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8 Methodik in:

Doris Kölbl

Wenn Mädchen zu Müttern werden, page 127 - 144

Eine sozialpädagogische Betrachtung

2. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4192-5, ISBN online: 978-3-8288-7089-5, https://doi.org/10.5771/9783828870895-127

Tectum, Baden-Baden
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Methodik Problemstellung und Untersuchungsziel Die bisherigen Ausführungen und die Analyse relevanter Literatur haben gezeigt, dass die Schwanger- und die Mutterschaft im Jugendalter, aufgrund der Kollision von Entwicklungsaufgaben in zentralen Lebensbereichen, kritische Lebenssituationen darstellen, die komplexe Aufgaben und enorme Herausforderungen mit sich bringen und für deren Bewältigung die junge Mutter Unterstützung und professionelle Hilfeangebote benötigt. Im Anschluss an die bisherigen theoretischen Ausführungen gilt das Erkenntnisinteresse der vorliegenden empirischen Untersuchung der Erfassung subjektiver Sichtweisen, Einstellungen und Erfahrungen minderjähriger Mütter, die außerhalb von Mutter-Kind-Einrichtungen leben, ihrem individuellen Erleben der Situation als junge Mutter und ihrer subjektiven Realität. Das zentrale Interesse der empirischen Untersuchung richtet sich zum einen auf die Bedeutung, die das Ereignis der frühen Mutterschaft aus der Sicht der jungen Mädchen in ihrem Leben hat. Der Fokus liegt hier auf den Anforderungen, Aufgaben und Veränderungen, die sich für die Mädchen aufgrund der Schwanger- und Mutterschaft ergeben haben. Zum anderen stehen die Reaktion der Umwelt auf die Schwanger- und Mutterschaft, die gewährte private Unterstützung und die professionellen Hilfsangebote, die die Minderjährigen als Schwangere und junge Mütter in Anspruch genommen haben, um die Situation besser bewältigen zu können, im Zentrum des Interesses. Die Erhebung des empirischen Materials verfolgt das Ziel, die Lebenssituation minderjähriger Mütter hinsichtlich der oben genannten Aspekte aus deren Sicht zu ergründen, um daraus in Kombination mit den Erkenntnissen aus der theoretischen Reflektion der Kapitel 1–7 Konsequenzen und Handlungsempfehlungen für die sozialpädagogische Praxis ableiten zu können. 8 8.1 127 Darstellung des Forschungsdesigns Qualitative Forschung Das Interesse der Untersuchung gilt vorrangig einer breiten und unvoreingenommenen Erfassung der subjektiven Realität minderjähriger Mütter. Aus diesem Grund ist der Einsatz qualitativer empirischer Methoden nahe liegend, da eine standardisierte quantitative Erhebung, zum Beispiel durch Fragebögen mit einem strikt vorgegebenen Fragekatalog und möglichen Antwortvorgaben nur wenig Raum für die offene, freie Erzählung lässt und damit der Darstellung subjektiver Bedeutungszusammenhänge nicht ausreichend gerecht werden kann. In der vorliegenden Arbeit wurden deshalb qualitative Interviews geführt, um dem oben genannten Untersuchungsziel nachzukommen, den Interviewten die Möglichkeit zu geben, ihre individuelle Sichtweise mit eigenen Worten wiederzugeben und damit unterschiedlichste Facetten der Lebenswelten minderjähriger Mütter zu erfassen, denn:250 "Qualitative Interviews eignen sich in besonderem Maße, Meinungen, Werte, Einstellungen, Erlebnisse, subjektive Bedeutungszuschreibungen und Wissen zu erfragen"251. Verfahren der Datenerhebung: Problemzentriertes Interview nach Witzel Qualitative Interviews beinhalten weder klar definierte Frageabfolgen noch konkrete Antwortvorgaben. Die Fragen werden offen zu den für die Forschung relevanten Themen gestellt und sollen die Interviewten zur Erzählung anregen. Um einerseits Offenheit zu ermöglichen, das heißt, den befragten Mädchen den Spielraum zu lassen, den sie benötigen, um ihre Erfahrungen und Erlebnisse individuell in das Interview einbringen zu können, und andererseits die oben genannten Themen, die für die Forschungsfrage von Interesse sind, abzudecken, damit den Problembereich einzugrenzen und die Vergleichbarkeit des empiri- 8.2 8.2.1 8.2.2 250 vgl. Seipel & Rieker; 2003; S. 84f. und vgl. Reinders; 2005; S. 27 251 Reinders; 2005; S. 97 8 Methodik 128 schen Materials zu realisieren, fiel die Wahl der Methode zur Datenerhebung auf ein teilstandardisiertes Verfahren: das problemzentrierte Interview nach Witzel.252 Das problemzentrierte Interview nach Witzel, das jeweils eine bestimmte Problemstellung im Fokus der Betrachtung hat, stellt eine Variante des