Manfred Jendryschik, Totgesagt. Vor der Hoffnung und vom Schwachsinn in:

Hermann Haarmann, Anne Hartmann (Ed.)

"Auf nach Moskau!", page 103 - 118

Reiseberichte aus dem Exil

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4115-4, ISBN online: 978-3-8288-7066-6, https://doi.org/10.5771/9783828870666-103

Series: kommunikation & kultur, vol. 8

Tectum, Baden-Baden
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103 Manfred Jendryschik Totgesagt. Vor der Hoffnung und vom Schwachsinn Lunatscharski fragte mich unlängst: „Warum kommen Sie nicht mal nach Russland?“ Ich sagte darauf: „Weil ich fürchte, dass ich dann den Wunsch hätte, dort zu bleiben.“ Alfred Kerr, 1933 Ich hatte bisher nur die faulige Luft der untergehenden Weimarer „Demokratie“ geatmet und dann den Blutgeruch des Hitlerstaates. Endlich… sah ich zum ersten die Werktätigen nicht als Erniedrigte und Verfolgte, sondern als Herren ihres eigenen Landes … ein Daseinsgefühl, nämlich das der machtgeschützten Sicherheit. Trude Richter, 1934 Anfang der achtziger Jahre traf ich in der damaligen Deutschen Bücherei Leipzig einen Schriftstellerkollegen, der mich neugierig machte auf ein Buch in der Handbibliothek, und das war Hans Albert Walters Asylpraxis und Lebensbedingungen in Europa, und natürlich war das Spannendste in diesem umfangreichen Band der Teil über die sowjetische Praxis. Ich las 104 Manfred Jendryschik über die Situation im Hotel Lux und wie da einer nach dem anderen verschwand und wie es besonders in den deutschsprachigen Zeitungs- und Zeitschriften-Redaktionen zuging und in den Emigrantenkreisen insgesamt, wie die Wohn- und die Verständigungsverhältnisse sich anließen und wie die Beziehungen der einfachen Parteimitglieder zu den Spitzenfunktionären usw. usf. Deutlich ist mir eine Erinnerung von 1937: wenn am Montagvormittag, sagen wir: um elf Uhr, ein Kollege eine Redaktionsstube betrat und etwas mit einem bisher hier sitzenden Mitarbeiter besprechen wollte, der aber noch nicht da war und sich auch nicht abgemeldet hatte, so begriff man längst: der ist am Wochenende abgeholt worden, der taucht nie wieder auf, und niemand antwortete dem Fragesteller, niemand kannte ihn, hatte je von ihm gehört – eine Situation, die sich Kafka erdacht hatte, oder Orwell (deswegen durfte 1984 auch nie in die DDR eingeführt werden). Und wenn im Hotel Lux plötzlich der Nachbar nicht mehr zu begrüßen war, so wusste jeder irgendwie Bescheid, und es gab um Gottes willen kein Nachfragen, denn Derjenige machte sich ja sofort selbst verdächtig. Und so fragte Alfred Kurella, der große Literaturdogmatiker, nicht nach, als sein Bruder verhaftet wurde, und es fragten die sowjetischen Politbüro-Mitglieder, die mit Stalin am Tisch saßen, nicht nach, wenn ihre Frau abgeholt worden war. Und das Erniedrigendste blieben jene Parteiversammlungen, in denen die Namen der sogenannten Volksfeinde bekanntgegeben wurden, und es hatten sich alle Genossen von ihm zu distanzieren. Und da sie zum Teil neidisch waren auf den Österreicher Hugo Huppert, und abhängig von ihm, dem stellvertretenden Chefredakteur, der schon 1930 in die SU gekommen war, fielen sie sogleich über den Verdächtigen in Großbeschimpfungen her; als der aber, und das ist einer der seltenen Fälle, nach vierzehn Monaten erneut an der Erdoberfläche auftauchte und in seine alte Stelle wieder eingesetzt wurde und Herr darüber war, was gedruckt wird und was nicht, krochen alle vor ihm und bekannten, dass sie ihn schon immer für einen feinen Kerl gehalten und nie an ihm gezweifelt hatten. Andererseits wurde Derjenige, der den einstigen Chefredakteur der Roten Fahne trotz der Einkassierung für einen guten Genossen hielt, dann selbst zu einem Abwesenden. Und es waren 105 Totgesagt da auch Herbert Wehners Memoiren in Auszügen zitiert, wie er nachts zur Lubjanka gefahren wurde und eine Mischung von Gespräch und Verhör stattfand, dieses Instrumente-Zeigen, und am nächsten Morgen wurde der Kandidat des Politbüros wieder in sein Quartier gebracht. (Dass Stalin Dimitroff und Pieck durch Unterschrift an den Todeslisten ihrer Genossen beteiligte, fand ich da noch nicht.) Ich las und las, drei Stunden, vier Stunden, und irgendwann