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Paul Resinger, Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr. Entwicklung – Einsatz – Erfahrung in:

Paul Resinger (ed.)

Förderung der Lesekompetenz bei Jugendlichen in Ausbildung, page 63 - 86

Grundlagen - Konzepte - Praxisbeispiele

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4159-8, ISBN online: 978-3-8288-7042-0, https://doi.org/10.5771/9783828870420-63

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Pädagogik, vol. 48

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Paul Resinger Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr. Entwicklung – Einsatz – Erfahrung Paul Resinger, Dr. Mag. BEd, Hochschulprofessor am Institut für Berufspädagogik der Pädagogischen Hochschule Tirol. Arbeitsschwerpunkte: Leseförderung, Lernen und Lehren in der beruflichen Bildung, berufsfeldbezogene Forschung. Kontakt: paul.resinger@ph-tirol.ac.at Abstract Die Frage nach einem im Berufsschulbereich in die fachliche Ausbildung integrierbaren Diagnoseinstrument zur Feststellung von Lesekompetenzdefiziten als Ausgangspunkt für eine gezielte Förderung war zu Beginn des Entwicklungs- und Forschungsprojekts „Förderung der Lesekompetenz an Berufsschulen“ im Herbst 2009 eine dringliche, weshalb das Innsbrucker Team entsprechende Diagnoseaufgaben entwickelten. Die in mehreren Projektphasen eingesetzten Diagnoseaufgaben wurden stetig weiterentwickelt und dahingehend überprüft, ob das ihnen zugrunde liegende Modell mittels Modelltestung verifiziert werden kann. Das Ergebnis der Überprüfung der Modellgeltung ist eine Rasch-konforme Diagnoseaufgabe zur Feststellung von Lesekompetenzschwächen bei Berufsschülerinnen und Berufsschülern im ersten Ausbildungsjahr. Der Beitrag wird mit drei Fallstudien über den bisherigen Einsatz im Unterricht an Berufsschulen abgeschlossen. Ausgangslage Der Berufsschulunterricht in Österreich ist im Rahmen des dualen Systems der Lehrlingsausbildung unterschiedlich organisiert: ganzjährig an einem vollen Schultag oder an zwei halben Schultagen in der Woche, lehrgangsmäßig mit acht bis zehn Wochen durchgängigem Unterricht und saisonmäßig, d.h. ein auf eine bestimmte Jahreszeit geblockter Unterricht. Mit dieser Organisationsform wird vor allem der Bedarf der einzelnen Branchen bzw. Regionen berücksichtigt sowie die Anzahl der Lehrlinge. Besonders wenn der Unterricht lehrgangsmäßig oder saisonmäßig organisiert ist, besteht für die Lehrpersonen die Herausforderung, in kurzer Zeit zumeist mittels informeller, gelegentlich mittels semiformeller und selten mittels formeller diagnostischer Verfahren die Lernvoraussetzungen und Lernprozesse der Berufsschülerinnen und Berufsschüler zu analysieren und daraus Maßnahmen für zielgerichtetes Fördern und Fordern abzuleiten. In Bezug auf die Lesekompetenz der Lehrlinge im ersten Ausbildungsjahr kann davon ausgegangen werden, dass darüber kein Vorwissen vorhanden 1. 63 ist. Die Frage nach einem in die fachliche Ausbildung integrierbaren, standardisierten Diagnoseinstrument zur Feststellung von Lesekompetenzdefiziten als Ausgangspunkt für eine gezielte Förderung war daher am Institut für Berufspädagogik der PH Tirol zu Beginn des Entwicklungs- und Forschungsprojekts „Förderung der Lesekompetenz an Berufsschulen“ im Herbst 2009 eine dringliche. Des Weiteren interessierte die Forschergruppe in Bezug auf das in Vorprojekten bereits erfolgreich umgesetzte Konzepts des Einsatzes von berufsspezifischen Lernaufgaben, welcher Fortschritt hinsichtlich berufsrelevanter Lesekompetenz erzielt werden kann. Zur Feststellung der Wirksamkeit sah das Forschungsdesign vor, vier zu entwickelnde Diagnoseaufgaben zu zwei Messzeitpunkten in einer Eingangs- und Abschlusserhebung einzusetzen (u.a. in Resinger & Schaffenrath, 2011; siehe nachfolgenden Beitrag von Resinger in diesem Sammelband). Die ersten Entwicklungsschritte Gemeinsam mit Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktikern der Pädagogischen Hochschule Tirol sowie mit Lehrerinnen und Lehrern an Tiroler Fachberufsschulen wurden im ersten Projektjahr folgende vier Diagnoseaufgaben entwickelt: „Aufwärts mit Lehre“ und „Zeit der Entscheidung“ als erstes Diagnoseaufgabenpaar sowie „Jugend und Internet“ und „Jugend im Rausch“ als zweites Diagnoseaufgabenpaar mit jeweils derselben Struktur (Aufbau und inhaltliche Ausgestaltung des Texts, Anzahl an Wörtern, Anzahl an Aufgaben (Items) mit demselben Format) und für die Berufsschülerinnen und Berufsschülern vertrauten Inhalten (Texttyp: Beschreibung). Die Diagnoseaufgaben mit linearen und nicht-linearen Textbausteinen messen jenen Kompetenzbereich, der sich auf die primäre Nutzung von textinternen Informationen bezieht (Artelt, Stanat, Schneider, & SchiefeIe, 2001, S. 82), und orientieren sich an den Kompetenzstufen der PISA-Studie aus dem Jahr 2000 (Baumert, Stanat, & Demmrich, 2001, S. 22-24) sowie den sechs Kompetenzbereichen für „berufsrelevante Lesekompetenz“ (Schaffenrath & Wieser, 2005), welche im Rahmen des Vorgängerprojekts (2005-2009) an der Berufspädagogischen Akademie des Bundes in Tirol (Vorgängerinstitution der Pädagogischen Hochschule Tirol) entwickelt wurden. Die Diagnoseaufgaben umfassen folgende Bereiche: – Unabhängige, z.T. explizite Einzelinformationen ermitteln; – Mehrere Informationen ermitteln, wobei zum Teil Beziehungen zwischen diesen Informationen erkannt werden müssen; – Informationen vergleichen: aufbereitete Inhalte zum Text (als Aussagen, in einem Diagramm oder in einer Tabelle) auf ihre Richtigkeit hin überprüfen und ggf. richtigstellen. Die Diagnoseaufgaben decken wesentliche Bereiche der (berufsrelevanten) Lesekompetenz ab, nicht jedoch das gesamten Spektrum. Außerdem verfügen sie über keine hierarchisch aufeinander aufbauenden Niveaustufen, wie sie etwa bei den umfassenden PISA-Studien üblich sind. Beim Aufgabenformat handelt es sich um Items mit di- 2. Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 64 chotomen Antwortalternativen und Items im halboffenen Format mit eindeutigem Lösungsweg, sodass kein Interpretationsspielraum bei der Auswertung zugelassen wurde (siehe Tabelle 1). Eingangserhebung Schwierigkeitsgrad Wörter Lineares, selektives Leseverständnis Nicht lineares, selektives Textverständnis Punkte gesamt Jugend und Internet schwer 609 Sechs Aufgaben: davon drei halboffene Formate mit eindeutigem Lösungsweg und drei Aufgaben mit dichotomen Antwortalternativen; max. Punktezahl pro Aufgabe: fünf; Summe: 14 Punkte Vier Aufgaben: drei Aufgaben mit dichotomen Antwortalternativen zu je einem Punkt; eine Aufgabe im halboffenen Format mit eindeutigem Lösungsweg zu zwei Punkten; Summe: 5 Punkte 19 Aufwärts mit Lehre leicht 558 16 Aufgaben mit dichotomen Antwortalternativen zu je einem Punkt 12 Aufgaben im halboffenen Format mit eindeutigem Lösungsweg zu je einem Punkt 28 Abschlusserhebung Jugend im Rausch schwer 609 Sechs Aufgaben: davon drei halboffene Formate mit eindeutigem Lösungsweg und drei Aufgaben mit dichotomen Antwortalternativen; max. Punktezahl pro Aufgabe: fünf; Summe: 14 Punkte Vier Aufgaben: davon drei mit dichotomen Antwortalternativen zu je einem Punkt; eine Aufgabe im halboffenen Format mit eindeutigem Lösungsweg zu zwei Punkten; Summe: 5 Punkte 19 Zeit der Entscheidung leicht 556 16 Aufgaben mit dichotomen Antwortalternativen zu je einem Punkt 12 Items im halboffenen Format mit eindeutigem Lösungsweg zu je einem Punkt 28 Übersichtstabelle zu den vier Diagnoseaufgaben in ihrer Erstfassung (Resinger & Schaffenrath, 2012, S. 59) Diese Aufgabenformate haben ihre Vor- und Nachteile: Einfache Durchführung und verlässliche Auswertbarkeit sind die Vorteile bei einem dichotomen Aufgabenformat, das Erraten der richtigen Antwortalternative und damit die Frage nach der Gültigkeit der Nachteil. Bei halboffenen Formaten ist das Erraten der richtigen Antwort nicht möglich. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Komplexität der Aufgabenstellung leichter variieren lässt. Dafür ist die Auswertung aufwendiger, vor allem aber fehleranfälliger. Mit dem ersten Durchlauf (Projektphase 1 von 2009 bis 2011) an elf Schulstandorten in Österreich (n = 245) wurden zwei Ziele verfolgt: Zum einen wurde über- Tab. 1: Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 65 prüft, ob es sich bei den Diagnoseaufgaben um geeignete Instrumente zur Feststellung der Lesekompetenz in den oben beschriebenen Kompetenzbereichen handelt und zum anderen wurde mit dem Datensatz die Wirksamkeit der im Unterricht an Berufsschulen eingesetzten berufsspezifischen Lernaufgaben untersucht. Ersteres wird im Folgenden diskutiert, Letzteres wird im anderen Beitrag von Resinger in diesem Sammelband thematisiert (ausführlich auch in Resinger, 2016). Diagnoseaufgabenpaar „Aufwärts mit Lehre“ und „Zeit der Entscheidung“ Diese als „leicht“ eingestuften Diagnoseaufgaben waren zu leicht zu lösen. So wurden z.B. sieben von 28 Aufgaben (Items) bei „Aufwärts mit Lehre“ von über 90% der Schülerinnen und Schüler richtig gelöst, weitere acht Aufgaben von über 80%. Somit weisen über 50% der Aufgaben eine Itemschwierigkeit von > 0,8 auf. Umgekehrt kann keine einzige Aufgabe als schwer eingestuft werden (< 0,2). Auf Basis der Ergebnisse ist es herausfordernd, eine Unterscheidung von Schülerinnen und Schülern mit hoher Merkmalsausprägung (hohe Lesekompetenz) und jenen mit niedriger Merkmalsausprägung (geringe Lesekompetenz) zu treffen. Diagnoseaufgabenpaar „Jugend und Internet“ und „Jugend im Rausch“ Diese beiden Diagnoseaufgaben machen die Unterschiede hinsichtlich der Lesekompetenz der Lehrlinge sichtbarer, da die Items eine breitere Schwierigkeitsstreuung aufweisen. Die durchschnittliche Itemschwierigkeit bei „Jugend und Internet“ beträgt 0,67, womit die Diagnoseaufgabe nicht wie angenommen als „schwer“ einzustufen ist, sondern als „mittelschwer“. Zwei von zwölf Aufgaben (Items) wurden von über 90% richtig gelöst, im Bereich > 0,45 und < 0,70 liegen fünf Aufgaben. Wiederum kann keine Aufgabe als schwer eingestuft werden < 0,2. Faktorenanalyse Im Zuge der Faktorenanalyse (in dieser Phase noch eine explorative) wurde überprüft, ob bzw. welche Aufgaben (Items) der jeweiligen Diagnoseaufgaben den Dimensionen „Lineares, selektives Leseverständnis“ und „Nicht-lineares, selektives Textverständnis“ zugeordnet werden können. Bei den Diagnoseaufgaben „Zeit der Entscheidung“ und „Aufwärts mit Lehre“ kann auf die zugrunde liegenden Dimensionen (Faktoren) geschlossen werden, wobei das Ergebnis aufgrund der geringen Varianz zu relativieren ist: Dies ist zum einen auf die ausschließlich dichotomen Items zurückzuführen und zum anderen darauf, dass die Diagnoseaufgaben zu leicht waren. Bei den Diagnoseaufgaben „Jugend und Internet“ und „Jugend im Rausch“ kristallisierte sich noch keine eindeutige Itemzugehörigkeit (geringe Homogenität) heraus. Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 66 Der lange Weg zum Innsbrucker Lesediagnostikum Hypothesen: H0: Mit dem vorhandenen Datensatz lassen sich die Diagnoseaufgaben konstruktvalide erklären. H1: Mit dem vorhandenen Datensatz lassen sich die Diagnoseaufgaben nicht konstruktvalide erklären. Im zweiten Durchlauf (Projektphase 2 von 2011-2013) wurde die Kompetenzmessung mit denselben Diagnoseinstrumenten durchgeführt, wobei die Aufgabenpaare dieses Mal in umgekehrter Reihenfolge an zwei Tiroler Schulstandorten (n = 179) eingesetzt wurden. Die Daten zeigten erneut, dass das Diagnoseaufgabenpaar „Jugend und Internet“ und „Jugend im Rausch“ im Vergleich zum anderen auf Grund einer höheren Varianz und ausgewogeneren Itemschwierigkeit das geeignetere war. Die Überprüfung der Modellgeltung erfolgt mittels Modelltestung nach dem ordinalen Rasch-Modell (Rost, 2004, S. 196-244) auf Basis der erhobenen Daten aus beiden Projektphasen (ausführlich in Resinger, 2014). Die Ergebnisse der Berechnungen legen nahe, dass sich anhand des Datensatzes nur die Diagnoseaufgabe „Jugend und Internet“ (n = 363) konstruktvalide erklären lässt. Bevor die Diagnoseaufgabe „Jugend und Internet“ erneut im Feld eingesetzt wurde, erfolgten notwendig gewordene kleinere Textadaptierungen und – auf Basis der bisherigen Erfahrungen sowie Rückmeldungen von getesteten Berufsschülerinnen und Berufsschüler – eine Konkretisierung von zwei Aufgabenstellungen (Items): – Aktualisierung des Inhalts: z.B. die Nutzung Sozialer Netzwerke durch Jugendliche. In der Erstfassung der Diagnoseaufgabe wurde beispielsweise der damals gerade erst gegründete Instant-Messaging-Dienst WhatsApp noch nicht erwähnt, in der überarbeiteten Fassung wird WhatsApp als ein bedeutsames Soziales Netzwerk angeführt. In der Zwischenzeit ist laut aktuellen Daten zur Social-Media-Nutzung von Österreichs Jugendlichen der Instant-Messaging-Dienst mit 93% das am meisten genutzte Soziale Netzwerk (Jugend-Internet-Monitor, 2017). Anhand dieses Beispiels wird ein besonderes Problem mit in die fachliche Ausbildung integrierbaren Diagnoseinstrumenten deutlich: Wenn standardisierte Tests, die in der Regel keinen konkreten Bezug zum Unterricht aufweisen, auf spezifische Unterrichtsinhalte hin konstruiert sind, müssen sie aktuell gehalten werden. Daher ist eine häufigere Überarbeitung notwendig als bei „traditionellen“ Diagnoseinstrumenten, in welchen Vergleichsnormen bis zu 15 Jahren ihre Gültigkeit haben. – Konkretisierung einzelner Aufgabenstellungen: z.B. Item 6. Bei dieser Aufgabe (Item) sind die Angaben in Tabelle 1 zum Interesse von Buben und Mädchen an Sozialen Netzwerken der Größe nach zu ordnen. In mehreren Antworten fanden sich Prozentangaben, die in Tabelle 1 nicht vorkommen. Durch gezieltes Nachfragen im Feedbackgespräch wurde festgestellt, dass diese Schülerinnen und Schüler 3. Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 67 annahmen, eine eigene Einschätzung treffen zu müssen. Aufgrund dieser Rückmeldungen wurde die Aufgabenstellung konkretisiert. Durch die Adaptierungen erhöhte sich der Textumfang um 44 Wörter auf nunmehr 653. Im Zuge der dritten Projektphase im Zeitraum 2014-2015 kam die Diagnoseaufgabe in neun ersten Klassen (n = 192) an sieben Salzburger und Tiroler Berufsschulen erneut zum Einsatz. Die Überprüfung der Modellgeltung erfolgte mittels Modelltestung nach dem ordinalen Rasch-Modell (ausführlich in Resinger, 2015). Hypothesen: H0: Mit dem vorhandenen Datensatz lassen sich die Diagnoseaufgaben konstruktvalide erklären. H1: Mit dem vorhandenen Datensatz lassen sich die Diagnoseaufgaben nicht konstruktvalide erklären. Als Prüfgrößen für die Modelltestung wurden der Pearson-χ2-Test (p = 0.575) und Cressie-Read-Test (p = 0.275) herangezogen (globale Modelltests mittels bootstrap- Methode). Der Modelltest ist im Rahmen des Rasch-Modells nicht signifikant. Da beim Modellgeltungstest nicht die Alternativhypothese H1, sondern die Nullhypothese H0 belegt wird, legt das Ergebnis nahe, das Modell anzunehmen. Als Maß für den Item-Fit (Trennschärfe der Items) wurde der Q-Index herangezogen. Der Test zeigt keinen Item-Overfit bzw. Item-Underfit. In Bezug auf die Messgenauigkeit wurden gute Werte ermittelt. Bei der Andrichs-Reliabilität handelt es sich um einen populationsspezifischen Kennwert, der angibt, wie genau die Diagnoseaufgabe in der Population „Berufsschülerinnen und Berufsschüler der ersten Klasse“ im Mittel misst. Der Kennwert von 0.7 sagt aus, dass die Diagnoseaufgabe akzeptabel misst, der Test für diese Zielpopulation daher geeignet ist. Die ANOVA-Reliabilität ist ein populationsunabhängiger Wert, der aussagt, wie genau die Diagnoseaufgabe unabhängig von der Population im Mittel misst. Der Kennwert von 0.8 sagt aus, dass es sich um ein zuverlässiges Diagnoseinstrument handelt. Durch die Kenntnis der Itemschwierigkeit und Personenfähigkeit kann ermittelt werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Person die einzelnen Items löst. Über die Differenz der Personenparameter wird eine Aussage über die unterschiedlichen Fähigkeiten der Testpersonen in der jeweiligen Merkmalsausprägung getroffen; und zwar unabhängig vom Schwierigkeitsgrad der Items. Negative Werte kennzeichnen eine geringere Lesefähigkeit, positive Werte eine höhere Lesefähigkeit. Zur einfachen Handhabung wurde in der für die Lehrpersonen bestimmten Fassung auf eine Normwerteskala verzichtet und nur der „Schwellenwert“ bzw. der Punktescore 9 angegeben, der die Grenze zu einer geringen Lesefähigkeit markiert (siehe Tabelle 2). Da eine solche Einstufung nicht eindeutig sein kann (Überlappungen zwischen den Fähigkeitsausprägungen), wurden die Ergebnisse aus der PISA-Studie 2012 als Außenkriterium miteinbezogen. Eine Anfrage beim Bundesinstitut für Bildungsforschung, Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 68 Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens ergab, dass bei der Testung 2012 38,9% der 15-/16-jährigen Berufsschülerinnen und Berufsschüler zur Risikogruppe zählen. Bei der Diagnoseaufgabe „Jugend und Internet“ erzielten 40,1% neun Punkte oder weniger. Summenscore Punkte Kumulative Prozent Personenparameter für 9 Punkte Standardfehler 9 40,1 -0.0234 0.420 Schwellenwert (Gesamtpunktescore) für die Defizitdiagnose ≤ 9 von 19 möglichen Punkten Diagnoseaufgabe „Jugend und Internet“ – Parameter für geringe Personenfähigkeit (n = 192) Zusammenfassend betrachtet wurde das Diagnoseinstrument insgesamt in 28 