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6 Forschungsdesign – zweiter Teil in:

Tobias Schuller

Bewältigung durch Flaschensammeln, page 135 - 148

Eine sozialarbeitswissenschaftliche Betrachtung

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4180-2, ISBN online: 978-3-8288-7075-8, https://doi.org/10.5771/9783828870758-135

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 88

Tectum, Baden-Baden
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135 6 Forschungsdesign – zweiter Teil Wie im Kapitel 5.1 Das Erkenntnisinteresse und dessen Entwicklung bereits angedeutet, handelt es sich beim Vorgehen in dieser qualitativen Arbeit um eine Besonderheit, die der klassischen Vorstellung von quantitativen Forschung als einer hypothesentestenden und qualitativer Forschung als einer rein entdeckenden und somit theoriebildenden Forschungsweise (vgl. Brüsemeister 2008, S. 19; vgl. Flick/Kardorff/Steinke 2015, S. 24) nicht entspricht. Es wurde sich bewusst dafür entschieden, theoretische Vorannahmen über mögliche Bewältigungsgründe in den Forschungsprozess einzubeziehen, da diese Vorannahmen nicht dem Alltagsverständnis des Forschers entspringen, sondern auf bereits erfolgter qualitativer Datenerhebung und -auswertung beruhen. Ich sage Bewältigungsgründe, weil nicht untersucht werden soll ob es sich beim Flaschensammeln überhaupt um eine Bewältigungsstrategie handelt (dies wird als Vorannahme bereits vorausgesetzt), sondern wofür diese genau eingesetzt wird. Hier zeigt sich noch einmal deutlich, dass dem Forschungsinteresse bereits eine Hypothese innewohnt. Trotz allem wurde reflektierend an die Daten herangegangen, immer im Hinterkopf behaltend, dass sich die Vorannahmen durchaus auch als falsch herausstellen können. Bestärkt wurde das Vorhaben einer hypothesenprüfenden qualitativen Forschung vor allem durch zwei Texte: Zum einen durch den Beitrag von Meinefeld im Handbuch „Qualitative Forschung“; in dem er unter anderem darauf hinweist, dass die Annahme, durch das offene Vorgehen komme es bei einem fehlerhaften Vorwissen automatisch zu einer „Korrektur ‚durch das Feld‘“ übersieht, „dass auch die erste Konstitution von Daten bereits eine aktive Leistung der Forschers darstellt, die auf seinem Forschungsinteresse und Vorverständnis aufbaut.“ (Meinefeld 2015, S. 269, Herv. i. O.) Des Weiteren sagt Meinefeld: „Erkenntnisse über soziale Phänomene ‚emergieren‘ nicht aus eigener Kraft, sie sind Konstruktionen des Forschers von Anfang an.“ (ebd.) Zum anderen wurde das Vorhaben durch den Aufsatz „Hypothesenprüfung und qualitative Sozialforschung“ (Hopf 2016, S. 155) von Christel Hopf bestärkt. Forscherinnen, die sich auf Glaser und Strauss berufend dafür aussprechen, sich dem Forschungsfeld „ohne vorab formulierte Theorien, Hypothesen und Konzepte zu nähern“ (ebd.), beachten laut Hopf nicht, dass sich spätestens beim theoretischen Sampling „sehr rasch die Relevanz bestimmter Konzepte und Thesen herausstellt, deren Weiterentwicklung, Präzisierung und Überprüfung dann Gegenstand der weiteren Forschung ist“ (ebd.). In späteren Publikationen bekräftigt Strauss zudem noch, laut Hopf, dass es „unter bestimmten Bedingungen“ durchaus richtig ist, „sich im Rahmen qualitativer Forschung von vornherein an vorliegenden theoretischen Annahmen zu orientieren und zu versuchen, diese zu überprüfen und weiterzuentwickeln“ (ebd., S. 157). Forscherinnen, die sich eine Hypothe- 6 Forschungsdesign – zweiter Teil senprüfung nur „auf der Basis repräsentativer Stichproben“ (ebd.) vorstellen können, hält Hopf entgegen, dass in diesem Punkt „zu wenig zwischen Typen von Hypothesen differenziert“ wird. So gibt es beispielsweise „Hypothesen über singuläre Tatbestände“ (ebd.) oder „Hypothesen zu Eigenheiten von Kollektiven“ (ebd., S. 158), die durchaus auch durch ein qualitatives und offenes Vorgehen überprüft und erweitert werden können. Forschern, die behaupten, „daß der vorgegebene theoretische Rahmen […] die Wahrnehmung und Beobachtungsmöglichkeiten zu stark einschränken könne und auch verhindern könnte, daß die Befragten ihre Relevanzstrukturen und ihre Situationsdefinitionen […] einbringen“ (ebd., S. 157), erwidert Hopf, dass es der Forscherin gar nicht möglich sei, sich völlig von Vorannahmen zu befreien, die ja auch gebraucht werden, um relevantes Datenmaterial von nicht relevantem Datenmaterial zu unterscheiden und dass, nur weil die Gefahr besteht, dem Datensatz ihre eigene Theorie unreflektiert überzustülpen, dieser Fehler nicht automatisch begangen werden müsse. „Es gibt in der Tradition qualitativer Forschung genügend Beispiele dafür, daß es möglich ist, theoretische Annahmen zu überprüfen, widersprechende Fälle zur Kenntnis zu nehmen und die eigenen Annahmen zu verändern.