Content

8 Diagnostik in:

Cornelia Zeller

Softwarebasierte Aphasietherapie, page 91 - 104

Entwicklung und Erprobung des kommunikativ-pragmatischen Übungsprogramms AKOPRA

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4167-3, ISBN online: 978-3-8288-7034-5, https://doi.org/10.5771/9783828870345-91

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
8 Diagnostik Eine umfassende Diagnostik stellt eine essenzielle Voraussetzung für die Thera pieplanung dar (Grohnfeldt & Ritterfeld, 2000; Sachse & Spreer, 2016). D enn das Ziel des diagnostischen Prozesses besteht in der Erhebung, Auswertung und Interpretation von Daten, um auf deren Basis über das Vorliegen, die A rt und den Schweregrad einer Sprachstörung sowie die Gestaltung der Therapiem aß nahm e zu entscheiden (Grohnfeldt, 2007). Für die Diagnostik von Aphasien bedeutet das konkret, ein sprachliches und kommunikatives Leistungsprofil über Ressourcen und Defizite zu erstellen, bio logisch-medizinische Fakten zu erheben, die psychosozialen Aspekte der Aphasie sowie W ünsche und Bedürfnisse von Betroffenen und Angehörigen einzubezie hen (Tesak, 2007). Darüber hinaus sind eine modelltheoretische Lokalisation von Störungs- und Kompensationsmechanismen und die Erfassung sprachrelevanter Begleitstörungen von zentraler Bedeutung (H uber & Ziegler, 2009). Um Veränderungen im Verlauf (H uber & Ziegler, 2009) und die Effektivität thera peutischer M aßnahm en festzustellen (Grande & H ußm ann, 2016) und so die Therapie an den jeweils aktuellen Bedarf anzupassen, ist eine regelmäßige In tegration diagnostischer Elemente vonnöten (Grohnfeldt, 2007). Für die D urchführung einer Diagnostik stehen verschiedene M ethoden zur Ver fügung: So werden Befragung, direkte Beobachtung und testdiagnostische U n tersuchungen unterschieden (Sachse & Spreer, 2016). Spezifisch für die Aphasiediagnostik liegt eine Vielzahl an Instrum enten vor, die nach verschiedenen Kriterien untergliedert werden können. So sind beispielsweise phasenspezifische Diagnostika verfügbar, weil etwa Pa tienten m it akuten Aphasien häufig stark fluktuierende Störungsbilder aufweisen und für eine umfassende Testung zu wenig belastbar sind (H uber & Ziegler, 2009). Für diese Arbeit wird eine U nterteilung in Abhängigkeit diagnostischer Zielsetzungen herangezogen (de Langen, 2010), sodass eine Differenzierung sprachsystematischer, modellorientierter und kommunikativ-pragmatischer Ver fahren erfolgt. 91 N ach der Erläuterung der Anamnese, die den Beginn des Diagnostikprozes ses darstellt, wird im Folgenden auf diese drei Diagnostikrichtungen eingegangen18. Dabei erfolgt zu Beginn der jeweiligen Unterkapitel die Beschreibung wichtiger Charakteristika, woraufhin Beispiele genannt und diejenigen Instru mente ausführlich beschrieben werden, die in der Therapiestudie Verwendung fanden. Ein besonderer Fokus liegt aufgrund der Ausrichtung dieser Arbeit auf dem komm unikativ-pragm atischen Ansatz. 8.1 Erhebung der Anamnese Das Ziel der Anamnese ist es, Inform ationen über die medizinische, sprachliche und soziale Situation sowie die Therapieziele des Betroffenen zu erhalten. H ierfür eignen sich ein Gespräch m it dem Betroffenen19 sowie gegebenen falls einem Angehörigen und der Einbezug von relevanten Vorbefunden (Schneider, 2014f). D a die Eigenanamnese bei Patienten m it Aphasie erschwert sein kann (Tesak, 2007), ist es für Therapeuten häufig sinnvoll ist, sich anhand wichtiger Befunde Vorabinform ationen zu beschaffen (Schütz, 2013). G eht der Therapeut hingegen ohne Vorwissen in dieses Gespräch, gewinnt dieser einen realistischen Eindruck darüber, wie der Betroffene Gesprächsinhalte kom m uni ziert. Unabhängig davon, für welchen W eg sich der Therapeut entscheidet, bie tet sich diesem über die Eigenanamnese die Möglichkeit, direkte Inform ationen des Primärbetroffenen zu bekomm en (Tesak, 2007). Darüber hinaus kann so eine erste Spontansprachprobe gewonnen werden (Schneider, 2014f). 8.2 Sprachsystem atische und modellorientierte Diagnostik Sowohl die sprachsystematische als auch die modellorientierte Diagnostik bezie hen sich auf das linguistische Profil der Patienten und dam it auf die ICF-Ebene der Körperfunktionen (Schneider, W ehmeyer & Grötzbach, 2014a), wobei viele kommunikationsrelevante Elemente ausgeschlossen werden (de Langen, 2010). D er Unterschied dieser beiden Diagnostikrichtungen besteht darin, dass in den sprachsystematischen Instrum enten der Fokus darauf liegt, die Oberflächen symptome zu beschreiben (Aichert & Kirmeier, 2005) und zum Teil einem Syndrom zuzuordnen (Grande & H ußm ann, 2016), wohingegen der modellori entierte Ansatz die Störungsursache modelltheoretisch lokalisiert (Aichert & Kirmeier, 2005; Schütz, 2013). 