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Übersetzungsvorschläge in:

Alexander G. Flierl

Diplomatenrecht als Soft Power des Heiligen Stuhls, page 241 - 248

Rolle und Einfluss der Apostolischen Nuntien als Doyens

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4181-9, ISBN online: 978-3-8288-7072-7, https://doi.org/10.5771/9783828870727-241

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Rechtswissenschaften, vol. 106

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
241 Übersetzungsvorschläge Übersetzungsvorschlag 1 (lat.): „[…] aufgrund göttlicher Anordnung mit dem Charakter einer moralischen Person ausgestattet.“ ÜV 2 (lat.): Wo es eine Gemeinschaft gibt, da gibt es [auch] ein Gesetz. ÜV 3 (lat.): Das Recht, Bündnisse und Verträge zu schließen ÜV 4 (ital.): „Italien erkennt die völkerrechtliche Souveränität des Heiligen Stuhls an […]“ ÜV 5 (ital.): „[…] als seiner Natur entsprechendes Attribut, in Übereinstimmung mit seiner Tradition und mit den Erfordernissen seiner Mission in der Welt.“ ÜV 6 (ital.): „seiner Natur entsprechend“ ÜV 7 (ital.): „[…] wechselseitige rechtliche Anerkennung einer faktisch nicht mehr veränderbaren Situation.“ ÜV 8 (lat.): „Der Papst besitzt das angeborene und unabhängige Recht, seine Gesandten zu ernennen und sie zu den Teilkirchen in den verschiedenen Nationen oder Regionen wie auch zugleich zu den Staaten und öffentlichen Autoritäten zu entsenden, desgleichen sie zu versetzen oder abzuberufen, allerdings unter Wahrung der Normen des internationalen Rechts, soweit es die Entsendung und Abberufung von Gesandten bei den Staaten betrifft.“ 242 ALEXANDER G. FLIERL: NUNTIEN ALS DOYENS ÜV 9 (ital.): „In Zusammenhang mit der Ihm auch auf internationaler Ebene zukommenden Souveränität, erklärt der Heilige Stuhl, dass Er sich der weltlichen Konkurrenz zwischen den Staaten und auf internationalen Kongressen enthalten will und wird, es sei denn, die Streitparteien appellieren einvernehmlich an Seine Friedensmission, wobei Er sich in jedem Fall vorbehält, von Seinem moralischen und spirituellen Einfluss Gebrauch zu machen.“ ÜV 10 (ital.): „Mit der Abwicklung von Geschäften oder der Vertretung bei einem anderen [Souverän] Beauftragte.“ ÜV 11 (ital.): „fester und dauerhafter Gesandter, dem von seinem Entsender die Abwicklung von Geschäften übertragen wird.“ ÜV 12 (lat.): „Wir wünschen, dass Du solange bleibst und [mit Deiner Tätigkeit] fortfährst, bis wir Dich über den Widerruf [Deiner Vollmacht] unterrichten.“ ÜV 13 (franz.): „Kein Individuum, ob es Nuntius, Legat, Vikar, oder Apos to lischer Kommissar genannt werde, oder über eine andere Bezeichnung verfüge, darf auf französischem Boden, oder im Ausland, ohne [staatliche] Autorisierung, jedwede Funktion betreffend der Angelegenheiten der Gallikanischen Kirche übernehmen.“ ÜV 14 (franz.): „Jeder Bedienstete einer Religionsgemeinschaft, der mit einem ausländischen Hof oder einer ausländischen Macht, Korrespondenz über religiöse Fragen oder Materien führt, ohne vorab den kaiserlichen Kultusminister darüber informiert und dessen Erlaubnis erhalten zu haben, wird, alleine für diesen Tatbestand, mit einer Geldstrafe von hundert bis fünfhundert Francs und einer Freiheitsstrafe von einem Monat bis zu zwei Jahren bestraft.“ ÜV 15 (franz.): „Ausschließlich Botschafter, Legaten und Nuntien sind repräsentativen Charakters.“ ÜV 16 (ital.): „Den Gesandten Seiner Heiligkeit bei ausländischen Regierungen werden auf dem Territorium des Königreichs bei der Abreise zu und der Rückkehr von den Orten ihrer Missionen die üblichen völkerrechtlichen Vorrechte und Immunitäten garantiert.“ 243 ÜBERSETZUNGSVORSCHLÄGE ÜV 17 (ital.): „Die Gesandten ausländischer Regierungen bei Seiner Heiligkeit genießen im Königreich alle Vorrechte und Immunitäten die gemäß internationalem Recht di plo matischen Agenten zustehenden. Auf deren Beleidigung erstrecken sich die strafrechtlichen Sanktionen gegen Beleidigungen ausländischer Gesandter bei der italienischen Regierung.“ ÜV 18 (ital.): „Italien erkennt das aktive und passive Gesandtschaftsrecht des Heiligen Stuhls gemäß der allgemeinen Regeln des Völkerrechts an.