teilstandardisierten Interviews dar: "Im Mittelpunkt problemzentrierter Interviews stehen nicht weit gefasste, wenig spezifizierte Themen, sondern eingegrenzte Fragestellungen"253. Wichtige Aspekte der Problemstellung, die von der Forscherin in den theoretischen Ausführungen des ersten Teils der Arbeit vor der Entwicklung und Durchführung der Interviews analysiert und erarbeitet wurden, fließen inhaltlich und thematisch in die Gestaltung des Interviews ein, denn das problemzentrierte Interview "eignet sich hervorragend für eine theoriegeleitete Forschung, da es keinen rein explorativen Charakter hat, sondern die Aspekte der vorrangigen Problemanalyse in das Interview Eingang finden"254. Das problemzentrierte Interview eröffnet die Möglichkeit, aus der theoretischen Reflektion gewonnene Erkenntnisse durch die Interviews zu ergänzen und zu konkretisieren. Das Interview enthält im Leitfaden folglich die relevanten Themenbereiche, die aus der theoretischen Auseinandersetzung gewonnen wurden. Die Fragestellungen werden hierbei aber weder bis ins Detail ausformuliert noch systematisch abgearbeitet, sondern vielmehr für das Forschungsinteresse relevante Themenbereiche berührt, sprich das Angebot eines die Erzählung forcierenden Stimulus gemacht, das den Interviewten die Möglichkeit zur offenen Erzählung gibt und ihnen so ermöglicht, frei zu berichten und individuelle Schwerpunkte zu setzen:255 "Die Offenheit des Vorgehens wird durch den narrativen Charakter der Befragung, die dem Befragten viel Freiraum zur eigenen Betonung wichtiger Themenbereiche lässt, gewährleistet"256. 252 vgl. Seipel & Rieker; 2003; S. 149 253 Reinders; 2005; S. 118 254 Schmidt-Grunert; 1999; S. 40 255 vgl. Hopf; 1991; S. 177f. und vgl. Mayring; 2002; S. 67 256 Reinders; 2005; S. 97 8.2 Darstellung des Forschungsdesigns 129 Das problemzentrierte Interview kombiniert auf diese Weise deduktives und induktives Vorgehen. So bringt die Forscherin ihr theoretisches Vorwissen und Verständnis in die Konzeption des Leitfadens und damit in das Feld ein und verfolgt das Ziel, diese Vorannahmen durch Interviews zu überprüfen. Sie ist aber dennoch dem Anspruch der Unvoreingenommenheit verpflichtet, denn die257 "…theoretischen Vorstellungen werden durch das Interview mit der sozialen Realität konfrontiert, plausibilisiert oder modifiziert" 258. Wenn folglich während des Interviews Themen und Aspekte auftauchen, die die Interviewerin nicht bedacht hat, fließen diese in die spätere Auswertung der Interviews mit ein und dienen ebenso dem Erkenntnisinteresse.259 Dies erfordert "…einen Balanceakt: Einerseits müssen die speziellen Perspektiven und Relevanzen der einzelnen Befragten erkundet werden und ein Interview muss ihnen gerecht werden; andererseits sollte in den Gesprächen der Bezug zu theoretischen Vorannahmen und Fragestellungen hergestellt werden können, so dass die verschiedenen Interviews diesbezüglich vergleichbar sind"260. Das problemzentrierte Interview besteht in der praktischen Umsetzung aus folgenden Teilelementen: einem standardisierten Kurzfragebogen zur Erfassung der Sozialdaten, dem Interviewleitfaden mit den relevanten Themenbereichen, dem Einsatz eines Tonbandgerätes, um die mündlichen Daten festzuhalten und die Aufnahme als Grundlage für die spätere Transkription der Daten verwenden zu können, und dem Postskriptum, um wichtige Stimmungen, situative Besonderheiten und weitere Gesprächsinhalte vor und nach dem Interview festzuhalten.261 257 vgl. Reinders; 2005; S. 117f. und vgl. Lamnek; 1995; S. 90 258 Lamnek; 1995; S. 90 259 vgl. Reinders; 2005; S. 117f. 260 Seipel & Rieker; 2003; S. 152 261 vgl. Witzel; 1982; S. 89 und vgl. Lamnek; 1995; S. 77 8 Methodik 130 Vorbereitung der Befragung Entwicklung des Kurzfragebogens Der Kurzfragebogen – als Element des problemzentrierten Interviews – stellt zentrale Sozialdaten der minderjährigen Mutter sicher und sorgt dafür, dass der Erzählfluss des Interviews nicht durch das simple Abfragen von Sozialdaten unterbrochen wird. Allerdings wurde er in der vorliegenden Arbeit nicht – wie bei Witzel empfohlen – an den Anfang, also vor das Interview gestellt, sondern am Ende des Interviews gemeinsam mit der Mutter ausgefüllt. Dies geschah, um keine Themen des Interviews vorwegzunehmen, die Mutter – nicht zuletzt aufgrund ihres jugendlichen Alters – hinsichtlich möglicher Interviewinhalte nicht unnötig zu verunsichern und den Einstieg in das Gespräch nicht