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15 Ergebnisse in:

Cornelia Zeller

Softwarebasierte Aphasietherapie, page 238 - 323

Entwicklung und Erprobung des kommunikativ-pragmatischen Übungsprogramms AKOPRA

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4167-3, ISBN online: 978-3-8288-7034-5, https://doi.org/10.5771/9783828870345-238

Tectum, Baden-Baden
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15 Ergebnisse H ier werden die Ergebnisse der Therapiestudie vorgestellt, die sich auf die in Kapitel 13 dargestellten Fragestellungen beziehen. Dabei wird von Kapitel 15.1 bis Kapitel 15.4 auf die Anwendbarkeit und Hilfsstufenanalyse der einzelnen M odule eingegangen. Hierfür wurde die jeweils erste Therapiesitzung m it den einzelnen M odulen von allen Probanden nach spezifischen Kriterien ausgewertet. In den jeweiligen U nterkapiteln zur An wendbarkeit wird dargestellt, wie die vorgestellten Probanden die Items der Therapiemodule von AKOPRA lösten und in der Hilfsstufenanalyse geht es um die N utzung der in die Applikationen integrierten Hilfsstufen sowie um deren Ef fektivität. W eiterhin bezieht sich Kapitel 15.5 auf die U ntersuchung von Z u sammenhängen zwischen KO PS und AKOPRA, Kapitel 15.6 umfasst die Ergeb nisse der Effektivitätsuntersuchungen und in Kapitel 15.7 wird auf die Ergebnis se des Probandeninterviews zur Bewertung von AKOPRA eingegangen. 15.1 Modul 1: Sprachverständnis 15.1.1 Anwendbarkeit Von M odul 1 konnte jeder der Probanden innerhalb der ersten Therapiesitzung alle Items bearbeiten. Das impliziert auch, dass die Arbeit m it diesem M odul bei keinem Probanden vorzeitig auf Basis eines Abbruchkriteriums beendet werden musste. Bei den Probanden 1, 2, 3 und 5 konnten alle 50 Items bewertet werden, wohingegen bei Proband 4 ein Item von der Beurteilung ausgeschlossen werden musste. Dies ist darauf zurückzuführen, dass er die Applikation während der Be arbeitung eines Items geschlossen hatte, woraufhin dieses nicht gewertet werden konnte. 237 Einen Überblick über die Gesamtpunktwerte, welche die einzelnen Proban den während des ersten Durchgangs m it diesem M odul erhielten, gibt Tabelle 52. H ier ist zu erkennen, dass die Probanden 1 und 5 alle Items ohne Hilfe kor rekt lösten und somit die M aximalpunktzahl erzielten. D en niedrigsten Punkt wert erhielt Proband 3 m it 173 Punkten. T abelle 52: E rreichte G esam tpunk tw erte in M o d u l 1. A ngegeben s in d die absoluten Z ahlen u n d in K lam m ern der erreich te Prozentsatz der M axim alpunktzah l. N ich t alle P ro ban den bearbeiteten alle Item s. Proband 1 Proband 2 Proband 3 Proband 4 Probandin 5 200/200 (100 %) 197/200 (99 %) 173/200 (87 %) 179/196 (91 %) 200/200 (100 %) Aus welchen einzelnen Punktwerten sich diese Gesam tpunktwerte zusammenset zen, ist in Abbildung 23 ersichtlich. 1 2 3 4 5 Probanden ■ P u n k tw e rtO » P u n k tw e r t l B P u n k tw e r t2 « P u n k tw e r t3 P u n k tw e rt4 A bbildung 23: Punkteverteilung M o d u l 1 in Prozent In Abbildung 23 zeigt sich, dass alle Probanden m ehr als 75 % der Items ohne Hilfe korrekt lösten und somit Punktwert 4 erhielten. Punktwert 0, der vergeben wird, wenn in der letzten Hilfsstufe ein Ablenker oder eine weitere Hilfe ange tippt wird, ist nur in den Punktesäulen von Proband 3 (bei 6% der Items) und Proband 4 (bei 2 % der Items) vertreten. 