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18 Ausblick in:

Cornelia Zeller

Softwarebasierte Aphasietherapie, page 352 - 355

Entwicklung und Erprobung des kommunikativ-pragmatischen Übungsprogramms AKOPRA

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4167-3, ISBN online: 978-3-8288-7034-5, https://doi.org/10.5771/9783828870345-352

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
18 Ausblick M it der Entwicklung der Applikationen fü r kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie (AKOPRA) ist es gelungen, das bisherige Softwareangebot durch ein attraktives Instrum ent m it alltagsnaher Ausrichtung zu ergänzen. N eben den empirisch bestätigten guten Eigenschaften dieser Therapiesoftware sind in dieser Studie interessante Hinweise auf mögliche M odifikation und W eiterentwicklung sowie auf weiteren Forschungsbedarf deutlich geworden. In den folgenden Ab schnitten sollen dazu Überlegungen skizziert werden. Beispielsweise liegen erste Ergebnisse zur Anwendbarkeit, zur N utzung und Ef fektivität der Hilfen sowie zu Therapieeffekten und Zusam m enhängen zwischen KO PS und AKOPRA vor. Diese Ergebnisse sollten in einer Gruppenstudie m it großen Probandenzahlen überprüft werden, um die Anwendbarkeit und die zu erzielenden komm unikativ-pragm atischen Leistungssteigerungen sicher belegen zu können. Dabei sollten ebenfalls Aphasiepatienten m it heterogener Sympto m atik und anderen neuropsychologischen Begleitstörungen eingeschlossen wer den. Zudem würde es sich anbieten, mittels Follow-up-Untersuchungen Lang zeiteffekte zu untersuchen und auch Transfereffekte in den Alltag zu überprüfen. D enn gerade die Anwendung der konzipierten Therapieinhalte im Alltag spielt für eine Verbesserung der Partizipationsmöglichkeiten an der Gesellschaft eine besondere Rolle. Hierfür wäre es denkbar, auch Angehörigenbefragungen vor und nach der Therapiestudie und Erprobungen in authentischen Situationen vor O rt durchzuführen. D a AKOPRA prim är als Ergänzung zur Face-to-Face-Therapie entwickelt und in der durchgeführten Therapiestudie auch so genutzt wurde, wäre es weiterhin interessant zu analysieren, inwiefern sich eine Face-to-Face-Therapie und AKO - PRA gegenseitig beeinflussen. 351 Dafür würde sich ein Design m it mehreren Therapiephasen und Messwie derholungen besonders eignen. So wäre dam it ein Effektivitätsvergleich der kom binierten und jeweils isolierten Anwendung der beiden Therapieformen möglich. Bei der kom binierten Anwendung könnten außerdem die jeweiligen Anteile der beiden Therapieformen variiert werden, um das optimale Verhältnis zu identifizieren. Einen weiteren Parameter stellt die Abstim m ung der Inhalte beider Interventionsarten aufeinander dar. D am it könnte getestet werden, ob größere Effekte erreicht werden können, wenn die Inhalte der beiden Therapie formen übereinstimmen, oder ob dies keine Auswirkungen hat. Außerdem wäre es wichtig, zu überprüfen, ob und wie Patienten auch ohne therapeutische Begleitung m it AKOPRA lernen können. D enn die Probanden erreichten in der durchgeführten Therapiestudie häufig eine hohe Selbständig keit, wobei die Therapeutin aufgrund der Konzeption der Studie alle Therapie sitzungen begleitete. Bei der D urchführung einer solchen U ntersuchung ist zu beachten, dass eine Einarbeitung durch einen Therapeuten wichtig bleibt, weil sicherlich nicht alle Patienten aufgrund des Schweregrades ihrer Symptome und möglicher neuropsychologischer Begleitstörungen eine selbständige Bearbeitung erreichen können. Darüber hinaus müssten Lösungen dafür entwickelt werden, dass die N utzung von AKOPRA innerhalb der Probandengruppe vergleichbar ist und kontrolliert werden kann. Sowohl die Ergebnisse der Therapiestudie als auch die vorgeschlagenen weiteren praktischen Erprobungen können Aufschluss über ein mögliches Verbesserungsbzw. W eiterentwicklungspotenzial von AKOPRA geben. Im Folgenden sollen nun einige dieser M öglichkeiten skizziert werden, die sich aus dem derzeitigen Wissensstand ableiten lassen. So zeigte sich in der Therapiestudie, dass beispielsweise die praktische An wendbarkeit von AKOPRA optim iert werden könnte. Hierfür würden sich etwa eine Vergrößerung der Buttons und bei den Anagrammen per Touch verschieb bare virtuelle Buchstabenplättchen anbieten. D am it könnte die Bedienung ins besondere für jene Anwender optim iert werden, die unter motorischen