durch das Abfragen sozialer Daten bürokratisch gestalten zu müssen, sondern um einen lockeren, individuell auf die jeweilige Mutter und Situation abgestimmten Einstieg in das Interview gestalten zu können.262 Entwicklung des Interviewleitfadens Um einerseits die Gespräche so offen wie möglich zu gestalten und andererseits zu garantieren, dass jeweils alle für das Forschungsinteresse wichtigen Bereiche thematisiert werden und die Aussagen dadurch vergleichbar bleiben, wurde auf dem Hintergrund der theoretischen Erörterungen der Kapitel 1–7 ein Interviewleitfaden entwickelt. Der Leitfaden beinhaltet die wichtigsten Themenbereiche der Problemstellung und dient während des Interviews vor allem der Orientierung der Forscherin und dem Erreichen des Untersuchungsziels. 263 Es werden keine vorformulierten Fragen entlang eines festen Leitfadens abgearbeitet, sondern die Fragen werden im Verlauf des Inter- 8.3 8.3.1 8.3.2 262 vgl. Schmidt-Grunert; 1999; S. 42 und vgl. Witzel; 1982; S. 90 263 vgl. Schmid-Grunert; 1999; S. 43f. 8.3 Vorbereitung der Befragung 131 views, sowohl was die Reihenfolge als auch die konkrete Formulierung angeht, dem jeweiligen Interviewpartner angepasst.264 Zentrale Themenbereiche des Leitfadens werden für den Intervieweinsatz in kurzen Stichpunkten skizziert. Diese dienen als Gedächtnisstütze, um sicherzustellen, dass alle relevanten Themenbereiche angesprochen werden, wobei der gesamte Interviewleitfaden aber vor allem gedanklich bei der Forscherin präsent ist, was ein wirres Hin- und Herblättern zwischen den ausformulierten Fragen und ein zu fixiertes Kleben am Leitfaden vermeidet. Die Einstiegsfrage ist grundsätzlich offen gestaltet, lenkt darüber hinaus aber inhaltlich bereits auf die zentrale Problemstellung hin. Nach der Stellung der erzählungsgenerierenden Eingangsfrage bestimmt erst einmal die Interviewte die Inhalte des Interviews und setzt individuelle Schwerpunkte bei der Erzählung. Lediglich wenn der Erzählfluss abbricht oder am Ende Fragen offenbleiben, gibt die Forscherin Erzählanreize oder thematisiert weitere Themenbereiche, die für sie von Interesse sind.265 Hierbei wird im problemzentrierten Interview zwischen Sondierungs- und Ad-hoc-Fragen unterschieden. Sondierungsfragen sind Fragen zu Themen, die im Leitfaden enthalten sind. Diese Fragen knüpfen jeweils unmittelbar an die Erzählungen des Interviewpartners an und können zur Vertiefung von Themen anregen. Nach der Phase der Sondierungsfragen gibt es durch die sich daran anschließenden Ad-hoc-Fragen die Möglichkeit, damit Themenbereiche anzusprechen, die bisher im Verlauf des Interviews nicht thematisiert wurden, aber Bestandteil des Leitfadens und damit wichtig für das Forschungsinteresse sind.266 Zurückspiegelung und Verständnisfragen tragen darüber hinaus dazu bei, "dass sich der Interviewpartner in seiner Problemsicht ernstgenommen fühlt und Unterstützung darin findet, an der jeweiligen Thematik weiterzuarbeiten"267. 264 vgl. Reinders; 2005; S. 118f. 265 vgl. Lamnek; 1995; S. 68 und vgl. Reinders; 2005; S. 170 266 vgl. Reinders; 2005; S. 120ff. und vgl. Lamnek; 1995; S. 76 und vgl. Mayring; 2002; S. 70 267 Witzel; 1982; S. 100 8 Methodik 132 Durch die Elemente der Zurückspiegelung von thematisierten Inhalten und dem Stellen von Verständnisfragen gibt die Forscherin dem Interviewten des Weiteren die Möglichkeit, unklare oder widersprüchliche Antworten zu spezifizieren, näher auszuführen, zu modifizieren oder zu korrigieren.268 Im Folgenden wird nun der Blick näher auf die Themenbereiche des Leitfadens gelenkt: Das Interview beginnt mit der folgenden Einstiegsfrage: "Können Sie mir rückblickend erzählen, wie Sie die Zeit von dem Tag an, an dem Sie erfahren haben, dass Sie schwanger sind, die Schwangerschaft, die Geburt und die Zeit als Mutter bis heute erlebt haben"? Mit dieser relativ allgemein gehaltenen Frage soll der Einstieg in die Erzählung erleichtert werden und rückblickend das Erleben von Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft thematisiert werden. Hierbei hat die Mutter die Möglichkeit, selbst Schwerpunkte der Erzählung zu setzen und Aspekte anzusprechen, die ihr persönlich im Zusammenhang mit ihrer frühen Mutterschaft wichtig erscheinen und in Erinnerung geblieben sind.269 Darüber hinaus geben die Themen des konzipierten Leitfadens der Forscherin die Möglichkeit, Fragen zu weiteren Aspekten zu stellen, die für die Problemstellung und das