“ (ebd., S. 159) Näheres zu der Umsetzung einer qualitativen Studie mit Vorannahmen wird in Kapitel 6.3 Die Auswertung der erhobenen Daten beschrieben. Für diese Masterarbeit wurden vier Interviews mit flaschensammelnden Menschen geführt. Von diesen Personen waren zwei Rentner und zwei Arbeitslosengeld-II-Empfänger. Menschen einer anderen Geschlechtsidentität konnten nicht für ein Interview gewonnen werden. Der Großteil der Interviews wurde in Köln erhoben. Bei der Fallauswahl wurde zunächst versucht, ein möglichst heterogenes Kontingent an Interviewpartnerinnen zu generieren. Nach ausbleibendem Erfolg wurde die „Auswahl […] über die Zugänglichkeit konstruiert“ (Merkens 2015, S. 288) und jeder interviewt, der Flaschen gesammelt und bereit zu einem Gespräch war. Zur Auswertung durch die qualitative Inhaltsanalyse standen am Ende des Erhebungsprozesses die vorliegenden vier Interviews bereit. Zur Datenerhebung dienten episodische Interviews nach Flick (2011a; 2011b), die den Vorteil haben, dass so gut wie jede in ihnen getätigte Ausführung („Situationserzählungen“, „Repisoden“, „Beispielschilderungen“, „Stereotype“, „subjektive Definitionen“ und „Argumentative Aussagen“ [Flick 2011a S. 38]) als nützlich angesehen werden kann und so ein großer Teil der aufgezeichneten Aussagen als Information verwendet werden konnte. Die Auswertung der Daten erfolgte anhand einer auf die Forschungsfrage und den Umstand der zuvor bestehenden Hypothesen angepassten qualitativen Inhaltsanalyse. Diese ermöglichte es mir sowohl bestehende Hypothesen zu überprüfen als auch neue Hypothesen zu entwickeln und sie meinem Gesamtergebnis hinzuzufügen. 6.1 Das episodische Interview Beim Anwenden des episodischen Interviews handelt es sich um eine „methodeninterne Triangulation“ bei der „innerhalb einer qualitativen Methode verschiedene metho- 136 137 6.1 Das episodische Interview dische Zugänge kombiniert werden.“ (Flick 2011a, S. 27) Hierbei werden „unterschiedliche Zielsetzungen und theoretische Hintergründe“ mit einbezogen, ohne dabei den „Rahmen einer Methode“ zu sprengen (ebd.). Bei dem episodischen Interview wird sich auf die „Gedächtnis- und Wissenspsychologie“ bezogen, in der „zwischen narrativ-episodischem und begrifflich-semantischen Wissen unterschieden“ (ebd., S. 28) wird. „Die erste Wissensform ist stärker auf Situationen, ihren Kontext und Ablauf orientiert. Die zweite Form abstrahiert von Situationen und Kontexten und orientiert auf Begriffe, Definitionen und Relationen. Die erste Form ist eher über Erzählungen zugänglich, die zweite eher über (argumentative) Aussagen. Erzählungen sind in stärkerem Maße kontextsensitiv für den Entstehungskontext von Erfahrungen als andere, etwa semantische Modelle des Wissens. Jedoch bilden sich aufgrund einer Vielzahl von ähnlichen, generalisierbaren Erfahrungen auch Wissensbestände, die von solchen Kontexten stärker abstrahieren, heraus – etwa in Form von Begriffsund Regelwissen. Darin ist […] das Normale, Regelhafte, Routinisierte und damit das über eine Vielzahl von Situationen und Erfahrungen hinweg Verallgemeinerte repräsentiert, das dann im narrativen Wissen seine episodische Konkretisierung und Ausfüllung findet“ (ebd.). Flick sagt, dass „semantisch-begriffliches Wissen […] durch episodische Anteile ergänzt wird“ (ebd., S. 29) und dass „ein zentraler Bestandteil von Wissen und Gedächtnis […] konkrete Situationen mit ihren Bestandteilen – Ort, Zeit, Geschehen, Beteiligte etc.“ (ebd.) sind. Die Begriffe und Definitionen, die unser semantisch-begriffliches Wissen darstellen, sind also maßgeblich von wiederholt erlebten Ereignissen und der Generalisierung des dort Erlebten beeinflusst: Auf diesem Situationswissen im episodischen Wissen bzw. Gedächtnis basiert dann ‚die Generalisierung über konkrete Ereignisse hinweg, die durch Dekontextualisierung aus episodischem Wissen allgemeines Wissen erzeugt, das der Erinnerung an Zeit und Ort verlustig gegangen ist‘ (Strube in Flick 2011a, S. 30). Allgemeines Erfahrungswissen basiert auf der Generalisierung von Wissen, das zunächst situationsbezogen erworben und gespeichert wurde und durch die Übertragung auf andere, vergleichbare