18 A ufgrund der großen Anzahl verfügbarer D iagnostika ist deren lückenlose A ufführung im R ahm en dieser A rbeit nich t möglich. E in ausführlicher Ü berblick findet sich z. B. in H uber et al. (2013) und in Schütz (2013). 19 E in von Schütz (2013) verfasster Leitfaden für Anamnesegespräche findet sich online unter: http://w w w .reinhardt-verlag.de/_pdf_m edia/Leitfaden_A nam nesegespraech02398.pdf (zu letzt geprüft am 19.03.2017). 92 Insgesamt ist zu beobachten, dass sich das Forschungsinteresse sukzessive m ehr der Sym ptom orientierung und Einzelfallanalyse zuwendet, da davon aus zugehen ist, dass die traditionelle Syndromeinteilung isoliert zu unpräzise ist und keinen Rückschluss auf defizitäre und intakte Verarbeitungskom ponenten zu lässt (Werani, 1997). Als Beispiel für einen bekannten Vertreter modelltheoretischer Diagnostika sei Lexikon Modellorientiert (LeMo) (De Bleser, Cholewa, Stadie & Tabatabaie, 2004; Stadie et al., 2013) genannt. Dieses basiert auf dem Logogen-Modell (sie he Kapitel 3.1.1) und dient dazu, Beeinträchtigungen der laut- und schrift sprachlichen Verarbeitung m onom orphem atischer W örter sowie Neologismen modelltheoretisch zu diagnostizieren (Aichert & Kirmeier, 2005). Als sprachsystematisches Diagnostikum soll der Aachener Aphasie Test (A A T ) (Huber, Poeck, W eniger & Willmes, 1983) etwas ausführlicher vorgestellt wer den, da dieser in der vorliegenden Therapiestudie Verwendung fand. Die Test batterie besteht aus insgesamt sechs Untertests: Spontansprache, Token Test, Nachsprechen, Schriftsprache, Benennen und Sprachverständnis (Huber, Weniger, Poeck & Willmes, 1980). Dabei sind die Schwierigkeitsgrade sowohl innerhalb als auch zwischen den einzelnen Aufgabentypen abgestuft (Huber, Poeck & Weniger, 1989). Prinzipiell lassen sich mithilfe des A A Ts Aphasien aller Ätiolo gien diagnostizieren, wobei einschränkend zu vermerken ist, dass die N orm daten nahezu ausschließlich von Patienten m it vaskulärer Ätiologie stamm en (Schnei der, 2014a). M ithilfe des AATs können eine Auslese, eine Syndromklassifikati on, eine Beschreibung des Störungsprofils in den einzelnen M odalitäten, eine Festlegung des Schweregrads sowie eine sprachsystematische Beschreibung gültig und zuverlässig erfolgen. Außerdem ist eine Messung von Veränderungen im Verlauf unter Berücksichtigung einer Spontanremission möglich (H uber & Ziegler, 2009). Für die statistische Auswertung steht eine Software zur Verfü gung, m it der mittels Diskriminanzanalyse (ALLOC) W ahrscheinlichkeiten für das Vorliegen einer Aphasie und die Einteilung in die Standardsyndrome be rechnet werden können. D arüber hinaus ist eine Bestimmung des Testprofils möglich (H uber et al., 2013). Die Vorteile des AATs liegen vor allem in der Er füllung der Gütekriterien, seiner weiten Verbreitung und der Syndromklassifika tion, die eine effektive interdisziplinäre K om m unikation erlauben (Schütz, 2013). 8.3 Kommunikativ-pragmatische Diagnostik In der komm unikativ-pragm atischen Diagnostik erfolgt eine Fokussierung auf die komm unikativen Alltagsleistungen (G lindem ann et al., 2002; H uber & Ziegler, 2009) und dam it auf die ICF-Ebenen der A ktivitä t und Partizipation (Schneider, 2014e). Dabei stehen die jeweilige Ausprägung der Aphasie und de ren Ursache im H intergrund (de Langen, 2003). 93 Tabelle 10 umfasst die Ziele dieses Ansatzes. T abelle 10: Z iele der kom m unikativ -pragm atischen D iagnostik Die Ziele der komm unikativ-pragm atischen Diagnostik bestehen in der Erfassung und Analyse • der Ressourcen und Schwierigkeiten im Umgang m it sprachlichen Fä higkeiten im Alltag (G lindem ann et al., 2002), • des Bedingungsgefüges, wie kommunikatives H andeln trotz Aphasie möglich sein kann (Glindem ann et al., 2002), • der vom Betroffenen wahrgenomm enen Beeinträchtigungen durch die Aphasie (Schütz, 2013), • der Partizipation und Lebensqualität des Betroffenen (Schütz, 2013), • von Inform ationen für die Angehörigenberatung (Schütz, 