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7 Zusammenfassung in:

Doris Kölbl

Wenn Mädchen zu Müttern werden, page 123 - 126

Eine sozialpädagogische Betrachtung

2. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4192-5, ISBN online: 978-3-8288-7089-5, https://doi.org/10.5771/9783828870895-123

Tectum, Baden-Baden
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Zusammenfassung Am Ende der theoretischen Reflektion zu den Lebenslagen minderjähriger Mütter sollen die anfänglich aufgestellten Thesen erneut aufgegriffen werden: 1. Minderjährige Mütter befinden sich in einer Lebenssituation, die sich schwierig gestaltet, weil die komplexen Anforderungen des Jugendalters mit den Anforderungen der Elternschaft zusammentreffen. Dass sich minderjährige Mütter in einer Lebenslage befinden, die sich durch vielschichtige Aufgaben und Anforderungen auszeichnet und die durch das Zusammentreffen von Jugendalter und Elternschaft äu- ßerst komplex ist, hat die Gegenüberstellung zentraler Entwicklungsaufgaben beider Lebensabschnitte in Kapitel 5.3.2 gezeigt. Während Jugendliche mit den zentralen Entwicklungsaufgaben des Jugendalters beschäftigt sind, müssen sie zudem mit der Elternschaft Entwicklungsanforderungen bewältigen, die typischerweise dem Erwachsenenalter zugeordnet werden. So konnte durch die Ausführungen des Kapitels 2, das gezeigt hat, welche Anforderungen sich mit dem Jugendalter verbinden, des Kapitels 3, das die Aufgaben der Elternschaft näher erläutert hat, des Kapitels 4, welches deutlich gemacht hat, welche Konsequenzen es hat, wenn kritische Lebensereignisse, wie die unerwünschte Schwangerschaft und zentrale Entwicklungsaufgaben, wie die des Jugendalters, kollidieren, und durch das Kapitel 5.3.2, das diese zentralen Aufgaben einander gegenübergestellt hat, die These, dass minderjährige Mütter sich in einer komplexen Lebenslage befinden, bestätigt werden. 2. Minderjährige Mütter benötigten zur Bewältigung ihrer Lebenssituation spezielle, zielgruppenspezifische professionelle Hilfen und Beratungsangebote Kapitel 3 hat gezeigt, dass die Qualität der Aufgabenbewältigung rund um die Mutterschaft sowohl von der persönlichen Situation, den Be- 7 123 ziehungen zur Herkunftsfamilie und zu Freunden als auch den sozialen Netzwerken und der Verfügbarkeit professioneller Hilfsangebote abhängt. Die Tatsache, dass es sich bei der Mutterschaft im Jugendalter – wie im Kapitel 4 gezeigt werden konnte – um ein kritisches Lebensereignis handelt, das non-normativ, das heißt "off- time"249 stattfindet und dadurch zusätzlich belastend ist und leicht zur Überforderung der betroffenen Mädchen führen kann, macht bereits deutlich, dass die adoleszenten Mütter bei der Bewältigung des mit der Mutterschaft in Verbindung stehenden Aufgabenkatalogs, der in Kapitel 3 dargestellt wurde, unterstützt werden müssen. Dass vielen der minderjährigen Mütter die Unterstützung durch den Partner fehlt, sie häufig alleinerziehend sind und überwiegend nicht auf die Unterstützung von Freunden zurückgreifen können, macht deutlich, dass diese fehlende Hilfe durch Angebote aus dem professionellen Bereich ausgeglichen werden muss. Denn dort, wo soziale Netzwerke fehlen, ist es Aufgabe der Sozialarbeit, unterstützend tätig zu werden. Minderjährige Mütter benötigen nicht zuletzt auch deswegen professionelle Hilfeangebote bei der Bewältigung der Mutterschaft, um nicht einseitig auf die Hilfe der eigenen Eltern zurückgreifen zu müssen und damit die Gefahr einzugehen, erneut in Abhängigkeit zu geraten und dadurch die Loslösung vom Elternhaus, die im Jugendalter so zentral ist, nicht zu erreichen. Junge Mütter benötigen folglich spezielle Beratungsangebote, die ihre komplexe Lebenssituation im Blick haben und auf ihre Lebenslage zugeschnitten sind. Notwendig sind ganzheitliche Ansätze, die in ihrer Arbeit sowohl das Lebensalter der Mädchen und ihre Bedürfnisse als Jugendliche als auch ihre Mutterschaft und die Bedürfnisse und das Wohl des Kindes berücksichtigen. 