Situationen und Erfahrungen bzw. über den Vergleich mit diesen seine situative Spezifität verloren hat, wobei sich allgemeine Begriffe und Regeln ihres Zusammenhanges herausgebildet haben. Beide Formen des Wissens bilden zusammen und einander ergänzend das ‚Weltwissen‘ über einen bestimmten thematischen Bereich“. (ebd., S. 30) Während in der qualitativen Forschung semantisch-begriffliches Wissen eher durch „Leitfadeninterviews“ erhoben wird, in denen „Erzählungen“ zwar mit aufgenommen, jedoch „untergeordnet“ werden, werden „nicht-narrative, sondern eher beschreibende oder argumentative Darstellungsformen“ im „narrativen Interview“ als „Abweichung vom Idealfall“ angesehen und „nur im abschließenden Bilanzierungsteil angesprochen“. 6 Forschungsdesign – zweiter Teil (ebd., S. 30 f.) Flick bezeichnet das episodische Interview als „eine Kombination aus diesen zwei methodischen Zugängen“ (Flick 2011b, S. 273). So soll „eine gezielte Verbindung von Zugängen zu beiden Wissensbereichen“ (Flick 2011a, S. 31) ermöglicht werden. Das episodische Interview erfasst also, wie nachfolgend verbildlicht, sowohl Bestandteile semantisch-begrifflichen Wissens als auch des episodisch-narrativen Wissens, welches Einfluss auf die individuelle Begriffsbestimmung nimmt. „Zentraler Ansatzpunkt dieser Interviewform ist die regelmäßige Aufforderung, Situationen[.] zu erzählen […]. Dabei können auch Ketten von Situationen angesprochen werden […].“ (ebd., S. 31 f.) Als Beispiel könnte hier die Frage nach einer bestimmten Begebenheit beim Flaschensammeln gestellt werden oder – als Beispiel für eine Kette von Situationen – die Frage nach dem „gestrigen Tagesablauf “ und wo dort das Pfandsammeln von Bedeutung war. Auch die Erkundigungen nach „Phantasien“ sind mögliche Fragen, wie zum Beispiel nach Überlegungen einer möglichen zukünftigen Arbeitsmarktentwicklung oder der Frage: „Phantasieren Sie doch mal entsprechende Situationen, an der diese Entwicklung deutlich wird?“ (ebd., S. 32) Doch die Fragen nach dem episodisch-narrativen Wissen bilden nur einen Teil der Interviews. „Neben solchen Erzählaufforderungen bilden Fragen nach subjektiven Definitionen […] und nach abstrakteren Zusammenhängen […] den zweiten großen Komplex, der auf die semantischen Anteile des Wissens abzielt.“ (ebd.) Hier könnte zum Beispiel nach der Eigendefinition darüber gefragt werden, was eine (richtige) Flaschensammlerin ausmacht oder welche Aufgabe das Sozialsystem bei der Verhinderung von Arbeitslosigkeit oder Altersarmut in den Augen der Befragten übernehmen sollte. Flick empfiehlt, Abbildung 5: Wissensbereiche des Alltagswissens im episodischen Interview (Flick 2011a, S. 31) 138 139 6.1 Das episodische Interview zur „Orientierung“ einen Leitfaden mit den wichtigsten Interviewfragen zu erstellen. (vgl. ebd.) Die Datensorten, die man durch das episodische Interview erhält, sind vielseitig. Flick nennt hier beispielhaft Ausschnitte aus seinen geführten Interviews, in denen ihm „Konzepte in Form von Definitionen“ (ebd., S. 34), „Erzählungen – etwa darüber, wie Veränderungen ausgelöst wurden“ (ebd.) oder „Mischformen aus Definition und Erzählungen, wie die Interviewpartnerin diese Definition entwickelt hat“ (ebd., S. 35) erzählt wurden. Auch in Bezug auf die „Situationen“ oder „Episoden“, die von den Interviewten erzählt werden, unterscheidet Flick „verschiedene Typen“. Er nennt hier erstens „[k]on krete Situationen, ein bestimmtes Ereignis, das der Interviewpartner (IP) erlebt hat“ (ebd.), zweitens „sog. ‚Repisoden[.]‘, d. h. regelmäßig wiederkehrende Situationen, die der Interviewpartner erlebt“ (ebd.) und drittens „wird gelegentlich auch auf historische Situationen Bezug genommen“ (ebd., S. 36). Flick spricht nicht nur beim episodischen Interview als solches von einer methodeninternen Triangulation, sondern auch bei den erhobenen Daten von einer „Triangulation von Datensorten“ (ebd., Herv. i. O.), da „die unterschiedlichen Fragetypen von vornherein unterschiedliche Datensorten (Erzählungen, Argumentationen, Begriffsexplikationen etc.)