2013), • inwiefern der Transfer der Therapieerfolge in den Alltag gelingt (Schütz, 2013). Die in Tabelle 10 aufgeführten Ziele können durch die sprachsystematische und modellorientierte Diagnostik häufig nicht zufriedenstellend erreicht werden, sodass eine Ergänzung durch kommunikativ-pragmatische Instrum ente vonnöten ist (Grande & H ußm ann, 2016). Die Entwicklung dieser Verfahren ist noch nicht weit fortgeschritten (Jakob, 2015), sodass deren Anzahl bis zum jetzigen Z eitpunkt begrenzt ist (Grande & H ußm ann, 2016; Schwinn, Pieper, Dam m - Lunau & Baumgärtner, 2014). Zudem mangelt es häufig an testpsychologischen Untersuchungen (Holz, 2014; H uber & Ziegler, 2009). N ach de Langen (2010) und Schütz (2013) können Gesprächsanalysen, Ra tingskalen für Sprachtherapeuten, Interviews, Selbsteinschätzungen der Be troffenen, Angehörigenbefragungen und Kommunikationstests differenziert werden: So zielt die Konversationsanalyse auf die Untersuchung ab, wie sich neurolinguistische und kognitive Beeinträchtigungen auf Alltagsgespräche auswirken und welche Strategien die Gesprächspartner anwenden, um Verständigungs probleme aufzuklären (Schneider, 2014e). Ein konversationsanalytisches Verfah ren stellt das Untersuchungsprotokoll der linguistisch-pragmatischen Fertigkeiten bei Aphasie (Bongartz, 1998) dar, das als deutsche Übersetzung des Assessment Protocol o f Pragmatic-Linguistic Skills (APPLS) (Gerber & Gurland, 1989) veröffent licht wurde. A nhand transkribierter Audioaufnahmen werden hierbei sowohl erfolgreiche Gesprächsschritte als auch solche, die Verständnisprobleme und de ren Auflösung beinhalten (M ikro- und Makroanalyse), analysiert (Bongartz, 1998; Gerber & Gurland, 1989). D er Nachteil dieses Verfahrens liegt im hohen Zeitaufwand begründet (Schneider, 2014e), der im therapeutischen Alltag häufig nicht möglich ist (Schütz, 2013). 94 Bei den Ratingskalen für Sprachtherapeuten handelt es sich um eine Beurtei lung der Kommunikationsfähigkeit, die auf den Beobachtungen des Therapeu ten basiert (Schütz, 2013). Als Beispiel sei der Fragebogen zum Kommunikations verhalten von Schlaganfallpatienten (AFKS) (Arnold, Übensee, Barasch, Haase, Schillikowski & Pfeiffer, 2009a/b) erwähnt, wovon jeweils eine Version für An gehörige und eine für Pflegekräfte und Therapeuten konzipiert wurde. Dabei handelt es sich inhaltlich um dieselben Fragen, welche sich ausschließlich durch die jeweiligen Form ulierungen unterscheiden. Anzumerken ist hierzu, dass es fraglich ist, ob der Therapeut alle Items adäquat beantworten kann, ohne diese explizit abzuprüfen. Eine weitere O ption zur Erfassung der komm unikativ-pragm atischen Fähig keiten stellt die D urchführung von Interviews dar. Als Beispiele seien hierzu das Interview zur pragmatisch-funktionellen Diagnostik bei Aphasie (PFD) (Balasz, Wiesenberger & Glindem ann, 2010) und die bereits in Kapitel 8.2 erwähnte Spontansprache des AATs (H uber et al., 1983) genannt. In letzterem führt der Untersucher ein möglichst zehnminütiges semi-standardisiertes Interview m it dem Patienten durch. Die so entstandene Sprachprobe wird hinsichtlich der Kri terien Kommunikationsverhalten, Artikulation und Prosodie, Automatisierte Spra che, Semantische Struktur, Phonematische Struktur sowie Syntaktische Struktur analysiert und jeweils auf einer sechsstufigen Skala bewertet (H uber et al., 1980), wobei sich ausschließlich das erste Kriterium auf die komm unikative Leistung bezieht (H uber et al., 2013; Schütz, 2013). Einschränkend ist anzumerken, dass die Beurteilung ausschließlich die verbale Kom m unikation umfasst und die Ska la für geringgradige Therapiefortschritte als zu unpräzise erscheint (Schütz, 2013). Als weitere M ethode ist die Selbstbeurteilung durch den Betroffenen anzu führen, wobei hierfür bisher nur sehr wenige Verfahren existieren (Böhlau, Flie ger, Hagemeister, Jakob, Kraxenberger, Kuntner, Leienbach, Müller, Oebels, Posch, Remiger, Schütz, Zeller & Zinger, 2013; K untner & Schütz, 2016b). So wurde in Anlehnung an das Communication Disability Profile (CDP) (Swinburn & Byng, 2006) die sogenannte Kommunikationsorientierte Selbstbeurteilung bei Aphasie (KOSA ) entwickelt, die derzeit jedoch noch nicht verfügbar ist. Das Ziel dieses Instrum ents besteht darin, Betroffenen die Beurteilung ihrer kom m unika tiven Leistungen in verschiedenen Alltagsbereichen, deren Relevanz sowie die Verwendung von Strategien und Hilfen zu ermöglichen (Böhlau et al., 2013). M ithilfe der Ergebnisse dieses Diagnostikums sollen Therapieziele abgeleitet so wie intra- und interindividuelle Vergleiche ermöglicht werden (Kuntner & Schütz, 2016a). Z u bedenken ist, dass Betroffene für einen effektiven Einsatz des Instru ments gewisse Voraussetzungen erfüllen sollten, wie beispielsweise ausreichende rezeptive und metalinguistische Fähigkeiten (Böhlau et al., 2013). 