“ ÜV 19 (ital.): „Die Gesandten ausländischer Regierungen beim Heiligen Stuhl genießen weiterhin auf dem Territorium des Königreichs alle Vorrechte und Immunitäten, die di plo matischen Agenten nach internationalem Recht zustehen und ihre Missionssitze dürfen weiterhin auf Italienischem Staatsgebiet verbleiben, wobei auch diesen weiterhin die Immunität zukommt, welche ihnen aufgrund des Völkerrechts geschuldet ist, selbst wenn ihre [Entsende-]Staaten keinerlei di plo matische Beziehungen zu Italien unterhalten.“ ÜV 20 (ital.): „Die Di plo maten und Gesandten des Heiligen Stuhls, die Gesandten und Di plo maten ausländischer Regierungen beim Heiligen Stuhl und Würdenträger der Kirche, welche sich vom Ausland in die Vatikanstadt begeben und mit von den Päpstlichen Vertretern im Ausland überprüften Ausweisdokumenten ihres Herkunftsstaates ausgestattet sind, dürfen ohne das Erfordernis weiterer Formalitäten das italienische Staatsgebiet überqueren, um in die Vatikanstadt zu gelangen.“ ÜV 21 (ital.): „Selbstverständlich verpflichtet sich Italien, immer und in jedem Fall, die freie Korrespondenz aller, auch im Kriegszustand befindlicher, Staaten mit dem Heiligen Stuhl und umgekehrt zu gewährleisten.“ ÜV 22 (ital.): „Als Folge der anerkannten Souveränität und unbeschadet der Bestimmungen des nachstehenden Art. 19, genießen die Di plo maten des Heiligen Stuhls und die Kuriere des Pontifex Maximus auf dem italienischen Staatsgebiet, auch in Kriegszeiten, dieselbe Behandlung, die Di plo maten und Kurieren ausländischer Regierungen gemäß der Normen des Völkerrechts zustehen.“ 244 ALEXANDER G. FLIERL: NUNTIEN ALS DOYENS ÜV 23 (ital.): „Die hohen Vertragsparteien verpflichten sich, miteinander normale di plo matische Beziehungen einzugehen, indem ein italienischer Botschafter beim Heiligen Stuhl und ein Apos to lischer Nuntius bei Italien akkreditiert werden, wobei letzterem, gemäß des vom Wiener Kongress mittels Erlass vom 09. Juni 1815, anerkannten Gewohnheitsrechts, das Dekanat des Di plo matischen Corps übertragen wird.“ ÜV 24 (franz.): „Dieser Artikel lässt die Übung unberührt, die ein Empfangsstaat hinsichtlich des Vorranges des Vertreters des Heiligen Stuhls angenommen hat oder künftig annimmt.“ ÜV 25 (lat.): „[…] haben Wir beschlossen, die folgenden Normen über das Amt der Päpstlichen Gesandten zu erlassen, und gleichzeitig [alle] Normen aufzuheben, die zu diesen in Widerspruch stehen.“ ÜV 26 (lat.): „Wir schicken Unsere Gesandten zu den höchsten Autoritäten [all jener] Staaten, in welchen die Katholische Kirche verwurzelt, oder in irgendeiner Weise präsent ist.“ ÜV 27 (lat.): „[…] damit die große menschliche Hoffnung auf Frieden zwischen den Nationen, auf innere Ruhe der einzelnen Staaten und auf den davon abhängenden Fortschritt endlich Wirklichkeit werde.“ ÜV 28 (lat.): „Zu einigen von diesen [Internationalen Organisationen] haben Wir dauerhaft bestellte Gesandte geschickt, um das Interesse der Kirche an dem allgemeinen Problem des zivilen Lebens zu zeigen und die Hilfe der Zusammenarbeit anzubieten.“ ÜV 29 (ital.): „In Zukunft wird Päpstlichen Vertretern, denen der Empfangsstaat den gesetzlichen Vorrang im Di plo matischen Corps verweigert nicht mehr der Titel eines Apos to lischen Pronuntius verliehen, sondern ihnen wird ebenso die Bezeichnung Apos to lischer Nuntius übertragen, auch wenn ihnen keine Präzedenz zugestanden wird.“ ÜV 30 (lat.): Der Heilige Stuhl unterliegt keinem Urteil ÜV 31 (lat.): „Ausgenommen des Rechts auf Eheschließung ist der Sitz der päpstlichen Gesandtschaft von der Leitungsgewalt des Ortsordinarius exemt.“ ÜV 32 (lat.): „Der Päpstliche Gesandte ist befugt, nach möglichst vorheriger Unterrichtung des Ortsordinarius, in allen Kirchen seines Zuständigkeitsgebietes, auch mit den bischöflichen Insignien, Gottesdienste zu feiern.“ 245 ÜBERSETZUNGSVORSCHLÄGE ÜV 33 (lat.): „Es [das Amt des Päpstlichen Gesandten] endet aber mit der Erfüllung des Auftrags, mit der dem Gesandten mitgeteilten Abberufung, sowie mit dem vom Papst angenommenen Amtsverzicht.“ ÜV 34 (lat.): „Unbeschadet gegenteiliger Bestimmung des Pontifex, ist die Allgemeine Regelung der Römischen Kurie, welche das Ruhestandsalter auf 75 Jahre festlegt, auch auf den Päpstlichen Gesandten anzuwenden.“ ÜV 35 (lat.): „Sofern nicht gegenteiliges im päpstlichen [Ernennungs-]Schreiben festgelegt ist, endet das Amt des Päpstlichen Gesandten nicht mit der Sedisvakanz.