blickte ich auf, und ich war so in dieser Atmosphäre gefangen, dass ich nicht glauben konnte, dass man mich das alles einfach so lesen lässt, ich vermutete in den oberen Ecken des Lesesaals Kameras, die mich beobachten, und mir wird nachher, am Ausgang, unter die Arme gegriffen und ich werde in ein schnell wegfahrendes Auto gestopft. Zweitens: Dieses Buch war 1972 erschienen, und selbstverständlich musste es in der DDR verdammt werden, sieben Jahre später in dem Reclam-Machwerk Exil in der UdSSR, eines von sieben Büchern zur Emigranten-Situation in den entscheidenden Ländern der Welt während des sogenannten Dritten Reichs. Dieses fleißig zusammen getragene Konvolut, über weite Strecken im Parteichinesisch verfasst, noch dazu von acht Autoren, Sekundärliteratur über Sekundärliteratur, versteht sich als Dokumentation, aber wie soll etwas dokumentiert werden, wenn der Blick auf die Realitäten, auch 23 Jahre nach dem XX. Parteitag der KPdSU, noch immer voller Tabus, den Intellekt beleidigenden verbalen Ausweich- Manövern bleibt. Mir ist nur ein ähnlicher Fall bekannt: vergleichen Sie mal die Auslegungen des Hohelieds Salomo durch die katholische und die evangelische Theologie – es ist komikstrahlend. Ähnlich dumpfbakkig das Wegdrücken der Fakten, zu denen man sich ohne Not hätte bekennen können; es gab aber in der DDR-Geschichts„wissenschaft“ keine Hunger-Periode durch die Zwangskollektivierung, der Mord an Stalins Konkurrent Kirow blieb unerklärlich, die Moskauer Prozesse fanden nie oder nicht so statt, das Auslöschen des Leninschen Politbüros und Zentralkomitees hat es nicht gegeben, ebenso nicht die Vernichtung des Generalstabs der Armee und von Teilen des Offizierskorps (die andere Variante: es war notwendig), das Zusatzprotokoll des Stalin-Hitler-Pakts und die Aufteilung Polens ist eine Lüge, ebenso die gemeinsame Truppenparade in 106 Manfred Jendryschik Brest-Litowsk, die Ermordungen in Katyn westliche Propaganda wie das Warten der Roten Armee am jenseitigen Weichselufer, bis der Warschauer Aufstand zusammenkartätscht war, der stets latente Antisemitismus, das Verschleppen ganzer Völkerschaften wie der Wolgadeutschen und der Tataren, das Wort Lager, geschweige denn Konzentrationslager, galt als blanke Hetze und dass die Lager-Welt Anfang der fünfziger Jahre noch anschwoll auf zweieinhalb Millionen Häftlinge und vierhunderttausend Wachsoldaten. Und in diesem Buch wird das Verschwinden mit Todesfolge deutscher emigrierter Kommunisten manchmal in einen (Neben-) Satz geträufelt oder, wie im Falle der auf vielen Seiten erwähnten Hans Günther und Trude Richter, gar nicht. Natürlich musste deshalb Hans Albert Walter abgebürstet werden. Nachdem man gestand, dass bisher das Asylland Sowjetunion weder insgesamt noch in Teilbereichen von östlicher Seite untersucht worden war, wurde jeder Bericht aus dieser Zeit bei Walter als der von Renegaten gleich Antikommunist gleich Kalter Krieger diffamiert und abgetan und nie gefragt, warum denn Einer als Fan verloren ging. Für Jarmatz & Co. musste dies zwangsläufig „zu einem verzerrten Bild führen […] Walter wendet sich nicht konsequent den Quellen zu, die zur Aufhellung der Wirklichkeit beitragen können; er gerät auf das Feld der Mutmaßungen“. Das ständige Abwiegeln der Verbrechen des stalinistischen Systems formulierte sich so: Auch die Emigranten wurden von den Verstößen gegen die sozialistische Gesetzlichkeit und gegen die Leninschen Normen des Parteilebens betroffen. Diese tragische Seite schuf unter den Antifaschisten manche Unsicherheit […]. Darüber berichtet Hugo Huppert, freilich aus der individuellen Perspektive [aus welcher denn sonst? M.J.]