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5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout in:

Fabian Fürst

Burnout bei Lehrkräften, page 89 - 126

Theorie - Ursachen - Prävention - Intervention

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4160-4, ISBN online: 978-3-8288-7040-6, https://doi.org/10.5771/9783828870406-89

Series: Tectum - Masterarbeiten

Tectum, Baden-Baden
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Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit präventiven und intervenierenden Maßnahmen, welche Burnout bei Lehrkräften vorbeugen oder kurieren sollen. Die Literatur zu den Präventions- und Interventionsmaßnahmen bei Burnout ist umfangreich und vielfältig. Dies resultiert daraus, dass es für das Burnout-Syndrom kein allgemeingültiges Rezept zur Verhinderung oder Linderung geben kann, da die Ursachenzusammenhänge von Person zu Person unterschiedlich sind. Deshalb muss das Angebot der Hilfsmöglichkeiten ebenso breit aufgestellt sein. Burisch verwies bereits 1994 im Bereich der Angebote zur Prävention und Intervention von Burnout auf die Problematik hin, dass nur die wenigsten Praktiken wissenschaftlich erprobt worden sind. Auch heute noch kritisiert er: „Was Prophylaxe, Prävention und Therapie des Burnout-Syndroms betrifft, besteht ein großes Missverhältnis zwischen veröffentlichen Vorschlägen und informell gesammelten Erfahrungen. Nahezu jede der zitierten berufsspezifischen Burnout-Beschreibungen enthält Anweisungen, was zu tun ist, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, und nicht wenige widmen sich auch den Möglichkeiten zur Abdeckung des Brunnens. Erprobt ist davon das allerwenigste“.98 Diese Ansicht wird heute allerdings nicht mehr von vielen Forschern geteilt. Im folgenden Kapitel soll es darum gehen, unterschiedliche Maßnahmen zur Prävention und Intervention von Burnout vorzustellen. Eine Bewertung der einzelnen Maßnahmen kann hierbei nicht durchgeführt werden. Weiter ist zu beachten, dass sich einige Maßnahmen zur Prävention sowie auch zur Intervention eignen, das heißt, dass einige Punkte sich in der Prophylaxe und in der Therapie wiederfinden. 5. 98 Burisch, Matthias: Das Burnout-Syndrom, a.a.O., S. 221. 89 Erst der letzte Punkt wird sich gezielt mit der klinischen Therapie von Lehrkräften mit Burnout beschäftigen. Professionalisierung der Lehreraus- und fortbildung Eine Professionalisierung der Lehreraus- und fortbildung kann dazu beitragen, Belastungen im Lehrerberuf zu mindern. Dies kann auf alle drei Ebenen (Organisationsebene, Individuumsebene und Systemebene) Auswirkungen haben. Zunächst sollte allerdings der Begriff der Professionalisierung geklärt werden. Eine Definition von Bauer, der die pädagogische Professionalisierung bei Lehrkräften mitentwickelt hat, lautet wie folgt: „Pädagogisch professionell handelt eine Person, die gezielt ein berufliches Selbst aufbaut, das sich an berufstypischen Werten orientiert, sich eines umfassenden pädagogischen Handlungsrepertoires zur Bewältigung von Arbeitsaufgaben sicher ist, sich mit sich und anderen Angehörigen der Berufsgruppe Pädagogen in einer nicht-alltäglichen Berufssprache verständigt, ihre Handlungen in Bezug auf eine Berufswissenschaft begründen kann und persönlich die Verantwortung für Handlungsfolgen in ihrem Einflussbereich übernimmt.“99 Unter dem Begriff „professionelles Selbst“ versteht er eine Instanz, die für die Aufmerksamkeit eines Pädagogen da ist, diese ebenso zu steuern und damit pädagogische Ziele durch schnelle Informationsverarbeitung und Handlungsmuster zu erreichen. Dieses Selbst kann von der betroffenen Person gesteuert werden, da es ein Teil des Bewusstseins ist. Da die Tradition der Professionalität beim Lehrerberuf noch keine lange ist, bleibt der Begriff weiterhin etwas unscharf. Meist wird der Begriff durch Merkmale wie systematisches, wissenschaftliches Wissen, Gemeinwohl, Selbstkontrolle, Handlungsweisen, Reflexionsfähigkeit umschrieben und vereinfacht. Die Aus- und Fortbildungen von Lehrkräften sollten sich an das professionelle Selbst wenden, da dieses bei schlechter Verfassung schnell zur beruflichen Unzufriedenheit führen kann. Damit eine voll- 5.1 99 Bauer, K.-O./Kopka, A./Brindt, S.: Pädagogische Professionalität und Lehrerarbeit. Eine qualitativ empirische Studie über professionelles Handeln und Bewusstsein. Weinheim/München 1997, S. 23. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 90 entwickelte Professionalität entwickelt werden kann, muss an der individuellen Professionalität und der Arbeitsorganisation innerhalb des Schulsystems gearbeitet werden. Die individuelle Professionalität beinhaltet die Befähigung der Lehrkräfte, ihren Unterricht zu organisieren, durchzuführen und zu reflektieren. Weiter werden beispielsweise Konzepte der Schulentwicklung, Organisationsentwicklung und die Förderung von Kompetenzen kooperativen Handelns angesprochen.100 Für eine Minderung der oben dargestellten Belastungen der Organisationsebene können vier neue Qualifikationen durch vermehrte Kooperation das „Alleingelassensein“ von Lehrkräften und die mangelnde Offenheit des Kollegiums mindern sowie den Lehrkräften zu einer größeren Autonomie verhelfen. Diese vier Bereiche gliedert Altrichter in: 1. Wissen und Kompetenzen für Prozesse des Schulsystems 2. Pädagogische und (fach-) didaktische Kompetenzen 3. Bereitschaft, Fähigkeit und Möglichkeit gemeinsamer Arbeit, Koordination und Kooperation 4. Reflexivität Weiter kann die Organisationsentwicklung zum Wohlbefinden der Lehrkräfte und zur Verminderung von Belastungen beitragen. Unter diesem Begriff versteht man, dass die Schule aus gewonnen Erkenntnissen der Vergangenheit Analysen durchführt und diese Wünsche, Interessen und Bedürfnisse der Mitarbeiter im Sinne der Schule verändert oder weiterentwickelt. Dabei ist der Einklang von Effizienz und Arbeitszufriedenheit das verfolgte Ziel. Die Folgen dieser Ausführungen sollten also die Aufnahme solcher Wissensgebiete sowie bereits eine in der Ausbildung angewandte Verzahnung zwischen Theorie und Praxis sein. Auch Kramis-Aebischer nennt die schulinterne Lehrerfortbildung als Motor einer positiven Schulentwicklung und als Merkmal einer „guten Schule“. Kommunikation und Kooperation unter allen beteiligten Personen in der Schule verbessern Autonomie, Aktivität, Einstellungen und das Schulklima. Demzufolge kann die Form der Fortbildung einen wesentlichen Anteil zur Belastungsvermeidung bei Lehrkräften beisteuern. Die Durchführung kann hierbei in eigener Regie durchgeführt oder außenstehende 100 Vgl.: Urbutt, Anne: Belastungen im Lehrerberuf, a.a.O., S. 33ff. 5.1 Professionalisierung der Lehreraus- und fortbildung 91 Personen, die sich mit den jeweiligen Problemen auskennen, herangezogen werden. Ein weiteres Feld ist die Teamsupervision. Bei einer Supervision geht es um die fachliche Begleitung bei Reflexionen von Arbeitssituationen und die damit verbundenen Weiterentwicklungen von professionellen Handlungsformen. Es handelt sich also um eine Beratung einzelner oder mehrerer Personen. Durchgeführt wird diese Beratung meist durch einen dafür ausgebildeten Pädagogen oder Psychologen. Wie auch bei den vorherigen Bereichen zielt die Teamsupervision auf eine Verbesserung des Arbeitsklimas, die Bewältigung einer aktuellen Konfliktlage, die Verbesserung im Bereich Kommunikation und Kooperation zwischen Lehrkräften und die damit einhergehende Erhöhung der Arbeitszufriedenheit an. Durch die soziale Unterstützung untereinander kann die seelische Gesundheit der betroffenen Lehrerinnen und Lehrern wiederhergestellt bzw. Burnout vorgebeugt werden. Bei allen dargestellten Punkten und Bereichen, wie der Teamsupervision, der Mitwirkung der Schulentwicklung und der schulinternen Lehrerfortbildungen, ist jedoch zu beachten, dass für die Lehrkräfte keine weiteren Belastungen durch die vermehrten Aufgaben hervorgerufen werden. Die neuen Qualifikationen und Anforderungen bringen die Gefahr weiterer Belastungen mit sich, auch wenn erst zu einem späteren Zeitpunkt die Resultate wirken können.101 Reduzierung der Arbeitsbelastung Kooperatives Lernen Beim kooperativen Lernen wandelt sich die klassische Rolle der Lehrkraft, was bedeutet, dass sie statt beispielsweise Wissensvermittlung und Frontalunterricht vielmehr das Organisieren und Moderieren von Lernprozessen als Aufgabe wahrnimmt. Kooperatives Lernen bedeutet auch, dass sich die Grundstruktur der Schüler verändert. Die Schüler sind zunehmend in der Lage, einzelne Lernabschnitte und Lernfunk- 5.2 5.2.1 101 Vgl.: Ebd. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 92 tionen selbstständig zu übernehmen. Dies reduziert die Anspannung und Belastung des Lehrers im laufenden Unterricht erheblich. Bei schüleraktiven Phasen nimmt die Lehrkraft die Rolle des Beobachters ein, welches eine innere Distanz zwischen Lehrerinnen und Lehrern und Unterrichtsgeschehen aufbaut. Allerdings sind der Einsatz und die Durchführung von kooperativen Lernformen kein Garant für entspannten Unterricht oder Entlastungen seitens der Lehrkraft. Um das Entspannungspotenzial des kooperativen Lernens voll nutzen zu können, müssen einige Aspekte, die folgend dargestellt werden, berücksichtigt werden.102 Kooperation im Kollegium Die Umsetzung kooperativer Lernformen benötigt viel Zeit und Geduld, ist aber langfristig gesehen eine gute Investition. Kooperation unter Lehrkräften lebt auch den Schülerinnen und Schülern vor, wie man gemeinsam etwas aufbauen kann. Mit der Zeit akzeptieren diese kooperative Prozesse als Selbstverständlichkeit. Kooperation im Kollegium macht sich durch aktive Teamarbeit sicht- und spürbar. Durch Zusammenarbeit unter Lehrern bei Schülern der gleichen Klassenstufe lässt sich die Unterrichtsvorbereitung reduzieren und Doppelarbeit vermeiden. Durch Materialaustausch, methodische Settings oder Stundenaufbauten entwickelt sich ein kooperatives Lern- bzw. Lehrarrangement für die Lehrkräfte. Transparenz und Routine Grundlage des kooperativen Arbeitens im Unterricht ist der Übergang von der Einzelarbeit über Partnerarbeit bis zur Gruppenarbeit. Hilfreich sind hierbei unterschiedliche Methoden wie beispielsweise Placemat, Lerntempoduell oder Gruppenpuzzle. Die eingeübten Sozialformen werden nur durch regelmäßiges Einüben für die Schülerschaft transparent. Später sollten die Lernprozesse, egal welcher Sozialform, von den Schülerinnen und Schülern reflektiert werden, damit sie sel- 102 Vgl.: Schmalenbach, Jan: Entlastung im Unterricht. Das Potenzial kooperativer Arbeitsformen, in: Kliebisch, Udo W./Meloefski, Roland (Hrsg.): Lehrergesundheit. Anregungen für die Praxis. Schneider Verlag Hohengehren GmbH. Baltmannsweiler 2009, S. 103. 5.2 Reduzierung der Arbeitsbelastung 93 ber erkennen können, wie sie ihre Arbeitsweisen und ihr Verhalten beurteilen und verändern können. Dieses Vorgehen kann z.B. bei gemeinsam aufgestellten Klassenregeln hilfreich sein. Empirische Studien belegen die Wirksamkeit kooperativen Lernens bei Schülerinnen und Schülern. Durch die Übernahme unterschiedlicher Lehrerfunktionen durch die Schüler verkleinert sich das Belastungsfeld des Unterrichtens für den Lehrers. Dass diese Lernform nicht nur Lehrkräfte entlastet, sondern auch Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernprozess unterstützt, ist ein Argument, das für diese didaktische Methode spricht.103 Entlastung durch Schülerselbstbeurteilung Gegenwärtig ist in den meisten Schulen und Unterrichtseinheiten der fragenentwickelnde Unterricht mit seinen vielen lehrerzentrierten Phasen und wenig Selbstständigkeit der Schülerschaft dominierend. Die vorherrschende Durchführung der Leistungsbeurteilung und -messung stärkt die Beanspruchung der Lehrkraft und steigert die Belastung im Unterricht. Folgende Abbildung veranschaulicht die möglichen Belastungskriterien und einen möglichen Verlauf, der zur Belastungen im lehrerzentrierten Unterricht führen kann. 5.2.2 103 Vgl.: Ebd., S. 103ff. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 94 78 Abbildung 9: Belastungen im lehrerzentrierten Unterricht104 Um diese möglichen Belastungen zu vermeiden, ist es notwendig, eine Veränderung des Rollenverhältnisses, des Unterrichts und der Beurteilungspraxis zu erwägen. Ein dafür geeignetes Vorgehen sowie ein zentrales Kennzeichen für zeitgemäßen Unterricht ist die Schülerorientierung. Dabei vertraut die Lehrkraft den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schülerinnen und Schülern und übergibt ihnen somit eine Teilverantwortung für ihren eignen Lernprozess. Langfristig gesehen fördert der schülerorientierte Unterricht Selbsttätigkeit und Selbstständigkeit. Pausenlos Verantwortung zu übernehmen führt bei den meisten Lehrkräften zu Anspannung und Belastung. Die Weitergabe von Aufgaben und Prozessen an die Schüler kann den Lehrer in seiner Planung, Durchführung und Reflexion des Unterrichts erheblich entlasten. Auch im Prozess der Leistungsbeurteilung und -bewertung sollten sich die Schüler beteiligen. Dabei sollen die 104 Abb.10: Schmalenbach, Jan: Entlastung im Unterricht, a.a.O., S. 124. Belastungen im lehrerzentrierten Unterricht104Abbildung 9: 104 Abb.10: Schmalenbach, Jan: Entlastung im Unterricht, a.a.O., S. 124. 5.2 Reduzierung der Arbeitsbelastung 95 Um diese möglichen Belastungen zu vermeiden, ist es notwendig, eine Veränderung des Rollenverhältnisses, des Unterrichts und der Beurteilungspraxis zu erwägen. Ein dafür geeignetes Vorgehen sowie ein zentrales Kennzeichen für zeitgemäßen Unterricht ist die Schülerorientierung. Dabei vertraut die Lehrkraft den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schülerinnen und Schülern und übergibt ihnen somit eine Teilverantwortung für ihren eignen Lernprozess. Langfristig gesehen fördert der schülerorientierte Unterricht Selbsttätigkeit und Selbstständigkeit. Pausenlos Verantwortung zu übernehmen führt bei den meisten Lehrkräften zu Anspannung und Belastung. Die Weitergabe von Aufgaben und Prozessen an die Schüler kann den Lehrer in seiner Planung, Durchführung und Reflexion des Unterrichts erheblich entlasten. Auch im Prozess der Leistungsbeurteilung und -bewertung sollten sich die Schüler beteiligen. Dabei sollen die Schüler auf langfristige Sicht ihr Arbeits- und Lernverhalten reflektieren und dadurch ihre eigene Leistung selbstständig einschätzen können.105 Bei der Schülerselbstbeurteilung geht es allerdings nicht nur darum, dass sich die Schülerinnen und Schüler einfach Noten geben, sondern sich auch um ihre einzelnen Tätigkeiten und um die Reflexion ihrer Leistungen kümmern. Laut Schmalenbach ist die Schülerselbstbeurteilung „eine aktive Tätigkeit der Schüler, die sie am Bewertungs- und Beurteilungsprozess ihrer eigenen Leistungen beteiligt. Die Schüler reflektieren dabei ihren individuellen Lernprozess, ihr Arbeits-, Sozial- und Lernverhalten und schätzen anschließend ihre eigenen Leistungen anhand von bekannten – im Idealfall selbst entwickelten – Kriterien bzw. Indikatoren ein“.106 Um die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Reflexion und Selbsteinschätzung zu unterstützen, benutzt die Lehrkraft im Idealfall einen Selbstbeurteilungsbogen als Hilfsmittel. Dieser kann u. a. Fragen zur Arbeitszeit, zu mögliche Schwierigkeiten, zu Stärken und Schwächen, zu notwendigen Hilfen etc. beinhalten. Durch diesen Bogen können die Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Stärken und Schwächen besser einschätzen und sich damit zielorientiert auseinandersetzen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich die Lehrkraft aus der Bewertung und Benotung gänz- 105 Vgl.: Ebd., S. 125f. 106 Ebd., S. 127. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 96 lich herausnimmt. Die Lehrperson muss den Arbeitsprozess weiterhin beobachten und gegebenenfalls mit Ergänzungen kooperativ einschreiten. Durch dieses Vorgehen erreicht der einzelne Schüler nicht nur, wie oben bereits erwähnt, Selbstständigkeit und Selbstvertrauen, sondern auch ein eigenständig aufgebautes Selbst-Konzept, welches wiederum zu mehr Motivation und Selbstkritik führt. Die Folge dessen ist ein selbst initiiertes Lernen. Folgende Abbildung verdeutlicht dieses Vorgehen: 79 Abbildung 10: Konsequenzen eines neuen Selbstverständnisses des Lehrers107 Die Schülerselbstbeurteilung führt somit zu einer Erleichterung der Analyse von Lernund Lehrprozessen und der Optimierung des Unterrichtsgeschehens. Sie gibt der Lehrkraft zusätzlich weitere Informationen für die Notengebung und ermöglicht eine bessere zielorientierte, individuelle Förderung. Die Belastung der ungerechten Benotung seitens der Lehrkraft fällt somit weg. Dementsprechend führt dies zu einer Entlastung. Der Ablauf bis zu dieser Entlastung wird in folgender Abbildung vereinfacht dargestellt: 107 Abb.11: Ebd., S. 136. Konsequenzen eines neuen Selbstverständnisses des Lehrers107 Abbildung 10: 107 Abb.11: Eb ., S. 136. 5.2 Reduzierung der Arbeitsbelastung 97 Die Schülerselbstbeurteilung führt somit zu einer Erleichterung der Analyse von Lern- und Lehrprozessen und der Optimierung des Unterrichtsgeschehens. Sie gibt der Lehrkraft zusätzlich weitere Informationen für die Notengebung und ermöglicht eine bessere zielorientierte, individuelle Förderung. Die Belastung der ungerechten Benotung seitens der Lehrkraft fällt somit weg. Dementsprechend führt dies zu einer Entlastung. Der Ablauf bis zu dieser Entlastung wird in folgender Abbildung vereinfacht dargestellt: 79 Lehrkraft zusätzlich weiter Inf rmationen für die Notengebung und ermöglicht eine bessere zielorientierte, individuell Förderung. Die B l stung der ungerecht n Benotu g seitens der Lehrkraft fällt somit weg. Dementsprechend führt dies zu einer Entlastung. Der Ablauf bis zu dieser Entlastung wird in folgender Abbildung vereinfacht dargestellt: Abbildung 11: Langfristige Konsequenz einer veränderten Unterrichts- und Bewertungspraxis108 Zusammenfassend ist die Lehrkraft beim Schülerselbstbeurteilungsverfahren ein demokratischer „Architekt“ der Lern- und Sozialprozesse, der sich nur indirekt in die Arbeits- und Bewertungsprozesse einmischt und nur in bedingten Fällen Hilfestellung leistet. Durch das Vertrauen, das an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben wird, 108 Abb.12: Ebd., S. 137. Langfristige Konsequenz einer veränderten Unterrichtsund Bewertungspraxis108 Abbildung 11: 108 Abb.12: Ebd., S. 137. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 98 Zusammenfassend ist die Lehrkraft beim Schülerselbstbeurteilungsverfahren ein demokratischer „Architekt“ der Lern- und Sozialprozesse, der sich nur indirekt in die Arbeits- und Bewertungsprozesse einmischt und nur in bedingten Fällen Hilfestellung leistet. Durch das Vertrauen, das an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben wird, steigern sich der Mut und die Fähigkeit der Individuen, sich selbst wiederholend herauszufordern. Die steigernde intrinsische Motivation der Schülerinnen und Schüler wirkt sich bei der Entlastung der Lehrkraft positiv aus. Letztendlich kommt es der Lehrkraft und den Schülern zugute, wenn die Verantwortung im Schulalltag und Unterricht geteilt wird.109 Leichter Unterrichten Dass Lehrerinnen und Lehrer häufig den Fehler machen, den Unterricht allein gestalten zu müssen, wurde schon mehrmals verdeutlicht. Darunter zählen auch Fragen stellen, Tafelanschriebe, Vorlesen, Organisatorisches, usw. Spätestens mit der neueren, moderneren Pädagogik, beispielsweise durch Maria Montessori (1870-1952), hat sich das Lehrerbild und dessen Verantwortung geändert. Die Lehrkraft muss für einen erholsamen Unterricht die Verantwortung an die Schüler weitergeben. Die dadurch entstehende Selbsttätigkeit ist ein wichtiges Prinzip für einen guten Unterricht. Resultierend muss sich dadurch auch die Lehrerrolle verändern. Die Lehrkraft nimmt somit die neue Rolle des Moderators, des Beraters, des Helfers, des Coaches etc. ein. Hilfreich bei der Umsetzung ist, wenn die Lehrkraft täglich ihre Aktivitäten und Vorgehensweisen notiert und sich danach Gedanken macht, welche Aufgaben sie an die Schülerschaft hätte weitergeben können. Der Lernerfolg der Lernenden steht für die Lehrkraft im Unterricht im Fokus. Dieser geschieht am besten durch entlastete Pädagogen, die eine gestimmte Abwechslung der Lernmethoden, Medien und Sozialformen anwenden. Leichter zu unterrichten bedeutet auch, dass die Lehrerinnen und Lehrer ihre eigene Rolle einnehmen. Dies dient auch der Selbstsicherheit und verbessert das Auftreten der Lehrperson. Es werden in der Literatur drei Lehrerrollen unterschieden. Die erste Rol- 5.2.3 109 Vgl.: Ebd., S. 127ff. 5.2 Reduzierung der Arbeitsbelastung 99 le ist der „Kommunikator“, der sein Bemühen auf die Persönlichkeitsund Beziehungsebene fokussiert. Die zweite ist der „Wissenschaftler“, bei der die Vermittlung von Fachwissen im Mittelpunkt steht. Die dritte Rolle nimmt der „Ordnungshüter“ ein. Dieser stellt Regeln und Ordnung im Unterricht, in der Schule und im Schulalltag in den Fokus und achtet auf Disziplin. Gute Lehrkräfte sollten sich über ihre eigene Rolle klar werden und diese nicht mit anderen vermischen, da sonst eine gewisse Verwirrung bei den Schülerinnen und Schülern entsteht, was in Unruhe enden wird. Eine weitere Gefahr, die zu einer hohen Arbeitsbelastung führen kann, sind Gefühle wie Ängste, Negativität oder ein zu hohes Maß an Empathie. Versagensängste, Konfliktängste, Existenzängste, Strafängste, notorische Ängste u.v.m. sind keine Seltenheit im Lehrerberuf. Gerade dann, wenn die Ängste nicht wahrgenommen werden, wird es auf langfristige Sicht gefährlich für die Lehrkraft. Deshalb ist es wichtig, daran zu arbeiten und in Gesprächen mit Kollegen oder den Schülerinnen und Schülern offen damit umzugehen. Hilfreich wäre hierbei die Methode des Morgenkreises in der Klasse. Dabei darf allerdings keine Negativität entstehen bzw. diese verarbeitet werden. Nur wenn eine vorherrschende Negativität im Individuum oder in der Gemeinschaft beseitigt wird, kommt es auch nicht zu weiteren Hemmungen der Motivation, des Engagements oder der Selbstsicherheit. Weiter ist Empathie ein wichtiger Faktor in sozialen Berufen. Allerdings sollte das „Hineinversetzen“ in die Schülerinnen und Schüler nicht übermä- ßig geschehen. Eine gewisse Distanz sollte stets vorhanden sein. Der letzte Punkt, der einen leichteren Unterricht unterstützt und gestaltet, ist die Verwendung von Ritualen. Es gibt viele Möglichkeiten, Rituale im Unterricht anzuwenden. Ein mögliches Beispiel wäre eine Glocke, die bei zu hoher Klassenlautstärke zum Ertönen gebracht wird. Ein weiteres, bereits erwähntes Beispiel, wäre der Morgenkreis um Gespräche zu führen, Dinge zu klären oder eine Rückmeldung zu erfahren. Da alle Rituale die Schülerschaft und die Lehrkraft betreffen, sollten diese auch stets gemeinsam besprochen, entwickelt und durchgeführt werden.110 110 Vgl.: Hammer, Wolfgang/Vogt, Peter: Gesund im Lehrerberuf, a.a.O., S. 79ff. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 100 Entspannungstechniken Schulischer Stress und Anspannung sind stark miteinander verbunden. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Lehrerinnen und Lehrer Entspannungstechniken als Gegenreaktion beherrschen. Entspannung kann dabei als Bewältigungsstrategie für Stresserleben herangezogen werden. Kleinere Entspannungsübungen sind gut geeignet, um kurzfristige Anspannungssituationen oder Gefühle zu meistern. Gleichermaßen sind regelmäßige Übungen, auf langfristiger Zeit gesehen, entlastender und beugen möglichen späteren Anspannungssituationen besser vor. Nur wenn es den Lehrkräften gelingt, einen Entlastungsmoment gegen die jeweiligen Situationen zu schaffen und nicht an die Belastbarkeitsgrenze zu geraten, können die Lehrkräfte ihre Krafteinteilung, Gedanken, ihr Handeln und ihren Einfluss kontrollieren. Jedoch muss erwähnt werden, dass die gängigen Entspannungsmethoden zwar zu einer Stressminderung führen können, aber um eine langfristige Verbesserung zu erhalten, auch auf andere Methoden zurückgegriffen werden kann. In den folgenden Punkten werden die gängigsten und bekanntesten Sofortmaßnahmen in einer akuten Stresssituation vorgestellt. Diese Maßnahmen können für kurzfristige sowie auch für langfristige Besserung angewandt werden. Sie dienen somit auch der Prävention und Intervention von Burnout-Erkrankungen. Autogenes Training Beim autogenen Training handelt es sich um eine einfach zu praktizierende Selbsthilfemethode, die mit einem geringen Zeitaufwand die körperlichen, seelischen und geistigen Fähigkeiten dem Anwender aufrechterhalten oder wiederherstellen. Dadurch kann auch eine bestehende Burnout-Erkrankung gemindert werden.111 Ziel des autogenen Trainings ist die Selbstentspannung und Beruhigung des vegetati- 5.3. 5.3.1 111 Vgl.: Derbolowsky, Jakob: Autogenes Training. Eine psychopädische Modifikation zur Beseitigung des „Burn-out“-Syndroms, in: Mayer, Ernst: Burnout und Stress. Praxismodelle zur Bewältigung. Schneider-Verlag. Göttingen 1991, S. 135. 5.3. Entspannungstechniken 101 ven Nervensystems. Ebenso dient sie zur erholsamen Distanzierung von Problemen im Berufsalltag und baut Stresssymptome ab.112 Das autogene Training zu erlernen ist relativ schwierig und dauert mehrere Wochen. Deshalb sollte bei Beginn dieser Trainingsart ein Fachmann zu Hilfe genommenwerden. Die Basis eines autogenen Trainings besteht aus Übungen, die zu einer bewussten Körperwahrnehmung befähigen. Diese wird durch folgende Schritte erreicht: – Schwereübungen (dienen derGefäßmuskulatur und fördern damit die Durchblutung) – Arme- und Herzübungen (dienen der Beobachtung dieser biologisch gesteuerten gleichmäßigen Rhythmen) – Sonnengeflechtsübungen (dienen der Beobachtung des Magens und Darms) – Stirnkühleübungen (dienen der Eingrenzung der Entspannung auf den Körper)113 Diese Übungen werden durch bestimmte Aussagen und Formeln ausgeübt. Ein Beispiel für eine solche Formel wäre: „Der rechte Armt ist ganz schwer und entspannt“. Je öfter die Übungen wiederholt werden, umso besser die Wirkung der einzelnen Übungen auf den Körper und das seelische Befinden. Progressive Muskelrelaxation (nach Jacobsen) Die progressive Muskelrelaxation gilt als eine einfach erlernbare und durchführbare Methode um durch An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen von Kopf bis Fuß Muskelspannungen zu beseitigen. Als der Begründer der progressiven Muskelentspannung gilt der amerikanische Physiologe Edmund Jacobson (1885-1976). Seine Entdeckung in den 1920er Jahren, dass sich durch Gefühle der Unruhe oder Erregungen die Muskelspannung erheblich erhöht und welche Risiken damit verbunden sind, war eine Sensation. Resultierend entwickelte er ein Prinzip, welches durch Anspannung und Entspannung mehrerer Muskelgruppen zu einer verbreiteten Entspannung im ganzen Körper 5.3.2 112 Vgl.: Urbutt, Anne: Belastungen im Lehrerberuf, a.a.O., S. 37. 113 Ebd., S. 38. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 102 führt. Dadurch wird Stress abgebaut, der Blutdruck sinkt, Pulsschlag und Darmtätigkeit werden reduziert und die Atmung wird ruhiger.114 Ziel der progressiven Muskelrelaxation ist also, durch die Entspannung des ganzen Körpers ein Gefühl der Ruhe und Ausgeglichenheit zu schaffen. Zusätzlich können dadurch Spannungszustände im Körper besser wahrgenommen und somit auch behandelt werden. Dadurch kann auch auf Stressauslöser besser reagiert werden. Die Übungen werden im Liegen oder in einer angenehmen Sitzposition ausgeführt. Die Anspannung mit kurzem Innehalten und dem folgenden Lockerlassen werden beginnend mit der rechten Hand, über die Arme, Gesicht, Nacken, Rücken, Bauch bis an die Beine und Füße durchgeführt. 115 Nach einer 5-sekündigen Anspannungsphase folgt immer eine 10-sekündige Entspannungsphase. Dies kann wie folgt ausgeführt werden: 1. Rechte Faust ballen. Fünf Sekunden halten. Zehn Sekunden Entspannung genießen. 2. Ebenso mit der linken Faust – dann Entspannung 3. Oberarmmuskeln (Bizeps) im rechten Winkel anspannen – Entspannung 4. Unterarmmuskeln (Trizeps) anspannen – Entspannung 5. Stirn runzeln, Augen weit öffnen – Entspannung 6. Augenbrauen zusammenziehen – Entspannung 7. Augen fest zusammenkneifen – Entspannung 8. Lippen aufeinanderpressen ohne die Zähne zusammenzubeißen – Entspannung 9. Zunge gegen den Gaumen drücken – Entspannung 10. Zähne zusammenbeißen – Entspannung 11. Den Nacken anspannen – Entspannung 12. Kinn fest auf die Brust pressen – Entspannung 13. Schulter bis zu den Ohren hochziehen – Entspannung 14. Schulterblätter nach hinten drücken – Entspannung 114 Vgl.: Neurologen und Psychiater im Netz: URL: https://www.neurologen-und-psy chiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/therapie/entspan nungsverfahren/progressive-muskelentspannung/#c53=, (entnommen am 05.07.2017). 