Ein schränkungen leiden. W eiterhin wäre die Integration weiterer Individualisie rungsoptionen denkbar: So könnten beispielsweise eine Zusamm enstellung von Itemsets nach spezifischen Parametern und die Integration spezifischer Einstel lungsoptionen für die Hilfenhierarchien ermöglicht werden. Darüber hinaus sollte die M öglichkeit erwogen werden, ob der bisherige Itempool von AKOPRA erweitert werden kann und zusätzlich Items m it niedri geren und höheren Schwierigkeitsgraden integriert werden können. Hierbei wäre es ebenfalls denkbar, neben N om en auch andere W ortarten als Zielitems zu nu t zen, sodass z. B. eine Referenz auf H andlungen und Tätigkeiten oder das Ver stehen von Präpositionen trainiert werden können. 352 D enn all diese Individualisierungs- und Erweiterungsoptionen könnten dazu beitragen, die Lücke zwischen Therapie und Alltag zu reduzieren und dam it die Alltagsrelevanz zu erhöhen. Außerdem könnten Aufgabentypen für weitere Anforderungen des Alltags konzipiert werden. Dabei würde sich in diesem Fall die Im plem entierung des bereits entwickelten Therapiekonzepts zur Reproduktion von W egbeschreibun gen anbieten. Zudem sind in weiterer Anlehnung an KO PS auch Ü bungen zur Produktion von W egbeschreibungen und ein Ausbau der kom m unikativen Ein zelhandlungen zu Rollenspielen vorstellbar. Solche Aufgabentypen wären jedoch sowohl im H inblick auf die Konzeption als auch in Bezug auf die Programmie rung außerordentlich komplex und aufwändig. Außerdem müsste zuvor genau erarbeitet werden, welche Grenzen sich dabei für Patienten m it neuropsychologischen Begleitstörungen ergeben. Ferner sollte auch das zukünftige Potenzial genutzt werden, das durch weitere Entwicklungen im IT-Bereich entstehen kann. Dabei ist hier beispielsweise da ran zu denken, wie sich O ptionen einer automatischen Lösungskontrolle in die Software integrieren lassen, sobald die hierfür notwendige Technik zur Verfü gung steht. W eiterhin könnten sich in Zukunft auch M öglichkeiten eröffnen, softwarebasiertes Ü ben noch realistischer zu gestalten, um die Differenz zwi schen Therapie und Alltag zu verringern. Als Beispiel sei hierfür die Virtual Rea lity-Technologie genannt. Sollten sich die technischen M öglichkeiten ergeben, diese Technologie für Therapiesoftware zu nutzen, könnte eine realitätsnahe Si m ulation von Alltagssituationen gelingen. Zudem stehen nicht nur für die zukünftige inhaltliche Gestaltung verschie dene O ptionen zur Verfügung, sondern auch dafür, wie der Entwicklungsprozess an sich organisiert werden soll. W ährend der Entwicklung der aktuellen Version von AKOPRA hat sich das agile Entwicklungskonzept bewährt, sodass dieses auch in Zukunft genutzt wer den sollte. D enn häufig ist in der Theorie nicht direkt absehbar, wie sich das je weilige Feature in der praktischen Anwendung auswirkt. Es würde sich außer dem anbieten, Sprachtherapeuten und Betroffene als weitere Experten einzube ziehen, um den Erfahrungsschatz zu vergrößern. Es lässt sich also abschließend festhalten, dass m it AKOPRA eine sehr tragfähige und mutige Basis für softwarebasierte kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie konzipiert und umgesetzt werden konnte. 353

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Zusammenfassung

Software für Kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie – passt das wirklich zusammen? Dieser Frage geht Cornelia Zeller im vorliegenden Buch nach. In diesem Buch erhalten Sie zunächst fundiertes Wissen über das Krankheitsbild und die Behandlung von Aphasien. Anschließend geht Cornelia Zeller auf die theoriebasierte Entwicklung der Applikationen für kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie (AKOPRA) ein, die an das Kommunikativ-pragmatische Screening für Patienten mit Aphasie (KOPS) angelehnt sind. Daraufhin wird die Therapiestudie dargestellt, in der das Übungsprogramm auf seine Praktikabilität hin überprüft wurde. In diesen Kapiteln werden u.a. die Ergebnisse zur Anwendbarkeit von AKOPRA sowie zur Effektivität geschildert. Von diesem Buch können in Praxis oder Klinik tätige Sprachtherapeutinnen und Sprachtherapeuten profitieren, da neben der theoretischen Fundierung viele praktische Hinweise zur Anwendung von AKOPRA gegeben werden. Darüber hinaus können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende Anknüpfungspunkte für weitere Forschungsarbeiten finden.