3. Vorhandene Angebote reichen nicht aus und müssen weiterentwickelt werden. Vornehmlich das Kapitel 6 hat gezeigt, dass das in Deutschland existierende Angebot für Schwangere und Mütter durchaus sehr differenziert und vielseitig ist, jedoch nur unzureichend auf die spezielle Situation minderjähriger Mütter eingeht. So existiert im gesamten Kinder- und Jugendhilfegesetz nur ein Angebot, das sich spezifisch an junge Mütter wendet. Da diese Hilfeleistung nach § 19 SGB VIII jedoch stationär or- 249 Gloger-Tippelt; 1988; S. 12 7 Zusammenfassung 124 ganisiert ist, schließt auch sie nicht die Bedürfnisse aller minderjährigen Mütter ein, sondern konzentriert sich auf diejenigen, die aufgrund ihrer Persönlichkeitsentwicklung den festen stationären Rahmen benötigen, um sich Kompetenzen zur Erziehung ihres Kindes anzueignen und sich auf ein selbstständiges Leben mit dem Kind vorzubereiten. Für minderjährige Mütter, die in einer eigenen Wohnung oder noch bei den Eltern leben, fehlen jedoch Angebote, die sie in ihrer spezifischen Lebenssituation als junge unerfahrene Mütter unterstützen. Stellt man die Angebote an Beratung der spezifischen Lebenssituation der minderjährigen Mütter gegenüber, kann festgehalten werden, dass bisher sozialpädagogische Hilfen fehlen, die die komplexe Lebenslage der adoleszenten Mütter im Blick haben und diese neben der Mutterschaft und den damit verbunden Aufgaben und Verantwortlichkeiten auch bei folgenden, für die jungen Mütter relevanten Themen, unterstützen: – Hilfe und Orientierung bei Orientierungslosigkeit und Selbstzweifel im Jugendalter – Unterstützung bei der Ablösung von den Eltern – Hilfe und Beratung hinsichtlich der jungen Paarbeziehung – Unterstützung beim Erhalt von Kontakten zu Gleichaltrigen und/ oder dem Aufbau von neuen Kontakten – Unterstützung hinsichtlich der Fortführung von Schule und des Erwerbs von weiterführenden Qualifikationen Beim Vergleich der komplexen Lebenslage minderjähriger Mütter und den möglichen professionellen Hilfeangeboten wurde in Kapitel 6 deutlich, dass es einen Mangel an sozialpädagogischen Hilfeangeboten gibt, die sowohl die zentralen Anforderungen des Jugendalters als auch die Aufgaben der Mutterschaft berücksichtigen. Damit konnte auch die dritte These, nämlich dass es einerseits einen Mangel an adäquaten Hilfsangeboten für minderjährige Mütter gibt und vorhandene Angebote aus diesem Grund weiterentwickelt werden müssen, belegt werden. Alle bisher gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Überlegungen zu den Handlungsempfehlungen für die Praxis ein. Auf die Frage, wie die Unterstützung in den einzelnen Lebensbereichen für minderjährige Mütter aussehen könnte, wird im Kapitel 10 näher eingegangen. 7 Zusammenfassung 125 Zuvor widmet sich die vorliegende Arbeit jedoch in den Kapiteln 8 und 9 der Darstellung der empirischen Untersuchung, die im Rahmen dieser Diplomarbeit durchgeführt wurde. 7 Zusammenfassung 126

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Jedes zehnte Kind weltweit wird von einer Mutter geboren, die selbst noch keine 20 Jahre alt ist. Auch in Deutschland sind Teenagerschwangerschaften ein Thema – eines, das bisher in der sozialpädagogischen Fachdiskussion nur wenig Beachtung gefunden hat. Vor allem die Lebenslagen von jungen Mädchen, die außerhalb von Mutter-Kind-Einrichtungen leben, wurden vernachlässigt. Um diesen weißen Fleck zu füllen, befasst sich Doris Kölbl mit der frühen Mutterschaft – speziell mit der komplexen Lebenslage, in der sich minderjährige Mütter befinden. Sie durchleben einen Spagat: Die eigene Entwicklung zum Erwachsenen und die Anforderungen an eine versorgende und erziehende Mutter fordern besondere Anpassungsleistungen. Werden die bisherigen Hilfeangebote für die Mädchen dieser Herausforderung gerecht? Das vorliegende Buch gibt Anregungen, wie sozialpädagogische Hilfen für junge Mütter gestaltet werden können, um auf deren Lebenssituation als Jugendliche und Mutter adäquat einzugehen und enthält eine Zusammenstellung von relevanten Hilfeangeboten und Kontaktadressen.