ersten Klassen an 19 Berufsschulen in ganz Österreich mit 557 Berufsschülerinnen und Berufsschülern (1. Ausbildungsjahr) in zwei Erhebungsphasen getestet. Erreicht eine Berufsschülerin/ein Berufsschüler einer ersten Klasse einen Gesamtsummenscore ≤ 9, ist von einer geringeren Fähigkeitsausprägung auszugehen. Der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Aufgaben (Items) spielt dabei keine Rolle. Zur genaueren Bestimmung der Leseleistung werden den Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrern im Auswertungsteil der Diagnoseaufgabe (siehe Anhang) deskriptive Daten zu den zwei Kompetenzbereichen „Lineares, selektives Lesen“ und „Nicht-lineares, selektives Lesen“ zur Verfügung gestellt. Die Lesekompetenzdiagnoseaufgabe ermöglicht somit ein rasches, gezieltes Erkennen einer Leseschwäche und bietet auch eine gute Grundlage zur Bestimmung von spezifischen Fördermaßnahmen. Einsatz des Innsbrucker Lesediagnostikums an Berufsschulen Vielfältige Anknüpfungspunkte für Bildungs- und Lehraufgaben Die Förderung der Lesekompetenz darf nicht zuletzt aufgrund der gesetzlichen Vorgaben in ein einzelnes Fach ausgelagert werden, sondern hat im engen Kontext mit den inhaltlichen/fachlichen Anforderungen bzw. Zielsetzungen des Unterrichts durch didaktisch-methodische Maßnahmen in möglichst allen Unterrichtsgegenständen zu erfolgen. Daher versteht sich auch die Diagnoseaufgabe „Jugend und Internet“ nicht als ein isoliertes, „fachfremdes“ Erhebungsinstrument, sondern ist Diagnoseinstrument und Lernaufgabe zugleich. „Jugend und Internet“ ist zwar auch für den Einsatz im Unterrichtsgegenstand „Deutsch und Kommunikation“ gedacht, bietet darüber hinaus jedoch für die Unterrichtsgegenstände der Fachgruppe I (allgemeinbildender und betriebswirtschaftlicher Unterricht) vielfältige Anknüpfungspunkte für Bildungs- Tab. 2: 4. Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 69 und Lehraufgaben, wie exemplarische Auszüge aus den Rahmenlehrplänen für Berufsschulen für folgende Pflichtgegenstände zeigen (Lehrplan 2016, Abschnitt XI): – Politische Bildung: „Inhalte und Wirkung von Medien kritisch reflektieren, den Wahrheitsgehalt bewerten und Maßnahmen zum verantwortungsvollen Umgang mit Informationen darlegen“, „Internetrecherchen durchführen und verantwortungsbewusst mit Informationstechnologien umgehen“; – Angewandte Wirtschaftslehre: „Inhalte von Verträgen erläutern, […], die daraus resultierenden Konsequenzen abschätzen, […] bei vertraglichen Unregelmäßigkeiten angemessen agieren, Konsumentenschutzeinrichtungen nutzen“, „potenzielle Gefahrenquellen im Internet identifizieren und aufzeigen“; – Betriebswirtschaftliches Projektpraktikum: „die Funktionen eines Computers bedarfsgerecht nutzen, auftretende Fehlermeldungen analysieren, auftretende Probleme lösen“, „die Arbeitnehmerveranlagung online durchführen“, „E-Government-Anwendungen situationsadäquat nutzen“. Erfahrungen mit dem Einsatz im Unterricht Das Innsbrucker Lesediagnostikum wurde bisher noch nicht vollumfassend publiziert. Die Dissemination erfolgte bis dato in Lehrveranstaltungen, z.B. Vorstellung und Diskussion im Rahmen des Seminars „Diagnostik und Beratung“ für Studierende des Bachelorstudiums „Sekundarstufe Berufsbildung – Duale Berufsausbildung“, die mit Ausnahme eines Vollzeitsemesters berufsbegleitend studieren und somit die Möglichkeit haben, die Diagnoseaufgabe selbst im Unterricht einzusetzen, und über diverse Kommunikationskanäle, z.B. über die Homepage der Initiative „Förderung der Lesekompetenz bei Berufsschülerinnen und Berufsschülern“ https://lesekompetenz.phtirol.at/. Von dieser Homepage kann die vollständige Lesediagnoseaufgabe inklusive Manual (Anleitung, Lösungs- und Auswertungsblatt) unentgeltlich heruntergeladen werden. Mit Stand 9. März 2018 wurde das Innsbrucker Lesediagnostikum 1.055 Mal aufgerufen (bei insgesamt 7.582 Besucherinnen und Besuchern der Homepage). Diese Zahl lässt klarerweise keinen Rückschluss auf die tatsächliche Nutzung im Unterricht an Berufsschulen zu. Eine diesbezüglich geplante Umfrage im Einzugsgebiet der Hochschule (Bundesländer Tirol, Salzburg und Vorarlberg) wurde nach einer Diskussion über die Sinnhaftigkeit nicht durchgeführt. Derzeit stehen qualitative Daten aus drei Bachelorarbeiten zu Verfügung, die im Rahmen der vierten Projektphase von 2016-2017 geschrieben wurden. (Eine vierte Bachelorarbeit aus dieser Projektphase wurde nach Redaktionsschluss für diesen Sammelband eingereicht.) Die Studierenden gingen der Frage nach, wie sich eine gezielte, regelmäßige Förderung der Lesekompetenz am eigenen Schulstandort als ein integraler Bestandteil des Unterrichts in allen Fachbereichen umsetzen lässt. Die Studierenden zeichneten ihre Erfahrungen in einem Forschungstagebuch auf. Zusätzlich wurden an den drei Schulen insgesamt acht Kolleginnen und Kollegen zur Teilnahme gewonnen und zu drei Messzeitpunkten (vor Projektbeginn, nach dem ersten Lehr- Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 70 gang und ca. ein Monat nach dem Projektabschluss) mündlich befragt. Im Folgenden werden die zentralen Befunde aus den drei Fallstudien beschrieben. An einer Tiroler Fachberufsschule für Kraftfahrzeugtechnik (Kraxner, 2017) wurde das Innsbrucker Diagnostikum in zwei Lehrgängen im Unterrichtsgegenstand „Deutsch und Kommunikation“ (Fachgruppe I) eingesetzt, wobei es von der Lehrperson lediglich als Diagnoseinstrument und nicht auch als Lernaufgabe betrachtet wurde, mit der Inhalte des Rahmenlehrplans erarbeitet werden können. Von den 66 getesteten Berufsschülerinnen und Berufsschülern erreichten 43% neun Punkte oder weniger (dieses Ergebnis deckt sich mit der Normstichprobe). Über den Projektzeitraum gelang es an diesem Standort, das Thema „Förderung von Lesekompetenz“ in allen drei