Untersuchungsziel von zentraler Bedeutung sind und die von der Interviewten nicht eigenständig oder nicht differenziert genug thematisiert werden. Folgende Themenkomplexe sind im Leitfaden enthalten: – Leben und Lebenssituation vor der Schwangerschaft – Subjektive Bedeutung der Schwanger- und Mutterschaft – Neue Aufgaben und einschneidende Veränderungen, die sich durch die Mutterschaft ergeben haben – Reaktionen auf die Schwangerschaft – Private Unterstützung – Professionelle Hilfeangebote – Zukunftsvorstellungen der jungen Mutter 268 vgl. Lamnek; 1995; S. 76 269 vgl. Witzel; 1982; S. 96 8.3 Vorbereitung der Befragung 133 Mittels der qualitativen Interviews sollen Informationen darüber gewonnen werden, wie sich das Leben der Mutter aus ihrer Sicht durch die neuen Aufgaben und Anforderungen, die sich im Rahmen der Mutterschaft ergeben haben, verändert hat. Darüber hinaus ist das Interesse darauf gerichtet, welche Bedeutung die Mutterschaft im Leben der jungen Frau hat, das heißt wie sie selbst den Eintritt der Schwangerschaft beurteilt. Ein weiterer wichtiger Themenbereich umfasst die Reaktionen aus der Umwelt auf die Schwanger- und Mutterschaft, speziell die des Partners, der Familie und der Freunde der jungen Mutter. Des Weiteren soll im Interview untersucht werden, welche Unterstützung die Mutter aus ihrem privaten Umfeld erhalten hat und welche professionellen Angebote sie in Anspruch genommen hat, um die `Herausforderung Mutterschaft´ besser bewältigen zu können. Die Fragestellung nach den Zukunftsvorstellungen der Mutter rundet den Themenkatalog des Leitfadens ab. Zielgruppenbestimmung und Auswahlkriterien Zugang zum Interviewfeld Der Erstkontakt zur Zielgruppe der vorliegenden empirischen Forschungsarbeit, den minderjährigen Müttern, entstand über Multiplikatoren aus dem Kinder- und Jugendgesundheitsdienst Berlin-Neukölln. Die Vorgehensweise, mit der Hilfe von Sozialarbeitern als "Gatekeeper"270, die sozusagen die Tür zum sozialen Feld geöffnet und konkrete potentielle Interviewpartner benannt haben, Kontakte zu minderjährigen Müttern zu knüpfen, resultiert aus dem schwierigen Zugang zur Untersuchungsgruppe. Da die Vermittler aus dem Kinder- und Jugendgesundheitsdienst sowohl das Vertrauen der zu Interviewenden als auch das der Forscherin genossen, sicherte dieser Zugang auch eine grundsätzliche Vertrauensbasis zwischen Forscherin und Befragten. Die Praxiskontakte der Multiplikatoren trugen wesentlich dazu bei, potentielle Interviewpartnerinnen für das Forschungsvorhaben zu gewinnen. Die Multiplikatoren stellten jeweils den ersten Kontakt her, 8.4 8.4.1 270 Reinders; 2005; S. 139 8 Methodik 134 informierten die Frauen vorab über das Anliegen und gaben die Adressen derjenigen Frauen, die Interesse an einer Teilnahme hatten, an die Forscherin weiter.271 Diese Art der Rekrutierung von Interviewteilnehmerinnen impliziert, dass damit automatisch eine bestimmte Personengruppe fokussiert wurde, nämlich junge Mütter, die allesamt bereits Kontakte zum Kinder- und Jugendgesundheitsdienst hatten, und die alle aus dem Bezirk Berlin-Neukölln stammen. Mit diesem Zugang über "Gatekeeper"272 ist folglich eine Vorselektion und damit das Risiko verbunden, dass die Gruppe der Interviewpartnerinnen sehr homogen ist. Dies kann möglicherweise Auswirkungen auf die Varianz der Interviewpartnerinnen und damit auf die Heterogenität der Aussagen haben.273 Da nicht zuletzt aufgrund des äußerst schwierigen Zugangs zur Untersuchungsgruppe in Kombination mit dem knappen Zeitbudget für die vorliegende Arbeit kein anderer Zugang gefunden werden konnte, wurden dieser Nachteil und das mögliche Risiko, durch den Zugang über "Gatekeeper"274 keine maximale Varianzbreite zu erhalten, in Kauf genommen. Auswahl der Interviewpartnerinnen Abgesehen von der Tatsache, dass alle der befragten jungen Mütter bereits Kontakt zum Kinder- und Jugendgesundheitsdienst hatten und im Bezirk Berlin-Neukölln lebten, wurde bei der Auswahl der zu interviewenden Mädchen darauf geachtet, dass darüber hinaus folgende Merkmale erfüllt waren: Da sich die vorliegende Arbeit mit Mutterschaft bei Minderjährigen beschäftigt, war es hinsichtlich des Erkenntnisinteresses wichtig, dass alle Interviewteilnehmerinnen bei der Geburt des Kindes noch minderjährig waren. Darüber hinaus untersucht die vorliegende Arbeit die Lebenssituation und die möglichen Angebote für junge Mütter, die außerhalb von Mutter-Kind-Einrichtungen