“ (ebd.) hervorrufen und diese „miteinander trianguliert“ werden, auch wenn diese Daten nicht „immer der idealtypisch mit den jeweiligen Fragen bzw. Aufforderungen angestrebten Datensorte ‚Situationserzählung‘“ (ebd.) entsprechen. „Im episodischen Interview werden auf die entsprechende Aufforderung hin erfahrungsgemäß nicht nur die bereits skizzierten Situationstypen präsentiert. Vielmehr präsentieren die Interviewpartner […] häufig auch andere Datensorten, die im Folgenden skizziert und dabei in ihrem Stellenwert diskutiert werden sollen. Dabei handelt es sich um: ■ die erbetenen Situationserzählungen im oben skizzierten Sinne auf verschiedenen Niveaus und Konkretisierungsebenen; ■ die bereits skizzierten ‚Repisoden‘ als regelmäßig wiederkehrende Situationen, die nicht mehr auf einem eindeutigen räumlich-zeitlichen Bezug basieren; ■ von konkreten Situationen abstrahierte Beispielschilderungen, Metaphern, bis hin zu Klischees und Stereotypen[.]; ■ die ebenfalls erbetenen subjektiven Definitionen […]; ■ damit verbunden: argumentativ-theoretische Aussagen, z. B. Explikationen von Begriffen und ihren Zusammenhängen untereinander.“ (ebd., S. 37, Herv. i. O.) 6 Forschungsdesign – zweiter Teil Die erhobenen Datensorten besitzen verschiedene „Niveaus der Konkretheit und des Bezugs zum interviewten Individuum“ (ebd.) was hier – im Gegensatz zu anderen Interviewformen – jedoch bewusst gewollt ist. Von Interesse ist bei dieser Interviewform die „soziale Repräsentation“ weswegen versucht wird, inhaltlich eine „Mischform zwischen individuellem und sozialem Denken und Wissen“ zu erheben. „Im episodischen Interview sind Wechsel zwischen Erzählungen eigenerlebter Situationen und allgemeineren Beispielen und Illustrationen, wenn sie – trotz der Aufforderung zur Erzählung von Situationen – erfolgen, nicht als Verlust an Authentizität oder Validität (wie im narrativen Interview), sondern als zusätzliche Abrundung der Vielfalt der Datensorten, aus denen sich soziale Repräsentationen zusammensetzen, zu sehen. (ebd., S. 37 f.) 6.2 Kontaktaufnahme und Erhebung der episodischen Interviews Nachdem die Fragestellung und das Forschungsinteresse soweit geklärt waren, dass sich über die Datenerhebung durch episodische Interviews Gedanken gemacht werden konnte, wurde zunächst ein Interviewleitfaden in Anlehnung an den von Flick vorgestellten Beispielleitfaden für episodische Interviews erstellt (vgl. Flick 2011a, S. 33). Zunächst wurde ein Termin mit einem bekannten Flaschensammler aus dem vorangegangen Forschungsprojekt vereinbart, um den Leitfaden in einem ersten Probeinterview (siehe Probeinterview im Anhang) auf seine Tauglichkeit zu testen. Das aufgenommene Gespräch wurde transkribiert und der betreuenden Erstprüferin und dem betreuenden Zweitprüfer mit der Bitte um Rückmeldung vorgelegt. Wie sich herausstellte, wies das Interview einige negative Eigenschaften auf. Die Transkription erwies sich als zu genau und war so nur schwer zu lesen, da versucht wurde, jedes Geräusch und jedes Stottern exakt wiederzugeben. Es wurde geraten, für die Transkriptionen „die Literarische Umschrift“ (Höld 2007, S. 660) in weniger strikter Form zu verwenden. Abbildung 6: Datensorten im episodischen Interview (Flick 2011a, S. 38) Argumentative Aussagen subjektive Definitionen Beispielschilderungen Repisoden Situationserzählungen Repisoden Stereotype subjektive Definitionen Argumentative Aussagen 140 141 6.2 Kontaktaufnahme und Erhebung der episodischen Interviews Bei einer literarischen Transkription wird „der Dialekt bzw. die Umgangssprache“ (ebd.) beibehalten, um die „Besonderheiten der gesprochenen Sprache“ (ebd.) zu bewahren. Da jedoch einer der Befragten einen starken rheinischen Dialekt aufwies, wurde sich bei der Transkription der Interviews einer Mischform der literarischen Transkription mit der „Übertragung in normales Schriftdeutsch“ (ebd.) bedient (siehe Transkriptionsregeln im Anhang). Bei der letztgenannten Transkriptionsart wird der „Dialekt bereinigt“ und „Grammatikfehler“ sowie „Satzbau und Stil werden korrigiert […]. Diese Technik wird vor allem dann angewandt, wenn der Inhalt des Gespräches im Vordergrund steht.“ (ebd.) Ein weiteres Problem bestand darin, dass sich beim Befragen des Sammlers strikt an den Fragen des Leitfadens orientiert wurde. Diese wurden zum großen Teil nacheinander vorgelesen, wodurch kein freies Gespräch zustande kam, in dem selbstständige Erzählungen hätten hervorgelockt werden können, auf die der Interviewer nachhakend eingehen hätte können. Auch der erste Leitfadenentwurf als solcher wies einige Mängel auf, die versucht wurden zu beheben und an das Forschungsinteresse anzupassen. Die zuletzt verwendete Version ist im Anhang dieser Arbeit zu finden. In Anbetracht der später für die Auswertung verwendeten Kategorien, die zum Zeitpunkt der Erhebung noch nicht entwickelt waren, wäre eine