95 Darüber hinaus liegen verschiedene Angehörigenfragebögen vor. So stellen Angehörige eine bedeutsame Informationsquelle bezüglich komm unikativer An forderungen im Alltag der Betroffenen dar (Schneider & Hansen, 2015; Tesak, 2007), in dem sich aphasische Beeinträchtigungen im Vergleich zum geschützten Therapierahm en noch deutlicher manifestieren können (Bucher & Boyer, 2014). Zudem ist es möglich, über Angehörige die Auswirkungen einer Aphasie ebenso wie die Anwendung von Kompensationsstrategien und mögliche Abhän gigkeiten des Primärbetroffenen von Hilfsm itteln und Personen zu erfassen. Au ßerdem erweist es sich als sinnvoll, Angehörige mittels Fragebogen beurteilen zu lassen, ob und inwiefern therapeutische M aßnahm en die Alltagskommunikation beeinflussen (Bauer & Schütz, 2011). Bei Verlaufsuntersuchungen können je doch Probleme in Bezug auf die Validität und Retest-Reliabilität auftreten, da Angehörige durch die Befragungsitems für die Defizite sensibilisiert werden und es vorkom m en kann, dass Einschränkungen trotz objektiver Verbesserungen nach der Behandlung als schwerwiegender eingeschätzt werden als zuvor (Glin dem ann et al., 2002). Für die vorliegende Therapiestudie wurde der Fragebogen zum Kommunikationsverhalten von Schlaganfallpatienten (AFKS) (Arnold et al., 2009a) genutzt. Eine Beschreibung des AFKS erfolgt in Kapitel 8.3.2. Eine weitere Diagnostikoption stellen Kommunikationstests dar. Diese ermögli chen es, kommunikativ-pragmatische Fähigkeiten direkt zu beobachten, zu beur teilen und die Leistungen mittels festgelegter Aufgaben inter- und intraindividu ell zu vergleichen (Schütz, 2013). Einen bekannten Vertreter stellt hierfür der Amsterdam-Nijmegen Everyday Language Test (ANELT) (Blomert & Buslach, 1994) dar. Dabei werden vom Untersucher Situationen geschildert und der Pati ent wird dazu aufgefordert, in diesem Quasi-Rollenspiel eine Interaktionsrolle auszuführen (Glindem ann, 1995; de Langen, 2003). Beurteilt werden die inhalt liche und auditive Verständlichkeit, wofür ausschließlich lautsprachliche Äuße rungen berücksichtigt werden (de Langen, 2003). Für die D urchführung des A N E L T ist es erforderlich, dass die zu untersuchende Person die vorgegebenen Situationen versteht und die produktiven Fähigkeiten über automatisierte Sprachelemente hinausgehen (Schütz, 2013). A uf die Ausführung alltäglicher H andlungen bezieht sich ebenfalls der Scenario-Test (van der Meulen, van de Sandt-Koenderman, Duivenvoorden & Ribbers, 2010). Im Gegensatz zum A N E L T wird hier jedoch die totale Kom m uni kationsfähigkeit getestet, indem sowohl verbal als auch nonverbal vermittelte Inhalte in der Bewertung berücksichtigt werden. Dieser Test eignet sich beson ders für Betroffene m it ausgeprägter Aphasie und liefert Hinweise auf die N u t zung von Strategien. Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass der Untersucher bei Bedarf abgestufte Hilfestellungen gibt (Schütz, 2013). 96 Darüber hinaus wurde der Kommunikationstest für aphasische Personen u nd Angehörige (KAPUA) (Bülau, Okreu, Doerr, Geißler, Küst & Tesak, 2007) kon zipiert. Hierbei geht es darum, dass Betroffene ihrem Angehörigen unbekannte Bildinhalte verm itteln (Bülau et al., 2007). Dabei stehen dem Betroffenen alle Kommunikationskanäle zur Verfügung und die Angehörigen erhalten die Auf forderung zur aktiven Beteiligung an der Inform ationsvermittlung (Schütz, 2013). Ein weiteres Instrum ent, das im Gegensatz zu den bereits skizzierten Verfahren verschiedene Aufgabentypen überprüft, stellt das Kommunikativ-pragmatische Screening fü r Patienten m it Aphasie (KOPS) (G lindem ann & Ziegler, 2011) dar. Dieses Verfahren spielte für diese Arbeit eine besondere Rolle, da einerseits die entwickelten Applikationen fü r kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie (A- KOPRA) hieran angelehnt wurden und es andererseits als Diagnostikum in der Therapiestudie Anwendung fand. KO PS wird in Kapitel 8.3.1 ausführlich be schrieben. 