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Wegweiser in:

Sascha Prostka

Implodierte Weltlichkeit, page 3 - 4

Botho Strauß und die literarisch-ästhetische Kritik der Globalisierung

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4177-2, ISBN online: 978-3-8288-7056-7, https://doi.org/10.5771/9783828870567-3

Series: Dynamiken der Vermittlung: Koblenzer Studien zur Germanistik, vol. 4

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
3 Wegweiser »Was die Welt im Innersten zusammenhält, ist Raserei« Botho Strauß, Niemand anderes »Meistens sehe ich die Welt in verschiedenen Schattierungen von Schwarz. Und wenn mir dann was Blödes passiert, kein Problem, ich erwart’s. Wenn draußen im Postfach nur Rechnungen liegen und die Spaßgesellschaft vor der Türe steht. Am besten, ich setz mich allein in mein Zimmer und warte, dass der Sommer vergeht. Dann bin ich plötzlich der kleine Beobachter draußen am Fenster und schau zu mir rein. Winke mir zu, steht drinnen auf und bitt mich von draußen hinein. Und ich biet mir 'nen Platz an und ich setz mich hin und ich frag mich, warum ich so griesgrämig bin. Sag mir, woraus sind die Farben? Sind sie aus Licht und wo sind sie bei Nacht? Es sei doch nur, wie wir die Welt sehen, hat er gesagt und dann hab’n wir gelacht und dann hab’n wir gelacht. Und wir kommen ins Gespräch, der kleine Beobachter und ich. Wir spiel’n ich seh was nicht, was du auch nicht siehst und es steht 1 zu 0 gegen mich. Und der kleine Beobachter fragt mich, warum siehst du alles nur so grau, ich sag, das stimmt nicht, ich seh es schwarz oder doch mindestens dunkelblau. Und ich biet mir’n Bier an und ich setz mich hin und ich frag mich, warum ich so persönlichkeitsgespalten bin. Sag mir, woraus sind die Farben? … Immer positiv bleiben, sagt er als ich mich wieder beim Fluchen erwisch’. Und ich merke allmählich, der kleine Beobachter trinkt mich hier unter den Tisch. Und ich sag, ich glaube es wird Zeit, dass du gehst, denn du gehst mir auf die Nerven und deine ganzen gut gemeinten Sprüche, werden mir auch langsam zu bunt. Er geht nicht, ich sag, weißt du was, dann geh ich halt noch aus, es ist noch nicht spät. Und der kleine Beobachter sitzt auf dem Sofa und wartet, dass der Sommer vergeht.« Dota Kehr, »Der kleine Beobachter« »Draw a distinction« Geoge Spencer Brown, Laws of Form

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Zusammenfassung

Dieser Band widmet sich dem spezifischen Blick auf die Veränderungen der Welt in Texten des Gegenwartsautors Botho Strauß (*1944). Es handelt sich hierbei um einen neuen Deutungsansatz, und die verfolgte These lautet, dass Strauß in seiner Auseinandersetzung mit der Gesellschaft einen teils offensichtlichen, teils im Hintergrund verborgenen, rhizomatisch verbundenen Globalisierungsdiskurs führt. In Essays, Prosatexten und Dramen werden auf vielfältige Weise die Einwirkungen der Globalisierung auf das Individuum und die Gesellschaft in literarisch-ästhetischer Form verarbeitet. Die vorliegende Herausarbeitung der so genannten Globalisierungskonzeption analysiert und systematisiert in verschiedenen Detail- und Überblicksbetrachtungen, wie Strauß seine Sicht auf Zeit, Raum oder Gesellschaft vermittelt. Das übergeordnete Vorhaben besteht darin, die direkten und indirekten Bezugnahmen auf Globalisierung, Globalisierungsprozesse und Globalisierungskonsequenzen in seinen Texten zu beobachten, zu beschreiben und die Ergebnisse in einen größeren gesellschaftlichen Kontext zu stellen.