leben. Aus diesem 8.4.2 271 vgl. Lamnek; 1995; S. 68 und vgl. Reinders; 2005; S. 139f. 272 Reinders; 2005; S. 139 273 vgl. Reinders; 2005; S. 134ff. und S. 140 274 Reinders; 2005; S. 139 8.4 Zielgruppenbestimmung und Auswahlkriterien 135 Grund war bei der Auswahl der Interviewpartnerinnen darauf zu achten, dass alle Befragten entweder in einer eigenen Wohnung oder noch bei den Eltern beziehungsweise Schwiegereltern lebten, jedoch nicht in einer stationären Einrichtung nach § 19 SGB VIII untergebracht waren. Da das Forschungsinteresse wesentlich dem subjektiven Erleben der Situation als minderjährige Schwangere und Mutter gilt, war es wichtig, dass alle Befragten retrospektiv auf die Schwanger- und Mutterschaft zurückblicken konnten. Die retrospektive Perspektive wurde deshalb gewählt, weil mittels einer Langzeitstudie, bei der die jungen Mütter während der Schwangerschaft, nach der Geburt und nach einiger Zeit der Mutterschaft interviewt worden wären, zwar der Schwerpunkt deutlicher auf die jeweilige Entwicklung hätte gelegt werden können und dadurch Prozesse besser hätten sichtbar gemacht werden können, diese Arbeit aber aufgrund der begrenzten zeitlichen Rahmenbedingungen dieser Diplomarbeit nicht geleistet werden konnte. Aus diesem Grund war ein weiteres Auswahlkriterium, dass die Kinder der minderjährigen Mütter zum Zeitpunkt der Befragung mindestens ein halbes und höchstens drei Jahre alt sein mussten. Mindestens ein halbes Jahr sollten die Kinder deswegen sein, damit alle befragten Mütter schon auf Erfahrungen mit dem Kind zurückgreifen können. Das Höchstalter des Kindes wurde bei 3 Jahren angesetzt, so dass die Geburt bei den Frauen noch nicht so lange zurückliegt und dadurch eine bessere Vergleichbarkeit der Stichprobe gegeben ist. Datenerhebung Kontaktaufnahme Nachdem die Kontaktadressen von jungen Müttern, die den oben genannten Auswahlkriterien entsprachen, vorlagen, begann die telefonische Kontaktaufnahme. Interviewpartnerinnen zu finden, gestaltete sich trotz der Vorkontakte schwierig. Am Anfang lagen acht Kontaktadressen von Frauen, die die obigen Kriterien erfüllten, vor. Nach der ersten telefonischen Kontaktaufnahme, bei der den jungen Müttern das Anliegen, Interesse und das Oberthema des Interviews nochmals genauer erklärt wurde, 8.5 8.5.1 8 Methodik 136 willigten alle Mütter zuerst ein, einige sagten aber dann dennoch ab, als es in einem weiteren Telefonat darum ging, einen Termin für das Interview zu vereinbaren. Zwei Frauen nannten als Grund für die Absage, dass ihr Mann gegen ein Interview und eine Aufnahme sei. Sie konnten auch im ausführlichen, persönlichen Gespräch nicht für eine Teilnahme gewonnen werden. Eine Mutter sagte kurzfristig ihre Teilnahme ab, weil sie aufgrund einer neuen Arbeitsgelegenheit und den parallelen Aufgaben der Kinderbetreuung keine zeitlichen Kapazitäten für ein Interview hatte. Am Ende waren es fünf junge Frauen, die die Auswahlkriterien erfüllten und die gerne bereit waren, an der Befragung teilzunehmen. Mit den jungen Müttern wurde telefonisch ein Ort und die Zeit für das Interview vereinbart. Die Wahl des Ortes war den Müttern überlassen. Alle Mütter baten darum, das Interview bei sich zu Hause durchzuführen. Die Uhrzeit für das Interview orientierte sich ebenfalls an den Möglichkeiten der jungen Mütter – wobei sie gebeten wurden, für das Interview jeweils mindestens eine und höchstens eineinhalb Stunden einzuplanen. Darüber hinaus wurden die Mütter informiert, dass es wichtig sei, das Interview in möglichst ungestörter Atmosphäre führen zu können.275 Pretest Das erste Interview war gleichzeitig der Pretest, in dem der entwickelte Leitfaden getestet wurde. Hier wurde überprüft, ob die Themen und Fragen für die Interviewpartnerin verständlich sind, der Aufbau sinnvoll und logisch ist und alle wesentlichen Themen, die für die Forschungsfrage von Interesse sind, im Leitfaden berücksichtigt wurden.276 Darüber hinaus wurde getestet, ob der geplante Zeitrahmen von etwa 30 Minuten bis höchstens 50 Minuten grundsätzlich eingehalten werden kann. Da der Leitfaden den Pretest hinsichtlich der Umsetzbarkeit bestanden hat, es zu keinen Unstimmigkeiten oder Verständ- 8.5.2 275 vgl. Reinders; 2005; S. 186 276 vgl. Schmidt-Grunert; 1999; S. 48f. 8.5 Datenerhebung 137 nisproblemen kam, wurde dieser ohne weitere Modifikationen für die nachfolgenden Interviews verwandt und auch das erste Interview in die spätere