. Zweifellos fügten die Folgen des Personenkults dem Sozialismus und der Arbeiterbewegung Schaden zu. Doch selbst bei den Betroffenen kam es nicht, abgesehen von wenigen Ausnahmen, zur Lockerung ihrer tiefen emotionalen Bindung an den Sozialismus, an den ersten sozialistischen Staat. Wenn wohl auch manches unerklärlich blieb, so ahnten sie doch, was heute Gewissheit ist: die Verstöße gegen die sozialistische Gesetzlichkeit entsprangen weder ursächlich der sozialistischen Gesellschaft, noch konnten sie die Natur des Sozialismus entstellen […]. Trotz der ein- 107 Totgesagt getretenen Schwierigkeiten gestaltete die KPdSU konsequent nach wie vor verbunden mit den Werktätigen die sozialistische Gesellschaft […]. Die geschichtliche Gesetzmäßigkeit setzte sich durch. (Was für eine schein-marxistische Analyse!) Dem Buch ist einzig zugute zu halten, dass es mitunter Entwicklungen wie das Entstehen der Zeitschrift Das Wort lebendig auszumalen weiß, dass es sich von der verhängnisvollen Stalinschen Formel vom Sozial-Faschismus der deutschen Sozialdemokraten distanziert und versucht, dem damals noch als Konterrevolutionär klassifizierten philosophierenden Literaturwissenschaftler Georg Lukács Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Aber da, wo ein großer Ansatz, wie etwa das Einladen / das Herbeieilen westeuropäischer Architekten und -Gruppen, wenige Jahre später zum Desaster wird (grob gesagt: wo Bauhaus vom Zuckerguss übertölpelt wird), zeigt sich die Darstellung merkwürdig wortkarg, und wir müssen uns zusammenreimen, warum schon ab 1935 Ausländer von den Wettbewerben ausgeschlossen wurden und spätestens 1937 alle abgereist waren oder, wie Baumeister Tolziner, verhaftet. Mit dem Stalinismus und seinen Voraussetzungen und osteuropäischen Ausweitungen hat man sich in der DDR nie auseinander gesetzt. Im Herbst 1989 resümierte der einstige Résistance-Kämpfer Harald Hauser, sie, die Kommunisten, hätten halt nie ein Verhältnis zur Demokratie gehabt. Und wie soll das Fehlen von Demokratie in einer Diktatur debattiert werden, aber nur ein demokratisches Regelwerk hätte ein paranoides Monstrum wie Stalin stoppen können. So aber war, wenn überhaupt, verschleiernd von Personenkult die Rede und von einigen Fehlern und Ungesetzlichkeiten, aber nie vom Prinzipiellen, von der möglichen grundsätzlichen Kriminalität. Ein Faktor, der dem real existierenden S. bis zum Schluss anhing. (Und wo mal linkes Denken und Tun mit der Demokratie sich zusammenzufinden suchten, wie etwa bei Lumumba und Allende, da wussten die USA und Verbündete die Angelegenheit im Keim zu ersticken.) Das Fatalste am Stalinismus dürfte sein, dass niemand so viele Kommunisten umbrachte, so viele gläubige Anhänger, so viele Stalinisten auch. Drittens: Das Hin- und Hergerissensein zwischen Nicht-Begreifen-Können und -Wollen dieses Riesenmechanismus der gezielten Erniedrigungen 108 Manfred Jendryschik und der zeitweiligen erschütternden Klarsicht bis zum Suizidversuch (die Ausschussware Strick, reißend, versagte den Schluss) ist der Widerspruch in Trude Richters Buch Totgesagt. Ihr Mann, der Nationalökonom, Philosoph und Literaturkritiker Hans Günther war als Vertreter des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller schon 1932 nach Moskau berufen worden, sie folgte 1934, als sie vor der Verhaftung durch die Nazis stand. Günther war einer der öffentlichen Gesprächs- und Wider-Partner u.a. von Lukács, er verfasste eine als wesentlich (ein)geschätzte, umfangreiche Analyse der Hitlerschen Ideologie (unter dem Titel Der Herren eigener Geist bekannt geworden), und als das Manuskript endlich Dimitroff erreichte, ordnete der eine sofortige Drucklegung in vier Sprachen an, das Buch lag 1935 auf den Plätzen der Delegierten des Komintern-Kongresses, er bekam Dankschreiben von Feuchtwanger und Heinrich Mann. Trotzdem wurden beide eines Nachts im Jahr 1936 verhaftet, er vermutlich, weil er zur Beurteilung der Nazi-Literatur Kampfgefährten mitlesen ließ, sie, weil sie an ihm dran hing (man muss das so böse sagen: „Wo du hingehst, da will auch“ – aber nein, liebe Frauen, jeden Falles nicht in ein Land mit derartiger Sippenhaft: Herwart Waldens Frau flüchtete sich samt Tochter in die deutsche Botschaft, Autorin Maria Osten wurde erschossen, Schauspielerin Carola Neher starb gefangen, Erich Mühsams Witwe, auf Werkpflege hoffend, bekam fast zwanzig Jahre Haft (wie Trude Richter), und das Perfideste: nach dem Pakt wurden Hitler von Stalin unterwürfig als rituelle Geschenke, wie etwa tausend weitere Emigranten, die Gefährtin des Schriftstellers Ernst Ottwalt und Margarete Buber-Neumann bei Brest-Litowsk hinüber gereicht, von einem Lager in das andere, von einer Hölle in die nächste – 1943 