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Ewald Bechter, „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft in:

Paul Resinger (ed.)

Förderung der Lesekompetenz bei Jugendlichen in Ausbildung, page 131 - 144

Grundlagen - Konzepte - Praxisbeispiele

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4159-8, ISBN online: 978-3-8288-7042-0, https://doi.org/10.5771/9783828870420-131

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Pädagogik, vol. 48

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Ewald Bechter „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft Ewald Bechter, BEd, Lehrer am Bäuerlichen Schul- und Bildungszentrum für Vorarlberg. Arbeitsschwerpunkte: Fachpraktischer und fachtheoretischer Unterricht im Bereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft. Kontakt: ewald.bechter@bsbz.at Einleitung Verschiedene Unterrichtsgegenstände mit einer fachübergreifenden Lernaufgabe zu verknüpfen, war eine große Motivation für die Ausarbeitung des Themas Holzausformung von Bauholz. In Zeiten der Industrialisierung der Sägewerke ist die Holzausformung immer mehr die Aufgabe vom Waldbesitzer. Aktuelle Initiativen wie „Holz von Hier – Strategien für regionales Holz“ im Bundesland Vorarlberg zeigen die Wichtigkeit dieser Thematik. Im Kompetenzmodell zum kompetenzorientierten Lehrplan ist auch die Holzausformung verankert. Das Ausformen von Bauholz stellt sicherlich eine größere Herausforderung dar als das Ausformen von gängigen Holzsortimenten für den Holzhandel. Neben der Fachkompetenz wird mit dieser Lernaufgabe die Lesekompetenz im Besonderen gefördert. Das nicht-lineare Textverständnis wird mit Hilfe von praxisüblichen Tabellen geübt. Die Schülerinnen und Schüler können Informationen aus Grafiken, Tabellen, Schaubildern und Bild-Textkombinationen ermitteln. Lehrplanbereich Im Lehrplan ist vorgesehen, dass im Gegenstand Waldwirtschaft im 2. Jahr Fachschule die Themen Holzmesskunde, Holzausformung sowie Holzsortimente erlernt werden. Im Unterrichtsgegenstand Baukunde, welcher im 3. Jahr unterrichtet wird, sieht die Bildungs- und Lehraufgabe vor, dass Schülerinnen und Schüler zur Planung und Ausführung einfacher Bauprojekte befähigt werden. Dies ist die Grundlage im Lehrplan für eine fächerübergreifende Verknüpfung dieser Themen. 131 Lernziele Die Schülerinnnen und Schüler – ermitteln Informationen aus Grafiken, Tabellen, Schaubildern und Bild-Text- Kombinationen, – wenden Tabellen für die Berechnung von Volumen an, – lösen die Multiple-Choice-Aufgaben aus dem nicht-linearen Text heraus, – lernen den Begriff Mindestzopfdurchmesser, – wissen, wie wichtig die Holzausformung im Bezug auf die Ausführung von Holzbauprojekten mit Rundholz ist, – errechnen einen Mindestzopfdurchmesser ohne und mit Tabelle. Mit der Lernaufgabe Holz ausformen – Vom Baum zum Bauholz können sich Schülerinnen und Schüler das Wissen aneignen, um mit dessen Hilfe Bauholz für einfache Bauwerke im Wald selbst auszuformen. Vorwissen Es wird vorausgesetzt, dass Begriffe wie fm (Festmeter), BHD (Brusthöhendurchmesser) und Vollholzigkeit für Schülerinnen und Schüler bekannt sind. Damit die Lernaufgabe erfolgreich bearbeitet werden kann, sollten Schülerinnen und Schüler mit Längen, Flächen, Volumen zurechtkommen. Individuallage Die Lernaufgabe wird im Theorieunterricht mit ca. 25–30 Schülerinnen und Schülern in einer dreijährigen Fachschulklasse eingesetzt. Die Lernenden sind ca. 16 Jahre alt und haben in der Schule schon viele