Fachgruppen (allgemeinbildende und betriebswirtschaftliche Fächer, fachtheoretische und fachpraktische Fächer) durch die Mitarbeit von vier Lehrpersonen zu verankern und gezielte Fördermaßnahmen zu setzen. Die zweite Fallstudie wurde an einer Tiroler Fachberufsschule für Holztechnik durchgeführt (Klingler, 2017). Zu Beginn des ersten und zweiten Lehrganges wurde in Zusammenarbeit mit zwei Lehrerinnen der Fachgruppe I im Rahmen des Deutschunterrichtes erhoben, bei welchen Schülern (keine weiblichen Lehrlinge) von einer Leseschwäche auszugehen ist. Die Ergebnisse waren „eher ernüchternd und spiegelten ein wenig die Ersteinschätzung anhand der Eingangsvoraussetzungen (schulische Vorbildung, Zeugnisse) wider“ (ebd., S. 19). Von 31 Schülern erzielten acht (26%) neun oder weniger Punkte. Die Ergebnisse deckten sich in weiterer Folge in den meisten Fällen mit den Beobachtungen des Studierenden. In den Interviews gaben die zwei befragten Lehrpersonen der Fachgruppe I an, bisher durch gezielte Beobachtungen auf die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler geschlossen zu haben (informelle Diagnostik). „Schon in den ersten Einheiten, wenn wir verschiedene Texte bearbeiten, wird sichtbar, welche Schüler Leseschwächen mitbringen“ (ebd., S. 54). Durch den nunmehrigen Einsatz der Diagnoseaufgabe zu Beginn eines Lehrganges ergäbe sich eine sehr gute Möglichkeit, Schülerinnen und Schüler mit Leseschwächen zu identifizieren. Darüber hinaus sei die Aufgabe „Jugend und Internet“ auch eine Lernaufgabe und könne daher gut in den Deutschunterricht inhaltlich integriert werden. Am Ende des ersten Lehrgangs gelang es dem Studierenden, einen weiteren Kollegen aus seiner Fachgruppe II (Fachtheorie) zur Teilnahme am Projekt zu bewegen. Zusammen mit den Lehrpersonen der Fachgruppe I wurden punktuell didaktischmethodisch Fördermaßnahmen in verschiedenen Phasen des Unterrichts, sowohl für die ganze Klasse, als auch gezielt für jene mit einer diagnostizierten Lesekompetenzschwäche, gesetzt. An einer Landesberufsschule in Vorarlberg (Frühwirth, 2017) wurde das Innsbrucker Diagnostikum in einer ersten Klasse „Maschinenbautechnik“ und in einer ersten Klasse „Metallbearbeitung“ eingesetzt. Letztere Klasse besuchten Schülerinnen und Schüler, die in einem Überbetrieblichen Ausbildungszentrum arbeiten, da sie keine Lehrstelle gefunden hatten. Insgesamt wurde in dieser Klasse bei sechs von 25 Getesteten eine geringe Lesekompetenz festgestellt. Um die Leseschwachen ausreichend zu unterstützen, und die Lesestarken zu fordern, setzte die Studierende mit einer Kollegin (beide Fachgruppe I) gezielt selbst erarbeitete Fördermaterialien im Unterricht Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 71 ein. Die Erfahrung mit dem Einsatz des Lesediagnostikums war sehr positiv, da es „meiner Meinung nach den Einstieg in eine neue Klasse [unterstützt bzw. erleichtert], da man weiß, welche Schülerinnen und Schüler vermehrte didaktische Unterstützung benötigen und welche mehr gefordert werden müssen“ (ebd., S. 14). In den oben genannten zwei Klassen erfolgte der Einsatz des Diagnoseinstruments ausschließlich zur Feststellung einer Leseschwäche, also in einer von den Unterrichtsinhalten entkoppelten Einheit. Von einem spannenden, alternativen Ansatz wird in einer zweiten Klasse für Bürokauffrauen und Bürokaufmänner berichtet, wo das Diagnoseinstrument zum Ausgangspunkt für eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Lesekompetenz und dem Leseverhalten wurde. Die Schülerinnen und Schüler werteten ihre Diagnoseaufgabe selbst aus, die erzielten Punkte wurden den Lehrpersonen nicht mitgeteilt. Im Anschluss wurden gemeinsame Aktivitäten initiiert, wie z.B. in Partnerarbeit eine Buchpräsentation in Form eines Leserbriefs oder Interviews zu machen. Drei Tandems verabredeten sich in einer Buchhandlung, um gemeinsam die Literatur auszuwählen. In einem weiteren Vorhaben wurde die Vorarlberger Autorin Erika Kronabitter für einen Workshop gewonnen, wo das freie, kreative Schreiben anhand von Minidramen geübt wurde. Die Minidramen konnten bei einem Wettbewerb in Feldkirch eingereicht werden, die besten wurden im Herbst 2017 von Schauspielerinnen und Schauspielern für die Klasse aufgeführt. Die Studentin resümiert, „dass uns das Lesediagnostikum sehr dabei geholfen hat, die Lesemotivation in jener Klasse drastisch zu steigern und den Schülerinnen und Schülern einen Spiegel mit deren aktueller Lesekompetenz vorzuhalten. Es ist uns gelungen, eine positive Lesekultur und Leseatmosphäre in dieser Klasse zu schaffen“ (S. 18). Gesamt betrachtet belegen die drei Fallstudien den Mehrwert dieses Instruments für die diagnostische Arbeit der Lehrpersonen. Dieses Ergebnis müsste in weiterer Folge mit einem repräsentativen Datensatz zum Einsatz im Unterricht an Berufsschulen noch untermauert werden. Dass die Diagnose und Lernaufgabe „Jugend und Internet“ für Berufsschülerinnen und Berufsschüler auch ein wertvolles Instrument zur selbstreflexiven Auseinandersetzung ist, und zum Ausgangspunkt für spannende Projekte werden kann, zeigt eindrucksvoll das Beispiel einer Klasse für kaufmännische Berufe in Vorarlberg. Fazit Mit dem Innsbrucker Lesediagnostikum steht den Berufsschulen ein in den Unterrichtsgegenständen der Fachgruppe I flexibel integrierbares, schnell durchzuführendes und einfach auszuwertendes Verfahren zur Feststellung einer geringen Lesefähigkeit bei Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr zur Verfügung. 5. Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 72 Literatur Artelt, C., Stanat, P., Schneider, W., & SchiefeIe, U. (2001). Lesekompetenz: Testkonzeption und Ergebnisse. In J. Baumert (Hrsg.), PISA 2000: Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich (S. 69-140). Opladen: Leske + Budrich. Baumert, J., Stanat, P., & Demmrich, A. (2001). PISA 2000. Untersuchungsgegenstand, theoretische Grundlagen und Durchführung der Studie. In J. Baumert (Hrsg.), PISA 2000: Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich (S. 1568). Opladen: Leske + Budrich. 