gehörten sie alle zu einer „Mannschaft der Witwen“. –Ich erfuhr von dem „Geschenk-Paket“ zum ersten Mal vor über fünfzig Jahren von Wolf Biermann.) In der Stunde der Not versprachen Hans Günther und Trude Richter einander, der Sache (dem Gauben) treu zu bleiben, was auch passiert. Nach Monaten ohne Verhör in einer Großzelle des Butyrka-Gefängnisses (sie sah dort auch Frau Ottwalt und die große Neher) wird ihr, wie nebenbei, während einer Massenabfertigung durch ein Schalterfenster mitgeteilt, dass 109 Totgesagt sie zu fünf Jahren Besserungs-Lager wegen Trotzkismus verurteilt ist, und als sie aufbegehren will, bedeuten ihr die anderen Frauen, dass sie das als unsolidarisch empfänden, sie hätte doch eine Kinderfrist erwischt, freu dich lieber, wir haben alle acht, zehn oder fünfzehn Jahre gekriegt und sind auch nicht schuldiger als du. Ein Vierteljahr später landen Günther und sie in einem Durchgangslager in Wladiwostok, dort sieht sie ihn das letzte Mal: Als ich … auf den öden Vorplatz hinaustrat … tauchte plötzlich vor mir ein langes Gespenst auf, umschlottert von einer weißen Drillichhose, in einem groben, offenen Hemd, das die Rippen des Brustkorbs sehen ließ. Das Skelett trug eine Hornbrille, und seine Augen blickten mich an aus tiefen Höhlen wie aus einem Totenschädel. Er öffnete weit die Arme gleich einem Gekreuzigten und wollte mir entgegengehen. Doch der Wachsoldat trat mit gefälltem Bajonett zwischen uns beide. Niemand sprach ein Wort. So langsam wie möglich schritt ich rückwärts zum Lagertor der Männerzone, den Blick fest auf H. G. gerichtet, bis mich der Soldat hinaustrieb. Sie kommt in das Kolymaer Gebiet um Magadan herum und in verschiedene Lager – das ist da, wo das asiatische Festland endet und das Ochotskische Meer beginnt – die Amerikaner würden sagen: Es ist noch nicht das Weltende, aber der Punkt, von dem aus man es sehen kann. Trude Richter muss verstehen, dass es unter den Gefangenen Abhängigkeiten / Netzwerke gibt und dass sie als Deutsche und Intellektuelle die Unprivilegierteste unter allen ist, dass sie aber überleben kann (im Gegensatz zum sogenannten Dritten Reich gab es unter Stalin keine ausgesprochenen Vernichtungslager, bis auf den NKWD-Befehl Nr. 00447 von 1937, der die willkürliche Hinrichtung von 10.000 Personen befahl – es gab im „Eifer des Gefechts“ die Planübererfüllung von mehr als 30.000 Opfern (Schlögel gibt noch eine weit höhere Zahl an) – so waren die Häftlinge für die Sklavenarbeit bei der Entwicklung der heroisch genannten Großbauten des Kommunismus gedacht.) 1940 erfuhr Trude Richter, dass ihr Mann zwei Jahre zuvor elendig krepiert ist. Beim Wegräumen von Baumstämmen überkommt sie dann ein derartiger Schmerz, dass es aus ihr wie 110 Manfred Jendryschik irrsinnig zu singen beginnt und sie allmählich erblindet, für einen Tag. „Niemand“, heißt es da, „wagte, mit mir zu sprechen. Auch in der Baracke ließ man mich in Ruhe.“ Im Buch wird das nicht so deutlich, doch sie rechnete mir einmal vor, wie ihre zwanzig Jahre Sibirien zustande kamen: die ersten fünf Jahre also für Trotzkismus, das bedeutet: für nichts; im Entlassungsjahr 1941 überfiel Deutschland die SU, und man konnte eine Deutsche nicht einfach so frei herumlaufen lassen, demnach weitere fünf Jahre; 1946 war die Sowjetunion so zerstört, dass eine Deutsche beim Wiederaufbau mithelfen musste, und sei es ab 1947 nicht mehr im Lager, sondern in der Verbannung mit eigener Unterkunft, ständig wechselnd zwischen dem Beruf der Theatergarderobiere und Pianistin. Umso deprimierender, dass sie 1949 erneut verhaftet wird und nach Monaten der Ungewissheit ihr in einem Verhör durch einen jungen unsicheren unwissenden Leutnant nicht nur konterrevolutionäre Tätigkeit vorgehalten wird, sondern u.a., dass Hitler den Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller finanziert haben soll. Das ist ein solcher Schwachsinn, dass selbst sie stumm wird; dann fragt sie, ob man zweimal für dieselbe Sache angeklagt werden könne. –„Kann man nicht“, sagt der Leutnant, und darum komme sie ja auch nicht noch einmal ins Lager, sondern in die unbefristete Verbannung. Zu dieser Welt des Absurden gehört, dass sie die Frauen im Gefängnis mit dem Nacherzählen von Stendhals Kartause von Parma zu trösten suchte und mehrere Leidensgenossinnen begeistert riefen: „Ach, Gertrude, was für ein Glück, dass sie dich zum zweiten Mal verhaftet haben!