weitere Anpassung des Leitfadens und eine erneute Datenerhebung wünschenswert gewesen. Aus zeitlichen Gründen war eine weitere Interviewreihe nicht mehr möglich. Dennoch können in der vorliegenden Untersuchung aussagekräftige Ergebnisse präsentiert werden. Dies liegt zum einen in der Eigenschaft qualitativer Forschung begründet, die es einem ermöglicht, aus geringen Datensätzen eine Vielzahl an Erkenntnissen zu generieren (vgl. Brüsemeister 2008, S. 19). Verstärkt wird diese Eigenschaft zum anderen zusätzlich durch die Methode des episodischen Interviews, nach der auch jede andere Datensorte zusätzlich zu der eigentlich „angestrebte[.] Datensorte ‚Situationserzählung‘“ (Flick 2011a, S. 36) als „Abrundung der Vielfalt der Datensorten“ (ebd., S. 37) angesehen wird und somit Verwendung findet. Die Kontaktaufnahme mit flaschensammelnden Menschen, die bereit waren mit mir in einem Interview über ihre Erfahrungen bezüglich des Pfandsammelns zu reden, erwies sich als erheblich schwieriger, als es der Erfolg der teilnehmenden Beobachtung im vorangegangen Forschungsprozess vermuten ließ. Einige Sammlerinnen, die ich auf den Kölner Straßen angesprochen habe, wären bereit gewesen, mich an ihrer Lebenswelt begleitend teilnehmen zu lassen. Als es jedoch darum ging, sich für ein Interview zu verabreden und einen Termin auszumachen oder gar vor Ort ein Gespräch aufzunehmen, zeigten sich alle Sammler vom formellen Charakter eines solchen Interviews abgeschreckt. Einige meinten zwar, sie werden sich melden und nahmen den Zettel mit meiner Telefonnummer an, aber gemeldet hat sich keine der Angesprochenen. Ein gro- ßer Teil der angesprochenen Flaschensammler verfügte zudem über zu geringe Deutschkenntnisse, um für ein Interview in Frage zu kommen. Wahrscheinlich war dieses direkte Vorgehen in diesem Feld nicht sonderlich sinnvoll. Eine erste Phase teilnehmender Beobachtung, in der ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wird, wie ich es mit einigen Sammlern in Braunschweig hatte, hätte vielleicht dazu geführt, dass einige der begleiteten Sammlerinnen irgendwann für eine Interviewaufnahme zur Verfügung 6 Forschungsdesign – zweiter Teil gestanden hätten. Diese Erkenntnis kam mir jedoch erst beim Reflektieren über den Forschungsverlauf gegen Ende der Abgabefrist. Für kommende Forschungsvorhaben im Bereich von von Stigmatisierung bedrohter Gruppen kann sich diese Erfahrung als nützlich erweisen. Ein anderer Versuch, an Interviewpartner zu kommen, bestand darin, schriftliche Aushänge an Plätzen und Orten zu verteilen, die mir als mögliche Anlaufpunkte für Sammlerinnen erschienen (siehe Aushang Flaschensammler*innen im Anhang). Bei diesen Orten handelt es sich um Einrichtungen, die Sozialberatung anbieten, Jobcenter, Einrichtungen der Wohnungslosen- oder Altenhilfe und zentrale Plätze mit viel Publikumsverkehr. Der Text des Aushangs ist relativ lang. Dies wird damit begründet, dass er zum einen mein Vorhaben erklärt und zum anderen ein paar persönliche Informationen von mir preisgibt, die die Scheu vor einer Kontaktaufnahme mindern sollten. Es wird davon ausgegangen, dass wenn der Text die Aufmerksamkeit der Sammlerin erweckt hat, diese auch weiterliest. Eine leicht abgewandelte Version dieses Aushanges wurde auch in einer Gruppe für Bewohner Kölns in einem sozialen Netzwerk verbreitet, jedoch ohne Erfolg. Trotz der Schwierigkeiten bei der Datenerhebung konnten doch vier Interviews geführt werden. Interviewpartner 1 meldete sich telefonisch bei mir, da er den Aushang bei einer Informationsveranstaltung im Parteibüro der Linkspartei gesehen hat. Wir machten einen Gesprächstermin aus und trafen uns am Hauptbahnhof. Das Interview fand im Gastronomiebereich eines großen Warenhauses statt. Interviewpartner 2 saß am Rheinufer mit zwei gefüllten Plastiktüten. Ich sprach ihn mit der Frage an, ob sich in ihnen Pfandflaschen befänden, was dieser bejahte. Ich setzte mich zu ihm und nach einem kurzen Gespräch über das Flaschensammeln und mein Studium willigte er ein, mit mir ein Interview zu führen. Bei einem Besuch in Emden beobachtete ich zufällig Interviewpartner 3. Er ging in einem Park spazieren und sammelte im Vorbeigehen eine Dose ein. Darauf angesprochen, lud er mich zum nächsten Tag zu sich nach Hause ein, wo wir unser Gespräch führten. Das letzte Interview führte ich mit Interviewpartner 4, der mich beim Karnevalsumzug um meine Plastikflasche bat. Er sagte spontan zu einem Interview zu, das wir etwas abseits des Geschehens auf einer Parkbank führten. Eine genauere Beschreibung der Interviewpartner findet sich in den Falldarstellungen in Kapitel 7 Flaschensammeln als Bewältigungsstrategie für … wieder. 