und Schmerzen während der Schwangerschaft und Geburt – Ängste vor dem Ereignis der Geburt bewältigen – Pflege und Versorgung des Kindes – Aufmerksamkeit und Zeit für die Bedürfnisse des Kindes – Ausrichtung des Zeitmanagements auf das Kind – Bewältigung der Angst, im Umgang mit dem Kind etwas falsch zu machen – Regelung der Aufgabenverteilung (Babyversorgung und Haushaltsplanung) – Auseinandersetzung mit Vereinbarkeit von Kind und Beruf – Entwicklung vom Paar, von Mann und Frau zu Eltern, zu Vater und Mutter – Herausforderung bewältigen, neben Elternschaft, die Paarbeziehung zu leben und Zeit für Intimität zu haben 3.6 3 Schwanger-, Mutter- und Elternschaft 44 Alleinerziehende erfahren durch den fehlenden Partner und Vater für das Kind zusätzliche Belastungen in persönlicher, finanzieller und sozialer Hinsicht. Elternschaft ist damit ein zentraler Wendepunkt, eine bedeutende Zäsur im Leben eines Menschen, vor allem im Leben der Mutter. Sie erfordert enorme Anpassungsleistungen an die neue Situation mit Kind, muss aber nicht zwingend als Krise erlebt werden oder dauerhafte Beeinträchtigungen der Entwicklung zur Folge haben. Entwicklungschancen sind ebenso möglich wie eine Situation der Krise.103 Die Persönlichkeitsentwicklung der Eltern, eine stabile Paarbeziehung, das Bildungsniveau und die berufliche Situation, ökonomische Rahmenbedingungen sowie die Beziehung zur Herkunftsfamilie, Freundschaften, soziale Netzwerke und die Verfügbarkeit professioneller Unterstützungsangebote spielen hinsichtlich der Bewältigung der Elternschaft eine bedeutende Rolle. Diese Ausführungen zeigen, dass die Elternschaft auch Erwachsene vor enorme Herausforderungen stellt, und lassen erahnen, was es bedeutet, als Jugendlicher mit diesen Aufgaben konfrontiert zu sein. Bevor die Bedeutung, die die Mutterschaft im Jugendalter hat, näher betrachtet wird, wird im Folgenden der Blick zuerst allgemein auf kritische Lebensereignisse, normative und non-normative Entwicklungsaufgaben gelenkt, um zu verstehen, welche Folgen es hat, wenn Entwicklungsaufgaben außerhalb der Lebensphasen auftreten, in denen sie normalerweise stattfinden, und damit, was es bedeutet, im Jugendalter Mutter zu werden. 103 vgl. Olbrich & Brüderl; 1998; S. 411ff. und vgl. Faltermaier, u.a.; 2002; S. 130–133 und vgl. Reichle; 2002; S. 75–88 3.6 Zusammenfassung 45

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References

Zusammenfassung

Jedes zehnte Kind weltweit wird von einer Mutter geboren, die selbst noch keine 20 Jahre alt ist. Auch in Deutschland sind Teenagerschwangerschaften ein Thema – eines, das bisher in der sozialpädagogischen Fachdiskussion nur wenig Beachtung gefunden hat. Vor allem die Lebenslagen von jungen Mädchen, die außerhalb von Mutter-Kind-Einrichtungen leben, wurden vernachlässigt. Um diesen weißen Fleck zu füllen, befasst sich Doris Kölbl mit der frühen Mutterschaft – speziell mit der komplexen Lebenslage, in der sich minderjährige Mütter befinden. Sie durchleben einen Spagat: Die eigene Entwicklung zum Erwachsenen und die Anforderungen an eine versorgende und erziehende Mutter fordern besondere Anpassungsleistungen. Werden die bisherigen Hilfeangebote für die Mädchen dieser Herausforderung gerecht? Das vorliegende Buch gibt Anregungen, wie sozialpädagogische Hilfen für junge Mütter gestaltet werden können, um auf deren Lebenssituation als Jugendliche und Mutter adäquat einzugehen und enthält eine Zusammenstellung von relevanten Hilfeangeboten und Kontaktadressen.