“ Andererseits weigerte sich eine Kindergartenleiterin, die, wie sie sagte, „deutsche Faschistin“ über die Schwelle ihrer Einrichtung zu lassen. Auch Stalins Tod veränderte, vorerst, ihre Situation nicht, und sie notierte sich vier Punkte zum Thema „Glück“: 1. „Ich will nicht frieren! Jahrelang gezwungen, bei minus vierzig bis fünfzig Grad schlecht genährt und ungenügend bekleidet den ganzen Tag im Freien zu verbringen, habe ich erfahren, wie der Frost im Handumdrehen sämtliche Gedanken und Gefühle ausschaltet und das ganze menschliche Wesen auf ein jämmerliches zitterndes Fleischklümpchen reduziert, um dann auch dieses zu 111 Totgesagt vernichten.“ 2. (ich mach es kürzer) Sie will nicht mehr hungern, 3. eine Arbeit, die ihren Kräften entspricht, 4. „Man soll mich in Ruhe lassen!“ (Das heißt: Sie will sich allen Zudringlichkeiten, allen Anpassungen verweigern dürfen; sie kann nicht mehr). Dies dürfte für eine Frau, die einmal die Welt im marxistischen Sinne prinzipiell verändern wollte, das Niederschmetterndste einer Lebensbilanz sein. – Nachdem frühere Hilfeersuchen an Wilhelm Pieck und Johannes R. Becher abgefangen wurden und, wie sie sehen musste, in ihrer Haft-Akte gelandet waren, schrieb sie im Juli 1956 noch einmal, diesmal an Anna Seghers, und sie bekam relativ schnell eine Antwort, und es begann, was sie ihre Auferstehung nannte (Jahre später, auf ihre schier immerwährende Schönheit angesprochen, soll sie gesagt haben, sie wäre auch lange genug im Kühlschrank gewesen.). Sie kehrte 1957 ins östliche Deutschland zurück, sie wurde am Literatur-Institut eine gediegene, eher konservative Dozentin, der eigentliche Referent wurde der mitreißende, viele Geheimnisse russischer Prosa aufdeckende Ralf Schröder, der beinahe acht Jahre Bautzen hinter sich hatte (also den Knast dort, „das gelbe Elend“) und der sich danach auch der Stasi und dem Alkohol andiente. Trude Richter wurde fast neunzig Jahre alt, sie erfuhr noch, dass ihr Buch Totgesagt endlich erscheinen wird. Viertens: Am Ende ihres Manuskripts steht Jalta, September 1964, offenbar das Abschluss-Datum für den 450 Seiten-Bericht, wovon freilich nicht einmal die Hälfte die Zeit in der Sowjetunion betrifft. Ich erlebte Trude Richter zum ersten Mal noch als Student um 1967; der Dessauer Schriftsteller Werner Steinberg hatte von ihrem geplanten Buch gehört und sie zu einer Lesung vor Autoren eingeladen. Als ich Lektor des Mitteldeutschen Verlages wurde, erzählte ich einige Zeit später der Leitung von dem Projekt und holte das Manuskript von ihr. Man las und sagte „Ohjeh“, aber da Trude Richter als gute Genossin bekannt war, wollte man es probieren, schickte aber das Projekt nicht wie üblich mit Verlagsund Außengutachten ans Kulturministerium zur Druckfreigabe, also die Zensurstelle, sondern direkt ans Politbüro-Mitglied Kurt Hager. Der las und sagte: „Die Zeit ist noch nicht reif (dafür)“. Es erschienen 1972 ihrer Memoiren erster Teil unter dem Titel Die Plakette, und zehn Jahre nach 112 Manfred Jendryschik dem frühen Versuch animierte ich den Verlag zu einem erneuten Anlauf, und der Genosse Hager blätterte noch einmal in dem Vorhaben und las und sagte: „Die Zeit ist noch nicht reif.“ Es vergingen weitere zehn Jahre, ich war inzwischen Mitherausgeber der sich dem vierten Stande widmenden Aurora-Reihe und animierte den Verlag zu einer nochmaligen Nachfrage, und nun, es war um die Jahreswende 1988/89, fand Kurt Hager (im Volksmund inzwischen Tapeten-Kutte genannt), dass die Zeit vielleicht reif wäre. Trude Richter starb im Januar, das Buch, das im Herbst 1989 endlich erschien, ging in den Umbruchs-Geschehnissen unter. (Der von mir vorbereitete Lizenz-Druck des Sowjetunion-Berichts Herbert Wehners von 1946 erledigte sich durch die absehbare deutsche Einheit.) Fünftens: Ich habe mich zu DDR-Zeiten dreimal und eigentlich sparsam zu Trude Richter geäußert. Das erste Mal bedeutet, dass in einem Erzählband von 1971 eine 1969 geschriebene Kurzgeschichte erschien, in der eine