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Vorwort in:

Kristin Rudersdorf, Saskia Schomber, Florian Sommerkorn (Ed.)

Der Mythos vom Mythos, page v - viii

Interdisziplinäre Perspektiven auf das Mythische in Künsten und Wissenschaften

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4108-6, ISBN online: 978-3-8288-7067-3, https://doi.org/10.5771/9783828870673-v

Series: Beiträge des Gießener Studierendenkolloquiums, vol. 5

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Vorwort „Welche Funktion, welche Realität, [...] hat jeweils >Mythisches< in nicht-mehr-mythischer Zeit?", fragt der Herausgeber Manfred Fuhrmann in der Einleitung des vierten Bandes der Veröffentli chungen der Forschergruppe Poetik und Hermeneutik aus dem Jahr 1971. Dieselbe Frage stellt sich noch 44 Jahre später den Teil nehm erinnen des 5. Gießener Studierendenkolloquiums. Impli zit ist ihrem Tagungsthema zudem die zweifelnde Frage: Gibt es wirklich eine Zeit, die als „nicht-mehr-mythisch" zu bezeichnen ist? Ob 1971 oder 2015, man sieht sich bei der Reflexion auf solche Fragen mit den „Grenzzonen mythischen Denkens", von denen Fuhrmann zu sprechen fortfährt, konfrontiert; Grenzen, an de nen der Mythos-Begriff „ständig in Gefahr [ist], sich aufzulö sen". Eben dies ist das zentrale Thema der hier versammelten Beiträge: Was bezeichnen wir im 21. Jahrhundert in Forschung, Literatur und Populärkultur als Mythos? Wie tragfähig ist dieser Begriff und mit welchen Voraussetzungen wird er gebraucht? Schließlich: Welche Rolle spielt der Mythos - früher und heute? Das Bedürfnis nach einer Aktualisierung dieser Debatte bleibt bestehen, wie die engagierten Teilnehm erinnen eines Stu dierendenkolloquiums, das unter der Organisation der „Initia tive Gießener Studierender zum Erwerb interdisziplinärer Schlüsselqualifikationen" (IGNIS) im April 2015 stattfand, zei gen. IGNIS, im Jahr 2005 gegründet, kann zu diesem Zeitpunkt schon auf eine zehnjährige Tradition zurückblicken. Ziel der Ini tiative ist es, im Rahmen solcher Kolloquien Studierenden und jungen Promovierenden ein Forum zu bieten, um früh wissen schaftliche Arbeitsabläufe zu testen und in einer Weise eigen ständig zu arbeiten, die ihnen durch das modularisierte Studium oft verwehrt bleibt. Dies beinhaltet die Vorbereitung eines wis senschaftlichen Vortrags mit eigenen Thesen und Themen schwerpunkten sowie die Präsentation, Diskussion und später überarbeitete Publikation desselbigen. Die Idee von IGNIS ba siert darauf, dass es sich von Studierenden an Studierende rich tet und auf Augenhöhe stattfindet. Der Wunsch, interdisziplinär zu arbeiten und einen Austausch über die Fächergrenzen hinaus zu ermöglichen, steht dabei im Vordergrund. Nach diesem Grundsatz haben bereits vier Kolloquien geis teswissenschaftliche Fragestellungen unter interdisziplinären vi Perspektiven betrachtetet: „Wo die Liebe hinfällt... - AMORali sche Liebeskonzeptionen in der europäischen Geistesge schichte" (2005), „Vom Wettstreit der Künste zum Kampf der Medien - Medialitätsdiskurse im Wandel der Zeiten" (2006), „Habt euch müde schon geflogen? Reise und Heimkehr als kul turanthropologische Phänomene" (2009) sowie „Ich lese, also bin ich. Medien der Schriftlichkeit und ihre Rezipienten im Wandel" (2012). Nach einer erneut dreijährigen Pause fand vom 24. - 26. April 2015 das 5. Gießener Studierendenkolloquium unter dem Titel „Der Mythos vom Mythos - Interdisziplinäre Perspektiven auf das Mythische in Künsten und Wissenschaften" statt. Wie bereits angedeutet, stand für die Organisatoren nicht nur die Omniprä senz des Konzepts „Mythos" in der europäischen Geistesge schichte, sondern auch die