8 .3.1 Kommunikativ-pragmatisches Screening für Patienten mit Aphasie (KOPS) Das Ziel dieses Kapitels besteht darin, das Kommunikativ-pragmatische Screening fü r Patienten m it Aphasie (G lindem ann & Ziegler, 2011) zu beschreiben. Hierbei wird die Studienversion von KOPS 2011 beschrieben, welche jedoch noch in einigen Punkten von der endgültigen Version abweicht. KO PS wurde bereits in der multizentrischen GAB-Versorgungsstudie (Breitenstein et al., 2017) neben dem A N E L T (Blomert & Buslach, 1994) und dem Sprachsystematischen Aphasiescreening (SAPS) (Blömer, Pesch, Willmes, Huber, Springer & Abel, 2013) als sekundäres O utcom e-M aß vor und nach den Therapien eingesetzt. In Kapitel 8.3.1.1 geht es um die Grundlagen, während die einzelnen U nter tests in Kapitel 8.3.1.2 erläutert werden und eine Zusammenfassung und Bewer tung in Kapitel 8.3.1.3 zu finden sind. 8.3.1.1 Grundlagen Das Kommunikativ-pragmatische Screening fü r Patienten m it Aphasie (KOPS) um fasst neun Untertests m it insgesamt 54 Einzelaufgaben, sodass der Untersucher einen Überblick über verschiedene komm unikative Alltagsleistungen erhält (G lindem ann & Ziegler, 2011). Für jeden U ntertest liegt ein eigenes Hilfssystem vor, das festgelegte und hie rarchisch strukturierte Hilfestellungen m it einer ersten allgemeinen und weiteren spezifischen Hilfen umfasst (G lindem ann & Ziegler, 2017). Diese Hilfestellun gen fließen in die Bewertung ein, indem pro genutzter Hilfe ein Punktabzug er folgt (G lindem ann & Ziegler, 2011). W ährend der Testung werden die Patien 97 ten wiederholt auf die N utzung nonverbaler Komm unikationsmittel hingewie sen (Glindem ann & Ziegler, 2017). Tabelle 11 gibt eine Übersicht über die einzelnen Untertests. T abelle 11: Ü bersich t K O PS U ntertests (Inhalte aus: G lind em ann & Ziegler, 2011) Nummer Untertest 1 Rezeptive Aufgaben zum traditionellen PACE Setting 2 Expressive Aufgaben zum traditionellen PACE Setting 3 Basale kommunikative Handlungen: Zustimmung/Ablehnung 4 Verm itteln personenbezogenerAngaben 5 Verm itteln von Inhalten aus allgemeinen Bereichen 6 Komplexe kom munikative Handlungen: Einzelhandlungen 7 Komplexe kom munikative Handlungen: Rollenspiele 8 Rekonstruktion von Wegbeschreibungen 9__________ Wegbeschreibungen expressiv____________________________ Z ur Bewertung der Leistungen liegen für jeden U ntertest spezifische Kriterien vor (G lindem ann & Ziegler, 2017). V on der W ertung ausgenommen sind je weils die ein bis zwei W arm -up-Item s, die in sieben Untertests enthalten sind (G lindem ann & Ziegler, 2011). Deshalb werden maximal 44 Items bepunktet, sofern keines der Abbruchkriterien zutrifft. Bezüglich der Schwierigkeitsgrade ergab eine Analyse m it 20 Probanden, dass die Untertests 1 bis 4 über wesentlich geringere Schwierigkeitsgrade verfü gen als die Untertests 5 bis 9 (G lindem ann & Ziegler, 2017). 8.3.1.2 Präsentation der Untertests In den folgenden Abschnitten folgt nun eine Erläuterung der Untertests von KOPS. Dabei werden die Untertests 1, 2, 3 und 6 detaillierter dargestellt, da hierzu korrespondierende Applikationen entwickelt wurden. Untertest 1: Rezeptive Aufgaben zum traditionellen PACE Setting Das Untersuchungsziel des ersten Subtests besteht in der Erfassung rezeptiver Leistungen. Dies geschieht, indem ein Aussagesatz m it einem ein- oder zweisil bigen Zielwort in Endstellung und einem passenden situativen Kontext vorgege ben wird. Die Aufgabe der zu untersuchenden Person ist es, das Objekt, wonach in der Aufgabenstellung gefragt wird, auf einem Ergebnisblatt zu zeigen (Glin dem ann & Ziegler, 2017), das jeweils zwölf O bjektabbildungen umfasst (Glin dem ann & Ziegler, 2011). Zeigt ein Patient einen Ablenker oder eine Nullreaktion, reagiert der U nter sucher m it folgenden Hilfen (siehe Tabelle 12) (G lindem ann & Ziegler, 2011): T abelle 12: H ilfsstufen K O PS U nterte s t 1 (Inhalte aus: G lind em ann & Ziegler, 2011: 15) Hilfsstufe Inhalt_______________________________________________________________________________ 1 Allgem eines Feedback: W iederholung des Stim ulussatzes und der Aufgabenstellung 2 Erstes spezifisches Feedback: Präsentation einer Pantomime zum Zielobjekt 3__________ Zweites spezifisches Feedback: Präsentation