ältere Dozentin, einen Fuchspelz um den Hals, einen Vorlesungsraum betritt und die Heizung, im September, nach Wärme abtastet (übrigens real so gesehen), es fällt an anderer Stelle der makabre Scherz vom Kühlschrank-Aufenthalt, und es ist von Verbannung die Rede und dass sie nicht über die Zeit nach siebenunddreißig in der SU reden will, zum Unmut der Studenten, und dass sie trotz der zwanzig Jahre Kommunistin geblieben ist – das alles ist wie ein Versuchsballon, es sind letzten Endes nur Andeutungen, das Wort Lager fällt nicht. Neun Jahre später erschien ein Gedichtband mit zwei Texten zu ihr (auch); der eine beschreibt die Situation einer älteren Frau zwischen Einsamkeit/Isolation und Geschütztsein („Alte Genossin / Für T.R.“): Oder du hörst: die Schritte. Im Neubauflur Lachen. Die Stille. / Wiederum: Kommen Gehen. Kein Klopfen. Hinauf ab. Schräg. / Die Stufen nicht übern Kopf. Nicht die Lubjanka / den Herbst dreisechs im Blick. Die Wände stehn / wie Stein. Tobolsk war später, der weitere Weg. / Jetzt, sagt sie, wär ihr, als wäre nichts geschehn / selbst unterm Lid einzig das gegenwärtige Fenster. / Manchmal wüsste sie nicht, was geschieht. / Aber die Augen offen. So sehe sie, was sie sieht / d.h. das Leben. Auch das ihrige; das Jahr siebzehn / folgende. 113 Totgesagt Oder jetzt. Oder die Schritte. Kein /Klopfen, mitunter die Stille das Lachen. Die Ohren sehn. Im anderen, zweieinhalb Seiten langen Eröffnungs-Text des Buches bedenkt ein Mittdreißiger sein Leben und auch Utopien von demokratischer Selbstfindung: Der Schweiß salzt die Poren, intensiv wie plötzliches / Hoffen, ich geh zwischen Arbeitern, die sich / bestimmen, in ihren Kehlen ist mehr als Bier Grütze / das Fahnentuch haben sie selbst zugeschnitten die Sätze / Arbeit, die sie machen macht sie, das / lang Ausgedachte, das Unerfahrne, ich hör mich denken …) und er erinnert alltägliche Umwelt-Schweinereien (… den Betrug, den eigenen, der auch / jedwede Anstrengung braucht, z.B. Beobachtung/Warnsignale / dass alle Räder still stehn, ehe um Buna die Messwagen / kreisen, die prüfen den Ascheregen, wir arbeiten eifrig / ein Stück aufs End zu). Doch nicht diese ziemlich prinzipiellen Infragestellungen wurden zum Problem, sondern eine eher harmlose Passage: Ich las / starren Augs, mittags, von Magadan achtunddreíßig / in R.s Buch einem noch unöffentlichen (das Gutachten), als sie / vom Tod ihres Mannes erfuhr, war sie einen Tag blind; / starren Augs sieht sie, fast gebrochnens, was die Aufbrechenden / wolln, wir, wer versteht‘s … Bei einer Lesung wurde ich gefragt, was Magadan achtunddreißig bedeuten soll, und ich sprach von Lagern, sogenannten Arbeitslagern, ähnlich Konzentrations-Lagern, in denen auch deutsche Kommunisten umkamen. Das wurde der Stasi gemeldet, die nun völlig durchdrehte: in meiner seit einem Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung heftig angeschwollenen Akte fand ich den irren Versuch, möglichst das Publikum des Abends zu lokalisieren, und es mussten sich Verlagsleiter und Cheflektorin getrennt und schriftlich dazu äußern, wie derart Furchtbares gedruckt werden konnte, noch dazu in Lizenz auch bei Suhrkamp, also beim Klassenfeind. Endlich einigte man sich, in typisch deutscher Manier, auf Folgendes: da das Erscheinen dieser Zeilen nicht mehr rückgängig zu machen ist, noch 114 Manfred Jendryschik dazu jenseits der Grenze publiziert, wird dieser Vorgang selbst als nicht staatsfeindlich betrachtet, aber jeder künftige mündliche oder schriftliche Kommentar zu dem Gedicht als Hetze gegen die UdSSR (dieser Paragraph im Strafgesetzbuch erschien von da an in den halbjährlichen Zusammenfassungen möglicher Anklagepunkte). Ein Literaturkritiker teilte mir danach mit, dass Rezensionen zu dem Buch unerwünscht seien, ich verstand‘s nicht, ich sah mich als, wenn auch kleiner und unfreiwilliger, Devisenbringer für‘s Land. Sechstens: Eines Tages fragte mich Volker Braun, ob ich mich nicht engagieren könne, das Erinnerungsbuch Vom weißen Kreuz zur roten Fahne von Max Hoelz zu veröffentlichen. Und da mich alles links und rechts von der offiziösen proletarischen Bewegung interessierte, kam es, gemeinsam mit dem Leiter des Mitteldeutschen Verlags