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Zum Lösen der Aufgaben können die Berufsschülerinnen und Berufsschüler jederzeit auf den Informationstext zurückgreifen. • Sozialform: Die Berufsschülerinnen und Berufsschüler arbeiten in Einzelarbeit. • Unterstützung: Die Diagnoseaufgabe ist selbsterklärend. Eine Unterstützung durch die Lehrperson und/oder Mitschülerinnen/Mitschüler ist nicht vorgesehen. • Dauer: Die Durchführung der Diagnoseaufgabe erfolgt in einer Unterrichtseinheit (50 Minuten) ohne zeitliche Begrenzung. • Anonymität: Eine anonyme Durchführung verfehlt den Zweck des Einsatzes der Diagnoseaufgabe, nämlich das gezielte Erkennen einer Leseschwäche und darauf aufbauend, das Setzen von spezifischen Fördermaßnahmen. Wichtig ist es, den Berufsschülerinnen und Berufsschülern zu versichern, dass keine Beurteilung der Leistung (Note) erfolgt. Damit die Diagnoseaufgaben den einzelnen Berufsschülerinnen und Berufsschülern zugeordnet werden können, ist darauf zu achten, dass sie ihren Namen auf die Seite 1 des Arbeitsblatts schreiben. Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 74 1 Jugendliche finden das Internet wichtig für ihr Leben Ergebnisse einer Untersuchung Jugendliche und Internet – diese Kombination ist Anlass für Fantasien und Spekulationen. Mit der Internetnutzung von Jugendlichen werden Ängste, Erwartungen und Hoffnungen recht unterschiedlicher Art verbunden. Die Verbreitung von neuen, multifunktionalen Medien nimmt bei Jugendlichen rasant zu, das Kommunizieren mit Smartphones und Tablet-PCs ist für viele Jugendliche zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Bedeutung, die neue Medientechnologien im Laufe der letzten zehn bis zwanzig Jahre erlangten, lässt ein Leben fernab neuer Medien wie das Internet für Kinder und Jugendliche nicht mehr zu. Daher ist es wichtig, dass sich Jugendliche im Internet gut auskennen. Sie sollen sich auch deshalb im Internet auskennen, damit sie in ihren Peer-Groups als ein aktives Mitglied anerkannt werden. Ein internationales Internet-Marktforschungsinstitut untersuchte, welche Strukturen und Angebote von Jugendlichen im virtuellen Raum genutzt werden. Im Zentrum dieser Studie steht die Untersuchung der Unterschiede in der Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen verschiedener sozialer Herkunft. Die Ergebnisse der Erhebung zu Nutzungsweisen von Jugendlichen im Internet zeigen deutlich, dass der Bildungshintergrund der Jugendlichen sowie ihre soziale Umgebung eine zentrale Rolle spielen. So finden sich große Unterschiede zwischen Personen mit höherem und niedrigerem Bildungsstand in Bezug darauf, wie sie jeweils das Internet nutzen. Gleichzeitig eröffnet das Internet neue Bildungsmöglichkeiten durch selbstgesteuerte Informationsaneignung, Kommunikation mit anderen Lernenden und gemeinsames Lernen. Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 75 2 Durch die vorliegende Untersuchung zu den Unterschieden bei der Nutzung des Internets durch Jugendliche abhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Bildungsstand wird deutlich, dass das Internet nicht automatisch Vorteile für alle bringt. Es gibt auch im virtuellen Raum soziale Ungleichheit. Wie sieht die Nutzung des Internets bei Jugendlichen im Detail aus? Mehr als die Hälfte der jugendlichen Internet-NutzerInnen zwischen zwölf und 24 Jahren sind über zehn Stunden in der Woche online, über ein Drittel von ihnen sogar mehr als 15 Stunden. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Studie eines anerkannten Internet-Marktforschungsinstituts. Dabei wurden 1.021 jugendliche Internet-NutzerInnen zwischen zwölf und 24 Jahren befragt. 54 Prozent der Befragten stufen dabei das Internet als „sehr wichtig“ für ihr Leben ein. Vier von fünf Jugendlichen bestimmen bei der Internet-Nutzung selbst, welche Seiten sie ansurfen. Nach interessanten Seiten suchen Jugendliche hauptsächlich über Suchmaschinen (75 Prozent), aber auch Empfehlungen von Freunden (54 Prozent) oder Web-Adressen aus der Werbung (39 Prozent) spielen eine Rolle. Viele der jungen Surfer nutzen darüber hinaus Online-Zeitschriften und Foren, um sich über Internetseiten zu informieren. Vor allem interessieren sich Jugendliche im Internet für soziale Netzwerke, so die Studie. Fast sieben von zehn der befragten Buben (68 Prozent) und 85 Prozent der Mädchen nennen dies als ihre Hauptbeschäftigung, wenn sie online sind. Zwischen den befragten Burschen und Mädchen gibt es diesbezüglich Unterschiede (siehe Tabelle 1). Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 76 3 Soziale Netzwerke Burschen Mädchen Facebook 82% 92% WhatsApp 59% 81% Twitter 60% 68% Google+ 34% 30% Instagram 53% 72% Tabelle 1: Soziale Netzwerke – unterschiedliches Interesse bei Burschen und Mädchen In Bezug auf die Interessenbereiche Jugendlicher im Internet ist über Soziale Netzwerke hinaus das Thema „Unterhaltung“ besonders wichtig: die Lieblingsmusik anhören, Videos und Fotos ansehen oder Online-Spiele spielen – all das sind Angebote für Jugendliche im Internet, die dem Interessenbereich „Unterhaltung“ zugeordnet werden. Das beliebteste Unterhaltungsmedium für Jugendliche ist YouTube. Weitere wichtige Interessenbereiche für Jugendliche sind Kommunikation (E-Mails, Blogs), Informationsbeschaffung und Online-Shopping. Für Kinder ist nicht das Internetsurfen sondern das Spielen von großer Bedeutung. Einerseits sind Computer und Spielkonsolen als Spielzeug wichtig, andererseits auch ein Smartphone, das Spielen ermöglicht. Mit zunehmendem Alter nimmt besonders bei Mädchen das Interesse an Computerspielen ab, bei Burschen bleibt das Interesse groß. Die Jungs sind mit 70% eindeutig in der Überzahl. Vielspielende haben überwiegend einen niedrigen Bildungshintergrund. Die favorisierten Spielmedien der Vielspielenden sind in der folgenden Abbildung dargestellt. Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 77 4 Abbildung 1: Favorisierte Spielmedien bei Jugendlichen 86 Prozent der befragten Jugendlichen mit Internet-Zugang haben schon einmal im Web eingekauft, wobei die Bestellsummen oft über hundert Euro betragen. 15 Prozent haben sogar schon einmal mehr als 250 Euro für eine Bestellung ausgegeben. Neun von zehn der jugendlichen Surfer haben bereits einmal an einem Online-Gewinnspiel teilgenommen. Wörter, die Sie vielleicht nicht kennen: online: im Internet Peer-Group: Gleichaltrige Spekulation: Annahme, Vermutung Virtueller Raum: ist ein „nicht wirklicher“ Raum im Internet z.B. eine Webseite oder eine vom Computer nachgemachte Wirklichkeit Web: Abkürzung für das Internet – World Wide Web (deutsch: Weltweites Gewebe) Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 78 5 Aufgabenblatt Ihr Name: _____________________ Lesen Sie bitte den Zeitschriftenartikel genau durch! 1. Nennen Sie drei im Text genannte Gründe, warum sich Jugendliche im Internet auskennen sollen! • ____________________________________________ • ____________________________________________ • ____________________________________________ 2. Wofür interessieren sich Jugendliche im Internet besonders? Zählen Sie die im Text genannten fünf Interessenbereiche auf! • ____________________________________________ • ____________________________________________ • ____________________________________________ • ____________________________________________ • ____________________________________________ Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 79 6 3. Folgende Aussage ist falsch. Suchen Sie mit Hilfe des Zeitschriftenartikels die Fehler. Stellen Sie die Aussage richtig! 86 Prozent der befragten Jugendlichen mit Internet-Zugang haben schon öfters im Web eingekauft, wobei die Bestellsummen oft über zweihundert Euro betragen. 15 Jugendliche haben sogar schon einmal mehr als 250 Euro für eine Bestellung ausgegeben. 4. Vergleichen Sie die Darstellung im folgenden Diagramm mit den Angaben im Zeitschriftenartikel! Kreuzen Sie die richtige Antwort an! Aussage stimmt Aussage ist falsch 20 80 0 20 40 60 80 100 an einem Online-Gewinnspiel noch nicht teilgenommen an einem Online-Gewinnspiel teilgenommen Anzahl von jugendlichen Surfern, die bereits einmal an einem Online- Gewinnspiel teilgenommen haben % % Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 80 7 5. Vergleichen Sie die folgenden fünf Aussagen mit den Angaben im Zeitschriftenartikel! Kreuzen Sie die jeweils richtige Antwort an! a) Mehr als 50% der jugendlichen Internet-NutzerInnen zwischen zwölf und 24 Jahren sind über zehn Stunden in der Woche online. Aussage stimmt Aussage ist falsch b) Nach interessanten Seiten suchen Jugendliche hauptsächlich über Suchmaschinen (zwei Drittel), aber auch Empfehlungen von Freunden (mehr als die Hälfte) oder Web-Adressen aus der Werbung (39 Prozent) spielen eine Rolle. Aussage stimmt Aussage ist falsch c) Der Bildungshintergrund der Jugendlichen sowie ihre soziale Umgebung spielen bei der Nutzung des Internets eine zentrale Rolle. Aussage stimmt Aussage ist falsch d) Interesse im Internet: Buben haben doppelt so viel Interesse an Twitter als Mädchen an Google+. Aussage stimmt Aussage ist falsch e) Die favorisierten Spielmedien der Vielspielenden sind PC und Spielkonsole. Mit 38% am wenigsten favorisiert werden im Internet vernetzte Spiele. Aussage stimmt Aussage ist falsch 6. Das Interesse der befragten Burschen und Mädchen an sozialen Netzwerken im Internet ist unterschiedlich. Vergleichen Sie die unterschiedlichen Angaben zum Interesse von Buben und Mädchen in Tabelle 1! Erstellen Sie bitte für Buben und Mädchen jeweils eine Hitliste! Beginnen Sie mit dem größten Interesse! Interesse an sozialen Netzwerken Burschen Mädchen Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 81 2 Lösungsblatt 1. Nennen Sie drei im Text genannte Gründe, warum sich Jugendliche im Internet auskennen sollen! Folgende vier Antworten sind möglich bei einer maximalen Anzahl von drei Punkten! • ein (Leben fernab neuer Medien wie das Internet) ist für Kinder und Jugendliche nicht mehr möglich • um in Peer-Groups als aktives Mitglied anerkannt werden • das Internet ermöglicht neue Bildungsmöglichkeiten durch selbstgesteuerte Informationsaneignung, Kommunikation mit anderen Lernenden und gemeinsames Lernen. Der kursiv gesetzte Informationstext erläutert, wie neue Bildungsmöglichkeiten entstehen. Für die Zusatzinformation wird kein zusätzlicher Punkt vergeben. Es gibt also maximal einen Punkt für eine Antwort mit Bezug zu neuen Bildungsmöglichkeiten Antwortbeispiele: „selbstgesteuerte Informationsaneignung“, „Bildungsmöglichkeiten“ Die zwei Angaben entsprechen einer korrekten Antwort = 1 Punkt „Selbstgesteuerte Informationsaneignung“ = Bezug zu neuen Bildungsmöglichkeiten ist gegeben, daher 1 Punkt • um mit anderen zu kommunizieren (das Kommunizieren mit Smartphones und Tablet-PCs ist für viele Jugendliche zur Selbstverständlichkeit geworden) 2. Wofür interessieren sich Jugendliche im Internet besonders? Zählen Sie die im Text genannten fünf Interessenbereiche auf! • Soziale Netzwerke • Unterhaltung, auch „Unterhaltungsangebote“ nicht jedoch „Spielmedien“ Für Antworten wie „Musik anhören“, „Videos und Fotos ansehen“, „online spielen“, „YouTube“, „E-Mails“, „Blogs“ wird kein Punkt vergeben, da diese Antworten Beispiele für die jeweiligen Interessenbereiche sind. • Kommunikation • Informationsbeschaffung (auch Informationsaneignung) • Online-Shopping, auch „online einkaufen“ Je einen Punkt für diese fünf im Text genannten Interessenbereiche 5 Punkte Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 82 3 3. Folgende Aussage ist falsch. Suchen Sie mit Hilfe des Zeitschriftenartikels die Fehler. Stellen Sie die Aussage richtig! 