Grundkompetenzen im Bereich Waldwirtschaft erlernt. Das Leistungsvermögen der Lernenden ist sehr unterschiedlich, von sehr schwachen Schülerinnen und Schülern bis zu ca. einem Drittel, das die Voraussetzungen für die Aufnahme in die Höhere Landwirtschaftliche Lehranstalt erfüllt. Einordnung der Lesefördermaße nach dem PISA-Modell der Lesekompetenz (Schwantner & Schreiner, 2013, S. 20 f.) Medium: gedruckter Text Textformat: gemischtes Textformat Texttypen: Beschreibung, Anleitung Leseprozess: Entwickeln eines allgemeinen Verständnisses und Heraussuchen von Informationen Lesetechnik: Selektives Lesen und Scanning „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft 132 Beschreibung der Lesefördermaßnahmen Die Schülerinnen und Schüler bekommen Informations- und Tabellen- und Arbeitsblätter. Zum einen arbeiten sie mit der Kubaturtabelle und zum anderen mit Tabellen für den Mindestzopfdurchmesser. Es wird mit sehr einfachen Beispielen mit nur einem Stamm begonnen und mit schwierigeren Aufgaben mit mehreren Antwortmöglichkeiten weitergearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler müssen selbstständig die Tabellen lesen und die richtigen Tabellen auswählen und anwenden. Abschließend sind Berechnungen mit einer Formel erforderlich, dies dient auch der Kontrolle. Um das selbstständige Erarbeiten der Schätzregeln und das Verständnis der Holzmesskunde zu erleichtern, wurden die Regeln aus Beispielen abgeleitet. Beim ersten Arbeitsblatt mit den Aufgaben 1 und 2 (siehe S. 134) lernen Schülerinnen und Schüler, mit einer Kubaturtabelle umzugehen. Diese Tabelle gibt es in der Praxis ähnlich einem dünnen Heft, gefaltet im kleinen Format, und sie wurde unter anderem vom Vorarlberger Waldverein veröffentlicht. Beim Arbeiten im Wald ist es wichtig, eine Holzmenge zu schätzen. Dies ist etwas einfacher, wenn man bei einer häufig verwendeten Länge von 5 Metern das Volumen bei 50 cm Mitteldurchmesser weiß. In der Aufgabe 2 wird den Schülerinnen und Schülern klargemacht, dass das Volumen bei Zunahme des Durchmessers exponentiell wächst. „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft 133 „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft 134 Auf dem Arbeitsblatt 3 mit der Aufgabe 4 (siehe S. 136) lernen Schülerinnen und Schüler Begriffe wie den des Zopfdurchmessers, und sie werden in die Thematik des Mindestzopfdurchmessers eingeführt. Hier sind mathematische Grundkenntnisse z.B. der des pythagoreischen Lehrsatzes gefragt. „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft 135 „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft 136 Auf dem Arbeitsblatt 4 mit der Aufgabe 5 (siehe S. 138) werden unterschiedliche Schnittklassen mit dem Unterschied der Vollholzigkeit erläutert. Damit für die Lernenden die Thematik etwas praxisnaher erscheint, wird mit Beginn der Aufgabe eine Frage nach der Schnittklasse für das eigene Haus gestellt. In einem weiteren Bereich befassen sich Schülerinnen und Schüler mit einer Tabelle für Mindestzopfdurchmesser einer Schnittklasse. Die Frage, was es mit den fettgedruckten Zahlen auf sich hat, ist sicherlich nicht leicht zu lösen. „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft 137 „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft 138 Die Aufgabe 6 (siehe S. 140) ist sicherlich eine der am leichtesten zu lösen. Hier beginnt die praktische Simulation einer Aufgabe. Für das Erstellen eines Schuppens wird Holz benötigt. Die Beschriftung der Holzbalken mit Hilfe einer Holzliste dient dem