115 Vgl.: Urbutt, Anne: Belastungen im Lehrerberuf, a.a.O., S. 38f. 5.3. Entspannungstechniken 103 15. Tief einatmen bis sich der Brustkorb wölbt – Ausatmen und Entspannung 16. Bauch hinausdrücken – Entspannung 17. Liegend ein Hohlkreuz machen und Gesäßmuskel anspannen – Entspannung 18. Unterschenkel anspannen – Entspannung 19. Füße nach oben dehnen – Entspannung Die Aufmerksamkeit sollte dabei immer auf die jeweilige Muskeltätigkeit gerichtet sein. Der Person sollte währenddessen bewusst werden, welche Spannungen normal und welche überhöht sind. Auf diese Weise sollte ein „Loslassen“ entstehen. In der folgenden Abbildung werden weitere unterschiedliche Übungen zum Selbermachen dargestellt. 84 17. Liegend ei Hohlkreuz machen und Gesäßmuskel anspannen – Entspannung 18. Unterschenkel anspannen – Entspannung 19. Füße nach oben dehnen - Entspannung Die Aufmerksamkeit sollte dabei immer auf die jeweilige Muskeltätigkeit gerichtet sein. Der Person sollte währenddessen bewusst werden, welche Spannungen normal und welche überhöht sind. Auf diese Weise sollte ein „Loslassen“ entstehen. In der folgenden Abbildung werden weitere unterschiedliche Übungen zum Selbermachen dargestellt. Abbildung 12: Progressive Muskelrelaxation116 116 Abb.13: Audiobite.de URL: http://www.audiobite.com/verlag/images/kinderjakobposter.jpg (entnommen am 05.07.2017). Progressive Muskelrelaxation116Abbildung 12: 116 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 104 Yoga Yoga verbreitet sich immer mehr als angewandte Entspannungstechnik für Körper, Geist und Seele in unserer Gesellschaft. Ursprünglich stammt der Yoga aus Indien und bedeutet vom Wortstamm „yui“ her „unters Joch nehmen“ bzw. den Geist sammeln oder in Meditation vertieft sein. Die Körperübungen (Asanas), die beim Yoga durchgeführt werden, sollen nicht nur die geistige und körperliche Beweglichkeit aufrechterhalten oder verbessern, sondern auch eine „innere Reinigung“ erzielen. Yoga beinhaltet ebenso auch Meditations- und Atem- übungen, die ein verbessertes Körperbewusstsein, verbesserte Atmung, zunehmende Konzentrationsfähigkeit, Stressabbau und Kräftigung des Nerven- und Hormonsystems erzielen.117 Es gibt mehrere Ausprägungsformen des Yoga wie z.B. Jnana-Yoga, Bhakti-Yoga, Raja-Yoga, Karma-Yoga, Integraler Yoga und Tantra-Yoga. Um schmerzhafte Verspannungen, mangelnde Durchblutung und Gelenkproblemen entgegenzuwirken, wird meist die bekannteste Yoga- Art Hatha-Yoga angewandt. Diese Art verfolgt bei der Durchführung eine aktive und bewusste Entspannung. Die folgende Abbildung zeigt beispielhafte Körperübungen, die bei Hatha-Yoga durchgeführt werden. 5.3.3 Abb.13: Audiobite.de URL: http://www.audiobite.com/verlag/images/kinderjakob poster.jpg (entnommen am 05.07.2017). 117 Vgl.: Urbutt, Anne: Belastungen im Lehrerberuf, a.a.O., S. 40. 5.3.3 Yoga 105 85 Abbildung 13: Yoga-Übungen118 Neben Yoga gibt es auch noch andere Lehren zu Entspannungstechniken. Meist sind diese in dem asiatischen Raum verwurzelt. Hier kann als Beispiel das ebenso bekannte Tai Chi angesprochen werden. Diese Übungen arbeiten, wie im Yoga auch, mit Körperhaltung, Atmung und Bewegungen und betonen eine optimale Steuerung des Energieflusses einer Person. Diese Methode kann ebenfalls als Burnout-Prophylaxe hilflreich sein. Diese Übungen werden meist zu Beginn in Gruppen und Kurse gelehrt, die nach und nach selbstständig und eigenverantwortlich durchgeführt werden können. Den Herausforderungen, denen Lehrkräfte sich täglich stellen müssen und die dafür optimalen Entscheidungen und Verhaltensmöglichkeiten in unterschiedlichen Unterrichtssituationen zu ergreifen, können durch Körper- und Geistübungen besser gemeistert werden. Yoga hilft hierbei zu einem wahrnehmungsfördernden und harmonisierenden Weg innerhalb des Schulalltags. 5.3.4 Körperübungen Sitzen Für die körperliche Gesundheit ist eine richtige und schonende Körperhaltung, egal ob im Sitzen oder im Stehen, enorm wichtig. Im Sitzen sollte man darauf achten, dass die Stellung des Kopfes richtig ist und die Knie auseinanderklaffen. Das Gesäß sollte dabei 118 Abb.14: Yoga-Vidya: URL: https://www.yoga-vidya.de/yoga-anfaenger/yoga-uebungen/ (entnommen am 07.07.2017). Yoga-Übungen118 Neben Yoga gibt es auch noch andere Lehren zu Entspannungstechniken. Meist sind diese in dem asiatischen Raum verwurzelt. Hier kann als Beispiel das ebenso bekannte Tai Chi angesprochen werden. Diese Übungen arbeiten, wie im Yoga auch, mit Körperhaltung, Atmung und Bewegungen und betonen eine optimale Steuerung des Energieflusses einer Person. Diese Methode kann ebenfalls als Burnout-Prophylaxe hilflreich sein. Diese Übungen werden meist zu Beginn in Gruppen und Kurse gelehrt, die nach und nach selbstständig und eigenverantwortlich du chgeführt w rd n önnen. Den Herausforderungen, denen Lehrkräfte sich täglich stellen müssen und die dafür optimalen Entscheidungen und Verhaltensmöglichkeiten in unterschiedlichen Unterrichtssituationen zu ergreifen, können durch Körper- und Geistübungen besser gemeistert werden. Yoga hilft hierbei zu einem wahrnehmungsfördernden und harmonisierenden Weg innerhalb des Schulalltags. Abbildung 13: 118 Abb.14: Yoga-Vidya: URL: https://www.yoga-vidya.de/yoga-anfaenger/yog -uebu ngen/ (entnommen am 07.07.2017). 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 106 Körperübungen Sitzen Für die körperliche Gesundheit ist eine richtige und schonende Körperhaltung, egal ob im Sitzen oder im Stehen, enorm wichtig. Im Sitzen sollte man darauf achten, dass die Stellung des Kopfes richtig ist und die Knie auseinanderklaffen. Das Gesäß sollte dabei stets die ganze Sitzfläche einnehmen. Da viele Personen in der heutigen Zeit an einer akuten Haltungsstörung leiden, ist es umso wichtiger, frühzeitig daran zu arbeiten. Zu Beginn wird die Veränderung zur richtigen Haltung noch sehr ungewohnt sein und vielleicht auch vereinzelt zu Verspannungen führen. Das Gefühl und die Gewohnheit des richtigen ergonomischen Sitzens muss dabei erst entstehen. In den folgenden Abbildungen werden Beispiele für richtiges und falsches Sitzverhalten dargestellt. 86 Abbildung 14: Richtige Sitzhaltung119 Stehen und Strecken Um ein angenehmes Stehen zu ermöglichen, gibt es unterschiedliche Übungen. Die folgende Abbildung zeigt eine davon. Die letzten zwei Abbildungen sind beide Körperkontrollübungen, die überall leicht durchzuführen sind. Diese helfen dabei, muskuläre Verspannungen erst einmal zu erkennen und danach zu mindern. Bei der Übung steht man ca. 15 Zentimeter von der Wand entfernt mit ca. 25 Zentimeter weit gespreizten Beinen. Nun werden das Gesäß und die Schulter an die Wand gelehnt, damit eine aufrechte Haltung des Rückens entsteht. Danach wird der Körper so gelenkt, dass kein Hohlkreuz mehr da ist und der ganze Rücken an der Wand liegt. Das körperliche Gleichgewicht wird somit erreicht und trainiert. Abbildung 1: Richtiges Stehverhalten120 119 Abb.15: Hammer, Wolfgang/Vogt, Peter: Gesund im Lehrerberuf, a.a.O., S. 26. 120 Abb.: Ebd., S. 27. Richtige Sitzhaltung119 Stehen und Strecken Um ein angenehmes Stehen zu ermöglichen, gibt es unterschiedliche Übungen. Die folgende Abbildung zeigt eine davon. Die letzten zwei Abbildungen sind beide Körperkontrollübungen, die überall leicht 5.3.4 Abbildung 14: 119 Abb.15: Hammer, Wolfgang/Vogt, Peter: Gesund im Lehrerberuf, a.a.O., S. 26. 5.3.3 Yoga 107 durchzuführen sind. Diese helfen dabei, muskuläre Verspannungen erst einmal zu erkennen und danach zu mindern. Bei der Übung steht man ca. 15 Zentimeter von der Wand entfernt mit ca. 25 Zentimeter weit gespreizten Beinen. Nun werden das Gesäß und die Schulter an die Wand gelehnt, damit eine aufrechte Haltung des Rückens entsteht. Danach wird der Körper so gelenkt, dass kein Hohlkreuz mehr da ist und der ganze Rücken an der Wand liegt. Das körperliche Gleichgewicht wird somit erreicht und trainiert. 86 Stehen und Strecken Um ein angenehmes Stehen zu ermöglichen, gibt es unterschiedliche Übungen. Die folgende Abbildung zeigt eine davon. Die letzten zwei Abbildungen sind beide Körperkontrollübungen, die überall leicht durchzuführen sind. Diese helfen dabei, muskuläre Verspannungen erst einmal zu erkennen und danach zu mindern. Bei der Übung steht man ca. 15 Zentimeter von der Wand entfernt mit ca. 25 Zentimeter weit gespreizten Beinen. Nun werden das Gesäß und die Schulter an die Wand gelehnt, damit eine aufrechte Haltung des Rückens entsteht. Danach wird der Körper so gelenkt, dass kein Hohlkreuz mehr da ist und der ganze Rücken an der Wand liegt. Das körperliche Gleichgewicht wird somit erreicht und trainiert. Abbildung 1: Richtiges Stehverhalten120 Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Angehörige anderer Berufe, in denen man viel sitzt, neigen dazu, sich durch das viele Sitzen zu krümmen und eine bucklige Haltung einzunehmen. Zum Ausgleich dienen hierbei einfache und gewöhnliche Streckübungen. Für den ganzen Rücken eignet sich die Streckweise des „Sonnengrußes“, bei dem man sich groß macht,die Hände nach oben streckt und sich leicht nach hinten beugt. Eine Entlastung des Rückens ist sofort spürbar. Bewegung und Sport Der Mensch ist an sich ein Bewegungswesen. Deshalb ist viel Bewegung gesund für den menschlichen Körper und Geist. Regelmäßige Bewegung oder Sport senkt die Häufigkeit körperlicher Beschwerden wie z.B. Herz-, Atem-, und Kreislaufschwächen. Gleichzeitig fördert es das Immunsystem und stabilisiert das Körpergewicht. Zusätzlich werden Stress, Aggressionen und negative Stimmungen abgebaut und der Geist ins seelische 120 Abb.: Ebd., S. 27. Richtiges Stehverhalten120 Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Angehörige anderer Berufe, in denen man viel sitzt, neigen dazu, sich durch das viele Sitzen zu krümm n und eine bucklige Haltung einzu ehmen. Zum Ausgl ich diene hierbei einfache und gewöhnliche Streckübungen. Für den ganzen Rücken eignet sich die Streckweise des „Sonnengrußes“, bei dem man sich groß macht,die Hände nach oben streckt und sich leicht nach hinten beugt. Ein Entlastung des Rückens ist sofort spürbar. Bewegung und Sport Der Mensch ist a sich ei Bewegungswesen. Deshalb ist viel Bewegung gesund für den menschlichen Körper und Geist. Regelmäßige Bewegung oder Sport senkt die Häufigkeit körperlicher Beschwerden wie z.B. Herz-, Atem-, und Kreislaufschwächen. Gleichzeitig fördert es Abbildung 15: 120 Abb.: Ebd., S. 27. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 108 das Immunsystem und stabilisiert das Körpergewicht. Zusätzlich werden Stress, Aggressionen und negative Stimmungen abgebaut und der Geist ins seelische Gleichgewicht gebracht. Bewegung und Sport fördert nicht nur den eigenen Körper und Geist, sondern begünstigt auch zwischenmenschliche Kontakte. Viele Menschen schieben ihre wenige Bewegung oder Sport auf den zeitlichen Faktor. Nur selten wird die eigene Trägheit hierbei bestätigt oder zugegeben. Schon bereits ein schneller halbstündiger Spaziergang täglich oder ein etwas längerer jeden zweiten Tag kann einen positiven Beitrag zur Gesundheit leisten. Ebenso effektiv sind Radfahren, Wandern, Schwimmen, Skilaufen u.a. Die Bewegung im Freien sollte dabei bevorzugt werden, da diese die Qualität des Nachtschlafes verbessert. Die frische Luft im Freien hilft zudem, bewusst aufgenommen, mentale Ruhe zu bringen. Einen aktiven Sport kann man zudem in Vereinen oder Fitness-Studios durchführen. Die richtige Handhabung und Durchführung der Übungen werden vor Ort meist richtig erklärt und betreut. MBSR – Achtsamkeit Die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), umgangssprachlich auch nur „Achtsamkeit“, ist eine von Jon Kabat-Zinn in den 1970er Jahren entwickelte Methode für Stressbewältigung, die das Ziel durch eine Verbesserung und Schulung der Achtsamkeit erreichen soll. Dazu werden unterschiedliche Meditationsformen, körperzentrierte Aufmerksamkeitsübungen und Bewegungsübungen gezählt.121 Achtsamkeit kann präventiv und intervenierend durchgeführt und angewandt werden. Heute wirkt der Begriff der Achtsamkeit durch seinen undifferenzierten Gebrauch etwas abgegriffen und entwertet. Allerdings hat sich die Wirkung und Haltung der Achtsamkeit über Jahrzehnte gehalten. Kabat-Zinn beschreibt seine Methode wie folgt: „Im Grunde ist Achtsamkeit ein ziemlich einfaches Konzept. Seine Kraft liegt in der praktischen Umsetzung und Anwendung. Achtsamkeit be- 5.3.5 121 Vgl.: Döring-Seipel, Elke/Dauber, Heinrich: Was Lehrerinnen und Lehrer gesund hält, a.a.O., S. 45. 5.3.3 Yoga 109 inhaltet, auf eine bestimmte Art aufmerksam zu sein: bewusst im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu beurteilen.“122 Die Achtsamkeit verfolgt also eine aktive Lenkung der Aufmerksamkeit, die zur Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion der Menschen sowie einer genauen Sinneswahrnehmung befähigen soll. Der Mensch soll also bewusst den gegenwärtigen Augenblick wahrnehmen.123 Achtsamkeitsmethoden schulen also die Aufmerksamkeit für aktuelle, gegenwärtig stattfindende Ereignisse, wobei die innere Wahrnehmung im Fokus liegt. Eine steigende Anzahl von Studien hat in den letzten Jahren immer wieder positive Ergebnisse im Zusammenhang mitGesundheit und Achtsamkeitspraxis gebracht Diese gewonnenen Erkenntnisse zeigen die Wirksamkeit einer psychologischen Veränderung durch eine strukturierte Praxis von Achtsamkeit. Dabei sind reduzierte Kortisolkonzentrationen im Plasma und Speichel, reduzierter Blutdruck, verstärkte Immunaktivitäten, vermehrte Hirnaktivität nur wenige Beispiele und Erfolge von Achtsamkeit.124 AISCHU – Achtsamkeit in der Schule Die Achtsamkeit in der Schule, auch „AISCHU“ genannt, ist ein von Vera Kaltwasser entwickeltes curriculares Angebot für eine umgesetzte Achtsamkeit im schulischen Alltag. Das AISCHU verfolgt die Ziele, Verbindungen zwischen den schulischen Angeboten zu schaffen und die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit zu unterstützen. Der Begriff AISCHU selbst soll das Rahmen-Curriculum für festgelegte Phasen betiteln, die aufeinander aufbauend folgen und den gegebenen Lernvorausetzungen angepasst werden. Bei AISCHU geht es um die Etablierung einer Haltung in der Schule und nicht um eine abgezirkelte Modulsammlung. Für die AISCHU müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen für den Erfolg gegeben sein. Die erste Voraussetzung betrifft die Lehrkraft. Diese muss eine verlässliche und kundige Haltung ein- 122 Kaltwasser, Vera: Achtsamkeit in der Schule. Stille-Insel im Unterricht: Entspannung und Konzentration. Beltz-Verlag. Weinheim 2008, S. 45. 123 Vgl.: Ebd., S. 46. 124 Vgl.: Döring-Seipel, Elke/Dauber, Heinrich: Was Lehrerinnen und Lehrer gesund hält, a.a.O., S. 47. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 110 nehmen. Die zweite Voraussetzung betrifft die Schülerinnen und Schüler, die ihre Arbeitsweisen so in den Unterricht einbinden sollen, dass die Gründe einer Übung ihnen bewusst sind. Die Integration von Achtsamkeit im Schulalltag und eine kontinuierliche Arbeit stellen die dritte Voraussetzung dar. Nach Kaltwasser ist die Achtsamkeit in der Schule ein weites Feld, welches in jede Phase oder Situation im Unterricht oder Schulalltag eingegliedert werden kann. Beispiele für Arbeitsfelder nennt sie einige und nutzt für viele einzelne Überbegriffe, die sich wiederum in einzelne Unterpunkte aufsplitten lassen. Hierzu zählen u.a. die Überpunkte Auftakt und Motivation, Abenteuer Atem, Körperhaltung, Mimik, Emotionen, Achtsames Bewegen, Innenwelt wahrnehmen, Einfluss nehmen, persönliche Haltung erkunden, Freude als Ressource, Self- Compassion, Mitgefühl, Achtsamer Dialog, weitgestellte Wahrnehmung, Achtsames Schreiben und Achtsamer Alltag. Einige der aufgezählten Punkte wurden zu einem früheren Zeitpunkt dieser Arbeit bereits erläutert. Um trotzdem zwei Unterpunkte als Beispiel heranzunehmen, werden im folgenden Abschnitt mit dem Punkt Achtsamer Alltag die Themen achtsamer Umgang mit dem Smartphone und achtsamer Umgang mit Gewohnheiten vorgestellt.125 Achtsamer Umgang mit dem Smartphone Der Zustand unserer Schülerinnen und Schüler entwicklet sich immer mehr hin zu kürzeren Sinneinheiten, was ein Resultat des ständigen Abgelenktseins und der pausenlosen Unterbrechungen ist. Dieses über Jahre hin antrainierte Aufmerksamkeitsdefizit treibt uns langfristig gesehen immer mehr an unsere kognitive Belastungsgrenze. Es beeinflusst unsere Produktivität und zerstört möglicherweise unser Lebensglück. Einige Wissenschaftler sprechen bereits von einem „Digitalen Burnout“, der jüngere und ältere Menschen, also auch Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte betreffen kann. Neben der Ablenkung und Zerstreuung, welche das Smartphone auslöst, ist der Faktor der emotionalen Ladung ebenso fragwürdig. Beziehungen und soziale Kontak- 125 Vgl.: Kaltwasser, Vera: Praxisbuch Achtsamkeit in der Schule. Selbstregulation und Beziehungsfähigkeit als Basis von Bildung. Beltz-Verlag. Weinheim 2016, S. 45f. 5.3.3 Yoga 111 te im virtuellen Leben können leicht durch „Likes“ oder ein „Nicht zurückgeschrieben“ beeinflusst werden, was enorme zwischenmenschliche Folgen für die Beteiligten hat. Für Personen, die daran „leiden“, bzw. nicht mehr mit ihrem Smartphonekonsum umgehen können, helfen keine Moralpredigten oder Verbote, sondern sie benötigen Hilfe zur Selbstermächtigung. Eine generelle „Verteufelung“ des Smartphones sollte allerdings vermieden werden, da diese Geräte wie weitere elektronische Medien auch für uns einen Nutzen bringen. Schüler und Lehrkräfte, die in der Achtsamkeit geschult sind und ihre aktuelle Situation wahrnehmen, die auf den Geschmack von echten Beziehungen kommen und echte Gefühle spüren, können die emotionale Ladung (oder emotionale Sucht) der virtuellen Welt verringern. Durch Achtsamkeitsübungen und die Informationen der Psychoedukation sind die betroffenen Personen in der Lage, zu erkennen, was für ein Reiz in der jeweiligen Situation ausgelöst wird und lernen diesen bewusst zu steuern. Als Beispiel kann hier ein klingelndes Smartphone herangezogen werden. Eine Vielzahl an Selbstversuchen kann dabei helfen, eine mögliche Beeinträchtigung durch das Smartphone zu erkennen. Erkennbar sind mögliche Gefahrensignale wie Stress und/oder Ängste. Gründe für das ständige Nutzen des Smartphones wie Neugierde, Bestätigung und Beliebtheit testen, Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung, Informationsbedürfnis, SMS, Mails, Telefonate oder Unterhaltungen werden durch den Selbsttest herausgefiltert und selbst erkannt. Achtsamer Umgang mit Gewohnheiten Schnell schleichen sich Gewohnheiten beim Menschen ein. Diese werden wie von einem Autopiloten gesteuert und ohne hohe Aufmerksamkeit erlebt. Egal ob es eine