Auswertung einbezogen. Tonbandaufzeichnung Alle Interviews wurden mit Hilfe eines digitalen Aufnahmegerätes aufgezeichnet, um sicherzustellen, dass die Daten gesichert und die Interviews verschriftlicht werden konnten, um dadurch eine bessere Auswertung garantieren zu können. Die digitale Aufnahme ermöglichte es darüber hinaus, während des Interviews die Aufmerksamkeit völlig auf die Interviewführung und die Erzählungen der Interviewten richten zu können.277 Durchführung der Interviews/Setting Die Interviews mit den fünf ausgewählten Frauen wurden im Januar und Februar 2006 durchgeführt. Alle Interviews fanden auf Wunsch der Frauen bei ihnen zu Hause, das heißt im alltäglichen Milieu der Befragten statt. Dies entsprach dem Anspruch der natürlichen Feldsituation und gewährleistete eine vertraute Umgebung und gewohnte Situation für die Interviewpartnerinnen:278 "Durch die gewohnte Umgebung in Verbindung mit dem Befragungsthema, mit dem der Befragte ja sehr vertraut ist … erfährt der Interviewpartner einen Expertenstatus, was ihm das Antworten sehr erleichtert"279. Mit drei der fünf Frauen wurde das Interview völlig allein geführt, bei zwei Frauen waren die Kinder anwesend, weil keine Betreuung organisiert werden konnte. Die vorher vereinbarte Abwesenheit der Ehemänner und Familie war wichtig, um keine verfälschten Angaben zu be- 8.5.3 8.5.4 277 vgl. Witzel; 1982; S. 91 und vgl. Seipel & Rieker; 2003; S. 152f. und vgl. Lamnek; 1995; S. 68 und vgl. Schmidt-Grunert; 1999; S. 43 278 vgl. Lamnek; 1995; S. 68 279 Lamnek; 1995; S. 95 8 Methodik 138 kommen. Die Interviews dauerten zwischen 15 und 45 Minuten, im Durchschnitt 33 Minuten. Die individuellen Besonderheiten jeder Begegnung brachten es mit sich, dass die Interviews von jeweils anderen Stimmungen begleitet waren und in einer jeweils unterschiedlichen Atmosphäre stattfanden. Dennoch erhielten alle Frauen dieselben Informationen und einleitenden Worte zu Beginn des Interviews. Anfangs wurde der Frau erneut das Thema der Befragung genannt, der Ablauf erklärt und mögliche Fragen diesbezüglich beantwortet. Die jungen Frauen wurden hinsichtlich der Aufzeichnung des Gesprächs mit dem Aufnahmegerät aufgeklärt, die Vertraulichkeit und Anonymität wurde allen Frauen schriftlich zugesichert. Die Aufgabe der Interviewerin diesbezüglich war es, Befangenheit und ein mögliches ungutes Gefühl hinsichtlich des Aufnahmegeräts zu thematisieren und während des Interviews für ein angemessenes, vertrauliches und entspanntes Gesprächsklima zu sorgen. Darüber hinaus war es für den Verlauf des Interviews von zentraler Bedeutung, Interesse zu zeigen, der Interviewten aufmerksam und interessiert, respektvoll, zurückhaltend und empathisch gegen- überzutreten und keinerlei eigene Stellungnahmen abzugeben.280 Da sich die Befragten individuell voneinander unterschieden und auch die Interviewsituation jeweils eine völlig andere war, erwies sich die oben bereits thematisierte Entscheidung dafür, Fragen nicht vorzuformulieren, sondern im Leitfaden lediglich relevante Themenbereiche festzuhalten, als sinnvoll. Die Art und Weise der Fragestellung beziehungsweise die spezifische Wortwahl wurde "spontan und unter Berücksichtigung des Sprachniveaus des Gegenübers und in Anknüpfung an den jeweiligen Gesprächsverlauf gestellt"281. Am Ende der Interviews wurde den jungen Müttern für die Teilnahme an der Befragung und für ihre Offenheit bezüglich der Beantwortung der Fragen gedankt. 280 vgl. Lamnek; 1995; S. 65ff. 281 Lamnek; 1995; S. 103 8.5 Datenerhebung 139 Postskript Im Postskript, einem Gedächtnisprotokoll, wurden im unmittelbaren Anschluss an die Interviews zentrale Aspekte und Besonderheiten der Situation, Räumlichkeiten und Störungen, wichtige Stimmungen, der persönliche Eindruck, der während des Interviews entstanden ist, und weitere Gesprächsinhalte, die sich im Anschluss an das Interview ergaben, festgehalten. Diese schriftlich fixierten Rahmenbedingungen des Interviews waren bei der Auswertung und Analyse der einzelnen Interviews im einen oder anderen Fall von Bedeutung und hilfreich.282 Auswertung der Interviews Transkription der Interviews Da die "Voraussetzung für eine adäquate Analyse … die vollständige Transkription des Gespräches"283 ist, wurden sämtliche Aussagen der Interviewerin und der Interviewpartnerinnen vollständig wörtlich transkribiert, um die Interviews in einem zweiten Schritt analysieren und auswerten zu können. Die