238 W eiterhin erfolgte, wie in Tabelle 53 zu sehen, ein Vergleich der Bearbeitungs zeit, welche die einzelnen Studienteilnehm er für das Lösen aller Items benötig ten. Die kürzeste Bearbeitungsdauer wurde für Proband 1 und die längste für Proband 3 gemessen, der auch den niedrigsten Gesam tpunktwert erzielte. T abelle 53: B earbeitungszeiten M o d u l 1 in M in u ten (auf ganze M in u ten gerundet) Proband 1 Proband 2 Proband 3 Proband 4 Probandin 5 21 Min. 23 Min. 37 Min. 31 Min. 31 Min. Darüber hinaus gibt Tabelle 54 einen Überblick über die Anzahl und A rt der produzierten Fehler. H ier wird deutlich, dass die Probanden 1 und 5 alle Items korrekt lösten und Proband 4 m it 20 % den höchsten Anteil an m it Fehlern bearbeiteten Items aufwies. Bei Betrachtung der insgesamt aufgetretenen Fehler fällt auf, dass Proband 4 bei einigen Items mehrere Fehler produzierte. D enn hier ist die absolute Anzahl an erzeugten Fehlern höher als die Gesamtzahl der Items, die m it Fehler bearbei tet wurden. Alle anderen Probanden lösten die Items entweder fehlerfrei oder m it maximal einem Fehler pro Item. Bezüglich der Auftretenshäufigkeit der einzelnen Fehlertypen (unrelatiertesemantische-phonologische Ablenker) ist in der Probandengruppe zu erkennen, dass am häufigsten unrelatierte und semantische Ablenker gewählt wurden (n = jeweils 11). Dabei ist zu beachten, dass aufgrund der Zusammensetzung der Ablenker bei insgesamt 43 Items ein oder mehrere unrelatierte, bei 28 Items ein oder mehrere semantische und bei 13 Items ein phonologischer Ablenker wähl bar sind. Jedoch gelangte keiner der Probanden an eine dieser Kapazitätsgrenzen. T abelle 54: Fehleranalyse M o d u l 1. Z eile 1 bezieht sich au f die Anzahl der Item s, die m it einem o d er m ehreren Fehlern gelöst w u rd en . A ngegeben s in d die absoluten Z ahlen u n d in K lam m ern der Prozentsatz der G esam titem zahl. In den Zeilen 2 bis 4 findet sich die A uftretenshäufigkeit der einzelnen Fehlertypen in absoluten Z ahlen . N ic h t alle P robanden bearbeiteten alle Item s. Proband 1 Proband 2 Proband 3 Proband 4 Probandin 5 Items mit Fehler/n 0/50 2/50 6/50 10/49 0/50 (0 %) (4 %) (12 %) (20 %) (0 %) Gesamtzahl gewählter unrelatierter Ablenker 0 1 3 7 0 Gesamtzahl gewählter sem antischer Ablenker 0 1 3 7 0 Gesamtzahl gewählter 0 0 0 2 0 phonologischer Ablen ker____________________________________________________________________________________________ Darüber hinaus gibt Tabelle 55 Auskunft über die Selbständigkeit, m it der die Probanden die Items des Therapiemoduls bearbeiteten. H ierin ist sowohl die Anzahl der Items eingetragen, die m it therapeutischer Hilfe gelöst wurden, als 239 auch die Art der Hilfe. Bei letzterer wurde zwischen technischer und inhaltlicher Hilfe unterschieden. Dabei bezieht sich die technische Hilfe auf die Bedienung der Applikation. Beispiele hierfür sind, den Probanden dazu aufzufordern, m it dem Pfeilbutton zum nächsten Item zu wechseln, im Falle eines nicht erfolgrei chen Tippversuchs den entsprechenden Button wiederholt anzutippen oder nach Schwierigkeiten bei der Buttonbedienung den Button gemeinsam m it dem Pro banden zu berühren. Die inhaltliche Hilfe bezieht sich hingegen direkt auf die Bearbeitung einzelner Items, indem beispielsweise die bereits von der Applikati on gegebene Hilfe noch einmal wiederholt wird. Ausgeschlossen war jedoch das Lösen der Items für den Probanden. T abelle 5 5 : T herapeu tische H ilfe M o d u l 1. Z eile 1 bezieht sich a u f die A nzahl der Item s, die m it therapeu tischer H ilfe bearbeitet w u rd en . Angegeben s in d die absoluten Z ahlen u n d in K lam m ern der Prozentsatz der G esam titem zahl. Bezogen a u f die absolute Anzahl der m it therapeutischer H ilfe bearbeiteten Item s ist in den Z eilen 2 bis 4 angegeben, w ie häufig die einzelnen H ilfsarten genutzt w u rd en . N ic h t alle P ro ban den bearbeiteten alle Item s. Proband 1 Proband 2 Proband 3 Proband 4 Probandin 5 Items mit therapeutischer Hilfe gesamt 0/50 (0 %) 3/50 (6 %) 5/50 (10 %) 8/49 (16 %) 0/50 (0 % ) Items mit technischer Hilfe 0/0 2/3 5/5 5/8 0/0 Items mit inhaltlicher Hilfe 0/0 1/3 0/5 2/8 0/0 Items mit beiden Hilfsarten 