6.3 Die Auswertung der erhobenen Daten Aus der vorangegangenen Forschungsarbeit zum Thema Flaschensammeln in Bezug auf Arbeit sowie den Vorgesprächen mit der Erstprüferin und dem Zweitprüfer dieser Arbeit haben sich Hypothesen ergeben, die es zu prüfen galt. Dabei stand ich vor dem Problem, dass mir eine quantitative Erhebung zu diesem Forschungsfeld nahezu unmöglich schien; mir die Möglichkeit einer qualitativen Hypothesenprüfung jedoch nicht bekannt war, da in der Fachliteratur eben meistens nur die „Theoriebildung“ als „Kennzeichen qualitativer Forschungspraxis“ (Flick/Kardorff/Steinke 2015, S. 24) behandelt wird. Durch die Recherche der Literatur zur qualitativen Hypothesenprüfung stieß ich, 142 143 6.3 Die Auswertung der erhobenen Daten wie in Kapitel 6 Forschungsdesign – zweiter Teil ausführlich beschrieben, über einen Beitrag von Meinefeld (2015), aus dem Handbuch Qualitative Forschung, auf den ebenfalls bereits ausführlich behandelten Aufsatz von Hopf (2016), der als Legitimation für ein Forschungsvorgehen wie es in dieser Arbeit ausgeführt wird dient. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie eine solche von Hopf beschriebene qualitative hypothesenprüfende Untersuchung in der Forschungspraxis umgesetzt und dargestellt werden kann, wurde der Blick auf die Ausführungen rund um das Forschungsvorgehen von Hopf, Rieker, Sanden-Marcus und Schmidt, in der Studie „Familie und Rechtsextremismus“ (1995), in der qualitativ mit theoretischen Vorannahmen geforscht wurde, gerichtet. Da sich jedoch die Fragestellung, das Forschungsfeld und das methodische Vorgehen von meinem Forschungsvorhaben unterschieden, war mir die Studie nur indirekt eine Hilfe. Denn ich wurde durch die an der Untersuchung beteiligte Forscherin Schmidt auf einen ihrer Beiträge aufmerksam, der mich wieder an den Ausgangspunkt meiner Recherche brachte: Das Handbuch Qualitative Forschung. Hier schreibt Schmidt einen Beitrag zur Auswertung von Leitfadeninterviews, „die sich im Rahmen von Forschungsansätzen bewährt hat, die einen offenen Charakter des theoretischen Vorverständnisses postulieren, jedoch nicht auf explizite Vorannahmen […] und den Bezug auf Theorietraditionen verzichten […].“ (Schmidt 2015, S. 447 f.) Schmidt bezieht sich bei der anschließenden Darstellung ihrer Interviewanalyse auf die gemeinsame Rechtsextremismusforschung mit Hopf, Rieker und Sanden-Markus, erwähnt jedoch auch die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring, die die Grundlage für die Auswertung der in dieser Forschung erhobenen Daten darstellt. Denn auch nach Mayring lassen sich durch qualitative Analysen Theorien und Hypothesen prüfen. „Die Überprüfung von Theorien und Hypothesen, üblicherweise Vorrecht quantitativer Methodik mit experimentellem oder korrelationsstatistischem Ansatz, ist auch innerhalb qualitativer Analyse möglich. Die Rolle qualitativer Analysen bei der Theoriekonstruktion und bei der Aufklärung der Richtung von Kausalität von Hypothesen wurde bereits angesprochen. Auf diesem Wege sind natürlich auch bereits fertige Theorien oder Kausalitätsannahmen kritisierbar, überprüfbar. Vor allem aber bei der Überprüfung raum-zeitlich unbeschränkter Theorien, allgemeiner Gesetzesbehauptungen – lange Zeit das Ideal wissenschaftlicher Forschung – können qualitative Analysen wichtig werden. Bereits ein einziger Fall kann eine Aussage widerlegen, falsifizieren. Dies kann die Basis sein für eine Einschränkung oder Umformulierung der Theorie bzw. Hypothese.“ (Mayring 2015, S. 25)98 Bei der in dieser Arbeit angewendeten qualitativen Inhaltsanalyse handelt es sich um eine strukturierende Inhaltsanalyse. Dabei werden die Textabschnitte aus den Inter- 98 Wie das Zitat zeigt, wäre mir viel Recherche- und Lesearbeit erspart geblieben, hätte ich als ersten Schritt direkt den Griff zu Mayrings Werk getan. Und doch bietet diese Zielerreichung auf Umwegen mehrere Vorteile: 1. durch das Lesen der diversen Texte konnte neues Wissen gewonnen werden, 2. der Aufsatz von Hopf (2016) bietet eine argumentativ sehr starke Legitimation für das methodische Vorgehen in dieser Arbeit und 3. konnte dieses Kapitel mit einem einleitenden Exkurs eröffnet werden, der anschaulich aufzeigt, wie sich in der Wissenschaft Erkenntnis manchmal in kleinen Schritten von einem Text zum nächsten einstellt. 