und zwei zum Thema arbeitenden Literaturwissenschaftlern zur Gründung der Edition Aurora, in der dann Ludwig Turek und Adam Scharrer und Theo Harych und Franz Jung erschienen und Langhoffs Moorsoldaten und die Schriften der Maler Otto Nagel und Otto Griebel und die Reportagen der Larissa Reissner und eben Trude Richter. Jeder westliche Verlag hätte als Signalement Max Hoelz vorangestellt, aber das kam damals für einen Anarchisten nicht in Betracht, das Bett für ihn mussten mehrere brave Bücher bereiten. Und irgendwann war es Zeit, sich mal darum zu kümmern, was eigentlich in den ersten anderthalb Jahrzehnten in der Sowjetunion los war, welche Emphasen und Hoffnungen und welche Widersprüchlichkeiten da auftauchen, was da gesehen wurde zwischen Propaganda und Wahrhaftigkeit, welche Überraschungen, welche Bestätigungen, und es zeigte sich, dass doch erstaunlich viele Autoren höchst unterschiedlicher politischer Provenienz sich einst interessierten. Möglicherweise kam ich zum ersten Mal vor 1977 auf den Geschmack, als ich eine Anthologie mit Geschichten und Reiseberichten über die Länder des real existierenden Ostblocks einschließlich Kuba und Vietnam zusammenstellte und die frühe Sowjetunion mit einem kleinen Kapitel einbezog, ich las eine Reihe von Büchern und wählte dann aus Proportionsgründen nur Beispiele um 1930 von Karl Grünberg, Ludwig Renn, Anna Seghers und Frida Rubiner aus. Elf Jahre später dann 115 Totgesagt Unterwegs nach Eriwan, ein Buch von 580 Seiten, was etwa ein Zehntel des Gelesenen bedeutete, stets gedacht als Versuch, eine größtmögliche Vielfalt den Neugierigen anzubieten, eine Vielfalt der Meinungen und der geschilderten Landstriche, Szenen, die wie aus einer beinahe unbekannten Welt hervortreten. Ich glaube, viele der Beiträge sind heute noch gut lesbar, beginnend mit Auszügen aus Büchern des Jahres 1920 von Paquet, Goldschmidt und Holitscher, im selben Jahr äußerte sich erstmals Franz Jung, der insgesamt sechs Bücher und Büchlein zum Thema verfasste, ein verrückter Hund in verrückter Zeit, der als Eintrittsbillet einen deutschen Dampfer nach Murmansk entführte und Lenin in diplomatische Schwierigkeiten brachte und zeitweilig Direktor einer russischen Zündholzfabrik wurde. Ein derartiges, über‘s Betrachten hinausgehendes Engagement findet sich im Kapitel Tätige Hilfe, ein anderer, unter die Reiseskizzen geschobener Block versammelt Ansichten zur Sowjetunion, die zwischen der anfangs zitierten Eloge Alfred Kerrs und einer relativen Distanz bei Klaus Mann schwanken. Wichtig war mir der Bericht Joseph Roths über die Lage der Juden in Sowjetrussland, ein unterschiedlich bewerteter Analyseversuch, und besonders Ernst Tollers verstörender Text von 1926 über die Gefahren des Personenkults um Lenin, der Verdummung und der Selbstverdummung des Volkes. Manchmal würde man allein wegen dieser einen Seite eine Anthologie machen. Zeitweilig wurde (vom Verlag) an eine Fortsetzung dieses Buches gedacht, für mich aber war das Ende einer noch interessanten Sowjetunion das Jahr 1934, und seltsamerweise (oder wie zwangsläufig) war es das Jahr des bedeutsamen, international unterstützten Kongresses der Sowjetschriftsteller, der auch der Beerdigungsbeginn der Vielfalt war, und der Ermordung Kirows. Auch Bücher wie Lion Feuchtwangers Moskau 1937, das ich nur in Auszügen kannte, animierten mich nicht. Zum Schluss einige Splitter: Dem in der Edition Aurora erschienenen Buch Von Astrachan nach Barmbeck von Larissa Reissner wurde, ohne meine Kenntnis, zwei Kapitel entnommen: eines über Trotzki, und eines, damit‘s nicht so auffällt (daraufhin zog Volker Braun, wie ich sehr viel später erfuhr, sein Nachwort zurück). Zweiter Splitter: Als ich Franz Jungs 116 Manfred Jendryschik Roman Die Eroberung der Maschinen heraus zu bringen gedachte, wollte ich ihn mit einigen Artikeln Jungs aus dieser Zeit ergänzen, die in Berlins Märkischem Museum auszugraben waren. Irgendwann schlich sich die Bibliothekarin an mich heran und erklärte mir, dass ich, als Autor, in dieser Zeit, Herbst 1988, vielleicht doch etwas Wichtigeres zu tun hätte als mich an so alten Kram zu vergeuden. Dritter Splitter: Als ich Karl Grünbergs Buch über seine