0/0 0/3 0/5 1/8 0/0 W ie anhand der D aten aus Tabelle 55 erkenntlich ist, benötigten die Proban den 1 und 5 keinerlei Hilfe, wohingegen Proband 4 die meisten Hilfestellungen in Anspruch nahm . Bezüglich der Hilfsarten ergab die Analyse für die gesamte Probandengruppe, dass die technische Hilfe die am häufigsten benötigte U nter stützung darstellte. U ntersucht wurde außerdem, ob sich die Bearbeitung der Items während der ersten Therapiesitzung veränderte (siehe Tabelle 56). Hierfür erfolgte ein Ver gleich der ersten fünf M inuten der selbständigen Bearbeitung m it den letzten fünf M inuten. Z u den beurteilten Kriterien zählen die Anzahl der bearbeiteten Items, die erreichten Punktwerte, die benötigte Hilfe durch die Therapeutin und die Auftretenshäufigkeit von Auffälligkeiten, die keine therapeutische Interventi on erforderten. Bei letzteren handelt es sich um fehlerhafte Tippversuche, die z. B. entstehen, wenn Buttons aufgrund zu frühen Antippens nicht reagieren. 240 T abelle 56: E ntw icklung der Item bearbeitung w ährend der ersten T herap iesitzung m it M o du l 1 . V ergleich der ersten u n d letzten fü n f B earbeitungsm inuten der ersten T h era piesitzung. Positive V eränderungen s in d w eiß , negative V eränderungen dunkel grau un terlegt. H ellg rau un terlegte Z ellen zeigen an , dass es keine D y n am ik gab. Proband 1 Proband 2 Proband 3 Proband 4 Probandin 5 Anzahl bearbeiteter Items erste fün f Minuten 11 10 7 6 11 Anzahl bearbeiteter Items letzte fün f Minuten 13 13 9 9 10 Erreichter Punktwert erste fün fM inuten in Prozent 100 % 98 % 86 % 71 % 100 % Erreichter Punktwert letzte fün fM inuten in Prozent 100 % 100 % 97 % 89 % 100 % Items mit therapeutischer Hilfe erste fün fM inuten in Prozent 0 % 20 % 14 % 100 % 0 % Items mit therapeutischer Hilfe letzte fünf Minuten in Prozent 0 % 0 % 11 % 0 % 0 % Items mit Auffälligkeiten e rs te fün fM inu ten in Pro zent 27 % 10 % 14 % 0 % 9 % Items mit Auffälligkeiten letzte fün f Minuten in Pro zent 0 % 0 % 11 % 56 % 0 % W ie in Tabelle 56 zu sehen, steigerten, m it Ausnahme von Probandin 5, alle Pa tienten die Anzahl bearbeiteter Items innerhalb der ersten Therapiesitzung. W ei terhin kam es bei den Probanden 2, 3 und 4 zu einem Anstieg der erreichten Punktwerte, wohingegen bei den Probanden 1 und 5 aufgrund eines Deckenef fekts keine Steigerung m ehr möglich war und die Punktwerte unverändert blie ben. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei einem Vergleich des therapeutischen Hilfsbedarfs. W ährend die Probanden 2, 3 und 4 diesen am Therapieende redu zieren konnten, blieb dieser bei den Probanden 1 und 5 bei jeweils 0 % kon stant. Auch der Anteil an Items m it Auffälligkeiten, die keine therapeutische In tervention erforderten, verringerte sich bei allen Studienteilnehmern, m it Aus nahm e von Proband 4. Insbesondere ist anzumerken, dass dieser bei drei Pro banden 0 % erreichte. Darüber hinaus wurde während der gesamten Itembearbeitung auf den Ein satz von Strategien geachtet: So deutete Proband 2 einmal auf ein Auswahlfoto und äußerte die H ypothe se, ob das Foto das vermutete O bjekt abbilde. W eiterhin zeigten die Proban den 3 und 4 bei jeweils einem Item zwischen Ziel- und Ablenkerfoto hin und her. Bei Probandin 5 fiel auf, dass sie bei m ehr als der Hälfte der Items jeweils beim A ntippen des Auswahlbildes das abgebildete O bjekt benannte. 241 Außerdem war bei zwei Probanden ein aktiver Um gang m it der Lösung zu beobachten. H ierunter ist zu verstehen, dass die von der App präsentierte Lö sung aktiv und für die Therapeutin sicht- oder hörbar vom Benutzer verarbeitet wird. So sprachen die Probanden 2 und 5 bei der Lösungspräsentation von ein bzw. zwei Items das jeweilige Lösungswort nach. Ü ber die Leistungen der einzelnen Probanden hinaus ergab die Datenanalyse, dass alle Items von mindestens vier der fün f Probanden zum Teil m it und teil weise ohne Hilfe korrekt bearbeitet wurden. Das heißt, es liegt kein Item vor, das von keinem der Probanden gelöst werden konnte. A uf eine Itemanalyse wurde im Rahm en dieser Arbeit aufgrund der hierfür zu geringen Probandenan zahl verzichtet. 