6 Forschungsdesign – zweiter Teil views, die für die jeweilige Fragestellung relevant sind, gesondert bearbeitet und strukturiert. „Diese Struktur wird in Form eines Kategoriensystems an das Material herangetragen. Alle Textbestandteile, die durch die Kategorien angesprochen werden, werden dann aus dem Material systematisch extrahiert.“ (ebd., S. 97) Dieses Kategoriensystem wird deduktiv, also aus theoretischen Vorannahmen heraus, entwickelt. Im vorliegenden Fall entstanden diese deduktiven Kategorien aus der Kombination der in den Voruntersuchungen herausgearbeiteten Bestandteile moderner Arbeit und den Erkenntnissen aus der Copingforschung. Die Idee dahinter ist, dass, wenn das Pflegen sozialer Kontakte, das Generieren von Geld, das Entwickeln einer Berufsidentität et cetera immanente Bestandteile moderner Berufsarbeit sind, dann beim Verlust einer Arbeit, durch Kündigung oder Rente, auch ein Verlust dieser Eigenschaften von Arbeit in Form von Stressoren auftreten müsste. Da das Flaschensammeln nach den Ergebnissen der ersten Untersuchung, unter bestimmten Umständen, die gleichen Eigenschaften wie Arbeit aufweisen kann, müssten folglich die entstandenen Stressoren bewältigt werden können. Damit man die deduktiven Kategorien auf das Material anwenden kann, man also die richtigen Materialbestandteile den passenden Kategorien zuordnet, empfiehlt Mayring folgendes Vorgehen: 1. Das Definieren von Kategorien, damit man genau nachvollziehen kann, „welche Textbestandteile unter eine Kategorie fallen.“ (ebd.) 2. Das Herausfiltern von „Ankerbeispiele[n]“ aus dem Text. 3. „Kodierregeln“ erstellen, die eine genaue Zuordnung bei „Abgrenzungsproblemen“ zulassen. (vgl. ebd.) Diese drei Kodierhilfen, können in einem Kodierleitfaden dargestellt und so während der Analyse zurate gezogen werden (vgl. ebd., S. 111). Zunächst wurden die vier transkribierten Interviews zwecks Tauglichkeitsprüfung der fünf vorbestimmten, theoriebasierten Kategorien durchgegangen. Bei diesen Kategorien handelt es sich um Flaschensammeln als Copingstrategie für: Geldmangel, eine beschädigte Berufsidentität, soziale Isolation, Sinnverlust und Strukturverlust. Hierbei wurden bereits zwei Dinge festgestellt: Zum einen, dass die Kategorien so nicht greifen und noch zu undifferenziert sind. Deswegen wurde jede dieser Kategorien noch einmal in drei Unterkategorien unterteilt. Zum anderen zeichnete sich schon beim ersten Lesen von Fall D, eine weitere Kategoriengruppe ab – Verlust der Bindung zum ehemaligen Arbeitgeber – die auch aus drei Unterkategorien besteht. Die drei Unterkategorien bilden den Intensitätsgrad ab, in dem das Flaschensammeln als geeignete Copingstrategie jeweils in Erscheinung tritt: von hoch über mittel bis schwach/gar nicht. Diese achtzehn Kategorien bildeten die Grundlage für den Kodierleitfaden (siehe Kodierleitfaden, Anhang99). Mayring unterscheidet verschiedene Formen strukturierender Inhaltsanalyse, die abhängig vom jeweiligen Ziel der Forschung eingesetzt werden. Für die Fragestellung dieser Arbeit erwies sich die „inhaltliche Strukturierung“ als angemessenes Analyseverfahren. „Ziel inhaltlicher Strukturierungen ist es, bestimmte Themen, Inhalte, Aspekte aus dem Material herauszufiltern und zusammenzufassen. Welche Inhalte aus dem 99 Im Verlauf der Analyse wurden immer wieder kleinere Veränderungen und Anpassungen am Kodierleitfaden vorgenommen. Bei dem Leitfaden im Anhang handelt es sich um die Endversion. 144 145 6.3 Die Auswertung der erhobenen Daten Material extrahiert werden sollen, wird durch theoriegeleitet entwickelte Kategorien und (sofern notwendig) Unterkategorien bezeichnet. Nach der Bearbeitung des Textes mittels des Kategoriensystems […] wird das in Form von Paraphrasen extrahierte Material zunächst pro Unterkategorie, dann pro Hauptkategorie zusammengefasst. Dabei gelten die Regeln der Zusammenfassung […].“ (Mayring 2015, S. 103) Nachdem also der Kodierleitfaden bereitstand, wurden alle Interviews durchgelesen und die jeweils passenden Textstellen zu einer Kategoriengruppe wurden markiert. Für die deduktive Kategorienanwendung wurde die Software MAXQDA zur Hilfe genommen. Im Anschluss daran wurden die markierten Textstellen zusammengefasst und alle Interviews wurden erneut mit Blick auf die nächste Kategoriengruppe durchgelesen. Diese zusammenfassende Inhaltsanalyse läuft wie in Abbildung 7 dargestellt ab. Im ersten Durchgang der Zusammenfassung werden die zuvor markierten Textstellen zunächst einmal paraphrasiert und somit auf ihren direkten Inhalt hin gekürzt. „Im nächsten Schritt wird das Abstraktionsniveau der ersten Reduktion bestimmt aufgrund des vorliegenden Materials. Alle Paraphrasen, die unter dem Niveau liegen, müssen nun verallgemeinert werden […].