“ ÜV 36 (ital.): „Nach Entfallen ihrer Eigenschaft als Subjekt der Souveränität des Heiligen Stuhls, werden die im vorhergehenden Absatz erwähnten Personen, soweit sie im Rahmen des italienischen Gesetzes, unabhängig von den vorgenannten tatsächlichen Umständen, nicht als Inhaber einer anderen Staatsangehörigkeit anzusehen sind, in Italien ohne weiteres als italienische Staatsbürger betrachtet.“ ÜV 37 (lat.): „[Zu den Aufgaben eines Päpstlichen Gesandten gehört es], mit den Bischöfen zusammenzuarbeiten, damit günstige Beziehungen zwischen der Katholischen Kirche und anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften, sowie mit den nicht-christlichen Religionen gefördert werden.“ ÜV 38 (lat.): „In seiner Eigenschaft als Gesandter des Obersten Hirten der Seelen, soll der Päpstliche Vertreter in Übereinstimmung mit den Anweisungen, die er von den Zuständigen Büros des Heiligen Stuhls erhält und in Abstimmung mit den Ortsbischöfen, insbesondere mit den Patriarchen der östlichen Gebiete, günstige Kontakte zwischen der Katholischen Kirche und den anderen christlichen Glaubensgemeinschaften pflegen und herzliche Beziehungen mit den nicht-christlichen Religionen fördern.“ ÜV 39 (lat.): „Ein Päpstlicher Gesandter, welcher zugleich eine Vertretung bei Staaten gemäß den Normen des Völkerrechts ausübt, hat auch die besondere Aufgabe, das Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und den staatlichen Autoritäten zu fördern und zu pflegen;“ ÜV 40 (lat.): „Insbesondere legt er die Fürsorge des Römischen Pontifex für das Wohl des Landes, in welchem er seine Mission erfüllt aus […]“ 246 ALEXANDER G. FLIERL: NUNTIEN ALS DOYENS ÜV 41 (lat.): „Hauptaufgabe eines Päpstlichen Gesandten ist es, die Bande der Einheit, welche zwischen dem Heiligen Stuhl und den Teilkirchen bestehen, fortwährend zu stärken und wirksamer zu gestalten. Zur Aufgabe eines Päpstlichen Gesandten gehört es deshalb im Rahmen seines Wirkungskreises, sich darum zu bemühen, dass die den Frieden, den Fortschritt und das gemeinsame Streben der Völker betreffenden Angelegenheiten gefördert werde;“ ÜV 42 (lat.): „[…] insbesondere soll er sich mit Eifer um die Fragen des Friedens, des Fortschritts und der Zusammenarbeit der Völker, im Hinblick auf das spirituelle, moralische und materielle Vermögen der gesamten Menschheitsfamilie bemühen.“ ÜV 43 (lat.): „[…] sich in besonderer Weis mit Konkordaten und anderen Vereinbarungen dieser Art zu befassen, sofern solche abzuschließen und zur Durchführung zu bringen sind.“ ÜV 44 (lat.): „Bei der Ausübung der in § 1 beschriebenen Tätigkeiten darf der Päpstliche Gesandte, wenn die Umstände es nahelegen, es nicht unterlassen, die Beurteilung und den Rat der Bischöfe des kirchlichen Wirkungsbereichs einzuholen und sie über die Entwicklung der Angelegenheiten zu unterrichten.“ ÜV 45 (lat.): „Der Römische Pontifex hat kraft seines Amtes nicht nur die Gewalt über die Gesamtkirche, sondern er besitzt auch über alle Teilkirchen und deren Verbände den Vorrang ordentlicher Gewalt, durch den zugleich die eigenberechtigte, ordentliche und unmittelbare Gewalt gestärkt und gestützt wird, welche die Bischöfe über die ihrer Obhut anvertrauten Teilkirchen innehaben.“ ÜV 46 (ital.): „Dem Heiligen Stuhl liegen die großen Fragen der Menschheit am Herzen: darum versucht er in Internationalen Organisationen vertreten zu sein.“ ÜV 47 (ital.): „Der wahre Frieden ist nicht das Ergebnis einer, sozusagen, arithmetischen Gleichheit der Stärke, sondern, in seinem letzten und tieferen Sinn, ein moralisches und juristisches Unterfangen.“ ÜV 48 (franz.): „[…] die Übung, die [ein Empfangsstaat] angenommen hat oder künftig annimmt.“ 247 ÜBERSETZUNGSVORSCHLÄGE ÜV 49 (ital.): „[…] nicht nur in Staaten mit einer Bevölkerungsmehrheit katholischer Konfession, sondern auch in jedem anderen Staat, der gewillt ist, diese Regel anzuwenden.“ Übersetzungsvorschlag 50 (nach MAYR-SINGER, MÜLLER, VILLOTTI, Essentials Völkerrecht): Art. 8 WDK: „(1) Die Mitglieder des di plo matischen Personals der Mission sollen grundsätzlich Angehörige des Entsendestaats sein. (2) Angehörige des Empfangsstaats dürfen nur mit dessen Zustimmung zu Mitgliedern des di plo matischen Personals der Mission ernannt werden; die Zustimmung kann jederzeit widerrufen. (3) Der Empfangsstaat kann sich das gleiche Recht in bezug auf Angehörige eines dritten Staates vorbehalten, die nicht gleichzeitig Angehörige des Entsendestaats sind.“

