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17 Fazit in:

Cornelia Zeller

Softwarebasierte Aphasietherapie, page 348 - 351

Entwicklung und Erprobung des kommunikativ-pragmatischen Übungsprogramms AKOPRA

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4167-3, ISBN online: 978-3-8288-7034-5, https://doi.org/10.5771/9783828870345-348

Tectum, Baden-Baden
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17 Fazit Es war also tatsächlich möglich, in Anlehnung an das Komm unikativ pragmatische Screening für Patienten m it Aphasie (KOPS) (Glindem ann & Ziegler, 2011) ein komm unikationsorientiertes Softwareprogramm zu entwi ckeln, m it dem die Partizipationsmöglichkeiten an der Gesellschaft von M en schen m it Aphasie verbessert werden sollen. Die wesentliche Herausforderung stellte dabei einerseits die N utzung der sich bietenden technischen M öglichkeiten für die Aphasietherapie dar. Anderer seits mussten die inhärenten Restriktionen möglichst gering gehalten werden, von denen die dominanteste das Fehlen eines direkten Kom m unikationspartners ist. Es konnte eine Auswahl geeigneter Aufgabentypen vorgenom men und eine sinnvolle Konzeption softwaregeeigneter Übungsabläufe erarbeitet werden. Für anspruchsvolle therapeutische Interventionen musste sehr viel komplex einsetzbares Material entwickelt werden. Dabei handelt es sich um 2000 Audioaufnahm en, 350 Fotos von Personen, O bjekten und Situationen, 210 Objektzeich nungen und 28 Gestenvideos. Schließlich wurde in Kooperation m it Software entwicklern die Im plem entierung in eine Software vorgenommen. Aus diesen aufwändigen Entwicklungsschritten gingen die Applikationen für komm unikativ-pragm atische Aphasietherapie (AKOPRA) hervor. AKOPRA be steht aus insgesamt vier M odulen, m it denen das Sprachverständnis auf Satzebe ne, das Referieren auf Objekte, das Signalisieren von Zustim m ung und Ableh nung sowie das Ausführen komm unikativer Einzelhandlungen geübt werden kann. Die Software soll als Ergänzung zur klassischen Face-to-Face-Therapie eingesetzt werden. Das weitere Ziel stellte die Erprobung des entwickelten Programms in einer Proof-of-Principle-Studie dar, um dieses neu entwickelte Therapieinstrum ent 347 auf seine Praktikabilität hin zu untersuchen. Hierfür w urden fünf Aphasiepatienten mit unterschiedlichen Aphasien und neuropsychologischen Begleitstörungen in die praktische Erprobung einbezogen. Jeder der Probanden konnte von der Therapie profitieren und meist alle M odule bearbeiten. Das manifestierte sich darin, dass sich sowohl die Itembearbeitung in allen Therapiem odulen als auch die Leistungen in K O PS von der Prä- zur Postmessung signifikant verbesserten. Diese Resultate zeigen, dass AKOPRA von Betroffenen mit heterogener aphasischer Symptomatik genutzt werden und zu einer Steigerung ihrer kom m unika tiv-pragmatischen Fähigkeiten führen kann. Die verschiedenen Charakteristika von AKOPRA erwiesen sich in der prakti schen Erprobung alle als ausgesprochen sinnvoll und tragfähig: So wurden von den Probanden sämtliche angebotenen M odalitäten genutzt, sodass die Bearbei tung der Items verbal, schriftlich, zeichnerisch, gestisch oder mittels Umschrei bung erfolgte. Zudem m achten alle Probanden von den optional verwendbaren Hilfenhierarchien Gebrauch. Diese beinhalten für jedes Item zwei bis fünf mo dalitätsspezifische Hilfen und konnten zu einem korrekten Lösen der Items füh ren. Auch die integrierten O ptionen zum eigenständigen Lösungsabgleich (Self monitoring) und zusätzlichen Nachsprechen fanden in der Probandengruppe Verwendung. W eiterhin zeigten die im Verlauf der Therapiephase im m er weniger erforderliche H ilfennutzung und die vermehrte Konzentration auf favorisierte M odalitäten, dass die Studienteilnehm er flexibel m it den O ptionen von AKOPRA umgehen konnten und diese ihren Leistungen anpassten. Die verschiedenen Bearbei tungswege schafften jedoch nicht nur diverse Adaptionsmöglichkeiten, sondern führten z. T . auch zu einer höheren Komplexität des Übungsablaufs. Dabei zeig te sich, dass die therapeutische U nterstützung bei nahezu allen Probanden im Verlauf der Therapiephase reduziert werden konnte und häufig eine hohe Selb ständigkeit erreicht wurde. W eiterhin bekräftigen auch die Ergebnisse der Probandenbefragung, dass die Konzeption von AKOPRA sinnvoll war. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die beschriebenen Spezifika des Programms das Potenzial bieten, auf den Kommunikationsalltag vorzubereiten und die komm unikative Handlungsfähigkeit zu verbessern. Daneben w urden auch Grenzen der Anwendung deutlich: So ist AKOPRA zwar in Anlehnung an den Alltag konzipiert, kann ihn jedoch nicht m it all seinen ver schiedenen und insgesamt hochkomplexen Anforderungen eins zu eins abbilden. 348 Das ist allerdings selbst in Face-to-Face-Therapien meist nicht möglich und stellt auch nicht das Ziel meiner Bemühungen dar. D arüber hinaus gibt es weitere Therapieinhalte, die in AKOPRA n icht oder nur eingeschränkt berücksichtigt werden: Dazu zählen etwa Ü bungen zur Orga nisation der Interaktion sowie der Ausdruck persönlicher Zuwendung. Für diese Inhalte sind softwarebasierte Ü bungen insgesamt wenig geeignet. Sie sollten vielmehr in anderen Übungsform en thematisiert werden, die AKOPRA nicht ersetzen kann, sondern die sie ergänzen soll. Bei einer Kom bination verschiede ner Therapieformen können die jeweiligen Vorteile genutzt werden. So stellt das hochfrequente Ü ben eine große Stärke von AKOPRA dar. Dafür bietet diese Software aufgrund ihrer im Vergleich zum Alltag reduzierten Anfor derungen eine sehr gute, flexibel nutzbare und erfolgsversprechende Möglichkeit der Aphasietherapie. 349

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Zusammenfassung

Software für Kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie – passt das wirklich zusammen? Dieser Frage geht Cornelia Zeller im vorliegenden Buch nach. In diesem Buch erhalten Sie zunächst fundiertes Wissen über das Krankheitsbild und die Behandlung von Aphasien. Anschließend geht Cornelia Zeller auf die theoriebasierte Entwicklung der Applikationen für kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie (AKOPRA) ein, die an das Kommunikativ-pragmatische Screening für Patienten mit Aphasie (KOPS) angelehnt sind. Daraufhin wird die Therapiestudie dargestellt, in der das Übungsprogramm auf seine Praktikabilität hin überprüft wurde. In diesen Kapiteln werden u.a. die Ergebnisse zur Anwendbarkeit von AKOPRA sowie zur Effektivität geschildert. Von diesem Buch können in Praxis oder Klinik tätige Sprachtherapeutinnen und Sprachtherapeuten profitieren, da neben der theoretischen Fundierung viele praktische Hinweise zur Anwendung von AKOPRA gegeben werden. Darüber hinaus können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende Anknüpfungspunkte für weitere Forschungsarbeiten finden.