Interviews wurden nach der Form der literarischen Umschrift verschriftlicht, um auch umgangssprachliche Äußerungen zu erfassen und damit die Authentizität der Kommunikation zu erhalten. Ebenso wurden parasprachliche Handlungen wie beispielsweise Lachen, Räuspern oder Seufzen in der Transkription berücksichtigt. Wenn Wörter oder Satzteile auf der Aufnahme nicht verständlich waren, weil sie zu leise oder zu schnell gesprochen wurden oder aufgrund von Hintergrundgeräuschen nicht identifizierbar waren, wurden diese Stellen mit (…) gekennzeichnet. Die verwendete Orthographie dient vornehmlich dazu, dem Text Struktur zu verleihen und dem Leser durch Sinneinheiten das Lesen zu erleichtern. Alle persönlichen Daten wurden in anonymisierter Form dargestellt – die Namen der vorkommenden Personen verändert. Das im Anschluss an die 8.5.5 8.6 8.6.1 282 vgl. Lamnek; 1995; S. 98f. und vgl. Schmidt-Grunert; 1999; S. 43 und vgl. Witzel; 1982; S. 92 283 Witzel; 1982; S. 90 8 Methodik 140 Transkription durchgeführte "Korrekturhören"284 sollte dazu beitragen, mögliche Übertragungsfehler zu eliminieren. Die Anfertigung der Transkription erfolgte in zeitlicher Nähe zur Interviewführung.285 Verfahren der Datenauswertung: Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring Die vorliegende empirische Untersuchung erhebt aufgrund der kleinen Stichprobe keinen Anspruch auf Repräsentativität im Sinne statistischer Verfahren. Vielmehr sollen die subjektiven Sichtweisen, Einstellungen und Erfahrungen der minderjährigen Mütter im Vordergrund der Betrachtung stehen, Strukturen im Untersuchungsfeld herausgearbeitet und Probleme analysiert werden.286 Dieses Ziel verfolgend wurden die transkribierten Interviews mittels der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring systematisch, regelgeleitet und schrittweise bearbeitet. Mayring unterscheidet im Rahmen der qualitativen Inhaltsanalyse drei Formen: die zusammenfassende Inhaltsanalyse, die explizierende Inhaltsanalyse und die strukturierende Inhaltsanalyse. Die vorliegende Arbeit bedient sich für die Auswertung der geführten Interviews der Methode der strukturierenden Inhaltsanalyse:287 "Ziel der Analyse ist es, bestimmte Aspekte aus dem Material herauszufiltern, unter vorher festgelegten Ordnungskriterien einen Querschnitt durch das Material zu legen oder das Material auf Grund bestimmter Kriterien einzuschätzen"288. Die Strukturierung dient im Rahmen der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring folglich dazu, das empirische Material hinsichtlich bestimmter Kriterien inhaltlich zu strukturieren. In der vorliegenden Arbeit wurden hierzu aus dem transkribierten Material nur die Abschnitte ausgewertet, deren Analyse für die For- 8.6.2 284 Seipel & Rieker; 2003; S. 190 285 vgl. Kowal & O´Connell; 2000; S. 440f. und vgl. Mayring; 2002; S. 89 – 94 und vgl. Reinders; 2005; S. 254f. 286 vgl. Seipel & Rieker; 2003; S. 109f. 287 vgl. Mayring; 1991; S. 211ff. 288 Mayring; 2002; S. 115 8.6 Auswertung der Interviews 141 schungsfrage von besonderer Relevanz ist. Hierfür wurden zuerst grundsätzliche Strukturierungsdimensionen festgelegt, die in einem zweiten Schritt in einzelne Kategorien untergliedert wurden. Mittels der Kategorien wurden die transkribierten Interviews dann strukturiert und in einem zweiten Schritt analysiert. "Das Kategoriensystem stellt das zentrale Element der Analyse dar" 289, denn die Kategorisierung aller Interviews ermöglicht eine bessere Vergleichbarkeit hinsichtlich zentraler Aspekte. Bei der Kategorienbildung wurden in der vorliegenden Arbeit deduktive und induktive Vorgehensweisen kombiniert. Da die Erhebung der empirischen Daten mittels problemzentrierter Interviews erfolgte und damit verbunden ein Leitfaden zum Einsatz kam, war dadurch auch die Auswertung der Interviews bereits vorstrukturiert. Die Themen des Leitfadens bildeten deshalb die Grobstruktur der Analyse und prägten den Prozess der deduktiven Kategorienbildung: "Eine deduktive Kategoriendefinition bestimmt das Auswertungsinstrument durch theoretische Überlegungen. Aus Voruntersuchungen, aus dem bisherigen Forschungsstand, aus neu entwickelten Theorien oder Theoriekonzepten werden die Kategorien … auf das Material hin entwickelt"290. Die folgenden Kategorien wurden demnach deduktiv, das heißt anhand der theoretischen Vorkenntnisse und Überlegungen und anhand der im Interview angesprochenen Themen des Leitfadens entwickelt: Deduktiv entwickelte Kategorien291 K 1 Eigene Reaktion auf die Schwangerschaft K 2 Reaktionen anderer auf die Schwangerschaft K 3 Veränderungen in einzelnen Lebensbereichen K 4 Erhaltene private Unterstützung K 5 Inanspruchnahme professioneller Hilfsangebote K 9 Zukunftsvorstellungen Um dem Prinzip der Offenheit gerecht zu werden, wurden aber auch neue Aspekte und Themen berücksichtigt, die von den befragten Müt- 289 Mayring; 2003; S. 43 290 Mayring; 2003; S. 74f. 291 Die Nummerierung der Kategorien orientiert sich an der Themenreihenfolge, die auch bei der Darstellung der Ergebnisse in Kapitel 9.2 verwandt wird, und ist deshalb hier nicht chronologisch. 