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Zusammenfassung

In ihrer Eigenschaft als diplomatische Vertreter des Heiligen Stuhls genießen die Apostolischen Nuntien ein außerordentliches völkerrechtliches Privileg: Gemäß Wiener Diplomatenrechtskonvention steht es den Empfangsstaaten frei, die Päpstlichen Gesandten gegenüber allen übrigen Botschaftern bevorzugt zu behandeln und sie kraft Gesetzes zum Oberhaupt des Diplomatischen Corps – zum sog. ­Doyen – zu ernennen. Diese häufig angewandte Sonderregelung trägt zur global wirkenden Soft Power des Heiligen Stuhls bei und fügt sich in dessen Strategie einer subtilen Form moderner Machtausübung ein. Vor diesem Hintergrund macht es sich die vorliegende Arbeit zur Aufgabe, den Vorrang der Apostolischen Nuntien aus rechtsgeschichtlicher, völkerrechtlicher und kanonischer Perspektive zu beleuchten, seine Wirkungsweise im System der internationalen diplomatischen Beziehungen zu erörtern und seinen Einfluss auf die weltpolitische Bedeutung des Heiligen Stuhls – insbesondere im Rahmen seiner Friedenspolitik – zu analysieren. Dabei kommt auch der derzeitige Doyen des Diplomatischen Corps bei der Bundesrepublik Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, in einem Exklusivinterview zu Wort. Das Werk bietet einen umfassenden Überblick an der wichtigen Schnittstelle zwischen Völkerrecht, Politik und Religion.