e inerZe ichnung des Z ielobjekts__________ 98 Für die Hilfsstufen 2 und 3 werden die jeweiligen Pantom im en und Zeichnun gen anhand des M anuals vorgegeben. D adurch soll eine Vergleichbarkeit zwi schen verschiedenen Untersuchern erreicht werden (Glindem ann & Ziegler, 2017). Untertest 2: Expressive Aufgaben zum traditionellen PACE Setting Mithilfe des zweiten Untertests wird die Fähigkeit untersucht, auf Alltagsobjekte zu referieren. Hierfür erhält der Patient verdeckte Objektkarten, sodass für den Untersucher nicht ersichtlich ist, was hierauf jeweils abgebildet ist. D a der U n tersucher die Items kennt, ist es notwendig, nach dem Modus des Als-ob zu agie ren. Die Aufgabe des Patienten besteht darin, auf die einzelnen O bjekte zu refe rieren (G lindem ann & Ziegler, 2017). In der Instruktion erfolgt der Hinweis, dass auch eine Referenz via Zeichnung, Geste oder Schrift möglich ist, sofern diese nicht verbal gelingt. Zeigt ein Patient eine N ullreaktion oder kann der Untersucher anhand der Kommunikationsversuche nicht auf das Zielobjekt schließen, kom m t eine H il fenhierarchie zum Einsatz (siehe Tabelle 13) (Glindem ann & Ziegler, 2011). T abelle 13: H ilfsstufen K O PS U nterte s t 2 (Inhalte aus: G lind em ann & Ziegler, 2011: 35) Hilfsstufe Inhalt 1 Allgem eines Feedback: z. B. Frage, was abgebildet ist, Aufforderung es noch einmal anders zu versuchen 2 Erstes spezifisches Feedback: z. B. bere itsVerstandenes aufgreifen oderAufforderung, eine Geste zu produzieren 3 Zweites spezifisches Feedback: z. B. bei vorliegenden Hinweisen Hypothese zu einem Objekt formulieren oder Aufforderung, eine Zeichnung zu produzieren Die bereits in der Instruktion angedeutete Hierarchie der verbalen und nonver balen Kom m unikation spiegelt sich auch in der Bewertung wider, da ausschließ lich für eine verbale Referenz die M aximalpunktzahl vergeben wird. Bei nonver bal vollzogener Referenz erfolgt ein Punktabzug (G lindem ann & Ziegler, 2011). Untertest 3: Basale kommunikative Handlungen: Zustimmung/Ablehnung Dieser U ntertest fokussiert das Signalisieren von Zustim m ung und Ablehnung (G lindem ann & Ziegler, 2017). D er Untersucher stellt hierbei verschiedene ge schlossene Fragen zu Realobjekten, wie beispielsweise, ob der Patient gerade eine Jacke trage, woraufhin die Aufgabe des Betroffenen in der Beantwortung dieser Fragen besteht. Dies kann entweder verbal über die Verwendung einer A ntw ort partikel, über die Embleme Kopfschütteln und Nicken oder das Zeigen der kor rekten Antwortkategorie auf einem standardisierten Bogen erfolgen. 99 W ird die falsche Antwortkategorie kommuniziert, steht folgende Hilfsstu fenhierarchie zur Verfügung (siehe Tabelle 14) (G lindem ann & Ziegler, 2011). T abelle 14: H ilfsstufen K O PS U nterte s t 3 (Inhalte aus: G lind em ann & Ziegler, 2011: 49) Hilfsstufe Inhalt 1 Allgem eines Feedback: Umformulierung der Frage aus derAufgabenstellung 2 Erstes spezifisches Feedback: Verbale Aufforderung (ohne deiktische Geste) zum ent sprechenden Objekt bzw. dort hin zu schauen, wo sich das Objekt typischerweise befin det. Zusätzlich stellt der Therapeut eine Variante der Frage aus der Aufgabenstellung 3 Zweites spezifisches Feedback: U ntersucherze ig t auf das Objekt bzw. auf den Ort, wo sich das Objekt typischerweise befindet. Zusätzlich stellt der Therapeut eine Variante der Frage aus der Aufgabenstellung. Anders als in U ntertest 2 wird hier nicht zwischen einer verbalen und nonverba len A ntw ort unterschieden (Glindem ann & Ziegler, 2011). Untertest 4: Vermitteln personenbezogener Angaben Dieser Subtest gibt Aufschluss darüber, inwiefern ein Patient offene Fragen zu seiner Person beantworten kann (G lindem ann & Ziegler, 2017). Diese Fragen beziehen sich beispielsweise auf den V ornam en und den Geburtsort. Auch hier werden die zu untersuchenden Personen, ebenso wie in U ntertest 5, über die O ption einer nonverbalen oder schriftlichen A ntw ort in Kenntnis gesetzt (Glin dem ann & Ziegler, 2011). So ist es beispielsweise auch möglich, dass Patienten mitgeführte D okum ente nutzen, wie etwa ihren Personalausweis oder ihr Kom munikationsbuch, um m it deren U nterstützung einige Fragen zu beantworten (Glindem ann & Ziegler, 2017). Untertest 5: Vermitteln von Inhalten aus allgemeinen Bereichen Anhand dieses Untertests lässt sich überprüfen, inwiefern dem Betroffenen