Allgegenwärtigkeit des Begriffs bis in die eigene Gegenwart im Zentrum. Das gemeinsam erklärte Ziel der Teilnehmenden war es nicht, zu einer homogenen Definition des Begriffs „Mythos" zu gelangen, sondern im Gegenteil viele unterschiedliche Ansätze und deren Reichweite aufzuzeigen. Eine Abschlussrunde konnte trotz aller Unterschiede gemein same Linien und den synergetischen Mehrwert eines interdiszip linären Blicks auf ein großes Thema hervorheben. Ihre Lebenskraft bezieht eine Initiative wie IGNIS aus der ge meinsamen Arbeit und dem Zusammenschluss von Kräften. So bleibt im Rückblick auf das Kolloquium, dessen Organisation und Durchführung eine große Freude war, vor allem den Insti tutionen und Menschen zu danken, die dies ermöglicht haben. Zuerst zu nennen sind dabei die Justus-Liebig-Universität Gie ßen, die die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat, sowie die Gießener Hochschulgesellschaft und die Maria-und-Dr.- Ernst-Rink-Stiftung, bei denen wir uns sehr herzlich für die fi nanzielle Unterstützung bedanken möchten, durch die sie das Kolloquium und die hier vorliegende Publikation erst möglich gemacht haben. Unser Dank gilt zudem den erfahrenen Ratge berinnen und engagierten H elferinnen des Instituts für Alter tumswissenschaften in Gießen: Zuerst Herrn Professor Peter von Möllendorff (Griechische Philologie) und Herrn Professor Hel mut Krasser (Lateinische Philologie), die nicht nur in pragmati schen Fragen jederzeit ein offenes Ohr und einen Rat hatten, son dern auch ein Quell der Motivation waren. Ein besonderer Dank gilt Frau Professor Susanne Gödde (Berlin), die das Kolloquium vii nicht nur durch ihren Abendvortrag „Athen und Theben. Antike Gründungsmythen im Spannungsfeld von Ideologie und Sub version", sondern auch durch ihre engagierte Teilnahme an den Diskussionen enorm bereichert hat. Wir bedanken uns ebenfalls bei all jenen Organisatorinnen vergangener IGNIS-Tagungen, die uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite standen, darunter be sonders bei Helge Baumann, Anna-Lena Körfer und Wiebke Nierste. Für Unterstützung bei der Bearbeitung des vorliegen den Bandes danken wir zudem Nazim Diehl. Ein letzter, aber keineswegs geringerer Dank geht an alle sichtbaren und unsicht baren H elferinnen, die uns entlang des Weges unterstützt oder Beiträge zum Buffet geliefert haben, um auf diese Weise das leib liche Wohl der Anwesenden sicherzustellen. Unser spezieller Dank gilt hierbei unseren unermüdlichen Unterstützerinnen im Hintergrund des Tagungswochenendes, Elisabeth Horz und Theda Thies. Gießen, März 2019 Kristin Rudersdorf Saskia Schomber Florian Sommerkorn

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Zusammenfassung

Weltentstehungen, Götter und Heroen – unter dem Begriff ‚Mythos‘ verstehen wir heutzutage verschiedene Dinge. Mit ihm verbinden wir sowohl Erzählungen über das Werden und Vergehen urzeitlicher Welten als auch Geschichten über alltägliche Ereignisse und Menschen aus Vergangenheit und Gegenwart. Obwohl ‚Mythos‘ seit Jahrhunderten als ein zentrales Konzept in kultur- und literaturtheoretischen wie auch philosophischen Diskursen fungiert, ist die semantische Vielfalt des Begriffes erst seit wenigen Jahrzehnten in den Debatten der Geisteswissenschaften präsent. Der Mythos – ein Mythos?

Der vorliegende Sammelband widmet sich dem Mythos in interdisziplinärer Perspektive. Dabei problematisieren die Autor*innen das Mythische epochenübergreifend in all seinen Facetten, indem sie grundlegende Fragen stellen: Was bezeichnen wir als ‚Mythos‘? Wozu benötigen wir Mythen? In welcher Beziehung stehen sie zu unserer Lebenswelt? Und: Gibt es eine Zeit ohne Mythos?