“ (ebd., S. 71) Es findet also eine „Generalisierung“ der Paraphrasen statt. Paraphrasen mit gleicher Aussage können gestrichen, „unwichtige und nichtssagende Paraphrasen weggelassen werden“ (ebd.). Nun werden die übriggebliebenen „Paraphrasen zusammengefasst und durch eine neue Aussage wiedergegeben“ (ebd.). In einer zweiten Zusammenfassung (Abbildung 8) kann das Abstraktionsniveau noch weiter erhöht werden. In der vorliegenden Arbeit wurde die erste Zusammenfassung genutzt, um die verschiedenen Einzelfälle getrennt voneinander darzustellen, während durch den zweiten Durchgang der Zusammenfassung verallgemeinernde induktive Kategorien gebildet wurden, die generelle Aussagen zu dem Thema Flaschensammeln als Copingstrategie in Bezug auf die jeweilige deduktive Oberkategorie zulassen (siehe erster und zweiter Durchgang der Zusammenfassung im Anhang und Kapitel 7). Mit der Fertigstellung der zusammenfassenden Inhaltsanalyse ist zugleich auch die inhaltliche Strukturierung des Datenmaterials beendet. 6 Forschungsdesign – zweiter Teil Abbildung 7: Ablaufmodell zusammenfassender Inhaltsanalyse (Mayring 2015, S. 70) 1. Schritt 2. Schritt 6. Schritt 7. Schritt 3. Schritt 4. Schritt 5. Schritt Bestimmung der Analyseeinheiten Paraphrasierung der inhaltstragenden Textstellen (Z1-Regeln) Zusammenstellung der neuen Aussagen als Kategoriensystem Rücküberprüfung des zusammenfassenden Kategoriensystems am Ausgangsmaterial Bestimmung des angestrebten Abstraktionsniveaus Generalisierung der Paraphrasen unter diesem Abstraktionsniveau (Z2-Regeln) erste Reduktion durch Selektion, Streichen bedeutungsgleicher Paraphrasen (Z3-Regeln) zweite Reduktion durch Bündelung, Konstruktion, Integration von Paraphrasen auf dem angestrebten Abstraktionsniveau (Z4-Regeln) Ein Schritt bei großen Mengen 146 147 6.3 Die Auswertung der erhobenen Daten Zusammenfassung pro Hauptkategorie 1. Schritt 2. Schritt 7. Schritt 8. Schritt 9. Schritt 10. Schritt 3. Schritt 4. Schritt 5. Schritt 6. Schritt Bestimmung der Analyseeinheiten Theoriegeleitete Festlegung der inhaltlichen Hauptkategorien Überarbeitung, gegebenenfalls Revision von Kategoriensystem und Kategoriendefinition Paraphrasieren des extrahierten Matierials Zusammenfassung pro Kategorie Bestimmung der Ausprägungen (theoriegeleitet) Zusammenstellung des Kategoriensystems Formulierung von Definitionen, Ankerbeispielen und Kodierregeln zu den einzelnen Kategorien Materialdurchlauf: Fundstellenbezeichnung Materialdurchlauf: Bearbeitung und Extraktion der Fundstellen Abbildung 8: Ablaufmodell inhaltlicher Strukturierung (eigene Darstellung nach Mayring 2015, S. 98 u. 104)

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Flaschensammelnde Menschen begegnen einem an den unterschiedlichsten Orten im öffentlichen Leben. Man trifft sie an Bahnhöfen, in Einkaufspassagen oder bei Veranstaltungen wie etwa Fußballspielen oder Konzerten. Dieses Phänomen ist inzwischen so im gesellschaftlichen Alltag verwurzelt, dass das Abstellen leerer Flaschen neben dem Mülleimer eine selbstverständliche Handlung darstellt.

Tobias Schuller erweitert dieses in der bisherigen Forschung noch recht unbetretene Feld um den sozialarbeitswissenschaftlichen Blick. So erschließt er aufbauend auf bisherigen Ergebnissen einen neuen Pfad. Dabei werden in diesem Buch nicht allein Fragen in Bezug auf das Phänomen Flaschensammeln beleuchtet. Durch eine kritisch reflektierte Auseinandersetzung mit dem aktuellen Arbeitsbegriff in der kapitalistischen Leistungsgesellschaft geht Tobias Schuller der grundlegenden arbeitssoziologischen Fragestellung nach unserem gegenwärtigen Verständnis von Arbeit nach. Des Weiteren liefern die umfangreichen forschungspraktischen Beschreibungen, die ausführlichen methodologischen Passagen und der offene Umgang mit den erhobenen Daten erkenntnisreiche Informationen für Forscher*innen und Forschungsinteressierte, die sich mit diversen qualitativen Methoden beschäftigen.

Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Sylke Bartmann, Prof. Dr. paed. Carsten Müller und Prof. Dr. Martina Weber (Hochschule Emden/Leer).