86 Prozent der befragten Jugendlichen mit Internet-Zugang haben schon öfters im Web eingekauft, wobei die Bestellsummen oft über zweihundert Euro betragen. 15 Jugendliche haben sogar schon einmal mehr als 250 Euro für eine Bestellung ausgegeben. 86 Prozent der befragten Jugendlichen mit Internet-Zugang haben schon einmal im Web eingekauft, wobei die Bestellsummen oft über hundert Euro (auch korrekt: 100 Euro) betragen. 15 Prozent (auch korrekt: 15 %) haben sogar schon einmal mehr als 250 Euro für eine Bestellung ausgegeben. 3 Punkte (keinen Punkteabzug für Rechtschreibfehler) 4. Vergleichen Sie die Darstellung im folgenden Diagramm mit den Angaben im Zeitschriftenartikel! Kreuzen Sie die richtige Antwort an! Aussage ist falsch 1 Punkt 5. Vergleichen Sie die folgenden drei Aussagen mit den Angaben im Zeitschriftenartikel! Für jede korrekte Antwort 1 Punkt a) Mehr als 50% der jugendlichen Internet-NutzerInnen zwischen zwölf und 24 Jahren sind über zehn Stunden in der Woche online. Aussage stimmt b) Nach interessanten Seiten suchen Jugendliche hauptsächlich über Suchmaschinen (zwei Drittel), aber auch Empfehlungen von Freunden (mehr als die Hälfte) oder Web-Adressen aus der Werbung (39 Prozent) spielen eine Rolle. Aussage ist falsch 20 80 0 20 40 60 80 100 an einem Online-Gewinnspiel noch nicht teilgenommen an einem Online-Gewinnspiel teilgenommen Anzahl von jugendlichen Surfern, die bereits einmal an einem Online- Gewinnspiel teilgenommen haben % % Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 83 4 c) Der Bildungshintergrund der Jugendlichen sowie ihre soziale Umgebung spielen bei der Nutzung des Internets eine zentrale Rolle. Aussage stimmt d) Interesse im Internet: Buben haben doppelt so viel Interesse an Twitter als Mädchen an Google+. Aussage stimmt e) Die favorisierten Spielmedien der Vielspielenden sind PC und Spielkonsole. Mit 38% am wenigsten favorisiert werden im Internet vernetzte Spiele. Aussage ist falsch 6. Das Interesse der befragten Burschen und Mädchen an sozialen Netzwerken im Internet ist unterschiedlich. Vergleichen Sie die unterschiedlichen Angaben zum Interesse von Buben und Mädchen in Tabelle 1! Erstellen Sie bitte für Buben und Mädchen jeweils eine Hitliste! Beginnen Sie mit dem größten Interesse! Für jede korrekt ausgefüllte Spalte 1 Punkt Interesse an sozialen Netzwerken Burschen Mädchen Facebook Facebook Twitter WhatsApp WhatsApp Instagram Instagram Twitter Google+ Google+ Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 84 5 Auswertungsblatt Das standardisierte „Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschüler/innen“ ermöglicht die Feststellung einer Lesekompetenzschwäche von Berufsschüler/innen der ersten Klasse: Erreicht ein/e Berufsschüler/in nur einen Gesamtsummenscore ≤ 9, ist von einer geringen Fähigkeitsausprägung auszugehen. Der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Aufgaben ist hierbei nicht relevant. Die Angaben zur deskriptiven Statistik dienen als Orientierung, wie die Leistung in den zwei Teilbereichen einzuschätzen ist. Diagnoseaufgabe „Jugend und Internet“: Auswertungstabelle Lineares, selektives Lesen Nicht lineares, selektives Lesen Anzahl Punkte pro Aufgabe Aufgabe 1: ___/ von 3 Aufgabe 2: ___/ von 5 Aufgabe 3: ___/ von 3 Aufgabe 4: ___/ von 1 Aufgabe 5a: ___/ von 1 Aufgabe 5b: ___/ von 1 Aufgabe 5c: ___/ von 1 Aufgabe 5d: ___/ von 1 Aufgabe 5e: ___/ von 1 Aufgabe 6: ___/ von 2 Erreichte Punkte in den Teilbereichen __________ __________ Wie die Leistung in den zwei Kompetenzbereichen einzuschätzen ist: (Deskriptive Statistik: n=557 Berufsschüler/innen der ersten Klasse) 26% erzielten 5 Punkte oder weniger 51% erzielten zw. 6 und 9 Punkte 20,3% erzielten zw. 10 und 12 Punkte 2,7% erzielten 13 oder 14 Punkte 31,8% erzielten 2 Punkte oder weniger 42,2% erzielten 3 oder 4 Punkte 26% erzielten alle Punkte Gesamtpunktescore __________ von max. 19 Punkten Schwellenparameter Gesamtpunktescore für die Diagnose einer Lesekompetenzschwäche ≤ 9 40,1% (n=557) erzielten 9 Punkte oder weniger Aktuelle PISA Studie 2012 als weitere Vergleichsgröße: 38,9% der 15-/16-jährigen Berufsschüler/innen zählen zur Risikogruppe (n=754) Das Innsbrucker Lesediagnostikum für Berufsschülerinnen und Berufsschüler im ersten Ausbildungsjahr 85

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Zusammenfassung

Dieser Sammelband mit Beiträgen aus Österreich und Deutschland thematisiert die Förderung von Lesekompetenz von Jugendlichen in Ausbildung. In Grundlagenbeiträgen wird der Frage nachgegangen, wie eine wirksame Förderung der Lesekompetenz und Lesemotivation aussehen kann, und wie Instrumente zur Lesediagnose (im Unterricht) eingesetzt werden können. Die Bedeutung von Lesekompetenz für die Bewältigung betrieblicher Anforderungssituationen wird anhand von Ergebnissen zweier qualitativer Studien diskutiert. Impulse und Vorgaben der Bildungspolitik stehen in einem weiteren Beitrag im Fokus. Im zweiten Teil werden konkrete, praxisnahe Ansätze im schulischen und außerschulischen Kontext, unterlegt mit empirischen Befunden, vorgestellt. Sechs reflektierte Praxisberichte von Lehrerinnen und Lehrern an Berufsschulen sowie berufsbildenden mittleren und höheren Schulen komplementieren den Sammelband und veranschaulichen, dass eine regelmäßige Förderung der Lesekompetenz als ein integraler Bestandteil des Unterrichts in allen Fachbereichen möglich ist.