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1 Einleitung in:

Cornelia Zeller

Softwarebasierte Aphasietherapie, page 27 - 30

Entwicklung und Erprobung des kommunikativ-pragmatischen Übungsprogramms AKOPRA

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4167-3, ISBN online: 978-3-8288-7034-5, https://doi.org/10.5771/9783828870345-27

Tectum, Baden-Baden
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1 Einleitung „Das Gute war, das waren alles Übungen, die mit dem Leben zu tun hatte. “ „Das sind hier Möglichkeiten ( ) damit alles wieder besser geht.“ Diese Aussagen von zwei Aphasiebetroffenen, die m it dem im Rahm en dieser Arbeit entwickelten Therapieprogramm AKOPRA intensiv gearbeitet hatten, bringen die Ziele auf den Punkt, die m it der Konzeption und Anwendung des Programms erreicht werden sollten: Die Entwicklung einer alltagsorientierten Therapie zur Verbesserung der gesellschaftlichen Partizipationsmöglichkeiten von M enschen m it Aphasie. Bei Aphasien handelt es sich um Sprach- und Kommunikationsstörungen (Glindem ann, 2006; Nobis-Bosch, Rubi-Fessen, Biniek & Springer, 2013; Schütz, 2013), die in Folge von Erkrankungen des zentralen Nervensystems auf treten (Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 2012) und zu erheblichen Ein schränkungen im Alltag führen können (Glindem ann, 2006; Schütz, 2013). Be handelt werden Aphasien traditionell m it sprachsystematischen Ansätzen (Glin demann, 1995; Moriz, Geißler & Grewe, 2014), wobei zunehm end auch kom munikativ-pragmatische M ethoden Anwendung finden (Glindem ann, Ziegler & Kilian, 2002; W inkelm ann, 2000; Zeller & Glindem ann, 2015). Das liegt nahe, da bei sprachsystematischen Verfahren häufig der Transfer in den Alltag einge schränkt ist (Schneider, 2014k). D er N utzen einer Therapie hängt jedoch gerade von der Anwendung der Lerninhalte im alltäglichen Leben der Betroffenen ab (Moriz et al., 2014). Darüber hinaus fordert die International Classification of Functioning, Disability and H ealth (ICF) (D IM D I, 2005) der W H O , dass alle Interventionen und somit auch die Aphasietherapie die Teilhabe an gesellschaft lichen Prozessen verbessern sollen (Frommelt & Grötzbach, 2005; Glindem ann & Ziegler, 2017; M oriz et al., 2014). Die W irksamkeit einer Behandlung ist u. a. auch abhängig von der Thera piefrequenz. Es konnte nachgewiesen werden, dass Aphasietherapie ab fünf wö chentlichen Therapieeinheiten wirksam ist (Deutsche Gesellschaft für N eurolo gie, 2012). D arüber hinaus wurden auch in der aktuell veröffentlichten m ulti 27 zentrischen Versorgungsstudie signifikante Leistungssteigerungen infolge hoch frequenter Therapie belegt. Diese umfasste mindestens drei Behandlungswochen m it zehn wöchentlichen Therapiesitzungen (Breitenstein, Grewe, Flöel, Ziegler, Springer, M artus, H uber, W illmes, Ringelstein, Haeusler, Abel, G lindem ann, Dom ahs, Regenbrecht, Schlenck, Thom as, O brig, de Langen, Rocker, W igbers, Rühm korf, H em pen, List & Baumgaertner, 2017). Problematisch ist jedoch, dass viele Betroffene wesentlich weniger Therapie erhalten (z. B. Korsukewitz, Rocker, Baumgärtner, Flöel, Grewe, Ziegler, Martus, Schupp, Lindow & Breitenstein, 2013). U m diese Soll-Ist-Differenz der Therapiefrequenz zu überwinden, bietet sich der Einsatz softwarebasierter Therapien an (Radermacher, 2009). So wurde bei spielsweise auch in der multizentrischen Versorgungsstudie neben den Einzelund G ruppentherapien ein mindestens fünfmal wöchentlich stattfindendes Ei gentraining am C om puter eingesetzt (Breitenstein et al., 2017). D am it wird die Relevanz geeigneter Programme deutlich. Das Angebot softwarebasierter Programme für die Aphasietherapie ist jedoch nach wie vor begrenzt. Insbesondere in Bezug auf Software m it kom m unikativ pragmatischer Ausrichtung wird das Potenzial noch nicht annähernd ausge schöpft. Diese Forschungs- und Versorgungslücke galt es zu schließen. Das war das Anliegen der vorliegenden Arbeit. M it dem Kommunikativ-pragmatischen Screening fü r Patienten m it Aphasie (KOPS) (G lindem ann & Ziegler, 2011) lagen bereits interessante, alltagsrelevan te Aufgabentypen vor. Die große Herausforderung dieser Arbeit war es, diese attraktiven Aufgabentypen in eine Software zu implementieren und ein soft warebasiertes kommunikativ-pragmatisches Ü bungsprogram m für die Aphasietherapie zu entwickeln, das auch außerhalb der klassischen Face-to-Face- Therapie eingesetzt werden kann. M it diesem Programm sollen die Partizipati onsmöglichkeiten an der Gesellschaft verbessert werden können. Dieses Ziel wurde durch die Entwicklung der Applikationen fü r kommunika tiv-pragmatische Aphasietherapie (AKOPRA ) umgesetzt. Dabei handelt es sich um insgesamt vier Applikationen, m it denen alltagsrelevante Aufgabentypen trainiert werden können. Gleichzeitig werden dam it M öglichkeiten aufgezeigt, wie m o derne IT-Technologie gerade für komplexe Rehabilitationsansätze gewinnbrin gend genutzt werden kann. Außerdem wird hier ein Beitrag zur Methodenviel falt innerhalb der Aphasietherapie geleistet. D enn m it AKOPRA soll die klassi sche Face-to-Face-Therapie nicht ersetzt, sondern ergänzt werden. N ach der Entwicklungsphase war es ein weiteres Ziel dieser Arbeit, das Pro gramm im Rahm en einer Proof-of-Principle-Studie auf dessen Praktikabilität hin zu erproben. 