8 Methodik 142 tern im Verlauf des Interviews thematisiert wurden und dadurch weitere Kategorien auf induktivem Wege während des Auswertungsprozesses in der Auseinandersetzung mit dem empirischen Material gewonnen: "Eine induktive Kategoriendefinition hingegen leitet die Kategorie direkt aus dem Material in einem Verallgemeinerungsprozeß ab, ohne sich auf vorab formulierte Theoriekonzepte zu beziehen"292. Deduktive Kategorienbildung wurde in der vorliegenden Arbeit durch induktive ergänzt, um größtmögliche Offenheit zu gewähren und Aspekte in die Analyse der Interviews einzubeziehen, die von der Forscherin nicht bedacht wurden. Die Ergänzung der deduktiven Kategorienbildung durch induktive Kategorien ist für die qualitative Inhaltsanalyse generell von Bedeutung, um eine möglichst naturalistische Abbildung des Materials ohne Verzerrungen durch Vorannahmen zu erreichen.293 Die Bildung folgender Kategorien erfolgte deshalb induktiv aus dem empirischen Material, das heißt aus den Inhalten der Interviews heraus: Induktiv entwickelte Kategorien K 6 Kontakte zu anderen minderjährigen Müttern K 7 Konfrontation mit Vorurteilen K 8 Besondere Belastungen Daraufhin wurde das empirische Material systematisch durchgegangen und wichtige Fundstellen und relevante Textpassagen für die einzelnen Kategorien markiert. In einem weiteren Durchlauf wurden relevante Textpassagen des empirischen Materials extrahiert und einer Kategorie subsumiert, das heißt zugeordnet. Bevor es zur Ergebnisaufbereitung und Auswertung kam, erfolgte ein erneuter Materialdurchlauf, um an dieser Stelle – falls erforderlich – die anfangs erarbeiteten Kategorien zu überarbeiten oder neue Kategorien zu bilden.294 Im Anschluss an die Kategorienbildung wurde die Synopse des empirischen Materials, das jeweils zu einer Kategorie gehört, einer interpretativen Analyse unterzogen: 292 Mayring; 2003; S. 75 293 vgl. Mayring; 2003; S. 75 294 vgl. Mayring; 1991; S. 212f. 8.6 Auswertung der Interviews 143 "Das gesamte Kategoriensystem kann in Bezug auf die Fragestellung und dahinter liegende Theorie interpretiert werden"295. Mittels der Kategorien sollen charakteristische Strukturen und Muster herausgearbeitet, Gemeinsamkeiten gesucht und Unterschiede dargestellt werden.296 Das folgende Kapitel widmet sich der Ergebnisdarstellung. So werden in einem ersten Schritt die westlichen Daten der Kurzfragebögen dargestellt, während im zweiten Schritt die Ergebnisse und Erkenntnisse aus den qualitativen Interviews – nach den oben vorgestellten Kategorien geordnet – präsentiert werden. 295 Mayring; 2002; S. 117 296 vgl. Lamnek; 1995; S. 109 8 Methodik 144

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Zusammenfassung

Jedes zehnte Kind weltweit wird von einer Mutter geboren, die selbst noch keine 20 Jahre alt ist. Auch in Deutschland sind Teenagerschwangerschaften ein Thema – eines, das bisher in der sozialpädagogischen Fachdiskussion nur wenig Beachtung gefunden hat. Vor allem die Lebenslagen von jungen Mädchen, die außerhalb von Mutter-Kind-Einrichtungen leben, wurden vernachlässigt. Um diesen weißen Fleck zu füllen, befasst sich Doris Kölbl mit der frühen Mutterschaft – speziell mit der komplexen Lebenslage, in der sich minderjährige Mütter befinden. Sie durchleben einen Spagat: Die eigene Entwicklung zum Erwachsenen und die Anforderungen an eine versorgende und erziehende Mutter fordern besondere Anpassungsleistungen. Werden die bisherigen Hilfeangebote für die Mädchen dieser Herausforderung gerecht? Das vorliegende Buch gibt Anregungen, wie sozialpädagogische Hilfen für junge Mütter gestaltet werden können, um auf deren Lebenssituation als Jugendliche und Mutter adäquat einzugehen und enthält eine Zusammenstellung von relevanten Hilfeangeboten und Kontaktadressen.