positive oder negative Gewohnheit ist, es sollten stets Denk- und Fühlanstöße vorhanden sein. Gerade bei einer Sucht, wie z.B. dem Rauchen, kann eine genaue Achtsamkeit bei der Prävention und Intervention sehr gute Erfolge verbuchen. Aber auch kleinere, alltäglichere Gewohnheiten können von allen Personen bewusster wahrgenommen werden. Dazu zählt achtsames Essen (eine Mahlzeit bewusst zu sich nehmen, den gedeckten Tisch, Farben Formen etc. wahrnehmen), Alltagstätigkeiten achtsam ausführen (Duschen, Zähneputzen etc.) oder was ganz anderes machen als sonst. Die 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 112 Lehrkraft kann die Gewohnheiten der Schülerinnen und Schüler so unterbrechen, indem sie einfach mal selbst entsprechende Aufgaben erfindet.126 Fazit Achtsamkeit und dessen Anwendung kann zur einer Entwicklung der Fähigkeit für Selbstfürsorge und Selbsterkenntnis beitragen. Mehrere Studien und Untersuchungen haben bewiesen, dass Achtsamkeit eine nachgewiesene Wirkung auf therapeutische Prä- und Interventionen hat und somit der Gesunderhaltung dient. Da gerade Lehrerinnen und Lehrer in einem hohen Maß psychomentalen Anforderungen ausgesetzt sind, kann die Achtsamkeit eine geeignete Widerstandsressource darstellen, die den Umgang mit psychosozialen und emotionalen Belastungen unterstützt. Ebenso handelt es sich bei der Achtsamkeit um eine personale Ressource, die durch Weiter- und Fortbildungen entwickelt und aufgebaut werden kann. Weiter kann die Achtsamkeit auch gezielt im pädagogischen Feld eingesetzt werden. Sie kann bei der Gestaltung von Unterricht und sozio-emotionalen Situationen im schulischen oder pädagogischen Kontext wirkungsvoll einbezogen werden. Durch Achtsamkeit kann es den Lehrkräften ebenfalls gelingen, Lernmethoden zu größerer Effektivität zu bringen und die eigenen professionellen Kompetenzen zu steigern. Erweiterung der Kompetenzen Neben der Professionalisierung ist die Erweiterung der bestehenden pädagogischen Kompetenzen durch das Individuum notwendig, um eine wirkungsvolle Auseinandersetzung und ein angemessenes Verhalten im Beruf garantieren zu können. Um zu gewährleisten, dass regelmäßige schwierige Situationen nicht andauernd belastend wirken, müssen von der Lehrkraft soziale und didaktische Kompetenzen stets erweitert werden. Dies kann man durch zielgerichtete Trainings oder Fortbildungen erreicht werden, die Themen wie Konfliktlösestrategien, Gesprächsführung, Zeitmanagement, Unterrichtsgestaltung, neue Un- 5.4 126 Vgl.: Ebd., S. 227ff. 5.4 Erweiterung der Kompetenzen 113 terrichtsmethoden, Umgang mit schwierigen Schülern oder ähnliches behandeln. Damit andere Menschen wirkungsvoll bei ihren Lernprozessen unterstützt können, benötigen alle Pädagogen ein spezifisches Handlungsrepertoire. Dieses Repertoire lässt sich in die fünf Bereiche soziale Strukturbildung, Kommunikation, Interaktion, Gestaltung und Hintergrundarbeit aufgliedern. Zu beachten ist, dass die Verfügung dieses Repertoires erst wirksam und somit ein Kennzeichen für Professionalität wird, wenn die Grundlagen für eine richtige Deutung bestimmter Situationen vorhanden sind und die daraus resultierenden pädagogischen Handlungen ergriffen werden. Gleichzeitig sollten dabei die Orientierung an gesellschaftlichen Werten und Zielen sowie die persönlichen Ziele der Lehrenden und Lernenden stets miteinbezogen werden. Weitere Belastungsbewältigungsmöglichkeiten auf dieser Ebene wären auch die oben genannten Supervisionsgruppen, die auch häufig als Balintgruppen bezeichnet werden. In diesen Gruppen wird durch psychoanalytische Interpretation der Erörterung der Probleme Hilfe angeboten. Als Lösungen werden hierbei meist sportliche Aktivitäten, Zufriedenheitserlebnisse oder Abreaktionen genannt, die einen Ausgleich zur Belastung schaffen sollen. Bei diesen Methoden handelt es sich um palliative Strategien, die allerdings nur eine kurzfristige Erleichterung und Ablenkung vom Problem selbst schaffen. Besonders bei der Abreaktion wie z.B. schimpfen oder mit dem Fuß stampfen sollte man darauf achten, dass man sich nicht selbst oder andere zu Schaden bringt und somit neuen Stress verursacht. Nur eine Erweiterung und Anwendung der individuellen Kompetenzen kann auf mittel- und langfristige Sicht dabei helfen, Belastungen zu kontrollieren und zu vermeiden. 127 127 Vgl.: Urbutt, Anne: Belastungen im Lehrerberuf, a.a.O., S. 45f. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 114 Selbsterziehung Die Innenwelt Jeder Mensch führt mit seinem Inneren ständig „Gespräche“. All unsere Wünsche, Gedanken oder Befürchtungen zwingen die Persönlichkeit, sie zu berücksichtigen. Diese Persönlichkeitsanteile stehen, wenn man es so sehen will, der Außenwelt gegenüber. Die innere „Lage“ ist von Person zu Person unterschiedlich. Meist ist das jeweilige Alter einer Lehrkraft dafür ausschlaggebend. 92 Die innere „Lage“ ist von Person zu Person unterschiedlich. Meist ist das jew ilige Alter einer Lehrkraft dafür ausschlaggebend. Abbildung 16: Die inneren Persönlichkeitsanteile128 Die inneren Stimmen werden von Hammer und Vogt in sechs Teile aufgeteilt. Nur wenn alle „Ichs“ im Einklang mit der eigenen Persönlichkeit und miteinander im Verhältnis stehen, werden unsere Wünsche, Gedanken, Sorgen und Befürchtungen befriedigt bzw. berücksichtigt. Das Resultat dessen ist eine innere „Harmonie“ der Persönlichkeit. Die Wertepyramide Die Suche nach dem privaten und beruflichen „Vollkommenen“ ist bei einer engagierten Lehrkraft mit größten Anstrengungen verbunden. Besonders enttäuschend ist es, wenn dies nicht erreicht wird. Die Diskrepanz zwischen den eigenen Ansprüchen und den tatsächlichen Leistungen lässt manche Lehrkräfte nicht einfach unbeschadet. Zweifel an den eigenen Fähigkeiten könnten entstehen. Deshalb sollte man sich auf das Wichtigste beschränken. Dies würde auch mit sich führen, dass die Qualität der Ansprüche gleich bleiben kann. Das Heranziehen und Ausfüllen einer Wertpyramide kann der Lehrkraft dabei behilflich sein, zu erkennen, worauf diese ihre Schwerpunkte setzen möchte. Gerade gegen mögliche Überforderungsdilemmata kann diese Pyramide hilfreich sein. Abbildung 1: Wertepyramide129 128 Abb.17: Hammer, Wolfgang/Vogt, Peter: Gesund im Lehrerberuf, a.a.O., S. 50. Die inneren Persönlichkeitsanteile128 Die inneren Stimme werden vo Hammer und Vogt in sechs Teile aufgeteilt. Nur wenn alle „Ichs“ im Einklang mit der eigenen Persön- 5.5 Abbildung 16: 128 Abb.17: Hammer, Wolfgang/Vogt, Peter: G sund im Lehrerberuf, a.a.O., S. 50. 5.5 Selbsterziehung 115 lichkeit und miteinander im Verhältnis stehen, werden unsere Wünsche, Gedanken, Sorgen und Befürchtungen befriedigt bzw. berücksichtigt. Das Resultat dessen ist eine innere „Harmonie“ der Persönlichkeit. Die Wertepyramide Die Suche nach dem privaten und beruflichen „Vollkommenen“ ist bei einer engagierten Lehrkraft mit größten Anstrengungen verbunden. Besonders enttäuschend ist es, wenn dies nicht erreicht wird. Die Diskrepanz zwischen den eigenen Ansprüchen und den tatsächlichen Leistungen lässt manche Lehrkräfte nicht einfach unbeschadet. Zweifel an den eigenen Fähigkeiten könnten entstehen. Deshalb sollte man sich auf das Wichtigste beschränken. Dies würde auch mit sich führen, dass die Qualität der Ansprüche gleich bleiben kann. Das Heranziehen und Ausfüllen einer Wertpyramide kann der Lehrkraft dabei behilflich sein, zu erkennen, worauf diese ihre Schwerpunkte setzen möchte. Gerade gegen mögliche Überforderungsdilemmata kann diese Pyramide hilfreich sein. 106 Die inneren Stimmen werden von Hammer und Vogt in sechs Teile aufgeteilt. Nur wenn alle „Ichs“ im Einklang mit der eigenen Persönlichkeit stehen und sie miteinander im Verhältnis stehen, werden unsere Wünsche, Gedanken, Sorgen und Befürchtungen befriedigt bzw. berücksichtig. Das Resultat dessen ist eine innere „Harmonie“ der Persönlichkeit. Die Wertepyramide Die Suche nach dem privaten und beruflichen „Vollkommenen“ ist bei einer engagierten Lehrkraft mit größten Anstrengungen verbunden. Besonders enttäuschend ist es, wenn dies nicht erreicht wird. Die Diskrepanz zwischen den eigenen Ansprüchen und den tatsächlichen Leistungen lässt manche Lehrkräfte nicht einfach unbeschadet. Zweifel an den eigenen Fähigkeiten könnten tste en. Deshalb soll ma ic auf das Wichtigste beschränken. Dies würde auch mit sich führen, dass die Qualität der Ansprüche gleichbleiben kann. Das Heranziehen und Ausfüllen einer Wertpyramide kann der Lehrkraft dabei behilflich sein zu erkennen, worauf diese i re Schwerpunkt setzen möchte. Gerade gegen mögliche Überforderungsdilemmata kann diese Pyramide hilfreich sein. Abbildung 15: Wertepyramide129 Essen, Trinken, Rauchen Eine gesunde Ernährung erhält den Körper und den Geist. Viele Lehrkräfte, vor allem jüngere Lehrkräfte, kompensieren ihren zeitlichen Stress durch kurze und schlechte 129 Abb.18: Ebd., S.54. Welcher Wert ist für mich der wichtigste? Welche Werte haben für mich außerdem eine zentrale Bedeutung? Welche Werte spielen noch eine Rolle in meinem Leben? Wertepyramide129Abbildung 17: 129 Abb.18: Ebd., S. 54. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 116 Essen, Trinken, Rauchen Eine gesunde Ernährung erhält den Körper und den Geist. Viele Lehrkräfte, vor allem jüngere Lehrkräfte, kompensieren ihren zeitlichen Stress durch kurze Mahlzeiten und schlechte Nahrung. Praktikable Ratschläge wie langsam, bewusst, genussvoll und nicht sättigend essen und mindestens zwei Liter Wasser pro Tag trinken, sollten berücksichtigt werden. Hauptsächlich der übermäßige Konsum von Alkohol und Nikotin zählt zu den weltweit größten Problemen für Gesundheit, Familie, Straßenverkehr und Arbeitswelt. Davon sind auch Lehrkräfte betroffen. Den Lehrerinnen und Lehrern sollte stets bewusst sein, dass sie auch hinsichtlich des Umgangs mit Essen, Trinken oder Rauchen ein Vorbild für ihre Schülerinnen und Schüler darstellen. Wo nehme ich nur die Zeit her? „Work-Life-Balance“ ist ein Stichwort, das gerade im Lehrerberuf beachtet werden sollte. Da die meisten Lehrkräfte ihre Arbeit nach Hause verlegen und sie dort bearbeiten, kommt es nicht selten zu einer Überlappung des Zeitaufwandes zwischen beruflichem und privatem. Zeitmanagement ist ein wichtiger Bestandteil des Lehrerberufs. Ständige Eile, Stress, erhöhtes Tempo im Alltag etc. werden mit der Zeit zu einem gesundheitlichen Problem. Jede Lehrkraft sollte sich im Klaren darüber sein, wie viel sie zusätzlich zu den Pflichtstunden in die Arbeit investieren möchte. Die durchschnittliche Arbeitszeit einer Lehrkraft beträgt pro Woche zwischen 38-45 Stunden. Diese Zeit kann sich jede Lehrerin und jeder Lehrer als Orientierung heranziehen. Jede gute und sinnvolle Arbeit benötigt trotzdem Ruhepausen. Das Konzept „Work- Life-Balance“ beachtet, dass eine stimmige Ausgeglichenheit zwischen Arbeit, Freizeit und Familie gestaltet und geführt wird. Täglich eine Stunde für sich oder das Wochenende für die Familie freizuhalten, kann für die psychische und physische Verfassung einer Lehrkraft von gesundheitlicher Bedeutung sein. Ebenso kann ein Ausgleich zur Arbeitszeit durch Sport oder andere körperliche Betätigung geschaffen werden. Arbeitszeit, Familienzeit und Zeit für sich selbst kann gut durch Tages- oder Wochenpläne gestaltet werden. Ein geeignetes Beispiel, neben dem üblichen tabellarischen Stunden-Tage-Wochen-Plan, kann ein „Zeitkuchen“ darstellen, der mit einem „Kuchendiagramm“ 5.5 Selbsterziehung 117 bei Studien verglichen werden kann. Dieser hilft bei der Planung der beruflichen und privaten Tätigkeiten im Lehrerberuf. Gedankenstopp Zu viele Gedanken führen zu Gedankenstürmen, die mit der Zeit zu einem emotionalen „Aufgewühltsein“ werden. Diese können, wie bereits oben erwähnt, durch Entspannungstechniken sowie Körperübungen unterbrochen und reduziert werden. Ebenso können diese Übungen für einen geordneten Gedankenfluss hilfreich sein. Um einen Gedankenüberfluss zu vermeiden, sollten gerade junge Lehrerinnen und Lehrer lernen, „Nein“ und „Stopp“ zu sagen. Gerade am Ende eines Arbeitstages kann das eigene Bewusstwerden, dass man für den heutigen Tag fertig ist, enorm wichtig sein. Networking Der Lehrerberuf ist oft gekennzeichnet durch ein gewisses „Einzelkämpfertum“. Nicht selten wird das Argument der Einsamkeit als Grund für Burnout angegeben. Jedoch ist eine Lehrperson nicht gezwungen, sich als Einzelkämpfer durchzuschlagen. „Networking“ (dt. „Vernetzung“) hat das Ziel, das Einzelkämpfertum im Lehrerberuf abzuschaffen und die Gemeinsamkeit aller zu stärken. Die Kasseler und Potsdamer Studien (siehe oben) machten deutlich, dass die Vertrautheit und Zusammenarbeit mit dem Kollegium ein wichtiger Faktor gegen Burnout ist. Geben und nehmen, Arbeit teilen und gemeinsam Unterricht vorbereiten, hilft der psychischen Gesundheit entscheidend.130 Individuelle Beratung Eine individuelle Beratung durch Fachkräfte kann als präventive und auch intervenierende Maßnahme herangezogen werden. Anhand der AVEM-Ergebnissen von Schaarschmidt wurde sichtbar, dass in vielen regionalen Teilen Deutschlands keine qualifizierten 5.6 130 Vgl.: Ebd., S. 49ff. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 118 Beratungsmöglichkeiten für die Berufsgruppe des Lehrers bestehen. Dies nahmen die Forscher zum Anlass, ein eigenes Beratungskonzept zu entwickeln, welches in einem engen Zusammenhang mit dem Training besteht. Da es Ähnlichkeiten zum Training gibt bzw. in dieser Hinsicht parallel zum Training steht, kann diese Konzeption nach der Berücksichtigung der Voraussetzungen wie folgt dargestellt werden: Die Voraussetzungen bestehen nach Schaarschmidt aus vier Punkten. Erstens sollen die AVEM-Ergebnisse der betroffenen Person ein differenziertes Bild vom Berufsleben des Lehrers geben, damit der Ausgangspunkt des Gesprächs sichergestellt werden kann. Dadurch bekommen das Gespräch und das weitere Handeln eine Zielrichtung. Zweitens sollen die AVEM-Werte eine Ressourcenorientierung geben. Sie informieren über Gesundheitsrisiken als auch Gesundheitsressourcen. Diese werden wiederum zur Problembewältigung nutzbar gemacht. Drittens muss der betroffenen Lehrkraft eine aktive Rolle bei der Beratung zugesprochen werden. Sie soll in allen Bereichen der Beratung mitverantwortlich sein, um eine selbstständige Problemlösung zu ermöglichen. Viertens müssen die Gespräche „entdramatisierend“ durchgeführt werden. Zusammengefasst gilt es, die Betroffenen zu unterstützen. Sie sollen sich nicht von Schwierigkeiten und Problemen vollständig einnehmen lassen, sondern stattdessen sich ihrer eigenen Probleme bewusst werden. Neben dem Aufzeigen von möglichen Lösungswegen sollen diese Lehrkräfte sich ihrer eigenen Lebenssituation klar werden und dadurch aktiv Veränderungen herbeiführen.131 Die beratende Person selbst muss keine spezielle Ausbildung oder therapeutische Erfahrungen besitzen. Sie sollte allerdings in Gesprächsführung geschult und mit einer lösungsorientierten Beratung vertraut sein. Des Weiteren soll die Beratungsperson Bedingungen und Anforderungen des Lehrerberufs kennen, um berufsspezifische Lösungsmöglichkeiten zu erörtern. Um eine Verbesserung der Situation des Ratsuchenden herbeizuführen, versuchte Schaarschmidt zwei unterschiedliche Durchführungsmöglichkeiten. Entweder bearbeitet die hilfesuchende Person einen AVEM-Fragebogen davor, oder das ganze Kollegium wird dem 131 Vgl.: Schaarschmidt, Uwe/Kieschke, Ulf (Hrsg.): Gerüstet für den Schulalltag, a.a.O., S. 146f. 5.6 Individuelle Beratung 119 AVEM-Konzept unterzogen. Es stellte sich dabei heraus, dass der zweite Weg günstiger ist, da stets eine Verbindung zwischen den Problemen und der Umgebung besteht und diese sich auf das ganze Kollegium beziehen kann. Die erarbeiteten Ergebnisse vor und nach einer individuellen Beratung beweisen den erfolgreichen Nutzen der Methode. In der folgenden Abbildung wird gezeigt, dass sich nach der Beratung alle AVEM- Faktoren ins Positive verbessert haben. Den Betroffenen gelingt es also, nach einer intensiven und individuellen Beratung ihre Haltung gegen- über ihres Engagements, des Perfektionsstrebens, der Distanzfähigkeit, den Erfolgserlebnissen etc. so zu optimieren, dass die Lehrkraft weniger Belastung erfährt bzw. weiß, wie damit umzugehen ist. 95 keine spezielle Ausbildung oder therapeutische Erfahrungen besitzen. Sie sollte allerdings in Gesprächsführung geschult und mit einer lösungsorientierten Beratung vertraut sein. Des Weiteren soll die Beratungsperson Bedingungen und Anforderungen des Lehrerberufs kennen, um berufsspezifische Lösungsmöglichkeiten zu erörtern. Um eine Verbesserung der Situation des Ratsuchenden herbeizuführen, versuchte Schaarschmidt zwei unterschiedliche Durchführungsmöglichkeiten. Entweder bearbeitet die hilfesuchende Person einen AVEM-Fragebogen davor, oder das ganze Kollegium wird dem AVEM-Konzept unterzogen. Es stellte sich dabei heraus, dass der zweite Weg günstiger ist, da stets eine Verbindung zwischen den Problemen und der Umgebung besteht und diese sich auf das ganze Kollegium beziehen kann. Die erarbeiteten Ergebnisse vor und nach einer individuellen Beratung beweisen den erfolgreichen Nutzen der Methode. In der folgenden Abbildung wird gezeigt, dass sich nach der Beratung alle AVEM-Faktoren ins Positive verbessert haben. Den Betroffenen gelingt es also, nach einer intensiven und individuellen Beratung ihre Haltung gegenüber ihres Engagements, des Perfektionsstrebens, der Distanzfähigkeit, den Erfolgserlebnissen etc. so zu optimieren, dass die Lehrkraft weniger Belastung erfährt bzw. weiß, wie damit umzugehen ist. Abbildung 17: Ergebnisse der AVEM-Profile vor und nach einer Beratung132 Zu erwähnen ist, dass eine Beratung auf den einzelnen Fall ausgerichtet ist. Wenn sich Hilfesuchende in eine Beratung begeben, arbeiten sie meist engagiert, offen und aktiv 132 Abb.19: Ebd., S. 150. Ergebnisse der AVEM-Profile vor und nach einer Beratung132 Zu erwähnen ist, dass eine Beratung auf den einzelnen Fall ausgerichtet ist. Wenn sich Hilfesuchende in eine Beratung begeben, arbeiten sie meist engagiert, offen und aktiv mit. Nur wenn es beiden Parteien gelingt, eine Problemeinsicht zu schaffen, ist die betroffene Lehrkraft Abbildung 18: 132 Abb.19: Ebd., S. 150. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 120 auch in der Lage, Veränderungen eigenständig herbeizuführen. Diese Verbesserungen werden erfahrungsgemäß im Bereich der persönlichen Ansprüche, der Zielsetzungen, im Zeitmanagement und Arbeitsorganisation sowie im Erholungsverhalten durchgeführt und erreicht.133 Klinische Maßnahmen – Lehrer in der Reha Das frühzeitige Ausscheiden durch Berufsunfähigkeit mag für einige Lehrerinnen und Lehrer eine Entlastung darstellen, aber viele, gerade jüngere Lehrkräfte, empfinden es als Ende sozialer Kontakte außerhalb der Familie. Häufig entstehen nach dem Ausscheiden Identitätsstörungen, die oft durch fehlenden Kontakte zu Kollegen, Schülern und gewohnte Tagesstrukturen zurückzuführen sind. Rehabilitationsmaßnahmen, ob stationär oder ambulant, zählen zur tertiären Prävention sowie zur Intervention. Hauptziel dieser Maßnahmen ist die Wiederherstellung der Berufsfähigkeit. Dies geschieht durch das Aufbauen des körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens. Da betroffene Lehrerinnen und Lehrer meist an psychischen und psychosomatischen Erkrankungen sowie auch an Burnout leiden, wird der Fokus der Therapie auf die Wiedergewinnung von Selbstvertrauen und die Stärkung der Widerstandskräfte gelegt.134 Folgende Darstellung zeigt Rehabilitationsmaßnahmen zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit: 5.7 133 Vgl.: Ebd., S. 152. 