das Verm itteln von Inform ationen aus allgemeinen Bereichen gelingt. H ier geht es beispielsweise darum, die Lieblingsspeise mitzuteilen (G lindem ann & Ziegler, 2017). Untertest 6: Komplexe kommunikative Handlungen: Einzelhandlungen Dieser U ntertest dient dazu, das Ausführen komm unikativer Einzelhandlungen zu beurteilen. D afür gibt der Untersucher jeweils eine Situation, eine Rollenver teilung und eine Handlungsaufforderung vor. Bei den Items handelt es sich um das Einholen einer Auskunft sowie um Einladungen, Term invereinbarungen und Entschuldigungen (G lindem ann & Ziegler, 2017), sodass das Ausführen direktiver, kommissiver und expressiver Sprechakte überprüft wird. Aufgrund der Rollenverteilung entsteht ein Dialog zwischen Patient und Untersucher, der eine direkte Rede erfordert und jeweils durch den Untersucher begonnen sowie beendet wird. Gelingt dem Patienten das Ausführen der jeweiligen kom m unika tiven Einzelhandlung nicht oder nur teilweise oder tritt eine N ullreaktion auf, 100 steht die in Tabelle 15 präsentierte Hilfenhierarchie zur Verfügung (Glinde m ann & Ziegler, 2011). T abelle 15: H ilfsstufen K O P S U n terte s t 6 (Inhalte aus: G lin d em an n & Ziegler, 2011: 82) Hilfsstufe Inhalt 1 Allgem eines Feedback: Aufforderung, es noch einmal anders zu versuchen 2 Erstes spezifisches Feedback: W iedergeben, was bereits verstanden wurde und um Präzisierung bitten 3 Zweites spezifisches Feedback: Formulierungshilfe (Vorgabe eines Satzanfangs) Untertest 7: Komplexe kommunikative Handlungen: Rollenspiele M ithilfe des siebten Subtests soll überprüft werden, inwiefern das Ausführen komplexer kom m unikativer H andlungen in Rollenspielen gelingt. Ebenso wie in U ntertest 6 werden hierfür eine situative Vorgabe, eine Rollenverteilung und eine Handlungsaufforderung gegeben. D er Untersucher beginnt den Dialog und fordert den Patienten nach dessen erstem Gesprächsschritt zu zwei W eiteren auf. Dies erfolgt durch standardisierte Interaktionsimpulse, die sich für sämtliche Pa tientenreaktionen eignen (Glindem ann & Ziegler, 2017). Die Items enthalten ein hohes Konfliktpotenzial, was die K om m unikation zusätzlich erschweren kann. Untertest 8: Rekonstruktion von Wegbeschreibungen Das diagnostische Ziel dieses Untertests besteht darin, die Fähigkeit zu testen, eine vorgegebene W egbeschreibung rezeptiv zu verarbeiten und auf einem Stadtplan zu rekonstruieren, der sowohl Straßennam en als auch Landmarken (z. B. Gebäude) enthält. H ierbei gibt der Untersucher die W egbeschreibung au ditiv vor. K ann ein Patient dieser n icht folgen, besteht dessen Aufgabe im N ach fragen und Bitten um Präzisierungen (G lindem ann & Ziegler, 2017). Hierfür können alle Kom m unikationsm ittel genutzt werden. Gezählt werden die korrekt eingezeichneten Straßen, wobei zusätzlich die Bearbeitungszeit gemessen wird (G lindem ann & Ziegler, 2011). Untertest 9: Wegbeschreibungen expressiv D er neunte U ntertest gibt Aufschluss darüber, inwiefern einem Betroffenen die Beschreibung eines vorgegebenen Weges gelingt (G lindem ann & Ziegler, 2017). Hierfür erhält die zu untersuchende Person einen Stadtplan m it Straßennamen, Landmarken und einem eingezeichneten W eg (Glindem ann & Ziegler, 2011). Die Aufgabe des Patienten besteht nun darin, den m arkierten W eg so zu be schreiben, dass der Untersucher diesen in einen separaten Stadtplan einzeichnen kann (Glindem ann & Ziegler, 2017). D afür können sowohl verbale als auch nonverbale Kom m unikationsm ittel genutzt werden (G lindem ann & Ziegler, 2011). Für die Bewertung werden einerseits die Anzahl korrekt beschriebener Straßen und andererseits die für die Wegbeschreibung benötigte Zeit berück 101 sichtigt. Versteht der Untersucher die Anweisungen des Patienten nicht, ist ein Eingreifen m it standardisierten Fragen vorgesehen (G lindem ann & Ziegler, 2017). 