Sowjetunion-Reisen betreute, bekam der Verlag die Auflage, von den drei Episödchen, in denen Stalin (in der Ferne) auftaucht, eine zu streichen. Gestrichen wurde, in Absprache mit dem Verfasser, die Beschreibung eines 1. Mai Anfang der fünfziger Jahre: im Original schlägt die Uhr des Spasski-Turms zehnmal, Stalin tritt auf, und es erhebt sich ein unbeschreiblicher Jubel. Nun, in der Verschlimmbesserung, schlug die Uhr zehnmal, und es erhob sich ein unbeschreiblicher Jubel. Vierter Splitter: Ich meine, ein Gedicht Bechers über die Fahrstühle in den Hochhäusern Moskaus gelesen zu haben; diese sollten nachts abgestellt werden, um die Furcht vor den Greifarmen der Geheimpolizei zu mindern – man konnte das Geräusch nicht mehr ertragen. Fünfter Splitter: Auf dem Sofa einer Leipziger Wohnung hockt eine kleine alte Frau und singt mir das Lied vor, dass die russischen Häftlinge sangen, wenn sie von einem Lager in ein anderes verfrachtet wurden. Sechster Splitter: In einem Gedicht deutete ich 1977 ein Riesendenkmal an, das abgebrochen wurde und von dem nur noch die eisernen Stiefel übrigblieben (so ein Stalin-Verehrungs-Rest samt Sockel stand in der Nähe Budapests), und ich fragte, ob vielleicht jemand erneut Lust verspürt, da hineinzuschlüpfen. Der Text wurde (wie zwei weitere), selbst nach einem Jahr Verzögerung, nicht in den erwähnten Gedichtband aufgenommen, auch Suhrkamp sah keine Möglichkeit einer ergänzten Lizenzausgabe. Dafür musste dann der heimliche Druck der Texte in einer Kunst-Hochschule, dem Buch beigelegt, für besondere bibliophile Exemplare herhalten. Siebter Splitter: Marxens umfangreiche Schrift, das Buch über die Geheimdiplomatie des 19. Jahrhunderts mit einem speziellen Kapitel über die asiatische Despotie, eine Analyse des damaligen Russlands, wirkt wie eine Vorausschau der Stalinschen Herr- 117 Totgesagt schaft; natürlich konnte der Text nicht in der DDR erscheinen, er musste, übrigens vom Dichter Peter Gosse, eingeschleust werden. Achter Splitter: Für die Veröffentlichung eines Gulag-Erinnerungsbuches eines Mitglieds des Ruge-Clans konnte ich mich (vor einigen Jahren) nicht engagieren, weil die Schlusskapitel vom Hass auf die Wende und die Zeit danach nur so strotzten. Ich fragte mich auch, wie Trude Richter zu dieser Veränderung gestanden hätte. Letzter Splitter: Zitat Trude Richter: P.W., ein Hüne von Gestalt, hatte Jahrzehnte in der Baltischen Flotte gedient. Sechzehn Jahre lebte er mit seiner Frau, einer Schwedin, unbehelligt in Leningrad. Doch 1937 wurde ihm diese Ehe als konterrevolutionäre Tätigkeit und unerlaubte Verbindung mit dem Ausland angekreidet. Er musste zehn Jahre lang dafür im Lager sitzen und nun sogar noch die Verbannung auf sich nehmen. Das bittere Unrecht, das ihm angetan wurde, konnte er nie verwinden. Sogar bei der Farce der Magadaner Verhöre vermochte er die Tränen nicht zurückzuhalten […] Seine erste Frau, die wohl ein trauriges Ende gefunden hatte, verehrte er noch immer. Ich habe ihn mehrfach die Mütze abnehmen sehen, wenn er von ihr sprach. Verwendete Literatur: Klaus Jarmatz / Simone Barck / Peter Diezel, Exil in der UdSSR (Kunst und Literatur im antifaschistischen Exil 1933 – 1945, Band 1), Leipzig 1979. Unterwegs nach Eriwan. Reisen in die Sowjetunion 1918 bis 1934. Ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Manfred Jendryschik, in: edition aurora, hrsg. unter Mitwirkung von Irmfried Hiebel, Manfred Jendryschik und Alfred Klein, Leipzig 1988. Trude Richter, Totgesagt. Erinnerungen, mit Nachbemerkungen von Elisabeth Schulz- Semrau und Helmut Richter, in: edition aurora, hrsg. unter Mitwirkung von Irmfried Hiebel, Manfred Jendryschik und Alfred Klein), Leipzig 1990.

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References

Zusammenfassung

2017 wurde des hundertsten Jahrestags der russischen Oktoberrevolution gedacht, und vor 80 Jahren erschien Lion Feuchtwangers kontrovers aufgenommener „Reisebericht Moskau 1937“. Um das Pro und Kontra in den intellektuellen Debatten zum sowjetischen Experiment in der Weimarer Republik und im Exil nachzuzeichnen, fand im Berliner LiteraturHaus ein international besetztes Symposion statt, das dieser Band dokumentiert.