134 Vgl.: Bründel, Heidrun/Bründel, Klaus-Heinrich: Fit für den Schulalltag, a.a.O., S. 116. 5.7 Klinische Maßnahmen – Lehrer in der Reha 121 96 als Ende sozialer Kontakte außerhalb der Familie. Häufig entstehen nach dem Ausscheiden Identitätsstörungen, die oft durch fehlenden Kontakte zu Kollegen, Schülern und gewohnte Tagesstrukturen zurückzuführen sind. Rehabilitationsmaßnahmen, ob stationär oder ambulant, zählen zur tertiären Prävention sowie zur Intervention. Hauptziel dieser Maßnahmen ist die Wiederherstellung der Berufsfähigkeit. Dies geschieht durch das Aufbauen des körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens. Da betroffene Lehrerinnen und Lehrer meist an psychischen und psychosomatischen Erkrankungen sowie auch an Burnout leiden, wird der Fokus der Therapie auf die Wiedergewinnung von Selbstvertrauen und die Stärkung der Widerstandskräfte gelegt.134 Folgende Darstellung zeigt Rehabilitationsmaßnahmen zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit: Abbildung 18: Rehabilitationsmaßnahmen zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit135 Ambulante Psychotherapie Der Begriff Psychotherapie beinhaltet verschiedene Behandlungsmethoden, die auf die Behebung unterschiedlich ausgeprägter Störungen des Erlebens oder Verhaltens zielen. Wie die meisten Berufsgruppen tragen auch Lehrerinnen und Lehrer eine bestimmte 134 Vgl.: Bründel, Heidrun/Bründel, Klaus-Heinrich: Fit für den Schulalltag, a.a.O., S. 116. 135 Abb.19: Ebd., S. 117. Rehabilitationsmaßnahmen zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit135 Ambulante Psychotherapie Der Begriff Psychotherapie beinhaltet verschiedene Behandlungsmethoden, die auf die Behebung unterschiedlich ausgeprägter Störungen des Erl bens ode Verhaltens zielen. Wie die meisten Be ufsgrupp n tragen auch Lehrerinnen und Lehrer eine bestimmte Zeit lang psychische Probleme mit sich herum. Gerade die Psychotherapiehat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Gerade männliche Lehrkräfte geben sich deswege weniger in ambulante therapeutische Hilfe als die weiblichen Lehrkräfte. Frauen haben allgemein weniger Berührungsängste Hilfe anzunehmen als Männer, da der Begriff für viele männliche Lehrer immer noch ein Synonym für „Schwäche“ ist. Abbildung 19: 135 Abb.19: Ebd., S. 117. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 122 Es gibt unterschiedliche ambulante Therapiemöglichkeiten. Lehrkräfte haben die Wahl zwischen verschiedenen Therapierichtungen wie der psychoanalytischen, der tiefenpsychologischen, der personenzentrierten, der verhaltenstherapeutisch ausgerichteten, der systemischen und einer psychopharmazeutischen Therapie. Jede genannte Art von Therapie verfolgt eigene Ziele mit unterschiedlichen Herangehensweisen. Da jede Therapieart in sich sehr speziell ist und sehr in die Tiefe der Psychologie und der Medizin gehen, werden folgend nur zwei der genannten Beispiele kurz erläutert. Die personenzentrierte Psychotherapie zieltauf die emotionale Wärme, Empathie, Selbstkongruenz und Akzeptanz eines Patienten. Diese Therapieart ist nicht auf die Entstehung von Symptomen fixiert, sondern sieht das Gesprächsverhalten des Therapeuten als zentrale Voraussetzung für therapeutische Effekte an. Bei der Verhaltenstherapie wird das Verhalten eines Patienten als eine Funktion der sozialen Umgebung betrachtet. Ziel ist hierbei, Symptome zu reduzieren und für das Umfeld günstige Verhaltensweisen erneut aufzubauen.136 Je nach Therapieart werden für die ambulanten Sitzungen unterschiedlich viele Stunden benötigt. Bei extremen Fällen werden oft Kurzzeittherapien mit ca. 15 Therapiestunden zu Langzeittherapien mit ca. 45 Therapiestunden. Leider gibt es keine repräsentativen Untersuchungen zur Häufigkeit psychischer und psychosomatischer Erkrankungen von Lehrkräften sowie die Inanspruchnahme von ambulanter Hilfe. Denn, wie bereits am Anfang verdeutlicht, wird die Inanspruchnahme von Psychotherapie mit Schwäche gleichgesetzt und deshalb nicht an die Außenwelt getragen. Stationäre Psychotherapie Die stationäre Psychotherapie sollte der letzte Schritt eines Patienten darstellen. Also ist die stationäre Psychotherapie, nach einem ärztlichen Gespräch, der Lebenshilfe, der ambulanten Psychotherapie und dem Einsatz von Psychopharmaka die letzte Möglichkeit zur erfolgreichen Behandlung von Beschwerden wie z.B. von Burnout. Anders als 136 Vgl.: Schaaf, Helmut: Erbarmen mit den Lehrern. Zwischen Engagement und Burnout: Was Lehrer krank macht und was ihnen helfen könnte, gesund zu bleiben. Asanger-Verlag. Kröning 2008, S. 92. 5.7 Klinische Maßnahmen – Lehrer in der Reha 123 bei der ambulanten Behandlung gibt es bei den stationären Therapien und Rehabilitationsmaßnahmen statistische Werte. Diese Statistiken belegen, dass etwa 10% aller Patienten Lehrerinnen und Lehrer sind und aus unterschiedlichen Gründen behandelt werden. Bei Lehrkräften liegen die Gründe für eine stationäre Behandlung meistens in affektiven Störungen, Anpassungsstörungen, Angststörungen, somatoformen Störungen, Tinnitus oder Essstörungen. Anders als bei anderen Berufsgruppen liegen bei Lehrerinnen und Lehrern die beruflichen Belastungen im Vordergrund. Trotzdem wird auch die stationäre Behandlung, wie auch bei der ambulanten, stetig von den Patienten hinausgezögert. Die Gründe sind meistens die gleichen: Rücksichtnahme auf Kolleginnen und Kollegen in der Schule, eigener Perfektionsdrang und Hoffnung auf eigene Hilfsmöglichkeiten, Scham, Angst oder die Sorge über zukünftige berufliche Nachteile.137 Beispiel der stationären Burnout- Behandlung an den Oberbergkliniken Die Oberbergkliniken sind Akutkliniken mit privater Trägerschaft seit 1988. In diesen Kliniken sind die Behandlungsschwerpunkte auf Patienten mit seelischen, psychosomatischen und psychiatrischen Erkrankungen gelegt. Darunter ist auch Burnout gezählt. In Vera Kaltwassers veröffentlichten Interviews mit dem Ärztlichen Geschäftsführer der Oberbergkliniken, Prof. Dr. Mundle, wurden Fragen beantwortet, die einen möglichen Aufenthalt in einer Klinik als Lehrerin oder Lehrer mit Burnout- Anzeichen zu tun haben. Diese Fragen bezogen sich direkt auf die therapeutischen Maßnahmen und die damit verbundenen Erfolge. Die Behandlung in einer Oberbergklinik gliedert sich in mehrere Phasen. Zuerst werden die körperlichen Gegebenheiten analysiert und wieder in eine normale Situation gebracht. Darunter werden regelmä- ßiges Essen, Schlafen und eine allgemeine Auszeit von der Arbeit gezählt. Diese körperliche Rückbildung ist die Grundlage für das weitere Arbeiten. Bei der Psychotherapie werden die inneren Gedanken und Ansprüche behandelt. Die Therapie zielt auf Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz ab. Erst dann können Lösungen oder Veränderungen herbeigeführt werden. Dies ist mit täglichen intensiven und individu- 137 Vgl.: Ebd., S. 121f. 5. Präventive und intervenierende Maßnahmen gegen Burnout 124 ellen Einzel- und Gruppengesprächen möglich. Dabei gilt, dass eigene emotionale Profil aus Einstellungen und Erwartungen zu ergründen. Weiter wird auch viel mit der Haltung der Achtsamkeit gearbeitet. Räume der Stille, modernes Stressmanagement, Meditation, Balanceschulungen etc. gehören dabei zum Alltag an einer Oberbergklinik. Nur durch diesen einen langfristigen Prozess kann auch eine nachhaltige Gesundung verzeichnet werden. Zu der Therapie gehören auch Lösungsvorschläge innerhalb des Systems Schule, um gesund in die Schule zurückzukehren. In Einzelfällen kann es jedoch sein, dass ein Berufswechsel gesünder und vernünftiger wäre. Was Prof. Dr. Mundle jedoch stark betont, dass, egal ob ein Patient wieder an die Schule zurückkehrt oder nicht, den Menschen so geholfen wird, dass sie für ihr weiteres Leben gesundheitlich rehabilitiert sind. Diese Aussage soll den Erfolg der Oberbergkliniken für Burnout-Erkrankte unterstreichen.138 138 Vgl.: Kaltwasser, Vera: Achtsamkeit in der Schule, a.a.O., S. 139ff. 5.7 Klinische Maßnahmen – Lehrer in der Reha 125

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Zusammenfassung

Burnout ist schon lange kein Modebegriff mehr. Viele Lehrerinnen und Lehrer erkranken bereits in jungen Jahren an Burnout. Dabei ist jedoch zu beachten, dass nicht nur persönliche Eigenschaften eine Rolle spielen, sondern die Hinführung zur Erkrankung auch durch bildungspolitische Systeme unterstützt werden. Für viele Lehrerinnen und Lehrer, aber auch anderen Personen im Erziehungs- und Bildungssystem, ist es wichtig, die Gefahr von Burnout oder anderen ähnlichen Erkrankungen vorzubeugen. Dieses Buch gibt Aufschluss darüber, was Burnout überhaupt ist und welche Ursachen es haben kann. Über spezifische Belastungsfaktoren aus der Schule wie z.B. schülerbezogene oder lärmbezogene Belastungen, werden auch gezielte Präventions- und Interventionsmaßnehmen gegen Burnout vorgestellt und erklärt.