28 Im Anschluss soll ein Überblick über den Aufbau der vorliegenden Arbeit gege ben werden. Diese gliedert sich in sechs große Themenbereiche: So werden zunächst die theoretischen Grundlagen dargestellt, die für das Verständnis von Aphasien wichtig sind und für die Konzeption des softwarebasierten Therapieprogramms benötigt wurden. Anschließend wird der Entwicklungsprozess beschrieben, be vor die Darstellung von AKOPRA erfolgt. Die sich anschließenden Kapitel be ziehen sich auf die praktische Erprobung des Programms. Die daraus resultie renden Ergebnisse werden im Diskussionskapitel interpretiert, diskutiert und auf die theoretischen Darstellungen bezogen. Abschließend werden die Resultate zusammengefasst und der weitere Forschungsbedarf aufgezeigt. Im Folgenden wird eine detailliertere Übersicht zu den einzelnen Kapiteln gegeben. In Kapitel 2 wird zunächst das Krankheitsbild der Aphasien dargestellt. An schließend werden Prozesse der intakten Sprachverarbeitung erläutert und aphasische Symptome modelltheoretisch verortet (Kapitel 3). D ann wird im H inblick auf die kommunikativ-pragmatische Ausrichtung der entwickelten Software auf Grundlagen kom m unikativen Handelns eingegangen (Kapitel 4), bevor in Kapi tel 5 die Auswirkungen einer Aphasie auf alltägliche Kommunikationsprozesse und mögliche psychosoziale Folgen dieser zentralen Sprachstörung thematisiert werden. Kapitel 6 bezieht sich auf die M öglichkeiten nonverbaler Kom m unika tion bei Aphasie, die in einigen Therapieansätzen und auch in AKOPRA genutzt werden. Die drei sich anschließenden Kapitel beziehen sich konkret auf die Be handlung von Aphasien. Dabei wird zunächst im Rahm en der Behandlungs grundlagen auf verschiedene Leitlinien eingegangen, um anschließend die aktu elle Versorgungssituation darzustellen und beurteilen zu können (Kapitel 7). In den Kapiteln 8 und 9 wird die Diagnostik und Therapie von Aphasien fokus siert. Dabei stehen neben einem allgemeinen Überblick jene Verfahren im Fo kus, die für die Entwicklung des vorliegenden Therapieprogramm s eine beson dere Rolle spielten oder in der Therapiestudie Verwendung fanden. Kapitel 10 ist der softwarebasierten Therapie gewidmet. Im M ittelpunkt steht hierbei die Vorstellung bereits erhältlicher Therapieprogramm e, da sich hieraus die bereits skizzierte Forschungs- und Versorgungslücke ergab. Nachdem die theoretischen Grundlagen beschrieben sind, rücken nun die Konzeption und Darstellung der Applikationen fü r kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie in den Fokus. So wird in Kapitel 11 auf die Entwicklung einge gangen, indem u. a. die Zielsetzung von AKOPRA sowie die Erstellung des M a terials und der Software thematisiert werden. Im Anschluss erfolgt in Kapitel 12 die Darstellung des entwickelten Therapieprogramms, wobei zunächst das Ge samtkonzept erklärt wird, bevor es um die Beschreibung der einzelnen Aufga bentypen geht. 29 Die folgenden Kapitel beziehen sich auf die praktische Erprobung der vor liegenden Therapiesoftware. Hierbei werden zunächst die zugrunde liegenden Fragestellungen erläutert (Kapitel 13), um anschließend in Kapitel 14 die M e thodik der Therapiestudie zu beschreiben. Die Ergebnisse finden sich in Kapi tel 15. D arauf folgend widm et sich Kapitel 16 der Interpretation der Ergebnisse und der Beantwortung der Fragestellungen. Im Fazit (Kapitel 17) werden die relevantesten Ergebnisse dieser Arbeit auf die praktische Anwendung bezogen. Die Arbeit schließt in Kapitel 18 m it einem Ausblick. H ierin wird zukünftiger Forschungsbedarf hinsichtlich der praktischen Erprobung von AKOPRA und auch in Bezug auf inhaltliche W eiterentwicklun gen aufgezeigt. 30

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Zusammenfassung

Software für Kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie – passt das wirklich zusammen? Dieser Frage geht Cornelia Zeller im vorliegenden Buch nach. In diesem Buch erhalten Sie zunächst fundiertes Wissen über das Krankheitsbild und die Behandlung von Aphasien. Anschließend geht Cornelia Zeller auf die theoriebasierte Entwicklung der Applikationen für kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie (AKOPRA) ein, die an das Kommunikativ-pragmatische Screening für Patienten mit Aphasie (KOPS) angelehnt sind. Daraufhin wird die Therapiestudie dargestellt, in der das Übungsprogramm auf seine Praktikabilität hin überprüft wurde. In diesen Kapiteln werden u.a. die Ergebnisse zur Anwendbarkeit von AKOPRA sowie zur Effektivität geschildert. Von diesem Buch können in Praxis oder Klinik tätige Sprachtherapeutinnen und Sprachtherapeuten profitieren, da neben der theoretischen Fundierung viele praktische Hinweise zur Anwendung von AKOPRA gegeben werden. Darüber hinaus können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende Anknüpfungspunkte für weitere Forschungsarbeiten finden.