fächerübergreifenden Wissen im Bereich Baukunde. „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft 139 „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft 140 Bei der Aufgabe 9 (siehe S. 142) wird der Umgang mit Sonderformen wie zum Beispiel einem ovalen Baumstamm erlernt. Ebenfalls beinhaltet die Aufgabe, wie ohne Hilfe von Tabellen ein Mindestzopfdurchmesser berechnet werden kann. Wer dies schafft, kann kontrollieren und für Dimensionen, welche in den Tabellen nicht vorkommen, den Mindestzopfdurchmesser berechnen. „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft 141 „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft 142 Kritische Reflexion nach dem Einsatz Das Arbeiten mit einer Lernaufgabe bereitet mir als Lehrer besondere Freude. Mit dieser Methode wird für mich als Lehrperson im Unterricht Zeit freigespielt, und ich kann mich besser um schwächere Schülerinnen und Schüler kümmern. Schon beim Lösen der ersten Aufgaben konnte ich feststellen, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler den Text genau durchlesen. Lieber versuchten sie, schnellstmöglich die Aufgaben zu lösen, anstatt die Aufgabenstellung genau zu studieren. Die Evaluation nach Abschluss der Lernaufgabe ergab, dass das eigenständige Lernen nicht für alle Schülerinnen und Schüler motivierend ist. Bei der Frage, welche Aufgabe besonders schwierig zu lösen war, gaben mehrere Lernende an, dass die Aufgabe 5 (siehe Abbildung 3) ihnen Probleme bereitete, bzw. dass hier zusätzliche Hilfe benötigt wird. Bei einer Lernzielkontrolle, bei welcher auch der Unterrichtsstoff der Lernaufgabe Inhalt war, konnte festgestellt werden, dass zum Beispiel der Begriff „Mindestzopfdurchmesser“ von den Schülerinnen und Schüler gut verstanden wurde. Eine Rechenaufgabe, bei dem der Mindestzopfdurchmesser mit Hilfe der Faustformel berechnet werden sollte, wurde nicht zufriedenstellend gelöst. Interessant war dabei, dass einige Schülerinnen und Schüler den richtigen Rechenweg anschreiben konnten, jedoch die Multiplikation „62 x 0,7“ ohne den Gebrauch eines Taschenrechners nicht lösen konnten. Literatur Schwantner, U., & Schreiner, C. (Hrsg.). (2013). PISA 2012. Internationaler Vergleich von Schülerleistungen. Die Studie im Überblick. Graz: Leykam. „Holzausformung – Vom Baum zum Bauholz ausgeformt.“ Lernaufgabe im Fachbereich Holzbearbeitung und Waldwirtschaft 143

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Zusammenfassung

Dieser Sammelband mit Beiträgen aus Österreich und Deutschland thematisiert die Förderung von Lesekompetenz von Jugendlichen in Ausbildung. In Grundlagenbeiträgen wird der Frage nachgegangen, wie eine wirksame Förderung der Lesekompetenz und Lesemotivation aussehen kann, und wie Instrumente zur Lesediagnose (im Unterricht) eingesetzt werden können. Die Bedeutung von Lesekompetenz für die Bewältigung betrieblicher Anforderungssituationen wird anhand von Ergebnissen zweier qualitativer Studien diskutiert. Impulse und Vorgaben der Bildungspolitik stehen in einem weiteren Beitrag im Fokus. Im zweiten Teil werden konkrete, praxisnahe Ansätze im schulischen und außerschulischen Kontext, unterlegt mit empirischen Befunden, vorgestellt. Sechs reflektierte Praxisberichte von Lehrerinnen und Lehrern an Berufsschulen sowie berufsbildenden mittleren und höheren Schulen komplementieren den Sammelband und veranschaulichen, dass eine regelmäßige Förderung der Lesekompetenz als ein integraler Bestandteil des Unterrichts in allen Fachbereichen möglich ist.