8.3.1.3 Zusam m enfassung und Bewertung D urch die Zusammenstellung der Untertests, die M ultim odalität und das Hilfs system erhält der Untersucher anhand von KO PS einen Überblick über die re zeptiven und produktiven Kommunikationsleistungen bei unterschiedlichen An forderungen und Komplexitätsgraden. Zudem wird deutlich, welche M odalitä ten die zu untersuchende Person wie effektiv nutzt und von welchen Hilfen sie profitieren kann. Folglich kann KO PS sowohl für die Planung der Therapie als auch für die M essung der Effektivität einer therapeutischen M aßnahm e herange zogen werden (G lindem ann & Ziegler, 2017). In der neuesten Version von KOPS, die für diese Arbeit noch nicht zur Ver fügung stand, besteht außerdem die Möglichkeit, gestische, zeichnerische und schriftliche Leistungen getrennt zu erfassen sowie die Parameter Themendisziplin und Auffälligkeiten beim Sprecherwechsel zu beurteilen (G lindem ann & Ziegler, 2017). Im Vergleich zu den anderen skizzierten kommunikativ-pragmatischen Ver fahren liefert KO PS den umfassendsten Überblick über die komm unikative Leis tungsfähigkeit eines Patienten. Die einzelnen Aufgabentypen sind am Alltag ori entiert, wobei aufgrund der Testbedingungen Grenzen gesetzt sind. Anzumerken ist außerdem, dass eine Untersuchung der Testgütekriterien noch aussteht (G lindem ann & Ziegler, 2017). 8.3.2 Angehörigenfragebogen zum Kommunikationsverhalten von Schlaganfallpatienten (AFKS) D er AFKS wurde von Arnold et al. (2009a) entwickelt und ist sowohl an den Communicative Effectiveness Index (CETI) (Schlenck & Schlenck, 1994) als auch das A SH A Functional Assessment o f Communication Skills fo r Adults (ASHA- FACS) (Frattali, Holland, Thom pson, W ohl & Ferketic, 1995) angelehnt (Arnold, Übensee, Barasch, Haase, Schillikowski & Pfeiffer, 2011). D er AFKS ermöglicht die Erfassung des Grades an Selbständigkeit, m it dem eine Person m it Aphasie komm unikative Ziele erreichen kann (Arnold, Kärnth, Barasch, Haase, Schillikowski & Pfeiffer, 2012). D er Fragebogen bezieht sich auf präzisierte Kom m unikationsaktivitäten und umfasst 28 Items, die sich in die Kategorien Schreiben, Lesen sowie elementare und komplexe nichtschriftliche Kommunikationsaufgaben untergliedern lassen (Arnold et al., 2012). N eben der verbalen wird dabei auch die nonverbale Kommunikationsfähigkeit einbezogen (Arnold et al., 2011). Eine Differenzierung zwischen rezeptiven und produktiven Leistungen erfolgt nicht. Die Aufgabe der Angehörigen besteht darin, den U n terstützungsbedarf auf einer fünfstufigen Skala zu beurteilen, die sich auf die 102 Teilhabe des Betroffenen bezieht. Es wird zwischen dem Subscore schriftliche Leistungen, wozu alle schriftlichen Kommunikationsfertigkeiten zählen, und dem Subscore Kommunikation , wozu die restlichen Items addiert werden, unterschie den. Ein hoher Score steht für einen hohen Unterstützungsbedarf (Arnold et al., 2012). D er AFKS kom biniert leichte und schwierigere Items (Arnold et al., 2012) und ist nach Auskunft der Autoren für Patienten m it Aphasien unabhän gig von Schweregrad und Rehabilitationsphase einsetzbar (Arnold et al., 2011). Sowohl die Intrarater- als auch die Interraterreliabilität werden von Arnold et al. (2012) im Vergleich zu C E T I und ASH A-FAC S als günstig beurteilt und die interne Konsistenz der nichtschriftlichen Items als hoch eingestuft. Auch die Veränderungssensitivität schätzen die Autoren als befriedigend ein. N orm daten liegen jedoch seither nicht vor20 (Arnold et al., 2012). 20 D er Fragebogen steht unter http://w w w .aphasie.org/de/3-fachpersonen/3.3 frageboegen/fragebogen-5-angehorige.pdf zum D ow nload bereit (zuletzt geprüft am 19.03.2017). 103

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Software für Kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie – passt das wirklich zusammen? Dieser Frage geht Cornelia Zeller im vorliegenden Buch nach. In diesem Buch erhalten Sie zunächst fundiertes Wissen über das Krankheitsbild und die Behandlung von Aphasien. Anschließend geht Cornelia Zeller auf die theoriebasierte Entwicklung der Applikationen für kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie (AKOPRA) ein, die an das Kommunikativ-pragmatische Screening für Patienten mit Aphasie (KOPS) angelehnt sind. Daraufhin wird die Therapiestudie dargestellt, in der das Übungsprogramm auf seine Praktikabilität hin überprüft wurde. In diesen Kapiteln werden u.a. die Ergebnisse zur Anwendbarkeit von AKOPRA sowie zur Effektivität geschildert. Von diesem Buch können in Praxis oder Klinik tätige Sprachtherapeutinnen und Sprachtherapeuten profitieren, da neben der theoretischen Fundierung viele praktische Hinweise zur Anwendung von AKOPRA gegeben werden. Darüber hinaus können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende Anknüpfungspunkte für weitere Forschungsarbeiten finden.