15.1.2 Hilfsstufenanalyse In M odul 1 stehen insgesamt drei Hilfsstufen zur Verfügung. Z u diesen gelan gen die N utzer entweder durch Antippen des H ilfebuttons oder nach W ahl eines Ablenkers. W ie bereits in Kapitel 12.2.2 erläutert, umfasst die erste Hilfsstufe eine W iederholung des Stimulussatzes m it der dazugehörigen Frage oder eine verkürzte bzw. veränderte Version. Die zweite Hilfsstufe enthält eine semanti sche Beschreibung des Zielitems und in der dritten Hilfsstufe wird entweder eine Geste oder eine Zeichnung präsentiert, die auf das jeweilige Zielitem referiert. Abbildung 24 zeigt, bei wie vielen Items die einzelnen Probanden Hilfen verwendeten und auf welche Weise diese angefordert wurden. l l . durch H ilfebutton durch F e h le r durch K om bina tion Art der H ilfenanforderung ■ P ro b a n d i « P ro b a n d 2 « P ro b a n d 3 « P ro b a n d 4 P ro b a n d in ö A bbildung 24 : A rt u n d H äufigke it der H ilfenan fo rderu ng in M o du l 1. U ntersch ied en w ird, bei w ie vielen Item s eine oder m ehrere H ilfen d u rch den H ilfe b u tto n , du rch Feh ler oder d u rch eine K om b in a tio n von H ilfe b u tto n u n d Fehler angefordert w urden . 16 S 14 1 12 'Ew 10 EB 8 | 6 « 4N < 2 0 242 Es wird deutlich, dass die Probanden 1 und 5 jeweils alle Items ohne Hilfsstufen bearbeiteten, wohingegen Proband 3 im Vergleich bei den meisten Items eine oder mehrere Hilfsstufen nutzte. Zudem fällt auf, dass die Hilfen größtenteils durch Antippen eines Ablenkers automatisch aufgerufen wurden. N eben der Analyse, bei welcher Itemanzahl Hilfen genutzt wurden, ist die Anzahl insgesamt verwendeter Hilfsstufen von Interesse (siehe Tabelle 57). H ier ist zu erkennen, dass die Anzahl der in Anspruch genom m enen Hilfsstufen in nerhalb der Probandengruppe deutlich variierte. T abelle 57: N u tzu n g der H ilfsstufen M o d u l 1. A ngegeben ist die A nzahl insgesam t verw endeter H ilfsstufen in absoluten H äufigkeiten . Proband 1 Proband 2 Proband 3 Proband 4 Probandin 5 0 3 24 16 0 Z ur Ü berprüfung der Effektivität der Hilfen wurde untersucht, wie häufig nach den einzelnen Hilfsstufen korrekt, falsch oder nicht gelöst wurde (siehe Abbil dung 25). 100 c 90 0)S 80 £ 70 » 60 I 50 ? 40

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Zusammenfassung

Software für Kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie – passt das wirklich zusammen? Dieser Frage geht Cornelia Zeller im vorliegenden Buch nach. In diesem Buch erhalten Sie zunächst fundiertes Wissen über das Krankheitsbild und die Behandlung von Aphasien. Anschließend geht Cornelia Zeller auf die theoriebasierte Entwicklung der Applikationen für kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie (AKOPRA) ein, die an das Kommunikativ-pragmatische Screening für Patienten mit Aphasie (KOPS) angelehnt sind. Daraufhin wird die Therapiestudie dargestellt, in der das Übungsprogramm auf seine Praktikabilität hin überprüft wurde. In diesen Kapiteln werden u.a. die Ergebnisse zur Anwendbarkeit von AKOPRA sowie zur Effektivität geschildert. Von diesem Buch können in Praxis oder Klinik tätige Sprachtherapeutinnen und Sprachtherapeuten profitieren, da neben der theoretischen Fundierung viele praktische Hinweise zur Anwendung von AKOPRA gegeben werden. Darüber hinaus können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende Anknüpfungspunkte für weitere Forschungsarbeiten finden.